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Rückkampf

23. Juni 2017

Ich bin wirklich niemand, der sich Sport-Events im Fernsehen anschaut. Hat mich noch nie groß interessiert – selbst Fußball ist so eine Sache, die mich nicht so wirklich locken kann. Umso mehr erwische ich mich fasziniert dabei, wie ich bei Sport-Filmen mitgehe – und jetzt besonders bei den „Rocky“-Filmen. Schon beim ersten Teil habe ich kaum noch ruhig sitzen können und habe es vor Aufregung kaum aushalten können, wirklich ruhig zu bleiben. Ich finde das faszinierend – würde ich mir einen normalen Box-Kampf anschauen, würde ich wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise so viel Energie dafür aufbringen. Aber Rocky Balboa schafft es beinah mühelos, selbst mich Sport-Guck-Muffel vom Hocker zu hauen. Und ich greife da schon einmal vorweg, bei „Rocky II“ erging es mir genauso.

„Rocky II“ setzt genau da an, wo „Rocky“ aufgehört hat: Creed (Carl Weathers) gewinnt den Kampf gegen Balboa (Sylvester Stallone), doch der Sieger der Herzen, wie es so schön heißt, ist Rocky. Der hat allerdings Schwierigkeiten, mit dem neuen Ruhm umzugehen, zumal er seiner Adrian (Talia Shire), jetzt sogar seine Ehefrau, versprochen hat, nie wieder zu Boxen. Aber Apollo Creed will jetzt unbedingt den Rückkampf – und nach nur kurzer Zeit willigt Rocky ein.

Nicht schubsen!

Ich mag Stallone als Rocky. Er ist ein einfacher Typ! Das macht ihn irgendwie sympathisch. Eigentlich ist er fast wie ein kleines Kind, was in „Rocky II“ auch noch sehr viel mehr betont wird. Er kann nicht gut lesen, er ist einfach gestrickt, wenn es um seine Wünsche und Träume geht. Ein Motorrad fänd‘ er cool und die Jacke mit dem fetzigen Tiger hinten drauf auch. Rocky Balboa ist ein charmanter Naivling, aber irgendwie ist es genau das, warum er als Underdog so gut funktioniert. Man gönnt ihm jeden kleinen Erfolg. Ich habe allein vor Glück gelacht, als er Adrian auf die unspektakulärste Weise einen Heiratsantrag macht. Es ist süß, die beiden sind süß und Stallone ist süß. Sorry, wenn ich das jetzt so über diesen Action-Star sage, aber sein Rocky ist irgendwie süß. Ein normaler Typ… man mag ihn einfach.

In Teil 2 wird einem das dann noch mehr deutlich, wenn man sieht, wie schwer er es hat, mit seinem neuen Ruhm klarzukommen. Das war eine schöne Note, die dieser Fortsetzung gut getan hat. So konnte man gut vertuschen, dass wir im Grunde eigentlich noch einmal den ersten Rocky gucken – wieder mit Trainingsmontagen (nur werden jetzt Hühner gejagt) und wieder mit der Laufsequenz und den Stufen. Allerdings – und das ist vielleicht der einzige Kritik-Punkt, den ich an „Rocky II“ so wirklich richten möchte – haben sie es dieses Mal extrem übertrieben mit der Laufsequenz. Im ersten Teil war das wirklich noch alles sehr cool gemacht, aber jetzt… jetzt laufen ihm gefühlt tausend Kinder hinterher, liefern sich Wettrennen und freuen sich bis zum klassischen Freeze Frame mit ihm über ihn. Das war mir dann tatsächlich doch ein bisschen zu viel, aber irgendwie mussten sie wohl die altbekannten Sequenzen aufwerten und da fiel ihnen wohl diese Kinder-Geschichte ein. Abgesehen davon ist die erste Hälfte von „Rocky II“ mitsamt seinen Schwierigkeiten, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, sehr gelungen.

Die zweite Hälfte aber ebenfalls. Und dann einfach wieder dieser Kampf. Dieses Mal auch ein bisschen dramatisch-theatralischer in Szene gesetzt – ein paar mehr Zeitlupen für den Oh-Mein-Gott-Effekt, aber abgesehen davon ist auch der Rückkampf zwischen Creed und Balboa ein toller Boxkampf. Und endlich auch einer, der Rocky den verdienten Erfolg bringt. Ohne Scheiß, ich saß bestimmt drei, vier Minuten mit erhobenen Händen vorm Fernseher und habe Rocky gehuldigt. Ich habe mich selbst kaum wieder erkannt, aber dieser Rocky Balboa erwischt mich jedes Mal (bisher).

Stallone, der auch wieder das Drehbuch geschrieben und dieses Mal sogar Regie geführt hat, lebt in seinem Rocky richtig auf. Ich brauche immer noch für die ersten zehn, 15 Minuten Untertitel, um ihn wirklich zu verstehen, aber Stallone ist Rocky. Mehr noch Rocky als Rambo, wenn ich das mal so sagen darf. Ganz gut fand ich auch, dass dieser furchbare Paulie (in Teil 1 ja großartig arschig gespielt von Burt Young) jetzt ein wenig in den Hintergrund gerät und Talia Shire als Adrian noch stärker in den Vordergrund gerückt wird. Sie ist immerhin Rockys Muse, seine Motivation, sein Antrieb. Ich weiß allerdings auch nicht so ganz, wie ich ihre ganzen Schwangerschaftskomplikationen finden soll – das war mir auch fast ein bisschen zu dramatisch, zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt, um Rocky kurz einmal alles zu nehmen, ohne das es am Ende einen großen Effekt auf die Story an sich hat. Immerhin ist Rocky Jr. ein knuffiges Baby mit verdammt cooler Haarpracht.

Alles in allem eine coole Fortsetzung, die es an einigen Stellen etwas übertreibt, nicht mehr so ganz an den Vorgänger rankommt, aber dennoch verdammt sehenswert ist!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (der Underdog wird zum König!)

Dirty Harry… und Sally

21. Juni 2017

Der Name Adam McKay hatte für mich bis vor kurzem keine wirkliche Bedeutung. Bis ich von einem Freund „Stiefbrüder“ ans Herz gelegt bekam. Da stand der Name Adam McKay für leicht debile, sehr alberne, aber tatsächlich auch sehr witzige Unterhaltung. Im weiteren Verlauf erfuhr ich dann, dass McKay ja auch noch so andere Perlen der Komödie geschaffen hat – wie „Anchorman“ , „Ricky Bobby“ oder „Die Etwas anderen Cops“. Somit hatte McKay für mich den Komödien-Stempel weg. Bis er dann auf einmal letztes Jahr mit „The Big Short“ um die Ecke kam, mir auf intelligente und amüsante Weise die ganze Finanzkrise erklärte und dafür auch noch den Oscar für das beste Drehbuch gewann. Jetzt war ich dann vollständig verwirrt. Und der gleiche Typ macht jetzt eine romantische Komödie??? Das musste ich sehen.

„Sleeping with other people“ heißt der Film und okay, McKay hat ihn nur produziert, aber trotzdem… es ist die Geschichte von Lainey (Alison Brie), die Probleme hat, sich zu binden. Ihren Verlobten betrügt sich ständig mit Dr. Matt Sobvechik (Adam Scott), den sie auf merkwürdige Art und Weise vergöttert. Und weil sie ein wenig Sex besessen ist. Weswegen man ihr empfiehlt, doch mal in eine Selbsthilfe-Gruppe zu gehen. Da trifft sie dann auf Jake (Jason Sudeikis), ebenfalls ein Typ mit Bindungsproblemen, der von einer Frau zur nächsten springt. Jake und Lainey hatten vor Jahren mal ihr erstes Mal miteinander und seitdem nie wieder was… und diese Beiden werden jetzt zu guten Freunden. Aber können Mann und Frau wirklich nur Freunde sein?

