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ZWÖLF

3. März 2021

Jedes Jahr aufs Neue überrascht mich dieser Termin… und jedes Jahr aufs Neue weiß ich eigentlich nicht wirklich, was ich schreiben soll. Es steht mal wieder ein Bloggeburtstag an… der zwölfte, um genau zu sein. Zwölf Jahre hocke ich nun schon hier und schreibe und schreibe und schreibe. Manchmal denke ich mir, wenn ich die gleiche Energie in „richtiges“ Schreiben stecken würde, hätte ich wahrscheinlich schon 12 Romane geschrieben 😀 (ich sage wohlwissend „geschrieben“ und maße mir nicht an, davon auszugehen, dass irgendwas davon veröffentlicht worden wäre).

Aber hey… ich muss nach wie vor sagen, dass dieses Schreiben hier für den Blog mittlerweile echt etwas erholsames und entspanntes für mich geworden ist. Über die Jahre habe ich mir eine kleine, aber feine Community aufgebaut – und allein das motiviert mich schon enorm. Ich weiß noch, dass mich gerade die fehlenden Kommentare sehr irritiert und auch gestört haben. Es war ein wenig so, als würde ich nur für mich schreiben. Gut, das mache ich heute auch noch, aber es ist dennoch immer schön, wenn man weiß, dass man auch wirklich gelesen wird. Und deswegen bin ich nach zwölf Jahren echt sehr, sehr dankbar für all die tollen Menschen, die ich durch das Bloggen hier kennengelernt habe. Ihr wisst alle, dass ihr gemeint seid… also DANKE, DANKE, DANKE.

Irgendwann mache ich vielleicht mal eine Reise quer durch Deutschland und komme euch alle heimsuchen 😀 ich weiß zumindest von einer lieben und vor allem sehr langjährigen Blogger-Kollegin, für die ich nicht einmal weit reisen müsste… und der ich garantiert auch schon über den Weg gelaufen bin, ohne es zu merken. Möglich ist es auf jeden Fall 😀

Vielleicht ein Projekt für eine Zeit nach Corona… wann auch immer die sein mag.

Apropos Corona… das komplette letzte Blogjahr hier war natürlich bestimmt von Corona, aber wenn ich so auf meine Statistiken schaue, war es eines meiner erfolgreichsten Jahre seit langem auf diesem Blog. Erstmal habe ich die Aufrufzahlen wieder steigern können. Ich bin aber glücklicherweise auch an einem Punkt angekommen, wo mir die Statistiken relativ egal sind. Ich freue mich zwar immer, wenn es auch mal durch die Decke geht (und komischerweise sind es immer „Life of Brian“ und „Danny Collins“, die unglaublich viele Aufrufe machen), aber Statistiken sollen mir nicht den Spaß verderben. Zum Anfang habe ich da gefühlt ständig draufgeschaut, aber es macht einen nicht glücklich.

Das Schreiben selbst macht mich glücklich und wenn ich Leute hier und da damit erreichen kann, freut es mich umso mehr. Wenn ich einfach überlege, wie ich damals mit dem Doppelpost „The Wrestler“ und „96 Hours“ erste, vorsichtige Blogger-Schritte gewagt habe, bin ich schon stolz, dass ich nach zwölf Jahren immer noch dabei bin… und das verdanke ich eben auch euch, den Menschen, die bis zu dieser Zeile gelesen haben und die sich auch sonst hier tummeln. Diese zwölf Jahre sind auch euer Verdienst… also in diesem Sinne seid ihr selbst Schuld daran, dass ich noch da bin 😀

Doch nun genug des vielen Schwafelns… sich selbst Geburtstaggrüße schreiben hat immer etwas Skurriles, Narzisstisches an sich. Deswegen ein dreifaches Hoch auf den Blog und ein dreifach dreifaches Hoch auf meine lieben Leser, die ihr alle da draußen mit dafür verantwortlich seid, das meine Motivation nicht sinkt. Danke und auf die nächsten Zwölf mit euch 😀

Papa, verrecke!

1. März 2021

Durch die Filmreise-Challenge bin ich auf das russische Kino aufmerksam geworden. In dem Zusammenhang hatte ich mir nämlich den Science-Fiction-Film „Coma“ angeschaut und war begeistert, mit was für einer Kreativität diese Geschichte erzählt wurde. Es das russische „Inception“ zu nennen, würde nicht einmal passen – aber es geht auch in eine ähnliche Richtung, hebt das Konzept aber auf eine ganz neue Ebene. Hat mich echt umgehauen. Seit diesem Film bin ich, was russische Filme angeht, sehr viel aufgeschlossener und halte immer Ausschau nach neuem Stoff. Demnächst will ich irgendwann mal den Horror-Film „Sputnik“ gucken, doch vorher fiel meine Wahl auf einen Film, der 2019 auf dem Fantasy Filmfest gefeiert wurde. Der trägt den klangvollen Namen „Why don’t you just die!“ (heißt aber im Original eigentlich „Papa, verrecke!“).

Der junge Matvey (Alexander Kusnezow) steht, mit einem Hammer bewaffnet, vor der Tür von Polizist Andrei (Vitali Chajew) – mit der Absicht, den Mann zu töten. Warum? Weil Matvey von seiner Freundin Olya (Evgeniya Kregzhde) darum gebeten wurde. Angeblich hätte ihr Vater sie als kleines Mädchen missbraucht und sie will nun Rache. Also steht Matvey mit dem Hammer vor der Tür, um sie zu rächen. Doch Andrei weiß sich zu wehren… und hat mehr zu verbergen, als Matvey gedacht hätte. Das Problem ist nur, dass möglicherweise auch Olya was zu verbergen hat.

Wow, ich war nicht darauf vorbereitet, was mich hier für ein Film erwarten würde. Das Ganze ist ein Kammer-Spiel der äußerst brutalen Art. Der komplette Film spielt sich nur in der kleinen Wohnung von Andrei und seiner Frau ab, dazu meist noch nur im Wohnzimmer. Aber das hält Regisseur Kirill Sokolow nicht davon ab, uns einen absolut aufregenden Film abzuliefern, der sich nur sehr selten eine Verschnaufpause gönnt. Wenn ich den Film in Relation mit anderen Filmemachern bringen sollte, die einem etwas bekannter sind, würde ich folgendes sagen: „Why don’t you just die!“ fühlt sich an, als hätten Guy Ritchie, Quentin Tarantino und Wes Anderson gemeinsam einen Film gedreht.

