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Das Herz von Atlantis

21. Februar 2018

Atlantis – das erste Bild, dass sich von dieser sagenumwobenen Stadt in meinem Kopf gebildet hat, verdanke ich unserem aller Lieblingsarchäologen Indiana Jones. Mein Gott, was habe ich „Fate of Atlantis“ geliebt (und mir insgeheim immer gewünscht, Teil 4 der Film-Reihe hätte einfach eine Verfilmung des Spiels sein können – aber ist es ja dann doch nicht geworden, wie wir ja alle leider nur zu gut erfahren haben). Doch je mehr ich jetzt so darüber nachdenke: Wirklich viel von Atlantis hat man da auch nicht gesehen – gut, war halt eine versunkene Stadt, aber es hatte immerhin das Gefühl dieser aus mehreren Kreisen angeordneten Stadt gut übertragen – auch wenn man natürlich viel mehr damit beschäftigt war, diese doofen Nazis davon abzuhalten, das Geheimnis von Atlantis für sich zu beanspruchen. Ein sehr viel schöneres Bild der untergegangenen Stadt lieferte 2001 ausgerechnet Disney – in einem für das Studio doch eher ungewöhnlich, aber nicht weniger tollen Film: „Atlantis: The Lost Empire“.

Der junge Linguist Milo Thatcher (im Original: Michael J. Fox) hat ein geheimnisvolles Manuskript gefunden, dass angeblich den Weg nach Atlantis beschreibt. Natürlich glaubt ihm anfangs niemand diese absonderliche Geschichte, doch schon bald findet er jemanden, der ihm ein Expeditionsteam zur Verfügung stellt. Und so macht sich Milo auf den Weg, um Atlantis zu finden, das er dann auch tatsächlich entdeckt. Die Prinzessin Kida, die schon seit über 8000 Jahren lebt, heißt die Expedition auch willkommen, denn Milo ist der Einzige, der Atlantisch lesen und ihr vielleicht helfen kann, ihr Volk zu retten. Doch leider hat Milos Expeditionsleiter Commander Rourke ganz andere Pläne.

Unterwasser-Sightseeing

Ich habe damals „Atlantis“ gesehen, als er in die Kinos kam und wusste nicht so wirklich, was mich erwarten sollte. Stand Disney drauf, ich hatte also erwartet, dass das Ganze mit viel Gesang und Tanz und einer taffen Prinzessin abgespult wird, die sich dann unsterblich in den jungen Milo verliebt. Sprich: So eine Art Unterwasser-Pocahontas. Doch Pustekuchen! „Atlantis“ wirkt wie ein sehr erwachsener Film. Allein wenn man mal überlegt, dass bei einem ersten großen Höhleneinsturz relativ früh zu Beginn des Films mal eben mehr als 50 Prozent der Expeditionsteilnehmer sterben. Für einen Disney-Film dann doch recht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist halt auch, dass Milo die ganze Zeit im Vordergrund steht – und dabei aber auch nicht Aladdin-mäßig ein taffer Held, sondern doch ein schüchterner Bücher-Wurm ist, der mit seinen Aufgaben erst wachsen muss. Dafür ist dann sein Team herrlich Disney: von dem stinkenden, aber sympathischen Buddler Boudelaire über den Sprengstoff-Experten Vinny bis hin zur Funkerin Ms. Packard (die in der deutschen Version zwar sehr schön Berliner Dialekt von sich gibt, aber dadurch gefühlt noch weniger in diese Welt reinpasst) und die Technikerin Anna. Es ist hauptsächlich dieses Team, dass den Humor in „Atlantis“ verkörpert, aber auch hier ist es wieder weniger so ein Slapstick-Humor (den es auch gibt), sondern auch ein Humor, der viel durch das Gesagte übermittelt wird. Auf niedliche Tiere wird in „Atlantis“ als Sidekicks verzichtet.

Womit der Film dann wirklich so richtig punktet, ist der erste Blick auf Atlantis selbst. Hier konnte ich mir aber jetzt – beim zweiten Mal Gucken – es nicht verkneifen, ständig an Miyazakis „Das Schloss im Himmel“ zu denken. Und das jetzt nicht nur wegen der Roboter. Ich weiß auch nicht, tatsächlich hat der Film in mir ein ähnliches, faszinierendes Gefühl ausgelöst wie Miyazaki. Diese Stadt sieht einfach so toll aus, dass man am liebsten den Rest des Films damit verbringen möchte, sie einfach in Ruhe zu erforschen. Gut, und dann gibt es da natürlich noch das Herz von Atlantis, das schon sehr stark an das Herz von Laputa erinnert. Man könnte schon sagen, dass Disney sich stark hat inspirieren lassen von der Stadt im Himmel, um die Stadt unter Wasser zu erschaffen. Woran ja nichts verwerfliches ist, Hauptsache, es ist eine tolle Entdecker-Erfahrung damit verbunden, diese sagenumwobene Stadt zu sehen.

In Atlantis gibt es dann auch endlich die taffe Disney-Prinzessin, die sich aber auch wohltuend von ihren üblichen Disney-Vertreterinnen abgrenzt, in dem sie halt nicht auf der Suche nach der großen Liebe ist, sondern erst einmal damit zu tun hat, ihr Volk zu retten. Kida ist eine aufgeschlossene junge Frau, die den Staub der Jahrtausende aus Atlantis entfernen will und Risiken eingeht, die nicht immer gut für sie sind (und ja, ein bisschen was hat sie auch von Sheeta aus „Das Schloss im Himmel).

„Atlantis: The Lost Empire“ ist erfrischend anders als übliches Disney-Kino, es ist mehr Action-Abenteuer als Fantasy-Musical (denn gesungen wird halt einfach mal gar nicht), es wird mehr getragen von starken Charakteren, die nicht auf der Suche nach der Liebe sind und es steht gefühlt auch sehr viel mehr auf dem Spiel als sonst meist üblich.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein tolles Atlantis mit ordentlich Action und Abenteuer – Indy wäre sicherlich stolz)

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6 Meilen durch die Schneehölle

19. Februar 2018

Ich kann mich schon gar nicht mehr so richtig daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen klassischen Thriller im Kino gesehen habe. Ich habe darüber wirklich lange nachgedacht und konnte mich an nichts mehr so wirklich erinnern. Mit Thriller meine ich jetzt aber eher so was in die Richtung „Das Schweigen der Lämmer“ – halt mehr Mörder-Krimi, wie auch immer ihr es nennen mögt. Ich kann mich erinnern, dass ich „Schneemann“ mit Michael Fassbender vom Trailer furchtbar interessant fand, bis dann vermehrt die Kritiken sagten, was für ein furchtbarer Film das sein würde. Und als ich zuletzt „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ sah, wurde ich hellhörig. Da lief der Trailer zu „Wind River“ und das sah genau nach dem aus, was ich sehen wollte. Geguckt habe ich ihn jetzt und doch wesentlich mehr bekommen, als ich dachte.

Fährtenleser und Jäger Corey Lambert (Jeremy Renner) findet im eisigen Wyoming im Wind River Reservat die Leiche der 18-jährigen Natalie (Kelsey Asbille). Das Mädchen wurde vergewaltigt und rannte danach barfuß und halbnackt 6 Meilen durch die Schneehölle, bevor sie starb. Die unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) soll ermitteln, doch ist sie auf die Hilfe von Lambert angewiesen. Der verfolgt aber seine ganz eigenen Ziele, erinnert ihn der Tod von Natalie doch zu stark an den nicht aufgeklärten Tod seiner eigenen Tochter.

