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Burger-Guru

26. April 2017

Früher bin ich gerne zu McDonald’s essen gegangen. Ich kann mich sogar noch gut daran erinnern, dass ich etwa 10 oder 11 war, als ich das erste Mal so ein Happy Meal bekommen habe. Das war schon was. Was wusste ein kleiner Junge aus Rostock schon, wie ein guter Burger zu schmecken hat? Das weiß der kleine Junge tatsächlich erst so richtig, seit er in Berlin lebt und mal so die ein oder andere Burger-Bude ohne die goldenen Bögen besucht hat (und nein, ich rede jetzt nicht von Burger King). Das ist schon ein Unterschied wie Tag und Nacht – so ein richtiger Burger ist einfach was Feines. Obwohl der ein oder andere Gang zu McDonald’s natürlich nicht ausbleibt – so ein Cheeseburger ist für den kleinen Hunger oder als Kater-Futter ganz brauchbar. Wesentlich brauchbarer ist da tatsächlich „The Founder“ – ein Film über die Anfänge und das Werden von McDonald’s.

Da gab es nämlich 1954 einen fahrenden Vertreter namens Ray Kroc (Michael Keaton), der schon alles mögliche verkauft hat – von Klavieren über Klappbetten bis hin zu Milchshake-Maschinen. Und durch diese Maschinen trifft er auch auf die Brüder Dick (Nick Offerman) und Mac (John Carroll Lynch) McDonald, die eine effektive Burger-Bude betreiben: „Von der Bestellung zum Burger in nur 30 Sekunden!“ Ray ist von diesem Konzept so beeindruckt, dass er das McDonalds Speedee-Prinzip als Franchise in ganz Amerika verbreiten möchte. Widerwillig lassen sich die McDonald-Brüder auf einen Deal mit Ray ein – ohne zu wissen, wie das alles enden wird.

The real Big Mac

Wie das endete, wissen wir. Keine Innenstadt kommt mehr ohne McDonald’s aus, keine lange Autobahnfahrt ist jemals gut, wenn man nicht wenigstens einmal bei McDonald’s angehalten hat. Wie das anfing, zeigt uns nun also „The Founder“ – und das ist ein Film, der interessant und unterhaltsam ist. Interessant, weil ich tatsächlich wirklich kaum was darüber wusste, wie McDonald’s überhaupt so groß werden konnte. Dass ein Ray Kroc eigentlich mehr durch Immobiliengeschäfte den Ruhm von McDonald’s steigern konnte, wusste ich zum Beispiel nicht. Man lernt wirklich eine Menge über diese übergroße Burger-Kette – und dabei ist „The Founder“ jetzt kein McDonald’s-Werbefilm, der alle naselang die Qualität des Burgers lobpreist und uns mit unterschwelligen Botschaften suggeriert, am besten gleich nach dem Kino mal auf nen Burger vorbeizuschauen.

Nein, ein Werbefilm ist „The Founder“ nicht – eher das Gegenteil trifft zu. Der Film ist ein Biopic der etwas anderen Art. Ray Kroc ist ein Mann, der den amerikanischen Traum lebt. Falsch. Die McDonald-Brüder leben den amerikanischen Traum. Ray Kroc zerstört ihnen den und lebt seinen eigenen Traum. Und das ist das, was „The Founder“ wirklich so sehenswert macht – wie zwei Idealisten auf einen skrupellosen Kapitalisten treffen. Krocs Einstellungen und seine Härte im Geschäft sind unfassbar. Hier lernt man so wichtige Leitsätze wie „Verträge sind wie Herzen – zum Brechen gemacht!“ oder „Wenn ich einen Mitstreiter ertrinken sehe, dann drücke ich ihm noch den Schlauch in den Rachen!“ Dieser Film macht uns wirklich nichts vor, Ray Kroc ist ein eiskalter Typ, der seiner Frau mal eben beim Abendessen sagt, er will die Scheidung. Ray Kroc ist ein skrupelloser Kerl, der den McDonald-Brüder irgendwann sogar das Recht auf ihren eigenen Namen nimmt. „The Founder“ zeigt uns wahrscheinlich die ehrlichere Variante des amerikanischen Traums: Denn Kroc ist ein Mann ohne Talente – dafür aber skrupellos und vor allem stur und ausdauernd.

Und dieser Ray Kroc ist bei Michael Keaton in aller, allerbesten Händen. Nachdem man ja vom Ex-Batman gefühlt kaum noch was hörte, kam dann das große Comeback mit „Birdman“ – und jetzt darf Keaton noch einmal zeigen, was er alles drauf hat. Ohne Keatons Charme und seine lockere Art wäre „The Founder“ ziemlich schnell ein recht öder Film, der sich einfach an den einzelnen Episoden der Franchise-Geschichte entlanghangelt. Dank Keaton wird das locker-leichtes Unterhaltungskino mit einer Hauptfigur, bei der man nicht weiß, ob man sie bewundern oder hassen soll. Dazu liefern Nick Offerman und John Carrol Lynch den passenden Gegenpart – zwei, die ihren kleinen Traum leben wollen und vom Leben so richtig fies verarscht werden. Mit den Beiden leidet man wirklich mit.

Mit „The Founder“ hatte ich echt meinen Spaß, es ist eine kleine Lehrstunde in Sachen Skrupellosigkeit… und irgendwie auch ein trauriges Beispiel, was für Arschlöcher Menschen doch sein können. Doch spätestens wenn ich den nächsten Big Mac esse, ist mir das dann auch egal.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Michael Keaton ist der Burger-Guru, der eigentlich ein Immobilien-Guru ist, der eigentlich ein Arsch ist)

Scorseses Gatsby

24. April 2017

Ich will jetzt gar nicht so lange um den heißen Brei herum reden: Es wird um „Entourage“ gehen, genauer gesagt um die letzten vier Staffeln. Ich muss gestehen, dass ich mich da mittlerweile regelrecht durchquälen musste. Aber weil es als Frühstücksserie dann doch irgendwie gut genug gepasst hat, habe ich diese Qualen auf mich genommen. Leider gehört „Entourage“ jedoch zu den Serien, die ihren Zenit schnell überschreiten und sich dann lange nicht eingestehen wollen, dass man früher hätte Schluss machen sollen.

Lange Rede, kurzer Sinn – „Entourage“: Vince (Adrian Grenier) hat sich nach dem miesen Auftritt seines Films „Medellin“ in Cannes erst einmal verkrochen. Doch irgendwann ist damit auch Schluss, neue Projekte müssen her, man braucht ja Geld für Frauen, Alkohol und sonstiges. Erst kommt ein verrückter Regisseur (grandios gespielt von Stellan Skarsgard), dann am Ende von Staffel 5 Martin Scorsese, der Vince für „The Great Gatsby“ haben möchte. Danach geht es story-technisch nur noch bergab. Seine Entourage, bestehend aus E (Kevin Connolly), Johnny Drama (Kevin Dillon) und Turtle (Jerry Ferrara), ist dabei wie gewohnt, stets an seiner Seite. Turtle versucht in den letzten beiden Staffeln mal wieder als Geschäftsmann, Drama sucht weiterhin nach dem großen Erfolg und bekommt am Ende eine eigene Serie als animierter Gorilla und E gründet seine eigene Firma und nervt so ziemlich mit seiner On-Off-Beziehung zu Sloan (Emmanuelle Chriqui). Einziger Fels in der Brandung ist und bleibt nach wie vor Ari Gold (Jeremy Piven)!!!

