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Vertraue dem Fungus!

18. Juni 2021

Video-Spiel-Verfilmungen haben es einfach nicht leicht. Sie können nur selten ihrer Grundlage gerecht werden. „Assassin’s Creed“ zum Beispiel hat zwar ein paar nette Parkour-Einstellungen, funktioniert aber erzählerisch überhaupt nicht. „Tomb Raider“ war einfach nur eine schlechte Kopie der Ereignisse des ersten Reboot-Games. Ich muss ja wirklich sagen, die letzte Video-Spiel-Verfilmung, die mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat, war „Sonic The Hedgehog“. Der Film hat seine eigene Story erzählt, ohne dabei die Grundlage außer Acht zu lassen… und das hat alles erstaunlich gut funktioniert und war sehr unterhaltsam. Seit dem Anfang des Monats hat Netflix nun eine Video-Spiel-Verfilmung, die weithin als eine der schlechtesten überhaupt betitelt wird: „SUPER MARIO BROS.“, der Film basierend auf dem Nintendo-Hit „Super Mario“. Als Kind habe ich den Film geliebt, jetzt wird es Zeit mal zu schauen, wie sich der Film so gehalten hat.

Vor 65 Millionen Jahren stürzte ein Meteorit auf der Erde ab, doch entgegen der Forschung sorgte das nicht für das Aussterben der Dinosaurier. Vielmehr bildete sich eine Paralleldimension, in der die Dinos zu intelligenten Wesen heranwuchsen. In dieser Welt regiert der fiese King Koopa (Dennis Hooper). Der ist auf der Suche nach einem Splitter des Meteoriten. Wenn er den hat, kann er beide Universen mit einander verbinden und über beide herrschen. Dieses letzte Splitterstück hat Prinzessin Daisy (Samantha Mathis), die als Kind von ihrer Mutter in der Menschenwelt ausgesetzt wurde, ohne zu wissen, dass sie königliches Blut aus einer anderen Dimension hat. Doch Koopas Schergen sind ihr auf den Fersen und ehe ihr bewusst wird, was geschieht, ist sie in einem interdimensionalen Konflikt verwickelt. Zum Glück hat sie kurz vorher den sympathischen Klempner-Lehrling Luigi Mario (John Leguizamo) kennengelernt. Der will ihr natürlich helfen… und macht sich mit seinem Bruder Mario Mario (Bob Hoskins) auf, die Prinzessin zu retten.

Okay, wow… von der Seite eines Mario-Fans betrachtet, ist dieser Film wahrscheinlich eine Katastrophe. Luigi kriegt Daisy ab, wenn es im Spiel doch Mario ist, der der Prinzessin hinterherjagt? King Koopa, den wir besser als Bowser kennen, will Herrscher über zwei Dimensionen werden??? Pilze spielen in dieser Welt nur von der Warte her eine Rolle, als das der Vater von Daisy durch einen De-Evolutionsstrahl zu einem riesigen Fungus geworden ist, der das ganze Königreich einnimmt. Statt lustigen Rohren und Leveln gibt es hier Dinohattan. Toad (Mojo Nixon) ist ein Straßenmusikant, der durch den gleichen De-Evolutionsstrahl zu einem gehirnlosen Goomba wird… einem riesigen Irgendwas mit winzig kleinem Echsen-Kopf. Am Ende müssen sich Luigi und Mario zwar ein Hochhaus hochkämpfen (in Ehre des ersten Auftritts des Klempners), aber das ist auch nicht so ganz das Gleiche. Es gibt Sprungstiefel, durch die der Jump-and-Run-Charakter des Spiels hier und da mal thematisiert wird… und statt der Feuerblume gibt’s kleine Flammenwerfer, die Feuerkugeln schießen.

Wie gesagt, als Hardcore-Mario-Fan kann man bei diesem Film wahrscheinlich wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Mit den Spielen selbst hat das eigentlich gar nichts mehr zu tun, aber ich muss nach wie vor gestehen, dass ich „Super Mario Bros“ wirklich mag. Was man dem Film zugutehalten muss, ist einfach die Tatsache, dass man sich hier nicht penibel an die Vorlage hält. Ich wette, wenn man den Film nicht gerade „Super Mario Bros.“ genannt hätte, würden Leute viel wohlwollender damit umgehen.

Klar, der Film ist absolut Trash, aber er ist liebevoller Trash. Bob Hoskins ist einfach saukomisch in seiner Rolle als Klempner. Bei Dennis Hopper habe ich mich die ganze Zeit gefragt, ob er überhaupt weiß, in was für einem Film er da mitspielt. Es ist alles einfach so herrlich absurd. Aber es passt. Die Story ist gaga ohne Ende, aber mein Gott… solange es unterhält, warum nicht? Der Film hat Action, der Film hat ulkige Kreaturen, der Film hat Humor, ein witziges Duo als Lead. Ich bleibe dabei, ich mag diesen Film auch jetzt noch.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Trash hoch zehn, aber unterhaltsam ohne Ende)

Die Lotus-Blüten von Selemene

16. Juni 2021

Wir sind mal wieder bei einer Spiele-Verfilmung. Allerdings einer, bei der ich die Vorlage so überhaupt nicht kenne… zumal ich auch kein sonderlicher großer Fan von Strategiespielen bin. Wenn ich das aber richtig verstanden habe, geht es bei dem Spiel „Defense of the Ancients“ und seinem Nachfolger „Dota 2“ darum, dass man eine Gruppe von Helden um sich scharrt und mit denen dann die Basis des Gegners angreift. „Dota 2“ hat dabei wohl auch eine riesige E-Sports-Community, bei deren Turnieren wohl auch gerne mal 30 Millionen Dollar als Preisgeld ausgeschrieben werden (so sagt es mir zumindest Wikipedia). Also „Dota 2“ ist offensichtlich der Shit, obwohl das Konzept oberflächlich betrachtet ja recht simpel klingt: Eigene Basis verteidigen, die des Gegners zerstören. Fertig. Klingt doch nach etwas, was man dringend verfilmen muss, oder nicht? Äh ja… total. Zumindest hat sich das Netflix gedacht und daraus jetzt mal eine Animationsserie namens „DOTA: DRAGON’S BLOOD“ gemacht.

Der Drachenritter Davion jagt auf der ganzen Welt Drachen, um so die Bewohner zu beschützen. Sein Hass auf Drachen wird aber auf eine besonders harte Probe gestellt. Davion beobachtet, wie ein älterer, mächtiger Drache namens Slyrak gegen den Dämon Terrorblade kämpft, der alle Drachen vernichten und deren Seelen einsammeln will. Im Kampf gegen Terrorblade wird dieser Drache tödlich verwundet. Doch bevor er stirbt, verschmilzt er seine Seele mit der von Davion, der daraufhin in besonders wütenden Momenten selbst zum Drachen wird. In der Hoffnung, diesen Fluch von sich abzuwenden, trifft Davion auf die verstoßene Prinzessin Mirana, die mit ihrer stummen Beschützerin Marcy auf der Suche nach den gestohlenen Lotus-Blüten ihrer Göttin Selemene ist. Die wiederum wurden von Elfen gestohlen… und das droht einen Krieg auszulösen, der alles – neben den Drachen – noch verschlimmern könnte.

