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Lagerhalle Nr. 13

23. Mai 2018

Ich brauchte mal wieder eine Dosis Mystery in meinem Serien-Leben. Dieser Platz ist nämlich schon seit längerer Zeit ziemlich leer. Kann es vielleicht doch daran liegen, dass ich zu sehr mit „Akte X“ aufgewachsen bin und sich heutzutage keiner mehr so richtig für Mystery interessiert. Also gut, vielleicht sollte ich diesen Wunsch nach Mystery spezifizieren: Ich meine damit so was wie „Akte X“, wie „Fringe“ oder ja, auch so ein bisschen was wie „Alias“ (in seinen besseren Folgen wohl gemerkt). Genauer gesagt, war ich auf der Suche nach ein bisschen Krimi, ein bisschen Buddy-Cop-Kram und eben ein bisschen Verschwörung. Das ganze „Black Mirror“-Gegucke macht mich ja ohnehin schon viel zu paranoid, da kann es auch mal ein bisschen was sein, dass nebenbei auch noch gut unterhält (denn das fehlte mir bei „Black Mirror“ Staffel 3, aber dazu komme ich in einer späteren Kritik). Die wunderbare Frau an meiner Seite hatte dann eine wunderbare Idee… und fragte mich eines Tages, ob ich die Serie „Warehouse 13“ kennen würde. Eine Frage, die ich verneinen musste und die bei ihr auf amüsiertes Lächeln stieß, bin ich doch sonst immer der „Experte“ für alles, was Film und Fernsehen angeht. Aber ich kann ja nun auch nicht jede Serie kennen. Gut, über kurz oder lang zeigte sie mir ein paar Trailer und ich war interessiert genug, um uns die Serie zu beschaffen. Und was soll ich sagen? Staffel 1 hat meinen Durst nach Mystery-Buddy-Cop-Kram ziemlich gut gestillt.

Tief im Nirgendwo von South Dakota steht mitten im Nirgendwo ein scheinbar altes und verlassenes Lagerhaus. Hierhin werden die beiden Secret Service Agenten Myka Bering (Joanne Kelly) und Pete Lattimer (Eddie McClintock) versetzt, um dem verschrobenen Hüter dieses Lagerhauses, Artie (Saul Rubinek) zu helfen. Doch wobei? Nun, im „Warehouse 13“, so die offizielle Bezeichnung, werden Artefakte gelagert, Artefakte, die besondere Fähigkeiten haben und die in den falschen Händen für Chaos und Zerstörung sorgen können (obwohl einige Artefakte auch in den richtigen Händen nichts Gutes bedeuten). Nur widerwillig lassen sich Agent Bering und Lattimer auf ihre Arbeit ein, doch ihre Mission schweißen sie nach und nach als Team zusammen.

Meine neuen Mulder und Scully

Ich mag „Warehouse 13“ sehr… eigentlich mochte ich es schon von Folge 1 an – einfach nur aus dem Grund, weil es wirklich die perfekte Weiterführung des großen Mysteriums aus „Jäger des verlorenen Schatzes“ ist. Da wird ja am Ende die gefährliche Bundeslade, die Indy unter Einsatz seines Lebens geborgen hatte, in einem mysteriösen Lagerhaus in eine Kiste gepackt und verstaut. „Warehouse 13“ ist im Grunde dieses Lagerhaus (und ich bin wirklich sehr, sehr gespannt darauf, wann wohl dieser Indiana-Jones-Gag in der Serie kommen wird bzw. ob er überhaupt kommen wird; mir würde ja schon reichen, die Kiste einfach mal irgendwo im Hintergrund zu sehen 😉 )

Die Prämisse hat mir also schon von Anfang an gefallen und es war auch seit langem mal wieder eine Serie, bei der ich das Einzel-Episoden-Konzept schön erfrischend fand. Jede Episode wird ein anderes Artefakt gesucht. Zum Glück hat die Serie in der ersten Staffel nur 13 Folgen, dementsprechend gibt es kaum zu langweilige Artefakt-Suchen, auch wenn natürlich mal eine Folge spannender und eine weniger spannend ist (zum Beispiel fand ich die Indianer-Folge nicht sooo aufregend). Cool an den ganzen Sachen ist aber, dass sie zumindest bis zu einem gewissen Grad in der tatsächlichen Realität geerdet sind. Sprich: so ziemlich jedes Artefakt hat eine wahre Geschichte – und sei es eben nur, weil es die Disco-Kugel aus dem Studio 54 ist oder die Feder von Edgar Allen Poe oder oder oder. Natürlich sind die Fähigkeiten fiktiv, aber so ist es irgendwie glaubwürdige Fiktion innerhalb eines schrägen Serien-Universums.

Wirklich gut sind auch die Hauptdarsteller… Eddie McClintock und Joanne Kelly sind ein toller Agenten-Pärchen und haben sich schon jetzt fest hinter Mulder und Scully eingereiht. McClintock spielt wunderbar humorvoll, sein Pete ist ein kleiner Möchtegern-Macho mit Herz. Das perfekte Ying zu Joanne Kellys Yang als taffe Myka, die versucht mit Köpfchen vorzugehen. Die Beiden liefern sich gute Wortgefechte. Saul Rubinek spielt den Walther Bishop des Warehouse, der sich natürlich mit allen Belangen bestens auskennt.

Es ist auch schön zu sehen, dass sich die Staffel zum Ende hin dann doch auch einer etwas größeren Story widmet, die ein paar Folgen überspannt und am Ende ein aufregendes Finale abliefert.

Mal abgesehen von den nicht mehr immer so toll anzuschauenden Effekten, die das Gucken von „Warehouse 13“ an einigen Stellen etwas zum Fremdschämen werden lässt, ist Staffel 1 perfekte Unterhaltung, die sich zwar ernst nimmt, aber auch immer sehr gut über sich selbst lachen kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Indys Lagerhalle existiert wirklich)

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Krieg in Azeroth

21. Mai 2018

Ich habe absolut keine Ahnung von „World of Warcraft“… obwohl ich mir ziemlich sicher, dass ich – wenn ich damals die Mittel dazu gehabt hätte – mich in dieser riesigen Online-Spiele-Welt sau wohl gefühlt hätte. Das war nämlich genau auch die Zeit, in der ich Spiele wie „Gothic“ und was weiß ich nicht alles spielte. Fantasy-Rollenspiele fand ich cool, nur war ich technisch einfach nicht in der Lage, am Ball bleiben zu können. Irgendwie bin ich jetzt auch froh, weil ich ziemlich sicher weiß, dass ich da wirklich hätte süchtig von werden können. Also: Ich kam auch ohne „WoW“ klar… weswegen ich 2016 auch null Begeisterung für den „Warcraft“-Film aufbringen konnte. Kurz war ich interessiert, als ich hörte, dass Duncan Jones die Regie übernehmen würde, aber als ich dann erste Trailer sah, war das Ding für mich gestorben. Riesige CGI-Orks kämpfen gegen Menschen – das sah mir irgendwie wie ein grell-bunter Versuch, „Lord of the Rings“ nachzumachen und das Ganze schön als „WoW“-Film zu verkaufen, um die Fans ins Kino zu locken (was ja leider nicht so richtig geklappt hat). Doch jetzt habe ich mir den Film aus einer puren Laune raus angeschaut (gut, ich kam gerade aus der Vorführung von „Solo: A Star Wars Story“ und wollte irgendeine Art von Ablenkung haben) und war doch ein wenig überrascht – so super doof ist der Film gar nicht.