Entourage on the Beach

Staffel 5 und 6 waren tatsächlich noch unterhaltsam. Die habe ich noch gerne geguckt, zwar nervte mich Neuzugang Scott Caan als Erics Kollege Scott, aber wenigstens wurde der besser in die Story integriert als so manch andere Charaktere (wie zum Beispiel Dom, der irgendwann in der zweiten Staffel, glaube ich, aus dem Knast kommt, dann ein bisschen nervt und nach zwei Folgen wieder verschwindet). Scott Caan war da noch okay, obwohl ich auch nicht so recht wusste, warum man den jetzt noch als quasi Neumitglied der Entourage brauchte. Gut, letztendlich hat er die E-Handlungen ein wenig aufgepeppt, aber eigentlich war er auch recht überflüssig.

Genauso überflüssig wie Turtle, was den Machern wohl nach vier Staffeln auch aufgefallen ist. In Staffel 5 lernt er dann Soprano-Tocher Jamie-Lynn Sigler kennen, die dann bis Staffel 6 immer mal wieder als seine Freundin auftaucht, seiner Figur aber auch nicht mehr Tiefe verleihen kann. Turtle ist und bleibt der ewige Schmarotzer, der mich nie so wirklich interessiert hat. Und jeder Versuch, ihn ein bisschen mehr aufzubauen, schlägt in meinen Augen fehl. Sein tolles Limousinen-Business, seine Tequila-Vertriebe… alles nicht so aufregend.

Genauso unaufregend wie die komplette E-Story. Gerade das Hin und Her mit Sloan war tödlich! Wollte man hier so das „Ross und Rachel“-Schema aufgreifen? Wenn ja, dann war es super öde. Überhaupt war diese ganze Beziehungskiste in „Entourage“ zum Ende wirklich absurd. Irgendwann in Staffel 7 taucht dann auch noch Porno-Darstellerin Sasha Grey auf und verführt Vince zu Drogen und Alkohol. Wozu das alles? Damit man noch ein bisschen mehr die dunklen Seiten Hollywoods aufzeigt? Hätte man sicherlich auch etwas gekonnter machen können und vielleicht nicht unbedingt Sasha Grey dafür verwenden sollen. Die war so aufregend wie Schnupfen.

Bleiben letztendlich die zwei Charaktere, die mir von Anfang an gefallen haben: Johnny Drama und Ari Gold. Und auch hier muss ich wieder sagen: Ich habe nur wegen Jeremy Piven fleißig durchgehalten. Wenn auch alle anderen Handlungsstränge irgendwann extrem langweilig wurden, ein Ari Gold wusste immer zu überzeugen. Ari durchlebt mit seiner Trennung von seiner Frau immer noch die interessanteste Geschichte. Selbst sein Fluchen kommt irgendwann zu ihm zurück und droht, seine Karriere zu zerstören. Ganz ehrlich, sie hätten mit der ganzen Serie nach Staffel 5 oder 6 aufhören sollen und sich dann lieber an ein Ari-Gold-Spinoff setzen sollen (was ja die Post-Credit-Szene der finalen Folge auch noch einmal unterstreicht).

„Entourage“ – ich bin ganz froh, dass ich es jetzt hinter mich gebracht habe. Die letzten beiden Staffeln waren wirklich einfach nur Mist. Da wurde das ganze wirklich zu einer albernen Soap, wo in jeder Folge brav jedes Problem ganz super schnell gelöst wurde und alles wieder gut war. Die Beziehungskisten waren öde, die Geschichten allgemein wiederholten sich einfach nur noch (aber gut, was will man noch groß ändern an Wein, Weib und Spaß, den drei von vier Standpfeilern dieser Serie – Nr. 4 ist Ari Gold, King of Entourage). Naja, ich werde mich jetzt irgendwann noch mal an den „Entourage“-Film wagen, weil ich gehört habe, dass der ganz okay sein soll. Die Serie wird sich dafür aber schnell wieder aus meinem Gehirn verabschieden und auch nicht unbedingt ein zweites Mal geguckt werden. Dann schaue ich mir lieber die Ari-Gold-Zusammenschnitte auf youTube an, da habe ich das Beste der Serie in 5 Minuten zusammengefasst.

Wertung:

Staffel 5 – 8 von 10 Punkten

Staffel 6 – 7 von 10 Punkten

Staffel 7 – 5 von 10 Punkten

Staffel 8 – 5 von 10 Punkten

(ich will nach wie vor ein Ari-Gold-Spinoff 😉 )

The Pazmanian Devil

21. April 2017

Mit 20 hatte Miles Teller einen heftigen Autounfall. Das Auto, in dem er sich befand, überschlug sich etwa acht Mal, Teller selbst wurde durch die Scheibe geschleudert und hätte bei diesem Unfall beinahe sein Leben gelassen. Und jetzt ist er ein aufsteigender Star an Hollywoods Himmel, der gefühlt viel zu oft in seinen eigenen Filmen mit Autounfällen konfrontiert wird. Sucht er sich das extra aus, um dem Tod fiktiv noch einmal ins Gesicht zu lachen? Oder handelt er nach dem Motto „Wer vom Pferd fällt, sollte schnell wieder aufspringen!“. In „The Spectacular Now“ gibt es einen Unfall, der mit ihm aber nichts zu tun hat. In „Whiplash“ gerät er in einen Unfall und jetzt in seinem neuesten Film „Bleed for this“ gibt es wieder einen heftigen Autounfall…

„Bleed for this“ basiert auf wahren Begebenheiten. Vinnie Pazienza (Miles Teller), oder auch „The Pazmanian Devil“ genannt, ist Boxer, dessen Manager ihn nach der Niederlage gegen Roger Mayweather für erledigt erklärt. Doch Teller will von einem Ende seiner Karriere nichts wissen. Er holt sich Trainer Kevin Rooney (Aaron Eckhart) an seine Seite und trainiert, wechselt die Gewichtsklasse und gewinnt prompt seinen ersten Kampf und wird Weltmeister Halbmittelgewicht. Doch dann hat er einen schweren Autounfall, bei dem er sich das Genick bricht. Sein Arzt sagt ihm, dass er nie wieder boxen wird, geschweige denn je richtig laufen kann. Eine Aussage, die der Pazmanische Teufel auslacht… und sich nach drei Monaten in einer Metallapparatur um seinen Kopf wieder ans Training setzt.

Wenn man als Drummer nicht mehr gebraucht wird…

Ich will mal gleich sagen, dass mein Lieblingscharakter in diesem Film weder Teller noch ein übergewichtiger, glatzköpfiger Aaron Eckhart war, sondern die zauberhafte Kate Sagal in der kleinen Nebenrolle als Vinnies Mutter. Ich fand es irgendwie unheimlich putzig, wie sie bei all seinen Kämpfen in einem separaten Zimmer sitzt und zu Gott und Jesus betet, während im Raum nebenan ihre Tochter mit Freunden den Kampf verfolgt… und immer wieder ruft sie mal, was los ist. Es ist so passend, das ist so typisch Mutti: Ich will nicht sehen, wie mein Sohn verkloppt wird, aber ich bete für ihn. Mich hat das sehr berührt, vielleicht weil meine eigene Mutter auch so wäre. Keine Ahnung, aber auch wenn sie nicht oft zu sehen ist, hat Katey Sagal für mich in diesen Film die perfekte Boxer-Mama abgeliefert.