Das sind die ersten acht Episoden von „Dota: Dragon’s Blood“ Staffel 1 grob zusammengefasst. Ich muss gestehen, ich hatte mir so etwas erhofft wie „Castlevania“… und vom Stil erinnert die neue Netflix-Serie auch sehr stark an die Abenteuer von Trevor Belmont. Aber so wirklich überzeugen konnte mich die Serie dennoch nicht. Was zum einen an der Story lag, zum anderen an den Charakteren.

Die Story kommt sich verschwurbelt daher. Die ganze Nummer mit diesem Dämon Terrorblade und den Drachen wird nie so richtig gut erklärt, so dass man sich hier ein wenig verloren fühlt. Ich habe nie so richtig das ganze Ausmaß der Bedrohung durch Terrorblade greifen können. Er ist halt einfach irgendein mächtiger Dämon, der alles vernichten will. Okay… herzlich willkommen typischer 08-15-Schurke aus jedem x-beliebigen (Fantasy-)Film überhaupt. Der hat einfach so gar nichts, was ihn auch nur in irgendeiner Form interessant macht.

Das Gleiche gilt übrigens auch für die Drachen selbst. Hier hatte ich echt gehofft, da coole und vor allem unterschiedliche Arten zu Gesicht zu bekommen. Aber auch die Hintergrundgeschichte der Drachen wird nur so knapp wie es geht angeschnitten. Irgendwann in einer der späteren Folgen erfahren wir dann auch mal, dass es eine Art Zirkel mächtiger Drachen gibt, die… irgendwas krasses machen. Keine Ahnung. Diese erste Staffel hat mich, wie gesagt, mit mehr Fragezeichen zurückgelassen als mir lieb war. Die Drachen sehen alle ganz nett aus, aber auch aus ihnen wird nicht viel gemacht.

Der Konflikt zwischen den Anhängern Selemenes und den Elfen wird auch erst zum Schluss richtig greifbar… was schade ist, denn da steckt tatsächlich eine tragische Geschichte dahinter, die man stark hätte ausbauen können. Da geht es um Liebe und Verrat, da wird es wirklich mal emotional. Ansonsten wirkt der eigentliche Konflikt sehr aus der Luft gegriffen und einfallslos.

Das Gleiche gilt auch ein wenig für die Charaktere, die sich auch eher als 08-15 präsentieren. Klassischer Held, taffe Prinzessin, böse Bösewichte… fertig… das hat man von der Charakter-Entwicklung in so vielen anderen Serien einfach schon so viel besser gesehen. Da steckt in allen zwar durchaus Potenzial drin, aber „Dota: Dragon’s Blood“ weiß in dieser ersten Staffel noch nicht so recht, worauf es sich konzentrieren soll und macht einfach alles auf einmal. Da wird Action reingehauen (die auch nur so lala ist), da wird hier und da mal ein bisschen was über die Charaktere erzählt, aber mehr darauf geachtet, diese „Story“ voranzutreiben. Dabei wäre eine Entwicklung der Charaktere schon interessanter gewesen, damit man sich in dieser wirren Story (die eigentlich gar nicht so wirr ist, sondern nur schlecht erzählt) mit irgendwas zurechtfinden kann.

Ich weiß echt nicht, ob mich da die zweite Staffel überhaupt noch interessiert… es gibt halt einfach doch so viel bessere Animationsserien.

Wertung: 4 von 10 Punkten (da steckt Potenzial drin, aber der erste Eindruck ist versaut)

Big Brother – Jigsaw Edition

14. Juni 2021

Horror-Reihen haben es immer nicht leicht. Da kommt ein erfolgreicher erster Film daher („Halloween“, „Nightmare on Elm Street“, etc.) und dann müssen die Fortsetzungen folgen. Es wundert mich daher schon sehr, dass „Blair Witch Project“ nie weiter ausgebaut wurde… aber sowohl der zweite Teil als auch dieses Reboot-Ding von 2016 konnten nichts leisten. Da fehlte einfach der ikonische Killer, den die meisten Reihen dann ja doch haben. Ohne einen Michael Myers, einen Jason Voorhees, Pinhead, Chucky oder Freddy wären die meisten Horror-Fortsetzungen wahrscheinlich auch sehr viel früher im Erdboden versunken. Am Ende braucht es einen starken Killer, um den sich alles dreht. Das hat man sich dann auch für die Fortsetzung von „Saw“ gedacht, dem Mega-Horror-Erfolg von 2004. Denn in „SAW 2“ steht die vermeintliche Leiche aus dem ersten Teil, der Jigsaw-Killer John Kramer sehr viel mehr im Vordergrund.

Die Polizei kann Jigsaw (Tobin Bell) endlich stellen. Doch der Erfolg, der es eigentlich sein sollte, ist es für die Polizisten Eric Matthews (Donnie Wahlberg) und Allison Kerry (Dina Meyer) dann doch nicht. Denn Jigsaw hat gerade auf Matthews nur gewartet… er hat nämlich seinen Sohn entführt und diesen mit anderen Opfern in ein Haus voller Fallen gesperrt. Unter diesen Opfern befindet sich sogar die einzige Überlebende seines Spiels aus Teil 1, Amanda (Shawnee Smith). Das Spiel beginnt von Neuem und dieses Mal darf die Polizei live dabei zusehen.

Tja… „Saw 2“ also. Direkt nach dem Erfolg von „Saw“ wurde der zweite Teil verkündet. Das Blöde war nur, dass Regisseur James Wan da schon mit den Vorbereitungen für „Dead Silence“ beschäftigt war und deswegen nicht mehr an der Weiterführung seines „Babies“ beteiligt war. Und man merkt es schon ein wenig… das Timing ist nicht mehr so gekonnt wie im ersten Teil, diese ganze Big-Brother-Story ist auch nur bedingt spannend. Vor allem weil das Big-Brother-Haus auch wirklich vollgepackt ist mit eher langweiligen Charakteren. Die interessantere Story findet dann tatsächlich fernab des Hauses statt… denn was wirklich gut an „Saw 2“ ist, ist Tobin Bell.

