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Mein Freund, der Serienkiller

13. November 2019

Ich war jetzt das erste Mal in einer Art Sneak Preview. Also es war keine richtige Sneak, sondern ein Film aus dem Midnight Programm, wo Freitagnacht Horror-Filme gezeigt werden (ich wusste ehrlich gesagt nicht einmal, dass es so etwas gibt). Für mich war es in diesem Fall aber trotzdem auch ein bisschen eine Sneak Preview, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was mich erwarten würde und ich mal wieder sehr jungfräulich ins Kino gehen konnte. Dieses Midnight Programm wurde mir zudem als etwas verkauft, wo es schön fiese Horror-Filme geben würde. Das stellte sich aber sehr schnell für meinen Besuch als herbe Fehleinschätzung heraus. Was ich zu sehen bekam, war in meiner Fantasie sehr aufregend, in der Realität aber ein stinkend langweiliger Film namens „Beast“.

Die 27-jährige Moll (Jessie Buckley) lebt auf einer kleinen englischen Insel mit ihrer Familie, mit der sie aber nicht so gut klar kommt. Zusätzlich zu den familiären Schwierigkeiten wird die Gemeinde von einem Serien-Mörder heimgesucht, der es auf junge Mädchen abgesehen hat. Just in diesem Augenblick lernt Moll den jungen Pascal Renouf (Johnny Flynn) kennen… und dessen Vergangenheit wirft einige Fragen auf. Könnte Pascal Renouf vielleicht der Killer sein? Anfangs will die verliebte Moll davon nichts hören…

„Beast“ ist ein Film, der definitiv kein Horror-Film ist. Eher ein Thriller. Was an sich ja nicht schlimm ist, wenn es wenigstens ein guter Thriller gewesen wäre. Der Film plätschert gemächlich vor sich hin, ohne auch nur einmal irgendwie eine Art Spannung aufzubauen. Die Charaktere sind allesamt langweilig und öde, wodurch dann auch die Story nie wirklich packend wird. Man hat das Gefühl, da wird einfach immer alles brav abgearbeitet, was man irgendwo mal gesehen hat… nur das es hier ohne Sinn und Verstand gemacht wird. Besonders albern ist da eine Szene, in der Moll von der Polizei in einer Schule verhört wird… irgendwann geht der Strom aus und man erwartet irgendwie Pascal Renouf mit einer Flinte zu sehen, der seine Geliebte befreit. Aber nein, es passiert einfach nichts und alles geht irgendwie weiter.

Jessie Buckley ist noch am besten in diesem Film, versucht sie doch wirklich alle Lebenskrisen von Moll rüberzubringen. Sie spielt sich die Seele aus dem Leib, schreit, leidet und freut sich, aber sie wirkt trotzdem fehl am Platz… denn sie hat niemanden, der sie bei ihrem Schauspiel unterstützt. Discount-PewDiePie Johnny Flynn hat den schlecht geschriebensten Charakter, der mir seit langem untergekommen ist. Er MUSS ständig seinen vollen Namen nennen (warum auch immer), er redet ständig von seinem Business (dabei ist er nur Handwerker) und der Film versucht verzweifelt, ihn geheimnisvoll wirken zu lassen. Was leider nicht funktioniert. Die vermeintliche Beziehung der Beiden kommt auch so überhaupt nicht rüber, weil sich da einfach nichts entwickelt… es passiert halt einfach, weil das Drehbuch es jetzt so braucht.

So plätschert die Story von „Beast“ so langsam vor sich her und zieht sich wie ein Kaugummi… und verspielt dabei so viele tolle Möglichkeiten, die mein Kumpel und ich während des Guckens heiß diskutierten. Möglichkeit Nummer 1… nicht Jack Renouf, der geschäftigte Business-Mensch, ist der Killer, sondern Moll selbst. Es hätte so Sinn ergeben können. Sie hat in ihrer Vergangenheit schon mal ein Mädchen angegriffen und zwischendurch hat sie auch so komische Träume, die so wirken als würde sie unterbewusst die Morde durchleben. Möglichkeit Nummer 2 basiert auf der merkwürdigsten Szene des Films: Moll entdeckt ein dickes, schwarzes Haar an ihrem Hals. Mein Kumpel meinte sofort, sie wäre ein Werwolf… und ab dem Zeitpunkt haben wir nur darauf gewartet, dass das Titel gebende „Beast“ zum Vorschein kommt. Doch Moll war auch kein Werwolf… und so gab es keine glorreiche Auflösung am Ende des Films, keine Überraschungen.

„Beast“ ist einfach nur ein langweiliger Thriller, bei dem nie, wirklich nie Spannung aufkommt. „Beast“ ist ein Film, der keine starken Charaktere liefert (auch wenn sich, wie schon erwähnt, Jessie Buckley alle Mühe gibt). „Beast“ ist kein Biest von einem Film, sondern nur eine kleine Maus, die verzweifelt ein Löwe wäre.

Wertung: 3 von 10 Punkten (nette Bilder, mehr auch nicht…)

Hippies und Zombies

11. November 2019

Das Gerede um eine Fortsetzung zu dem Instant-Kult-Film „Zombieland“ von 2009 wollte nie so richtig abbrechen. Erst war nur die Rede von einem Sequel, dann sollte es doch gleich ein ganzes Franchise werden. Irgendwann kam auch die Idee von einer TV-Serie auf – mit einem anderen Cast, bla bla bla. Zehn Jahre lang ging das irgendwie hin und her… in denen ich, wenn ich ganz ehrlich sein soll, ein wenig das Interesse daran verlor. Das klang mir alles zu sehr nach „Wir haben viele tolle Ideen, aber nicht wirklich etwas Konkretes“. Jetzt ist es tatsächlich endlich so weit… und es fühlt sich weiterhin ein wenig nach „Wir hatten viele tolle Ideen, aber konnten uns nicht für eine entscheiden“ an.

Zehn Jahre nach den Ereignissen aus „Zombieland“ sind Columbus (Jesse Eisenberg), Tallahassee (Woody Harrelson), Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) immer noch zusammen. Doch es kriselt in der kleinen Zombie-Apokalypse-Familie. Die Beziehung zwischen Columbus und Wichita ist nicht so stabil, wie er dachte… und Little Rock braucht Leute in ihrem Alter, bevor sie unter der überväterlichen Fürsorge von Tallahassee zusammenbricht. Also hauen die beiden Frauen ab… nach einem Monat, Columbus hat mittlerweile die quietschig pinke Madison (Zoey Deutch) „gefunden“, als Wichita auf einmal wieder auftaucht: Little Rock ist mit dem Hippie Berkeley (Avan Jogia) durchgebrannt.

