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Verliebte Drachen

25. März 2019

Kaum zu glauben, aber auf den ersten Blick bin ich mit meinen Animationsfilmen für dieses Jahr erst einmal durch. „The LEGO Movie 2“ habe ich gesehen und Ralphs Ausflug ins Internet auch. Von Disney erwarte ich dieses Jahr nicht wirklich was. „Frozen 2“ wird mit Sicherheit ein Riesenerfolg, aber schon der erste Teil war einfach nicht mein Fall. Von daher steht „Frozen 2“ nicht wirklich auf meiner Liste. Das Gleiche trifft auch für Pixar zu. Und jetzt muss ich ein Geständnis machen, das einige hier schockieren könnte. Ich kenne die „Toy Story“-Filme nicht wirklich, weswegen „Toy Story 4“ auch bei mir keine Priorität hat. Ich habe den ersten Film noch im Kino gesehen (ja, hier schreibt ein alter Mann), das war’s dann auch schon. Daher war mir nach „LEGO 2“ und „Ralph 2“ nur noch ein Animationsfilm wichtig… und das ist „Drachenzähmen leicht gemacht 3“.

Hicks (Jay Baruchel) und sein Drache Ohnezahn sind weiterhin (Achtung Wortspiel) Vorreiter, wenn es um Drachenreiten geht. (Danke, danke!) Gemeinsam mit ihren Freunden retten sie andere Drachen und sorgen dafür, dass ihr kleines beschauliches Berk mittlerweile ziemlich überfüllt ist. Da auf einmal fällt Hicks die alte Legende ein, von der sein Vater mal sprach (komisch, dass ihm das erst jetzt einfällt, aber okay…): Es gibt eine geheime Welt, in der die Drachen friedlich leben können. Da soll es nun auch hingehen… doch das Problem ist, dass der gefährliche Drachenjäger Grimmel es auf Ohnezahn abgesehen hat – und als Köder verwendet er eine weiße Nachtschatten-Dame, die Ohnezahn den Kopf verdreht.

Ich bin ja wirklich ein Fan der „Drachenzähmen leicht gemacht“-Reihe, muss aber doch gestehen, dass mich Teil 3, der ja (möglicherweise, vielleicht, wahrscheinlich) den Abschluss der Reihe bildet, nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat. Es ist immer noch ein toller Film, der auch sehr unterhaltsam ist, aber so richtig hat er mich jetzt einfach nicht getroffen. Ich hatte hier und da mal was von einem hoch emotionalen Abschluss der Reihe gelesen – also entweder ich bin wirklich ein Roboter mit einem kalten Motor, wo eigentlich ein Herz sein sollte oder ich habe die großen Emotionen verpasst. Selbst zum Ende des Films, wenn es dann tatsächlich emotional sein sollte, war jetzt nicht so berauschend.

Die Geschichte war nett, aber ich mochte zum Beispiel diesen Grimmel so überhaupt nicht. Der fühlt sich auch mehr wie ein Gegner an, den man schon im zweiten Teil ein bisschen hätte aufbauen können. Wo kommt auf einmal so ein gefährlicher Drachenjäger? Klar, das Konzept kennen wir schon aus Teil 2 der Reihe mit dem fiesen Drago… aber tatsächlich wäre es cool gewesen, diesen Grimmel früher schon ausgebaut gesehen zu haben. So ein bisschen wie ein Vader der „Drachenzähmen“-Reihe. So war er halt ein recht blasser Schurke mit Skorpion-Drachen.

Und wie gesagt, auch die ganze Lösung mit der geheimen Welt… hach… ich weiß auch nicht. Es wäre verdammt cool gewesen, wenn man das über die Filme verteilt schon hier und da immer mal wieder eingestreut hätte. Aber gut, klar… jetzt kann man so klugscheißen, wer hätte wahrscheinlich damals geahnt, dass sie mehr Drachen-Filme machen werden. Aber so fühlt sich Teil 3 einfach an, als wäre das ein Film, den man geiler hätte aufbauen können. Auf der anderen Seite reden wir hier ja auch immer noch über einen Kinderfilm… und dafür ist der ganz niedlich – auch wenn ich da das Ende ein bisschen komisch finde. Ohne jetzt zu viel zu spoilern: Ich hätte mir dieses etwas herangeklatschte Ende mit dem HUSTHUSTWIEDERSEHENHUSTHUST irgendwie anders gewünscht – einfach dass das mehr das richtige Ende mit mehr Potenzial gewesen wäre.

Wirklich süß war aber die ganze Story mit Ohnezahn und seiner Drachen-Dame. Da hat sich dann auch wieder gezeigt, dass man nicht viele Worte braucht, um verdammt witzig zu sein.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch: „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ ist ein niedlicher Film, der ein netter Abschluss für die Reihe ist, der unterhaltsam und spaßig ist – und der (möglicherweise, vielleicht, wahrscheinlich) einfach meinen hohen Erwartungen an diesen Teil nicht gerecht werden konnte.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ich bin mal gespannt, ob das wirklich das Letzte war, was wir von den Drachen im Kino gesehen haben)

 

TGIF X: Seepferdchen-Alarm

22. März 2019

Mein Godzilla-Jubiläum ist da und das auch noch mit einem Film, der das Ende der ersten großen Godzilla-Ära bedeutet. Lange bevor das MCU anfing mit seinen Phasen, hatte Godzilla das schon. Die erste Phase verlief von 1954 bis 1975 und wird die Showa-Phase genannt. Die umfasst die ersten fünfzehn Filme – angefangen beim Original-Godzilla von 54 bis zum Film, den ich euch heute vorstellen werde: „Terror of Mechagodzilla“. Damit endet nicht nur eine Ära, nein, damit verabschiedet sich auch Original-Godzilla-Regisseur Ishiro Honda von seinem Monster. Also gleich ein doppelter Abschluss. Aber natürlich ist der für Godzilla nur symbolisch, denn es folgen ja noch jede Menge andere Filme. Bleiben wir jedoch erst einmal bei „Terror of Mechagodzilla“, der direkten Fortsetzung zu „Godzilla vs. Mechagodzilla“.

Nachdem unser aller Lieblingsmonster es geschafft hat, Mechagodzilla zu besiegen, scheint alles erst einmal ruhig zu sein. Auf der Suche nach Trümmerteilen des Robo-Godzillas wird das Such-U-Boot von einem riesigen Seepferd ähnlichen Ungeheuer angegriffen: Die Gozilla-Reihe heißt damit Titanosaurus willkommen. Dieses Monster führt Interpol auf die Spur eines verrückten Wissenschaftlers, der schon vor Jahren von diesem Monster gesprochen hat. Angeblich ist dieser gute Mann aber schon lange tot… aber eben nur angeblich. Er erfreut sich des Lebens und arbeitet mit fiesen Aliens zusammen, die einen zweiten Mechagodzilla bauen, um mit dessen Hilfe endlich die Erde zu unterjochen und Godzilla zu besiegen.

