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Moderner Hexen-Tanz

19. November 2018

Dario Argentos Kultfilm „Suspiria“ wird auf ewig der Horror-Film sein, der mir eine schlaflose Nacht beschert hat. „Suspiria“ ist der einzige Film, der es bislang geschafft hat, mich in einen üblen Alptraum zu versetzen. Aber irgendwie ist das auch kein Wunder: die ständige, unheimliche Beschallung mit dem Soundtrack von „The Goblins“ und die in satte Farben getauchten Bilder wirken nahezu hypnotisch. Da kann man dann auch schnell vergessen, dass die Story nicht so stark ist, denn der Rest des Films nimmt einen einfach so in Beschlag, dass man sich der Sogkraft nicht mehr entziehen kann. Argentos „Suspiria“ ist zu Recht ein Kultfilm… weswegen ich auch schwer schlucken musste, als es vor einiger Zeit hieß, es würde ein Remake in die Produktion gehen. Jetzt ist es endlich da: „Call Me By Your Name“-Regisseur Luca Guadagnino zeichnet sich dafür verantwortlich. Und ja, falls soll ich sagen: Eine schlaflose Nacht wurde das Ganze nicht, denn ich wäre schon des Öfteren beinahe während des Films eingeschlafen.

Berlin, irgendwann in den 70er Jahren: Der RAF-Terror schockiert das geteilte Land. Währenddessen kommt die junge Susie Bannion (Dakota Johnson) in der Stadt an, um an einer renommierten Tanzschule unter der Leitung von Madame Blanc (Tilda Swinton) zu studieren. Sie übernimmt für die junge Patricia (Chloe Grace Moretz), die abgehauen ist, um sich offenbar der Terror-Gruppe anzuschließen. Susie wird schnell zum Star der Tanzakademie – doch schon bald muss sie sich fragen, ob in dieser Tanzschule alles mit rechten Dingen vor sich geht. Kann es sein, dass die Lehrerinnen der Schule alles Hexen sind?

Das neue „Suspiria“ stellt mich so ein bisschen vor ein Dilemma: Soll ich froh darüber sein, dass Guadagnino sich so weit vom Original entfernt (und somit mehr oder weniger das Original in Ruhe lässt) oder soll ich mich ärgern, dass er dem Original nicht die Ehre erweist, es mehr zu kopieren? In erster Linie ist es ja eigentlich nicht schlecht, dass ein Remake gerade nicht versucht, das Original zu kopieren. Jetzt im Nachhinein hätte ich mir eine nähere Kopie dann doch eher gewünscht. Gerade mit heutigen Mitteln hätte aus dem Remake wirklich ein noch besserer Film werden können.

Statt grellen Farben heißt uns „Suspiria“ in einem durch und durch grauen Berlin willkommen. Statt gruseliger, atonaler Musik a la Goblin beschert uns Radioheads Thom Yorke einen viel zu melodiösen, poppigen Soundtrack, statt den wirklich tollen Setpieces des Originals bleibt Guadagnino verhältnismäßig klein. Der Italiener hat aus dem wahrhaft berauschenden Original in meinen Augen ein absolutes Schnarchfest gemacht, dass nur an einigen wenigen Stellen zeigt, was es hätte sein können.

Das Einzige, was ich wirklich erwähnenswert finde, sind die Tanzchoreografien. Vor allem in einer ersten Szene, in der Dakota Johnson einen Tanz aufführt, der parallel einhergeht mit der „Vernichtung“ einer Abtrünnigen, ist wirklich großartig. Überhaupt sind die Choreografien wirklich sehr sehenswert. Doch am Ende muss man schon ein starker modern-dance-Fan sein, um sich nur darüber zu erfreuen.

Guadagnino versucht seinem „Suspiria“ auch eine deutlich dichtere Geschichte einzuverleiben, in der es eben nicht nur um einen Hexenzirkel geht, sondern auch um die politische Lage in Deutschland. Der Film versucht die Frage nach Schuld irgendwie mit zu integrieren, doch scheitert er kläglich. Dieses Bemühen, einen politischen Horror-Film zu machen, funktioniert einfach gar nicht. Man denkt immer die ganze Zeit, es könnte eine größere Bedeutung haben, aber all die Geschehnisse rund um die RAF bleiben das, was sie auch im Film sind: störende Nebengeräusche in einem sich ewig ziehenden Film. Das Original war von der Story her auch ziemlich schwach, aber immer noch intensiver und spannender als das Remake.

Zwischendurch und gerade zum Ende hin versucht „Suspiria“ dann auch mit einigen recht ekligen Bildern zu schocken, aber zu dem Zeitpunkt war ich schon soweit von diesem Film entfernt, dass ich das einfach nur noch als unnötig empfand. „Suspiria“ kann sich nie so richtig entscheiden, was es denn nun sein möchte: Horror-Film, Drama oder Geschichtsfilm, in dem man auf die Suche nach der Schuldfrage geht.

Immerhin sind die Darsteller durch die Bank ziemlich stark gewesen: Dakota Johnson legt erfolgreich ihr „Fifty Shades“-Image ab und gibt wirklich alles. „A Cure for Wellness“-Darstellerin Mia Goth überstrahlt aber selbst noch Johnson, einfach weil ihre Rolle sehr viel interessanter geschrieben ist… und dann hätten wir da noch die Grande Dame Tilda Swinton, die eigentlich immer toll ist – nur habe ich den ganzen Film über nicht verstanden, warum sie neben Madame Blanc auch noch die Rolle von Dr. Josef Klemperer übernehmen musste. Jedes Mal, wenn sie in ihrem piepsigen Versuch, eine männliche Stimme zu imitieren, zu reden anfängt, war das einfach nur albern. Und es hat letztendlich auch keine Bedeutung für den Film… irgendwie doch sehr unnötig.

Luca Guadagninos „Suspiria“ wird Argentos „Suspiria“ nicht einmal im Ansatz gerecht. Das Remake hat zwar ein paar nette Ansätze, ist aber einfach mal viel zu lang und – sorry, aber ich sage es jetzt einfach mal so – auch viel zu prätentiös.