Die Heimatwelt der Orks wird von der Fel-Magie mehr und mehr zugrunde gerichtet – was auch am gemeinen Ork-Magier Gul’dan (Daniel Wu) liegt. Je mehr er diese Magie einsetzt, die Leben einsaugt, um zu wirken, desto mehr stirbt diese Welt. Aushilfe soll die Flucht nach Azeroth verschaffen – die Welt von Menschen, Elfen und Zwergen. König von Azeroth Llane Wrynn (Dominic Cooper) sieht sich auf einmal einer Übermacht von riesigen Orks gegenüber. Gemeinsam mit dem Guardian Medivh (Ben Foster), seinem besten Kämpfer Anduin Lothar (Travis Fimmel), dem Magier Khadgar (Ben Schnetzer) und noch ein paar gefühlt tausend Charakteren mehr zieht der König in den Krieg. Doch es sind nicht alle Orks wirklich schlecht…

Große grüne Männchen

„Warcraft“ ist eine wahrhaftige CGI-Schlacht, an die man sich erst einmal ein bisschen gewöhnen muss. Gerade die riesigen Orks wirken auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, doch irgendwie überträgt Duncan Jones diesen CGI-Look gekonnt auf den ganzen Film, so dass es am Ende doch irgendwie ein tolles Bild ergibt. Ich mochte diese Welt, die verschiedenen Orte, an die uns der Film führt und die Bewohner. Ich mochte vor allem diese fetten Rüstungen, die die Menschen tragen und dabei ihre überriesigen Waffen schwingen. Das war alles over-the-top, aber es war irgendwie für eine Spiele-Verfilmung passend. Und ich habe auch mit ein paar Fans der Spiele gesprochen, die diesem Look ebenfalls einiges abgewinnen konnten. Allein das Optische war für einen Fantasy-Film dann doch viel besser als ich es erwartet hatte. Die Welt von Azeroth hat Jones einem Unwissend wie mir schön vorgestellt. Und ich mochte sie…

Auch die Story an sich fand ich dann überraschend spannend. Klar ist sie relativ simpel gehalten, aber trotzdem ist sie packend. Was für mich vor allem daran lag, dass es nicht alles so super schwarz-weiß gezeichnet wurde. Orks gleich böse, Menschen gleich gut. Gerade bei seiner Darstellung der Orks baut Jones schön die Traditionen aus, bringt uns mit Oberork Schießmichtot (ich habe die Namen alle nicht behalten können) und seiner kleinen Familie jemanden, der stark daran zweifelt, ob diese Invasion so gut ist, der sich gegen seine Clanmitglieder stellt und nicht nur blind tötet. Oberork Schiemichtot erkennt die Gefahren der Fel-Magie und wehrt sich. Das war toll – und somit wurden die Orks für mich fast schon interessanter als die Menschen.

Die Menschen, das waren einfach zu viele Charaktere, die ich nicht auseinander halten konnte, die mir Jones aber auch nie so wirklich interessant vorstellen konnte. Das war eine kleine Massenabfertigung: Hier ist der, da ist der und das ist der König und das ist der Beschützer der Welt und dann gibt es noch da eine Vater-Sohn-Geschichte und und und. Keiner der menschlichen Charaktere bekommt wirklich Tiefe – selbst der vermeintliche Held des Films, dargestellt von Travis Fimmel) bleibt ziemlich blass zurück – sieht aber gut in seiner Kampf-Rüstung aus.

Die Einzigen, die mir im Gedächtnis geblieben sind, waren Dominic Cooper und seine Frau Ruth Negga, weil ich ja ein begeisterter „Preacher“-Fan bin und es irgendwie cool fand, in diesem Haufen an Charakteren zumindest zwei Gesichter zu erkennen, die ich mir merken konnte.

Alles in allem fand ich „Warcraft“ überraschend unterhaltsam – ich mochte die Fantasy, die Zauberei und die Kämpfe und die Welt, war aber schwer überfordert mit den tausend Charakteren und am Ende auch ein bisschen gelangweilt, weil sich der Film zum Finale hin doch sehr streckte. Trotzdem muss ich gestehen: Sollte es jemals ein „Warcraft 2“ geben, ich würde mir das angucken – sogar im Kino.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ist das eine gute Spiele-Verfilmung? Sie hat auf jeden Fall Spaß gemacht)

X-Force assemble!!!

18. Mai 2018

Er ist wieder da, der Söldner mit der frechen Schnauze. Die Meta-Figur Deadpool, die weiß, dass sie eine Comic-Figur ist. Deadpool, der nicht zu tötende Mutant, der vor ein paar Jahren dank Ryan Reynolds und seinem „Deadpool“-Film genau das Revival bekam, das er nach seinem furchtbaren Auftritt in „X-Men: Origins“ verdient hatte. Jetzt also Teil 2, der natürlich größer und besser sein soll… na, mal schauen.

„Deadpool 2“ setzt zwei Jahre nach den Ereignissen vom ersten Teil an. Deadpool (Reynolds) ist mittlerweile ein gefragter Söldner und Auftragskiller geworden, der weltweit agiert, aber immer wieder den Weg nach Hause zu seiner geliebten Vanessa (Morena Baccarin) findet. Doch dann taucht auf einmal der Zeitreisende Cable (Josh Brolin) auf und macht Jagd auf den jungen Mutanten Russell (Julian Dennison). Deadpool, der sich Vanessa auch als fähiger Familienmensch beweisen will, macht es sich zur Aufgabe, den Jungen zu beschützen. Doch dafür braucht der „Merc with a mouth“ Unterstützung und ruft zu einem Superhelden-Casting auf – und bildet so die X-Force, in der sich dann Glückspilz Domino (Zazie Beetz), der mächtige Bedlam (Terry Crews) oder eben auch der Normalo Peter (Robert Delaney) befinden. Zusammen gehen die dann auf die Jagd.

Avengers für lau…

Ich muss gestehen, ich glaube, ich habe ein Problem mit „Deadpool“ – und es ist ein ähnliches Problem, wie ich es mit den „John Wick“-Filmen haben. Irgendwas tief in mir drin sagt mir, dass ich diese Filme eigentlich übelst abfeiern sollte. Dass ich begeistert sein sollte, von all der Comic-Gewalt und den dummen Sprüchen. Und es ist ja auch nicht so, dass mich das nicht an beiden Reihen anspricht, aber es begeistert mich immer nie so, wie ich denke, dass es das sollte (ist das irgendwie verständlich???).