Ganz ehrlich, ich bin froh, dass die Showa-Phase jetzt vorbei ist und ich hoffe einfach mal sehr stark, dass es in der nächsten auch mit weniger Aliens geht. Wenn ich Alien-Invasion sehen will, dann bleibe ich doch lieber bei „Akte X“. Diese ganzen Plots sind immer einfach nur furchtbar öde, weil sie auch nie wirklich mal ausgebaut werden. Es ist einfach nur böser Alien-Anführer hier, Menschen da… und am Ende können wir alle froh sein, dass wir ein friedfertiges Übermonster haben, das uns Menschen hilft.

„Terror of Mechagodzilla“ ist da leider nicht anders. Was aber noch erschwerend dazu kommt, ist die Tatsache, dass dieser Film im Vergleich zu seinem Vorgänger in allen Belangen ziemlich langweilig ist. „Mechagodzilla“ war von seinen Monster-Kämpfen echt verdammt unterhaltsam… „Terror of Mechagodzilla“ ist nicht einmal das. Das Seepferdchen-Monster war furchtbar unspektakulär. Wenn das Ding auf einmal anfängt, mit seinem Schwanz Wind zu fächeln, ist das nicht so aufregend.

Was ich „Terror of Mechagodzilla“ dann doch wieder zugutehalten muss, klingt vielleicht etwas merkwürdig, aber im Monster-Film-Kontext nicht so sehr: Endlich finden die Kämpfe mal wieder in bewohnten Gegenden statt, sprich: Die Monster zerstören und zertrampeln endlich auch mal wieder Häuser. In letzter Zeit war alles immer auf riesigen freien Flächen. „Terror of Mechagodzilla“ führt die Monster wieder zurück in die Stadt und wir dürfen dabei zusehen, wie mühsam gebastelte Papp-Hochhäuser zertrampelt werden.

Aber wie gesagt, es ist trotzdem irgendwie nicht das Gleiche gewesen. Selbst Mechagodzilla fand ich hier nicht so cool wie noch in seinem Debütfilm. Irgendwie hat da einfach was gefehlt. Im ersten Teil war zumindest noch die Verwechslungsstory, hier ist er einfach da und fertig. Dazu kommt halt die wirklich öde Story mit den Aliens, die man nun wirklich immer und immer wieder schon genau so gesehen hat. Und ja, ich weiß, es klingt blöd, einem Monster-Film mehr Story abzuverlangen, aber das ist einfach nur faules Drehbuchschreiben.

Das dürften dann vielleicht auch alles Gründe sein, warum „Terror of Mechagodzilla“ an den japanischen Kinokassen nicht gut ankam und Toho das Monster-Kostüm erst einmal in den Schrank verbannte… für ganze 9 Jahre, bis dann mit „Return of Godzilla“ ein Neustart versucht wurde.

Alles in allem ist „Terror of Mechagodzilla“ eine schwache Fortsetzung für ein eigentlich ziemlich cooles Monster, denn Mechagodzilla ist schon verdammt cool. Dieser Film war aber selbst in seinen Monster-Kämpfen langweilig und damit verliert der Film dann auch seine letzte Daseinsberechtigung.

Wertung: 3 von 10 Punkten (Godzilla ruht sich jetzt erstmal aus… und startet dann hoffentlich gut neu durch)

Liam Neeson ist Mr. Plow

20. März 2019

Könnt ihr euch noch an Mr. Plow erinnern? Das war Staffel 4 Episode 9 von den „Simpsons“, damals zu einer Zeit, als die Simpsons noch gut waren, wie man mir so sagt. Von den aktuellen Sachen habe ich leider so gut wie gar nichts mehr gesehen, deswegen kann ich nicht wirklich mit sprechen. Aber wir kommen vom Thema ab: Mr. Plow. Homer kauft sich einen Schneepflug und befreit erfolgreich die Straßen vom Schnee. Dafür bekommt er sogar eine Auszeichnung vom Bürgermeister und was nicht alles. Und an genau diese Episode musste ich die ganze Zeit bei Liam Neesons neuestem Ausflug ins Action-Genre denken, denn „Hard Powder“ ist ein bisschen die Liam-Neeson-Version von Homers Mr. Plow.

In dem kleinen Örtchen Kehoe sorgt Nels Coxman (Neeson) dafür, dass die Straßen befahrbar sind. Mit seinem Schneepflug ist er ständig unterwegs, um den Schnee wegzuräumen. Er ist gerade deswegen ein angesehenes Mitglied der kleinen Gemeinden und wird sogar zum Mann des Jahres der Stadt ausgezeichnet. Doch dann stirbt sein Sohn auf einmal an einer Überdosis Heroin… Coxmans Leben zerbricht und er steht kurz vorm Selbstmord. Dann jedoch erfährt er, dass sein Sohn von Viking (Tom Bateman) getötet wurde, seines Zeichens Drogenbaron der Gegend. Wutentbrannt macht sich Coxman nun daran, seinen Sohn zu retten… und geht dabei natürlich über Leichen.

„Hard Powder“ ist wirklich Simpsons „Mr. Plow“ trifft auf „96 Hours – Taken“. Regisseur Hans Petter Moland führt hier beim Remake seines eigenen Films Regie und hätte sich mit Liam Neeson eigentlich keinen Besseren aussuchen können. Denn wie gesagt, seit „Taken“ spielt Neeson ja gefühlt nichts anderes mehr. Jeder Schauspieler, der sich für die Rolle als Liam Neesons Film-Kind anmeldet, sollte mittlerweile wissen, dass das nicht gut ausgehen kann. Das ist so ein bisschen wie mit Sean Bean: Der Filmtod ist schon vorprogrammiert. Aber egal… Hauptsache, Liam Neeson darf einmal mehr seine besonderen Fähigkeiten zur Schau stellen. Und hey, irgendwie steht ihm diese Rolle einfach. Ich kaufe ihm sofort ab, dass er der nette Nachbar von nebenan ist, der dir auch mal hilft, wenn dein Wagen nicht anspringen will… und der dich im Notfall halt auch einfach mal umbringt, wenn du seine Familie bedrohst. Das ist halt der Zauber des Liam Neesons, das ist tatsächlich seine besondere Fähigkeit.

