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Fuck off, Adolf!!!

27. Januar 2020

Es gibt Filme, die klingen schon total gaga, wenn man nur die erste Prämisse dazu hört. Als ich hörte, was Taika Waititi nach „Thor 3“ als nächstes Projekt ausgewählt hatte, war ich sofort Feuer und Flamme: Er würde einen Film über einen Jungen zur Nazi-Zeit spielen, dessen imaginärer Freund Hitler ist – gespielt von Waititi selbst. Muss man dazu eigentlich noch mehr sagen? Dank Filmen wie „What we do in the Shadows“ und „Hunt for the Wilderpeople“ wissen wir, dass Waititi einen guten Sinn für Humor hat (selbst sein MCU-Auftritt war herrlich komisch), da kann doch bei diesem neuen Film namens „Jojo Rabbit“ nichts schief gehen? Nein, nicht wirklich…

Der zehnjährige Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) ist ein blühender Verehrer des Führers, der sogar sein imaginärer Freund (Taika Waititi) ist und ihm in wichtigen Krisen beratend zur Seite steht. Jojo versucht sich überall einzugliedern, will ein guter Deutscher sein… aber das ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn er plötzlich hinter das dunkle Geheimnis seiner Mutter Rosie (Scarlett Johansson) kommt: Die versteckt nämlich ein jüdisches Mädchen im Dachboden. Vorsichtig nähert sich Jojo der jungen Elsa (Thomasin McKenzie) an – verraten kann er sie nicht, weil sie droht, dann seine Mutter zu verraten. Also versucht er, über sie mehr Informationen über die Monster zu bekommen, als die die Juden so verschrien werden.

Kriegszeiten und Terrorherrschaft aus der Sicht von Kindern kann man auf die unterschiedlichsten Weisen darstellen. In „Die Bücherdiebin“ wurde es auf recht normale Weise dargestellt, Guillermo del Toro wählte eine fantastischere Methode in „Pans Labyrinth“ und Taika Waititi geht nun den Mittelweg. Dabei war ich mir erst unsicher, ob Hitler als imaginärer Freund wirklich funktionieren könnte. Aber wenn er von Waititi selbst gespielt wird, braucht man da keine Sorgen zu haben. Zumal der Film es mit diesen Szenen auch nicht überstrapaziert: Wenn der widerliche, kleine Schnauzbart-Träger in jeder zweiten Minute irgendwie aufgetaucht wäre, hätte es schnell zur Übermüdung führen können. Waititi setzt ihn aber sehr bedacht ein – schließlich soll es nicht um Hitler gehen, sondern um den jungen Jojo. Waititi ist in seiner Darstellung des fiesen Dikators aus Sicht von Kinderaugen aber einfach großartig. Sein imaginärer Führer ist ein dumber Idiot, der selbst keine Ahnung hat, was die Leute da von Jojo im Deutschen Jungvolk eigentlich wollen oder warum Juden nun so schlimm sind. Waititi führt das Gedankengut ad absurdum und zieht diese dumme, dumme Ideologie gekonnt durch den Kakao.

Aber wie schon erwähnt, es geht eher um den jungen Jojo… und Roman Griffin Davis ist einfach wunderbar. Durch seine Augen sehen wir diese verkehrte Welt, in der kleine, unschuldige Mädchen sich verstecken müssen, in der die eigene Mutter ihre wahre Identität verstecken muss und in der es vor Monstern nur so wimmelt (Stephen Merchant als übernatürlich großer Gestapo-Offizier ist wahrlich gruselig). Jojos Welt wird immer wieder auf den Kopf gestellt. Das ist mal sehr lustig (vor allem Sam Rockwell und Alfie Allen sind super), manchmal auch einfach zum Heulen traurig (dazu werde ich jetzt keine Spoiler geben, es ist aber wirklich so).

Waititi zeigt in „Jojo Rabbit“ wirklich ein Gespür für das perfekte Timing und geht sehr sorgsam mit diesem Stoff um. Er veralbert die Nazis und ihr Denken, wo er nur kann und das so wunderbar, dass man nicht anders kann, als einfach lauthals zu lachen. Doch dann bringt er uns auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück – hier ist eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – und wir werden mit harten Tatsachen wieder aus dem Lächerlichen herausgeholt. Dabei hat Waititi auch dank seiner umwerfenden Darsteller die besten Voraussetzungen, um das gut zu inszenieren. Thomasin McKenzie ist super, Sam Rockwell ist großartig und Scarlett Johansson zu Recht für einen Oscar nominiert.

„Jojo Rabbit“ ist urkomisch und zutiefst traurig, weiß aber auch immer, uns irgendwie wiederaufzubauen, uns Hoffnung zu schenken. Das ist wunderbar rührende Fiktion und ein wunderbarer kleiner Film zum Lachen und Weinen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Waititi beweist einmal mehr, dass er ein großartiger Komiker und Regisseur ist)

