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Das Böse im Wald

21. August 2017

Willkommen zurück in „Twin Peaks“, jenem beschaulichen TV-Ort der 90er Jahre, in dem der Kaffee einfach nur fabelhaft und der Kuchen köstlich ist. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, diesem Ort voller Geheimnisse, wo jeder nie so wirklich das zu sein scheint, was er oder sie vorgibt zu sein. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, wo wir auch in Staffel 2 immer noch gespannt darauf warten, eine Antwort auf die alles entscheidende Frage zu bekommen: „Wer tötete Laura Palmer?“.

Immer noch könnte es jeder in dieser kleinen Stadt sein und immer noch versucht Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) den wahren Mörder zu finden. Wir hören dazu immer häufiger den Namen Bob (Frank Silva), doch wenn dann wirklich offenbart wird, wie und von wem Laura getötet wurde, braucht man erst einmal eine Verschnaufpause. Eine Verschnaufpause, die auch Cooper nutzen will, doch leider nicht bekommt: sein ehemaliger Partner Windom Earle (Kenneth Welsh) taucht plötzlich in Twin Peaks auf und will Rache: Cooper hatte eine Affäre mit seiner Frau, die Earle daraufhin in seinem Wahn umbrachte. Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, muss Cooper auch noch das Geheimnis um die Herkunft von Killer Bob lüften und das Geheimnis um die „White Lodge“ und die „Black Lodge“ lüften.

The Prequel To The X-Files

Die erste Staffel von „Twin Peaks“ lebt ja wirklich davon, dass wir gemeinsam mit Agent Cooper hinter die Kulisse einer vermeintlichen Bilderbuch-Stadt schauen und wir nach und nach all die kleinen Kuriositäten, Geheimnisse und sonderbaren Dinge aufdecken, die hinter der schönen Oberfläche lauern. Das hat natürlich dann irgendwann diesen Soap-Opera-Charme, wo jeder mit jedem schläft, jeder jeden mit irgendwas oder irgendwem betrügt, aber die Frage nach dem Mörder von Laura Palmer lässt das Ganze so unendlich spannend werden, dass man es kaum aushalten kann, weiter zu schauen. Staffel 2 setzt da natürlich perfekt an – und erweitert das noch durch ein bisschen Mystery (sprich: Dales Visionen oder später, wenn Major Briggs [Scullys Papa] von UFOs und sonstigem erzählt). Bis zu neunten Folge der zweiten Staffel lebt „Twin Peaks“ nach wie vor von der Frage nach Lauras Mörder… und steht dabei der ersten Staffel in nichts nach. Es ist immer noch die gleiche aufregende Mischung aus Krimi, Surrealismus, Komödie, Drama und Mystery – und vor allem die Offenbarung des Tathergangs hat zumindest mich echt aus den Socken gehauen (weil ich zum Glück keinen Spoilern zur Serie erlegen war).

Danach hätte dann theoretisch Schluss sein können… und wenn man sich so anschaut, was da zwischendurch kommt, hätte da Schluss sein MÜSSEN. Ab Folge 10 an verliert sich „Twin Peaks“ dann zu sehr in der Soap Opera. Totgeglaubte tauchen wieder auf, es geht mehr um die kleinen Intrigen und Liebeleien als um das große Ganze. Hatte ich die erste Staffel und die ersten 9 Folgen gefühlt in einem Rutsch durchgeguckt, musste ich mich nun extrem durch die einzelnen Folgen quälen. Da wird Cooper dann suspendiert, da taucht plötzlich David Duchovny als Transgender Denise auf, da plätschert „Twin Peaks“ so mit eher ziemlich langweiligen Folgen so vor sich her – weil einfach eine Richtung fehlt. „Wer tötet Laura Palmer?“ ist beantwortet, die nächste interessante Frage wäre dann: „Wer ist Bob?“. Doch darauf konzentriert sich die Staffel erst einmal nicht. Einzelne verstreute Bemerkungen deuten noch hier und da mal drauf hin, aber ansonsten versinkt die zweite Staffel zu sehr in einem Wust aus uninteressanten Charakter-Entwicklungen, die die Geschichte sehr zum Erlahmen bringen.

Gut, die Frage, wer der Vater von Sheriff-Vorzimmer-Dame Lucy ist, war ja noch ganz witzig, zumal ich den „einfachen“ Andy immer sehr mochte. Aber ob nun die Story mit der plötzlich super-starken Nadine, die ihr Gedächtnis verloren hat und sich wieder für einen Teenager hält oder die ganze Nummer mit Benjamin Horne, der zwischenzeitig auch mal ein bisschen verrückt wird – es gab viele kleine Nebenhandlungen, die sehr unnötig wirkten.

Selbst dieser Windom Earle kommt erst so richtig zum Ende der Staffel in Fahrt – überhaupt sind so die letzten drei Folgen von Staffel 2 auf einmal wieder genau das, was ich wollte. Da wird es wieder ein bisschen übersinnlicher, ein bisschen verrückter, aber auch ein bisschen geordneter. Im Finale haut David Lynch dann noch einmal alles raus und schickt Cooper (und uns) auf einen herrlich surrealen und tatsächlich sehr gruseligen Trip zur Black Lodge (in der Laura Palmer dann sogar erzählt, dass sie Cooper in 25 Jahren wieder sehen wird – was ja dann nahezu perfekt mit dem jetzigen Revival zusammenpasst).

Staffel 2 hängt in der Mitte einfach extrem durch, dafür ist der Anfang stark und das Finale so ein richtig schöner Mindfuck. Dennoch würde es echt reichen, sich die ersten neun und dann die letzten drei Folgen anzuschauen – und man hätte nichts wirklich Wichtiges verpasst. Eigentlich ein bisschen schade, dass die Serie so einen Hänger hat.

Wertung: 7 von 10 Punkten (12 von 23 Folgen sind ja tatsächlich noch ziemlich gut, den Rest muss man ein bisschen verschmerzen)

Krieg in den Badlands

18. August 2017

Ich bin ja eigentlich ein Fan von „Into the Badlands“, obwohl ich es damals bei der ersten Staffel nicht für möglich gehalten hätte. Der Trailer hatte mich nicht wirklich umgehauen, aber aufgrund der kurzen ersten Staffel (6 Folgen) habe ich es dann doch einmal gewagt – und war sehr angetan. Jetzt habe ich endlich mal die zweite Staffel geguckt… und hatte zu Beginn ein riesiges Problem: Ich wusste eigentlich nichts mehr von der Handlung. Die ersten Folge der zweiten Staffel war zu Ende und ich hatte Mühe, die einzelnen Charaktere sofort wieder einzuordnen. Und das ist eine Sache, die man der Serie im Allgemeinen wirklich ein bisschen ankreiden könnte: Sie sieht zwar gut aus und hat auch interessante Charaktere, aber sie ist auch schnell wieder in Vergessenheit geraten. Wenn mich jemand fragt, warum ich „Into the Badlands“ so mag, dann antworte ich meistens: „Die Serie hat coole Charaktere und extrem coole Fights“. Aber das war’s dann auch schon wieder.

