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Im Maul des Drachen

23. November 2020

Ich bin sehr froh darüber, dass es mittlerweile mehr Kino-Special-Events auf denen Animes gezeigt werden, die man sonst so gar nicht zu Gesicht kriegen würde. Schön zu sehen, dass es wenigstens die Bemühungen gibt, uns Fans da auch das Ganze als Kinovergnügen zu ermöglichen. So kam ich dann auch zu „The Dragon Dentist“. Allein der Name klang schon sehr verheißungsvoll, nach dem Trailer stand dann auch schnell fest, dass ich das unbedingt sehen muss.

Wir befinden uns mitten im Krieg. Riesige Schlachtschiffe suchen das Meer nach dem Feind ab, der dann aber nicht vom Horizont kommt, sondern direkt aus dem Himmel. Ein riesiger Drache rauscht heran und vernichtet mit mehreren Bomben die Flotte. Der junge Offizier Bell stirbt bei dem Angriff… und wird im Maul des Drachen wiedergeboren. Denn seine Seele steigt aus einem Zahn des Drachen, woraufhin Bell nun Teil der Drachenzahnärzte ist, die sich darum kümmern, Viren und Bakterien davon abzuhalten, die Zähne des Drachen zu zerstören. Unter der Anleitung der jungen Zahnärztin Nonoko beginnt Bell seine Lehre… doch der Krieg tobt weiter und bedroht auch die Existenz des Drachens.

Jupp… so in etwa ist der absurde Ausgangspunkt von „The Dragon Dentist“. Das Ganze fing als achtminütiger Kurzfilm an, der Film jetzt ist das zusammengefügte zweiteilige TV-Anime-Special unter der Regie des Autors Otaro Maijo.

So ein bisschen fehlen mir immer noch die Worte… das war alles so merkwürdig surreal. Drachenzahnärzte; Viren und Bakterien, die teils als riesige Monster aus den Zähnen des Drachens hervorsteigen; Drachenzähne, in denen die Seelen der Toten verweilen; ein Krieg in einer Welt, von der man nichts weiß; ein Drache, von dem man nichts weiß. Ich war in gleichen Teilen fasziniert und irritiert von dieser Geschichte und dieser Welt, die mir da von der Kinoleinwand entgegensprang. Irritiert von daher, dass so vieles ungeklärt und unerklärt bleibt. Hinter der Idee von „The Dragon Dentist“ steckt eine riesige Welt, die sich lohnt, weiter ausgebaut zu werden. Da ist so vieles, was man aus dieser ganzen Geschichte noch machen könnte. Nur ein Film ist fast schon zu schade. Die ganze Zeit wollte ich eigentlich auch mehr über diesen Krieg erfahren, über den (wahrscheinlich?) letzten Drachen und überhaupt… „The Dragon Dentist“ hat mich mit mehr Fragen zurückgelassen, worüber ich mich aber nicht einmal richtig beschweren kann. Nur der Wunsch bleibt, dass da noch mehr zu kommen möge, um mir noch mehr von dieser Welt zeigen zu können.

Damit sind wir dann bei der Faszination von „The Dragon Dentist“. Dieser Drache, der gemächlich durch die Luft fliegt, auf dem sich ganze Gemeinschaften gebildet haben. Die Drachenzahnärzte und die einzelnen Zahnfeinde. Der Krieg und die Tatsache, dass dieser Drache offensichtlich das Normalste dieser Welt ist. Das war toll, das war spannend und faszinierend. Auch optisch macht „The Dragon Dentist“ einiges her und sieht echt gut aus. Die Animationen fügen sich gut in die Geschichte ein. Alles rund um die Ärzte und den Drachen ist recht klassisch gezeichnet, aber einige der Viren, die dann aus den Drachenzähnen kommen, wirken wie Wesen, die aus einer ganz anderen Welt stammen könnten. Ein Wesen, gerade zum Ende hin, hat mich sehr an die Gestalten aus der Cyberpunk-Manga-Reihe „Blame!“ von Tsutomu Nihei erinnert. Jeder, der die Reihe ein wenig kennt, weiß, dass die sehr skurrile Kreaturen hervorgebracht hat.

„The Dragon Dentist“ ist ein faszinierender kleiner Anime, der – für sich allein gestellt – deswegen ein wenig enttäuscht, weil man einfach noch mehr davon sehen will, mehr über all das erfahren will. Insgesamt ist es ein spannender Film, der aber das Potenzial hätte, so viel mehr zu sein.

Wertung: 7 von 10 Punkten (daraus sollte dringend eine Reihe werden – ob Manga oder Anime ist mir egal, ich will nur gerne mehr davon wissen)

Random Sunday #43: What Remains of Edith Finch?

22. November 2020

Kennt ihr dieses Loch, in das man nach einem richtig guten Game fällt? Wenn man gerade irgendwie so ein High hat, dass man direkt den nächsten Kracher zocken möchte, nur um dann festzustellen, dass man irgendwie nicht das findet, was man jetzt gerade braucht? Nachdem ich „The Last of Us Part II“ durchhatte, konnte ich dieses Loch gut umgehen, weil direkt schon „Ghost of Tsushima“ auf mich wartete und mich dann auch sehr, sehr lange beschäftigte. Doch das machte das Loch letztendlich nur größer, als ich dann mit Jin Sakai und der Rettung seiner Heimat fertig war (und – um nochmal damit angeben zu können – ich war ja Platin-fertig mit dem Spiel). Da habe ich lange nach irgendwas gesucht, was mich fesseln könnte… zumal ich schon sehr wählerisch bin und nicht einfach alles spiele. Die nächsten großen Titel, die für mich so interessant sind, sind auch noch in ferner Zukunft (wie eben zum Beispiel: „Horizon: Forbidden West). Daher fiel meine Wahl nach langem Hin und Her mal auf etwas Kleineres, dass mich dann aber schwer begeistert hat: „What Remains of Edith Finch?“

Als Edith Finch kehren wir nach dem Tod unserer Mutter in das Haus der Familie Finch zurück, um herauszufinden, was es mit dem mysteriösen Schlüssel auf sich hat, den wir geerbt bekommen haben. Das Haus selbst ist ein riesiges Wirrwarr aus Fluren, Türmen und was nicht noch alles. Hier durchforsten wir die Zimmer einzelner Familienmitglieder, die alle auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Durch die Zimmer schlüpfen wir in die Rolle des jeweiligen Familienmitglieds und erleben deren Geschichte.

