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B-A-B-Y, Baby!

26. Juli 2017

Es gibt Filme mit einem großartigen Soundtrack, der einfach perfekt die ganze Stimmung des Films untermalt: „Die Reifeprüfung“ hatte zum Beispiel die ganzen tollen Songs von Simon and Garfunkel, Tarantino macht das ja eigentlich gefühlt mit jedem Film auf eine umwerfende Art und Weise – ob nun „Pulp Fiction“ oder zuletzt „The Hateful 8“ oder einer meiner jüngeren Favoriten „Guardians of the Galaxy“ (damals hatte ich den Soundtrack schon lange vor dem Film). Dann gibt es aber auch die Filme mit einem großartigen Soundtrack, der aber nie so wirklich zum Film passt: bestes Beispiel ist da immer noch „Suicide Squad“. Alles verdammt coole Songs, die aber einfach nur so clip-artig aneinander gereiht wurden. Hauptsache, es ist ein cooler Song, mit dem jeder irgendwas verbindet. Tja, und dann gibt es Filme, die scheinen direkt aus ihrem Soundtrack geboren worden zu sein. Da vermischt sich die Musik mit der Handlung. Ich sage Filme, aber so wirklich andere Beispiele fallen mir gerade nicht ein – außer halt Edgar Wrights neuester Streich „Baby Driver“.

Baby (Ansel Elgort) kämpft seit seiner Kindheit gegen fiesen Tinnitus an, weswegen er meistens / ständig mit Kopfhörern Musik hört. Baby ist zudem Fluchtwagenfahrer für Doc (Kevin Spacey), der ihn anheuert, sobald eine Crew für einen Banküberfall den perfekten Fahrer sucht. Babys Spezialität: Rasen nach seiner eigenen Musik. Stimmt der Song, funktioniert Baby und findet auch aus der irrwitzigsten Situation einen Weg heraus. Doch eines Tages lernt Baby die Kellnerin Debora (Lily James) kennen… verliebt sich natürlich und will aussteigen. Nur ist das Aussteigen nie so leicht wie das Einsteigen (und damit gehen fünf Euro in die Wortspiel-Kasse für diesen „grandiosen“ Autofahrer-Witz).

Musik laut, Motor an und los!

Die Geschichte ist nichts Besonderes. Kennt man schon. Das stimmt, aber Edgar Wright macht daraus trotzdem sein ganze eigenes Ding. Denn der Soundtrack wird zum Bestandteil der Geschichte, der Soundtrack wird zum Darsteller, zum Regisseur. Ohne die Musik läuft dieser Film nicht und so unterwirft sich Wright in allem der Musik. Es ist, als hätte er sich seine Lieblingsplaylist genommen und um sie herum einen Film gebaut. Was so gesehen, jetzt nicht aufregend klingt, wäre es doch in den Händen eines unfähigen Regisseurs einfach nur eine Aneinanderreihung von Songs zu Szenen. Doch Wright, darauf können wir uns nach Filmen wie „Shaun of the Dead“ oder „Scott Pilgrim“ wohl einigen, ist alles andere als ein unfähiger Regisseur. Und so gibt die Musik den Takt an und der Film ergibt sich diesem Takt.

Es ist einfach unglaublich großartig, was Wright hier macht. Es gibt Schußwechsel im perfekten Einklang mit der Musik, es gibt One-Takes, die aussehen wie aus einem Musical geklaut. Jede Bewegung der Darsteller, jeder Cut, jedes Türknallen, Klingeln – jedes Geräusch ist perfekt getimt zur Musik. Die ganze Handlung ist im Einklang mit der Musik… und man kann sich einfach mit diesem geilen Mix aus Disco, Funk, Jazz und Rock treiben. „Baby Driver“ ist ein Musik-Film, der grandiose Action-Szenen hat. „Baby Driver“ hätte so noch drei Stunden weitergehen können und es hätte mich nicht gestört.

Ich möchte mir nicht einmal vorstellen, wie penibel die Arbeit am Set und beim Schnitt gewesen sein muss, um so einen Film am Ende zu produzieren. Aber muss ich mir ja auch nicht, ich kann einfach „Baby Driver“ noch einmal gucken gehen. Neben Wrights grandioser Regie funktioniert „Baby Driver“ aber auch wegen seiner Darsteller: Bei Ansel Elgort hatte ich eigentlich die größten Bedenken. Kann „Fault in our Stars“-Schönling Elgort ein guter Baby Driver sein? Ja, er kann. Nicht nur hat er das perfekte Baby-Face zum Unterschätzen seiner Fähigkeiten, aber er hat auch den perfekten Groove. Lily James ist einfach nur zuckersüß. Ein Lächeln und man schmilzt schon dahin. Kevin Spacey ist Kevin Spacey, der kann auch nur in der Ecke stehen und fegen und wäre großartig. Dazu gibt es noch Jamie Foxx und Jon Hamm, die beide auch wunderbar sind. „Baby Driver“ hat sympathische und eklige Charaktere, die aber alle wunderbar ausgearbeitet worden sind und dem ganzen Soundtrack-Action-Anteil genau die richtige Würze geben, um am Ende wirklich mitzufiebern.

„Baby Driver“ ist ein Film, den man laut hören und dann sehen muss. „Baby Driver“ macht Spaß von der ersten bis zur letzten Minute – dank perfektem Soundtrack, perfekten Darstellern und perfekter Action. Einfach nur perfekt!

Wertung: 10 von 10 Punkten (einfach nur groovy, dieser Film)

Raumstation Alpha

24. Juli 2017

Comic-Verfilmungen gibt’s ja mittlerweile wie Sand am Meer – nur das man das Gefühl hat, das Meer geht weiter zurück wegen all dem Sand. Ich muss gestehen, dass selbst bei mir erste Ermüdungserscheinungen auftreten. Noch nicht wirklich bei den aktuellen Sachen (sonst hätte ich „Wonder Woman“ und „Spider-Man“ nicht so gefeiert), aber wenn ich all die Nachrichten über noch mehr neue Comic-Verfilmungen höre, denke ich mir schon: „Irgendwann reicht’s auch!“ (obwohl ich den angekündigten Doctor-Doom-Solo-Film noch durchaus interessant finde 😉 ). Aber die Schwemme an diesen Film hört nicht auf, wird nur mehr und mehr und mehr und mehr… und jetzt kommt noch ein neuer Film dazu, dieses Mal aber aus Europa und von Alt-Meister Luc Besson, der sich seinen Kindheitstraum erfüllt und die französische Comic-Reihe „Valerian und Veronique“ als „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ verfilmt hat.

Raumstation Alpha fing 2020 als kleine Station im Orbit der Erde an, Jahrhunderte später ist Alpha zu einer riesigen schwebenden Stadt im All geworden – der Stadt der tausend Planeten, wo sich zig Millionen verschiedene Lebewesen aufhalten. Doch Alpha ist in Gefahr… und die Agenten Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne) müssen herausfinden, wie sie Alpha retten können.

Mein Gesicht beim Gucken

Ich war ja sehr skeptisch, was „Valerian“ anging. Die Trailer sahen zwar super aus, aber Luc Besson hatte bei mir nach dem Fiasko „Lucy“ erst einmal alle Karten verspielt. Es gruselt mich immer noch ein bisschen, nur an diesen Film zu denken – der eigentlich hätte gut sein können, aber am Ende zu sehr in absoluten Quatsch abdriftete. Doch „Valerian“ sah schon ein bisschen anders aus, der Trailer versprach die Titelgebenden tausend Planeten in einer Stadt, ich hoffte also einfach mal, dass Besson diese Welten auch wirklich zeigen würde. So richtig überzeugt hat mich dann ein Trip in dem Comic-Laden, wo ich mal in einen „Valerian“-Comic schaute. Jede Seite, jedes Panel lief ja über vor bunten Farben, faszinierenden Wesen und großen Welten. Bei so einer Grundlage kann man doch eigentlich nicht viel falsch machen, oder???

