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Toro Fliege

23. September 2020

Wenn Quentin Dupieux einen Film rausbringt, ist das immer eine Pflichtveranstaltung. Leider sind die nicht immer unbedingt Mainstream-tauglich (Skandal, wie kann der Mainstream es nur wagen, diesen tollen Regisseur nicht mehr zu würdigen – aber gut, so bleibt mehr für uns), weswegen sie selten mehr Aufmerksamkeit bekommen. Zum Glück gibt es ja immer noch das Fantasy Filmfest (die sich trotz Corona daran gemacht haben, ihre Filme zu zeigen). Da lief auch Dupieux‘ neuer Film „Mandibules“… und mal abgesehen, dass ich ihn mir so oder so angeguckt hätte, war ich nach der Inhaltsangabe noch mehr davon überzeugt, dass ich den sehen muss.

Manu (Grégoire Ludig) soll einen einfachen Job erledigen. Er soll einen Koffer abholen, in seinen Kofferraum stecken und abliefern – dafür bekommt er dann 500 Euro. Sein Kumpel Jean-Gab (David Marsais) hilft ihm dabei. Aber erstmal braucht Manu ein Auto… das klaut er sich einfach. Als die beiden Kumpels dann aber den Kofferraum aufmachen, finden sie darin eine Fliege. Und nicht irgendeine stinknormale Fliege, sondern eine Fliege in der Größe eines Hundes. Jean-Gab will tauft die Dominique und will sie trainieren – damit sie den Freunden bei Banküberfällen helfen kann (!)…

So beginnt „Mandibules“ und führt dieses ungleiche Trio durch den Film. Und was für ein Film das ist… so wunderbar bescheuert, so wunderbar kurzweilig, so wunderbar charmant und witzig. Ja, ein Film über eine quasi Monsterfliege ist all das. Was halt viel daran liegt, dass Dominique wirklich irgendwie einfach süß ist. Wenn sie Katzenfutter frisst oder aus dem Pool säuft, könnte man fast vergessen, dass wir einer riesigen Fliege zusehen. Dupieux schafft es irgendwie aus dieser Flieger einen rührenden Charakter zu machen.

Aber bevor ich jetzt zu sehr die Fliege lobe, darf ich Grégoire Ludig und David Marsais nicht vergessen. Meine Güte, was sind die super in diesem Film. Die sind das perfekte, komplett verplante Kiffer-Duo – ohne das sie kiffen. Manu und Jean-Gab sind so herrlich simpel und naiv – man könnte sie dumm nennen, aber das sind sie nicht. Sie sind so eine verstrahlte Mischung aus „Bill und Ted“, „Beavis und Butt-Head“ und Raoul Duke und Dr. Gonzo aus „Fear and Loathing in Las Vegas“. Die Beiden haben die dümmsten Ideen, aber sie ziehen sie wenigstens mit Begeisterung durch – und hängen vor alles Wichtige (und auch Unwichtige) was sie sagen ein „Toro“ an und stoßen dann mit der „Pommesgabel“ (die hier als Stier dient) zusammen. Manu und Jean-Gab und ihrer unerschrockenen Art gegenüber Dominique ist es dann auch zusätzlich zu verdanken, dass diese große Fliege wie etwas total Normales rüberkommt.

„Mandibules“ plätschert (ohne dass das jetzt in geringster Form negativ zu werden ist) gemütlich vor sich hin. Es macht einfach so viel Spaß, diesem verrückten Trio dabei zu zusehen, wie sie irgendwie das Leben meistern (oder es zumindest versuchen). Auch die Menschen, denen Jean-Gab, Manu und Dominique begegnen, passen so unglaublich gut in dieses absurderweise nicht so absurd wirkende Szenario. Ohne zu viel zu verraten, aber die ständig schreiende Adéle Exarchopoulos ist nur eines von vielen sehr witzigen Highlights, die dieser kleine, aber so verdammt feine Film zu bieten hat.

Quentin Dupieux zementiert seinen Ruf als unglaublich kreativer Filmemacher mit „Mandibules“ weiter. Der Mann hat einfach eine besondere Gabe, diese skurrilen Stoffe mit so viel Herz und Fantasie und Komik zu füllen, dass man sie einfach lieben muss. Dieser Film macht da keine Ausnahme.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wer hätte gedacht, dass ein Film über eine Fliege so gut sein kann???)

It’s not a TUMOR!

21. September 2020

Endlich, endlich, endlich… irgendwie war es mir schon fast ein bisschen peinlich, dass ich zwar dieses klassische Arnie-Zitat mit dem Tumor kannte, aber nicht den dazugehörigen Film. Es stieß auch weitgehend auf Unverständnis, dass ich noch nie „Kindergarten Cop“ gesehen habe – es wiederholte sich ein wenig das „Cool Runnings“-Szenario, wobei mich die Unkenntnis über „Kindergarten Cop“ immer ein wenig mehr „schmerzte“. Gott sei Dank hatte ich Geburtstag, Gott sei Dank hat sich jemand meine Wissenslücke gemerkt und mir den Film einfach geschenkt. Und was soll ich sagen? Das Team Arnold Schwarzenegger und Ivan Reitman haben genau drei Filme zusammengemacht: „Twins“, „Kindergarten Cop“ und „Junior“ – und damit eine wunderbare Comedy-Trilogie für Arnie geschaffen. „Twins“ bleibt zwar mein absoluter Favorit von diesen drei Filmen, aber „Kindergarten Cop“ steht jetzt auf Platz 2.

Der taffe Polizist John Kimble (Arnie) jagt seit Jahren den gefährlichen Drogendealer Cullen Crisp (Richard Tyson). Für einen vermeintlichen Mord kriegt Kimble Crisp, doch um ihn für immer hinter Gitter zu bringen, braucht er Crisps Ex-Frau, die in einem kleinen Örtchen mit ihrem Sohn untergetaucht ist. Um sie zu finden, muss Kimble mit seiner Partnerin Phoebe (Pamela Reed) undercover gehen. Eigentlich soll Phoebe als Kindergärtnerin fungieren, um so Crisps Sohn und so seine Ex-Frau ausfindig zu machen. Weil sie wegen einer Magendarm-Grippe aber ausfällt, muss Kimble einspringen… und steht vor der größten Aufgabe seines Lebens, denn die kleinen Monster sind selbst für ein Muskelpaket und Badass wie Kimble zu viel.