„What Remains of Edith Finch?“ ist allein deswegen schon mein Spiel gewesen, weil es mich einfach in einem fremden Haus in Ruhe herumstöbern ließ. Ja, ich gestehe es, gerade jetzt, wo es früh dunkel wird, schmule ich gerne ich die erleuchteten Fenstern und gucke mir an, wie die Leute so leben. Und nein, bevor hier jetzt jemand die Polizei ruft, ich stehe nicht vorm Fenstern wie ein Serienkiller und nein, ich mache auch keine Fotos. Ist nur immer irgendwie ganz interessant. Naja… auf jeden Fall ist das Haus der Familie Finch auch sehr spannend, weil es so herrlich verschachtelt ist und jedes Zimmer einem mehr Hinweise auf die Geschichte der Familie gibt.

Doch „What Remains of Edith Finch?“ ist kein bloßes Haus-Erkundungsspiel, sondern eigentlich eine Spiele-Sammlung. Denn mit jedem Flashback, den wir erleben, gibt es etwas Neues zu entdecken. Auch spielerisch. In einem Spiel werden wir erst zur Katze, dann zur Eule, auf einmal zum Hai und am Ende zu einem riesigen Tentakel-Monster. Eine andere erzählt von einer jungen Frau, die zur Musik aus John Carpenters „Halloween“ im Haus nach einem Killer sucht. Wieder eine andere zeigt einen psychisch labilen jungen Mann, der bei seiner Arbeit in einer Fischfabrik der Monotonie seines Lebens entkommt und sich in eine Fantasie-Welt flüchtet. Diese Welt wird immer elaborierter und ausgefeilter, bis man sich selbst vollkommen darin verliert.

Jede einzelne Episode ist spielerisch und erzählerisch was ganz Neues… und für die kurze Zeit, in der man in ihnen „gefangen“ ist, geht man voll darin auf. Vor der Kreativität, die nur in diesem einen Spiel steckt, könnten sich so manche Geschichtenerzähler eine Scheibe abschneiden. „What Remains of Edith Finch?“ fesselt gerade auch wegen der Neugier, die einen immer weiter vorantreibt. Fesselt wegen der Lust an der nächsten ungewöhnlichen Geschichte.

Das Spiel selbst hat man in knapp drei oder vier Stunden durch. Für Hardcore-Zocker ist es vielleicht nichts, weil man keiner wirklichen Gefahr gegenübersteht. Hier geht es ums Erzählen einer spannenden Geschichte auf die bestmögliche Art und Weise – und mit sehr viel Kreativität. Es ist ein wenig so, als hätte man einen verdammt guten Roman – nur eben als Spiel.

„What Remains of Edith Finch?“ kann ich echt nur jedem empfehlen. Das ist wieder so eins der Spiele, dass man Leuten zeigen kann, die Zocken nur als blöden Zeitvertreib ansehen. Klar, irgendwo ist es das natürlich auch, aber es ist eben auch eine ganz eigene Kunstform, die gerade in solchen kleinen Indie-Games sehr schön zur Geltung kommt.

Filmreise Etappe #57: Bilder, die aus Schmerz entstanden

20. November 2020

Ich kann nicht zeichnen. Selbst wenn es um mein Leben gehen würde, könnte ich kein ordentliches Bild zustande bringen. Was früher im Kunstunterricht immer gerade so noch ging, war das perspektivische Zeichnen mit Fluchtpunkten. Aber das war auch nicht richtig zeichnen… ich weiß, wir mussten einmal unser Selbstporträt zeichnen. Das war eine mittelschwere Katastrophe, in der man mich nur anhand der Brille identifizieren konnte. Doch ich bewundere (und beneide) Menschen, die wirklich zeichnen können (gerade in meiner Comic-Hochphase hätte ich mir auch mehr gewünscht, zeichnen zu können, um mal hier und da meine Ideen zu Comics zu machen). Somit kommen wir dann zur Dame des Tages, die wundervolle, aber auch sehr verstörende Bilder gezeichnet hat: Frida Kahlo. Regisseurin Julie Taymor widmete der mexikanischen Künstlerin 2002 den Film „Frida“ mit Salma Hayek in der Hauptrolle.

„Frida“ wagt auch den Rundumschlag und porträtiert das Leben der Malerin nahezu komplett. Wir erfahren, wie sie als junge Frau durch einen schweren Busunfall schwer verletzt wurde, wodurch sie ihr Leben lang Schmerzen haben würde. Wir erleben die ersten Zusammentreffen mit dem großen Künstler und Schwerenöter Diego Rivera (Alfred Molina), der Frida anzieht und auch in seinen kommunistischen Freundeskreis aufnimmt. Die beiden heiraten, reisen später in die USA, wo sie eine Fehlgeburt erleidet (was auf ihren Unfall zurückzuführen ist) und dann wieder zurück nach Mexiko. Hier kommt es zum Bruch zwischen Frida und Diego, als der was mit ihrer Schwester Cristina (Mia Maestro) anfängt. Später gewähren die Zwei Leon Trotsky (Geoffrey Rush) Asyl, mit dem Frida wiederum eine Affäre anfängt… und das Ganze endet dann mit dem Tod.

Für zwei Stunden Film hat sich auch Julie Taymor nicht entscheiden können, irgendwas wegzulassen. Aber was ich sonst bislang bei so vielen Biopics (mal mehr und mal weniger) bemängelt habe, funktioniert für „Frida“ ziemlich gut. Muss es auch, baut doch alles aufeinander auf… allein der Busunfall lenkt Fridas Leben ja schon in andere Bahnen, was man natürlich als Zuschauer wissen muss. Gleichzeitig schafft es Taymor so auch wunderschön, das Werk von Kahlo in ihren Film zu integrieren. So wird jedes Bild von Frida wie eine Art Kapitelmarke genutzt… und wir als Zuschauer erleben so die Geschichte hinter dem Bild. Auf diese Weise wird „Frida“ zu einem Biopic und einer sehr schönen Werkschau der Künstlerin, bei der Julie Taymor auch noch auf sehr kreative Art und Weise, Frida Kahlos Bilder fast wortwörtlich zum Leben erweckt. Gerade bei einer Künstlerin wie Frida Kahlo, bei der Surrealismus und Biografisches in die Bilder eingeflossen sind, ist das unglaublich hilfreich.

