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Die Totenmaske von Acheron

8. April 2020

Die Neugier war zu groß… ich konnte es einfach nicht lassen. Nachdem ich mich vor nicht all zu langer Zeit durch den vermeintlichen dritten Conan-Teil gequält habe, der ja wegen Arnies Absage in „Kull der Eroberer“ umgeändert werden musste, war der Zwang auch einfach da. Der Zwang, diese kleine Saga von Conan, dem Barbaren zu vervollständigen… wozu dann also auch das Remake / Reboot / was auch immer von 2011 gehört, in dem der deutsche Regisseur Marcus Nispel Jason Momoa zum neuen „Conan“ macht.

Die Zauberer von Acheron erschufen einst eine Totenmaske, die ihnen gottgleiche Fähigkeiten gab. Dadurch beherrschten sie alle Völker. Alle Völker? Nicht ganz… denn die Barbaren stellten sich gegen die Zauberer, begehrten auf und vernichteten sie. Statt die Totenmaske auch zu zerstören, teilten sie diese in mehrere Bruchstücke und warteten so mehr oder weniger darauf, dass irgendein Typ kommen und sie wieder zusammensetzen wird. Dieser Typ ist Khalar Zym (Stephen Lang), der mit Hilfe der Maske zu Macht kommen will. Dafür sammelt er alle Stücke… um das letzte zu bekommen, muss er Corin (Ron Perlman) töten. Doch der ist der Vater von Conan, der daraufhin natürlich blutige Rache schwört und auszieht, um Zym zu finden. Dabei stößt Conan (Momoa) auf die junge Priesterin Tamara (Rachel Nichols), deren reines Blut Zym braucht, um die Totenmaske zu aktivieren.

Tja… nach „Kull“ war ich wirklich auf alles vorbereitet. Umso erstaunter war ich dann, dass „Conan“ nicht ganz so scheiße ist, wie ich vermutet hatte. Eines gleich vorweg: Jason Momoa ist tatsächlich ein annehmbarer Barbar. Er hat den Körperbau (und damit definitiv auch mehr zu bieten als ein im Vergleich zu Arnie und Momoa doch eher schmächtiger Kevin Sorbo), mit den langen Haaren und seinem Grummeln passt er eigentlich ganz gut in die Rolle. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass – sollte es jemals noch einen Conan-Film geben – wäre Momoa jetzt noch mehr als zuvor der perfekte Kandidat für die Rolle. Er als neuer Barbar und Arnie als alter Barbaren-König – das wäre doch die perfekte Kombination für einen neuen Film.

Abgesehen von Momoa hat „Conan“ aber nicht so übermäßig viel zu bieten. Leider fehlt auch diesem Film dieses Fantasy-Feeling. Es kommt nie so richtig diese Faszination auf, die der erste Teil in mir immer noch auslöst. Die meisten Städte und Orte sind nur billiger Green-Screen-Hintergrund. Man hat nie so wirklich das Gefühl, sich in einer Fantasy-Welt aufzuhalten. Der erste Film hat das subtil, aber wirkungsvoll gemacht… aber dieses Reboot wirkt sehr steril in dieser Beziehung. Man spürt förmlich die Studio-Umgebung.

Man merkt diesem Film seine Künstlichkeit an… die Story hangelt sich sehr uninspiriert level-artig von einem Schauplatz zur nächsten Action-Sequenz. Das weitere Problem des Films ist dann leider auch, dass Nispel nur auf Action setzt. „Conan“ fühlt sich wirklich an wie ein Hack-and-Slay-Spiel: Conan geht irgendwo hin, kämpft gegen zig Gegner, gewinnt. Conan geht weiter, kämpft erneut gegen eine Überzahl, gewinnt. Dabei gibt sich Nispel allergrößte Mühe, dass für sein Publikum möglichst brutal und mit sehr, sehr, sehr viel CGI-Blut aufzuwerten. Funktioniert aber nur bedingt… vorausgesetzt, man steht auf sowas.

Viel Action, wenig Schauwerte – da kann auch der tolle Cast diese Story nicht mehr retten. Ich meine, es ist schon eine Verschwendung, wenn man Morgan f**king Freeman als Erzähler in seinem Film hat und der nicht wirklich was Spannendes zu erzählen hat. Stephen Lang geht als fieser Khalar Zym irgendwie noch in Ordnung, weil er böse halt ganz gut kann, aber so richtig zur Geltung kommt er auch nicht (und nein, ich werde ihn jetzt definitiv nicht mit James Earl Jones aus dem Original vergleichen :D). Rose McGowan, die seine Hexen-Tochter spielt, ist auch einfach nur irgendwie da… mit seinen Darstellern, das merkt man leider auch, weiß Nispel nicht wirklich viel anzufangen.

Insgesamt ist dieser neue „Conan“ kein würdiger Nachfolger, aber leider hat die Reihe selbst es ja schon nicht geschafft, würdige Nachfolger zu produzieren. Jason Momoa würde ich aber als Barbaren-Darsteller definitiv im Auge behalten (sollte es jemals zu einem neuen Film kommen).

Wertung: 4 von 10 Punkten (diesem Film fehlt das Herz und die Liebe für Fantasy…)

Super-Nano-Bot-Soldier

6. April 2020

Vin Diesel müsste eigentlich nichts mehr machen. Seine „Fast and Furious“-Filme sind ja mittlerweile echte Selbstläufer geworden. Die funktionieren immer, auch wenn sie dumm und laut sind. Aber vielleicht gerade, weil sie dumm und laut sind. Dazu hat er noch diesen kleinen Gig bei Marvel als Groot… und naja, irgendwann hatte er auch mal „Riddick“ (eine Reihe von der ich mir immer noch wünschen würde, sie hätten mehr aus dem zweiten Teil gemacht, den ich wirklich sehr mochte). Für Vin Diesel reicht das noch nicht, weswegen er – in der Hoffnung, bei einem neuen Comic-Franchise einzusteigen – einen Film namens „Bloodshot“ drehte.

