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Vampir im Dienst Ihrer Majestät

21. April 2021

Nachdem ich mich einige Wochen mit „Star Wars: The Clone Wars“ und „Star Wars: Rebels“ beschäftigt hatte, brauchte ich mal wieder ein wenig Abwechslung und wandte mich wieder den Anime-Serien zu. Doch leider zum Glück ist die Auswahl mittlerweile soooo unendlich groß, dass ich immer gar nicht so richtig weiß, was davon am Ende wirklich gut ist. Es gibt so unfassbare viele Serien, von denen ich nie weiß, ob sie meinen Nerv treffen könnten oder nicht. Also wollte ich zum Anfang auf Nummer Sicher gehen und entschied mich auf Prime für die 13 Folgen von „HELLSING“. Ich habe früher in meiner Manga-Phase immer mal mit dem Manga von Kota Hirano geliebäugelt, weil ich die Figuren und das Design so cool fand. Leider kam es nie so richtig dazu… weswegen ich jetzt dachte: „Probier ich es doch mal mit der Anime-Serie.“ Was leider in diesem Fall ein riesiger Fehler gewesen ist…

Wir befinden uns in London. Die Hellsing-Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vampire zu jagen. Die Anführerin der Organisation, Lady Integra, kann dabei auf die Hilfe eines mächtigen Vampirs setzen, der coole Alucard, der in rotem Mantel, mit Schlapphut, Sonnenbrille und einer dicken Knarre auf Untote Jagd macht. Allerdings tauchen in letzter Zeit immer mehr Freaks auf, die durch einen Mikrochip zu Untoten werden… und so muss die Hellsing-Organisation herausfinden, woher diese Viecher kommen und wer sie schickt. Hilfe bekommt Alucard dabei von der jungen Polizisten Seras Victoria, die er vor dem Tod rettete, in dem er sie zu einer Vampirin machte.

Das Schlimmste an dieser „Hellsing“-Serie ist die Tatsache, dass die komplette Story von hinten bis vorne so überhaupt keinen Sinn ergibt. Was wiederum daran liegt, dass einem als Zuschauer einfach nichts erklärt wird. Wir erfahren so gut wie nie etwas über die einzelnen Figuren und Gruppen, die für die Handlung wichtig sind. Es gibt zu Integra und Alucard eine einzige Rückblenden-Folge, die zumindest in der Richtung für etwas Klarheit sorgt. Aber selbst das liefert einem nicht die ganze Geschichte. Viel schlimmer ist aber einfach der ganze Rest. Seras Victoria bleibt ein unbeschriebenes Blatt, obwohl sie als Figur so spannend ist. Sie wehrt sich erst dagegen, Blut zu trinken, irgendwann macht sie es dann doch. Da hätte man allein schon mehr draus machen können.

Am schlimmsten ist es aber wirklich mit der Hauptgeschichte. Was es mit diesen Chips auf sich hat, wird nie geklärt. Irgendwann zu Beginn taucht ein Kämpfer des Vatikans auf, der eigentlich ziemlich cool ist. Doch danach ist der einfach nicht mehr interessant für die ohnehin schon mehr als löchrige Story und wird auch nicht mehr erwähnt. Wo es noch schlimmer wird (und ja, es geht immer noch schlimmer in dieser Serie), ist bei dem großen Endgegner, ein unheimliches Monster namens Incognito. Der ist kurz mal ein bisschen mächtiger als Alucard, dann entfaltet der aber seine gesamten Kräfte und auch der ist dann besiegt. Was Incognito war, wer ihn geschickt hat, lässt die Serie einfach hinten runterfallen. Interessiert ja eh keinen.

Die Serie ist ein absoluter Flickenteppich. Es werden tausend Dinge angesprochen, aber nie zu Ende gedacht oder geführt. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich zehn Folgen übersprungen und auch den Rest nicht geguckt. Das Ganze fühlt sich wie der Mittelteil einer sehr viel größeren und durchaus auch interessanten Geschichte an. Nur leider verfehlt die Serie es, diese auch nur in Ansätzen zu erzählen. Der Look ist zwar echt gut und dieses düstere Setting von London passt auch schön zum Vampir-Thema, aber wenn man den Manga und die eigentliche Geschichte überhaupt nicht kennt, bringt einen die Serie kein Stück weiter.

Dennoch bin ich gewillt, dem Ganzen eine weitere Chance zu geben… denn ein paar Jahre nach dieser „Hellsing“-Serie gab es eine weitere namens „Hellsing Ultimate“. Die hat zwar nur zehn Folgen, aber die sind alle so etwa eine Stunde lang. Vielleicht können sie da die Story schlüssiger erzählen. Von der 2001er Version rate ich auf jeden Fall dringend ab.

Wertung: 3 von 10 Punkten (sieht nett aus, der Rest ist einfach nur erzählerisches Chaos)

Agatha 616 und die Monster

19. April 2021

Ich mag Monster-Filme. Obwohl das eigentlich eine Untertreibung ist. Ich liebe Monster-Filme. Wer meine Godzilla-Phase auf diesem Blog verfolgt hat, kann das vielleicht auch ein wenig nachvollziehen. Monster-Filme sind toll… aber es ist auch immer nicht so leicht, einen guten Monster-Film hinzubekommen. Das größte Problem ist dabei, eine gute Balance hinzubekommen. Nur Monster-Action wird irgendwann stumpf und nur menschliche Geschichten auch. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie zum Beispiel Gareth Ewards Film „Monsters“ von 2010, der fast ohne Monster auskommt und eine wahnsinnig faszinierende, menschliche Geschichte erzählt. Doch gerade, um mal beim Beispiel zu bleiben, die Godzilla-Filme (sowohl die neueren als auch die älteren) haben hier und da Schwierigkeiten mit den menschlichen und den Monster-Geschichten. „Pacific Rim“ hat das gut hinbekommen. „Kong: Skull Island“ auch. Während ich immer noch brav darauf warte, endlich mal „Godzilla vs. Kong“ sehen zu können, kommt Netflix mit einem Monster-Film um die Ecke, der unter dem gleichen Problem leidet… aber das Ganze zum Glück mit viel Charme vertuschen kann: „LOVE AND MONSTERS“.

Der Meteorit Agatha 616 drohte die Erde zu zerstören. Daraufhin zerstörten die Menschen einfach mit Hilfe von Raketen den Meteoriten. Leider überschüttete dieses Ereignis die Welt mit fiesen Chemikalien, die vor allem bei Insekten und Amphibien zu Mutationen führten. Kurzum: Die Welt wurde von riesigen Monstern niedergerannt und die Überlebenden verkrochen sich in Bunkern unter der Erde. Einer dieser Überlebenden ist Joel (Dylan O’Brien)… ein ängstlicher junger Mann, der in seinem Bunker eigentlich nur fürs Kochen zuständig ist. Doch Dylan ist verliebt und will endlich seine große Liebe Aimee (Jessica Henwick) wiedersehen. Die ist in einem anderen Schutzbunker über 80 Meilen von Joel entfernt. Der Angsthase macht sich dennoch auf den Weg… um Monstern zu trotzen und seine große Liebe wiederzusehen.