Wertung: 3 von 10 Punkten (ein weiteres Remake, das man so nicht gebraucht hätte)

Die Greendale-Hexen

16. November 2018

Als Kind der 90er (darf ich das sagen, wenn ich in den 80ern geboren bin oder bin ich dann ein Kind der 80er, aber ein Teenie der 90er???) bin ich natürlich irgendwie auch mit Melissa Joan Hart aufgewachsen. „Clarissa“ habe ich immer gern geguckt (einfach weil ich das Konzept cool fand, dass sie mit mir, dem Zuschauer, redete) und später fand ich natürlich „Sabrina – Total verhext“ auch ziemlich cool. Die witzige, amüsante Hexen-Sitcom, in der viel Quatsch passierte. Das ist auch die Sabrina, die ich kenne – ich stecke in den Archie-Comics halt gar nicht drin. Deswegen habe ich mir bis heute auch nicht „Riverdale“ angeschaut – doch als es hieß, „Sabrina“ würde einen Neuanstrich bekommen, war ich vorsichtig neugierig. Als ich dann noch hörte, dass die neue Hexen-Serie sehr viel düsterer sein sollte und nichts mehr mit Sitcom und Highschool-Quatsch am Hut haben soll, wurde meine Neugier weniger vorsichtig. Als dann auch noch mein bester Freund, der sonst eher schwer für neue Serien zu begeistern ist, von „Chilling Adventures of Sabrina“ zu schwärmen anfing, musste ich der Serie einfach eine Chance geben.

Sabrina Spellman (Kiernan Shipka) lebt mit ihren beiden Tanten Zelda (Miranda Otto) und Hilda (Lucy Davis) in dem kleinen beschaulichen Örtchen Greendale (was, übrigens, mal so gar nichts mit „Community“ zu tun hat – kleiner Skandal am Rande!). Die Spellmans haben ein Geheimnis: Sie sind Hexen… wobei Sabrina nur eine Halb-Hexe ist, da ihre Mutter eine „normale“ Sterbliche war. Doch an ihrem 16. Geburtstag verlangt der Dunkle Lord von ihr, dass sie ihren Namen in sein Buch einträgt, um zu seiner Dienerin und zu einer vollfertigen Hexe zu werden. Doch Sabrina wehrt sich dagegen, will sie doch ihre menschlichen Freunde – und vor allem ihre große Liebe Harvey (Ross Lynch) – nicht aufgeben. Das sorgt für ordentlich Ärger – nicht nur mit dem Dunklen Lord, sondern auch mit dem Hohepriester Satans Father Faustus Blackwood (Richard Coyle). Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, ahnt Sabrina nicht einmal, dass ihre Lieblingslehrerin (Michelle Gomez) von einem gefährlichen und bösen Wesen besessen wird.

 

Ich habe nicht mit dem gerechnet, was ich am Ende von „Chilling Adventures of Sabrina“ bekommen habe. Ich dachte, ich kriege so eine moderat gruselige Version einer Sitcom. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht wirklich, was ich erwartet hatte. Auf keinen Fall habe ich jedoch erwartet, dass ich von Sekunde Eins an schwer begeistert von dieser Serie sein würde.

Fangen wir mal bei der Story an: Die ganze erste Staffel hat eine schön durchstrukturierte und vor allem spannende Geschichte, die sich eigentlich nur eine richtige Füller-Episode leistet (die ist dann aber so eine schöne „Nightmare on Elm Street“-Hommage, so dass sie ebenfalls sehr zu empfehlen ist). „Sabrina“ (ich kürze das jetzt einfach mal) ist eine aufregende Coming-Of-Story, in der es weniger ums Erwachsen-Werden geht, sondern mehr darum, ob sich die junge Sabrina nun für die dunkle oder die helle Seite der Macht entscheidet. Naja, eigentlich eher für die richtig dunkle Seite der Macht oder die nicht ganz so dunkle. Die Story ist abwechslungsreich, führt uns mal in die Welt der Hexen, dann in die Welt der Menschen und vermischt nach und nach all diese Welten. Die Risiken, die Sabrina eingehen muss, werden immer größer und die Entscheidungen, die sie treffen muss, immer härter. Ich muss wirklich gestehen, dass ich irgendwann einfach nicht mehr aufhören konnte, weil die Geschichte irgendwann so ordentlich Fahrt aufnimmt und viele spannende Aspekte aus dem Leben der Hexen offenbart, die sehr faszinierend sind.

Auch die Darsteller sind einfach nur spitze: Die junge Kiernan Shipka ist wirklich toll in der Rolle. Sie sieht schon so unschuldig, süß aus, dass man gar nicht glauben möchte, dass sie eine Hexe sein könnte. Das einzige Problem mit ihrem Charakter ist die Tatsache, dass sie ein wenig wie Rey aus „Star Wars“ ist: Sie soll eigentlich noch soo viel lernen, doch muss sie nur einmal in einem Buch blättern und schon kann sie so ziemlich alles, was sonst ach so schwer sein soll. Das hätte man ein wenig runterstufen können, aber auch so bringt sie sich noch in viele Schwierigkeiten, aus denen ihre Tanten sie retten müssen.

Wonder Woman“-Helferin Lucy Davis ist zuckersüß als liebe Tante Hilda, während Miranda Otto eine herrlich strenge, aber doch auch liebende Tante Zelda spielt. Michelle Gomez ist das eigentliche Highlight, ich mochte ihre Mentorinnen-Rolle, die so herrlich intrigant, beide Seiten ausspielt. Es würde jetzt zu weit führen, jeden Charakter durchzuarbeiten, aber sie sind alle toll. Sabrinas menschliche Freunde (gerade Harvey) entwickeln sich erst zum Ende der ersten Staffel zu wirklich interessanten Charakteren. Vorher sind die Hexen (und auch die Warlocks – wie Sabrinas Cousin Ambrose [Chance Perdomo]) viel packender – aber wie gesagt, je mehr sich alles vermischt, desto spannender werden auch diese Figuren.

„Sabrina“ sieht wie ein schöner Mix aus 60er Jahre Grusel-Horror und Neuzeit aus. Die Serie liefert tolle Bilder (auch wenn es mich immer aufgeregt hat, dass so viel Unschärfe in vielen Einstellungen verwendet wird), einen coolen Soundtrack und tatsächlich schöne Grusel-Momente – kurz gesagt: „Sabrina“ ist schwer unterhaltsam. Ich bin jetzt schon auf Staffel 2 und das kommende Weihnachtsspecial gespannt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine ganz andere Sabrina für eine ganz andere Zeit)

Studentisches Guerilla-Theater

14. November 2018

Ich bin froh, dass es mittlerweile immer wieder zu regelmäßigen Sonder-Vorführungen für Animes kommt. Es ist ja leider zu oft so gewesen, dass es gerade mal Studio Ghibli Filme regulär in die Kinos geschafft haben. Andere Anime-Kost hat es da eher schwer. Doch gefühlt mit dem Erfolg von „Your Name“ haben sich (zumindest hier in Berlin) regelmäßig Kino-Events entwickelt, bei denen man auch mal die Chance hat, fernab von süßen Ghibli-Filmen Animationskunst aus Japan zu genießen. Letztens hatte ich dann das Glück, mir Masaaki Yuasas „Night is short, walk on Girl“ angucken zu können.