Basierend auf dem Valiant-Comic-Bestseller „Bloodshot“ lernen wir in diesem Film den Soldaten Ray Garrison (Diesel) kennen. Nach einem erfolgreichen Einsatz macht der Urlaub mit seiner geliebten Frau Gina (Talulah Riley) in Italien. Dort werden die beiden aber von Söldner gekidnappt, deren Anführer Martin Axe (Toby Kebbel) wissen will, woher Ray seine Infos für den Kriegseinsatz hatte. Ray bleibt eisern, woraufhin Axe erst Gina tötet und dann Ray selbst. Doch lange bleibt der nicht tot, sondern wacht auf dem OP-Tisch von Dr. Emil Harting (Guy Pearce) wieder auf. Harting hat Ray dank Nano-Bots wieder zum Leben erweckt, die jetzt in dessen Blut herumschwirren und Ray quasi unbesiegbar machen. So ausgestattet, will Ray nun Rache nehmen. Was er jedoch nicht weiß, ist die Tatsache, dass der Doktor ein dunkles Geheimnis hat, das er Ray verschweigt.

„Bloodshot“ ist öde ohne Ende. Der Film fängt so klischeehaft an, wie es nur geht. Dieser Kriegseinsatz ist generisch, langweiliger Kram; der Italien-Urlaub mit Frau ist dann Insta-Filter-Kitsch hoch dreihundert; Toby Kebbel als Psychokiller, der versucht Michael Madsen aus „Reservoir Dogs“ zu kopieren, extrem, extrem, extrem zum Fremdschämen. „Bloodshot“ versucht diesen furchtbar albernen Start mit einem Plot-Twist zu rechtfertigen, der relativ früh im Film auftaucht… und das Gesehene tatsächlich ein wenig in eine andere Perspektive rückt. Aber selbst danach kann die Story rund um Ray nicht wirklich Fahrt aufnehmen.

Das liegt zum einen daran, dass einem diese ganzen Charaktere nicht mehr am Arsch vorbeigehen könnten. Vin Diesels Ray ist halt einfach nur ein weiterer Typ auf nem Rache-Trip, nur dass er jetzt eben ein unbesiegbarer Supersoldat ist. Diesel darf wütend gucken und wütend grummeln und Leute kaputt kloppen. Also das, was er immer macht. Nur ist es hier halt so repetitiv, dass man sich schnell langweilt – zumal die Action auch eher sehr zu wünschen übriglässt.

Es gibt eine gute Kampfsequenz zu Beginn des Films in einem Tunnel, in dem Ray Axe und seinen Männern auflauert. Das ist cool inszeniert und macht durchaus Spaß, aber der ist nach 10 Minuten dann auch wieder vorbei. Alle weiteren Action-Sequenzen sind danach generisches Zeug und der große „Boss-Fight“ entwickelt sich hier zu einem CGI-Mischmasch, der fast schon an das noch schlimmere CGI-Fail am Ende von „Venom“ herankommt.

„Bloodshot“ ist einfach nichts Neues. Wenn Sony hier wirklich vorgehabt hat, ein neues Comic-Franchise aus dem Boden zu stampfen, dann hätten sie sich echt mehr Mühe geben sollen. Der Film liefert zwar irgendwie einen netten 90ies Vibe, wenn Vin Diesels Ray inmitten einer Gruppe von anderen „Supersoldaten“ aufwacht und die sich so hier und da mal ein paar Testosteron schwangere Sprüche an den Kopf werfen, aber diese anderen Typen lernt man nie wirklich kennen. Sie sind absolut egal. Das Gleiche gilt leider auch für Guy Pearce, der seine Rolle so gar nicht ausbauen kann… und Eiza Gonzalez ist irgendwie auch nur da, damit wenigstens eine Frau mit dabei ist.

Das Einzige, was vielleicht mal interessant ist, ist die Tatsache, dass „Bloodshot“ eine Comic-Superhelden-Verfilmung ist, in der mal nicht die Welt gerettet werden muss und am Ende ein riesiger blauer Strahl in den Himmel schießt und alles Leben bedroht. Aber ansonsten ist das halt 08-15-Action-Kino ohne nennenswerte Action. Ich hoffe, mit diesem Film ist das Valiant Cinematic Universe wieder ad acta gelegt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Vin Diesel mach Vin-Diesel-Zeug – nur in unspektakulär und langweilig)

Filmreise Etappe #25: Träume eines Regisseurs

3. April 2020

Nummer 25, ein weiterer kleiner Meilenstein der Filmreise-Challenge ist erreicht. Und weil das so ein traumhaftes Ziel ist, soll es heute nach all den Reisen ins Weltall mit „Dune“ und „Enemy Mine“ in die Welt der Träume gehen (ich verkünde auch hier gleich mal, dass ich bei Etappe 26 arg schummeln werde, aber ich kann da nicht anders – nächste Woche dazu mehr 😀 ). Dafür habe ich mir einen Film ausgesucht, den ich schon lange, lange, lange auf meiner Liste stehen habe… einen Film von Akira Kurosawa, den man ja sonst eher mit seinen großartigen Samurai-Filmen verbindet. Doch genau dieser großartige Regisseur hat sich in den 90er Jahren (unter Mithilfe von niemand Geringerem als Steven Spielberg UND George Lucas UND Martin Scorsese) ein ganz besonderes Projekt in die Kinos gebracht: „Akira Kurosawas Träume“ (oder auch einfach nur „Dreams“ oder „Yume“).

In diesem Film erzählt uns Kurosawa acht Geschichten, die von tatsächlichen Träumen des Regisseurs inspiriert wurden. Die wandeln dann von wunderschön märchenhaft (etwa wenn ein kleiner Junge die Hochzeit eines Fuchspaares beobachtet oder Puppengeister einen abgeholzten Pfirischhain wieder zum Leben erwecken), zu schaurig (eine in einem Schneesturm gefangene Truppe oder ein heimgekehrter Offizier, der von seinen gefallenen Kameraden heimgesucht wird), über fantastisch (ein Hobby-Künstler taucht in die Gemälde von Van Gogh ein und trifft dort den Meister selbst, gespielt von Martin Scorsese) bis hin zu postapokalyptisch unheimlich (Atomkraftwerke zerstören Japan, Dämonen wandeln auf der Erde)…

Ich liebe Kurosawas Filme… und mehr denn je ärgere ich mich, dass ich seine „Träume“ erst jetzt geguckt habe. Was für ein atemberaubender Film. Im ersten Augenblick denkt man sich noch: „Okay, das ist doch alles zu episodisch, das kann doch nicht wirklich funktionieren.“ Und ja, es stimmt… es gibt erst zum Ende einige Episoden, die ein klein wenig zusammenhängen. Ansonsten sind die Geschichten schon eher lose… aber zeichnet das nicht irgendwie auch das Träumen an sich aus? Eben ist man noch ein kleiner Junge, der Füchse bei der Hochzeit beobachtet, im nächsten Augenblick ein Bergsteiger und dann wandelt man durch ein kleines Dorf mit Wassermühlen und wohnt einer Beerdigung bei? Träume sind nicht logisch, verarbeiten aber dennoch Dinge, über die man sich sorgt (Atomkraft, Tod), die man gelesen hat (Märchen, Sagen), die man gesehen hat und die einen nicht mehr loslassen (die Gemälde eines Van Gogh).