Aber wir sind ja nicht hier um über kleine Nebencharaktere zu sprechen – und seien sie noch so gut. Reden wir über „Bleed for this“… ein Film, der sich Zeit nimmt, um so richtig in die Gänge zu kommen. Ein Film, der gerade zu Beginn gefühlt jedes „Rocky“-Klischee aufarbeitet. Ein Film, den man wahrscheinlich weniger ernst nehmen würde, wenn es nicht alles wirklich passiert wäre. Die erste Hälfte fühlt sich wirklich wie ein typischer Box-Film an – inklusive Trainingsmontage zu packender Musik und einigen Boxkämpfen. Und das ist jetzt nicht negativ gemeint, das sieht alles verdammt gut aus – und gerade Miles Teller macht eine echt gute Figur. Der Junge hat sich offensichtlich für diese Rolle ordentlich was zugelegt, um diesen Vinnie zu spielen.

Und er spielt ihn gut… diesen Pazmanischen Teufel, der im Ring ein echter Zocker ist, der seine Gegner anbrüllt, der sich selbst Schläge verpasst, um sich aufrechtzuhalten. Miles Teller und Regisseur Ben Younger zeigen uns von Anfang an, dass wir es hier mit einem nicht zu stoppenden Kämpfer zu tun haben. Dieser Mann will sein Leben genießen – im Ring und auch außerhalb des Rings. Dieser Mann will sich nichts sagen lassen, er ist ein sturer Bock, ein Kämpfer, der eine Niederlage nicht einfach so hinnehmen will… weswegen die zweite Hälfte, nach dem schweren Autounfall, dann auch zu einem Beweis wird, was Willensstärke ausmacht. Das ist manchmal schwer zu ertragen, weil man immer wieder denkt, sein Hals könnte brechen, aber auf der anderen Seite weiß man nach gut einer Stunde, dass Vinnie nur so leben kann.

„Bleed for this“ ist einer dieser Filme, der uns mal wieder auf eindrucksvolle Weise zeigt, wozu wir Menschen doch fähig sind, wenn wir nur wollen. „Bleed for this“ lebt dabei vor allem durch Miles Teller, mit dem man von Anfang an (ganz wie seine Film-Mama) mitfiebert, bibbert, bittet und hofft, dass er es schaffen kann. „Bleed for this“ mag sich an einigen Stellen lang anfühlen, aber dann passt es doch wieder, weil Regisseur Younger sich eben die Zeit lässt, damit wir uns wirklich in Tellers Vinnie Paz hineinversetzen können.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein packender Box-Film, ein bewegendes Drama und ein Beweis, dass wir zu mehr fähig sind, wenn wir nur an uns glauben)

Welcome to Fuck Town

19. April 2017

Wer hätte je gedacht, dass die Fake-Trailer, die 2007 zu Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez‘ „Grindhouse“ gedreht wurden, so ein krasses Eigenleben entwickeln. So krass, dass man sich mittlerweile kaum noch an „Death Proof“ oder „Planet Terror“ erinnert. Dafür aber an Danny Trejo und sein „Machete“, der mittlerweile auch wirklich irgendwie kultiger geworden ist, als Tarantinos Auto-Rasen und Rodriguez‘ Zombie-Apokalypse. „Machete“ treibt diesen ganzen B-Movie-Exploitation-Quatsch ja auch einfach mal so extrem auf die Spitze, dass es so unglaublich dämlich wie auch witzig ist. Was der zweite Teil dann noch einmal sehr gekonnt klarstellte… aber „Machete“ ist ja nicht der einzige Fake-Trailer gewesen: Da gab es noch Edgar Wrights „Don’t“ über ein merkwürdiges Grusel-Haus, Rob Zombies Nazi-Groteske „Werewolf Women of the SS“ und Eli Roths kranker Pilgrim, der in „Thanksgiving“ mordend durch die Gegend zieht. Von all diesen würde ich Edgar Wrights „Don’t“ ehrlich gesagt noch am liebsten in einer Langfassung von Wright höchstpersönlich sehen. Aber wer weiß… vielleicht kommt das ja noch, schließlich erwachen so einige Fake-Trailer aus „Grindhouse“ zum Leben. So auch der „Hobo with a Shotgun“.

Nach seinem Ausflug in 02:30-Länge bekam auch Rutger Hauers obdachloser Rächer seinen Langfilm, in dem er in das von Kriminalität und Brutalität beherrschte Städtchen Hope Town kommt, das von seinen Bewohner am Ortseingangsschild aber schon in Scum Town umbenannt wurde. Hier regiert „The Drake“ (Brian Downey) auf sadistische Art und Weise mit seinen beiden Söhnen Ivan (Nick Bateman) und Slick (Gregory Smith). Nun ja, bis der Hobo (Hauer) in die Stadt kommt… eigentlich will er nur einen Rasenmäher für knapp 50 Dollar, stattdessen kauft er sich eine Shotgun und beginnt in der Stadt aufzuräumen.

Er geht gleich noch bei Aldi…

Tja… was soll man zu „Hobo with a Shotgun“ groß sagen? Wer die „Grindhouse“-Sachen mochte und sich auch für „Machete“ nicht zu fein ist, der bekommt in „Hobo with a Shotgun“ genau das, was er erwartet: jede Menge krankes Zeug, verpackt in einer einfach gestrickten Story über einen Mann, der doch einfach nur seinen Rasenmäher wollte. Es ist die klassische Geschichte vom Gequälten, der für Rasenmäher und eine nette Nutte (Molly Dunsworth) zum etwas anderen Superheld wird. Aber gut, was soll ich mich lange mit der Story und ihrer Berechtigung aufhalten, wenn es dazu wirklich nichts zu sagen gibt??? Wieso auch? „Death Proof“, „Planet Terror“ und erst recht die „Machete“-Filme glänzten nicht unbedingt durch Raffinesse. Darum geht’s ja auch gar nicht… all das Gefasel zwischendurch soll ja nur die Grundlage für das sein, was uns da sonst noch erwartet. Die Story ist nichts weiter als ein kaum zu erkennender roter Faden. Kaum zu erkennen??? Nun ja, bei all dem Blut, den Gedärmen und abgetrennten Gliedmaßen sieht man so einen roten Faden ja nun auch wirklich nicht.

Und so geht es in „Hobo with a Shotgun“ auch gleich von Beginn an ordentlich zur Sache. Da gibt’s nen Gulli-Deckel als Halskrause, da gibt’s Baseball-Schläger mit Rasierklingen und da gibt es natürlich die Titel gebende Schrotflinte, die für Recht und Ordnung sorgt, fröhlich Köpfe zerplatzen lässt und Körper zu Mus verarbeitet. Regisseur Jason Eisener findet recht harte Bilder, um diese Stadt zu einem wahren Moloch werden zu lassen. Scum Town oder Fuck Town oder wie man sie auch nennen möchte, ist ein übles Pflaster. Da würde man dann Urlaub in „Sin City“ schon fast lieber vorziehen.

