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Das Wort Gottes

24. November 2017

Keine Sorge, das ist jetzt kein Bibel-Blog geworden. Ich habe es nur endlich mal geschafft, mir die erste Staffel „Preacher“ anzuschauen. Ich kann euch sagen, dass war für mich nicht besonders einfach. Seitdem ich weiß, dass Seth Rogen und sein Busenfreund Evan Goldberg eine meiner absoluten Lieblingscomic-Reihen verfilmen wollten, fluche ich eigentlich nur darüber – natürlich erst einmal, ohne auch nur einen Schnipsel der Serie gesehen zu haben. Aber Garth Ennis‘ „Preacher“ ist einfach so verdammt gut, so verdammt böse, dass ich es mir nicht als amerikanische TV-Serie vorstellen konnte. Außerdem ist so ein Comic ja schon so visuell, da finde ich es immer noch schwieriger als bei einem Buch, dass mich die gefilmten Bilder überzeugen können. Schließlich hat man mir ja schon die Bilder vorgelegt. Aber gut… ich wollte ein weltoffener Leser sein und habe mich jetzt mal an die Serie herangetraut… und was soll ich euch sagen? Ich liebe die erste Staffel – was ich im Leben nicht für möglich gehalten hätte.

Priester Jesse Custer (Dominic Cooper) hat zwar eine dunkle Vergangenheit, doch davon ist im Moment nichts zu spüren. Stattdessen kümmert er sich um seine kleine Gemeinde in einem kleinen Örtchen mitten im Nirgendwo von Texas. Stress gibt es erst, als: 1) seine Freundin Tulip (Ruth Negga) auftaucht, 2) ein irischer Vampir namens Cassidy (Joseph Gilgun) bei Jesse einzieht, 3) der örtliche Fleisch-Magnat Odin Quincannon (Jackie Earle Haley) für Ärger sorgt und 4) ein Wesen in Jesse einfährt, das ihm das Wort Gottes gibt, mit dem er jedem wirklich alles befehlen kann und weswegen auch Engel aus dem Himmel auf die Erde kommen, um dieses Wesen wieder wegzusperren.

He is the son of a preacher man

Ich muss es noch einmal sagen: Ich liebe die erste Staffel. Ich hätte es wirklich nicht für möglich gehalten, aber ich hatte unheimlich viel Spaß. Was vielleicht vor allem daran liegt, dass Rogen und Co. einen ziemlich cleveren Schachzug abgeliefert haben. Sie verfilmen nicht sofort und so richtig die Geschichte des Comics: Da fährt dieses Wesen in Jesse ein und der macht sich dann auf die Suche nach Gott, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei passieren ihm viele verrückte Dinge. Staffel 1 von „Preacher“ spart sich das erst noch auf – nur im Finale bewegt sich die Serie langsam in Richtung der Comics.

Für Staffel 1 wurde eine kleine Passage aus den Comics gekonnt umgeschrieben. Da gibt es – als kleine Füller-Episode – auch diese Quincannon-Geschichte (natürlich sehr viel heftiger – der macht da „Liebe“ mit einem komischen Wurst-Konstrukt und seine Anwältin ist die übelste Nazi-Verehrerin). Aber Rogen und Co. nutzen die hier, um in Ruhe ihre wichtigsten Charaktere aufzubauen: Jesse, Tulip und Cassidy. Gleichzeitig bauen die Macher aber auch schön diese Hillbilly-Stadt auf, in der es von merkwürdigen Gestalten nur so wimmelt. Und ich mochte sie alle – auf ihre Art und Weise.

Ich hatte ja zu Beginn davon gesprochen, dass gerade Comics einem ja schon ein Bild vorgeben, weswegen ich es da immer noch schwieriger finde, mich mit Verfilmungen anzufreunden. Aber gerade bei den Darstellern könnte ich bei „Preacher“ nicht zufriedener sein. Dominic Cooper ist ein toller Jesse Custer. Ein liebenswerter Typ, der aber auch mal zuschlagen kann. Dazu muss man sagen, dass Cooper zudem noch ganz gut an den gezeichneten Jesse rankommt, auch wenn der ein bisschen „hübscher“ aussieht, wenn ich das mal einfach so sagen darf. Joseph Gilgun als irischen Vampir find ich einfach nur spitze, aber den Vogel – im positivsten Sinne – abgeschossen hat die Serie mit Ruth Negga als Tulip. Da haben sie sich mal komplett für eine gegenteilige Besetzung entschieden, aber warum nicht? Ruth Negga ist super… mit diesen großen Rehaugen täuscht sie gekonnt darüber hinweg, was für ein Biest sie manchmal ist. Die perfekte Frau für Jesse Custer, um ihm das Leben so richtig schwer zu machen.

Dazu kommt, dass die Serie den „Saint of Killers“, eine äußerst wichtige Figur der Comics, verdammt gut umgesetzt haben.

Überhaupt treffen Rogen und Goldberg den Ton der Comics sehr gut – wenn natürlich auch in etwas abgeschwächter Form. Aber es muss ja nicht immer alles in absoluten Gewaltorgien enden, wenn man es einfach richtig macht. Ich bin auf jeden Fall schon jetzt gespannt, wie sie in Staffel 2 mit der Hauptgeschichte der Comics verfahren werden. Aber ich bin schon jetzt Feuer und Flamme.

Wertung: 9 von 10 Punkten (lest die Comics auf jeden Fall, aber gebt dieser Serie eine Chance)

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Der Schatz des Ein-Äugigen Willys

22. November 2017

Stranger Things 2“ hat mich an einen dieser Filme der 80er erinnert, der es einfach wert ist, ihn noch einmal zu schauen. Und die zweite Staffel der Netflix-Erfolgsserie wird ja auch nicht gerade müde, auf diesen einen Film zu verweisen. Da wird von Piraten-Schätzen gesprochen, das wird von dem X auf der Karte geredet, dass den Platz markiert… und da ist natürlich Sean Astin, der lange vor seiner Zeit als Hobbit in dem vielleicht coolsten Kinder-Abenteuer-Film meiner Kindheit mitspielte und der Pate für jeden anderen Film (und auch Serie) ist, in dem eine kleine Gruppe von Kindern aufregende Abenteuer erlebt (here’s looking at you, Stranger Things): „Die Goonies“.

Die Wohnsiedlung in den Goon Docks von Mikey (Sean Astin), seinem Bruder Brand (Josh Brolin), Mouth (Corey Feldman), Chunk (Jeff Cohen) und Data (Jonathan Ke Huy Quan) soll abgerissen werden, um für einen Country Club mehr Platz zu schaffen. Da kommt es den Jungs wie gelegen, dass sie auf dem Dachboden von Mikeys und Brands Eltern eine alte Schatzkarte finden, die zum Schatz des Ein-Äugigen Willys führt. Doch der Weg dahin ist voller Gefahren, Fallen und der gemeinen Fratelli-Bande, die den Kindern dicht auf dem Fersen ist.