Kurosawa findet für jeden seiner Träume eine neue Herangehensweise und andere Blickwinkel. Die Kinderträume sind märchenhaft schön, bunt und voller Magie. Je älter der Träumer wird, desto düsterer werden seine Gedankenwelten. Es ist genau diese träumerische Ungewissheit, die „Träume“ so faszinierend macht: Man weiß nie, was für eine Geschichte sich hinter der nächsten Schwarzblende verbirgt. Man ist erst ein wenig orientierungslos und wartet gebannt, was einen erwartet. „Träume“ entwickelt eine hypnotische Sogkraft, der man sich nicht entziehen kann. Kurosawa tobt sich hier richtig aus, nutzt die Möglichkeiten, sich mit jeder Episode neu zu erfinden.

George Lucas und seine Special-Effects-Asse von Industrial Light & Magic, die ja wahre Künstler sind, erschufen unter anderem die fantastischen Welten von Van Goghs Gemälden. Ishiro Honda, Regisseur des originalen Godzilla-Films, half bei dem Fuji-Weltuntergangsszenario (was man auch deutlich merkt – mit panischen Menschenmassen kennt der Mann sich einfach aus).

„Akira Kurosawas Träume“ ist ein wunderbar entschleunigter Film, der durch die Unvorhersehbarkeit seiner Episoden fasziniert und durch seine Vielfalt von Geschichten wunderbar unterhält. Kein typischer Film, sondern eher eine Kurzfilm-Reihe… aber eine tolle, filmisch eingefangene Traumsequenz.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Kurosawa beweist auch noch im hohen Alter, dass er wirklich ein Meister ist)

Guter Anwalt des Bösen

1. April 2020

Jetzt kommt das offizielle Ende einer Ära. Nachdem „Buffy“ sich nach sieben Staffeln von den TV-Bildschirmen verabschiedete, musste sich „Angel“ mit fünf Staffeln begnügen. Ähnlich wie die Mutter-Serie ging aber auch „Angel“ mit einem Knall – und, wenn ich ehrlich sein soll, noch etwas würdiger und kraftvoller als die Vampir-Jägerin und ihre Gang. Wie schon bei Staffel 4 und „Buffy“ Staffel 7 liegt auch hier die Sichtung bei mir zurück, aber da Joss Whedon in dieser letzten Angel-Staffel wirklich aus den Vollen schöpft, bleibt die Staffel noch lange in Erinnerung, weswegen ich mich jetzt auch noch nach Monaten der Sichtung zuversichtlich mit dem Finale von „Angel“ auseinander setzen kann. Denn das hat es echt in sich, obwohl ich nach dem „Cliffhanger“ durch Staffel 4 eher weniger begeistert war zu Beginn.

Angel (David Boreanaz) hat die Leitung der Anwaltskanzlei Wolfram & Hart überschrieben bekommen. Fred (Amy Acker) leitet die Forschungsabteilung, Wesley (Alexis Denisof) ist für die Forschungsabteilung verantwortlich, Lorne (Andy Hallett) ist (natürlich) für den Unterhaltungssektor zuständig und Gunn wird zum Top-Anwalt der Kanzlei, nachdem er alles Wissen übertragen bekommen hat. So schön das Leben vermeintlich auch ist, so sehr hat die Gruppe doch am Ende damit zu kämpfen, dass sie jetzt eigentlich für die Bösen arbeiten. Spike (James Marsters), der sich im großen Finale von „Buffy“ ja opferte, taucht plötzlich als eine Art Geist wieder auf und geht Angel auf den Keks. So kämpfen sich die Damen und Herren durch den allgemeinen Anwaltsalltag… bis es zum Ende der Serie richtig hart wird, denn Fred wird von einem Parasiten befallen, der sie tötet und statt ihrer übernimmt der uralte Dämon Illyria (ebenfalls Amy Acker) ihren Körper. Illyria herrschte einst über die Welt und will  das nun erneuern.

Eigentlich ist Staffel 5 echt ein kleiner Neustart für die Serie… und, wie schon erwähnt, einer, mit dem ich erst nicht so ganz klarkam. Von der kleinen Detektei, die Gutes tun und Wolfram & Hart bekämpft wird Angel nun ein ganz Großer, der scheinbar für die falsche Seite kämpft. Steckt hier etwa eine kleine Kapitalismus-Kritik a la Joss Whedon drin??? Dass der Kleine, egal, wie hart er kämpft, sich am Ende dem großen Konzern ergeben muss… und innerhalb dieses Konzerns dann schauen muss, wie er nicht seine Werte verliert??? Wenn man wollte, könnte man es tatsächlich so deuten… und irgendwie ist es tatsächlich eine schöne Allegorie für Angel.

Es ist aber auch einfach spannend zu sehen, wie seine Gruppe versucht, ihre eigenen Werte in dieser neuen Umgebung nicht zu verlieren. Man hat echt das Gefühl, das Whedon in Staffel 5 einfach alles aus diesen Charakteren herausholt, was nur geht. Staffel 5 überzeugt mit Witz – allein die ganze Spike-Nummer ist einfach nur köstlich. Aber auch die Folge mit Angel als Muppet ist großartig oder die, in der Lorne die Leben der anderen auf verrückte Art und Weise beeinflusst. Staffel 5 überzeugt aber auch mit spannenden Intrigen – immerhin taucht auf einmal Lindsay (Christian Kane) wieder auf – den haben wir das letzte Mal in Staffel 2 gesehen – und sorgt für Ärger. Richtig dramatisch und rührend und schmerzlich und was nicht noch alles wird es aber dann zum Ende hin mit der Illyria-Story. Da finden Wesley und Fred endlich zu einander und werden dann so brutal auseinandergerissen. Dafür ist Illyria einfach  mal wirklich krass. Amy Acker geht in der Rolle so richtig auf und liefert nach der lieben und netten Fred mit ihrer Dämonen-Königin (was auch immer sie ist) eine Meisterleistung ab.

