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DFST 8: Mickey und die Zauberbohnen

28. Mai 2022

Während des Zweiten Weltkriegs lieferte Disney weiterhin fleißig Filme. Ab 1943 wurden diese Filme dann auch zunehmend politischer, versuchte man doch mit „Saludos Amigos“ und „Die Drei Caballeros“ eine Annäherung an Südamerika zu erlangen. Doch mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied man sich bei Disney offensichtlich dafür, ein wenig mehr für den Eskapismus zu sorgen, damit die Menschen im Kino mal kurz der Realität des gerade überstandenen Weltkriegs entkommen können. Deswegen gab es dann 1946 den Musikfilm „Make Mine Music“ (der leider nicht in meiner Box enthalten ist), der aber einfach auch nur eine Aneinanderreihung von Lied-Sequenzen ist. 1947 kam dann der nächste Film mit „FUN AND FANCY FREE“ (oder wie er merkwürdigerweise bei uns heißt: „FRÖHLICH, FREI,  SPASS DABEI“).

Pinocchios Jiminy Cricket ist zurück. Er wandert fröhlich singend durch ein großes Haus und findet dabei eine Puppe und einen Plüschbären, was ihn dazu bringt, uns die Schallplatte abzuspielen, die uns die Geschichte vom Zirkusbären Bongo erzählt. Als die Platte vorbei ist, sind Puppe und Bär glücklich vereint und Jiminy zieht weiter. Im Haus gegenüber veranstaltet Bauchredner und Puppenspieler Edgar Bergen (damals ein großer Comedian) einen lustigen Abend für die kleine Luana Patten zu ihrem Geburtstag. Dabei erzählt er ihr und seinen Puppen Charlie und Mortimer die Geschichte von Mickey, Donald, Goofy und den Zauberbohnen (natürlich in Anlehnung an „Jack an the Beanstalk“).

Ich hatte bei dem Titel des Film kurz Angst, dass es mal wieder sowas wird wie „Fantasia“ und ich mir über eine Stunde Musikfernsehen angucken musste. Dieses Mal ist es aber zum Glück nicht so anstrengend. Tatsächlich haben wir es ja nur mit zwei Kurzfilmen zu tun, die ein bisschen durch die Rahmenhandlung mit Jiminy Cricket eingefasst werden. Den Teil hätte ich zwar nicht unbedingt gebraucht, aber wie gesagt: Es sollte ein bisschen von allem ablenken. Also nimmt man einen bekannten Comedian und seine Puppen und lässt die zusätzlich ein wenig Quatsch machen. Damit der Film einfach auch was für die ganze Familie ist.

„Bongo“ ist dann der erste Film und ist so gesehen eine Mischung aus „Dumbo“ und ein bisschen „Bambi“ – zumindest, wenn es in den Wald geht. Der Zirkusbär, der ausbricht und im Wald seine große Liebe findet, ist schon ein bisschen witzig und auch direkt wieder ein Beispiel, wie absurd diese Zeiten damals waren. Es gibt im Film eine Sequenz, in der es darum geht, dass Bären ihre Liebe dadurch zeigen, dass sie sich schlagen. Was Bongo nicht weiß… und als seine Liebe ihn schlägt, denkt er, sie wolle ihn nicht. Das führt dann später zu einer Sequenz, in der sich Bären einfach ständig aufs Maul geben. Irgendwie eine äußerst merkwürdige Botschaft… nach dem Motto: „Ich schlage jetzt einfach den liebsten Menschen in meinem Leben, um meine Liebe zu zeigen!“ Kann man auch fehlinterpretieren. Wer weiß, ob da der Versuch hintersteckte, das Thema häusliche Gewalt zu verniedlichen… oder ob man da jetzt einfach zu viel reinliest. Als Trickfilm ist es zwar irgendwie witzig, aber das Ganze wird halt so in die Länge gezogen, dass es bald auch etwas komisch wirkt.

„Mickey and the Beanstalk“ ist dann ein recht klassischer Disney-Film, den man sich sogar gut als Spielfilm vorstellen könnte. Die Möglichkeiten innerhalb der Story wären auf jeden Fall dagewesen. Auch hier merkt man wieder die Zeit, in der der Film gedreht wurde: Erst leben alle glücklich in einem wunderschönen Tal. Eine singende Harfe bringt Glück und Frieden, bevor sie von einer unheimlichen Gestalt entführt wird. Hunger, Dürre und Zerfall zerstören das Tal, Mickey, Donald und Goofy leben mit den kleinsten Rationen und machen sich irgendwann auf in den Kampf. Ein Leiden, das auch in der realen Welt geherrscht hat.

Dieser zweite Kurzfilm ist zwar irgendwie ganz nett, fühlt sich aber auch sehr schnell erzählt an. Ich glaube, wenn Disney das als Langfilm gemacht hätte, wäre das was Tolles geworden. So wird halt rasch die Geschichte mit den magischen Bohnen runtergespult – und das eben mit den beliebtesten Disney-Figuren, die es damals gab. Unterbrochen wird die Handlung immer wieder von diesem Puppenspieler, was ich auch nicht wirklich gebraucht hätte…

Insgesamt gesehen ist „Fröhlich, frei, Spaß dabei“ kein sonderlich starker Film. Nichts, was ich mir ein zweites Mal angucken würde. Bären, die sich aus Liebe schlagen, ein älterer Mann feiert mit einem jungen Mädchen, das nicht mit ihm verwandt ist, Geburtstag und hat seine creepy Puppen dabei – mit heutigen Augen betrachtet, ist irgendwie einfach ziemlich viel sehr komisch an diesem Film. Die Animationen sind Disney Standard, aber recht lieblos zusammengeklatscht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nett und weniger anstrengend als gedacht, dabei aber trotzdem etwas komisch)

Der Erzherzog der Alpträume und das kleine nervige Mädchen

27. Mai 2022

Seit einer ganzen Weile schleiche ich auf Amazon Prime schon um den Film „PSYCHO GOREMAN“ herum. Aber erst gab es den nur auf Deutsch, dann war er mir irgendwie auch zu teuer und überhaupt war ich mir nie so hundertprozentig sicher, ob das meine Art von Film sein würde. Jetzt gab es das Ganze mal eben für 99 Cent und tja, da kann man das Risiko schon mal eingehen (immerhin war auch auf wundersame Weise endlich die englische Tonspur verfügbar). Also stellte ich mich der ganzen Sache und hatte mich eigentlich auf einen unterhaltsamen Filmabend gefreut… der sich dann aber leider wie Kaugummi zog und einfach nicht enden wollte.