In dem kleinen Set liefert uns Sokolow rasante Schnitte, wilde Kamera-Fahrten, die dann zusätzlich noch mit musikalischen Noten untermalt sind, so dass das Ganze eine Ritchie-eske Comic-Ästhetik bekommt, die höchst unterhaltsam ist. Der Wes-Anderson-Touch entsteht oft einfach nur durch die Konstellation der Figuren und wie sie zu einander stehen. Häufig hat man auch das Gefühl, wirklich einfach einem sehr absurden Theaterstück zu zu sehen… was Sokolow auch durch sehr statische Kamerafahrten bewirkt. Das gewisse Tarantino-Artige kommt durch die Story, die sich in verschiedenen Kapiteln unterschiedlichen Charakteren widmet (etwas, das Ritchie und Anderson natürlich auch gerne machen) und natürlich die Gewaltexzesse, bei denen wohl selbst ein Tarantino neidisch werden würde.

Die Story, die eigentlich so einfach anfängt, erlebt im Verlauf so einige Überraschungen und entfaltet sich auf eine so spannende Art und Weise, wie ich es anfangs nicht für möglich gehalten hätte. Jeder Charakter, der neu in die Wohnung kommt, bringt seine Altlasten mit, die irgendwie Teil der ganzen Gewaltorgie werden… und den Charakteren innerhalb kürzester Zeit neue Facetten liefern. So kann man es dann kaum abwarten, was in der nächsten Szene passieren wird.

Was die Gewalt angeht… meine Güte. Die fragend gestellte Aussage des Films – „Why don’t you just die!“ – ist wirklich wortwörtlich zu nehmen. Der arme Matvey allein muss hier so viel einstecken, dass es schon wirklich sehr verwundert, warum er denn nicht endlich einfach stirbt. Regisseur Sokolow liefert uns ein unterhaltsames, aber auch herrlich brutales Schauspiel, bei dem selbst Tom und Jerry neidisch werden würden. Man kann es gar nicht in Worte fassen, aber für Fans von blutigen Filmen… hier seid ihr richtig.

„Why don’t you just die!“ ist für mich ein weiteres Highlight des russischen Films. Die jüngeren Filmemacher (und Sokolow ist gerade mal 32) erzählen wirklich verrückte Stories, die in Erinnerung bleiben. So wie eben auch „Why don’t you just die!“, der nicht einfach nur eine Gewaltorgie ist, sondern auch tolle Charaktere liefert, mit denen man wirklich mitfiebern kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (absolute Empfehlung – ich habe schon lange nicht mehr so einen verrückten Film gesehen)

Random Sunday #49: The Keep

28. Februar 2021

Ich liebe ja nichts mehr, als im Internet nach obskuren Listen zu Büchern zu suchen. „Die verrücktesten Bücher, die man gelesen haben muss…“ oder „Bücher, die dich sprachlos zurücklassen“ oder oder oder… ich lasse mir da immer gerne kreativen Freiraum, nach was für Sachen ich suche. Manchmal sind es einfach auch nur „Bücher, die man gelesen haben muss“-Anfragen, denen ich auf den Grund. Das Schlimme daran ist nur, dass ich die Titel, die ich bei solchen Suchen für interessant halte, aufschreibe und gerne mal wieder vergesse. Irgendwann gehe ich dann meine eigene Liste durch und kann mich schon nicht mehr daran erinnern, was mich daran so fasziniert hat. Manchmal wächst dann die Skepsis und ich lasse den Titel weiter auf meiner Liste versauern. Manchmal überwinde ich mich aber auch einfach und sage mir, dass mein Ich in der Vergangenheit sich schon was dabei gedacht haben wird und kaufe das Buch dann einfach. Auf diese Weise kam es dann, dass ich jetzt endlich mal Jennifer Egans „The Keep“ gelesen habe, nachdem auch ihr Buch soooo lange auf meiner Liste stand.

In „The Keep“ geht es um Danny. Danny ist ein cooler Hipster aus New York, der in seinem Leben eigentlich nie so richtig was erreicht hat. Als er plötzlich in Schwierigkeiten gerät, nimmt er die Einladung seines Cousins Howard an, mit dem er früher eigentlich sehr eng befreundet gewesen ist. Doch ein dunkles Ereignis in ihrer beider Vergangenheit brachte den Bruch… weswegen Danny auch die ganze Zeit etwas skeptisch gegenüber Howards wahren Motiven ist. Denn wider jeder Erwartung von Danny ist Howard stinkreich und hat sich in einem nicht näher definierten osteuropäischem Land ein Schloss gekauft, das er jetzt zu einem Hotel umbauen möchte. Doch kaum ist Danny dort angekommen, fühlt er sich unangenehm… und dann ist da noch diese merkwürdige Erscheinung im Burgfried des Schlosses.

Ganz ehrlich, ich will eigentlich nicht zu viel über Jennifer Egans „The Keep“ verraten. Ich bleibe erstmal schwammig… und sage, dass es einer der faszinierendsten Romane gewesen ist, den ich in letzter Zeit in die Finger bekommen habe. Erstmal hat Egan eine sehr spannende und detailreiche Sprache. Sie schmeißt uns mit Danny in dieses unheimliche, merkwürdige Schloss und man weiß nie so richtig, ob man jetzt in einem Horror-Buch oder in einem Familien-Drama steckt. Und irgendwie balanciert Egan gekonnt beides auf sehr interessante Art und Weise. Doch ist das längst nicht alles, was diesen Roman ausmacht… und als ich diese Erkenntnis gemacht habe, wurde der ganze Roman, die ganze Geschichte mit einem Mal komplett und clever über den Haufen geworfen.

Egan nutzt einen kleinen, feinen Kniff und verschiebt mit einem Mal die Perspektive. Mit einem Mal betrachtet man Dannys Geschichte aus einer ganz anderen Sicht und hinterfragt mehr denn je, was man hier eigentlich liest. Also wenn ihr wirklich mal etwas extrem Erfrischendes lesen wollt, schnappt euch „The Keep“ von Jennifer Egan. Sie hat eine wundervolle Schreibe, erschafft einen aufregenden Mix aus Grusel und Drama und würzt das Ganze mit tollen und interessanten Charakteren und dem vielleicht besten Plottwist seit Ewigkeiten in einem Buch.

SPOILER-TEIL… bitte mit Vorsicht genießen, da es sonst den Genuss dieses wirklich großartigen Romans ruinieren könnte!

Wie gesagt, irgendwann kippt die Erzählung… und auf einmal erleben wir, dass Dannys Geschichte in Wirklichkeit nur die Geschichte des Gefangenen Ray ist, der die ganze Sache in einem Creative Writing Kurs im Knast schreibt, um seine Lehrerin Holly zu beeindrucken. Allein diese Erkenntnis war ein aufregender Schlag ins Gesicht. Auf einmal hinterfragt man halt wirklich alles, was man bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hat… und gleichzeitig bleibt beim Weiterlesen die bange Frage, ob Ray sich das selbst nur ausdenkt oder ob er das in irgendeiner Form selbst miterlebt hat.