Jetzt wird sein Charakter mal ein bisschen ausgebaut. Womit wir dann wieder beim Anfang dieses Artikels werden. Solange ein guter Schurke da ist, kann man auch die Fortsetzungen ertragen. Vorausgesetzt, der Schurke ist gut geschrieben… und Jigsaw ist ja schon recht interessant, gerade weil er seine Spiele ja als etwas sieht, wodurch er den Menschen helfen möchte. Er sagt von sich ja selbst, dass er noch nie jemanden umgebracht hat. Gerade solche Aussagen machen ihn zu einem guten Gesprächsstoff für nach dem Film… und Tobin Bell ist in der Rolle einfach wirklich super.

Der Rest des Casts ist eher… naja… eben da. Donnie Wahlberg hätte vielleicht doch lieber bei den „New Kids on the Block“ bleiben sollen. So wirklich kann sein „Schauspiel“ nicht überzeugen. Von Shawnee Smith hatte ich mir ein wenig mehr erhofft, gerade weil ihr Charakter eines von Jigsaws Spielen schon überlebt hat. Da hätte man echt mehr draus machen können, aber sie geht in dem Big-Brother-Haus leider zu sehr unter.

Im Gegensatz zum ersten Teil wird in „Saw 2“ auch ein bisschen mehr auf die Gewalt gesetzt. Kopfkino allein reicht hier nicht, jetzt dürfen die ausgeklügelten Fallen ein bisschen deutlicher sehen. Ob nun ein Becken voller Spritzen (was ich echt noch am ekligsten fand), gefangen im Brennofen oder einfach nur ein Typ mit Baseball-Schläger (nein, nicht Negan)… „Saw 2“ setzt noch ein bisschen mehr auf Gewalt, hält sich aber für das Genre auch noch zurück.

Immerhin gibt es am Ende mal wieder einen schönen Twist (was ja auch irgendwie zur Reihe gehört), der den ganzen Film in ein anderes Licht stellt. Das wertet den Film tatsächlich ein bisschen auf… wenn auch nicht viel. „Saw 2“ ist jetzt keine überragende Fortsetzung, aber auch keine beschissene. Da gibt es schlimmere Sequels zu Horror-Erfolgen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Jigsaws Big Brother Ausgabe reizt nur bedingt)

Random Sunday #56: Horizon Zero Dawn

13. Juni 2021

Es gibt ganz bestimmte Spiele, die ich gerne öfter spiele – und ich rede jetzt nicht von den altbekannten Klassikern wie „Monkey Island“. Nein, ich rede schon von den großen Titeln. „The Last of Us“ ist zum Beispiel ein Spiel, das ich gerne mehrfach gespielt habe. Weil es einfach wie ein guter Film ist, den man eben auch mehr als einmal gucken kann. Einen Titel, den ich mir jetzt mal wieder vorgenommen hatte, war „HORIZON ZERO DAWN“.

Wir schlüpfen in die Rolle der jungen Aloy, die in einer Welt aufwächst, die durch ein unbekanntes Ereignis verwüstet wurde. Die menschliche Zivilisation ist zusammengebrochen, Maschinen / Roboter sind zur dominierenden Spezies geworden. Eine Störung tritt jedoch auf… und immer mehr Maschinenwesen rasten aus und bedrohen die Menschen. Aloy muss nun auf eine lange Reise gehen, um herauszufinden, was es mit den Maschinen auf sich hat und warum ausgerechnet sie selbst eine besonders wichtige Rolle in all dem spielt.

Meine Güte. Als ich „Horizon“ das erste Mal gespielt habe, habe ich mich da nicht halb so gut angestellt wie jetzt beim zweiten Mal. Ich wusste dieses Mal mehr Bescheid, was ich so alles brauchte. Also ging ich erstmal Jagd machen – auf die noch normalen Tiere. Denn deren Häute und Knochen braucht man, um sein Inventar auszubauen. Damit kann man dann mehr Zeug rumtragen, mehr Munition, mehr Tränke, mehr Waffen, bessere Rüstungen. Anschließend stockte ich meine Fähigkeiten etwas gewissenhafter auf und wurde eine perfekte Kriegerin… irgendwann war „Horizon“ dann zwar schon fast zu leicht, aber der Spaß ging dadurch nicht verloren.

Was bei diesem Spiel echt Spaß macht, ist das Auskundschaften der Schwachstellen der Gegner. Jedes Maschinenwesen muss studiert werden, jeder Schuß mit Pfeil und Bogen muss die richtige Stelle treffen. Das ist toll, vor allem wenn man dann irgendwann gekonnt riesige Viecher, die einem T-Rex ähneln zur Strecke bringt. Das Kampfsystem in „Horizon“ ist gut, vor allem ermöglicht es einem mit verschiedenen Gerätschaften und Fallen eine richtige Strategie aufzubauen. Einfach nur drauf los funktioniert hier nicht.

Im Vergleich dazu sind die menschlichen Gegner eher ziemlich langweilig. Wenn man mal ein Banditenlager ausschalten muss, ist das nicht ansatzweise so aufregend wie der Kampf gegen einen Roboter. Dafür gibt es von denen eine gute Auswahl, die es einem nicht gerade leicht machen.

Die Story ist spannend, aber insgesamt an vielen Stellen doch auch sehr langweilig erzählt. Statt coolen Zwischensequenzen muss man sich sehr viele Dialoge und Monologe anhören und Hologramme anschauen. Es baut sich zwar irgendwann ein tolles Bild über die Ereignisse auf, die zum Zerfall der Zivilisation geführt haben, aber optisch sind die nicht untermalt.

Dafür wurde viel von der Optik für die riesige Welt genommen, in der man sich frei bewegen kann… allerdings lädt das Spiel weniger zum Herumschweifen ein wie manch andere Open-World-Spiele. Auf der einen Seite mag das für die Entdecker unter uns etwas doof sein, auf der anderen Seite bleibt man so endlich mal bei der Hauptstory und wird nicht durch zu viele Nebenquests davon abgelenkt.