Bevor jemand meine Einleitung zu falsch versteht: „Zombieland 2“ ist gute Unterhaltung. Wenn man den ersten Teil mochte, wird man auch Teil 2 gut finden. Nur ist es halt, wie es ist: In zehn Jahren wird der erste Teil im Kopf so groß und die Erwartungen an einen zweiten Teil noch größer. Die Realität kann da dann oft nicht mithalten… zumal „Zombieland 2“ auch einfach ein paar Probleme hat.

Problem Nummer 1 ist leider die Action. Es fängt alles ziemlich gut an, das schöne Slow-Motion-Intro zu sanften Metallica-Klängen wird wie schon im ersten Teil auch hier ein kleines, erste Highlight. Aber irgendwann hört es mit cooler Zombie-Action leider auch auf. Es gibt zur Mitte des Films noch mal eine nette, kleine Szene, aber das war’s. Gegen das Vergnügungspark-Finale im ersten Teil stinkt das Ende von „Zombieland 2“ aber gewaltig ab. Was zu dem auch noch schade ist: Regisseur Ruben Fleischer hat witzige Ideen, was die Zombies angeht, belässt es aber letztendlich nur bei einem Gag in dieser Richtung – ohne das das Potenzial dieser „Entwicklung“ weiter ausgenutzt wird.

Problem Nummer 2 liegt für mich in den Neuzugängen. Fangen wir mal mit Zoey Deutch an. Ufff… die war mir persönlich echt einfach zu anstrengend. Nichts gegen Deutch selbst, sie spielt das super. Sie liefert den perfekten Kontrast zu der sarkastischen Emma Stone. Nur irgendwann ging mir das Haare drehen, das allgemeine Dumm-Sein, das Kaugummi-Kauen und was nicht noch alles, tierisch auf den Keks. Gleiches gilt für einen Gag, der schon im Trailer verballert wurde und selbst da für mich nicht zog: Mit Luke Wilson und Thomas Middleditch tauchen zwei „Doppelgänger“ auf… was irgendwie lustig für zwei Sekunden war, aber sich dann doch zu sehr in die Länge zog.

Problem Nummer 3: Die Hauptgruppe wird auseinander gerissen. Man hat so ein bisschen das Gefühl, dass Abigail Breslin gar nicht mehr im Film sein wollte, weil sie gefühlt nur zehn Minuten drin vorkommt. Emma Stone glänzt auch mehr durch Abwesenheit, zeigt aber in den Momenten, wenn sie da ist, warum sie so wichtig ist. Ihre lakonische Wichita ist einfach super und räumt in diesem Boy’s Club ziemlich gut auf. Dennoch fehlt ihre Präsenz im Film… Eisenberg und Harrelson dürfen dafür ein bisschen mehr abliefern, was sie auch machen. Die Beiden haben eine gute Chemie… auch, wenn Harrelson nicht ganz so cool ist wie im ersten Teil. Ich hatte das Gefühl, er war jetzt einfach nur noch für die Oneliner verantwortlich.

Wie gesagt, ganz rund fand ich „Zombieland 2“ jetzt nicht. Da waren einige interessante Ansätze, die aber nie so wirklich Früchte trugen. Es ist trotzdem ein unterhaltsamer Film, der ein paar gute Lacher hervorbringt… das lange Warten hat sich in meinen Augen aber dennoch nicht sooo gelohnt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Hauptsache, sie kommen nicht in zehn Jahren mit „Zombieland 3“ daher)

Random Sunday #21: Control

10. November 2019

Nachdem ich mich 100 Stunden lang durch „Assassin’s Creed: Odyssey“ gekämpft hatte (nicht immer mit Freude, da irgendwann die Quests sich einfach nur noch wiederholt haben, ich aber unbedingt das Spiel durchspielen wollte / musste), brauchte ich mal was „einfacheres“. Kein Open-World-Spiel, bei dem ich nach 30 Stunden mal wieder zum Hauptquest zurückkehre und schon nicht mehr weiß, worum es eigentlich geht. Ich brauchte mal was neues, was nicht Teil 5000 einer Reihe war. Außerdem brauchte ich was, das mich bei Laune hält, bis endlich „Star Wars: Fallen Order“ rauskommt (an „Death Stranding“ wage ich mich, trotz großer Neugier, noch nicht heran). So fiel meine Wahl dann auch einen Titel, mit dem ich nicht viel anfangen konnte: „Control“.

Als Spieler kontrolliert man die junge Jesse Faden, die nach ihrem Bruder Dylan sucht. Beide hatten vor Jahren ein außergewöhnliches und übernatürliches Erlebnis. Daraufhin wurde Jesses Bruder von dem mysteriösen Bureau of Control entführt. Alleine, nur in Begleitung einer ominösen Wesenheit, die sie Polaris nennt, macht sich Jesse nun auf, die Behörde aufzusuchen. In deren Hauptsitz, dem Ältesten Haus, findet Jesse nur den toten Direktor wieder. Als sie seine Dienstwaffe aufnimmt, ein starkes Machtobjekt, wird sie in eine Astraldimension katapultiert, in der sie einen Test bestehen muss und so zur neuen Direktorin wird. Ausgestattet mit der Waffe und ihrer neuen Position kann sie sich in dem ständig verändernden Haus frei bewegen und ihren Bruder suchen. Gestört wird sie dabei von „The Hiss“, einer Wesenheit aus einer anderen Dimension, die Besitz ergreift von den Angestellten der Behörde. Jesse muss nun alles tun, um hinter das Geheimnis der Hiss, der Behörde und ihres Bruders zu kommen.

„Control“ ist großartig!!! Nehmen wir allein mal nur die Story. Die ist super. Verschiedene Dimensionen, mysteriöse Alltagsgegenstände, die Fähigkeiten haben und von der Behörde untersucht werden – bin ich ja eh Fan von. Das Ganze muss man sich vorstellen, wie die etwas coolere und vor allem düstere Version von „Warehouse 13“. Auch wenn das quasi nur die Nebengeschichte ist, die man sich auf dem Weg durch das Haus selber zusammenbastelt.