„Love and Monsters“ hat, was der Titel verspricht: eine Liebesgeschichte gepaart mit Monstern. Das Problem ist nur, dass gerade das mit den Monstern in meinen Augen viel zu kurzgekommen ist. Joel suggeriert uns zum Anfang, dass die Welt voller gefährlicher Wesen ist… aber auf seinem Weg zu Aimee trifft er nur eine Handvoll davon. Das fand ich persönlich schon mal ein bisschen schade. Gerade von den verschiedenen Monstern hätte ich gerne noch mehr gesehen. Aber immerhin: Die, die man zu Gesicht bekommt, sind wirklich ganz cool. Es geht natürlich nichts ohne CGI, aber die Ideen, die Regisseur Michael Matthews hier aufwirft, sind kreativ. Von riesigen Gröttenmonstern, Riesentausendfüßlern, komischen Würmern und Sandwürmern bis hin zu fliegenden leuchtenden Quallen und überdimensionalen Schnecken wird uns doch einiges geboten. Nur ich gestehe, ich habe auf irgendein wirklich riesiges, fieses Monster gewartet. Es ist vielleicht auch ein wenig Meckern auf hohem Niveau, aber ich meckere dennoch: mehr Monster wären schon cool gewesen.

Womit Matthews aber die „wenigen“ Monster gut kompensiert, ist der Road Trip, den wir bekommen. Dylan O’Brien fungiert dabei als unser Erzähler, der in Briefen an Aimee so kommentiert, was er so alles erlebt. Dabei erinnert nicht nur O’Briens Off-Kommentar stark an „Zombieland“. Im Verlauf seiner Reise lernt Joel den  Survival-Experten Clyde (Michael Rooker) kennen, der gemeinsam mit der jungen Minnow (Ariana Greenblatt – die junge Gamora aus „Avengers: Infinity War„) unterwegs ist. Michael Rooker ist super in der Rolle, erinnerte mich aber halt einfach ständig an Woody Harrelsons Tallahassee aus Ruben Fleischers Zombie-Action-Komödie. Auch die junge Ariana Greenblatt ist toll und bietet den beiden Männern ordentlich Paroli. Zu dritt sind die ein gutes Team… die bestimmten Regeln folgen, um zu überleben. Hätte nur noch gefehlt, dass „Cardio“ eine der Regeln ist, dann wäre es wirklich „Zombieland – nur mit Monstern“.

Das Ganze wird noch ein bisschen mit Will Smiths „I am Legend“ vermischt, wenn O’Brien einen knuffigen Hund namens Boy an seine Seite bekommt und fertig ist der Film. Bei all den Referenzen ist „Love and Monsters“ vielleicht kein sonderlich eigenständiger Film, aber ein durchaus unterhaltsamer Film… der aber nur wirklich gut zieht, wenn O’Brien unterwegs ist. Das Finale zieht sich dann ein bisschen und ist etwas dröge – gerade im Vergleich zum Road-Movie-Teil des Films. Aber gut, die Charaktere sind allesamt sehr sympathisch (der Hund hilft enorm, für Pluspunkte zu sorgen), der Humor passt und das Setting eigentlich auch.

Ich muss gestehen, ich könnte mir „Love and Monsters“ als Spiel richtig gut vorstellen… so a la „The Last of Us“ – nur eben mit riesigen Monstern. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob aus diesem Film noch mehr gemacht wird… denn theoretisch lässt das Ende die Möglichkeit sehr, sehr offen, da noch mit weiteren Filmen anzuschließen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (unterhaltsamer Road-Trip mit Hund und Monstern – ein bisschen mehr Action hätte trotzdem nicht geschadet)

Random Sunday #52: The Shining Girls

18. April 2021

Ich lese immer seltener Thriller, ist mir mal aufgefallen. Früher habe ich die sehr viel häufiger verschlungen, aber irgendwann hat sich auch das gewandelt. In meinem Versuch, mir auch mal Klassiker vorzunehmen und in meiner Vorliebe für Fantasy, Horror und Science-Fiction gehen Thriller in letzter Zeit häufiger mal unter. Da war es dann doch mal ganz gut, dass ich jetzt über einen Thriller gestolpert bin, der einen leichten Science-Fiction-Aspekt mit sich bringt… was bei Autorin Lauren Beukes auch nicht von ungefähr kommt. Die südafrikanische Autorin ist mit ihren Romanen „Moxyland“ und „Zoo City“ bekannt geworden – beides Science-Fiction-Romane. Ihr dritter Roman „THE SHINING GIRLS“ weicht da ein wenig von ab… orientiert sich mehr am Thriller, kann sich aber vom üblichen Thriller-Kram durch ein bisschen Zeitreisen abgrenzen.

Im Jahr 1932 findet Harper Curtis einen Schlüssel zu einem heruntergekommenen Haus. In dem Haus findet er neben einer Leiche auch ein Zimmer mit den Namen von verschiedenen Frauen… das sind seine „Shining Girls“, Opfer, die er durch verschiedene Jahrzehnte verfolgt – offensichtlich, weil es das Haus von ihm verlangt. Um an seine Opfer zu kommen, kann Harper dank des Hauses durch die Zeit reisen. Bei einer dieser Reisen in die späten 80er Jahre scheitert Harper jedoch: Die junge Kirby überlebt seinen Mordversuch und versucht daraufhin, Harper dingfest zu machen. Doch einen durch die Zeit reisenden Killer zu jagen, ist gar nicht so einfach.

Der Zeitreise-Aspekt war es auch, der mich zuerst an „The Shining Girls“ gereizt hat. Und Lauren Beukes weiß auch ganz genau, dass das der große Selling-point ihres Romans ist. Deswegen geht sie in dem Zeitreisen auch sehr gut auf. Jedes Kapitel spielt in einer anderen Zeitepoche. Der Roman springt dabei von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, ist mal aus der Sicht von Harper geschrieben, mal aus der Sicht von Kirby, dann wieder aus der Sicht der Opfer Harpers. Man weiß in diesem Buch nie, in welcher Zeit man im nächsten Kapitel landet. Dabei macht es dann auch echt Spaß, zu sehen, wie sich alles zusammenfügt. Allein die Geschichte der Leiche, die Harper zu Beginn im Haus findet, ist perfekt ausgespieltes Zeitreise-Wirrwarr-Spiel. Man merkt „The Shining Girls“ schon an, dass Lauren Beukes im Science-Fiction-Bereich zuhause ist und sich gerade das Zeitreisen sehr genau überlegt hat.

