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Calvin, der Marsianer

24. März 2017

Willkommen zu einem Film, den man eigentlich gar nicht mehr gucken braucht, wenn man den Trailer gesehen hat. Willkommen bei Daniel Espinosas „Life“. Ein trauriges Beispiel dafür, dass Trailer heutzutage einfach viel zu weit gehen, viel zu lang gehen und einem das Kino-Erlebnis eigentlich schon versauen, bevor es überhaupt angefangen hat. Denn mehr als das, was im Trailer zu sehen bekommt, gibt es im Film eigentlich nicht. Jeder, der auch nur einen „Alien“-Film gesehen hat, wird wissen, was ihn in diesem Film erwartet. Was schade ist, weil sich der Film so allein durch den Trailer meiner Meinung nach viel verbaut. Gerade dieser Film hätte einen atmosphärischeren Trailer verdient gehabt: weniger Story, sondern mehr von der Grundstimmung.

Die Crew an Bord der Raumstation ISS fängt eine Sonde vom Mars ab, die möglicherweise den Beweis für Leben im All in sich trägt. Und tatsächlich können die Forscher eine Zelle beleben, die von den Kindern der Erde „Calvin“ getauft wird. Das Blöde ist nur, dass Calvin rapide wächst und zu einem fiesen Monster wird, dass die Astronauten an Bord der ISS als Nahrung sieht.

Wie man vielleicht an dieser knappen Inhaltsangabe schon erkennen kann, hat „Life“ ein wirklich großes Problem: Die Charaktere sind eigentlich vollkommen egal. Ja, da spielen Größen wie Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds und auch „Mission: Impossible“-Dame Rebecca Ferguson mit, aber der Film baut diese Charaktere nie aus. Sie sind Alien-Futter, nicht mehr und nicht weniger, deswegen brauchen wir uns nicht um sie zu kümmern. Was ein bisschen schade ist, böten doch gerade die Charaktere eine Möglichkeit, dieses Weltall-Kammerspiel ein bisschen interessanter zu gestalten. Jake Gyllenhaal spielt einen Mann, der so lange wie noch keiner im Weltall war und der offensichtlich auch gar nicht auf die Erde zurück will. Warum und wieso – ist egal! Und das war’s dann auch schon mit interessanten Hintergrundgeschichten. „LOST“-Veteran Hiroyuki Sanada darf im All die Geburt seiner Tochter miterleben und hat sie als Motivation im Überlebenskampf… aber genauso gut hätte man das auch weglassen können. Die Charaktere bedeuten in „Life“ leider so gut wie gar nichts. Jake Gyllenhaal wirkt einfach nur immer traurig (vielleicht, weil er nicht auch noch in Villeneuves „Arrival“ mitspielen durfte, wo er doch schon zwei Filme davor mit ihm gedreht hat), Ryan Reynolds hängt mit schnippischen Kommentaren gefühlt noch bei „Deadpool“ fest und ja, das war’s. Sie sind halt einfach nur Alien-Futter, mehr leider nicht.

Was ja theoretisch nicht so tragisch wäre, wenn der Rest gut Hand in Hand gehen würde. Aber auch da kriselt es ein wenig. Positiv anzumerken ist, dass der Film zumindest anfangs wirklich toll aussieht. Es gibt einen tollen schwerelosen One-Take, die ISS sieht mal wieder toll aus, das Weltraum-Gefühl ist auch da. Ich fühlte mich zu Beginn sehr an „Gravity“ erinnert, wenn Daniel Espinosa einfach nur den Weltraum zelebriert und die Menschen im All und die Schwerelosigkeit. Da ist alles echt toll geworden, sieht gut aus… ist aber auch nur der Anfang, bis Calvin halt an Bord kommt.

Auch das ist anfangs noch interessant: wir erleben die Evolution des Wesens vom Einzeller zum Tentakel-Monster mit Riesenhunger. Nur ab dem Moment, wo Calvin seinen Hunger zeigt, wird aus „Life“ einfach nur ein schnöder Horror-Film, der verzweifelt versucht, „Alien“ zu kopieren. Was nur leider nie so richtig funktioniert. Das Kreaturen-Design fand ich noch ganz witzig, auch wenn Tentakel-Monster jetzt nicht sonderlich kreativ ist. Aber Calvin hatte was – vor allem in seinem früheren Status sah das Ding noch ziemlich cool aus. Später halt Tentakel-Monster. Ein Tentakel-Monster, dass durch Lüftungsschächte krabbelt und unerwartet auftaucht. Jupp, „Alien“ a la 2017 halt. Nur halt in weniger gruselig und Nerven zerfetzend. Es gibt ein paar jump scares, die Horror-Kenner kaum jucken werden. Dazu noch ein paar Fress-Momente, aber das war’s auch schon.

Diese Mischung aus wissenschaftlichem Science-Fiction, in dem uns alles so plausibel wie möglich erklärt wird (sogar die Tatsache, das Calvin töten muss, wird logisch erklärt) und Alien-Horror-Film gelingt einfach nicht so gut. Dazu gibt es dann noch das klischeehafteste 80er Jahre Horror-Film-Ende, das man auch schon von Weitem kommen sehen kann… und das ist dann „Life“.

Versteht mich nicht falsch, es ist ein unterhaltsamer Film, der nicht langweilt, der aber auch keine Neuerungen zum schon ewig Altbekannten gibt. Und wie gesagt, letztendlich kann man sich das Kino-Geld sparen, in dem man einfach den Trailer guckt. Denn sonderlich viel mehr gibt der Film wirklich nicht her.

Wertung: 6 von 10 Punkten („Gravity“ trifft auf „Alien“ – nur ohne die Qualitäten dieser Vorbilder)

I ain’t afraid of no ghosts!

22. März 2017

Nach dem ich den Zauber des ersten „Ghostbusters“-Film noch einmal durchlebt habe und dann feststellen musste, dass „Ghostbusters 2“ nur in meiner Erinnerung wirklich, wirklich gut war, habe ich mich dem großen, bösen Reboot gestellt. Ich werde jetzt nicht noch einmal auf diese unmögliche Debatte eingehen, die im Vorfeld des Films entstand, aber ich sage dazu so viel: Es ist schon bezeichnend für die Welt, in der wir jetzt leben, dass man sich lange, lange vorher über etwas aufregt, ohne es gesehen zu haben, nur weil irgendwelche „nostalgische“ Gefühle verletzt werden. Ja, ich war auch nicht glücklich, dass es ein Reboot zu den „Ghostbusters“ geben würde, aber das macht ja die Erfahrung des Klassikers nicht kaputt. Sollen Hardcore-Fans doch einfach dem Reboot fernbleiben und gut ist. Auch die Tatsache, dass Frauen jetzt die Männer ablösen – deswegen jetzt gleich den Weltuntergang zu beschwören, ist auch… naja, irgendwie traurigerweise auch passend für die Zeit, in der wir leben. Ich habe auf diesen ganzen Bullshit nichts gegeben, wollte mir den Film auch einfach erst gar nicht anschauen, aber die Neugierde hat mich jetzt doch besiegt… weswegen ich Paul Feigs Reboot dann mal eine Chance gegeben habe.

Zum Inhalt will ich gar nicht viel sagen: Das Reboot fängt ähnlich an wie der erste „Ghostbusters“-Film: drei Wissenschaftler finden sich zusammen und jagen Geister und bekommen mittendrin noch einen vierten Ghostbuster dazu, der keine Ahnung von Wissenschaft hat. Die neuen Ghostbusters sind Abby Yates (Melissa McCarthy als Dan Akroyd-Ersatz), Erin Gilbert (Kristen Wiig als Harold Ramis-Ersatz), Jillian Holtzmann (Kate McKinnon als Bill Murray-Ersatz) und Patty Tolan (Leslie Jones als Ernie Hudson-Ersatz). Erst will sie keiner für voll nehmen, dann tauchen die ersten Geister auf und alle mögen sie doch und dann kommt das große Geister-Finale. Ach ja, und sie haben den dümmsten Menschen der Welt als Sekretär: Kevin (Chris Hemsworth).