Das Älteste Haus selbst liefert einen Irrgarten aus Zimmern und Gängen und plötzlich auftauchenden Räumen, die so nicht existieren dürften. Da lebt „Control“ dieses ganze Dimensionsgedöhns voll aus. Das ist fantastisches Science-Fiction, das Spaß macht und das einen fasziniert. Man kommt aus dem Staunen nicht raus und geht mit offenem Mund in einige Räume und kann, wie Jesse, nicht verstehen, was hier gerade passiert. Die Dimensionssprünge sind toll und kreativ und vor allem bildgewaltig umgesetzt. Das Einzige, was extrem genervt hat, war die unübersichtliche Karte, die eigentlich nie wirklich geholfen hat. Manchmal bin ich einfach nur ewig durch die Gegend gerannt – in der Hoffnung, dann irgendwann mal dahin zu kommen, wo ich hin soll.

Das Aufleveln von Jesse macht Spaß, vor allem weil das Hinzugewinnen von Fähigkeiten a) immer mit einem Trip in die Astralebene verbunden ist und b) wirklich was für den weiteren Verlauf bringt. Und ja, das Schweben macht sauviel Spaß. Seine Gegner mit Gegenständen bewerfen, die man mit Psychokinese bewegt aber auch. Und dann ist da natürlich noch die Dienstwaffe, die sich modifizieren lässt… obwohl ich am Ende meistens nur zwischen der Schrotflinten-Variante und der mit der meisten Schlagkraft gewählt habe.

Allgemein muss ich sagen, war „Control“ was das Kampfsystem angeht, mal schön herausfordernd. Ich bin etliche Male gestorben… aber jedes Mal habe ich was Neues dazu gelernt, was mir dann geholfen hat. Man muss in diesem Spiel alles mit einberechnen. Denn manchmal kämpft man gegen fiese Gegner auf engstem Raum. Und sich einfach nur eine gute Stellung suchen und dortbleiben, funktioniert auch nicht.

„Control“ macht Spaß, sieht toll aus und liefert eine coole Story (bei der ich mich immer ein wenig erwischt habe, mir zu wünschen, man würde das verfilmen – aber eigentlich will ich das nicht wirklich, funktioniert ja eh nicht). Die Kämpfe sind anspruchsvoll, aber es lohnt sich. Davon würde ich mir sogar noch einen zweiten Teil wünschen. Ich will noch mehr zwischen Dimensionen hin und her schweben…

Ach ja… und wir lernen die unglaubliche Wichtigkeit eines Hausmeisters wirklich zu schätzen.

Filmreise Etappe #10: Der denkende Ozean

8. November 2019

Ich habe das erste große Etappen-Ziel dieser Filmreise Challenge erreicht. Mit diesem zehnten Film schließe ich damit die Kategorie Weltreise ab. Für diesen letzten Film habe ich mir etwas ausgesucht, was ich schon lange einmal sehen wollte… die Verfilmung eines Science-Fictions-Romans, den ich schon sehr früh sehr zu schätzen gelernt habe. Ich habe an Stanislaw Lem immer bewundert, dass er sehr das Science in Science Fiction in den Vordergrund gestellt hat. Und sein Meisterwerk ist und bleibt natürlich „Solaris“. Vor Ewigkeiten hatte ich mal die Steven-Soderbergh-Version mit George Clooney gesehen, die ich als recht in Ordnung in Erinnerung habe (aber dringend mal nachholen muss). Um Etappe 10 mit einem osteuropäischen Film zu erfüllen, habe ich mir den Klassiker „Solaris“ von Andrei Tarkowski aus dem Jahr 1972 geschnappt.

Der Psychologe Kris Kelvin (Donatas Banionis) wird auf eine Raumstation geschickt, die um den Planeten Solaris kreist. Dieser wird schon seit Jahrzehnten untersucht… vor allem der Ozean des Planeten interessiert die Wissenschaftler. Als Kelvin jedoch auf der Station ankommt, herrscht dort Chaos. Einer der Wissenschaftler hat sich umgebracht, während sich die anderen beiden sehr merkwürdig verhalten. Bald schon erfährt Kelvin, warum das der Fall ist… denn ihm erscheint plötzlich seine Frau Hari (Natalja Bondartschuk), die eigentlich schon lange tot ist. Und Kelvin ist nicht der Einzige, der Besuch erhält – Besuch, der offensichtlich dank Solaris auf der Station erscheint.

Keine Sorge, ein „Random Sunday“ zu Stanislaw Lems „Solaris“ ist schon geschrieben – lange vor dieser Sichtung. Ich kam nur noch nicht dazu, den Artikel zu veröffentlichen, das nur am Rande.

Ich habe ja immer ein bisschen Angst, wenn ich während des Guckens feststelle, dass ich einen hochgelobten Klassiker so überhaupt nicht gut finde. Dieses Gefühl beschlich mich bei „Solaris“ dann auch noch verdammt früh. Die ersten 45 (!) Minuten spielen noch komplett auf der Erde und geben uns eine leichte Einweisung in die Solaristik (was im Buch immer wieder gemacht wird). Das ist noch ganz nett, aber wird teilweise auf sehr sterile Art und Weise erzählt. Wir sehen immer wieder nur Leute, die was erzählen – bebildert wird da leider kaum etwas. Stattdessen kommt dann auf einmal – aus dem Nichts – eine ewig lange Autofahrt, bevor wir dann mit Kelvin zum Planeten Solaris auftauchen. Ab da wird es dann ein wenig interessanter, immerhin ist das Set-Design sehr schön…

… aber mehr hat mich dann auch nicht ergriffen. Der Film nimmt sich zwar der Themen des Buches gut an, das steht außer Frage. Aber rein inszenatorisch verlässt sich Tarkowski nur auf das gesprochene Wort. Mir ist natürlich durchaus bewusst, dass dieser Film keine Action abliefert kann, soll und muss. Ich habe das Buch mehrfach gelesen, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt. Der Film fühlt sich weniger wie ein Film an, sondern mehr wie ein Vortrag… immer wieder reden die Charaktere einfach nur mit einander. Es wird philosophisch (genau wie im Buch) danach gefragt, was den menschlichen Verstand, was sein Bewusstsein ausmacht. Wie kann es sein, dass dieser Planet, dieser Ozean Dinge zum Vorschein kommen lässt? Und warum blickt er so in die Bewohner der Station hinein und zeigt ihnen ausgerechnet diese bestimmten Dinge? Je mehr die Wissenschaftler versuchen, die Dinge zu begreifen, desto weniger erfahren sie. Das ist alles toll gemacht und spiegelt auch den Geist des Buches wieder… aber rein als Film war mir „Solaris“ dann doch zu unspektakulär.