Scarlet Witch und Hawkeye ermitteln ohne Avengers

„Wind River“ macht einem erst einmal mit einem „Inspiriert durch wahre Ereignisse“ deutlich, dass diese Geschichte gleich ein wenig schwerer zu schlucken sein wird. Regisseur Taylor Sheridan will die Geschichte der Indianer erzählen und vor allem von den Frauen, die jedes Jahr verschwinden und deren Fälle nie wirklich offiziell bearbeitet werden. Dabei muss sich „Wind River“ natürlich schon der berechtigten Frage stellen, warum dieses Thema durch die Augen von Jeremy Renner und Elizabeth Olsen betrachtet wird, zwei Darsteller, die nun wirklich keine indianischen Wurzeln haben. Eine berechtigte Frage, doch Sheridan findet seine Wege, darauf eine Antwort zu liefern, die sicherlich nicht alle befriedigen wird. Ja, es ist etwas merkwürdig, aber es sollte nun auch nicht zu sehr vom Film ablenken.

Der zieht einen nämlich verdammt schnell in seinen Bann. Das Beeindruckende an „Wind River“ sind in erster Linie wirklich die Bilder. Sheridan fängt diese eisige Kälte, den Schnee, die Berge in frostig-schönen Bildern ein. Er schwelgt in dieser wunderschönen Natur, die mit ihrer Kälte widerspiegelt, worum es eigentlich geht. Dazu kommt dieser melancholische Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis (nicht der Comic-Autor, wie ich zuerst dachte) und diese Kombination allein sorgt für eine Sogwirkung, die einen nicht wieder loslässt. Man bleibt in diesen Bildern, in dieser Musik, in dieser grausamen Welt gefangen.

Jeremy Renner liefert dazu eine großartige Performance ab. Er ist der berechnende Jäger, der seine Beute methodisch jagt, der auf Rache sinnt, ohne dabei den Kopf zu verlieren. Gleichzeitig kämpft er aber auch mit seinem Inneren, trauert um seine Tochter und versucht irgendwie, sein normales Leben zu leben. Renner hat mir wirklich gut gefallen, weil sein Lambert ein der Umgebung und der Situation angepasster Typ war. Er ist die Sorte schweigsamer, eiskalter Held mit dem Herz am rechten Fleck. Der auch dann kämpft, wenn er für sich selbst vielleicht keinen Nutzen daraus ziehen kann. Hauptsache, Gerechtigkeit siegt am Ende – seine Art der Gerechtigkeit.

Elizabeth Olsen stinkt dagegen leider etwas ab. Das liegt aber nicht daran, dass sie sich keine Mühe gibt, neben ihrem Avenger-Kollegen zu punkten. Ich glaube, das Problem liegt eher am Skript. Sheridan wollte mit Olsens Banner wohl so etwas wie eine Clarice Starling erschaffen – eine junge, unerfahrene Agentin, die eigentlich komplett überfordert sein sollte. Problem in „Wind River“ ist: Banner ist eigentlich für die Story vollkommen unnötig. Der ganze Film hätte auch die Jeremy-Renner-Show sein können, der als einsamer Wolf nach den Mörder der jungen Natalie sucht. Ist es am Ende auch, nur ist Olsen halt auch noch irgendwie dabei. Was schade ist, die beiden haben eine gute Chemie, da hätte man aus ihr schon ein wenig mehr machen können.

Was man dazu auch noch sagen muss, ist, dass „Wind River“ am Ende gar nicht sooo die großartige Mörder-Krimi-Story ist. Die Geschichte ist recht simpel gehalten, die Ermittlungen gehen recht schnell vonstatten – grob gesagt, ist „Wind River“ nichts, was storytechnisch überwältigt – so richtig kommt dieses „Jagdgefühl“ einfach nicht auf. Am Ende ist es einfach die Optik, die Aufmachung, der Mix aus Bild und Musik und ein guter Jeremy Renner, die „Wind River“ nicht langweilig werden lassen. Der schöne Schein hält perfekt von Minute Eins bis zum Ende. Erst danach bröckelt das Bild dann ein bisschen…

Wertung: 7 von 10 Punkten (wunderschön fotografiert, so schön, dass man sogar die recht simple Story vernachlässigen kann)

Wakanda forever!

16. Februar 2018

Es ist tatsächlich endlich passiert. Ich bin satt. Satt von all den Superhelden-Filmen. Ich habe mich wirklich gefragt, wann diese Erscheinung bei mir eintreten wird, habe mich gefragt, ob es jemals wirklich passieren könnte. Und ja, in der Vorstellung zu Marvels nunmehr 18. Film „Black Panther“ schlich sich bei mir der Gedanke ein, dass ich langsam satt bin. Dazu vorweg: Ich mag den Film wirklich sehr und dazu komme ich ja gleich auch noch, aber dieses Sättigungsgefühl hat sich mit diesem Film nun in meinen Kopf geschlichen. Genau so ging es mir tatsächlich irgendwann auch mit den Comics. Ich brauchte einfach mal eine Pause von übermächtigen Helden und fiesen Schurken. Diese Pause brauche ich jetzt wohl auch von Superhelden (was mich trotzdem nicht davon abhalten wird, mir die Filme weiterhin anzuschauen – ein irrsinniges Paradoxon). Aber ich fange am besten mal ganz in Ruhe an.

Wir kennen T’Challa (Chadwick Boseman) ja bereits aus seinem ersten wirklich coolen Auftritt in „Civil War“, wo er den Winter Soldier (Sebastian Stan) für den Mord an seinem Vater, dem König von Wakanda, verantwortlich machte. In „Black Panther“ kehrt T’Challa nun in dieses sagenumwobene Land zurück – ein Land, dass das des wertvollen Metalls Vibranium dem Rest der Welt technologisch extrem weit voraus ist, aber auch ein Land, in dem alte Traditionen mit Würde aufrecht gehalten werden. Hier wird T’Challa nun zum König und zum Black Panther, doch muss er seinen Thron nicht nur gegen den Wilderer Ulysses Klaue (Andy Serkis) verteidigen, sondern auch gegen den gefährlichen Erik Killmonger (Michael B. Jordan), der Wakanda in seinen Grundfesten erzittern lassen will.

Miauuuu

„Black Panther“ ist ein großartiger Film, vor allem, weil er eigentlich aus diesem ganzen Sammelsurium von Marvel-Filmen enorm heraussticht. Wann hatten wir schon mal einen Helden, der gleichzeitig ein König war? Der sich nicht nur ums Heldsein kümmern musste, sondern auch noch um das Wohlergehen seines Volkes? „Black Panther“ bietet vielleicht den ersten Superhelden, der tatsächlich schwer an seinen zwei Rollen – im Kostüm und ohne Kostüm – zu knabbern hat. T’Challa hat wichtigere Entscheidungen zu treffen als jeder Marvel-Held vor ihm… und das, ohne ein Kostüm anzuhaben. Allein das ist schon verdammt cool. Ich habe in vielen Kritiken den Vergleich zu „Der Pate“ gelesen – und ja, es ist etwas weit hergeholt, aber es passt eigentlich ganz gut. Wie Michael Corleone ist T’Challa nicht scharf auf seine neue Aufgabe, aber er stellt sich ihr.