„Kindergarten Cop“ ist der Urvater der Filme, in denen Muskelberge mit kleinen Kindern konfrontiert werden. Ich glaube, bis auf Stallone haben es alle größeren Stars von Dwayne Johnson bis zuletzt Dave Bautista schon mal mit solchen Komödien ausprobiert. Es ist ja auch ein witziges Konzept, das gerade auch „Kindergarten Cop“ schön aufzeigt, wenn Kimble das erste Mal auf seine „Schüler“ trifft: Die Kinder werden aus einer extrem Vogelperspektive gezeigt und Kimble übertrumpft wie ein riesiger Berg seine kleinen Monster. Wenn ich mir überlege, dass für Arnie ursprünglich erst Bill Murray gedacht war, ist das einfach nicht das Gleiche.

Ich mag Arnie in dieser Rolle. Der Film fängt noch damit an, ihn als den krassen Cop zu zeigen, der in typischer Arnie-Manier und fast schon wie der Terminator mit Schrotflinte durch die Gegend läuft und all seine Probleme erst einmal am liebsten mit der Faust löst. Doch mit den Kids geht das später nicht und Arnie muss umdenken. Das Ding ist, Arnie muss in diesem Film nicht sonderlich viel spielen… er wirkt so unbeholfen und fast schon hilflos in diesem Meer von Kindern, die ihn mit Tumor-Gerüchten Angst machen und ihn mit Geschrei und Chaos fertig machen. „Kindergarten Cop“ ist ein geiler Streifen für jemanden wie Schwarzenegger, der sich hier von seiner sanften und amüsanten Seite zeigen darf.

Dabei hilft es natürlich enorm, dass die Kids einfach verdammt gut sind und sie mit Arnold eine Super-Chemie haben. Wenn er die Kleinen nach und nach wie Hunde mit Pfeife abrichtet, wie sie mehr und mehr diesem Giganten Vertrauen schenken, inszeniert Reitman auf liebevolle Art und Weise… und ohne das Ganze zu hetzen. Okay, ich gebe zu, ich hätte gerne noch ein paar mehr Momente gehabt, in denen Kimble an seiner neuen Aufgabe verzweifelt, aber gut… ich kann das verschmerzen, weil der Rest einfach toll funktioniert.

Ivan Reitman lässt seine lockere Komödie nie aus dem Ruder laufen, der Film geht kontinuierlich seinen Weg, wechselt vom Action-Film zur Komödie, findet zum Schluss kurz wieder ein bisschen zur Action zurück, verknüpft das Ganze noch mit einer recht süßen RomCom-Einlage, wenn sich Kimble in die hübsche Lehrerin Joyce (Penelope Ann Miller) verliebt und nimmt sich sogar zwischendurch noch ernster Themen an, wenn Kimble mit Scheidungskindern und sogar mit einem Vater auseinandersetzen muss, der seinen Sohn schlägt – natürlich macht er das auf die Arnie-Weise.

„Kindergarten Cop“ habe ich zwar jetzt erst spät zu schätzen gelernt, aber besser spät als nie. Ich weiß dennoch nicht, ob ich unbedingt mehr davon brauche. Ich glaube, ich bleibe da Arnie treu und lasse die anderen Filme des Muskelberg-meets-Kids-Genre ruhen. Sie haben eh alle nicht den unbeholfenen Charme von Schwarzenegger.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Arnie hätte mit Reitman noch viel mehr Komödien machen sollen)

Filmreise Etappe #48: Die Liebe des Straßenmusikers

18. September 2020

Ich mag Straßenmusiker (meistens). Es gab früher in Rostock immer einen Mann, der schob einfach mal seinen Flügel in die Fußgängerzone und spielte dort wundervolle Musik. Hier in Berlin hatte ich mal eine Gruppe, die mitten in der S-Bahn großartig Rock’n’Roll vom Feinsten gespielt haben (eines der schöneren Berliner Beispiele, oftmals hat man hier auch die Leute, die vom MP3-Player abspielen und das dann mit Trompete irgendwie so ein bisschen begleiten). Es ist auf jeden Fall immer ein Glücksfall, wenn man auf gute Straßenmusikanten stößt. In „Once“ geht es um einen guten Straßenmusiker, dessen Lied es sogar bis zu den Oscars schaffte.

Guy (nicht sein Name, sondern einfach nur die Bezeichnung des Musikers) spielt täglich auf den Straßen von Dublin. Irgendwann trifft Guy (Glen Hansard) auf Girl (Markéta Irglová). Guy findet natürlich Gefallen an Girl, die allein mit ihrer Mutter und ihrer Tochter lebt. Die Beiden kommen sich über die Musik näher, er spielt ihr seine Songs vor, sie überrascht ihn am Klavier und zusammen nehmen die Beiden sogar ein Album auf. Doch dann ist da auch immer noch Girls Mann in Tschechien und Guys Ex in London – alles nicht so einfach.

„Once“ ist einer dieser Low-Budget-Filme, dem man anmerkt, dass er mit sehr wenig Geld, aber mit sehr viel Liebe gemacht wurde. Das wurde wirklich auf den Straßen von Dublin gedreht, der Regisseur John Carney drehte in Häusern und Wohnungen von Freunden. Das Ganze hat schon ein bisschen Guerilla-Stil. Die Aufnahmen auf der Einkaufsstraße sind verwackelt, mal etwas weiter weg – damit die Kamera die Leute nicht zu sehr anzieht oder gar verschreckt. „Once“ wirkt in seiner Machart ein bisschen wie das Erstlingswerk eines ambitionierten Filmstudierenden, was aber keinesfalls etwas Negatives ist.

Negativ zu bemerken wäre vielleicht das schwache Drehbuch. Denn so richtig in Gang kommt das Ganze nicht so wirklich. Es ist mehr eine Aneinanderreihung von Musik-Inszenierungen und ein Bild von Dublin, was uns hier gezeigt wird. Zum Glück für Carney hat er aber zwei Dinge, die das lahme Drehbuch so dermaßen aufwerten, dass es einem am Ende gar nicht mehr so sehr stört.

Zum einen sind das seine beiden Hauptdarsteller: Glen Hansard und Markéta Irglová. Die Zwei haben eine wirklich gute Chemie (sie waren nach den Dreharbeiten tatsächlich ein Paar). Hansard strahlt diese innere Zerrissenheit, diese Verzweiflung des Liebes geplagten Sängers wirklich gut aus. Jedes Lied schreit förmlich nach seiner Ex und irgendwie verkörpert er das wirklich gut. Es ist schwer, das in Worte zu fassen, aber wenn man es gesehen hat, versteht man seine (künstlerischen) Schmerzen. Und Markéta Irglová ist – so wie sie es für den Film ja auch sein soll – ein Sonnenschein, der sich an einem regnerischen Tag durch die Wolken kämpft. Das Schöne an dieser Beziehung ist, dass sie so wunderschön unschuldig rüberkommt. Irglovás Girl ist aber auch so herzerfrischend, dass man Guy durchaus verstehen kann, dass er sich in sie verliebt.