Tut mir Leid, wenn ich das jetzt so sage… und ich weiß, „Solaris“ ist kein einfaches Buch für einen Film, aber mich hat der Film leider einfach nicht begeistern können. Ich muss mir echt nochmal die Soderbergh-Version anschauen, ob die da was anders macht.

Ich habe mich bei diesem Film auch einfach nie mit in Kelvin reinversetzen können. Die ganze Geschichte mit ihm und Hari wirkte einfach sehr steif, bei einer Laufzeit von knapp drei Stunden bleibt mir Banionis‘ Darstellung zu leblos, als das mich etwas mit dieser Figur verbinden könnte.

Mir blutet ja wirklich das Herz… gerade bei Klassikern. Aber in diesem Fall muss ich doch sagen, dass ich lieber beim Buch bleibe.

Wertung: 4 von 10 Punkten (leider so gar nicht mein Fall…)

Die Liebe auf Seite 28

6. November 2019

Schöne Titel verführen mich sehr dazu, einem bestimmten Film mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ war so ein Fall, wo das damals zum Beispiel sehr gut funktioniert hat. Bei „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ waren am Ende nur die Bilder und der Titel toll, der Rest eher nicht so. Jetzt bin ich mal wieder über einen Film gestolpert, der mich schon beim Titel aufhorchen ließ… und zum Glück, so viel kann ich jetzt schon mal verraten, ist der tatsächliche Film genau so klangvoll und schön wie es sein Titel vermuten lässt: „Porträt einer jungen Frau in Flammen“.

Irgendwann um das Jahr 1770 herum reist die junge Malerin Marianne (Noémi Merlant) auf eine kleine, abgeschiedene Insel. Hier lebt eine alte, italienische Gräfin (Valeria Golino) mit ihrer Tochter Héloïse (Adèle Haenel). Die soll Marianne porträtieren. Eine vermeintliche Aufgabe, die nur einen Haken hat: Das Porträt ist für einen Adeligen aus Mailand, den Héloïse heiraten soll. Von daher verweigert sie sich jedem Maler… und Marianne muss ihr Bild zeichnen, indem sie Héloïse bei ihren Spaziergängen begleitet und beobachtet. Mit der Zeit gewinnt sie das Vertrauen der scheuen Frau und verliebt sich in sie…

Was für ein Film! Was für ein poetischer Film – ohne dabei prätentiös zu sein! Was für ein künstlerischer Film – ohne dabei zu träge zu wirken. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist ein kleines, feines Meisterwerk. Das einfach mal so vorweg. Es ist unglaublich beeindruckend, wie es Regisseurin Céline Sciamma schafft, diese Liebesgeschichte so intensiv und gleichzeitig so gefühlvoll zu erzählen.

So wie Marianne eine begnadete Künstlerin ist, so stellt auch Sciamma das unter Beweis. Gefühlt jedes zweite Bild in diesem Film ist es wert, pausiert und bestaunt zu werden. Sciamma malt selbst kleine Gemälde, die man sich stundenlang anschauen könnte. Sie zwing uns sogar in die Position von Marianne, indem sie uns lange Einstellungen von Adèle Haenels Gesicht zeigt… wir prägen uns ebenfalls jede Kurve ihres Gesichts ein, wir inhalieren sie förmlich. Was jetzt nach einem ewig langen Film mit ewig langen Einstellungen klingt, ist nie so. Sciamma hat ein perfektes Gespür für ihre Bilder, für die Blicke, die sich die Darstellerinnen zu werfen und weiß genau, wie sie ihre kleinen szenischen Gemälde perfekt einsetzt, um uns in diesem Bilderrausch ertrinken zu lassen. Ich weiß, das klingt alles sehr pathetisch, aber es war mir einfach so. Dieser Film hat so eine unglaublich schöne Bildsprache, so eine innere Ästhetik, man kann sich gar nicht satt sehen.

Neben der Ästhetik ist es aber natürlich auch die Geschichte der beiden Frauen, gespielt von zwei wunderbaren Schauspielerinnen. Ihr Zusammenspiel ist unglaublich zart und behutsam, sie wirken nie aufgesetzt, alles an ihnen erscheint gleichzeitig unwirklich und so unglaublich nahbar. Das macht sie ganz besonders und faszinierend. Es sind beides Frauen, die sich gegenseitig brauchen. Zwei Menschen, die etwas in ihrem Leben suchen und es an diesem unmöglichen Ort unter diesen unglaublichen Umständen finden. Auch das klingt wieder sehr pathetisch, aber es fühlt sich alles echt und ehrlich an. Noémie Merlant ist ein Traum – ganz oberflächlich gesagt: Ich war sofort in sie verliebt. Denn ähnlich wie wir Héloïse die ganze Zeit anstarren, so starren wir ihre Marianne noch viel mehr an… und irgendwann verliert man sich in ihren Konturen, in ihren Augen.

Oh Gott… okay… ich höre besser auf. Ihr seht, dieser Film hat mich echt umgehauen, ohne dass ich es je geahnt hätte. Was ich aber an dieser Stelle noch erwähnen möchte, ist das Sound-Design… etwas, worüber ich mir sonst nie groß Gedanken mache. Im ganzen Film gibt es genau zwei Musikstücke: einmal ein kraftvolles A-cappella-Stück von mehreren Frauen und dann etwas aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Sonst herrscht nur das Knarren der Holzdielen, das Streichen des Pinsels über die Leinwand, der Wind und das Meer. Aber gerade die beiden Musikstücke treffen dann auch mit so einer Wucht, das sie einen förmlich umhauen.

Ich habe jetzt nur in Lobpreisungen von diesem Film geschwärmt. Fast schon zu sehr, dass man das hier weniger als Kritik als vielmehr als schwülstigen Liebesbrief bezeichnen muss. Aber es ist halt wie es ist… das war Liebe auf den ersten Blick, ein Film – so bildgewaltig, so zart, so feinfühlig, so wunderbar gespielt… das ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist einfach wunderschön.