Dazu kommt mit Erik Killmonger mal wieder ein Antagonist, der dem Ganzen ebenbürtig ist. Killmonger, wenn man denn einmal seine ganze Geschichte kennt, ist nachvollziehbar – man versteht seinen Zorn, man versteht, warum er so drastisch reagiert. Er ist ein Schurke, der ein wenig an Vulture aus „Spider-Man: Homecoming“ erinnert: Er wurde in eine Situation gedrängt, die er nicht beeinflussen konnte und hat sich dann etwas zu sehr seiner Wut ergeben. Und gibt T’Challa mit seinen Taten zu denken: Wie soll man umgehen mit den Errungenschaften von Wakanda, die man vor der Welt geheimgehalten hat? Sollte man teilen? Wie gefährlich könnte dieses Teilen werden? Also tatsächlich wird „Black Panther“ zu einem Film, der einen doch sehr zum Nachdenken anregt, der im Gedächtnis bleibt, weil er doch ein paar mehr Fragen aufwirft als man es sonst von einem Marvel-Film erwarten würde.

Creed“-Regisseur Ryan Coogler durfte sich – ganz wie Taika Waititi in „Thor 3“ – richtig austoben und liefert zum komischen Thor ein interessantes Kontrast-Programm, das jetzt nicht einen Witz nach dem anderen abfeuert, sondern unseren Helden auch mit sehr ernsthaften Situationen konfrontiert. Außerdem beeindruckt Coogler durch einen großartigen Cast, bei dem der Hauptdarsteller fast schon ein wenig in den Hintergrund gerät, weil eben all die anderen Charaktere so unglaublich faszinierend sind: da hätten wir Danai „Michonne“ Gurira als knallharte Generälin, Letitia Wright als Technik-Expertin, die schon fast Bonds Q Konkurrenz machen könnte, Lupita Nyong’os Naika ist eine coole Spion und Andy Serkis, der als Klaue einen umwerfenden Nebenschurken in diesem Film abliefert. Der Cast ist wirklich stark und trägt enorm zur Story bei. Es geht halt nicht nur um den Black Panther, sondern eben auch um Wakanda (das, nebenbei bemerkt, verdammt gut aussieht – diese Mischung aus Futurismus und Altem ist wirklich gekonnt inszeniert).

Doch wo, werdet ihr euch jetzt fragen, kommt bei so einem tollen Film meine Übersättigung auf einmal her? Nun ja, es ist am Ende doch die Story. Ja, klar, sie wirft interessante Fragen auf und ist zeitgemäßer und auch politischer als jeder andere Marvel-Film, aber am Ende ist es doch Comic-Buch-Schema-F: Held tritt auf, Bösewicht tritt auf, Held kommt nicht gegen scheinbar unbesiegbaren Bösewicht an, muss seine Wunden legen, Schurke scheint übermächtig. Held kommt zu irgendeiner Art Erkenntnis, stellt sich erneut dem Schurken, Held siegt. Coogler kann das zwar alles geschickt hinter tollen Charakteren und guter Action verstecken, aber am Ende ist die Story dann doch wieder einmal sehr vorhersehbar.

Wertung: 8 von 10 Punkten („Black Panther“ ist der James Bond des Marvel-Universums, der gleichzeitig auch noch König ist)

Ein Moment wahren Glücks

14. Februar 2018

Mir wurde am Anfang meiner Buffy-Odyssee versprochen, dass ich mich nur durch die erste Staffel etwas quälen müsste. Dass danach alles besser werden würde. Die zweite Staffel, so versprach man mir, wird mich dafür entschädigen, dass ich mich durch so manche lahme Folge in der ersten quälen musstest. Und ja, es würde auch einen besseren Bösewicht geben als den Master, der in der ersten Staffel versucht, Sunnydale in den Höllenschlund zu stoßen. Das alles wurde mir versprochen… und was kriege ich dann auf einmal? Dieses blöde Kind, das der Master um sich hatte – The Anointed One“ – ist immer noch. Da dachte ich schon: „Okay, wie gut kann die zweite Staffel schon werden, wenn das nervige Balg immer noch mit dabei ist?“ Wie sich herausstellte sehr gut, denn schon in der dritten Folge wird „The Annoying One“ mal eben in einer für mich sehr wohltuenden Aktion einfach mal dem Sonnenlicht ausgesetzt und wird zu Staub. „Buffy – Staffel 2“ hat mich spätestens ab dieser Folge überzeugt… doch damit war die Freude (und der Schmerz) noch lange nicht vorbei.

Staffel 2 zeigt uns Buffy (Sarah Michelle Gellar) nach dem Kampf gegen den Master, (in dem sie ja mal eben für ein paar Minuten tot war, weswegen in der zweiten Staffel mit Kendra (Bianca Lawson), ein „neuer“ Slayer auftaucht. Doch Ruhe gibt es für Buffy auch damit keine… denn zwei neue Vampire sind in der Stadt: der durchtriebene Spike (James Marsters) und seine leicht verrückte Freundin Drusilla (Juliet Landau), die durch Angel (David Boreanaz) überhaupt erst verrückt wurde. Ihn will Spike dann auch opfern, um Drusilla zu ihrer vollen Macht zurückzubringen. Das kann Buffy zwar verhindern, doch wird ihr ihre starke Verbindung und ihre Liebe zu Angel zum Verhängnis… denn der ist mit einem Fluch versehen: Verspürt er auch nur einen Moment wahren Glücks, verliert er seine Seele und wird zu dem Monster, das er früher war.

Auch ein Slayer hat Gefühle…

Ach ja, Staffel Zwei. Ich werde nicht lügen und frei zugeben, dass ich hier tatsächlich das ein oder andere Tränchen wegwischen musste. Staffel Zwei hat mich sehr oft ganz schön mitgenommen. War mir Angel in der ersten Staffel noch viel zu Emo und zu nervig, wurde seine Rolle in der zweiten Staffel extrem gut ausgebaut: Erst einmal die Liebe zwischen ihm und Buffy und dann die Transformation zum größten Arschloch von Sunnydale. Allein die Folge, nachdem er mit Buffy geschlafen hat und er sie danach so richtig psychisch fertig macht, wenn Buffy nicht versteht, warum er sich auf einmal so verändert, hat mich das echt mitgenommen. Weil man sich eben über die erste Hälfte der Staffel so gut an diese Beiden als Paar gewöhnt… und dann kommt diese Wendung und das Ganze ist wie ein Schlag ins Gesicht.

Überhaupt hat sich Joss Whedon nach der ersten Staffel extrem in seinem Erzählerischen gesteigert. Staffel Zwei fängt endlich an, die ganze Buffy-Mythologie so richtig zu umarmen. Selbst die „Monster of the Week“-Folgen wirken nicht mehr bloß wie Unterbrechungen, sondern führen die „Saga“ der Vampir-Jägerin weiter. Mit der Einführung von Spike und Drusilla kommen zudem zwei unglaublich starke Charaktere hinzu. James Marsters ist einfach nur spitze, ein geiler Schurke, ein charmanter Schurke – ein liebenswertes Arschloch, durch das wir dann auch mehr von Angels Vergangenheit erfahren.