Rays eigene Geschichte ist dabei nicht weniger spannend. Seine Erzählungen aus dem Gefängnis fesselt auf eine ganz andere Weise als die von rund um Danny. Und sind dabei selbst nicht weniger gewürzt mit Mystery und Merkwürdigkeiten. Es ist verdammt clever, wie Jennifer Egan diese beiden Ebenen miteinander vermischt. Wie Ray auch immer wieder als Erzähler in die Geschichte von Danny eingreift und sich für bestimmte Stilmittel rechtfertigt. Egan geht so elegant mit allem um und gibt jedem Charakter und jeder Geschichte ihre ganz eigene Tonalität… und als wenn das noch nicht genug ist, überrascht sie am Ende mit einem dritten Twist, den ich hier aber nicht verraten werde.

Jennifer Egans „The Keep“ ist ein Roman, den ich jeder Leseratte wirklich nur wärmstens empfehlen kann. Ich werde nicht aufhören, für dieses kleine, feine Meisterwerk der vertrackten Erzählung einzustehen. Das Ding hat mich echt umgehauen.

Filmreise Etappe #68: Vampirischer method actor

26. Februar 2021

Nachdem ich letzte Woche mit „Das große Fressen“ ja einen ziemlichen Griff in die Kloschlüssel erlebt habe (im wahrsten Sinne des Wortes, geht es im Film doch auch kurz mal um eine sehr verstopfte Kloschüssel), wollte ich Listen eigentlich nicht mehr so vertrauen. Mein Problem war nur zu diesem Zeitpunkt, dass ich viele der Filme, in denen es um Filme geht, schon gesehen hatte: „Ed Wood“ tauchte immer wieder auf Listen auf, „Once Upon A Time… In Hollywood“ auch und viele andere Streifen, die aber leider irgendwie alle schon kannte. Doch dann fiel mein Blick auf „Shadow of the Vampire“… ein Film über die vermeintliche Entstehungsgeschichte von „Nosferatu“. Ein Film mit Willem Dafoe und John Malkovich, der nicht als Skandalfilm verschrien, sondern sogar sehr wohlwollend von der Kritik aufgenommen wurde. Da kam die Rettung für die drittletzte Etappe der Filmreise-Challenge also in Form eines Vampirs…

Friedrich Wilhelm Murnau (Malkovich) will eigentlich Bram Stokers Dracula verfilmen, doch hat die Rechte dazu nicht. Deswegen nennt er seinen Film halt „Nosferatu“ und seinen Dracula Graf Orlok. Um einen möglichst realistischen Film zu drehen, will Murnau nicht in Berlin im Studio drehen, sondern vor Ort. In der Tschechoslowakei wird auch in einem alten Schloss gedreht. Hier lernt die Crew dann auch den Darsteller Max Schreck (Dafoe) kennen. Der hat sich offenbar schon seit Monaten in der Rolle des Orlok gelebt und präsentiert sich der Crew als „method actor“, der auch nur nachts dreht, der für sein eigenes Make-Up sorgt und nur als Graf Orlok angesprochen werden möchte. Doch dann wird erst Murnaus Kamera-Mann immer schwächer und schwächer und auch andere Crew-Mitglieder verschwinden. Wie sich herausstellt, ist Schreck in Wirklichkeit ein Vampir.

„Shadow of the Vampire“ ist ein toller Film. Punkt! Und das auf zwei Ebenen: Zum einen ehrt Regisseur E. Elias Merhige auf wundervolle Weise Murnaus Original. Bei den Dreharbeiten für den Film im Film setzt Merhige schon auf Authentizität (wie sein Murnau im Film auch) und stellt Szenen aus dem Originalfilm von 1922 sehr detailgetreu nach. Selbst die Darsteller funktionieren ziemlich gut als Kopien. Nehmen wir zum Beispiel Eddie Izzard, die Gustav von Wangenheim spielt, der in Murnaus Original Hutter spielt. Izzard ist in diesem dicken Make-Up wirklich ein toller Wangenheim. Aber auch von den Sets und den nachgestellten Szenen gibt sich Merhige wirklich alle Mühe, „Nosferatu“ so originalgetreu wie möglich darzustellen.

Auf der zweiten Ebene funktioniert „Shadow of the Vampire“ vor allem wegen seiner großartigen Darsteller. Und hier vor allem die beiden Hauptdarsteller, obwohl die Nebendarsteller um Udo Kier, Izzard, Catherine McCormack und „Princess Bride“-Star Cary Elwes auch gut aufspielen. Aber was Malkovich und Dafoe sich hier für ein schauspielerisches Duell liefern, ist mehr als nur beeindruckend. Malkovich als besessener Murnau ist fantastisch. Wie er in jeder Szene den Schauspielern bis ins kleinste Detail Anweisungen gibt und somit für uns und seine Darsteller als zusätzlicher Erzähler fungiert, ist wirklich stark in Szene gesetzt und von Malkovich unglaublich gut gespielt. Ihm gegenüber steht Willem Dafoe, der ein unglaublich gruseliger Max Schreck ist. Das Make-Up ist „spot on“. Dafoes Gestiken und Mimik passen zum einen wunderbar zum Stummfilm, zum anderen aber auch zu dem exzentrischen Grafen, dem Vampir, der ausgehungert nur darauf wartet, endlich mal wieder menschliches Blut kosten zu können.

Merhige gelingt mit „Shadow of the Vampire“ also wirklich ein kleines Meisterwerk. Eine brillante Hommage an einen der ersten Vampir-Filme, aber auch ein in sich eigenständiger Horror-Film über einen Vampir, der eine Filmcrew heimsucht. Der Film zelebriert das Filmemachen, ergötzt sich an seiner schönen Gothic-Horror-Stimmung und hat dank seines tollen Casts eine unglaublich starke Sogwirkung. Wer „Nosferatu“ mag, sollte „Shadow of the Vampire“ wirklich unbedingt gesehen haben. Das ist einfach ein cleverer Mix aus Biopic und Horror-Film, der mit guten Gruselmomenten ebenso gut umgeht wie mit witzigen, komödiantischen Elementen… und Dafoe wurde vollkommen zurecht für einen Oscar nominiert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (witzig-gruselige Verbeugung vor einem absoluten Filmklassiker)