Ich hätte gerne mehr von diesen ganzen Story gesehen… aber es sollte halt nicht sein. Immerhin verabschiedet sich  „Angel“ mehr als nur würdig und mit unglaublich guten Charakter-Momenten – selbst Connor (Vincent Kartheiser) ist in dieser Staffel in seinem kurzen Gastauftritt super – und Charisma Carpenter bekommt für Cordelia eine unheimlich gute und wunderschöne Verabschiedung. „Angel“ Staffel 5 ist der Hammer! Ich wünschte, jede Serie würde so gekonnt in die Absetzung gehen – sich selbst noch einmal komplett neu erfinden, sich dabei aber auch extrem treu bleiben und alle Charaktere würdig verabschieden. Besser geht’s nicht!

Wertung: 10 von 10 Punkten (gerade nach dieser Staffel hätte man sich eigentlich mehr gewünscht…)

Meine Frau, mein Klon und ich

30. März 2020

Ich fange selten sofort mit neuen Serien an, die mir Netflix so vorschlägt. Man nehme nur „Haunting of Hill House“ als Beispiel. Das hat bei mir ein Jahr gebraucht, bis ich das endlich mal geguckt habe. Aber hey, besser spät als nie (gerade in Bezug auf diese Serie… unbedingt gucken, wenn ihr euch mal wieder richtig gruseln wollt – das aber nur am Rande). Jetzt bin ich jedoch mal wieder sehr schnell auf einen Serienzug aufgesprungen… wegen Paul Rudd (schnell ist jetzt relativ, die Serie habe ich recht schnell gesehen… die Kritik hat dann etwas gedauert, bis sie veröffentlicht wurde 😀 ). Ich mag ihn einfach, ich mag seine Rollen, ich mag ihn als Typen (ich hatte auch schon das Vergnügen, ihn zwei Mal interviewen zu dürfen und ja, er ist auch da ziemlich cool drauf). In „Living With Yourself“ spielt er sogar gleich doppelt mit… wenn das nicht DER Selling Point für jeden Rudd-Fan schlechthin ist, dann weiß ich auch nicht.

Miles (Rudd) ist unzufrieden mit seinem Leben. Irgendwie hat er die Lust an allem verloren. Darunter leidet sein Job und seine Ehe mit Kate (Aisling Bea). Irgendwann empfiehlt ihm ein Kollege ein Spa… deren Behandlung habe ihm sehr geholfen. Also bucht Miles da etwas… und wacht nach der Behandlung beerdigt in einem Waldstück wieder auf. Nachdem er sich mühsam nach Hause gequält hat, wartet da die nächste Überraschung: Er, Miles, ist schon längst da. Nur ist dieser Miles nicht der richtige Miles, sondern viel lebensfroher und glücklicher. Ein Trip der zwei Milese zu dem Spa enthüllt dann alles: Die töten den Kunden und klonen ihn einfach neu – komplett mit allen Erinnerungen. Bei Miles hat das mit dem Töten nur leider nicht so ganz funktioniert. Miles Original und Miles Klon müssen nun schauen, was sie machen…

Die Idee von „Living With Yourself“ klingt herrlich verrückt und schön schräg. Mein Problem mit der Serie ist nur, dass daraus nicht wirklich viel gemacht wird. Diese Geschichte hätte in alle möglichen Richtungen gehen können: pure Komödie, in der zwei Miles in die unterschiedlichsten verrückten Situationen geraten. Nachdenkliche Studie darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Das hätte die Richtung „Ex Machina“ einschlagen können. Ist ein Mensch automatisch ein Mensch, nur weil er Erinnerungen an etwas hat? Was zeichnet uns als Person aus? Welchen Status hätte ein Klon in diesem Zusammenhang. „Living With Yourself“-Autor und Creator Timothy Greenberg entscheidet sich leider für einen eher unspektakulären Mittelweg, der beide Möglichkeiten so ein bisschen ankratzt, ohne sich jedoch wirklich an einer Stelle mal was zu trauen.

Richtig komisch ist „Living With Yourself“ nie… und das ist besonders schade, weil ein Paul Rudd so überhaupt nicht zur Geltung kommt.. Er spielt alles gut, ohne Frage. Ich finde es auch beeindruckend, wie gut die Serie und vor allem Rudd die Unterschiede der einzelnen Miles-Rollen ausarbeitet. Doch sein komisches Talent kommt nie zur Geltung. Die Serie fordert ihn eigentlich nie wirklich heraus und lässt auch keine sonderlich beeindruckende Veränderung der Charaktere zu.

Richtig zum Nachdenken ist die Serie dann leider auch nie. Dafür stürzt sich das Ganze dann zu sehr einfach auf das Liebesdreieck, das entstanden ist. Denn sowohl Klon-Miles als auch Original-Miles finden plötzlich zu Kate zurück. Es gibt einen kurzen Moment, wo Klon-Miles sich eine Klon-Kate machen will… aber auch das wird schnell wieder unter den Tisch gekehrt. Dabei wäre das wenigstens mal eine interessante Entwicklung in einer Story gewesen, die kaum Höhen vorweisen kann.

Das Ganze ist wie eine moderne Form von Frankenstein konzipiert… nur leider ohne eine wirkliche Entwicklung. Frankensteins Monster sucht seinen Platz in dieser Welt, wird gejagt und verfolgt. Klon-Miles sucht zwar auch seinen Platz, aber diese Sinnsuche beschränkt sich nur darauf, Original-Miles dazwischen zu funken. Hier wäre dann wenigstens Platz für Comedy gewesen, die Greenberg aber auch nicht zuletzt. Sonst wäre „Living With Yourself“ eher zur Sitcom geworden.

Die Serie ist okay… aber leider vollkommen unspektakulär und nutzt ihr Potenzial einfach überhaupt nicht aus. Am Ende dieser acht Folgen gibt es sogar eine Art Cliffhanger… doch ich hoffe ganz ehrlich, dass sie dieses Projekt wieder einstellen. Es gibt einfach so viel bessere Serien als das.

