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Filmreise Etappe #70: Die Schändung von Mutter Natur

12. März 2021

Es ist tatsächlich vollbracht. Dies ist nun die letzte Etappe meiner Filmreise, die nicht nur echt sehr viel Spaß gemacht hat, sondern mir auch ein paar Filme nähergebracht hat, die ich sonst wahrscheinlich nie gesehen hätte (und eine gute Ablenkung im Corona-Jahr 2020 war das Ganze auch noch). Am 06. September 2019 ging die Reise passend mit Mia Wasikowska und „Spuren“ los, jetzt hört sie nun also auf… mit dem vielleicht merkwürdigsten Abschluss, den man sich nur vorstellen kann. Denn wenn man die Reise, so wie ich wirklich in chronologischer Reihenfolge macht, beschäftigt man sich in Film 70 mit einem Experimentalfilm… und das ist so eine Kategorie, die ich immer etwas anstrengend finde. Es steckt ja schon in der Bezeichnung drin, dass so ein Experimentalfilm so ganz, ganz anders sein wird, als das, was man so kennt. Welchen Film ich wählen würde, entschied kurzzeitig ein ganz anderer Film. Als ich vor kurzem „Shadow of the Vampire“ sah, fragte ich mich, was der Regisseur eines solch tollen Films eigentlich vorher so gemacht hat. E. Elias Merhige hat in seinem Leben genau drei Filme gemacht. „Shadow of the Vampire“ ist sein zweiter. Danach folgte der Thriller „Suspect Zero“ und das war’s. Merhige ging wieder zurück ans Theater und verabschiedete sich vom Kino. Sein erster Film „BEGOTTEN“ ist nun das „Machwerk“, dass ich mir für diese letzte Etappe meiner Reise durch die Welt des Films ausgesucht habe.

Wir befinden uns in einer kaputten Hütte irgendwo in einem Wald. In einer Ecke der Hütte sitzt ein maskierter Mann und schneidet sich mit einer Rasierklinge den Bauch auf. Irgendwann stirbt der Mann, doch da erscheint aus seinen Eingeweiden eine Frau. Die wiederum befruchtet sich mit dem Samen des toten Mannes und gebiert kurze Zeit später einen Sohn. Die Mutter lässt ihren Sohn, der als erwachsener Mann geboren wird, allein zurück, woraufhin der von Nomaden aufgefunden wird. Für die kotzt er irgendwelches Zeug aus, das die nur gerne annehmen, nur um den Sohn dann anschließend zu verbrennen. Daraufhin kommt aber Mama wieder zurück und erweckt ihren Sohn wieder zum Leben. Die Beiden reisen daraufhin weiter durchs Land, werden aber wieder von diesen Nomaden überfallen. Die töten den Sohn vor den Augen ihrer Mutter, bevor sie die dann vergewaltigen und ebenfalls töten. Daraufhin kommt eine andere Gruppe, nimmt die Überreste und vergräbt diese… und an der Stelle des Grabes wachsen nach einiger Zeit die schönsten Blumen. Ende…

Das ist „Begotten“. Was ich hier in einem etwas längeren Absatz aufgeschrieben habe, dürfte wahrscheinlich auch in etwa der Länge des Drehbuchs entsprechen. Denn „Begotten“ kommt ohne Dialoge aus und ohne eine wirkliche Handlung. Doch schon hier beginnt natürlich das Experimentelle… denn hinter all dem steckt eine „tiefere“ Bedeutung, die man sich als schlauer Mensch dann aber irgendwie selbst erschließen muss. Der Mann, der sich tötet, wird in den Credits als „God Killing Himself“ bezeichnet. Die Frau, die aus ihm geboren wird, ist „Mother Earth“ und ihr Sohn einfach nur „Son of Earth – Flesh on Bone“. Tod und Wiedergeburt, Gott erschafft die Erde, die Erde gibt seinen Bewohnern Fleisch, doch die Bewohner der Erde schänden die Mutter, die sie nährt, schänden ihr eigenes Fleisch und Blut, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Keine Ahnung… wenn man wollte, könnte man das mit Sicherheit in „Begotten“ reininterpretieren, aber wer hat schon Zeit für sowas?

Im Fall von „Begotten“ hat man aber sehr gut die Zeit dafür, gerade in den Phasen, in denen man einfach gar nicht weiß, was man da gerade sieht. Denn natürlich ist auch die Machart des Films sehr experimentell. Das Ganze ist in Schwarz-weiß gedreht (weil künstlerisch wertvoller als Farbe). Dieses Schwarz-weiß ist zudem extrem grobkörnig und teils auch so stark überbelichtet, dass man entweder nur schwarz oder grelles Weiß sieht. Dazu werden die Szenen extrem in die Länge gezogen und mit Wackelkamera-Bildern „verfeinert“ und mit merkwürdigen Gegenschnitten wird das, was man erkennen kann, unerträglich und teils auch unerkenntlich gemacht.

Merhige scheut dabei aber trotzdem nicht, das Ganze an den „richtigen“ Stellen auch sehr grafisch zu machen, sei es nun Gott, der sich gefühlt zehn Minuten lang selbst zerstückelt und ihm danach der Kot die Beine runterfließt. Oder Mutter Natur, die in einer schwindelerregenden Abfolge von Wackelbildern und einem Kopfschmerzen erzeugenden Hin und Her aus Schnitten vergewaltigt wird. Im Namen der Kunst lebt Merhige hier seine göttliche Fantasie aus… und das Ganze wirkt halb so, als würde man sich einen Snuff-Film anschauen, denn auf eine eklige Art und Weise wirkt das alles zu realistisch, auch wenn Merhige das Ganze hinter seiner merkwürdigen Optik und den schnellen Schnitten und verwackelten Bildern versteckt.

„Begotten“ geht etwas über eine Stunde, aber das hat mir echt gereicht. Der Film hat mich irritiert, verwirrt, schockiert und angewidert. Nicht unbedingt der passende Film, um diese Filmreise zu beenden, aber okay… faszinierend finde ich auch, dass ihm irgendjemand danach Willem Dafoe und John Malkovich für seinen nächsten Film zugetraut hat.

Aber gut, das war’s… Filmreise beendet. Und auch wenn dieser Film jetzt nicht so sonderlich toll war (Untertreibung des Jahres), war das Ganze insgesamt eine echt tolle Erfahrung, die ich jedem nur ans Herz legen kann. Man muss ja nicht mal drüber schreiben, aber man entdeckt so doch ein paar sehr interessante Filme.

Nach „James Bond“ und „Godzilla“ beende ich nun meine dritte große Reihe auf diesem Blog… aber keine Sorge, nach einer kleinen Pause (um mal ein paar Artikelleichen wiederzubeleben, die schon zu lange in meinem Artikelkeller lagern) geht es weiterhin. Ich habe da schon was im Auge…

Wertung: 2 von 10 Punkten (anstrengend-eklige „Sorgt euch um Mutter Natur“-Metapher auf Film gebannt – dann doch lieber Aronofskys „mother!“)

4 Kommentare leave one →
  1. 7. April 2021 13:44

    Du guckst ja Sachen… 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. April 2021 09:54

      🤣🤣🤣 Ja, es war nicht einfach. Aber für die Filmreise nötig. Von daher…

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