Abgesehen von Neeson hatte ich aber so meine lieben Probleme mit „Hard Powder“. Zum einen ist das einfach mal der langsamste Action-Film aller Zeiten. Wie die Bewohner des verschneiten Örtchens Kehoe schleicht auch der Film in aller Gemütlichkeit seinem Finale entgegen. Da wird lieber einmal mehr die schöne Landschaft in Szene gesetzt als das es so richtig zur Sache geht. Versteht mich nicht falsch, das ist nicht verkehrt, aber für so einen Action-Film dann irgendwann doch arg entschleunigt. Zwar sind die Gewalt-Ausbrüche, wenn sie dann kommen, ordentlich und gut in Szene gesetzt, aber dazwischen wird erst einmal eine ruhigere Kugel geschoben. Bloß nicht hetzen, lautet hier die Devise.

Zum anderen hat „Hard Powder“ einen etwas eigenwilligen Humor, den ich manchmal sehr mochte und manchmal auch nicht. Das Abhaken der Opfer und Coxmans interessante Entsorgungsvariante waren schon sehr witzig. Wen ich etwas merkwürdig fand, war Tom Bateman, der eine etwas seltsame Version von einem Schurken gespielt hat – irgendwo angesiedelt zwischen Parodie und Wahnsinn. Bateman macht seine Rolle gut, es ist vielmehr die Rolle, die ich nie so richtig greifen konnte. Und dann gab’s da noch diese ewig langen „Family Guy“-Witze, die bei mir nur selten punkten: Gerade zu Beginn, als Coxman seinen Sohn identifizieren soll, braucht ein Mitarbeiter im Leichenschauhaus mal gut und gerne 9 Minuten, um den Leichnam auf die richtige Höhe zu stellen. Das ist dann vielleicht der trockene skandinavische Humor, aber manchmal war der mir in diesem Film etwas zu merkwürdig.

Ich hatte immer ein bisschen das Gefühl, dass Regisseur Molland bei seinem Remake nicht so ganz wusste, ob er eher einen komischen Rache-Film machen möchte oder einen ernsthaften. Für mich schwankt dieser Film ein bisschen zu sehr in seiner Tonalität… ich habe jetzt leider keinen Vergleich zum Original, aber das Remake hat mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (ordentliche Action, ordentlicher Liam Neeson, alles etwas zu langsam)

 

Zerstörte Zerstörerin

18. März 2019

Es ist immer irgendwie etwas schwierig einen Film zu beurteilen, der im Vorfeld mehr oder weniger nur dadurch beworben wird, wie krass abgefuckt Darsteller XY darin aussieht. Heftigster Fall von sowas ist so gefühlt jeder Film mit Christian Bale. Zuletzt mit „Vice“ in vollgefutterter Version und ganz schlimm war es ja zu „The Machinist“ in ausgehungerter Version. Ich kann mich an nichts mehr von diesem Film erinnern – außer daran, wie schlimm Bale darin aussieht. Viel mehr kann man dazu auch nicht sagen. Aktuell habe ich dieses Problem mit Karyn Kusamas neuestem Film „Destroyer“. Egal, wo man hinschaut, überall liest man nur, wie heftig Nicole Kidman da aussieht. Wie heruntergekommen und fertig, bla bla bla… gefühlt spricht niemand über den Film an sich, sondern nur über die Darstellerin und ihren „Mut zur Hässlichkeit“. Dass „Destroyer“ aber auch mehr kann als nur eine „hässliche“ Nicole Kidman geht dabei fast unter.

Polizistin Erin Bell (Kidman) wird zu einem Mordfall herbeigezogen. Das Opfer ist der Polizei unbekannt, vom Mörder fehlt jede Spur. Doch Erin meint zu wissen, wer der Mörder ist. Ab jetzt verfolgen wir sie dabei, wie sie versucht, den Mord aufzudecken und decken dabei auch ihre Vergangenheit auf. Vor Jahren war sie zusammen mit ihrem Partner Chris (Sebastian Stan) undercover in der Gang von Silas (Toby Kebbell). Bei einem Banküberfall ging aber irgendwas schief, was Erins Leben nachhaltig beeinflusst hat… und weswegen sie jetzt immer noch verzweifelt versucht, Silas ausfindig zu machen.

Mir ging es bei „Destroyer“ weniger um Nicole Kidman, sondern vielmehr um die Frau hinter der Kamera: Karyn Kusama. Die hat sich 2015 mit dem unglaublich guten Thriller „The Invitation“ einfach in mein Herz gefilmt. Das ist ein wahnsinnig toller Film, den ich nach wie vor nur jedem wärmstens empfehlen kann. Dieser Film fängt so gut Paranoia und Unwohlsein ein – grandios. Unbedingt nachholen, wenn ihr den noch nicht gesehen habt. Deswegen war für mich halt auch klar, dass ich unbedingt „Destroyer“ schauen muss, denn Kusama hat zumindest mit „The Invitation“ bewiesen, dass sie ein Händchen für gute Filme hat.

Ohne Frage, „Destroyer“ ist ein guter Film… der nur leider etwas zu langatmig geworden ist. Die Geschichte, die Kusama uns erzählt, ist super spannend. Erins Gegenwart und Vergangenheit werden immer wieder gekonnt ins Spiel gebracht und so baut sich langsam ein Bild von den Geschehnissen ab, die deutlich machen, warum Erin so verzweifelt auf der Suche nach Silas ist. Auf der einen Seite ist „Destroyer“ klassischer Detektiv-Film, bei dem brav einem Hinweis nach dem anderen nachgegangen wird. Auf der anderen Seite ist es auch eine sehr persönliche Geschichte über Verlust und Leid. Erins Ermittlungen sind spannend in Szene gesetzt, doch dann stolpert Kusama manchmal über ihre eigene Erzählweise.

Ein Beispiel nur: Erin sucht in der Gegenwart einen Informanten, den sie aus ihrer Undercover-Zeit kennt. Sie bekommt einen Hinweis, wo der sich aufhält. Direkt danach kommt es zu einer Rückblende, in der ein merkwürdiger Silas eben diesen Informanten mehr oder weniger dazu zwingt, Russisch Roulette zu spielen. Das Problem an dieser eigentlich sehr tragischen Szene ist die Tatsache, dass wir als Zuschauer schon längst wissen, dass der Typ überlebt. Erin soll ihn ja in der Gegenwart treffen. Dennoch spielt Kusama diese Szene in aller Ruhe aus… klar, wir erleben die Panik der Gang-Mitglieder, wir leiden mit dem Informanten und wir wundern uns über diesen merkwürdig-impulsiven und manipulativen Silas, aber dennoch ist so ein bisschen das Feuer aus der Szene raus. Und ähnliche Beispiele ziehen sich durch den ganzen Film, der dadurch an vielen Stellen einfach künstlich gestreckt wirkt.