Indy-Möchtegerne

Was soll man zu „Die Goonies“ noch sagen? Es ist der „Indiana Jones“ für Kinder. Es ist der perfekte Abenteuer-Film, der ohne große Explosionen und Schießereien auskommt. Es ist der harmloseste und doch aufregendste Film über eine Schatzsuche. Als Kind habe ich diesen Film geliebt, wenn die Goonies durch die dunklen Gänge krabbeln, Fallen ausweichen, komische Gerippe finden, lange Bach-Rutschen runterfegen und geheimnisvollen Hinweisen nachgehen. Und auch jetzt macht der Film von „Superman“-Regisseur Richard Donner und Produzent Steven Spielberg einfach nur Spaß. Wie gesagt, dank Spielberg merkt man in jeder Minute, dass das auch gut als Indy-Film hätte fungieren können, denn „Die Goonies“ haben alles, was ein guter Abenteuer-Film braucht: fiese Gegner, geheimnisvolle Orte und einen großen Schatz, der geborgen werden möchte.

Doch damit nicht genug Indiana Jones in „Die Goonies“: Einer der Fratellis trägt doch tatsächlich Indys Kult-Hut und dann dürfen wir nicht Jonathan Ke Huy Quan vergessen, der schon mit Dr. Jones in „Tempel des Todes“ zusammenarbeiten durfte. Spielberg kopiert einfach den Indy-Touch in jederlei Hinsicht und macht das Ganze einfach noch einmal für Kinder… und es ist ein Film, den man heute noch gucken kann, denn hinter jeder Ecke lauert coole Action, die aufregend ist, ohne Kinder in Angst und Schrecken zu versetzen. Im Gegenteil, man hat nach diesem Film selbst Lust, auf Schatzjagd zu gehen.

Dazu kommt eine wunderbare Besetzung – die man so nur noch in den 80er Jahren hätte bringen können. Heutzutage würden alle wutentbrannt aufspringen und fluchen, wenn der kleine dicke Junge zu seinem Fetttanz gezwungen wird oder der kleine asiatische Junge natürlich genau derjenige ist, der verrücktes Technik-Zeug entwickelt. Aber damals war das alles noch okay und ein Spielberg und ein Donner inszenieren das auch ohne, dass man ihnen wirklich Typisierung vorwerfen kann. Denn die Charaktere sind so liebevoll und jeder ist auf seine Weise stark und wichtig für die Geschichte. Jeder von ihnen bekommt seinen Moment – jenseits des von ihm verkörperten Stereotyps. Das macht jeden der Goonies so liebenswert, weil man sich in jedem von ihnen leicht wiederfinden kann.

Es ist aber auch witzig, den Film heute zu sehen, wenn man bedenkt, was mal aus diesen Leuten wird. Okay, eigentlich ist nur aus zweien von denen was geworden, aber immerhin reden wir von „Hobbit“ Sean Astin und bald „Cable“ Josh Brolin, die hier ihre Karriere im coolst möglichen Film für einen Start begonnen haben.

„Die Goonies“ ist und bleibt ein großartiger Film, den man immer wieder gucken kann. Dieser Film wird auch nie alt werden, weil alles so wunderbar handgemacht ist. Das ist ein Film, der auch in 10 Jahren noch gut aussehen wird. Bleibt nur irgendwie zu hoffen, dass sie sich „Die Goonies 2“ wirklich sparen. Denn ganz ehrlich, was soll das? Dieser Film braucht keine Fortsetzung.

Wertung: 10 von 10 Punkten (diesen Film will ich irgendwann mit meinen Kindern gucken)

Zurück im Upside Down

20. November 2017

Als „Stranger Things“ 2016 bei Netflix veröffentlicht wurde, schlug die Mystery-Horror-Serie ein wie eine Bombe. Niemand hatte davor von dieser Serie gehört und auf einmal lebten die 80er Jahre wieder auf, redeten wieder alle über Stephen King und Steven Spielberg und eben über diese „Goonies“-artige Truppe, die mit der telepathisch begabten Eleven aufregende Abenteuer erlebten. „Stranger Things“ war die Serie, die jeder an einem Wochenende wegsuchtete, um mitreden zu können. Ich muss ja gestehen, ich wusste nach dem Ende der Staffel nicht, ob ich mich auf eine zweite wirklich freuen sollte. Staffel 1 funktioniert wunderbar als Mini-Serie, wozu noch eine zweite Staffel? Natürlich um den Hype nicht sterben zu lassen – und um vielleicht ein, zwei unbeantwortete Fragen zu beantworten (obwohl… aber gut, darauf kommen wir noch zu sprechen!)

Willkommen zurück in Hawkins, der Stadt, in dem geheime Experimente ein Tor in einer andere Dimension geschlagen haben. Will (Noah Schnapp) erholt sich nur schwer von seiner Zeit im Upside Down und wird immer wieder von Visionen geplagt, in dem ein riesiges Monster auf die Stadt zusteuert. Mike (Finn Wolfhard) trauert immer noch Eleven (Millie Bobby Brown) hinterher und Dustin (Gaten Matarazzo) und Lucas (Caleb McLaughlin) interessieren sich für dasselbe Mädchen, die junge Max (Sadie Sink). Doch dann geht alles wieder drunter und drüber und die Freunde müssen wieder einmal gemeinsam mit Sheriff Hopper (David Harbour) die Stadt retten.

Man kann „Stranger Things“ und „Stranger Things 2“ wirklich sehr gut mit Ridley Scotts „Alien“ und James Camerons „Aliens“ vergleichen. „Stranger Things“ hatte ein Monster, hatte mehr Horror. „Stranger Things 2“ hat mehrere Monster und orientiert sich mehr an „offener“ Action, sprich: die Charaktere wissen besser Bescheid über das, was passiert und können anders damit umgehen. Angst haben sie zwar immer noch, aber sie wissen mittlerweile auch besser Bescheid, was zu tun ist.

Die Jungdarsteller sind die Seele dieser Serie und besonders Gaten Matarazzo ist mir jetzt noch mehr ans Herz gewachsen. Ich mochte ihn ja schon in der ersten Staffel als Dustin, aber in Staffel 2 geht der Junge noch sehr viel mehr auf. Allgemein fand ich es ganz cool, dass jeder einzelne aus der Monster-Jäger-Gruppe auch ein bisschen mehr Zeit für sich bekommt. Vorher waren sie eine Gruppe, jetzt erleben wir sie auch mal ein bisschen allein. Und da mochte ich wirklich alle Stories… nur die von Eleven nicht so wirklich.

Die kleine Eleven kam mir überhaupt in der zweiten Staffel viel zu kurz. Erst einmal fand ich die Geschichte ihrer „Wiederauferstehung“ nach dem Finale von Staffel 1 eher unspektakulär. Ganz ehrlich, da habe ich so viel mehr erwartet als einfach nur: „Oh, ich bin kurz im Upside Down und dann bin ich auch schon wieder da!“ Mehr erhofft hatte ich mir auch von der Frage: „Wenn sie 11 ist, wo sind dann die Nummern 1-10?“ Eine weitere Zahl bekommen wir zu Gesicht und dann gibt es da noch diese merkwürdige Füller-Episode vorm Finale, die zwar nett, aber irgendwie auch herrlich überflüssig war. Eleven war in Staffel 2 nicht ganz so das, was ich von ihr erwartet habe…

Dafür mochte ich aber Neuzugang Max ganz gerne, auch wenn ich es merkwürdig fand, dass man sie und ihren „Bruder“ so extrem mysteriös einführt. Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass die beiden auch Fähigkeiten oder irgendwas in die Richtung haben. Aber dann sind sie einfach nur komplizierte Menschen… das war so naja… komisch halt. Ich mochte sie trotzdem, gerade weil sie auch die Freundschaft zwischen Lucas und Dustin ordentlich auf die Probe gestellt haben.