In einer Zeit, bevor es Zeit überhaupt gab, machte sich der Erzherzog der Alpträume daran, das Universum zu unterjochen und alle zu vernichten, die ihm dabei im Weg standen. Nur mit letzter Kraft konnte eine Gruppe namens „The Templars“ dieses Monster bezwingen. Anstatt den Erzherzog aber zu töten, wurde er eingesperrt und verbannt… auf die Erde, wo ihn in einer Zeit, in der es Zeit gibt, die Geschwister Mimi (Nita-Josee Hanna) und Luke (Owen Myre) eines Tages beim Spielen von „Crazy Ball“ (ein verrücktes Ballspiel, das sie sich selbst ausgedacht haben) finden. Mimi kann den Erzherzog dank eines besonderen Edelsteins steuern, sodass sie und ihre Familie vor ihm sicher sind. Sie nennt ihn darauf hin Psycho Goreman und benutzt ihn als Spielkameraden, der aber insgeheim darauf sinnt, ihr den Edelstein abzunehmen und wieder zu alter Macht zu kommen. Allerdings ist auch schon eine Abgesandte der Templars unterwegs, um ihn aufzuhalten.

„Psycho Goreman“ hat mich leider echt nicht wirklich von sich überzeugen können. Wer weiß, wenn ich den Film beim Fantasy Filmfest gesehen hätte, mit dem richtigen Publikum dazu, hätte ich möglicherweise etwas mehr Spaß gehabt, aber viel mehr wäre es am Ende auch nicht gewesen. Dabei, und das will ich gleich zu Beginn sagen, gibt es auch Dinge, die an „Psycho Goreman“ wirklich gut sind.

Der Psycho Goreman selbst zum Beispiel ist super. Ich mochte seine ganze Backstory, die in kleineren Rückblenden erzählt wurde und die deutlich zeigt, dass die eigentliche Trashperle nicht in der Story mit den Kindern steckt, sondern beim Goreman selbst. Was Regisseur Steven Kostanski hier an Kreativität loslässt, ist einfach nur grandios. Der Planet Gigax, von dem Psycho Goreman stammt, sieht herrlich kaputt aus. Die Wesen, ob es nun Goremans Verbündete sind oder die Templars, sehen herrlich schräg aus. Einer von Goremans Verbündeten ist eine wandelnde Tonne, in der menschliche Überreste schwimmen. Die Figuren, die uns der Film zeigt, sind wunderbar skurril, aber auch sehr cool anzuschauen. Was hier mit praktischen Effekten und Kostümen gemacht wird, sieht einfach verdammt super aus. Das ist schon ein kleines Fest für Sci-Fi-Fans… und wie gesagt, ich hätte nichts gegen einen Film, der halt wirklich nur die Weltraum-Abenteuer von Goreman zeigt, der gegen die Templars kämpft.

Wo wir schon mal bei praktischen Effekten sind: Auch die Teile, in den Psycho Goreman seinem Namen alle Ehre macht, sind wunderbar grafisch und machen tatsächlich viel Spaß. Blutig und eklig kann dieser Film ganz gut… doch ganz ehrlich: Es hätte durchaus ein bisschen mehr davon sein dürfen.

Damit hätte ich aber auch alles Positive an diesem Film durch. Die ganze Story rund um Mimi und Luke fand ich einfach nur absolut nervig. Die ganze Familiengeschichte zeigt einfach, wie schwach und vor allem dünn das Drehbuch ist. „Psycho Goreman“ möchte ein Rated R Kinderfilm sein, aber alles rund um die Familie ist öde. Dazu kommt, dass mich die kleine Mimi so hart genervt hat, dass ich mir insgeheim immer wieder gewünscht habe, dass Goreman sie einfach mal in vier Teile teilen würde. Das ist natürlich auf eine gewisse Weise auch ein großes Kompliment an Nita-Josee Hanna, aber nicht sonderlich.

Auch die unterschiedlichen Kämpfe wurden immer inszeniert, als hätte Regisseur Kostanski als Kind einfach zu viel „Power Rangers“ geguckt (was ich eh nie mochte, weil es mir zu theatralisch war). Dazu das Generve von Mimi und diese albernen Familienstreitigkeiten haben mich echt sehr wünschen lassen, dass diese 90 Minuten Film dann doch schnell vorbei gehen. Die Idee hinter „Psycho Goreman“ ist schon echt witzig, aber die Umsetzung hat mich einfach nicht überzeugt. Zu wenig Gore, zu albern kindlich (ohne das Kinder diesen Film je gucken könnten) und zu unausgegoren, was die Story angeht. Dann macht lieber einen Film nur über Goremans Vergangenheit… mit den gleichen praktischen Effekten – und ich wäre sofort dabei.

Wertung: 4 von 10 Punkten (die Designs und Effekte im Film sind großartig, der Rest leider nicht)

Khonshus Ritter

25. Mai 2022

Marvel fährt seit Phase 4 zweigleisig: Was früher streng getrennt voneinander war – nämlich die Filme und die Serien – soll jetzt mehr und mehr eine Einheit bilden. Zumindest auf dem Papier. Bei „Doctor Strange 2“ klappt das zumindest tatsächlich ziemlich gut, wird hier doch die Geschichte aus „WandaVision“ fortgeführt. Aber ansonsten kann man von den anderen bisherigen Serien nichts dergleichen berichten. Keine Ahnung, was „Falcon and the Winter Soldier“ gemacht hat, aber die haben sich da nur im Kreis gedreht: Schließlich war Sam Wilson am Ende von „Endgame“ de facto Captain America. In der Serie wollte er es aber nicht mehr sein, bis er es dann am Ende doch wurde. Für „Captain America 4“ ist die Serie also nicht wirklich von Bedeutung… aber hey, ich find’s okay, wenn jetzt nicht alles zu krass miteinander verwoben wird. Was man Marvel aber wirklich anrechnen muss: Gerade im Serienbereich probieren sie sich mehr und mehr aus. Bestes Beispiel ist jetzt „MOON KNIGHT“, die Mini-Serie mit Oscar Isaac in der Hauptrolle.