Anfangs hat es mich ein wenig gestört, dass das eigentliche Zeitreisen nicht genau erklärt wird. Ebenfalls störte mich, dass Harper dem Leser als Killer selbst nicht wirklich nähergebracht wird. Was genau an dem Haus bringt ihn dazu, diese Frauen in der Zeit zu finden und zu töten? Woher kommt sein plötzlicher Wunsch, überhaupt zum Killer zu werden? Was das Haus und Harper angeht, lässt uns Beukes im Dunkeln. Wie gesagt, anfangs hat es mich gestört, zum Ende hin war es mir auch herrlich egal. Man muss das Haus einfach als eine unnatürliche Anomalie akzeptieren und irgendwie hat es Harper in seinen Bann gezogen. Am Ende ist das wahrscheinlich die einzig gute Möglichkeit, mit all dem umzugehen. Wenn es eine Erklärung für all das gegeben hätte, hätte es wahrscheinlich viel von der „Magie“ des Buches kaputt gemacht. So stolpern wir über all das wie Harper selbst und lernen mit ihm die Fähigkeiten, die das Haus mit sich bringt.

Kirby, unsere Heldin, ist im Gegensatz dazu zum Glück sehr viel besser ausgearbeitet. Wir lernen sie als kleines Mädchen kennen, wenn sie zum ersten Mal auf diesen seltsamen Mann trifft. Wir durchleben ihre Teenager-Jahre und lernen jeden Aspekt ihres Lebens kennen. Auch bei Kirby nutzt Lauren Beukes die unterschiedlichen Zeiten perfekt aus. Die ist nämlich schon voll in der Suche nach ihrem Angreifer, bevor wir überhaupt erfahren, was genau passiert ist. Selbst innerhalb von Kirbys Geschichte wirft Beukes gekonnt die Zeiten durcheinander – ohne das es einen jetzt zu sehr verwirrt oder irritiert.

Beukes legt auch mehr Wert darauf, uns die Opfer näher zu bringen als den Killer. So erleben wir eine Facette faszinierender Figuren durch alle Zeiten, die dann leider durch Harper Collins ein unschönes Ende findet. Damit reichert Beukes ihren Roman aber immer wieder mit interessanten „Kurzgeschichten“ aus anderen Zeiten an und gibt ihren „Shining Girls“ mehr Tiefe.

„The Shining Girls“ hat mich wirklich sehr positiv überrascht. Die „normale“ Serienkiller-Geschichte wird durch den Fokus auf die Opfer und das Zeitreisen extrem aufgewertet und bekommt eine interessante Dynamik, die einen bis zum Schluss an das Buch fesselt.

Besuch bei Papa

16. April 2021

Elijah Wood finde ich als Schauspieler und Produzent nach wie vor wahnsinnig faszinierend, weil er ähnlich wie Daniel Radcliffe offensichtlich versucht, sein früheres Image zu untergraben. Radcliffe schmeißt sich in ein verrücktes Genre nach dem anderen, sucht sich Gaga-Filme, spielt furzende Leichen und Internettrolle, die auf besondere Art und Weise bestraft werden, um den Potter endlich abzulegen. Genau so macht es auch Wood. Den größten Schock erlebten Fans des Frodo-Darstellers wohl damals, als Elijah Wood plötzlich in „Sin City“ einen widerlichen und abartigen Killer spielte (eine damalige Kommilitonin von mir wollte diesen Film nicht gucken, um das Andenken an Frodo nicht zu beschmutzen). Seitdem macht sich Wood vor allem im Thriller und Horror-Genre breit. Mehr und mehr aber auch als Produzent, was mir vorher gar nicht so bewusst gewesen ist. Sein Name steckt hinter Filmen wie „A Girl Walks Home Alone At Night“, „The Boy“, „Mandy“, „Color out of Space“ und was nicht noch alles. Zwischendurch geht er aber auch mal vor die Kamera und liefert so etwas wie „COME TO DADDY“ ab.

Der Titel klingt etwas pornös, wenn ich das mal so sagen darf, aber er trifft es eigentlich ganz gut: Norval (Wood), ein Hipster-DJ und Musiker aus L.A., der Alkoholprobleme hatte und deswegen wieder bei Mama lebt, bekommt eines Tages einen Brief von seinem Vater, den er seit Jahren nicht gesehen hat. In dem Brief bittet Daddy ihn, er möge doch vorbeikommen. Daddy (Stephen McHattie) lebt abgeschieden in einem Haus am Meer und begrüßt seinen Sohn nicht unbedingt freundlich. Die Beziehung zwischen den beiden ist schwierig, zu schwierig für Norval… doch gerade als er den Entschluss fasst, zu gehen, erliegt sein Vater einem Herzinfarkt und stirbt. Weil das örtliche Leichenschauhaus keinen Platz mehr hat, wird die einbalsamierte Leiche im Haus aufbewahrt… und schon bald scheint Norval durchzudrehen. Merkwürdige Geräusche im Haus lassen ihn nach und nach paranoid werden. Lebt sein Vater noch oder befindet sich etwas im Haus, das Norval heimsuchen will.

„Come to Daddy“ ist das Regiedebüt von Ant Timpson, der vorher als Produzent für so interessante Titel wie „Turbo Kid“ oder „The Greasy Strangler“ verantwortlich war. Jetzt dreht er also einen Film, der auch sehr interessant ist, um es mal irgendwie vorsichtig auszudrücken. „Come to Daddy“ ist nicht die Art von Film, die ich erwartet hatte… der Anfang ist etwas schleppend und ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, das etwas passiert. Timpson lässt uns erstmal dieses merkwürdige Wiedersehen bestaunen, in dem Norval seinen Vater mit vermeintlichen Erfolgen beeindrucken will, die dieser jedoch sehr schnell als Lügen offenbart. Es ist ein tolles Hin und Her zwischen Elijah Wood und Stephen McHattie, der wunderbar zweideutig spielt. Mal scheint er fast schon nett zu sein, dann ist er wieder ein riesiges Arschloch. Genau wie Norval haben wir als Zuschauer Schwierigkeiten, diesen Mann richtig einzuordnen.

Neben diesem ganzen Drama streut Timpson unheimliches Geflüster ein, das Norval nachts von seinem Vater hört. Das Haus am Meer knarzt und die Rohre dröhnen. Es ist als würde das Haus selbst auf den Neuankömmling Norval reagieren… so baut Timpson auch so langsam Spannung auf, das da noch mehr hinter diesem vermeintlichen Besuch steckt – zumal Daddy nie wirklich klarmacht, warum er seinen Sohn jetzt auf einmal unbedingt bei sich haben wollte.

