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Fürchte dich vor den Wolken!

15. August 2022

Ich bin ja mit „Akte X“ groß geworden. Keine andere Serie hat mich so sehr beeinflusst wie diese. Ich meine, ich habe wirklich alles zu den Fällen gelesen, bin voll aufgegangen in den Verschwörungstheorien, habe mich für UFOs und das Weltall interessiert, wollte unbedingt endlich meinen ersten Anzug haben, um wie Fox Mulder durch die Gegend zu laufen. Gillian Anderson als Scully war mein erster Celebrity-Crush. Ich fing wegen Mulder an, Sonnenblumenkerne zu essen und besorgte mir diese fette Taschenlampe, mit der Mulder und Scully sehr oft unterwegs waren (denn nur mit ordentlicher Taschenlampe ist man ein ordentlicher Ermittler). Gleichzeitig fing ich auch an zu überlegen, ob ich ebenfalls fürs FBI arbeiten kann. Also zu behaupten, keine Serie hätte mich mehr beeinflusst als „Akte X“, ist damit wirklich keine Übertreibung. Jetzt ist ein Film in den Kinos, der meinen inneren Fox Mulder wieder erweckt hat und dabei aber gleichzeitig verdammt gekonnt mit meinen Erwartungen, was UFOs angeht, gespielt hat: „NOPE“ von Jordan Peele.

OJ (Daniel Kaluuya) und Em Haywood (Keke Palmer) haben die Pferde-Ranch ihres Vaters übernommen, auf der sie Pferde für Film und Fernsehen trainieren. Angegrenzt an ihre Ranch betreibt Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun) einen Cowboy-Themenpark, der dank Jupes‘ Vergangenheit als Kinderstar ziemlich erfolgreich verläuft. Doch irgendwas stimmt hier nicht… Pferde verschwinden, der Strom geht immer wieder aus. OJ und Em sind sich sicher, ein UFO ist für all das verantwortlich – und wollen damit groß abräumen, in dem sie das Ganze filmen. Leider ist das nicht so einfach wie gedacht.

Jordan Peele ist zurück. Nach „Get Out“ und „Wir“ beschert uns der einstige Comedy-Star nun also eine Sci-Fi-Horror-Geschichte, die es wirklich in sich hat… und vielleicht, aber ganz vielleicht sein bisher bester Film sein könnte.

Peele liefert in der ersten Hälfte ein Horror-Drama, in dem es unheimliche Momente gibt, in denen der Regisseur aber auch perfekt mit den Stilmitteln des Genres spielt – und Jump Scares so gekonnt dekonstruiert, dass sie auf der einen Seite verdammt effektiv sind, auf der anderen aber auch ironisch betrachtet werden. Man könnte diese erste Hälfte durchaus einen Slow-Burner nennen, aber das klingt irgendwie immer so negativ… denn Peele baut hier einfach erstmal seine Charaktere auf.

Keke Palmer und Daniel Kaluuya spielen ein wunderbar gegensätzliches Geschwister-Paar. Sie ist die Aufgeweckte, die Extrovertierte, die gut mit Menschen kann, die reden wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Er ist der Ruhige, der Introvertierte, der Menschen nicht mal so richtig in die Augen schauen kann, der sich in der Einsamkeit der Ranch mit den Pferden viel wohler fühlt. Und so ergänzen sich die Beiden und Palmer und Kaluuya liefern eine unglaublich gute Performance ab. Kaluuya hat so eine Schwere in seinem Spiel, die durch Palmers Leichtigkeit konteragiert wird. Diese Zwei passen einfach perfekt in diese Story. Dazu kommt dann noch ein Steven Yeun, der nach „Burning“ und „Minari“ mal wieder zeigt, dass es echt gut für ihn war, „The Walking Dead“ hinter sich zu lassen. Sein Jupe bekommt aber auch eine krasse Geschichte aufgedrückt, bei der Peele in seine Vergangenheit als Kinderstar geht und mit einem ziemlichen Schocker aufwartet, den ich hier einfach nicht spoilern kann. Seid euch nur gewiss: Jupe ist vielleicht die tragische, fehlgeleitete Figur in diesem Film.

Nachdem Peele also die Figuren so gut ausgearbeitet hat, ist er ja auch immer noch ein Experte für Horror. Und da wäre ja noch dieses UFO, das sich hinter den Wolken versteckt. Hier verneigt sich Jordan Peele dann würdig vor einem Meister – nämlich Steven Spielberg. Das Ganze wird hier zu einem Mix aus „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „Der Weiße Hai“ (und natürlich gewürzt mit einer guten Prise „Akte X“, weil alle UFO-Vorfälle, die in „Nope“ geschehen, haben Mulder, Scully und ich schon zu genüge erfoscht). „Cloud Watching“ bekommt in „Nope“ definitiv eine ganz neue Bedeutung. War da jetzt schon was in den Wolken? Wo könnte das UFO als nächstes ausbrechen? Wie der Hai in Spielbergs Klassiker sehen wir das UFO nur selten, spüren aber die Auswirkungen und werden gemeinsam mit Em und OJ zu UFO-Jägern.

Dabei huldigt Peele nicht einfach nur den alten UFO-Mythen, nein… das wäre für einen Jordan Peele nicht die richtige Herangehensweise. Ich sagte ja schon, er spielt hier mit unseren Erwartungen und lässt sich für seinen Film ein Konzept einfallen, das ich hier jetzt auch nicht verraten werde, aber es ist einfach nur genial. Das habe ich so nicht kommen sehen und auch in anderen Filmen so noch nicht gesehen. Es ist aber eine wirklich coole Idee, die Peele hier dann auch mit einer Bildgewalt und einem Sound präsentiert, die einen einfach nur umhaut.

„Nope“ ist definitiv ein „Yes“-Film. Unbedingt gucken. Dieser Mix aus Drama, Horror und Science-Fiction ist einfach nur grandios und macht wahnsinnig viel Spaß.

Wertung: 9 von 10 Punkten (yes, yes, yes)

Random Sunday #86: Rewatching Heat

14. August 2022

Als ich das letzte Mal Michael Manns „HEAT“ gesehen habe, konnte ich mich mit dem Film irgendwie nicht so ganz anfreunden. Nicht, dass ich ihn schlecht fand, aber die Erwartungshaltung war eine komische. Immerhin wird der Film auf zwei Dinge reduziert: 1) das große Zusammentreffen zwischen Al Pacino und Robert De Niro in einem Film („The Godfather 2“ zählt ja nicht wirklich, weil sie da in unterschiedlichen Zeiten spielen) und 2) die eine große Action-Sequenz. Aber wenn man nach diesen Kriterien geht, verarscht „Heat“ einen eigentlich: Denn De Niro und Pacino haben eigentlich nur zwei große Szenen zusammen und richtig action-geladen ist „Heat“ auch nur an zwei Stellen. Das muss mich damals wohl doch gestört haben… weswegen es nur 7 von 10 Punkten gab. Jetzt habe ich mir Michael Manns „vermeintliches“ Meisterwerk noch einmal angeschaut – und was soll ich sagen: am Ende werden jetzt 10 von 10 Punkten stehen.