„Deadpool 2“ ist super unterhaltsam und im Gegensatz zum ersten Teil gibt es jetzt wenigstens mehr als nur die normale Origin-Story. Mir persönlich hat Teil 2 allein deswegen schon mal sehr viel mehr gefallen. Das war eben story-technisch einfach ein bisschen mehr als nur ein Sprüche klopfender, ultra-brutaler Superheld. Jetzt ging es irgendwie auch mal wirklich um was. Deadpool macht sich um mehr Sorgen als nur Rache an dem Typen zu nehmen, der ihn verunstaltet hat. Dazu kommt diese ganze X-Force-Nummer, die ich super fand. Irgendwie finde ich, hat Deadpool genau so etwas gebraucht – das ist er mir „Wolverine“ dann doch sehr ähnlich. Deadpool funktioniert für mich in so einem Team, das ihm auch Konter gibt, sehr viel besser als einfach nur allein für sich. Zumal „Deadpool 2“ so grandios mit dieser X-Force umgeht… da zeigt sich einfach mal wieder, dass sich Deadpool selbst als Film nicht zu ernst nimmt – und damit meine ich jetzt nicht nur die Tatsache, dass ein Typ ohne jede Superkräfte mitmischen darf (aber alles andere wäre jetzt zu viel verraten – vertraut mir einfach, was „Deadpool 2“ aus der X-Force macht, ist das Beste überhaupt).

Überhaupt sind die Neuzugänge erfrischend. Zazie Beetz als Superheldin, der Fähigkeit Glück zu haben ist, ist super. Ihre leicht zynische Art passt einfach perfekt zu Reynolds Deadpool. Aber auch Josh Brolin als Cable war ein toller Antagonist. Nachdem sich Brolin ja gerade erst als Thanos in „Infinity War“ austoben durfte, macht er im nächsten Marvel-Film halt einfach weiter und haut auch hier alles auf den Kopf. Der Mann muss echt Spaß bei seinem Job haben. Cable fand ich wirklich gut – auch wenn ich mir zu ihm ein wenig mehr Hintergrund gewünscht hätte. Ich meine, er ist ein Zeitreisender, aber wir erfahren wirklich nur das Notwendigste von ihm und der Zeit, aus der er kommt. Aber gut… gibt ja sicherlich noch genügend Filme, in denen er dann vielleicht auch mehr offenbart (zum Beispiel, dass er ja das Kind von Scott Summers und einem Klon von Jean Grey ist).

Neben den guten Charakteren und einer Story, die besser zu „Deadpool“ passt, funktioniert natürlich auch die Action enorm gut. Jetzt ist mit David Leitch, der ja den ersten „John Wick“-Film gedreht hat, auch ein absoluter Experte mit dabei – und wow, der Mann liefert ab. Die Kampf-Szenen sind wirklich grandios. Es macht einfach Spaß, Deadpool und Co. dabei zu zusehen, wie sie sich auf möglichst kreative Art und Weise die Köpfe einschlagen. „Deadpool 2“ ist da wirklich tolles Action-Kino.

Witzig ist der Film natürlich auch. Deadpool redet mit uns, zerreißt sich das Maul über Marvel, DC und was nicht sonst noch alles. Doch gerade zu Beginn des Films fühlt sich das ein wenig recycelt an. Zudem ich da auch gefühlt ständig an „22 Jump Street“ denken musste, der auch erst mal ewig Witze über einen zweiten Teil machte. Aber zum Glück legt sich das bei „Deadpool 2“ dann mit dem Auftauchen von Cable auch recht schnell. Trotzdem sind manche Witze aber oft einfach zu sehr in die Länge gezogen und manchmal war ich ihnen dann auch einfach überdrüssig… was aber vielleicht daran liegt, dass der erste Film das alles schon so vorbereitet hat (ich muss ja nämlich auch gestehen, dass ich kein so großer Comic-Deadpool-Fan bin, weil es am Ende doch immer nur aufs Kloppen und blöde Sprüche runter gebrochen wird).

Alles in allem ist „Deadpool 2“ eine coole Fortsetzung, die tatsächlich vieles besser macht als Teil 1, aber mehr auch nicht. Vielleicht spricht da mein übersättigtes Comic-Film-Herz aus mir… umgehauen hat mit „Deadpool 2“ nicht, aber er ist trotzdem toll.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ab jetzt bitte einfach Deadpool zu den X-Men packen 😉 )

D-Fens

16. Mai 2018

Es ist eigentlich schon ziemlich schade, dass sich Joel Schumacher allein wegen seinen beiden Batman-Filmen so in Verruf gebracht hat. Schließlich war der Mann doch auch für Filme verantwortlich, die man sich tatsächlich anschauen kann. „The Lost Boys“ (den ich immer noch nicht gesehen habe, aber von dem ich nur gutes höre), „Flatliners“ (der soll ja auch ganz okay gewesen sein), „Der Klient“ (habe ich gut in Erinnerung), „Nicht auflegen!“ (siehe „Der Klient“) oder auch „8mm“. Aber so ist das halt… mach einen Fehler und es bleibt haften. Mach den gleichen Fehler noch einmal und du wirst es nie wieder los! Der arme Joel… aber Bat-Kreditkarten und Nippel sind auch ein schweres Vergehen, auch wenn da noch so gute Filme in der Filmografie lauern. Einen Film, den ich letztens aus nostalgischen Gründen mal wieder nachgeholt habe, hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm als einen Joel-Schumacher-Film: „Falling Down“ mit Michael Douglas (und dem etwas merkwürdigen deutschen Untertitel: „Ein ganz normaler Tag“).

William Foster (Douglas) lebt getrennt von seiner Frau Beth (Barbara Hershey) und seiner kleinen Tochter. Zudem darf er sich seiner Familie nicht nähern, hat gerade seinen Job verloren und steckt zu Beginn des Films im schlimmsten Stau fest – eine letzte Situation, die das Fass William zum Überlaufen bringt. Er steigt aus seinem Auto (mit dem Kennzeichen D-Fens) und will zu seiner Tochter, die gerade Geburtstag hat. Doch der frustrierte Mann trifft auf dem Weg nach Hause nur noch mehr Leute in der Stadt der Engel, die so gar keine Engel sind und die seine Frustration üble Ausmaße annehmen lassen (sagen wir nur so viel: irgendwann rennt der gute William mit einer Sporttasche voll Waffen durch die Stadt). Wegen dieser Ausmaße wird auch der Polizist Prendergast (Robert Duvall) auf William aufmerksam – und das an seinem letzten Tag in der Einheit. Also alles andere als ein ganz normaler Tag für die beiden!