Der Film folgt zwei Studenten durch eine recht wilde Nacht: Da hätten wir zum einen die junge Studentin, die auf der Suche nach einem lustigen Abend erst bei einem Wettsaufen mitmacht, sich dann auf einem Mitternachtsbuchflohmarkt nach ihrem Lieblingskinderbuch umschaut, um am Ende Teil einer Guerilla-Theater-Gruppe zu werden. Auf der anderen Seite haben wir einen älteren Studenten, der sich schwer in die junge Studentin verliebt ist. Er lässt nichts unversucht, damit sie sich „zufällig“ treffen – doch die Nacht wird dabei für ihn sehr viel anstrengender. Er verliert seine Unterhosen, soll für einen perversen Porno-Sammler Besorgungen machen und gerät ebenfalls in die Theater-Gruppe.

„Night is short, walk on Girl“ ist kein Film, der so richtig in eine Schublade passt – was man vielleicht schon an der merkwürdigen Inhaltsangabe erkennen kann. Aber gerade das macht diesen Film zu einem ziemlich wilden Ritt. Es ist eine gewöhnungsbedürftige Anreihung merkwürdiger Begegnungen in einer Nacht, die scheinbar wahllos von statten gehen und am Ende doch irgendwie alle zusammenhängen.

Einen wirklichen stringenten Handlungsfaden gibt es da nicht – außer dem Studenten, der dringend seine heimliche Liebe glücklich machen möchte. Somit wird „Night is short, walk on Girl“ auch ein bunter Mix aus Genres: da ist irgendwie ein wenig Fantasy dabei, wenn ein alter Greis in einer riesigen Straßenbahn durch die Gegend fährt und dann und wann Männern die Unterhosen klaut (warum auch immer) oder wenn plötzlich der Gott des Bücherflohmarkts auftaucht. Da gibt es ein bisschen Orwells „1984“, wenn die Campus-Polizei wie ein diktatorischer Überwachungsstaat jeden Studenten überwacht und jedes noch so kleines Geheimnis kennt. Da gibt es natürlich auch viel zu lachen – absurde Situationen sind hier an der Tagesordnung. Und schlussendlich ist der Film auch ein bisschen Musical, Guerilla-Theater erfordert auch so einige Gesangsnummern.

Dazu kommt Masaaki Yuasas sehr eigener Stil. Dass er nicht wie andere Geschichten erzählt, dürfte jetzt wohl klar sein. Aber er ist dabei auch noch äußerst kreativ am Werk. Ich kannte ihn bislang ja nur als Regisseur des großartigen Animes „Mind Game“. Ein Film, den ich nur wärmstens empfehlen kann, weil das so ein Film ist, der einen kalt erwischt und immer wieder zu überraschen weiß. Ganz so stark ist „Night is short, walk on Girl“ zwar nicht, aber rein optisch lohnt sich auch hier ein Blick.

Ich weiß gar nicht, wie man diesen manchmal sehr abstrakten, fast konturenlosen Stil bezeichnen soll. Einige Szenen sehen aus, wie mit dem dicksten Pinsel überhaupt gezeichnet. Masaaki ist unheimlich kreativ, verwendet verschiedenste Stile, spielt gekonnt mit dem Medium Animation und liefert ein Fest für die Augen, an dem man sich nicht satt sehen kann.

„Night is short, walk on Girl“ ist ein verrückter, witziger Film, der zeigt, dass es da draußen immer noch tolle Regisseure gibt, die ihren ganz eigenen Weg gehen und kreative und unterhaltsame Animationskunst abliefern.

Wertung: 8 von 10 Punkten (vielleicht nicht für jeden was, aber für Fans von etwas verrückteren Filmen genau das Richtige)

Operation: Über-Soldat

12. November 2018

Als es noch hieß, der vierte Teil in der „Cloverfield“-Antologie-Reihe von J.J. Abrams würde zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielen, klang das ziemlich verrückt. Dann kam aber „Cloverfield Paradox“ und erklärte uns – auf zugegeben etwas wirre Art und Weise – dass einfach alles möglich ist. Dimensionssprünge, Zeitsprünge – einfach alles. Mit diesem dritten Cloverfield-Film hat Abrams die Grundlage gelegt, sich so ziemlich alles aus dem Ar*** zu ziehen, was ihm gerade einfällt. Von daher klang die Idee, dass Teil 4 der Reihe sich zur Zeit des D-Days 1944 abspielen würde, gar nicht mehr so verwunderlich. Doch noch bevor „Overlord“ (oder wie er bei uns heißt: „Operation Overlord“ in die Kino kam, ruderte Abrams zurück: „Der Film gehört nicht ins Cloverfield-Universum, sondern ist einfach nur ein eigenständiger Horror-Film!“. Na gut, auch nicht tragisch.

Der junge Soldat Ed Boyce (Jovan Adepo) gehört zu einer Gruppe Fallschirm-Springer, die im Zweiten Weltkrieg über Frankreich abspringen sollen, um eine Funkstation in einem kleinen Dorf zu zerstören, die wiederum den Funk-Verkehr der Alliierten stört. Nur wenn diese Station zerstört wird, kann der D-Day gelingen. Doch Boyce und seine Einheit werden abgeschossen, die meisten seiner Kameraden sterben. Nur mit Corporal Ford (Wyatt Russell, Sohnemann von Kurt!!!) und zwei weiteren Soldaten kämpft sich Boyce vor zu dem Dorf. Dort angekommen treffen sie auf die junge Französin Chloe (Mathilde Ollivier) und ein düsteres Geheimnis: Die Nazis experimentieren mit einer merkwürdigen Substanz herum, die ihre Soldaten nahezu unsterblich macht. Aus der Mission wird schnell ein Horror-Trip.

Oh… Verzeihung, das „schnell“ müssen wir leider streichen. Denn „schnell“ ist bei „Overlord“ nichts. Ich kam eigentlich wegen der Horror-Supersoldaten-Zombies, musste mich aber erst einmal durch eine Art „Der Soldat James Ryan“ mit Mini-Budget quälen. Und ja, ich spreche von „quälen“, weil diese Handlung a) nicht sonderlich gut ausgearbeitet war und b) ich Nazi-Zombies oder irgendwas in der Richtung sehen wollte. Die ganze Nummer mit den Soldaten in dem kleinen Dorf hat nette Ansätze, braucht aber auch leider viel zu lange, um das ganze Mysterium dieser Mission wirklich aufzubauen. Zwischendurch kommt erst mal noch Euron Greyjoy vorbei und spielt einen fiesen Nazi-Hauptmann, der eigentlich nicht viel zur Story beiträgt – außer, dass er unserem Hauptcast die Möglichkeit gibt, einen Hauptmann grün und blau zu schlagen. Pilou Asbaek versucht dabei irgendwie verzweifelt sein Bestes, Christoph Waltz als Oberst Landa zu imitieren, scheitert aber an dieser Aufgabe. Was aber auch einfach daran liegt, dass das Drehbuch solche schauspielerischen „Aufgaben“ nicht erfordert. Er soll einfach nur ein Nazi-Arsch sein – und das macht er dann auch gut.