Neil McCauley (De Niro) führt in Los Angeles eine Truppe von Gangstern an, mit denen er Überfälle präzise plant und durchführt. Als jedoch Neuzugang Waingro (Kevin Gage) einen Polizisten ermordet und das Team so zwingt, die restlichen Zeugen auch zu beseitigen, ist das der Anfang vom Ende. McCauley schmeißt Waingro zwar aus dem Team, aber die extreme Brutalität bringt Cop Vincent Hanna (Al Pacino) auf den Plan, der nun alles daran setzt, McCauley und sein Team (u.a. Tom Sizemore, Val Kilmer, Danny Trejo und Jon Voight) aufzuhalten. Die planen derweil aber einen Angriff auf eine Bank…

GTA hat sich fleißig an „Heat“ bedient und einige Missionen eingebaut, die sehr an Michael Manns film erinnern. Selbst ein Christopher Nolan hat sich von „Heat“ inspirieren lassen… und das vollkommen zurecht, wie ich jetzt nach meinem Rewatch einfach feststellen muss. Denn dieser Film ist einfach so viel mehr als nur diese eine Action-Sequenz und das Zusammentreffen von Pacino und De Niro. Das ist quasi die Kirsche auf der Sahnehaube auf dem perfekten Eis, das dieser Film ist.

Die Action „beschränkt“ sich auf so zwei Szenen. Der Überfall zu Beginn des Films auf den Geldtransporter und der Banküberfall. Aber es sind zwei Szenen, die komplett ausreichen. Die zeigen, wie grandios Michael Mann das alles umsetzen kann. Allein über den Banküberfall könnte man wahrscheinlich Abhandlungen schreiben. Zum einen setzt Mann einfach alles zu seiner Verfügung Stehende ein, um ein absolut realistisches Erlebnis zu erzeugen. Dabei dröhnt der Sound der Schüsse lauter und döller, als man meinen möchte. Die Kamera ist gefangen im Geschehen, ohne aber ständig und überall zu sein. Nein, Mann kann die Action für sich sprechen lassen und zerschneidet das Ganze nicht mit schnellen Schnitten und irren Kamerafahrten (ein anderer Michael hat das in seinem „Ambulance“ eher so gemacht – zwar ein toller Film, aber die Action, die auch eindeutig an „Heat“ orientiert ist, ist viel zu wirr).

Zum anderen hat man das Gefühl, alles in dieser Szene ist wie echt. Die Panik der Menschen, die Zerstörungsorgie, die Verzweiflung der Bankräuber. Es wird nicht viel gesprochen in dieser Sequenz… und trotzdem hat man das Gefühl, die Gedanken jeder einzelnen Person genau zu kennen.

Damit kommen wir zu dem tatsächlichen Punkt, der meine Sichtweise auf diesen Film verändert hat. Action ist schön und gut, aber in seinem Kern ist „Heat“ eigentlich ein ziemlich bewegendes Drama über zwei Männer, die sich ähnlicher sind als man meinen könnte. Der einzige Unterschied ist die Tatsache, dass sie auf anderen Seiten des Gesetzes stehen. Michael Mann baut seine Charaktere mit einer Präzision auf, die unglaublich ist. Dabei ist es dann auch kein Wunder, dass der Film drei Stunden lang ist, aber es funktioniert. Pacinos Hanna ist in seiner dritten Ehe, hat Probleme mit seiner Frau, mit seiner Stieftochter und verkriecht sich in seiner Arbeit, die er als Ausrede nutzt, warum er in keiner Beziehung lange sein kann. De Niros McCauley lebt nach der Devise „In 30 Sekunden musst du alles aufgeben können und weiterziehen.“ Deswegen ist sein Haus leer, deswegen kann er sich auf keine Beziehung einlassen… auch wenn das im Film dann doch ein Problem für ihn wird.

Wir lernen im Film die einzelnen Feinheiten dieser beiden Männer und ihres Umfeldes kennen und dadurch versteht man dann auch diese gegenseitige Faszination für einander. Darum ist dann auch die Café-Szene, in der sich die Beiden einfach nur unterhalten so genial (auch hier bleibt ein Michael Mann in seiner Inszenierung erstaunlich simpel, aber wieso auch nicht? Er hat zwei grandiose Schauspieler, die ihr Ding durchziehen – das reicht komplett aus.). Michael Mann vergisst dabei auch nicht die anderen Figuren. Selbst Kilmers Chris hat eine eigenständige, interessante Geschichte, die das Gegenteil von McCauleys Story aufzeigt. Es gibt sogar noch eine gut funktionierende Nebenstory rund um William Fichtner… die ein eigenständiger Film hätte sein können, aber hier „nebenbei“ bestens funktioniert.

„Heat“ ist vollgestopft bis zum Rand, aber füllt sich dabei nie überfüllt an. Weil Mann sich Zeit lässt. Weil Mann auch mal auf Dialoge verzichtet und einfach nur Bilder und Taten sprechen lässt. Allein von der Regie her ist „Heat“ schon ein Meisterwerk in Sachen Geschichten-erzählen. Erzählen mit Blicken. Erzählen mit der Kamera. Worte müssen da nicht immer sein. So versaut er sich zum Beispiel auch das großartige Finale nicht, dass fast vollständig ohne Worte auskommt, dabei aber eine perfekte Studie zum Thema Kamera-Arbeit, Schnitt, Sound und Beleuchtung wird.

Ich weiß echt nicht, was mich damals bei meiner ersten Review geritten hat, aber „Heat“ ist verdammt perfekt. Daran ist nichts zu rütteln.

Wertung: 10 von  10 Punkten (ein Must-See für jeden Filmfan)

Auf dem Feuerwachturm

12. August 2022

Taylor Sheridan (nicht zu verwechseln mit Tye Sheridan) ist als Drehbuchautor in Hollywood ziemlich gut durchgestartet. Mit dem Skript zu Denis Villeneuves „Sicario“ lieferte er eine gekonnte Mischung aus Action und Thriller. Sein Drehbuch zu „Hell or High Water“ (ein Film, der immer noch auf meiner To-Do-Liste steht) wurde sogar für den Oscar nominiert. Danach verfilmte er mit „Wind River“ sein eigenes Drehbuch (ein Film, der wirklich in Ordnung ist), bevor er dann die Fortsetzung zu „Sicario“ schrieb und dann 2021 wieder mit einem eigenen Film um die Ecke kam: „THOSE WHO WISH ME DEAD“ oder wie er vereinfacht bei uns heißt: „THEY WANT ME DEAD“ (weil das natürlich so sehr viel mehr Sinn macht – aber über Sinn und Unsinn „deutscher“ Filmtitel könnte man sich stundenlang unterhalten).