Aber gut… vielleicht liegt das wirklich eher daran, dass die erste Staffel extrem kurz war mit ihren sechs Folgen. Staffel 2 war da jetzt schon ein bisschen länger mit seinen zehn Episoden und hat sich dann auch sehr viel deutlicher in mein Gehirn gebrannt – weil die Story jetzt auch zu mehr da war, als nur die zahlreichen Charaktere vorzustellen (was letztendlich Aufgabe der ersten Staffel war):

Sechs Monate nach den Ereignissen ist in den Badlands einiges los: Quinn (Marton Csokas) ist wider Erwarten noch am Leben und versucht alles, um seine Herrschaft zurück zu erlangen. Das passt den anderen Baronen und vor allem „The Widow“ Minerva (Emily Beecham) gar nicht, weswegen es zu einer Art Bürgerkrieg in den Badlands kommt, der für einige Opfer sorgt. Währenddessen versucht Quinns ehemals bester Kämpfer Sunny (Daniel Wu) wieder in die Badlands hereinzukommen, um seine Frau zu retten – die sich (ohne das Sunny das weiß) bei Quinn befindet, der ihren Sohn als seinen aufziehen will. Außerdem ist da immer noch M.K. (Aramis Knight), der jetzt bei irgendwelchen Mönchen lernen soll, seine mysteriöse Kraft zu steuern. Und natürlich bleibt immer noch die Frage, was es mit der geheimnisvollen Stadt Azra auf sich hat – oder was wirklich ausschlaggebend für diese Postapokalypse war?

Der mit dem Ring-Schwert tanzt

Wie schon gesagt, ich habe mir mein Wissen über die erste Staffel noch einmal anlesen müssen, um wirklich in die zweite Staffel einsteigen zu können. Ich musste mir erst einmal wieder klar werden, wer diese Barone sind, wie sie das Badland aufgeteilt haben. Sunny und M.K. waren die Charaktere, an die ich mich noch am besten erinnern konnte – weil sie ja auch im Fokus der ersten Staffel standen. Das hat sich jetzt zum Glück ein wenig geändert. Dadurch dass die einzelnen Geschichten aufgefächert wurden, bekommen die Charaktere mehr Zeit, sich ein bisschen besser zu entfalten. Und in dieser Staffel bin ich dann auch ein Riesen-Fan von Emily Beechams Widow geworden. Die ist schon verdammt cool, wobei man überhaupt sagen muss, dass die Frauenrollen in „Into the Badlands“ echt ziemlich ausgereift sind. Das ist ja für so eine Action-Serie nicht unbedingt immer die Normalität, aber die Ladies in dieser Serie haben es drauf und müssen nichts zurückstecken. Und weil die zweite Staffel auch gerade auf diesen kleinen Bürgerkrieg innerhalb der Badlands anspielt, haben die Damen hier sehr viel mehr Möglichkeiten zu zeigen, was sie können – sowohl schauspielerisch als auch kämpferisch. Da ist Emily Beecham die absolute Königin – einfach nur toll!

Interessant war auch Neuzugang Nick Frost, der an der Seite von Daniel Wu kämpfen und natürlich auch witzig sein durfte. Die beiden haben ein gutes Team abgegeben. Einzig und allein die Story von M..K. in dieser Staffel fand ich ein bisschen öde. Die ganze Auserwählten-Nummer ging in den ganzen Krieg ein wenig unter und wirkte unnötig. Zumal man auch jetzt wieder nur sehr sporadisch mit dieser ganzen „Azra ist die Stadt, in der wir Rettung finden werden“-Geschichte angefüttert wurden (immerhin zeigt das Finale, dass wir da noch einiges erwarten können).

Erzählerisch hat Staffel 2 von „Into the Badlands“ auf jeden Fall einen enormen Schritt nach vorne gemacht und hat noch sehr viel mehr zu bieten als Staffel 1. Gesteigert haben sich die Macher aber auch noch einmal in Sachen Kampf-Choreografien. Allein schon dafür lohnt sich diese Serie. Es ist immer wieder absolute Wahnsinn, was die sich da ausdenken. „Jackie Chan meets Tiger & Dragon“ – einfallsreiche Choreografien, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen, die wunderschön in Slow-Motion aussehen und extrem tödlich und rasant in normaler Geschwindigkeit. Die Kämpfe sind und bleiben ein wichtiges Erkennungsmerkmal von „Into the Badlands“ und werden besser und besser.

Ich bin auf jeden Fall jetzt noch ein bisschen heißer auf Staffel 3 als ich es in Staffel 1 auf Staffel 2 war 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Story zieht endlich an, die Kämpfe werden noch besser, ich werde mehr und mehr Fan!!!)

Es kann nur einen geben!

16. August 2017

Ich habe mal wieder Fernsehen geguckt. Nach Ewigkeiten. Ich weiß, dass ist jetzt nichts aufregendes, aber für mich irgendwo schon. Seit Netflix und amazon mein Leben mit Serien und Filmen befüllen, habe ich so gut wie nichts mehr im Fernsehen gesehen. Ich sehe genau zwei Sekunden Fernsehen pro Tag – nämlich immer genau in den Sekunden, die es braucht, um an meinem Fernseher vom normalen Programm auf den HD-2-Ausgang zu schalten, der mich auf meine PS4 und in die Welt von Netflix und Co. entführt. Doch jetzt ist es letztens dann doch passiert… denn in diesen 2 Sekunden Fernseh-Zeit sah ich, dass auf arte „Highlander“ lief. Und der kleine Junge in mir konnte nicht anders, der wollte „Highlander“ gucken, also habe ich „Highlander“ geguckt. Eine Erfahrung, die mal wieder gezeigt hat, wie schwer es doch manchmal sein kann, bestimmte Kindheitserinnerungen aufrecht zu erhalten.

Die Geschichte von „Highlander“ dürfte wohl noch jedem ein Begriff sein: Es ist die Geschichte des Schotten Connor MacLeod (Christopher Lambert), der eigentlich in einer großen Schlacht im Jahre 1536 hätte sterben müssen, es aber nicht tut. Er wird vertrieben, weil alle denken, er wäre mit dem Teufel im Bunde. So trifft er dann später auf Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez (Sean Connery), der Connor zu verstehen gibt, das er zu den Auserwählten gehört, die unsterblich sind und nur getötet werden können, wenn man ihnen den Kopf abschlägt. Ramirez trainiert Connor und bereitet ihn auf den ultimativen letzten Kampf vor, denn es gibt einen unter den Unsterblichen Kurgan (Clancy Brown), der alle anderen töten will, um den „Preis“ zu gewinnen. Sollte ihm dies gelingen, würde das die Menschheit ins Verderben stürzen. Im Jahr 1985 kämpft Connor immer noch gegen Kurgan… und der letzte große Kampf steht kurz bevor, denn: Es kann nur einen geben.

Es kann nur einen (Bond) geben…

Oh mein Gott, was habe ich „Highlander“ früher geliebt (dabei sollte ich gleich sagen, dass ich von den Fortsetzungen nie auch nur eine gesehen habe – was wohl, nach allem, was ich so gehört habe, etwas Gutes ist). „Highlander“ war cool, „Highlander“ war die Art von Film, die meine kindliche Fantasie sehr angeregt hat und zu wilden Schwert-Stock-Kämpfen mit Freunden führte, bei denen es auch nur einen geben konnte, der triumphieren würde. Das ganze Konzept der Unsterblichkeit war hier sogar noch cooler als bei Vampiren, die ja nur nachts raus konnten. „Highlander“ gehörte zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Wer „Highlander“ nicht mochte, war weg vom Fenster. Wie konnte man coole Schwertkämpfe in einem modernen Setting nicht mögen?