Random Sunday #24: The Goldfinch

26. Januar 2020

Um „The Goldfinch“ renne ich schon seit Jahren herum. Immer, wenn ich das Buch im Laden gesehen habe, habe ich es genommen, mir den kleinen Distelfink auf dem Cover angeschaut, mir den Buchrücken durchgelesen und es dann doch wieder beiseite gepackt. Irgendwo konnte ich diese Story von dem kurzen Text allein nicht so ganz greifen und war mir deswegen immer unsicher, ob das wirklich das Buch für mich sein würde. Dann entschied Hollywood, dass das Buch von Autorin Donna Tartt definitiv was fürs Kino sei und verfilmte das Ganze mit „Stranger Things“-Wonderboy Finn Wolf, „Baby Driver“ Ansel Elgort und Nicole Kidman. Der Film reizte mich aber nicht, weil ich das Buch nicht gelesen hatte und der Trailer jetzt auch nicht so berauschend aussah… ich weiß nicht, wieso, aber die Zeichen standen für den Distelfink und mich von Anfang an eher schlecht. Doch irgendwann wollte ich es dann doch wissen… und kaufte mir das Buch. Um die Spannung schon mal vorwegzunehmen: Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Theodore Decker verliert seine Mutter bei einem Bombenattentat in einem New Yorker Kunstmuseum. Er selbst überlebt den Anschlag und bei seiner schweren Flucht aus den Trümmern schnappt er sich ganz nebenbei ein kleines Gemälde: Der Distelfink von Maler Carel Fabritius. An dieses Gemälde klammert er sich sein Leben lang… es ist der Ankerpunkt, der ihn immer wieder zu seiner toten Mutter zurückbringt, während das Leben um ihn herum wilde Haken schlägt. Erst landet er bei seinem Freund Andy und der reichen Familie der Barbours, dann taucht sein lang verschollener Vater wieder auf und zieht mit ihm nach Vegas. Hier lernt er seinen besten Freund Boris kennen, der ihn in die wilde Welt von Alkohol und Drogen einführt. Später kehrt er dann wieder nach New York zurück, wo er bei dem Partner des Mannes arbeitet, den er in den Trümmern des Anschlages kennengelernt hatte.

Das war mein erstes Donna-Tartt-Buch und ich weiß nicht, aber es könnte sein, dass es für lange Zeit auch erst einmal das letzte sein wird (es sei denn, jemand hat eine Empfehlung für mich, die besser ist als „The Goldfinch“). Während des Lesens musste ich immer wieder etwas ungläubig auf den „Pulitzer-Winner“-Stempel auf dem Cover gucken. Ich dachte immer, das wäre ein Preis für besondere Errungenschaften beim Schreiben. Wirklich groß was besonderes ist „The Goldfinch“ jetzt aber nicht. Mal abgesehen von der turbulenten Eröffnung mit dem Attentat ist das hier ein stinknormale, extrem in die Länge gezogene Coming-Of-Age-Story, in der es um Drogen, Alkohol und die Suche nach dem Sinn im Leben geht. Theodore Decker ist jetzt kein besonderer Charakter, zu dem man sich stark hingezogen fühlt. Er ist halt ganz normal für diese Art des literarischen Genres.

Dazu hat mich einfach auch sehr Tartts extremer Hang zur Dramatik und zu Zufällen gestört. Die ganze Story von „Der Distelfink“ basiert darauf, dass Theo ständig Leute verliert. Erst seine Mutter und danach gibt es eben noch zwei Tote, die ein wenig aus dem Himmel gegriffen sind – das alles wirkt sehr konstruiert, schafft noch mehr Drama in einem literarischen Leben, das von Beginn an schon ziemlich hart gewesen ist. Nur noch mehr Drama draufschütten, sorgt jetzt auch nicht dafür, dass ich mehr mit Theo mitleide. Das Gemälde des Distelfinks ist dann auch immer noch ständig Thema und auch darum drehen sich ein paar sehr konstruiert wirkende Zufälle… immerhin schafft es Tartt kurz vor Ende ihres 800 Seiten Romans noch, einen witzigen Twist einzubauen, der das sonst recht träge Buch kurzzeitig ein wenig aufwertet, nur um dann zu einem unpassenden und wildem Ende zu führen.

Irgendwie hatte ich die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl, dass Tartt nicht so wirklich wusste, was sie nicht noch alles in dieses Buch packen soll. Hätte mich irgendwann nicht gewundert, wenn Theo in seinem Drogenrausch noch wilde Visionen von der Zukunft gehabt hätte, in der ihm ein animatronischer Distelfink von der Apokalypse erzählt. Aber Spaß beiseite: „The Goldfinch“ ist extrem gestreckt, recht unspektakulär und liefert jetzt nicht, was mir wirklich in Erinnerung bleiben wird – außer das wirklich schöne Gemälde von Fabritius, das diesen kleinen, unschuldigen Distelfink zeigt.

Die Regenschirme von Pei

24. Januar 2020

Als ich hörte, dass dieses Jahr mal wieder ein Film von Zhang Yimou ins Kino kommen würde, wurde ich hellhörig. Ich mag diesen Regisseur einfach, weil er so perfekt opulenten Bombast verfilmt wie kein anderer. Sein Film „Hero“ ist für mich immer noch eines der besten Beispiele dafür, wie man eine tolle Geschichte in noch tolleren Bildern erzählen kann. Das sind Bilder, in denen man sich verlieren kann, die präzise in Szene gesetzt sind, wo nichts dem Zufall überlassen wird. Vor zwei Jahren hat er dann zwar mit „The Great Wall“ ziemlich ins Klo gegriffen (obwohl der Film auch seine Schauwerte hatte), weswegen ich vorsichtig gespannt war auf „Shadow“.

Vor Jahren verlor das Königreich Pei die wichtige Stadt Jingzhou an das Königreich Yang. Der Befehlshaber der Armeen von Pei, Ziyu (Deng Chao), hat nun das Unglaubliche getan: Er hat den Heerführer und legendären Kämpfer Yang Can (Hu Jun) zu einem Duell herausgefordert, um Jingzhou zurück zu erobern. Was jedoch niemand am Hofe Peis weiß: Ziyu wurde im ersten Kampf gegen Yang schwer verletzt – und seitdem hat er einen Doppelgänger ausgebildet, ein Mann namens Jingzhou (Deng Chao). Ihn trainiert er im Kampf gegen die Lanze von Yang Can mit einem Regenschirm – jupp, klingt verrückt, ist aber so.