Neben der Werkschau steht natürlich die Frau Frida Kahlo selbst im Hintergrund… und die stellt Salma Hayek auf extrem starke Weise dar. Mit „Frida“ befreite sich Hayek von ihrer Rolle als Sex-Symbol, das sie vor allem durch ihren Auftritt in „From Dusk till Dawn“ und irgendwie auch ein bisschen in „Wild Wild West“ hatte und beweist, das sie eine tolle Schauspielerin ist. Natürlich lebt auch „Frida“ von der Freizügigkeit einer Salma Hayek, wodurch aber einfach nur die Freizügigkeit der Kahlo widergespiegelt wird – die sowohl in der Kunst als auch in der Liebe alles erleben und erfahren wollte. „Frida“ zeigt uns eine unglaublich starke Frau, die trotz ihrer Schicksalsschläge nicht aufgibt, die ihren eigenen Willen durchsetzt und für sich selbst geradesteht. Sie ist eine Frau geleitet von ihren Emotionen und Gefühlen, die alles, was sie tut, mit einer Leidenschaft macht, die beneidenswert ist.

Hayek geht so in dieser Rolle auf und spielt wirklich alle an die Wand. Ein Alfred Molina spielt zwar gut auf, kann ihr aber auch nicht das Wasser reichen. Hayek ist unser Ankerpunkt durch ein Leben geprägt von Schmerz, den Frida durch ihr einnehmendes Wesen aber gekonnt in den Hintergrund drückt. Nur in ihren Bildern erleben wir dann diesen Schmerz… und er ergreift dann auch uns als Zuschauer.

„Frida“ ist ein wirklich wundervoller Film, der als Biopic wirklich alle wichtigen Etappen in Kahlos Leben abgrast, ohne dabei überladen zu wirken. Julie Taymor navigiert ihre großartige Hayek durch das wahnsinnige Leben einer faszinierenden Frau (dafür hätte Hayek aber sowas von den Oscar verdient).

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hayek in der Rolle ihres Lebens)

Wir sind Dali!

18. November 2020

Eine Kollegin von mir hatte mich vorgewarnt und gemeint: „Naja, es gibt einige Leute, die mit der dritten Staffel von ‚Haus des Geldes‘ nicht so viel anfangen können.“ Keine gute Voraussetzung, zumal ich mich nach dem abgerundeten Finale von Staffel 2 eh gefragt habe, wie die Serienmacher es irgendwie rechtfertigen wollen, dass die Serie nun doch noch weitergeht. Aber wir leben nun einmal in einer Zeit des Kapitalismus, wenn etwas Geld bringt, dann wird es weitergemacht – solange bis kein Geld mehr fließt. Künstlerische Integrität wird da dann gerne mal über Bord geworfen… und ja, ich sage das jetzt so drastisch, weil sich das in Staffel 3 von „Haus des Geldes“ leider wirklich genau so anfühlt.

Zwei Jahre sind nach dem spektakulären Überfall auf die Banknotendruckerei vergangen. Der Professor (Alvaro Morte) genießt sein Leben mit Ex-Inspectora Raquel (Itziar Ituno) und der Rest seines Teams macht es ihm gleich. Sie sind verstreut in der ganzen Welt… doch es kommt, wie es immer kommt: Der Faktor Mensch kommt dazwischen. Rio (Miguel Herran) und Tokio (Ursula Corbero) haben ihr einsames Inselleben satt… zumindest geht es Tokio so. Also zieht sie zum Feiern ein bisschen um die Häuser. Weil die beiden, um in Kontakt zu bleiben, verfolgbare Satelliten-Telefone benutzen, kann Rio gefangen werden. Doch statt einem fairen Prozess zu bekommen, wird er brutal gefoltert. Daraufhin findet sich das Team wieder zusammen… um jetzt die spanische Zentralbank um ihre Goldvorräte zu erleichtern und um so die Freilassung von Rio zu erzwingen (????). Die schwangere Inspectora Alicia Sierra (Najwa Nimri) übernimmt nun die Aktion von Seiten der Polizei.

Schon während der ersten Folge war ich eigentlich nur noch am Fluchen. Das war wirklich so dermaßen an den Haaren herbeigezogen. Erst in Folge 2 oder 3 wird dann mal erklärt, dass die Bankräuber mit ihren Dali-Masken so eine Art Freiheitssymbol geworden sind. Wieso, weshalb, warum… wird aber auch nicht deutlich. Das ist einfach so, weil man es für die Story noch braucht. War der erste Bankraub noch eine verhältnismäßig kleine Sache in der Öffentlichkeit, stehen nun sofort Massen an Demonstranten und Dali-Befürwortern vor der Bank. Das kommt einfach aus dem Nichts. Wenn sie das wenigstens schon mal in den ersten zwei Staffeln angesprochen hätten… aber ja, upps, es war ja nie geplant, mehr als diese ersten zwei Staffeln zu machen. Also muss man das jetzt in Staffel 3 irgendwie mehr schlecht als recht dazuschreiben. Nicht so clever, wenn ich ehrlich bin.

Überhaupt… dieser ganze Bankraub ist auch mehr als nur dämlich. Weil einer gefangen wird, muss man eine Bank überfallen??? Wo genau, lieber, schlauer Professor, steckt da die Logik??? Und offensichtlich gab es diesen Plan schon lange, lange vorher. In Rückblenden, die uns wenigstens ein Wiedersehen mit Berlin (Pedro Alonso) bescheren, erfahren wir, dass es beide Pläne schon früher gab: das mit der Notendruckerei und mit der Bank. Ich wette, irgendwann zeigen sie uns noch einen dritten Plan, damit sie auch noch für weitere Staffeln vorbereitet sind. Das hat leider alles als Erklärung für mich nie wirklich ausgereicht.

Dazu kommt, dass alles in der Bank nach dem schon bekannten Schema abläuft. Die Eingangshalle mit seiner Galerie und den Treppen ist auch gleich mal das recycelte Set der Notendruckerei. Da hätten sie sich doch wenigsten mehr Mühe geben können. Der Überfall selbst ist auch längst nicht mehr so spektakulär in Szene gesetzt wie noch in den ersten beiden Staffeln. Jetzt geht es mehr um das Politikum, um Rio und bla bla bla… als sie es dann auch noch schaffen, diesen nervigen Arturo (Enrique Arce) wieder einzuführen (er rennt freiwilllig in die Bank – aus Gründen…), war ich endgültig fertig mit dieser Staffel.

Fühlten sich die ersten beiden wirklich noch gut an und hatten Spannung zu bieten, ist Staffel 3 ein kalter Aufguss von dem, bei dem sich die Macher (offensichtlich verzweifelt) irgendwas aus dem Arsch gezogen haben, um die Story noch irgendwie weiter zu erzählen. Neuzugang Najwa Nimri als Süßigkeiten liebende Inspectora mit einem Hang zu radikaleren Methoden ist immerhin wirklich gut und auch Berlin-Ersatz Palermo (Rodrigo de la Serna) funktioniert gut.