Zum anderen haben wir dann die Musik in „Once“. Hansard ist Sänger und Gitarrist in der irischen Rockband „The Frames“ und gemeinsam mit Irglová spielt er auch als „The Swell Season“… und dass die Beiden Vollblutmusiker sind, spürt man mit jeder Note. Es ist gut, dass Carney auf Cillian Murphy, den er zuerst in der Hauptrolle haben wollte, verzichtete. So einen Film wie „Once“ kannst du nur mit echten Musikern machen – dann wirkt das alles auch echt. Hansard hat aber auch wirklich ein Organ, das sich wirklich hören lassen kann. Der kommt teilweise in Höhen – unglaublich. Wenn er dann auf der Straße spielt, wäre er definitiv die Art von Straßenmusiker, für die ich anhalten würde. Irglová gibt dem Ganzen das Sanfte und das wunderschöne Klavier… es wundert mich also nicht, dass der Song „Falling Slowly“ es zu einer Oscar-Nominierung geschafft hat. Es ist wirklich ein wunderschöner Song.

„Once“ zelebriert die Musik und ein wunderbares Leinwandpärchen… ein Film, dessen Soundtrack alles andere fast schon überstrahlt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Soundtrack ist spitze… und federführend für den ganzen Film)

Und täglich grüßt die Hochzeitsfeier…

16. September 2020

Alle Jubeljahre kommt ein Film daher, den man automatisch als „Oh, das ist ja wie ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘“ bezeichnet… und jedes Mal schwingt mit so einer Aussage auch leichte Skepsis mit (geht mir zumindest immer so). Immerhin ist Harold Ramis Film mit Bill Murray einfach ein perfekter Klassiker. Aber die Idee mit der Zeitschleife ist auch einfach zu verlockend, um sie nicht öfter mal auszuprobieren. Von „Source Code“ über „Edge of Tomorrow“ oder zuletzt (2017) „Happy Deathday“ – es gibt immer wieder die Filme, die man mit Ramis‘ Film in Verbindung bringt. Meist aber nur, weil sie eben das Konzept der Zeitschleife irgendwie verarbeiten. Jetzt habe ich auf dem Fantasy Filmfest einen Film gesehen, der etwas näher an „Groundhog Day“ heranrückt… „Palm Springs“ mit Andy Samberg und Cristin Milioti.

Nyles (Samberg) ist in einer Zeitschleife gefangen. Jeder Tag ist für ihn immer wieder der neunte November, die Hochzeit einer Freundin seiner Freundin Misty (Meredith Hagner). Dabei lernt Nyles die Schwester der Braut, Sarah (Milioti) kennen, die leider aus Versehen ebenfalls in der Zeitschleife landet – und das nur wegen Roy (J.K. Simmons), der wegen Nyles ebenfalls in dieser Zeitschleife steckt und hin und wieder mal wütend Jagd auf Nyles macht. Nun ist Nyles also nicht mehr allein auf der Hochzeit, sondern hat Sarah an seiner Seite, der er nun zeigen kann, was man so alles machen kann, wenn man nichts zu verlieren hat.

Klingt schon sehr nach „Groundhog Day“, oder? Nur halt so, als ob Bill Murray auch noch Andie MacDowell mit in seiner Zeitschleife gehabt hätte. Wie man es nun bereits kennt, durchläuft Cristin Miliotis Sarah die gleichen Phasen des Zeitschleife-Reisens wie einst ein Bill Murray. Erst kommt sie gar nicht klar, dann hat sie ihren Spaß, irgendwann versucht sie, einen Sinn dahinter zu finden und dann einen Ausweg. Wenn man halt wirklich unfair sein möchte, würde man sagen, „Palm Springs“ macht mit dem Konzept nicht wirklich was Neues. Aber das wäre halt wirklich unfair – klar, die Idee ist nicht neu und wird von Drehbuchautor Andy Siara auch nur leicht umgeändert – halt mit der Tatsache, dass Nyles schon zu Beginn des Film gefangen ist (quasi so, als wäre „Palm Springs“ die Fortsetzung zu einem Film, den wir nicht gesehen haben) und dass Sarah jemanden hat, der ihr diese Welt erklärt, anstatt dass sie sie selbst „erkunden“ muss.

„Palm Springs“ hat aber das Glück, a) auf der einen Seite einfach herrlich unkompliziert zu sein und b) einen perfekten Cast für diese Art von Film zu haben. Mit „unkompliziert“ meine ich jetzt nicht, dass dieses Zeitschleifen-Zeug kompliziert ist, sondern dass der Film wunderbar leicht mit all dem umgeht. Wir erleben weniger Zeitsprünge als bei Murray, dafür geht der Film ein bisschen mehr in die Tiefe und lotet seine Charaktere besser aus. Schlussendlich ist „Palm Springs“ in seinem Kern einfach eine RomCom… und eine kurzweilige und unterhaltsame dazu.

Das alles funktioniert einfach super, weil die Besetzung einfach wie Arsch auf Eimer passt. Andy Samberg, mein Held seit „Brooklyn Nine-Nine“, ist der perfekte Zeitschleifen-Slacker: mit seinem Hawaii-Hemd, dem ständigen Trinken von Bier aus Dosen und seiner lockeren Art. Er ist die Art von Zeitschleifen-Held, der sich eigentlich schon irgendwie mit seiner Lage abgefunden hat, der einfach versucht, irgendwie das Beste daraus zu machen. Erst Sarah wirft seine neue Normalität über den Haufen. Womit wir dann mal zu Cristin Milioti kommen… und meinem neu aufgekommenen Ärger gegenüber „How I Met Your Mother“. Wie diese Serie Milioti einfach zu einem Nebencharakter degradieren konnte, verstehe ich nicht… und nach „Palm Springs“ noch weniger. Diese Frau ist so gut, so sympathisch. Ob sie komplett ausrastet, sich ihrem Schicksal ergibt, deprimiert ist oder dann doch kämpfen will – ihre Sarah ist wunderbar. Milioti stiehlt damit auch Samberg ein wenig die Show und zeigt, wie viel cooler eine finale Staffel HIMYM gewesen wäre, wenn sie wirklich mal im Vordergrund gestanden hätte.