Wertung: 4 von 10 Punkten (auch ein doppelter Paul Rudd hilft hier nicht)

Random Sunday #28: The Wall

29. März 2020

In diesen Zeiten fehlt es mir richtig, nicht mehr in den Buchladen meines Vertrauens gehen zu können. Einfach mal ein bisschen stöbern, mal einfach nur ein Buch nach seinem Cover beurteilen, um dann zu checken, ob der Buchrücken-Inhalt den Versprechungen des Covers gerecht werden kann. Ja, im Buchladen selbst kommt es schon noch auf eine gewisse Oberflächlichkeit an, um mein Interesse zu erwecken. Am Ende zählt natürlich trotzdem nur das, was im Inneren zu finden ist. Es ist einfach schön, zu stöbern… aber manchmal landet man auch beim Stöbern bei etwas, was im ersten Augenblick gut klingt und dann doch sehr abnimmt. So geschah es bei mir und „The Wall“. Das minimalistische Cover sprach mich an, dann las ich den Inhalt von John Lanchesters fünften Roman:

Wir befinden uns irgendwann in einer nicht allzu fernen Zukunft. Eine Klimakatastrophe hat weite Teile der Erde offensichtlich unwirtlich gemacht (genauer erfahren wir es leider nie). Großbritannien hat daher – zum Schutz – um das ganze Land eine riesige Mauer errichtet. Allerdings nicht zum Schutz vor weiteren Naturkatastrophen, sondern zum Schutz vor den „Others“ (und nein, es hat nichts mit „LOST“ zu tun). Junge Erwachsene müssen sich als Defender zum Wachdienst auf der Mauer für zwei Jahre einfinden – Kavanagh ist gerade dabei, seinen Dienst auf der Mauer anzutreten.

Die Prämisse klingt doch aufregend und viel versprechend, oder nicht? Lanchester baut auch das Mysterium rund um diese Mauer und diese neue Situation zu Beginn recht gut auf. Was dieser „Change“ gewesen ist, der die Welt verändert hat, erfahren wir nie richtig. Aber es passt gerade zur aktuellen Lage, vor allem wie junge Menschen wie Kavanagh reagieren. Sie hassen die Generation ihrer Eltern, die den Change hervorgerufen haben, die für die unmögliche Situation verantwortlich sind. Da könnte man meinen, dass „The Wall“ mehr noch auf diesen Generationen-Clash eingehen wird. Leider passiert das in genau einem kurzen Kapitel und auch nicht sonderlich tiefgründig.

Da zeigt sich dann schon mal eine große Schwäche des Romans: Tiefgründigkeit liegt Lanchester hier nicht so sehr am Herzen. Kavanagh bleibt als Ich-Erzähler kaum greifbar. Wir erfahren eigentlich kaum was über ihn, was irgendeine Relevanz hat. Als „Held“ dieser Geschichte ist er banal und langweilig. Selbst seine Beziehung zu Hifa, einer Defenderin, die er auf der Mauer kennenlernt, ist kalt, obwohl der Roman sie eigentlich gerne als große Liebe beschreiben möchte. So kalt und eisern wie die Mauer hier steht, so ist leider auch der Roman.

Dazu kommt, dass Lanchester aus der Prämisse nichts macht. Die Others werden zu einem großen Mysterium gemacht, entpuppen sich aber schon sehr schnell als Flüchtlinge der Katastrophe. Warum die aber so dringend nach Großbritannien wollen, warum es immer diese Wellen gibt, erklärt uns Lanchester auch nicht. Er wirft uns einfach nur Brocken hin, reiht das lose in seiner Geschichte aneinander und hofft, dass wir das ganze Szenario irgendwie doch ganz spannend finden. Leider bleibt die Welt nach wie vor nicht greifbar. Defenders, die ihren Job nicht ordentlich machen, werden auf hoher See ausgesetzt… die größte Sorge von Kavanagh. Warum das so ist? Keine Ahnung…

Lanchesters Dystopie hat viel Potenzial und wirft viele spannende und interessante Fragen auf, langweilt aber leider ziemlich schnell… und das einfach nur deswegen, weil „The Wall“ es nicht schafft, dem Leser die Figuren und die Welt näherzubringen. Mit jedem der drei Teile, in die das Buch aufgeteilt ist, fiel mein Interesse an dieser Geschichte – einfach, weil ich nur noch Berichte lesen musste: es passiert das, dann geschieht das, dann das und dann geht es so weiter… was das alles wirklich mit den Charakteren anstellt, erfährt man nicht.

„The Wall“ verliert wahnsinnig schnell an Spannung und verlor noch schneller mein Interesse, so dass ich mich auf den letzten Seiten arg quälen musste… nur um dann auch noch von einem sehr offenen und unbefriedigenden Ende enttäuscht zu werden. Also… lasst lieber die Finger von dieser Mauer.

Filmreise Etappe #24: Mein Feind, der Freund

27. März 2020

Wolfgang Petersen ist einer der Regisseure, der in meiner Kindheit durchaus eine Relevanz hatte… nur das ich damals halt seinen Namen noch nicht kannte. Das ist mir jetzt erst wieder durch die Filmreise-Challenge bewusst geworden. Seine Verfilmung von „Die unendliche Geschichte“ war einer der ersten Kinofilme in meinem Leben, der mal nicht von Disney stammte oder animiert gewesen ist. Aber es gibt noch einen zweiten Film in seiner Laufbahn, den ich damals als kleiner Junge mehrfach gesehen habe… und das ist ein Film, der wunderbar zu Etappe 24 passt: „Enemy Mine“.

Die Menschheit führt im Weltall einen angespannten Krieg mit den reptilienartigen Dracs. Willis Davidge (Dennis Quaid) ist Raumpilot und schießt bei einem Ausflug einen feindlichen Gegner ab. Dabei gerät er aber selbst in Gefahr und beide – Mensch und Drac – stürzen auf einem unwirtlichen und unbewohnten Planeten ab. Der anfängliche (eingetrichterte) Hass zwischen Willis und dem Drac Jerry (Louis Gossett Jr.) weicht schon bald einer aus der Not entstandenen Freundschaft, die im Kampf ums Überleben immer wichtiger wird.