Wertung: 10 von 10 Punkten (jedes Bild ein kleines Kunstwerk – toll inszeniert, bewegend gespielt)

Zwischen Himmel und Erde

4. November 2019

Wow… dieses Jahr ist kinotechnisch ein ganz besonderes Jahr für mich. Ohne es so wirklich zu wollen, bin ich doch tatsächlich in meinem zweiten deutschen Kinofilm gelandet. Ich glaube, meine Erfahrung mit „Systemsprenger“ hat mich ein wenig mutiger werden lassen. Weswegen ich dann irgendwie meinem besten Kumpel zugesagt hatte, mit ihm einen weiteren deutschen Film im Kino zu gucken (plus, er hatte Freikarten für den Film, sprich: Keine großen Zusatzkosten. Einem geschenkten Gaul schaut man nun mal nicht ins Maul). So landeten wir dann in „Dem Horizont so nah“ (nicht zu verwechseln mit „Dem Himmel so nah“ mit Keanu Reeves – der hat hier leider definitiv gefehlt).

Die 18-jährige Jessica (Luna Wedler) verliebt sich in das Model Danny (Jannik Schümann). Der geheimnisvolle Schönling verdreht Jessica vollkommen den Kopf und sie stürzen sich in ihre Liebe. Doch das Problem ist nicht etwa Dannys Mitbewohnerin Tina (Luise Befort), die ein sehr inniges zu Danny zu haben scheint. Was die Liebe zwischen Jessica und Danny auf die Probe stellt, ist Dannys tragische Vergangenheit – und die Tatsache, dass er nicht mehr lange zu leben hat, denn Danny ist HIV positiv.

„Dem Horizont so nah“ basiert auf wahren Begebenheiten. Jessica Koch hat all das wirklich erlebt und nun wurde es als Film interpretiert. Dass das alles auf Tatsachen beruht, muss man sich während des Films immer und immer wieder einreden, denn ansonsten denkt man, die übertreiben hier maßlos – der Tragik wegen. Es mag vielleicht vermessen wirken, so etwas gerade in Bezug auf ein Buch zu sagen, das wahre Ereignisse wiedergibt. Aber für „Dem Horizont so nah“ wäre definitiv – nein, das muss in Capslock: DEFINITIV – weniger mehr gewesen. Der Film fühlt sich an, als würde man Drama über Drama häufen: Danny wurde als Kind von seinem eigenen Vater missbraucht, hat dadurch HIV und wird schon bald sterben müssen. Seine Mitbewohnerin Tina hat ein ähnliches Schicksal erlitten – bei ihr kommt nur noch dazu, dass sie drogenabhängig ist. Allein der Tina-Storystrang kommt im Film gar nicht so richtig zur Geltung. Eigentlich ist sie nur dafür da, um ein bisschen für „Stunk“ in der Liebe zu sorgen.

Der Film kratzt die wirklich krassen Themen gefühlt nur deswegen an, damit das hier nicht einfach nur eine „normale“ Liebesgeschichte ist. Wirklich tiefgründig wird das Ganze leider nie – überfrachtet seinen Zuschauer nur mit jeder weiteren Szene mit mehr Drama. Eine richtige Entwicklung in der Geschichte kommt nie zustande. Es ist einfach zu viel und wird immer höher gestapelt. In Buch-Form ist das sicherlich gut gemacht, in Film-Form ist das einfach nicht möglich.

Außerdem hat der Film für mich das Problem, dass er einfach keine richtige Emotionalität aufbauen. Das liegt an dem unmöglichsten Stilmittel des Films: Wenn es zu einer emotionalen Szene kommt, dann wird aus all dem plötzlich einfach nur ein Musikvideo. Nach dem Motto. „Man füge Random Pop-Song Nr. 357 ein, lasse ein paar schöne Bilder dabei laufen und schon haben wir etwas Emotionales erschaffen.“ Ich weiß nicht… ein paar Reihen hinter uns saß zwar jemand, der Rotz und Wasser geheult hat, aber mich hat das irgendwann einfach nur genervt. Ich bin ja ein „Fan“ trauriger-romantischer Filme, aber „Dem Horizont so nah“ hat sich da nicht wirklich Mühe gegeben… und das auch schauspielerisch.

Luna Wedler ist da noch diejenige, die man lobend erwähnen muss. Die spielt sich wirklich die Seele aus dem Leid und leidet, liebt und hofft intensiv und überzeugend. Sie hat nur das Problem, dass Jannik Schümann nur schön ist. Mehr macht er in diesem Film nicht. Er hat einen Blick drauf („Zoolander“ lässt grüßen)… und wenn er ganz angestrengt versucht zu schauspielern, wirkt er dennoch sehr steif. Ich weiß auch nicht, er hat mich mehr an eine schlechte Version von Robert Pattinson aus „Twilight“ erinnert. Ich glaube, wenn Wedler einen stärkeren Partner gehabt hätte, hätte das viele der Drehbuch-Fehler aufwerten können.

Deutscher Kino-Film Nr. 2 dieses Jahr war nicht so der Hit. Es ist Durchschnittsware, die ihrer eigenen Geschichte (die wirklich heftig ist) nicht gerecht werden kann.

Wertung: 4 von 10 Punkten (gute Hauptdarstellerin, die sich gegen ein liebloses Drehbuch zu wehren versucht)

Filmreise Etappe #9: Frauen und Koffer

1. November 2019

Ich habe es ja schon mal erwähnt (irgendwann mal), dass Gillian Anderson mein erster großer Celebrity Crush gewesen ist. Heute, mit Weltreise-Etappe Nummer 9, kommen wir zu meinem zweiten Celebrity Crush: Penelope Cruz. Angefangen hat das zuerst mit einem meiner absoluten Lieblingsfilme „Vanilla Sky“… und ging dann über zu „Vicky Cristina Barcelona“. Doch danach hört es ehrlich gesagt bei Filmen mit ihr für mich schon fast wieder auf. „Zoolander 2“ und „Fluch der Karibik 4“ zähle ich irgendwie nicht mit… Deswegen war es jetzt mal an der Reihe einen Film zu schauen, den ich schon seit Ewigkeiten bei mir im Regal zu stehen hatte: „Zerrissene Umarmungen“ von Pedro Almodóvar.