Kann man tatsächlich nicht. Und kann auch ein Besson nicht, der ja schon mit „Das fünfte Element“ gezeigt hat, dass er Sci-Fi-Welten eigentlich ganz gut kann – und „Valerian“ ist genau das. Das letzte Mal habe ich so fasziniert auf eine Kino-Welt gestarrt, als ich das erste Mal James Camerons „Avatar“ im Kino gesehen habe. Optisch ist „Valerian“ die Wucht. Die Planeten, die wir mit Valerian und Laureline besuchen oder die Orte in der Raumstation – es sieht alles verdammt gut aus. Ich fühlte mich auch an das erste Mal „Star Wars“ gucken zurückerinnert (eine Reihe, die offensichtlich auch sehr von den „Valerian“-Comics profitiert hat). Der Film liefert Augenschmaus pur, man kann sich nicht satt sehen und es gibt überall noch was Neues zu entdecken. Rein optisch ist „Valerian“ echt eine Comic-Verfilmung, die man gesehen haben muss.

Doch Optik allein reicht ja nicht aus, die Story muss auch noch stimmen – nur wird es hier leider ein bisschen schwierig. „Valerian“ fängt da sehr viel versprechend an: Luc Besson liefert eine kurze Vorgeschichte zu Alpha, entführt uns dann in eine aufregende Welt und nimmt uns anschließend auf eine erste Mission von Valerian und Laureline mit. Das Tempo passt – wir verweilen immer lange genug an einem Ort, um ihn besser kennen zu lernen, die Charaktere werden gut aufgebaut. Die Geschichte ist spannend, ist doch das Mysterium, was Alpha bedroht, verwoben durch ein Ereignis, dass auch unmittelbar mit Agent Valerian zusammenzuhängen scheint (ich will nichts verraten, aber das ist gut gemacht). Der Film lebt vor allem durch die charmanten Darsteller, die eine umwerfend gute Chemie haben. Dane DeHaan finde ich ja eh super, und tatsächlich ist auch eine Cara Delevingne, die ich bisher eigentlich nur aus „Suicide Squad“ kanne, ziemlich cool und überzeugt als schlagfertige Agentin.

Leider ist es dann das entscheidende letzte Viertel, dass „Valerian“ ins Wanken bringt. Bis dahin hat die Action begeistern können, haben die Welten faszinieren können, hat die Geschichte unterhalten können. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Valerian“ perfektes Unterhaltungskino – rasant, spaßig und umwerfend gut anzuschauen. Dann kommt aber das große Finale… hier verliert der Film enorm von seinem Tempo. Wir müssen Sherlock-Holmes-artige Erklärungen ertragen, wer jetzt wie und wo wofür verantwortlich war. Und dabei sind das Dinge, die wir schon wussten, ist die Story doch recht offensichtlich. Dennoch erschien es Besson wichtig, uns das trotzdem alles noch einmal zu erklären. Nach toller Action und viel Abenteuer kommen am Ende einfach nur die Reden – das wäre nicht nötig gewesen.

Dennoch hoffe ich, dass „Valerian“ nicht das gleiche Schicksal erleidet wie einst „John Carter“: Das sind beides tolle Filme gewesen, die tolle Welten erschaffen haben und von denen ich durchaus gerne mehr sehen würde. Und „Valerian“ hat ja über 30 Jahre Comic-Stoff, aus dem man sicherlich noch ein paar gute Storys machen kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein tolles Sci-Fi-Spektakel mit einem schwachen Finale)

Happy Hunting!

21. Juli 2017

Lang nicht gesehene Filme und die Erinnerung an sie – das ist schon so eine Sache. Ich erinnere mich noch gut, daran, dass ich auf langes Drängen eines meiner besten Freunde „Scream“ guckte – mit ihm zusammen, dem großen „Scream“-Fan. Und dann ist das ja immer so eine Sache: Man schaut mit einem Über-Fan einen Film und wenn er einem dann nicht gefällt, kommt man ein wenig in Bedrängnis. So ging es mir zumindest bei „Scream“: Ich konnte mit dem Film überhaupt nichts anfangen und überlegte schon die ganze Zeit, was ich am Ende sagen würde. Zum Glück kam dann heraus, das mein Kumpel selbst auch irgendwie überrascht war, wie wenig gut der Film am Ende gewesen ist. Nicht nur deswegen durchforste ich ja im Moment mein DVD-Regal und schaue mir so ein paar der alten Filme an, die ich früher abgöttisch geliebt habe. Bei den Action-Krachern wie „Face / Off“, „The Rock“ und Co. hat das ja alles gut funktioniert… jetzt dachte ich mir, ich packe mal „Cruel Intentions“ aus.

Sebastian Valmont (Ryan Phillippe) ist – salopp gesagt – eine richtiger Schwerenöter, vor dem niemand sicher ist. Niemand außer seiner Stiefschwester Kathryn (Sarah Michelle Gellar). Doch dann macht sie ihm ein verführerisches Angebot: Schafft er es, die keusche Tochter des Schuldirektors, Annette (Reese Witherspoon), zu verführen, darf er mit Kathryn schlafen. Doch Annette wurde vorgewarnt und so hat Sebastian ganz schön an dieser Aufgabe zu knabbern.

Sebastian Grinsebär freut sich

Es ist wirklich gefühlte Ewigkeiten her, dass ich „Cruel Intentions“ gesehen habe. „Cruel Intentions“ war mir aber dennoch gut in Erinnerung geblieben – als sexy Film, als stylischer Film, als ziemlich mutiger Film. Nach gefühlten Ewigkeiten ist der Film zum Glück auch immer noch genau das – mit kleinen Abstrichen.

Sexy ist der Film immer noch, wenn auch manchmal etwas sehr plump in den Versuchen, sexy zu sein. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, das ich älter geworden bin und mehr über das, was ich da schaue nachdenke, aber manche „sexy“ Szenen wirkten auf einmal nicht mehr so unbedingt „sexy“. Sebastians Verführung von Cecile (Selma Blair) zum Beispiel ist nicht mehr ganz so aufregend, wie ich es noch in Erinnerung hatte. Dieses „Ich möchte dich küssen, aber nicht auf den Mund“ erschien mir früher als verdammt cooler Spruch, mittlerweile fand ich’s dann doch etwas… dämlich. Oder auch die ganze Story zwischen Sebastian und Kathryn… gerade in den Momenten, wo sie ihn wirklich ein bisschen heiß macht, war das für mich auch ein bisschen Fremdschämen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich prüde geworden bin auf meine alten Jahre, aber so richtig gezogen haben viele dieser „sexy“ Momente einfach nicht mehr.

Es ist auf jeden Fall aber immer noch ein stylischer Film. Aber gut, ist ja auch nicht schwer – wir bewegen uns in der High Society, die sind stets grandios gut angezogen, sehen immer perfekt aus und ganz ehrlich, ich will Sebastians Auto.

