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Blinde Flucht

16. Januar 2019

Kann es sein, dass manche Menschen immer dümmer und dümmer werden? Oder ist Social Media Schuld daran, dass Leute verzweifelt versuchen, durch irgendwelche Aktionen ihre schnellen 15-Minuten-Ruhm abzugreifen? Ich meine, niemand würde auf die Idee kommen, sich einen Feuerwehrschlauch um den Bauch  zu binden, um dann von einem Hochhaus zu springen… nur weil es bei John McClane so verdammt cool aussah. Doch heutzutage sind die Leute scheinbar anders geschnitzt. Das geht dann soweit, dass dieses dummen, dummen Menschen die „Bird Box Challenge“ machen. Sie stellen Sandra Bullock in ihrem neuen Film „Bird Box“ nach, in dem sie sich (und leider auch ihren Kindern) die Augen verbinden und so blind durch die Gegend laufen. Warum nur? Was bewegt diese Menschen? Hätten dann nicht diese Leute auch mal die „A Quiet Place Challenge“ machen können? Einfach mal die Fresse halten? Das wäre doch mal was… ich kann bei sowas immer nur den Kopf schütteln. Das ist echt ziemlich dämlich. Aber immerhin hat es mich nun endgültig davon überzeugt, mir Bullocks Netflix-Film mal anzuschauen.

Malorie (Sandra Bullock) flieht mit ihren beiden Kindern vor einem uns unbekannten Bösen in einem Boot. Flussabwärts gibt es angeblich Schutz. Bei ihrer Flucht müssen alle drei aber Augenbinden tragen… denn was auch immer da draußen lauert, macht die Menschen wahnsinnig und treibt sie in den Selbstmord. In langen Flashbacks sehen wir, wie alles begann und wie Malorie mit der Hilfe anderer versuchte, diese neue Bedrohung zu überstehen.

Oscar-Preisträgerin Susanne Bier erzählt uns also was von der Apokalypse. „Bird Box“ basiert dabei auf dem Roman von Josh Malerman… und leider merkt man das irgendwie, dass diese Geschichte besser als Roman funktioniert. Ich will nicht sagen, dass ich den Film langweilig fand, aber er hat mich nie so richtig fesseln können. Hauptsächlich ist es ein Survival-Film, bei dem die Menschheit gegen etwas Unbekanntes bestehen muss. Und hier und da gelingt es Bier auch, dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit einzufangen. Aber zu oft verliert sie den Halt zu diesem Gefühl und „Bird Box“ schwächelt dann wieder rum.

Das liegt zum größten Teil auch daran, dass der Film uns eigentlich nicht wirklich was Neues zu erzählen hat. Das Szenario ist das Gleiche wie bei jedem Zombie-Film, jedem Virus-Film, jedem Apokalypse-Film: Eine Gruppe von Menschen muss sich notgedrungen zusammenraufen, um zu überleben. Das geht natürlich nie ohne die üblichen Reibereien und Streitigkeiten, die üblichen Opfer und Liebesgeschichten. Auch „Bird Box“ folgt da einfach nur brav Schema F.

Der einzige Punkt, der den Film dann von anderen unterscheidet, ist die Sache mit dem Augen-Verbinden. Und das ist für mich der Punkt, den der Film noch mehr hätte in den Vordergrund stellen sollen. Man hätte den Zuschauer noch mehr in das Nicht-Sichtbare einführen sollen. Das wäre sicherlich etwas komplizierter gewesen, aber mit einem guten Konzept wäre das bestimmt noch spannender gewesen.

Gut fand ich zumindest, dass uns nichts über die Wesen da draußen erzählt wird. Also einfach so wirklich gar nichts. Wir wissen nie, woher sie kommen, was sie wollen oder wie sie aussehen (obwohl das ja jetzt kaputt gemacht wird, weil Konzept-Bilder der Viecher überall plötzlich auftauchen). Wir brauchen keine langen Erklärungen (ja, ich gucke in deine Richtung, „Aquaman“). Das Unbekannte ist eh immer aufregender, weil es für so viel mehr Kopfkino sorgt.

„Bird Box“ ist eine Mischung aus „A Quiet Place“ und M. Night Shyamalans „The Happening“ – nur ohne eine Erklärung, was es wirklich mit diesen Wesen auf sich hat. Sandra Bullock liefert eine gute Performance in einem recht vorhersehbaren Film ab (jupp… mir ist die Ironie der „Vorhersehbarkeit“ in diesem Film durchaus bewusst), der aber leider auch sehr viele Fragen offen lässt…

Wertung: 5 von 10 Punkten (Im Apokalypse-Genre nichts Neues)

6 Kommentare leave one →
  1. 16. Januar 2019 10:53

    …und „A Quiet Place“ war um Längen besser! Bird Box wirkt einfach viel zu routiniert.

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2019 15:13

      Zu routiniert und auch leider etwas uninspiriert. Die haben dieses coole Konzept und trauen sich nicht, damit mal ein bisschen was zu machen.

      Ich find’s auch echt doof, dass überall jetzt diese Konzeptzeichnungen von den Wesen zu sehen sind. Das macht es einfach noch mehr kaputt

  2. 16. Januar 2019 17:34

    Sag ich doch, so doll war das nicht und ja, die Menschen werden immer dümmer und im Alltag hilfloser als je zuvor.

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2019 20:22

      Diese Dummheit ist immer wieder erschreckender… 😦

      Aber ja, dieser Film war echt nicht dolle

  3. 16. Februar 2019 09:07

    Quiet Place Challenge XD Ha, die sollte es wirklich geben …

    • donpozuelo permalink*
      16. Februar 2019 11:42

      Das wäre wirklich mal was. Eine Woche Quiet Place Challenge 😂 Entspannung pur

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