Er will doch nur nach Hause

Ich weiß noch, dass „Falling Down“ zu diesen Filmen gehörte, die ich in recht jungen Jahren geschaut habe. Und mich der Film damals schwer beeindruckt hatte – gerade weil der so unfassbar war. Das war mehr wie Science Fiction als alles andere: Wie kann ein Mann in einem Stau sein Auto verlassen und wie kann sich dann daraus so ein ungewollter Amok-Lauf durch die Stadt entwickeln? Auch jetzt habe ich diesen Film beeindruckt und fasziniert geschaut. Denn er ist immer noch gut, ein bisschen unheimlich, aber auch gut. Unheimlich, einfach deswegen, weil es irgendwie bei so manchen Nachrichtenmeldungen gar nicht mehr so abwegig erscheint, dass irgendwo irgend jemand zu so einem Tag getrieben werden kann. Aber ich will da jetzt auch nicht zu viel in „Falling Down“ rein interpretieren. In erster Linie ist es eigentlich ein Film über einen ziemlich traurigen Mann, über den wir eigentlich gar nichts wissen. Es ist interessant, dass man erst so zum Schluss feststellt, dass William wirklich ein sehr aufbrausender Mensch und vielleicht auch nicht immer der beste Mensch gewesen ist. Zu diesem Zeitpunkt distanziert man sich dann auf einmal doch etwas stärker von ihm. Während seiner Lauf durch L.A. kann man sich aber auf eine verquere Art und Weise irgendwie in ihn hinein versetzen.

Natürlich spitzt der Film die Dinge extrem zu, aber nehmen wir nur mal allein die vielleicht beste Szene im ganzen Film: William im Burger-Laden, der erst Frühstück will (das ihm verweigert wird, weil die Frühstückszeit vor zwei Minuten endete) und dann einen Burger will (der ein trauriges Abbild von dem ist, was er da eigentlich auf dem Bild gesehen hat). Den Ausbruch da kann man schon gut nachvollziehen. Schumacher überspitzt natürlich zum Wohle des Actionfilms, der „Falling Down“ nun einmal ist… und macht dabei eine interessante Gratwanderung. Denn oftmals kommt man mit William auch an einen Punkt, wo er zu krass reagiert, wo er sich über alle stellt, aber dann doch irgendwie als Symbol für den kleinen Mann herhalten soll – fast so, als ob ein kleines bisschen Wut hier und da nicht schlecht wäre. Ich glaube, „Falling Down“ ist ein kleiner Rorschach-Test, jeder mag in William etwas anderes sehen und hat damit nicht unrecht. Er ist ein dummes Arschloch und er ist irgendwie auch zu bemitleiden, anzufeuern. Er will doch nur nach Hause.

Egal, wie man seine Handlungen nun sieht, „Falling Down“ ist schon ein spannender Film mit einem umwerfend stoischen Michael Douglas und einem sympathischen Robert Duvall, der das perfekte Gegenstück zu Douglas liefert. Duvall hätte theoretisch auch allen Grund zum Explodieren, hält sich aber unter Kontrolle – Schumacher zeigt also beide Varianten auf und lässt am Ende dann doch die bessere gewinnen. Und das ist am Ende gut so… ich mag den Film auch jetzt noch, auch wenn es die Art von Film ist, die heutzutage kein Mensch mehr wirklich machen würde, aber wofür sind die 90er sonst da? 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein irrer Trip durch L.A. mit einem irren Typen, der irres Zeug erlebt – ein komplett kaputter Film, der dennoch seinen Reiz hat)

Das kleine Übel

14. Mai 2018

Netflix und seine Filme – irgendwie werde ich da immer noch nicht so ganz warm mit. Dabei rede ich vor allem (und nach wie vor) von den tatsächlichen Eigenproduktionen (und nicht etwa gekauften Filmen wie „Annihilation“). „Bright“ und „Mute“ sind da auch nach wie vor meine Lieblingsbeispiele für – irgendwie alles interessante Themen für Filme, die aber leider keinen wirklich interessanten Film abgeliefert haben. Jetzt steuere ich meiner noch kurzen Liste einen weiteren Film zu: „Little Evil“ von Eli Craig.

Gary (Adam Scott) heiratet Samantha (Evangeline Lilly), die ihren kleinen Sohn Lucas (Owen Atlas) mit in die Beziehung bringt. Der jedoch mag Gary so überhaupt nicht und macht es diesem mehr als nur schwer, ein guter Stiefvater zu sein. Problem für Gary: der kleine Satansbraten entpuppt sich schon sehr bald tatsächlich als wahrhaftiger Satansbraten, sprich als Sohn des Teufels. Und so muss Gary nicht nur einen Weg finden, die Beziehung zu seinem neuen Sohn aufzubauen, sondern ihn auch noch vor einem Satanskult beschützen.

Ein Moment des Friedens…

Eli Craig hat sich mit „Tucker & Dale vs. Evil“ viele Freunde gemacht. Der Film erzählte einen klassischen Horror-Films aus der Sicht der vermeintlich bösen Hinterwäldler, die es auf eine Gruppe junger, attraktiver Menschen abgesehen haben – nur mit dem Twist, dass die Hinterwäldler eigentlich total liebe und nette Typen sind und die attraktiven Menschen einfach nur saudämlich. Das war ein toller Film, der gekonnt mit den Erwartungen spielte und das Horror-Genre an sich gekonnt gegen sich selbst ausspielte. Aber kann Eli Craig das wiederholen – mit einem Film über das Gruseligste, was es in Horror-Filmen gibt: Kinder?

Kinder in Horror-Filmen sind immer ein unheimliches Sinnbild dafür, wie das Böse das Unschuldige für sich einnehmen kann. Und im Fall von „Little Evil“ ist das vermeintliche Unschuldslamm eben mal dein Stiefsohn. Eine eigentlich witzige Idee – bei einem Eli Craig, der sich ja scheinbar mit so etwas auskennt (dem Spielen mit Genre-Erwartungen), eine eigentlich bestens aufgehobene Idee. Möchte man meinen… Problem ist nur, „Little Evil“ kommt nie so richtig in die Gänge.

Was ihm gut gelingt, ist ein witziger Blick darauf, wie schwer es sein kann, Vater zu werden. Auch ohne satanische Kräfte ist das sicherlich keine leichte Aufgabe. Das Kind misstraut dem neuen Mann ihrer Mutter, der neue Mann versucht aber alles, um es allen recht zu machen. Das ist sicherlich nie einfach und immer anstrengend – und „Little Evil“ zeigt uns mit Gary einen tapferen Mann, der alles auf sich nimmt für die Frau, die er liebt und den Sohn, den er gerne lieben möchte. In der Hinsicht ist die Komödie auf jeden Fall witzig – und es ist ja eigentlich auch gerade dieses Konzept, verbunden mit den Horror-Sachen, das eigentlich viel Potenzial hat.

