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TGIF I: Das Jahrhundert-Monster

18. Januar 2019

Es ist mal wieder Zeit für eine Reihe von Kritiken, die – wie schon damals meine Bond-Reihe – immer am Freitag veröffentlicht wird. Denn wie es der Zufall so möchte, hat mir der Weihnachtsmann eine nette kleine Godzilla-Box unter den Weihnachtsbaum gelegt. Darin sind längst nicht alle Filme rund um das Ungeheuer drin, sondern nur eine kleine (aber hoffentlich feine) Auswahl von 12 Filmen. Deswegen starte ich ab jetzt den „Thank Godzilla It’s Friday“-Freitag und arbeite mich brav durch diese Box. Dabei fangen wir natürlich mit dem Original von 1954 an.

Vor der Küste der Odo-Insel in der Nähe von Japan versinkt ein Frachter. Auch mehrere Rettungsschiffe und Fischerboote gehen dort unter. Die Bewohner der Insel befürchten Godzilla, ein Urzeitmonster, dem sie früher Menschenopfer brachten, um es zu besänftigen. Was anfangs noch als Schwachsinn abgestempelt wird, erweist sich bald als Wahrheit: Das Monster Godzilla existiert und greift Tokio an. Professor Yamane (Takashi Shimura) erkennt, dass das riesige Tier Millionen von Jahren im Tiefschlaf lag, aber von Atombomben aufgeweckt wurde und nun einen neuen Platz für sich sucht. Die Regierung ist scheinbar machtlos, doch Dr. Serizawa (Akihiko Hirata) hat etwas erfunden, das helfen könnte: Den Oxygen-Destroyer.

Ich bin mit Godzilla aufgewachsen und habe mich bei meiner Oma von dem Gekreische Godzillas erschrecken lassen. Doch ich muss gestehen, dass ich das Original aus den 50er Jahren jetzt erst zum ersten Mal gesehen habe. Dadurch war meine Erwartung an diesen Film eine ganz andere. Ich war viel Krawall, Geschrei und Zerstörung gewohnt. Aber mit dem Original-Godzilla ist es ein wenig wie mit „Rambo“. Der erste Film ist noch sehr ernst und hat eine tiefliegende Botschaft, während die Fortsetzungen mehr und mehr in Richtung Action gehen.

Natürlich liest man überall, dass „Godzilla“ eine Verarbeitung der Atombomben-Abwürfe und Tests in Japan ist. Dieser Film ist eine Botschaft, die Macht der Atome in Ruhe zu lassen, ansonsten könnte auch noch etwas schlimmeres als Godzilla passieren. Das sind fast wortwörtlich die letzten Worte, die Professor Yamane im Film sagt und sie bleiben einem im Gedächtnis. „Godzilla“ führt uns in erschreckenden Bildern zurück in eine Zeit, die Japan und die Welt 1954 immer noch mit Grauen im Kopf hatte. Wenn man die Verwüstung im Film sieht, die Godzilla anrichtet, denkt man sofort an Hiroshima und Nagasaki. Wenn man die flüchtenden Massen sieht, kommt es einem vor, als würde man eher einen Kriegsfilm anschauen, in dem das Monster nur stellvertretend für Krieg steht. „Godzilla“ ist nicht einfach nur ein Katastrophenfilm, sondern eine klare Ansage, welche Gefahren uns erwarten können. Wie gesagt, ein Film mit Botschaft, wo ich doch nur Monster und kaputte Städte erwartet habe.

Davon mal abgesehen liefert uns „Godzilla“ aber auch die Geburtsstunde des wohl kultigsten Monsters aller Zeiten. Wenn man bedenkt, dass das Vieh ursprünglich einfach nur ein Oktopus sein sollte… aber jetzt haben wir einen Typen im Gummi-Anzug, der kreischend Modell-Städte kaputt haut und auf Modell-Eisenbahnen kaut. Und ja, ich muss sagen, „Godzilla“ ist erstaunlich gut gealtert. Natürlich erkennt man sofort, wenn ein Schiff, ein Lastwagen oder ein Zug nur ein Modell ist, aber es wirkt nie albern. Man schmunzelt zwar, aber die Effekt-Arbeit ist einfach zu gut, um sie nicht auch noch jetzt genießen zu können.

Dazu gibt es dann noch eine tragische Liebesgeschichte zwischen Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), dem Erfinder Serizawa, dem sie versprochen ist, und Marineoffizier Ogata (Akira Takarada), den sie wirklich liebt. Wie gesagt, ich war echt baff… statt nur Monster-Film kriege ich noch Liebesdrama, Plädoyer gegen die Atomkraft und Antikriegsfilm. So viel in nur einem Film. Da kann man dann auch die ziemlich hölzernen Darsteller verschmerzen, die sichtlich Mühe haben, so richtig zu schauspielern. Aber hey, man kann ja nicht alles haben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein Meilenstein, der immer noch relevant und unterhaltsam ist)

13 Kommentare leave one →
  1. 20. Januar 2019 11:43

    Oh, das klingt interessant. Ich werde dich da mal im Auge behalten ☺️
    Wenn es sich um die Box handelt, die ich bei einer “großen Verkaufsplattform” im Interne handelt, sind allerdings die Filme der 1960- bis 1980-er Jahre nicht dabei, was sehr schade wäre, aber vermutlich mit irgendewelche Lizenen und Recht zu tun haben dürfte. In diesen Jahren entwickelte dich “Godzilla” über mehrere Filme zum Mendschen- und insbesondere Kinderfreundlich. Die Filme wurde immer familentauglicher und niedlcher, wenn man es so ausdrücken kann. Aber natürlich prügelete sich Godzilla mit häufig wechselenden Gegnern durch ein wunderbares Miniatur-Japan. Die Tricktechnik verbesserte sich nur marginal, aber das tat dem Spaß keinen Abbruch. Mit “Brut des Teufels” war dann erst einmal Schluß und Godzilla verschwand erst einmal zu einem langen Winterschlaf, um dann etliche Jahre später äußerst schlecht gelaunt und zu neuen bösen Streichen wieder zu erwachen….
    Sollte ich mit meiner Annahme zur Filmbox sehr daneben liegen, vergiss einfach was ich geschrieben habe. Auf jeden Fall freue ich aber auf deinen nächsten Beitrag zu meinem Lieblingsmonster 😎

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2019 22:16

      Das freut mich, dass du dich freust.

      Und ja, was die Box angeht, hast du leider wirklich Recht. Die ganzen 60er bis 80er Jahre sind alle komplett raus. Jetzt kommt nur noch die direkte Fortsetzung von 1955 und danach geht es dann erst wieder mit den 90er-Jahre-Godzilla-Filmen los. Ich werde immer mal schauen, dass ich nach der Box vielleicht noch ein par Klassiker finde. Aber erstmal die Box 😀

  2. 16. Februar 2019 10:04

    Klasse, coole Reihe 😀 An die Godzilla-Filme habe ich mich bisher noch nicht getraut und nun einen der semi-neuen aus Anfang 2000 oder 90er gesehen.Aber die Neugier ist da. Merkt man dem Film hier eigentlich die Miniatur-Stadt an, in der Godzilla rumläuft??

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2019 11:44

      Ja. Absolut. Du merkst die Modelleisenbahn, die Papphäuser und sogar die ferngesteuerten Mini-panzer. Aber gerade hier beim ersten Film gehört das irgendwie einfach dazu. Sieht hier nicht so albern aus, weil die Story wirklich spannend ist.

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