Staffel 2 lebt von den großen Momenten, einer ausgefeilten Story, die ganz klar weiß, wo es hingehen soll. Im Gegensatz zur ersten Staffel gibt es endlich einen wirklichen Grund, Angst zu haben. Statt theatralischem Endgegner, zu dem wir so gut wie keine persönliche Verbindung haben, den wir kaum kennen, haut uns Staffel 2 wirklich um. Denn wir kennen Angel, wir haben ihn endlich auch zu schätzen gelernt, wir haben ihm vertraut… und dann wird er zu einem skrupellosen Wesen. Das ist großartig unheimlich und verstörend. Das ist packende Unterhaltung, die ein paar starke Wendungen aufzubringen weiß.

Daneben gibt es natürlich die schon angesprochenen „Monster of the Week“-Folgen, die aber auch sehr viel besser geworden sind. Natürlich gibt es ein paar faule Eier unter ihnen (was man durchaus auch wortwörtlich nehmen kann), aber es gibt auch viele gute Folgen – wie die Halloween-Folge, wenn alle die Persönlichkeit ihres Kostüms übernehmen oder wenn Xander (Nicholas Brendon) auf einmal von allen Frauen geliebt wird. Die Einführung von Oz (Seth Green) war auch super – ein Musiker mit Geheimnis, der endlich ein passender Freund für die liebe Willow (Alyson Hannigan) sein könnte.

Staffel 2 ist ein großer Sprung von der ersten Staffel – eine unheimlich starke Verbesserung, die die Charaktere ausbaut und mich mit einer ungewohnten Emotionalität beeindruckt hat. Aber das passiert, wenn man eine starke Story erzählt. Das Finale kann dann den starken Anfängen nicht so ganz gerecht werden, macht aber doch unheimlich neugierig auf Staffel 3.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Buffy & Angel – mein neues Traumpaar der Serien-Welt)

Im Hause Gottes

12. Februar 2018

Was ist eigentlich bei Darren Aronofsky passiert, dass er sich auf einmal so sehr auf biblische Geschichten stürzt? Der Mann, der uns eindrucksvoll mit „Requiem for a dream“ die Angst vor Drogen eingeprügelt hat; der Mann, der uns mit „Pi“ zugegeben auch eine Art Bibel-Story geliefert hat, aber eine nach der wir nicht so recht wussten, ob wir nicht auch mit einem Bohrer unseren Kopf untersuchen sollten; der Mann, der mit „The Fountain“ eine wunderschöne und tragische Liebesgeschichte geschaffen hat, der mit „The Wrestler“ ein eindrucksvolles Sportler-Drama und mit „Black Swan“ ein unheimliches Sportler-Drama schuf… dieser Mann macht jetzt auf Bibel. Erst mit dem merkwürdigen Fantasy-Gedöhns „Noah“ und jetzt mit „mother!“.

Ein älterer Mann, ein Dichter (Javier Bardem), lebt mit seiner jüngeren Frau (Jennifer Lawrence) allein in einem Landhaus mitten im Nirgendwo. Er versucht zu schreiben, sie versucht, das Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Eines Tages taucht plötzlich ein Fremder (Ed Harris) auf, der erst mit dem Dichter gut feiert, dann kotzen muss und seine Narbe an den Rippen offenbart, bis dann endlich am nächsten Tag seine Frau (Michelle Pfeiffer) vorbeikommt. Später kommen dann noch ihre Söhne, die sich böse hauen und so beginnt für die Herrin des Hauses ein merkwürdiger Reigen an unmöglichen Besuchern, die nach und nach ihr Haus kaputt machen und ihren Mann immer mehr und mehr in Beschlag nehmen.

mutter und Papa…

Willkommen in 2-Stunden-Bibel-Kurs a la Darren Aronofsky. Ich hoffe einfach mal, dass mir keiner diesen Spoiler wirklich übel nimmt, aber auf der anderen Seite ist es auch nicht so ein riesiger Spoiler. Denn eigentlich hat man das innerhalb von wenigen Minuten Laufzeit schnell raus. Spätestens mit Ed Harris‘ Narbe und der ganzen Adam-und-Eva-Geschichte, die darauf folgt. So zieht sich „mother!“ dann fröhlich durch alle wichtigen (und vor allem auch den Nicht-Bibelfesten bekannten) Geschichten – natürlich ganz geheimnisvoll und in vielen Bilder, die aufgeschlüsselt werden möchten. Naja… zumindest hätte Aronofsky das wohl gerne gehabt, aber sein Film ist dann doch sehr viel weniger subtil. Und das ist der Punkt, der mich so gestört hat: Der Film verkauft sich als so kluger Film, hält sein Publikum aber nicht für klug und geht deswegen so super offensichtliche Wege. Gerade von einem Aronofsky hätte ich mir da dann doch ein wenig mehr erwartet.

Es gibt die Sinflut, es gibt den Aufstieg und den Fall der Menschen, die die Geschenke des Herrn nicht zu würdigen wissen und dann wird dem Herrn Poeten auch noch ein Sohn geboren, der von den Menschen gefeiert wird. Wie gesagt, es ist so krass offensichtlich… und gerade zum Ende wird’s halt auch echt ziemlich unappetitlich.

Dennoch muss man Aronofksy auch ein paar Dinge zu Gute halten: Die Darsteller sind super – und ich mochte gerade den Anfang und dabei besonders den Zwist zwischen Michelle Pfeiffer und Jennifer Lawrence. Lawrence spielt eine Frau, die eigentlich in der Welt ihres Mannes gefangen ist, die sich darin aber auch irgendwie wohlfühlt, obwohl sie auch wie eine Gefangene ist. Pfeiffer dagegen ist die Neugierige, die ihren Mann dazu bringt, in das Büro des Herrn Poeten zu gehen, die für Wirbel sorgt und vor allem die Welt ihrer unfreiwilligen Gastgeberin in Frage stellt. Das hatte – trotz all der Offensichtlichkeit – noch etwas Spannendes. Überhaupt waren die Darsteller durch die Bank durch wirklich gut besetzt – Javier Bardem passt irgendwie gut in diese Rolle des Poeten, der mal super nett ist und dann aber auch ordentlich ausrasten kann. Ein herrschsüchtiger, aber auch liebevoller Schöpfer, dem irgendwann seine „Fans“ zu viel werden.

Außerdem ist es tatsächlich ein visuell durchaus interessantes Konzept, dem Aronofsky hier folgt: Die Schöpfungsgeschichte hätte man bombastisch und episch inszenieren können, stattdessen verfrachtet Aronofsky das alles in ein kleines Haus. Ein Haus, um das sich vor allem die Mutter versucht zu kümmern, das aber immer wieder von den Gästen des Herrn versaut wird. Da kann sie fluchen und machen und tun, so viel sie will. Die Erde als Haus, das dem Ansturm einfach nicht gewachsen – das ist ein durchaus interessantes Bild, das Aronofsky immer wieder gekonnt einsetzt.

Aber dennoch bleibe ich dabei, dass mich „mother!“ nicht so wirklich vom Hocker gerissen hat. Sinnbilder sind ja gut und schön, aber vielleicht hätte man es auch ein wenig subtiler machen können. So war es mir persönlich dann einfach zu viel Bibel und zu wenig Film.