Sie hätten zuhause bleiben sollen

Ich dachte, mein Erfahrung mit Teil 2 hätte mich auf diesen Film vorbereitet. Aber nichts konnte mich auf diesen Film vorbereiten. Ich hatte ja schon von vielen Seiten gehört, dass der Film nicht gut sein soll, weswegen ich nichts, wirklich gar nichts Großes von diesem Film erwartet habe. Und trotzdem hat mir „Ghostbusters“ zu keiner Minute gefallen. Was für ein humorloser Film!!! Ich hätte es ja nicht für möglich gehalten, dass eine Komödie so dermaßen unlustig sein kann.

Ich kann zwei Dinge nennen, die ich einigermaßen okay fand: Das wären zum einen die Gadgets, die fand ich tatsächlich alle ziemlich cool, weil es mal ein paar andere Sachen waren als die Sachen, die man schon kannte. Und zum anderen wäre das die Grundidee der Geschichte. Größtes Problem dabei war jedoch der vermeintliche Bösewicht, der in keinster Weise irgendwie eingeführt wird. Er ist einfach da und will Geister befreien, weil ihn… alle hänseln??? An sich aber fand ich die Idee dahinter mit dem riesigen Portal nicht so übel. In fähigen Händen hätte man daraus ja vielleicht noch was machen können.

Das war’s dann aber auch schon mit dem „Lob“ für „Ghostbusters“. Der Rest des Films ist eigentlich nicht zu beschreiben. Am meisten erschrocken hat mich wirklich die Tatsache, wie unlustig dieser Film ist. Und viel schlimmer, wie verzweifelt er versucht, lustig zu sein. Ich konnte wirklich kaum über irgendwas lachen, ich fand es einfach alles so dermaßen dumm. Das war alles so dermaßen albern und viel schlimmer noch ohne Gefühl für Timing. Der ganze Film fühlt sich wie eine verzweifelte Sketch-Show an, bei der kein Witz wirklich zieht. Und dem Ganzen setzt Paul Feig dann durch den dummen Kevin die Krone auf.

Was bitte sollte Kevin denn sein??? Oh mein Gott, was zur Hölle war das? Wie zur Hölle konnte Chris Hemsworth zu sowas nur „Ja“ sagen? Haben sie ihm mit Mord gedroht? Mit Rausschmiss bei Marvel? Bitte, was war das? Ich meine, dümmliche Charaktere gibt es ja immer, Rick Moranis war ja in den beiden vorherigen Ghostbusters-Filmen selbst so einer. Aber der hatte wenigstens noch Charme. Kevin in „Ghostbusters“ ist so dumm, dass es eine Beleidigung für jeden dummen Menschen ist. Der hält sich die Augen zu, wenn es laut wird und redet solches Zeug:

Kevin: Would it be okay if I bring my cat to work sometimes? He has major anxiety problems.

Abby Yates: You know what? I would love to let your cat live here with you, but I have a pretty severe cat allergy.

Kevin: Oh, I don’t have a cat. He’s a dog. His name’s My Cat.

Abby Yates: Your dog’s name is My Cat?

Kevin: Mike Hat.

Erin Gilbert: Your dog’s name is Mike, last name Hat?

Kevin: Well, his full name is Michael Hat.

Abby Yates: I can’t say that I’m allergic to dogs… so.

Kevin: You know, it’s all right. He lives with my mum.

Das ist nicht nur ein Beispiel für dummes Zeug, das Kevin labbert. Es ist auch ein Beispiel für die Art von Humor, den uns Paul Feig liefert. Warum, wieso??? Was zur Hölle war das? Und diese Art von „Humor“ (es tut weh, es überhaupt so nennen zu müssen) zieht sich durch den kompletten Film.

Thor – in einem Anfall von Wahnsinn

Diese Art von Drehbuch kann dann auch leider durch niemanden gerettet werden. Auch die Darstellerinnen nicht. Ich hatte schon das Gefühl, dass die Bock auf diesen Film hatten – nur waren die Charaktere so komplett unausgereift und begrenzt auf diesen tollen Humor von Paul Feig, dass auch hier niemand punkten konnte. Allerdings frage ich mich auch, warum denen das selbst nicht aufgefallen ist, wie dämlich das Zeug ist, das sie da labern müssen. Ich gestehe, ich mochte die Charaktere eigentlich, ich konnte mich sogar mit Melissa McCarthy anfreunden – nur ging mir deren Art und Weise so auf den Sack. Mit einem besseren Drehbuch hätten diese vier Damen wirklich was leisten können. So werden sie zu unsäglichen Witzfiguren in ihrem eigenen Film.

Die vielleicht größte Witzfigur (neben Kevin) ist dann leider, leider, leider Bill Murray. Hat man jemals einen so lustlosen Cameo gesehen??? Ich meine, alle Cameos im Film (und sie hatten ja wirklich fast alle da) waren jetzt nicht sonderlich clever, sondern auch nur wüst reingeschriebene Szenen. Aber Bill Murray ist eine echte Nummer für sich… wow, war das mies. Wow, einfach nur wow!!!

Von den wenig spektakulären Effekten will ich zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr sprechen. „Ghostbusters“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie allein schon ein Drehbuch alles kaputt machen kann. Denn wie gesagt, mit dem Cast und der Prämisse plus ein paar wirklich guten Gag-Schreibern hätte aus diesem Film echt was werden können. So ist dieser ganze Film für mich ein einziges Fremd-Schämen gewesen… und ich war sehr froh, als es endlich vorbei war.

Wertung: 2 von 10 Punkten (hoffen wir mal, dass die „Zuul“-Post-Credit-Scene nur ein weiterer schlechter Witz gewesen ist)

Der Rote Blitz

20. März 2017

Ich habe mein Glück mit „Arrow“ versucht und es ziemlich schnell aufgegeben. Irgendwann ab Folge, vier, fünf oder sechs dachte ich mir einfach nur, dass das nichts für mich sein wird. Und ich dachte, dass den DC-Serien ein ähnliches Schicksal blüht wie den DC-Filmen: Sie kommen einfach nicht an Marvel ran. Marvels Kinofilme sind buntes, unterhaltsames Popcorn-Kino, während die Marvel-Serien wie „Daredevil“ oder „Jessica Jones“ schon auch schwere Kost sein können, harte Thriller und Dramen verpackt als Superhelden. Doch dann legte mir ein Freund nahe, ich solle „The Flash“ doch zumindest mal eine Chance geben.

Nun fand ich die Bilder, die ich zu „The Flash“ gesehen hatte nie so aufregend und hielt es für albernen Kinder-Kram, aber ich muss auch gestehen, dass ich als kleiner Junge dieser komische 90er-Jahre-Serie sehr gerne gesehen habe. Und nun war dieser Freund, der mir „The Flash“ nahelegte, auch der gleiche, der hartnäckig ein Jahr lang nicht locker ließ, um mich wieder von „The Walking Dead“ zu überzeugen. Also war ich es ihm irgendwie auch schuldig, „The Flash“ zu gucken… und das schneller als es mit „The Walking Dead“ gedauert hat.

Und so fand ich mich dann an einem langweiligen Abend zuhause wieder und war froh, dass ich als amazon-Prime-Mensch, „The Flash“ sogar „kostenlos“ sehen kann und fing an. Da haben wir also die Geschichte des jungen Barry Allen (Grant Gustin), der als kleiner Junge seine Mutter verlor, als die in einem wirren Blitzwirbel ums Leben kam, in dem der kleine Barry einen Mann gesehen haben will. Doch keiner glaubt ihm, sein Vater geht für den angeblichen Mord an seiner Frau ins Gefängnis und Barry wächst bei Polizist Joe West (Jesse L. Martin) und dessen Tochter Iris (Candice Patton) auf, in die Barry heimlich verliebt ist, es ihr aber nicht gestehen kann. Dann wird Barry, jetzt schon ein junger Mann, der bei der Polizei als forensischer Ermittler arbeitet, eines Tages durch die Explosion eines Teilchenbeschleunigers zum schnellsten Mann der Welt, trifft auf das Genie Harrison Wells (Tom Cavanagh) und dessen Team aus dem nicht weniger cleveren Cisco (Carlos Valdes) und Dr. Caitlin Snow (Danielle Panabaker) und wird mit deren Hilfe zum Flash, um andere Meta-Humans, die durch die gleiche Explosion ebenfalls Kräfte bekommen haben, zu schnappen… und dabei kommt er dann auch noch dem Mörder seiner Mutter auf die Spur.