Hannah Faber (Angelina Jolie) ist eine Feuerspringerin, die bei Waldbränden per Fallschirm in das Gebiet springt und das Feuer eindämmen soll. Vor ein paar Jahren kamen bei einem Waldbrand aber drei Jungen ums Leben, was sich Hannah bis heute nicht verzeihen… deswegen sitzt sie jetzt nur noch auf einem Feuerwachturm und berichtet, falls sie irgendwo einen Waldbrand entdeckt. Doch statt einem Feuer läuft ihr eines Tages Connor (Finn Little) über den Weg. Der wird von zwei Killern (Nicholas Hoult und Aidan Gillen) gejagt, die zuvor seinen Vater umgebracht haben. Mit Hilfe von Sheriff Ethan Sawyer (Jon Bernthal) will Hannah dem Jungen nun helfen… doch die beiden Killer haben im Wald ein Feuer gelegt und machen nun unerbittlich Jagd auf Hannah und Connor.

„Taylor Sheridan, die 90er Jahre haben angerufen und wollen ihr Action-Kino zurück!“ Genau so fühlt sich „They want me dead“ nämlich an. Ganz besonders bekommt man hier irgendwie „Cliffhanger“-Vibes: von der Vergangenheit geplagter Stallone kämpft in der Wildnis gegen fiese Schurken. Fehlte eigentlich nur das Kind, aber ansonsten… leider hat „They want me dead“ nur weder die Schauwerte noch die Spannung, die ein „Cliffhanger“ mit sich gebracht hat. Und so wird der Film ein ziemlich mühseliges Erlebnis, das aber eigentlich sein Potenzial zeigt, wenn man es nur freigelassen hätte.

Das größte Problem an diesem Film ist nämlich die Hauptfigur. Hannah ist so langweilig geschrieben und wird dann auch von Angelina Jolie genau so langweilig geschrieben. Sie hat ein paar dramatische Rückblenden, guckt ein bisschen bedrückt in die Ferne und das soll jetzt ausreichen, um sie als tragische Figur zu etablieren. Nicht wirklich… dabei hat der Film ein Paar, das man viel eher in den Vordergrund hätte stellen müssen: nämlich Sheriff Sawyer und seine schwangere Frau Allison (Medina Senghore). Mit Sawyer als werdendem Papa, der sich um den jungen Connor kümmern muss, hätte man schon mal eine interessantere Dynamik gemacht. Mit der Gewehr schwingenden schwangeren Mutter Allison hätte man dann noch die Löwin gehabt, die alles tut, um ihre Familie zu beschützen. Ein bisschen kommt das immerhin bei Allison auch im Film selbst durch – das ist auch ganz interessant – aber wenn man den Fokus auf die Beiden gelegt hätte, wäre „They want me dead“ ein sehr viel packender Film gewesen. Zumal Ethan und Allison ja auch wirklich was zu verlieren haben. Hannah wird uns schon direkt zu Beginn des Films als „lebensmüde“ gezeigt und, wie schon erwähnt, gut ausgeschrieben ist ihr Charakter einfach nicht. Da hätte ich Jon Bernthal und Medina Senghore eher den Vortritt gewährt. Weil Jolies Hannah hätte es dann nicht gebraucht.

Aber das sind wieder verdammt viele „Hättes“… haben wir alles nicht bekommen, deswegen also nur dieser sehr belanglose und leider auch recht lieblose Versuch, die 90er Jahre wiederzubeleben. Neben dem auf der Strecke bleibenden Potenzial punkten wenigstens Aiden Gillen und Nicholas Hoult als Schurken, die man theoretisch sogar auch mehr hätte ausbauen können. Auch das hätte dem Film einen anderen Twist gegeben, aber wäre innovativer als alles, was uns Sheridan hier liefert. Aber wieder: „Hätte, hätte, Fahrradkette!“

„They want me dead“ ist wirklich lahm, vor allem lahmes Action-Kino. Die paar Sequenzen, die der Film zu bieten hat, sind weder spannend noch aufregend inszeniert und fühlen sich auch wieder mehr nach schlechtem 90er Jahre Kino an. Damals hätte man diesen Stoff selbst besser umgesetzt.

So bleibt von diesem Film eigentlich nichts Nennenswertes in Erinnerung, außer, dass man daraus wirklich einen guten Film hätte machen können… schade, vor allem bei dem Cast.

Wertung: 4 von 10 Punkten (viel Potenzial, das einfach so untergeht)

Auf den Spuren des Predators

10. August 2022

Das „Predator“-Franchise hat es echt nicht einfach. Nachdem Arnie 1987 erfolgreich gegen den Jäger aus dem All gekämpft und uns einen der besten Filme aller Zeiten geschenkt hat, hat man immer und immer wieder versucht, aus diesem Monster ein Franchise zu basteln. Was man den Machern dabei echt lassen muss: Sie haben mit jedem Film versucht, etwas Neues zu machen. „Predator 2“ spielte auf einmal im Großstadt-Dschungel von L.A., „Predators“ schickte uns auf den Planeten, auf dem sich unterschiedliche Predators kloppen… und dann kam noch „Predator: Upgrade“, den ich lieber wieder vergessen möchte. Dazwischen gab es dann noch das „Alien vs. Predator“-Schlachtfest, von dem ich zumindest dem ersten Film echt noch was abgewinnen kann. Aber den Glanz des Originals konnte kein Film je wieder einfangen… aber wie bei „Terminator“ kann man den „Predator“ einfach nicht ruhen lassen. Deswegen bekommen wir jetzt ein Prequel, das den einfachen Namen „PREY“ trägt.

Wir befinden uns Nordamerika. Im Jahre 1719 (alle „Predator 2“-Fans sollten bei diesem Datum hellhörig werden, aber dazu später mehr). Die junge Comanche Naru (Amber Midthunder) will sich in ihrem Stamm als Jägerin beweisen, was ihr als Frau natürlich niemand abkaufen will. Auch als sie ihre Stammesmitglieder vor einer vermeintlich großen Gefahr warnen will, hört niemand auf sie. Also macht sie Naru allein auf den Weg, um diesen neuen Jäger zu schnappen. Dabei stößt sie auf den gefährlichsten Predator von allen: weiße Siedler. Und natürlich einen richtigen Predator, der aus dem All gekommen ist, um zu jagen.

Ich muss gestehen, ich war echt skeptisch. Wozu jetzt noch mal den Predator ausgraben und dann auch noch so eine Prequel-Story? So richtig neugierig war ich dann eigentlich nur, als ich hörte, dass Dan Trachtenberg das Ganze übernommen hatte. Sein „10 Cloverfield Lane“ ist immer noch der beste Teil der „Cloverfield“-Reihe und einfach auch so ein toller Film. Vielleicht könnte Trachtenberg dem Predator vielleicht wirklich mal einen neuen Anstrich verpassen.