Das Wunder von Miracle

24. Februar 2021

Was passiert, wenn dir die Grundlage für deine Serie ausgeht? Viele Fans sind ja immer noch sehr, sehr sauer über „Game of Thrones“ – eine Serie, die sich anfangs noch gut auf die Bücher von George R.R. Martin beziehen konnte, dann jedoch später den langsamen Autor überholte und sich selbst helfen musste. Ich hasse Staffel 8 zwar nach wie vor nicht so krass wie manch anderer Fan, aber man hat der Serie schon extrem angemerkt, ab wann sie auf eigenen Füssen stehen musste – und vor allem wie schwer sie sich damit manchmal tat (was ich nach wie vor nicht verzeihen kann, ist die ganze Geschichte mit den White Walkern und dem Night King). Meine neue Serie „The Leftovers“ hatte ein ähnliches Problem: Staffel 1 basierte komplett auf dem Buch von Tom Perrotta… und damit hätte die Serie eigentlich als Mini-Serie beendet werden können. Doch man entschied sich für eine zweite Staffel, fernab von irgendwelchen Vorlagen…

Staffel 2 führt uns in das kleine Städtchen Jarden in Texas, von seinen Bewohnern auch liebevoll Miracle genannt. Diese Stadt blieb komplett verschont, als im Oktober 2011 plötzlich 2 Prozent der Weltbevölkerung einfach verschwand. Niemand in dieser Stadt löste sich auf – weswegen Miracle nun zu einer Art Wallfahrtsort geworden ist. Jeder will hier her – weswegen strenge Auflagen getroffen werden und nicht jeder reingelassen wird. Vor der Stadt campen die Ausgestoßenen und warten auf ihre Chance. Kevin Garvey (Justin Theroux) zieht hier nun her – mit Nora (Carrie Coon) und seiner Tochter Jill (Margaret Qualley). Doch offensichtlich scheint für sie nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Denn kaum sind die Garveys eingezogen, verschwinden drei Mädchen spurlos… während Kevin neben dem verlassenen Auto ohne jede Erinnerung aufwacht. Als wenn das nicht schlimm genug wäre, wird er weiterhin auch von dem Geist von Patti (Ann Dowd) heimgesucht. Wird er langsam wirklich verrückt wie sein Vater?

Es ist krass, was hier abgeht. Die Serie macht einfach mal eine 180-Grad-Drehung und stellt sich komplett neu auf. Neues Setting, neue Charaktere… es fühlt sich ein wenig an, als würde man eine ganz neue Serie gucken, die nicht mehr viel mit der ersten Staffel zu tun hat. Aber man merkt ziemlich schnell, dass dem nicht so ist. Natürlich bauen all die (menschlichen) Probleme auf dem auf, was wir in Staffel 1 erlebt haben. Nur irgendwie ist in Staffel 2 einfach alles noch einmal so viel besser, so viel spannender, so viel aufregender.

Staffel 2 ist fokussierter. Jetzt dreht sich wirklich alles nur noch um Kevin, der – das muss man einfach auch sagen – der spannendste Charakter ist, der am meisten zu durchleiden hat. Das geht zwar ein bisschen auf Kosten anderer Charaktere (zum Beispiel verschwinden Jill und Nora ein bisschen im Hintergrund), aber es ist nicht so schlimm, wie man meinen möchte. Sie sind alle immer noch wichtiger Bestandteil von dem, was Kevin ausmacht. Seine Story ist einfach nur so krass… diese ganze Nummer mit dem Schlafwandeln, mit Patti und und und… Folge 8 geht dann sogar soweit, dass er in eine Art Fegefeuer stürzt – eine Folge, die so herrlich absurd und abgefahren war, dass ich es nicht schlimm fand, dass sie das fürs Finale noch einmal leicht wiederholt haben.

„The Leftovers“ Staffel 2 zieht so richtig an… das ganze Setting ist auch einfach so viel aufregender. Diese Zwei-Klassen-Gesellschaft mit den Leuten in Miracle und denen davor liefert tollen Zündstofff, unsere neue Sekten-Anführerin Meg (eine tolle Liv Tyler) plant Sachen, die wir nur erahnen und die im Kopf des Zuschauers zu einer Katastrophe führen, so dass wir selbst eigene Spannungen aufbauen aufgrund der Implikationen. Staffel 2 ist einfach so clever geschrieben… man wird hier und da ein wenig angefüttert, malt sich selbst ein paar Dinge aus und wartet gespannt, wie es ausgehen wird. Es ist unglaublich, wie stark die Serie in dieser zweiten Staffel noch einmal anzieht. Kevins Reise durch diese Staffel ist emotional ohne Ende, ich habe wirklich richtig mit ihm mitgelitten. Justin Theroux liefert ab und übertrumpft sich selbst.

Anfangs war dieser ganze Wechsel ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber Mann, macht „The Leftovers“ hier alles richtig. Die schaffen es innerhalb von nur zehn Folgen gefühlt alles neu zu machen, interessante neue Charaktere hinzuzufügen, neue packende Probleme aufzubauen… und ein Finale abzuliefern, bei dem man einfach nur mit offenem Mund vor dem Fernseher sitzt. Wow…

Wertung: 10 von 10 Punkten (da geht nur Bingen, viel zu aufregend alles)

Der Traumstein

22. Februar 2021

Lange, lange und noch länger mussten wir nun auf „Wonder Woman 1984“ warten… und es wurde durch die Tatsache, dass der Film in den USA überall schon zu sehen war, nur noch schwerer. Schließlich musste man ich mich auch irgendwie gekonnt vor allen Spoilern verstecken, die dann natürlich auf einmal durchs Netz schwirrten. Aber ich habe es geschafft, „Wonder Woman 1984“ jetzt sehr unvoreingenommen zu schauen – na gut, nicht ganz unvoreingenommen. Schließlich habe ich mich tierisch auf den Film gefreut und ich mochte den ersten „Wonder Woman“-Film mit Gal Gadot wahnsinnig gerne. Aber ansonsten bin ich spoilerfrei und reviewfrei in „Wonder Woman 1984“ gegangen.

Mittlerweile befinden wir uns im Jahr 1984. Seit über sechzig Jahren ist Diana Prince (Gal Gadot) nun schon unter den Menschen und hat es dennoch geschafft, ihre Identität als Wonder Woman geheim zu halten. Dennoch hilft sie als diese auch weiterhin den Menschen. Als Diana arbeitet sie im Smithsonian, wo sie die Wissenschaftlerin Barbara (Kirsten Wiig) kennenlernt. Die soll für das FBI alte Artefakte, die bei einem von Wonder Woman vereitelten Raubüberfall gefunden worden, analysieren. Mit dabei ist ein unscheinbar wirkender Stein, der aber Wünsche erfüllen kann. Ohne das Diana und Barbara es wissen, wünschen sich die Beiden etwas: Diana will Steve (Chris Pine) zurück, Barbara möchte so sein wie Diana. Nur einer weiß, was der Stein wirklich ist: der erfolglose Unternehmer Maxwell Lord (Pedro Pascal), der mit Hilfe des Steins mächtig werden will… doch der Traumstein hat ein Problem: Für jeden Wunsch verlangt der Stein auch etwas zurück…

Okay… wow… ich weiß gar nicht, wo oder wie ich anfangen soll. Meine Güte, ich wünschte, ich wäre vor lauter Freude sprachlos. Leider ist genau das Gegenteil der Fall. Ich bin so dermaßen von „Wonder Woman 1984“ enttäuscht, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann und deswegen nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht gehe ich einfach mal die drei Hauptcharaktere durch.