Pool Party…

Eine Frage, der sich ja auch schon Rob Reiner in „Harry und Sally“ stellte… und es ist nicht gerade wenig, was von „Harry und Sally“ in „Sleeping with other people“ steckt. Damit will ich nicht sagen, dass der Film ein modernes Rip-Off ist, sondern will viel mehr deutlich machen, dass der Film mal ein bisschen anders ist als die typische romantische Komödie. „Sleeping with other people“ kann wirklich was und ist dabei halt wirklich eine etwas versautere Version von „Harry und Sally“.

Außer der Tatsache, dass die beiden ihr erstes Mal mit einander haben, spielt Sex zwischen den Beiden erst einmal keine Rolle. Sie finden sich zwar attraktiv, reden aber doch mehr über das, was der Titel des Films vorschlägt: Sex mit anderen Leuten. Und dabei sind die beiden erfrischend ehrlich… und nehmen wirklich kein Blatt vor den Mund. „Sleeping with other people“ gelingt es dabei, diese Freundschaft zwischen Lainey und Jake glaubhaft aufzubauen… und gleichzeitig der RomCom treu zu bleiben. Denn natürlich erwartet man irgendwann, dass diese beiden besten Freunde zusammenkommen.

Bei all der Ehrlichkeit und dem guten Witz den „Sleeping with other people“ versprüht, hat der Film für mich dann am Ende doch ein kleines Problem. Nämlich das Ende. Es gibt so zwei, drei Momente im Film, an dem man einen Schlusspunkt hätte setzen können. Wäre das passiert, wäre „Sleeping with other people“ ein nahezu grandioser Film gewesen, weil die Macher die Eier in der Hose gehabt hätten, auf das klassische Happy-End zu verzichten. Aber die vielen Konjunktive lassen es ja schon erahnen, wir bekommen das klassische Happy-End, das leider ein bisschen zu kitschig und vor allem seinen Charakteren nicht so wirklich gerecht wird. Denn an diesem Punkt agieren die beiden wirklich einfach nur wie so billige RomCom-Charaktere. Da gewinnt für mich dann am Ende doch „Harry und Sally“ vor „Sleeping with other people“.

Aber das Ende macht den Film jetzt nicht kaputt. Wie gesagt, es ist mal eine ehrliche Komödie, die mit viel Charme, Ironie und gutem Wortwitz das Thema Männer und Frauen behandelt. Und dazu kommt natürlich auch das Pärchen vor der Kamera. Jetzt ist Jason Sudeikis nicht unbedingt das, was man sich unter einem Playboy vorstellen mag, aber er ist gut. Er ist charmant, er ist gerissen (gerade, wenn es um Frauen geht) und er hat auch diese liebenswerte Seite. Etwas stärker noch ist aber „Community“-Star Alison Brie, die auch immer ein bisschen mehr im Vordergrund steht. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich ihre Community-Annie vom Fleck weg heiraten würde und das trifft dann auch ein bisschen auf Alison Brie zu. Und da stört es natürlich nicht, dass sie sich in „Sleeping with other people“ von einer sehr freizügigen Seite zeigt. Aber sie jetzt nur darauf zu reduzieren, wäre fatal. Denn gerade ihre Lainey ist in diesem Film schon eine sehr tragische Figur, die einfach nicht mit ihrem Leben klar kommt. Eine Sache, die auch Jake mit ihr gemein hat. So formen sie eine Freundschaft nach dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid!“.

„Sleeping with other people“ dürfte jeden RomCom-Liebhaber überraschen, weil eben erst wirklich ganz zum Ende der wahre RomCom-Kram durchkommt. Und jeder RomCom-Hasser dürfte überrascht sein, wie geradeheraus dieser Film doch ist. Und „Harry und Sally“-Fans kriegen hier ein Update auf die Frage: „Können Männer und Frauen einfach nur Freunde sein“ (allerdings ohne Billy-Cristal-Monolog am Ende).

Wertung: 8 von 10 Punkten (Adam McKay hat halt doch ein Händchen für das etwas Skurrilere)

Wunderbare Diana

19. Juni 2017

Seit nunmehr 2008 bewegen wir uns in einer Welt der Superhelden – naja, zumindest im Kino. Wir haben das MCU wachsen sehen – mit Helden wie Iron Man, Captain America und Thor. Danach durften wir miterleben, wie das DCEU verzweifelt versuchte, an diese Erfolge anzuknüpfen. Superman machte den Anfang, doch irgendwie waren diese Filme wie verflucht. Entweder dachten die Herrschaften bei DC zu verkopft daran, Marvel einzuholen oder sie hatten sich einfach zu überstürzt ihr eigenes Universum aufgebaut. Versteht mich nicht falsch, ich kann auch mit den DC-Filmen gut leben, aber so manch anderer eher nicht (wie man dann immer an den Kritiken zu den neueren Filmen sehen kann). Was sich bisher jedoch niemand so wirklich wagte, war einer Superheldin mehr Platz einzuräumen. Es wurde zwar immer viel geredet über einen „Black Widow“-Film (den ich immer noch sehen will), aber ansonsten blieben die Damen meistens eher Teil eines Teams – schmückendes Beiwerk, wenn man es mal ganz böse (und ehrlich) ausdrücken will. Doch jetzt ist es endlich soweit, DC macht endlich mal etwas, das Marvel noch nicht hinbekommen hat. Nachdem sie ja schon in „Batman v Superman“ das Beste am ganzen Film war, bekommt „Wonder Woman“ ihren eigenen Film. Ganz für sich allein, ohne andere Superhelden-Kollegen.

Auf der Insel Themyscira leben die Amazonen unter der Herrschaft von Königin Hippolyta (Connie Nielsen). Ihre junge Tochter Diana (Gal Gadot) wird eines Tages Zeuge, wie ein Flugzeug vor der Insel abstürzt und so den ersten Mann seit Ewigkeiten auf die Insel bringt: den britischen Spion Steve Trevor (Chris Pine). Der erzählt den Amazonen dann, dass die Welt gerade im Krieg versinkt: Der Erste Weltkrieg, der Krieg der Kriege. Für Diana ist klar, das ist das Werk von Kriegsgott Ares. Entgegen den Wünschen ihrer Mutter will Diana mit Steve losziehen, um Ares zu bekämpfen und begibt sich in eine ihr komplett fremde Welt.

Wunderbare Wonder Woman

Seit 1941 kämpft Wonder Woman schon für das Gute, doch es hat tatsächlich bis 2017 gedauert, um ihr einen Kino-Film zu widmen. Ich möchte gar nicht wissen, wie hoch der Druck auf Regisseurin Patty Jenkins gewesen sein muss. Nicht nur, weil Wonder Woman die dienstälteste Superheldin ist, sondern natürlich auch, weil sie die erste Kino-Superheldin wird mit eigenem Film, der dann bitte auch noch dem strauchelnden DCEU neuen Aufwind geben soll. Aber wie auch immer, sie hat es geschafft – „Wonder Woman“ wird weltweit gefeiert und vielleicht zeigt dieser Film einfach mal, dass ein paar neue Gesichter hinter der Kamera und eigene Visionen genau das Richtige für das DCEU sein könnten.