„Come to Daddy“ gleitet im Verlauf immer mehr ins Horror-Genre… was Timpson natürlich gut aufbaut, bevor er uns dann vor vollendete Tatsachen stellt und sich das Genre des Films noch einmal komplett ändert. Doch um diese Wendung nicht zu verraten, bleibe ich mal brav schwammig und sage dazu nichts weiter. Es passt auf jeden Fall, wie sich der Film weiterentwickelt… nur so viel, es wird auch ordentlich brutal. „Come to Daddy“ schockt zwischendurch mit Gewaltausbrüchen, bei denen man hinter halbzugehaltenen Augen auch irgendwie das Lachen nicht verkneifen kann. Mit seiner Wendung betritt der Film auch recht schwarzhumoriges Terrain, wenn ich das mal weiterhin so schwammig ausdrücken darf.

„Come to Daddy“ verlangt trotz seiner „Kürze“ von nur knapp anderthalb Stunden ein wenig Geduld von seinem Zuschauer. Gerade der Anfang zieht sich ein wenig in die Länge… aber genau das braucht der Film, um uns im Glauben zu lassen, wir wüssten, was uns erwartet. Der Film ist jetzt kein Meisterwerk der Täuschung, aber in dem, was er macht, durchaus unterhaltsam. Elijah Wood funktioniert wunderbar als L.A. Hipster, der wie wir etwas hilflos durch die Handlung tappt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (nettes Verwirrspiel mit einem Spritzer schwarzem Humor und sehr vielen Spritzern Blut)

Die wahre Macht Azras

14. April 2021

Ich schreibe diesen Artikel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn leider ist es der letzte Artikel, den ich zu meiner guilty pleasure Serie „Into the Badlands“ schreiben werde. AMC hat die Serie nach der dritten Staffel abgesetzt – und hinterlässt Fans der Serie vor allem mit vielen Fragen zurück. Denn während der Dreharbeiten wusste noch keiner, dass es die letzte Staffel sein würde… dementsprechend setzt das Finale auf ordentlich Wumms und nette Cliffhanger, deren Auflösung wir nun nie erfahren werden. Was schade ist, denn „INTO THE BADLANDS“ war / ist toll!

Die Badlands sind nach den Ereignissen von Staffel 2 endgültig zwischen den Fronten gefangen. Die Widow (Emily Beecham) hat fast alle Anführer vernichtet und kämpft nun gegen den letzten Widerstand – angeführt von Baron Chau (Eleanor Matsuura), die ihre Macht nicht der Widow übergeben will. Währenddessen ist Sunny (Daniel Wu) gemeinsam mit Bajie (Nick Frost) unterwegs, um seinen kleinen Sohn Henry zu heilen. Der ist nämlich ebenfalls im Besitz der dunklen Gabe, doch ihm könnte sie tatsächlich schaden. Hilfe verspricht der geheimnisvolle Pilgrim (Babou Ceesay), der mit seinen Jüngern in den Badlands auftaucht, um nach den Geheimnissen von Azra zu forschen. Pilgrim liefert Sunny (und uns) einige Antworten, verfolgt jedoch auch düstere Pläne…

Ich sage immer, dass „Into the Badlands“ meine guilty pleasure Serie ist, weil ich anfangs eigentlich gar nichts mit der Serie zu tun haben wollte. Als vor Ewigkeiten der Trailer zur ersten Staffel rauskam, fand ich das tierisch langweilig. Doch irgendwie kam ich dann doch dazu, der Serie mal eine Chance zu geben… und ich war schon schwer begeistert. Die ersten beiden Staffeln hatten leider das Problem, immer viel zu kurz zu sein und die Story nie so richtig gut voranzutreiben. Doch die Charaktere und vor allem die Action und Kampfchoreografien waren einfach nur der Hammer… deswegen blieb ich dran.

Staffel 3, nun ja leider die letzte, bekommt endlich mal 16 Folgen und das tut dem Ganzen echt gut. Die Story muss sich jetzt auch nicht mehr so viel um die ganzen Intrigen mit den Baronen kümmern, sondern kann sich mehr um dieses geheimnisvolle Azra und die Menschen mit der dunklen Gabe kümmern. Dafür ist Neuzugang Pilgrim genau richtig und liefert wirklich ein paar gute Antworten, die man eigentlich schon seit der ersten Staffel hatte. Dabei ist er jetzt kein langweiliger Erklärbär, sondern es wird alles in guten Dosen in die Staffel eingebaut – am Ende wird sogar unser Hauptcharakter Sunny durch all diese Offenbarungen zu einem noch interessanteren Charakter…. Und auch die Widow, deren Geschichte ebenfalls ausgebaut wird.

Es ist echt so ärgerlich. Staffel 3 macht so viele aufregende und spannende Sachen mit seinen Charakteren, das man gar nicht will, dass es jetzt alles einfach aufhört. Man hat echt das Gefühl, jetzt wo sich die „fantastische“ Geschichte rund um mysteriöse Begabungen, etc. entfalten kann, merken die Autoren, dass sie ihre Charaktere stärken müssen… und das gelingt ihnen in Staffel 3 unglaublich gut. Ob nun Sunnys verzweifelte Suche nach einer Heilung für seinen Sohn oder alles, was die Widow betrifft (ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre mögliche Zukunft) und alle in ihrem Umfeld – „Into the Badlands“ macht seine starken Figuren noch stärker.

Dazu kommt wie immer ein absolutes Fest für Fans von Kampfkunst, die einmal mehr stark von Filmen wie „Tiger and Dragon“ inspiriert wurde, aber sich auch bei blutigeren Beispielen des Genres was abgeguckt hat. Die Choreografien könnte ich mir ewig angucken und ich feiere jede Einstellung und jede Minute davon. Hut ab an dieser Stelle vor Emily Beecham. Sie ist ja so schon großartig, aber es gibt wohl kaum eine Action-Frau, die so stilsicher in Stilettos kämpfen kann. Eine Kunstform an sich!!!

Tja, es ist leider vorbei, aber wenigstens verabschiedet sich „Into the Badlands“ mit einem ordentlichen Knall. Mehr Folgen, mehr Action, mehr Story und Geheimnisse, mehr von all dem, weswegen man diese Serie einfach mögen muss. Schade nur, dass sie nicht wenigstens noch eine Staffel bekommen haben, um alles ordentlich zu Ende zu bringen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (für Fans guter Kampfkunst weiterhin ein absolutes Muss)

The (Not so) Bad, The (Not So) Good and The (Very) Ugly

12. April 2021

Wieso ist es immer so, dass wenn mal wieder ein guter Thriller, ein guter Horror-Film oder einfach ein guter Film aus Asien kommt, man keine zwei Sekunden später hört, dass irgendjemand in Hollywood ein Remake daraus machen möchte. Ich frage mich, wann jemand aus „Parasite“ ein Remake macht, damit unsere Freunde von Übersee keine Untertitel lesen müssen. Es ist echt unglaublich… aber gut, das sind halt die Dinge, die man nicht ändern kann. Man kann sich drüber aufregen (wie man sich auch über Disney und seine endlos Live-Action-Remakes aufregen kann), aber daran ändern wird sich einfach nichts. Von daher: Genießen wir lieber die Originale, bevor sie sinnlose Remakes bekommen. Ein solches Original ist der Thriller „THE GANGSTER, THE COP, THE DEVIL“.