Aber dieses Potenzial verpufft in den meisten Fällen im Film ungenutzt – oder es wird nur mal kurz angeschnitten. Da gibt es ein paar „Das Omen“-Anspielungen, einen „Shining“-Zwilling-Witz und noch ein paar kleine Easter-Eggs, aber so richtig viel das alles nie zünden. Owen Atlas ist zwar auf jeden Fall verdammt gut darin, ein unheimliches Kind zu spielen, aber irgendwie kriegt Eli Craig nie so ganz die Kurve, hier Familien-Komödie und Horror mit einander zu verbinden. Das schwächelt dann doch ganz schön – zumal zwar immer wieder, Lucas‘ Vater erwähnt wird und auch Gary bekommt eine schleierhafte Vergangenheit zugeschrieben, sodass man meinen könnte, da verbirgt sich hinter all dem noch viel mehr… aber es kommt einfach nicht. Zwischendurch hatte mich der Film halt schon so weit, dass ich dachte, Gary wäre irgendwie der Sohn eines Engels, der hier jetzt quasi gegen den Sohn des Teufels angehen muss – eben weil es immer wieder so merkwürdige Hinweise gibt, aber am Ende verpufft das Finale in schlechtem CGI und ein bisschen Feuer und das war dann alles.

„Little Evil“ ist nett. Ein Film, den man sich mal angucken kann, wenn man wirklich alle Netflix-Optionen durch hat (kann sowas überhaupt passieren). Aber ansonsten ist eigentlich nur die Prämisse cool, der Rest so lauer Durchschnitt.

Wertung: 5 von 10 Punkten (hätte man echt mehr draus machen können)

Walisch für Anfänger

11. Mai 2018

Es ist offiziell so weit: Ich habe schon Schein-Vorstellungen von Kritiken. Können wir das bitte als Blogger-Psychose irgendwo wissenschaftlich anerkennen lassen? Ich wäre sehr dafür, es hat zwar knapp zehn Jahre gedauert und ich weiß nicht, ob noch jemand diese Symptome kennt, aber ich bin gerne bereit, als erstes „Opfer“ dieser Psychose in die Annalen der Blog-Krankheiten einzugehen. Wie ich jetzt auf so einen Schwachsinn komme??? Ich habe letztens „Findet Nemo“ geguckt und war felsenfest davon überzeugt, dass ich zu dem Film schon eine Kritik geschrieben hatte. Aber gut, der Film kam ja auch erst 2003 raus und angefangen zu bloggen habe ich erst 2009. Ich glaube, die Ursache für meine vermeintliche Schein-Kritik liegt in „Findet Dorie“ – ich habe also quasi schon einmal über Fisch-Abenteuer unter dem Meer geschrieben. Nur halt nicht über die Original-Abenteuer unter dem Meer.

Clownfisch Nemo wird von einem Taucher entführt. Sein überängstlicher Papa Marlin macht sich trotz zahlreicher Psychosen und Ängste auf den Weg, um seinen einzigen Sohn zu retten. Doch wo nur anfangen??? Zum Glück trifft er auf Doktorfisch-Dame Dorie, die ihm den entscheidenen Hinweis geben kann: Sein Sohn ist irgendwo in Sidney. Gemeinsam mit Dorie macht sich Marlin auf den Weg.

Glotz nicht so…

„Findet Nemo“ ist immer noch dafür verantwortlich, dass ich kein Aquarium mehr besuchen kann, ohne bei Clownfischen sofort an Nemo zu denken. Nicht nur, weil ich an diesen Film denke, sondern weil ich die ganzen kleinen Kinder im Ohr habe, die ständig „Nemo, Nemo!“ schreien und wie wild ans Glas klopfen. Haben die denn nicht gelernt, dass das für die Fische im Aquarium so überhaupt nicht schön ist?

Richtig schön dagegen ist „Findet Nemo“. Ich kann den Film auch jetzt noch gucken und mich köstlich darüber amüsieren. Das ist einfach eine schöne Heldenreise tief unter dem Meer. Da werden Haie gesichtet, da geht es zum extremen Tiefseetauchen, es gibt Qualen, coole Schildkröten beim Strom-Surfen und und und…

„Findet Nemo“ kennt keine Pause, sondern führt ein sympathisches Duo auf eine extrem witzige Reise. Marlin ist der über-fürsorgliche Vater, aber er ist eben ein Charakter, den man nachvollziehen kann. Immerhin hat er auf tragische Weise seine Frau und 399 seiner Kinder verloren. Wer würde da nicht den einzigen Sohn behüten wie den wertvollsten Schatz der Welt? Das macht „Findet Nemo“ dann wirklich interessant – eben das aus diesem Angstfisch ein echter Pfundsfisch wird. Denn seine Fürsorge ist so groß, dass er sich um sich selbst nicht kümmert. Was für ein Vater!!! Der Vater-des-Jahres-Preis ging damals definitiv an Marlin, der damit dann auch über sich selbst hinauswächst und ein bisschen reifer wird. Das verdankt er dann auch Chaos-Dame Dorie, die ich nach wie vor in diesem Film sehr viel lieber mag als in ihrem „Findet Dorie“-Abenteuer. Die vergessliche, Walisch sprechende Dorie macht „Findet Nemo“ perfekt – die kleine Buddy-Fisch-Komödie, bei der es actionreich und aufregend zugeht.

Außerdem ist „Findet Nemo“ einfach mal wieder ein schön animierter Pixar-Film. Das weite Meer ist ein perfekter Schauplatz für die Animationskünstler, um sich auszutoben. Das Korallenriff sieht zauberhaft aus. Und die verschiedenen Unterwasser-Lebewesen sind auch spitze Zumal ich immer wieder sagen muss, dass ich die Nebenhandlung mit Nemo im Aquarium des Zahnarztes super finde. Das ist dann das Kontrastprogramm – von den Weiten des Ozeans zum beengten Lebensraum, in dem die Fische so langsam am Durchdrehen sind.

Alles in allem ein wunderbarer Animationsspaß, zu dem ich dann jetzt endlich auch mal wirklich was geschrieben habe 🙂

Wertung: 9 von 10 Punkten (einen Arielle-Witz hätte ich mir bei diesem Film trotzdem sehr gewünscht)

Die Epidemie des Irren

9. Mai 2018

Ich bin schon jetzt verdammt gespannt darauf, wie Terry Gilliams „The Man who killed Don Quixote“ sein wird – auch wenn ich es wirklich erst wahr haben werde, wenn ich im Kino sitze und der Film tatsächlich anfängt. Es ist ja mittlerweile auch schon 5 Jahre her, seit seinem letzten Film („Zero Theorem“ habe ich immer noch nicht gesehen) und es ist ja mittlerweile auch schon gefühlte 30 Jahre her, seit er mit Don Quixote begonnen hat (ich habe diese tolle Doku gesehen, als es noch die Dreharbeiten mit Johnny Depp als Sancho Panza gab). Um die Wartezeit (für mich) ein klein wenig zu verkürzen, brauchte ich mal wieder eine Auffrischung darin, wie gut Gilliam als Geschichtenerzähler ist – und habe mir „12 Monkeys“ ausgesucht.