Erst nach so knapp einer Stunde (und ja, der Film geht fast zwei Stunden) dürfen wir dann endlich mal einen Blick auf diese ganzen Experimente werfen – und hier wird’s dann auch tatsächlich interessant. Regisseur Julius Avery darf endlich den Horror-Hebel betätigen und richtig los legen. Okay, die Viecher in den Brutsäcken haben mich ein wenig an Draculas Viecher aus „Van Helsing“ erinnert, aber das wollen wir dem Film jetzt nicht ankreiden. Die praktischen Effekte sind ordentlich, schön blutig und ziemlich brutal. Das kommt dann endlich „Horror-Freude“ auf und irgendwie gleichzeitig auch Frust: Hätte man das nicht alles viel früher bringen können? Hätten nicht ein paar dieser Viecher schon im Wald rumlaufen können? Hätten nicht schon ein paar dieser Dinger das Dorf heimsuchen können? Das alles hätte diesem Film schon sehr viel früher den arg benötigten Horror-Touch gegeben und man hätte sich nicht so lange mit diesem sehr oberflächlichen Kriegsdrama auseinander setzen müssen.

Aber wahrscheinlich liegt das Problem daran, dass man für den Horror-Trip mehr Darsteller gebraucht hätte – um dem klassischen „Sie sterben wie die Fliegen und am Ende bleibt nur einer übrig“-Schema auch gerecht zu werden. Schlussendlich müssen wir mit Adepo und Russell vorlieb nehmen. Bei Russell Corporal Ford wird noch der Versuch gestartet, der Figur einen Hintergrund zu geben, doch die wird zwar immer wieder fragend angesprochen, aber warum er so merkwürdig ist, erfahren wir nie.

Ganz ehrlich, ich hätte mir gewünscht, Abrams und Avery hätten sich mal Tommy Wirkolas „Dead Snow“ angeschaut und sich mehr daran orientiert. Wirkola hätte aus „Overlord“ den Film machen können, der er hätte sein wollen. Diese etwas lahme Mischung aus Kriegsdrama und Horror-Film passt einfach nicht wirklich. Was schade ist, denn der Horror-Film-Anteil zeigt viel Potenzial. Naja, warten wir einfach auf „Cloverfield 4“ 😀

Wertung: 5 von 10 Punkten (coole Idee, die aber nie richtig in Fahrt kommt)

Channel 4 News

9. November 2018

Adam McKay entwickelt sich für mich so langsam, aber sicher zu einem Regisseur, dem ich mehr und mehr Vertrauen schenke. Höre ich seinen Namen, egal ob nun als Produzent, Drehbuchautor oder eben als Regisseur, dann werde ich hellhörig. Mein erstes großes Treffen mit ihm hatte ich in dem eher McKay-untypischen „The Big Short“. Doch schnell lernte ich auch die Vorzüge seiner „Stiefbrüder“ zu schätzen. Als ich dann letztens mal wieder irgendwas Unterhaltsames brauchte, stieß ich auf „Anchorman“ – ein Film, der ja schon als Kultfilm bezeichnet werden kann. Warum also nicht mal einen Film über Nachrichtensprecher? Und tja, was soll ich sagen? Es eskalierte alles ziemlich schnell.

Wir schreiben die glorreichen 70er Jahre, in denen Macho-Übermann und Nachrichtensprecher Ron Burgundy (Will Ferrell) den Traum lebt: Alle Frauen lieben ihn, Männer wollen sein wie er! Das Leben könnte für Ron und seine Freunde im News-Team von Channel 4 nicht besser laufen. Bis das Unmögliche passiert: Eine Frau dringt in die Domäne des Schnauzbart-Trägers ein und bedroht seine Überstellung. Kann sich Ron gegen die taffe Veronica Corningstone (Christina Applegate) durchsetzen?

Mir wurde gesagt, dass „Anchorman“ zu den meist zitiertesten Filmen in den USA gehört. Eine Aussage, die ich nach diesem Film nicht weiter hinterfragen möchte. Hier wird ja wirklich ein blöder Spruch nach dem anderen gebracht – „Anchorman“ ist wie eine Maschinengewehrsalve aus dummen Sprüchen. Die sind dann aber wieder so dumm, dass sie einfach nur lustig sind. Ja, „Anchorman“ hat schon manchmal recht platte Witze, aber sie passen einfach so gut – weil sie durch großartige Darsteller mit so viel Charme rübergebracht werden, dass man einfach nicht anders kann, als sich darüber tot zu lachen.

Ich habe mir auch sagen lassen, dass hier so viel improvisiert wurde, dass aus den Outtakes und nicht genutzten Szenen ein ganz neuer Film geschnitten wurde.

Will Ferrell ist hier natürlich der King, der Obermacker vor dem Herrn. Ein dummer Typ, der nicht nachdenkt und seinem eigenen Ego mehr Beachtung schenkt als anderen Menschen. Dieser Ron Burgundy ist furchtbar, ein zu junge gebliebener Kerl, wahrscheinlich wirklich der perfekte Stereotyp für das Wunschdenken vieler Männer in den 70er Jahren. Man könnte wahrscheinlich, gerade in der heutigen Zeit, viele Dinge aufzählen, die einfach nur falsch an Ron Burgundy sind (und ich bin mir sicher, dass das genügend Leute, die den Sinn der Parodie dahinter nicht sehen können, auch tun werden). Aber das Geniale daran ist, so sehr Macho-mäßig Ron sich auch gibt, entlarvt er sich doch immer wieder auch selbst als pure Witzfigur. Ich meine, der Typ liest seine Vorstellung „Ich bin Ron Burgundy“ selbst als Frage vor, nur weil jemand ein Fragezeichen im Teleprompter gesetzt hat. Mehr muss man dazu doch nicht sagen, oder? Ron Burgundy ist spitze und herrlich absurd und abgedreht und man spürt förmlich, wie viel Spaß Will Ferrell dabei gehabt haben muss, diesem Exemplar Mensch Leben einzuhauchen.

Mein Herz, das muss ich aber ganz klar sagen, gehört in diesem Film dann doch eher Steve Carells Brick Tamland. Oh mein Gott… wenn ich nur an ihn denke, fange ich an zu lachen. Dieser Typ ist einfach nur spitze – und wie Carell es schafft, diese Rolle überhaupt zu spielen, ohne die ganze Zeit in schallendes Gelächter zu verfallen, ist mir ein Rätsel (und ein großer Beweis seiner Schauspiel-Kunst). Brick ist super, aber so sind auch alle anderen Charaktere, die hier auftauchen.