Kinder… die finden auch jeden Quatsch gut, nicht wahr? 😉 Aber ich will jetzt um Gottes Willen nicht sagen, dass „Highlander“ schlecht ist. Es ist immer noch ein toller Film, der meine Kindheit sehr bereichert hat. Es ist nur leider auch ein Film, der nicht ganz so gut gealtert ist. Und ich rede jetzt nicht von den Effekten, die sind okay für 1986. Was mir so ein bisschen den Zauber genommen hat, sind eigentlich zwei Dinge: die furchtbare deutsche Synchro und die Schwertkämpfe selbst.

Zum Thema Synchro: Die ist wirklich gruselig. Wenn die sich da vor Schmerz angrunzen oder wütend anschreien, klingt das so emotionslos, als hätten das irgendwelche Studenten aus Spaß an einem Nachmittag vertont. Aber gut… im Original klingt das mit all den schottischen Akzenten sicherlich sehr viel besser. „Highlander“ gehört zu den wenigen Filmen, die ich noch nie im Original gesehen habe.

Kommen wir aber zum Thema Schwertkampf: Ich hatte die absolut episch in Erinnerung und ja, der letzte große Kampf zwischen MacLeod und Kurgan hat ja auch was episches an sich, aber so im Allgemeinen bin ich wahrscheinlich einfach durch die besser und besser gewordenen Kampf-Choreografien der Filmgeschichte stark beeinflusst. Wenn jeder Schwertkampf eigentlich nur darin besteht, dass die Gegner mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen und nur die Schwerter aneinander hauen, wirkt das bei weitem nicht mehr so episch wie in meiner Erinnerung.

Ich mag „Highlander“ trotzdem, auch wenn die merkwürdige Liebesgeschichte und die dazugehörige 80er-Jahre-Sexszene mit schwummriger Soft-Porno-Musik echt deplaziert wirkt und ein Christopher Lambert jetzt auch nicht unbedingt durch große Schauspielkunst aufwartet. Es ist einfach ein wichtiger Film für das Kind in mir. Es ist aber auch einfach eine coole Story an sich, die mit den verschiedenen Flashbacks großartig funktioniert. Die Tatsache, dass der Film mit einem Schwertkampf in der Gegenwart anfängt, war schon ziemlich badass. Die Schwerter an sich fand ich auch einfach immer nur verdammt cool, aber das nur so als Randnotiz. „Highlander“ ist schon toll – nicht unbedingt gut gealtert, aber dank hohem Nostalgie-Wert immer noch sehenswert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (irgendwann traue ich mich mal an die angeblich so furchtbaren Sequels – vielleicht)

Anti-Mary-Poppins

14. August 2017

Wenn ich Kinder hätte, würde ich mir wahrscheinlich nie wieder auch nur irgendeinen Horror-Film anschauen, in dem Kinder die Hauptrolle spielen. Wahrscheinlich hat man ja als Elternteil ohnehin schon genug innere Urängste, das dem eigenen Kind irgendwas zustoßen könnte, da kann man sicherlich gut auf Filme verzichten, die einem genau das 80 oder 90 Minuten noch einmal vor Augen führen. Noch schlimmer wird es dann wie im Fall von „Emelie“, wenn dann auch noch die Babysitterin zum wahren Teufel wird. Für Eltern, die noch irgendwie Vertrauen zu ihrem Babysitter haben wollen, ist dieser Film daher wirklich nichts.

Dan (Chris Beetem) und seine Frau Joyce (Susan Pourfar) wollen ihren Hochzeitstag feiern und engagieren deswegen eine Babysitterin. Üblicherweise macht das die junge Maggie (Elizabeth Jayne Hong), doch die hat an diesem Abend keine Zeit und empfiehlt ihre Freundin Anna. Papa Dan holt dann die Sitterin (Sarah Bolger) ab, die auf die drei Kinder Jacob (Joshua Rush), Sally (Carly Adams) und den kleinen Christopher (Thomas Bair) aufpassen soll. Doch kaum sind die Eltern aus dem Haus wird „Anna“ sehr merkwürdig. Der 11-jährige Jacob verliert seine anfängliche Verliebtheit gegenüber der Sitterin, schnüffelt in ihren Sachen und findet heraus, dass diese Anna in Wirklichkeit Emelie heißt… und das sie definitiv nicht zum Babysitten da ist.

Hinter dem hübschen Gesicht steckt ein widerliches Monster

Vorweg will ich sagen, dass „Emelie“ allgemein gesagt ein sehr unangenehmer Film ist, der zu Beginn wirklich sehr merkwürdig ist und man sich die ganze Zeit fragt, warum das alles passiert. Emelie erlaubt den Kinder beispielsweise, die Wände zu bemalen oder aus Mamas Kissen Kostüme zu basteln, denn wahre Kreativität braucht Zerstörung. Da denkt man noch, dass sie vielleicht eigentlich wirklich nur eine coolere, wenn auch leicht durchgeknallte Sitterin ist, die Jacob Unmengen an Keksen essen lässt. Doch dann fängt sie vorsichtig an, die Türen zu verriegeln, verfüttert Sallys Hamster an Jacobs Schlange verfüttert und zeigt den Kindern am Ende ein privates Sex-Video der Eltern. Mit einem extrem unangenehmen Gefühl im Magen sitzt man da so vorm Fernseher und fragt sich eigentlich zwei Dinge: „Warum tut Emelie das?“ und „Warum tue ich mir so einen kranken Scheiß eigentlich an?“

Frage Nummer 2 erklärt sich an der Neugier, die Antwort zu Frage 1 zu erfahren. Das Problem an „Emelie“ ist nur, dass die Antwort selbst ihr Verhalten auch nicht erklärt. Ich will an dieser Stelle etwas tun, was ich sonst nicht gerne mache und euch die Antwort verraten… es tut mir Leid, aber ich kann nicht anders meinem Verdruss über diese blöde, blöde Story Luft machen. Emelie möchte aus Gründen, die ich euch nicht verraten möchte, Christopher entführen. Bleibt doch trotzdem die Frage, warum sie die Kinder dann mit privaten Sex-Videos der Eltern und toten Haustieren foltern muss. Soll sie die doch einfach ins Bett schicken, gerne auch mit Valium in der Einschlafmilch, und dann das Kind entführen. Das hätte irgendwo noch Sinn ergeben. Warum diese Tortur für die Kinder (und auch für den Zuschauer) sein muss, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Das war so unnütz und einfach nur da, um einem ansonsten sehr belanglosen Film wenigstens ein bisschen was zu geben, woran man sich später noch erinnern kann.

Nach der großen Auflösung fällt „Emelie“ dann aber in ein dunkles, schwarzes Loch – da Anna / Emelie den Strom ausstellt, um Christopher im Dunkeln wegzuschaffen. Blöd nur, dass Jacob das nicht zulassen will und in bester „Kevin – Allein zu Haus“-Manier versucht, seine Geschwister zu retten. Das Problem ist nur, dass man dann im Film einfach mal gar nichts mehr erkennen kann. Regisseur Michael Thelin schickt uns förmlich blind ins große Finale, aber zu dem Zeitpunkt war mir das dann auch schon relativ egal… einfach weil ich immer noch nicht mit dem ganzen Rest dieser blöden Story klar kam.