Steven Grant (Isaac), Verkäufer im Gift-Shop des British Museum, leidet an dissoziativer Persönlichkeitsstörung… nur weiß er davon nichts. Als er eines Nachts schlafen geht, wacht er plötzlich in einem kleinen Dorf in den Alpen wieder auf. Hier beobachtet er Arthur Harrow (Ethan Hawke) dabei, wie er mit der Hilfe der Macht von Ammit, einer alt-ägyptischen Göttin, die Leben der Menschen beurteilt. Harrows eigentliches Ziel ist aber die Wiederauferstehung Ammits… und dafür braucht er ausgerechnet Steven. Was Steven aber nicht weiß, in ihm schlummert noch ein gewisser Marc Spector, der vor einiger Zeit einen Deal mit dem Mondgott Khonshu eingegangen ist und tatsächlich in diesen Kleinkrieg der Götter verwickelt ist.

Marvel hat auch mit „Moon Knight“ nicht wirklich dazu gelernt. Sechs Episoden sind einfach viel zu wenig, um wirklich in Ruhe alles erzählen zu können, was so eine Geschichte braucht. Acht Episoden hätten auch Oscar Isaac gutgetan, aber gut… „Moon Knight“ macht das Beste draus. Was immerhin schön ist, ist die Tatsache, dass wir mit diesem Moon Knight wirklich mal wieder eine neue Figur ins MCU einführen, die natürlich aus gegebenem Anlass sehr faszinierend ist.

Unser Held weiß nämlich aufgrund seiner Krankheit nicht einmal, dass er wirklich ein Held ist. Somit ist „Moon Knight“ jetzt auch nicht diese typische Origin-Story, die man uns sonst immer vorsetzt. Gemeinsam mit Steven schwirren wir als Zuschauer im Dunkeln und können uns nicht wirklich einen Reim auf all das bilden. Somit wird die Entstehung von Moon Knight mal rückwärts erzählt. Wir erleben den Helden schon in Aktion und lernen erst mit der Zeit, zu was er alles fähig ist und wieso es überhaupt dazu kam, dass Marc Spector zu Moon Knight wurde. Das ist ein erfrischender neuer Ansatz…

… aber in diesem Fall noch erfrischender ist die Tatsache, dass Marvel den Superhelden Moon Knight nicht überstrapaziert, sondern wirklich eine Charakter-getriebene Geschichte erzählt. Denn die viel spannendere Geschichte ist die, wieso ein Steven Grant diese zweite Persönlichkeit namens Marc Spector hat. Hier kommt dann ein Oscar Isaac zum Einsatz, der einfach mal zeigt, was er draufhat. Wie er immer wieder gekonnt zwischen den Beiden hin und her springt, ist wirklich fantastisch. Isaac liefert eine großartige Performance ab, die ihm auch wirklich einiges abverlangt… aber er schafft es, uns zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten zu präsentieren, die auch faszinieren. Gerade Folge 5 ist da das emotionale Highlight und gibt Isaac die Grundlage für eine Tour de force.

Ein Ethan Hawke geht in der Schurken-Rolle allerdings etwas unter und leider wird auch eine May Calamawy als Marcs Frau Layla nicht wirklich gefordert, obwohl ich gerade von ihr gerne mehr gesehen hätte.

„Moon Knight“ liefert aber einen coolen Mix aus Thriller, Drama und Abenteuer (ein bisschen wird ja auch nach Grabmälern gesucht), in dem aber der Held Moon Knight gar keine so große Rolle spielt – was aber, wie gesagt, nicht so tragisch wirkt wie es klingt.

Tragischer wird es eher, wenn man sich anschaut, wie schlecht das CGI in der Serie manchmal ist. Für eine dicke Marvel-Produktion tut das schon echt ein bisschen weh. Und noch tragischer finde ich, dass gerade das Finale in so einigen Logiklöchern versinkt, die alle wiederum der kurzen Laufzeit von nur sechs Episoden geschuldet sind. Da hätte man am Ende echt mehr draus machen können…

… nur leider wird es eine zweite Staffel nicht geben. Hoffen wir aber mal, dass wir Oscar Isaac als Moon Knight nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Wertung: 7 von 10 Punkten (grandios gespielte und mal anders aufgezogene Origin-Story, die aber am Zeitmanagement leidet)

Porno-Dreh auf Mörder-Farm

23. Mai 2022

Horror-Filme haben auch immer was mit Sex zu tun. Das ist ja schon Horror-Standard geworden. Sex und Angst bringen halt das Herz zum Rasen… und liefert dem Publikum was fürs Auge, bevor Augen verloren gehen. Regisseur und Autor Ti West hat sich die Korrelation zwischen Horror und Sex jetzt ganz besonders zu Herzen genommen und liefert mit „X“ eine interessante Mischung aus Soft-Porno, Komödie und blutigem Gemetzel.

Wir schreiben das Jahr 1979: Maxine Minx (Mia Goth) fährt mit ihrem Freund, dem Produzenten Wayne (Martin Henderson), nach Texas. Hier wollen sie gemeinsam mit Jackson Hole (Scott Mescudi) und Bobby-Lynne (Brittany Snow) DEN Porno-Film schlechthin drehen. Dafür soll Kamera-Mann und Möchtegern-Avantgardist RJ (Owen Campbell) sorgen. Der hat seine Freundin Lorraine (Jenna Ortega) als Ton-Assistentin mit im Schlepptau. Auf der Farm von Howard (Stephen Ure) sollen die Dreharbeiten stattfinden… allerdings ohne das der alte Howard oder seine Frau Pearl (ebenfalls Mia Goth) davon Bescheid wissen. Und anfangs geht auch alles glatt, bis es dann auf einmal nicht mehr so glatt geht.

Der Film beginnt mit dem Ende des Massakers, die Polizei taucht auf der Farm auf und wundert sich, was hier wohl los war. Dann springen wir 24 Stunden in der Zeit zurück und sehen, was passierte. Spannend ist dabei, dass sich Ti West einfach erstmal die Zeit nimmt, keinen Horror-Film zu drehen, sondern vielmehr eine amüsante Komödie über den Dreh eines Porno-Films macht. So werden in „X“ gekonnt die Figuren erstmal etabliert. Die werden nicht einfach nur billiges Mörder-Futter, sondern bekommen Hand und Fuß. Wir investieren Zeit in diese Charaktere, die uns dann auch irgendwie am Herzen liegen… was deren Morde dann in der zweiten Hälfte irgendwie umso tragischer macht.