Ich höre an dieser Stelle mal auf, ansonsten würde ich mich in dieser Story verlieren. Sagen wir mal, „Shadow“ liefert genau das an Story ab, was ich mir von einem Zhang-Yimou-Film wünsche: alles ist herrlich verworren. Jeder hat vor jedem Geheimnisse, jeder betrügt irgendwie jeden. Intrigen und Ränkespiele sind hier am Hof des Königs gang und gäbe. „Shadow“ macht da keine Ausnahme – und das allein macht schon unheimlich viel Spaß. Zugegebenermaßen bedeutet das aber auch, dass es zu Beginn eher langsam zugeht. Da wird erst einmal viel geredet und noch ein bisschen mehr geredet… und oh ja, noch mehr geredet. Aber je mehr man sich da reinversetzt, je deutlicher man plötzlich die Zusammenhänge erkennt, desto faszinierender wird das Ganze – geht zumindest mir so. Klar, man muss diese Art von Film einfach auch ein wenig mögen, sonst hat man da nicht so den Zugang zu. Wer das aber mag, der kriegt ordentlich was auf die Mütze.

Die Story wird spannender und spannender, am Ende zwar in seinen Twists und Wendungen etwas vorhersehbar, aber dadurch verliert das Ganze nicht an Spannung. Und das Finale bzw. die letzte Einstellung ist dann etwas, worüber man dann wunderbar diskutieren kann – weil Zhang Yimou es hier offenlässt, wie es weitergehen könnte. Klingt jetzt vielleicht schlimm, ist aber tatsächlich das perfekte Ende für diesen Film.

Optisch ist „Shadow“ jetzt definitiv kein neues „Hero“ oder ein „Der Fluch der goldenen Blume“… denn dieser Film versinkt eher in Grautönen, in den nassen, nassen Grautönen, die der anhaltende Regen in den Königreichen mit sich bringt. Der Dauerzustand von Grau lässt keine Farben zu und dennoch schafft Zhang damit auch eine Atmosphäre, die einen sehr bedrückt. „Shadow“ ist vielleicht nicht opulent und farbgewaltig wie einige seiner Vorgänger, bildgewaltig ist er dennoch. Allein die Kampfsequenzen sind schon verdammt beeindruckend. Zhang weiß, wie man gekonnt zwischen Zeitlupen hin und her springt. Und der große Kampf (auch schon die Trainingseinheiten) auf einem großen Ying-Yang-Symbol sind wahnsinnig schön anzusehen. Wenn dann Regenschirm gegen Lanze antritt, zieht das im ersten Augenblick etwas merkwürdig aus, im zweiten dann aber verrückt und großartig zugleich. Da zeigt sich dann wieder der Perfektionist Zhang mit seinen tollen Bildern und Einstellungen.

„Shadow“ ist toll choreografiert – und das nicht nur in seinen sehenswerten Kampfszenen. Die Intrigen am Hofe würden selbst „Game of Thrones“ vor Neid erblassen lassen. Die Charaktere sind spannend geschrieben und lassen einen mitfiebern bei diesem Kampf um die Stadt Jingzhou.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Regenschirm-Tanz-Kampf in diesem Film ist schon sehr bemerkenswert – das sollte Keanu Reeves mal für „John Wick 4“ machen)

Die Action-Telenovela

22. Januar 2020

1995 kamen Will Smith und Martin Lawrence das erste Mal als „Bad Boys“ zusammen. Damals war ein Michael Bay als Regisseur noch etwas bescheidener als heute, weswegen dieser Film wirklich noch ein toller Action-Film ist, der einen nicht zu sehr mit Feuerwerkskörpern bombardiert. Acht Jahre dauerte es dann, bis Michael Bay zu „Bad Boys 2“ bat… dieses Mal mit sehr viel mehr Feuerwerkskörpern und großen Explosionen. Aber wenigstens waren Will Smith und Martin Lawrence wieder mit dabei. Jetzt, 17 Jahre später, wollen es Smith und Lawrence noch ein drittes Mal krachen lassen – allerdings ohne Michael Bay (der hatte offensichtlich anderswo schon seine Feuerwerkskörper verschossen). „Bad Boys 3“ oder auch „Bad Boys for Life“ muss also ohne Bay auskommen… und ganz ehrlich, das schadet dem Film mehr, als ich es für möglich gehalten hätte.

Isabel „La Bruja“ Aretas (Kate del Castillo), die Witwe eines mächtigen mexikanischen Kartell-Bosses, wird von ihrem Sohn Armando (Jacob Scipio) aus dem Gefängnis befreit… und führt wenig später den Racheplan seiner Mutter durch. Sie lässt alle töten, die etwas damit zu tun hatten, sie ins Gefängnis zu stecken und die für den Tod ihres Mannes verantwortlich waren. Unter diesen Opfern ist auch Mike Lowrey (Will Smith), der den Anschlag auf sein Leben nur knapp überlebt. Gemeinsam mit seinem Partner Marcus (Martin Lawrence), der eigentlich lieber im Ruhestand wäre, macht sich Mike auf die Suche nach dem Täter… und bekommt dabei Unterstützung von seiner Ex Rita (Paola Nunez), die ein neues Einsatzteam leitet…

Es ist unglaublich, dass sagen zu müssen, aber diesem Film fehlt eine Prise Michael Bay. Für einen Action-Film hat „Bad Boys 3“ nicht sonderlich viel Action… da wird das Helikopter-Finale von „Stirb Langsam 5“ kopiert. Da gibt es mal die typische Verfolgungsjagd, aber so wirklich viel bleibt einfach nicht hängen. Man hat beim Gucken echt das Gefühl, dass die Action altersgerecht für die beiden Hauptdarsteller etwas reduziert wurde, damit die sich ja nicht wehtun. Ein bisschen mehr Action wäre also nicht schlecht gewesen…

… und weniger „ernsthaftes“ Gelaber. Martin Lawrence muss manchmal so tiefgründige Sprüche über das Leben, die Seele und was nicht alles rauslassen, dass man sich wirklich fragt, ob man hier gerade noch einen Action-Film guckt. In seinen ernsten Momenten ist „Bad Boys 3“ einfach viel zu ernst und das passt nicht in diesen Film… gerade wenn es eben noch alberne Witze darüber gab, dass Marcus die fiese Beule eines Gangsters anfassen möchte. Das, wohlgemerkt, sind dann aber wieder die Witze, die irgendwie funktionieren… wenn Lawrence und Smith zusammen einfach nur Quatsch machen, ist das wunderbar. Die Beiden haben nach wie vor eine tolle Chemie. Alle anderen in diesem Film sind aber nur Beiwerk – Paola Nunez ist einfach nur das eye candy des Films. Und die neue Gruppe junger Polizisten rund um Vanessa Hudgens ist einfach da… damit Smith und Lawrence als alte „OK Boomer“ ein bisschen mit einer jüngeren Generation zusammenprallen.