Der blinde Drehbuchautor Harry Caine (Lluis Homar) wird durch den Tod des Millionärs Ernesto Martel (José Luis Gómez) an sein früheres Leben erinnert… damals als er noch sehen konnte, als er noch der Regisseur Mateo Blanco war und seine erste Komödie „Frauen und Koffer“ drehen wollte. Damals als er sich unsterblich in seine schöne Hauptdarstellerin verliebte, Lena (Penelope Cruz). Problematisch wird diese Liebe vor allem deshalb, weil Lena eigentlich mit Martel liiert ist, der nicht nur Produzent des Films, sondern auch krankhaft eifersüchtig ist.

Okay, okay… keine Sorge. Ich werde jetzt nicht zum Cruz-Fanboy und diese gesamte Kritik nur auf sie beziehen. Aber sie ist schon der Hammer. Natürlich ist sie eine wunderschöne Frau, die – wie im Film ja auch erwähnt wird – wirklich ein bisschen was von Audrey Hepburn hat. Aber Senora Cruz sieht eben nicht nur hübsch aus, sondern kann auch toll schauspielern. Und so ehrt sie Almodóvar mit einer tollen Performance irgendwo zwischen femme fatale und Damsel in Not. Ich mochte ihre Lena wirklich sehr, weil man sie eben nicht so wirklich einordnen konnte. Ihre Lena tut fürs Überleben alles – und Almodóvar braucht nicht viele Worte oder gar Szenen, um uns zu zeigen, was das beinhaltet. Es reichen kurze Augenblicke und es ist alles gesagt. Dennoch ist allein schon Lena sehr faszinierend, weil sie eben den Männern den Kopf verdreht… aber ohne, dass sie das kaltblütig macht. Martel ist für sie ein Mittel zum Zweck, Blanco die Liebe – und wie sie sich da raus windet, ist spannend zu sehen.

Jetzt habe ich schauspieltechnisch natürlich nur von Cruz geschwärmt, aber selbstverständlich ist auch Lluis Homar, der Mann, um den es hier geht, auch wunderbar.

Zumal wir das Ganze eben von Harry Caine in Rückblenden erzählt bekommen. Da baut sich „Zerrissene Umarmungen“ wie eine Mischung aus film noir, Komödie, Romanze und Melodram auf. Ein Mix, der nicht immer so gut greift – gerade die ganze Geschichte mit Martels schwulem Sohn wird nie so richtig ausgebaut. Eigentlich dient das Ganze nur dazu, um die Erinnerungen von Blanco anzustoßen, damit der dann diese Geschichte erzählt. Aber das ist nur ein kleiner Punkt, den man übersehen kann, da der Rest einfach gut erzählt ist und mit starken Darstellern besetzt ist.

Es ist für mich irgendwie schwer in Worte zu fassen, aber „Zerrissene Umarmungen“ hat mich von Anfang an gepackt. Das jetzt nicht nur wegen Penelope Cruz… in diesem Film schwingt so eine Lockerheit mit, mit der Almodóvar scheinbar mühelos dramatische Momente mit komischen verbindet und uns dann auf eine kleine Krimi-Reise führt, was denn nun passiert ist, das Harry Caine erblindet. Das ist tatsächlich das, was einen am Ende am meisten antreibt, was man am Ende unbedingt erfahren will. Das all das mit Lena und Martel zusammenhängt, ist klar. Doch die Suche nach dem „Warum“ inszeniert Almodóvar spannend.

„Zerrissene Umarmungen“ hat alles für einen aufregenden Film-Abend. Es ist ein Krimi, es ist ein Liebesfilm – es ist aber auch ein Film über das Filme-Machen. Rund um gute Unterhaltung also…

Wertung: 8 von 10 Punkten (Spanien hätten wir nun also auch abgedeckt – mit einem tollen Film)

I’ll be back, die Sechste

30. Oktober 2019

Die alten Action-Opas können es einfach nicht lassen. Stallone ist mittlerweile 73, was ihn aber nicht davon abhält, noch einmal Messer wetzenden in „Rambo 5“ durch die Gegend zu rennen. Schwarzenegger ist 72 Jahre alt und ist auch immer noch fröhlich dabei, seine alten, alten Charaktere am Leben zu erhalten. Ich hoffe ja immer noch sehr auf einen alten Conan, der uns irgendwann mal versprochen wurde. Bis dahin begnüge ich mich damit, dass Arnie nun schon zum fünften Mal den T-800 spielt (wir erinnern uns, dass es in „Terminator 4“ ja nur eine billige Arnie-CGI-Puppe war, die da mal kurz Richtung Kamera stapfte). Doch wie nötig haben wir noch einen „Terminator 6“? Die einfache Antwort: Nicht wirklich, aber es macht erstaunlicherweise trotzdem Spaß.

27 Jahre sind vergangen, seit Sarah Connor (Linda Hamilton) die Apokalypse aufhielt und die unheimliche Zukunft, die von den Maschinen Skynets kontrolliert wurde, zunichte machte. Doch wie wir schnell lernen meint es das Schicksal einfach nicht gut mit der Menschheit. Denn nur weil es Skynet nicht mehr gibt, wird die Zukunft nicht automatisch besser. Eine andere künstliche Intelligenz nimmt Skynets Platz ein und das ganze Spiel beginnt von vorne. Dieses Mal kommt die künstlich verbesserte Supersoldatin Grace (Mackenzie Davis) aus der Zukunft zurück, um die junge Dani (Natalia Reyes) zu beschützen. Die wird nämlich von einer neuer Art Terminator gejagt, dem Rev-9 (Gabriel Luna). Unerwartete Hilfe bekommen die Beiden dann erst von einer Sarah Connor und später von einem alt und menschlich gewordenen Terminator (Arnold Schwarzenegger).

Tja… „Terminator 6“ fängt erst einmal damit an, dem Ende von „Terminator 2“ in den Hinter zu treten, bevor es dann so richtig losgeht. Alle Erklärungen, die uns dieser Film liefert, sind wieder furchtbar an den Haaren herbei gezogener Zeitreise-Quatsch, der so überhaupt keinen Sinn macht, je länger man drüber nachdenkt. Was man definitiv nicht tun sollte… sonst grübelt man einfach über zu viele Dinge nach, die wirklich verdammt unlogisch sind… wenn man sich aber drauf einlässt, mag man der ganzen „Terminator: Dark Fate“-Story eine gewisse Logik anerkennen. Nur halt nicht zu viel. Es ist halt Zeitreise-Zeug, das wird nie immer zu hundert Prozent Sinn machen, aber was soll’s…

Zum Glück lässt uns „Deadpool“-Regisseur Tim Miller auch nicht zu viel Zeit zum Nachdenken, sondern ballert uns von Anfang an ordentlich mit Action-Sequenzen zu. Die machen alle eigentlich auch ziemlich viel Spaß, wenn man hier und da mal davon absieht, dass das CGI furchtbar wirkt. Also dass das heutzutage, im Jahr 2019, so durchgehen konnte, ist bei einem Film mit diesem Budget fast unglaublich. Gabriel Luna sieht einmal zu oft aus, als hätte da noch eine Bearbeitungsphase gefehlt. Aber zum Glück bewegt er sich dann wieder so schnell, dass das alles in einem wilden Rauschen untergeht.