Ti West geht hier halt wirklich mit sehr viel Humor an die Sache heran… da hätten wir eben Kamera-Mann RJ, der ernsthaft glaubt, er könnte hier ein großes Meisterwerk hinlegen, wenn wir doch alle wissen, dass er nur einen Porno dreht. Da ist Maxine, die unbedingt ein großer Star werden möchte oder Bobby-Lynne, die einfach nur ein Haus und einen Pool ihr Eigen nennen möchte. Die Charaktere sind unterhaltsam geschrieben, auch wenn manche Wendungen ein bisschen sehr salopp in die Handlung eingebaut sind – besonders wenn die stille Lorraine plötzlich doch mehr möchte. Das ist einfach nur, weil West eben einen Anfangspunkt brauchte, um die eigentliche Action loszutreten.

Denn man fragt sich schon zwischendurch: „Geht jetzt bald mal was los?“ Die erste Hälfte ist noch verhältnismäßig harmlos… auch wenn die alte Pearl schon unheimliche Vibes verströmt und eine kurze Alligator-Sequenz für mehr Aufregung sorgt, als ich gedacht hätte. Aber irgendwann haben wir genug Zeit damit verbracht, schönen Menschen beim Sex zu zusehen und dann darf das Gemetzel auch losgehen.

Hier triumphiert der Film dank herrlicher praktischer Effekte. Die einzelnen Kills sind ordentlich grafisch, ordentlich blutig und ordentlich fies. Nach viel Sex folgt viel Gewalt… und diesem Motto bleibt Ti West dann auch ohne Pause treu. Dabei verliert er nie seinen Humor, betritt aber manchmal auch etwas merkwürdige Zonen, die der Film so jetzt gar nicht wirklich vorher ausgeschöpft hat. Ich sage mal nur so viel: Pearls Intentionen sind zwar irgendwie eindeutig, aber trotzdem etwas merkwürdig. Und es wundert mich irgendwie gar nicht, dass Ti West schon verkündet hat, dass sie gleichzeitig zu „X“ auch ein Pearl-Prequel namens „Pearl“ abgedreht haben, in dem ihre Geschichte erzählt wird. Was natürlich dem eigentlichen Film ein bisschen schadet… hätte man doch hier Pearls Story ein bisschen intensivieren sollen, um deutlicher zu machen, warum sie so extrem kaputt ist… und vor allem, was es da mit ihrem Keller auf sich hat (das nur spoilerfrei am Rande).

Insgesamt hatte ich mit „X“ schon meinen Spaß. West lässt sich anfangs vielleicht ein klein bisschen zu viel Zeit und zögert das Kommen der Gewalt-Ausbrüche wie ein Porno-Profi ziemlich hinaus, aber wenn die dann kommen, ist es das, was man sich von einem „Texas Chainsaw Massacre“-Slasher erwartet, der ohne Chainsaw auskommt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (blutig und sexy, die richtige Kombination)

Random Sunday #78: Watership Down

22. Mai 2022

„Unten am Fluss“ oder auch „WATERSHIP DOWN“ wird ja von vielen als der Trickfilm bezeichnet, der ihre Kindheit nachhaltig geprägt hat – einfach weil dieser Film viele komplett verstört hat. Ich habe den Film selbst nie gesehen, will ihn aber unbedingt bald mal nachholen. Vorher wollte ich aber das Buch von Richard Adams lesen… und selbst da war ich direkt zu Beginn verwirrt. Denn in meiner Ausgabe gibt es hinten lustige Ausmaldbildchen für Kinder, Fun-Facts über Hasen und Kaninchen und halt kindgerechte Fragen, um das gerade Gelesene besser verarbeiten zu können. Also ganz offensichtlich sieht der Verleger selbst „Watership Down“ auch als Kinderbuch an. Ich frage mich nur, wer dieses Buch wirklich seinen Kindern als Lektüre gibt… klar, es geht um süße kleine Häschen, aber damit hört der kindgerechte Faktor auch schon auf. Aber gut, ich greife vorweg…

Fiver, ein junger Hase, hat apokalyptische Visionen vom Untergang des Hasenbaus, in dem er mit vielen anderen gerade lebt. Doch der Anführer will von Fivers wirrem Gerede nichts wissen. Nur dessen bester Freund Hazel glaubt ihm… und so wollen die Beiden den Bau verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dabei werden sie von einigen anderen Hasen begleitet, wie zum Beispiel dem kräftigen Rammler Bigwig. In einer Gruppe von mehreren Hasen machen sie sich auf die beschwerliche Reise ins „Gelobte Land“, welches sie in der Form von Watership Down auch finden. Dort angekommen müssen sie aber bald feststellen, dass sich eine neue Gemeinde natürlich nur mit Frauen aufbauen lässt… und so schicken sie Kundschafter aus, um bei anderen Gemeinden nach willigen Zippen zu fragen. In Efrafa werden sie fündig, doch dieser Bau wird von dem strengen General Woundwort wie ein totalitäres Regime geführt, aus dem niemand ausbrechen darf. Also brauchen Hazel und Fiver einen Plan, um den Fortbestand ihrer Gruppe zu gewährleisten.

„Watership Down“ ist unterteilt in 4 Teile und ich war, ehrlich gesagt, sehr erstaunt, wie schnell die Hasen am Ende dann doch im Titel gebenden Down ankommen, nur um dann vor neue Aufgaben gestellt zu werden. Aber gut, das war nur meine Fehlinterpretation, denn tatsächlich hat Adams so einfach ein verdammt gutes Timing und baut diesen langen Hasen-Epos perfekt aus.

Die Reise im ersten Teil ist sehr Abenteuer lastig, stellt die Gruppe von Hasen vor nie dagewesene Herausforderungen. Immer wieder wird dabei die Dynamik der Gruppe auf den Kopf gestellt. Immer wieder wird Fivers Vision hinterfragt. Hazel muss sich als Oberhaupt der neuen Gruppe immer wieder beweisen und es gibt so viele ja auch nachvollziehbare Konflikte, die dieses neues Szenario für sich mit bringt. Das Spannende dabei ist, dass Richard Adams die Hasen natürlich auf eine gewisse Art und Weise vermenschlicht, aber sie dennoch auch immer noch Hasen bleiben lässt. Die Vermenschlichung macht dann natürlich gerade die Konflikte innerhalb der Gruppe glaubhaft, weil man solche Streitigkeiten und Ängste auch einfach auf Menschen selbst beziehen könnte.