Aber genug um den heißen Brei geredet: „Wonder Woman“ ist großartig… was extrem damit zu tun hat, wie wunderbar Gal Gadot in dieser Rolle einfach ist. Ob nun als Diana Prince, die in der neuen Welt gegen die Tücken von Kleider, Weltansichten oder Männern kämpft oder als tapfere Amazone, die einfach nur Gutes tun will, Gal Gadot IST „Wonder Woman“. Ich kann es gar nicht so richtig in Worte fassen, aber sie strahlt einfach etwas aus, dass einen total in den Bann zieht. Solange eine Wonder Woman auch in der schlimmsten Situation noch ein Lächeln findet, kann man sich sicher sein, dass alles gut wird. Ich habe dazu im Vorfeld oft das Wort „naiv“ gehört, kann mich damit aber überhaupt nicht anfreunden. „Naiv“ finde ich Diana in diesem Film nie. Hier treffen einfach zwei verschiedene Welten aufeinander – ihre Welt der Amazonen, in der Begriffe wie Ehre, Treue und Loyalität noch Bedeutung haben und unsere Welt, in der sich alle gegenseitig umzubringen scheinen. Von daher fand ich es auch immer toll, wie bereitwillig Diana in den Kampf zieht: sie ist noch keine Heldin, sie ist einfach nur jemand, der Gutes tun will. Sie glaubt an ihre Aufgabe, sie ist noch nicht von unserer Welt korrumpiert und versaut worden.

Wir begleiten sie auf ihrem Weg des Verstehens. Sie ist eine Fremde in unserer Welt, die sich akklimatisieren muss. Da mögen manche ihrer Entscheidungen „naiv“ wirken, doch in ihrem Herzen sind sie es nie. Ich mochte das wirklich sehr. Sie inspiriert die Menschen um sie herum tatsächlich – obwohl sie natürlich mit Steve Trevor scheinbar den einzigen Menschen gefunden hat, der selbst auch ein Held ist – ohne Kostüm (aber nicht weniger ehrenhaft als Diana selbst)

Helden für die Gerechtigkeit

Ich mochte Dianas Entwicklungen, ich mochte ihre Interaktionen zwischen den Menschen, die sie trifft. Gal Gadot verkörpert sie einfach wirklich toll. Und auch ihr Zusammenspiel mit Chris Pine funktioniert bestens. Die Beiden haben eine unglaublich gute Chemie. Aber auch der Rest ihrer kleinen Truppe, die sie auf dem Weg zu Ares durch die Kriegsgebiete Europas begleiten, haben perfekt ins Bild gepasst.

Patty Jenkins liefert dazu eine gute Mischung aus Komik (Diana in unserer merkwürdigen Welt), Drama (Diana in unserer merkwürdigen Welt) und Action (Diana im Kriegstreiben)… und gerade die Action-Sequenzen sind wirklich der Hammer. Ich dachte zwar, mir würden die Zeitlupen mit der Zeit ein bisschen auf den Keks gehen, aber sie waren dann doch immer wieder in so coole Sequenzen eingebaut, dass ich davon nicht genug kriegen konnte. Patty Jenkins findet großartige, epische Momente, in denen sie Dianas Kräfte richtig zur Schau stellen kann (und es sogar schafft, dass das Lasso nicht albern wirkt).

Doch bei all der Lobhudelei gibt es auch an „Wonder Woman“ ein paar Dinge, die nicht ganz so hinhauen: Wie bei so ziemlich jedem Superhelden-Film der letzten Zeit haut das mit dem guten Schurken einfach nicht so wirklich hin. Der böse General Luddendorf (Danny Huston), den Diana für Ares hält, ist einfach nur da, um Diana einen Gegner zu liefern. Seine Schergin, Doktor Poison (Elena Anaya), kommt dabei noch weniger zur Geltung. Beim nächsten Mal sollte man der Wonder Woman dann doch bessere Gegner beschaffen. Jetzt hat es so noch gut funktioniert, weil wir uns ja eh mehr auf sie konzentrieren sollen.

Außerdem nimmt sich Patty Jenkins manchmal etwas zu viel Zeit für einzelne Episoden, so dass sich die Handlung an einigen Stellen etwas zäher anfühlt… und an einer Stelle (zwischen Steve und Diana) hätte man einfach etwas subtiler sein können.

Trotzdem ist „Wonder Woman“ ein großartiger Film, ein würdiger Film für diese Ikone, ein wichtiger Film für das DCEU und hoffentlich endlich der Beginn einer neuen Ära von DC-Filmen. Und wenn nicht, haben wir wenigstens einen wunderbaren „Wonder Woman“-Film, der bestens unterhält.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Gal Gadot ist die perfekte Besetzung für Wonder Woman)

Das Gesicht meines Feindes

16. Juni 2017

Ich schwimme gerade so ein bisschen auf einer Nostalgie-Welle und durchforste mein DVD-Regal nach alten Filmen, die ich früher rauf und runter geschaut habe. „Devil’s Advocat“ und „The Rock“ waren ja letztens meine „Opfer“ oder vielmehr Test, ob die lange nicht mehr gesehenen Lieblinge immer noch die gleiche Faszination in einem Ü-30-Menschen auslösen können wie damals in sehr viel jüngeren Jahren. Und ein Film, den ich schon so, so lange mal wieder schauen wollte, ist „Face Off – Im Körper des Feindes“ von John Woo mit Nicolas Cage und John Travolta.

Ich weiß noch, wie ich damals allein von der Story total platt war: Da haben wir das größte Katz-und-Maus-Spiel aller Zeiten – Superschurke Castor Troy (Nic Cage) gegen Superbulle Sean Archer (John Travolta) bekämpfen sich seit dem Tag, an dem Troy Archers Sohn umbrachte. Und als es dann endlich soweit ist, enthüllt Troy kurz vor seinem Tod, dass er eine riesige Bombe irgendwo in L.A. versteckt hat. Um herauszufinden, wo die Bombe ist, muss Archer an Troys Bruder, der aber nur mit Castor redet. Dank modernster Medizin ist das zum Glück möglich. Troys Gesicht wird einfach auf Archer operiert – ein bisschen die Haare schneiden, ein Mikrochip, damit die Stimme gleich ist und fertig ist der beste Undercover-Aufzug aller Zeiten. Doch während Archer als Troy im Knast ist, um mit Troys Bruder zu reden, wacht der vermeintlich tote Troy aus dem Koma wieder auf und lässt sich das Gesicht seines Feindes geben, um dessen Leben auf der Seite der Guten zur Hölle zur machen. Ein erneutes Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Verstecken-Spielen ist schwer.

Hach… allein diese Inhaltsangabe zu schreiben, ist irgendwie toll. Allein daran merkt man schon, dass ein Film wie „Face Off“ wirklich nur in den 90er Jahren funktioniert hätte. Würde heute jemand mit dieser Story kommen, würde man ihn wahrscheinlich verlachen. Aber, wie schon gesagt, ich war damals wie weggeblasen von dieser „coolen“ Story… zwar muss ich das „cool“ heute in Anführungsstriche setzen, weil ich mich doch sehr dabei erwischt habe, wie ich lachend den Kopf schütteln musste, aber „cool“ ist diese Story trotzdem immer noch.