Und ja, über weite Strecken mochte ich „Prey“ dann doch sehr gern. Trachtenberg liefert atemberaubende Bilder und schickt seine junge Protagonistin in bester „I am Legend“-Manier ganz allein mit Hund auf die große Jagd. Dabei ist es cool zu sehen, wie ähnlich sich sowohl Naru und der Predator doch sind und wie Trachtenberg diese Gemeinsamkeiten der beiden Jäger auch immer wieder zeigt. Wie sie jagen, wie sie Spuren nachgehen oder ihre Verletzungen versorgen.

Interessant ist in „Prey“ auf jeden Fall auch der Ansatz, dass der schlimmere Jäger als der Predator wirklich der weiße Siedler ist – allerdings bleibt es in „Prey“ nur bei diesem Ansatz. Daraus hätte man theoretisch mehr machen können. Eigentlich hätte man auch den Predator an sich rauslassen und sich nur darauf beziehen können, aber dann wäre das hier ein ganz anderer Film geworden. Wenigstens taucht es auf… und liefert dem Predator selbst auch noch ein paar ordentliche Action-Einlagen, in denen der sich richtig austoben darf. Weil immer nur gegen CGI-Tiere kämpfen, wäre auf Dauer auch langweilig geworden.

Oberflächlich betrachtet ist „Prey“ aber auch einfach nur der erste Predator mit amerikanischen Ureinwohnern. Statt Arnie haben wir Naru, die irgendwann auf sich allein gestellt gegen das Monster aus dem All angeht. Dabei muss sie auch Fallen bauen und ihren Kopf benutzen, um gegen dieses Übermonster vorzugehen. Hierbei hätte ich mir allerdings noch ein bisschen mehr gewünscht. Selbst Muskelberg Arnie musste irgendwann auf Finesse umsteigen, Fallen bauen, Köder auslegen. Amber Midthunder ist jetzt kein Arnie, aber geht trotzdem häufiger in den direkten Kampf mit dem Predator, was manchmal etwas surreal wirkt. Allein von der Größe und Kraftverteilung. Da hätte ich mir schon ein bisschen mehr Naru, die Fallenstellerin, etc. gewünscht.

Auch muss man einfach sagen, so ein richtiges Prequel ist „Prey“ jetzt auch nicht. Mehr über die Predator erfahren wir nicht. Nur eben über diese Waffe, die Danny Glover am Ende von „Predator 2“ bekam – und das ist dann wieder so ein Fakt, den ich nicht gebraucht hätte.

„Prey“ ist besser als erwartet, aber auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Den kann man sich einmal angucken und das war’s. Für mich ist das einfach einmal mehr der Beweis, dass es man es damals beim Arnie-Film hätte belassen sollen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (coole Idee, die mehr Potenzial hat als hier tatsächlich genutzt wird)

Ein Zug voller Killer

8. August 2022

Ich hatte wirklich überhaupt keinen Bock auf „BULLET TRAIN“. Der Trailer lief seit gefühlt einem Jahr vor so gut wie jedem Film. Das Einzige, was ich da immer mochte, war die japanische Version von „Stayin‘ Alive“. Ansonsten sah das für mich eher wie „John Wick“ aus – nur jetzt eben in einem Zug. Und selbst nach drei Filmen bin ich, was die „John Wick“-Filme angeht, immer noch nicht wirklich in diesem Hype drin. Ich mag die Action, aber irgendwann wird es mir da einfach zu viel. Regisseur David Leitch hat mir zudem bisher auch noch keine wirklich gute Geschichte erzählt. Auch sein „Atomic Blonde“ fand ich jetzt nicht berauschend und „Hobbs & Shaw“ war jetzt auch nicht so dolle. Das Einzige, was mit bei „Bullet Train“ immer etwas fasziniert hat, war die Tatsache, dass das Ganze auf dem gleichnamigen Buch des japanischen Autoren Kotaro Isaka basiert (das ich demnächst auch mal lesen werde). Aber natürlich habe ich mir „Bullet Train“ gegeben (wie bei den John Wick Filmen schulde ich das meinem 16-jährigen Ich, das selbst Mr. Wick abgefeiert hätte)… und ich wurde positiv überrascht.

Profikiller Ladybug (Brad Pitt) möchte eigentlich niemanden mehr töten. Er geht zur Therapie, meditiert und möchte lieber reden, statt sich zu prügeln. Deswegen nimmt er auch nur noch vermeintlich leichte Jobs an. Sein neuester erfordert von ihm nur, dass er in den Schnellzug von Tokio nach Kyoto steigt, dort einen Koffer stiehlt und an der nächsten Station wieder aussteigt. Easy peasy… doch der Koffer gehört den Killern Lemon (Brian Tyree Henry) und Tangerine (Aaron Taylor-Johnson), die im Auftrag des berüchtigten Unterweltbosses The White Death unterwegs sind… und auch noch dessen Sohn im Schlepptau haben. Als die nun feststellen, dass der Koffer weg ist und dann auch noch der Sohn ihres Auftraggebers stirbt, beginnt eine wilde Hetzjagd durch den Zug… und der ist voller Killer. Und Ladybug kommt so einfach nicht dazu, aus dem Zug friedlich zu entkommen.

Ich hätte nicht gedacht, wie viel Spaß ich mit „Bullet Train“ haben würde. Und ich glaube, es liegt wirklich daran, dass der Film auf einem Buch basiert. Was einfach bedeutet, wir haben hier gut ausgearbeitete Charaktere, die Spaß machen. Da wäre zum Beispiel Ladybug… die perfekte Rolle für einen Brad Pitt, der hier eine leicht trottelige, naive Art an den Tag legt, die aber darüber hinwegtäuscht, dass Ladybug doch einiges auf dem Kasten hat. Mein persönliches Highlight sind aber Aaron Taylor-Johnson und Brian Tyree Henry gewesen, deren Charaktere wirkten, als wären sie aus einem Guy-Ritchie-Film geklaut. Und die Tatsache, dass Henrys Lemon seine Sicht auf Menschen durch „Thomas, die Lokomotive“ erklären kann, ist witzig. Joey King, die als mysteriöse Fremde im Zug unterwegs ist, ist ebenfalls toll… sie ist der Joker des Films, bei dem man nie so richtig weiß, wann er wie zum Einsatz kommt. Sie geht von Queen Bitch zu verängstigtem Mädchen in Sekunden und spielt hier gekonnt alle gegeneinander auf. Verfeinert werden die Figuren durch kleine Rückblenden, in denen ihre Vorgeschichte auf süffisante (und auch wieder sehr an Guy Ritchie erinnernde) Art und Weise erzählt werden.

Ich hatte mit diesen Figuren echt viel Spaß, auch wenn David Leitch trotzdem noch zig anderen dazu packt, die dann am Ende doch etwas dafür sorgen, dass es ziemlich voll im Zug wird. Aber gut, es müssen ja auch ein paar Leute sterben. Dazu vermischen sich zahlreiche Cameos, die mal mehr und mal weniger gelungen sind, aber gut… konnte ich verschmerzen.