Für ein Action-Film, der mehr und coolere Action hätte, wäre das ja alles noch irgendwie erträglich. Was „Bad Boys 3“ wirklich nicht gut tut, ist die Story. Die wäre okay gewesen für eine Telenovela, fühlt sich hier aber komplett fehl am Platz an. Ich sage nur so viel: Stellt euch den Twist von „Das Imperium schlägt zurück“ vor – nur in sehr, sehr, sehr schlecht. Also wirklich… was haben sich die Drehbuchautoren dabei gedacht? Diese ganze Story schreit zum Himmel und ist einfach nur eine Katastrophe. Ich weiß, ich weiß… sich bei einem Action-Film über die Story aufzuregen, ist schon ein bisschen komisch. Schließlich soll es nur um Gut gegen Böse gehen… aber das hier ist übel. So albern und so dumm, dass man nur ungläubig darüber lachen kann…

Alles in allem ist „Bad Boys 3“ eher langweilig. Die 17 Jahre Warten haben sich nicht wirklich gelohnt…

Wertung: 4 von 10 Punkten (hoffentlich gehen die bösen Jungs jetzt wirklich in den Ruhestand)

One-Shot-War

20. Januar 2020

Kamera-Männer kennt man eher selten. Es stechen zwar immer mal wieder ein paar Namen hervor, aber es kommt nicht zu oft vor, dass die ähnlich große Berühmtheit erlangen wie die Darsteller oder der Regisseur. Zu meiner Schande kenne ich selbst kaum wirklich Kamera-Leute, deren Name allein mein Interesse an einem Film weckt. Aber es gibt eben diesen einen Namen, der sich durch zahlreiche, wirklich visuell beeindruckende Filme herauskristallisiert hat… und natürlich ist dieser Name Roger Deakins. 14 Oscar-Nominierungen hat er bekommen, bevor er dann 2018 endlich mal für „Blade Runner 2049“ ausgezeichnet wurde. Jetzt hat er sich mit seinem „Skyfall“-Partner und Regisseur Sam Mendes zusammengetan und, wie ich finde, seine nächste Nominierung (und möglicherweise seinen zweiten Oscar) schon so gut wie sicher… denn der Kriegsfilm „1917“ sieht aus, als wäre er in einem einzigen Take gedreht worden.

Im April 1917 will die britische Armee einen Vorstoß gegen deutsche Stellungen wagen. Die deutsche Armee hat sich zu einem bestimmten Punkt zurückgezogen und nun glaubt die Leitung der Briten, sie könnten einen entscheidenden Schlag gegen ihren Feind austeilen. Doch das Ganze ist eine Falle… und mehr als 1600 Soldaten droht der sichere Tod. Um das zu verhindern, schickt General Erinmore (Colin Firth) die jungen Soldaten Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) mit einer dringenden Botschaft zu dem Bataillon. In einem Wettlauf gegen die Zeit müssen die beiden Soldaten durch feindliches Gebiet…

„1917“ ist visuell einfach nur beeindruckend. Wenn alles an einem Stück, ohne sichtbaren Schnitt, gedreht wurde, ist das immer schwer beeindruckend. Das war schon in „Birdman“ verdammt cool und auch im deutschen Film „Victoria“… aber bislang habe ich noch nichts in dem Ausmaße wie „1917“ gesehen. Das muss ja eine Tortur und ein Planungsaufwand sondergleichen gewesen sein. Explosionen, Schießereien, Flugzeuge, Massen an Soldaten und und und… Dieser Film ist nicht klein, nur weil er zwei Soldaten folgt. Alles ist riesig und gleichzeitig bedrückend und erschreckend. Man kommt sich als Zuschauer vor, als wäre man der unsichtbare Dritte, der den beiden Soldaten auf Schritt und Tritt folgt. Die Kamera ist immer anwesend, man sucht selbst immer angespannt das Bild ab, um nichts zu verpassen… man wird wirklich Teil des Films.

Dazu lässt sich Kamera-Mann Roger Deakins dann auch wirklich nicht lumpen und liefert Kamera-Fahrten ab, die es wirklich in sich haben. In Verbindung mit dem wirklich grandiosen Set-Design und dem Aufwand, der an Kostümen, Schützengräben, ruinierten Städten und was nicht alles gemacht wurde, wird „1917“ zu einem Achterbahn-Erlebnis der etwas anderen Art.

Wie man schon merkt, gerät die Story dabei ein klein wenig in den Hintergrund. Ich gestehe, ich war mehr von den Einfällen der Kamera fasziniert, die einfach unglaublich sind. Das zieht einen einfach in seinen Bann. Da kann man dann verschmerzen, dass die Story nicht so stark ist. Im Gegenteil, man hat hier und da einfach zu sehr das Gefühl, dass einfach zu viele Dinge zu zufällig passieren. Ihnen ist das Glück der Hollywood-Helden hold, da kann man eben auch mal bei einem laufenden Angriff aus dem Schützengraben klettern und oben langlaufen, ohne getroffen zu werden, obwohl um einen herum alle wie die Fliegen fallen.