Manche Bilder in diesem Film gehen echt an die Nieren (und das ist jetzt nicht einmal ein gewollter Wortwitz), aber letztendlich macht Eisener nur das nach, was Rodriguez und Co. vorgemacht haben. Und in gewisser Weise trifft Eisener mit seinem „Hobo with a Shotgun“ eher den Nerv des Grindhouse als seine beiden großen Vorgänger. Denn dieser Hobo und dieser Film macht vor wirklich nichts Halt… und das meine ich auch. Einiges war wirklich hart an der Grenze des guten Geschmacks, den man ja sowieso vor die Tür sperrt, wenn man sich so einen Film anschaut 😉

Eisener weiß aber auch einfach, was er abzuliefern hat… und mit Rutger Hauer haben wir zumindest einen Darsteller, der in diesem kranken Film wirklich einen Hoffnungsschimmer liefert. Hauers Hobo ist ein Mann weniger Worte, dafür tut er mehr… und geht diesen David-gegen-Goliath-Kampf mit Bravour an. Allerdings kann Hauer auch nur so scheinen, weil Brian Downey, Nick Bateman und Gregory Smith dem kranken Wahnsinn so gut Leben einhauchen. Die Drei sind so krank und kaputt, dass man sich von der ersten Minute an wünscht, der Hobo würde sich bei ihnen etwas mehr Zeit lassen, statt gleich zur Shotgun zu greifen.

„Hobo with a Shotgun“ ist das Trash-Kino, das man erwartet, nachdem man den Fake-Trailer gesehen hat. Da der Film weniger auf Humor setzt wie „Machete“ und sehr viel brutaler daherkommt als „Machete“, „Death Proof“ und „Planet Terror“ zusammen, ist es vielleicht ganz gut, dass der nicht in Serie ging. Es ist ein cool-kranker Film, den man einmal gesehen hat und danach reicht es dann auch wieder…

Wertung: 6 von 10 (brutaler Trash mit einem wirklich guten Rutger Hauer)

P.S.: Was ich nach diesem Film aber schon irgendwie noch gesehen hätte, wäre eine Art Vorgeschichte zu „The Plague“, das kranke Killer-Pärchen, das ja scheinbar schon Abraham Lincoln und Jesus auf dem Gewissen hat… das wäre doch mal was fürs Grindhouse 😉

Teuflisch guter Anwalt

17. April 2017

Kommen wir mal – nach gefühlten Ewigkeiten – zu einem Film, den ich gerne zu meinen Lieblingsfilmen zähle: „Im Auftrag des Teufels“ oder wie er im Original heißt: „Devil’s Advocate“. Jetzt ist es ja mit Lieblingsfilmen immer so eine Sache. Man hat sie früher hoch und runter geschaut, aber mit der Zeit häufen sich so viele „Lieblingsfilme“ an, dass einige einfach ein bisschen in Vergessenheit geraten. Mich erinnerte letztens ein guter Freund wieder an diesen Film, weil er ihn im Fernsehen gesehen hatte und so kamen wir ins Gespräch über einen großartigen Al Pacino, einen der ersten großen Auftritte von Charlize Theron und über einen Keanu Reeves mit zu viel Gel im Haar. Da war ich dann aber auf jeden Fall wieder angefixt, weswegen ich mir meinen vermeintlichen Lieblingsfilm mal wieder anschauen musste, um zu sehen, ob er den Test der Zeit bestehen kann.

Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist ein aufstrebender Anwalt, der noch nie einen Fall verloren hat. Daraufhin wird er nach New York eingeladen – in die Firma von John Milton (Al Pacino). Der ist nach kurzer Zeit so begeistert von Kevin, dass er ihm den Job anbietet. Natürlich nimmt Kevin an, bringt seine Frau Mary Ann (Charlize Theron) gleich mit und erhofft sich, die große Karriere. Doch während Kevin in der großen Stadt dank Milton mehr und mehr aufsteigt, vernachlässigt er seine Frau, die langsam wahnsinnig zu werden scheint. Doch Kevin ist wie benebelt von der Macht, geblendet von den Dingen, die Milton ihm zeigt, dass er von all den schlimmen Sachen, die wirklich vor sich gehen, gar nichts mitbekommt – bis es dann zu spät ist.

Don Corleone trifft sich mit Neo

Ich weiß noch, dass ich auf diesen Film in meiner De-Niro-Pacino-Phase gestoßen bin und relativ schnell schwer begeistert von dem Film war. Aber ich hätte damals wahrscheinlich jeden Film mit Pacino gefeiert, in dem er so herrlich frei drehen kann wie in „Devil’s Advocate“. Und Pacino ist immer noch eins der absoluten Highlights des Films. Der Mann hat eine unglaubliche Ausstrahlungskraft. Er muss nur so herrlich fies grinsen, dabei bleckt er dann die Zähne, zieht die Augenbrauen ein bisschen zusammen – und strahlt dann einfach so schon etwas faszinierendes aus. Man ist, wie Kevin, seinem Charme einfach sofort erlegen, auch wenn man sich bei jedem Grinsen von John Milton fragen muss, wie ehrlich es gemeint ist. Al Pacino liefert eine Glanzleistung als verführerischer Mentor ab, bei dem man nachvollziehen kann, warum ein junger, aufstrebender Keanu Reeves sofort gefangen genommen ist. Ich selbst würde Pacino folgen, wenn er mir all diese Dinge zeigt, die er Reeves im Film zeigt. Er ist einfach so verdammt gut. „Devil’s Advocate“ ist noch einer dieser späteren Pacino-Filme, der tatsächlich allein nur wegen ihm so verdammt sehenswert ist. Pacino ist eine Wucht, herrlich diabolisch, herrlich verführerisch, herrlich zynisch und doppelzüngig. Eine perfekte Besetzung für das, was er in diesem Film repräsentiert. Einen besseren Teufel muss ich erst noch sehen.

Pacino allein hat mir dann damals offensichtlich schon vollkommen gereicht, sodass mir dann gar nicht aufgefallen ist, dass sich der Film doch ganz schön streckt. Er ist lang, aber es ist auch nicht die Art von Länge, die einem negativ auffällt. Es passt zwar alles noch, aber der Film hätte mit Sicherheit auch kürzer sein können – basiert ja letztendlich der Großteil dieses Films auf seinen Charakteren. Aber Regisseur Taylor Hackford lässt sich viel Zeit für sein Gerichtsdrama. Wir sind immer live dabei, wie Kevin Lomas einfach ein verdammt guter Anwalt ist… und ja, einiges davon hätte man sich sparen können. So wirken dann die Szenen mit Charlize Theron teilweise etwas fehl am Platze – denn hier wird viel eher dieser gewisse Horror-Ansatz in „Devil’s Advocate“ vermengt. Dabei gefiel mir der nicht fantastisch wirkende Ansatz mit der Anwaltskanzlei als Stätte für Satans Wirken immer ein bisschen besser als die verheulte Theron, die so nach und nach dem Wahnsinn verfällt.

Jetzt, wo ich den Film noch einmal gesehen habe, hatte ich das Gefühl, das musste da rein, damit auch der letzte Zuschauer versteht, dass dies nicht nur ein Gerichtsdrama ist, sondern halt auch ein Fantasy-Film, in dem der Teufel auf Erden wandelt und Böses in der Verkleidung von Justizia tut. Aber hey, so durfte Charlize Theron wenigstens auch ein bisschen zur Geltung kommen. Ansonsten wäre sie komplett verschwendet gewesen – und es passt ja dann auch wieder ein bisschen dazu, wie der Teufel Lomax von einer Sache ablenkt, um ihn auf etwas anderes zu stürzen.