Spaß gemacht hat auch die Action. Einfach weil David Leitch natürlich, was Action angeht, zu den aktuell Besten gehört (und er war ja sogar Stunt-Double für Brad Pitt – u.a. in „Fight Club“). Dazu verbleiben wir die meiste Zeit im Film in diesem Zug, wodurch Action auf engstem Raum stattfinden und Leitch und sein Team dadurch sehr kreativ werden muss. Aber bei dem Typen, der uns „John Wick“ gebracht hat, braucht man sich da nicht zu sorgen. Die Action sitzt. Die Choreografien sind innovativ, witzig und eindrucksvoll – und vor allem nicht so kaputt geschnitten und unübersichtlich wie zum Beispiel zuletzt bei „The Gray Man“. Man erkennt hier was und sieht, dass sich Leute wirklich Gedanken gemacht haben.

Leider überzieht „Bullet Train“ dann zum Ende ein wenig seine Zeit. Zumal Leitch hier dann mit seiner Action doch auf einmal sehr viel größer werden möchte und das Ganze dann zu sehr in einem CGI-Gewitter untergeht. Außerdem findet der Film kein Ende, weil nach jeder neuen Offenbarung noch eine folgen muss, bevor der Abspann endlich läuft. Zusätzlich leidet das Finale von „Bullet Train“ daran, dass David Leitch uns ein bisschen für zu dumm hält und deswegen wirklich alles mit irgendwelchen kurzen Rückblenden noch einmal erklären muss. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist noch recht gut. Ich kann mir durchaus merken, was am Anfang des Films wichtig gewesen ist. Aber Leitch glaubt das nicht, also wird alles noch einmal gezeigt… unnötig und Zeit fressend, anstatt einfach ein rundes und passendes Ende zu liefern.

Nichtsdestotrotz hatte ich wider Erwarten Spaß. „Bullet Train“ ist lautes Popcorn-Kino mit bestens aufgelegten Stars und guter Action.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Cameo von John Wick hätte nur noch gefehlt)

Random Sunday #85: Batman Arkham Knight

7. August 2022

Was macht man bei Spielen, wenn man beim dritten Teil angekommen ist? Natürlich: Es muss alles nochmal eine Stufe größer und krasser werden. Das hat man sich auch bei der „Batman Arkham“-Reihe zu Herzen genommen und sich gesagt: „In Teil 3 wird alles größer und krasser“. Und deswegen ist „BATMAN: ARKHAM KNIGHT“ von seiner Karte auch einfach mal fünfmal so groß wie einst „Arkham City“. Aber ist es deswegen auch fünfmal besser? Das ist natürlich die Frage aller Fragen…

Neun Monate sind seit dem Tod des Jokers vergangen. Batman hat damit immer noch zu kämpfen und wird deswegen vom Geist seines alten Erzfeindes verfolgt. Doch das Verschwinden des Jokers sorgt natürlich dafür, dass sich andere Feinde aufstellen… hier kehrt dann Scarecrow wieder zurück und droht damit, Gotham City mit einem gefährlichen Angst-Gas lahmzulegen. Daraufhin flieht die Bevölkerung aus der Stadt, die nun von den übelsten Schurken und Subjekten besetzt wird – und ein Batman hier natürlich für Recht und Ordnung sorgen muss. Nur arbeitet Scarecrow nicht allein, sondern hat den mysteriösen Arkham Knight an seiner Seite, der sich immer wieder Batman in den Weg stellt.

Ich sage es einfach direkt: Die „Batman: Arkham“-Reihe ist wirklich großartig. Vom ersten bis zum dritten Teil lebt und atmet diese Reihe einfach Batman. Die Macher haben den Dunklen Ritter wirklich in sich aufgenommen und ihm Spiele gewidmet, die ihm absolut gerecht werden. Allein jetzt in Teil 3 ist die Tatsache, dass Batsy den Geist des Jokers mit sich herumschleppt, großartig. Natürlich hat Batman ihn nicht wirklich getötet, aber es belastet ihn so sehr, dass der Joker einfach überall auftaucht (und somit wird Mark Hamill ein weiteres Mal die Gelegenheit gegeben, als Joker zu zeigen, was er kann). Der düstere, melancholische Batman kommt auch im dritten Teil einfach echt gut zur Geltung… seine ganzen persönlichen Probleme und seine Vergangenheit werden gerade auch in diesem dritten Teil ausgegraben und belasten ihn an vielen Stellen sehr viel mehr (ohne jetzt zu viel verraten zu wollen). Gerade auch seine Beziehung zu Oracle wird weiter ausgebaut, seine Verbindung zu Commissioner Gordon und so weiter und so fort. Diese ganze persönliche Ebene des Dunklen Ritters bleibt auch im dritten Teil ein wichtiger Faktor für die Geschichte… denn am Ende bedingen sich hier immer wieder Held und Schurken. Die zentrale Frage „Würde es ohne den Batman überhaupt einen Joker geben?“ wird immer wieder angewendet…

Story technisch liefert „Arkham Knight“ noch mal ein viel psychologischeren Ansatz zum Superhelden, sorgt aber auch einfach für gute Spannung: Was hat Scarecrow wirklich vor? Wie hängt der Arkham Knight damit zusammen? Und am wichtigsten: Wer ist überhaupt der Arkham Knight? Das ist alles toll erzählt und wird, wie schon im zweiten Teil, durch zahlreiche Nebenmissionen durch weitere Charaktere aus dem Batman-Universum verfeinert. Man-Bat wird thematisiert, Mister Freeze, Mad Hatter, Professor Pyg, Deathstroke, Hush, Firefly… und noch so viele mehr. Auch hier lässt sich „Arkham Knight“ nicht lumpen und bindet diese ganzen Nebenmissionen auf schlüssige Art und Weise in die große Handlung des Spiels.

Das Spielerlebnis ist natürlich auch wieder durch das großartig flüssige Kampfsystem gegeben, dass mittlerweile so crazy geworden ist, dass sich Batsy (wenn man dann alles richtig auflevelt) wie ein Wirbelwind durch ganze Horden von Gegner prügeln kann. Man verliert zwar gerne mal den Überblick, haut einfach nur wahllos auf irgendwelche Knöpfe, aber es funktioniert und ist befriedigend, wenn man dann die letzte Sequenz bekommt, in der Batman seinen letzten Gegner ausknockt.

Durch die sehr viel größere Spielwelt ist natürlich auch das Gleiten durch die Lüfte (ich bin ein großer Fan davon) noch so viel angenehmer und erfüllender als im Vorgänger. Getoppt soll das Ganze dann durch das Aufkommen des Batmobils werden… und ja, es hat schon echt Spaß gemacht, mit dem Riesenteil durch Gotham zu jagen. Aber manche der Panzer-Missionen, die man damit absolvieren musste, waren doch etwas ermüdend und langweilig… und am Ende bin ich lieber weiter wie die Fledermaus durch die Luft geflogen als mit dem Batmobil auf dem Boden zu bleiben.