Genau so gut könnte man sagen, dass Dean-Charles Chapmann (übrigens King Tommen aus „Game of Thrones“, den ich nicht wirklich wiedererkannt habe) und George McKay kaum schauspielern müssen. Ähnlich wie einst Leonardo DiCaprio in „The Revenant“ durchleiden die Beiden hier wirklich Höllenqualen… aber das macht die Erfahrung von „1917“ nur  noch realistischer (auch wenn ein wenig Hollywood-Pathos mitschwingt). Dennoch ist der Film ein packendes Anti-Kriegsdrama, in dem die Menschlichkeit Vorrang vor großer Action und Gemetzel hat.

„1917“ ist eine Erfahrung. Visuell extrem beeindruckend, der Soundtrack und das Sound-Design hauen einen einfach vom Stuhl… man hat das Gefühl, wirklich mit dabei zu sein. Ich war tatsächlich seit Nolans „Dunkirk“ nicht mehr so angespannt und schreckhaft und nervös bei einem Film. Sam Mendes hat sich nach „Spectre“ echt wieder rehabilitiert und liefert einen Film ab, der wirklich definitiv im Kino geguckt werden muss.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein visuelles Meisterwerk, starker Anti-Kriegsfilm)

Filmreise Etappe #17: Fürchtet die Krabbe!

17. Januar 2020

Roger Corman ist der unangefochtene König von Hollywoods Indie-Filmen. Der Mann hat über 50 Filme selbst gedreht und fast an die 400 produziert. Dazu sind so einige bekannte Namen durch die so genannte Corman-Schule gekommen… unter ihnen Ron Howard, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Peter Bogdanovich, aber auch Joe Dante, James Cameron und Jonathan Demme. Wenn man sich so über Corman beliest, wundert es einen schon, dass es in Hollywood keine überlebensgroße Statue von ihm gibt, die ihn und seine Arbeit ehrt. Als Produzent und Regisseur sorgte er für viel B-Movie-Trash, der sich bestens auch für meine Filmreise Challenge eignet. Da ich eh schon immer mal ein wenig mehr in die Welt von Corman eintauchen wollte, war jetzt die beste Gelegenheit. Ausgesucht habe ich mir dann die damals erfolgreichste Produktion Cormans aus dem Jahr 1957 mit dem klangvollen Titel: „Attack of the Crab Monsters“.

Der Plot des knapp über eine Stunde langen Films ist schnell erklärt: Eine Gruppe Wissenschaftler kommt auf eine einsame Insel im Pazifik. Hier sind sie auf der Suche einer verschollenen Gruppe von Forschern, die hier die Auswirkungen der Wasserstoffbombentests erforschen wollten. Schnell müssen die neuen Wissenschaftler erfahren, dass es auf der Insel mit unheimlichen Dingen zu sich geht… riesige Krabbenmonster, die zu dem noch telepathisch mit ihnen kommunizieren können.

Das klingt doch alles aufregend, nicht wahr? Und auch sehr vertraut… ganz klar, hier wird ein wenig in die „Godzilla“-Schneise geschlagen. Immerhin sorgte 1954 und später dann auch 1955 eine riesige atomar mutierte Riesenechse in Japan für Angst und Schrecken. Warum das Gleiche nicht einfach mit Krabben mal ausprobieren? Dabei geht Corman aber weitaus kleiner vor als die Japaner. Statt ganze Städte zu zerstören, bleiben seine Krabbenmonster isoliert auf ihrer kleinen Insel und wollen eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Was seine amerikanisches Kaijus von unserer Lieblingsmonsterechse unterscheidet, ist die Tatsache, dass die hier ziemlich intelligent sind… und wenn sie ihre Opfer fressen auch noch deren Psyche in sich aufnehmen. Ganz ehrlich, damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Auf einmal hört man da die Stimmen der Toten, mit denen die Krabben ihre Opfer aber nur in die Falle locken. Das ist eine sehr interessante Wendung, die den Film durchaus spannend macht.

Man merkt natürlich an allen Ecken und Enden, dass hier jetzt kein sonderlich großes Budget hinter stand, aber Corman macht das Beste daraus… und liefert genug, um das Kopfkino in Gang zu kriegen. Von Erdbeben, unheimlichen Geräuschen und verschollenen Forschern baut sich „Attack of the Crab Monsters“ so langsam von einem klassischen Gruselstreifen zu einem unterhaltsamen Monster-Filmchen auf. Klar, die Charaktere könnten einem eigentlich nicht egaler sein, aber bei welchem Monster-Film ist das schon der Fall?

Insgesamt ist „Attack of the Crab Monsters“ aber wirklich ein erstaunlicher guter Kaiju-Film. Klar, man hätte noch ein bisschen mehr mit den Monstern „spielen“ können, aber gerade weil das geringe Budget nicht so viel Monster-Action zugelassen hat, funktionieren die kleinen Happen erstaunlich gut. Da reicht dann einfach mal der Schatten einer riesigen Krabben-Klaue oder das schaurige Auge oder das Maul… für ein paar Sekunden und schon ist das Bild wieder weg, aber die „Angst“ bleibt im Kopf.

Natürlich ist das jetzt kein Meisterwerk (sonst hätten die intelligenten Krabbenwesen vielleicht irgendwann Godzilla Konkurrenz gemacht), aber jeder, der auf diese Art von Filme steht, wird sich hier für eine Stunde gut unterhalten fühlen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (klassischer, aber vor allem unterhaltsamer Low-Budget-Monsterstreifen)

Die neuen Bonnie und Clyde

15. Januar 2020

Das Thema zweier Außenseiter, die auf der Flucht sind, ist ja schon immer ein guter Stoff für Hollywood gewesen. „Bonnie und Clyde“ ist natürlich ein Klassiker, der das an Hand der wahren Begebenheit gekonnt ins Kino gebracht hatte… und viele Nachfolger hervorbrachte. „Natural Born Killers“ geht in diese Richtung, selbst „Thelma & Louise“ steht in der Tradition des Gangsterpärchens. Jetzt versucht sich Regisseurin Melina Matsoukas an dem Stoff und bringt eine politische Note mit rein, die ihrem kleinen, wunderbaren Film „Queen & Slim“ eine erschreckende Aktualität verleiht.