Angeblich, so erklärt uns der Film zu Beginn, basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit: In der Stadt Cheonan treibt ein brutaler Serienkiller sein Unwesen. Er fährt Leuten nachts auf und sticht sie dann einfach ab. Der Cop Jung Tae-seok (Kim Mu-yeol) ermittelt, doch sein Chef glaubt seine Serienmörder-Theorie nicht. Doch als sich der Killer ein falsches Opfer aussucht, bekommt Jung seine Chance: Der Killer gerät an den Gangsterboss Jang Dong-su (Ma Dong-seok), der sich verteidigen kann und den Angriff gerade so überlebt. Jang setzt nun ebenfalls alles daran, den Killer zu jagen… und so kommt es zu einem ungewöhnlichen Bündnis zwischen Gangster und Cop, die nun gemeinsam Jagd auf den Killer machen.

Endlich mal wieder ein unterhaltsamer Thriller, ein guter Thriller, der aber nicht unbedingt wegen seiner Spannung unterhält. „The Gangster, the Cop, the Devil“ (ich kürze das ab jetzt mit „TGTCTD“ ab) hat jetzt keinen ausgefeilten Killer wie zum Beispiel „Seven“. Dieser Teufel in diesem Film ist einfach nur böse, weil es ihm Spaß macht. Er hinterlässt keine Botschaften, um geschnappt zu werden, er treibt einfach sein Unwesen und ist dabei unberechenbar. Die Jagd nach ihm hätte man sicherlich thriller-mäßig noch spannender inszenieren können, aber dafür hätte man einen ausgefeilteren Killer als Charakter gebraucht. Das fehlt dem Film, ist aber kein Manko… schließlich ist „TGTCTD“ ein Jäger-Film und kein Film über den Gejagten.

Die beiden Jäger in diesem Film holen nämlich wieder alles raus, was dem Gejagten „fehlt“: Ma Dong-seok, den ich vor allem durch seine großartige Rolle in „Train to Busan“ kenne, ist als Gangster mit klaren Moral-Vorstellungen super. Sein Jang ist ein harter Kerl, der sich nicht zu schade ist, auch mal selbst anzupacken (wir sehen ihn das erste Mal, wie er mit einem Boxsack trainiert, nur um dann festzustellen, dass in dem Sack ein Typ gefangen war). Wenn Jang loslegt, stoppt ihn nicht einmal eine Tür. Dieser Typ ist ein Tier und dann in der nächsten Szene wieder sehr kultiviert und schon fast vornehm. Ma spielt diesen Gangster unglaublich gut. Ihm gegenüber steht Kim Mu-yeol, der einen etwas fragwürdigen Cop spielt. Einen guten Cop, ohne Frage, aber eben einen, der nach seinen eigenen Regeln spielt. So haben wir dann ein spannendes Duo auf der Jagd, die sich in bester Tom-und-Jerry-Manier auch mal die Fresse einschlagen, die nicht immer gut als Team funktionieren, die aber, wenn es sein muss, gut zusammenarbeiten können.

Dank dieser beiden Hauptdarsteller und ihrer Chemie macht „TGTCTD“ wirklich Spaß. Der Film erinnert gerade zum Ende hin etwas mehr an Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, wenn wir sehen, wie Gangster auf die Suche gehen und wie die Polizei vorgeht. Nur im Gegensatz zu Lang arbeiten hier Gangster und Polizei mehr oder weniger gut zusammen.

Das Finale ist etwas holperig und versucht noch einmal mit ein paar Wendungen zu punkten, die meiner Meinung nach gar nicht unbedingt nötig gewesen wären. Doch wenn man dann die Schlusssequenz des Films sieht, ist man auch damit zufrieden. „TGTCTD“ ist ein guter, kurzweiliger Thriller, der sich auch mal Zeit für die heitere Momente nimmt (bei dem Duo musste das auch einfach sein), dann aber auch wieder weiß, wann er ernst zu sein hat.

Ich bin mal gespannt, ob Sylvester Stallone, der das Remake produzieren wird, dem gerecht werden kann. Positiv fürs Remake ist schon mal, dass Ma Dong-seok auch hier wieder die Rolle des Gangsters übernehmen wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (starkes Duo jagt den Teufel in einem packenden Korea-Thriller)

Ultra Violence a la Korea

9. April 2021

Mit diesem Begriff bezeichnet Alex in „A Clockwork Orange“ seine Art der Gewalt – sie ist halt einfach ultra. Sie kommt in Schüben und unerwartet und ist dabei extrem brutal. „Ultra Violence“ passt aber auch gut zum koreanischen Action-Film „THE VILLAINESS“ von Jung Byung-gil, den ich nach Ewigkeiten auf meiner Watchlist endlich mal geschaut habe.

Die schon seit ihrer Kindheit als Killerin trainierte Sook-hee (Kim Ok-bin) wird von der Polizei festgenommen, nachdem sie im Alleingang eine komplette Gangsterbande eliminiert hat. Davon mehr als nur schwer beeindruckt, wird sie vom Geheimdienst rekrutiert und weiter ausgebildet. Anfangs macht sie das zwar nur widerwillig, aber Sook-hee ist schwanger und man verspricht ihr, sie nach 10 Jahren aus dem Dienst zu entlassen. Also lässt sie sich drauf ein. Hartes Training und eine plastische Chirurgie, um ihr Aussehen zu verändern später wird aus Sook-hee die Schläferin Chae Yeon-soo, die auf Abruf für ihre Chefin morden soll. Ihr Nachbar Lee Jong-sang (Shin Ha-kyun) interessiert sich sehr für die junge Frau und die beiden verlieben sich. Was Sook-hee aber nicht weiß: Lee Jong-sang gehört zum Geheimdienst. Doch das ist alles egal, denn mit einem Auftrag wird Sook-hee von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Allein die ersten zehn Minuten von „The Villainess“ sind schon grandios. Action pur – und das auch noch in Ego-Shooter-Perspektive aus Sook-hees Sicht. Zehn Minuten lang dürfen wir bei ihrer Ultra Violence mit dabei sein, wie sie sich einfach nur durch Horden von Kerlen metzelt. Die Kamera ist immer mitten im Geschehen, alles geht unglaublich schnell. Alles sieht unglaublich stylish aus. Mein erster Gedanke war einfach nur: „Wow!“ und danach: „Wenn das so weitergeht, wird dieser Film großartig!“ Was Regisseur Jung Byung-gil und vor allem sein Kamera-Mann Park Jung-hun hier als Eröffnung abliefern, zieht einem förmlich die Schuhe aus. Das ist handgemachte Action, das sind geile Schnetzeleien – und das alles rasant inszeniert.