Da gucken sie ganz schön in die Röhre

Puh… viel Stoff, aber damit ist die Grundlage erst einmal gelegt. Eine gute Grundlage, die ich von Anfang an eigentlich mochte. Ich muss sogar sagen, dass ich von der ersten Folge an mehr als nur positiv überrascht war… ja, die weiteren Folgen hatten so dieses „Akte X“-Prinzip: jede Folge ein weiterer Meta-Human und ein weiteres abgeschlossenes Abenteuer für den Flash. Aber ganz so einfach kann man es dann doch nicht sagen, denn jede Folge offenbarte am Ende ein kleines Teil vom großen Puzzle. Ich muss sogar gestehen, dass ich mich mit jeder Folge der ersten Staffel mehr und mehr auf die letzten Minuten gefreut habe, weil hier halt wirklich die Rahmenhandlung clever angefüttert wurde. Man bekommt immer nur einen kleinen Teil zu sehen, aber je mehr man sieht, desto spannender und interessanter wird das Ganze.

Aber ich weiche ein wenig ab… denn ich mochte auch die Freaks of the Week… und überhaupt den ganzen Ton der Serie. Denn „The Flash“ ist halt mal nicht so bitter ernst und düster. Gerade mit Cisco haben wir jemanden, der den Pop-Kultur-Nerd spielt, der Sprüche reißt, jedem Meta-Human seinen Spitznamen verpasst, der cooles Zeug bastelt und einfach nur eine unheimlich sympathische und witzige Type ist. Aber auch Grant Gustin funktioniert perfekt als Barry Allen a.k.a. The Flash. Er passt gut in die Reihe der schüchternen Nerds, die ihr Superhelden-Dasein langsam begreifen und erlernen. Was das anbelangt, erfindet „The Flash“ wirklich nichts neu, sondern fährt sogar mehr oder weniger die klassische Schiene: Lerne deine Fähigkeiten kennen, lerne deine Grenzen kennen, schmolle ein bisschen wegen der Damen und verarbeite deine Vergangenheit. Aber hey… weil die Serie so locker-flockig daher kommt, sich nie zu ernst nimmt und die Charaktere allesamt mehr als sympathisch sind, kann ich das verschmerzen.

Was ich nicht so verschmerzen konnte, waren diese sehr gewollt wirkenden „Arrow“-Crossover-Folgen. Ja, ich weiß, Barry Allen war zuerst in der Serie, aber allein steht er viel besser da. Aber gut, immerhin wird im DC-Serien-Universum viel stärker damit gespielt. Wenn ich überlege, wie zaghaft und ängstlich die das bei den Marvel-Netflix-Serien machen… man darf nur nennen, aber Hauptcharaktere dürfen noch nicht auftauchen… pah!!!!

Tja… und dann hat „The Flash“ ja halt noch die angedeutete größere Geschichte, die nach der Hälfte der Serie immer intensiver in den Vordergrund gerückt wird und unglaublich spannend ist. Ich will nicht zu viel verraten (für die, die Serie noch nicht kennen), aber es ist schon verdammt cool. Zeitreisen, ein zweiter Flash, ein Verdacht, den wir als Zuschauer schon längst bestätigt wissen, aber unsere Freunde in der Serie noch nicht… die Macher der Serie spinnen ihre Geschichte um den Mord an Barrys Mutter gekonnt weiter… und liefern am Ende der ersten Staffel ein Finale ab, das es in sich hat. Und natürlich einen Cliffhanger, der mich gespannt auf Staffel 2 schielen lässt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (eine typische Superhelden-Serie, die es trotzdem bestens drauf hat, sehr gut zu unterhalten)

P.S.: Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber Tom Cavanagh wird für mich auf ewig J.D.s nerviger Bruder aus „Scrubs“ bleiben – egal, wie verdammt gut er in dieser ersten Staffel auch sein mag 😉

Random Sunday #6: The Teleportation Accident

19. März 2017

Ich bin ein begeisterter Leser von Listen! Vor allem Listen zum Thema „Bücher, die man gelesen haben muss“ oder „Bücher, von denen du noch nie was gehört hast, die du aber unbedingt lesen musst!“. So zwei-, dreimal pro Jahr überkommt mich die Lust nach solchen Listen und ich verbringe dann ein wenig Zeit damit, solche Listen nach neuem Lesestoff zu durchforsten und meine Amazon-Wunschliste mit zig neuen Titeln aufzufrischen. Dadurch wird meine Liste immer länger und länger und ich weiß bei vielen Titeln schon gar nicht mehr, warum ich sie drauf habe. Ich weiß nur, dass sie mich irgendwann mal interessiert haben. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir dann mal ein Buch rausgepickt, dass vor Ewigkeiten auf meiner Liste landete und mittlerweile ziemlich weit unten stand… aber allein der Name und die Prämisse zeigten mir dann wieder, warum ich es ursprünglich aufgenommen hatte: „The Teleportation Accident“ von Ned Beauman.

Wir befinden uns in den 30er Jahren, mitten in Berlin. Der Theater-Setdesigner Egon Loeser ist von zwei Dingen besessen: zum einem wäre da der venezianische Theaterbauer Lavinci, der irgendwann im 17. Jahrhundert einen Apparat baute, der Teleportation für ein Theaterstück möglich machen sollte. Leider ging das Ganze nach hinten los, die Maschine zerstörte bei der Premiere das ganze Theater und Lavinci. Zum anderen wäre da die junge Adele Hitler (nicht mit Adolf verwandt), die Egon unbedingt ins Bett kriegen möchte. Doch vor ihm ist gefühlt halb Berlin dran. Da Adele seine größere Obsession wird, folgt er ihr erst nach Paris, dann nach L.A., wo ihn dann auch wieder das Thema der Teleportation einholt. Denn ein Professor steht hier kurz vor einem Durchbruch…

„The Teleportation Accident“ ist ein umwerfendes Buch, ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte, weil es mich einfach so unglaublich fasziniert hat. Allein die Tatsache, dass unser Protagonist einfach nur aus seinen niederen Trieben heraus agiert und es ihm die ganze Zeit nur um Sex geht, ist schon recht außergewöhnlich. Dazu muss man aber auch sagen, dass Ned Beaumans Egon Loeser ein sehr merkwürdiger Mensch ist, von dem man nie so ganz weiß, ob man ihn nun sympathisch finden soll oder nicht. Und meistens tendierte ich eher zu „nicht“: Er ist ein egoistischer Mensch, ein neiderfüllter Mensch, ein ignoranter Mensch, der sich um die Geschehnisse um sich herum nicht schert. Daraus ergründet aber auch eine gewisse Faszination: Wie kann ein Mensch so stur-blind durchs Leben gehen? Wie kann ein Mensch im Berlin der 30er Jahre den Aufstieg der Nazis „versäumen“? Wie kann ein Mensch einer Bücherverbrennung beiwohnen und denken, es wäre ein Kunst-Projekt (und dann macht er auch noch fröhlich mit, weil er all die verhassten – weil erfolgreicher als er – Autoren ins Feuer werfen darf)? Egon Loeser ist ein ungewöhnlicher „Held“ für diese Geschichte, die aber zum Glück selbst einfach ungewöhnlich ist.