Cool fand ich auch Sean Astin als Bob – obwohl ich mittlerweile das Gefühl habe, dass „Stranger Things“ immer die liebenswertesten Charaktere aus der Staffel kicken muss. Und auch hier kommt wieder ein kleiner Kritik-Punkt: Der Gute stirbt einfach mal den unsinnigsten Tod überhaupt. Barb hatte keine Chance in Staffel 1 und wir werden auf ewig um sie trauern. Aber Bob hat sich einfach nur dumm angestellt. Die eine Verschnaufpause hätte er sich auch noch für später aufheben können.

Aber gut… alles in allem ist „Stranger Things 2“ immer noch tolle Unterhaltung. Ich hatte zwar das Gefühl, dass man einfach noch mehr auf den 80er-Jahre-Zug aufgesprungen ist (gerade auch der Soundtrack war jetzt deutlich Song-lastiger als noch in der ersten Staffel), aber ich mag das. Die Charaktere sind nach wie vor liebenswert, Hawkins ist immer noch ein gruseliger Ort, aber die Story war nicht mehr ganz sooo fesselnd wie noch in der ersten Staffel. Trotzdem nehme ich gerne auch noch eine dritte Staffel – nur danach sollten sich die Macher vorsehen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein bisschen weniger Horror, mehr Action und Komödie – aber immer noch verdammt gut)

Kampf der Gerechtigkeitsliga

17. November 2017

Wie heißt es so schön: „actio – reactio“: einer agiert, der andere reagiert. Der Agierende gibt den Ton vor, der Reagierende muss sich dem irgendwie anpassen und bleibt dabei immer der Passivere von beiden. So ähnlich könnte man dann wohl auch Marvel und DC im Kino auffassen. Marvel hat agiert und mit seinen zig tausend Phasen und Helden und Avengers vorgelegt, DC hat reagiert – und muss sich nun natürlich gefallen lassen, an Marvel gemessen werden. Allerdings war DC deutlich stärker im Zugzwang. Während Marvel jedes Jahr mindestens zwei Filme raushaut und Zeit hatte, einzelne Charaktere in Solo-Filmen aufzubauen, fehlte DC diese Zeit und offensichtlich auch eine gut durchdachte Strategie. Die Filme, die bisher im DCEU gelaufen sind, waren nett – ich mag sie, aber zu einer Zweitsichtung konnte ich mich bislang nur schwer durchringen. Jetzt endlich ist es soweit… das Pendant zu den Avengers findet nun auch bei DC den Weg auf die Leinwand… und naja, „Justice League“ ist „nett“.

Bruce Wayne (Ben Affleck) hat nach dem Tod von Superman (Henry Cavill) ein neues Problem: nicht nur hat er Schuldgefühle, es wartet auch schon eine neue Bedrohung aus den Fernen des Alls: Der gefährliche Steppenwolf (Ciaran Hinds) sucht die Erde heim und sucht drei so genannte Mother Boxen, mit denen er den Planeten zerstören will. Natürlich will Bruce das verhindern und rekrutiert neue Mitstreiter: Wonder Woman (Gal Gadot), Barry Allen a.k.a. The Flash (Ezra Miller), Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher). Dieses Team, diese „Justice League“, nimmt nun den Kampf auf.

Eine Bedrohung aus dem All, ein gehörnter Bösewicht, ein Team von Superhelden – wenn man jetzt richtig böse wäre, könnte man sagen, dass Joss Whedon, der ja auch am Drehbuch mit geschrieben hat, einfach nur sein Drehbuch für „The Avengers“ recycelt und es Zack Snyder vorgelegt hat. Aber wir sind jetzt mal nicht richtig böse.

Ich sagte es ja schon, ich finde „Justice League“ nett. Die Helden sind tatsächlich super und man merkt, dass hier ein gut funktionierendes Team ausgesucht wurde und nun aufgebaut wird. Ben Affleck fand ich in „Batman v Superman“ schon super und ich finde, er macht auch in „Justice League“ seine Sache mehr als nur gut. Ich mag die Batman-Sequenzen unheimlich gerne – und gerade auch die Action-Sequenzen hat Snyder mit ihm schon wirklich gut drauf. Dazu kommt dann Gal Gadot, die nach „Wonder Woman“ sowieso jeder feiert. Und ja, ihre Wonder Woman ist auch super. Sie ist ein bisschen die heimliche Betreuerin dieser Gruppe, das gute Gewissen. Danach wird es ein bisschen durchwachsener…

Ezra Miller ist toll, so ein bisschen die ADHS-Version von Barry Allen, ein kleiner verwirrter Junge, der doch nur „Dinge anschubst“ und nicht wirklich weiß, wie man Held spielt. Ich gestehe, ich bin zu sehr durch die Serie „The Flash“ verwöhnt und an Grant Gustin kommt ja sowieso niemand ran, aber Miller macht das schon gut (nur sieht sein Flash im Action-Modus ein bisschen wie „Baywatch“ aus – unnatürlich langgezogene Bewegung, die einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern). Von wem ich tatsächlich eher enttäuscht war, ist Aquaman. Jason Momoa bekommt ein paar kurze Momente, in denen er aber mehr wie ein verrückter Texaner jodelt, grummelig ein paar Sätze sagt und das war’s. Ich hoffe wirklich sehr, dass James Wan mit ihm noch etwas mehr anstellt – weil nach diesem Film hat man noch nicht wirklich viel von dem Mann aus dem Wasser gesehen. Besser gefallen hat mir da dann doch Cyborg, der aufgrund seiner besondern Verbindung zu den Mother Boxen nur widerwillig zu einem Held wird.

Alles in allem ist die „Justice League“ ein cooles Team, doch anders als bei „The Avengers“ tun die sich ein wenig schwer, sofort gut mit einander zu funktionieren. Batman liefert den roten Faden und daran führen uns Snyder und Whedon (der ja für Snyder einen Teil der Regie übernahm, als Snyder wegen dem Selbstmord seiner Tochter aus der Produktion aussteigen musste) durch diese Story, die leider das größte Problem von „Justice League“ ist: Die Einzel-Momente der Helden sind schon ganz cool – sie werden auch besser vorgestellt als die Schurken in „Suicide Squad“ 😉 Doch der Rest der Handlung ist absolut öde… Steppenwolf ist ein furchtbar langweiliger und auch noch verdammt schlecht animierter Schurke, der einfach mal wieder nur irgendwas kaputt machen will, weil er das irgendwann in der Vergangenheit nicht durfte. Steppenwolf ist wie ein bockiges kleines Kind… und schneller vergessen als man seinen Namen aufschreiben kann. DC hätte vielleicht doch gleich mit Darkseid gehen sollen – oder einfach Luthor. Aber Steppenwolf – so eine unbekannte Figur aus dem DC-Universum – war nicht der richtige Schurke für diesen Film.