Wenigstens im Finale liefert Staffel 3 dann ein bisschen Spannung. Leider ist es da auch irgendwie schon zu spät. Während ich die ersten beiden Staffeln noch relativ schnell durchgeschaut habe, bin ich nun am Tiefpunkt angekommen. „Haus des Geldes“ hat sich in meinen Augen nicht sonderlich gut in seine Weiterführung der Story eingefügt. Ich bin gespannt, ob Staffel 4 irgendwas retten kann… mittlerweile bezweifle ich das jedoch mehr und mehr.

Wertung: 4 von 10 Punkten (alles an dieser Fortsetzung stinkt einfach im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln ab)

Von Mäusen und Hexen

16. November 2020

Der Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (der immer noch schändlicherweise auf meiner To-See-Liste steht) gilt ja gemeinhin als einer der besten Horror-Filme (auch wenn ich das nach wie vor noch nicht beurteilen kann). Auf jeden Fall sorgte Regisseur Nicolas Roeg mit diesem Film für Aufsehen… da verwundert es einen schon fast, dass sich so jemand ausgerechnet eine Kinderbuchverfilmung vornimmt. Gleichzeitig schürt das natürlich auch große Erwartungen: Wird das am Ende überhaupt noch ein Kinderfilm sein oder selbst für Erwachsene zu verstörend? Zumindest kenne ich einige Leute, die durch sein „Hexen hexen“ von 1990 als Kinder sehr in Schockstarre versetzt wurden. Nachdem ich das nicht ganz so tolle Remake von Robert Zemeckis vor kurzem gesehen hatte, wollte ich das Original nicht ausfallen lassen.

Luke (Jasen Fisher) ist gerade mit seinen Eltern in Norwegen, um Oma Helga (Mai Zetterling) zu besuchen. Als Lukes Eltern bei einem Autounfall sterben, zieht Oma Helga mit dem Jungen allein nach England zurück. Hier wird Oma Helga dann aber krank und der Arzt empfiehlt einen Urlaub am Meer. Daraufhin fahren Oma und Enkel in ein beschauliches Hotel… in dem aber ein Kongress von Hexen tagt, die alle Kinder der Welt in Mäuse verwandeln wollen. Natürlich kennt sich Oma Helga gut mit Hexen aus, doch trotzdem wird das Ganze zu keiner leichten Aufgabe.

Von der Geschichte bleiben sich dieses Original und das Remake recht getreu. Aber dennoch fängt Roeg schon sehr früh an, mit sehr verstörend unheimlichen Bildern zu spielen. Während bei Zemeckis die beste Freundin der Oma von einer Hexe in ein Huhn verwandelt wurde, erzählt Roeg eine viel spannendere Geschichte. Auch im Original wird die beste Freundin der Oma verhext, landet aber in einem Gemälde ihres Vaters, in dem sie dann auch noch altert und schließlich stirbt. Das war ziemlich kraftvoll und hatte eine größere Wirkung auf mich, als das kleine Mädchen, das im Remake zu einem CGI-Huhn wird. Roeg will in seinem Film nicht zu sehr auf kinderfreundlich machen… und mit Sicherheit muss man bei seinem „Hexen hexen“ eher aufpassen, ob man den wirklich seinen Kindern zeigen sollte.

Auch sonst geht er hier nicht zimperlich mit uns Zuschauern um. Oberhexe Eva Ernst (Anjelica Huston) schubst auch mal in bester „Panzerkreuzer Potemkin“ einen Kinderwagen weg und nimmt den Tod eines Babys in Kauf. Hier werden auch Mäuse, die möglicherweise Kinder sind, einfach mal zertreten und platt gemacht. Das war für Zemeckis dann doch zu viel, aber für Roeg genau richtig. Womit wir dann zu Anjelica Huston kommen…

… zu ihrem Hexen-Make-Up muss ich wohl nicht mehr viel sagen. Das ist einfach nur herrlich gruselig und schön schaurig. Mit viel Liebe fürs Detail hier gearbeitet wurde, ist einfach unglaublich. Die Maske ist der Wahnsinn… und genau diese Art von Schaueffekt fehlte dem Remake. Huston, die auch sonst eine tolle Figur als fiese Hexe abgibt, wird hier nochmal auf eine ganz andere Ebene erhoben. Vor dieser Hexe muss man wirklich Angst haben. Schauspielerisch wirkt Huston auch viel gemeiner als eine Hathaway, die halt sehr gekünstelt (aber dennoch gut) aufspielt. Im direkten Vergleich Huston vs. Hathaway gewinnt die alte Hexen-Lady – nicht nur wegen ihrer tollen Maske.

Auch die Tatsache, dass bei Roeg das CGI fehlt, hat mir gut gefallen. Hier wird mit echten Mäuschen und Puppen aus dem Hause Jim Henson gearbeitet. Das sieht zwar manchmal etwas witzig aus, wenn da eben noch eine richtige Maus lang läuft und wenig später eine kleine, halbverdeckte Puppe spricht. Aber es funktioniert… und macht das Ganze alles greifbarer.

„Hexen hexen“ ist ein fantastischer Film, der diese Geschichte rund um fiese Hexen und kleine, tapfere Mäusekinder mit viel mehr Herz erzählt, als es der neue Film kann. Was aber auch daran liegt, dass Zemeckis in seiner Erzählung auf Nummer Sicher geht und einem nicht zu viel zumutet. Diese Rückhaltung hat ein Roeg nicht und geht – für einen Kinderfilm – schon in die Vollen. Dennoch gewinnt er dadurch langfristig… sein Film ist viel schöner, viel fantastischer und eben auch viel gruseliger.

Wertung: 8 von 10 Punkten (kann sich auch nach 30 Jahren sehen lassen)

Filmreise Etappe #56: Kämpfe für deine Vision!

13. November 2020

„Plan 9 from Outer Space“ ist einer dieser Filme, den ich unbedingt gucken muss. Nicht etwa, weil er als einer der schlechtesten Filme überhaupt gefeiert wird. Nein, weil Mulder aus „Akte X“ diesen Film zig tausend Mal schon gesehen… und dass das noch nicht auf mich abgefärbt ist, ist schon eine Schande. Wegen Mulder habe ich dieses „I Want To Believe“-Poster jahrelang an meiner Wand gehabt. Wegen Mulder wollte ich immer unbedingt Anzüge tragen. Wegen Mulder habe ich angefangen, Sonnenblumenkerne zu essen. Warum also nicht endlich auch mal „Plan 9 from Outer Space“ gucken? Vielleicht weil Filme, die als die „schlechtesten aller Zeiten“ gefeiert werden, auch wirklich so schlecht sind? „The Room“ war ja auch schon eine mittelschwere überschwere Katastrophe. Aber der Film „The Disaster Artist“ zeigt auf witzigere Art und Weise, wie dieser Film zustande kam. Etwas ähnliches gibt es auch für „Plan 9 from Outer Space“. Tim Burton widmete sich 1994 dem Mann hinter diesem „Katastrophenfilm“ und brachte mit Johnny Depp „Ed Wood“ in die Kinos.