Spannend fand ich in diesem Zusammenhang dann auch, dass Adams den Hasen ein ganz eigenes Glaubenssystem mit Mythen und Sagen zudichtet… und immer wieder wird die Handlung durchzogen von Kapiteln, in denen wir mehr über legendären Hasen El-ahrairah erfahren. Ein Held, der wie Robin Hood wirkt, wenn er Königen ihren Salat stiehlt, der sich für sein Volk opfert und sogar gegen den Tod selbst antritt. Das hat etwas sehr religiöses, zumal damit auch tatsächlich ein Gott-Glauben unter den Hasen aufgebaut wird, der sich aus den Ängsten und Befürchtungen des Unerklärlichen ergibt… und damit ja irgendwo auch das widerspiegelt, was wir aus der eigenen religiösen Geschichte kennen. Das war auf jeden Fall einer der faszinierendsten Aspekte von „Watership Down“ für mich, weil so diese Gemeinschaft der Hasen noch greifbarer wurde.

Und wie gesagt, es geht am Ende immer noch um eine Abenteuerreise rund um Hasen. Die müssen gefährliche Flüsse und Straßen überqueren, offene Wiesen bezwingen, sich vor Menschen und Füchsen und anderen Feinden in Sicherheit bringen. Das alles wiederum beschreibt Adams gut tierisch und lässt uns so einfach ein bisschen zu einem begleitenden Hasen werden. Was natürlich auch Kinder ansprechen kann…

… wenn es da nicht dann auch sehr gewalttätig zur Sache gehen würde. Fivers Visionen sind blutüberströmte Felder, Kämpfe gegen Feinde gehen nicht immer glimpflich aus… und gerade wenn die Gruppe dann auf die Diktatur Efrafa stößt, verarbeitet Adams halt auch geschichtliche Strukturen, die vielleicht etwas zu viel für Kinder sind. Aber wiederum ist das jetzt auch nicht so hoch, dass man Geschichte studiert haben müsste. Das System von General Woundwort ist auch so klar verständlich und brutal effizient… aber auch wirklich brutal: Zippen werden unterdrückt, Widerstand wird gnadenlos niedergeschlagen. Es gibt einen Hasen in Efrafa namens Blackavar, der verstümmelt und öffentlich zur Schau gestellt wird, um als Warnung zu dienen.

Es geht in „Watership Down“ halt wirklich nicht einfach nur um niedliche Hasen… und der Film von 1978 scheint das wohl auch ziemlich gut verinnerlicht zu haben (nach all den verstörenden Berichten darüber). Aber es ist ein faszinierender Roman, eine wirklich spannende Odyssee, die abwechslungsreich und detailverliebt diese Reise der Hasen beschreibt und uns tatsächlich auch gut diese Welt der Hasen näherbringt. Kann ich wirklich nur empfehlen, nur sollte man davon vielleicht absehen, Kindern zu früh dieses Buch zu geben…

Die Braut Jesu

20. Mai 2022

Paul Verhoeven hat uns Klassiker wie „Total Recall“, „RoboCop“ oder auch „Starship Troopers“ geliefert. Mit Filmen wie „Basic Instinct“ oder „Showgirls“ sorgte er für kleinere und größere Skandale (und wahrscheinlich die Abnutzung des Pause-Knopfs auf früheren VHS-Rekordern)… aber das war’s. Es wurde ein wenig still um den Mann… und ich muss gestehen, auf seinen neuesten Film „BENEDETTA“ hatte ich nie so richtig Bock. Ein Film über eine lesbische Nonne, die Visionen hat, klang für mich damals, als der im Kino läuft, jetzt nicht sonderlich aufregend. Doch dann hörte ich von so einigen, wie toll und verrückt dieser Film doch sei… und wollte der guten Bendetta mal eine Chance geben. Immerhin ist es ein Paul Verhoeven Film.

Benedetta Carlini (Virginie Efira) wird als junges Mädchen in das Kloster der Stadt Pescia gesteckt, wo sie von nun an leben soll. Hier lernt sie nicht nur die junge Bartolomea (Daphné Patakia) kennen und auch lieben… nein, hier wird sie auch immer wieder von Visionen heimgesucht. Visionen, in denen sie Jesus persönlich trifft… und durch ihn sogar die Stigmata bekommt. Ihre Geschichte verbreitet sich im ganzen Land, das gerade von der Pest heimgesucht wird – und ihr Mythos macht sie sogar zu Äbtissin. Sehr zum Ärger der alten Äbtissin Felicita (Charlotte Rampling)… die zudem noch beobachtet, wie Benedetta und Bartolomea sich lieben. Also wendet sich Felicita an die kirchliche Obrigkeit.

Die Nonne Benedetta Carlini hat es wirklich gegeben, ihre Geschichte, die Verhoeven hier erzählt, hat sich so in etwa tatsächlich abgespielt. Allerdings wurden Aufzeichnungen über sie und den Prozess gegen sie erst sehr spät entdeckt. Die Geschichte selbst bleibt dabei natürlich eine spannende, gerade, wenn man die Zeit bedenkt, in der sie spielt. Verhoeven lässt es in seinem Film zum Beispiel gekonnt offen, ob Benedetta wirklich die Stigmata erfahren oder sie sich möglicherweise selbst gemacht hat, um aufzusteigen. Gerade auch ihre Visionen spielen damit, sehen wir in ihnen Jesus doch wie eine Art Actionheld, der die arme Schwester, seine Braut, vor Schlangen und Banditen bewahrt, in dem er sich mit Macheten und Schwertern zermetzelt. Hier kommt dann auch der klassische, die Brutalität liebende Verhoeven zum Einsatz…

… die setzt er aber tatsächlich auch nur in diesen Visionen ein. Wenn es später zu Folterungen durch die Obrigkeit der Kirche kommt, erspart uns Verhoeven das. Die Schreie und das vorherige Erklären, wie welches Folterinstrument funktioniert, reichen auch vollkommen aus. Kopfkino ist halt immer noch ein sehr starkes Instrument für Filmemacher.

Verhoeven konzentriert sich dann doch lieber auf die Ereignisse innerhalb des Klosters, baut seine Benedetta als vom Glück gesegnetes Kind auf, das wie durch ein Wunder überlebt, als eine schwere Marienstatue auf sie fällt… schon früh mal Verhoeven hier ein Wunderkind, aber lässt es – wie gesagt – immer offen, ob sie einfach möglicherweise nur verdammt clever ist und berechnend durch die Ränge des Klosters geht, um für sich ein besseres Leben zu bekommen. Die dadurch entstehenden inneren Intrigen und Anschuldigungen geben „Benedetta“ dann noch eine besondere Würze.