Buffy and the Legally Blonde

Mal abgesehen davon, dass „Cruel Intentions“ ein bisschen was von seinem Sex-Appeal für mich verloren hat, ist es immer noch ein großartiger Film. Großartig vor allem wegen der Darsteller und dem Drehbuch. Man merkt dem Film nicht wirklich an, dass er auf einem Roman aus dem Jahr 1782 basiert, denn irgendwie schafft es Regisseur (und Drehbuchautor) Roger Kumble mühelos, dass wir ihm das hier alles sofort abkaufen. Dass diese „spoiled rich kids“ sich die Zeit anders vertreiben als wir Normalos. Dass diese ungeliebten Kinder so sinn- und rücksichtslos mit den Gefühlen anderer spielen. „Cruel Intentions“ ist nicht einfach nur ein „sexy“ Film, es ist auch eine tragische Geschichte… bei der ich am Ende tatsächlich auch ein bisschen Mitleid mit Kathryn habe. Klar ist Sebastian unser tragischer Held (und allein als mein Namensvetter fühle ich noch ein bisschen mehr mit ihm), aber Kathryns Absturz beschäftigt mich jedes Mal überraschenderweise sehr viel mehr. Dieses Bild am Ende, wenn sie auf dem Schulhof vor ihren Klassenkameraden steht und die sie alle entsetzt anschauen – da ist ein Gott vom Olymp gefallen. Ich kann es nicht genau definieren, aber ein bisschen tut selbst sie mir Leid. Sie hat ja auch niemand wirklich je geliebt und das hat aus ihr irgendwann diese kalte Frau, diesen eiskalten Engel gemacht. Ich will sie gar nicht so wirklich in Schutz nehmen, aber irgendwie doch ein bisschen…. keine Ahnung 😀

Wie man es auch sehen mag, „Cruel Intentions“ ist schon immer noch verdammt super. Sarah Michelle Gellar ist eine großartig kaltblütige und hinterhältige Eiskönigin. Ryan Phillippe ein perfekter Schönling, der sich wandelt. Reese Witherspoon ist der im Kampf der Monster gefangene Engel… nur mit Selma Blair kann ich nach so langer Zeit nicht mehr wirklich viel anfangen. Ihre Cecille war mir dieses Mal dann doch zu dumm und naiv. Man möchte sie nehmen und sie wachrütteln und ihr sagen: „Denk doch mal für fünf Sekunden nach!!!“

„Cruel Intentions“ ist trotz meiner Einwände ein toller Film geblieben, ein extrem direkter Film mit tollen Darstellern, einem großartigen Soundtrack und merkwürdigerweise zu vielen Fortsetzungen, von denen ich keine einzige gesehen haben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die eiskalten Engel wirken zwar nicht mehr ganz so sexy, sind aber immer noch verdammt sehenswert)

Rambaldis Agentin

19. Juli 2017

Ich mag J.J. Abrams ja wirklich sehr – ob nun im Serien- oder im Film-Bereich. Ich liebe „LOST“ und ich liebe auch „The Force Awakens“. Wenn ich jedoch eine Sache – gerade im Serien-Bereich – bei Abrams bemängeln würde, dann wohl die Tatsache, dass er es nicht so mit wirklich coolen Intros hat. Bei „Fringe“ ging es noch – zumal da ja das Intro immer mal passend zur Episode abgeändert wurde. Der unheilvolle „LOST“-Schriftzug, der laut tönend auf den Bildschirm zu rauscht, war nett, aber auch nichts besonderes. Und jetzt habe ich das vielleicht unspektakulärste Intro von Abrams gefunden: nämlich das zu seiner Agenten-Serie „Alias“. Es kommt erst mal immer irgendwie zu einem unerwarteten Zeitpunkt, es hämmert dann diese merkwürdige, 90er Jahre Techno-Mukke im Hintergrund und es wird einfach nur „Alias“ ausgeschrieben. Aber hey, wer braucht ein gutes Intro, wenn der Rest stimmt. 😉

Sidney Bristow (Jennifer Garner) arbeitet für eine geheime Unterabteilung der CIA namens SD-6 und geht mit ihrem Partner Dixon (Carl Lumbly) auf die wildesten Missionen, um das Böse auf der Welt im Auftrag ihres Bosses Arvin Sloane (Ron Rifkin) zu bekämpfen. Leider erzählt Sidney irgendwann ihrem Verlobten, dass sie für SD-6 arbeitet, woraufhin der ermordet wird (geheim heißt halt geheim). Sidney ist am Boden zerstört und will aufhören, da erklärt ihr jemand die wahren Tatsachen: SD-6 gehört nicht zur CIA, sondern arbeitet für ein böses Syndikat namens „Die Allianz der Zwölf“. Um SD-6 nun von innen zu bekämpfen, wird Sidney Undercover-Agentin – dieses Mal wirklich für die CIA.

Vor dem Hangover und dem Affleck war Alias.

„Alias“ habe ich früher ab und an mal geschaut, aber hatte nie so das große Bild vor Augen, worum es wirklich geht. Jetzt habe ich mir also die Box mit allen Staffeln besorgt… und hatte in der ersten Hälfte der ersten Staffel ganz schön Angst, das alles stark zu bereuen. Denn die erste Hälfte war mir ein bisschen zu viel: ein bisschen zu viel heulende Sidney, ein bisschen zu viel heulende Mitbewohnerin von Sidney (die mit dem falschen Typen zusammen ist) und ein bisschen zu merkwürdige Missionen.

Die Missionen in „Alias“ sind mir, wenn ich das einfach mal so salopp sagen darf, viel zu simpel gestrickt. Sidney verkleidet sich, bricht super einfach irgendwo ein, besorgt super einfach, weswegen sie gekommen ist und verschwindet wieder. Und selbst, wenn mal alles nicht so super einfach abläuft, kloppt sie sich kurz und ist wieder frei. Die Spannung in den einzelnen Missionen schwand im Verlauf der ersten Staffel enorm. Wäre „Alias“ eine reine Agenten-Serie mit dem Fokus Sidney als Undercover-Agentin, dann wäre nach der ersten Staffel für mich definitiv Schluss gewesen. Einfach weil es zu sehr Freitag-Nachmittag-Action ohne krasse Bedrohung und mit sehr viel ungewollt komischer Theatralik ist.

Zum Glück (für mich und „Alias“ und unser gemeinsames Weiterschauen) gibt es da ja noch diese für mich noch nicht so ganz einzuschätzende Fantasy-Science-Fiction-Zugabe zur Serie. Da wird ständig nach Relikten eines alten Genies, Erfinders und Propheten names Milo Rambaldi gesucht – und vieles davon scheint mit Sidney zu tun zu haben. Ganz ehrlich, das finde ich noch spannend genug, das ich den Rest ertragen kann – zumal die zweite Hälte der ersten Staffel dann schon auch ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt und tatsächlich auch ein bisschen spannender wird. Die verworrene Geschichte von Sidneys Eltern wird aufgedeckt, ihr Freund und Reporter Will Tippin (Bradley Cooper!!!!) kommt SD-6 auf die Spur – zum Ende der ersten Staffel fühlt sich „Alias“ dann schon ein bisschen geerdet an, ein bisschen runder, packender, mehr im Rhythmus mit seiner eigenen verrückten Story.

Darstellerisch muss ich mich an das Ganze noch sehr gewöhnen: Ich weiß selbst nach einer Staffel noch nicht so wirklich, ob mir Jennifer Garner in der Rolle wirklich gefällt. Es gibt Folgen, da mag ich sie sehr, dann in anderen Folgen wieder nicht. Gerade wenn sie ein bisschen emotionaler sein soll, sieht sie einfach nur wie ein kleines, getretenes Hundchen aus und wirkt etwas fehl am Platz. Vielleicht legt sich das ja noch mit der Zeit. Über Bradley Cooper war ich erstaunt – einfach nur, weil ich nicht wusste, dass er da mitspielt. Zum Ende der Staffel fand ich seinen Charakter sehr viel interessanter. Vorher ging er mir mit seiner Sidney-Schwärmerei zu sehr auf den Keks. Wen ich tatsächlich von Anfang an sehr cool fand, das war Ron Rifkin als Sloane. Zeigt sich mal wieder, dass Abrams ein Händchen für ambivalente Schurken-Rollen hat. Man weiß auch bei Sloane nicht, ob man ihn nun hassen soll oder nicht, aber wie man es auch nimmt – Rifkin spielt ihn super. Größtes Hass-Objekt in dieser ersten Staffel ist für mich Kevin Weisman als Marshall, der Q des SD-6, der durchgedrehte Nerd mit den coolen Agenten-Erfindungen. Sorry, aber der geht gar nicht. Der nervt mich jedes Mal so sehr mit seiner merkwürdigen Art… ich finde ihn einfach nur anstrengend.