Ed Wood (Depp) versucht irgendwie in Hollywood Fuß zu fassen. Doch ist das gar nicht so einfach. Als er aber sein großes Idol Dracula-Darsteller Bela Lugosi (Martin Landau) trifft, soll sich alles ändern. Mit einer kleinen Notlüge ergaunert er sich schließlich den Regie-Posten für den Film „I Changed My Sex!“, den Produzent George Weiss (Mike Starr) drehen will. Ed bekommt den Job, weil er Weiss gesteht, dass er sich selbst gerne Frauenkleidung anzieht. Aus „I Changed My Sex!“ wird „Glen or Glenda“, in dem er seinen Star Lugosi mit auftreten lässt. Der Film wird ihm allerdings um die Ohren gehauen, aber Wood gibt nicht auf. Er sucht weiter nach Finanziers und dreht schon bald seinen nächsten Film „Bride of the Monster“, bevor er dann endlich zu den Dreharbeiten von „Gravediggers from Outer Space“ übergeht (der später dann als „Plan 9 from Outer Space“ in die Geschichte eingehen wird).

Wie jedes Biopic leidet auf „Ed Wood“ daran, dass einfach viel zu viel in diesen Film gestopft wird. Die Schaffensphase dreier Filme, wobei jeder einzelne dieser Filme einen eigenen Film getragen hätte. Irgendwo dazwischen wird noch das Thema des Transvestiten Ed Wood gepackt, was aber auch nur zu Beginn wirklich angesprochen wird… und dann hätten wir eben noch den Künstler, der um seinen Traum kämpft. Und schließlich noch das, was diesen Film zusammenhält: Die Freundschaft zwischen Ed Wood und Bela Lugosi.

Aber trotz der Fülle an Material, die Tim Burton uns präsentiert, wird „Ed Wood“ nie langweilig. Im Gegenteil, ich hatte unheimlich viel Spaß mit diesem Film… und wie gesagt, von mir aus hätte jeder einzelne Film noch länger thematisiert werden können. Was Burton nämlich wundervoll macht, ist uns einen Einblick in die Schaffensweise eines B-Movie-Regisseurs zu geben. Obwohl Ed Wood ja schon fast Guerilla-Methoden verwendet. Er klaut Requisiten, dreht ohne Genehmigungen und lässt alles in kürzester Zeit abdrehen. Als Behind-the-scenes-Film funktioniert „Ed Wood“ wunderbar und zeigt uns dabei sehr schön, wie schwer es gewesen ist, selbst Low-Budget-Filme zu drehen.

Was „Ed Wood“ zusätzlich so sehenswert macht, ist unser „Titelheld“. Johnny Depp in dieser Rolle ist einfach nur super. Dieser wie angemalte Schnurrbart, die gegelten Haare und vor allem dieses ständige Grinsen, das irgendwo zwischen manisch und freudig erregt hin und her schwankt – all das ist einfach so gut. Depp geht in der Rolle des Filmemachers auf und zeigt uns einen Mann angetrieben von seinen eigenen Träumen. Depps Ed Wood ist ein Kämpfer, jemand, der sich durch nichts und niemanden unterkriegen lässt. In gewisser Weise ist „Ed Wood“ das Feel-Good-Movie eines gescheiterten Mannes. Aber Ed Wood ist ein Steh-Auf-Männchen sondergleichen. Egal, ob er aus seiner eigenen Premiere verjagt wird, Produzenten ihm mit dem Tod drohen oder er gegen nervende Geldgeber ankämpfen muss, für ihn steht der Film an erster Stelle. Johnny Depp ist so unglaublich gut in dieser Rolle…

Martin Landau, der für seinen alten Bela Lugosi sogar mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, passt da perfekt dazu. Gemeinsam mit Depp spielt sich dieser alte Haudegen direkt in unsere Herzen. Hier haben wir ein tolles Leinwand-Duo, die einander mehr brauchen, als es zu Beginn den Anschein hat.

Der komplette Cast des Films, Bill Murray, Patricia Arquette, Sarah Jessica Parker und und und, macht „Ed Wood“ zu einem tollen Film. Aber gerade Depp und Landau machen ihn wirklich sehenswert. Gepaart mit Burtons Liebe fürs makabre Kino, die Liebe zum Detail und dieser Mix aus Biopic, Behind the scenes und B-Movie-Best-Of in tollem Schwarz-Weiß-Look ist „Ed Wood“ eine tolle Liebeserklärung ans Kino und ein schönes Denkmal für einen mehr als nur ambitionierten Regisseur. Jetzt muss ich mir wirklich nur noch sein „Meisterwerk“ anschauen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Ed Wood sollte man sich in gewisser Weise als Vorbild nehmen und sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen lassen, sondern einfach weitermachen!!!)

The Lady of the Lake

11. November 2020

Letztes Jahr fand ich mit Mike Flanagans „The Haunting of Hill House“ eine meiner Lieblingsserien des Jahres. Ich fand diese Serie von vorne bis hinten einfach nur wunderbar. Herrlich gruselig, wunderbar emotional, optisch ein Traum, darstellerisch von den Kinderdarstellern bis hin zu den Erwachsenen einfach nur perfekt besetzt. „The Haunting of Hill House“ hatte wirklich alles, um es rundum zu einem sehr aufregenden Serien-Erlebnis zu machen. Ich war dann auch sehr froh, als es hieß, das Ganze würde man als Anthologie-Serie umsetzen und mit jeder Staffel eine neue Geschichte erzählen. Halt wie „American Horror Story“ – nur basierend auf alten Gruselgeschichten. Für Staffel 1 wurde Shirley Jacksons Roman umgesetzt, Staffel 2 sollte nun lose auf der Novelle „The Turn of the Screw“ von Henry James basieren.

Die junge Amerikanerin Dani (Victoria Pedretti) wird zum Kindermädchen auf dem Anwesen Bly Manor. Henry Wingrave (Henry Thomas) will, dass sie dort auf die Kinder seines Bruders aufpasst, der zusammen mit seiner Frau  sehr früh verstarb. Mit Flora (Amelie Bea Smith) und ihrem Bruder Miles (Benjamin Evan Ainsworth) hat Dani nun zwei Kinder unter ihrer Obhut, die es nicht leicht hatten… und deswegen etwas merkwürdig sind. Doch schnell muss Dani feststellen, dass nicht alles auf Bly Manor mit rechten Dingen zu geht. Die Geister der Vergangenheit lassen das Anwesen nicht in Ruhe.