Fangen wir bei Diana an und mit ihr auch mit Steve. Was ich nicht verstanden habe, war die Tatsache, dass Steve Trevor nicht einfach zurückkehren kann. Stattdessen steckt sein Geist in dem Körper eines anderen Mannes fest, was aber für niemanden in diesem Film auch nur irgendein Problem darstellt. Der Typ ist selbst „zum Glück“ alleinlebend, hat scheinbar keine weiteren Verpflichtungen in seinem Leben – da passt es dann schon. Das sorgte dann auch für Ärger im Netz. Aber gut, damit könnte ich noch leben, Körpertausch-Komödien gab’s schon immer. Das Ganze erst jetzt irgendwie als problematisch anzusehen, ist ein wenig unüberlegt. Dann müsste man auch alle möglichen anderen Filme jetzt im Nachhinein verurteilen.

Schlimmer fand ich, was man Diana auf einmal für neue Fähigkeiten andichtet… Fähigkeiten, die sie eigentlich schon im ersten Teil hätte haben müssen, an die sie sich aber offensichtlich erst jetzt wieder erinnert. So kann sie wie Spider-Man mit ihrem Lasso durch die Luft schwingen, hat auf einmal magische Fähigkeiten und kann Dinge unsichtbar werden lassen (Fan-Service für den Invisible Jet erfüllt). Irgendwie nett, aber das wird auch so lapidar in dem Film eingefügt. Als hätte man beim Drehbuch nicht so richtig gewusst, wie man diese oder jene Situation lösen soll und deswegen zieht man sich einfach neue Fähigkeiten aus dem Arsch.

Immerhin haben Gal Gadot und Chris Pine ein paar sehr schöne Szenen, obwohl ich selbst seine „Faszination“ für die 80er etwas übertrieben fand. Als wenn er noch nie Züge oder Flugzeuge oder Mülleimer gesehen hätte. Der Gag geht bei diesem neuen „fish-out-of-water“-Szenario etwas verloren (hat mit Diana in Teil 1 besser funktioniert).

Damit will ich mal kurz zu Barbara kommen, eine Figur, die in diesem Film eigentlich niemand gebraucht hätte. Sie bekommt einfach die gleiche Origin-Story wie Selena Kyle in „Batmans Rückkehr“. Weil sie ein bisschen tollpatschig ist, lacht sie jeder aus und ignoriert sie. Später, mit Dianas Fähigkeiten und mit abgenommener Brille ist sie auf einmal sexy und jeder will sie. Alles klar… verstehe. Auch ihre Motivation war mehr als holprig inszeniert.

Wenn Barbara später dann Catwoman… äh, ich meine, Cheetah wird, befinden wir uns wieder so tief in CGI-Territorium, dass es gerade heutzutage schon sehr wehtut (und gruselige Erinnerungen an die Verfilmung von „Cats“ kommen auf). Und wie gesagt, leider macht man aus dieser Figur in diesem Film nichts. Letztendlich ist sie für die Handlung fast komplett überflüssig.

Womit wir dann zum Schluss zu Pedro Pascal kommen. Der hat zumindest sichtlich Spaß daran, diesen Maxwell Lord als herrlich übertriebenen Schurken zu spielen. Doch auch Lord ist eine komische Figur, dessen großer Welteroberungsplan mehr aus dummen Zufällen besteht als aus cleverer Planung. Lord funktioniert für mich als Schurke nie so richtig – egal, was er Böses macht…

Von den Charakteren mal abgesehen, ist „Wonder Woman 1984“ auch sonst eher langweilig. Hatte der erste Teil noch wirklich starke Szenen, die einem lange in Erinnerung bleiben (die No-Mans-Land-Sequenz ist und bleibt Kult), wirkt die Action im zweiten Teil sehr unkreativ. Hier verlässt man sich mehr auf CGI als auf alles andere… und so fehlt es dem Film auch an coolen Superheldinnen-Momente für Wonder Woman. Die Kämpfe sind eher uninteressant und das große Finale fällt durch viele Logiklöcher und schlechte Kampf-Choreografien auch eher mau aus. Dadurch ist das alles leider ein ziemlicher Reinfall – gerade im Vergleich zum ersten Teil.

Wertung: 4 von 10 Punkten (hat ein paar nette Momente, die aber meist durch enorme Langeweile, blöde Charakterentwicklungen und wenig sehenswerte Action ruiniert werden)

Filmreise Etappe #67: Fressen, vögeln, furzen und sterben

19. Februar 2021

Ich habe lange hin und her überlegt, welchen Film ich mir zum Thema „Essen“ vornehmen soll… und egal, was ich bei Google eingegeben habe, irgendwie tauchte Marco Ferreris „Skandalfilm“ immer wieder auf. Was natürlich meine Neugier weckte… Skandalfilm und dann trotzdem auf gefühlt jeder Liste, irgendwas muss an diesem Film „Das große Fressen“ doch dran sein, oder? Was würde mich da wohl für ein Skandal erwarten? Ich war sehr gespannt und nach zwei mehr als nur anstrengenden Stunden auch schwer enttäuscht, aber der Reihe nach.

Die vier Freunde Marcello (Marcello Mastroianni), Ugo (Ugo Tognazzi), Michel (Michel Piccoli) und Philippe (Philippe Noiret) treffen sich, um sich mehr oder weniger zu Tode zu fressen. Dafür wird jede Menge Essen angekarrt und die Freunde wollen sich es so richtig schmecken. Leider ist Marcello dazu noch schwer notgeil, weswegen die vier Männer sich entscheiden, drei Prostituierte dazu zu holen. Wenn schon sterben, dann halt richtig. Irgendwie kommt dabei auch die Lehrerin Andrea (Andrea Ferreol) mit dazu, die bald von einem zum anderen geht… und so geht das Fressen, das Vögeln, das Furzen und das Sterben so langsam seinen Gang.