Schauspielerisch muss ich jedoch sagen, ist „Emelie“ schon echt gut. Vor allem die drei Kinder-Darsteller waren wirklich erstaunlich gut und sehr natürlich. Gerade bei dem kleinen Thomas Bair, der Christopher spielt, hatte ich das Gefühl, dem hat niemand gesagt, dass das hier ein Film ist. Der war echt sehr, sehr putzig. Sarah Bolger, die große böse Anti-Babysitterin, war auch sehr gut. Sie war wirklich sehr gruselig, weil man anfangs halt nicht weiß, warum sie so merkwürdig ist.

Darstellerisch ist „Emelie“ ein guter Film, der Rest ist widerlich und unangenehm und zum Ende hin einfach nur schwer zu erkennen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nie wieder Babysitter!)

Der Revolvermann

11. August 2017

Stephen King war der Schriftsteller, der mich in die Literatur für Erwachsene eingeführt hat. Mein erstes Buch von ihm war „ES“, danach habe ich mich dann systematisch einfach durch alles gearbeitet, was der Mann geschrieben hatte. So kam es dann auch dazu, dass ich irgendwann anfing, seinen großen Fantasy-Epos „Der Dunkle Turm“ zu lesen – und eigentlich mochte ich das Western-Fantasy-Setting immer sehr. Doch hatte ich das gleiche Problem wie mit jeder lang laufenden Reihe… irgendwann wird die Zeit zwischen den einzelnen Romanen so groß, das man viele Sachen schon wieder vergessen hat und dann eine Weile braucht, um wieder alles zu verstehen. Und gerade Kings „Der Dunkle Turm“ ist auch noch so komplex verwoben mit verschiedenen Zeitlinien und vor allem den unterschiedlichen Werken von King selbst. Richtig geärgert hat mich die Reihe dann mit Band 4 „Glas“, der Füllerfolge von „Der Dunkle Turm“, in der eigentlich nicht wirklich viel von Interesse (für mich) erzählt und die ganze Geschichte mit einem riesigen Flashback verlängert wurde. Danach hatte ich noch mehr Schwierigkeiten, mich mit Kings Epos anzufreunden. Als er dann später noch selbst in der Geschichte auftauchte, hielt ich ihn schon ein bisschen für größenwahnsinnig… und über das eigentliche Ende der Reihe will ich gar nicht erst sprechen, enttäuschte mich das doch nur noch mehr.

Als ich dann hörte, dass ausgerechnet „Der Dunkle Turm“ verfilmt werden sollte, war ich dementsprechend skeptisch – mehr als nur skeptisch. Zumal ja aufgrund des sehr merkwürdigen Endes der Buch-Reihe beim Film immer wieder von einer Fortsetzung anstatt einer reinen Adaption gesprochen wurde. Was aber auch nur alberner PR-Talk ist, um Fans zu beruhigen, falls der Film nicht ganz so ist, wie sie es erwartet haben. Tatsächlich vermischt der Film Geschichten aus drei verschiedenen Büchern zusammen und es entsteht ein etwas halb-garer Fantasy-Mix mit immerhin zwei guten Darstellern.

Der Junge Jake (Tom Taylor) hat in seinen Träumen Visionen von einem Dunklen Turm, der von einem Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) angegriffen wird. Dabei wird der Mann in Schwarz von einem Revolvermann namens Roland (Idris Elba) verfolgt, der ihn stoppen will. Jakes Eltern halten ihn für verrückt, doch als Jake eines Tages ein Portal in eine andere Welt findet und dort auf Roland stößt, weiß er, dass er Recht hatte – und zudem in großer Gefahr schwebt, denn der Mann in Schwarz hat es auf Jake abgesehen.

Gut gegen Böse…

Erstaunlicherweise ist „Der Dunkle Turm“ nach knapp 90 Minuten schon wieder vorbei. Ich hatte ja tatsächlich mit einem Mammut-Projekt von zweieinhalb bis drei Stunden gerechnet, aber zum Glück entschied sich Regisseur Nikolaj Arcel bei seiner „Fortsetzung“ der Reihe dagegen. So frühstückt er das erste großen Zusammentreffen zwischen Roland und dem Mann in Schwarz ziemlich rasch ab, was seine Vor- und Nachteile hat.

Vorteil ist, er verliert sich nicht zu sehr in Kings verwirrender Fantasy-Welt. „Der Dunkle Turm“ ist ein Film, der Fans der Reihe mit kleinen Easter Eggs und Hinweisen auf Figuren und Orte der Romane füttert, aber Nicht-Fans nicht im Regen stehen lässt. Der Film funktioniert, ohne das man auch nur eine Zeile aus „Der Dunkle Turm“ und seinen Nachfolgern gelesen hat. Ein weiterer Vorteil der kurzen Laufzeit ist aber auch, dass Arcel sich nicht in zu vielen Erklärungen aufhängt. Man wird eigentlich sofort in die Geschichte geworfen und muss halt auch einfach mal ohne große Erklärung hinnehmen, dass der Mann in Schwarz das Zentrum der Universen, den Dunklen Turm, kaputt machen will, um alle Welten ins Chaos zu stürzen. In einem Hollywood, das mittlerweile jeden kleinen Scheiß ausführlich erklären will, ist das irgendwie ganz angenehm. „Der Dunkle Turm“ hat einen klaren Bösewicht, einen klaren Helden und los geht’s.

Die Action in „Der Dunkle Turm“ sieht ziemlich gut aus. Revolvermann Roland ist scheinbar bei Angelina Jolie in „Wanted“ zur Schule gegangen und kann wunderbar mit seinen Waffen umgehen. Überhaupt liefert Idris Elba einen tollen Revolvermann ab, der vom Schicksal arg geplagt ist und alles versucht, den Mann in Schwarz zu vernichten. Der wird von einem tollen Matthew McConaughey gespielt, der sichtlich Spaß daran hat, endlich mal einen richtigen Bösewicht zu spielen, der allmächtig zu sein scheint. Nur der junge Tom Taylor passt nicht so wirklich zu diesen beiden.

Doch „Der Dunkle Turm“ ist bei weitem nicht perfekt… sondern irgendwo recht mittelmäßig. Der ganze Film schreit förmlich nach einer „Direct-to-DVD“-Veröffentlichung, wären da nicht die beiden großen Namen auf dem Poster. Die Geschichte ist trotz der Kürze recht unbefriedigend erzählt und was ich ehrlich gesagt am schlimmsten fand, war die Tatsache, dass wir nie so richtig in dieser Fantasy-Welt von Roland und dem Dunklen Turm verweilen. Arcel baut eine tolle Welt auf, aber so wirklich Platz bietet er ihr nicht. Es muss halt alles schnell, schnell gehen. Dem fällt dann auch das große Finale zum Opfer, in dem ein als allmächtig aufgebauter Mann in Schwarz recht simpel an seinem großen Plan gehindert wird.

Emotional holt einen „Der Dunkle Turm“ zu keiner Zeit wirklich ab. Es ist halt so ein typischer Gut-gegen-Böse-Film ohne stark in die Tiefe zu gehen. Elba und McConaughey spielen zwar gut, aber die Story gibt ihnen einfach nicht wirklich viel, mit dem sie arbeiten können. Sie sind ein bisschen verschenkt, will ich damit sagen. Gerade, wenn sie mal in unserer Welt sind, wirkt das sehr plump und es gibt viele Szenen, die witzig sein sollen (weil dieser Fremde in unserer Welt ein bisschen überfordert ist), die man sich aber auch hätte sparen können.