Neue Story, fast neue Darsteller. Victoria Pedretti kennen wir aus Staffel 1 natürlich als Nell. Oliver Jackson-Cohen, der ihren Bruder Luke spielte, ist hier nun als undurchsichtiger Peter Quint zu sehen. E.T.s bester Freund Henry Thomas ist als Onkel mit dabei, seine einstige Frau Carla Gugino fungiert in Staffel 2 als Erzählerin. Kate Siegel, die wir als Theo kennenlernten in „Hill House“, taucht hier nur in einer Folge auf. Es ist halt wirklich wie bei „American Horror Story“… und auch wenn sie andere Figuren spielen, sorgt die Vertrautheit durch die „alten“ Gesichter für ein gutes Gefühl. Hier fühlt man sich sofort wieder „heimisch“… zumindest in dem Sinne, dass man mit diesen Leuten schon einmal Horror durchlitten hat und das verbindet ja irgendwie.

Doch auch die Neuzugänge sind wirklich toll. Die kleine Amelie Bea Smith als Flora ist einfach nur umwerfend… und merkwürdig, einfach weil bei ihr alles immer „perfectly splendid“ ist. Benjamin Evan Ainsworth hat es unglaublich gut drauf, einen kleinen, creepy Jungen zu spielen, bei dem wir erst im Verlauf der Serie erfahren, warum er so ist, wie er ist. „iZombie“-Star Rahul Kohli funktioniert wunderbar als Witze reißender Koch des Anwesens, Amelia Eve ist toll in der Rolle der Gärtnerin… aber mein Highlight der Serie bleibt T’Nia Miller als Haushälterin Hannah.

Und vielleicht fällt es schon auf, dass ich viel über die Darsteller schreibe und weniger über die Serie an sich. Das hat leider auch einen Grund. Optisch ist auch „Bly Manor“ wieder toll. Das Set erinnert gerade mit seiner großen Eingangshalle dezent an „Hill House“, aber es wird nicht komplett kopiert. Bly Manor wirkt imposant und erdrückend zugleich… damit steht es Hill House in nichts nach, ist aber dennoch (zum Glück) sein ganz eigenes Spukhaus.

Erzählerisch jedoch muss ich sagen, fand ich „Bly Manor“ viel zu zäh und leider auch streckenweise echt zu langweilig. Im Gegensatz zu „Hill House“ ist die zweite Staffel so gut wie gar nicht wirklich gruselig. In Staffel 2 setzt man aber auch nicht auf den versteckten Horror. Die Rätsel, die uns die Serie stellt, sind simpel und relativ leicht zu durchschauen. „Bly Manor“ ist lange nicht so fordernd wie „Hill House“, das ja durch seine verschiedenen Zeitebenen gekonnt Dinge im Dunkeln lassen konnte.

Danis Geschichte wird relativ schnell sehr offensichtlich und ist dann auch irgendwie ziemlich früh abgefrühstückt. Die Geschichte der Kinder zieht sich dann, webt sich dann noch um eine Liebesgeschichte zwischen dem bereits erwähnten Peter Quint und dem damaligen Kindermädchen. Es verschwinden viele Menschen, es gibt die mysteriöse Lady of the Lake, die eine eigene, viel zu lange Rückblenden-Story bekommt, bei der ich am liebsten fast ausgemacht hätte, weil sie so schleppend langsam erzählt wurde.

Darstellerisch kann man nicht meckern, erzählerisch hätte man diese ganze Geschichte auch in 5 Folgen erzählen können. Zwischenzeitig rettet sich „Bly Manor“ durch Folge 5: in dieser, der besten Folge der Staffel geht es um die Haushälterin und ihr „Geheimnis“. Die war spannend geschrieben und wie gesagt, T’Nia Miller ist wunderbar!!!!

Das Finale der Serie hat es dann auch nochmal ein wenig für mich rausgerissen und wurde hier sehr schön emotional und sehr rührend. Doch am Ende war ich von „Bly Manor“ nicht ansatzweise so begeistert wie von „Hill House“.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Schauspieler und das Setting sind wie schon in Staffel 1 toll, die Geschichte ist leider ziemlich öde erzählt)

Schwammtastische Enttäuschung

9. November 2020

Ich verdanke meine Liebe zu Spongebob Schwammkopf meinem jüngeren Bruder. Er war damals, als Spongebob das Fernsehen eroberte, genau im richtigen Alter, dass ich das mit ihm gucken „musste“. Aus diesem „Zwang“ wurde bald eine wahre Freude und ich war in einer richtigen Hype-Welle gefangen… und ja, ich bin nicht zu stolz, um zu zugeben, dass ich eine sprechende Spongebob-Plüschfigur hatte, die tolle Geräusche und dumme Sprüche von sich gegeben hat. Als der erste Spongebob-Film in die Kinos kam, war ich hellauf begeistert. Den habe ich damals so an die drei Mal im Kino geguckt. Das war herrlich blöd. Als 2015 „Spongebob 3D“ in die Kinos kam, war ich erst skeptisch, danach aber auch sehr begeistert. Leider gelingt dem Schwamm der Hattrick so überhaupt nicht. Nachdem „Spongebob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“ ewig wegen Corona verschoben wurde, ist er jetzt bei Netflix gelandet… aber von mir aus hätte das Ding auch im Müll landen können.

Weil Neptun die Schnecken-Salbe ausgeht, mit der er sein Aussehen jung hält, wird Spongebobs Schnecke Gary entführt. Das ist natürlich unverzeihlich… und so machen sich der immer fröhliche Schwamm und sein dumber Freund Patrick auf den Weg nach Atlantic City, um Gary wiederzubekommen. Dabei werden sie von einem Weisen namens Weiser (Keanu Reeves) mit Ratschlägen unterstützt. Leicht ist ihr Weg zur Rettung der Schnecke dennoch nicht.

Ich hatte mich wirklich so sehr auf diesen Film gefreut und ich hatte wirklich schwammgelben Quatsch erwartet, aber ich wurde bitter, bitter enttäuscht. Klar, von der Story habe ich jetzt nichts Großes erwartet. Die ist ja fast immer die Gleiche. Aber wegen der Story gucke ich mir auch keinen Spongebob-Film an. Ich gucke diese Filme (und früher auch die Serie) wegen der skurrilen Charaktere und dem absolut komischen Wahnsinn, in den die Macher dieses Meeresbewohner immer wieder stecken. Von dem bekommt man in diesem Film aber so gut wie nichts mit. Aber selbst die Story ist absolut müde und gefühllos erzählt. Jeder Film war bisher irgendwo auch ein Roadmovie, aber „Schwammtastische Rettung“ macht das Wenigste aus dieser Prämisse. Abgesehen von diesem merkwürdigen Zwischenteil, in dem Patrick und Spongebob in einer Wüstenstadt erst auf Keanu Reeves treffen, dann auf Snoop Dogg (der mal kurz ne kleine Gesangsnummer einlegt) und Danny Trejo, der zwischen all den anderen Direct-to-DVD-Filmen mal fünf Minuten Zeit hatte, passiert in diesem Film nichts.