Ich mag „Devil’s Advocate“ nach wie vor sehr gerne, auch wenn ich ihn jetzt ein bisschen sachlicher betrachte. Es ist dennoch ein toller Film mit einem umwerfend guten Al Pacino, der hier natürlich allen die Show stiehlt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein teuflisch guter, wenn auch etwas zu langer Film)

Es regnet Autos!

14. April 2017

Mir fehlen nach wie vor die Worte… und dennoch werde ich versuchen, euch irgendwie zu beschreiben, was mir in „Fast & Furious 8“ passiert ist. Ja, ich gucke das. Und ja, ich gucke das eigentlich sogar gerne. Von all den stumpfsinnigen Auto-Kaputt-Mach-Reihen ist die „Fast“-Reihe immer noch am unterhaltsamsten… obwohl es schon auch ziemlich irre ist, was daraus geworden ist. Als das 2001 mit „The Fast and the Furious“ losging, war das ja wirklich noch harmlos, es war „Point Break“ mit Autos und vielen Brüsten – und halt Vin Diesel, der Corona säuft und über Familienwerte redet. Mittlerweile ist daraus etwas geworden, das scheinbar keiner so richtig überwacht hat und auf einmal ist es ein Riesenmonstrum aus absurder Action, verrückten Stunt und einer generellen Abneigung gegenüber Logik und Physik geworden. Ich dachte ja tatsächlich, dass ich nach dem siebten Teil wirklich alles gesehen hätte, aber „Fast & Furious 8“ schießt noch einmal komplett den Vogel ab.

Dominic Toretto (Vin Diesel) chillt mit seiner Letty (Michelle Rodriguez) eigentlich gerade in Kuba ab, als plötzlich die überkrasse Superhackerin Cipher (Charlize Theron) auftaucht und ihn engagieren will. Dass ihr das tatsächlich gelingt, liegt daran, dass sie was nicht weniger Krasses gegen ihn in der Hand hat. Und so wendet sich Familienmensch Toretto GEGEN seine Familie und mutiert zum Bösewicht, der nun von Letty, Muskel-Übermensch Hobbs (Dwayne Johnson) und dem Rest der Familie gejagt wird… es ist sogar so heftig, dass Teil-7-Schurke Deckard Shaw (Jason Statham) ebenfalls rekrutiert werden muss. Es ist halt einfach zu krass.

Daddy hat ne neue Familie

„Fast & Furious 8“ ist das schizophrenste Kino-Erlebnis gewesen, dass ich jemals hatte. Deswegen fehlen mir auch komplett die Worte und ich bin mir nicht sicher, ob ich hier irgendwie Logik in diesen Text bringen kann. Aber wozu sollte ich auch, wenn dieser Film selbst mit Logik nichts mehr am Hut hat. „Aber hey, es ist ein Fast-Film. Wer will da schon was von Logik wissen?“ werdet ihr jetzt sagen und könnt damit so ein bisschen die Schizophrenie dieses Films erahnen. Mein Gehirn hat die ganze Zeit nur aufgeschrieen. Dieser Film ist ein merkwürdiges Paradoxon: Das Hirn schreit vor lauter Dummheit, vor lauter absurder, vollkommen hirnrissiger Ideen einfach nur die ganze Zeit laut auf, während das Spaßzentrum (ich nehme mal an, das liegt auch im Hirn, weswegen das jetzt noch alles verwirrender wird) die ganze Zeit nur am Feiern ist.

Ich meine, der neue Überstunt ist, dass die kleinen Autoraser von einem Atom-U-Boot verfolgt werden. Aber das ist ja schon das Ende… der Weg dahin beschert uns ferngesteuerte Autos, die wortwörtlich vom Himmel regnen. Das super geheime Geheimversteck der super geheimen und von Kurt Russell geleiteten Geheimdienstorganisation besteht natürlich nur aus den geilsten Karren der Welt. Vin Diesel fährt ein Auto, das förmlich unkaputtbar ist und selbst wenn ein elektromagnetischer Impuls abgefeuert wird, der jede Elektrik lahmlegt, fährt ein Vin Diesel da einfach durch. Dieser Film ist sogar so absurd, dass selbst Explosionen bzw. die Feuerwand, die davon ausgeht, so krassen Respekt vor Vin Diesel hat, dass sie kurz vor ihm einfach anhält.

Den Vogel abgeschossen haben sie aber eindeutig mit Dwayne Johnson. Der wird jetzt wirklich zum Hulk – und das meine ich so. Der reißt Betonbänke aus dem Boden, um damit Bizeps-Training zu machen. Der Mann boxt in Metall-Wände und hinterlässt eine Riesendelle. DER MANN SCHUBST EIN RIESEN-TORPEDO EINFACH MAL BEISEITE. Aus den Menschen, die früher mal krass Auto gefahren sind, sind echte Superhelden geworden. Aber wie schon gesagt, es ist so absurd, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll… weswegen ich einfach beides gemacht habe.

Vorsicht, brüchiges Eis.

„Fast & Furious 8“ kehrt sich einen Scheiß darum, was irgendwie logisch ist. Jetzt haben sie wirklich endgültig „Auf Nimmerwiedersehen!“ zur Physik gesagt, zur Logik, zum Sinn! Dieser Film schert sich einen Scheiß. Das wirklich große Problem dabei ist, dass sie einem dieses Mal nur sehr viel weniger Action bieten – stattdessen muss es sogar noch eine richtige Story geben, die ebenfalls reichlich dumm ist, weswegen es umso schwerer wird, da durchzuhalten. Vor allem wenn man sieht, wie verzweifelt sich Charlize Theron Mühe gibt, die knallharte Böse zu spielen… oder Vin Diesel versucht, zu schauspielern. Dann doch lieber mehr Autos kaputt fahren. Ich hatte es ja schon erwähnt, Hulk-Superman Dwayne Johnson stiehlt hier einfach allen die Show mit allem… bis Jason Statham dann kommt und Quatsch anstellt, bei dem man auch wieder nicht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll.

Man lacht auf jeden Fall sehr viel. „Fast 8“ ist der mit Abstand absurdeste Film dieser Reihe. Was auch immer ihr erwartet, sie toppen es an Wahnsinn. Es ist ein merkwürdiger Film, bei dem ich mich am Ende nur gefragt habe, wo das jetzt noch hingehen soll. Wie will man diesen Schwachsinn eigentlich noch toppen? Teil 9 MUSS dann einfach im Weltall spielen und in Teil 10 treffen sie dann mit den Avengers im „Infinity War“ auf einander? Es ist einfach alles so dermaßen dumm, dass es irgendwie einfach nur zum Schreien komisch ist.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Fans der Reihe sollten sich auf den absolut durchgeknalltesten Teil der Reihe einstellen, der Logikfehler so mannigfaltig vorzuweisen hat wie The Rock Muskeln. Wer auch nur denkt, er könnte mit diesem Film einsteigen, sollte sich sehr sicher sein, dass sein Verstand so viel grandiose Dummheit auch aushalten kann. Wer das alles bedenkt, wird dann auch mit diesem kompletten Blödsinn sauviel Freude haben.)