„Der Dunkle Turm“ ist einer dieser Filme, den man einfach nicht zwingend im Kino gesehen haben muss. Zuhause im Heimkino reicht vollkommen aus, so viel hat der Film dann doch nicht zu bieten.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich sehe schwarz für den Dunklen Turm und seine Fortsetzungen)

Draculas Fluch

9. August 2017

Wir hatten ja gefühlt schon seit Ewigkeiten darauf, dass irgendein Spiel mal eine würdige Verfilmung bekommt. Zuletzt scheiterte „Assassin’s Creed“ daran, das Spiel kinotauglich zu machen… und ich bleibe dabei, die einzige wirklich gute Verfilmung ist für mich immer noch „Silent Hill“. Da hat es atmosphärisch eigentlich verdammt gut geklappt, das Spiel umzusetzen. Doch heimlich still und leise kommt jetzt Netflix daher und präsentiert die nächste Spiel-Verfilmung als Serie: „Castlevania“. Ich habe keinen einzigen „Castlevania“-Teil der Reihe gespielt, kenne es eigentlich nur so vom Hören-Sagen und weil ich hier und da mal ein Video dazu gesehen habe, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass Netflix‘ „Castlevania“ eine wirklich gute Verfilmung des Spiels ist – zumal es ja im Spiel eh nur ums Draufkloppen geht und sich die Serie so eine eigene Geschichte ausdenken kann.

Als seine Frau als Hexe verbrannt wird, verflucht der Graf Vlad Tepes Dracula die Menschen der Walachei. Er gibt ihnen ein Jahr Zeit, dann würde er seine Horden von Dämonen auf die Menschen herablassen. Ein Jahr vergeht und Dracula hält Wort: Eine Armee aus Monstern und Dämonen taucht auf einmal auf und zerstört und tötet, was ihr im Weg steht. Scheinbar nur ein Mann hat die Fähigkeiten, gegen Dracula kämpfen zu können: der letzte Überlebende der Monster-Jäger-Familie Belmont, Trevor Belmont.

Indy wäre stolz

Ich wusste wirklich nicht, was ich von dieser Animationsserie erwarten sollte, aber allein die erste Folge hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Denn statt sich sofort auf den großen Helden der Serie zu stürzen, stellt die erste Folge niemand Geringeren als Dracula in den Vordergrund. Wir erfahren, wie er seine Frau kennenlernte, dann gibt es einen Zeitsprung und sie wird als Hexe verbrannt, woraufhin Draculas Fluch beginnt. Aber das Interessante daran ist, dass Dracula nachvollziehbar gemacht wird. Leider erfahren wir zu wenig über ihn und seine Frau und ihre gemeinsame Ehe – und ich hoffe, das kommt in Staffel 2 noch ein bisschen mehr in Rückblenden zur Geltung. Dennoch ist es ein faszinierender Anfangspunkt: Draculas Rache erscheint uns für einen kurzen Augenblick fast gerechtfertigt. Für einen Moment lang ist die Kirche der Walachei, deren Priester die Anordnung zur Verbrennung verkünden, die wahren Monster. Und sie sind es, die das Monster Dracula so erst heraufbeschwören. Wer weiß nämlich, ob er mit seiner Frau nicht irgendwann einfach der liebe, nette Graf von nebenan geworden wäre, der sich am Ende noch um das Wohl der Walachei und der Menschen kümmert?

Aber, wie es sich für ein Monster gehört, kennt Dracula keine Grenzen… und so verfliegt der Anflug an Sympathie dann auch schnell wieder, wenn man sieht, das seine Monster Frauen, Kinder und sogar Babys genüsslich verdrücken. Draculas Armee ist erbarmungslos und macht vor wirklich nichts Halt. Da kommt dann auch in der zweiten Folge endlich Trevor Belmont ins Spiel, ein versoffener, sarkastischer Typ in einer Bar, dem man im ersten Moment nicht wirklich zutrauen würde, eine Bastion gegen die Horden der Hölle zu sein. Doch in kurzer Zeit wächst auch er über sich hinaus.

Ich sage immer in „kurzer Zeit“, denn das wohl größte Problem an „Castlevania“ ist einfach mal die Laufzeit: 4 Folge a 25 Minuten. Das ist viel, viel, viel zu wenig, denn die Serie ist verdammt gut. Der Schurke wird, wie schon gesagt, gut aufgebaut und auch Trevor erlebt innerhalb dieser 4 Folgen eine gute Entwicklung vom Säufer zum wahrhaft letzten Kämpfer für das Gute. Ganz zum Ende, im großen Finale von Folge 4, hat er dann sogar noch den Sohn Draculas und eine Magierin an seiner Seite… und lässt hoffen, dass eine zweite Staffel nicht nur länger ist, sondern den hier gelegten Grundstein auch gut ausnutzen kann, um mehr zu erzählen. Denn ich würde schon gerne mehr davon sehen. Ich will mehr von Draculas Vergangenheit erfahren, ich will mehr über Trevor wissen (zum Beispiel, warum er der letzte seiner Familie ist), ich will mehr über seine Weggefährten erfahren, von denen ja einer Draculas Sohn ist.

Die erste Staffel „Castlevania“ liefert verdammt viel, was eine zweite Staffel in voller Länge gut ausbauen könnte. Ich hätte auch nichts gegen längere Folgen, denn „Castlevania“ hat echt das Zeug, eine richtig gute Serie zu werden. Ich will definitiv mehr und hoffe, dass Netflix auch brav damit weitermacht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (4 Folgen sind viel zu wenig, aber es waren so viele gute Ansätze da, dass Staffel 2 nur besser werden kann)

Apes Together Strong

7. August 2017

Gebt Andy Serkis doch bitte endlich mal einen Oscar! Irgendwas für Leistung im Bereich des Kinos – einen dieser speziellen Oscars. Sollte man direkt eine Kategorie für „Perfomance Capture“ einführen, würde Serkis dann jedes Jahr aufs Neue gewinnen. Das wäre dann auch merkwürdig, aber auf irgendeine Art und Weise muss dieser Mann einfach mal gewürdigt werden. Er ist so einer dieser Schauspieler, den man „real“ fast kaum sieht, aber als was anderes schon. Und seine größte Rolle ist ja nach wie vor Affe Caesar aus dem „Planet der Affen“-Reboot. Da war er ja schon immer großartig, aber in „Planet der Affen: Survival“ (der ja im Englischen mal wieder einen sehr viel cooleren Namen mit „War For The Planet Of The Apes“ hat – aber darauf wollen wir jetzt mal nicht näher eingehen) liefert Serkis seine beste Affen-Performance ab – was aber auch daran liegt, dass der dritte Teil verdammt gut und somit die Affen-Trilogie eigentlich fast perfekt macht.

In „Planet der Affen: Revolution“ sorgte Affe Koba ja dafür, dass der Krieg zwischen den Menschen und den Affen anfing, jetzt in „Survival“ stecken wir mitten in diesem Überlebenskampf der Affen, die eigentlich nur in Ruhe gelassen werden wollen. Doch Caesar (Serkis) hat einen neuen, sehr mächtigen Feind: den Colonel (Woody Harrelson). Als der einen spontanen Überraschungsangriff auf Caesars kleine Affen-Kolonie anführt, zieht er den Zorn des Affen-Anführers auf sich. Statt mit seinen Affen in eine andere Region zu reisen, macht sich Caesar auf, um den Colonel zu finden… und findet sich stattdessen in einem Alptraum wieder.