„Horizon Zero Dawn“ ist einer dieser Titel, bei dem ich mir schon jetzt denke: „Wow, Teil 2 wird garantiert grandios!!!“ Wenn die da die ganzen kleinen Fehler ausmerzen, die Teil 1 hatte, dann wird das Ding umwerfend. Nicht das Teil 1 nicht schon wahnsinnig toll wäre… was er auf jeden Fall ist. 😉

Becky allein zu Haus

11. Juni 2021

Macaulay Culkins Kevin ist nach wie vor der unangefochtene König, wenn es darum geht, sich als Kind gegen ein paar fiese Ganoven mit möglichst kreativen Mitteln zu wehren. Und schon bei Kevin muss man, wenn man mal etwas genauer drüber nachdenkt, schon sagen, dass der eigentlich ziemlich brutal vorgegangen ist. Heiße Türknäufe oder volle Dosen Farbe an den Kopf sind kein Kinderspiel. Es gibt ein witziges Video auf YouTube, in dem mal die Verletzungen von Harry und Marv aufgelistet worden sind. Wenn das Ganze nicht alles als schöne Slapstick-Komödie im Stile von „Tom und Jerry“ gedreht wäre, würde „Kevin allein zu Haus“ eine ziemlich fieser Splatter sein (Idee für ein Remake: die realistische Version von „Kevin allein zu Haus“). Wie fies sowas sein kann, wenn sich ein Kind gegen Schurken wehren muss, zeigt ein neuer Film namens „BECKY“…

Becky (Lulu Wilson) fährt mit ihrem Vater Jeff (Joel McHale) an das Wochenendhaus der Familie. Während seine Tochter immer noch schwer mit dem Verlust der Mutter (die vor einem Jahr gestorben ist) zu kämpfen hat, will Jeff Becky klar machen, dass er bald wieder zu heiraten gedenkt. Doch Becky will davon nichts wissen und rennt in den Wald… zu ihrem Glück. Denn in dem Augenblick tauchen vier ausgebrochene Häftlinge unter der Führung des fiesen Neonazis Dominick (Kevin James) auf und nehmen Beckys Familie als Geiseln. Warum… nun, Dominick sucht etwas in Jeffs Haus, was er dort auf einmal nicht mehr findet und von dem er schon bald glaubt, dass Becky es haben könnte. So entwickelt sich dann ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die kleine Becky sich als gute Strategin und fiese Killerin beweisen darf.

Den „Kevin allein zu Haus“-Vergleich habe ich schon gebracht. Daran musste ich bei „Becky“ wirklich schon sehr früh denken. Das Konzept ist ja auch letztendlich einfach da. Nur statt dem fröhlichen Familien-Spaß liefern uns die Regisseure Jonathan Milott und Cary Murnion eine nicht ganz so familientaugliche Gewalt-Orgie. Die aber nicht weniger viel Spaß macht als der Weihnachtsklassiker mit Culkin. Das liegt an drei Dingen: Lulu Wilson, Kevin James und einer ordentlichen Portion Gewalt.

Fangen wir mal mit Lulu Wilson an. Ich habe lange gebraucht, bis ich sie als Shirley Crain aus „The Haunting of Hill House“ einordnen konnte. Von bösen Geistern nun also zu bösen Nazis… Wilson ist auf jeden Fall echt verdammt klasse. Mit ihr wird einfach mal das Rotkäppchen zum Wolfkiller (eine Metapher, die uns der Film mit Hilfe einer roten Kappe auf Wilsons Kopf mehr als nur deutlich vor die Nase hält). Aber hey, es klappt. Wilson ist eine taffe Kämpferin, die mit realistischen Mitteln gegen diese großen Kerle vor geht. Ich hatte anfangs ein bisschen Angst, dass „Becky“ zu unrealistisch wirken würde, wenn eine Dreizehnjährige vier erwachsene Kerle (darunter der Zwei-Meter-Zehn-Koloss Robert Maillet) besiegt. Aber der Film umschifft dieses Problem recht clever. Wilson geht in ihrer Rolle als kleine Rächerin auf jeden Fall gut auf und es hat echt Spaß gemacht, ihr zuzusehen.

Wer mich total überrascht hat, war Kevin James. Ich meine, ich kenne ihn nur aus „King of Queens“… und als jemanden, der viel Comedy darüber macht, dass er dick ist. Aber James hat sich doch sehr wandlungsfähig gezeigt (dazu kann ich auch nur seinen YouTube-Kanal empfehlen, der echt verdammt witzig ist). Diese ungewohnte Rolle des grimmigen Schurken stand ihm erstaunlich gut und er war für mich zu keinem Zeitpunkt Doug Heffernan, sondern immer dieser eklige Nazi. Dabei schafft es James, eine tolle Balance zu halten – mal ist er schon fast fürsorglich, springt im nächsten Moment aber wieder um und ist der Teufel in Person. Kevin James sollte definitiv häufiger mal solche Rollen spielen. Comedians in düsteren Rollen scheint zu funktionieren (Paradebeispiel ist für mich da immer noch „One Hour Photo“ mit Robin Williams – gruselig).

Zum dritten hätten wir dann die Action, die Brutalität, die Beckys Kampf gegen die Nazis bestimmt. Und da ist der Film nicht gerade zimperlich und hat ordentlich was zu bieten… wenn man es denn blutig mag.

Es gibt nur ein Problem, das ich mit diesem Film habe… und das ist das eigentliche Ende. Mir war schon während des Guckens bewusst, dass man mir am Ende nicht sagen würde, warum dieses Objekt, das Dominick sucht, für ihn so wichtig ist. Allerdings wird es uns wie ein Leckerli die ganze Zeit vor die Nase gehalten und am Ende suggeriert man uns, dass eine interessante Geschichte dahintersteckt, die dann wohl erst in einem nächsten Film gezeigt werden kann. Wie schon zuletzt bei „Escape Room“ zwingt man mir hier einen zweiten Teil auf – zumal bei „Becky“ noch nicht einmal klar ist, ob es einen zweiten Teil wirklich geben wird. Aber das hat mich dann am Ende doch ein bisschen sehr gestört 😀

Wertung: 8 von 10 Punkten (unterhaltsamer Splatter-Spaß mit gemeinem McGuffin)

Superhelden-Daddy-Issues

9. Juni 2021

Das wird jetzt etwas schwer werden… ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich schon einmal stand. Das erste Mal war beim ersten „John Wick“-Film. Alle Welt meinte zu mir: „Oh, das ist ein geiler Film, der wird dir gefallen!“ und irgendwie wollte ich den ja auch mögen, aber ich konnte einfach nichts damit anfangen. Die Action finde ich super, aber der Rest war für mich eher so lala… und wie gesagt, jetzt bin ich wieder an so einem Punkt angekommen. Ganz viele Leute meinten zu mir: „Sebastian, du musst dir unbedingt die neue Serie INVINCIBLE anschauen. Die ist super…“ Okay, dachte ich mir. Ich hatte die Serie eigentlich nur auf dem Schirm, weil sie auf einer Comic-Reihe von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman basierte. Doch dann hagelte es eine positive Kritik nach der anderen. Irgendwo las ich sogar, „Invincible“ sei besser als „The Boys“. Da hatte es mich dann doch gepackt und ich wollte mir das Ganze anschauen. Leider war ich schon nach gut zwei Folgen ziemlich gelangweilt.