„Anchorman“ gehört für mich in die Kategorie „Zoolander“ – Komödien, die sich über dumme Menschen so dermaßen gut lustig machen, dass man sie immer und immer wieder gucken kann. Ich frage mich nur, ob Teil 2 von „Anchorman“ den spektakulären News-Team-Kampf noch toppen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (mein neues Nachrichten-Team!!!)

Draculas Armee

7. November 2018

Ich komme gar nicht mehr hinterher. Als Seriengucker lebt man mittlerweile echt in anstrengenden Zeiten. Netflix haut jede Woche neue Serien am Stück raus, meine Prime-Watchlist wird auch immer länger und länger. Neue Serie kommen, alte Serien gehen weiter und ich hechele gefühlt wie ein Rennhund hinter dem Hasen hinterher, um auch die wichtigsten Sachen nicht zu verpassen (und nebenbei müssen auch noch Filme geguckt, Spiele gespielt, Bücher gelesen und ein soziales Leben geführt werden). Ich weiß, immer diese „first world problems“; aber ich sehe mich da ja als Blogger auch immer ein bisschen in der Pflicht, auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Von daher war ich vor knapp einem Jahr sehr dankbar darüber, dass Netflix‘ neueste Serie aus nur vier Folgen a 25 Minuten bestand: „Castlevania“ sollte das neue Ding werden – eine brutale, blutige, aber auch gut erzählte Geschichte, basierend auf dem Computerspiel, das ich noch nie gespielt hatte. Tatsächlich war diese erste „Staffel“ eine nette Einführung – nur halt auch nicht mehr. Kaum war man so halbwegs drin, kannte alle Charaktere, war das Ding auch schon wieder vorbei. Jetzt ist endlich Staffel 2 und liefert ganze acht Folgen – und damit auch ein paar mehr Möglichkeiten.

Dracula (Graham McTavish) schickt seine unheimliche Armee aus Dämonen weiterhin kreuz und quer durch die Wallachei. Mittlerweile haben sich in seinem Schloss auch andere Vampir-Fürsten angesammelt, die ihrem Herren im Kriegsrat beistehen wollen, wenn er die Menschen aus dem Land streicht. Unter ihnen ist auch Carmilla (Jaime Murray), die aber beginnt, Dracula zu hinterfragen und ihre eigenen Pläne zu schmieden. Und dann hätten wir da ja noch den Monster-Jäger Trevor Belmont (Richard Armitage), der mittlerweile mit der Zauberin Sypha (Alejandra Reynoso) und Draculas Sohn Alucard (James Callis) unterwegs ist, um Dracula zu besiegen.

Ach ja… man merkt sofort, dass Staffel 2 von „Castlevania“ sich endlich mal wirklich mehr Zeit für die Entwicklung einzelner Charaktere lassen kann – und die kommen jetzt auch endlich mal so richtig zur Geltung. Unsere drei Helden werden erst jetzt zu richtigen Charakteren. Wir lernen mehr über Belmonts Vergangenheit und auch über Alucard erfahren wir viel mehr als nur, das er der Sohn von Dracula ist. Endlich werden diese Drei nicht nur Helden, sondern auch greifbare Charaktere: Belmont ist der Draufgänger, ein kleiner Schelm, einer, der gerne auch mal Dummes tut, um sich danach dafür zu entschuldigen. Alucard ist jemand, der seiner Mutter gerecht werden will und der schönen Vergangenheit nachhängt und Sypha wird zu einer richtig bad ass Magierin. Das ist jetzt wirklich ein cooles Trio, denen man auch durchaus zutraut, so ganz allein gegen Dracula angehen zu können. Endlich hat man Identifikationsfiguren, mit denen man auch mitfiebern kann, die einen auch mal zum Lachen bringen. Vorher waren sie einfach nur da.

Trotzdem stellt Staffel 2 diese kleine Helden-Gruppe fast schon ein bisschen in den Hintergrund – für eine viel spannendere Story sorgt Dracula selbst. Der alte Vampir ist still und ein wenig wahnsinnig geworden. Er will einfach nur vernichten, vernichten, vernichten. Er wirkt wie ein trauriges Häufchen Elend – und eigentlich ist er das auch. Weswegen er nicht merkt, was in seinem Kriegsrat so vor sich geht. Vampir-Dame Carmilla ist ein willkommener Neuzugang zur Serie, die das Ganze so richtig ins Rollen bringt. Sie sorgt für die meiste Spannung: Wie wird sie ihre Ränkespiele durchführen? Wen wird sie wie auf ihre Seite ziehen können? Das ist gut geschrieben, spannend inszeniert und wertet diese Staffel extrem auf. Ohne das wäre „Castlevania“ so ein reines Gut-gegen-Böse-Gekloppe. Mit dem wird es Gut-gegen-Böse-Gekloppe, bei dem sich Böse-gegen-Böse auch noch kloppt. Das gibt dem Ganzen eine neue Facette, die es aufregender macht als nur Hau-Drauf-Action.

Das Gekloppe macht in diesem Fall auch ordentlich was her: „Castlevania“ haut ordentlich rein, ist ordentlich blutig und ist ordentlich inszeniert. So viel „ordentlich“ verteile ich sonst nicht, was also auch schon was heißen will. Die Action ist wirklich verdammt gut inszeniert. Gerade unser Trio kämpft in einem coolen Mix aus Schwertkampf, Peitschenkampf, Magie und was nicht noch alles. Die schenken sich hier wirklich nichts und es ist fantastisch. Jeder Kampf in dieser Staffel – ob klein oder groß – ist ein kleines Highlight.

Interessanterweise fühlt sich Staffel 2 auch wie ein kleiner Abschluss dieser ganzen Geschichte an, wenn ich das mal vorsichtig so ausdrücken darf. Natürlich wurde eine dritte Staffel schon bestätigt und es gibt auch noch genügend offene Enden, aber so als Mini-Serie wäre ich so schon vollkommen zufrieden damit, wie sich „Castlevania“ über diese beiden kurzen Staffeln entwickelt hat.

Wertung: 9 von 10 Punkten (mehr Folgen, mehr Tiefe, mehr Gewalt, mehr alles – alles richtig gemacht bei „Castlevania)

LSD – Der Film

5. November 2018

Ich freue mich ja schon, wie wahrscheinlich viele begeisterte Nic-Cage-Fans, auf seinen neuesten Film „Mandy“. Beim guten Onkel Cage ist das ja mittlerweile wie Lotto-Spielen mit seinem Filmen, Da der Mann gefühlt jeden Monat einen merkwürdigen Direct-to-DVD-Film raushaut, sind halt mehr Nieten als Gewinne dabei. „Mandy“ soll aber ganz anders sein. Warum ist das nur so? Warum vorvertrauen so viele Menschen diesem Panos Cosmatos? Wer ist dieser Mensch überhaupt? Das waren so die ersten Gedanken, die ich hatte (einfach, um nicht zu schnell auf den „Mandy“-Hype aufzuspringen). Der einzige Film, den jener Cosmatos noch gemacht hat, ist ein kleiner Film namens „Beyond the Black Rainbow“ (den ich jetzt mal sehen konnte, weil er in sehr guter Qualität auf youTube zu finden ist – Link packe ich ans Ende der Kritik).