Ashy Slashy

12. April 2017

Bei jeder Serie fragt man sich ja irgendwann mal, wie das enden soll. Oder besser gesagt: wann das enden soll. „The Walking Dead“ ist für mich nach wie vor so ein Fall, wo ich mich echt frage, ob sie das noch ewig auskosten wollen? Ich hoffe, das Robert Kirkman auch in den Comics irgendwann demnächst mal ein gutes Ende findet und es dann dabei bleiben lässt. Zu viel des Guten ist ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach zu viel. Deswegen mag ich Serien, die sich ganz offen ein Ende setzen: „LOST“, „Game Of Thrones“, etc. Das passt wenigstens, da kann man sich auf etwas freuen und die Macher können besser auf bestimmte Ereignisse hinarbeiten. Aber okay, warum komme ich jetzt auf Serien-Enden? Weil ich mich tatsächlich schon in der zweiten Staffel von „Ash vs. Evil Dead“ gefragt habe, wann sie damit aufhören wollen.

In der zweiten Staffel kehren Ash (Bruce Campbell), Pablo (Ray Santiago) und Kelly (Dana DeLorenzo) in Ash‘ Heimatstadt Elk Grove. Hier wollen sie nun ein für alle Mal das Necronomicon zerstören. Was schwierig wird, als Baal (Joel Tobeck) plötzlich auftaucht, ein gefährlicher Dämon und Rubys (Lucy Lawless) Ex-Mann. Noch dazu muss sich Ash mit dem Hass seiner Leute herumschlagen, die ihn nach wie vor für einen Mörder hält – selbst sein eigener Vater Brock (Lee Majors) ist ihm da keine große Hilfe.

Ready for Round 2

Auch Staffel 2 von „Ash vs. Evil Dead“ hat viel Spaß gemacht. Es ist immer noch die ungeeignetste Serie, die man sich morgens zum Frühstück angucken könnte, denn noch immer beeindrucken die Macher durch ordentliche Splatter-Effekte, bei denen einem schon mal ein bisschen der Appetit vergehen kann / könnte. Aber gut, das ist es ja letztendlich auch, was diese Serie ausmacht. Und zum Glück kommt auf der Humor nicht zu kurz – gerade bei diesen Szenen. Von daher konnte ich es dann auch als Frühstücksserie ertragen. Aber wahrscheinlich  ist mein Magen von der ersten Staffel schon so abgehärtet, dass ich das einfach so gucken kann.

Witzig fand ich auch das ganze Thema der Rückkehr, Ashs alte Heimatstadt, sein Vater, seine alten Liebschaften. Das sind immerhin Themen, die dieses „Universum“ ein bisschen erweitern und sich so noch ein wenig mehr von den Film abheben können. Gerade Lee Majors als Ash‘ Vater ist tatsächlich verdammt cool. Hier treffen dann zwei viel zu große Egos auf einander: „Wie der Vater, so der Sohn“ passt nahezu perfekt auf die zweite Staffel.

Dennoch… und jetzt komme ich zu dem Punkt vom Anfang… dennoch war ich ziemlich schnell auch übersättigt. Und irgendwie hatte ich so das Gefühl, dass selbst die Macher übersättigt waren und verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht haben, die Handlung der zweiten Staffel aufzupeppen. Dadurch entstanden aber ein paar sehr denkwürdig-großartige Folgen, an denen man dann schon noch merkte, dass Kreativität durch diese Serie sprudelt und sie einfach nur genutzt werden muss. Da dreht dann Ash‘ Wagen durch und killt in bester King’scher „Christine“-Manier ein paar Leute. Da dreht Ash selbst scheinbar durch und redet auf einmal mit einer Ash-Handpuppe (die ich unbedingt als Merchandise irgendwann einfach haben muss), während er in einem Irrenhaus eingesperrt ist (meine persönliche Lieblingsfolge aus dieser Staffel), da wird am Ende sogar ein bisschen durch die Zeit gereist – allerdings nur in die 80er Jahre und nicht, wie ich gehofft hatte, zurück ins Mittelalter wie bei „Armee der Finsternis“. Staffel 2 schwankt zwischen Genialität und Eintönigkeit, wobei es immer noch eher zu einer gewissen, kranken Art von Genialität neigt.

Ich hatte immer noch meinen Spaß mit der Serie, Bruce Campbell ist einfach nach wie vor der perfekte Ash Williams, aber schon jetzt merke ich einfach an mir, dass ich doch ein wenig mehr brauche. Wenn es nur so eine Staffel – als Mini-Serie – gewesen wäre, wäre alles gut gewesen. So braucht man jetzt langsam doch ein bisschen mehr Story, um das Ganze am Leben zu erhalten. Ich hoffe einfach mal, dass sie für Staffel 3 noch ein bisschen mehr rausholen – und ganz ehrlich, ich hoffe ja immer noch darauf, dass sie uns wirklich auf einen ähnlichen Trip mit nehmen wie im dritten Teil der Filme. Das war einfach zu geil, es kam so herrlich unerwartet und ich könnte mir das für die Serie extrem gut vorstellen.

Alles in allem bleibt „Ash vs Evil Dead“ gute Unterhaltung, die sich halt nur langsam zu sehr wiederholt und wiederholt. Da müssen die Macher jetzt echt ein bisschen Vorsicht walten lassen – sich nur auf Bruce Campbell auszuruhen, ist keine Lösung.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ich will die „Armee der Finsternis“-Staffel)

Feuer frei!

10. April 2017

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal „The Raid“ gesehen habe und mir dachte: „Wow! Was für ein genialer Film“. Das war ein handgemachter Action-Film, der sich schon beim Gucken wie ein alter Klassiker anfühlte. Ich finde es schwer, das in Worte zu fassen, aber dieser Film hatte irgendwas einzigartiges, auch wenn man es so oder so ähnlich schon tausendmal in anderen Martial-Arts- und Action-Filmen gesehen hatte. „The Raid“ war eine kleine Offenbarung, die Offenbarung, dass gute Action auch noch funktionieren kann, ohne das alles voller Explosionen und CGI ist. Und jetzt kommt ausgerechnet der Brite Ben Wheatley, der uns zuletzt in den „High-Rise“ schickte, und macht einen Film, der sich auch schon beim Gucken anfühlt wie ein alter Klassiker. Und „Free Fire“ ist definitiv ein Film, der einen Kultstatus wirklich verdient hätte.

Wir befinden uns in Boston, irgendwann Ende der 70er Jahre. Die IRA schickt Chris (Cillian Murphy) und Frank (Michael Smiley) los, um Waffen zu kaufen. Justine (Brie Larson) vermittelt die beiden an Ord (Armie Hammer), der wiederum den Kontakt zu dem Waffenhändler Vern (Sharlto Copley) herstellt. In einer alten Lagerhalle soll der Waffendeal dann stattfinden. Das Blöde ist nur, einen Abend zuvor haben sich einer von Franks Männern und einer von Verns ordentlich in die Haare bekommen… was sich auf den Deal insofern auswirkt, dass die beiden wild aufeinander losgehen und sich innerhalb kürzester Zeit eine wilde Schießerei in der Lagerhalle abspielt – zu der dann auf einmal auch noch zwei Scharfschützen auftauchen. In diesem Chaos versucht nun jeder irgendwie am Leben zu bleiben.