Zwischendurch kommt noch eine in meinen Augen eher überflüssige Story mit Erins Tochter Shelby (Jade Pettyjohn), die jedes Mal den eigentlichen Film unterbricht und einen aus der Story haut. Als ob Erin Bell nicht durch ihre eigene Vergangenheit genug gestraft ist und wir sie schon als menschliches Wrack kennenlernen, versucht Kusama mit dieser Nebenhandlung noch einmal einen drauf zu packen. Wäre irgendwie nicht nötig gewesen. Mir hätte die ganze Ermittlungsstory vollkommen gereicht. Denn die ist wirklich spannend, liefert gute Action und tolle Darsteller.

Natürlich ist Kidman da allen um Weiten voraus. Sie spielt sich wirklich die Seele aus dem Leib und es hilft natürlich, sie so zerrüttet und kaputt zu sehen. Sebastian Stan macht sich als Nicht-Superheld ebenfalls ziemlich gut und Toby Kebbell meistert einfach mal den merkwürdigen Psychopathen.

„Destroyer“ ist ein guter Film, der einfach mal eine halbe Stunde oder so zu lang ist. Das zieht einen so ein bisschen raus, schmälert aber nicht die tollen Darsteller-Leistungen. Kusamas Rückblenden-Gangster-Drama ist sehenswert, fordert aber etwas Sitzfleisch.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Kidman ist in Bestform, Kusama nicht so ganz)

TGIF IX: Robo-Doppelgänger

15. März 2019

Außerirdische scheinen das Ding für die Godzilla-Reihe zu sein. Immer wieder kommen irgendwo aus dem All irgendwelche Wesen, die die Erde zerstören wollen. Ich hoffe, es kommt irgendwann nochmal ein Film, in dem Godzilla sich auf eine Rakete schwingt und die Aliens auf ihrem Heimatplaneten besucht. Für diese Film-Reihe wäre das auch nicht einmal zu abwegig, die haben schon verrückteren Kram aus ihrem Godzilla-Hut gezogen. Es darf also niemanden wundern, dass es auch in Godzilla Nummer 14 wieder einmal um böse Außerirdische geht, die versuchen wollen, die Erde zu erobern. Dieses Mal kommen sie aber nicht mit Gigan oder King Ghidorah. Nein, dieses Mal haben sie einen Robo-Doppelgänger von Godzilla namens Mechagodzilla… und darf ich gleich zu Beginn sagen, dass  mir „South Park“ dieses Monster schon jetzt ein bisschen durch Halloween-Folge kaputt gemacht hat, in der Barbara Streisand zu einer Art Mechagodzilla wird… aber das nur am Rande.

In „Godzilla vs. Mechagodzilla“ hat eine Priesterin eine Vision von einem Monster, dass eine Stadt zerstört. Das daraufhin nicht allzu große Panik ausbricht, liegt wohl daran, dass dieses Film-Japan mittlerweile Monster gewöhnt ist. Doch die Prophezeiung einer uralten Kultur kann der Vision der Priesterin etwas mehr Ausdruckskraft verleihen: „Wenn ein schwarzer Berg in den Wolken erscheint, wird ein Monster kommen und die Welt zerstören, aber wenn der rote Mond unter- und die Sonne im Westen aufgeht, werden zwei Monster kommen und die Menschheit retten!“ Und wie es sich für so eine Vorhersage gehört, wird sie auch wahr… Mechagodzilla taucht auf, aber zum Glück erscheint auch Godzilla und nimmt den Kampf auf. Ihm zur Hilfe eilt dann später auch noch das Monster King Caesar.

Vor „Godzilla 14“ muss ich mich tatsächlich verneigen, denn dieser Film hat es geschafft, mich an der Nase herumzuführen (auch wenn ich es natürlich hätte besser wissen müssen). Anders als seine Vorgänger liefert „Godzilla vs. Mechagodzilla“ schon nach knapp 20 Minuten einen ersten Monsterkampf: Godzilla vs. Anguirus. Und da war ich erst einmal etwas platt und verwirrt. In Teil 2 der Godzilla-Reihe haben diese beiden sich ja wirklich nichts geschenkt, aber seitdem sind die doch WG-Genossen auf Monster Island. Ausgerechnet diese Zwei hauen sich aber in „Godzilla vs. Mechagodzilla“ zu Brei. Doch Anguirus verletzt Godzilla und darunter blitzt Metall… der fiese Doppelgänger hat seinen ersten Auftritt, der echte Godzilla taucht auf und die beiden kloppen sich. Doch kurz war ich tatsächlich verwirrt, warum Godzilla auf einmal wieder böse geworden ist… ich Dummerchen.

Danach ist dann aber erst einmal Feierabend. Stattdessen bekommen wir wieder hochtalentierte Schauspieler, die in einer tiefgründigen Geschichte versuchen, Aliens und „Indiana Jones“ zu balancieren. Vielleicht hätte man George Lucas und Steven Spielberg vor „Indiana Jones 4“ Teil 14 von Godzilla zeigen sollen, damit sie wissen, dass das nicht funktioniert. Regisseur Jun Fukuda gibt sich zwar echt Mühe, den üblichen Alien-Kram mit der „Schatzsuche“ aufzuwerten, aber es will ihm einfach nicht gelingen. Und so wartet man auch diesen Mist fleißig ab, um endlich ordentliches Monster-Gekloppe zu bekommen.

Das ist dann wieder mal ziemlich unterhaltsam… auch wenn ich diesen Flohzirkus King Caesar echt verdammt peinlich fand. Der sieht einfach nur scheiße aus… aber immerhin nicht ganz so scheiße wie der Flohzirkus King Kong, gegen den Godzilla in Teil 3 kämpfte. Caesar hätten sie sich echt sparen können… immerhin hat Godzilla ja genügend coole neue Fähigkeiten… wie etwa die, sich durch Blitze elektrisch aufladen zu können, um dann später zu einem Elektro-Magneten zu werden. Jupp… das passiert hier wirklich.

Abgesehen von neuen Super-Godzilla-Fähigkeiten ist der Kampf aber auch so sehr unterhaltsam. Vor allem weil Transformer-Godzilla ordentlich austeilt. Mechagodzilla ist ein cooler Gegner und ich bin sehr gespannt, schließlich taucht er schon im nächsten Teil wieder auf. Offensichtlich muss auch das damalige Publikum Gefallen an ihm gefunden haben.