Was „Face Off“ heute wie damals dann wirklich unterhaltsam werden lässt, sind einfach die beiden Darsteller. Da nimmt man die beiden besten Over-the-Top-Darsteller Travolta und Cage und lässt sie den jeweils anderen Spielen. Ein Travolta, der die Verrücktheit eines Nic Cage imitiert, ist schon Gold wert. Und ein Nic Cage, der ja eigentlich gut ist und versucht, böse und irre zu sein, ist noch viel besser. Es ist immer noch eine Augenweide, diesen Beiden bei ihren gegenseitigen Imitationen zu zusehen. Das war noch die Zeit des Nic Cage, der einfach eine verdammt coole Sau war, der da noch nicht vollkommen verrückt war, sondern einfach nur gut verrückt. Der verdammt lässig im Anzug über den Strand läuft, seine Sonnenbrille abnimmt und sie wieder aufsetzt… scheiße, es ist eine großartige Nic-Cage-Rolle. Es ist auch eine großartige Travolta-Rolle, der sehr darin aufzugehen scheint, wirklich mal so richtig den verrückten Bad-Boy raushängen lassen zu können. Die Beiden dürfen ihren expressiven Mimiken und Gestiken in „Face Off“ einfach mal freien Lauf lassen – und es passt wie Arsch auf Eimer.

Das braucht kein Kommentar.

Das Ganze wird dann verpackt in einem guten John-Woo-Paket: wilde Schießereien, Menschen springen in Zeitlupe elegant-lässig durch die Luft, während sie dabei wild auf ihre Gegner ballern. Da wird ein bisschen „Hard Boiled“ zitiert, wenn Cage mit einem kleinen Kind in der Hand seine Feinde umnietet, da zitiert Woo nicht zu knapp aus „The Killer“, wenn es erst das klassische Mexican Standoff gibt und dann zum Feuergefecht in einer Kirche kommt. Natürlich dürfen auch die Slow-Motion-Tauben nicht fehlen – Woos Markenzeichen! Natürlich sind die Schießereien ein bisschen Hollywood-tauglicher – sprich: nicht ganz so brutal wie bei Woos Klassikern, aber dennoch ist jede einzelne Action-Sequenz in „Face Off“ ein Fest… und Woo spart damit kein Stück. Es gibt Explosionen, Leute fliegen durch die Luft, es wird geschossen… und dennoch schafft es Woo, auch nette ruhige Momente einzubauen.

Wenn etwa der böse Troy im Körper seines Feindes dessen Ehe wieder ein bisschen auf Vordermann bringt. Oder wenn der gute Archer im Körper seines Feindes den jungen Sohn findet, der ihm verwehrt wurde. „Face Off“ schafft es, nicht nur überbordende Action zu liefern, sondern sich auch noch um die Charaktere zu kümmern. Woo erschafft ruhige Momente, komische Momente – kleine, angebrachte Ruhepausen, bevor es zum nächsten großen Knall geht.

„Face Off“ – endlich mal wieder gesehen und ich bin immer noch schwer begeistert. Allein das Duo Travolta-Cage sind schon super, aber in Verbindung mit Woo wird daraus wirklich ein zeitloser Klassiker, der seinen Status als Lieblingsfilm weiterhin tragen darf.

Wertung: 10 von 10 Punkten (die expressivsten Gesichter Hollywoods treffen auf den expressivsten Action-Regisseur)

Dr. Jekyll und Mr. Fury

14. Juni 2017

Das Kino findet mehr Universen als es die NASA jemals könnte. Und mittlerweile wird dieses Heraufbeschwören von Kino-Universen immer dreister und dreister. Marvel hat es ja erst mit der Zeit wirklich das MCU genannt, selbst DC hat sich erst mit „Man of Steel“ und Co. dazu entschieden, sich jetzt das DCEU im Kino zu nennen und sogar bei „Kong“ und „Godzilla“ hat man einen erfolgreichen Film abgewartet, bevor man so etwas wie das „MonsterVerse“ kundgab. Bei Universal ist man da anders: Da ist man gleich mutig und sagt: „Wir starten jetzt das Dark Universe!“ Warum sie so forsch sind? Nun, sie nehmen sich die Monster, die Universal schon einmal sehr groß werden ließen – wie Dracula, Frankensteins Monster, den Wolfmann, den Unsichtbaren und und und… Deswegen also jetzt das „Dark Universe“, das Kino-Universum, in dem die klassischen Horror-Monster leben und in einer Welt existieren… den Einstieg soll dabei „Die Mumie“ machen – mit Tom Cruise. Doch ganz ehrlich, wenn das der Startschuss in ein neues Kino-Universum war, dann war es ein ziemlicher Schuss in den Ofen.

Die Geschichte ist schnell erzählt – vor Ewigkeiten gab’s mal eine ägyptische Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella), die war furchtbar böse und wollte den ägyptischen Gott Set heraufbeschwören. Bevor sie das konnte, wurde sie bei lebendigem Leib mumifiziert und begraben. In unserer Zeit stößt Schatzsucher / Grabräuber / Abenteurer Nick Morton (Tom Cruise) auf die Grabstätte und befreit Ahmanet. Er wird daraufhin verflucht, um ihr neuer Wirt für Set zu sein. Um dagegen anzukämpfen, trifft er auf Dr. Jekyll (Russell Crowe) und seine Mitarbeiterin Jennifer (Annabelle Wallis), die in einer geheimen Organisation arbeiten, die sich dem Studium und dem Kampf gegen Monster widmet.

Mission: Mummy

„Die Mumie“ ist echt sehr langweilig – man muss es einfach mal so knallhart sagen. Anfangs dachte ich noch: „Oh, die ganzen Leute, die alle so wegen diesem Film schimpfen, übertreiben doch!“… denn der Anfang war tatsächlich sogar noch recht cool inszeniert. Da macht Tom Cruise noch so ein bisschen einen auf Nathan Drake aus „Uncharted“: schießen, rennen, klettern und danach verborgene Schätze finden. Danach kommt der coole Flugzeug-Stunt, den man auch schon aus dem Trailer kennt und von dem Cruise überall in Interviews erzählt, dass der natürlich echt in Schwerelosigkeit gedreht wurde. Wow… Tom Cruise macht verrückte Sachen, verrückt!

Leider nimmt der Film danach konsequent ab, weil er leider nie so wirklich konsequent ist. Das Traurigste vorweg: Die Mumie wird in „Die Mumie“ mit jeder verbleibenden Minute nebensächlicher. Stattdessen taucht irgendwann Russell Crowe auf und führt sich ein bisschen wie Nick Fury bei den Avengers auf. Er macht uns den nervigen Erklär-Bär und labert halt einfach viel von Monstern und Monstern und Monstern. Es reicht nicht nur, dass der Film schon zu Beginn ein „Dark Universe“-Logo zeigt. Nein, Russell Crowe, dessen Geheimorganisation wahrscheinlich der Rote Faden dieses Universum sein soll, muss uns alles ordentlich und ausführlich erklären. Das macht zwar vielleicht ein bisschen neugierig auf die weiteren Filme (in denen Javier Bardem Frankensteins Monster und Johnny Depp den Unsichtbaren spielen soll), aber der „Mumie“ hilft das nicht wirklich weiter. Da verliert man mal eben sein Hauptmonster aus den Augen, um auf kommende Ereignisse vorzubereiten.

Sie hat ihren eigenen Film gesehen…

Dazu hilft es einfach auch nicht, dass dieser Film nie zu wissen scheint, welchen Ton er nun anschlagen soll. Es gibt Momente am Anfang des Films (wenn die Mumie noch nicht aussieht wie Sofia Boutella), die sind sogar ein bisschen unheimlich. Doch dann gibt es neben den langen Erklär-Momenten auch Momente merkwürdigen Humors, die dann wieder in sehr ernste umschlagen. „Die Mumie“ wäre gern Horror-Film, Abenteuer, Origin fürs „Dark Universe“ und Sommer-Blockbuster in einem und scheitert einfach daran. Eine stringente Story ohne den offensichtlichen „Dark Universe“-Stempel hätte einfach mehr Sinn gemacht.