Wow… was für ein Film! Und das meine ich in diesem Fall mal leider nicht positiv. Zwei Stunden schaut man diesen Ü50ern dabei zu, wie sie sich in jeder einzelnen Szene irgendwas zwischen die Kiemen schieben. Zwischendurch wird gevögelt und gefurzt… das ist der komplette Film. Ich frage mich ein bisschen, wo da der Skandal ist. Aber gut, der Film kam Anfang der 70er Jahre raus. Da war das viele Vögeln, die ständig nackt herumlaufenden Prostituierten und das Furzen wahrscheinlich schon eine absolute Sensation. Wenn die damals schon „Game of Thrones“ gehabt hätten, wäre wohl vielen Menschen der Kopf vor lauter Scham geplatzt.

Was man dem „Großen Fressen“ zugutehalten muss (wenn es auch der einzige Punkt ist), ist wirklich das Essen. Also auch wenn sehr vieles an diesem Film nicht besonders ansehnlich ist, das letzte Abendmahl der Vier ist es definitiv. Was die hier auftafeln, ist wirklich ein Fest für Könige. Muss wohl auch ein sehr unterhaltsamer Dreh gewesen sein, wenn man ständig nur mit dem besten Essen verwöhnt wird. Die Speisen sind wirklich ein Traum und werden auch sehr schön dargestellt. Aber sobald sich die Meute darauf wirft, hört der Spaß dann auch auf.

So, das war der gute Punkt an „Das große Fressen“. Alles andere ist echt ermüdend und irgendwie auch extrem albern. Die Charaktere lernt man nie so richtig kennen. Man weiß nicht, warum sie es darauf abgesehen haben, sich zu Tode zu fressen oder was sie so sehr an ihrem Leben stört, dass sie es beenden wollen. Die vier Männer sind zwar alle in ihrer Art sehr exzentrisch, aber so wirklich unterscheiden sie sich nicht. Dadurch fehlt einem als Zuschauer auch jegliches Mitgefühl oder auch nur irgendein Identifikationspunkt, um sich in diese Charaktere einfinden zu können.

Der Film ist einfach nur „skandalös“, weil er „skandalös“ sein möchte. In diesem Sinne muss man Regisseur Marco Ferreri schon irgendwie loben. Mir hat sich eine tiefere Bedeutung des Ganzen nicht erschlossen… außer halt das Frauen freizügig durch die Gegend laufen und zum Vögeln willig bereitstehen. Letztendlich ist „Das große Fressen“ wohl der feuchtfröhliche Traum eines alten Mannes, der sich genau das wünscht: Fressen und Vögeln, bis er tot umfällt. Das Furzen wird hier und da mal sehr in die Länge gezogen, aber wirklich „aufregend“ ist daran nun auch wirklich nichts. Es ist manchmal nur einfach ein bisschen lustig.

Auch die Beziehungen unter den Männern habe ich nie so ganz verstanden. Warum die überhaupt in irgendeiner Form befreundet sein sollten… keine Ahnung. Dazu dann aber noch Andrea Ferreols Andrea, die ich auch nie so richtig fassen konnte. Sie wird mehr und mehr zur Gespielin aller Männer, frisst fast genau so viel wie die und ja, das ist dann auch ihre ganze Entwicklung. Soll uns das sagen, wie sehr das Verhalten von Männern auch die netteste Frau verderben kann? Keine Ahnung…

Wie gesagt, ich bleibe dabei: In „Das große Fressen“ einen tieferen Sinn zu suchen, ist vergebene Liebesmüh. Dafür ist der Film einfach zu hirnlos… und besteht halt einfach nur aus fressen, vögeln, furzen und sterben. Sich das zwei Stunden lang anschauen, ist absolute Zeitverschwendung.

Wertung: 2 von 10 Punkten (langweiliges Fressgelage ohne irgendeine Form von Sinn, der sich zumindest mir ergeben hätte)

Mit Rambo in der Bank

17. Februar 2021

Okay, okay… ich hatte echt gehofft, dass es nach dem Cliffhanger von Season 3 von „Haus des Geldes“ ein bisschen mehr Aufregung in der Serie geben würde. Leider beweist die Serie einmal mehr, dass diese Fortführung der Geschichte einfach sooooo hart an den Haaren herbeigezogen ist. Es macht tatsächlich nicht mehr wirklich Spaß, sich das alles anzuschauen. Staffel 1 und 2 waren wirklich gut… die habe ich auch in Nullkommanichts durchgeguckt. Mit den Staffeln 3 und 4 habe ich mich dann echt gequält. Gefühlt passiert einfach nichts Neues, es wird alles nur noch einmal aufgekocht und das war’s… aber okay, das war’s noch nicht. Denn in Staffel 4 lassen sich die Macher doch mal was Neues einfallen – und bescheren uns Rambo in der Bank, die nervigste und dümmste Entwicklung, die die Serie bislang durchgemacht hat… aber gehen wir brav der Reihe nach.

Inspectora Alicia Sierra (Najwa Nimri) das Feuer auf Nairobi (Alba Flores) eröffnet hat, liegt die im Sterben. Tokio (Ursula Corbero) versucht mit Hilfe von außen, die Kugel raus zu operieren… was ihr auch gelingt (natürlich!!!). Währenddessen wird Lissabon (Itziar Ituno), die ja doch nicht im Finale von Staffel 3 von der Polizei ermordet wurde, wie der Professor (Alvaro Morte) immer noch glaubt, von Alicia verhört. Palermo (Rodrigo de la Serna) stachelt derweil den Sicherheitsbeamten Gandia (Jose Manuel Poga) an, sich zu befreien. Schafft der auch und wird dann eben zu Rambo in der Bank… aber trotzdem haben alle Palermo irgendwie trotzdem noch lieb. Die ganze Angelegenheit mit dem Gold gerät dabei übrigens sehr in den Hintergrund.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Arturo (Enrique Arce) nervt weiterhin hart. Man merkt richtig schlimm, dass die Macher mit dieser Figur einfach nicht mehr wissen, was sie machen sollen. Der rennt nur noch dumm rum, stachelt Leute an und missbraucht weibliche Geiseln??? Was zur Hölle sollte bitte dieser Plot? Das war so absurd und selbst für einen Typen wie Arturo irgendwie zu untypisch. Was das alles bezwecken sollte, keine Ahnung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Enrique Arce mit seiner Rolle jetzt so viele Fans hat, die ihn unbedingt auch in der Fortsetzung sehen wollten. Seine ganze Motivation in Staffel 3 war schon mega dumm: Er will unbedingt doch noch was mit Stockholm (Esther Acebo), seiner Ex-Geliebten anfangen? Und jetzt missbraucht er Frauen während einer Geiselnahme? Wer schreibt bitte diese Charakter-Entwicklungen und denkt, das passt alles total toll in diese Serie? Jedes Mal wenn Arturo auftaucht, wünsche ich mir ehrlich gesagt nur, dass sie ihn endlich abknallen… und leider ist Enrique Arce nicht mehr gut hassenswert, weil der Charakter einfach so extrem Scheiße geschrieben wurde.