Uncharted… mit Affen

Die „Planet der Affen“-Trilogie, so wie sie jetzt ist, ist echt super. Ich mag Teil 1 nach wie am liebsten, das sage ich an dieser Stelle gleichmal vorweg. Danach kommt Teil 3 und dann Teil 2. Doch insgesamt gesehen ist es eine wunderbare Trilogie, die in jedem Teil auch etwas ganz Neues erzählt. Teil 1 war die Geschichte der Entstehung – quasi Caesars Origin. Dann kam Teil 2 mit der Zwist innerhalb der Affen-Gemeinde und jetzt kommt also der Krieg. Wobei „Planet der Affen: Survival“ da echt ein bisschen Mist gebaut hat – zumindest was die Marketing-Kampagne angeht. Die Trailer und die Poster sind alle sehr auf den Krieg ausgerichtet, aber Krieg spielt gar keine so große Rolle in diesem Film. Es gibt genau zwei erwähnenswerte Schlachten: Einmal zu Beginn des Films und dann am Ende. Zwischendurch ist „Survival“ so viel mehr als nur ein Kriegsfilm, sondern eigentlich mehr ein Drama, das erschreckende Holocaust-Bilder aufwirft.

In erster Linie ist „Survival“ aber wirklich ein Film über Caesar, der sich damit konfrontiert sieht, seinen Platz in seiner Gemeinde zu finden. Statt sie anzuführen und in Sicherheit zu bringen, riskiert er das Leben aller für seinen eigenen Rachefeldzug gegen den Colonel. Dabei sieht er sich immer wieder auf seinem alten Freund und Feind Koba gegenüber, dem er ähnlicher zu werden scheint. „Survival“ ist noch mehr als alle anderen Filme vorher, Caesars Geschichte. Es ist eine Geschichte, die sich zukünftige Affen-Generationen wahrscheinlich noch lange, lange erzählen werden. Schließlich wird Caesar in diesem Teil nun endgültig zu einer wichtigen Figur der Affen-Bewegung.

Ich will dazu jetzt auch nicht wirklich verraten, aber ich sprach die Holocaust-Bilder an… und ja, es ist tatsächlich so. Der Colonel lässt Affen nämlich in einem Arbeitslager für sich arbeiten, peitscht sie aus, lässt sie ohne Wasser und Essen in der Kälte leben und schikaniert sie, wo er nur kann. Und Caesar gerät da natürlich mitten mit rein. Was Regisseur Matt Reeves hier schafft, ist ein absolut emotionaler Film, der gerade wegen der erschreckenden Parallelen zu unserer eigenen Geschichte so extrem packend ist. Caesars Überlebenskampf wird zum Überlebenskampf einer ganzen Gemeinschaft… und er muss auch über sich selbst und seine eigenen Rachegelüste hinweg sehen, um das Wohl aller zu sichern. Da wird „Planet der Affen: Survival“ zu so viel mehr als nur einem cool gemachten Science-Fiction-Film.

Und cool gemacht ist er dennoch. Ich meine, wow!!! Die „Planet der Affen“-Reihe zeigt einfach mal, dass man CGI-Charaktere mit Leben füllen kann, wenn man denn nur ein gutes Drehbuch und starke Figuren hat (sollte sich Michael Bay echt mal zu Herzen nehmen). Die Affen sahen noch nie so echt aus wie in diesem Film.

Spannend waren aber auch die Neuzugänge: Bad Ape (Steve Zahn) war ein toller neuer Affe, der sehr schnell auch nervig hätte sein können, aber Reeves setzt ihn perfekt ein und so wird Bad Ape ein Highlight dieses Films. Genau wie die junge Nova (Amiah Miller), die jetzt noch einmal den Bogen zum alten „Planet der Affen“ schlägt und andeutet, wie es mit den Menschen weitergehen wird.

„Planet der Affen: Survival“ ist ein toller Film, ein extrem emotionaler Film, bei dem einem auch schon mal für ein paar perfekte Pixel-Affen die Tränen runterkullern können. Für mich könnte nach diesem Film problemlos auch Schluss sein und wir hätten endlich mal wieder eine richtig gute Trilogie. Auf der anderen Seite würde mich schon interessieren, wie es mit den Affen weitergeht. Aber da wird schon noch mehr kommen… immerhin vereinen die Affen finanziellen Erfolg mit guten Geschichten. Sowas darf dann gerne auch mal weitergehen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Affe gegen Mensch – der große Kampf hätte nicht besser sein können)

Das Auge des Tigers

4. August 2017

„The Eye of the Tiger“ von Survivor – das ist der Song, bei dem man sofort ans Boxen denkt… und danach dann an „Rocky“. Ich dachte bisher ja immer, das wäre wirklich so der offizielle Theme-Song für die Rocky-Reihe. Doch dann fing ich ja mit dem ersten Teil an und wartete vergebens auf den Song. Zu hören war nur das klassische Rocky-Theme, auf „Eye of the Tiger“ musste ich dann tatsächlich bis „Rocky III – Das Auge des Tigers“ warten.

Nachdem Rocky (Sylvester Stallone) Apollo Creed (Carl Weathers) in „Rocky II“ den Weltmeistertitel abgenommen hat, ist er endgültig zum absoluten Box-Star geworden. Er verteidigt tapfer seinen Titel und haut jeden Gegner um, der ihn herausfordert… bis er auf den brutalen Clubber Lang (Mr. T) trifft. Der prügelt Rocky innerhalb kürzester Zeit aus dem Ring. Doch Rocky hat andere Sorgen, während dieses Kampfs stirbt sein langjähriger Trainer und Freund Mickey (Burgess Meredith). In dieser Zeit taucht Apollo auf und bietet sich Rocky als Trainer an. Apollo will Rocky für einen zweiten Kampf gegen Lang coachen – er will ihm das Auge des Tigers zurückgeben, die Kampflust und den Biss, um dieses Monster zu besiegen.

Er hat gehört, Rocky mag das A-Team nicht…

„Rocky III“, jetzt also mit einem merkwürdig klingenden Untertitel, ist ein guter Film. Das muss man einfach mal so einfach festhalten. Für einen dritten Teil einer Reihe hätte es auch wesentlich schlimmer kommen können, aber da immer noch alle Hauptcharaktere mit dabei sind, alle Schauspieler mitmachen und auch Stallone wieder für Drehbuch und Regie verantwortlich ist, ist aus „Rocky III“ ein guter Film geworden. Zugegebenermaßen springt der Film viel zwischen Themen hin und her und ist in gewisser Weise zugeballert mit verschiedenen kleinen Geschichten, aber Stallone bleibt dennoch immer am Ball. Dazu muss man auch sagen, dass jede dieser Geschichten hier wenigstens ein bisschen mehr Sinn macht als Adrians plötzliches Koma im zweiten Teil.