Tom Cruise kann „Die Mumie“ dabei auch nicht wirklich retten, obwohl sie mit seinem Charakter zum Ende sehr merkwürdige Dinge anstellen, die ihn scheinbar auch für das lange „Dark Universe“ vorbereiten sollen. Cruise kann aber nicht so wirklich seinen Cruise-Charme spielen lassen, obwohl er immer noch das Beste am Film ist. „Kingsman“-Kampf-Amazone Sofia Boutella geht leider als Mumie dank ödem Hintergrund schnell unter und Annabelle Wallis ist leider nur hübsche Stichwortgeberin für Cruise. Crowe ging gerade noch, hatte halt nur sehr darunter zu leiden, eigentlich nur Mr. Exposition zu sein.

Mit „Die Mumie“ macht sich das „Dark Universe“ keinen Gefallen und man möchte schon Angst haben, dass dieses Universum hier untergeht, bevor es überhaupt erblühen konnte.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ganz ehrlich, dann lieber wieder „Die Mumie“ mit Brendan Fraser, die fand ich damals wenigstens noch sehr, sehr cool)

Eine neue Haut

12. Juni 2017

Ich kenne zu wenige Filme von Pedro Almodovar, um einzuschätzen, wie sehr „Die Haut, in der ich wohne“ den gefeierten Spanier widerspiegelt. Um genau zu sein, habe ich genau einen Film davor von Almodovar gesehen und das war „Atame!“. Aber es war mal wieder Zeit für einen guten Psycho-Thriller und beim Netflix-Stöbern fiel mir in der Thriller-Kategorie dieses Bild von Antonio Banderas auf, der hinter einer Frau mit einer merkwürdigen weißen Maske steht, die etwas verstört in die Kamera schaut. Bei dem Bild fiel mir dann auch wieder ein Freund an, der mich irgendwann mal fragte, ob ich „Die Haut, in der ich wohne“ kenne – der Film sei nämlich krass und krank (um das jetzt mal grob zu zitieren). Da ich ja gerade auf solche „Empfehlungen“ immer sehr gerne höre, war es dann mal Zeit, sich mehr mit Almodovar und seinem Haut-Film auseinander zu setzen.

Wir lernen den Chirurgen Robert Ledgard (Banderas) kennen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine neue, robustere Haut durch Genmanipulation zu entwickeln. Er verlor seine Frau durch einen Autounfall, bei dem ihre Haut so schwer verbrannt wurde, dass sie ihren eigenen Anblick nicht ertragen konnte und sich deswegen umbrachte. In seinem abgeschiedenen Anwesen führt Ledgard unautorisierte Experimente durch – am lebenden Objekt: Eingesperrt in ein Zimmer seiner Villa lebt die junge Vera (Elena Anaya), deren Gesicht wie das von Roberts toter Frau aussieht (Experimenten sei Dank). Doch natürlich nagt schon nach kurzer Zeit die brennende Frage: Wer ist Vera? Warum ist sie Roberts Gefangene? Und wieso hat sie diese Behandlung „verdient“?

Over-dressed and under-dressed

„Die Haut, in der ich wohne“ fängt – zugegebenermaßen – etwas merkwürdig an. Da taucht dann auf einmal noch der als Tiger verkleidete Sohn Zeca (Roberto Alamo) der Haushälterin Marilia (Marisa Paredes) auf und hält Vera tatsächlich für Roberts Frau Gal, mit der er ein Verhältnis hatte. Als er daraufhin Sex mit ihr hat, bringt Robert ihn um… und löst damit erst so richtig die Geschichte aus. Doch bis zu diesem Punkt ist „Die Haut, in der ich wohne“ ein bisschen gewöhnungsbedürftig… wenn ich nicht die oben erwähnte Empfehlung im Kopf gehabt hätte, wäre ich spätestens mit dem Erscheinen des „Tigers“ schon ausgestiegen. Almodovar bleibt sehr lange bei dieser sehr absurd wirkenden Sequenz… und sie hat ja auch ihre absolute Berechtigung, nur mich hat sie mehr verstört als alles andere. Ich kann das nicht so ganz in Worte fassen, aber ich fand Roberto Alamo furchtbar widerlich – und dann diese Aufmachung und wie er sich auf Vera stürzt. Das war alles sehr unangenehm anzuschauen.

Zumal entsprach „Die Haut, in der ich wohne“ bis zu diesem Augenblick auch noch nicht zu wirklich meinen Erwartungen von einem Thriller. Ja, Veras Schicksal war schon etwas merkwürdig und ja, Roberts Experimente waren nicht legal, aber immerhin ermordete er jetzt keine Frauen wie Buffalo Bill aus „Das Schweigen der Lämmer“ und nutzte deren Haut, um sich seine eigene Haut zu „basteln“. Nein, eigentlich war der Film alles andere als ein Thriller – selbst mit der Ankunft von Zeca, der einfach nur ein perfekter, ekliger Widerling war.

Doch Geduld zahlt sich im Fall von „Die Haut, in der ich wohne“ mehr als nur aus. Mit Zecas Auf- und vor allem seinem Abtreten tun sich die wahren Abgründe des Films erst wirklich auf. In einer äußersten spannenden Rückblende erfahren wir mehr von Roberts Vergangenheit – und damit dreht sich dieser Film gefühlt um 180 Grad. Ich will gar nichts verraten, aber wow… die Dinge, mit denen uns Almodovar konfrontiert, sind schon echt heftig. Ich hatte ja zwischenzeitlich selbst so einige Vermutungen, die jedoch auf unglaubliche Art und Weise zunichte gemacht wurden. Was „Die Haut, in der ich wohne“ abliefert, habe ich so nicht kommen gesehen. Der ganze Film wird dann wirklich ziemlich krank… faszinierend, aber krank. Ich bin sogar fast geneigt, mir den Roman zu besorgen auf dem dieser Film basiert. Aber nur „fast“… denn Almodovar hat mich eigentlich fürs erste auch genug schockiert. „Die Haut, in der ich wohne“ ist ein Film, den muss man auf jeden Fall erst einmal verdauen… hinterfragt man doch irgendwann vor allem Roberts Verhalten, das ich mir bis zum Schluss nie wirklich erklären konnte.

„Die Haut, in der ich wohne“ ist mal ein ganz anderer Thriller – einer, bei dem man sich eigentlich mehr und mehr fragt, wie verrückt jemand sein muss, um sich sowas auszudenken 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (fängt etwas trashig an und wird dann zu einem verrückten Mindfuck von einem Film)

Es bleibt in der Familie

9. Juni 2017

Man hört ja überall „Mit den Sopranos fing alles an. Da wurde das allgemeine Verständnis der TV-Serie an sich über den Haufen geworfen.“ Und ja, nach meiner dritten Staffel mit den Sopranos kann ich das jetzt noch mehr verstehen. Es ist halt einfach keine Serie, die in jeder Folge eine Handlung abschließt und am Ende im Finale mit einem Cliffhanger darauf hofft, die Zuschauer bis zur nächsten Staffel locken zu können. Hier wird statt dessen wirklich eine zusammenhängende Geschichte erzählt – es wird eine Serie, die sich anfühlt wie ein Film in 13 Teilen. Heute sind wir ja fast nichts anderes mehr gewohnt, aber für damalige Verhältnisse muss das schon ein großes Ding gewesen sein. Und es ist ja heute auch noch ein großes Ding, sind die Sopranos einfach mal wirklich verdammt gute Unterhaltung… obwohl ich jetzt mit Staffel 3 ein recht großes Problem hatte.