Wie gesagt, die Action macht Spaß… und ich muss sagen, gerade auch Mackenzie Davis ist als Supersoldatin Grace ein ziemlich cooler Neuzugang zu diesem Franchise. Sie ist hart und taff, kann auch mal den ein oder anderen Spruch springen lassen und schenkt dem Terminator in diesem Film wirklich nichts. Davis rockt ihren Auftritt hier ziemlich souverän. Ihre Actioneinlagen sind super. Da hat Tim Miller mal alles richtig gemacht. Gabriel Luna redet mir als Terminator fast schon ein bisschen zu viel (:D) und leider kommt sein Rev-9 auch nicht wirklich an Robert Patricks T-1000 heran, aber das Konzept, das hinter dem Rev-9 steckt (der quasi so eine moderne Mischung aus T-800 und T-1000 ist) finde ich ziemlich abgefahren. Natalia Reyes ist halt irgendwie da und muss beschützt werden… mehr kann man zu ihr leider nicht wirklich sagen.

Das Highlight des Films ist eindeutig Linda Hamilton, die auch mit 63 Jahren noch verdammt badass ist. Sie ist knurrig, sie ist grimmig, sie ist bestens vorbereitet auf die Jagd nach fiesen Killer-Robotern. Gemeinsam mit Mackenzie Davis gibt sie ein ziemlich cooles Team ab. Ich sage das so, weil ihre Zeit mit Arnie in diesem Film nicht sooo lang ist.

Was sie mit Arnies T-800 machen, könnte bei einigen Fans sicherlich sauer aufstoßen. Ich muss gestehen, ich habe sehr darüber gelacht. Es ist so komplett gegen den Charakter des T-800, aber einfach mal witzig und was anderes. Arnie darf natürlich auch kloppen und ballern, was er gekonnt macht.

„Terminator 6: Dark Fate“ erfindet jetzt das Rad nicht neu. Es gibt viel Kawumm, er ist ein bisschen dumm, aber er macht Spaß. Man darf jetzt nicht mit der Erwartung reingehen, dass er das Terminator-Meisterwerk wird, auf das wir seit „Terminator 2“ warten (tun wir das???), aber er ist unterhaltsam, er spielt mit der Nostalgie und er hat gute Action. „Terminator 6“ ist ein verspäteter guter Sommer-Blockbuster. Punkt! Mehr muss ich jetzt aber von Robotern aus der Zukunft nicht sehen…

Wertung: 8 von 10 Punkten (Arnie und Linda sind wieder im Kampf vereint… und das macht doch ne Menge Spaß)

Familie Kim zieht um!

28. Oktober 2019

Meine Güte ist das herrlich gewesen, Bong Joon-hos neuen Film „Parasite“ zu gucken. Nicht nur weil es einer der besten Filme des Jahres ist (darauf kommen wir gleich noch zu sprechen), sondern weil ich im Vorfeld einfach mal gar nichts über den Film wusste. Ich sah irgendwann mal im Kino den Trailer, der wirklich nicht sonderlich viel verrät… und ich mag so ziemlich alle Filme, die ich von Bong bisher gesehen habe: Sein „The Host“ ist ein toller Monster-Film, sein „Mother“ ist großartig (und nicht zu vergleichen mit Darren Aronofskys Bibel-Gleichnis), sein „Snowpiercer“ war ein spannender Action-Film und „Okja“ hatte ein riesiges rosa Schweinchen. Da war doch, ohne viel über „Parasite“ zu wissen, klar, dass ich diesen Film gucken muss. Und ich habe es nicht bereut.

Auf der einen Seite haben wir die in ärmlichen Verhältnissen lebende Familie Kim, auf der anderen die mega-reiche Familie Park. Diese beiden Welten könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Kims hausen in einem dunklen, engen Kellerloch von einer Wohnung und halten sich mehr schlecht als recht über Wasser (im wahrsten Sinne des Wortes, wie sich später noch herausstellt). Die Parks haben ein riesiges, Licht durchflutetes Haus (in das ich persönlich sofort einziehen würde), sie haben einfach alles. Die Leben dieser beiden Familien werden nun in „Parasite“ durch einen kompletten Zufall und danach durch die Gerissenheit der Kims und die Naivität der Parks mit einander verknüpft.

Ich halte die Inhaltsangabe jetzt mal so kryptisch, weil ich einfach nicht zu viel verraten möchte.

„Parasite“ ist ein großartiger Film. Nach „Burning“ definitiv einer meiner Lieblingsfilme des Jahres… vielleicht (aber das muss ich mir noch durch den Kopf gehen lassen, finde ich ihn sogar besser als „Burning“). Was Bong Joon-ho hier macht, ist großartig, clever, witzig und verdammt, verdammt böse. Anfangs wirkt alles noch recht harmlos. Das ist der Teil des Films, der vor allem witzig ist. Hier zeigt uns Bong auf sehr humoristische Art und Weise, wie unterschiedlich diese zwei Welten sind. Hier erleben wir den Klassenunterschied, erleben wir, was Geld doch ausmacht. Doch so langsam dreht Bong dann den Spieß um, der Humor wird fieser bis hin zu pechschwarz. Das Verlangen der Menschen nach mehr ist einfach unermesslich… und fordert schon bald sehr viel mehr.