Zweiter großer Störfaktor war für mich Gandia. Gott, der Typ hat auch hart genervt. Der wird jetzt also auf einmal zu einer Ein-Mann-Armee, hat seinen geheimen Panik-Raum (von dem selbst der Professor trotz Jahren der Vorbereitung nichts wusste) und spielt eben Rambo. Ballert sich durch die Gegend, ist ein ekliger Rassist und spielt den großen Helden. Die Serie lenkt damit auf üble Art und Weise davon ab, dass die eigentliche Geschichte sich eigentlich kaum weiterentwickelt. In der Hoffnung, dass wir unter all den Explosionen, dem Lärm und dem Rauch vergessen, das sich noch nicht viel getan hat. Das wirkt so unnötig. „Haus des Geldes“ hat mal so schön subtil und clever angefangen und verliert sich nun in dummer Action, die so gar nicht reinpasst.

Warum dann am Ende auch alle Palermo verzeihen, dass er Gandia angestachelt hat, will mir auch nicht so richtig in den Sinn. Aber gut, das muss man halt so hinnehmen. Genau wie die Tatsache, dass der kluge Professor mehr und mehr an Integrität verliert und sich mehr auf seine gekaufte Armada von Hackern irgendwo in Pakistan oder wo auch immer die stecken verlassen muss. Für mich hat die Serie ihre Charaktere ein wenig aus den Augen verloren.

Immerhin schaffen sie es mit der Befreiung von Lissabon im Finale der Staffel einmal den Geist der ersten Staffeln aufleben zu lassen. Das war mal wieder ein cooler Plan, der auch clever umgesetzt wurde. Wie der Plan mit dem Gold funktionieren soll, ist aber nach wie vor ein Rätsel.

Größter Pluspunkt dieser Staffel ist, wie auch schon in Staffel 3, Alicia. Najwa Nimri ist einfach so gut in dieser Rolle. Bei ihr bin ich wenigstens noch gespannt, wie es mit ihr weitergeht.

„Haus des Geldes“ hat aber für mich echt den Zenit schon lange, lange überschritten. Ich hoffe, sie bringen es mit Staffel 5 zu einem vernünftigen Ende. Die hatten zwei tolle Staffeln und machen sich jetzt einfach alles kaputt. Na mal schauen, wie es noch weitergeht.

Wertung: 3 von 10 Punkten (einfach nicht mehr das Gleiche)

Der Nachrichtenvorleser

15. Februar 2021

Paul Greengrass ist für mich ein Regisseur, dem ich – ehrlich gesagt – eher aus dem Weg gehe. Nicht etwa, weil ich seine Filme nicht mag, im Gegenteil. Was ich aber gerade an seinen actionlastigen Filmen nicht mag, ist die Kamera-Arbeit. Ich glaube, es ist nicht zu verwerflich, wenn ich sage, dass Greengrass mit seinem Einstieg in die „Bourne“-Reihe die Art, wie man Action inszeniert, revolutioniert hat. Die Handkameras sind bei ihm immer direkt mitten im Kampfgeschehen. Wenn man sich Behind-the-Scenes-Material anguckt, wird einem schon schwindelig. Da springen die Kamera-Männer Matt Damons Jason Bourne durch die Luft hinterher und müssen selbst schon halbe Stuntmänner sein, um da mitmachen zu können. Doch ist Greengrass‘ Inszenierung so schwindelerregend wie sie aufregend ist… und das im wahrsten Sinne des Wortes. Davor graut mir immer ein wenig, wenn ich an Greengrass denke… deswegen war ich dann auch ein wenig vorsichtig, als es um seinen neuesten Film ging: „News of the World“… doch der ist irgendwie so ganz anders, dass ich fast nicht geglaubt hätte, der Film stammt von Greengrass.

Texas, irgendwann im Jahr 1870: Captain Jefferson Kidd (Tom Hanks) reist durch den Staat und liest in den Orten die Nachrichten vor. Auf dieser Reise findet er ein junges Mädchen namens Johanna (Helena Zengel), die nach der Ermordung ihrer Eltern von dem Stamm der Kiowa verschleppt und aufgezogen wurde. Das Mädchen sollte nach ihrer Befreiung zu ihren letzten überlebenden Familienmitgliedern zurückgebracht werden, doch ein Lynchmob tötete den schwarzen Fahrer, der sie dorthin bringen sollte. Widerwillig nimmt sich Kidd der kleinen Johanna an, die sich jedoch allen „Resozialisierungsversuchen“ Kidds widersetzt. Eine nicht ganz so einfach Reise beginnt…

Greengrass macht also einen Western… und der sieht mit seinen klassischen, statischen Totalen des „Wilden Westens“ auch verdammt gut aus. Von Beginn an ziehen uns die Bilder in ihren Bann. Die Naturgewalten und die Schönheit eben dieser Gewalten fängt Kameramann Dariusz Wolski perfekt ein. Optisch betrachtet ist „News of the World“ wirklich ein schöner Film, den ich gerne auf der großen Leinwand gesehen hätte. Und selbst, wenn es mal ein bisschen Action gibt (was nicht sonderlich viel ist in diesem Film), bleibt es Greengrass-untypisch eher ruhig… der Kamera-Stil passt sich perfekt seinem alten Hauptdarsteller und der Geschichte an.

Doch neben der tollen Optik ist da eben noch diese Geschichte… „News of the World“ ist ein Roadmovie, ein Western-Roadmovie mit klassischer Story: alter Haudegen reist mit kleinem Quälgeist durch die Gegend. Haben wir auch schon Dutzende Male gesehen. Aber gerade dank Tom Hanks und der jungen Helena Zengel ist das Ganze auch wirklich sehenswert. Tom Hanks ist toll in der Rolle des Vorlesers, allerdings fehlt seiner Figur dann auch so ein bisschen das gewisse Etwas. Sein Kidd ist zu sehr Tom Hanks… in dem Sinne, dass Kidd ohne zu große Einwände alles unternimmt, um dieses ihm fremde Kind nach Hause zu bringen. Ein bisschen mehr Tiefgang hätte ich mir da von seiner Seite gewünscht. Einen Wandel – vom grummeligen Captain zum Ersatzvater. Dieser Sprung da hin passiert innerhalb von Sekunden. Was ein wenig schade ist… Helena Zengel dagegen, die die meisten wahrscheinlich aus ihrer grandiosen Rolle in „Systemsprenger“ kennen dürften, ist toll. Als stumme Begleiterin erinnerte sie mich gerade in ihren Wutausbrüchen sehr an Benni. Aber insgesamt fand ich sie in ihrer stillen Rolle neben Tom Hanks sehr stark. Und die Beiden haben eine tolle Chemie – also auch, wenn ich mir mehr Entwicklung von Hanks Kidd gewünscht hätte, die Beiden zusammen passen wunderbar zusammen.