Ernest „Slim“ Hines (Daniel Kaluuya) und Angela „Queen“ Johnson (Jodie Turner-Smith) lernen sich bei einem Tinder-Date kennen. Als Slim sie nach dem Essen wieder nach Hause fahren will, werden die beiden von der Polizei angehalten. Da sie beide Afroamerikaner sind, wird der weiße Cop handgreiflicher als er es eigentlich sein müsste. In dem Gerangel, das folgt, erschießt Slim aus Versehen den Polizisten… und so beginnt die Odyssee der Beiden. Von der Polizei gejagt, werden sie von vielen als Helden gefeiert.

„Queen & Slim“ ist in erster Linie ein normales Road-Movie mit einem ungleichen Pärchen, das gejagt wird. Es gibt keine großen Überraschungen. In diesem Punkt ist der Film da genau das, was man so von dieser Art Road-Movie erwartet. Wir reisen durch die USA und bekommen einen schönen Einblick von allem. Tolle Landschaften werden abgelöst von heruntergekommenen Städten, schönen kleinen Ortschaften… eben genau das, was ein Road Movie so ausmacht.

Was „Queen & Slim“ dann aber doch sehenswert macht, ist das Titel gebende Pärchen. Daniel Kaluuya und Jodie Turner-Smith haben eine unglaublich gute Chemie miteinander. Die beiden balancieren sich gut aus… sie die Anwältin, die glaubt, sie wüsste über alles Bescheid und er, der einfach Typ, der mit allem etwas überfordert zu sein scheint. Sie sind ein ungleiches Paar, was schon zu Beginn ihres Dates deutlich wird. Es ist auch hier klar, in welche Richtung sich die Beziehung der Beiden bewegen wird. Doch es ist schön, dass Regisseurin Matsoukas das nicht erzwingt, sondern sich langsam und natürlich entwickeln lässt. In jedem anderen Film würden die Zwei schon in der ersten Nacht mit einander schlafen, „Queen & Slim“ nimmt sich da aber Gott sei Dank Zeit. So können sich beide Charaktere kennenlernen, besser verstehen lernen. Es ist dann genau diese Entwicklung, die diese Beiden so toll werden lässt.

Die angesprochene politische Ebene schwingt dabei immer mit… leicht im Hintergrund. Queen und Slim werden für ihre Tat gefeiert, werden die neuen Helden einer Generation – ohne das sie das wollten oder wollen. Hier, finde ich, hätte der Film ruhig ein bisschen mehr drauf eingehen können. Es gibt zwar ein, zwei Szenen, die das „Ausmaß“ deutlich machen, aber wenn schon diese Richtung eingeschlagen wird, hätte man es ausbauen können. So bleibt der Film halt recht vorhersehbar in seiner Struktur…

Dank Kaluuya und Turner-Smith ist „Queen & Slim“ wirklich ein sehr rührender und schöner Film geworden, der aber durchaus mehr Potenzial gehabt hätte. Gerade zum Ende hin wird das Ganze dann auch etwas zu dramatisch (wenn auch absolut vorhersehbar)… und verlor mich dann kurz für einen kleinen Augenblick. Als reines Road-Movie mit einem tollen Leinwand-Pärchen lohnt sich der Film aber alle Male.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Bonnie und Clyde ohne die Gewalt – dafür mit Charme und Witz)

Der wandernde Fluch

13. Januar 2020

Mit „Knives Out“ fing das Kino-Jahr noch gut an… doch es dauert gar nicht lange, da habe ich schon die erste Gurke vor mir. Und die erneute Bestätigung, dass so einigen Menschen in Hollywood wirklich nichts mehr einfällt. Auch das Horror-Genre ist von einer gewissen Lethargie und Ideenlosigkeit betroffen. Ich meine, in diesem Jahr starten mehr Horror-Fortsetzungen, Remakes und Reboots als Comic-Filme. Den Anfang macht ein Film, von dem ich gar nicht glauben kann, dass man den jetzt noch einmal angerührt hat… denn tatsächlich hielt es Sam Raimi für eine gute Idee, sich noch einmal um „The Grudge“ zu kümmern. Das japanische Original von 2003 wurde ja schon 2004 vom Regisseur des Originals mit Buffy-Darstellerin Sarah Michelle Gellar zu einem Remake, dem zwei Fortsetzungen folgten. Jetzt kommt also ein Reboot / Remake… das leider wirklich kein Mensch braucht.

Detective Muldoon (Andrea Riseborough) verliert ihren Mann durch Krebs und zieht deswegen mit ihrem Sohn um… ihr erster Fall führt sie zu einem mysteriösen alten Haus. Nicht ahnend, was es damit auf sich hat, betritt sie das Haus – und wird so Opfer eines Fluches, den die Pflegerin Fiona (Tara Westwood) aus Japan mitbrachte und der ihre Familie tötete. Der Fluch blieb bestehen und machte dem Makler Peter Spencer (John Chu) und dessen schwangerer Frau Nina (Betty Gilpin) das Leben zur Hölle, bevor es Faith Matheson (Lin Shaye) und ihren Mann (Frankie Faison) traf… und dank Faith wird Muldoon nun auch zu einer Betroffenen.

Ich habe mir das japanische Original direkt nach diesem Film noch einmal angeschaut… und wirklich viel haben die Filme nicht gemein. Außer der kurzen Erwähnung Japans… nicht einmal das ikonische Knurren / Knarren des bösen Geistes kommt hier wirklich zur Geltung. Ich meine, okay… wirklich gruselig gruselig finde ich das Original jetzt auch nicht, aber der Film hat wenigstens Atmosphäre und Stil. Der neue Grudge hat nichts davon. Vor allem keine Atmosphäre… die aber auch nie aufkommen kann, weil Regisseur Nicolas Pesce mit diesem klassischen Horror nichts anfangen kann.