Wertung: 6 von 10 Punkten (warten wir mal, was der gute Mann als nächstes macht…)

Der wahre Weltraum-Cowboy

9. Februar 2018

Netflix lässt ja wirklich keine Wünsche mehr übrig (und damit meine ich jetzt nicht die plötzlichen Überraschungen, die wir mal eben mit dem dritten Cloverfield bekommen haben ). Gerade wie stark die sich jetzt auch in den Anime-Bereich stürzen, ist gerade für mich ein echtes Fest. Wobei auch hier die übliche Netflix-Problematik aufkommt: Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll und bräuchte drei Leben, um damit irgendwie klar zu kommen. Es gibt so viel und noch viel mehr. Doch das Schöne an dem Anime-Bereich von Netflix ist, dass es sowohl neue als auch alte Serien gibt. Und das auch noch, ohne das man die horrenden Summen zahlen muss, die normalerweise für die DVD-Boxen verlangt werden. So habe ich es dann endlich mal geschafft, mir „Cowboy Bebop“ komplett anzuschauen – eine Serie, von der ich schon so viel gehört und zu wenig gesehen hatte, die dann aber irgendwann plötzlich auf Netflix in meinen Empfehlungen auftauchte.

Wir schreiben das Jahr 2071. Die Menschheit hat sich im Weltall verteilt. Hier treffen wir auf die Bebop, das Schiff der beiden Kopfgeld-Jäger Jet Black und Spike Spiegel. Der junge Spike war einst ein Mitglied des berüchtigten Red-Dragon-Syndikats, der sich jetzt als Kopfgeld-Jäger verdingt. Im Laufe ihrer Reisen durchs All bekommen Jet und Spike noch Zuwachs: zum einen von der jungen Hackerin, die sich selbst Ed nennt und zum anderen Faye Valentine, eine Kopfgeld-Jägerin, die von der Gier nach Geld getrieben wird.

Echte Cowboys kommen auch ohne Hut klar

Wie gesagt, ich habe jetzt zum ersten Mal richtig „Cowboy Bebop“ geguckt, kannte vorher nur ein paar Episoden, aber nicht das große Ganze. Und das ist wirklich toll. Die Serie besteht aus 26 Folgen, die eigentlich alles Einzel-Episoden sind. Man könnte jede Folge losgelöst von den anderen schauen, ohne eine richtige Reihenfolge einhalten zu müssen. Auf den ersten Blick mag das nicht so verlockend klingen, aber „Cowboy Bebop“ weiß gut mit diesem Konzept umzugehen. Denn auch wenn hier kein großer roter Faden durch die Handlung führt, bleibt man doch wie gefangen von dieser Serie.

Das liegt zuallererst natürlich an den Charakteren. Auch wenn es keine übergeordnete große Story gibt, gibt es doch immer wieder Folgen, die den einzelnen Figuren gewidmet ist. Im Vordergrund steht natürlich unser Held Spike, der auch die aufregendste Hintergrund-Geschichte bekommt und dessen Syndikat-Vergangenheit es hier und da immer wieder schafft, ihn einzuholen. Das ist auch die weitläufigste Story, die uns in „Cowboy Bebop“ erwartet und die uns immer wieder in gefährliche Situationen bringt und für ein absolut herzerweichendes Finale sorgt. Also ich meine wirklich herzerweichend. Da merkt man halt auch wieder, dass man nicht einfach bloss 08-15-Kost schaut, sondern halt schon eine Serie, die ihre Charaktere immer wieder mit den harten Konsequenzen ihrer Entscheidungen konfrontiert. Das ist besonders bei Spike der Fall, der aber – jetzt mal abgesehen von seiner dunklen, aber deswegen nicht weniger spannenden Geschichte – auch ein cooler Typ ist. Lässig die Zigarette im Mundwinkel, ein schlagfertiger Gegner – sowohl wörtlich als auch körperlich. Zu ihm passt einfach auch perfekt dieser coole Blues-Jazz-Soundtrack, der diese Serie sowieso einfach nur auf eine andere Ebene hebt.

Aber Spike ist natürlich nicht der Einzige. Sein etwas grummeliger, aber liebenswerter Partner Jet ist die Vater-Figur, die ein Spike hier und da mal braucht. Faye Valentine fand ich anfangs ein wenig nervig, aber auch sie bekommt mehr und mehr Tiefe, wenn ihre Geschichte weiter ausgeführt wird. Mit wem ich tatsächlich so gar nichts anfangen konnte, das war Ed. Der, die, ich konnte es immer nicht so ganz auseinander halten, ging mir wirklich auf den Sack. Sie war zwar hier und da schon hilfreich, aber die hat mir einfach von irrer quirrligen Gaga-Art nicht in diese Serie gepasst, die sich doch schon mehr mit ihrem Blues treiben lässt. Aber gut, einer von vieren – das ist noch eine gute Quote, oder nicht? Damit kann ich leben.

„Cowboy Bebop“ ist aber auch ansonsten einfach toll. Wie gesagt, die Charaktere sind stark, ihre Geschichten sind aufregend und bewegend und dann stimmt einfach auch dieses Cowboy-im-Weldall-Feeling mit der ganzen Action und überhaupt der allgemeinen Geschichte, was denn eigentlich mit der Erde passiert ist und sowas alles. Das ist definitiv eine Anime-Welt, in die man gerne auch mal wieder zurückkehren kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Ed sorgt für einen kleinen Abzug in der Bestnote, aber ansonsten eine tolle Cowboy-Space-Serie 😉 )

Dimensionssalat

7. Februar 2018

Wer hätte 2008 gedacht, dass wir uns noch einmal mehr mit diesem komischen Monster aus dem damals erschienen Found-Footage-Film „Cloverfield“ beschäftigen müssen? Okay, blöde Frage! Hätte sich ja eigentlich jeder denken können, denn immerhin sind solche Filme irgendwie doch immer prädestiniert dafür, komische Fortsetzungen zu bekommen. Wider Erwarten kam erst einmal nichts. Das Monster schien tot und die Geschichte von „Cloverfield“ zu Ende erzählt. Doch ein J.J. Abrams hat sich da acht Jahre später was anderes gedacht… da erschien auf einmal „10 Cloverfield Lane“, schickte John Goodman und Mary Elizabeth Winstead erst in einen Bunker, bevor er deutlich machte, dass das auch noch Science-Fiction in der Welt von komischen Monstern a la „Cloverfield“ ist. Das Cloverfield-Franchise war geboren, das mit Filmen daher kommen sollte, die unterschiedlich sind und verschiedene Geschichten aus diesem Universum erzählen. Tja – und dann kam der Superbowl und auf einmal war da auf Netflix dieser Film namens „The Cloverfield Paradox“, ein Film, der uns Antworten zu den ganzen Monstern versprach… (aber bekommen wir auch wirklich welche???)