Ned Beauman spielt mit so ziemlich jedem Genre, das er finden kann – und das verdammt gut. Die Berliner-Jahre sind Historien-Drama, ein Blick auf die Gesellschaft kurz vor dem Zusammenbrechen. Die L.A.-Jahre sind eine Mischung aus Pulp Fiction, Krimi-Roman, Verschwörungsroman. Gewürzt mit einer Prise Spionage und einer äußerst interessanten Faszination für den Autoren H.P. Lovecraft. Beauman schafft es immer wieder, ein bisschen Fantastisches in diesen Roman einfließen zu lassen – so glaubt die Regierun zum Beispiel, dass die Werke von Lovecraft echt sind. Nur zwei Seiten später hinterfragt man das Ganze schon wieder. „The Teleportation Accident“ spielt unglaublich gut mit unseren Erwartungen und mit den Genres. Man kann einfach nicht aufhören zu lesen, einfach nur, weil man wissen will, was dann nun stimmt und was nicht.

Dazu hat dieser Roman einfach mal das großartigste Ende, das ich bislang gelesen habe. Was einfach mal zeigt, dass „The Teleportation Accident“ bis zum letzten Wort zu überraschen vermag. Ned Beauman gehört auf jeden Fall für mich jetzt zu den Autoren, die ich im Auge behalte. Wer also mal wieder etwas sehr Frisches, Aufregendes und Unerwartetes lesen möchte, dem kann ich „The Teleportation Accident“ wirklich nur wärmstens empfehlen. Von Liebe, Leid, Spionage, Betrug, über Verschwörungen, wahre Geschichte, erfundene Geschichte bis hin zu Science-Fiction und Fantasy ist wirklich alles in einem so guten Mix dabei!

Übrigens, der deutsche Titel zu „The Teleportation Accident“ ist ein klein wenig klobiger und unaussprechlicher als irgendwas sonst: „Egon Loesers erstaunlicher Mechanismus zur beinahe augenblicklichen Beförderung eines Menschen von Ort zu Ort“. Wer auf die intelligente Idee gekommen ist, aus dem Original-Titel so ein Monster von einem Titel zu machen, gehört eingesperrt.

Achtung, emotionaler Schleim!

17. März 2017

Ich versuche gerade den Mut aufzubringen, mir das Reboot zu „Ghostbusters“ anzuschauen. Der originale „Ghostbusters“ ist halt einfach Kult und natürlich beäugt man da jede Art von Remake, Reboot, was auch immer kritischer. Vor allem, wenn dieser Film (oder zumindest diese Charaktere) so ein wichtiger Bestandteil der eigenen Kindheit war. Ich habe die Filme geliebt, die Zeichentrick-Serie sowieso – natürlich ist man da skeptisch. Mich interessiert da weniger, ob nun Frauen die neuen Ghostbusters spielen. Mir geht es eher um dieses Nostalgie-Gefühl, das angegriffen wird. Doch wie ich jetzt lernen musste, kann der schöne Schein der Nostalgie auch ordentlich die Sicht auf die Dinge trüben – denn ganz ehrlich: der zweite „Ghostbusters“-Film ist wirklich nicht gut! Und dabei hatte ich ihn so gut in Erinnerung.

Fünf Jahre nach ihrem kometenhaften Aufstieg und nachdem sie die Stadt vor Gozer und einem riesigen Marshmallow-Mann gerettet haben, steht es nicht gut um die Ghostbusters. Statt Geister zu jagen, hat sich die Gruppe getrennt. Ray (Dan Akroyd) betreibt einen Buchladen und tritt gemeinsam mit Winston (Ernie Hudson) auf Kindergeburtstagen auf. Egon (Harold Ramis) forscht an menschlichen Emotionen und Peter (Bill Murray) hat eine TV-Show und lebt getrennt von Dana (Sigourney Weaver), die mittlerweile einen Sohn von ihrem Ex-Mann hat. Der ist dann auch in Gefahr, als unheimliche Kräfte versuchen, ihn zu entführen. Dana trommelt die Jungs wieder zusammen, die darauf hin nicht nur einen merkwürdigen Schleim-Fluss unter New York entdecken, sondern auch jede Menge Geistererscheinungen – und den furchteinflößenden Vigo, der in einem Gemälde gefangen ist und durch Danas Sohn wiedergeboren werden möchte.

Das zeigt doch schon einfach alles über diesen Film aus, oder nicht?

Ein Glück hat „Ghosterbusters 2“ noch den Original-Cast des ersten Films, ansonsten wäre diese Fortsetzung wirklich eine Vollkatastrophe. Hier macht ja wirklich gar nichts mehr so richtig Spaß. Vor allem, warum zur Hölle werden die Geisterjäger jetzt auf einmal von allen verachtet? Es ist doch gerade mal fünf Jahre her, dass sie New York gerettet haben. So schnell kann das doch keiner vergessen haben. Doch letztendlich scheint das der Fall zu sein. Die kämpfen jetzt wieder mit den gleichen Vorurteilen wie im ersten Teil. Es wäre doch wesentlich interessanter gewesen, wenn man sie jetzt auf ihrem absoluten Höhepunkt gesehen hätte. Jeder feiert sie und sie lassen sich das alles zu Kopf steigen – und dann passiert etwas, dass sie aus diesem Szenario herausreißt. Dann hätte es wenigstens als Fortsetzung an sich einen Sinn ergeben. Sie hätten sich einfach ein Beispiel an „Rocky 2“ nehmen sollen, da läuft das doch genau so ab. „Ghostbusters 2“ fängt einfach an, als hätte es den ersten nie gegeben. Und allein das ist schon selten dämlich.

Und auch die ganzen Geister an sich – das kommt zu keiner Minute an das Original heran. Eher im Gegenteil. Ich hatte oftmals das Gefühl, die Effekte sind schlechter geworden. Wenn ich nur allein an den Geist aus der Bibliothek im ersten Teil denke, das war ein aufregender Schreck-Moment. Sowas sucht man in „Ghostbusters 2“ verzweifelt. Stattdessen gibt es halt diesen komischen Schleim, der wütend wird, wenn man ihn anschreit… und das war’s. Es schien wohl die Prämisse zu geben: „Hauptsache wir haben viel Schleim! Vielleicht können wir dann mit Schleim auch die Tatsache überdecken, dass wir keine gute Idee für eine Fortsetzung hatte und einfach nur das Gleiche noch einmal, nur schlechter, machen!“. Selbst an einem guten Ersatz für den Marshmallow-Mann scheiter „Ghostbusters 2“ – die wandelnde Freiheitsstatue, die von den Ghostbusters selbst durch positiv gestimmten Schleim zum Leben erweckt wird – ist das wirklich alles, was euch dazu eingefallen ist???

„Ghostbusters 2“ fehlen einfach die guten Einfälle. „Ghostbusters 2“ fehlt der Witz und der Charme des ersten Teils. „Ghostbusters 2“ fehlen coole Geister und vor allem fehlt „Ghostbusters 2“ eine wirkliche Bedrohung. Zuul und Gozer waren wenigstens noch wirklich was! Vigo, der öde Mann aus dem Gemälde und sein viel zu absurder Scherge Dr. Janosz, der von einem viel zu aufgedrehten Peter MacNicol gespielt wird, sind einfach öde. Aber hey, Hauptsache, es gibt jede Menge Schleim. Und dann noch mehr Schleim und hurra!!!

Dazu kommt, das keiner aus dem Cast so wirklich überzeugen kann. Ich meine, ich bin schon froh, dass sie alle wieder dabei sind. Aber Bill Murray war einfach nicht mehr der Gleiche wie noch im ersten Teil. Was dann irgendwie auch für den Rest zählt. Irgendwie fehlt einfach das Feuer – und warum man Rick Moranis‘ Rolle jetzt noch erweitern musste, erschließt sich mir auch nicht.