Die Story hangelt sich irgendwann von Action-Sequenz zu Action-Sequenz und hat Schwierigkeiten, einen wirklich bei Laune zu halten. Die Action sieht teilweise zwar echt gut aus, teilweise sind die Effekte aber so furchtbar, dass man sich fragt, ob dieser Film vor 10 Jahren gedreht wurde.

Alles in allem ist „Justice League“ ein „netter“ Film. Er hat seine guten Momente, Batman, Wonder Woman und The Flash funktionieren super, alle anderen brauchen noch ein bisschen mehr Zeit. Der Film ist weniger düster (was ja für viele ein wichtiges Kriterium zu sein scheint) als seine Vorgänger, der Humor kommt zwischendurch wirklich gut an… aber ich bleibe dann doch lieber bei den „Avengers“ – deren Maschine ist besser geölt und läuft wesentlich flüssiger als die der „Justice League“.

Wertung: 6,5 von 10 Punkten (gute Charakter-Momente zerschellen an einer öden Story und einem langweiligen Schurken)

Eine neue Frau für Daddy

15. November 2017

Ich habe letztens mal wieder „Harry & Sally“ geguckt – für mich immer noch einer der schönsten Liebesfilme, die ich kenne. Doch als ich mit dem Film fertig war, wurde mir bewusst, dass ich gar nicht soooo viele klassische Liebesfilme kenne. Für mich waren das immer die Schinken, die meine Mutter geguckt hat und gerade als Junge wollte ich sowas nicht sehen… die küssen sich nur und reden, da passiert ja nichts spannendes. So entsteht dann wohl das Klischee, dass Jungs bzw. Männer freiwillig keine Liebesfilme gucken dürfen. Aber ich wehre mich jetzt mal dagegen und „Harry & Sally“ sind Schuld daran. Ich habe mir jetzt vorgenommen, ich werde mich mal so durch die gängigen Klassiker des Liebesfilms schauen – und Netflix sei mal wieder Dank, ich bin schnell fündig geworden. Ein Film, den ich bislang auch noch nie gesehen habe, der aber schon als Klassiker gilt, ist „Schlaflos in Seattle“.

Architekt Sam (Tom Hanks) hat seine Frau verloren und zieht deswegen mit seinem kleinen Sohn Jonah (Ross Malinger) von Chicago nach Seattle. Doch auch nach anderthalb Jahren trauert Sam immer noch, weswegen Jonah eines Abends bei einer Radio-Psychologin anruft und sagt, dass sein Daddy eine neue Frau braucht. Sam kommt widerwillig selbst ans Telefon und berührt mit seiner Geschichte die Herzen von zig tausenden von Zuhörerinnen. Eine davon ist die junge Journalistin Annie (Meg Ryan), die eigentlich mit Walter (Bill Pullman) verheiratet, aber nicht wirklich glücklich ist. Sie fängt an, sich mehr und mehr für diesen Mann in Seattle zu interessieren, auch wenn sie auf der anderen Seite der USA lebt… aber Liebe kennt in diesem Film keine Entfernung und so macht sie sich auf die Suche nach Sam.

Date Night

Meg Ryan und Tom Hanks – in ihrem ultimativen Film, wenn ich das so richtig mitbekommen habe. „Schlaflos in Seattle“ passt aber auch perfekt zu den beiden – obwohl ich schon ein bisschen erschrocken war, wie jung ein Tom Hanks in diesem Film noch aussieht. Aber dieser Film ist wie geschaffen für den wahrscheinlich liebenswertesten Schauspieler Hollywoods. Man kauft ihm das alles ab. Es gibt diese eine Stelle im Film, da wird er von der Radio-Psychologin gefragt, ob er ihr erzählen kann, was er an seiner Frau so mochte und er antwortet: „So lange geht ihre Show gar nicht!“ Aus jedem anderen Mund wäre das ein blöder Spruch gewesen, aber Hanks liefert den ab und man kauft es ihm vor allem auch ab. Ich weiß auch nicht, Hanks ist der perfekte Knuddelbär für diesen Film – liebevoller Vater, trauernder Witwer, der seine Frau so sehr liebt, dass sein Sohn irgendwann sogar dazu übergehen muss, ihm seine neue Liebe (die sich dann als Annie erweist) so zu verkaufen, dass sie sich in einem früheren Leben gekannt haben müssen. Ganz ehrlich, hätte nur noch gefehlt, dass sich herausstellt, dass der Geist von Sams Frau in Annie weiterlebt.

Aber Annie ist eine Marke für sich. Und auch eine Meg Ryan passt da perfekt rein. Liebenswert, ein bisschen naiv in Sachen Liebe, was durch ihre Begeisterung für alte Filme erklärt wird… was dementsprechend ihre Erwartungen an die Liebe enorm ins Unrealistische steigert. Aber zum Glück gibt’s da ja noch diesen Typen aus dem Radio, der perfekt passt.

Ich muss sagen, die Idee hinter „Schlaflos in Seattle“ fand ich ganz sympathisch, auch wenn man die gute Annie heute wahrscheinlich als Stalkerin verschreien würde, aber in den Liebesstandards der frühen 90er Jahre ist es noch niedlich, einen Privatdetektiv anzuheuern, um einen Typen ausfindig zu machen, in den man verliebt ist. So hundertprozentig hat der Film dann bei mir aber doch nicht gezündet.

Ich glaube, das lag an dieser Episodenhaftigkeit der Story… man hat die Tom-Hanks-Story und die Meg-Ryan-Story und wartet darauf, dass die irgendwann zusammengeführt werden. Zwischendurch betrügt Annie noch ihren Freund und Tom Hanks eigentlich seine neue Freundin, die zwischendurch mal aufschlägt und natürlich als furchtbar nervig dargestellt wird. Es scheint so eine Liebesfilm-Regel zu sein, dass eine gute Liebe darauf basiert, dass irgendjemand erst ein wenig hintergangen werden muss. Wobei ich bei „Schlaflos in Seattle“ schon sagen muss, dass ich es krass fand, wie Bill Pullmans Charakter geschrieben wurde.

Der tritt freiwillig und gefasst beiseite, um Annie ihr Glück zu lassen. Ganz ehrlich, dieser Mann verdient einen Platz auf dem Poster von „Schlaflos in Seattle“. Der wahre Held dieser Geschichte ist Pullmans Walter, der das Glück seine Verlobten so sehr achtet, dass er sie ohne zu murren gehen lässt. Damit hätte ich in einem Bollywood-Film gerechnet, aber nicht bei Hollywood. Respekt, Walter!!!