Im Jahr 2028 herrscht auf der Erde eine enorme Energie-Krise. Deswegen haben die verschiedenen Staaten eine riesige Raumstation gebaut, die einen Teilchen-Beschleuniger beinhaltet, mit dem das ganze Problem Energie gelöst werden soll. Natürlich haben ein paar Wissenschaftler Angst, das könnte schlimme Folgen haben (kennen wir ja selbst von aktuellen Diskussionen, ob bei solchen Experimenten nicht mal eben ein Schwarzes Loch auf der Erde entstehen und alles vernichten könnte), aber die Menschheit braucht Energie. Also fliegen da oben ein paar Wissenschaftler herum (alle gespielt von einem durchaus ansehnlichen Cast: Daniel Brühl, David Oyelowo, Elizabeth Debicki, Chris O’Dowd, Zhang Ziyi, Gugu Mbatha-Raw), um das Experiment durchzuführen… das auch kurz funktioniert und dann auf einmal nicht mehr. Als sich alle wieder beruhigt haben, müssen die Wissenschaftler erschreckt feststellen, dass die Erde weg und sie in einer anderen Dimension gelandet sind.

Ze Dschermäns are schuld…

Da ist das Ding also… Netflix zeigt mal wieder allen die lange Nase und haut mal eben so einen Film raus, von dem einige dann doch noch dachten, die könne man ja vielleicht im Kino gucken. Aber Pustekuchen, Kino ist von vorgestern, Netflix ist jetzt da. Aber gut, die Diskussion, wie gut das nun ist oder nicht, können wir vielleicht ein anderes Mal führen (ich schaue in deine Richtung Alex Garland und deinem kommenden „Annihilation“), „The Cloverfield Paradox“ hat für Netflix tatsächlich ausgereicht.

Der Film ist… okay. Er hat mich zu Anfang gut unterhalten, später dann nicht mehr so. Anfangs ist das Ganze irgendwo noch ein bisschen verrückt absurd und lustig-unterhaltsam. Zumal man da auch noch wunderschön Filme-Raten spielen kann: da bedient man sich ein bisschen an „Alien“, an „Event Horizon“. Da wirkt das Ganze ein wenig wie „Life“ trifft auf „Fringe“. Aber so richtig kommt der Film mit diesem Sammelsurium an verschiedensten Einflüssen nie so ganz zurecht. Da prallen viele, viele verrückte Ideen auf einander, die aber nie so richtig fesseln, weil es zu schnell zur nächsten geht und man sich ein bisschen veralbert vorkommt – und spätestens, wenn das eiskalte Händchen auch noch einen Gast-Auftritt bekommt, muss man schon sehr über „The Cloverfield Paradox“ schmunzeln. Und ja, das hat mich auf eine unsinnige Art und Weise schon auch unterhalten.

Blöd nur, dass die Darsteller ein bisschen verloren wirken. Es ist schon erstaunlich, dass Abrams so viele namenhafte, wenn nicht zumindest namentlich bekannte Schauspieler für diesen wirren Sci-Fi-Mix vor die Kamera locken konnte. Sie wirken mir alle ein bisschen verloren auf dieser Station und mit diesem Skript und versuchen dennoch tapfer, dagegen anzukämpfen. Nur leider kommt Spannung nie so wirklich auf. Da hätte ich mir wirklich fast ein bisschen mehr „Event Horizon“ gewünscht, ein bisschen mehr verrückte Dimensionen-Wirrwarr.

Dazu kommt dann noch eine Nebenhandlung auf der Erde, die halt versucht, den Bogen zum ersten „Cloverfield“ zu schließen. Aber gibt der Film damit nun wirklich Antworten? Tatsächlich ja, auch wenn ich nicht wirklich weiß, ob die einige Leute zufrieden stellen wird, aber ja, es gibt Antworten. Allerdings muss man gleich zu Beginn höllisch aufpassen. Da verflucht ein Wissenschaftler dieses ganze Experiment und sagt, es könne das Raum-Zeit-Gefüge zerstören und sogar Monster und Dämonen hervorrufen. Da… das ist die Antwort und gleichzeitig die Eintrittskarte für die nächsten Filme. Von denen ja einer „Overlord“ sein wird, der dann zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, was ja nach „The Cloverfield Paradox“ gut genug erklärt wird, warum das möglich ist. Und wer weiß, vielleicht verrät uns Teil 10 dieses Franchises ja auch noch die wahre Geschichte, woher die Monster kommen. Könnte ja sein, dass die einfach nur wütend sind, weil diese komischen Astronauten sie mit ihrem Experiment von Netflix-Gucken in ihrer Dimension abgehalten haben? Wer weiß, was da alles noch kommt.

Wertung: 6 von 10 Punkten (dieser Film öffnet wortwörtlich die Tür zu verschiedenen Dimensionen und Filmen, die das Cloverfield-Universum bevölkern können)

Die Tochter des Pferdes?

5. Februar 2018

Ganz ehrlich, wenn mir jemand zu Beginn meiner Reise mit dem ehemaligen Sitcom-Star Bojack Horseman gesagt hätte, wie sehr ich dieser Serie verfallen würde, ich hätte es nicht geglaubt. Aber jetzt nach vier Staffeln bin ich Pferde-süchtig. Ich habe – ohne Witz – nach dem Ende der vierten Staffel (die ich euch heute vorstellen will) direkt wieder anfangen, Staffel 1 zu gucken. Da war so eine Pferde-förmiges Loch in meinem Serien-Leben, das ich durch nichts anderes füllen konnte. Ich brauchte noch mal eine Dosis Bojack – mit all seinen komischen Irrungen und Wirrungen. Es ist eine tolle Serie und wie gesagt, ich hätte nie gedacht, dass sie mir so sehr gefallen würde. Ich meine, ich stelle sie sogar höher als „Rick & Morty“. Während „Rick & Morty“ verdammt witzige Einzel-Episoden hat, zieht mich „Bojack Horseman“ vielmehr durch seine vielen verschiedenen Charaktere in den Bann – und vor allem auch wegen der Tatsache, dass es alles wirklich einem roten Faden folgt. Das Ganze ist wie ein langer Film – mit Einzel-Episoden, aber trotzdem ein großes Ganzes. Womit wir dann auch endlich mal zu Staffel 4 kommen.

Nach dem tragischen Tod von Sarah Lynn (Kristen Schaal) versteckt sich Bojack (Will Arnett) ein Jahr lang in seiner Trauer, er besucht dabei unter anderem auch das Haus seiner Mutter, bevor er sich irgendwann wieder nach Hause traut. Während dieser Zeit haben sich die Leben seiner Freunde weiter entwickelt: Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) kandidiert für das Amt des Gouverneurs – angetrieben von seiner Ex-Frau, was Diane (Alison Brie) natürlich gar nicht in den Kram passt und weswegen ihre Ehe sehr leidet. Princess Carolyn (Amy Sedaris) überlegt eine Familie zu gründen – ausgerechnet mit einer Maus. Todd (Aaron Paul) ist halt einfach nur Todd, der wieder einmal mit verrückten Ideen (dieses Mal sind es Clowns als Zahnärzte) versucht, Geld zu verdienen. Und dann taucht bei Bojack auch noch die junge Hollyhock Manheim-Mannheim-Guerrero-Robinson-Zilberschlag-Hsung-Fonzerelli-McQuack (Aparna Nancherla) auf, die behauptet, seine Tochter zu sein.