Als ich hörte, dass Verhoeven einen Film über eine lesbische Nonne machen würde, hatte ich schon die Befürchtung, das Ganze würde sexuell sehr ausarten… aber erstaunlicherweise geht der Regisseur diese Liebe zwischen Benedetta und Bartolomea sehr behutsam an. Das ist jetzt nicht plakativ einfach nur die männliche Sichtweise auf lesbischen Sex, auch wenn ich irgendwie zwangsläufig an „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ denken musste und wie viel harmonischer und gefühlvoller eine Celine Sciamma so eine Beziehung erzählt hat. Am Ende hat mir bei Verhoeven nämlich so das kleine, gewisse Etwas gefehlt, warum sich ausgerechnet jetzt diese Beiden so schwer ineinander verlieben. Das hätte der Film in meinen Augen ein wenig stärker thematisieren können…

… aber dank toller Schauspielerinnen kann man das auch als Kritikpunkt vernachlässigen. Gerade Virginie Efira als Benedetta ist großartig… sie schafft es, dieser Figur genau das richtige Maß an Geheimnisvollem zu geben, bei dem man sich halt den ganzen Film über fragt, wie viel sie von all dem einfach eiskalt geplant hat. Charlotte Rampling als Mutter Oberin ist ebenfalls stark und liefert die nüchterne Seite zu all dem.

Insgesamt ist „Benedetta“ als ein Film von Paul Verhoeven fast schon handzahm, aber gut… mit dem Alter ist das vielleicht so. Und gleichzeitig merkt man, dass Verhoeven an dieser Geschichte gelegen war, die er ganz ohne große Skandale erzählen will.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Verhoeven mal etwas anders)

Das Grauen in der Wand und im Herz

18. Mai 2022

Was Netflix-Horror-Filme angeht, bin ich immer superskeptisch. Ich packe mir zwar sehr viele von denen auf meine Watchlist, aber die meisten versauern da dann auf Ewigkeiten und warten vergeblich darauf, von mir geguckt zu werden. Doch zu einem bin ich jetzt dann doch endlich mal gekommen… und „HIS HOUSE“ ist direkt zur berühmten Ausnahme der Regel geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen Horror-Filmen ist das hier einer, der fantastisch ist und in Erinnerung bleibt.

Rial (Wunmi Mosaku) und Bol (Sope Dirisu) fliehen mit ihrer Tochter aus dem Sudan. Bei der Überfahrt in einem übervollen Boot verlieren die Beiden ihr Kind. In England angekommen, wird ihnen ein Asyl auf Probezeit angeboten. Man weist dem Paar ein runtergekommenes Haus in einem runtergekommenen Bezirk zu. Doch schnell muss das Paar feststellen, dass sie in diesem Haus nicht allein sind… Bol sieht in den Wänden und im Haus immer wieder seine Tochter.

Ich habe nicht wirklich gewusst, was mich mit „His House“ erwartet, aber was ich dann bekommen habe, hat mir direkt doppelt den Boden unter den Füßen weggerissen. Das Ganze ist ein heftiger Mix aus „Get Out“, „Poltergeist“ und „Die Frau, die singt“. Soll heißen, Regisseur und auch Co-Autor Remi Weekes vermischt hier mehrere Elemente zu einem mehr als nur wirkungsvollem Film.

Der „Get Out“-Aspekt bringt natürlich den Rassismus mit in die Geschichte, dem sich Bol und Rial in diesem Problembezirk immer wieder gegenübersehen. Dabei zeigt Weekes auch unangenehme Art und Weise, wie sich das in seine beiden Hauptfiguren brennt. Es gibt eine erschreckend unheimliche Szene, in der sich Rial auf dem Weg zum Arzt verläuft. Sie kommt dann zu drei Teenagern, denen sie sich stellt, weil sie glaubt, die Farbe ihrer Haut würde sie zutraulicher machen. Aber selbst die machen sich über sie lustig und verängstigen die junge Frau nur noch mehr. An dieser Stelle muss ich dann direkt über Wunmi Mosaku sprechen, die in dieser einen Szene von aufflackernder Hoffnung bis hin zu blankem Schock alles so unglaublich spielt.

Mosaku ist fantastisch, wie sie im gesamten Film alle Bandbreiten der Emotionen ausspielt. Aber auch Sope Dirisu als ihr Mann Bol ist unglaublich gut. Bol ist hier ja derjenige, der mehr in diesen Wahnsinn verfällt, der manisch und aggressiv wird. Was zusätzlich für eine bedrückende und unangenehme Stimmung in diesem Film sorgt, weil ihn das wiederum dazu treibt, seine Frau im eigenen Haus einzusperren. Somit macht man sich nicht nur um die Geister Sorgen, sondern auch um Bols Gemütszustand und vor allem um Rial, bei der man nicht weiß, was Bol ihr antun könnte.

Der „Poltergeist“-Aspekt besieht sich einfach darauf, dass wir unheimliche Sachen haben, die im Haus passieren. Die sind gerade in der ersten Hälfte des Films echt wirksam in die Handlung eingebaut. Das gibt es ein Klopfen in der Wand, unheimliches Flüstern, Dunkelheit, Schatten, die sich bewegen und was nicht noch alles. Auch hier beweist Remi Weekes ein Händchen fürs Inszenatorische, weil an ein paar Stellen habe ich mich echt ordentlich erschrocken.

Warum ich bei „His House“ auch ein wenig an „Die Frau, die singt“ denken musste, ist die Tatsache, dass die Auflösung von dem, was hinter der Geschichte von Rial und Bol steckt, den ganzen Film nochmal in ein anderes Licht rückt. Dabei wird dann auch einmal mehr  deutlich, dass „His House“ eben nicht einfach nur ein weiterer plumper Horror-Film ist, sondern das Thema der Flucht so erschreckend greifbar macht. Dieser Film ist ein Schlag in die Magengrube, der uns mit einer Realität konfrontiert, die wir so Tag für Tag in den Nachrichten sehen… was dem Ganzen halt noch mal einen ziemlich bitteren Beigeschmack gibt.