Ein tödliches Virus tötet 1996 fast die ganze Menschheit, eine Gruppe namens „The Army of the 12 Monkeys“ soll dafür verantwortlich gewesen sein. Im Jahr 2035 sitzen die letzten Überlebenden unter der Erde fest und schicken Gefangene auf Untersuchungsreisen an die Oberfläche: James Cole (Bruce Willis) ist so einer. Dann wird er für eine ganz besondere Mission ausgewählt: Er wird zurück in der Zeit geschickt werden, um das Virus zu finden, damit die Wissenschaftler in der Zukunft eine Heilung finden können. Doch Zeitreisen ist nicht so präzise: Cole landet im Jahr 1990 und wird von der Psychologin Kathryn Railly (Madeleine Stowe) für verrückt erklärt – wer würde schon einem Zeitreisenden Glauben schenken? In der Klapse trifft er dann auch auf Jeffrey Goines (Brad Pitt), der noch wichtig für Cole wird. Cole kann der Klapse entkommen, reist zurück in die Zukunft, bekommt eine zweite Chance und reist wieder zurück nach 1996, wo er die Armee der Affen und das Virus finden muss – und dabei trifft er auch auf Dr. Railly und Jeffrey wieder.

Zeitreisen ist komplett gaga

Ich weiß noch, dass ich „12 Monkeys“ das erste Mal mit meiner Mama gesehen habe und sie den Film nicht mochte, weil Brad Pitt so verrückt spielt und sie ja lieber den Schnulzen-Pitt hatte. Genau das war es aber, was mir damals wie heute immer noch so gut an „12 Monkeys“ gefällt – Brad Pitt als Jeffrey ist einfach nur köstlich. Diese Sequenz in der Klapsmühle, in der er Cole als Führer dient und sich immer wieder in Rage redet und seine merkwürdigen Zuckungen hat – einfach nur grandios. Das wird damals zum Erscheinen des Films wahrscheinlich viele Pitt-Fans irritiert haben, aber ich finde es nach wie vor einfach nur eine grandiose Darstellung von ihm. So herrlich überdreht, so komplett verrückt verrückt, dass er dem guten Bruce Willis in ihren gemeinsamen Szenen schon ein wenig die Show stiehlt.

Aber „12 Monkeys“ hat ja zum Glück sehr viel mehr zu bieten als nur Pitt. Bruce Willis ist natürlich auch super. Das war für mich seine erste so richtige Schauspieler-Schauspieler-Rolle, in der er ich ihn nicht einfach nur mit einer Waffe in der Hand durch die Gegend rennen sah (ja, ich war ein „Stirb Langsam“-Kind durch und durch). Ich mochte ihn als Zeitreisenden, der verzweifelt seine Mission durchführen will und irgendwann selbst nicht mehr so ganz klar sieht, was nun echt ist und was nicht.

Und das wiederum ist das andere, was an „12 Monkeys“ so toll ist – er führt uns selbst immer wieder gekonnt an der Nase rum, so dass man selbst immer ein bisschen am Zweifeln ist, ob das nun alles wirklich so stimmt. Ich meine, wir sehen zwar Coles Gegenwart und trotzdem gerät man – wie er selbst – hier und da in Versuchung, es alles als Verrücktheit abzutun.

„12 Monkeys“ ist ein großartiger Zeitreise-Thriller, der diese Jagd nach dem Virus gekonnt aufbaut und dabei auch grandios mit diesen ganzen Zeitreise-Verwirrungen spielt. Wer führt hier eigentlich wem die Ideen zu, wie beeinflusst die Zukunft die Vergangenheit und macht sich eigentlich erst selbst zu der Zukunft, die sie zu verhindern versucht? Da kriegt man wunderbare Gehirnverrenkungen, die aber trotzdem irgendwie ziemlich cool sind. „12 Monkeys“ gehört unter den Zeitreise-Filmen definitiv zu meinen absoluten Lieblingen.

Allerdings frage ich mich, warum man ausgerechnet daraus eine Serie machen musste? Terry Gilliam hat sich ja damals direkt davon distanziert und wollte damit nichts zu tun haben. Ich habe mir neulich den Trailer zu Staffel 1 angeschaut und war schon davon nicht sonderlich begeistert. Deswegen stelle ich mich einfach mal auf Gilliams Seite. Der Film ist super, wer braucht da schon die Serie? (Oder kann mir jemand die Sache schmackhaft machen???)

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Affen sind los, Brad Pitt ist los und Gilliam schickt uns auf einen grandiosen Trip durch die Zeit)

Zombies sind auch nur Menschen!

7. Mai 2018

Normalerweise denkt man ja irgendwie schon noch, dass Stop-Motion-Animationsfilme im besten Fall auch irgendwas für Kinder sind. Doch jedes Mal, wenn ich einen Film der Laika Studios sehe, denke ich mir: „Nein, mit Kindern sollte man die besser nicht gucken!“ Ich erinnere mich da immer an die andere Mutter aus „Coraline“, die schon verdammt unheimlich ist – oder auch an das gruselige Skelett aus „Kubo“. Für Kinder, auch wegen der doch etwas komplexeren Geschichte, nicht unbedingt geeignet, auch wenn die Filme natürlich immer wunderschön sind und so aussehen, als ob sie für Kinder geeignet wären. Warum ich jetzt so viel über die Kindertauglichkeit der Laika-Filme rede? Ich glaube, ich habe jetzt den Kinder untauglichsten Film des Studios gesehen: „ParaNorman“.

Der junge Norman lebt in der kleinen Stadt Blithe Hollow, die zu Zeiten der Pilgerväter angeblich von einer Hexe verflucht worden sein soll. Das kümmert Norman aber gerade nicht besonders, hat er doch andere Sorgen: Er kann Tote sehen (ja, genau, ganz so wie der kleine Cole aus „Sixth Sense“) und redet auch mit ihnen. Deswegen wird er als Freak ausgelacht – bis er die Aufgabe von einem Geist bekommt, den Fluch der Hexe aufzuhalten. Doch Norman kommt zu spät und auf einmal wird die kleine Stadt von den untoten Pilgervätern von damals heimgesucht.

Noch sieht es harmlos aus… noch…

Wenn ich früher gewusst hätte, wie gut Laika an sich ist, hätte ich mir „ParaNorman“ sicher nicht im Kino entgehen lassen. Aber ich muss gestehen, dass ich damals alles, was ich zu dem Film sah, nicht so besonders aufregend fand. Und ganz ehrlich, selbst jetzt, wo ich nach „Coraline“ und „Kubo“ eigentlich ohne zu zögern jeden Laika-Film gucken würde, hatte ich meine Bedenken, was „ParaNorman“ anging. Auch zu Beginn des Films ließen meine Bedenken nicht nach. Ja, es war ein niedlicher Film mit ein paar witzigen Geistern und einem sympathischen Norman, aber so richtig wollte mich die Story nicht fesseln. Es war zwar witzig, die kleinen, feinen Horror-Film-Easter-Eggs zu entdecken, aber erst einmal fehlte ein bisschen die Story. Junge, der mit Geistern redet, klingt nicht so aufregend.