Aber gut… das ist nun auch in der Vergangenheit. Auf jeden Fall funktioniert das Duo Milioti-Samberg verdammt gut und trägt den Film locker-leicht durch seine 90 Minuten. Das hat den Film wirklich sehr aufgewertet.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dank eines tollen Leinwandpärchens eine amüsante Liebeskomödie mit Zeitreise-Kniff)

Neue Mutanten braucht das Land (?)

14. September 2020

Es ist tatsächlich so weit. Unglaublich. 2017 gab es den ersten Trailer zu „The New Mutants“, dann fiel der Film immer wieder durchs Raster, wurde immer wieder verschoben und nochmal verschoben, um dann doch ausgerechnet zu Corona-Zeiten in die Kinos zu kommen. Doch damit hört ja die Odyssee des neuen X-Men-Films nicht auf: Regisseur Josh Boone bekam damals völlige Narrenfreiheit, nachdem sein „The Fault in our Stars“ ja so durch die Decke ging. Das Drehbuch schrieb er erst selbst, dann wurde es zig mal überarbeitet. Selbst kurz vorm Start der Dreharbeiten wurde da noch dran gewerkelt, bis man sich schließlich sagte: „Okay, mach halt einfach mal!“ Das fertige Projekt war Fox dann aber doch zu viel, man überlegte schon, alles neu zu drehen, ließ es dann doch sein, als man eh gerade damit beschäftigt war, von Disney aufgekauft zu werden. „The New Mutants“ wurde hin und her geworfen… und war gefühlt schon von Anfang an verflucht. Ein Schicksal, das man dem fertigen Film anmerkt – steckt da doch viel Potenzial drin, aber leider auch vieles, was einfach nicht so gut funktioniert.

Die junge Dani (Blu Hunt) überlebt eine Katastrophe, die ihr komplettes Reservat zerstört. Als sie aufwacht, befindet sie sich unter der Obhut von Dr. Reyes (Alice Braga), die eine Art Anstalt leitet, in der junge Mutanten auf ihr Leben mit Fähigkeiten vorbereitet werden. So trifft Dani auf die schüchterne, aber neugierige Rahne (Maisie Williams), die kühle Aufwieglerin Illiyana (Anya Taylor-Joy), den reichen Schönling Roberto (Henry Zaga) und den stillen „Hillbilly“ Sam (Charlie Heaton). Jeder der jungen Mutanten hat Schwierigkeiten mit seinen Fähigkeiten klar zu kommen… doch das wird alles nur schlimmer, als plötzlich ihre schlimmsten Ängste wahr werden und sie heimsuchen.

„The New Mutants“ wurde uns ganz zu Beginn als Horror-Film verkauft. Als Horror meets „The Breakfast Club“. Das mit dem Frühstücksclub stimmt, das mit dem Horror leider überhaupt nicht. Obwohl alle Möglichkeiten da sind, schafft es Boone einfach nicht, diese alte, verlassene Anstalt unheimlich wirken zu lassen. Die Alpträume und Visionen der jungen Mutanten erschrecken einen nicht wirklich, weil es Boone einfach nicht gelingt, das richtige Timing und die richtige Atmosphäre aufzubauen. Was echt schade ist, denn mit dem Cast und dem Setting hätte „The New Mutants“ das wirklich gut hinkriegen können. So dümpelt dieser Horror-Aspekt des Films leider ziemlich schwach daher.

Die große Stärke von „The New Mutants“ liegt aber in seinen Charakteren. Was mich dabei am meisten… ja schon fast schockiert hat, ist die Richtung, in die Boone mit den Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere geht. Illiyana träumt immer wieder von der Zeit, als sie von mehreren Männern als kleinen Kind missbraucht wurde (dementsprechend wird sie in ihren Visionen auch von ekligen Monstern verfolgt, die vom Kopf abwärts an Viggo Mortensen russischen Mafiosi aus „Eastern Promises“ erinnern und deren Köpfe durch „unheimliche“ Grinsemasken versteckt sind). Rahne wurde von ihrem Pfarrer als Hexe gebrandtmarkt und auch die beiden Jungen haben tragische Backstories.

Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe funktioniert ziemlich gut. Boone überträgt das „Breakfast Club“-Schema gut auf seine Mutanten – inklusive der Tänze und der einzelnen Offenbarungen, die alle dann mehr und mehr zu Freunden werden lässt. Richtig überzeugt hat mich in diesem Film vor allem Maisie Williams, die wirklich am stärksten von allen aufspielt und dabei sehr schön die Arya Stark von sich ablegt. Auch die aufblühende Liebe zu Dani wird von Boone wunderschön leicht und subtil in Szene gesetzt. Alle Darsteller wachsen wunderbar in ihre Rollen rein – einzig und allein Hauptdarstellerin Blu Hunt brauchte in meinen Augen etwas länger als andere.

So ist „The New Mutants“ zwischendurch ein schönes Coming-of-Age-Drama, in dem sich Boones Stärken für Teenie-Dramen zeigen. Leider wird das Ganze eben durch diese nicht sonderlich gut funktionierenden Horror-Einschübe immer wieder etwas durcheinander gebracht… und wenn es am Ende zu einem übertriebenen und sehr CGI-lastigen Finale kommt (welches auch nur eingesetzt wurde, damit wir noch mal alle potenziellen X-Men in Aktion sehen), ist es schon fast schade, dass man sich das nicht einfach gespart hat.

Wie gesagt, man merkt dem Film sein Potenzial, aber eben auch seine Schwierigkeiten an… somit verabschieden sich die X-Men etwas unspektakulär in ihr Ende und wir warten nun alle mehr oder weniger gespannt darauf, wie sie das wohl alles ins MCU eingliedern wollen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Charaktere sind stark und interessant, die Story und die Aufmachung leider überhaupt nicht)

Random Sunday #38: On a sunbeam

13. September 2020

Früher habe ich fast nur Superhelden-Comics gelesen, irgendwann wurde mir das zu langweilig und eintönig und ich stieg um. Zum Glück war das so die Hochphase von Image Comics, die sich ja ohnehin auf die Fahne geschrieben hatten, mal im Comic-Bereich auch was anderes zu bieten. Independent Comics wurden immer größer und immer beliebter. Das Internet half vielen Autoren und Zeichnern, ihre Ideen zu verbreiten und so wurde auch das Comic-Lesen an sich angesehener – gerade weil es nicht immer nur um Superhelden ging. Auch heute noch durchstöbere ich gerne Comic-Läden und Comic-Bestenlisten, um mal was ganz anderes zu finden. So bin ich dann auch auf Tillie Walden und „On a sunbeam“ gestoßen. Ursprünglich veröffentlichte Walden das Ganze als Webcomic, bevor daraus eine Graphic Novel wurde… die wirklich verdammt gut ist.