Ralph Cifaretto (Joe Pantoliano aus „Memento“) kehrt aus Miami zurück und macht Tony Soprano (James Gandolfini) das Leben in seiner eigenen Organisation schwer, ist Ralph doch ein echter Hitzkopf. Doch das ist nicht das einzige Problem (mal wieder): Tochter Meadow (Jamie-Lynn Sigler) datet erst einen Afro-Amerikaner (den Tony wegekelt) und danach Ralphs Neffen Jackie Jr. (Jason Cerbone). Anthony Jr. (Robert Iler) entwickelt sich mehr und mehr zu einem richtigen kleinen Arschloch. Christopher (Michael Imperioli) wird zum „made man“ und Tony lacht sich die nächste leicht verrückte Mätresse mit Gloria (Annabella Sciorra) an, die – wie er – bei Dr. Melfi (Lorraine Bracco) in Therapie ist.

Mr. & Mrs. Soprano

Auch Staffel 3 war wieder großartig. Ich finde es faszinierend, wie die Macher es geschafft haben, jeder Staffel so kleine, feine Nuancen zu geben, dass es sich nie so anfühlt als würde man sich das ewig Gleiche anschauen, auch wenn die „Arbeitsabläufe“ bei der Mafia sich nie so großartig verändern. Schön ist auf jeden Fall, dass man sich in Staffel 3 ein wenig mehr noch als in der zweiten Staffel auf die einzelnen Nebencharaktere konzentriert. Zugegebenermaßen fand ich die ganze Meadow-Dating-Story jetzt zwar nicht so spannend und Jackie Jr. War auch ein wenig nervig, aber es hat ihrem Charakter mal ganz gut getan, ein bisschen mehr im Vordergrund zu stehen. Wie schon erwähnt fand ich Anthony Jr. eher öde, aber es war furchtbar interessant zu sehen, was es mit seinen beiden Eltern gemacht hat. Zumal Carmela (Edie Falco) ja nun schon seit letzter Staffel mit sich und ihrer Ehe zu kämpfen hat. Jetzt wurde sie auch noch ein paar Mal ordentlich auf die Probe gestellt und ich warte mit jeder Folge nur auf den Augenblick, wenn sie wirklich mal explodiert. Denn was Tony auch tut, mit ihr hat er seinen persönlichen Fels in der Brandung.

Richtig gut fand ich auch einfach Christophers Story. In Staffel 1 mochte ich ihn noch nicht so sehr, aber mit jeder Staffel wird er besser und besser. Dazu jetzt noch diese kleinen Streitigkeiten mit Paulie (Tony Sirico) – sehr unterhaltsam. Vor allem die Folge „Verschollen im Eis“ war spitze – nur Paulie und Christopher im Schnee, die sich wegen Ketchup und sonstigem Quatsch streiten. Sehr, sehr geil…

Aber kommen wir jetzt zu dem Punkt, an dem mich Staffel 3 irritiert, verärgert hat oder keine Ahnung was… Staffel 3 hat mal eben ein paar rote Fäden der Geschichte fallen gelassen, obwohl ich die unheimlich spannend fand. Die Wichtigste ist die Vergewaltigung von Dr. Melfi und die Frage, ob sie Tony einweihen wird oder nicht. Das war für zwei Folgen ein Thema und auch wirklich absolut spannend, weil es die Beziehung der beiden auf ein ganz anderes Niveau gehoben hätte… nur dann passiert nichts weiter. Es ist am Ende der Staffel fast so, als wäre das nie passiert. Warum es dann aber einbringen? Das war schon eine verdammt heftige Situation, die sehr unangenehm zu gucken war… und dann wird nichts weiter daraus gemacht. Fand ich echt sehr schade, aber wer weiß, ob sie das nicht noch in einer der nächsten Staffel wieder aufnehmen.

Seelsorge durch einen Mafiosi

Das Gleiche gilt für die Sache mit dem FBI – die komplette erste Folge von Staffel 3 schauen wir denen dabei zu, wie sie verzweifelt versuchen, in Tonys Haus eine Wanze anzubringen… und auch hier ist das irgendwann einfach nicht mehr von Relevanz für die Geschichte. Was natürlich auch sehr für die ganzen anderen Geschichten in dieser Staffel spricht, die einen so gut unterhalten und faszinieren, dass man die anderen vernachlässigen kann. Aber die beiden angesprochenen Handlungen haben einfach zu viel Potenzial, als das man sie einfach so vorüberziehen lassen sollte.

Trotzdem war Staffel 3 auch wieder mal ein packendes TV-Erlebnis, das wieder einmal durch seine großartigen Darsteller beeindruckt und spannende Geschichten sowohl aus der Mafia als auch aus dem „normalen“ Familien-Alltag eines Mafiosi erzählt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (in der Familie ist nicht mehr alles nur Friede, Freude, Eierkuchen)

Willkommen auf Alcatraz!

7. Juni 2017

Es geht fröhlich weiter mit meinem Klassiker-Check-Up… und ein Film, den ich wirklich extrem gefeiert habe als Junge war „The Rock“ mit Nicolas Cage und Sean Connery. Ich glaube, es lag sehr viel daran, dass ich Sean Connery fast nur als James Bond kannte. Es lag aber auch viel an Nic Cage, der gerade in den 90ern ja wirklich heißer Scheiß war. Dabei fällt mir heute immer wieder auf, warum man eigentlich erst jetzt so wirklich wahrgenommen hat, wie durchgeknallt dieser Mann gespielt hat. Selbst in den ernstesten Action-Filmen gibt es da immer diese besondere Prise Cage-Wahnsinn, der nie so wirklich zu seinen Charakteren zu passen scheint… und am Ende dann doch. Ist mir jetzt zumindest bei „The Rock“ mal wieder sehr aufgefallen.

Wer’s nicht mehr kennt (Schande über euer Haupt 😉 ): Brigade-General Frank Hummel (Ed Harris) hat die Schnauze voll davon, wie die Regierung mit Soldaten umgeht, die in geheime Missionen verwickelt sind. Also klaut er kurzerhand Raketen, die er mit einem gefährlichen Giftgas bestückt, verschanzt sich auf der Gefängnisinsel Alcatraz und erpresst die Regierung. Die lässt sich natürlich nicht so leicht erpressen und will stattdessen ein Team auf die Insel schicken: Mit dabei Top FBI-Top-Spezialist für chemische Waffen Dr. Stanley Goodspeed (Nic Cage), der in seinem Leben noch nie das Labor verlassen hat und John Mason (Sean Connery), ein inhaftierter britischer Spion, der schon einmal aus Alcatraz ausgebrochen ist.