„Schlaflos in Seattle“ ist ein niedlicher Film, der vor allem dank der perfekten Besetzung so gut funktioniert. Ich glaube, dieser Film hätte ohne Hanks und Ryan nie funktioniert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (schöne Liebesschnulze mit dem größten Helden überhaupt – Walter)

Rambo und die Leuchtstäbchen

13. November 2017

Ich bin froh, dass ich bei meiner Stallone-Findung mit „Rocky“ angefangen habe. Das sind sechs Filme, die alle ihren Reiz haben, die von dieser charismatischen Figur des Rocky leben und die insgesamt eine runde Geschichte erzählen – von einem Underdog, der mit der Zeit reifer wird, verschiedene Gegner hat, immer wieder die Trainingsmontage durchlaufen muss, aber auch nicht immer gewinnen kann. „Rocky“ ist eine Reihe, die mich wirklich sehr überrascht hat, weil Stallone es irgendwie geschafft hat, das Niveau gut zu halten (und ja, ich bleibe dabei, „Rocky 5“ ist nicht sooo schlecht). Ich glaube, wenn ich mit „Rambo“ angefangen hätte, hätte Stallone sehr schnell wieder aufgegeben. Teil 1 ist großartig und muss man einfach mal gesehen haben, Teil 2 ist dann schon etwas schwieriger und gefühlt meilenweit von ersten Teil entfernt. Tja… und jetzt also „Rambo 3“.

John Rambo (Sylvester Stallone) hat sich in Thailand versteckt, prügelt sich für Geld, um es an Mönche zu geben. Doch auch in Thailand holt ihn die Vergangenheit in Form von Col. Trautman (Richard Crenna) wieder ein: Rambo soll in Afghanistan aushelfen, doch er will nicht. Sein Krieg ist vorbei. Also geht Trautman allein, um gegen die bösen Sowjets in Afghanistan zu kämpfen und wird natürlich gefangengenommen. Das wiederum reicht Rambo dann doch aus, um doch noch mal in den Krieg zu ziehen. Wieder mal mehr oder weniger allein, aber immerhin hat er blaue Leuchtstäbchen.

Er wollte eigentlich ein Ninja-Turtle werden

Ganz ehrlich… diese Leuchtstäbchen sind echt merkwürdig und es tut mir auch ein bisschen Leid, dass ich da jetzt so drauf rumreite, aber Rambo bekommt am Anfang echt Dutzende und Aberdutzende davon. Die Leuchtstäbchen bekommen sogar eine eigene Szene und einen blöden Spruch. Was mir suggerierte, die Leuchtstäbchen werden irgendwann noch einmal von enormer Wichtigkeit in „Rambo 3“ sein. Pustekuchen, er braucht einmal kurz so ein Teil, das war’s. So viele, wie er eigentlich hatte, hätte er eine richtige Party schmeißen können.

Aber gut, reden wir nicht mehr von Leuchtstäbchen. Obwohl… eine Rambo-Detail-Frage habe ich noch: Kommt es nur mir so vor oder wird mit jedem Teil sein Messer größer? Und ich meine das jetzt nicht in einer Metapher oder sowas? Ich habe das Gefühl, in jedem Teil bekommt Rambo ein Messer, das noch größer ist als das vorherige. Theoretisch müsste er in Teil 4 dann wirklich mit einem Schwert durch die Gegend laufen.

Jetzt aber erst einmal genug von sowas… kommen wir zum Film „Rambo 3“. Der fängt etwas albern an, dann wird wieder versucht eine menschliche Geschichte daraus zu machen, wenn Rambo die Rebellen in Afghanistan trifft (was immer noch besser ist als die gezwungene Liebesgeschichte in „Rambo 2“), bevor Regisseur Peter MacDonald dann einfach alle Zügel loslässt und sein Rennpferd John Rambo komplett frei lässt. „Rambo 3“ besteht aus Tod und Explosionen und einem Sylvester Stallone, dessen Frisur auch in der schlimmsten Schlacht perfekt sitzt und der ballert, was das Zeug hält.

„Rambo 3“ ist eine Gewaltorgie vom Feinsten, over the top, total durchgeknallt und gaga. Da kommt mal wieder der gute Explosionspfeil aus dem zweiten Teil zur Geltung. Da rast Rambo im Finale mit einem Panzer gegen einen Hubschrauber, da fliegen die Körper durch die Gegend, da fliegen die Kugeln. „Rambo 3“ ist ein Action-Feuerwerk, bei dem man irgendwie nicht weiß, ob man es feiern soll oder nicht. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, ich mochte diesen dritten Teil tatsächlich ein bisschen mehr als den zweiten Teil. Teil 2 hat noch versucht, sich so super ernst zu nehmen. Gut, das macht Teil 3 auch, aber dann doch irgendwie nicht mehr – was man an den Action-Sequenzen gut erkennen kann. Da wird einfach auf alles gepfiffen, Hauptsache ist, Stallone sieht cool dabei aus, wenn er Ein-Mann-Armee spielt.

Gleichzeitig muss man sich aber auch an den Kopf fassen, wie weit sich diese Filme vom Original entfernt haben. Der war noch „subtil“ im Vergleich zu seinen Nachfolgern. Stallone hat mittlerweile so gut wie gar keinen Dialog mehr, der ganze Film hat kaum noch Dialog oder irgendwas. Die Story ist an den Haaren herbeigezogen ohne Ende und das Drehbuch war wahrscheinlich so drei Seiten lang. Mehr braucht’s da nicht, es muss nur ordentlich laut knallen, das passt schon. Das macht „Rambo 3“ dafür ziemlich gut und unterhaltsam. Unterhaltsam, weil es einfach so herrlich absurd und abgedreht aussieht.

„Rambo 3“, also… mit Leuchtstäbchen, einem Monster-Messer und jeder Menge Explosionsarbeit. Kann man gucken, muss man aber nicht. Ich bin jetzt nur noch gespannt, wie wohl Teil 4 wird… Rambo mit Schwert (und hoffentlich ganz vielen Leuchtstäbchen)

Wertung: 6 von 10 Punkten (doof, aber unterhaltsam)

Gefangene der Wüste

10. November 2017

Ana Lily Amirpour hat mit „A Girl Walks Home Alone At Night“ einen wundervollen Film gedreht – ein hypnotischer Film mit wundervollen Schwarz-Weiß-Bildern, einer Geschichte, die einen auch ohne viele Worte in ihren Bann zieht, eine faszinierende Protagonistin und ein Soundtrack, der noch lange im Ohr bleibt. „A Girl Walks Home Alone At Night“ ist für mich immer noch einer der besten Filme der letzten Jahre und gleichzeitig auch ein wundervoller Vampir-Film. Amirpour ist nun wieder zurück – auf Netflix mit einem merkwürdig-merkwürdigem Film namens „The Bad Batch“.

Die junge Arlen (Suki Waterhouse) wird zu Beginn des Films in ein eingezäuntes Gebiet gebracht, das – einem Schild zufolge – nicht mehr Teil der USA und somit nicht den Gesetzen der USA unterliegt. Warum sie dorthin gebracht wird, was es mit diesem „gesetzlosen Land“ auf sich hat, erfahren wir nicht. Hier aber muss sich Arlen nun gegen Kannibalen wehren, kommt später in einer merkwürdigen Kommune unter, in der Keanu Reeves zu Techno-Parties einlädt und findet ein junges Mädchen, dessen Vater Jason Momoa ist, der eigentlich zu den Kannibalen gehört.