Die Geschichte spielt irgendwann irgendwo im All. Die Crew eines Raumschiffes (das wie ein Fisch aussieht – so wie alle Raumschiffe in dieser Welt) reist durchs All und repariert alte Strukturen, die durch was auch immer zerstört und nun wieder verwendet werden sollen. Die Frauen verrichten ihre Arbeit schon lange gemeinsam und sind dabei zu einer richtigen kleinen Familie geworden. Bis Mia in diese Familie eingeführt wird. Wir als Leser und auch die Crew des Schiffes erfahren nur nach und nach, was Mias wahrer Grund ist, an Bord zu sein. An ihrer Schule lernte sie nämlich die junge Grace kennen und verliebte sich in sie. Doch Grace stammt vom mysteriösen The Staircase, ein Ort im All, der mehr Geheimnisse und Rätsel birgt, als wir ahnen können. Eines Tages muss Grace abreisen und Mia bleibt zurück… nun ist sie auf der Suche nach ihr.

Die Welt von „On a sunbeam“ ist so faszinierend wie komplex wie verwirrend. Walden erzählt uns nicht wirklich viel über diese Welt. Dennoch baut sie sie so faszinierend geheimnisvoll auf, dass man nicht anders kann als sie zu bestaunen. Die Strukturen, die das Team wiederaufbaut, sind teilweise alte Bürogebäude, die – warum und wieso auch immer – im All schweben. Alte Häuser auf Felsbrocken, ganze Anlagen, es ist verwirrend, aber Walden zeichnet das alles so detailliert, dass man gerne in diese Verwirrung eintaucht. Man erfährt hier und da ein bisschen was, aber nie wirklich viel.

Warum sind die Raumschiffe alles Fische? Wie funktioniert diese Welt, in der wir nur diese Restauratorinnen kennenlernen? Was hat es wirklich mit diesem unbekannten Gebiet des Universum auf sich, dass hier alle The Staircase nennen? Walden wirft mehr Fragen auf, als das sie Antworten liefert. Aber genau darin liegt irgendwie auch das Geniale in ihrer Story…

Sie schafft es, den Hintergrund ihrer Geschichte interessant werden zu lassen, ohne das sie sich groß weiter darum kümmern muss. Es reicht das Mysteriöse, um den Leser gefangen zu halten. Wirklich gefesselt wird er eh durch die Geschichte von Mia und der Frauen, mit denen sie unterwegs ist. Walden geht mit ihren Charakteren unglaublich liebevoll um und man hat als Leser selbst irgendwann das Gefühl, Teil dieser Familie zu sein. „On a sunbeam“ liefert uns dabei einen Cast an Figuren, die unterschiedlich und auch divers sind. Ein Mitglied identifiziert sich als non-binary. Tillie Walden, die selbst lesbisch ist, baut diese Themen aber zum Glück vollkommen natürlich in die Geschichte ein. „On a sunbeam“ ist jetzt kein Pamphlet für Diversität, sondern ein Appell. Hier wird nicht gepredigt oder gar die Identität oder sexuelle Orientierung in den Vordergrund gestellt, weil das gerade „in“ ist.

Nein, Waldens Charaktere sind absolut natürlich und gliedern sich wunderbar in diese herrliche absurde Welt ein. Dazu ist die Geschichte von Mias Suche nach Grace einfach unglaublich emotional und schön erzählt. Es ist ein Coming-of-Age-Drama in den Rückblenden, wenn wir Mia und Grace an ihrer Schule sehen und wird zu einem aufregenden Space-Abenteuer, wenn Mia sich auf unbekanntes Territorium begibt, um Grace wiederzufinden.

Anfangs war ich mir bei „On a sunbeam“ nicht so sicher, ob mir der Stil gefällt, aber Tillie Walden zeichnet gerade das All so wunderschön abstrakt, dass man davon Abzüge machen und diese einrahmen könnte. Es ist gerade auch Waldens farbenprächtigen und Formen zerstörendem Stil zu verdanken, dass man dieses Universum förmlich inhaliert.

„On a sunbeam“ ist wirklich ein packender Comic – visuell beeindruckend und erzählerisch sehr bewegend.

Filmreise Etappe #47: Hip-Hop-Romeo und Ballett-Julia

11. September 2020

Mir war vor dieser Filmreise gar nicht so wirklich bewusst, wie viele Tanzfilme es doch letztendlich gibt. Also so reine Tanzfilme, in denen es wirklich vorrangig darum geht. Aber all die „Step Up“- und „Street Dance“-Filmreihen sprechen schon sehr dafür, dass dieses Genre durchaus seine Beliebtheit hat und seine Fans findet. Für mich persönlich ist es nur immer eher schwer, mich dazu durchzuringen, mir solche Filme anzuschauen – habe ich doch dieses Vorurteil in meinem Kopf, dass die meist einfach nicht sonderlich gut sind. Weil sie schon in den Trailern einfach wirken wie lange Musikvideos, in denen sich attraktive Menschen zum Beat der Musik räkeln und vielleicht gibt es irgendwo dazwischen noch das Porno-Äquivalent einer Story, die das irgendwie so zusammenhält. Um irgendwas zu finden, was vielleicht doch mehr zu bieten hat, bin ich daher ein wenig weiter in die Vergangenheit gegangen… und bin (auch ein bisschen inspiriert dadurch, dass ich vor kurzem noch einmal „10 Things I hate about you“ geguckt habe) bei Julia Stiles und ihrem „Save the last dance“ gelandet.

Ballerina Sara (Stiles) verliert ihre Mutter bei einem schrecklichen Autounfall – für den sie sich die Schuld gibt, da ihre Mutter sich beeilte, zu ihrem Vortanzen an der Juilliard zu kommen. Nun ist Sara gezwungen, zu ihrem Vater (Terry Kinney) nach Chicago zu ziehen. Hier geht sie an eine vorwiegend von schwarzen Schülern besuchte Schule, die natürlich in einem Problembezirk liegt. Sara freundet sich mit Chenille (Kerry Washington) an und lernt dadurch deren Bruder Derek (Sean Patrick Thomas) kennen. Dem kommt sie dann auch näher – vor allem, als er ihr Hip Hop Tanz beibringt. Doch Dereks Zeit mit Sara ist vielen ein Dorn im Auge, auch seinem kriminellen Freund Malakai (Fredro Starr).