Wo Greengrass allerdings ein bisschen mehr Wert drauf hätte legen können, wären die ganzen anderen interessanten Aspekte seines Films. Zum einen wird mal kurz das Nachrichten-Thema angerissen. In einer Stadt wird Kidd gezwungen, Nachrichten vorzulesen, die von einem üblen Kerl geschrieben worden sind. Hier zeigt sich die Nähe zur Moderne in „News of the World“… fake news hat es schon immer gegeben. Und auch Menschen, die entscheiden, wer welche News zu hören bekommt. Ein faszinierender und spannender Punkt, der aber leider zugunsten des Roadmovies ein wenig hinten angestellt wird.

Das Gleiche gilt für die geladene Situation in Texas… auch hier hätte der Film in eine sehr viel politischere Richtung gehen können. Aber auch das reißt Greengrass nur kurz an. Ihm sind seine zwei Hauptdarsteller wichtiger, was auch vollkommen okay ist. Letztendlich sollte man vielleicht doch auch den gleichnamigen Roman von Paulette Jiles lesen… so aber ist „News of the World“ ein toller Charakter-Film mit schönen Road-Movie-Aspekten, viel Gefühl und leider einigen verspielten Chancen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Tom Hanks und Helena Zengel könnten auch noch länger durch den Westen reisen)

Random Sunday #48: Rewatching Aquaman

14. Februar 2021

Wenn ich alte Filme, zu denen ich schon eine Kritik geschrieben habe, schaue, komme ich immer wieder auf meine eigenen Texte zurück und gucke, ob ich die Kritik immer noch so schreiben würde. Bei den Filmen, die ich mag, ist da meist nicht so viel zu ändern. Es ist mir bislang eigentlich noch nie passiert, dass ich einen Film, den ich vorher mochte, plötzlich nicht mehr so gut fand. Auch bei den Filmen, die ich nicht mochte, passiert es eher selten, dass sich das plötzlich ändert. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel… und deswegen sitze ich nun vor meinem Rechner und schreibe diesen Artikel. Wider jede Erwartung muss ich es einfach machen…

Einer meiner besten Freunde brachte mich vor einiger Zeit dazu, mir James Wans „Aquaman“ noch einmal anzuschauen. Wir waren damals beide nicht sonderlich von dem Film begeistert, regten uns vor allem über die Länge des Films auf und dass gefühlt zu jedem wichtigen Moment des Films irgendwer daherkam, um genau diesen Augenblick erklären zu müssen. Das hatte mich damals irgendwie echt genervt. Ich mochte den Look des Films, aber die Geschichte langweilte mich tierisch.

Tja… und jetzt habe ich mir das Ganze trotz aller Kritik noch einmal angetan… und ja, ich muss gestehen, ich war doch irgendwie begeisterter. Lag es daran, dass ich darauf vorbereitet war, wie viel Exposition in diesem Film steckt? Lag es daran, dass ich wusste, dass mich die wohl schlimmste Version von Totos „Africa“ erwartet? Lag es daran, dass mir klar war, dass die ganzen tollen Schauspieler, die im Film auftauchen (kleiner Unterwasser-Witz), leider nicht sonderlich viel zu tun hatten? Ich meine, Patrick Wilson als der Ocean Master ist halt einfach nur da, um böse zu sein. Nach wie vor fehlt mir bei ihm ein bisschen die Motivation. Wenn man einfach diesen Bruderzwist ein bisschen besser ausgearbeitet hätte… so a lá Thor und Loki, das hätte diesen Beiden echt gutgetan. Auch Willem Dafoe kommt als Mentor irgendwie nie so richtig zur Geltung. Aber gut, mir war das jetzt beim zweiten Mal gucken halt wirklich bewusst… und irgendwie konnte ich mich damit besser abfinden. Am Ende ist das Ganze halt einfach ein weiterer von den zigtausend Comic-Filmen, die setzen halt mehr auch Knall und Bumm als auf Tiefe (obwohl sowohl DC als auch Marvel die Tiefe auch können… siehe „Logan“, siehe „Joker“).

Wenn ich jetzt also auf „Aquaman“ schaue, sind meine Augen vom Meerwasser befreit und brennen längst nicht mehr so wie damals (noch ein verrückter Unterwasser-Wort-Witz). Ich liebe an dem Film nach wie vor, was James Wan optisch vorlegt. Die Action-Sequenzen, die teilweise in echt atemberaubenden One-Takes gefilmt sind, die Unterwasser-Welten und Kreaturen sind echt verdammt gut. Natürlich wird Ganze in Bälde nicht mehr so cool aussehen, wenn James Cameron irgendwann mal seinen „Avatar 2“ rausbringt, der uns ja unter Wasser gefilmtes Motion Capture zeigen wird. Aber so der ganze Unterwasser-Look hat schon irgendwie was.

Jetzt, wo ich den Film noch einmal gesehen habe, kann ich auch diesem Videospiel-Adventure-Aufbau mehr abgewinnen. Fange an Punkt A an, kämpfe dich durch zu Level B und kämpfe in einem Wrack gegen die ersten Gegner. Von da an reise zu Punkt C und renne durch die Wüste (zu dem furchtbaren Ohren verätzenden Sound von Pitbulls „Africa“-Version), spiele ein wenig Indiana Jones, komm dann zu Punkt D nach Sizilien und kämpfe wieder gegen übermächtige Gegner. Dann kommt das Horror-Level mit unheimlichen Kreaturen und der klassischen „Ich bin würdig genug“-Szene und wir haben einen Jason Momoa, der im klassischen Aquaman-Kostüm ziemlich badass aussieht (aber der Mann würde in einem Kartoffel-Sack badass aussehen). Und am Ende gibt es die große Schlacht.

Auch wenn „Aquaman“ immer noch ein bisschen zu lang ist, funktioniert er jetzt auf einmal doch ganz gut in meinen Augen. Ich wusste, wie ich meine Erwartungen herunterzuschrauben hatte und so konnte mich das Unterwasser-Spektakel besser bespaßen, als ich es mir vorgestellt hätte. Viel verdankt der Film auch einfach dem Charisma eines Jason Momoas und ja, auch wenn man sie jetzt wohl irgendwie verteufeln muss, ist auch die Chemie zwischen ihm und Amber Heard echt gut.

„Aquaman“ hat mich beim zweiten Mal positiv überrascht, weswegen ich einfach mal meine alte Wertung auf zwei Punkte aufstocke. Somit bin ich jetzt bei „Aquaman“ bei 7 von 10 Punkten – und damit kann ich ganz gut leben.