„Godzilla vs. Mechagodzilla“ beeindruckt durch einen aufregenden Monster-Fight und den Bemühungen, die Alien-Story ein bisschen aufzupeppen. Gelingt zwar nicht so ganz, ist aber auch irgendwie unterhaltsam. Man muss diese „Kreativität“ irgendwie schon loben… ich bin schon jetzt gespannt, was man mir noch so auftischen wird 😊

Wertung: 7 von 10 Punkten (Robo-Godzilla ist cool… ich hoffe, den werden sie ins neue MonsterVerse irgendwann auch mal einführen)

Die (heimliche) Nummer 1

13. März 2019

Ich wünschte mir manchmal, ich wäre im wahren Leben so risikofreudig wie mit meiner Filmauswahl. Ich weiß, ich weiß, das ist ein blöder Vergleich, aber es ist ja nun mal so. Allgemein gehe ich lieber drei Mal auf Nummer Sicher, aber im Kino traue ich mich dann auch schon mal was… was habe ich schon groß zu verlieren – außer meinem Geld und meiner kostbaren Zeit??? #FirstWorldProblems Und jetzt muss ich auch zugeben, dass ich selbst im Kino mehr auf Nummer Sicher gehe, aber dann und wann wage ich doch mal was (was mich bis jetzt trotzdem noch nicht dazu gebracht hat, mich mal in eine Sneak-Preview zu trauen). Obwohl ich jetzt mit „Vice“ ja auch ein zu großes Risiko eingegangen bin, ist ja schließlich ein Adam-McKay-Film, da kann man auch nichts falsch machen. Also gut, damit habe ich mich selbst als großen Risiko-Kino-Freund widerlegt und höre jetzt einfach auf damit.

Mit „Vice“ erzählt uns McKay die Geschichte des einstigen Vize-Präsidenten Dick Cheney (Christian Bale), der sich – angetrieben durch seine Frau Lynne (Amy Adams) – durch die Ränke der Republikaner arbeitet, erst als Assistent von Donald Rumpsfeld (Steve Carell), dann als Verteidigungsminister unter Präsident George W. Bush sr., bevor er dann später für dessen Sohn (Sam Rockwell) zum Vizepräsidenten wurde.

Adam McKay erzählt uns auf ziemlich ironische Art und Weise, wie ein einzelner Mann über die Jahre hinweg die Politik beeinflusste, wie ein einziger Mann sich über einen unwissenden Präsidenten hinwegsetzte und die traurige Gunst der Stunde des 11. Septembers 2001 ausnutzte, um einen Krieg vom Zaun zu brechen. McKay macht  das ähnlich wie schon bei „The Big Short“ auf sehr unterhaltsame, wenn auch  einseitige Weise. Natürlich bauscht er Dick Cheney hier auch gewissermaßen zu einem Helden auf, der sich ja eigentlich nur die Dummheit der anderen zunutze machte, um seine eigenen Wege zu gehen. Wenn man sich mit der Politik der Zeit auskennt, könnte man sicherlich am Ende ein paar mehr Fragen haben, aber das ist ja auch gut so. Am Ende schafft McKay mit „Vice“ eine Sache, die er schon mit „The Big Short“ geschafft hat: Er macht auf unterhaltsame Weise neugierig.

Man sieht diese unglaublichen Menschen, die Unglaubliches machen und möchte es eigentlich in die Welt der Fantasie versetzen. Doch es ist die Wahrheit – für einen lustigen Film natürlich spannend verkürzt und kompakt erzählt. Aber das macht McKay aus: Er beweist auch hier wieder sein Gespür für Komik, sein Gespür für Timing, sein Gespür dafür, den Zuschauer nicht zu sehr zu über-, aber auch nicht zu unterfordern.

Dazu hat McKay einfach mal wieder eine perfekte Besetzung gefunden. Christian Bale ist als Christian Bale gerade mal noch in den ersten paar Minuten des Films zu erkennen. Danach wird er dank Oscar prämierter Masken und seiner verrückten Method-Actor-Methode, sich den Cheney-Bauch anzufressen, wirklich zu einem anderen Menschen. Amy Adams, Steve Carell (ein McKay-Veteran, der für mich immer Brick Tamland sein wird) und Sam Rockwell sind ebenfalls einfach nur echt verdammt sehenswert – vor allem Rockwell verleiht Bush jr. eine echt komödienhafte Debilität, die einen ganz schön bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Alles in allem ist „Vice“ jetzt sicherlich kein gemütlicher Sonntagabendfilm, aber es ist mal wieder ein schön überspitztes Beispiel dafür, wie viel Macht doch manchmal einige Personen haben, von denen man es gar nicht vermutet hätte.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Politik-Stunde der unterhaltsamen Stunde, die aber auch ein wenig wachrüttelt)

Marvels Super-Saiyajin

11. März 2019

Ich lese gerade die Dragon Ball Mangas… und bin erstaunt, wie viel ich NICHT über diese Reihe wusste. Klar, ich hatte mal hier und da eine Folge im Fernsehen gesehen, aber das war’s eigentlich auch  schon. Zumal die sich da ja eh nur Folge um Folge anbrüllen, bevor es dann nach 10 Folgen oder so endlich mal zu einem (!) Schlag kommt. Ich wusste nicht, dass Son-Goku ein Außerirdischer ist, der gar nichts von seiner wahren Vergangenheit weiß und dass selbst Gott in diesen Mangas nur ein Außerirdischer ist. Wie komme ich jetzt auf den ganzen „Dragon Ball“-Kram? Nun ja, weil sich Marvels 21. Film „Captain Marvel“ ein bisschen wie eine schlechte Version von „Dragon Ball“ anfühlt.

Die Kree-Kriegerin Vers (Brie Larson) ist Mitglied der Kampfeinheit von Yon-Rogg (Jude Law). Bei einem Einsatz gegen die Skrulls, eine feindliche Alien-Rasse von Formwandlern wird Vers gefangengenommen… aber warum??? Die Skrulls versuchen verzweifelt, etwas in Vers‘ Erinnerungen zu finden. Vers kann sich befreien und versucht den Skrulls zuvor zu kommen… in dem sie dorthin fliegt, wo ihre bruchstückhaften Erinnerungen sie hin führen: Auf die Erde. Dort landet sie zur Zeit der 90er Jahre, trifft auf einen „jungen“ S.H.I.E.L.D.-Agenten namens Nick Fury (ein digital verjüngter Samuel L. Jackson) und versucht mit ihm, die Geheimnisse ihrer Vergangenheit zu enthüllen und die Invasion der Skrulls zu stoppen.