Nach dieser unwitzigen, uninspirierten Fortsetzung habe ich tatsächlich weniger Angst vor diesem neuen Reboot. Denn letztendlich hat der Original-Cast schon ordentlich Schindluder mit dem kultigen Original betrieben, wie schlimm kann es da dann wirklich noch werden? Ich muss jetzt halt nur noch meine allgemeine Abneigung gegen Melissa McCarthy irgendwie unterdrücken und dann werde ich mir das Reboot einfach mal anschauen…

Wertung: 4 von 10 Punkten (das tut echt weh – das ist einfach nicht mehr das Gleiche)

Die Armee der Zwei

15. März 2017

Wie sehr spricht es für einen Film, wenn er seit 27 Jahren entwickelt wird? Angeblich soll Martin Scorsese schon in den frühen 90er Jahren sein Interesse daran geäußert haben, den Roman „Chinmoku“ des japanischen Autoren Endo Shusaku zu verfilmen. Er fertigte ein Drehbuch an, war dann damit unzufrieden und werkelte anschließend über zehn Jahre weiter daran. Kann das gut werden? Oder wird man dann betriebsblind, verrennt sich in seinen eigenen Träumen über einen perfekten Film, der an einem so sehr am Herzen liegt? Wer weiß… aber scheinbar ließ Scorsese dieses Projekt trotz all der anderen Filme, die er in der Zeit drehte, nicht los. Sollte man also nicht auch diese Sturheit bewundern? Immerhin hat er es nach 27 Jahren endlich geschafft, sich dieses Traumprojekt zu erfüllen. Bleibt nur die Frage, ob Martin Scorseses „Silence“ das lange Warten auch rechtfertigt…

Die beiden Jesuiten-Mönche Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) begeben sich so gegen 1638 ins ferne Japan. Sie wollen hier Rodrigues‘ einstigen Mentor Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) finden, der angeblich seinem Glauben abgesagt haben soll. Beide Priester können und wollen das nicht glauben, doch als sie im Land der aufgehenden Sonne ankommen, müssen sie am eigenen Leib erfahren, wie vehement die Christen in Japan verfolgt werden. Dennoch ist vor allem Rodrigues gewillt, seinen alten Lehrer wiederzufinden – und dabei den christlichen Glauben an die einfachen Menschen Japans weiterzugeben.

Friendly Neighborhood Priest-Man

Als ich den ersten Trailer zu „Silence“ sah, musste ich unweigerlich an Francis Ford Coppolas „Apocalpyse Now“ denken… und in gewisser Weise hat mich dieser Vergleich nie so ganz loslassen können. Beide Filme teilen sich das Offensichtlichste: Es sind große Epen über eine Reise ins Ungewisse. Genau wie Captain Willard begibt sich Pater Rodrigues auf die Suche nach einem verschollenen Mann, der vom „rechten Weg“ abgekommen ist. Während sich Coppola dann jedoch wirklich auf diese reine Suche bezieht und uns dabei das Chaos des Krieges und den Wahnsinn dahinter näherbringt, ist Scorseses „Silence“ sehr viel spiritueller. Es geht weniger um die Suche von Rodrigues, sondern vielmehr darum, wie lange es wohl dauert, bis er selbst seinem Glauben absagen könnte. Und das war in gewisser Weise noch sehr viel härter als alles, was uns Coppola zu bieten hatte.

Die Verfolgung der Christen in Japan ist ja ein historischer Fakt, den wir durch Rodrigues und seinen Bruder Garupe miterleben müssen. Und Scorsese lässt uns die Leiden dieser beiden Priester aufs Extreme spüren. Der Film wird selbst zu einer langen Tortur, bei der man sich immer wieder fragt, wie lange diese Priester sich wirklich auf ihren Glauben berufen können. Bei all dem Leid, das sie miterleben müssen, möchte man doch meinen, sie würden irgendwann klarer denken. Aber ihre religiöse „Sturheit“, ihr unbedingter Glaube an die Richtigkeit ihres Handelns wird selbst zur größten Strafe. Das macht „Silence“ auf zwei verschiedene Arten schwer zu schauen: Zum einen ist es eben diese religiöse Beharren, zum anderen ist es tatsächlich das zermürbende Erzähltempo.

Da ist dann auch wieder der Unterschied zu „Apocalypse Now“: Viel Bewegung herrscht in „Silence“ nicht. Letztendlich besteht der Film aus der Glaubenskrise der Priester und dem sehr grafischen Zurschaustellen der Folter-Methoden der Japaner. Das verteilt sich dann auf eine stolze Laufzeit von 160 Minuten. „Silence“ wird zu einer wirklichen Geduldsprobe, was aber irgendwie – trotz des zähen Tempos – gut zum Film passt: Rodrigues‘ Glauben ist halt so fest, dass er nicht loslassen kann.

Man muss es auch echt Andrew Garfield zugute schreiben, der wirklich hervorragend ist. Nach „Hacksaw Ridge“ widmet er sich schon wieder einem sehr religiösen Stoff und schon wieder meistert er das Ganze mit Bravour. Mittlerweile muss man ja wirklich froh sein, dass seine Zeiten als Spider-Man vorzeitig beendet wurden sind. Garfield trägt „Silence“ über weite Strecken. Ich habe seinen Priester Rodrigues gehasst (weil er nicht einsichtig war), ich habe ihn geliebt (weil er an einigen Stellen doch einsichtiger war als man es für möglich gehalten hat). Es ist eine interessante Rolle, eine interessante Figur in einem interessanten Film, der einfach manchmal etwas zu lange in den einzelnen Momenten verweilt.

Taken (in Japan)

Was man definitiv noch lobend zu „Silence“ erwähnen sollte, ist die Machart. Die Bilder sind gewaltig, episch und intim zugleich. Scorsese findet in der Schönheit Japans alles, was er für diese Geschichte braucht. Das Ganze wird dann nur noch verfeinert durch ein unglaublich intensiven Sound. Auch wenn der Film „Silence“ heißt, so ist es doch nie wirklich still. Ich würde es nicht erwähnen, wenn es mir nicht so sehr aufgefallen wäre, aber die Geräuschkulisse des Films trägt unheimlich viel zum Erleben bei: ob es nun das sanfte Zirpen der Grillen ist, das Rauschen des Meeres, der Wind oder eben die qualvollen Schreie der Gequälten, der Singsang der Sterbenden – das alles bohrt sich zusätzlich noch einmal tief ins Hirn.

„Silence“ ist ein heftiger Film – sowohl von der Geschichte, die erzählt wird, als auch von der laaaangen Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird. Nichtsdestotrotz ein packender Scorsese – bleibt nur noch die Anfangsfrage, ob sich die fast 30 Jahre Warten dafür wirklich gelohnt haben.

Wertung: 7,5 von 10 Punkten (Scorseses Traum ist hart, aber auch sehr zäh)

Little Chiron Black

13. März 2017

Ich könnte mir jetzt den längst schon nicht mehr lustigen Witz erlauben und erst einmal was über „La La Land“ schreiben, bevor ich dann bemerke, dass das der falsche Film ist, wenn es doch in Wirklichkeit um „Moonlight“ geht. Ist alles schon da gewesen, deswegen spare ich mir das jetzt. Dennoch wird „Moonlight“ auch immer der Film sein, der auf äußerst spektakuläre Weise als „Bester Film des Jahres“ bei den Oscars ausgezeichnet wurde.

„Moonlight“ erzählt in drei Kapiteln vom Leben des homosexuellen Chiron. Schon als Junge (Alex R. Hibbert) wird er deswegen zu einem Außenseiter, der im Laufe der Schulzeit immer wieder malträtiert und gemobbt wird. Seine Crack-süchtige Mutter Paula (Naomi Harris) ist ihm zu keinem Zeitpunkt eine Hilfe, erst der Drogendealer Juan (Mahershala Ali) kümmert sich ein bisschen um den Jungen. Als Teenager (Ashton Sanders) hat Chiron dann sein erstes Mal mit seinem besten Freund Kevin, doch die äußeren Umstände sorgen dafür, dass Chiron nie wirklich der sein kann, der er ist. Als Erwachsener versteckt er sich dann hinter einer Rolle, die er nie wirklich ausfüllen kann.