In den 60er Jahren gründet Dr. Arboria (Scott Hylands) das Arboria Institute, eine New Age Institution, in der er einen Weg finden will, dass Menschen ihr volles Potenzial ausschöpfen können, um das perfekte Glück zu finden. Sprung in die 80er Jahre: Arborias Protegé Barry Nyle (Michael Rogers) führt die Forschung im Institut weiter – an der stummen Elena (Eva Allan), die durch die Experimente tatsächlich besondere psychische Fähigkeiten erlangt hat. Problem ist nur: Nyle hält Elena wie ein Tier und ist wie besessen von der jungen Frau. Die ist im Institut gefangen – kontrolliert von einer merkwürdigen Licht-Pyramide. Doch dann eines Tages ergibt sich die Möglichkeit zur Flucht.

Ich weiß gar nicht, wo oder wie ich anfangen soll. „Beyond the Black Rainbow“ ist ein Film, auf den man sich wirklich einlassen muss. Es ist ein extremer Kunstfilm, der mehr über die Poesie seiner Bilder funktioniert als über die „Story“. Die ist letztendlich nur so ein rudimentäres Gerüst, auf dem der Film dann den Rest aufbaut. Zu Beginn des Films habe ich wirklich noch gedacht: „Oh mein Gott, das ist so ein komischer Kunstfilm, der einfach nur wirre Bilder aneinander klatscht und damit versucht, seine Inhaltslosigkeit zu übertönen!“ Aber nach einer Weile entfaltet sich die unglaublich hypnotische Wirkung von „Beyond the Black Rainbow“ und ich war gefangen in dieser mysteriösen kleinen Welt, in die uns Cosmatos entführt.

Die Bilder sind wirklich der Wahnsinn, manchmal blendend grell, übersättigte, körnige Farbgebung, lense flares, die selbst einen J.J. Abrams neidisch machen würden und und und. Es gibt eine Rückblende in Schwarz-Weiß gehalten, die einfach nur extrem unheimlich wirkt. Das Weiß ist so weiß, dass man nicht direkt hingucken kann. Es frisst alles andere irgendwie auf – und wenn dann Nyle aus einer schwarzen Soße wie ein Dämon hervorsteigt, sind das Bilder, die sich einbrennen. Eines kann man „Beyond the Black Rainbow“ wirklich bestätigen: Bildgewaltig kann dieser Film. Cosmatos spielt mit Farben und Bildern und liefert wirklich einen kleinen LSD-Rausch als Film, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Immer vorausgesetzt, man kann sich dem Film wirklich so hingeben.

Denn die Geschichte wird sehr langsam erzählt. Da kommt dann wieder das Experimentelle in „Beyond the Black Rainbow“ zum Vorschein. Der Zuschauer wird gefordert, muss sich das Geschehen selbst zusammenbauen. Dialoge sind spärlich, eigentlich lauschen wir meist nur den Monologen von Nyle. Den Rest puzzeln wir uns einfach so zu einem großen Ganzen. Klingt irgendwie anstrengend, ist es aber nicht: Denn es entsteht ein ziemlich deutliches Bild von dem, was in diesem Institut vorgefallen ist. „Beyond the Black Rainbow“ wird da sehr schnell zu einem spannenden Horror-Trip, der sich langsam im Kopf des Zuschauers ausbreitet.

Zu den Farben und der sehr entschleunigten Erzählweise kommt dann noch die Musik, die ebenso stark dazu beiträgt, dass man sich diesen Filmen ab einem bestimmten Zeitpunkt wie in Trance anschaut. Ich glaube, dieser Film ist wirklich „LSD – Der Film“.

Darstellerisch kann man leider nicht zu viel sagen, da Cosmatos‘ Bild- und Farbspiel alles in den Schatten stellt. Dennoch muss ich einfach Michael Rogers erwähnen, der wunderbar eklig ist und ein wirklich guten verrückten Professor abgibt, der auf seine schleimig-schmierige Art ziemlich schnell deutlich macht, dass er der absolute Widerling ist.

„Beyond the Black Rainbow“ ist schon eine faszinierende Film-Erfahrung, die man dringend mal gemacht haben sollte. Nach diesem Film steige ich jetzt aber auf jeden Fall auf den „Mandy“-Hype mit auf und freue mich schon riesig!

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein wilder Horror-Trip)

P.S.: Hier ist, wie versprochen, der Link zum Film: „Beyond the Black Rainbow“! Guckt ihn, solange er noch da ist 😀

Der Kult der Insel-Göttin

2. November 2018

Nachdem er sich mit „The Raid“ und „The Raid 2“ eine feste Fan-Base aufgebaut hat, wurde es erst einmal ruhig um Gareth Evans. Wie viele andere auch habe ich eigentlich die ganze Zeit auf „The Raid 3“ gewartet, bis Evans vor kurzem mitteilte, dass dieser Film womöglich nie kommen wird. Stattdessen müssen „The Raid“-Fans mit „The Night Comes For Us“ vorlieb nehmen – der ist zwar nicht von Evans, aber mit vielen Darstellern aus „The Raid“ und nicht weniger großartig. Für alle Evans-Fans geht es jetzt mal in eine ganz andere Richtung. Mit „Apostle“ versucht sich der Waliser jetzt mit einem historischen Horror-Film für Netflix.

Thomas Richardson (Dan Stevens) reist im Jahr 1905 auf eine kleine Insel vor Wales, auf der ein religiöser Kult rund um den Anführer Malcolm Howe (Michael Sheen) lebt. Weil die kleine Gemeinde Geld braucht, da die Insel-Göttin, der diese kleine Sekte huldigt, offenbar gerade keine Lust hat, die Ernten gedeihen zu lassen, ließ Howe Thomas‘ Schwester Jennifer (Elen Rhys) entführen – schließlich hat Papa eine Menge Geld. Bevor das Lösegeld jedoch gezahlt werden soll, will Thomas sicher gehen, dass es seiner Schwester gut geht. Als Spitzel unter den Jüngern von Malcolm muss Thomas jedoch bald feststellen, dass das mit der Insel-Göttin nicht nur Humbug ist.