Es gibt leider nicht sonderlich viel positives über „Captain Marvel“ zu sagen… und das tut mir auch ein bisschen in der Seele weh. Ich glaube, seit „Iron Man 2“ habe ich keinen derart langweiligen Marvel-Film mehr gesehen. Aber dazu komme ich gleich… fangen wir kurz mit den positiven Sachen an: 1) Der Film beginnt mit einer wunderschönen Hommage an der verstorbenen Stan Lee. 2) Ich fand’s schön, dass die Origin-Story-Formel mal durch die Amnesie-Geschichte etwas aufgepeppt wurde. Wir erleben unsere Heldin nicht erst als „Normalo“, sondern schon als fast fertige Kämpferin, die sich nach und nach daran erinnert, was mit ihr geschah.

Doch genau in dieser Vorangehensweise liegt das größte Problem von „Captain Marvel“… und ich kann wirklich nicht glauben, dass ich den Spruch von gefühlt Tausenden von Marvel-Nörglern an dieser Stelle selbst bringen muss: Captain Marvel ist einfach zu stark. Und das Problem des Films ist, dass sie es von Anfang an ist. Diese Heldin durchläuft nie so wirklich die Heldenreise. Sie kann zu früh schon fast alles und später wird sie dann einfach wirklich zu einem Super-Saiyajin und ist noch krasser als zuvor. Eine Kollegin auf Arbeit beschrieb es noch passender: Sie hat keine Schwächen! Captain Marvel ist einfach wirklich unantastbar. Mein bester Freund beschrieb sie nach dem Film als eine Heldin, die wie Superman ist nur ohne die Kryptonit-Schwäche. Und leider, leider stimmt das alles. Sie ist zu stark, sie ist zu mächtig und irgendwie prallt alles nach kurzer Zeit bei ihr ab. Anders als ihre bisherigen Kollegen im MCU braucht Captain Marvel nie wirklich  lange zweifeln und wir als Zuschauer müssen uns um sie auch nie wirklich große Sorgen machen, denn sie bekämpft auch mal eben alleine eine Überzahl an Gegner ohne auch nur einen einzigen Kratzer abzubekommen.

Apropos Kratzer: „Captain Marvel“ ist auch ein bisschen wie „Solo – A Star Wars Story„. Es dichtet Dinge zu bekannten Sachen dazu, die wir nun als den Ursprung aller Dinge nehmen müssen. Ich war immer von Nick Furys Narbe fasziniert und der Frage, wie er wohl sein Auge verloren hat. „Captain Marvel“ liefert nun eine Antwort… aber eine, die ich lieber nicht bekommen hätte. Da war das Geschehen in meinem Kopf viel spannender. Und als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, bekommen wir auch eine Antwort auf die nie gestellte Frage, warum die „Avengers“ nun eigentlich „Avengers“ heißen… das war alles irgendwie nicht nötig.

Dazu kommt einfach auch noch, dass die Witze in diesem Film irgendwie nie so richtig funktionieren wollen. Jeder One-Liner, der Brie  Larson über die Lippen kommt, wirkt extrem erzwungen und leider auch deplatziert. Selbst die Action-Sequenzen sind nur „nett“ – vor allem zum Ende wird es dann richtig schlimm, wenn eine echt schlechte CGI-Captain-Marvel durch die Lüfte saust. Da ging dann das ganze Budget doch eher dafür drauf, dass Samuel L. Jackson jünger aussieht.

Die flache Story schadet dann auch einfach mal den Darstellern. Ich mag Brie Larson und ich mag sie auch in der Rolle, aber sie kommt nie so wirklich zum Zug sich mal verausgaben zu können. Das Gleiche gilt für Jude Law, der ziemlich gelangweilt durch den Film stapft und auf Inspiration wartet.

Dieser Film wirkt nicht richtig durchdacht. Am Ende hätte ich es lieber gehabt, sie hätten „Captain Marvel“ zum ersten Mal in „Avengers: Endgame“ eingeführt. So wie DC es damals mit Wonder Woman in „Batman v Superman“ gemacht hat… und danach hätte man Captain Marvel dann einen ordentlichen Film bescheren können. So ist „Captain Marvel“ ziemlich belanglos… eine schnelle Einführung einer Heldin, die in ihrem eigenen Film gar nicht so richtig zur Geltung kommt.

Wertung: 5 von 10 Punkten (da hätte ich von Marvel doch was Besseres erwartet – gerade mit den Voraussetzungen und den Darstellern)

TGIF VIII: Jet Jaguar

8. März 2019

Ich muss  jetzt mal den ganzen Beteiligten am Godzilla-Franchise ein großes, wenn auch leicht ironisch gemeintes, Lob aussprechen. Es ist wirklich unglaublich, was die sich alles aus dem Allerwertesten ziehen, um eine „Story“ rund um einen Monster-Kampf  zu dichten. Und es ist wiederum erstaunlich, wie lange die Herrschaften sich gefühlt mit jedem Film Zeit lassen, bis man als Zuschauer das bekommt, weswegen man eigentlich gekommen ist. Der 13. Teil der Godzilla-Reihe ist da geradezu ein Parade-Beispiel. Doch wer jetzt denkt, das Warten wäre langweilig gewesen, der irrt sich.

In „Godzilla vs. Gigan“ bekamen wir es mit Kakerlaken-Außerirdischen zu tun, in „Godzilla vs. Megalon“ (oder auch superfälschlich auf Deutsch „King Kong – Dämonen aus dem Weltall“ genannt) bekommen wir es mit dem Volk Seetopias zu tun. Die leben seit Millionen Jahren unter dem Meer, doch natürlich werden sie durch Atomtests gestört und schicken daraufhin ihre Gottheit Megalon auf die Erdoberfläche, um die bösen Menschen zu vernichten. Weil die Menschen aus der Tiefsee komischerweise Kontakt zu den Außerirdischen vom Planeten Kakerlaken-Menschen haben, bekommt Megalon noch Hilfe von Gigan. Doch zum Glück haben die Menschen ja noch Monster Island und Godzilla ist schon unterwegs, um alle zu retten. Auch im 13. Teil ist er nicht allein. Ein Erfinder hat einen Roboter namens Jet Jaguar (im Deutschen heißt der wohl angeblich „King Kong“ – daher also der tolle deutsche Titel), der Godzilla unterstützt.