Naja… ich will mal jetzt mit Staffel 1 nicht zu streng sein, sie hat ja ihre guten Momente (und sogar einen Tarantino-Doppelfolgen-Gastauftritt) und hält mich allein wegen dieser Rambaldi-Nummer am Ball. Und mit einer ersten Staffel muss man sich ja auch noch erst ein bisschen zurecht finden, da läuft noch nicht alles rund. Es war jetzt kein Binge-Vergnügen, aber ich hoffe, das ändert sich mit Staffel 2.

Wertung: 7 von 10 Punkten (noch nicht ganz ausgereift, aber doch schon recht interessant)

P.S.: Noch ein Punkt, der mir gerade einfällt, der mich super an „Alias“ stört: Jede Folge beginnt mit einer superlangen Einleitung und dann auch noch mit einer extrem langen Nacherzählung der letzten Ereignisse. Wenn man das so hintereinander schaut, nervt das sehr.

Immer schön nett sein!

17. Juli 2017

Ach, es ist doch immer wieder schön, sich alte Filme anzuschauen… und sich dann dabei zu denken: „Wow, heutzutage würde niemand mehr so einen Film machen!“ Da frage ich mich manchmal schon, was bei einigen Filmen damals in den Köpfen der Produzenten, Drehbuchautoren, etc. vorgegangen sein muss. Ich meine, nehmen wir nur mal den Film, um den es jetzt gehen soll: „Road House“. Ein cooler Film von 1989, den heutzutage doch kein Mensch drehen würde: ein Rausschmeißer mit Hochschulabschluss in Philosophie kommt in ein kleines Städtchen und muss sich hier einem üblen Tyrannen stellen. Allein dieser Satz klingt doch so unendlich absurd und dumm, das man nicht einmal im Traum denken würde, daraus könnte man einen guten Film machen. Aber Regisseur Rowdy Herrington hat genau daraus einen Film gemacht – ein cooler Film, der aber irgendwie die ganze Zeit kurz davor ist, ein richtig schlechter Film zu sein.

In „Road House“ bekommt Rausschmeißer Dalton (Patrick Swayze) den Auftrag, die Bar „The Double Deuce“ in der kleinen Stadt Jasper wieder auf Trab zu bringen. Hier sind jede Nacht heftige Schlägereien an der „Tagesordnung“. Aber Dalton hat einen Ruf (woher auch immer) und beginnt, diesem gerecht zu werden. Nach und nach räumt er im Double Deuce ordentlich auf… und hat so die Möglichkeit zu erkennen, was um ihn herum so alles schief läuft. Denn Jasper wird vom fiesen Geschäftsmann Brad Wesley (Ben Gazzara) tyrannisiert – dem bald auch Dalton ein Dorn im Auge ist. Es kommt, wie es kommen muss: Dalton vs. Brad, David gegen Goliath.

Road Warrior trifft auf Road Braut in Road House

Wäre „Road House“ ein Western, man könnte ihn viel ernster nehmen. Wäre Patrick Swayze so eine Art Lone Gunman, der in eine Stadt kommt, um dort aufzuräumen, man würde nichts an „Road House“ hinterfragen. Aber „Road House“ ist nun mal kein Western, sondern ein Action-Film angesiedelt in der Gegenwart (also der damaligen von 1989 in der Swayze Frisur noch vollkommen in Ordnung war 😉 ). Da muss man sich schon eher ein bisschen zusammenreißen, diese ganze Handlung für voll zu nehmen. Ich meine, in welcher Welt sind denn bitte Rausschmeißer die größten Helden und auch noch über mehrere Städte hinaus so bekannt, dass bei der bloßen Erwähnung ihres Namen alle in Ehrfurcht niederknien?

Aber hey, wenn man über solche Kleinigkeiten hinwegsehen kann, ist „Road House“ irgendwo auch ein ziemlich amüsanter Film. Ein Running-Gag des Films ist es ja, dass alle Patrick Swayze sagen, dass sie sich ihn viel größer vorgestellt hätten. Und ja, wenn ich ehrlich sein soll, wirkt diese ganze Rolle mehr so als wäre sie für Arnold Schwarzenegger geschrieben worden – inklusive einiger der geilsten Oneliner aller Zeiten: wie zum Beispiel: „Pain don’t hurt!“ oder der absolute Klassiker „I want you to be nice until it’s time to not be nice.“ Überhaupt ist „Road House“ in erster Linie eine Goldgrube für herrlich coole/ dumme Sprüche, die ich mir leider wieder nie alle merken werden kann.

Ein Arnold Schwarzenegger hätte diesen Film im Vorfeld schon zu etwas richtig absurdem werden lassen, wo man es dann auch einfach in Kauf genommen hätte, dass dieser Typ einen Abschluss in Philosophie hat – vor allem hätte man dann noch ein paar Oneliner mit Philosophie-Ansatz bringen können, wie :“Ich denke, also prügele ich!“ oder sowas in der Art. Aber Patrick Swayze verleiht „Road House“ eine ganz andere Form der Coolness. Er wird ein wenig zum Underdog, den man trotz seines Rufs unterschätzt. Er ist geheimnisvoll, er trinkt schwarzen Kaffee, er ist immer nett und lächelt, offenbart aber nicht, was er wirklich denkt. Er ist der pretty „Dirty Dancing“-Typ, der auf einmal so richtig knallhart wird. Er macht Yoga, Tai-Chi, was auch immer mit nacktem Oberkörper am See und man möchte was, dass Mr. Miyagi noch mal kurz vorbeikommt. Was er irgendwie auch macht – nur halt in der Form von Sam Elliott als alter Mentor.

„Road House“ punktet dann aber auch noch mit extrem tollen Soundtrack (den ich mir definitiv noch zuelgen werde) und wirklich coolen Fights, die sich sehen lassen können. Patrick Swayze ist so badass, dass er einem Typen mal eben den Kehlkopf raus reißt. Noch krasser geht’s doch nun wirklich nicht. „Road House“ ist eine ordentliche Packung Hau-Drauf-Action und einem guten Patrick Swayze und einem herrlich fiesen Schurken, dass man die Western-Story gerne in Kauf nimmt. Einzig und allein die ganze Romantik-Schiene mit der bezaubernden Kelly Lynch wirkt extrem, extrem, extrem gezwungen.

Aber trotz allem: „Road House“ ist irgendwie ein cooler Film.

Wertung: 8 von 10 Punkten („Family Guy“ hatte schon recht: „Road House“ ist cool!)

Futter für den Geier

14. Juli 2017

Wenn ich ein Ranking von meinen Lieblingssuperhelden angeben müsste, dann wäre Spider-Man unangefochten die Nummer 1. Danach kämen so erst die anderen. Spidey war aber immer das Beste. Er ist ein wesentlich zugänglicherer Superheld, weil er eigentlich fast normal ist. Er ist kein Gott, er ist kein Alien, er ist nicht superreich. Er ist ein Teenager, der Sorgen an der Schule hat, der Sorgen mit den Mädchen hat, der Sorgen zu Hause hat. Er ist nachvollziehbarer als manch anderer Superheld. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf, ich mochte seine Spiele für die PlayStation immer am meisten. Ich weiß noch, wie sehr ich das Spiel „Spider-Man 2“ rauf und runter gezockt habe: ewig lange keine wirklichen Aufgaben erfüllt, aber New York per Netzschwung erforscht. Das hat was, das ist cool. Spidey ist cool.