Wider Erwarten steckt dann aber doch sehr viel mehr in „ParaNorman“, was deutlich wurde, sobald die ganze Hexen-Geschichte ins Rollen kommt. Dann zeigt sich mal wieder, was für gute Geschichtenerzähler die Herrschaften von Laika doch sind. Da kommt eine Story zutage, die mich dann aber auch wieder ein bisschen zu dem Punkt bringt, warum dieser Film nicht gerade kindertauglich ist. Es wird ziemlich hart. „ParaNorman“ nimmt sich dem Thema Hexenverfolgung an und setzt einen überraschenden Twist ein, der aber, wenn man mal genauer drüber nachdenkt, gar nicht so überraschend ist. Trotzdem ist das eine ziemlich harte Geschichts-Realität, die uns „ParaNorman“ präsentiert, die man Kindern wahrscheinlich erst einmal ein bisschen länger erklären muss.

Dazu kommt auch noch, dass das mit den Zombies für uns Erwachsenere zwar unheimlich witzig und unterhaltsam ist, für Kinder aber einfach nur verdammt unheimlich sein wird. Gehe ich jetzt einfach mal davon aus. Ich hätte mir als Kind bei diesem Film auf jeden Fall so richtig in die Hose gemacht.

Trotzdem… wenn ich jetzt mal rein als Erwachsener an diesen Film rangehe, er ist super. Erst einmal sieht das Ganze wieder unglaublich gut aus. Laika hat Stop-Motion auf jeden Fall in so einem Maße perfektioniert, dass man es kaum erkennt, dass es sich um Stop-Motion handelt. Die ganze Stadt von Blithe Hollow ist mit liebevollen Details versehen, dass man diesen Film immer und immer wieder gucken kann. Tolle und witzige animierte Charaktere machen aus „ParaNorman“ einen echt super Film, der Horror wunderschön auf die Schippe nimmt.

Jetzt fehlen mir von Laika nur noch „Die Boxtrolle“, dann habe ich erst einmal alle durch. Aber ich bleibe schon jetzt dabei, Laika-Filme kann man wirklich ohne zu zögern gucken. Die enttäuschen nie!

Wertung: 9 von 10 Punkte (Zombies können wirklich sehr menschlich sein – und trotzdem Hunger auf Hirn haben 😉 )

Dschungelfieber

4. Mai 2018

Dwayne Johnson baut sich seine Marke weiterhin gut aus. Ich habe letztens einen Artikel darüber gelesen, dass er wegen dem ursprünglichen (traurigen) Ende von „Rampage“ fast aus dem Film ausgestiegen wäre. Er begründete das damit, dass seine Fans eine gewisse Erwartung an seine Filme hätten. Sie wollen unterhalten werden und sie wollen ein Happy End, weil das in seinen Filmen nun einmal so ist. Die Marke Dwayne Johnson solle mit guten Gefühlen verbunden werden, traurige Enden haben da nichts zu suchen. Gut, die Marke Johnson funktioniert nicht immer wirklich gut (husthustBaywatchhusthust), aber immer besser und besser. Seinen letzten großen und vor allem komplett unerwarteten Erfolg feierte der mächtige Rock mit der Fortsetzung zu „Jumanji“: „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (und ja, es ist wirklich eine Fortsetzung… das wurde ja irgendwie immer abgetan und irgendwie schön geredet, aber es ist eine ziemlich eindeutige Fortsetzung, in der kurz auch Robin Williams‘ Alan Parrish angesprochen wird).

Im Jahr 1996 verwandelt sich das Brettspiel Jumanji in ein Video-Spiel, 20 Jahre später trifft der „Breakfast Club“ des Jumanji-Universums auf das Spiel: da hätten wir den Nerd Spencer (Alex Wolff), den Sport-Star Fridge (Ser’Darius Blain), die Selfie süchtige Bethany (Madison Iseman) und die unauffällige Martha (Morgan Turner). Sie alle werden in das Spiel „Jumanji“ gesogen und müssen hier nun die Welt von Jumanji retten. Spencer wird dabei zum muskulösen Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Fridge zum kleinen und langsamen Franklin Finbar, der explodiert, wenn er Kuchen isst, Bethany wird zum dicken Sheldon Oberon (Jack Black) und Martha wird zum taffen Game-Babe Ruby Roundhouse (Karen Gillan).

The Rock – The Game

„Jumanji 2“ fängt wirklich wie eine aufgehübschte Version von „Breakfast Club“ an und würfelt eine bunt gemixte Gruppe klassischer Teenie-Klischees zusammen, bevor die dann im Spiel „Jumanji“ in Rollen geworfen werden, die ihrem eigentlichen Ich nicht unähnlicher sein könnten. Der Angsthase wird zum unbesiegbaren Hulk, der egoistische Athlet ist lahm und kann nicht laufen, die eingebildete Hübsche wird ein dicker, hässlicher Mann und das graue Entlein wird zum schönen Schwan. Und jeder von ihnen kann so Lehren aus seinem Spiele-Ich ziehen, die er im wahren Leben auch anwenden kann. Ich würde mal sagen, allein hier hat Johnson seinen Lehrauftrag dann mal auf unterhaltsame Art und Weise eingehalten und bringt uns bei, was wir schon lange wissen sollten: Man soll ein Buch nicht nach dem Einband bewerten, denn am Ende zählen die inneren Werte. Somit hat „Jumanji 2“ auch ein bisschen Tiefgang – die Betonung liegt auch „ein bisschen“, denn man darf jetzt kein Drama erwarten. In erster Linie möchte „Jumanji 2“ unterhalten und das funktioniert bestens. Nicht unbedingt wegen der Story oder der Action, sondern vielmehr wegen der Charaktere.

Die Story und die Action sind nicht einmal so aufregend, wenn ich ehrlich sein darf. Die CGI-Kreaturen sehen leider wirklich für die heutige Zeit recht „billig“ aus. Ob nun die Nashörner, die Nilpferde oder später auf die Jaguare, die unsern Spielern im Dschungel das Leben zur Hölle machen, sind alle nicht unbedingt von der feinsten Art. Auch die Action ist jetzt nicht soooo superduper wie man das vielleicht von einem Dwayne-Johnson-Film erwarten möchte. Natürlich sollte man jetzt kein „Fast 8“ oder sowas erwarten, aber Johnson kommt Action-technisch nicht so zur Geltung. Da stiehlt ihm dann doch jemand anderes die Show – nämlich Karen Gillan, die als Ruby Roundhouse wild Kampf-Tanz-Choreografien abliefert und den Affen mal ordentlich zeigt, wo die Banane hängt. Das wiederum sah alles verdammt cool aus.