Ja… „Godzilla vs. Megalon“ also. Godzilla hat in Teil 13 erst einmal gar nicht viel zu tun. Dafür versuchen sich die Macher eher an einer Mischung aus „Transformers“ und „Fast and Furious“. Da jagen sich die Menschen aus der Tiefsee mit dem Erfinder gegenseitig die (zum Glück) leeren Straßen Japans entlang und liefern tatsächlich coole Verfolgungsjagden ab… auch wenn ich mich dabei immer gefragt habe, woher die Tiefsee-Menschen so gut Autos fahren können. Aber egal…

Das Ganze ähnelt sehr stark der Story vom Vorgänger, ist dieses Mal aber auf ein paar weniger Charaktere beschränkt. Dafür wird der Roboter Jet Jaguar mehr in den Vordergrund gerückt. Warum der Erfinder ihn erfunden hat, habe ich schon längst wieder vergessen… und dass die Tiefsee-Menschen ihn brauchen, um ihren Gott zu lenken, ist ziemlich absurd. Was hätten sie denn gemacht, wenn nicht zufällig ein findiger Erfinder so ein Ding erfunden hätte??? Hätten sie dann mit Megalon warten müssen? Oder hätte das Ding einfach gesagt: „Nö, ich hab kein Bock, ich bleibe lieber in meinem unterseeischen Felsen stecken!“ Man weiß es nicht so genau, aber man tut auch gut daran, einfach nicht zu viel zu hinterfragen. Es ist immerhin immer noch ein „Godzilla“-Film. Im Gegensatz zu „Godzilla vs. Gigan“ muss ich aber gestehen, dass ich die Seetopia-Story in „Godzilla vs. Megalon“ ein bisschen witziger fand – weil sie mir in diesem Universum voller Riesen-Monster greifbarer vorkam als Kakerlaken-Aliens.

Irgendwann nach all den wilden Verfolgungsjagden und den furchtbar steifen Schauspielern kommt Godzilla endlich an und es beginnt, weswegen man „Godzilla“-Filme guckt: Das große Gekloppe geht los… und macht auch hier wieder Spaß. Ich verstehe zwar nach wie vor nicht, warum Godzilla seit ein paar Teilen wie ein alter Wrestler kämpft, aber hey… es macht Spaß, dem ganzen Quatsch zuzuschauen. Gigan ist mal wieder ordentlich fies und lässt bei dem armen Godzilla wieder ordentlich Blut fließen (ganz nebenbei werden mal ein paar Szenen mit Gigan aus dem Vorgänger recycelt – ist halt schön billig). Gigan mag ich nach wie vor, Megalon war als Monster jetzt nicht so berauschend. Der hätte von mir aus gerne auch in der Tiefsee bleiben können. Naja, es gibt ordentlich Gekloppe und am Ende macht Godzilla den wohl merkwürdigsten Move seiner bisherigen Karriere: Er schlittert rücklings auf seinem Schwanz, die Füße voran, auf seine Gegner und kickt Gigan so in die Flucht. Das wiederholt er sogar und es sieht einfach nur verrückt aus. Bescheuert und verrückt, aber irgendwie auch witzig.

Teil 13 ist witzig, witziger als sein Vorgänger, aber immer noch ganz schön gaga.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Verfolgungsjagden, Unterwasser-Reiche, Roboter und Monster – mit einem richtigen Drehbuch hätte hier was Großes entstehen können – so war es aber immer noch unterhaltsam)

Unfall auf der Brooklyn Bridge

6. März 2019

Marc Forster ist eigentlich ein toller Regisseur. Es ist jedoch interessant zu sehen, wie jemand dann doch einen „schlechten“ Ruf (ist jetzt vielleicht etwas übertrieben…) bekommt, sobald er sich dem Mainstream zuwendet und gleich zwei Filme produziert, die einfach nicht so gut ankamen. Sein Bond-Abenteuer war eine kleine Katastrophe und auch sein „World War Z“ war ziemlicher Mist (ich empfehle nach wie vor eher das großartige Buch von Max Brooks). Aber Forster nur an diesen beiden Filmen auszumachen, wäre fatal. Immerhin bescherte er mit „Monster’s Ball“ Halle Berry einen Oscar, sein „Wenn Träume fliegen lernen“ war ebenfalls ein gefeierter Erfolg und gerade erst vor kurzem habe ich ja „Stranger than Fiction“ gesehen – auch ein toller Film. Jetzt habe ich einen Film von ihm gesehen, der ja alles noch toppt; ein Film, auf den Hitchcock, Lynch und Shyamalan sehr stolz sein dürften, huldigt er doch irgendwie allen drei Regisseuren und findet dennoch seinen eigenen Stil: „Stay“!

Psychiater Sam (Ewan McGregor) bekommt einen neuen Patienten – den jungen Kunststudenten Henry (Ryan Gosling), ein merkwürdiger Kerl. Henry hört Stimmen, scheint die Zukunft vorhersehen zu können, gibt sich die Schuld für einen Unfall und sagt, dass er sich schon bald umbringen wird. Für Sam ein schwieriger Fall, denn er nur widerwillig mit seiner Freundin (und ehemaligen Patientin) Lila (Naomi Watts) teilt – schließlich hat sie auch versucht, sich einst umzubringen. Sam läuft die Zeit davon, will er Henry irgendwie vom Selbstmord abhalten.

„Stay“ ist die Art von Film, den man Leuten wahrscheinlich wirklich am besten damit schmackhaft machen kann, indem man ihn mit „Sixth Sense“ vergleicht. Zumindest in der Form, dass es sich um einen Film handelt, der am Ende einen ziemlich verrückten Twist hat. Gleichzeitig zieht man „Stay“ mit diesem Vergleich auch ziemlich runter, denn er hinkt. Wenn ich wählen müsste, würde ich sagen, „Stay“ ist der weitaus bessere Film, der viel gekonnter damit spielt, dass es am Ende einen verrückten Plottwist gibt. Denn während „Sixth Sense“ ja recht gradlinig ist und nur zum Schluss die große Twist-Keule auspackt, ist „Stay“ von Anfang an voller (gewollter) Irritationen.

Alles in diesem Film fühlt sich wie ein merkwürdiger Traum. An dieser Stelle muss ich etwas tun, was ich sonst nur selten oder eigentlich nie tue: Die Aufmerksamkeit mal auf den Kamera-Mann und den Cutter richten. Was die beiden uns in „Stay“ abliefern, trägt einfach ungemein dazu bei, dass sich dieses Gefühl der Irritation, der Orientierungslosigkeit breit macht. Kamera-Mann Roberto Schaefer rückt den Charakteren immer wieder auf die Pelle, versucht quasi mit der Linse ins Innere dieser Charaktere zu blicken. Doch erst Cutter Matt Chessé macht aus den Bildern ein opulentes Verwirr-Spiel. Die Schnitte sind wirr, verrückt, irritierend. Man weiß irgendwann nicht mehr, was wirklich passiert und was vielleicht doch nur ein Traum sein könnte. Immer wieder tauchen im Film auch bestimmte Elemente auf, die sich wiederholen, die einen Hinweis darauf geben, dass hier etwas merkwürdiges vor sich geht.