Pferde-Familien-Porträt

„Bojack Horseman“ Staffel 4 setzt an die großartige dritte Staffel dirket an und erzählt einmal mehr großartig aus dem Leben dieser Tiere und Menschen. Das ist alles einfach großartig! Und ich weiß, ich habe das Wort „großartig“ jetzt dreimal verwendet, aber eigentlich müsste ich es in jedem Satz zu dieser Serie verwenden, denn sie ist es einfach. Ich finde es toll, wie konsequent die Serie ihre Geschichte erzählt. Am spannendsten wird das für mich an der Beziehung zwischen Todd und Bojack deutlich – erst war Todd Bojacks Sofa-Besetzer, dann kam es zu Streit zwischen diesen beiden und keiner von ihnen hat sich jemals wieder so richtig davon erholt. In jeder normalen „Sitcom“ wäre das nach ein, zwei Folgen wieder beseitigt, nicht so bei „Bojack“. Da hat alles seine Konsequenzen – klingt jetzt furchtbar hochtrabend (hahaha… Pferde-Witz), aber es stimmt einfach.

Ich muss gestehen, dass ich anfangs so meine Schwierigkeiten mit der ganzen Hollyhock-Story hatte – und das blieb eigentlich bis zum Ende so. Aber sie war wichtig für Bojack selbst, der als Charakter noch einmal mehr wachsen konnte. Ein Punkt, der nicht nur auf alle anderen Charaktere zutrifft, sondern auch auf die Serie selbst – die sich in dieser vierten Staffel mit einigen äußerst denkwürdigen Folgen beinah schon selbst übertrifft.

Da wäre zum Beispiel die Wahl-Party im Hause Peanutbutter, die gründlich in die Hose geht, als der Boden wegen dem im Garten durchgeführten Fragging einbricht und die ganze Gesellschaft unter die Erde reißt. Oder die Todd-Solo-Folge, in der sich einfach mal alles um den sympathischen Chaoten dreht, der so verdammt trottelig, aber auch so verdammt liebenswert ist. Spannend ist auch, dass die Serie in Staffel 4 stärker auf Bojacks Vergangenheit eingeht, als er gezwungen ist, sich um seine Demenz-kranke Mutter Beatrice (Wendie Malick) kümmern muss. Hier zeigt die Serie auf starke und auch sehr erschreckende Art und Weise, wie die Welt einer Demenz-Kranken aussieht. Die Folge geht echt an die Substanz – wie halt viele Folgen dieser noch sehr viel persönlicheren Staffel. Diese Serie zeigt keine Ermüdungserscheinungen, sondern liefert immer noch Großartiges ab (und ja, da war das tolle Wort „Großartig“ schon wieder).

Ich kann es jetzt noch nicht mehr abwarten, bis Staffel 5 endlich kommt – bis dahin vertröste ich mich halt damit, die ganze Serie noch einmal von vorne zu gucken.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Serie und ihre Charaktere wachsen noch stärker – und verdient sich damit einen Platz in der Reihe meiner absoluten Lieblingsserien)

Der beste schlechteste Film?

2. Februar 2018

War nicht irgendwann mal „Plan 9 from Outer Space“ der unglückliche Träger des Titels „Schlechtester Film aller Zeiten“? Mir war immer so. Doch seit ein paar Jahren geistert ja ein neuer Kandidat für diesen Titel herum. Ein Film, den irgendwie jeder, der ihn schon gesehen hat, wegen seiner Schlechtigkeit abfeiert – ein Film, der als so schlecht abgetan wird, dass er schon wieder gut sei. Aber geht das überhaupt? Wenn etwas schlecht ist, wie kann es dann gut sein? Der Film bleibt schlecht, aber vielleicht verbreitet er ein gutes Gefühl, weil er Menschen versammelt, die sich den Scheiß zusammen anschauen und sich darüber amüsieren, wie furchtbar das Machwerk doch geworden ist. Und ja, bevor ich noch lange um den heißen Brei herumrede, es geht natürlich um Tommy Wiseaus Film „The Room“, der dank James Francos „The Disaster Artist“ wieder in aller Munde ist – eben als der schlechteste Film aller Zeiten. Aber wie furchtbar kann so ein Film sein? Habe ich mich auch gefragt und mich dann durch die anderthalb Stunden gequält, die „The Room“ ausmachen.

Willkommen in San Francisco, das uns in den ersten Bildern schon mit schönen Aufnahmen (wohlgemerkt die schönsten Aufnahmen, die der Film zu bieten hat) präsentiert wird und dabei ein bisschen so aussieht, als würde gleich eine Folge „Full House“ losgehen. Hier lebt Johnny (Tommy Wiseau), der schon bald seine Verlobte Lisa (Juliette Danielle) heiraten möchte, in der er super super doll verliebt ist und die er mit seiner Liebe und Geschenken überschüttet. Doch Lisa liebt Johnny gar nicht mehr – doch egal, wie sehr ihre Mutter (Carolyn Minnott) ihr auch ins Gewissen redet (denn Johnny kann sie doch finanziell so wunderbar versorgen und das ist doch alles, was zählt), Lisa lässt sich nicht umstimmen. Schließlich hat sie schon einen Neuen gefunden: Johnnys besten Freund Mark (Greg Sestero).

Was sollte das eigentlich immer mit dem Football?

Das ist „The Room“ mal kurz zusammen gefasst, da gibt es dann aber noch den merkwürdigen Stalker Denny (Philip Haldiman), der auch noch irgendwas mit Drogen am Hut hat, da gibt es dann noch irgendwelche Freunde von Lisa, die Johnnys Apartment für ihre Schokoladen-Sex-Spielchen verwenden.

„The Room“ ist wirklich ein Film, den man nur in guter Gesellschaft und mit viel Alkohol schauen sollte, ansonsten ist man in einem Film gefangen, der einen innerlich einfach nur kaputt macht. Denn man fragt sich die ganze Zeit, was man da eigentlich guckt. Erst einmal gibt es merkwürdige Sex-Szenen, bei denen das Vorspiel aus einer Kissenschlacht besteht und Tommy Wiseau scheinbar Liebe mit dem Bauchnabel von Juliette Danielle zu machen scheint. Dazu wurde das Ganze auf übelste Weise nach synchronisiert und mit schwülstiger Musik unterlegt. Aber gut, somit ist dann wenigstens erst einmal etabliert, dass wir hier die große Liebe sehen.

Danach fängt dann das dramatische Liebesdreieck an… mit Schauspielern, die auf Teufel-komm-raus nicht schauspielern können, mit Dialogen, die selbst ein Fünf-Jähriger aufregender geschrieben hätte und mit einer Dramaturgie und Film-Mach-Kunst, die äußerst grenzwertig ist. Man möchte doch meinen, dass jemand, der das Geld hat (und angeblich hatte Wiseau ein paar Millionen für diesen Film zur Verfügung), sich ein paar mehr Gedanken machen würde. Aber „The Room“ macht sich nirgends Mühe. Der Film lässt einfach laufen.

Man kann eigentlich nicht normal über diesen Film schreiben. Das ist wirklich kein Film-Film. Anschauen kann man sich das Ding einfach nicht. Dieser Film folgt keiner Struktur, Charaktere tauchen auf und verschwinden wieder, ohne das man weiß, wieso, weshalb, warum. Es ist wie absurdes Theater, was sich in diesem „Raum“ abspielt.