Shooting and chill

Was allein schon kultig genug ist, ist die Tatsache, dass Wheatley das Filmset in Minecraft nachgebaut haben soll, um so die einzelnen Sequenzen besser durchplanen zu können. Denn „Free Fire“ spielt wirklich nur in dieser einen Lagerhalle und ja, dieser Film besteht eigentlich nur aus einer einzigen groß angelegten Action-Szene. Stellt euch jedes Mexican Standoff in jedem Western oder Tarantino-Film vor – nur frühstückt Wheatley das nicht in fünf Minuten ab, sondern gönnt sich (und uns) mal eben 90 Minuten Bleigewitter pur.

Und das ist wirklich ein Fest. In Sekundenschnelle verwandelt Wheatley diese kleine Lagerhalle in einen wahren Kriegsschau-Platz, der zu einem unübersichtlichen Chaos wird. Überall robben und kriechen Leute in vermeintliche Sicherheit, ständig schießt jemand einfach wahllos in den großen Raum, in der Hoffnung, irgendjemanden zu treffen. Es ist laut, es ist hektisch, es ist zermürbend. Jede kleine Bewegung wird mit einem Schuss aus den zahlreichen Pistolen oder Gewehren bestraft, die Kamera hetzt von einer Deckung in die nächste, als wäre Kamera-Frau Laurie Rose selbst in Gefahr. Diese Schießerei hätte auch nach fünf Minuten langweilig werden können, wird es aber nie. Allein schon die Art und Weise der Inszenierung, dass wir wirklich mitten im Geschehen stecken, ist wie ein kleiner Adrenalin-Rausch.

Dazu lernen wir endlich mal, dass Leute in diesen Situationen a) nie richtig zielen können und b) dass selbst schlimm aussehende Wunden nicht unbedingt zum Tod führen müssen. Stattdessen kriechen unsere zerlöcherten „Helden“ mühsam durch dieses Schlachtfeld… und kriechen ist hier ernst zu nehmen. Die Dreharbeiten zu „Free Fire“ müssen echt anstrengend gewesen sein, denn hier darf eigentlich kaum jemand was anderes machen außer kriechen. So schleppen sie sich dann alle irgendwie mühsam durch diese Halle, versuchen ihre Fronten weiter nach vorne zu verlagern. Die einen wollen nur ans Geld, die anderen einfach nur überleben.

Doch all diese realistisch dargestellten und toll inszenierten Schusswechsel funktionieren nur deswegen so gut, weil Wheatley einen wunderbaren Cast und ein tolles Drehbuch hat, dass diese ganze Schießerei mit herrlich absurden Charakteren und viel schwarzem Humor fühlt. Sei es nun ein Sharlto Copley, der sich eigentlich mehr um seinen Anzug kümmert oder ein wunderbarer Armie Hammer, der selbst in diesem Bleigewitter seine Coolness nie verliert, jeder Charakter hat etwas einzigartiges, das ihn interessant macht. Wenn dann mal die Waffen schweigen, brüllen sich diese Leute gegenseitig an. Das sind hauptsächlich coole Oneliner mit dabei, wüste Beschimpfungen, vermeintliche Friedensangebote oder einfach nur ein Grunzen. Und dennoch passt das alles perfekt zusammen und formt aus dieser Film gewordenen Action-Sequenz auch noch eine großartige schwarz-humorige Komödie, die mich immer und immer wieder zum Lachen gebracht hat.

„Free Fire“ fühlt sich an, wie ein Film, den ein junger Quentin Tarantino gemacht hätte: knallharte, kompromisslose Action; coole, merkwürdige Charaktere, die auch ohne lange Einführung interessant genug sind; ein passender Soundtrack und bissiger Humor. Ich wünsche Wheatley und „Free Fire“ den Kultstatus, den sie beide verdient haben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (90 Minuten Spaß und Action pur)

Auf der Thule Station

7. April 2017

Es gibt so Sachen, da fragt man sich doch immer wieder, warum es sie gibt. Nehmen wir zum Beispiel einen meiner Lieblingsfilme von John Carpenter „Das Ding aus einer anderen Welt“. Ein großartiger Film, der uns dabei zusehen lässt, wie eine Gruppe von Männern irgendwo im Eis langsam der Paranoia verfallen, weil sie davon ausgehen müssen, dass einer unter ihnen ein gefräßiges Aliens ist. Carpenters Film selbst ist ja nur ein Remake, aber gilt ja gemeinhin als ein Beispiel für ein gutes Remake (eine Tatsache, die ich nicht beurteilen kann, weil ich das Original nicht kenne). Ich frage mich allerdings nicht, warum es Carpenters „Das Ding“ gibt, denn der Film ist Kult. Vielmehr frage ich mich, warum es einen Film geben musste, der als Prequel zum Film fungiert.

Aber Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. hielt die Idee von einer Art Prequel für eine gute und so kam 2011 „The Thing“ in die Kinos und erzählte uns eine Geschichte, die wir eigentlich schon kannten. „The Thing“ führt uns auf die Thule Station, in der ein norwegisches Team von Forschern einen unglaublichen Fund gemacht hat: sie finden ein seit über 100.000 Jahren im Eis gelagertes UFO und auch einen Außerirdischen. Die mit im Team befindliche Paläontologin Kate (Mary Elizabeth Winstead) soll das Ding untersuchen, doch schon kurze Zeit nachdem das Wesen in einem riesigen Eisblock auf die Station gebracht wird, kann es sich befreien und fängt an, sich fröhlich durch die Forscher zu fressen…

Das hätte sie mal mit dem Drehbuch machen sollen

Und blähhhh… ich habe mich ja wirklich lange gegen diesen Film gewehrt und wenn ich ehrlich sein darf, hätte ich mir gewünscht, meine Neugier hätte mich nicht besiegt. Denn jetzt, wo ich „The Thing“ gesehen habe, frage ich mich halt wirklich, warum ich mir das überhaupt angeguckt habe. Denn alles, was der Film mir erzählt, kenne ich aus dem „Original“ von Carpenter. Da gibt es ja eine kurze Sequenz, in der Kurt Russell und seine Burschen in der zerstörten Thule Station auf die Forschungsergebnisse der Norweger treffen. Wir sehen da den Block, aus dem das Alien stammt. Wir sehen, was es mit den Norwegern angestellt hat und das reicht. Wirklich was Neues hat „The Thing“ da nicht zu bieten.

Was man Regisseur Heijningen zumindest anrechnen sollte, ist die Tatsache, dass er bei seinen Sets der Station sehr penibel darauf geachtet hat, dass alles so aussieht wie bei Carpenter. Das war dann aber auch schon alles, was man ihm und seinem Film anrechnen kann. Der Rest ist zwar durchaus zu ertragen, aber in seiner Gänze komplett überflüssig.

Die Story unterscheidet sich größtenteils kaum von seiner Vorlage, nur fehlt „The Thing“ so wirklich dieser Schauer-Faktor… und die spannende Frage, wer denn jetzt als nächstes vom Alien „kopiert“ wurde. Stattdessen setzt Heijningen lieber voll und ganz auf ein ordentliches Splatter-Fest, in dem entweder Mary Elizabeth Winstead oder auch ein Joel Edgerton, der verzweifelt versucht, Kurt Russell zu kopieren, mit einem Flammenwerfer auf Alien-Monster-Jagd gehen.