Von Martial Arts also zu Horror… warum auch nicht? Ich meine, ich find’s immer gut, wenn Regisseure mal ihre Komfortzone verlassen und was Neues ausprobieren. Das Problem ist nur, dass sich Evans jetzt das erste Mal in Gefilden bewegt, in denen er sich nicht hinter spektakulären Kampfsequenzen verstecken. Denn ja, natürlich sind die „The Raid“-Filme jetzt nicht gerade Meilensteine der Erzählkunst. Dort reicht die sehr einfach gestrickte Story vollkommen aus, weil sich am Ende eh niemand sonderlich dafür interessiert. Wir wollen da die krassen Kämpfe sehen und die Story führt uns nur brav von einem zum anderen. Großartige Kämpfe gibt es in „Apostle“ jetzt nicht… aber in den paar Szenen, in denen es tatsächlich handfest wird, spürt man den Evans-Stil: Die Kamera ist immer direkt im Kampf, sie klebt dicht an den Kämpfern und fällt auch mal in den Dreck, wenn einer der Kämpfenden in den Dreck fällt. Da merkt man dann sehr schnell aus welchem Bereich Evans kommt…

… aber wie schon gesagt, Action macht „Apostle“ jetzt nicht aus. Das größte Problem, das ich mit dem Film hatte, war die fehlende Bedrohung. Eigentlich sollte uns diese Gemeinde merkwürdig und unheimlich vorkommen, aber das passiert nie. Evans streut zwar hier und da Mysterien (Warum stellen die Bewohner Gläser voll Blut vor ihre Tür? Wer ist die merkwürdige Frau, die Thomas an seinem ersten Tag sieht? Warum gebären die Schafe nur Totgeburten?), er baut nur nie wirklich darauf auf. Unheimlich ist auf dieser Insel selten was… Evans baut einfach keine Atmosphäre auf und verschwendet damit dann auch absolut das Potenzial dieser Geschichte und vor allem das seiner Darsteller.

Michael Sheen sehe ich ja immer gerne und eigentlich ist er perfekt für die Rolle eines Kult-Priesters. Nur als großer Schurke kommt er hier nicht vor. Evans baut ihn einfach nicht gut genug auf. Sheen hätte ein charismatischer, energischer Führer dieser Gruppe sein müssen. Doch das war er nicht. Überhaupt habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wieso ich diese Inselbewohner jetzt wirklich als Sekte ansehen soll. Diesen Punkt hätte Evans einfach ein bisschen krasser ausbauen müssen, dann wäre da auch eher eine bedrohliche Stimmung aufgekommen. So hatte ich, ehrlich gesagt, nie wirklich Angst um unseren tapferen Dan Stevens. Der rennt eigentlich immer wieder ganz gemütlich durch die Gegend ohne jemals wirklich in Gefahr zu sein. Da nützt dann auch nicht, wie gut Regisseur Evans das ganze Ambiente auf der Insel vorstellt… es sieht einfach nur aus wie eine kleine Aussteiger-Kommune, mehr nicht.

Ich weiß auch nicht, wieso, ich musste die ganze Zeit an „The Ritual“ denken, in dem dieses „Wir verehren eine alte Gottheit“ sehr viel überzeugender und effektiver dargestellt wurde. Evans fehlt da einfach noch das Händchen für, seine Story wirkt überfrachtet. Er hat tausend gute Ansätze, aber keiner davon kommt so richtig zur Geltung. Hoffen wir mal, dass da beim nächsten Mal was besseres bei rauskommt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (weder gruselig noch sonderlich spannend – was bei den Darstellern und der Idee schade ist)

Silver Shamrock

31. Oktober 2018

Ja, ja, ich weiß… erst abkotzen, wie scheiße doch „Halloween 2“ ist und dann jetzt doch einen Artikel über „Halloween 3“ schreiben. Aber ich fand das Konzept einfach zu interessant, um es auslassen zu können. Schließlich taucht Michael Myers in „Halloween 3“ wirklich nicht auf. Vielmehr wollten John Carpenter und seine Co-Autorin und Produzentin Debra Hill eine Film-Reihe erschaffen, bei der es jedes Jahr zu Halloween einen neuen Gruselfilm rund um das Thema Halloween geben würde (also so ein bisschen wie J.J. Abrams, dass jetzt mit seinem Cloverfield-Universum macht). Gescheitert ist „Halloween 3“ dann vor allem an den Fans, die halt Michael Myers haben wollten, dennoch, finde ich, ist „Halloween 3“ ein verdammt unterhaltsamer Film, den man nicht versäumen sollte (auch wenn Teil 2 so eine Katastrophe war).

Der Arzt Daniel Challis (Tom Atkins) will den Mord an einem Patienten aufklären, dessen Mörder sich anschließend selbst umbrachte. Gemeinsam mit der Tochter des Opfers Ellie (Stacey Nelkin) verschlägt es ihn daraufhin in das verschlafene Nest Santa Mira in Kalifornien. Dort stoßen sie auf den verschrobenen Conal Cochran (Dan O’Herlihy), dessen Firma Silver Shamrock Halloween-Masken produziert. Doch schnell findet Daniel und Ellie heraus, dass Cochran einen ziemlich finsteren Plan verfolgt – ein Plan, der die dunkle Zeit der Hexen wieder heraufbeschwören möchte, in dem Cochran mit Hilfe seiner Masken, einem dort versteckten Mikro-Chip, dem furchtbarsten Werbe-Jingle und ja, einem Stein aus Stonehenge versucht, ein unglaubliches Opfer zu bringen.

Ich kann durchaus verstehen, warum „Halloween 3“ so arg in die Kritik geriet… aber ich kann Carpenter nur zu seinem Mut applaudieren (auch wenn sein Mut so hart abgestraft wurde, dass alle weiteren Halloween-Fortsetzungen wieder brav auf Michael Myers setzten). Statt weiter einfach nur Schema F abzuliefern, wollte Carpenter etwas Neues ausprobieren – und in verschiedenen Filmen den Geist von Halloween einfangen… und vor allem ohne Michael Myers auskommen, von dem wir uns ja in „Halloween 2“ im flammenden Inferno eigentlich verabschiedet hattet.

Carpenter seetzt vielmehr auf einen Film, der eigentlich mehr wie eine Folge „Twilight Zone“ wirkt: Verschwörung, Science Fiction, Thriller und auch ein wenig von dem, was Halloween ausmacht – Grusel! Mit „Halloween 3“ liefert er in diesem Sinne perfekt ab. Nur hätte er es vielleicht wirklich eher bei der Länge einer TV-Folge belassen sollen. Denn so sehr ich „Halloween 3“ auch mag, hat der Film doch schon seine Längen.