Und trotz seiner apathischen Darsteller, trotz der furchtbaren Dialoge und der merkwürdigen Film-Arbeit an sich schafft Wiseau mit „The Room“ doch eine Sache: Er schafft es irgendwie, eine tatsächlich hassenswerte Figur zu erschaffen. Lisa ist wirklich ein mieses, dreckiges Miststück, die man mit jeder Minute ein bisschen mehr hasst und durch die man mit jeder Minute ein kleines bisschen mehr Mitleid mit dem armen Johnny hat, der so blind vor Liebe ist, dass er es einfach nicht schnallt, was da vor sich geht. Da muss ich tatsächlich sagen, dass mir Johnny – trotz Wiseaus nicht vorhandenem Schauspiel – einfach Leid getan hat und ich Lisa verflucht habe.

Ansonsten war ich aber sehr froh, als dieses etwas irgendwann vorbei war. Am Ende funktioniert der Film am besten über die bekannten kleinen Schnipsel, die es auf youTube gibt, ein bisschen das debile Lachen von Wiseau, das ständige „Oh hi“ und fertig… ich muss ja gestehen, ich finde es schon schlimm, dass der Film als der „Citizen Kane der schlechten Filme“ bezeichnet wird. Der arme Citizen Kane, das hat er nun wirklich nicht verdient.

Wertung: 2 von 10 Punkten (ein Film für Gesellschaftsabende mit viel Alkohol, ansonsten sollte man echt die Finger davon lassen)

Mamas wütende Plakat-Werbung

31. Januar 2018

Regisseur Martin McDonagh gewinnt dieses Jahr wohl definitiv den Preis für den sperrigsten Titel des Jahres mit seinem „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ – und vielleicht auch den Preis der Tourismus-Branche von eben jenem beschaulichen Städtchen in Missouri, das mit Sicherheit schon drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing aufgestellt hat, um Film-Fans auf makabre Art und Weise zu beglücken (denn schließlich steht da ja im Film nichts Gutes auf diesen Werbetafeln). Aber mal abgesehen davon wird „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ auch noch ein paar andere Preise gewinnen können, bei den Golden Globes wurde der Film schon in zahlreichen Kategorien ausgezeichnet – Drehbuch, Hauptdarstellerin, Nebendarsteller, etc. Bei den Oscars geht „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ mit sieben Nominierungen ins Rennen und und und… wer mich ein wenig kennt, wird schon gemerkt haben, dass ich versuche Zeit zu schinden, um zum Punkt zu kommen – nämlich folgendem: So mega super duper krass hat mich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ nicht umgehauen. Jetzt ist es raus… aber fangen wir von vorne an.

Mildred Hayes (Frances McDormand) mietet sich drei Werbetafeln außerhalb von Ebbing in Missouri, auf denen sie den Sheriff von Ebbing, Bill Willoughby (Woody Harrelson), anprangert. Mildreds Tochter wurde vor sieben Monaten vergewaltigt und ermordet und noch immer hat die Polizei keine einzige Spur des Täters gefunden. Mildreds Plakat-Werbung kommt allerdings nicht überall in der Stadt gut an, weswegen es bald Stress gibt – besonders auch wegen dem wütenden Officer Jason Dixon (Sam Rockwell).

Gerechtigkeit durch Werbung

Bevor ich sagen will, warum ich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ jetzt nicht mega super duper krass finde, will ich doch sagen, warum ich ihn für einen guten Film halte. Nach den ersten Trailern und Inhaltsangaben hatte ich Angst, der Film würde sich sehr einseitig nur auf die betroffene Mama stürzen und die Polizei bis ins Kleinste verteufeln. Doch McDonagh gelingt in seinem eigenen Drehbuch eine gute Gratwanderung, er verdeutlicht einem extrem gut beide Seiten dieses Konflikts. Gerade Sheriff Willoughby geht ja auch sehr offen und ehrlich mit der Sache um und findet sogar Verständnis für das aggressive Anprangern. Gleichzeitig schafft es McDonagh auch dieses doch sehr schwere und düstere Thema durch seinen besonderen Humor, den wir schon aus „Brügge sehen… und sterben“ oder „7 Psychos“ kennen, aufzufangen. Er weiß, wann er uns in tragischen Momenten so richtig runterziehen muss und er weiß auch, wann er uns mit tiefschwarzem Humor zum Lachen bringen kann. Auch diese Gratwanderung gelingt ihm extrem gut.

Doch damit kommen wir dann zu dem Problem, das ich mit dem Film habe: Wir reden hier vom letzten Drittel des Films. Es passiert etwas mit den Werbetafeln, daraufhin tut Mildred etwas ziemlich krasses und es passieren noch ein paar andere Dinge in Bezug auf den Fall mit ihrer Tochter. Das wurde mir – blöd ausgedrückt – etwas zu „fantastisch“. Dass Mildred so drastisch reagiert, fand ich – ja – irgendwo doch zu drastisch. Und beim Rest, den ich jetzt nicht zu offen ansprechen will (außer dass ich damit den einen besonderen Besucher ansprechen möchte, den Mildred trifft – um es mal kryptisch genug auszudrücken, damit es kein Spoiler ist), ging es mir mit dem „zu fantastisch“ ähnlich. Da hatte ich das Gefühl, dass McDonagh sich toll viele gute Sachen ausgedacht hatte, aber dann nicht so recht wusste, wie er das Ganze beenden sollte. Das hat mich dann doch alles sehr aus diesem Film gerissen. Es ist immer noch ein toller Film, aber zu oft habe ich schon Dinge wie „Film des Jahres“ und was weiß ich nicht gelesen: So perfekt war der Film dann in meinen Augen doch nicht.

Dennoch kann ich mich bei einem Teil der Lobeshymnen auf jeden Fall anschließen – die Darsteller sind großartig. Jede einzelne Rolle ist stark besetzt. Frances McDormand fand ich wirklich sehr toll, sehr fies und an vielen Stellen konnte sie dennoch meine Sympathien für ihre harten Methoden gewinnen, konnte man sich doch so gut in sie hinein versetzen. Woody Harrelson war das gute Gewissen dieses Films, ein toller Sheriff, ein fairer „Gegner“ für Mildred. Aber wer mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird (und wem ich den Oscar als Bester Nebendarsteller auch wirklich gönnen würde), ist Sam Rockwell. Sein Jason Dixon durchläuft eine irre Wandlung – dieser Macho-Affe, ein dummer Hund, ein blöder Kerl, der handelt ohne nachzudenken. Ein Muttersöhnchen, das nicht wirklich alleine klar kommt, der im Sheriff seine Vaterfigur sucht, um sich irgendwie selbst zu finden. Dixon ist ein schriller Vogel – ganz typisch für einen McDonagh-Film. Aber ein schriller Vogel, der einen starken Wandel vollzieht und für mich somit zur interessantesten Figur im ganzen Film wurde. Allein für Sam Rockwells Performance lohnt sich „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ schon.

So… damit haben wir wohl klargestellt, dass „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ so etwas wie mein „La La Land“ ist: Allen feiern ihn, ich feiere ihn etwas vorsichtiger 😉 Es ist ohne Frage ein toller Film, der mir nur im Finale etwas zu sehr schwächelt, das aber immerhin durch starke Charaktere wieder auffangen kann.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Sam Rockwell ist einfach nur spitze!!!!)