Dafür punktet „Jumanji 2“ dann vor allem bei seinem wunderbaren Cast, der perfekt gegen den Strich besetzt wurde – mal abgesehen von Kevin Hart, der auch in diesem Film einfach nur Kevin Hart spielt: aufgedreht und Witze darüber machend, dass er klein ist. Yeah, Kevin Hart!!!! Dafür ist Dwayne Johnson echt gut – als schreckhafter Nerd im Körper eines Titan, der fasziniert seinen Bizeps anfässt und mit seiner unglaublichen Macht nicht so ganz klar kommt. Absolutes Highlight ist aber Jack Black als Insta-Bitch, die fasziniert vom männlichen Körper ist und ihre Oberflächlichkeiten nach und nach ablegt. Karen Gillan habe ich erst einmal gar nicht wieder erkannt, kenne ich sie doch eigentlich nur als blaue Nebula. Aber auch sie war verdammt witzig in ihrer Rolle.

„Jumanji 2“ hat Spaß gemacht, mehr Spaß, als ich erwartet habe. Ich hoffe, dass sie in weiteren Fortsetzungen, die ja nun mal kommen werden, es vielleicht auch noch schaffen, eine spannendere Story zu entwickeln. Denn nur von den Charakteren allein kann dieses neue Franchise auf Dauer auch nicht überleben.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die digitale Variante von „Jumanji“ macht erstaunlich viel Spaß)

Kaiju-Roboter

2. Mai 2018

Ich war einer der ersten, der damals geflucht hatte, als es so aussah, als ob Guillermo del Toros „Pacific Rim“ keine Fortsetzung bekommen würde. Ich mochte den Film sehr (und mag ihn immer noch): Das war wunderbares Monstergekloppe – riesige Roboter, die gegen riesige Viecher kämpfen. Das waren auch ziemlich coole Kämpfe – wenn die sich da mit Tankfrachtern prügeln. Da ging mein Monster-Herz schon sehr auf. Umso glücklicher war ich dann, als endlich bekannt wurde, dass es ein „Pacific Rim 2“ geben würde. Doch jetzt, nachdem ich den Film gesehen habe, weiß ich nicht mehr, ob man da wirklich noch von Glück reden kann.

Der Film spielt zehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils. Jake Pentecost (John Boyega), Sohn des verstorbenen Kriegshelden Stacker Pentecost, vertreibt sich seine Zeit damit, alte Jaeger-Teile zu verscherbeln. Dabei trifft er irgendwann auf die junge Amara (Cailee Spaeny), eine begabte Jaeger-Pilotin, die sich ihren eigenen Mini-Jaeger zusammengebaut hat. Beide werden jedoch erwischt und werden verhaftet. Statt Gefängnis erwartet Jake jedoch Arbeit in Papas altem Jaeger, gemeinsam mit seinem Kumpel Nate (Scott Eastwood), während Amara in die Ausbildung zur Pilotin geht. Eine Ausbildung, die bald hinfällig sein könnte, wird doch unter Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) daran gearbeitet, dass Jaeger ferngesteuert werden sollen. Doch dann geht alles schief – ein mysteriöser Jäger taucht auf und greift die Menschen an, die er eigentlich beschützen sollte.

Go go Power Rangers

Ganz ehrlich, „Pacific Rim 2“ ist doof. Doof und langweilig und wirklich so gar nicht mehr mit dem ersten Teil zu vergleichen. Was wohl auch wirklich sehr daran liegt, dass Guillermo del Toro sehr frühzeitig aus dem ganzen Projekt ausgestiegen ist (da hat sich dann jemand mit „Shape of Water“ vertröstet und seine Kaijus Kaijus sein lassen). Aber auch so… ich hatte echt das Gefühl, als wollten die eher einen Film für Kinder machen. Allein dieser Anfang, wenn Jake und Amara in ihrem selbstgebauten Jaeger fliehen… das war echt Kinderkram. Der kugelt sich lustig zusammen, springt hier hin und da hin. Der sah niedlich und witzig aus, aber deswegen wollte ich nicht einen zweiten Teil von „Pacific Rim“ sehen.

Der erste Teil hatte düstere Bilder, die Kämpfe waren brutal und lang und vor allem wusste del Toro, dass die Leute ordentliche Kämpfe sehen wollen. Teil 2 wirkt super bunt. Es gibt kaum eine Szene, die nachts oder im Dunkeln spielt. Ist jetzt vielleicht ein blöder Grund, aber irgendwie hat mich das genervt. In „Pacific Rim 2“ hat alles so eine „Power Rangers“ trifft „Transformers“-Optik. Auf einmal ist denen bewusst geworden, dass junge Menschen besser die Jaeger steuern können. Aha… um so einem jungen Publikum besser zu gefallen, packt man also jetzt einen Haufen unbekannter Jungdarsteller vor die Kamera und hofft mit „Star Wars“-Star John Boyega Leute davon zu überzeugen, diesen Film gucken zu müssen??? War ein blöder Move.

Dazu kommt dann einfach mal die Tatsache, dass dieser Film kaum nennenswerte Action zu bieten hat. Wenn ich sehen will, wie sich Riesenroboter mit Riesenrobotern prügeln, dann kann ich auch gleich bei Michael Bay bleiben. Der weiß wenigstens ganz genau, wie man das richtig in Szene zu setzen hat. In „Pacific Rim 2“ sieht das einfach ziemlich öde und leider sehr unspektakulär aus. Erst zum Ende hin bekommt man das, weswegen man eigentlich da ist – und selbst der Kampf zwischen diesen Kaijus kommt nicht einmal ansatzweise an die Sachen aus dem ersten Teil heran.

Man muss es einfach sagen: „Pacific Rim 2“ fehlt Guillermo del Toro. Es fehlen die wirklich coolen Monster-Designs, es fehlt einfach das Herz in einem platten Monster-Roboter-Streifen. Alles in allem war dieser Film für einen Bombast-Action-Film ziemlich öde – was vor allem auch an der Story lag. Ich will jetzt hier mal nichts spoiler – für den Fall, dass sich das jemand von euch noch antun möchte – aber die große Auflösung, warum dieser eine Jaeger plötzlich durchdreht und blablabla, ist zwar nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen, aber einfach ziemlich doof umgesetzt. Und dazu kommt dann noch dieses „Independence Day 2“-Ende, das einen weiteren Teil anteasert, der wie schon bei „ID2“ cooler klingt als der eigentliche Film.

Mir tut es ein wenig Leid um Guillermo del Toro, dessen Baby hier zugrunde gerichtet wird. Mir tut es ein wenig Leid um John Boyega, der lieber bei „Star Wars“ hätte bleiben sollen. Und mir tut es um mich Leid, weil ich doch so viel lieber ordentliche Monster-Action gesehen hätte. Ob ich mir da jetzt wirklich noch einen dritten Teil für antun muss???

Wertung: 3 von 10 Punkten (ein mehr als nur maues Sequel zu einem tollen Film)