Ich mochte, dass Arschloch Paulie (Burt Young) mal wieder ein bisschen mehr Arschloch sein durfte. Jetzt versucht er schön die Milchkuh Rocky zu melken und ist eifersüchtig auf dessen Erfolg. Er ist der passende „Freund“ für so einen gutmütigen Kerl wie Rocky, der nie auch nur ein schlimmes Wort gegenüber diesem Schmarotzer sagen würde – sie haben ja schon so viel erlebt und immerhin ist er der Bruder von Rockys geliebter Adrian (Talia Shire).

Ich mochte auch den ersten Teil mit Clubber Lang, weil er so ein bisschen der Anti-Rocky ist. Der ganze Weg zum ersten Kampf zwischen den Beiden fühlt sich an wie „Rocky“, wenn Rocky ein Arsch gewesen wäre. Während Clubber allein für sich trainiert und in gewisser Weise der Underdog ist, lebt Rocky sein Leben in Saus und Braus – und bekommt dafür dann auch die Quittung. Wer hoch fliegt, fällt ja auch tief… so muss Rocky wieder von vorne anfangen.

Und ab diesem Zeitpunkt ist es dann wieder ein klassischer Rocky-Film nach dem gleichen alten Schema, das mal wieder ein bisschen umgeändert wurde. Es gibt wieder die typische Trainingsmontage, es wird wieder gerannt… aber oh weh, was war das für eine merkwürdige Laufszene. Ich dachte ja schon, die Kinder aus dem zweiten Teil waren komisch, aber das Zelebrieren von männlichen Muskeln in Anspannung, das Laufen in Zeitlupe und das anschließende Geplansche im Meer… tja, das ist mal was anderes 😉 Der anschließende zweite Kampf gegen Clubber Lang ist dann mal wieder das große Finale… und der erste Kampf, der mich jetzt nicht so vom Hocker gehauen hat. Es ist ein toller Kampf, aber so richtig wie sonst bin ich nicht ins Kampffieber gekommen. Zu sehr lag mir der Fokus auf dem Auge des Tigers. Statt einfach nur zu kämpfen, ködert Rocky seinen Gegner mit dummen Sprüchen, lässt sich (angeblich alles Strategie) ordentlich vermöbeln. Das hat einfach nicht so ganz in mein Bild von Rocky Balboa gepasst.

Ansonsten ist es natürlich sehr traurig, dass wir uns von Burgess Meredith verabschieden müssen. Ich mochte seinen Mickey immer sehr. Das hat zu diesem Underdog-Image von Rocky gut gepasst, dass er einen alten, klapprigen Coach hat, der ihn in einem unscheinbaren Box-Club trainiert. Aber jetzt hat Rocky ja Apollo Creed. Und dieses Bündnis war ja auch notwendig, denn Mr. T als Clubber Lang war schon ein bissiger Hund, was ich aber auch mochte: das war ein brutaler Gegner, ein aufbrausender Typ, der gleich drei Augen des Tigers in sich hatte, so wie der immer wieder losging.

„Rocky III“ ist tatsächlich auch eine würdige Fortsetzung, die das übliche Schema brav beibehält und es diesem Mal so „aufbaut“, in dem es gleich zwei Kämpfe in einem Film gibt (fast so, als hätte man Rocky I und Rocky II in einen Film gepackt), aber hey… es ist ein „Rocky“-Film, viel mehr erwarte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr. Wenn jetzt Schluss gewesen wäre, hätte Stallone wirklich eine tolle Boxer-Trilogie gehabt… aber es kommen ja noch drei Teile.

Wertung: 8 von 10 Punkten (It’s the eye of the tiger, it’s the thrill of the fight – der Thrill ist zwar ein bisschen raus, aber es ist immer noch ein verdammt guter Film und eine gute Fortsetzung)

Die Ratte des FBI

2. August 2017

„Die Sopranos“ lieben ihre Tiere. In der ersten Staffel badete eine kleine Enten-Familie im Pool der Sopranos. Jetzt in der fünften Staffel taucht auf einmal ein echter Bär auf – gerade zu dem Zeitpunkt, als die Familie in Trümmern liegt. Man könnte sicherlich ausreichend darüber diskutieren, philosophieren und palavern, was diese Tier-Symbolik zu bedeuten. Ich finde es tatsächlich einfach nur spannend, scheinen die Tiere doch immer ein wenig auf Tonys Innenleben anzuspielen. Erst die Enten, als er versucht, seine Familie in den Griff zu kriegen, dann der einsame Bär, der für Ärger sorgt. Keine Ahnung, Interpretationen sind hier wahrscheinlich viele möglich. Aber egal, willkommen in „Die Sopranos“ Staffel 5!

Nach der großen Trennung im Finale von Staffel 4 müssen sich Tony (James Gandolfini) und Carmela (Edie Falco) mit der neuen Situation erst einmal zurechtfinden. Was natürlich besonders für Nervensäge Anthony Junior (Robert Iler) zu einem Problem wird und aus ihm eine noch größere Nervensäge macht. Dazu kommt die Entlassung mehrerer „Familienmitglieder“ – darunter unter anderem Tonys Cousin Tony Blundetto (Steve Buscemi). Außerdem gerät Adriana (Drea de Matteo) immer mehr in Bedrängnis vom FBI (daher die Ratte aus dem Titel), was für sie und Christopher (Michael Imperioli)

Cheers!

 

Staffel 5 hatte für mich seine Höhen und Tiefen… und das mehr noch als die anderen Staffeln bisher. Aber selbst mit einigen Hängern sind und bleiben „Die Sopranos“ immer noch aufregende und spannende TV-Unterhaltung. Mein vielleicht größtes Problem hatte ich mal wieder mit der ganzen Dr. Melfi-Geschichte. Gleich in der ersten Folge macht Tony ihr große Avancen… für genau eine Folge verfolgt er sie ein bisschen hartnäckiger, sie stößt ihn ab und das war’s dann auch schon wieder. Ganz ehrlich, ich habe manchmal das Gefühl, dass die Macher Melfi zu Beginn der Serie eingeführt hatten und später nicht mehr so richtig wussten, was sie mit ihr machen sollen (und ja, ich spiele auch wieder auf die immer unnötiger erscheinende Vergewaltigung in Staffel 3). Ich muss ja gestehen, ich hätte es ganz interessant gefunden, wenn sie Melfi und Tony ein bisschen länger in „Liebeskonflikt“ gebracht hätten. So verstreicht diese Folge und Melfi gerät wieder in den Hintergrund.

Dafür gibt es ja wieder ein paar neue Gesichter… und mit Steve Buscemi auch wieder ein recht bekanntes. Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten mit seinem Tony, aber mit der Zeit gefiel er mir dann doch ganz gut. Letztendlich wird er für ein schönes, trauriges Beispiel dafür, dass man der Familie nicht entkommen kann. Er versucht zwar redlich, auf legitime Art und Weise sein Leben zu leben, scheitert aber doch ziemlich schnell… eine interessante, nicht zu vernachlässigende Perspektive auf diese kleine Mafia-Familie, die so noch nicht in der Serie thematisiert wurde und deswegen ziemlich spannend war.