Allerdings hat Spidey es auf der Film-Leinwand auch nicht wirklich einfach. Erst ist Tobey Maguire dran – und nach drei Filmen ist auf einmal Schluss. Dann taucht plötzlich kurze Zeit später Andrew Garfield auf, erzählt uns noch einmal die gleiche Geschichte, macht seine Sache wider Erwarten doch recht gut, aber auch da ist nach zwei Filmen dann alles wieder vorbei. Und auch wenn ich eigentlich wirklich fast jeden Spidey-Film mochte (ja, „The Amazing Spider-Man 2“ mochte ich wirklich), wollte die freundliche Spinne von nebenan nie so richtig funktionieren. Womit wir dann bei Versuch Nummer 3 wären: mit wieder einem neuen Gesicht, wieder einem Neuanfang!

„Spider-Man: Homecoming“ setzt direkt nach den Ereignissen von „Captain America: Civil War“ an: Peter Parker (Tom Holland) ist heiß darauf, ein waschechter Avenger zu werden, doch Tony Stark (Robert Downey Jr.) hält den Teenager hin. Der solle erst einmal Schule machen und einfach so ein bisschen für Recht und Ordnung in der Nachbarschaft sorgen. So gibt sich Peter dann als Spider-Man die allergrößte Mühe, immerhin hat er auch Spaß daran, seine Kräfte auszutesten. Seine Chance sieht er gekommen, als er auf Adrian Toomes (Michael Keaton) trifft, der als mechanischer Geier Raubzüge begeht, um alte Chitauri-Technik zu steheln, um damit Waffen herzustellen.

Er hängt hier nur so rum

Sein Kurzauftritt in „Civil War“ war schon ein kleines Fest. Da konnte man den jugendliche Dynamik, das Frech-Dreiste, das Übermutige in dem jungen Peter Parker in jeder Sekunde spüren. Qualitäten, die sich in „Homecoming“ wieder zeigen. Da hockt ein Peter ungeduldig im Unterricht, wartet auf die letzte Schulklingel, um endlich Spider-Man zu werden. In seinem Ambitionen, sich wild und ohne groß nachzudenken, in jedes Abenteuer zu stürzen, hat mich dieser neue Spider-Man ein bisschen an Diana Prince aus „Wonder Woman“ erinnert. Der neue Peter Parker hat nicht – wie seine Vorgänger – ein Problem mit seinen zwei Identitäten. „Homecoming“ wird kein Shakespeare-Drama a la „Hamlet“. Peter weiß hier genau, wer er ist und was er sein möchte und er setzt alles daran, es auch so umzusetzen. Wie Diana in „Wonder Woman“ will er nicht lange warten, er will helfen… im Gegensatz zu Diana will Peter aber auch Spaß haben, und den hat er auch.

„Spider-Man: Homecoming“ macht in erster Linie auch wirklich einfach nur Spaß. Weil ein Tom Holland sichtlich Spaß daran hat, Spider-Man zu sein und weil ein Peter Parker sichtlich Spaß daran hat, Spider-Man zu sein. Dazu kommt, dass dieser Peter Parker mal wirklich mehr wie in den Comics ist. Er hat seine verzweifelte Liebe an der Schule (die bezaubernde Laura Harrier als Liz), er hat seinen besten Freund Ned (Jacob Batalon, ein dicker, witziger Sidekick, der aber zum Glück nie so wirklich zum Klischee wird – außer vielleicht, wenn er und Peter ihren ewig langen geheimen Handschlag machen), er jongliert Schule mit Superhelden-Arbeit mit seiner Tante May. Es ist wie „Ferris macht blau!“ (der sogar auf wunderschöne Art und Weise im Film zitiert wird) mit Superkräften, es ist ein bisschen „Breakfast Club“. „Homecoming“ ist manchmal fast mehr Teenie-Komödie als Superhelden-Film, was das Ganze sehr unterhaltsam macht – zumal die Darsteller einfach alle wunderbar mit einander harmonieren.

Weiterer Pluspunkt: „Homecoming“ ist kein „Iron Man 4“, was meine größte Befürchtung war, nachdem Robert Downey Jr. Auf jedem Poster und in jedem Trailer äußerst präsent gezeigt wurde. Iron Man / Tony Stark hat kurze, aber wichtige Auftritte, die aber Peter Parker aber nie die Show stehlen. UND: Michael Keaton ist tatsächlich endlich mal wieder ein guter Marvel-Schurke. Er ist nachvollziehbar in seinen Anfängen, erbarmungslos in seinen Ausführungen und sympathisch-unheimlich. Er ist ein bisschen wie Alfred Molina als Doctor Octopus in „Spider-Man 2“, nur halt weniger tragisch und wirklich sehr viel gemeiner. Keaton, der hier nach „Birdman“ endlich mal wirklich ein Birdman sein darf, ist großartig.

Ich glaube, ich kann es nicht mehr verbergen, ich habe „Spider-Man: Homecoming“ geliebt. Es ist ein toller Spidey-Film, der zum Glück nichts von Spinnenbissen oder toten Onkels erzählt, sondern einfach mal davon ausgeht, dass das nach fünf Filmen nun auch wirklich jeder kapiert haben muss. Regisseur Jon Watts hat einfach verdammt viel Spaß mit dem Film, vereint gekonnt Teenie-Komödie mit Superhelden-Film und Tom Holland hat einfach nur Spaß. Hoffen wir mal, dass dieser Spidey nun ein bisschen länger im Dienst bleibt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Versuch Nummer 6 hat es nun endlich mal wirklich richtig gut gemacht)

Krank vor Liebe

12. Juli 2017

Eine Zeitlang waren es die Franzosen, die den Markt mit Horror-Filmen überfluteten (jetzt haben sie die Komödien wieder für sich gefunden), im Moment sind es die Spanier. Während die Franzosen es gerne besonders blutig und abgedreht mochten (ich sage nur „Frontier(s)“), stehen die Spanier ja mehr auf das Subtile. Zwar wird es bei ihnen auch extrem blutig, aber in den meisten Fällen erzählen sie dazu auch noch eine spannende und packende Geschichte. So auch die beiden Regisseure Juan Fernando Andrés und Esteban Roel, die mit „Shrew’s Nest“ ihr Debüt abgeben.

Der Film erzählt von Montse (Macarena Gómez), die nach dem Tod ihrer Mutter auf ihre kleine Schwester (Nadia de Santiago) aufpassen musste. Und seit dem Tod des Vaters hat Montse die elterliche Wohnung nie wieder verlassen. Ihre ganze Welt besteht nur aus ihrer Wohnung und ihrer Schwester… doch diese Welt wird bald gehörig durcheinander gewirbelt, als sie eines Tages ihren Nachbarn Carlos (Hugo Silva) verletzt vor ihrer Tür findet. Nur widerwillig gewährt sie ihm Einlass… und ahnt nicht, wie sehr sich dadurch ihr Leben und das ihrer Schwester (und auch das von Carlos) ändern wird.

Schminken muss sie noch lernen

Die erste halbe Stunde von „Shrew’s Nest“ ist ein bisschen irreführend. Vielleicht ist es schon irreführend zu behaupten, das Ganze wäre ein Horror-Film. Denn so erwartet man irgendwann unheimliche Wesen, die aus dunklen Ecken hervorgekrochen kommen und Montse, ihre Schwester und Carlos quälen. Auf all das wartet man in diesem Film jedoch vergeblich. Bis auf die Tatsache, dass Montse dann und wann ihr Vater erscheint, der sie ständig belehrt, gibt es auch keine Geister. „Shrew’s Nest“ ist die andere Art von Horror… die ohne Monster und Gespenster, die, in der die menschliche Psyche einmal mehr als Wurzel allen Übels offenbart wird. Naja, zumindest so was in die Richtung.

Wie gesagt, „Shrew’s Nest“ beginnt als Psycho-Drama, bei dem wir erst einmal ausloten, wie die Verhältnisse zwischen den beiden Frauen sind. Dabei gibt uns der Film erst einmal nicht besonders viel, woran wir uns orientieren können – außer halt den Darstellungen der beiden Frauen. Macarena Gómez überzeugt dabei als Psycho-Mama-Ersatz, bei der man sich immer wieder fragt, was sie eigentlich genau von ihrer kleinen Schwester will. Die wiederum will einfach nur das, was wohl jede 18-Jährige möchte: ein bisschen mehr Freiheit, ein bisschen weniger Drama zuhause. Klingt alles noch nicht nach subtilem Horror, richtig? Richtig.