Aquaman an Land

Ich habe keine Ahnung, was ich da geguckt habe. Ich wäre im Leben nicht auf die Idee gekommen, dass dieser Film von der gleichen Frau ist, die auch „A Girl Walks Home Alone At Night“ gemacht hat. „The Bad Batch“ ist… ich habe wirklich keine Ahnung, was das ist. Ich kann immer noch nicht ganz nachvollziehen, dass ich es irgendwie durchgehalten habe, mir diese recht sinnfreien zwei Stunden anzuschauen. Es gab eigentlich nichts an diesem Film, was mich wirklich gefesselt hat, es wird nichts geben, an das ich mich noch wirklich erinnern werde.

Es gibt so den Ansatz einer Story – eine junge Frau streift durch die Wüste und lernt Leute kennen. Aber kein Charakter sticht wirklich heraus. Das Problem für mich war, dass ich zu keinem Punkt so wirklich wusste, was mir „The Bad Batch“ eigentlich vermitteln möchte. Was sind das für Figuren in der Wüste? Alles merkwürdige „schlechte“ Menschen, die merkwürdiges Zeug labern. „The Bad Batch“ ist so Pseudo-Hippie-Gedöhns ohne Tiefe, ohne eine Grundlage, ohne etwas, dass einen anziehen könnte. Ich meine, zum Ende gibt es eine merkwürdige Szene zwischen Waterhouse und Keanu Reeves, in der er einfach so pseudo-philosophischen Scheiß labert: „Life is the dream, the only dream“ und irgendwas von Tomaten und Mist. Dieser ganze Film wirkt, als hätte sich Amirpour ein paar Pilze eingeworfen, wäre durch die Wüste gelaufen und hat danach aufgeschrieben, was ihr so in den Sinn kam – nur dass es am Ende keinen Sinn ergibt, nur einen zwei Stunden langen ziemlich laaaaangsamen und unspektakulären Film.

Okay… ich gebe zu, der Film an sich sieht gut aus – sprich: Die Bilder sind toll. Die Einöde ist wunderschön in Szene gesetzt. George Miller könnte „The Bad Batch“ als Inspiration für seinen nächsten Mad-Max-Film nehmen: Wüste sieht auch bei Amirpour toll aus – und ein bisschen scheint sie sich ja auch an „Mad Max: Fury Road“ was abgeguckt zu haben. Nur halt nicht so cool, sondern eher ziemlich verschlafen und verstrahlt.

Vielleicht kann ja irgendjemand was an diesem Film finden, ich konnte rein gar nichts daran finden – und trotzdem habe ich ihm zwei Stunden meines Lebens geschenkt. Schöne Bilder und ein guter Soundtrack machen am Ende leider doch keinen guten Film. „The Bad Batch“ ist anderthalb Stunden zu lang für die „Story“. „The Bad Batch“ hat keine guten Charakter, da brechen sich „Aquaman“ Jason Momoa und Suki Waterhouse ordentlich einen ab, um irgendwas zu liefern. „The Bad Batch“ ist einfach nur – merkwürdig, lang und öde.

Wertung: 2 von 10 Punkten (da war der Druck, dem großartigen Vampir-Film einen ähnlich guten Film folgen zu lassen, wohl eindeutig zu groß)

Das Baby der Agentin

8. November 2017

Es ist geschafft… ich habe „Alias“ durch. Nur im Gegensatz zu den bisherigen J.J. Abrams-Serien, deren finale Staffeln mir immer gut gefallen haben, hatte ich mit der letzten Staffel von „Alias“ so meine argen Schwierigkeiten. Was mit Sicherheit auch daran lag, dass Staffel 4 jetzt eher ein Schritt zurück als ein Schritt nach vorne gewesen ist. Ich gebe auch gerne zu, dass ich mir von einer Abrams-Serie dann am Ende doch ein bisschen mehr erhofft hatte, allerdings verdrängte ich dabei scheinbar ganz gerne, dass „LOST“ und „Fringe“ ja erst nach „Alias“ kamen. „Alias“ wirkt daher für mich immer noch ein bisschen eher wie das Ausprobier-Projekt, dessen Resultate (gute wie schlechte) dann den Erfahrungsschatz für die kommenden Serien extrem bereichert haben.

Sidney (Jennifer Garner) und Vaughn (Michael Vartan) überleben den schweren Autounfall aus dem Finale von Staffel 4… und irgendwann verrät Vaughn ihr dann, dass er eigentlich Andre Michaux heißt und seit Jahren nach dem geheimnisvollen „Project Five“ forscht, in das selbst sein Vater involviert war. Doch bevor er das vertiefen kann, wird er ermordet – und hinterlässt eine schwangere Sidney mit gebrochenem Herzen und einer neuen Aufgabe: Project Five ist nämlich immer noch aktiv und nun auf einmal auch hinter Sidney und ihrem Baby her. Und natürlich steckt irgendwo auch wieder ein Sloane (Ron Rifkin) dahinter – der natürlich wie immer seine eigene Agenda verfolgt.

Ich sage es gleich vorweg, es wird einen kurzen Spoiler zum Thema Michael Vaughn geben – aber ganz ehrlich: jeder, der bis jetzt in der Serie durchgehalten hat, wird wissen, was mit ihm passiert. Ja, er kommt nämlich wieder zurück, er ist gar nicht tot. Aber genau an der Stelle hatte ich dann wirklich ein Problem mit der fünften Staffel. Es ist schon fast wie mit Comic-Büchern – niemand stirbt hier wirklich und es nimmt irgendwann die Furcht vor dem Tod (in der Serie). Sidneys Mutter (Lena Olin) war ja angeblich auch tot, lebte dann doch wieder und ja, Michael Vaughn ist auch wieder da. Wir sehen, wie er förmlich durchlöchert wird und am Ende wird uns die Erklärung untergejubelt, er hätte ein Serum gespritzt bekommen, das sein System komplett heruntergefahren hat. Wie er aber die Kugeln alle überlebt hat, wie er dann auf einmal nach Nepal kommt – ist für die Erzählung unwichtig. Dementsprechend wird das in der Serie auch nur so kurz erwähnt – und auch die Tatsache, dass Sidney davon wusste, um Michael vor Project Five zu schützen. Mir wäre irgendwie lieber gewesen, sie hätten ihn sterben lassen. Dann hätte man daraus eine persönliche Vendetta der schwangeren Sidney machen können, die ihren geliebten Michael Vaughn rächen will.