Mark Grayson (Steven Yeun) lebt das Leben eines normalen Teenagers… mit der großen Ausnahme, dass sein Vater der Superheld Omni-Man (J.K. Simmons) ist, der vom Planeten Viltrumite auf die Erde gekommen ist und hier für Recht und Ordnung sorgt. Gemeinsam mit den Guardians of the Globe beschützt er die Erde. Irgendwann passieren zwei mysteriöse Dinge: Erstens, Mark entwickelt auch besondere Fähigkeiten und muss fort an das Leben als Teenager und Superheld unter einen Hut bekommen. Zweitens, jemand tötet die Guardians of the Globe auf brutalste Art und Weise. Nur Omni-Man überlebt diesen Angriff… während die Ermittlungen laufen, wissen nur wir als Zuschauer, wer für all dieses Chaos verantwortlich ist.

Ganz ehrlich, schon in der ersten Folge habe ich mich gefragt, warum alle Welt diese Serie so abfeiert. Die erste Episode hat mich ein bisschen an einen jungen Spider-Man erinnert, der seine Fähigkeiten erlernen und sein Leben managen muss – mit dem Unterschied, dass in diesem Szenario seine Vater-Figur in Form seines Vaters eben noch am Leben ist. Und diese Thematik des jungen Helden, der mit seiner neuen Rolle klarkommen muss, zieht sich durch die ganze erste Staffel. Was nett ist, aber eben auch so absolut nichts Neues…

Mark Grayson ist so für sich ein interessanter Charakter, aber auch keiner der besonders aus dem Wust an Superhelden hervorsticht. Er hat die üblichen Probleme mit Schule, mit der Familie und mit seinen Freunden. Alles schon mal da gewesen.

Spannender hätte ich gefunden, wenn man aus dem Mord an den Guardians mehr gemacht hätte. Aber letztendlich ködert man uns mit der letzten Szene aus Folge 1, füttert uns mit einer krassen Information und wartet dann bis zum großen Finale, um das aufzuklären. Und sorry, selbst die Aufklärung im Finale war einfach nur ziemlich lasch. Da hatte ich nach dem vermeintlichen Aufbau echt sehr viel mehr erwartet.

Mein größtes Problem mit „Invincible“ ist einfach die Tatsache, dass die Story nie vorankommt. Mark wird auf verschiedene Abenteuer geschickt… nett. Ein „Hellboy“-Verschnitt ermittelt im Mordfall der Guardians und macht unangenehme Anschuldigungen – nur um dann schnell wieder zu verschwinden. Die neuen Guardians, die eingeführt werden, sind nett… aber die ganze Story, die man um deren Anführer Robot erzählt, soll krass geheimnisvoll wirken und wird dann auch mit so einer unbefriedigenden Auflösung erklärt, dass mich das alles nur noch genervt hat. „Invincible“ möchte ein Mix aus Mystery, Superhelden-Action und Krimi sein, bekommt aber nichts davon so richtig hin. Die Serie wartet zu lange mit Auflösungen, man denkt sich, da passiert am Ende sonst was… und dann wird man eher enttäuscht.

Auch ein Problem hatte ich mit der Gewalt. Nicht das ich ein Problem mit Gewalt in Serien an sich hätte. Es darf ruhig auch gerne mal grafischer zu gehen, aber „Invincible“ ist einfach nur grafisch, um überhaupt irgendwas zu haben, über das man wirklich reden könnte. Die Gewaltexzesse sind übermäßig, fühlen sich aber sehr gewollt an. Hauptsache, es platzen ein paar Köpfe, es werden ein paar Gliedmaßen ausgerissen und es spritzt viel Blut. Die Handlung, die echt langsamer ist als das Faultier in „Zootopia“, wird dadurch nur leider nicht besser.

Um mal zum Vergleich zu „The Boys“ zurückzukommen: Den verstehe ich absolut nicht. „The Boys“ ist bissig böse in seiner Abrechnung mit Superhelden und dem Missbrauch von Gewalt. Hier passt für mich alles stimmig zusammen. „Invincible“ ist nicht bissig… und wenn dann so bissig wie ein alter Hund, dem alle Zähne ausgefallen sind: Die Serie wäre es gerne, schafft es aber nicht. Dieser Mix aus Spider-Man-Origin und „Wir wären gerne wie The Boys“ haut nicht hin. Das Ganze fühlt sich einfach sehr zusammengeklaut und unausgegoren an… weswegen ich einfach nicht meinen Spaß mit der Serie haben konnte.

Wertung: 3 von 10 Punkten (die Brutalität soll überdecken, dass es nicht viel Neues zu erzählen gibt)

Zwei Männer, eine Leiche und zwei Sägen

7. Juni 2021

Als 2004 der erste „SAW“-Film in die Kinos kam, wurde ein großer Hype um diesen Film gemacht. Dass sich daraus ein Franchise entwickeln würde, dass schon bald seinen neunten Teil bekommen wird, hätte damals wahrscheinlich auch niemand gedacht. Damals waren alle nur von dieser „American Dream“-Story der Macher begeistert: Zwei Filmstudenten wollen nach der Uni einen Film machen, produzieren erst einen Kurzfilm, aus dem sie dann einen Kino-Film machen, der dann aus seinem Eine-Million-Dollar-Budget zu einem 100-Millionen-Dollar-Erfolg wird. Ich habe seiner Zeit „Saw“ natürlich brav im Kino geguckt und war brav einer von vielen, die den Film gefeiert haben. Doch das war’s dann auch schon wieder… ich hatte noch brav Teil 2 geguckt, aber danach verlor ich dann auch schnell das Interesse an der Reihe. Eine Reihe, die einer meiner besten Freunde total feiert und der mich deswegen dazu „verdonnert“ hat, die Filme mit ihm zu gucken. Fangen wir also an mit dem allersten Sägen-Film.

Der Fotograf Adam (Leigh Whannell, der ja auch Drehbuchautor gewesen ist) und der Arzt Lawrence Gordon (Cary Elwes) wachen in einem dunklen Raum auf. Die beiden sind mit dicken Ketten an Rohre gefesselt, in der Mitte des Raumes liegt eine Leiche und eine ominöse Stimme auf Kassetten… die unbedingt ein Spiel mit den beiden spielen möchte. Gordon ahnt sofort, dass hier der berühmt-berüchtigte Jigsaw-Killer am Werk ist. Ein Serienmörder, der Menschen durch blutige und zu oft auch tödliche Spiele dazu bringen will, ihr Leben mehr zu schätzen. Blöd nur, dass die meisten dabei drauf gehen. Nun sind also auch Adam und Lawrence Teil dieses Spiels… ein perfides Spiel, das auf lange Sicht vorbereitet wurde.

Mit ihrem „kleinen“ Film lösten Regisseur James Wan und Autor Leigh Whannell eine richtige Lawine aus. Das Torture-Porn-Genre erlebte ein krasses Revival… wer mit einer Million Dollar über hundert Millionen Dollar verdient, der muss einfach einige Copy-Cats erwarten. Doch so richtig kam keiner an „Saw“ heran. Das Interessante an „Saw“ finde ich, ist auch nach wie vor, dass der Film nicht zu sehr in dieses Torture-Porn-Mäßige verfällt. Die Fallen, die Jigsaw bastelt, sind schon extrem perfide und eklig, aber der Film umschifft ziemlich gekonnt, sich zu sehr nur auf die Gewalt zu konzentrieren.