Ich war auch ein bisschen verwirrt darüber, dass sich „Shrew’s Nest“ so extrem langsam entwickelt. Selbst als Nachbar Carlos von Montse gerettet wird, passiert erst einmal noch nicht viel. Außer dass sich der Film in eine Richtung entwickelt, von der man vermuten könnte, es würde sich bald alles in ein handfestes Eifersuchtsdrama entwickeln, bei dem beide Frauen um die Gunst von Carlos kämpfen. Und doch drehen uns die Regisseure Andrés und Roel einmal mehr eine lange Nase, führen uns gekonnt auf eine falsche Fährte, bevor sie dann Montse (immer noch nicht so richtig erklärten) Wahnsinn freien Lauf lassen.

Und was soll ich sagen??? Wenn Montse dann so richtig aufdreht, wird auf einmal ein ganz anderer Film aus „Shrew’s Nest“. Dann drehen die beiden Regisseure nämlich ordentlich auf… und dann wird aus „Shrew’s Nest“ ein so richtiger merkwürdig-kranker Film, der mir auf eine noch merkwürdigere und krankere Art und Weise gefallen hat. Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass die spanischen Autoren und Regisseure diese abstrusen Geschichten trotzdem noch spannend verpacken können. Zwar hebt „Shrew’s Nest“ teilweise ganz schön ab und verliert sich zum Ende hin ein bisschen zu krass in seiner kleinen Gewalt-Orgie, aber ich finde dank der zwei großartigen Hauptdarstellerinnen nimmt man das alles noch in Kauf. Zumal man in diesem Film auch immer noch danach hungert, die Auflösung zu bekommen – die dann halt wieder ziemlich harter Tobak ist.

„Shrew’s Nest“ ist so eine wirre Mischung aus Familien-Drama, vielleicht auch ein bisschen Coming-Of-Age-Story, Psycho-Terror á la „Misery“ und einer guten Portion mehr Gewalt als nur einem abgehakten Bein (wie halt bei „Misery“ gesehen). Allerdings muss man der Geschichte halt einfach eine Chance geben, in Fahrt zu kommen… aber dann wird man dafür ganz gut belohnt. Auch wenn „Shrew’s Nest“ wieder eher so die Art von Film ist, die zwar einen harten Plottwist hat, der aber 1) irgendwann etwas vorhersehbar ist und 2) beim zweiten Mal gucken wahrscheinlich eher albern wirkt. Deswegen kann man sich diesen Film wohl auch wirklich nur einmal angucken… aber bei diesem ersten Mal ist er wenigstens noch wirklich interessant.

Wertung: 6 von 10 Punkten (solche Mieter wünsche ich keinem)

Die Transformers der Tafelrunde

10. Juli 2017

Es gibt keine Entschuldigung, keine Erklärung. Nichts, was mein Verhalten entschuldigen könnte. Mir ist das Ganze auch unendlich peinlich – so peinlich, dass ich schon überlegt habe, meine Schmach und Schande gar nicht erst öffentlich Preis zu geben. Aber vielleicht muss ich mich selbst vorführen und die Schmährufe ertragen, um es endlich zu lernen. Wer weiß, vielleicht bin ich wirklich ein Junkie und auf irgendeine tief, tief unterbewusste Art und Weise süchtig danach. Aber wonach? Mich selbst leiden zu sehen? Es kann ja nur das sein. Ein normaler, klar denkender Mensch würde doch schneller lernen. Ich erinnere mich an das englische Sprichwort: „Fool me once, shame on you! Fool me twice, shame on me!“ Doch wenn man schon vier Mal so richtig krass verarscht wurde, warum lässt man sich dann noch ein fünftes Mal auf etwas ein, von dem man eigentlich weiß, dass es nur furchtbar werden kann? Ist das schon wie diese Beziehungen, in der ein Partner den anderen schlägt, misshandelt und quält, aber man dennoch nicht loskommt? Bin ich etwa die Harley Quinn zu Michal Bays Joker?

Vier Filme hat er gemacht und kein einziger davon hat mir je wirklich gefallen. Doch kaum kommt er mit einem fünften Teil – „Transformers 5: The Last Knight“ – um die Ecke hocke ich trotz langem Hin und Her am Ende doch auf einmal im Kino und lasse mich von dieser gequirrlten Scheiß umspülen. Einmal mehr wird die Erde bedroht, dieses Mal von Quintessa, einer Magierin / Gottheit, die mitsamt dem halb zerstörten Planeten Cybertron zur Erde kommt, um die Erde zu vernichten und Cybertron wieder zur vollen Blüte zu bringen. Auf der Erde gibt es ein Artefakt, dass zur Vernichtung beitragen kann: Der Stab von Merlin. Jupp… Michael Bay geht in die Vollen und scheißt auf alles. Die Transformers kämpften schon mit Merlin und jetzt geht es noch einmal so richtig zur Sache.

Der Film in einem Bild zusammengefasst

Es fängt an, wie mit jedem Transformers-Film, den ich je gesehen habe (und ich habe sie ja zu meiner Schande wirklich alle gesehen): Die ersten paar Minute habe ich noch Hoffnung. Stanley Tucci als Merlin am Anfang war ja tatsächlich sogar noch irgendwo ein bisschen witzig. Der komische Transformer-Drache mit drei Köpfen sah auch noch cool aus (und man musste nicht so lange auf ihn warten wie auf die Dinobots in Teil 4)… aber Michael Bay kann einfach keine Story mehr in der Hand halten. Statt tatsächlich dieses absurde Fantasy-Element irgendwie aufrechtzuerhalten, verfällt er wieder in alte Muster.

Die Hoffnung stirbt mit jeder fortschreitenden Minute mehr und mehr. Das Gewusel an Transformers wird größer und größer, mein Interesse schwindet und schwindet. Diese Charaktere werden einfach nie zu Charakteren. Sie sind nur großes Spielzeug, das laute Geräusche macht und schön bunt ist und cool aussieht. Den Fantasy-Kram darf man erst einmal ein Weile vergessen, stattdessen kommt so Transformers-Apokalypse. Ein paar der typischen Kämpfe, ein paar debil-dumme Sprüche und das war’s. Mark Wahlberg versucht zwischendurch genau das Gleiche, geht aber in diesem Wust an CGI-Metall-Bergen wie jeder andere menschliche Charakter unter. Stattdessen versucht man einfach noch mehr auf die kindliche Naivität anzuspielen: Da gibt’s dann ein paar Baby-Dinobots und einen BB8-Abklatsch-Transformer, der sicherlich einen guten Merchandise-Artikel abgibt.

Irgendwann kehrt man dann auch zu dieser Fantasy-Geschichte zurück… und ab diesem Punkt versucht ein Michael Bay dann britisch zu sein – inklusive dem Versuch, britischen Humor zu kopieren, was so richtig grandios in die Hose geht. Dass ein Anthony Hopkins wirklich so große Sorgen und ein so geringes Selbstwertgefühl hat, sich auf diese Rolle in diesem Film einzulassen, ist unfassbar (aber hey, wer bin ich, ihn zu verurteilen?). Aber Hopkins und sein Roboter-Butler-Sidekick sind leider auch extrem grenzwertig. Immerhin führen sie den üblichen Transformers-Film wieder zurück zu diesem ganzen Fantasy-Quatsch mit Merlin, der Tafelrunde, Stonehenge, bla bla bla. Ein bisschen mehr Verschwörungstheorie und wir hätten das Galileo Mystery Team rufen können.