Dazu kommt einfach mal ein umwerfend guter Ewan McGregor, der stellvertretend für uns irgendwann auch nicht mehr so genau einschätzen kann, was um ihn herum passiert. Gerade McGregor ist hervorzuheben, weil er für uns als Zuschauer der Anker ist. Wenn sich auch ständig irgendwas verändert, irgendwas merkwürdig zu sein scheint – McGregors Sam ist bei uns und mindestens genauso verwirrt wie wir. Naomi Watts und Ryan Gosling dienen einfach nur als weitere Punkte, denen man trauen möchte, aber doch nie weiß, ob da nicht irgendwas faul ist.

„Stay“ ist wirklich ein aufregender Film, der ja doch sehr untergegangen zu sein scheint. Was verdammt schade ist, denn dieser Film ist wirklich verdammt gut.

Wertung: 9 von 10 Punkten (wunderbares Verwirrspiel mit einem umwerfenden Ewan McGregor)

Die Schöne, das Biest und die Apokalypse

4. März 2019

Ich habe mal eine Frage: Wie lange nach dem Schauen einer Serie oder eines Films ist es eigentlich noch vertretbar eine Kritik zu schreiben? Mit der Zeit geht ja die Erinnerung an das Gesehene schon ein wenig zurück – und ohne jetzt Notizen gemacht zu haben, kann man sich ja kaum noch auf etwas beziehen? Oder doch??? Normalerweise versuche ich, nicht mehr als eine Woche, maximal zwei, vergehen zu lassen, um meine Gedanken auf dies wunderbare virtuelle Papier zu packen. Doch jetzt habe ich einen ziemlich krassen Sonderfall – meine letzte Kritik zu „Angel“ liegt jetzt wirklich Monate zurück. Im August 2018 hab ich über Staffel 3 geschrieben – seitdem habe ich die Serie schon lange zu Ende geschaut und setze mich nun nach Ewigkeiten mal hin, um darüber zu berichten, wie ich denn Staffel 4 fand. Ich hoffe, ich bin da jetzt nicht zu unglaubwürdig, aber Staffel 4 hängt auch jetzt noch mit vielen interessanten Punkten in meinem Gedächtnis.

Nach den Ereignissen von Staffel 3 – Angel (David Boreanaz) wird von seinem eigenen Sohn Connor (Vincent Kartheiser) im Meer versenkt und Cordelia (Charisma Carpenter) wird zu einem Höheren Wesen ernannt – sind alle ziemlich durch den Wind. Doch Wesley (Alexis Denisof) sei Dank, denn er findet Angel und bringt ihn zurück. Anschließend taucht sogar Cordelia wieder auf – nur hat sie scheinbar ihr Gedächtnis verloren. Ab hier geht’s dann echt drunter und drüber. Ein diabolisches Biest erscheint und läutet die Apokalypse für seinen Meister ein – ein Meister, der sich als Cordelia herausstellt. Die wiederum ist schwanger von Connor (!!!!) und gebiert am Ende das wahre Böse, in Form eines Wesens, mit dem man so nun wirklich nicht rechnen würde.

„Angel“ Staffel 4 hat alles, was man braucht, um die Staffel zu lieben und gleichzeitig zu hassen. Zu den Hass-Momenten gehört in dieser Staffel definitiv alles, was sich rund um Connor dreht. Diese ganze Story fühlt sich einfach nur falsch an und irgendwann nervt der kleine Connor auch nur noch mit seinem Gehabe. Die Tatsache, dass er mit der Frau schläft, der Angel noch im Finale von Staffel 3 seine Liebe gestehen wollte, ist auf der anderen Seite aber auch ein ganz schöner Hammer. Das ist schon so „Game of Thrones“-mäßiger Shit, an dem man ganz schön zu kauen hat. Ein cooler Schachzug, der Staffel 4 einfach noch einmal auf eine ganz andere Ebene – und das ist dann auch was, wodurch sich Angel sehr von der Mutter-Serie „Buffy“ unterscheidet. Da ist zwar auch vieles kaputt (siehe die ganze Sache in“Buffy“ Staffel 6), aber „Angel“ sprengt das einfach nochmal. Somit kann ich selbst dieser eigentlich doofen Connor-Cordelia-Sache etwas Gutes abgewinnen.

Tatsächlich wirklich richtig gut ist die ganze Nummer mit dem Beast. Hier ist wirklich mal Apokalypse angesagt und das Ding ist einfach mal tausendmal stärker als jeder vorherige Angel-Gegner. Das geht dann sogar soweit, dass man Angelus heraufbeschwört, um einen würdigen Gegner zu haben. Angelus ist immer toll zu sehen, denn Boreanaz geht in dieser herrlich fiesen Rolle wunderbar auf. Ich find’s nach wie vor immer wieder toll, wie gut er die Differenzen zwischen dem guten Angel und seinem bösen Gegenpart ausspielt.

So richtig einen drauf setzt Whedon dann mit dem großen Finale der vierten Staffel, wenn Cordelias „Kind“ geboren wird. Und ja, auch wenn die Serie schon recht alt ist, will ich an dieser Stelle nicht verraten, wer das ist („Firefly“-Fans dürfen sich aber auf jeden Fall freuen!). Auch hier beweist Whedon wieder seine Kreativität und liefert uns einen Endboss (!), der es in sich hat, weil er einfach mal so ganz anders ist, als das, was man nach dem Aufbau der Story erwartet hätte.

Staffel 4 von „Angel“ hat einfach wirklich alles zu bieten: hassenswertes und gutes. Und eigentlich ist es auch genau dieser Mix, der das Ganze so großartig macht. Joss Whedon traut sich was, spielt mit seinen Charakteren ganz so, wie er gerade Lust hat, stellt sie vor neue Aufgaben und würfelt das ganze Gefüge ordentlich durcheinander. Da kann einem schon so einiges mal sauer aufstoßen, aber wenn man mal genau drüber nachdenkt, ist das eigentlich genau das, was man von einer Serie will. Dass sie auch mal was ausprobiert, die Grenzen des Gegebenen überschreitet und den Zuschauer auch noch einmal überrascht. Ich würde mal sagen, dass ich Whedon mit Staffel 4 mehr als nur gelungen. Klar, beim Schauen selbst war es mir noch nicht so bewusst, aber es passt am Ende einfach alles ziemlich gut zusammen – und mit einem richtigen krassen Finale wird man dann in Staffel 5 entlassen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der Weltuntergang war bislang weder bei Buffy noch bei Angel so spannend)