Ich habe mir sagen lassen, dass sein „The Eyes of my Mother“ ziemlich kranker Scheiß sein soll… aber „The Grudge“ fühlt sich an, als wenn hier jemand am Werk war, der keine Ahnung von Horror hat. Da steht dann mal eine schemenhafte Gestalt irgendwo am Fenster oder beim Vorbeilaufen irgendwo in der Tür… uuuuhhhh, sehr gruselig. Der Film besteht von billig aneinander gereihten Jump Scares, die man wirklich eine Meile gegen den Wind riechen kann… und selbst wenn sie dann kommen, sind sie nicht wirklich erschreckend. Stattdessen versucht Pesce dann an einigen Stellen mit „schönen“ Nahaufnahmen ordentlich mit Blut und Ekel zu punkten, aber nochmal: atmosphärisch ist das nicht! Erschrecken kann man damit vielleicht auch nur jemanden, der das erste Mal in seinem Leben einen Horror-Film sieht. Doch selbst der dürfte irgendwann ziemlich gelangweilt sein… denn die Story lässt es gar nicht zu, dass man sich auf die Charaktere einlassen kann.

Ähnlich wie im Original versucht Pesce verschiedene Episoden aus dem verfluchten Haus zu erzählen. Problem ist nur: Im Original waren diese Episoden quasi wie abgeschlossen und das Geisterhaus diente als roter Faden. In diesem Versuch, das zu rebooten, erzählt Pesce seine Story parallel geschnitten, aber natürlich zu unterschiedlichen Zeiten, so dass es alles komplizierter wirkt. Dadurch, dass die einzelnen Geschichten aber so zerstückelt sind, kommen die nie wirklich zur Geltung… und dabei haben sie alle eigentlich etwas Interessantes zu erzählen. „The Grudge“ reißt Themen wie Sterbehilfe, Schwangerschaftskomplikationen, Religion und Einsamkeit an – doch es sind nur Stichworte, die die Charaktere tiefgründiger wirken lassen sollen. Da sie aber nur angerissen werden, bringt das gar nichts. Die Figuren könnten einem eigentlich nicht egaler sein…

… was verdammt schade ist, hat Pesce doch tolle Darsteller an Bord. Andrea Riseborough gibt wirklich alles, John Chu spielt tapfer gegen jede Schwäche des Drehbuchs an und mit Betty Gilpin gelingt es ihm hier und da sogar, mich ein bisschen was fühlen zu lassen. Aber sie kommen alle nicht zur Geltung. Der Fluch schlechter, unkreativer Remakes / Reboots trifft auch sie.

Bleibt nur zu hoffen, dass sie damit den Fluch im Kino ruhen lassen. Oder einen fähigen Regisseur finden, der mehr aus dem Stoff machen kann.

Wertung: 3 von 10 Punkten (Grusel gleich Null, Story öde, Darsteller unterfordert – verfluchtes Remake)

Random Sunday #23: Der Letzte Wunsch & Das Schwert der Vorsehung

12. Januar 2020

Ich bin jetzt im Hexer-Wahn. Nachdem ich die erste Staffel der „The Witcher“-Serie auf Netflix wirklich mal an einem Tag durchhatte, brauchte ich mehr. Damit durchlebe ich gerade auch ein kleines Déjà-vu: Als ich vor gefühlten Ewigkeiten die erste Staffel von „Game of Thrones“ sah, konnte ich danach nicht anders und musste mir die Bücher besorgen. Innerhalb von einem knappen Jahr hatte ich dann die vorhandenen fünf Romane durch und war gewappnet – für die Serie, aber nicht für das lange Warten auf die letzten beiden Bände, die uns George R.R. Martin immer noch schuldet. Gut, beim Hexer Geralt habe ich das Problem ja zum Glück nicht, immerhin hat Autor Andrzej Spakowksi seine Hexer-Saga erfolgreich beendet… und die fange ich ja jetzt auch endlich an. Bevor es damit aber losging, waren die beiden Kurzgeschichten-Bände „Der Letzte Wunsch“ und „Das Schwert der Vorsehung“ erst einmal dran.

In beiden Bändern steht Hexer Geralt im Mittelpunkt. Wir erfahren ein bisschen was über sein Leben, wie er zum Beispiel den Beinamen „Schlächter von Blaviken“ bekam (eine Episode, die es auch in die Serie geschafft hat), wie es dazu kam, dass er und die junge Ciri durchs Schicksal mit einander verbunden sind und warum Geralt so an der Zauberin Yennefer hängt.

Die Kurzgeschichten sind ein netter erster Einblick in die Welt des Hexers. Sie sind, das will ich gleich vorab sagen, kein absolutes Muss, um die Hexer-Saga zu lesen, aber sie dienen gut als Einstieg in diese Welt von Monstern, Hexern und Zauberern. Viel über Geralt als Person erfahren wir nicht, das wird nur hier und da mal eingestreut. Anders als in der Serie erfahren wir auch nur sehr, sehr wenig über Yennefer selbst. Auch wenn das nicht besonders aussagekräftig klingt, gelingt es Sapkowski sehr gut, uns diese Charaktere näher zu bringen. Gerade die Liebesgeschichte zwischen Yennefer und Geralt hat unerwartet zarte Momente, die richtig ins Tragische übergehen (zumindest in den Augen eines Softies wie mir). Mich haben diese feinen Momente zwischen den Beiden sehr gut gefallen… das macht Lust auf mehr.