Aber gut, wie gesagt, kennt man die Serie, war das irgendwo klar, dass er auf die unmöglichste Art und Weise wiederkommen würde. Unmöglich – oder besser irrelevant – war auch der Versuch, in die letzte Staffel noch einmal zwei neue Charaktere einzufügen. Gut, geschuldet ist das wahrscheinlich der Tatsache, dass Jennnifer Garner in der letzten Staffel tatsächlich schwanger war. Dafür Hut ab, die gute Frau gibt sich da wirklich keine Pause und macht auch mit dicker Baby-Plautze so einiges mit. Für die Action fällt sie dann aber doch aus und in sexy Unterwäsche kann man sie so nun auch nicht mehr stecken. Also kommt eine Ersatz-Sidney in Form von Rachel Gibson (Rachel Nichols) und dazu noch gleich ein Ersatz-Vaughn in Form von Tom Grace (Balthazar Getty). Gibson bekommt haargenau die gleiche Story wie Sidney in Staffel 1. Bei Grace ist es nicht so wichtig, der ist einfach plötzlich da – und bekommt dann auch noch so eine traurige Vergangenheit wie einst Agent Doggett in „Akte X“. Doch sowohl Gibson als auch Grace leiden extrem unter der miserablen Einführung und kommen nie so richtig zur Geltung – zumal Balthazar Getty gefühlt auch nur einen Gesichtsausdruck drauf hat. Und damit kommt er einfach nicht gegen Victor Garber an, der für mich immer noch der König des grimmigen Blicks ist.

Natürlich darf ich nicht vergessen über das Finale an sich zu sprechen. Ich gehöre ja zu denjenigen, die das Finale von „LOST“ sehr mochten und auch „Fringe“ hat sich gut von seinen Fans verabschiedet. Bei „Alias“ ist das leider nicht so wirklich der Fall. Was ich gut finde, ist auch hier die Tatsache, dass es uns nicht so offensichtlich erklärt wird (anders als man das noch in Staffel 3 mit Sidneys „verlorenen“ Erinnerungen gemacht hat), aber so richtig zufriedenstellend fand ich das große Finale rund um Rambaldi jetzt irgendwie auch nicht. Dafür, dass er seit der ersten Staffel so eine große Rolle spielt, hatte ich mir dann doch ein bisschen mehr erhofft (und ich habe das Gefühl, dass Abrams das selbst auch gemerkt hat, weswegen Teile der Rambaldi-Story sich ja dann in der sehr viel interessanten „William Bell“-Story in „Fringe“ verstecken).

Alles in allem werden mir dann doch nur Staffel 2 und Staffel 3 so wirklich in Erinnerung bleiben. „Alias“ war eine nette Serie, doch gerade mit den letzten beiden Staffeln haben sich die Macher (meiner Meinung nach) wirklich keinen Gefallen getan. Dann hätte ich mir doch eher gewünscht, sie fahren die Rambaldi-Schiene noch ein bisschen verrückter auf. Naja, wie gesagt, ich glaube, das war für alle ein gutes Training für „LOST“ (für Komponist Michael Giacchino auf jeden Fall – schließt man bei „Alias“ die Augen, denkt man spätestens so richtig ab Staffel 3, man würde „LOST“ gucken)

Wertung: 5 von 10 Punkten (es schwankt extrem hin und her, aber es ist jetzt wenigstens zu Ende)

Der Entbehrliche

6. November 2017

Ich bin ja gerade unterwegs auf meinem persönlichen Sylvester-Stallone-Revival. Obwohl… Revival würde ja bedeuten, dass ich es noch einmal erlebe. Aber ich erlebe Stallone als Action-Helden ja quasi das erste Mal so richtig. Nach „Rocky“ ist daher „Rambo“ dran – und Teil Eins dieser Ein-Mann-Kampf-Einheit war ja schon ein ziemlich cooler Film. Ich hatte zumindest meinen Spaß und war dann doch auch erstaunt, wie ernst „Rambo“ mit diesem Kriegstrauma umging. Ein Freund erzählte mir danach auch, dass Rambo sich in einem ursprünglichen Ende selbst umbringen sollte. Ein krasses Ende, das noch viel mehr ein Zeichen gesetzt hätte. Aber wäre Rambo schon im ersten Teil gestorben, wie hätten wir dann noch Fortsetzungen dazu haben können?

Zum Glück landete Rambo (Sylvester Stallone) nur in Haft und wird dort nach ein paar Jahren von seinem alten Colonel Trautman (Richard Crenna) besucht. Der hat einen Auftrag für ihn von der Army: Rambo soll zurück nach Vietnam und nach Kriegsgefangenen Ausschau halten. Er soll Fotos machen, um zu beweisen, dass es keine mehr gibt. Doch das vermeintliche leere Camp erweist sich als weniger leer als gedacht. Tatsächlich findet Rambo dort Kriegsgefangene und wird bald selbst zum Gejagten. Der größte Schock kommt jedoch, als er von seinen eigenen Leute keine Hilfe bekommt. Rambo wurde benutzt und ist nun auf sich allein gestellt.

Voll der Macho-Man

Was passiert, wenn James Cameron und Sylvester Stallone ein Drehbuch zusammen schreiben? Nun, es passiert so etwas wie „Rambo II – Der Auftrag“. Und irgendwie schwanke ich noch zwischen milder Begeisterung und heftigem Kopfschütteln. Gerade von Stallone und Cameron hätte ich – so merkwürdig das jetzt vielleicht klingen mag – ein bisschen mehr erwartet. Ich meine, Stallone hatte zu diesem Zeitpunkt schon drei „Rocky“-Filme geschrieben und Cameron hatte immerhin schon mit „Terminator“ einen richtigen guten Action-Film abgedreht. Allerdings haben sich die beiden mit dem Drehbuch zu „Rambo II“ nicht wirklich mit Ruhm bekleckert.

Erstens ist es kein würdiger Nachfolger zu „Rambo“. Ehrlich gesagt, ist mir der erste Film schon jetzt als Einzel-Film lieber – ohne das ich den Rest der Reihe gesehen habe. Der Film hätte eigentlich keine Fortsetzung gebraucht – und dann nicht unbedingt so eine. Denn damit kommen wir zu Zweitens: Der Film wirkt arg konstruiert. Das Drehbuch hangelt sich mühselig durch seinen Plot, der noch konfuser ist als der aus dem ersten Teil. Was eine kleine Beleidigung für Teil 1 ist. Denn auch wenn dort die Handlung etwas arg ins Krasse gerät, ist sie noch ein bisschen nachvollziehbar. „Rambo 2“ will einfach nur irgendwie eine wirre Story über Verschwörungen, damit Rambo möglichst vielen Soldaten in den Hinter treten kann. Was dabei dann noch diese üble Liebesgeschichte mit Co Bao (Julia Nickson-Soul) sollte, werde ich wohl nie verstehen. Die Frau erinnert ein wenig an die gute Dame aus „Predator“, die auch nicht wirklich wichtig war – außer, dass es zwischen all den Männern auch eine Frau gab. Jetzt ist Nickson-Souls Rolle ein bisschen weiter ausgebaut und sie hilft Rambo ja sogar – aber trotzdem ist das alles nicht besonders gut in die Story integriert. Hätte man sich auch echt sparen können. Am Ende ist „Rambo 2“ doch eh Testosteron-Kino pur, aber so hat der gute John Rambo schlußendlich noch einen Grund mehr, die Sau so richtig rauszulassen – nicht nur aus Hass gegen seine Peiniger, sondern für die Liebe. Ist fast schon romantisch.