Einfach treiben lassen…

Es fällt mir wirklich ein wenig schwer über „Moonlight“ zu schreiben. Kennt ihr das? Alle Welt feiert einen Film, beschreibt es als wahnsinniges Erlebnis, als Kinopoesie, als ein Film, der uns als Menschen verändert, wenn wir aus dem Kino kommen (geht das überhaupt???). Egal, wo ich hinschaue, überwerfen sich die Kritiker mit Lob für diesen Film… und dann sitze ich im Kino und zähle innerlich die Minuten und Sekunden, bis der Film endlich vorbei ist. Ja, ich gestehe, ich fand „Moonlight“ als Film an sich eher etwas langweilig. Und ich habe das Gefühl, mich dafür entschuldigen zu müssen, weil ich einfach nicht das Erlebnis hatte, das scheinbar alle anderen mit diesem Film hatten.

Versteht mich bitte nicht falsch, die Geschichte von Chiron ist furchtbar interessant… und was uns Regisseur Barry Jenkins hier erzählt, trägt so viel Wahrheit in sich. „Moonlight“ macht uns auf bitterböse Art und Weise deutlich, wie wichtig es ist, als junger Mensch liebende Menschen um einen herum zu haben, die uns formen. Chiron ist ein Mensch, der von den brutalen äußeren Bedingungen seines Lebens geformt wurde und nie wirklich zu sich selbst gefunden hat. Es ist schmerzhaft mit anzusehen, wie dieser Junge immer wieder und wieder in die Außenseiter-Rolle gedrängt wird – ohne Aussicht auf eine Art der Rehabilitation. Es tut förmlich weh zu sehen, dass dieser Junge nie eine wirkliche Chance hatte. Selbst als er auf Juan trifft, wird ihm diese Möglichkeit für ein normales Aufwachsen genommen. Die Geschichte von „Moonlight“ ging auch mir sehr an die Nieren…

Ich persönlich hatte eher ein Problem mit der Art und Weise des Erzählens – genauer gesagt mit den drei Kapiteln. Jedes Kapitel hat wichtige Schlüsselelemente: Juan bringt Chiron das Schwimmen bei, Chiron mit Kevin am Strand, Chiron und Kevin treffen sich nach Jahren wieder. Das sind kleine, unglaublich zarte Momente, die Jenkins auch voll auskostet. Es sind kleine Momente des Glücks, der Hoffnung, die dann aber immer wieder im Meer der Gewalt in Chirons Leben untergehen. Alles wunderbar… mich hat die Trennung in Kapitel dennoch jedes Mal aus der Geschichte ein wenig herausgerissen. Das erste Kapitel fand ich persönlich noch am stärksten, auch dank eines umwerfenden Mahershala Ali. Kapitel 2 fand ich sehr plakativ, wenn ich das mal so sagen darf: Es ist so ein bisschen die Erweiterung von der ersten Erzählung, nur heftiger. Und das letzte Kapitel streckt sich dann teilweise extrem in die Länge – was ich zwar verstehen kann, aber anstrengend empfand.

So richtig bin ich dann nie hinter den Charakter Chiron gekommen, weil ich nie so wirklich die Zeit bekommen habe, mich wirklich in Ruhe mit ihm zu beschäftigen. Es wirkte auf mich wie ein schnelles Abfertigen der Erlebnisse. Gerade der Teenager-Chiron, der wirklich zum ersten Mal seine Sexualität erforschen kann, kam mir persönlich viel zu kurz.

Die Darsteller waren wirklich alle sehr toll. Gerade die Chirons – Alex Hibbert, Ashton Sanders und Trevante Rhodes – waren wirklich toll, auch wenn sie es in meinen Augen sehr schwer hatten, in nur knapp 30 Minuten alles aus der Rolle herauszuholen. Mahershala Ali ist der wahre Sympathie-Träger dieses Films. Allerdings muss ich zugeben, weiß ich nicht, ob er wirklich zu Recht als „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet wurde (SPOILER: seine Rolle fällt extrem kurz aus – und irgendwie hätte ich es doch ein bisschen mehr Lucas Hedges aus „Manchester by the Sea“ gegönnt). Naomi Harris fand ich ebenfalls extrem stark als grässliche, grässliche Mutter Chirons, die ihm nie so wirklich zur Seite stand.

Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich „Moonlight“ langweilig fand. Ich komme mir vor wie ein schlechter Mensch, aber so ist es leider nun mal. Die Geschichte ist wirklich bewegend, aber die Art und Weise, wie sie mir erzählt wurde, empfand ich zu zerhackt. Vielleicht hätte man sich mehr auf einen Aspekt konzentrieren sollen… aber naja, wenn alle anderen es so mögen, ist es ja vielleicht auch gut so.

Wertung: 6,5 von 10 Punkten (ich bin immerhin trotzdem froh, dass „La La Land“ nicht Bester Film geworden ist 😉 )

König Kong

10. März 2017

Es gibt immer wieder neue aufregende Universen zu entdecken… und nein, ich rede jetzt nicht von den sieben erdgleichen Planeten, die die NASA entdeckt hat. Das ist wortwörtlich viel zu hoch gegriffen. Mittlerweile leben wir ja in einer Zeit, da entdeckt man Universen im Kino. Das MCU war zuerst da, weswegen das DCU jetzt DCEU heißen muss, damit es irgendwie cooler klingt. Was ich bisher tatsächlich nicht wusste, ist die Existenz eines weiteren Universums: dem MonsterVerse. Und ja, es ist letztendlich genau das, was der Name verspricht. Gareth Edwards „Godzilla“ ist der „Iron Man“ oder der „Man of Steel“ des MonsterVerse – simpel ausgedrückt: damit fing alles an. In diesem Universum der Monster leben neben Godzilla noch zahlreiche andere Monster, die die Produktionsfirma Legendary von der japanischen Toho abgekauft hat (unter anderem auch Mothra und noch ein paar andere). Ein bekanntes Monster, das jetzt im gleichen „Universum“ lebt wie die Riesen-Echse aus Japan ist der riesige Affe Kong. Mit „Kong: Skull Island“ bestreitet der jetzt seinen ersten Auftritt im Monster-Universum.

Der Vietnam-Krieg neigt sich dem Ende entgegen, da wird der Kriegshungrige Colonel Packard (Samuel L. Jackson) mit seiner Hubschrauber-Staffel auf eine letzte Mission geschickt. Er soll eine Reihe von Forschern nach Skull Island bringen: Eine Insel umgeben von einem ewigen Sturm, der letzte unerforschte Fleck dieser Erde, der den Russen nicht zuerst in die Hände fallen darf. Doch Forscher Bill Randa (John Goodman) erwartet auf der Insel ganz andere Dinge als nur Rohstoffe. Und als er mit seinem Führer James Conrad (Tom Hiddleston), der Fotografin Mason Weaver (Brie Larson) und seinem Kollegen Brooks (Corey Hawkins) auf der Insel ankommt… erwartet ihn der König der Insel: Der Riesenaffe Kong. Und der ist nicht das einzige Monster auf diesem letzten unerforschten Fleck Erde.

Bei „Planet der Affen“ wollten sie ihn nicht.

2005 hüpfte King Kong das letzte Mal kreischend und wild auf der Brust trommelnd durch die Kinos. Ich mochte Peter Jacksons Version des Klassikers nie so wirklich, weswegen ich gegenüber „Kong: Skull Island“ sehr skeptisch war – und da wusste ich noch nicht einmal etwas von diesem MonsterVerse. Wenn ich ehrlich sein darf, hat mich letztendlich eher der Cast überzeugt, dem Film eine Chance zu geben. Nur wie das halt so mit einem Monster-Film ist: Der Cast ist eigentlich Nebensache.