„Parasite“ geht dabei so unglaublich leicht von einer Tonalität in die andere. Irgendwann bleiben einem die Lacher dann fast im Halse stecken… vor allem, wenn der Film anfängt, wie ein Hase Haken zu schlagen. Was das Tolle an „Parasite“ ist, ist, dass man nicht vorbereitet ist, auf das, was da noch so alles kommt. Gerade, wenn der Punkt kommt, wo man glaubt, jetzt ist alles wieder ruhig, klingelt es an der Tür… und bumm, die nächste Überraschung wirft wieder alles über den Haufen. Dabei sind diese Wendungen jetzt nicht bloße Jahrmarktsattraktionen, die einmal ein bisschen Lärm machen und das war’s… nein, Bong Joon-ho hat ein Drehbuch geschrieben, das einfach nur umhaut. Hier baut alles aufeinander auf… und wie bei einem echten Parasiten wird alles einfach immer schlimmer und schlimmer. „Parasite“ ist wie eine Überraschungstüte, die einen unerwartet etwas Neues zu bieten hat, wenn man schon denkt, da könnte nichts mehr kommen.

Ich kann es bei diesem Film mal wieder schwer in Worte fassen, wie viel Spaß ich hatte. „Parasite“ ist Komödie, Satire, Gesellschaftsdrama in einem. Der Film ist zum Schreien komisch, zum Schreien brutal, zum Schreien großartig. Ein packender Film, gespickt mit tollen Darstellern… unbedingte Empfehlung für dieses kleine Meisterwerk.

Wertung: 10 von 10 Punkten (fies, brutal, aber auch komisch… Bong Joon-ho jongliert alle Elemente in diesem Film mit unglaublicher Leichtigkeit und liefert eines der Film-Highlights des Jahres)

Random Sunday #20: The Haunting of Hill House

27. Oktober 2019

Mensch, die zwanzigste Ausgabe zufälliger Sonntage, an denen ich mich mal mit was anderem beschäftige. Weil auch schon Halloween vor der Tür steht, passt es ja, dass ich was zu Shirley Jacksons Roman „The Haunting of Hill House“ sage. Nachdem ich ja vor kurzem die Netflix-Serie gesehen habe, die auf dem Roman basiert, musste ich mir einfach das Buch holen. Die Serie ist der Hammer und ich lege sie nach wie vor jedem ans Herz, der nicht danach fragt (so bin ich halt 😀 ). Doch wie schlägt sich das Buch im Vergleich zur Serie??? Da wird es etwas interessanter…

Dr. Montague möchte das mysteriöse Hill House auf übernatürliche Phänomene untersuchen. Dafür lädt er mehrere Gäste ins Haus ein, die ihm dabei helfen sollen und die selber schon mal auf eine gewisse Art und Weise Erfahrungen mit paranormalen Dingen hatten. Auf seine Einladung antworten ihm am Ende drei Menschen, die ihn dann in Hill House besuchen. Da wäre die einsame und schüchterne Eleanor, die mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat… und die junge Theodora sowie Luke, der einst Hill House erben wird. Diese Vier treffen sich… und warten darauf, dass etwas passiert.

Darauf habe ich dann auch gewartet. Nach knapp 140 Seiten passierte dann auch das erste Mal etwas. Vorher gingen mal ein paar Türen zu, die vorher offen waren und es gab eine kalte Stelle, die sich niemand erklären konnte. Später kommt dann Klopfen, Rütteln, Gelächter und unheimliche und in Blut geschriebene Botschaften dazu. Das hat aber längst nicht den Gruselfaktor, den ich mir erhofft hatte. Hier muss ich dann tatsächlich sagen, dass ich von der Serie zu hohe Erwartungen an das Buch hatte, die eine Shirley Jackson nie so ganz erfüllen konnte.

Anfangs dachte ich dann noch wirklich, dieses Buch sei langweilig. Aber das ist es nicht. Es ist schon ein gutes Buch. Ich weiß nicht, ob ich es als die beste Haunted-House-Geschichte bezeichnen würde, wie es angeblich Stephen King getan hat… aber „The Haunting of Hill House“ hat was, wenn man erst einmal von dem Denken an die Serie wegkommt. Mit der teilt das Buch nicht sonderlich viel. Nur die Namen der Besucher sind geblieben. Hier gibt es kein Familien-Drama, hier gibt es keine rote, geheimnisvolle Tür oder offensichtliche Geister. Shirley Jackson ist da etwas subtiler… und teilweise auch humorvoller.

Gerade ihre Charaktere haben zu Beginn einen gewissen Witz, der ganz charmant ist. Vor allem, weil sie ähnlich skeptisch an diese Haunted-House-Sache herangehen, wie man es vielleicht selbst machen würde. Doch mit der Zeit (wie gesagt, so nach knapp 140 Seiten) zieht Jackson dann langsam und unmerklich die Spannungsschraube an. Interessant ist, dass sie das wirklich fast im Versteckten macht. Ihr Horror ist nicht gerade offensichtlich, sondern spiegelt sich mehr in kleinen Wesensveränderungen wieder… vor allem bei Eleanor (was dann wieder ein wenig zur Eleanor aus der Serie passt, die auch eine stärkere Verbindung zu Hill House hatte als alle anderen).

Eleanor wird das Opfer des Hauses… und dabei kann man nicht einmal sagen, ob sie nun wirklich Opfer des Hauses oder doch Opfer ihrer eigenen Gedanken wird. Sie, im Gegensatz zu allen anderen, trägt sehr viel mehr seelische Last mit sich herum. Sie fühlt sich heimatlos – und bekommt mit Hill House einen Bezugspunkt. Sie fühlt sich allein – und hat nun, in Hill House, zum ersten Mal Menschen um sich, die sich nicht untergraben. Sie ist im anfälligsten… und es gelingt Shirley Jackson unglaublich gut, dass unterschwellig aufzubauen. Wenn man es als Leser merkt, ist es eigentlich auch schon zu spät. Und dann fängt man auch noch an, alles zu hinterfragen, was man in diesem Buch „erlebt“ hat. Eleanors Tanz durch Hill House ist eine packende Szenerie… bei der man sich dann aber fragt, gab es je etwas Paranormales in diesem Haus oder war einfach alles irgendwie nur Eleanor selbst.

In diesem Sinne ist das Buch doch wieder extrem spannend und packend… und ganz anders als die Serie. Was ich aber gut finde. Mike Flanagan hat das Haus als Grundlage genommen und darauf seine eigene Geschichte erzählt. Für eine komplette Serie hätte das Buch aber auch nicht genug Stoff geliefert.

Also… ich tendiere ein klein wenig mehr zur Serie, das muss ich gestehen. Aber das Buch hat auch seinen Reiz.