Leider verliert sich „The Villainess“ danach in einer zu kompliziert erzählten Geschichte, die eigentlich gar nicht so kompliziert ist. Nur weil es ständig Zeitsprünge gibt und man sich bei jeder Rückblende erst mal orientieren muss, wird es halt alles etwas anstrengender. Was echt schade ist, die Story wird unnötig verschachtelt… möglicherweise um ein wenig zu vertuschen, dass sie dann doch so gesehen nichts großartiges Neues zu bieten hat. Es ist ein bisschen „Nikita“, es ist ein bisschen „Red Sparrow“ (nur ohne den Sex), es ist ein bisschen was von jedem x-beliebigen Agenten-Thriller – gewürzt mit einer sehr persönlichen Story, die aber Haken schlägt wie ein Hase, der gejagt wird. „The Villainess“ verlangt eure ganze Aufmerksamkeit, wird ihr aber nie so wirklich gerecht. Auch die Liebesgeschichte wirkt einfach nur müde rangeklatscht… da hätte man mehr draus machen können.

Aber gut, mal abgesehen von der komischen Erzählweise einer relativ klassischen Agenten-Story punktet „The Villainess“ durch seine Action und die wirklich großartige Kim Ok-bin. Dass sie sich im Kampfsport auskennt (laut Wiki hat sie da einiges auf dem Kasten – und wir vertrauen Wiki doch immer blind), merkt man. Sie spielt ihre Rolle wirklich gut und glänzt einfach in den ultra-brutalen Kampfsequenzen, die aber auch ein Fest sind. Was hier an Action geboten wird, macht wirklich Spaß. Das, was man in den ersten zehn Minuten gesehen hat, zieht sich action-technisch durch den ganzen Film.  Das Blöde ist nur, dass die Action wegen der Story, die sich im Mittelteil des Films ganz schön zieht, etwas zu kurz kommen. „The Villainess“ hätte einfach so eine halbe Stunde kürzer sein können. In diesem Fall muss ich es mal wirklich so plump sagen: „Weniger labern, mehr Action“ wäre einfach perfekt gewesen. Action kann Jung Byung-gil. Action kann auch Kim Ok-bin. Die perfekte Mischung… nur halt mit zu viel kompliziert gemachter Story.

Wertung: 7 von 10 Punkten (allein wegen der ersten zehn Minuten und wegen dem Endfight lohnt sich ein Blick)

Der Whisperer-Krieg

7. April 2021

Ich glaube, so lange habe ich noch nie gewartet, um die Kritik für eine Staffel von „The Walking Dead“ zu schreiben. Wenn ich bedenke, dass die im Oktober 2019 begann und wir jetzt April 2021 haben, ist das schon verrückt. Allerdings auch nicht so verrückt, wenn man mal überlegt, dass wir seit über einem Jahr in einer Pandemie stecken, die übliche Mid-Season hatten, dann sieben Monate (aufgrund besagter Pandemie) auf die finale, 16. Folge warten mussten und es dann auf einmal noch hieß, es würde noch sechs weitere Folgen geben. Ich hatte nach Folge 16 schon im Oktober 2020 überlegt, die Kritik zu schreiben – aber wenn die Extra-Episoden zur Staffel zählen würden, konnte ich ja nicht einfach eine Kritik schreiben. Also wartete ich wieder brav (nur dieses Mal hatte sich das Warten so überhaupt nicht gelohnt… schon mal vorweg: abgesehen von zwei Episoden sind die Extra-Folgen der letzte Rotz gewesen)… und jetzt kann ich endlich mal sagen, wie ich Staffel 10 von „THE WALKING DEAD“ fand, die vorletzte dieser Serie.

Nachdem die Anführerin der Whisperers Alpha (Samantha Morton) ihre grausige Mauer mit den Köpfen von Gemeindemitgliedern gezogen hat, ist das Leben von Daryl (Norman Reedus), Michonne (Danai Gurira) und Co. etwas besser geworden. Die Whisperers sind immer noch eine Gefahr, aber man hat sich nun auf sie vorbereitet. In den Monaten seit dem Finale von Staffel 9 wurde viel trainiert… die Ruhe vor dem Sturm ist mehr als nur trügerisch. Besonders Carol (Melissa McBride) will sich endlich an Alpha rächen – und so eskaliert es dann auch schon bald und der Krieg gegen die Whisperers fordert zahlreiche Opfer.

Staffel 10 hat etwas geschafft, was ich nicht unbedingt für möglich gehalten hätte: Sie hat den Krieg gegen die Whisperers aus den Comics so enorm verbessert, dass die dagegen echt abstinken. Showrunnerin Angela Kang nimmt die wichtigsten Versatzstücke aus Robert Kirkmans Vorlage und macht sie besser: Alpha bekommt eine Art Vorgeschichte, die ihrem Charakter echt nochmal eine Menge Tiefgang beschert. Selbst Beta wird unter Kang nicht einfach nur eine riesige Kampfmaschine, sondern nachvollziehbar (und bekommt allgemein auch einen besseren Handlungsbogen als in den Comics). Neuzugang Thora Birch als dazu gedichtete Whisperer-Kriegerin Gamma passt wunderbar in die Story, um uns als Zuschauer auch das Leben dieser Horde etwas näher zu bringen. Bei Kirkman waren das alles einfach nur blinde Verehrer Alphas, die Serie lotet auch die Untiefen dieser „bedingungslosen“ Loyalität wunderschön aus. Die ganze Negan-bei-den-Whisperers-Nummer ist auch in der Serie stärker ausgearbeitet als es Kirkman für nötig gehalten hat (auch wenn ich eine angedeutete Sex-Szene zwischen Negan und Alpha nun wirklich nicht gebraucht habe).

Die Serie schafft es wirklich, diesen Konflikt gegen Alpha, Beta und deren Whisperers spannend und packend zu erzählen. Auch was in unseren Gemeinden passiert, ist wirklich sehr stark – am spannendsten ist gerade in der ersten Hälfte alles rund um Siddiq (Avi Nash) und seinen neuen besten Buddy Dante (Juan Javier Cardenas), wo sich wirklich mal wieder zeigte, wie gut Angela Kang mit diesen Charakteren umgehen kann. Leider funktioniert das nicht überall… gerade Melissa McBride als Carol ging mir ab der zweiten Hälfte der Staffel mehr und mehr auf den Keks (auch wenn ich alles zwischen ihr und Negan echt gut fand). Aber mal abgesehen davon hat auch Staffel 10 echt viel Spaß gemacht. Die Action war super, die Charakter-Momente waren stark und vor allem der Abschied von Michonne wurde – ähnlich wie die Rick-Folge in Staffel 9 – wirklich gut gemacht (bleibt nur die Hoffnung, dass wir diese Beiden in der elften Staffel irgendwie nochmal in der Serie sehen).