Davon mal abgesehen ist die Idee – so absurd sie in vielen Stücken auch ist (wie kann man denn bitte ungesehen einen Stein von Stonehenge mitgehen lassen) – ziemlich abgefahren und cool. Die Verschwörung ist spannend, auch wenn Bösewicht Cochran natürlich am Ende schön klischeehaft seinen ganzen Plan offenbaren muss. Der Science-Fiction-Anteil hat ein bisschen was von „Die Frauen von Stepford“, was ich so wirklich überhaupt nicht habe kommen sehen. Das passt auch alles ziemlich gut zusammen – obwohl ich mir gerade diesen Stepford-Teil ein wenig intensiver gewünscht hätte. Der Horror-Teil beschränkt sich dann am Ende auf ein paar sehr coole Sterbe-Szenen.

Ich glaube, wenn Carpenter „Halloween 3“ einfach unter einem ganz anderen Titel veröffentlicht hätte und vielleicht das Drehbuch ein bisschen strammer angezogen hätte, hätte dieser Film ein Erfolg werden können. Zumal das Ende ja so herrlich offen bleibt. Wenn daraus dann so eine Anthologie-Reihe wie „Cloverfield“ geworden wäre, die zwar Einzelgeschichten erzählt, die aber trotzdem irgendwie zusammenhängen, wäre das einfach nur genial geworden. Aber das blieb Carpenter leider vergönnt – vielleicht sollte man statt neue „Halloween“-Filme drehen, lieber „Halloween 3“ unter einem neuen Titel remaken und damit eine ganz neue Reihe von Feiertagshorrorfilmen aufbauen. Das wäre echt cool.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass „Halloween 3“ echt cool war, zwar schräg, aber cool. Gerade Dan O’Herlihy bleibt auch als toller Schurke gut im Gedächtnis, sein Höllen-Werbesong sowieso. „Halloween 3“ ist schon eine kleine Perle, die – ordentlich blank poliert – wirklich ein großartiger Film hätte werden können!

Wertung: 7 von 10 Punkten (damit beende ich meine Halloween-Film-Erfahrung mit einer Fortsetzung, die genial-mutig ist)

Halloween… 5 Minuten später

29. Oktober 2018

Um mich auf den neuen „Halloween“-Film vorzubereiten, habe ich mir ja letztens das Original angeschaut – und weil die Neuausgabe ja alle Fortsetzungen ignoriert und sich somit selbst zum einzig wahren zweiten Teil erklärt, hätte da für mich eigentlich Schluss sein können. Doch so leicht geht das bei mir immer nicht. Gerade wenn ich weiß, dass da noch ein ganz schön langer Rattenschwanz an Filmen hinten dran hängt. Da ich jetzt auch kein sonderlich großer Fan vom „neuen“ Sequel war, wollte ich doch unbedingt mal sehen, wie sich John Carpenter den zweiten Teil gedacht hatte (immerhin schrieb er das Drehbuch).

„Halloween 2“ setzt wirklich nahtlos an „Halloween“ an. Dr. Loomis (Donald Pleasance) hat Michael Myers (Dick Warlock) gerade erschossen, doch seine „Leiche“ ist verschwunden. Michael lebt also noch und streift weiter durch Haddonfield – immer noch auf der Suche nach Laurie Strode (Jamie Lee Curtis). Doch warum eigentlich? Tja, „Halloween 2“ gibt uns die Antwort darauf: Laurie ist in Wirklichkeit Michaels Schwester… ich weiß, Mind blown!

Die Tatsache, dass John Carpenter noch voll involviert war und das der Cast des ersten Teils auch noch mit dabei ist, spricht ja irgendwie schon für den Film. Auch ist die Tatsache, dass er direkt an den ersten Film anknüpft, irgendwie spannend. Doch was mit „Halloween 2“ folgt, wirkt wie ein elendig langer Nachtrag, der verschollene Epilog zum ersten Teil.

Regisseur Rick Rosenthal scheitert daran, Michael Myers zu der gleichen unheimlichen Präsenz zu verhelfen, die Carpenter im ersten Teil erschuf. Was vielleicht auch einfach daran liegt, dass alles rund um Myers eher irgendwie langweilig wirkt. Laurie wird bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht und deswegen spielt der Film auch die meiste Zeit in einem Krankenhaus. Und weil in einer Fortsetzung ja alles immer größer und besser sein muss, entschied man sich zu mehr Sex und mehr Gewalt. Das ist aber auch leider alles, was „Halloween 2“ so wirklich abzuliefern hat. Das Krankenhaus-Personal spielt ein bisschen Soft-Porno, nur um dann auf effektive Michael-Myers-Art niedergemetzelt zu werden.

Zum Mythos Michael Myers kann der Film nicht sonderlich viel beitragen – außer eben dieser wirr an den Haaren herbeigezogenen Geschichte, dass Michael und Laurie Geschwister sind. Warum hätte sie nicht einfach die eine gewesen sein, die ihm abhanden gekommen ist? Warum hätte sie ihn nicht einfach so sehr an seine Schwester Judith erinnern können, dass er deswegen so fixiert auf sie ist? Woher weiß er denn überhaupt, dass er mit ihr verwandt ist? Ich weiß nicht… klar, im ersten Teil habe ich mich auch gefragt, wie ein Junge, der sein ganzes Leben lang eingesperrt gelebt hat, so gut Autofahren konnte. Aber der Film war atmosphärisch einfach so gut, dass solche Fragen nie wirklich aufkamen. „Halloween 2“ ist aber so langweilig, dass man sich vieles fragt: Wieso hat Laurie Strode nur immer wieder so viel Glück? Warum sind immer alle Türen zu? Warum rennt nie jemand mal wirklich einfach schnell weg, sondern erstarrt immer? Schließlich ist Michael Myers jetzt nicht gerade ein Usain Bolt, wenn es um das Verfolgen seiner Opfer geht.

Wie schon gesagt, „Halloween 2“ fühlt sich wie ein schlechter Nachschlag an. Klar, nach dem ersten Teil hat man schon irgendwie Lust, mehr über dieses Wesen Michael Myers zu erfahren und wünscht sich dann doch mehr. Nur diese Portion gequirrlten Mist hätten sich Carpenter und Co. auch echt sparen können.

„Halloween 2“ ist wirklich einfach nur langweilig und trotz einer Laufzeit von knapp anderthalb Stunden extrem langatmig. Da ist der neue zweite Teil dann doch ein wenig besser, obwohl man sich auch den hätte sparen können – aber wir wissen ja alle, das Böse steht immer wieder auf und kommt zurück. Und spätestens nach dem Finale von diesem Teil 2, dass sich ja sehr im neuen Teil 2 widerspiegelt, ist auch da klar, dass Michael Myers definitiv zurückkehren wird.

Wertung: 2 von 10 Punkten (macht das Original so richtig kaputt – vollkommen unnötig)