Roboter mit Schwert

Die Story ist also mal wieder keine wirkliche Story, sondern so Episoden-Zeug, von dem Bay glaubte, es wäre cool (deswegen gibt’s dann auch diese fünf Minuten mit Nazis vs. Transformers). Die Action wird wie in den Vorgängern so öde und langweilig. Es ist einfach nur laut und unübersichtlich, hektisch und unkoordiniert – ein Wirrwarr aus Pixeln, das einen mehr und mehr verwirrt und nervt. Dazu dann halt noch der „britische“ Humor, oder was Bay dafür hält, eine Gruppe von Darstellern, die auch nicht hätten da sein müssen. Oben drauf gibt es Laura Haddock, die ihre Brüste und Beine schön zur Schau stellen kann…

Es war zu erwarten, es ist genau so eingetroffen und trotzdem war ich da, um davon berichten zu können. Es war dumm, langweilig, zwischendurch hatte ich arge Mühe, die Augen offen zu halten und danach habe ich mich schmutzig gefühlt. Weswegen ich gleich noch einmal „Wonder Woman“ gucken gegangen bin, um mich reinzuwaschen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (ich hoffe, ich kann den Entzug nun endgültig schaffen und mir sowas ersparen)

Nahtod-Tänzer

7. Juli 2017

Ich gebe es gleich vorweg zu verstehen: Es folgen Spoiler. Ich versuche das ja normalerweise immer zu vermeiden, aber in diesem Fall muss ich hier und da einfach eine Ausnahme machen – verzeiht das bitte!

Ich kann mich noch daran erinnern, als die erste Staffel von „Stranger Things“ zu Ende war. Ich habe sie eine Woche später nochmal geguckt und habe mich dann gefragt, was ich wohl als nächstes schauen könnte. Offensichtlich dachte das Internet ähnlich, tauchten doch dann plötzlich Listen von Serien auf, die man gucken könnte, um nach „Stranger Things“ etwas ähnliches zu sehen. Auf sehr, sehr vielen dieser Listen tauchte ein und dieselbe Serie auf: „The OA“! Doch ich habe bis jetzt gebraucht, um mir die Serie von Brit Marling und Zal Batmanglij anzuschauen… ein merkwürdiges, anstrengendes, aber auch interessantes Ereignis, das mich ein wenig sprach- und ratlos zurückgelassen hat, weswegen ich jetzt einfach mal versuche, irgendwie meine Gedanken zu dieser Serie zu ordnen.

Die Serie fängt noch recht „normal“ an: eine junge Frau (Brit Marling als Prairie Johnson) taucht nach sieben Jahren plötzlich wieder im Haus ihrer Adoptiv-Eltern auf. Als kleines Mädchen war sie blind, doch jetzt kann sie wieder sehen. Statt die Geschichte ihrer Entführung ihren Eltern oder den Medien zu erzählen, sucht sich Prairie fünf Außenseiter, denen sie eine unglaubliche Geschichte erzählt – über Nahtod-Erfahrungen, Tanzbewegungen und Engel.

„The OA“ war nicht das, was ich erwartet hatte. In den ersten zwei Folgen denkt man noch, dass es sich hierbei einfach um eine „normale“ Mystery-Serie handelt. Doch es wird ziemlich schnell klar, dass Brit Marling und Zal Batmanglij sich etwas komplett anderes ausgedacht haben. „The OA“ passt so richtig in keine Schublade, „The OA“ passt nicht einmal wirklich in eine Liste von Serien, die man nach dem Ende von „Stranger Things“ gucken sollte. „Stranger Things“ war ja noch greifbar in seiner Mystery, „The OA“ verlangt von seinem Zuschauer schon eine gewisse Art der Offenheit, denn die Themen Nah-Tod-Erfahrung und Engel nehmen mehr und mehr Überhand.

Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, was ich beim Gucken gefühlt habe. Es ist eine Mischung aus Faszination, Neugier, Langeweile und Fremdschämen, die einen am Ende mit mehr als nur ein paar Fragen zurücklässt

Die Faszination von „The OA“

Die Serie ist anders. Die Geschichte ist einmal eine ganz andere. Marling und Batmanglij vermischen Prairies Erzählung über ihre Gefangenschaft gekonnt mit den aktuellen Ereignissen. Wie eine kleine Sekten-Führerin zieht sie die kleine Gruppe ihrer Zuschauer in ihren Bann – auch mich als Zuschauer. „The OA“ wirkt weit hergeholt, aber gerade das macht die Faszination auch aus. Es sind mal keine Aliens oder die Regierung, es ist der Versuch eines Mannes, den Tod zu bezwingen. Es ist die ewige Frage, was mit uns nach dem Tod passiert. Kommt da noch was? „The OA“ sagt ganz klar „Ja“, doch lässt die Serie uns geschickt im Dunkeln darüber, was wirklich passiert – wir bekommen nur Augenblick von dem mit, was nach dem Tod passiert. Marling und Batmanglij haben ihre kleine Serie mit acht Folgen aber genau durchdacht und füttern uns gekonnt mit kleinen, faszinierenden Happen… und halten so auch die Neugier aufrecht.

Die „The OA“-Neugierde

Ist das alles Quatsch, was Prairie da erzählt? Ist sie ein glaubwürdiger Erzähler oder ist das, was sie uns da auftischt nur eine Form der Verdrängung? Immer wieder wird Prairie von anderen in Frage gestellt. Denn irgendwo ist die Geschichte, die sie erzählt, zu abgehoben und zu verrückt um wahr zu sein. Aber „The OA“ hat mich extrem neugierig gemacht: Was sind diese NTE-Experiment, die Dr. Hunter Aloysius Percy (Jason Isaacs) da durchführt? Sind seine Gefangenen wirklich Engel? Was hat es mit den Tanzbewegungen auf sich, mit denen sie angeblich andere Dimensionen oder bis zum Saturn reisen können? Was passiert hier wirklich? Ich habe allein schon wegen der Hoffnung auf Antworten weiter geschaut.

„The OA“ und Langeweile

Ich muss aber auch zugeben, dass ich „The OA“ nicht wirklich „bingen“ konnte. Dafür zogen sich die einzelnen Episoden teilweise extrem in die Länge. Ich muss auch gestehen, dass ich bis auf Brit Marlings Charakter keinen wirklichen Bezugspunkt zu den anderen Charakteren hatte. Vielleicht noch am ehesten zu den Menschen in Gefangenschaft, aber von Prairies Zuhörerschaft hatte ich mir dann doch mehr erwartet. Da wurde sich wieder einmal schön bei „The Breakfast Club“ bedient und eine Gruppe von Außenseitern zusammengestellt – nur leider recht plakativ und oberflächlich. Anders als zum Beispiel bei „Stranger Things“ finden die Macher in „The OA“ keine einheitliche Linie, diese Gruppe von Menschen wirklich zusammenwachsen zu lassen. Zwar sind Prairies Zuhörer ihr extrem wichtig, nur werden sie von der Serie nicht unbedingt so behandelt. Dazu dreht sich dann doch zu sehr alles um Prairie und ihre vermeintlichen Fähigkeiten. So schwankt die Serie dann immer wieder zwischen sehr spannenden Phasen und auch sehr langweiligen.