Eigentlich war auch Staffel 10 wirklich ein Fest und ein Zeugnis dafür, wie gut Angela Kang das Ruder nach dem vorherigen Showrunner Scott Gimple und dem Ausstieg von Andrew Lincoln als Rick und dem Tod von Carl und dem Ausscheiden von Lauren Cohan als Maggie herumgerissen hatte. Doch dann kamen diese Extra-Episoden…

… die wurden unter Corona-Bedingungen und -Auflagen gedreht, weswegen jede Folge sich nur um zwei, drei Charaktere dreht. Eigentlich nicht schlimm. Sowas kann „The Walking Dead“ auch. Aber es fing schon mit der lahmen Wiedereinführung von Maggie an, in der man uns fünf Minuten mal erzählt, wo sie bisher war. Danach bekommt Daryl eine Liebschaft in Rückblenden, die Princess-Folge beim Commonwealth war echt einfach nur Verarsche. In der zweiten Folge mit Carol und Daryl geht’s um Taschenmesser, eine Ratte und Suppe. Alles absolut langweilig und lahm erzählt. Nur die Folge mit Gabriel (Seth Gilliam) und Aaron (Ross Marquand) fand ich stark – und die letzte Folge mit Negan (Jeffrey Dean Morgan) sogar richtig gut und bei der zeigte sich dann auch wieder, dass die Serie die Comics sogar noch besser machen kann. Der „Here’s Negan“-Comic ist langweilig, unnötig und erzählt nichts, was man nicht vorher schon wusste. Die Folge bekämpft dieses Problem mit einer interessanten Erzählstruktur und einfach dem unglaublichen Charisma eines Jeffrey Dean Morgan, der hier mit seiner Frau Hilarie Burton wirklich ordentlich was abliefert.

Doch leider beschmutzen die sechs Extra-Episoden das gute Bild der zehnten Staffel – weil sie sich als vollkommen unnötig erweisen und einfach keine guten Charakter-Geschichten erzählen. Dennoch muss ich sie mit in die Wertung mit reinnehmen…

Wertung: 8 von 10 Punkten (bei einem Rewatch sollte man die Extra-Folgen einfach rauslassen)

Verteidiger des Erdenreichs

5. April 2021

Videospiel-Verfilmungen haben es echt nicht leicht. Wenn die Spiele an sich story-getrieben sind, wird es schon mal schwer. Denn als Spieler erlebe ich die Story selbst, während ich sie beim Zugucken nicht selbst beeinflussen kann. Man nimmt mir die Kontrolle und macht mich wirklich nur zu einem Zuschauer. Wenn man dann so reine Action-Spiele hat, wird es schwer, dem Ganzen eine sinnige Geschichte zu geben. Deswegen funktioniert sowas wie „Need for Speed“ oder „Doom“ auch einfach nicht. Es ist schwer, da wirklich einen Punkt zu finden, der alles gut miteinander verknüpft. Doch jetzt bin ich dank eines Freundes zu einem Film gekommen, der eigentlich hätte perfekt sein können: weil seine Vorlage eine erstaunlich interessante Geschichte liefert, aber auch gute Action. Doch leider ist es Paul WS Anderson in seinem „MORTAL KOMBAT“ nicht ganz so gelungen, das wirklich rüberzubringen.

Die Erde ist in Gefahr. Der Imperator von Outworld will endlich die Erde für sich haben. Um das jedoch irgendwie zu verhindern, wird seit Jahrhunderten das Mortal Kombat durchgeführt… ein Wettkampf, bei dem die besten Kämpfer gegeneinander antreten, um das Schicksal des Erdenreichs zu entscheiden. Neun Mal hat der Imperator unter der Führung von Shang Tsung (Cary-Hiroyuki Tagawa) schon gewonnen, ein Sieg noch und die Erde gehört dem Imperator. Das kann Lord Raiden (Christopher Lambert), Gott des Donners (und nein, nicht Thor) und Beschützer des Erdenreichs, natürlich nicht zulassen. Deswegen holt er sich drei fähige Kämpfer von der Erde: Liu Kang (Robin Shou), der den Tod seines Bruders durch Shang Tsung rächen will; Johnny Cage (Linden Ashby), ein Schauspieler, der allen zeigen will, dass er wirklich so kämpfen kann wie in seinen Filmen und Sonya Blade (Bridgette Wilson), die den Mörder ihres Partners verfolgt.

Ich habe „Mortal Kombat“ nie gespielt, war jetzt aber im Nachhinein sehr überrascht, dass das Ganze für ein Beat ‘Em Up Spiel doch eine recht ausgeklügelte Hintergrundgeschichte hatte, die sich wirklich sehr dafür anbietet, das Ganze mal in einen Film zu packen. Demnächst kommt ja irgendwann auch das Reboot / Remake unter Produzent James Wan in die (Heim)Kinos, da musste ich einfach mal gucken, was Paul WS Anderson in seinem ersten großen Film vor „Resident Evil“ und „Event Horizon“ daraus gemacht hat.

Dabei geht es mir ein bisschen wie damals mit „Warcraft“ – ich kenne mich mit den Spielen so überhaupt nicht aus, weswegen ich da jetzt mal etwas unvoreingenommener rangehen kann. Und auch wenn der Film nicht perfekt ist, macht er doch Spaß. Dabei hat er natürlich das Problem der Story: Die Mythologie erscheint so viel mächtiger zu sein als der Murks, den man uns da im Film zeigt. Aber hätte man sich mehr auf das gestürzt, wäre das Mortal Kombat an sich zu kurz gekommen. Schwierige Nummer, aber dennoch hätte ich mir gewünscht, man hätte uns ein bisschen mehr von diesen Welten gezeigt. Stattdessen haben wir einen Christopher Lambert mit furchtbarem Batman-Tenor, der uns einfach alles erzählt und das war’s.

Auch die Backstories der drei Helden wird ziemlich schnell durchgewunken. Ich verstehe, dass man wahrscheinlich möglichst viele Fan-Favoriten in den Film einbauen wollte, aber auch das wirkt hier sehr übereilt. Innerhalb von zehn Minuten klatscht uns Anderson die einzelnen Hintergründe hin. Aber gut, es reicht zwar vollkommen für die Story des Films aus, hätte aber auch wieder cooler erzählt werden.