Wenn wir die Story mal stark vernachlässigen, hat „Rambo 2“ immerhin noch coole Stallone-Momente, in denen er die coolsten Explosionspfeile aller Zeiten verschießen darf und in denen sein Messer noch größer ist als vorher (wird das eigentlich mit jedem Film größer???). John Rambo kann jetzt noch so viel coolere Sachen machen als vorher – er fliegt Hubschrauber, er verschießt Pfeile, er ballert lässig aus der Hüfte heraus mit schweren Maschinengewehren und philosophiert dabei noch kluge Sachen wie „Um den Krieg zu gewinnen, musst du der Krieg werden!“ Dazu kommt ihm sehr zu Hilfe, dass seine Gegner in etwa so zielsicher sind wie die Sturmtruppen in „Star Wars“ und ihn selbst dann nicht treffen, wenn sie alle auf einmal schießen. Richtig traurig wird das zum Ende, wenn Rambo im Hubschrauber von einem anderen Hubschrauber verfolgt wird. Statt einfach zu schießen, grinst der Pilot stundenlang und wartet, bis der gute John soweit ist, selbst zu schießen. Es sind solche Kleinigkeiten, die einem ein bisschen den Spaß an „Rambo 2“ nehmen.

Aber vielleicht überanalysiere ich auch nur. Alles in allem ist es ja ein unterhaltsamer Action-Streifen, den ich aber auch nicht noch ein zweites Mal gucken müsste. Da bleibe ich, wie schon gesagt, lieber beim ersten Teil.

Wertung: 6 von 10 Punkten (nette, übertriebene Ballerei, mehr auch nicht)

Ein-Mann-Armee

3. November 2017

Ich war immer eher ein Schwarzenegger-Mann. Ich bin mit Arnie als „Conan“ aufgewachsen, habe ihn dann als Terminator (wohlgemerkt, zuerst als den guten Terminator in „Terminator 2“) kennengelernt und vor allem durch seine ganzen 80er Jahre Komödien. Ein wirklicher Stallone-Mann war ich nie. Erst durch „Rocky“ habe ich ein bisschen mehr Respekt für Stallone entwickelt… und kaum hatte ich „Rocky Balboa“ zu Ende geguckt, fing ich mit dem nächsten Stallone-Franchise an: „Rambo“!

Willkommen in Hope, steht da am Ortseingangsschild der kleinen Stadt Hope, als der Vietnam-Veteran John Rambo (Sylvester Stallone) auf der Suche nach den letzten Kameraden seiner alten Einheit dort vorbei kommt. Doch Sheriff Will Teasle (Brian Dennehy) hat etwas gegen Rocky und schiebt ihn schnell wieder ab, was Rocky sich nicht gefallen lässt. Kurzerhand nimmt Teasle den Veteran auf die Polizei-Station, wo der von den Plozisten so lange schikaniert wird, bis alte Kriegstraumata Rocky zum Ausrasten bringen. Er flieht in die Wälder und wird nun vom Sheriff und seinen Leuten gejagt. Doch haben die keine Chance gegen John Rambo, was sie sehr schnell lernen müssen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich habe „First Blood“, wie der Film ja eigentlich heißt, irgendwann mal vor Ewigkeiten gesehen und dann auch nie so richtig bis zum Schluss – also eigentlich nicht einmal bis zur Hälfte, wie ich jetzt erschreckend feststellen musste. Ich dachte bis heute, dass die Szene, in der Rambo von der Felswand in den Fluss fällt, die Schlussszene des Films ist. Und da geht es ja erst so richtig los.. So kann man sich täuschen…

„First Blood“ ist ein geiler Film… und der wortkarge Sylvester Stallone perfekt für die Rolle des schweigsamen John Rambo. Dieser Typ ist die perfekte Mischung aus Out-Door-MacGyver und dem „Predator“. Ich meine, was der Mann mit nur einem Messer alles anstellen kann, würde selbst den Predator neidisch machen (wenn Arnie damals gegen Stallone hätte kämpfen müssen, wäre das ein sehr schwerer Kampf geworden und ein bisschen Schlamm im Gesicht hätte nicht ausgereicht.) Die Action ist schon ziemlich cool, vor allem wenn man im Verlauf des Films mehr und mehr Leute auf Rambo los lässt und der trotzdem immer wieder als Sieger hervorgeht.

„First Blood“ hat aber mit Stallone nicht nur einen sehr stoischen Helden, sondern mit Brian Dennehy einen wunderbaren Antagonisten. Dessen Sheriff Teasle ist einfach mal das perfekte Beispiel für einen Typen mit so großem Ego, dass er blind vor Wut wird, wenn jemand daran kratzt.

Gleichzeitig zeigt sich in seinem Charakter aber auch ein bisschen die Absurdität von „First Blood“: ich meine, das Sprichwort „Aus einer Mücke einen Elefanten machen“ passt wohl perfekt zu diesem Film. Ich musste auch an „Anchorman“ und den Spruch: „That escalated quickly!“ denken. Das ist schon wirklich ein bisschen krass, wie dieser Film abgeht: da wird ein vermeintlicher Hippie von der örtlichen Polizei aufs Korn genommen und auf einmal herrscht Krieg. Auf einmal kommt eine ganze Armee auf einen einzigen Mann, der sie dann einfach so fertig macht. Da fragt man sich dann so ein bisschen, warum die USA in Vietnam so versagen konnte? Mit Typen wie Rambo hätten sie eigentlich die ganze Welt erobern müssen. Da erinnerte mich „First Blood“ ein bisschen an Schwarzeneggers „Phantom Kommando“ – nur halt mit dem Unterschied, dass sich Schwarzeneggers Film nicht ernst genommen hat, während „First Blood“ das schon sehr tut. Und trotzdem funktioniert der Film. Man hat irgendwann ziemlich schnell vergessen, dass eine vermeintliche Lappalie diesen Kleinkrieg auslöste und feiert einfach nur diesen Rambo ab, der alles und jeden vernichtet.

Erstaunlich fand ich dann aber auch seinen Zusammenbruch am Ende, wenn er in Tränen wie ein kleines Kind in den Armen von Colonel Trautman (Richard Crenna) liegt und von den schrecklichen Dingen erzählt, die er im Krieg erleben musste. Das gibt der Figur des John Rambo dann auf einmal ein ganz anderes Gesicht. Dieser Mann ging durch die Hölle und wurde wegen ein paar Hillbillie-Idioten gezwungen, es noch einmal zu durchleben. In dem Augenblick tut einem diese Tötungsmaschine extrem leid und man hasst Sheriff Teasle und seine Männer gleich noch ein bisschen mehr.

„Rambo: First Blood“ ist schon ein interessanter Action-Film – und ich bin vor allem gespannt, was mich noch so von den anderen Teilen her erwartet. Ich muss wohl nicht mit dem Rocky-Effekt rechnen, oder??? 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (that escalated quickly – „First Blood“ perfekt zusammengefasst)