Anders als in Edwards „Godzilla“, der seine Riesen-Echse ja fast schon im Film versteckte, weiß Regisseur Jordan Vogt-Roberts ganz genau, was er zu tun hat. Monster-Film heißt Monster-Film, weil Monster drin sind. Und genau das bekommen wir in „Kong“ auch geboten: Monster satt. Der Riesen-Affe lässt a) nicht lange auf sich warten und zeigt dann b) auch gleich, was er drauf hat. Dabei zelebriert Vogt-Roberts in herrlichen Zeitlupen die absolute Unterlegenheit der Menschen gegenüber diesem Urzeit-Wesen auf äußerst unterhaltsame Art und Weise. Es ist ein Fest, Kong beim Zerschlagen der Hubschrauber zu zusehen. Aber auch später, wenn Kong dann gegen andere Bewohner der Insel kämpft, geht es ordentlich zur Sache. Die CGI-Abteilung hat extrem gute Arbeit geleistet, die Viecher sehen toll aus und ihre Kämpfe noch sehr viel mehr. Allein der Aspekt macht schon verdammt viel Spaß.

Dazu kommt ein interessanter Story-Mix aus „Jurassic Park“, „Apocalypse Now“ und „Predator“. Hubschrauber, die laute Musik plärren, eine Bootsfahrt ins Ungewisse sprechen für „Apocalypse Now“ genau so sehr wie ein verrückt gewordener Colonel. Den „Jurassic Park“-Anteil muss man ja wohl nicht erwähnen – es gibt nur leider keine wirklichen Dinos (oder zum Glück, besser gesagt). Und „Predator“ wird auch in einigen Bildern und sogar Dialog-Zeilen zitiert. Vogt-Roberts hat seine Hausaufgaben gemacht und ehrt diese Filme auf gekonnte Art und Weise. Natürlich darf man jetzt auch keine zu extrem tiefgründige Story erwarten – wir reden ja immer noch von einem Film über Riesen-Affen und andere Viecher. „Kong: Skull Island“ ist in erster Linie ein Monster-Film und das weiß der Film auch.

Loki und Captain Marvel sind erstaunt…

Das wird dann noch gewürzt durch einen tollen Cast. Bei dem die beiden großen Stars Tom Hiddleston und Brie Larson allerdings etwas verspielt sind. Hiddleston hat eigentlich nicht wirklich viel zu tun als männliche Helden-Posen zu zeigen, während Brie Larsons Aufgabe, das Tragen eines engen Tank-Tops zu sein scheint. Wesentlich interessanter ist da der an Kapitän Ahab und Colonel Kurtz erinnernde Samuel L. Jackson mit seinem verrückten Anführer, der den Tod seiner Männer um jeden Preis rächen will. Als gutes Kontrast-Programm dazu gibt es einen bisher noch unerwähnt gebliebenen John C. Reilly, dessen Hank vor Ewigkeiten auf der Insel strandete und der deswegen ein wenig durchgeknallt ist. Reilly ist der perfekte Comic-Relief-Typ, der dem ganzen Film die nötige Prise Humor verleiht.

Alles in allem ist „Kong: Skull Island“ ein äußerst unterhaltsamer Monster-Film mit viel Krach und CGI-Viechern, die ihre menschlichen Co-Stars in den Schatten stellen (Wortwitz). Das MonsterVerse wird dann in einer Post-Credit-Scene ein bisschen erweitert… und man muss sich schon fragen, ob das alles wirklich sein muss? Ich weiß es nicht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (das große Affen-Theater macht Laune)

Cowboys & Robots

8. März 2017

Game of Thrones“ geht so langsam dem Ende entgegen, „The Walking Dead“ scheint noch keines gefunden zu haben (obwohl ich sehr hoffe, dass sie irgendwann eines finden – sowohl in den Comics als auch in der Serie). Da wird es langsam Zeit, mal vorsichtig die Fühler nach einer Ersatzdroge auszustrecken, um am Ende nicht ganz plötzlich den kalten Entzug durchleben zu müssen. Zum Glück leben wir in einer Zeit, wo es gefühlt jede Woche drei neue Serien gibt, zu unserem Unglück kann uns nur leider niemand sagen, welche Serie denn als Ersatz taugt. Und so quält man sich dann von Pilot zu Pilot, in der Hoffnung, was Gutes zu finden. Aber manchmal muss man sich gar nicht so quälen, wird eine Serie nämlich plötzlich doch schwer gefeiert… so geschehen bei „Stranger Things“ und so jetzt auch bei „Westworld“, weswegen ich mir das mal vorgenommen habe.

Basierend auf Michael Crichtons Roman und Film „Westworld“ erzählt die gleichnamige Serie auch von jenem Vergnügungspark, in dem Besucher Cowboys spielen können und gegen harmlose Androiden in Menschengestalt all ihre Gelüste ausleben können. Dolores (Evan Rachel Wood) ist so ein Roboter, die gemeinsam mit ihrem Roboter-Freund Ted (James Marsden) immer wieder auf den gefährlichen Mann in Schwarz (Ed Harris) trifft, der nach etwas sucht: dem Zentrum des Labyrinths. Während der Typ also die Welt unsicher macht, versucht sich Neuling William (Jimmi Simpson) in diesem Park mit all seinen Möglichkeiten zurecht zu finden – und verguckt sich dabei dummerweise auch noch ein wenig in Dolores. Als wenn die noch nicht genug Probleme hätte, dreht irgendwann ihr Daddy-Roboter durch und offenbart so dem Park-Leiter und Erfinder Robert Ford (Anthony Hopkins) und seinem Team-Leiter Bernard (Jeffrey Wright), dass in den Robotern offensichtlich ein schwerwiegender Fehler steckt, der für einige Probleme sorgen könnte.

Träumen Roboter vom Cowboys? Oder Cowboys von Robotern?

„Westworld“ – die Sci-Fi-Serie, die eigentlich mehr ein Western ist. Die Western-Welt lebt von den klassischen Klischees, aber auch nur deshalb, weil die Gäste es so haben wollen. Es gibt die leichten Mädchen im Saloon, es gibt Duelle, es gibt gemeine Indianer – es gibt all das, was wir durch John Wayne und Co. gelernt haben. Dazu sieht es alles wunderschön und perfekt aus. „Westworld“ ist allein in seinem Western-Setting wirklich schön anzusehen: die Landschaftsaufnahmen lassen einen hoffen, selbst mal dort sein zu dürfen! Es ist eine schöne kleine Welt, in der man als Gast mal eben morden, vögeln und all das tut darf, was man sonst nicht machen würde.

Was mir dann an der ersten Staffel tatsächlich auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Christopher Nolans Bruder Jonathan, der für die Serie verantwortlich ist, die kleinen Ungereimtheiten des Films schön bereinigt. Im Film weiß man nicht so hundertprozentig, was hinter dem Aufstand im Park steckt. Für die Serie wird das deutlich, aber auch schön geheimnisvoll erklärt. Der Blick hinter die Kulissen des Parks fällt nämlich weitaus größer aus als im Film und liefert eine fast noch spannendere Geschichte, die im Hintergrund des Geschehens abläuft. Hier ist es dann so, dass man brav von Folge zu Folge mit kleinen Happen gefüttert wird – mal hier ein kleines Geheimnis des Erbauers Ford, dann mal wieder ein bisschen mehr zu dem merkwürdigen Mann in Schwarz, dann wieder was zu den Werkstätten der „Westworld“. Man bleibt immer mysteriös, was der Serie dann trotz der relativ kurzen Laufzeit von 10 Folgen manchmal ein bisschen von der Spannung nimmt, weil immer viel geteasert, aber kaum wirklich was offenbart wird. Denn den wirklich großen Knall spart man sich wirklich bis zum Finale auf.