Ich habe diesen Film seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr gesehen und war gespannt, wie gut ich diesen Film noch in Erinnerung hatte. Gleich zu Beginn habe ich sofort gemerkt, warum mir „Enemy Mine“ schon damals gut gefallen hat: Petersens Version eines unwirtlichen Planeten sind einfach wunderbar aus. Dank seiner langen Wanderungen auf dem Planeten liefert uns der Film verschiedene Orte an: Wüsten, Bergketten, steinerne Wälder und was man sich sonst noch so verrücktes für einen Planeten ausdenken kann. Nachts „regnet“ es Meteoriten, es wuselt komisches Viehzeug herum. Ich muss wirklich sagen, allein nur die Inszenierung des Planeten ist schon verdammt sehenswert.

Dazu kommt dann eben noch diese Geschichte von zwei Feinden, die zu Freunden werden. Wie politisch man dieses Thema in Zeiten des Kalten Krieges werten darf, überlasse ich mal jedem selbst. Wenn man aber bedenkt, dass der Film Mitte der 80er in die Kinos kam, schwingt das schon an vielen Stellen mit. Denn eigentlich wissen beide Kämpfer nicht wirklich viel über den anderen, jeder hängt in seiner eigenen Vorstellung des Feindes gefangen… so glaubt Jerry dann auch, dass Mickey Mouse ein wichtiger Heiliger für Davidge ist. Die Unkenntnis der Soldaten über ihre Gegner ist, was sie zu perfekten Feinden macht. Ähnliches wurde ja auch schon mal in einer Folge von „Black Mirror“ aufgegriffen.

Dennis Quaid spielt eigentlich so eine Art Robinson Crusoe im Weltall, wodurch die Rolle von Louis Gossett Jr. immer ein wenig heruntergespielt wird. Dennoch funktioniert dieses Szenario ganz gut, wird Quaids Willis Davidge doch mit einigen Problemen konfrontiert, die gerade aus ihm einen besseren Menschen machen, der dann später den Dracs helfen kann. Eigentlich ist Quaid also sogar eine Mischung aus Robinson Crusoe und Space-Jesus, der Friede und Liebe bringt.

Der Mittelteil des Films war mir dann doch etwas zu langatmig und verfängt sich für meinen Geschmack zu sehr in religiösem Gerede, das jetzt nicht unbedingt zur Spannung beiträgt. Dank der guten Arbeit von Quaid und Gossett Jr. (der übrigens ein großartiges Kostüm hat, da muss man die Kostümbildner und Make-Künstler in diesem Film echt loben) kann man das aber verschmerzen… zumal Petersen ja noch die ein oder andere Überraschung in petto hat.

„Enemy Mine“ ist dank der großartigen Kulissen und Kostüme und des geringen CGI-Charakters gut gealtert. Es ist keine Sci-Fi-Story im klassischen Sinne. Viele aufregende Weltraumschlachten oder Einblicke in eine zukünftige Gesellschaft bekommen wir nicht. Aber die Geschichte, die erzählt wird, ist zeitlos… und kann sich auch heute noch sehen lassen.

Wertung:  7 von 10 Punkten (nachdenklich stimmendes Survival-Abenteuer)

Black Betty

25. März 2020

Die Zeiten sind gerade echt etwas skurril, das kann man wohl nicht anders beschreiben. Corona hat die Welt fest in ihrem Griff… und ich hoffe, euch geht es da draußen, den Umständen entsprechend, gut. Ich hoffe, ihr habt genug Klopapier, Nudeln und Desinfektionszeug und kommt ohne Schwierigkeiten durch diese Tage. Kinos machen alle dicht, mein letzter regulärer Film war „Der Spion von nebenan“. Deswegen glüht, wie wahrscheinlich bei so vielen, jetzt bei mir fleißig Netflix und/ oder Amazon Prime. Aus purer Langeweile habe ich mir letztens „Spenser Confidential“ angeschaut – ein Film, der mich eigentlich nicht sonderlich interessiert hatte, aber den Netflix mir immer und immer wieder vorgeschlagen hat. Also gab ich dem mal eine Chance.

Spenser (Mark Wahlberg) war mal Cop. Weil er aber seinen Captain (Michael Gaston) brutal zusammenschlug (der sowohl seine eigene Frau schlug als auch in der Arbeit Spensers Ratschlägen nicht folgte), landete Spenser im Knast. Nach fünf Jahren wird er nun endlich entlassen… und an dem gleichen Tag wird sein einstiger Captain brutal ermordet. Weil ein anderer Cop, den Spenser gut kannte, dafür verantwortlich gemacht wird, beginnt der Ex-Bulle, der eigentlich lieber Lastwagenfahrer werden will, mit eigenen Ermittlungen – an der Seite sein alter Box-Mentor Henry (Alan Arkin) und dessen neuester Schützling und Spensers neuer Mitbewohner Hawk (Winston Duke).

Mark Wahlberg wandelt auf den Spuren von „Jack Reacher“ und „Rocky“. Anders kann ich diesen Film nicht beschreiben. Der basiert wohl lose auf den Detective-Novels des Autoren Robert B. Parker, der seinem Privatschnüffler Spenser ganze 40 (!) Romane gewidmet hat. Ich gestehe, ich habe nicht einen davon gelesen, aber da steckt wohl noch genug Stoff für Mark Wahlberg drin (der Film endet ja sogar damit, dass sich schon der nächste Fall andeutet). Aber ich weiche ab:

Wahlbergs Spenser ist wirklich ein bisschen wie Tom Cruises Jack Reacher. Wenn Spenser einmal ausrastet, dann legt er sich auch ohne Probleme mit mehreren Gegnern gleichzeitig an. Weil er war mal Boxer und deswegen ist er schon fast ein kleiner Superheld. Ging ja Tom Cruise auch nicht anders. Die Verbindung zu Rocky Balboa ist dann durchs Boxen gegeben. Alan Arkin spielt den sympathischen Boxtrainer, wir haben eine schöne Trainingsmontage und eben einen Boxer, der einen anderen Boxer ausbildet. Damit erklärt sich dann, wie schon erwähnt, warum Spenser so krass drauf ist.