„Save the last dance“ bürdet sich ziemlich viel auf und bricht unter der Last leider ein. Zum einen haben wir Saras dramatische Geschichte. Die wird in einer kurzen Montage zu Beginn des Films mal eben runtergeleiert und danach ist sie einfach das kleine, traumatisierte, arme, weiße Mädchen, das in einer neuen scheinbar bedrohlichen Umgebung klar kommen muss. Das entfremdete Verhältnis zu ihrem Vater ist einfach nur ein trauriges Klischee und trägt nie wirklich was zur Geschichte bei – es ist nur das Alibi dafür, dass Sara eben das wunderbare Kleinstadt-Leben gegen das gefährliche Stadt-Leben eintauschen muss.

Zum anderen versucht sich „Save the last dance“ auch daran, die Geschichte von Derek und seiner Schwester aufzuzeigen. Beide wachsen unter schweren Bedingungen auf. Sie ist eine junge Mutter, er wird durch seine Umgebung ins kriminelle Milieu geschoben, obwohl er eigentlich unbedingt Arzt werden möchte. Noch mehr als bei Sara badet der Film mit Chenille und Derek in oberflächlichen Klischees. Wirklich ausgefeilte Charakter-Entwicklungen gibt es hier nicht… und auch wenn der Film die deutlich schlimmeren Probleme seinen schwarzen Charakteren zumutet, wird alles immer durch Saras Anwesenheit relativiert.

Ich glaube, „Save the last dance“ wäre eigentlich besser zwei Filme gewesen. Ein Film über Derek und einer über Sara. Der Mix, der dann halt wirklich versucht, sich ein wenig Inspiration bei „Romeo und Julia“ zu holen, geht nie so ganz auf… was schade ist, da der Film in beiden Handlungssträngen Potenziale verstreichen lässt.

Auch die Tanzeinlagen sind dann meist nicht sooo sonderlich interessant. Die Trainingsmontagen zwischen Derek und Sara liefern leider nie wirklich sehenswerte Moves. Wenn ich so überlege, was richtig gute Hip-Hop-Tänzer so drauf haben, ist „Save the last dance“ nur ein müdes Zur-Kenntnis-Nehmen der Möglichkeiten. Einzig und allein Saras letzter großer Tanz, der dann Elemente aus Ballett und Hip Hop vereint, ist irgendwie ganz nett. Aber als Tanzfilm hätte „Save the last dance“ einfach mehr bieten müssen.

Immerhin hat der Film das Glück, dass Julia Stiles irgendwie perfekt in diese Rolle des schüchternen Ballerina-Mädchens passt, die mit ihren großen unschuldigen Rehaugen wie verloren wirkt. Sean Patrick Thomas liefert in diesem Film dann doch die stärkste Performance ab, da sein Hip-Hop-Romeo ja doch ein paar mehr Höhen und Tiefen durchlaufen darf.

Trotzdem: als Tanzfilm bietet „Save the last dance“ zu wenig eindrucksvolle Tanzsequenzen, als Teenie-Romanze ist die Liebesbeziehung zu gestellt und als Drama lässt der Film zu viele gute Möglichkeiten einfach fallen, um seinem MTV-Publikum gerecht zu werden.

Wertung: 4 von 10 Punkten (aus dem Stoff hätte man mehr machen können)

Verfluchte Polizei-Gewalt

9. September 2020

Man könnte fast meinen, dass dieser Artikel jetzt ein politischer werden wird. Immerhin ist das Thema Polizei-Gewalt gerade in aller Munde. Die Taten in den USA sind erschreckend, vor allem deswegen, weil sie leider nichts Neues sind. Aber ich möchte mich damit gar nicht auch noch hier auf meinem Blog beschäftigen… dennoch passt es zu diesem Film, von dem ich euch jetzt dringend abraten möchte. Schließlich hat „Body Cam“ von Regisseur Malik Vitthal Polizei-Gewalt als großes Thema. Und man möchte meinen, dass er nun – durch die aktuellen Ereignisse – noch mehr Relevanz bekommt. Aber nein, das bekommt er nicht. „Body Cam“ hat nur irgendwie das „Glück“ wegen Corona verschoben worden zu sein und jetzt erst in die Kinos zu kommen. Doch als große Anklage auf Polizei-Gewalt funktioniert das Ganze nicht. Vorher schlaft ihr dabei ein.

Die Polizistin Renee (Mary J. Blige) kehrt in den Dienst zurück, nachdem sie erst ihren Sohn verloren und später im Dienst einen Passanten geschlagen hat. Sie wird mit dem Rookie Danny (Nat Wolff) auf Streife geschickt. Dabei stoßen sie auf einen verlassenen Polizeiwagen und findet später den auf übelste Art und Weise verstümmelten Körper des Cops. Die Aufnahmen seiner Kamera zeigen, wie eine unsichtbare Kraft ihn in die Luft warf… und eine mögliche Zeugin. Die identifiziert Renee schon bald als die Mutter eines Jungen, der von Polizisten erschossen wurde.

Meine Güte, „Body Cam“ geht nur anderthalb Stunden, fühlt sich aber an wie drei. Dieser Film kriecht mit einem Schneckentempo voran, das wirklich frustrierend ist. Vitthal hat keinerlei Gespür für Timing oder sein Thema. Es gibt einmal in diesem Film kurz einen wütenden Mob von Leuten, die Renee und Danny Schwierigkeiten machen. Ansonsten ist das Thema abgearbeitet und auch nie wieder so wirklich relevant für den Film.

Noch schlimmer ist aber das Timing in diesem vermeintlichen Horror-Film. Es gibt eine Sequenz, in der Renee und Danny das Haus der Zeugin untersuchen… und es passiert 15 Minuten lang einfach mal gar nichts. Es ist alles einfach nur stockdunkel, so dass man kaum was erkennt. Der Streifzug durchs Haus hat auch einfach nichts gruseliges an sich. Selbst wenn man dann mal hinter Renee einen unnatürlichen Schatten sieht, wird daraus nicht wirklich was gemacht.