Doch wie schon in Staffel 4 gehört Staffel 5 für mich auch den Frauen. Und da wieder einmal Edie Falco und Drea de Matteo. Carmelas Geschichte ähnelt eigentlich fast schon ein bisschen der von Steve Buscemis Tony. Sie bekommt jetzt endlich ihre Freiheiten, muss nur leider auch schnell ihre Grenzen erkennen. Man ist halt nicht einfach die Frau eines mächtigen Mafiosi und legt das dann sofort ab. Der Name Soprano liegt wie ein riesiges Feld aus Stolpersteinen vor ihr… und lässt ihr am Ende eigentlich nur eine Möglichkeit. Ich fand’s toll, dass sich Carmela zumindest mal ein kleines bisschen ausleben durfte. Ich fand’s toll, ihre Gewissensbisse mitzuerleben… und ich fand’s interessant, dass ich ihr auf der einen Seite gewünscht habe, Tony zu „entkommen“ und auf der anderen eben nicht. Carmela ist für mich dann doch die First Lady of Crime, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht so bewusst ist.

Die hübscheste Ratte seit langem

Noch dramatischer und aufwühlender war jedoch Adrianas Geschichte. Ich weiß gar nicht, wo mir mehr der Atem stockte: als es diesen merkwürdigen Moment zwischen ihr und Tony gibt (was für Christopher zum Problem wird) oder als sie Christopher von ihren Spitzel-Aktivitäten berichtet oder als sie am Ende im Auto sitzt… dieser FBI-Aspekt passte auch extrem gut in die Handlung und war auch langsam echt nötig. Das FBI immer nur so als kleine Nebenrolle darzustellen, hat nicht so ganz gepasst. So war es krass, es kam mit ordentlich Wumms… und ließ mich schockiert und fassungslos zurück.

Ja, Staffel 5 war auch wieder gut. Vielleicht für mich bisher die schwächste, aber dennoch eine würdige Sopranos-Staffel. Wenn ich ehrlich sein soll, will ich gar nicht, dass die Serie aufhört. Aber jetzt wartet nur noch Staffel 6 auf mich… was echt schade ist. Ich werde die Sopranos schon jetzt vermissen. Und die sechste Staffel ganz besonders genießen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (es möge das große Finale kommen!!!)

Ein Sommer bei Kellerman’s

31. Juli 2017

Es gibt genau fünf Filme, die ich mit Patrick Swayze kenne: der wirklich großartige „Point Break“, der nicht weniger großartige „Road House“, der nicht weniger weniger großartige „Donnie Darko“… und dann halt so das übliche: „Ghost“ und „Dirty Dancing“. Letzterer ist ein Film, den ich vor allem durch meine allererste Freundin kennengelernt habe, die wie so viele Frauen, die ich kenne, extrem auf diesen Film steht. Jetzt habe ich mir „Dirty Dancing“ noch einmal angeschaut. Wirklich ein Fan werde ich von diesem Film aber mit großer Sicherheit nicht werden, denn das Phänomen „Dirty Dancing“ erschließt sich mir nach wie vor nicht so ganz.

Die Story dürfte ja eigentlich jedem ein Begriff sein: Baby (Jennifer Grey) verbringt mit ihrer Familie den Sommer im Ferien-Resort Kellerman’s. Hier lernt sie dann auch den heißen Hüfteschwinger Johnny (Patrick Swayze) kennen, der im Resort als Tanzlehrer arbeitet. Doch Johnny hat Sorgen: Seine beste Freundin und Tanzpartnerin Penny (Cynthia Rhodes) ist ungewollt schwanger vom blöden Medizin-Studenten Robbie, der sich kein Deut darum schert und stattdessen lieber mit Babys Schwester rum flirtet. Baby will helfen, besorgt Penny das Geld für eine Abtreibung bei ihrem Vater und übernimmt sogar Pennys Part, damit Johnny seinen wichtigen Tanzauftritt in einem anderen Hotel nicht sausen lassen muss. Nur muss Baby halt erst einmal fleißig üben. So kommen sich Romeo und Julia der Moderne dann nach und nach näher…

Sie kann fliegen…

„Nobody puts Baby in the corner!“, Wasser-Melonen und sexy Hüftschwünge: Das ist „Dirty Dancing“! Ich muss gestehen, ich hatte extrem viel von diesem Film ausgeblendet, weswegen mir gar nicht bewusst war, dass sich so viel in diesem Film um Abtreibung dreht. Überhaupt war mir nicht mehr klar, wie viel „Aufregung“ doch in diesem Film steckt: Familien-Drama, Coming-Of-Age-Story, Liebesschnulze, Tanz-Film, Sommer-Film. Irgendwie kein Wunder, dass dieser Film so zum Kult-Klassiker wurde, hat er doch eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann.

Bitte nicht wundern, ich habe wirklich das Gefühl gehabt, ich würde diesen Film noch einmal zum ersten Mal sehen. Ich habe vieles entdeckt (oder in Erinnerung gerufen), was mir nicht mehr so klar war… dennoch macht das für mich aus „Dirty Dancing“ jetzt nicht den Wahnsinnsfilm. Die Story ist immer noch sehr seicht, auch wenn sie versucht so Themen wie Klassenzugehörigkeit, Familie und Erwachsen-Werden anzusprechen. Es bleibt dennoch alles brav Schema F, ohne große Überraschungen. Es ist halt leichte Unterhaltung, da muss jetzt nicht zu viel darüber nachgedacht werden, warum zum Beispiels Babys Vater seine Arzttasche selbst im Urlaub griffbereit hat oder warum die komplette Belegschaft wirklich jede Nacht noch den Nerv hat, wilde Sex-Orgien zu feiern, die als Dirty Dancing getarnt sind und deswegen schön ihren Platz in diesem Film finden 😀 😀 😀

Letztendlich lebt „Dirty Dancing“ von zwei Dingen: der Tatsache, dass der Titel hält, was er verspricht und dem Pärchen Patrick Swayze und Jennifer Grey. Jetzt ist das Dancing nicht wirklich so dirty, aber für Ende der 80er Jahre war es das vielleicht doch. Aber die Leute können sich auch wirklich alle gut bewegen, die Tänze sehen heiß aus und die Musik, bestehend aus hauptsächlich guten alten Rock’n’Roll-Oldies, ist einfach nur umwerfend. Dazu kommen dann noch Swayze und Grey.

Mir wurde zwar gesagt, dass die sich beide nicht so richtig leiden konnten, was dann irgendwie noch mehr für ihre gute Leistung spricht, denn die Chemie zwischen den Beiden stimmt. Der gute Patrick hat die Coolnes ja sowieso in jeder Faser seines Körpers und schwebt auf einer Wolke von Männlichkeit und Sex-Appeal förmlich durch diesen Film, dass man sich schon auch ein bisschen fragen muss, warum dieser coole Typ ausgerechnet die kleine, unscheinbare Baby für sich entdeckt. Aber natürlich beantwortet uns auch das der Film. Immerhin meint sie es ja ernst mit ihm, will helfen. Sie ist die Weltenverbesserin, die irgendwann im Kreise ihrer schwerreichen Freundinnen ein bisschen wehmütig an dieses eine Mal im Sommer-Camp zurückdenken wird, während sie einen teuren Cocktail schlürft.

Man könnte natürlich viel über „Dirty Dancing“ rummotzen, dass das alles auch super platt und oberflächlich ist, aber hey, der Film will ja auch kein schweres Drama sein, sondern einfach nur mit guter Musik und tollen Tänzen unterhalten. An den erinnerungswürdigen Zitaten hätten sie zwar noch etwas arbeiten müssen, aber immerhin hat dieser Film jeder Abschlussfeier den perfekten Song geliefert…

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Soundtrack ist super, Swayze und Grey funktionieren gut zusammen und tragen den Rest des Films)