Wo der Film dann aber doch punkten kann, ist bei den Sets und den Kämpfen. Die Sets liefern einem wirklich das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein. Die Kämpfe finden auf unterschiedlichen Arenen statt und so hat man immer mal wieder einen neuen Hintergrund, vor dem sich gekloppt wird. Diese Klopperei selbst macht dann tatsächlich auch mehr Spaß, als ich es erwartet hätte. Zwar wirken die CGI-Effekte heute mehr als nur billig, aber man kann noch gut drüber weg sehen und sich ein bisschen daran amüsieren. Den eigentlichen Kämpfen schadet das Ganze aber nicht. Die sind abwechslungsreich… wenn auch ein bisschen lahm und sehr familienfreundlich. Bei einem Spiel wie „Mortal Kombat“ braucht es da schon wirklich ordentliche Action (ein Gareth Evans und sein „The Raid“-Team hätten mal so einen Film machen sollen).

Nichtsdestotrotz ist „Mortal Kombat“ ein unterhaltsamer und vor allem kurzweiliger Film, der nicht alles perfekt macht, aber so als Videospiel-Adaption das mit dem Kloppen ganz gut hinbekommt. Gleichzeitig ist es ein Film, der durchaus ein Remake mit besseren Choreografien, mehr Gewalt und cooleren Effekten verdient hätte (ich bin mal sehr gespannt).

Wertung: 7 von 10 Punkten (nettes Fantasy-Gekloppe)

Das Spiel ums Leben

2. April 2021

Escape Rooms sind schon der Shit. Vor der Pandemie war ich recht regelmäßig hier in Berlin in einigen, die wirklich auch viel Spaß gemacht haben und die gerade den Gamer in mir immer wieder in helle Aufregung versetzt haben. Schließlich fühlt sich das Ganze ein wenig an, als würde ich ein Point-and-Click-Adventure in echt spielen: Nimm Objekt, benutze Objekt mit Gummi-Ente. Wenn mich „Monkey Island“ eins gelehrt hat, dann wie ich in einem Escape Room auch noch die dümmste Variante finde, um irgendwas miteinander zu kombinieren. Doch Escape Rooms sind ja erstmal nicht mehr. Online-Escape-Room ist irgendwie nicht so toll (habe letztens einen gemacht, der war zwar ganz nett, aber einfach nicht das Gleiche). Dann spiele ich lieber die „The Room“-Rätsel-Spiele, die wirklich gut sind und dazu noch eine spannende Story erzählen. Aber auch in Filmen sind Escape Rooms mittlerweile angekommen. Wenn man es so nimmt, war ja schon „Cube“ Escape Room in Film-Form. Letztes Jahr habe ich diesen furchtbar langweiligen „Follow Me“ Influencer-Horror-Quatsch gesehen… jetzt habe ich mir mal „ESCAPE ROOM“ auf Netflix gegönnt, der 2019 in die Kinos kam.

Zoey (Taylor Russell), eine in sich gekehrte Physik-Studentin, Ben (Logan Miller), ein erfolgloser Supermarkt-Lagerarbeiter; Amanda (Deborah Ann Wolf), ein Irakkriegsveteranin; Mike (Tyler Labine), ein Lastwagenfahrer; Jason (Jay Ellis), ein erfolgreicher Geschäftsmann und Danny (Nik Dodani), ein Escape-Room-Experte treffen sich bei einem hoch exklusiven Escape-Room-Spiel. Dieses Spiel soll sich angeblich so realistisch anfühlen wie nichts, was sie zuvor erlebt haben. Und tatsächlich erweisen sich die ersten paar Räume nicht nur als sehr realistisch, sondern auch als wirklich tödliche Fallen… und schon bald rätseln die Teilnehmer nicht nur um ihr Leben, sondern auch, warum ausgerechnet sie ausgewählt wurden. Denn auch wenn sie alle sehr verschieden sind, verbindet sie eine Gemeinsamkeit.

Adam Robitel schickt uns zu Beginn in ein wirklich unterhaltsames Escape-Room-Szenario, das in vielerlei Hinsicht punkten kann. Die einzelnen Räume sind sehr cool gestaltet und inszeniert: die Hütte im Winter war cool, die auf dem Kopf stehende Bar hatte auch was, der sich drehende Drogenraum war sehr trippy und und und… Robitel geht in dem Konzept eines Escape Rooms in „Escape Room“ wirklich auf. Dazu liefert uns auch als Zuschauer so ein bisschen die Möglichkeit, mitzurätseln. Zumindest müssen halt einfach verschiedene Objekte gefunden und kombiniert werden. Auch da tobt sich der Film schön aus und liefert in jedem Raum spezifische und interessante Varianten an. Dazu kommt dann der Spannungsaufbau, wenn unsere Protagonisten um ihr Leben kämpfen müssen und jeder Fehler den Tod bedeuten könnte.

Gerade in seinen Anfängen hat mir „Escape Room“ wirklich Spaß gemacht. Das war so ein bisschen wie „Now You See Me“: schnelle, gute Action, damit ja nicht zu lange über irgendwas nachdenkt. Was dazu sehr gut beigetragen hat, waren die Schauspieler, die in meinen Augen wirklich gut miteinander harmoniert haben und ihre einzelnen Rollen schön ausgebaut haben. Die waren eine gute Mischung aus allen möglichen Charakteren, die gezwungen sind, zusammenzuarbeiten. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich mir bei denen etwas mehr Zwiespalt gewünscht hätte. Die sind erstaunlich schnell alle auf einem Nenner und nicht, wie sonst so üblich, auf das Prinzip „Jeder ist sich selbst der Nächste“ fixiert. Escape Rooms sorgen halt doch einfach für eine gute Gruppendynamik. Zwar liefert der Film natürlich auch hier und da kleinere Reibereien, aber davon hätte es von mir aus echt gerne noch ein wenig mehr geben können.

Wo mich der Film dann ein bisschen kaltgelassen hat, war bei der dann recht 08/15-Auflösung, die mich nicht sonderlich beeindrucken konnte. Die Auflösung ist so eine typische Offenbarung, die mir in diesem Fall aber ein bisschen den Film kaputt gemacht hat… nicht zuletzt auch deswegen, weil dieser ganze Film kein gutes Ende liefert, sondern so penetrant und frech auf seinen zweiten Teil verweist, dass „Escape Room“ an sich nur wie das große Intro für die Fortsetzung wirkt. Die soll ja mit „Escape Room 2“ auch tatsächlich 2022 in die Kinos kommen… aber wie gesagt, ich hätte mir eher gewünscht, „Escape Room“ hätte sich in sich geschlossener angefühlt. So baut das Ganze direkt einen Cliffhanger ein, bei dem ich mich schon fast gezwungen fühle, mich auf Teil 2 „freuen“ zu müssen, um endlich die volle Story zu erfahren. Irgendwie ein blöder Move…

… trotzdem ist „Escape Room“ so in seiner Action und in seinem Spannungsaufbau an sich ein unterhaltsamer Film, den man sich mal geben kann. Letztendlich hängt jetzt für mich aber alles so ein bisschen an Teil 2, wie das alles zusammenhängend wirkt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (unterhaltsame Eröffnungssequenz für Teil 2)