Trotzdem ist „Saw“ natürlich auch noch ziemlich brutal… auch wenn die fiesen Szenen in teils wirren Vorspul-Sequenzen mit doppelter oder dreifacher Geschwindigkeit abgespielt werden, bleibt da noch genug fürs Kopfkino… und auch fürs Auge. Denn schwelgt der Film jetzt noch nicht so extrem in der Brutalität wie später manch andere Vertreter (ich gucke in deine Richtung, Eli Roth 😀 ).

Toll ist an „Saw“, dass er tatsächlich noch eine Story hat. Es ist ja eigentlich ein interessantes Kammerspiel mit Flashback-Sequenzen, die aus dem Ganzen einen guten Thriller machen… der mit einigen guten Twists und Überraschungen daher kommt. Ich habe es damals zumindest nicht kommen sehen, dass der Tote in dem Raum noch so eine wichtige Rolle spielen würde. Der Film ist fies und spielt ziemlich gut mit den Erwartungen der Zuschauer.

Das Einzige, was mich damals als auch  heute einfach so ein bisschen aus der Handlung geworfen hat, sind die doch etwas hölzernen Performances der Darsteller… auch wenn ich heute zumindest erstaunt war, wer da so alles mitgespielt hat. Gut, Danny Glover war ja dank „Lethal Weapon“ noch so der größte Name der Runde. Aber Michael Emerson a.k.a. Ben aus „LOST“ hatte ich schon wieder vergessen, genauso wie auch Dina Meyer und Ken Leung. Tobin Bell, der ja schon bald seinen Platz unter den großen Horror-Ikonen einnehmen durfte, kommt in diesem Film noch nicht so zur Geltung.

Insgesamt muss man aber sagen, dass „Saw“ den Lauf der Zeit ziemlich gut überstanden hat. Es ist ein kleiner, dreckiger Low-Budget-Film, der durch eine gute Story punktet.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der König der Saw-Filme… mal gucken, wie es ab jetzt so weiter gehen wird)

Böser Superboy

4. Juni 2021

Wenn das Beste an deinem Film die Szene im Abspann ist, dann solltest du dir vielleicht überlegen, was du falsch gemacht hast, lieber David Yarovesky. Du könntest das Ganze aber auch auf die furchtbare Vettern-Wirtschaft zurückführen, die dir eh keine Chance gelassen hat, in deinem zweiten Spielfilm irgendwie etwas zu sagen zu haben. Wenn dein Film nämlich produziert wird, von niemand anderem als James fucking Gunn, dann wird sich danach eh kein Mensch an dich erinnern. Klingt fies, ist aber so. Wenn dann auch noch Gunns Bruder Brian und sein Cousin Mark das Drehbuch schreiben, bist du, lieber Yarovesky, eh schon abgeschrieben. Dahinter kann man sich dann aber ganz gut verstecken… und sagen: „Naja, die Gunns haben eben keinen sonderlich guten Film abgeliefert, was soll ich als kleiner Regisseur da noch groß machen?“. So könnte sich der gute Yarovesky wirklich herausreden, wenn es darum geht, wie viel verschenktes Potenzial der erste „Superhero gone bad“-Horror-Film hat. Damals wollte ich „BRIGHTBURN“ noch im Kino sehen, jetzt war ich froh, dass ich ihn nur im Heimkino geguckt habe.

In Brightburn, Kansas stürzt eines Tages etwas vom Himmel… als Tori (Elizabeth Banks) und Kyle Breyer (David Denman) nachsehen, was es ist, finden sie ein kleines Baby, das mit seinem Raumschiff abgestürzt ist. Weil sich die Breyers eh schon lange ein Kind wünschen, ziehen sie den Jungen groß. Als Brandon (Jackson A. Dunn) größer wird, zeigen sich merkwürdige Wandlungen in dem Jungen. Was seine Eltern als pubertäres Verhalten abtun, ist in Wirklichkeit das Heranwachsen eines bösen Supermenschen, der die Welt erobern möchte.

„Brightburn“ möchte uns – ganz in der Tradition von DCs Elseworld-Geschichten – eine Superman-Geschichte erzählen, die uns aufzeigt, was wäre, wenn Superman nicht gut, sondern böse gewesen wäre. Natürlich hat der Film nichts mit DC zu tun (die würden einen Teufel tun, um ihren All-American-Superhero so zu beschmutzen – das Bart-Debakel von „Justice League“ hat da ausgereicht), aber die Parallelen zu Superman sind natürlich offensichtlich: kleine Farm, Ehepaar, das keine Kinder hat, Junge, der Superkräfte entwickelt und nicht weiß, wieso, Junge, der nach und nach seine wahre Bestimmung erfährt. Nur eben alles als Horror-Film.

An einigen Stellen funktioniert „Brightburn“ auch ganz gut. Gerade zu Beginn, wenn Brandon seine Fähigkeiten so langsam entdeckt, doch der Wandel zum Bösen kam irgendwie nicht wirklich gut rüber. Der Film gibt uns keinerlei Anhaltspunkte, warum Brandon die Welt zerstören will. Man muss einfach davon ausgehen, dass seine Spezies von Geburt an Böse ist. Obwohl man sich dann fragen müsste, warum es so lange dauert, bis das aus ihm herauskommt. Ist das dann der Versuch, zu sagen, die Pubertät ist schuld? Und während andere Kinder einfach nur ein bisschen rebellieren, werden Brandons Alien-Kräfte dadurch aktiviert? Ich gestehe, ich fand’s in diesem Fall wirklich ein bisschen blöd, dass ich einfach hinnehmen soll, dass dieser Junge, der bei liebenden Eltern aufgewachsen ist, von Grund auf böse war und nichts anderes will, als töten und zerstören. Sorry, der macht ja nicht einmal vor seinen eigenen Eltern Halt. Da hätte ich es schon interessanter gefunden, wenn er bei beschissenen Eltern aufgewachsen wäre, die quasi das Böse in ihm manifestieren, weil er nie Güte erfahren hat. Aber so… nee… das war leider nichts.

Man kann „Brightburn“ zwar dazu gratulieren, dass der Film den Superman-Mythos mal ein bisschen ins Wanken bringen will, aber das hätte ein wenig mehr Finesse gebraucht. Wie anfangs schon gesagt, das Beste am Film sieht man im Abspann. Wir erfahren, dass Brandon nun die ganze Welt unsicher macht… und oh Wunder, es noch andere Superschurken da draußen zu geben scheint. Offensichtlich war hier der Wunsch, die Anti-Justice-League aufzubauen.