So wie diese Sequenz zieht sich der ganze Film. Es wird mal ein bisschen mit billigen „Oh guck mal, da ist ein Schatten. Oh nein, jetzt ist er wieder weg“-Momenten gespielt und das war’s. Hat Vitthal jemals auch nur einen Horror-Film gesehen? Zu wirklich keinem einzigen Moment kommt in „Body Cam“ auch nur ein Augenblick Spannung auf. Man schreckt höchstens mal kurz hoch, weil 15 Minuten lang nichts passiert und es dann ein lautes Geräusch gibt. Nicht einmal Jump Scares kann dieser Film.

Zu der Tatsache, dass in „Body Cam“ einfach keine Atmosphäre von Spannung oder Anspannung aufkommt, gesellt sich noch erschwerend das dumme und schlecht geschriebene Drehbuch und die Darsteller, die sich extrem schwer damit tun, zu schauspielern. Das Skript selbst fühlt sich an wie eine schlechtere Episode von „Akte X“ – vor allem, wenn man die große Auflösung am Ende erfahren hat (die nicht sonderlich spektakulär ist, da man eh alles eigentlich schon sehr früh weiß). Sprich, man hätte die ganze Story auch in 42 Minuten erzählen und uns Zeit ersparen können.

Ganz schlimm finde ich aber Mary J. Blige und auch ihre Darsteller-Kollegen. Ich kannte Blige bislang nur als Sängerin (eine Rolle, in der sie mir sehr viel besser gefällt als in diesem Film). Aber meine Güte, kann diese Frau nicht schauspielern. Also eigentlich muss sie es können, immerhin war sie sogar für den Film „Mudbound“ für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert. In „Body Cam“ merkt man davon aber nichts. Da hat sie die Mimik eines Botox-Fans. Egal, was ihr gerade geschieht, egal, worüber sie gerade nachdenkt, ihre Emotionen bleiben gefühlt immer die Gleichen.

Nat Wolff, von dem ich die ganze Zeit ausging, es wäre der Schauspieler aus „Hereditary“, bis ich dann lernte, dass das sein Bruder Alex Wolff gewesen ist, spielt sehr merkwürdig. Erst nach der „Offenbarung“ des Films macht das ein wenig mehr Sinn… aber bis dahin nervt der Junge einfach nur.

„Body Cam“ ist einfach kein guter Film. Für ein vermeintliches Polizei-Drama, was er irgendwo auch sein möchte, kümmert er sich zu wenig um das Drama an sich. Das Thema der Polizeigewalt ist hier nur Mittel zum Zweck. Für einen Horror-Film ist „Body Cam“ einfach viel zu lahmarschig, langweilig und uninspiriert. Dieser Film ist einfach nur pure Zeitverschwendung… die seiner Schauspieler und die seiner Zuschauer.

Wertung: 2 von 10 Punkten (wow, ich wäre bei diesem Film wirklich beinah eingeschlafen)

Das Problem mit dem Schluss-Machen

7. September 2020

Wir müssen mal wieder über das leidige Thema der Buchverfilmungen sprechen. Ich gehöre ja zu den Menschen, die immer zwingend, zwingend, zwingend vor jeder (für mich relevanten) Buchverfilmung das Buch lesen müssen. Nur mittlerweile frage ich mich, ob das so eine gute Idee ist. Vielleicht sollte ich doch versuchen, die Bücher danach zu lesen… obwohl ich dann zu sehr die Charaktere aus dem Film beim Lesen vor Augen habe, was mich dann auch irgendwie immer stört, weil ich das Gefühl habe, ich lese mit einer aufgezwungenen Fantasie, die vielleicht nicht so ganz meiner entspricht. Naja, es ist halt nicht so einfach, wie man diese Buchverfilmungsfrage angehen soll. Irgendwie wird da immer irgendwas stören… so erging es mir jetzt leider auch mit der neuesten Literatur-Verfilmung. Natürlich habe ich Ian Reids „I’m thinking of ending things“ vorher gelesen, war aber auch immer noch heiß darauf, den Film zu sehen – immerhin ein Charlie Kaufman Film. Da kann doch nicht so viel schief gehen, oder? Oder???

Wie auch im Buch fängt die uns namentlich unbekannte Erzählerin (Jessie Buckley) ihre Geschichte mit diesem Satz an: „I’m thinking of ending things. Sie befindet sich gerade auf dem Weg zu den Eltern ihres Freundes Jake (Jesse Plemons). Lange sind die Beiden noch nicht zusammen, aber es gab so eine „Connection“, die sie sehr schnell aneinandergebunden hat. Als die Zwei dann nach einer langen Fahrt im Haus von Jakes Eltern (Toni Collette und David Thewlis) ankommen, kommen der Erzählerin nur noch mehr Zweifel… und ein Gefühl des Unwohlseins breitet sich in ihr aus – ohne dass sie genau sagen könnte, was es ist.

Ian Reids Roman ist ein Thriller mit starken Horror-Ambitionen. Der Anfang ist etwas langsam, da Reid die Autofahrt seiner beiden Figuren sehr in den Fokus setzt. Aber spätestens mit der Ankunft bei Jakes Eltern verwandelt sich der Roman mehr und mehr in einen unangenehmen Mystery-Thriller, bei dem man irgendwann nicht mehr so wirklich weiß, woran man ist.

Charlie Kaufman geht einen anderen Weg. Er behält sich ein paar der Mystery-Elemente ein, geht aber vollkommen weg von dem Horror-Thriller-Aspekt. Was vollkommen legitim ist. Ian Reids Roman ist da sehr ambivalent und bietet jemandem, der den Stoff adaptiert verschiedene Herangehensweisen. Man hätte den Film auch werkgetreu und sehr viel gruseliger machen können. Das ist aber nicht Charlie Kaufmans Art. In seinen Drehbüchern geht es ihm immer mehr darum, die menschliche Psyche zu analysieren: Ob nun „Eternal Sunshine“, „Being John Malkovich“ oder auch „Adaptation“ – es geht Kaufman um die Menschen und wie sie ticken.

Da bietet „I’m thinking of ending things“ ja an und für sich einen guten Ansatz. Mein Problem mit dem Film war nur, dass Kaufman das Ganze zu sehr streckt. Im Grunde besteht der Film nur daraus, dass ein Pärchen sich sehr philosophisch während einer Autofahrt unterhält. Dabei waren die Performances von Jessie Buckley und Jesse Plemons wirklich unglaublich gut – obwohl die Beiden auf engstem Raum agieren müssen, schaffen sie unglaubliche Nuancen für ihre Charaktere. Weswegen ihnen zugucken schon sehr interessant war. Auch Toni Collette und David Thewlis spielen in der vielleicht verrücktesten Sequenz des Films einfach nur großartig. Gerade Collette beweist hier einmal mehr, wie unglaublich talentiert sie eigentlich ist.