Eine richtige Katastrophe war dann das Finale, das in Atlantic City mit einer Gerichtsverhandlung punkten will. Dabei wird uns dann zig Mal die gleiche Rückblende auf ein Sommerlager gezeigt, in dem Spongebob all seine späteren Freunde getroffen hat. Da ist kein Humor, da ist kein Witz, da ist nicht ein interessanter Einfall mit dabei, der diesen Film wenigstens ein bisschen aufpeppt. Die Charaktere bleiben selbst für so beliebte Charaktere einfach nur blass. Statt dummer Sprüche und irren Gags gibt’s so halbherzige Moral-Predigten darüber, dass man sich nicht vor sich selbst verstecken soll, bla bla bla….

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, mich bei diesem Film so dermaßen zu langweilen. Selbst die Cameos waren einfach nur lustlos. Mich würde ja wirklich interessieren, was die Keanu Reeves in den Tee gegeben haben, damit er zu dieser Scheiße „Ja“ gesagt hat. Sein Weiser ploppt immer mal wieder auf und gibt genau so viel Müll von sich wie der restliche Film.

Das ganze Ding ist so verdammt, verdammt lieblos gemacht. Ich habe das Gefühl, dass man sich bei diesem Film zu sehr auf die Zugkraft des Franchises verlassen hat. Dieser Film gibt sich einfach keine Mühe auch nur irgendwas zu sein. Dazu kommt dann noch diese absolut lieblose Animation und wie gesagt, nicht ein einziger interessanter Einfall, der die verrückte Zeitreise in Teil 2 oder alles an Teil 1 toppen kann.

Mit diesem Film hat sich Nickelodeon in meinen Augen absolut keinen Gefallen getan. Das ist einfach nur langweilig und ein Armutszeugnis für den Schwamm, den ich so verdammt lustig in Erinnerung hatte.

Wertung: 3 von 10 Punkten (in etwa so lustig wie ein Tritt auf einen rostigen Nagel)

Random Sunday #42: Station Eleven

8. November 2020

Ich habe mich mal wieder an einen Roman gewagt, um den ich schon seit Ewigkeiten schleiche. Es ist immer schon fast skurril, wenn ich im Buchladen dann dieses Buch nehme, mir den Text auf dem Buchrücken durchlese und ich dann feststelle: „Oh ja, das hast du schon zig Mal gelesen.“ Meist war da dann aber doch irgendwie was, was mich dann doch vom Kauf und damit vom Lesen abhielt. Zuletzt hatte ich das mit „The Goldfinch“ von Donna Tartt – und da hatte sich mein Gefühl auch bestätigt. Den Roman fand ich ziemlich langweilig und habe ich mich echt sehr gequält, um ihn dann doch zu Ende zu lesen. Mit „Station Eleven“ von Emily St. John Mandel habe ich diesen gleichen, langen Tanz durchgeführt. Als ich mich dann doch dafür entschied, wurde ich aber – im Gegensatz zu Donna Tartt – nicht enttäuscht. „Station Eleven“ ist ein Traum von einem Buch, dessen unglaubliche Erzählvielfalt ich nie hätte vorhersehen können.

Der alte Schauspieler Arthur Leander stirbt eines Abends in Toronto während einer Vorstellung von Shakespeares „King Lear“.  Am gleichen Abend breitet sich ein tödliches Virus in den USA aus… 20 Jahre später lernen wir eine der Überlebenden dieser Apokalypse kennen. Kirsten war damals eine der Kinderschauspielerinnen bei Arthurs Aufführung. Jetzt spielt sie selbst Shakespeare in der „Travelling Symphony“, eine Gruppe von Musiker und Schauspielern, die durch die Einöde der einstigen USA reisen und in den kleinen Siedlungen aufspielen.

Das ist so der Buchrücken zu „Station Eleven“. Klingt interessant, unterschlägt aber, wie unglaublich vielschichtig dieser Roman am Ende ist. Denn es geht nicht nur um Kirstens Geschichte. Die ist relativ Standard: Ihre Gruppe kommt in einen Ort und gerät dort an einen merkwürdigen Prediger, der sie schon bald verfolgt. Das ist halt wirklich Standard-Postapokalypse. Immer noch gut geschrieben, ganz ohne Frage. Aber eben Standard.

Doch wenn das Ganze nur Standard wäre, würde ich gar nicht erst darüber schreiben. Was Mandels Roman auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie diesen Standard auf tolle Art und Weise so gut verpackt, dass ich das Ding in einem Zug weggeatmet habe. Denn eigentlich ist „Station Eleven“ nicht nur Kirstens Geschichte, sondern trotz seines frühen Todes auch die Geschichte von Arthur. In Rückblenden erfahren wir über sein persönliches Leben. Der Comic „Station Eleven“, den seine erste Frau geschrieben und gezeichnet hat, begleitet uns durch dieses Buch und ist allein schon so faszinierend, dass ich mir wünschen würde, Mandel würde diese Idee tatsächlich einfach als Comic umsetzen.

Es ist faszinierend, wie geschickt Mandel Arthurs Geschichte mit der von Kirsten verbindet. Wie sich Prä-Apokalypse und Post-Apokalypse beeinflussen und wie viel davon durch scheinbar banale Kleinigkeiten gefördert wird, ist wirklich beeindruckend. Mandel hält alle Stricke fest in der Hand und erzählt uns eine wunderbar faszinierende und vor allem sehr menschliche Geschichte, die Jahre überspannt.

Dabei sträubt sich dieser Roman gekonnt, gegen jede eindeutige Kategorisierung. Ich habe das Buch zum Beispiel in der Science-Fiction-Abteilung gefunden… und Mandel hat für „Station Eleven“ auch den renommierten „Arthur C Clarke Award“ gewonnen, der eben Science-Fiction-Geschichten auszeichnet. Aber „Station Eleven“ ist nicht wirklich Science-Fiction. Es geht endzeittechnisch mehr in die Richtung von „The Road“, menschlich ist es ein Mix aus Biographie und Drama. Dann gibt es noch Züge von „World War Z“ (dem Roman, nicht dem Film… denn im Roman werden Überlebende in Interviews zu ihren Erfahrungen befragt). Nicht zu vergessen ist dann auch noch die Comic-Erzählung vom Comic „Station Eleven“.