Das Fremdschämen

Ich habe es ja schon angesprochen, „The OA“ ist auch ein bisschen Fremdschämen. Vor allem die Tanzbewegungen, die hier am Ende ein Mittel für die angeblichen Engel sind, um Menschen zu heilen oder durch Dimensionen zu reisen. Das sieht dann alles sehr merkwürdig aus, dieser Mix aus Schnaufen, Brüllen und abgehackten Bewegungen ist halt mehr als nur gewöhnungsbedürftig und wirkt in eigentlich sehr angespannten Szenen immer etwas albern. Ich konnte mich auch bis zuletzt nicht daran gewöhnen. Dazu kommt dann noch dieser Aspekt der Engel. Und allein, als das offensichtlich wurde, lag mir „The OA“ etwas schwer im Magen. Ich tue mich da aber einfach auch etwas schwer mit…

Viele, viele Fragen

Das Finale von „The OA“ vereint dann all die eben angesprochenen Punkte in Perfektion mit einander (und lässt die Langeweile weg). Das Finale von „The OA“ war nicht ansatzweise das, was ich erwartet hatte. Und auch hier bin ich wieder unschlüssig, ob ich es wirklich gut finden soll oder nicht. Gerade im Finale wird sehr offensichtlich versucht, Prairies Geschichte als Hirngespinst darzustellen. Das wirkte ein bisschen zu sehr konstruiert. Ist das jetzt die Probe, auf die Prairies Zuhörer gestellt werden, um ihren wahren Glauben an die Engel zu beweisen? Oder ist Prairie wirklich einfach nur verrückt? Es wirkt konstruiert, aber dann passt es auch wieder ziemlich gut als Finale. Man muss sich am Ende selbst entscheiden, was man eher glauben möchte: glaubt man an die Engel oder einfach nur daran, dass sie sich das alles ausgedacht hat?

Ich muss gestehen, ich bin zu diesem Zeitpunkt noch sehr unschlüssig darüber, ob ich eine zweite Staffel wirklich gut finde. „The OA“ ist schon etwas einzigartiges… etwas, das zum Nachdenken anregt, seine Zuschauer gekonnt spaltet, aber dennoch genug liefert, um einen Abschluss zu liefern. Eine zweite Staffel würde das am Ende vielleicht alles nur noch mehr kaputt machen.

Habt ihr „The OA“ gesehen? Wie fandet ihr die Serie? Ich bin immer noch zu sehr hin- und hergerissen. Ich fand sie gut, aber auch anstrengend. Ich fand sie faszinierend, aber auch langweilig. All das mit den Engeln war mir ein bisschen zu „New Age“-y… aber es war immerhin mal was anderes. Ich komme immer noch nicht so ganz klar auf diese Serie…

Wertung: 6 von 10 Punkten (Faszination und eine gewisse Art der Abneigung kämpfen hier ständig gegen einander)

Das Superschwein

5. Juli 2017

Netflix – das Kino für Zuhause, das Kino für die Hosentasche, das Kino, das den eigentlich Kino-Gang obsolet macht. Denn letztendlich hat man doch alles für Zuhause per Netflix (und nein, das ist jetzt kein von Netflix gesponserter Artikel, ich bin nur noch nicht so lange bei Netflix und immer noch überfordert wie ein kleines Kind im Süßigkeitenladen). Nachdem erst nur Serien produziert wurden, ging man bei Netflix irgendwann über zu Filmen. Und nicht nur eben so kleine Filme, sondern sogar Filme, die in Cannes beim jährlichen Filmfestival gezeigt werden… wie halt Bong Joon-hos „Okja“. Ein Film, der eigentlich ins Kino gehört, aber dann wieder auch nicht. Speziell bei uns wäre das höchstens ein Festival-Film gewesen. Ein asiatischer Film über ein junges Mädchen, das ihrem entführten Superschwein hinterherjagt, ist sicherlich nicht unbedingt ein Kino-Garant. Aber Netflix kann es sich offenbar leisten, auch so etwas hochkarätig besetztes einfach mal eben NICHT ins Kino zu bringen. Vielleicht auch eine Strategie, um noch mehr Leute für den Streaming-Dienst zu gewinnen. Es ist schon ein bisschen verrückt… und ein bisschen traurig, wenn so große, tolle Filme am Ende nur noch fürs Tablet produziert werden. Aber hey, ein guter Film ist ein guter Film, auch wenn man ihn theoretisch auf seinem Telefon gucken könnte… und „Okja“ ist zumindest ein Film, den man nicht verpassen sollte.

Die Story ist einfach erzählt: Lucy Mirando (Tilda Swinton) will mit ihrer Mirando Corporation die Fleischgewinnung revolutionieren. Dafür wurden im Labor „Superschweine“ entwickelt, die mehr Fleisch liefern. 26 dieser Ferkel werden an Bauern in der ganzen Welt verteilt, nach 10 Jahren soll das beste Superschwein gekürt werden. 10 Jahre später finden wir uns dann in Korea wieder, wo die junge Mija (Ahn Seo-hyeon) mit Okja ein wahrhaftiges Riesen-Superschwein herangezüchtet hat. Die Beiden sind unzertrennlich, was es so viel schwerer macht, als Mija ihr Schwein von der Mirando Corporation weggenommen wird. Mit Hilfe einiger Tierschutzaktivisten unter der Führung von Jay (Paul Dano) versucht Mija nun alles, um Okja wieder zurückzubekommen und hilft Jay dabei, die dunklen Machenschaften von Mirando aufzudecken.

Me, myself und Schwein

„Okja“ fühlt sich an, als hätte Wes Anderson seine eigene Version von „Revenge of the Warrior“ gedreht, in dem Tony Jaa die Typen verfolgt und verkloppt, die seinen heiligen Elefanten entführt haben. „Okja“ fühlt sich wie ein recht untypischer Film von Bong Joon-ho an. Ich meine, der Mann hat zuletzt den „Snowpiercer“ durchs Eis gejagt. Aber gut, auf der anderen Seite hat er ja auch mit „The Host“ einen recht amüsanten Monster-Film gedreht. So abwegig ist da ein „Okja“ vielleicht doch nicht. Nur halt diesen Wes-Anderson-Touch hatte ich nun wirklich nicht erwartet.

Das beziehe ich jetzt mal vor allem auf die Darsteller und die Art, wie sie spielen. Was allein schon ein bisschen wie bei Anderson wirkt, ist die schier unglaubliche Fülle an bekannten Namen: Neben der schon erwähnten Tilda Swinton (die einmal mehr großartig ist) und Paul Dano (ebenfalls wieder mal sehr gut) läuft da noch ein Jake Gyllenhaal als egozentrisch-manischer TV-Moderator durch die Gegend. „The Walking Dead“-Star Steven Yeun hat (nach seinem tragischen Ausscheiden aus der Serie) auch Zeit und scheint auch ohne Untote gut zu funktionieren. Und als letztes läuft da noch ganz nebenbei Gustavo Fring a.k.a Giancarlo Esposito durch die Gegend.

Zusammen mit Jung-Darstellerin Ahn Seo-hyeon liefern die sich hier ein Anderson’sches Theaterstück ab. Gerade alle von Mirando in diesem Film spielen so überspitzt theatralisch, das man sich schon fast fragt, ob wir den Film aus Mijas Perspektive sehen, die mit diesen „Fremdlingen“ überhaupt nicht klarkommt. Dagegen wirkt die Welt der Tierschützer dann wieder fast schon wie aus einem Agenten-Film. Es ist eigentlich sehr faszinierend, wie viele verschiedene Töne Bong in „Okja“ anschlägt: der Anfang ist fast schon wie ein Fantasy-Heimatfilm mit Riesenschwein, danach gibt es dann halt das Anderson-Mirando-Theater vermischt mit Agenten-Action. Das Beste daran ist: Genau diese Mischung macht diesen Film so verdammt sehenswert. Ein bisschen Slapstick hier, ein bisschen Drama, ein bisschen Action, ein bisschen (okay, sehr viel) CGI (aber dafür sieht das Schwein auch echt verdammt lebensecht aus).

Das Einzige, was für mich nicht so ganz funktioniert hat, war das Ende… denn das Ende ist recht trist und irgendwie hatte ich mir nach dem großartigen Film ein befriedigenderes Ende gewünscht. Aber gut, vielleicht ist auch dieses Ende genau das passende Ende, spiegelt es doch irgendwo ziemlich gut die Realität wider.

Wertung: 8 von 10 Punkten (das Superschwein in einem Super-Film, der eine Kinoleinwand durchaus verdient hätte)