So werden Weihnachtsbaumkugeln hergestellt…

Man möchte gar nicht so richtig glauben, dass dieser äußerst unterhaltsame Action-Film ein Werk von jetzt Bombast-Schrott-Regisseur Michael Bay ist. Aber gut, damals waren die Auto-Roboter noch nicht in Sicht, da hat sich der Mann tatsächlich noch ein bisschen um Charaktere gekümmert und noch interessante Geschichten erzählt. „The Rock“ ist dabei 90er Jahre Action-Kino, wie es zu sein hat: ein cooles Duo vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe, coole Sprüche und coole Action. Dass die Story jetzt nicht so ganz hundertprozentig rund ist, kann man da gekonnt vernachlässigen, weil der Rest einfach so viel Spaß macht. Das ist auch jetzt noch der Fall, doch über eine Logik-Loch bin ich dann letztendlich doch immer und immer wieder gestolpert…

Dieser Film braucht Nic Cage gar nicht. Versteht mich jetzt nicht falsch, theoretisch bräuchte jeder Action-Film eine kleine Note Cage, aber in diesem Film ist es mir jetzt das erste Mal so richtig aufgefallen, dass Nic Cages Rolle hier eigentlich komplett unnötig ist. Er wird uns zwar am Anfang als großer Experte für chemische Waffen vorgestellt, wir sehen ihn ja dann auch in Aktion, wie er ein Gift-Paket im Labor in letzter Minute entschärft. Ab diesem Punkt sollte dann jedem klar sein, dass dieser Dr. Goodspeed sein Handwerk wirklich versteht… und nebenbei sogar ein paar Drähte durchschneiden kann, um die gefährliche Bombe dramaturgisch perfekt in der letzten Sekunde zu entschärfen. Sogar als Action-Raser zeigt er dann ungeahnte Fähigkeiten, als Mason kurzerhand ausbricht und wir denken uns, okay… dieser Mann wird extrem wichtig für den Einsatz auf Alcatraz. Doch auf der Insel selbst sind seine Fähigkeiten gar nicht gefragt. Das Einzige, was Goodspeed macht, ist die Steuerungschips aus den Raketen auszubauen. Das hätte also jeder der Soldaten in seinem Team auch machen können. Goodspeed hätte man erst gebraucht, nachdem die ganze Mission abgeschlossen ist. Der große Experte, der am Ende nur Chips entfernt, ist dann doch reichlich unspektulär.

Party…

Trotzdem… natürlich braucht auch „The Rock“ einen Nic Cage und tatsächlich funktioniert er ja auch mit Sean Connery unglaublich gut. Unglaublich gut finde ich dabei auch die weitläufige Fan-Theorie, dass es sich bei Connerys John Mason in Wirklichkeit um einen alten James Bond handelt. Immerhin ist Mason ein britischer Agent, der vor Jahren eingesperrt wurde, weil er den Amerikanern einen hochbrisanten Mikro-Film stahl. Es mag vielleicht weit hergeholt sein, aber es ist witzit… und wenn man den Film unter diesem Aspekt anschaut, macht das Ganze durchaus auch ein bisschen Sinn.

Alles in allem macht „The Rock“ auch immer noch Spaß. Man erkennt spätestens an der ersten Feuerwerksartigen Explosion, dass Michael Bay am Werk war und ja, auf die Story darf man einfach nicht zu genau achten, dann macht dieser Film Laune und unterhält extrem gut. Was dann ja vor allem dem tollen Duo vor der Kamera zu verdanken ist…

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Rock bleibt weiterhin ein Fels in der Brandung)

Die Zurückgekehrten

5. Juni 2017

Wenn die Toten zurückkehren, dann wollen sie normalerweise gleich unser Hirn fressen. Oder auch andere Körperteile, denn so sind sie nun einmal – die lebenden Toten. Nichts als fressen im Kopf. Gut, mittlerweile hat selbst der klassische Zombie hier und da ein kleines Update bekommen. Jetzt sind Zombies nicht immer nur diese hirnlosen Hirnfresser, sondern können sich auch mal verlieben und so quasi wieder zum Mensch werden – wie die Teenie-Variante „Warm Bodies“ gezeigt hat. Oder die Toten kommen wieder und haben gar keine Ahnung, dass sie eigentlich tot waren – wie in der französischen Serie „Les Revenants“. Die mag ich ja sehr gern, weswegen ich auch dringend mal mit der zweiten Staffel anfangen muss. Aber um die Serie soll es jetzt mal gar nicht gehen… sondern um den Film. Aber nicht etwa um den Film zur Serie, sondern um den Film, auf dem die Serie basiert.

„Les Revenants“ von Robin Campillo lässt weltweit mehr als 70 Millionen Menschen plötzlich wieder auferstehen und „zurückkehren“. Dabei handeln es sich bei den Zurückkehrern jetzt aber nicht um blutrünstige Killer, nein, sie sind alle mehr oder weniger „normal“. Gut, sie bewegen sich etwas langsamer, ihre Körpertemperatur ist vier Grad kälter als bei gewöhnlichen Menschen, aber ansonsten erscheinen sie wie sonst auch. In einem nicht näher beschriebenen Städtchen tauchen 13.000 Totgeglaubte wieder auf… so auch Martha (Catherine Samie), die Frau des Bürgermeisters, der sechsjährige Sylvain (Saady Delas), der zu seinen Eltern zurückkehrt oder Mathieu (Jonathan Zaccai), der zu seiner Frau Rachel (Geraldine Pailhas) heimkommt. Doch so leicht fällt weder den Lebenden noch den Toten die Wiedereingliederung… zumal die Zurückgekehrten sich auf einmal nachts zu irgendwelchen Versammlungen in der Stadt treffen…

Wer die Serie gesehen hat, der erkennt die zahlreichen Parallelen zum Film sofort. Ob nun der kleine, schweigsame Junge (der in der Serie mit Swann Nambotin noch sehr viel unheimlicher und besser besetzt ist) oder der heimgekehrte Ehemann, der das Leben seiner Frau durcheinanderwirbelt – hier stimmt das „Basiert auf…“ bestens. Doch am liebsten hätte ich schon gewusst, wie „Les Revenants“ auch mich wirkt ohne die Vorkenntnis der Serie. Denn was die Serie natürlich viel besser hinbekommt als der Film ist die tatsächliche Darstellung der Schwierigkeiten zwischen den Lebenden und den Wieder-Lebenden. Natürlich hat so eine Serie auch viel mehr Zeit und somit auch mehr Möglichkeiten, spannende Geschichten aufzubauen, die herrlich verschachtelt miteinander verwoben sind. Im Film müssen wir uns mit zwei wichtigen Charakteren begnügen: Martha und Mathieu.

Während die „untote“ Frau des Bürgermeisters dafür steht, wie sehr diese „Untoten“ das Leben ihrer Familien durcheinander bringen, erfahren wir durch Mathieu mehr zum Umgang der Allgemeinheit mit den „Untoten“. Da wird über Integration und Eingliederung gesprochen, von den Optionen der Unterbringung, der Finanzierung und der Koordinierung der Massen an neuen „Zuwanderern“, dass man fast meinen möchte, Robin Campillos Film wäre gerade erst vor kurzem mit Einflüssen des aktuellen Zeitgeschehens gedreht worden (doch hat der Film mittlerweile schon stolze 12 Jahre auf dem Buckel). Das Ganze wird dann immer wieder mit der nötigen Prise Mystery gewürzt. Denn die „Untoten“ scheinen auch noch ihre eigenen Pläne zu verfolgen…

Und die Bilder, in denen sie in kleineren Mobs friedlich durch die Straßen wandern, sich in Büros treffen und Karten studieren oder einfach nur still im Badesee stehen und vor sich hin starren, haben eine wahnsinnig unheimliche Wirkung. Denn Campillo erklärt uns das Verhalten dieser friedlichen „Untoten“ nie. Es gibt immer wieder Versuche, ihr Verhalten zu erklären, aber warum sie zurückgekommen sind, bleibt äußerst spekulativ. Was gleichzeitig irgendwie sehr cool ist, andererseits auch ein bisschen frustrierend: „Les Revenants“ endet nämlich genau so mysteriös wie er angefangen hat und lässt uns mit Fragezeichen auf der Stirn zurück, ob der Dinge, die wir gerade gesehen haben. Ich hoffe, dass die Serie in dieser Hinsicht ein bisschen klarer enden wird – was mich auch mal wieder schwer daran erinnert, dass ich die Serie endlich mal weiter schauen sollte.