“His House“ ist wirklich ein extrem starker Film, der an die Nieren geht, der unglaublich gut gespielt ist, der sich nicht vor den harten Sachen versteckt und der mehr will, als uns einfach nur zu erschrecken.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Film wirkt noch lange nach)

Jen vs. Men

16. Mai 2022

Das Exploitation-Subgenre „rape and revenge“ fand ich nie wirklich interessant. Was vor allem daran lag, dass es immer erst diese erste Hälfte geben muss, in der eine oder mehrere Frauen auf ziemlich üble Art und Weise von Männern zerstört werden, bevor sie dann – wie ein Phönix aus der Asche – aufsteigen und sich an ihren Peinigern rächen. Dieses Konzept gibt es ja gefühlt auch schon seit Ewigkeiten. Meistens gehe ich diesen Filmen aber eher aus dem Weg… doch manchmal kommt dann ein Film vorbei, der viel Lob bekommt. „REVENGE“ ist so einer. Der Film von Autorin und Regisseurin Coralie Fargeat wird in vielen Kritiken als feministischer „rape and revenge“-Film bezeichnet, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig, wie ich das bewerten kann. Ist nicht jeder „rape and revenge“-Film auf eine gewisse Weise ein feministischer Film, zumindest wenn man „Feminismus“ jetzt ganz vereinfacht als den Sieg der Frau über die sie unterdrückenden Männer bezeichnen möchte? Wahrscheinlich eine Frage, die man lang und breit diskutieren kann… auf jeden Fall war ich interessiert, wie eine Frau dieses Genre anpacken würde und deswegen guckte ich mir „Revenge“ dann an.

Jen (Matilda Lutz) hat eine Affäre mit dem reichen Richard (Kevin Janssens), der mit ihr für ein paar Tage in seiner Villa mitten in der Wüste eine schöne Zeit verbringen will. Doch dann tauchen auf einmal seine Kumpels Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède) auf, weil sie mit Richard einen Jagdausflug machen wollen. Am Abend davor feiern die Vier ein wenig, Jen betört dabei natürlich alle Anwesenden mit ihrem kurzen Rock und ihren Tanzmoves, die vor allem Stan zu spüren bekommt, weil Richard gerade nicht will. Am nächsten Tag, als Richard kurz weg ist, um irgendwelche Papiere für seine Kumpels zu besorgen, vergreift sich Stan an Jen – mit dem Vorwurf, am letzten Abend bei ihrem Tanz hat sie sich ja schon so an ihm gerieben. Dimitri bekommt das Ganze zwar mit, macht aber nichts… und Richard will Jen später mit Geld zum Schweigen bringen. Als Jen darauf nicht anspringt, schubst Richard sie von einer Schlucht. Jen überlebt und macht dann Jagd auf die Männer.

Coralie Fargeat macht rein gar nichts Neues. Ihr „Revenge“ ist einfach wie jeder andere Film dieser Art auch. Das will ich nur mal gleich vorwegstellen. Hätte ich vorher nicht gewusst, dass eine Frau diesen Film geschrieben und gedreht hätte, hätte ich es niemals erahnt. Fargeat folgt den Regeln dieses Genres: sie zelebriert den Körper und die Ausstrahlung von Matilda Lutz in jeder nur möglichen Einstellung. Zwischendurch darf im Film zwar auch mal Kevin Janssens seinen nackten Körper zur Schau stellen, aber das war es dann auch schon. Ansonsten ist „Revenge“ ziemlich Schema F.

Nach der Vergewaltigung beginnt dann der Aufstieg der Jen… nur leider ist das irgendwie mehr absurd als alles andere. Jen flickt ihre Wunde (ein Ast durchbohrt sie in der Magengegend nach ihrem Sturz von der Schlucht) mit einer Dose Bier, die sie über einem Feuer erhitzt. Der darauf abgebildete Adler brennt sich dann symbolträchtig auf ihren Bauch… und dann rennt sie brav im Bikini und trotz Blut und Kratzern supersexy durch die Wüste. Dabei vergisst Fargeat auch nie, uns immer mal einen schönen Hintern zu zeigen.

Die Hetzjagd durch die Wüste ist dann aber nicht nur durch den schönen Körper von Matilda Lutz angereichert, sondern immerhin auch durch die Tatsache, dass Fargeat teilweise sehr schöne Bilder abliefert und es auch schafft, ein paar sehr eklige und fiese Kills zu zeigen. Oder auch Verletzungen… sei es nun eine Glasscherbe, die tief in einem Fuß steckt und die in einer ewig langen Sequenz rausgepuhlt werden muss oder Jens Ast, der von ihr rausoperiert werden muss. Was den Gore-Faktor angeht, hat „Revenge“ schon einige sehr, sehr fiese Sachen zu liefern. Jens Rache ist blutig und brutal…

Trotzdem liefert dieser Film jetzt wirklich nichts Neues. Am Ende habe ich mich sogar eher halb schlapp gelacht, weil Jen und Richard in einer gefühlt zehn-minütigen Szene einfach nur im Kreis laufen. Das dann als Finale zu haben, war irgendwie einfach nur lahm und albern.

„Revenge“ liefert zwar mit Jen eine coole Killerin, aber der Film selbst hat nichts zu bieten, was nicht schon tausend andere Filme vorher zu bieten hatten. Was genau an diesem Film also jetzt feministischer ist als bei den anderen hat sich mir jetzt nicht so richtig erschlossen. Aber da sind wir dann wieder bei der Frage vom Anfang… und auch „Revenge“ kann die nicht so richtig beantworten.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schön gefilmter Revengefilm, der aber ansonsten nichts Neues zu bieten hat)

DFST 7: Donald, der Schwerenöter

14. Mai 2022

1942 nutzte man Disney dafür aus, um den Amerikanern ihre Nachbarn im Süden etwas näher zu bringen. „Saludos Amigos“ sollte dafür sorgen, dass man in Südamerika etwas mehr US-Präsenz zeigt, um zu verhindern, dass die Verbindungen zu Nazi-Deutschland zu stark werden. Dass sich die USA und Südamerika annähern, sollte dann auch zwei Jahre später noch einmal ordentlich gefeiert werden… in „DREI CABALLEROS“ schickt Disney nun Donald Duck auf große Südamerika-Rundreise und versucht sich dabei nicht nur in Völkerverständigung, sondern auch gleich darin, Live-Action mit Animation zu verbinden. Herausgekommen ist ein ziemlich anstrengender Film…

Donald Duck feiert Geburtstag und bekommt Geschenke aus Latein-Amerika. Dank eines kleinen Filmprojektors lernt er was über Pinguine in Südamerika und andere skurrile Vogelarten. Dann taucht der schon in „Saludos Amigos“ eingeführte Zigarren rauchende Papagei José Carioca auf und erzählt Donald ein bisschen was von Bahia… bevor es dann nach Mexiko geht, wo die Beiden auch Panchito Pistoles treffen, einen wild um sich schießenden, Sombrero tragenden Gockel.