Der Horror-Aspekt in einigen Szenen ist ganz nett, aber auch da hätte man gerade mit Brandons Superman-Fähigkeiten mehr draus machen können. So ist es nur eine nette Effekt-Show, die aber zu oft auch einfach nur billig aussieht. Am ganzen Film hat mir letztendlich nur die tapfere Elizabeth Banks gefallen, die wirklich gut spielt. Jackson A. Dunn hat nette Arschlochkind-Züge, aber kann aus seiner Rolle nicht so viel machen… weil man ihm einfach nichts gibt.

Mit einem clevereren Drehbuch hätte „Brightburn“ eine coole Antwort auf den ganzen Superhelden-Wahn sein können. So ist es nur ein müder Versuch, dagegen vorzugehen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (davon gerne ein Reboot mit besserer Story und ich bin voll dabei)

Der Vogel des Hermes

2. Juni 2021

Bevor direkt Fragen bezüglich des Titels aufkommen: Ich habe auch so absolut keine Ahnung, was es mit dem Vogel des Hermes auf sich hat. In der Anime-Serie „HELLSING ULTIMATE“ wird dieser mysteriöse Vogel nur immer wieder im Titel erwähnt und später von der Hauptfigur der Serie selbst auch. Warum dieser Vogel wichtig ist oder warum er etwa seine eigenen Flügel fressen muss, ist mir nicht wirklich klar, aber es stand halt immer wieder im Titel und ist hängengeblieben. „Hellsing Ultimate“ ist die zweite Anime-Serie zum „Hellsing“-Manga. Die erste Serie, die einfach nur „Hellsing“ hieß, habe ich ja schon gesehen und war ziemlich unzufrieden. Doch als ich mitbekam, dass es eine zweite Serie gibt, die zumindest längere Episoden hatte, war ich gewillt, dieser auch noch eine Chance zu geben. Leider auch nur mit mäßigem Erfolg.

Wir befinden uns wieder in London, wo die Hellsing Organisation unter der Führung von Lady Integra Hellsing gegen Vampire und andere Ungeheuer vorgeht. Lady Integra hat dabei den mächtigen Vampir Alucard unter ihrer Kontrolle, der sich für sie die Hände schmutzig macht. Bis dahin gleichen sich beiden Anime-Serien auch noch. Doch in „Ultimate“ wird die Hellsing Organisation auf eine schwere Probe gestellt: Die Millennium-Gruppe hat es auf England abgesehen. Das ist eine Gruppe von Vampir-Nazis unter der Führung des Majors, die London vernichten will. Im Kampf setzt der Major auf eine Elite-Truppe von Vampiren und zahlreichen Untergebenen. Der Kampf um England und insbesondere um London lockt auch eine dritte Partei an: Der Vatikan schickt seine Sektion Iscariot los, die diesen Kampf für sich entscheiden wollen, um den Katholizismus in England wieder aufbauen zu können. Diesen Armeen steht nun Hellsing gegenüber – mit nur Alucard und der jungen Polizistin Seras, die gerade erst zum Vampir gemacht wurde.

Allein vom Umfang und von der Geschichte her ist „Hellsing Ultimate“ definitiv die bessere der beiden „Hellsing“-Serienadaptionen. „Ultimate“ besteht zwar nur aus 10 Folgen (die erste Serie hatte 13), die sind dafür aber immer zwischen 50 und 60 Minuten lang (die Folgen der ersten Serie hatten nur eine Laufzeit von ca. 20 Minuten). Auch die Geschichte macht bei „Ultimate“ sehr viel mehr Sinn. Denn sie hört nicht einfach mittendrin auf und erklärt sich zudem auch an den richtigen Stellen. So entsteht erst ein richtiger Erzählfluss, der nachvollziehbar ist. Die erste „Hellsing“-Serie führt einfach Charaktere ein und schiebt sie wieder weg, ohne das man je wirklich was von ihnen erfährt. Das macht „UItimate“ halt einfach mal wesentlich besser.

Die Geschichte rund um die Nazi-Vampire und deren Verbindungen zum Vatikan und auch zu Hellsing ist dabei trotzdem nur nett. Das größte Problem, das ich mit der „Ultimate“-Serie hatte, war einfach mal die Tatsache, dass die Macher diese Handlung bis ins Unendliche strecken, ohne es wirklich mit etwas Spannendem zu füllen. Die Streckung funktioniert dabei über zwei Mittel, die extrem strapaziert werden: Gewalt und Monologe.

Jeder in dieser Serie liebt es zu reden und jeder hört sich hier furchtbar gerne selbst reden. Besonders der Major sitzt nur zu gerne in bester Villain-Manier auf seinem Stuhl und labert und labert und labert. In manchen Folgen redet der Typ einfach mal zehn Minuten am Stück – ohne dass das Ganze irgendwas zur Handlung beiträgt oder das nebenbei was interessantes passiert. Die Macher versuchen ihm dadurch mehr Tiefgang zu geben, aber es ist doch auch so schon alles gesagt: Nazi-Vampir-Boss = Böse. Hellsing-Vampir = Gut! Fertig… aber nein, nicht fertig. Es muss weiterhin viel gequatscht werden und noch mehr gequatscht werden.

Dadurch will man dann die Tatsache vertuschen, dass in der ganzen Serie nichts wirklich passiert, außer das London angegriffen wird. In zwei recht lang wirkenden Folgen gibt es noch einen sehr gestreckten Kampf um das Hellsing-Hauptquartier mit Seras im Mittelpunkt, aber das war’s.

Womit ich dann mal zur Gewalt komme: Ich habe da gerade in Animes nichts gegen. Das darf gern auch mal etwas brutaler zur Sache gehen. Leider macht „Hellsing Ultimate“ das, was Michael Bay in seinen „Transformers“-Filmen macht – nämlich einfach zu viel. Wenn 40% einer Folge gequatscht wird, bestehen die restlichen 60% aus Gewalt pur. Da fliegen die Körperteile, da werden Menschen gefressen, zerschnetzelt, erschossen und in jeder erdenklichen Art und Weise plattgemacht. Zum Ende der Serie fließt das Blut in Strömen… nur sind die einzelnen Kämpfe nie absolut sehenswert. Manche sind ganz nett, aber oftmals ist es einfach nur Gemetzel pur.