Allgemein erschafft Sapkowksi eine sehr schillernde und interessante Fantasy-Welt, die von zahlreichen Wesen bevölkert wird, die man hier und da natürlich kennt. Damit spielt der Autor tatsächlich auch mehr als einmal. Er verarbeitet sogar mehrmals bekannte Märchen (wie zum Beispiel Dornröschen oder Schneewittchen) auf seine ganz eigene Weise in den Kurzgeschichten und sorgt so für witzige Aha-Momente. Interessant wird die Welt von Geralt aber nicht nur wegen der Wesen, sondern auch wie sie zu einander stehen.

Der Mensch ist auch in dieser Welt das größte Monster, sorgt er doch für das Aussterben und die Ausgrenzung einiger anderer Wesen. Themen wie Rassismus und Diskriminierung greift Spakowski offen auf und baut sie gekonnt in diese Welt ein. Für viele Wesen (besonders die Elfen) sind die Menschen diejenigen, die ihnen den Lebensraum genommen haben, die lange Kriege gegen sie geführt haben. Die ernsten Noten trifft Spakowski sehr gut und macht seine fantastische Welt dadurch greifbarer. Bei all der Magie und all den Monstern gibt es Probleme, die leider „allgemeingültig“ sind… und Spakowksi schreckt nicht davor zurück.

Dennoch sind die Kurzgeschichten jetzt nicht so politisch angehaucht wie zum Beispiel Martins Lied von Eis und Feuer. Aber es schwingt überall auf Geralts Reisen mit (zumal er selbst auch Opfer von Anfeindungen wird – werden Hexer aufgrund ihrer Mutation, die sie erst zu Hexern macht, nicht gerne gesehen).

„Der Letzte Wunsch“ und „Das Schwert der Vorsehung“ sind ein leicht zu lesender Blick auf die Welt des Hexers. Und wer nach der Serie wirklich Lust bekommen hat, sollte sich wirklich an den Kurzgeschichten versuchen. Mich haben sie für sich eingenommen und ich fange dann jetzt – wie ja auch in meiner Bücherliste für 2020 angekündigt – mit der Hexer-Pentalogie an.

Filmreise Etappe #16: Das versteckte Monster

10. Januar 2020

Es ist lange her, dass ich mich der Filmreise gewidmet habe, aber ein gruseliger Katzenfilm und Büchervorschauen kamen irgendwie dazwischen und pausierten meine kleine Aufgabe, diese Challenge durchzuführen. Die will ich natürlich im neuen Jahr auch weiterverfolgen, weswegen ich jetzt direkt weitermache. Im Moment bin ich in der Zeitreise in den 40er Jahren. Nach dem italienischen Neo-Realismus wird es nun düsterer. Für den film-noir-Teil dieser Reise habe ich mich Orson Welles gewandt und mir „Die Spur des Fremden“ vorgenommen… ein Film, den Welles selbst angeblich als seinen schlechtesten überhaupt bezeichnet.

Mr. Wilson (Edward G. Robinson) jagt für die USA flüchtige Kriegsverbrecher. Besonders viel liegt ihm daran, den Nazi-Wissenschaftler Franz Kindler zu schnappen, der scheinbar spurlos verschwunden ist. Um Kindler zu finden, lässt Wilson den einstigen Vertrauten Kindlers, Konrad Meinike (Konstantin Shayne) frei… und der rennt quasi sofort in das kleine, verschlafene Örtchen Harper. Hier nimmt Meinike Kontakt mit dem Lehrer Charles Rankin (Orson Welles) auf. Der ist tatsächlich Kindler und tötet Meinike… doch damit ist sein Problem nicht gelöst, denn Wilson taucht ebenfalls in Harper auf und macht Rankin das Leben schwer. Über dessen Verlobte Mary (Loretta Young) versucht er Kindler in die Enge zu jagen.

Fünf Jahre nach seinem Meisterwerk „Citizen Kane“ dreht Welles also seinen ersten film noir… und was soll ich sagen? Der Film ist verdammt spannend. Es ist vielleicht nicht unbedingt der typische film noir. Wir haben jetzt keine femme fatale, wir haben keinen Whiskey trinkenden Detektiv, aber dennoch ist „Die Spur des Fremden“ in der Tradition des film noir. Es sind vor allem die visuellen Stilmittel des noir, die Welles gekonnt einsetzt, um dennoch seinen ganz eigenen Film zu drehen… und gerade deswegen sollte man sich „Die Spur des Fremden“ anschauen.

Es ist die Art von suspense, die Welles hier aufbaut, die alles so spannend macht. Es ist in der Tradition von Hitchcock… weswegen wir als Zuschauer schon sehr früh im Film erfahren, dass der sympathische Lehrer wirklich der grausame Nazi ist. Dieses Wissen macht es umso faszinierender zu sehen, wie er sich windet und lügt, um seine wahre Natur vor seiner Verlobten geheim zu halten. Genau dadurch baut Welles eine Spannung auf, der man sich nicht entziehen kann…

Gleichzeitig hat dieser Film auch etwas Lynch-eskes, es ist fast wie eine „Twin Peaks“-artige Atmosphäre, in die Welles uns hier wirft: das gemütliche kleine Städtchen, der Dame spielende Verkäufer, die Schuljungs, die im Wald herumrennen, die kleine Kirche und ihr schöner Glockenturm, die Familie der jungen Mary – oberflächlich wirkt hier alles friedlich, glücklich und harmonisch. Der Kontrast wirkt perfekt dazu, dass unter dieser Oberfläche ein Monster schlummert, das es zu bekämpfen gilt… und das Montröse wird dadurch noch realer gemacht, als das „Die Spur des Fremden“ der erste Spielfilm ist, in dem authentische Aufnahmen aus den KZs der Nazis gezeigt werden.

„Die Spur des Fremden“ ist ein spannender Film, der einfach mal mit der Auflösung der Suche anfängt… und dann damit gekonnt spielt. Dieser Film ist spannend ohne Ende. Wie gesagt, vielleicht nicht das Paradebeispiel für film noir, aber ein schöner Twist für das Genre.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Orson Welles beweist sich einmal mehr als großartiger Filmemacher)