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Filmreise Etappe #25: Träume eines Regisseurs

3. April 2020

Nummer 25, ein weiterer kleiner Meilenstein der Filmreise-Challenge ist erreicht. Und weil das so ein traumhaftes Ziel ist, soll es heute nach all den Reisen ins Weltall mit „Dune“ und „Enemy Mine“ in die Welt der Träume gehen (ich verkünde auch hier gleich mal, dass ich bei Etappe 26 arg schummeln werde, aber ich kann da nicht anders – nächste Woche dazu mehr 😀 ). Dafür habe ich mir einen Film ausgesucht, den ich schon lange, lange, lange auf meiner Liste stehen habe… einen Film von Akira Kurosawa, den man ja sonst eher mit seinen großartigen Samurai-Filmen verbindet. Doch genau dieser großartige Regisseur hat sich in den 90er Jahren (unter Mithilfe von niemand Geringerem als Steven Spielberg UND George Lucas UND Martin Scorsese) ein ganz besonderes Projekt in die Kinos gebracht: „Akira Kurosawas Träume“ (oder auch einfach nur „Dreams“ oder „Yume“).

In diesem Film erzählt uns Kurosawa acht Geschichten, die von tatsächlichen Träumen des Regisseurs inspiriert wurden. Die wandeln dann von wunderschön märchenhaft (etwa wenn ein kleiner Junge die Hochzeit eines Fuchspaares beobachtet oder Puppengeister einen abgeholzten Pfirischhain wieder zum Leben erwecken), zu schaurig (eine in einem Schneesturm gefangene Truppe oder ein heimgekehrter Offizier, der von seinen gefallenen Kameraden heimgesucht wird), über fantastisch (ein Hobby-Künstler taucht in die Gemälde von Van Gogh ein und trifft dort den Meister selbst, gespielt von Martin Scorsese) bis hin zu postapokalyptisch unheimlich (Atomkraftwerke zerstören Japan, Dämonen wandeln auf der Erde)…

Ich liebe Kurosawas Filme… und mehr denn je ärgere ich mich, dass ich seine „Träume“ erst jetzt geguckt habe. Was für ein atemberaubender Film. Im ersten Augenblick denkt man sich noch: „Okay, das ist doch alles zu episodisch, das kann doch nicht wirklich funktionieren.“ Und ja, es stimmt… es gibt erst zum Ende einige Episoden, die ein klein wenig zusammenhängen. Ansonsten sind die Geschichten schon eher lose… aber zeichnet das nicht irgendwie auch das Träumen an sich aus? Eben ist man noch ein kleiner Junge, der Füchse bei der Hochzeit beobachtet, im nächsten Augenblick ein Bergsteiger und dann wandelt man durch ein kleines Dorf mit Wassermühlen und wohnt einer Beerdigung bei? Träume sind nicht logisch, verarbeiten aber dennoch Dinge, über die man sich sorgt (Atomkraft, Tod), die man gelesen hat (Märchen, Sagen), die man gesehen hat und die einen nicht mehr loslassen (die Gemälde eines Van Gogh).

Kurosawa findet für jeden seiner Träume eine neue Herangehensweise und andere Blickwinkel. Die Kinderträume sind märchenhaft schön, bunt und voller Magie. Je älter der Träumer wird, desto düsterer werden seine Gedankenwelten. Es ist genau diese träumerische Ungewissheit, die „Träume“ so faszinierend macht: Man weiß nie, was für eine Geschichte sich hinter der nächsten Schwarzblende verbirgt. Man ist erst ein wenig orientierungslos und wartet gebannt, was einen erwartet. „Träume“ entwickelt eine hypnotische Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann. Kurosawa tobt sich hier richtig aus, nutzt die Möglichkeiten, sich mit jeder Episode neu zu erfinden.

George Lucas und seine Special-Effects-Asse von Industrial Light & Magic, die ja wahre Künstler sind, erschufen unter anderem die fantastischen Welten von Van Goghs Gemälden. Ishiro Honda, Regisseur des originalen Godzilla-Films, half bei dem Fuji-Weltuntergangsszenario (was man auch deutlich merkt – mit panischen Menschenmassen kennt der Mann sich einfach aus).

„Akira Kurosawas Träume“ ist ein wunderbar entschleunigter Film, der durch die Unvorhersehbarkeit seiner Episoden fasziniert und durch seine Vielfalt von Geschichten wunderbar unterhält. Kein typischer Film, sondern eher eine Kurzfilm-Reihe… aber eine tolle, filmisch eingefangene Traumsequenz.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Kurosawa beweist auch noch im hohen Alter, dass er wirklich ein Meister ist)

4 Kommentare leave one →
  1. 17. April 2020 20:49

    Habe ich im Zuge des Japanuary erst im Januar geschaut und war sehr angetan von dem Film! Nur mit dem Weltuntergangsszenario konnte ich nicht soviel anfangen … V.A. die van Gogh Episode hat es mir schwer angetan. Aber ich bin erst bei der Recherche drauf gekommen woher mir der Künstler so bekannt vorkommt 😉

    • donpozuelo permalink*
      18. April 2020 09:22

      Die Weltuntergangsszenerie war wirklich sehr skurril. Am meisten bewegt hat mich die Geschichte mit den Soldaten…

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