Womit wir beim zweiten großen Problem des Films wären: das Alien selbst. Regisseur Heijningen und sein Team wollten von Anfang an praktische Effekte verwenden, um dem Original gerecht zu werden. Es entstanden dann wohl auch wunderbare Kreaturen… von denen wir im Film leider nichts zu sehen bekommen. Aus welchen Gründen auch immer verzichtete man letztendlich auf fast alle praktischen Effekte und serviert uns Monster aus dem Computer. Während die verschiedenen Monster-Designs zwar durchaus sehenswert und in ihrer Kreativität und Abartigkeit auch sehr bemerkenswert sind, verlieren sie viel von ihrer Faszination durch die wirklich, wirklich nicht schönen Computer-Effekte.

Insgesamt ist „The Thing“ ein Film, den die Welt wirklich nicht braucht. Der Film kann dem Kult des alten Originals nicht beisteuern… immerhin gibt’s am Ende noch die klassische Musik von Ennio Morricone zu hören, aber das hilft dann auch nicht wirklich weiter.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Neugier, manchmal hasse ich dich)

Fürchtet die Heiligen!

5. April 2017

Das lange Warten auf die Auflösung eines des fiesesten Cliffhanger hat endlich ein Ende gefunden… und natürlich hatte ich aufgrund der Comics so meine Vermutungen, wen es zu Beginn von Staffel 7 bei „The Walking Dead“ treffen würde. Doch bei dieser Serie weiß man ja nie. Hin und wieder können sie einen dann doch überraschen. Und dann sterben ja in der ersten Folge gleich zwei Leute. Tod Nr. 1 habe ich als echte Beleidigung aufgefasst – zum einen weil es einfach ein Nebencharakter war und zum anderen, weil dass den großen Twist einfach nicht wert gewesen ist. Doch dann wurde ja auch der Comic-Fan in mir bedient mit Tod Nr. 2. Und damit war Negan für die siebte Staffel gebührend vorgestellt (und ich  habe das hier geschafft, ohne zu heftige Spoiler zu verbreiten – was auch  so bleiben wird!)

Die erste Hälfte von „The Walking Dead“-Staffel 7 untersteht dann auch vollkommen Negan (Jeffrey Dean Morgan), der Rick (Andrew Lincoln) zu seinem Sklaven macht, Daryl (Norman Reedus) entführt und dafür sorgt, dass die kleine Gemeinschaft aus Alexandria ab jetzt für ihn arbeitet. Irgendwann jedoch – passenderweise zum Midseason-Finale – entdeckt Rick, dass er doch noch ein übergroßes Paar Eier im Schrank hat und ist bereit für den Kampf gegen den Anführer der Saviors. Dafür braucht er jedoch eine kleine Armee – wie gut, dass es ja noch die Hilltop-Gemeinde gibt, in der sich Maggie (Lauren Cohan) versteckt hält, gibt. Und wie noch viel besser, als man plötzlich auf das Königreich von König Ezekiel (Khary Payton) stößt, der sich einen Tiger als Haustier hält und Carol (Melissa McBride) bei sich aufgenommen hat. Die Zeichen stehen also erst schlecht, dann irgendwie gut – auch wenn sie auf Krieg stehen.

Me Myself and Lucille

Nach dem Governor-Fiasko in Staffel 3 hatte ich ja echt Bedenken, ob sie diesen großartigen Comic-Negan auch wirklich gut hinbekommen. Aber schon die finalen 15 Minuten der sechsten Staffel ließen jeden Zweifel weichen. Und dann schenken die Macher einem wirklich, wirklich fabelhaften Jeffrey Dean Morgan auch noch die ersten 8 Folgen dieser Staffel, um einen der – wie ich finde – besten Serien-Bösewichte aller Zeiten zu erschaffen, der sich zudem extrem an den Comics orientiert. So sehr sogar, dass sie teilweise 1:1 seine Monologe aus den Comics übernehmen. Ich mochte diese ganze Negan-Lastigkeit der ersten Hälfte – das war auch notwendig. Nur so konnten wir besser verstehen, warum sich ihm einige beugen, andere ihm widersetzen. Ja, er ist ein Arschloch, doch er ist ein Arschloch, das seine eigenen Regeln befolgt – und dabei auch keine Ausnahmen macht (wie er uns oft genug in dieser Staffel beweist).

Als Fan der Comics war ich schwer begeistert, wie treu sie der Vorlage in so vielen Dingen, was die Saviors angeht, folgen. Das war wirklich toll… und gerade, weil ein Jeffrey Dean Morgan es so gut rüberbringt, gerade weil die Comics förmlich danach schreien, so dargestellt zu werden, war allein die ersten Hälfte der siebten Staffel ein wahres Fest. Ein Highlight (sowohl in den Comics als auch in der Staffel) ist für mich nach wie vor das Treffen zwischen Negan und Carl (Chandler Riggs) – eine Folge, in der man Negan dann irgendwo fast schon wieder mögen möchte, wäre er dann nicht doch so ein brutaler Diktator.

Die zweite Hälfte stellt Negan dann ein bisschen in den Hintergrund, was auch gut ist – wir wollen ja keine Übersättigung. Stattdessen treten mal wieder unsere geliebten Charaktere deutlicher in den Vordergrund – und gleichzeitig wird das Universum der Serie weiter ausgebaut. Besonders durch das Kingdom und die stärkere Einbindung der Hilltop-Gemeinde. Ich gebe zu, dass hier eher ein paar Folgen dabei waren, die nicht ganz so stark waren – die Tara-Folge, in der sie die Oceansider-Damen trifft zum Beispiel. Auch die Scavengers – eine neue Gruppe, die für die Serie erfunden wurde – fand ich eher langweilig. Besonders Pollyanna McIntosh als deren Anführerin war extrem öde und einfach auch Nichts sagend. Die hätte man sich sparen können.

Der Herr des Ricks

Allgemein muss auch ich mir – trotz aller Begeisterung – eingestehen, dass Jeffrey Dean Morgan schon ein bisschen sehr dominiert hat – der stellt wirklich alle in den Schatten, was die Macher bis zu einem gefährlichen Grad ausnutzen. Denn viele Charaktere, die wir über die Zeit kennen- und liebengelernt haben, kommen gar nicht so richtig zur Geltung. Jeder bekommt zwar mal so seinen Happen zugeworfen, so richtig heraus sticht aber niemand. Andrew Lincoln vielleicht noch, weil er die interessanteste Wandlung der Serie – vom Gepeinigten zum Rebellen – durchmacht, aber gerade eine Carol, ein Daryl, ja selbst ein Carl, der hier viele Chancen gehabt hätte, kommen nicht richtig zur Geltung. Staffel 7 ist halt tatsächlich eine Negan-Staffel, was ich aber dennoch okay finde. Ich hoffe einfach nur, dass sie für Staffel 8 dann ein besseres Gleichgewicht finden, aber noch einmal aus den (Comic-)Vollen schöpfen.

Das Finale der siebten Staffel hat das ja schon gut angedeutet, es erwarten uns noch tolle Sachen. Negan war ein Segen für die Comics und wird auch „The Walking Dead“ noch mehr bereichern. Staffel 7 ist wirklich ein Highlight der Serie – für mich die beste Staffel bisher.

Wertung: 10 von 10 Punkten (trotz kleiner Schwächen endlich mal wieder so richtig Feuer in der Serie – Jeffrey Dean Morgan sei Dank)