Dieser Roman ist wirklich ein kleines Meisterwerk, das so vielschichtig daherkommt, wie man es sich nur wünschen kann. Mandel hat so eine wunderbare Schreibweise, das man auch einfach nicht aufhören kann. Ich habe jetzt gelesen, dass das Ganze auch zur Mini-Serie gemacht wurde, aber davon halte ich erstmal Abstand. Von Emily St. John Mandels „Station Eleven“ sollte man aber definitiv keinen Abstand nehmen. Das ist zu gut…

Filmreise Etappe #55: Der Mann in Schwarz

6. November 2020

2005 kam ich das erste Mal in Berührung mit Johnny Cash. Wer der Mann vorher gewesen war, war mir nicht bewusst. Ich glaube, ich kannte gerade mal „Ring of Fire“ und selbst bei dem Song konnte ich nicht sagen, zu wem der gehört. Warum ich damals zu „Walk the Line“ ins Kino gegangen bin, kann ich auch nicht mal mehr wirklich sagen. Ich weiß nur, dass ich danach schwer begeistert von Mr. Cash gewesen bin. Erst hörte ich den Soundtrack zum Film rauf und runter, bevor ich mich dann an ein paar der Alben wagte. Tatsächlich habe ich dann auch viel „Johnny Cash at Folsom Prison“ gehört – ein Album, dessen Geschichte ja so ein wenig die Rahmenhandlung für James Mangolds Film liefert.

„Walk the Line“ erzählt vom jungen Johnny Cash, der früh seinen Bruder verliert und für dessen Tod ihn der Vater (Robert Patrick) immer wieder verantwortlich macht. „Walk the Line“ erzählt dann die Geschichte des aufstrebenden Johnny Cash (Joaquin Phoenix), der während seiner Militärzeit erste Songs schreibt, der später dann Schneewittchen (Ginnifer Goodwin) heiratet und sein erstes Album produziert. Später geht Cash dann mit Musik-Größen wie Jerry Lee Lewis, Elvis Presley, Roy Orbison und Carl Perkins auf Tour. Fast immer mit dabei ist auch die junge Sängerin June Carter (Reese Witherspoon), in die sich Johnny mehr und mehr verliebt. Doch sein stetig anwachsender Pillenkonsum macht Cash auch zu einem Problem.

Gefühlt jedes Biopic hat immer dieses magische Schlüsselerlebnis der dargestellten Person, in der irgendjemand oder irgendetwas den entscheidenden Auslöser spielt und die Karriere ins Rollen bringt. Auch „Walk the Line“ hat diesen Moment und ich finde ihn großartig. Cash und seine Jungs singen recht lieblos irgendwelche Gospel vor ihrem Produzenten, der ihnen schnell sagt, dass das Mist ist. Cash solle doch etwas spielen, was er wirklich kurz vor seinem Tod spielen wollen würde, damit sich die Leute an ihn erinnern. Mit starrem, wütenden Blick fängt der verunsicherte Johnny dann an, „Folsom Prison Blues“ zu singen…

Ich liebe diese Szene… es ist diese Szene allein, die zeigt, a) wie gut „Walk the Line“ ist, b) wie gut Joaquin Phoenix in dieser Rolle ist und c) wie gut James Mangold einfach. Die Kamera bleibt fast die ganze Zeit auf Phoenix, der wiederum wirft seinen „Wenn Blicke töten könnten“-Blick auf den Produzenten, singt erst zögerlich, dann immer überzeugter seinen Song. Das ist so ein perfekter Gänsehaut-Moment, der uns schon mal zeigt, was wir hier für einen Mann haben… einen, der verbissen alles tut, um seinen Traum zu erfüllen. Dass er das zum größten Teil auch Produzent Sam Phillips (Dallas Roberts) zu verdanken hat, unterschlägt der Film fast – nur eben nicht in dieser einen Szene.

Ansonsten ist auch „Walk the Line“ wie so ziemlich jeder andere Film, der auf der Biographie einer Person basiert. Große Überraschungen gibt es nicht. Wie scheinbar jeder große Musiker, der einem Biopic würdig ist, kämpfte auch ein Johnny Cash mit Zweifeln, mit Drogen, mit Alkohol und damit, seine Frau zu betrügen. Wie jedes andere Biopic auch, muss „Walk the Line“ ziemlich viel Stoff innerhalb kürzester Zeit unterbringen… doch tatsächlich sind die einzelnen Stücke irgendwo wichtig, um das große Ganze zu erzählen. Der Tod des Bruders erklärt das schlechte Verhältnis zum Vater, die Militärzeit die Anfänge des Singer-Songwriters Cash und das Tourleben den Beginn der großen Beziehung zu June Carter.

Zum Glück verrennt sich Mangold aber nie in zu vielen Geschichten. Hat er erstmal die Grundlage geschaffen, schickt er uns mit Cash auf Tour und lässt vor allem die Musik für sich sprechen. Wie es sich für so einen Film gehört, will man eben auch die Musik hören. Und hier muss man dann auch mal sagen, dass Phoenix und Witherspoon wirklich verdammt gute Singstimmen haben, die den Songs eine ganz eigene Note verschaffen.

Sowohl Johnny Cash als auch seine Frau June Carter hatten jeweils Joaquin Phoenix als auch Reese Witherspoon abgesegnet und waren von den beiden begeistert. Leider starben die beiden noch vor den Dreharbeiten. Ich denke mal, dass sie sehr zufrieden gewesen wären, hätten sie den fertigen Film noch gesehen. Die Zwei liefern wirklich tolle Performances ab… und auch das macht „Walk the Line“ so sehenswert. Es sind eben diese Beiden, die auch so eine gute Chemie haben und die wirklich gut zeigen, wie sehr ein Johnny Cash am Ende diese June Carter brauchte. Gleichzeitig sind beide Darsteller immer nur so gut wie ihr Gegenüber und so ergänzen sich Phoenix und Witherspoon wunderbar. In diesem Sinne ist „Walk the Line“ eben nicht nur die Geschichte von Johnny Cash.

„Walk the Line“ ist vor allem wegen seiner Darsteller einfach nur großartig. James Mangold manövriert uns gekonnt durch das Leben des Johnny Cash, so dass man mit dem Mann wirklich mitleidet.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein toller Joaquin Phoenix, eine großartige Resse Witherspoon und tolle Musik – besser kann man zwei Stunden nicht verbringen)