Insgesamt aber macht auch „Arkham Knight“ einfach sehr, sehr viel Spaß… und beendet die Arkham-Trilogie auf würdige Art und Weise (und ja, ich weiß, es gibt noch „Batman: Arkham Origins“ – das Prequel, das muss ich auch irgendwann nochmal nachholen).

Leider war nach „Arkham Knight“ echt Schicht im Schacht. Ich hatte mir danach ja immer mal ein Superman-Spiel in diesem Stile gewünscht, aber dazu ist es nie gekommen. Demnächst kommt dann aber was zu „Suicide Squad“ – das sah zumindest vom Trailer her interessant aus. Ich bin gespannt.

Das Heim der Waisen

5. August 2022

Wenn ich an Stop-Motion denke, denke ich mittlerweile sofort an die Laika Studios. Was die mit Filmen wie „Coraline“ oder „Kubo“ gezeigt haben, ist einfach nur der Hammer. Obwohl (und jetzt kommt Meckern auf extrem hohem Niveau) ich schon sagen muss, dass die Laika Studios zu perfekt geworden sind. Da sieht man ja kaum noch, dass das wirklich Stop Motion ist, weil jede Bewegung einfach so perfekt gemacht wurde. Diese Vermischung aus Computer-Effekten und Stop Motion lässt jeden Laika-Film einfach schon zu perfekt aussehen. Aber ab und zu mal so einen richtig handgemachten Stop-Motion-Film zu sehen, ist auch nicht verkehrt. Auf die Empfehlung einer Arbeitskollegin und guten Freundin hin bin ich so zu „MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI“ gekommen.

Der kleine Zucchini ist – durch einen dummen Zufall – für den Tod seiner Mutter verantwortlich. Daraufhin wird er in ein Heim gebracht, in dem andere Waisen und „Problemkinder“ untergebracht werden. Hier muss sich Zucchini erst einmal zurecht finden… als er dann Camille kennenlernt, verliebt er sich in das Mädchen. Deren Tante will alles daran setzen, die Kleine bei sich aufzunehmen – natürlich nur, um die Kohle vom Amt für sie einzusacken. Also macht es sich Zucchini zur Aufgabe, Camille zu retten.

Gerade mal sechzig Minuten ist „Mein Leben als Zucchini“ lang, aber meine Güte, was für ein unfassbar schöner Film das doch ist. Erst einmal ist diese Geschichte unglaublich gut. Vor allem traut sich diese Geschichte auch echt was. Ich meine, als Zucchini am Anfang aus Versehen mal seine Alkoholiker-Mama tötet, dachte ich noch: „Wow, ist nicht euer Ernst?“ Das war schon ein verdammt düsterer und harter Einstieg. Das kam unerwartet. Sowas kommt doch einfach nicht in einem niedlich aussehenden Stop-Motion-Film vor. Aber Regisseur Claude Barras geht mit diesem Thema unglaublich sanft um… scheut sich aber auch nicht, tief in die Wunde zu bohren.

Alle Kinder in diesem Heim haben unglaublich traurige Geschichten zu erzählen. Dennoch weigert sich Barras, sie auf ein Podest zu stellen, um einfach nur billig Mitleid zu erhaschen. Ja, jedes dieser Kinder hat etwas schreckliches durchgemacht, aber zusammen finden sie auch wieder zu Stärke zurück. Das fand ich einfach unglaublich schön an „Mein Leben ist Zucchini“. Das ist so ziemlich eine der härtesten Coming-of-Age-Geschichten, die ich kenne. Hier wird jede Untiefe ausgelotet, aber nicht um uns noch weiter runter zu machen. „Mein Leben als Zucchini“ ist da einfach bittersüß. Eine Geschichte mit unglaublich viel Herz, mit unglaublich viel Liebe zu seinen Charakteren.

Dazu ist das Ganze auch noch wunderschön in Szene gesetzt, sodass man sich gar nicht satt genug sehen kann. Hier ist das Stop-Motion halt nicht Laika-perfekt, aber perfekt für die Geschichte, die erzählt wird.

„Mein Leben als Zucchini“ ist wirklich ein kleines Meisterwerk, dass sich viel wagt und dabei noch mehr gewinnt.

Wertung: 10 von 10 Punkten (einfach nur WOW!!!!)

Joint Economic Area

3. August 2022

Meine Beziehung zu „Haus des Geldes“ ist gar nicht so einfach. Staffel 1 habe ich damals aufgrund des ganzen Hypes angefangen und mich dann selbst auch ein bisschen drin verloren. Staffel 2 wurde schnell gesuchtet und damit war die Serie ja eigentlich vorbei. Die Geschichte war gut auserzählt, alles hätte so schön sein können. Man hätte „Haus des Geldes“ erwähnen können, ohne auch nur ein „Aber“ anzuhängen. Aber: Weil das Ganze dank Netflix zu einem weltweiten Hit wurde, zogen die Macher nach, liefert den bescheuertsten Grund, warum der Professor und seine Crew den nächsten großen Banküberfall abziehen müssen und somit bekamen wir dann noch drei weitere Staffeln, die aber mit den ersten beiden nicht mithalten konnten. Nachdem Staffel 5 dann endgültig den Abschluss machte, hieß es natürlich: Es wird noch weitergehen. Ein Spinoff über Berlin wird noch kommen und ein koreanisches Remake stand damals auch in den Startlöchern. Jetzt ist „HAUS DES GELDES: KOREA“ (was für ein unspektakulärer Titel) da… und eine ziemliche Enttäuschung.

Korea im Jahr 2025: Der Norden und der Süden einigen sich darauf, das Land endlich wieder zusammen zu bringen. Es wird eine gemeinsame Wirtschaftszone errichtet und das Land wird geöffnet. So kommen viele Nordkoreaner in den Süden – unter ihnen auch die junge Lee Hong-dan (Jeon Jong-seo). Leider meint es das Leben nicht wirklich gut mit ihr, sie gerät auf die schiefe Bahn… und lernt so eines Tages den Professor (Yoo Ji-tae) kennen, der sie in sein Team aufnimmt. Mit dem will er die Notendruckerei in der Joint Economic Area überfallen.

Tja, und das ist es… das ist das ganze Remake. Ich weiß, es steckt ja schon im Namen „Remake“ drin, dass es eigentlich nur eine Kopie des Originals ist. Aber es gibt doch auch immer die Remakes, die etwas ganz Neues, etwas ganz Eigenes schaffen, die darauf verzichten, einfach nur eine billige Kopie zu sein. Ich weiß leider nicht, welche Vorlagen Netflix dem koreanischen Team hinter „Haus des Geldes: Korea“ gegeben hat, aber sie scheinen nicht darauf bedacht gewesen sein, wirklich was Neues zu liefern.