Nichtsdestotrotz ist „Les Revenants“ ein sehr melancholisch-hypnotischer Film, der uns gerade durch die vielen Fragen, die er aufwirft, an die Handlung fesselt. Und immer in den richtigen Abständen bietet uns Campillo einen kleinen weiteren Leckerbissen, der unsere Neugierde einmal mehr nährt. Insgesamt auf jeden Fall eine ziemlich faszinierende Variante der Zombie-Gestalt, die mir im Serien-Format noch ein bisschen besser gefällt… da haben sich die Macher wirklich die besten Sachen herausgepickt und noch mal eine Schippe draufgepackt. Trotzdem soll man sich ja immer an seine Wurzeln erinnern, weswegen ich den Film jedem Serien-Fan nur ans Herz legen kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (faszinierend und frustrierend zugleich… faszinierend…)

Boobwatch

2. Juni 2017

Alles, was ich über „Baywatch“ weiß, habe ich aus „Friends“. Chandler und Joey sind ja begeisterte Fans der Serie, die nur eine Sache richtig zu machen hat: „Always keep them running!“ Solange eine Yasmin Bleeth nur lief, war ein Chandler Bing glücklich. Mehr weiß ich nicht über „Baywatch“: schöne Menschen laufen in Slow-Motion am Strand und machen Zeugs. Die Serie machte David Hasselhoff noch mehr zum Star und erschuf diverse Playboy-Bunnies. Dem neuesten Trend zum Reboot folgend wurde aus dem Konzept „Schöne Menschen rennen am Strand“ nun auch ein Kinofilm – mit Zac Efron und Dwayne Johnson in den Hauptrollen und natürlich vielen wunderschönen Frauen, die knapp bekleidet in Zeitlupe am Strand laufen. Aber reicht das, was für 11 Staffeln reichte, auch für ein Kino-Reboot?

Aus PR-technischen Gründen muss Super-Bademeister und Baywatch-Anführer Mitch Buchannon (David… äh, Dwayne Johnson) den im Ansehen gestürzten Olympia-Sieger Matt Brody (Zac Efron) in sein Team als Neuzugang aufnehmen. Während Brody also mit den Neuzugängen Summer (Alexandra Daddario) und Ronnie (Jon Bass) ausgebildet wird, droht Gefahr für die Ruhe am Strand. Immer mehr und mehr Drogen tauchen auf, immer mehr und mehr Leichen spülen an den Strand. Mitch verdächtigt die erfolgreiche Unternehmerin Victoria Leeds (Priyanka Chopra), braucht jedoch Beweise. Gemeinsam mit seinen Baywatch-Kolleginnen C.J. Parker (Kelly Rohrbach) und Stephanie (Ilfenesh Hadera) und den Neuzugängen ermittelt Baywatch nun auch außerhalb des Wassers.

Rock on the beach

Ich hatte Hoffnungen, dass „Baywatch“ so eine Art sexy Variante von „21 Jump Street“ werden könnte. Ein bisschen Über-Sympath Johnson, ein bisschen Querulant Efron, dumme Sprüche, gute Action und natürlich viel nackte Haut hätten durchaus dazu passen können. Und hätten wir vielleicht statt Johnson und Co. Channing Tatum und Jonah Hill mit Phil Lord und Chris Miller an Bord gehabt, dann hätte das als „23 Jump Street“ vielleicht sogar was werden können. Doch leider hat „Baywatch“ all das nicht – nur sehr viele „Hättes“ und „Vielleichts“. Denn nein, meine Hoffnungen haben sich leider nicht bewahrheitet. „Baywatch“ strauchelt gewaltig, um auch nur in die Nähe von „21 Jump Street“ zu kommen – und dabei merkt man schon, dass das Serien-Reboot sehr eindeutig Pate für die Rettungsschwimmer stand.

Das Problem sind nicht einmal die Darsteller, denn die haben durch die Bank weg eine gute Chemie untereinander. Dwayne Johnson spielt sich wahrscheinlich einfach selbst und ist cool dabei. Das Rumgezicke zwischen ihm und Zac Efron ist an einigen Stellen sogar wirklich unterhaltsam, doch damit hört es dann auch schon auf. Die Darsteller sind toll, doch Regisseur Seth Gordon tut sich schwer damit, sie wirklich gut zusammenwachsen zu lassen. Ist natürlich auch ein bisschen schwer, wenn die wunderschönen Damen in diesem Film wirklich nur zur reinen Fleischbeschauung da sind. So wirklich viel kommt da nicht bei rum. Alexandra Daddario darf zumindest noch versuchen, ein bisschen mehr als nur hübsch zu sein, aber das war’s. Kelly Rohrbach macht einfach nur das, was sie wahrscheinlich schon bei ihrem Foto-Shoot für die Sports Illustrated Swim Suit Edition gemacht hat: heiß aussehen.

Und ja, heiß sehen die Damen alle aus. Und ja, sobald Zac Efron sein Shirt aussieht, denke ich auch, ich muss mal wieder regelmäßiger zum Sport. So gesehen könnte mein Laienverständnis zu „Baywatch“ doch eigentlich davon ausgehen, dass die Serie gekonnt umgesetzt wurde. Aber so richtig will der Film nie zünden. Leider weiß „Baywatch“ nie so richtig, ob man nun voll und ganz die Comedy-Schiene fahren soll oder doch den Versuch starten müsste, eine ernst zu nehmende Geschichte zu erzählen. Also versucht Regisseur Seth Gordon beides auf einmal. Dabei ist die „Story“ jedoch echt lächerlich und zwei Minuten nach dem Film in Vergessenheit geraten.Der Witz schwankt immer von katastrophal dämmlich (wie zum Beispiel ewig in die Länge gezogene „Ich habe meinen Penis irgendwo eingeklemmt“-Witze) über blöde Slapstick-Einlagen bis hin zu halbwegs erträglichen Sachen, die dann aber durch den Fokus auf die Story wieder schnell zunichte gemacht werden. Und dann gibt’s zwischendurch auf einmal so ernste Szenen. „Baywatch“ weiß nicht so ganz, ob es sich nun einfach nur über diesen ganzen Körperkult lustig machen soll oder ob es nicht doch lieber ein ernsthafter Action-Film sein möchte. Und so schwankt das Niveau wie die wippenden Brüste der Damen in Zeitlupe immer auf und ab (sorry für das schlechte Wortspiel, aber bei diesem Film passt es dann).

Für Fans gibt’s dann zwar immerhin noch Gastauftritte von Hasselhoff und Pam Anderson, aber ich möchte meinen, dass selbst die Hardcore-Fans nicht so begeistert von dem Film sein dürften. Er ist mal unterhaltsam, mal nicht. Man hat ihn auch fünf Sekunden danach schon wieder komplett vergessen – und irgendwie tut mir dieser Film leid. Die Schauspieler waren allesamt echt toll (und ja, auch heiß) und hätten ein bisschen was Besseres verdient als dieses 08-15-Gedöhns.

Wertung: 4 von 10 Punkten (irgendwann habe ich mich damit begnügt, Daddario und Rohrbach anzuhimmeln, um nicht komplett das Interesse zu verlieren und es hat ganz gut funktioniert 😉 )