Da aber eine richtige Story fehlt und damit auch irgendeine Art von Entwicklung innerhalb der Charaktere (abgesehen tatsächlich von Seras) konnte ich das Ganze nie so ganz genießen. Dennoch würde ich jedem empfehlen, der sich mit „Hellsing“ beschäftigen will: Überspringt die erste Serie und guckt gleich „Hellsing Ultimate“. Da habt ihr definitiv mehr von – auch wenn das relativ ist 😀

Wertung: 5 von 10 Punkten (deutliche Steigerung, aber die Story schwächelt dennoch sehr)

Krieg der Kleider

31. Mai 2021

Was Disney mit seinen ganzen Live-Action-Remakes anstellt, finde ich ehrlich gesagt, ziemlich langweilig. Anstatt mal wirklich was Neues zu machen, werden die alten Klassiker lauwarm wieder aufgebrüht. Manchmal unter dem Deckmantel, was Neues damit ausprobieren zu wollen. Doch so richtig funktioniert das einfach nicht. Aber gut, meine Skepsis, was das alles angeht, hat mich auch dazu gebracht, mir die ganzen Live-Action-Sachen nicht mehr anzuschauen… so habe ich mir „Die Schöne und das Biest“ genauso erspart wie auch „Aladdin“ oder „Der König der Löwen“ (zählt der überhaupt als Live-Action-Remake, wenn Tiere aus dem Computer kommen?). Doch ich habe damals Angelina Jolie als „Maleficent“ eine Chance gegeben, weil ich den Ansatz spannend fand, den ikonischen Disney-Schurkinnen eine Origin zu geben (auch wenn das natürlich absolut nicht nötig ist). Deswegen wollte ich jetzt auch Emma Stone eine Chance geben, die in „CRUELLA“ versucht, der fiesen Jägerin von 101 Dalmatinern, ein neues Gesicht zu geben. Leider ein wenig vergeblich…

Estella (Stone) verliert früh ihre Mutter (eine verschwendete Emily Beecham) und wächst als Waise in London auf. Zum Glück nehmen die Straßenjungen Jasper (Joel Fry in der erwachsenen Version) und Horace (Paul Walter Hauser) sie auf… und mit kleinen Diebstählen halten sich die Drei über Wasser. Dafür fertigt Estella aufwendige Kostüme an… was ihr später hilft, als sie in die Dienste der Baroness Von Hellmann (Emma Thompson) tritt, die Estella als Designerin für ihre neueste Modenschau einstellt. Doch schnell muss Estella erkennen, dass die Baroness verantwortlich für den Tod ihrer Mutter gewesen ist und schwört Rache… die führt dann aber nicht Estella durch, sondern Cruella – als Punk-Rock-Rebellin, die mit Guerilla-Methoden die Shows der Baroness sabotiert und dabei selbst zur Modeikone wird.

„Cruella“ ist ein Monster von einem Film und das meine ich nicht im positiven Sinne. Der Film ist mit über zwei Stunden einfach mal eine Stunde zu lang… was vor allem daran liegt, dass man uns wirklich von der Geburt bis „jetzt“ alles von Cruella erzählen will. Die Waisenstory wird ein Mix aus „Oliver Twist“ und „Ocean’s Eleven“… nur wird das zu gehetzt erzählt. Außer ein paar netten One-Takes (von denen einer sehr von Scorseses „GoodFellas“ inspiriert ist) liefert Regisseur Craig Gillespie hier aber nichts ab. Das Ganze dient nur als kurze Einführung dafür, warum Cruella so eine tolle Designerin ist.

Später wird das Ganze dann gewürzt mit einer Prise „Der Teufel trägt Prada“… hier punktet der Film dann in zwei Punkten: Emma Thompson und Emma Stone haben wirklich den Spaß ihres Lebens diese beiden Figuren zu spielen. Thompson ist eine herrlich arrogante, selbstverliebte Modezarin, während Stone ihre Cruella selbstsicher und stark spielt. Der zweite Punkt sind hier die Kostüme. Für jeden angehenden Modedesigner ist „Cruella“ ein absolutes Fest. Die Kleider und überhaupt die Ausstattung des Films ist wirklich fantastisch. Leider wird auch der Konflikt zwischen den beiden Modedesignerinnen nicht wirklich in den Vordergrund gestellt… obwohl wir an diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Hälfte des Films geschafft haben, zieht hier einfach nichts.

Das liegt vor allem am überfrachteten Drehbuch, das zu dem das große Problem hat, viel zu sauber zu sein. Die Witze sind alle recht lahm, die großen Konflikte der Charaktere lassen immer ewig auf sich warten und alles schwelgt gefühlt nur in der Schönheit der Kostüme. „Cruella“ ist ein schöner Film, der aber nur an der Oberfläche glänzt und darunter ziemlich leer und öde wirkt. Wenn „Cruella“ dann noch zu einem Mix aus „Birds of Prey“, „V wie Vendetta“ und „Batman“ wird, hat man einfach das Gefühlt, dieser Film weiß nicht wirklich, was er sein möchte.

Als Origin für Cruella De Vil funktioniert er kaum. Es werden ein paar Dinge aufgezählt, aber am Ende ist sie eigentlich die Heldin ihres Films, die Rache genommen hat für all die schlimmen Dinge, die ihr passiert sind. Vielleicht hätte das Ganze ein neuer Superheldinnen-Film werden können, wenn man nicht den Druck gehabt hätte, die Vorgeschichte von Cruella erzählen zu müssen. Aber auf was Neues wollte man sich ja nicht einlassen, also überfordert man uns mit einer ewig langen Laufzeit, in der kaum etwas wirklich von Bedeutung erzählt wird, was man nicht auch in 90 Minuten hätte erzählen können.

„Cruella“ hat alles, um ein guter Film zu sein: Die Darsteller sind gut (viele von denen werden nur leider auch nie so richtig genutzt: Mark Strong verkommt in einer winzigen Nebenrolle und auch viele andere Figuren kommen viel zu kurz). Die Kostüme sind toll, nehmen aber zu viel Platz ein. Der Soundtrack ist fantastisch… nur leider beschallt man uns ständig und ohne Sinn und Verstand mit coolen Songs aus den 60er und 70er Jahren. Ich liebe The Doors, Supertramp, Queen, Blondie, etc. – aber das Ganze fühlt sich hier an wie die Clipshow, die schon einst „Suicide Squad“ gewesen ist. Es ist zu viel und zu unkoordiniert.

Ich finde, mit dieser Origin-Story macht sich Disney keine Freude. Cruella De Vil ist eine der unheimlichsten und fiesesten Disney-Schurkinnen schlechthin… und darin ist sie großartig. „Cruella“ raubt ihr all das, ent-schurkifiziert sie und nimmt ihr damit ihre ganze Magie. Statt den Charakter auszubauen, wird er uns toterklärt (wie man es schon mit Han Solo in „Solo – A Star Wars Story“ gemacht hat). Das hätte ich echt nicht gebraucht…

Wertung: 2 von 10 Punkten (unnötig lang, ohne wirklich was zu erzählen – wenigstens haben aber Thompson und Stone ihren Spaß)