Wahlberg verleiht diesem Spenser tatsächlich Charisma, dennoch fand ich es eher schade, dass in dem ganzen Film  nicht einmal so richtig dieses Detektive-Gefühl aufkommt. Spenser rennt durch die Gegend und prügelt sich mit Menschen. Das ist seine Art, Fälle zu lösen. Okay, zwischendurch befragt er auch mal wen, aber so richtig spannend ist das alles nicht. Der Film lädt nicht groß zum Mitraten ein und möchte lieber, dass wir uns an Wahlberg in engen weißen Hemden ergötzen (warum muss er eigentlich fast immer in solchen Filmen Hemden tragen, die bei jeder Bewegung theoretisch platzen müssten wie beim Hulk???).

Das Gute an „Spenser Confidential“ sind tatsächlich die Darsteller: Mark Wahlberg passt irgendwie in diese Rolle. Man hat das Gefühl, er spielt sich einfach selbst. Er ist charmant, schlagfertig (sowohl in Wort als auch Faust), clever. Alan Arkin ist mein persönliches Highlight in diesem Film und „Us“-Star Winston Duke funktioniert super als lakonischer Tierliebhaber und Buddy-Boxer zu Wahlbergs Detektiv.

Dennoch hat der Film ein Problem: Für eine Buddy-Action-Komödie funktioniert leider nur der Buddy-Teil. Die Action ist zwar nett, aber auch nicht berauschend. Ein paar der Kämpfe sind gut inszeniert, aber hauen halt nicht wirklich vom Hocker. Die Komödie ist irgendwie immer nur hier und da mal am Köcheln. Wirklich als Komödie kann man das nicht bezeichnen. Okay, Wahlberg darf mal hier und da einen Spruch reißen, Stand-Up-Comedian Iliza Shlesinger wird komplett zum comic relief abgestempelt (obwohl ihre Cissy sehr viel mehr Potenzial hätte) und ja, Duke ist manchmal einfach durch seine langsame, gemütliche Art witzig. Wirklich Haha-Witzig ist selten was.

„Spenser Confidential“ hat durchaus Potenzial – und ist definitiv unterhaltsamer (nicht unbedingt besser) als die Jack-Reacher-Filme. Sollte es einen zweiten Teil geben, sollten sie mehr an der Story arbeiten: ich will mehr Detektiv-Arbeit und gerne dann auch mehr Action und mehr Comedy.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Wahlberg könnte witziger sein, die Action besser und die Story ein bisschen fordernder)

Ebene 48

23. März 2020

In „Cube“ wachten Menschen plötzlich in einem unheimlichen und tödlichen Gefängnis auf, das ihnen mit jedem neuen Raum neue Aufgaben und Gefahren präsentierte. In „High Rise“ wurde eine ganze Gesellschaft in einem Wolkenkratzer gepackt und quasi sich selbst überlassen. Bevor Bong Joon-ho eine Familie zu einem Parasiten werden ließ, jagte er die letzten Überlebenden der Menschheit in einem Zug durch die eisige Wüste von dem, was einst die Erde gewesen ist. Filmemacher lieben solche Gedankenexperimente darüber, wie der Mensch in Isolation sich selbst überlassen, seine wahre Identität zeigt. Wie viel Menschlichkeit wird sich in diesen Situationen finden? Wird der Mensch einfach zurückkehren zu „Fressen und gefressen werden“? In die Reihe dieser Film gesellt sich nun ein weiterer Film, der herrlich gut mit all diesen Dingen spielt: „Der Schacht“ von Galder Gaztelu-Urrutia.

Goreng (Ivan Massague) wacht auf Ebene 48 auf. Er hat sich freiwillig dafür entschieden… die nächsten Monate wird er hier verbringen. Über und unter ihm leben auf einer Ebene immer zwei Menschen. Jeden Monat wechseln die „Gefangenen“ ihre Ebene. Goreng „Mitbewohner“ Trimagasi (Zorion Eguileor) war schon mal in Ebene 172. Dort herrscht denn das Problem, das man nichts mehr zu essen abbekommt. Das ist nämlich das Besondere am Schacht: Jeden Tag fährt eine Plattform voller Essen die einzelnen Ebenen ab. Theoretisch wäre genug für jeden da, doch die Sucht der Menschen sorgt dafür, dass die unteren Ebenen nur wenig bis gar nichts abbekommen.

„Der Schacht“ präsentiert sich im ersten Augenblick wirklich als „Cube“-Klon. Die minimalistischen Sets sind bedrückend leblos, was das alles soll, ergibt sich nicht wirklich. Einige, wie Goreng sind freiwillig da, andere nicht. Was es genau mit diesem Schacht und den Ebenen auf sich hat, wird nicht wirklich deutlich. Ähnlich wie „Cube“ reicht aber hier das Setting aus, um sich in diese verrückte Welt einzuleben.

Anders als bei „Cube“ bietet sich „Der Schacht“ dann im Laufe der Zeit doch als packende Allegorie auf das Leben an. Wer ist der geheimnisvolle alte Mann, der seine Köche die reichsten und nahrhaftesten Speisen kochen lässt, um sie den Menschen unter ihm zu geben? Jupp, die religiösen Metaphern sind in „Der Schacht“ sehr häufig zu finden. So wird Goreng von seinen Mitgefangenen auch Messias genannt… der ganze Schacht also eine Metapher für Gott, der seine Zöglinge mit Geschenken versorgt, die aber nicht gerecht verteilt werden. Da spielt natürlich auch eine Kritik an der Gier eine große Rolle. Wenn alle nur essen würden, was sie brauchen, würde die Plattform mehr versorgen können.

„Der Schacht“ vermeidet es dabei sehr gut, die ganze Zeit mit erhobenem Zeigefinger dazustehen, sondern liefert eben einen Film, der einen mit all diesen offenen Fragen und Allegorien auch neben der minimalistischen Handlung gut unterhält. Gerade Zorion Eguileor ist in diesem Film ein absolutes Highlight, sein Trimagasi ist auf der einen Seite der süßeste, kleine Opa, hinter dem sich aber ein berechnender Geist verbirgt. Unglaublich gut. Überhaupt sind es in „Der Schacht“ gerade die Darsteller, die so überzeugend sind, dass man ihnen das Leiden und ihre Qualen in diesem unglaublichen Szenario absolut abkauft.

