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Filmreise Etappe #17: Fürchtet die Krabbe!

17. Januar 2020

Roger Corman ist der unangefochtene König von Hollywoods Indie-Filmen. Der Mann hat über 50 Filme selbst gedreht und fast an die 400 produziert. Dazu sind so einige bekannte Namen durch die so genannte Corman-Schule gekommen… unter ihnen Ron Howard, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Peter Bogdanovich, aber auch Joe Dante, James Cameron und Jonathan Demme. Wenn man sich so über Corman beliest, wundert es einen schon, dass es in Hollywood keine überlebensgroße Statue von ihm gibt, die ihn und seine Arbeit ehrt. Als Produzent und Regisseur sorgte er für viel B-Movie-Trash, der sich bestens auch für meine Filmreise Challenge eignet. Da ich eh schon immer mal ein wenig mehr in die Welt von Corman eintauchen wollte, war jetzt die beste Gelegenheit. Ausgesucht habe ich mir dann die damals erfolgreichste Produktion Cormans aus dem Jahr 1957 mit dem klangvollen Titel: „Attack of the Crab Monsters“.

Der Plot des knapp über eine Stunde langen Films ist schnell erklärt: Eine Gruppe Wissenschaftler kommt auf eine einsame Insel im Pazifik. Hier sind sie auf der Suche einer verschollenen Gruppe von Forschern, die hier die Auswirkungen der Wasserstoffbombentests erforschen wollten. Schnell müssen die neuen Wissenschaftler erfahren, dass es auf der Insel mit unheimlichen Dingen zu sich geht… riesige Krabbenmonster, die zu dem noch telepathisch mit ihnen kommunizieren können.

Das klingt doch alles aufregend, nicht wahr? Und auch sehr vertraut… ganz klar, hier wird ein wenig in die „Godzilla“-Schneise geschlagen. Immerhin sorgte 1954 und später dann auch 1955 eine riesige atomar mutierte Riesenechse in Japan für Angst und Schrecken. Warum das Gleiche nicht einfach mit Krabben mal ausprobieren? Dabei geht Corman aber weitaus kleiner vor als die Japaner. Statt ganze Städte zu zerstören, bleiben seine Krabbenmonster isoliert auf ihrer kleinen Insel und wollen eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Was seine amerikanisches Kaijus von unserer Lieblingsmonsterechse unterscheidet, ist die Tatsache, dass die hier ziemlich intelligent sind… und wenn sie ihre Opfer fressen auch noch deren Psyche in sich aufnehmen. Ganz ehrlich, damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Auf einmal hört man da die Stimmen der Toten, mit denen die Krabben ihre Opfer aber nur in die Falle locken. Das ist eine sehr interessante Wendung, die den Film durchaus spannend macht.

Man merkt natürlich an allen Ecken und Enden, dass hier jetzt kein sonderlich großes Budget hinter stand, aber Corman macht das Beste daraus… und liefert genug, um das Kopfkino in Gang zu kriegen. Von Erdbeben, unheimlichen Geräuschen und verschollenen Forschern baut sich „Attack of the Crab Monsters“ so langsam von einem klassischen Gruselstreifen zu einem unterhaltsamen Monster-Filmchen auf. Klar, die Charaktere könnten einem eigentlich nicht egaler sein, aber bei welchem Monster-Film ist das schon der Fall?

Insgesamt ist „Attack of the Crab Monsters“ aber wirklich ein erstaunlicher guter Kaiju-Film. Klar, man hätte noch ein bisschen mehr mit den Monstern „spielen“ können, aber gerade weil das geringe Budget nicht so viel Monster-Action zugelassen hat, funktionieren die kleinen Happen erstaunlich gut. Da reicht dann einfach mal der Schatten einer riesigen Krabben-Klaue oder das schaurige Auge oder das Maul… für ein paar Sekunden und schon ist das Bild wieder weg, aber die „Angst“ bleibt im Kopf.

Natürlich ist das jetzt kein Meisterwerk (sonst hätten die intelligenten Krabbenwesen vielleicht irgendwann Godzilla Konkurrenz gemacht), aber jeder, der auf diese Art von Filme steht, wird sich hier für eine Stunde gut unterhalten fühlen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (klassischer, aber vor allem unterhaltsamer Low-Budget-Monsterstreifen)

4 Kommentare leave one →
  1. 17. Januar 2020 17:15

    Neben seinen Trashgranaten, solltest du dir von Corman definitiv mal seine Poe-Verfilmungen mit Vincent Price anschauen. DIe sind größtenteils richtig gut (soweit ich sie gesehen habe).

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2020 19:51

      Danke für den Tipp. Davon habe ich auch schon gehört. Vor allem House Usher… muss ich echt mal gucken, ob ich die Filme finde

      • 17. Januar 2020 20:48

        Eigentlich schade, dass solche Streifen selten von den gängigen Streamingplattformen bedacht werden. Da könnten die durchaus noch von dem einen oder anderen entdeckt werden. Aber „Klassiker“ kommen mir da ohnehin viel zu kurz.

        • donpozuelo permalink*
          19. Januar 2020 13:32

          Absolut deiner Meinung. Ein paar Sachen findet man tatsächlich ganz gut auf YouTube, aber generell wäre es schon schön, wenn die Streamingdienste da mehr solche Angebote hätten.

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