Denn: „Haus des Geldes: Korea“ ist eine nahezu 1:1 Kopie des spanischen Originals. Einzige Neuerung (neben dem offensichtlichen Standortwechsel) ist dieses futuristische Szenario eines wiedervereinten Koreas. Das Problem dabei ist nur, dieses politisch brisante und vor allem auch interessante Thema wird von den Machern der Serie so gut wie nicht genutzt. Hier und da taucht es mal in den Vorgeschichten der Charaktere auf (die hier in der Serie direkt zu Beginn erzählt werden), hier und da taucht es auch bei den Mitgliedern der Polizei auf, wenn die sich darüber streiten, ob die aus dem Norden oder die aus dem Süden nun bessere Ermittler sind. Aber ansonsten wird dieser Aspekt einfach recht stiefmütterlich behandelt.

Alles andere ist halt wirklich genau so, wie man es kennt. Das Team des Professors trägt sogar die gleichen Städtenamen. Wir haben also auch wieder Berlin, Tokio, Denver und Co. Wir haben in der Notendruckerei auch wieder einen arschigen Direktor, der eine Affäre mit einer Angestellten hat, die sich (ähnlich wie Stockholm im Original) zu Denver hingezogen fühlt. Draußen haben wir die taffe Polizistin (Kim Yunjin), die sich auf die Spur des Professors begibt. Nur für jemanden, der die spanische Serie gesehen hat, passiert hier einfach nichts Neues. Die Action ist die gleiche, die Konflikte sind die gleichen, die Beziehungen sind die gleichen, die Pläne des Professors sind die gleichen. Selbst das Set der Notendruckerei ist so stark an das Original angelehnt.

Und wie gesagt: Ja, ich weiß, Remakes sind manchmal einfach nur Kopien. Aber gerade die koreanischen Serien zeichnen sich doch eigentlich von einer besonderen Finesse aus. „Haus des Geldes: Korea“ lässt nichts davon verspüren. Hier merkt man wirklich mehr dieses finanzielle Denke: „Auf dem asiatischen Markt schauen sich die asiatischen Zuschauer lieber asiatische Produktionen an, also nehmen wir den westlichen Erfolg und pressen ihn irgendwie für den Markt zusammen.“ Jetzt würde mich natürlich mal interessieren, ob die Serie in Korea und Asien allgemein besser angekommen ist…

… immerhin haben sie ein paar echt bekannte Gesichter dabei. Tokio wird von Jeon Jong-seo gespielt, die schon in „Burning“ die Hauptrolle gespielt hat. Kim Yunjin kennt man bei uns vor allem als Sun aus „LOST“ und Yoo Ji-tae, der den Professor spielt, hat bei „Oldboy“ den fiesen Lee Woo-jin gespielt und Berlin-Darsteller Park Hae-soo war gerade erst in Netflix‘ letztem großen Hit „Squid Game“ zu sehen. Dem Cast kann man hier auch keinen Vorwurf machen, die geben sich echt Mühe, wirken nur eben manchmal wie Karikaturen der Originale, weil sie so verzweifelt dazu gebracht werden, eben diese zu kopieren anstatt etwas Eigenes einzubringen.

Von daher kann ich „Haus des Geldes: Korea“ wirklich niemandem empfehlen, vor allem nicht denen, die das Original kennen (und zumindest auch die ersten beiden Staffeln mögen).

Wertung: 2 von 10 Punkten (eine echte Qual)

Allein unter Männern

1. August 2022

Alex Garland gehört seit seinen Regie-Arbeiten auch zu denjenigen Regisseuren, deren Filme ich mir sofort angucken will. Immerhin hat er mit „Ex Machina“ und „Auslöschung“ zwei wirklich sehr starke, visuell beeindruckende und nachdenklich stimmende Filme gedreht. Der Mann lässt sich zwischen seinen Projekten viel Zeit und liefert gut was ab. Dementsprechend war ich auch wahnsinnig gespannt auf seinen ersten Horror-Film, den er jetzt mit „MEN“ in die Kinos gebracht hat… allerdings war und ist „Men“ ein Film, an dem ich immer noch etwas knabbere.

Harper (Jessie Buckley) hat ihren Mann (Paapa Essiedu) gerade erst verloren. Nach einem Streit, ausgelöst durch den Wunsch von Harper sich von ihm zu trennen, springt er aus der Wohnung über der ihren und bringt sich so selbst um. Um diese Tat und auch die Frage, ob sie daran Schuld trägt, zu verarbeiten, will Harper in einem kleinen Dorf für ein paar Wochen untertauchen. Sie mietet sich vom skurril-komischen Vermieter Geoffrey (Rory Kinnear) ein wunderschönes Haus mitten im Nirgendwo… doch die vermeintliche Ruhe ist nur von kurzer Dauer: Schon bei ihrem ersten Ausflug wird sie von einem verstörten, nackten Mann (Rory Kinnear) verfolgt… und damit beginnen dann eine Reihe äußerst merkwürdiger Ereignisse.

Es gibt ein paar Dinge, die haben mich schon während des Schauens irgendwie echt genervt. „Men“ ist von seiner Machart her ein typischer A24-Horror-Film, sehr langsam, sehr atmosphärisch, sehr bedrückend. Dabei benutzt Garland dann zusätzlich ein paar sehr offensichtliche Metaphern, die er leider nur teilweise echt überstrapaziert (und das nur von den Bildern gesprochen). Den Apfelbaum und eine Harper die sich davon einen Apfel nimmt, um schon mal die Frage der Urschuld der Frau zu thematisieren, passt da noch irgendwie mit rein. Aber gleichzeitig thematisiert „Men“ auch die Legende vom Grünen Mann, einer Gestalt, die für Wiedergeburt steht, für das Erwachen des Lebens nach dem Winter. In einer Kirche in dem Dorf prangt so eine Fratze, auf die dann immer wieder in laaaangsamen Kamerafahrten reingezoomt wird. Dahinter ist die Gestalt der Sheela na gig, das Bildnis einer Frau, die ihre Vagina weiter öffnet… und auch dieses Bild lieben Garland und seine Kamera so sehr, dass es immer und immer wieder gezeigt werden muss.

Bei „Men“ haben mich diese künstlerischen Spielereien zum ersten Mal echt gestört. Auch das Bild von einem toten, verwesenden Reh im Wald, das einfach mal so reingestreut wird… Garland möchte sehr viel Symbolik aufbauen, was er aber gar nicht auf so verkopfte Art und Weise machen muss. Denn er benutzt ein viel interessanteres Mittel, um die Art und Weise von Harpers Bedrückung deutlich zu machen.