Dieser Film hat es schon in sich: er ist philosophisch angehaucht, ohne zu dick aufzutragen. Er ist deprimierend, wegen der Menschen in diesem Schacht. Er ist spannend wegen all der Geheimnisse, die man entdecken will (und auch kann und eben auch nicht!). Er ist unterhaltsam, weil spannend (siehe Punkt davor)… und er ist in seinen Darstellungen der Gewalt auch nicht zimperlich. Rundum eine bitterböse, fiese Angelegenheit.

Wertung: 8 von 10 Punkten (aufregendes und bitterböses Gedankenspiel)

Filmreise Etappe #23: Sandwurm reitender Erlöser

20. März 2020

Zwei Kategorien der Filmreise habe ich schon durch, jetzt beginnt die Fantasiereise… die mit einem Film anfangen soll, der auf einem fremden Planeten oder im All spielt. Da hatte ich also nun endlich mal die passende Gelegenheit, einen Film nachzuholen, dessen Vorlage ich sehr toll fand und auf dessen Neuverfilmung ich mich sehr freue: „Dune“. Frank Herberts Buch habe ich mal vor Ewigkeiten gelesen (aber auch nur den ersten Band, nie die komplette Reihe, was ich aber unbedingt mal nachholen will). Auf Denis Villeneuves Version von „Dune“, die ja Ende des Jahres kommen soll, freue ich mich extrem. Villeneuve kann nichts falsch machen! Doch vor der ganzen Herbert-Saga und Villeneuves Film ist jetzt erst einmal David Lynch an der Reihe.

Dabei ist die Vorgeschichte zum Film fast interessanter als der Film selbst: Ursprünglich sollte ja Alejandro Jodorowsky den Roman verfilmen. Der versammelte, was Rang und Namen hatte. H.R. Giger, der Designer hinter dem Xenomorph, sollte für die Sets sorgen. Salvador Dali, Orson Welles und Mick Jagger sollten vor der Kamera agieren. Es gibt eine tolle Doku namens „Jodorowsky’s Dune“, die Bilder zeigt, die in der Vorproduktion entstanden… das sah schon alles verdammt toll aus und hätte vielleicht wirklich einer der besten Filme aller Zeiten werden können. Doch das Projekt verlief im Sand, Designs tauchten in zahlreichen anderen Filmen auf… und irgendwann kam David Lynch an die Reihe.

Der verfilmte dann die Geschichte von Paul Atreides (Kyle MacLachlan), der mit seinem Vater (Jürgen Prochnow) auf den Wüstenplaneten Arrakis reist. Dort wird eine enorm wichtige Droge abgebaut, mit deren Hilfe Navigatoren durchs All reisen können: Splice. Auf dem Wüstenplaneten leben aber auch riesige Sandwürmer und die sogenannten Fremen, ein freies Volk Arrakis‘, dass sich gegen die Fremdherrschaft auflehnt. Paul und seine Familie geraten zudem in einen politischen Konflikt, der durch den Imperator und den Baron Harkonnen (Kenneth McMillan) angezettelt wurde.

Die Story ist recht kompliziert, wie man vielleicht unschwer an meiner eher schlechten Zusammenfassung erkennen kann. Herbert vermischt Politik mit Religion, lässt Paul zu einem vorherbestimmten Erlöser werden, garniert das Ganze mit Science-Fiction, Intrigen und riesigen Sandwürmern. Herberts Roman „Dune“ entführt seine Leser in eine reiche und komplexe Kultur. Daran wiederum scheitert der Film leider: Der Film ist voll mit Charakteren, voll mit Verweisen und Hinweisen. Es muss viel in kurzer Zeit erklärt werden, komplexe Strukturen müssen mal eben in aller Schnelle runtergebrochen werden – die Story verliert sich in seinen Erklärungen und der Fülle an Figuren, die alle irgendwie eine Rolle spielen.

Man kann schnell der Überblick verlieren, wer was warum sagt, macht und tut… und ganz ehrlich, wenn ich nicht noch so einige grundlegende Dinge vom Buch im Kopf gehabt hätte, würde ich sagen, dass der Film überfordert. Was er sicherlich auch tut, wenn man sich nicht vorher ein wenig auskennt. Da schwächelt das Drehbuch extrem (und irgendwie bin ich ganz froh, dass Villeneuves Version nur der erste Teil des ersten Romans sein soll – da wird das hoffentlich besser funktionieren).

Nichtsdestotrotz bleibt der Film recht nahe an den Ereignissen der Vorlage dran, aber wie gesagt: Es ist alles ein bisschen viel. Dann hört man auch noch viele Gedanken der Charaktere und muss das auch noch irgendwie in die Geschichte einbinden… das wird irgendwann einfach echt ein bisschen zu viel.

Man merkt das selbst den Darstellern ein wenig an, die doch sehr hölzern ihre Dialoge rüberbringen und ich hatte manchmal das Gefühl, die wissen selbst nicht so genau, was sie da eigentlich erzählen.

Optisch ist „Dune“ aber durchaus ein sehenswerter Film. Man kann durchaus erahnen, was daraus wirklich hätte werden können. Gerade Arrakis, die unendlichen Weiten und die Sandwürmer setzt Lynch ziemlich gut um. Aber auch der Science-Fiction-Aspekt kommt nicht zu kurz… dennoch muss man schon sagen: Dafür dass der Film in einer Zeit herausgekommen ist, in der schon alle drei „Star Wars“-Filme gezeigt hatten, wie man Sci-Fi sehr realistisch aussehen lassen kann, wirkt manches noch etwas hölzern (was aber wohl auch sehr der Produktionsgeschichte des Films geschuldet ist). Die Ideen sind spürbar und teils auch echt gut umgesetzt, aber schon damals hätte das auch besser aussehen können.

Lynchs „Dune“ ist jetzt kein schlechter Film. Er ist nur schlecht gestartet und leidet unter seiner turbulenten Vorgeschichte. Fans des Buches dürften sicherlich nicht sonderlich begeistert sein und diejenigen, die das Buch nicht kennen, dürften sehr viele offene Fragen haben. Ich hoffe, dass Villeneuve das besser hinbekommt und dem Roman gerechter werden kann.

Wertung: 5 von 10 Punkten (wenn die Vorgeschichte spannender ist als der tatsächliche Film, weiß man, dass Lynch nie eine Chance hatte)