Das ist dann dafür aber ein wirklich großer Knall, der uns die ganze Serie in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich denke mal sogar, dass es sich durchaus lohnen würde, die komplette erste Staffel nach den Ereignissen im Finale noch einmal zu schauen. Man erfährt so viel über einzelne Charaktere und die Verläufe der Handlung. Das ist ein wirklich schöner Twist, der mit viel Kawumm kommt – einige Sachen mögen vielleicht vorhersehbar sein, andere Sachen (wie zum Beispiel der Mittelpunkt des Labyrinths) können vielleicht auch eher unspektakulär sein, aber das große Ganze ist schon ziemlich cool. Ich will da jetzt auch nicht zu viel spoilern, aber es ist eine interessante Wendung, die diese Rebellion der Roboter auch wieder in einem ganz anderen Licht da stehen lässt.

Hannibal hat einen neuen Job

Die Darsteller sind dabei durch die Bank weg großartig. Anthony Hopkins überzeugt als großer geheimnisvoller Erfinder mit ganz eigener Agenda (ganz ehrlich, nach Ewigkeiten ist das wirklich mal wieder eine großartige Rolle, die zeigt, dass Hopkins zu den wirklich ganz Großen gehört). Ed Harris hat sichtlich Spaß daran, diesen Mann in Schwarz zu spielen – und ganz ehrlich, die Geschichte seiner Figur fand ich (wenn man sie dann kennt) am besten, weil sie erst so unglaublich fies, dann merkwürdig und am Ende sogar recht tragisch ist. Evan Rachel Wood ist die gute Seele, die alles irgendwie zusammenhält und die der Schlüssel für all das zu sein scheint. Thandie Newton, die Puff-Mutter Maeve spielt, entwickelt aber auch eine durchaus interessante Figur, die dann für Staffel 2 noch einiges verspricht.

Staffel 1 war wirklich beeindruckend. Ich mochte sie, sie hat mich gut unterhalten. Das Finale ist wirklich eine nett Offenbarung, die mich dann allerdings grübeln lässt, ob die Macher die zweite Staffel genauso spannend hinbekommen, wenn doch jetzt die wirklich großen Fragen mehr oder weniger offengelegt wurden. Auf jeden Fall liegt hier tatsächlich ein guter Ansatz für eine neue Serien-Droge bereit.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hochglanz-Western meets „Ex Machina“)

Alter Mann Logan

6. März 2017

Es wird Zeit „Lebe wohl“ zu sagen, „Lebe wohl“ zu dem Mann, der einfach immer ein perfekter Wolverine gewesen ist. Hugh Jackman wetzt jetzt angeblich ein letztes Mal die Klingen und verabschiedet sich dann von der Rolle, die ihn vor 17 Jahren zum Star gemacht hat. Natürlich frage ich mich schon, ob er nicht beim richtigen Angebot doch noch einmal zurückkehren würde, aber wollen wir ihm mal nichts unterstellen und gehen davon aus, dass ein Hugh Jackman zu seinem Wort steht (egal, wie erfolgreich sein letzter Auftritt sein wird). Sein letzter Film als Wolverine muss natürlich dann auch wirklich gut sein, immerhin hatten wir schon zwei Wolverine-Solo-Filme und weder „Origins“ noch „The Wolverine“ waren wirklich gut. Mit „Logan“ soll ja jetzt alles anders werden… was wir auch „Deadpool“ zu verdanken haben.

Wolverine (Jackman) ist mit den Jahren ein ziemlich graues Wölfchen geworden, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass seine Heilkräfte nicht mehr vollständig funktionieren. Gemeinsam mit einem alten, an Anfällen leidenden Charles Xavier (Patrick Stewart) versteckt er sich im Nirgendwo und versucht, unerkannt zu bleiben. Die Zeit der Mutanten scheint nämlich endgültig vorbei, die Abenteuer der X-Men sind nur noch Stoff für billige Comic-Hefte. Doch dann trifft Logan auf die kleine Laura (Dafne Keen), die die gleichen Fähigkeiten (und auch Krallen) wie er hat und von dem unbarmherzigen Donald Pierce (Boyd Holbrook) gejagt wird.

Der alte und der neue Wolf…

Ja, „Deadpool“ sei gelobt, gepriesen und auf ewig gedankt. Der Söldner mit der frechen Schnauze hat bewiesen, dass Comic-Filme auch mal brutal sein dürfen und trotzdem erfolgreich sein können. Seit Ryan Reynolds das rote Kostüm angezogen hat, ist die Altersfreigabe eine Sache, über die man mal reden kann… und gerade einem Berserker wie Wolverine tut das auch sehr gut. Ja, „Logan“ liefert uns im dritten Anlauf endlich mal die Art von Wolverine, die wir sehen wollen. Der Typ läuft halt mit den schärfsten und längsten Krallen durch die Gegend und metzelt sich durch seine Feinde. Und dank dem R-Rating bekommt man mit diesem Film endlich auch mal genau das geboten. Die Action-Sequenzen sind wirklich großartig, man spürt förmlich den Befreiungsschlag, zu dem „Deadpool“ angesetzt hat. Wolverine im Berserker-Modus ist endlich mal ein wirklich Furcht einflößendes Monster, dem man besser dringend aus dem Weg gehen sollte.

Aber in „Logan“ ist es nicht nur Wolverine, der ordentlich zu langt, sondern auch die kleine Laura, die Fans als „X-23“ besser bekannt sein dürfte. Auch Mini-Wolverine-Mädchen stehen ihrem großen Vorbild in Nichts nach und haben sogar teilweise die wesentlich cooleren Aktionen drauf. Aber gut, Wolverine ist ja auch ein bisschen eingerostet und Laura noch fit wie ein Turnschuh.

So… hätten wir das Wichtigste geklärt: „Logan“ gleich brutal gleich richtig geil! Naja, nicht so ganz. Zum Glück wird die Gewalt jetzt nicht bis auf die absolute Schmerzgrenze ausgekostet. Es geht schon auch noch um die Geschichte von Logan, der mit seinen alten und neuen Verantwortungen klar kommen muss. Er spielt Vater für Charles und Vater für Laura und kommt mit beiden nicht wirklich klar. Das ist der Logan / Wolverine, wie wir ihn sonst so kennen: Sobald Gefühle im Spiel sind, zieht er sich zurück. Jetzt ist er jedoch gezwungen, darauf zu reagieren… und somit bekommt Hugh Jackman endlich mal die Gelegenheit, der psychologischen Seite von Wolverine wirklich mal ein bisschen Tiefe zu verleihen. Ich mochte seinen Logan in diesem Film extrem…

… noch mehr mochte ich jedoch die junge Dafne Keen. Für den Großteil des Films spielt sie stumm und entwickelt doch eine ausgereifte Persönlichkeit. Keen stiehlt Jackman fast immer die Show… nur lässt der Film es nur selten wie ein wirkliches „Stehlen“ aussehen. Es passt gut ineinander, die beiden spielen großartig mit den Gefühlen der beiden zueinander. Zusammen mit einem nicht minder tollen Patrick Stewart werden sie eine nette, dysfunktionale kleine Familie auf einem Road-Trip, die von einem guten Boyd Holbrook gejagt werden, der ja dank „Narcos“ weiß, wie sowas geht.

Woran ich dennoch ein bisschen zu meckern habe, ist die Tatsache, dass sich der Film in der zweiten Hälfte extrem zieht… und die Story allgemein mit dem Auftauchen von Laura ein bisschen zum üblichen „Bring Person X zum Ort Y, weil es dort sicher für sie ist, aber Vorsicht, ihr werdet die ganze Zeit gejagt!“-Gedöhns wird. Die Story verliert stark an Fahrt und erzählt die eigentlich viel interessante Geschichte – nämlich all das, was vor den Ereignissen von „Logan“ passiert ist – nicht. Und das hätte mich viel eher interessiert, als die Handlung von „Logan“ an sich.

„Logan“ punktet durch die großartige Darsteller-Leistung und natürlich den wunderbaren Berserker-Modus, schwächelt aber ordentlich bei der Story. Ein würdiger Abschluss für Hugh Jackman, wenigsten am Ende den Ton fast perfekt trifft.

Wertung: 8 von 10 Punkten (das Katerchen hat endlich scharfe, scharfe Krallen)