Schauspielerisch ist „I’m thinking of ending things“ wirklich sehr gut, erzählerisch ist der Film wie altes Kaugummi: zäh ohne Ende und es zieht sich unendlich in die Länge. Leider habe ich auch diese aufkommende ungute Stimmung aus dem Buch sehr vermisst. Die Szenen mit Jakes Eltern gehen zwar ein bisschen in die Richtung, aber dadurch, dass die Eltern innerhalb dieser Szenen auch mal jünger und mal älter werden, gibt Kaufman auch schon sehr viele Hinweise auf die tatsächliche Auflösung des Films.

Ich bin mit dem Film einfach nicht warm geworden. Das Durchleuchten der Charaktere verliert sich in diesem Film einmal zu oft in sehr langen Monolog- oder Dialog-Szenen, denen einfach auch das gewisse Etwas fällt, um zu fesseln. Aber vielleicht war ich auch zu sehr beeinflusst durch den Roman… filmisch war das ein interessanter Ansatz, hat mich aber nie so wirklich gepackt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ich bleibe da lieber beim Buch)

Filmreise Etappe #46: Rebellischer Tänzer

4. September 2020

Von den drei großen Tanzfilmen der 80er Jahre (und korrigiert mich, falls es doch noch weitere „große“ Tanzfilme gibt, die ich jetzt unterschlage), habe ich bislang immer nur „Dirty Dancing“ gesehen. Auf der Liste von Filmen, die ich mir irgendwann mal anschauen könnte, wenn ich die Lust und die Zeit dazu habe, standen die anderen beiden: „Flashdance“ und „Footloose“. „Footloose“ rückte irgendwann ein bisschen höher auf dieser Liste, als der große Held Kevin Bacon plötzlich ein Gag in „Guardians of the Galaxy“ wurde und später in „Infinity War“ wieder Erwähnung fand. Offensichtlich hat „Footloose“ etwas, dass er so in die Popkultur aufgenommen wurde. Da wurde es einfach mal Zeit zu schauen, was für ein großer Held Kevin Bacon wirklich ist.

Reverend Shaw Moore (John Lithgow) verlor vor einiger Zeit seinen Sohn bei einem Autounfall. Die Schuld dafür gibt der Geistliche, der bösen, bösen Rockmusik und der damit einhergehenden Versuchung durch Alkohol und Drogen. Deswegen sorgt der gute Mann dafür, dass in dem kleinen Städtchen Bomont das Tanzen tabu ist. Ein Tabu, dass der junge Rebell Ren McCormack (Kevin Bacon) nicht hinnehmen will. Er freundet sich mit der Tochter des Reverend Ariel (Lori Singer) an und gemeinsam mit ihr und seinem besten Freund Willard (Chris Penn) will er einen Tanzabend veranstalten… ein heikles Thema, in der Stadt, in der der Spaß verboten wurde.

Okay… ab jetzt muss ich mich vorsichtig ausdrücken und mich ganz behutsam vortasten, denn normalerweise kriegt man mich ja mit diesen 80er Jahre Teenie-Filmen immer. Solange die Musik passt und diese ganzen Teenies so eine naive Unschuld ausstrahlen, die heute irgendwie nicht mehr auf Film einfangbar ist, sind solche Filme eigentlich genau was für mich. Aber dem aufmerksamen Leser unter euch wird das „normalerweise“ schon aufgefallen sein…

Die Musik ist spitze. Kenny Loggins‘ „Footloose“ ist ja sowieso schon ein Klassiker. Was ich nicht wusste, war, dass auch Bonnie Tylers „Holding Out For a Hero“ dem Soundtrack für „Footloose“ entsprungen ist. Tatsächlich die richtige Hymne für einen großen Helden, der sich den Widrigkeiten in den Weg stellt und für das Gute kämpft. Die Musik ist, wie schon gesagt, spitze. Klassischer 80ies Kram, gefällt mir. Kann ich gut mit leben, kann ich gerne hören.

Doch damit hört das richtig große Gefallen schon auf. Die Tanzeinlagen waren… nun ja… irgendwie etwas komisch. Bacons Breakdance-Turnübungen wirken… lustig. Und ein wenig absurd. Ja, es sind rhythmische Bewegungen und da steckt sicherlich auch viel Arbeit hinter, aber es hatte viel Fremdschäm-Potenzial. Auch die restlichen Tanzsequenzen, in denen Breakdance, Line Dance und allgemein rhythmisches Bewegen zu einer Masse verbunden wird, wirkte manchmal einfach etwas befremdlich. Es war cool, weil die Musik cool war, aber ich weiß auch nicht… das war nicht so meins. Sorry…

Dazu kommt die etwas flache Story. Da hat sich schon jemand ganz schön viel Bullshit aus der Nase gezogen, um zu der Story zu kommen. Ich meine, Respekt… das muss man erst einmal schaffen, es sogar noch halbwegs glaubwürdig zu erklären, warum in einer Kleinstadt in den USA das Tanzen verboten ist. Das geht mit Religion natürlich am besten… obwohl ich es dann auch schon wieder sehr geil finde, dass Kevin Bacon dann mit Tanzzitaten aus der Bibel diesen Fall für sich gewinnen kann. Mit den eigenen Waffen geschlagen, was für ein Held!!!

Trotzdem ist diese Story extrem langgezogen. Des Paters Wandel kommt nie so wirklich gut  rüber, egal wie sehr sich John Lithgow auch anstrengt. Der „Rebel Without A Cause“-Part steht Kevin Bacon ganz gut (es gibt sogar ein Chicken-Race!!!), allerdings habe ich ihm auch nie die Liebesgeschichte mit Lori Singer abgekauft. Daran ist aber ihr Charakter Ariel Schuld: Ihre „Ich bin die Tochter des Pfarrers und deswegen so super rebellisch“-Motivation hätte funktionieren können, hat sie aber in meinen Augen nicht. Und statt uns einfach nur coole Musik, cool(ere) Moves und Teenies zu geben, schlagen wir uns viel mit den Schuldgefühlen der Erwachsenen herum, was den Film in die Länge zieht und ein bisschen langweilig ist.

Aber hey, es ist Kevin Bacon, der Held der Erde… und das ist wirklich schon ein bisschen cool.

Wertung: 6 von 10 Punkten (hat jemand das Remake gesehen und kann es empfehlen oder davon abraten???)