Alle männlichen Figuren werden im Film von Rory Kinnear gespielt… und alle davon tragen etwas an sich, was unter dem Begriff „toxische Maskulinität“ fehlt. Vermieter Geoffrey erscheint harmlos, stellt aber auch immer wieder unangebrachte Fragen. Der Pfarrer konfrontiert Harper ebenfalls auf eine Weise, nach der ich es nur gerechtfertig gefunden hätte, wenn sie ihm eine Ohrfeige gegeben hätte. Der Polizist tut ihre Angst vor dem merkwürdigen nackten Mann als Hysterie ab und und und… wahrscheinlich werden sich Frauen bei diesem Film in zu vielen Episoden, die Harper mit Männern in diesem Film hat, auf die ein oder andere Art und Weise an bestimmte Situationen aus ihrem Leben zurückerinnern. Und das ist dann wieder diese starke Garland-Erzählweise, die für mich diese ganzen künstlerischen Spielereien nicht unbedingt braucht.

Denn das Thema allein, Harper und die Frage, wie viel Schuld trägt sie mit sich, reicht schon aus. Wenn der Film uns ihre Geschichte mit ihrem Mann erzählt, wenn wir sehen, wie sie behandelt wird – all das macht mehr als deutlich, wie absurd diese Schuldfrage ist und wie schwer sie doch gerade auf ihr als Frau lastet.

Jessie Buckley, die schon in „I’m thinking of ending things“ eine ähnliche Frauenrolle spielte, ist einfach nur fantastisch. Sie spielt dieses Gefühlsbad der Emotionen wirklich auf eine eindrucksvolle und bewegende Art und Weise. Rory Kinnear in den unterschiedlichen Rollen ist aber wirklich großartig – auch wenn sein CGI-Gesicht auf einem kleinen Jungen dann doch mehr absurd-lustig war als alles andere.

Ein weiterer Punkt, der mir mehr Stirnrunzeln bereitete, ist das Finale, von dem ich jetzt nichts großartiges verraten will – außer, dass Garland hier ein bisschen den Cronenberg raushängen lässt und uns eine äußerst „interessante“ Body-Horror-Sequenz liefert, die – im klassischen Stil von A24 – sehr graphisch wird. Allerdings hätte ich diese Szene, so sehr ich auch Fan von gutem Body Horror bin, so nicht gebraucht. Aber das ist persönliche Geschmackssache.

„Men“ ist trotz kleiner Meckereien ein sehr spannender, atmosphärischer Film, bei dem das Unbehagen ständiger Begleiter ist. Gleichzeitig ist es auch ein Film, der wirklich noch gut nachwirkt…

Wertung: 7 von 10 Punkten (Garland wirkt etwas platter, aber schafft trotzdem einen faszinierenden Film)

Random Sunday #84: Batman Arkham City

31. Juli 2022

Fortsetzungen bei Videospielen müssen einfach immer was besser machen als das Original… und in den meisten Fällen funktioniert das ja auch erstaunlich gut. Die Macher lernen aus den Fehlern des ersten Teils, verbessern Funktionen, erweitern die Welt, bauen auf dem Altbekannten auf und liefern etwas Neues. Warum das in den meisten Fällen bei Spielen so gut funktioniert, aber bei vielen Filmen irgendwie nicht… ist wahrscheinlich eine Frage für einen anderen Zeitpunkt. Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Video-Spielfortsetzung ist „BATMAN: ARKHAM CITY“…

Etwa 18 Monate nach den Ereignissen von „Arkham Asylum“ ist Arkham City zu einem riesigen Gefängnis geworden – stellt euch einfach New York aus „Die Klapperschlange“ vor, dann habt ihr ein Gefühl dafür, was euch in diesem Spiel an sich erwartet. Bei einer Verantstaltung wird Bruce Wayne gekidnappt und landet mitten in Arkham City, wo der Direktor der Anstalt, Hugo Strange, etwas Großes plant, das nur unter dem Titel „Protokoll 10“ bekannt ist. Nachdem Wayne sich befreit hat und in sein Batman-Kostüm geschlüpft ist, muss er Strange irgendwie aufhalten – und bekommt es dabei natürlich auch wieder mit dem Joker zu tun.

Wie schon erwähnt: „Batman: Arkham City“ ist wesentlich größer und bietet einem eine ganze Kleinstadt, um als Batman unterwegs zu sein. Und das ist für mich immer der größte Selling-Point dieses Spiels gewesen. „Arkham Asylum“ war schon toll, aber „City“ macht einfach alles besser. Endlich kann ich auf dem Dach eines Hochhauses stehen, über die Stadt blicken und mich dann einfach vom Rand stürzen, nur um mich mit Hilfe des Umhangs gekonnt in der Luft aufzufangen und wie die Fledermaus der Gerechtigkeit über die Straßen gleiten und nach dem Bösen Ausschau halten. Gott, wie habe ich es geliebt, genau das zu tun… wenn man das in Verbindung mit dem Greifhaken macht, braucht man nie wieder den Boden zu berühren. Deswegen ist „Arkham City“ für mich auch ein bisschen wie „Red Dead Redemption 2“ gewesen: Da bin ich teilweise einfach nur ewig mit meinem Pferd durch die Gegend geritten und habe storytechnisch nicht viel gemacht. Bei „Arkham City“ war es ähnlich – manchmal sahen die Kriminellen hier nur den fliegenden Schatten am Himmel, ohne das der irgendwas anderes gemacht hätte. Dieses Gefühl von Schwerelosigkeit hat mich in diesem Spiel einfach gepackt… und wenn man die Technik mal gut raushatte, war das einfach das Beste überhaupt.

Abgesehen vom Fliegen ist „Arkham City“ aber auch von der Story sehr spannend… weil hier werden wie schon im Vorgänger zahlreiche Batman-Schurken eingebaut. Hugo Strange und Joker leiten das alles ein. Wir kämpfen aber auch gegen Two-Face, Killer Croc, Bane und Mr. Freeze. Die Kämpfe sind abwechslungsreich und dieses Kampfsystem allgemein macht im zweiten Teil noch mehr Spaß. Man gleitet, wenn man alles richtig macht, einfach von Gegner zu Gegner und verprügelt massenweise „bad guys“. Einfach toll… dieses Mal kann man das zwischendurch sogar als Cat Woman machen (auch wenn ich es bescheuert fand, dass man mich im Spiel dazu zwingt, meine wertvollen Erfahrungspunkte auch für sie einsetzen zu müssen – dabei ist sie nicht großer Bestandteil des Spiels, levelt man sie aber nicht auf, hat man es in ihren Passagen echt schwer.)

Das Faszinierende an „Arkham City“ ist aber, dass die Hauptstory eigentlich gar nicht so lang geht. Gestreckt wird der Plot durch zahlreiche Nebenmissionen – auch wenn sich „gestreckt“ jetzt so negativ anhört, ist es aber nicht. Man sucht nach Deadshot, der Leute umbringt. Man bekommt es mit Hush und seinen Opfern zu tun. Der verrückte Hutmacher macht seine Aufwartung und auch Azrael. So gibt es auch neben der Aufklärung, was es mit Protokoll 10 auf sich hat, genug für den Dunklen Ritter zu tun… und in diesem Mix aus Open World, Detektiv-Spiel und Prügelspaß lebt es sich einmal mehr richtig gut im Kostüm von Batman.