„Drei Caballeros“ ist, wie sein Vorgänger auch, eine simple Aneinanderreihung von kürzeren Sequenzen. Dabei ist die Geschichte rund um den Pinguin, dem es in der Antarktis zu kalt ist und der sich daraufhin nach Südamerika aufmacht, noch das Beste an dem ganzen Film. Das ist einfach sehr süß und lustig gemacht… auch die Geschichte über die verschiedenen Vogelarten Südamerikas ist noch unterhaltsam und die Geschichte über einen fliegenden Esel macht irgendwo auch noch Spaß.

Doch danach muss offensichtlich so langsam das LSD eingesetzt haben, denn nach diesen drei Sequenzen, wird „Drei Caballeros“ sehr, sehr merkwürdig. Das Lobeslied an den brasilianischen Staat Bahia ist aber auf jeden Fall auch noch erwähnenswert… immerhin vermischt Disney hier erstmals echte Menschen mit den animierten Figuren. Die brasilianische Sängerin und Tänzerin Aurora Miranda singt, tanzt und lacht mit Donald und José… was schon irgendwie an sich sehr beeindruckend aussieht. Immerhin befinden wir uns im Jahr 1944. Das ist schon auf jeden Fall echt toll inszeniert, die Musik ist auch stimmig und liefert dem Ganzen ein wenig Lokalkolorit (so wie es halt sein soll, um den Menschen zu zeigen, wie toll Südamerika doch eigentlich ist).

Es folgt dann noch eine kurze Weihnachtsgeschichte, die hauptsächlich aus Standbildern besteht… und dann wird Donald zum absoluten Schwerenöter (obwohl er das auch schon bei Aurora Miranda gewesen ist) und die Drogen der Animationskünstler setzen voll ein. Eine komplette Sequenz in Mexiko besteht nur darin, dass Donald Duck echte Frauen in Bikinis am Strand von Acapulco jagt. Wie ein notgeiler Enterich, der er offensichtlich ist, flitzt er hier von einer Dame zur nächsten… und man fragt sich echt, was man hier eigentlich gerade guckt. Das Ganze richtet sich offensichtlich eher an die Herren des damaligen Publikums – nach dem Motto: „Die feurigen Latinas aus Lateinamerika sind willens und willig.“ Super merkwürdig, nicht wirklich kindgerecht, aber hey… was tut man nicht alles für die nachbarschaftliche Freundschaft?

Aber nach diesem Abstecher von Stecher Donald wird es nur noch absurder… über Mexico City verliebt sich Donald in die Sängerin Dora Luz und gleich auch noch in die Tänzerin Carmen Molina, was zu einer der trippigsten Sequenzen überhaupt führt. Wie schon bei „Fantasia“ hat man hier das Gefühl, wer diese Bilder auf Drogen sieht, kommt aus dem Wahnsinn nicht mehr raus… und diese Mexiko-Liebes-Tanz-Surrealismus-Nummer ist noch verrückter als alles, was ich bislang von Disney gesehen habe. Hier drehen die Macher wirklich vollkommen frei… das hat dann auch nicht mehr wirklich was mit Lateinamerika zu tun, sondern ist einfach nur ein abgefuckter Drogentrip a la Disney. Diese Explosionen aus Farben und Klängen, sich verwandelnden Kakteen, einer Carmen Molina, die als singende Blume erscheint oder José und Panchito als verstörende Geistererscheinungen, die Donald dazu bringen, gegen einen Spielzeug-Stier anzutreten, ist nur schwer zu ertragen… und wirklich ein anstrengendes, sehr forderndes Irgendwas, nur was genau, kann ich einfach nicht sagen.

„Drei Caballeros“ ist neben „Fantasia“ definitiv einer der anstrengendsten und merkwürdigsten Disney-Filme überhaupt… und definitiv nichts für Kinder (abgesehen von den ersten drei kurzen Filmchen).

Wertung: 4 von 10 Punkten (anstrengend und psychotisch ohne Ende)

Avenger auf Abwegen

13. Mai 2022

Sebastian Stan erfindet sich auch gerade neu, was ich echt gut finde. Als Bucky Barnes in „Captain America“ wurde mir überhaupt erst bewusst, dass es ihn gibt. In „The Winter Soldier“ durfte er einfach nur abliefern und ist seitdem im MCU eine wichtige Komponente gewesen. Zwar fand ich sein „Falcon and the Winter Soldier“ eher lahm, aber Sebastian Stan war immer toll in der Rolle. Das erste Mal außerhalb des MCUs zeigte er sich mir von einer ganz anderen Seite in „I, Tonya“. Da sah ich auf einmal den Schauspieler Sebastian Stan… und der ist ebenfalls einfach nur fantastisch. Vor kurzem erst lief ja „Pam und Tommy“ (die letzte Folge muss ich immer noch gucken) und darin hatte man schon richtig gesehen, wie frei Stan dreht. Jetzt kommt er mit einem neuen Horror-Film ums Eck… und zeigt uns seine psychopathisch-charmante Seite in „FRESH“.

Noa (Daisy Edgar-Jones) hat die Schnauze voll vom Online-Dating. Die Pfeifen, die sie da trifft, sind genau das: Pfeifen. Also will sie sich eigentlich eine Pause gönnen. Doch da trifft sie im Supermarkt beim Gemüse auf Steve (Stan). Es klickt zwischen den Beiden, nur Noas beste Freundin Mollie (Jonica T. Gibbs) findet das Ganze etwas suspekt – zumal sie den Typen ja nicht mal über Social Media abchecken kann. Noa will davon aber nichts hören und lässt sich auf einen kleinen Trip mit Steve ein… nur der endet in Steves abgeschiedenem Haus und mit einem Steve, der auf einmal seine wahre Seite zeigt.

Regie-Debütantin Mimi Cave verfilmt mit „Fresh“ das Drehbuch von Lauryn Kahn und liefert einen erfrischend anders wirkenden Horror-Film. „Fresh“ fängt nämlich erstmal an, wie eine süße RomCom… blöde Dates zeichnen das Leben von Noa, dann kommt Mister Perfect um die Ecke und es gibt die „sassy“ beste Freundin. Aus diesem Stoff werden Liebeskomödien geschrieben. Und Lauryn Kahn spielt in ihrem Drehbuch gekonnt mit diesen üblichen Klischees. Die wiederum profitieren extrem von dem starken Cast, den dieser Film zu bieten hat. Sebastian Stan ist einfach nur der Charme-Bolzen schlechthin. Daisy Edgar-Jones, die ja gerade zum Shooting-Star wird und demnächst mit „Where the Crawdads sing“ in die Kinos kommt (das Buch liegt schon zum Lesen bereit), ist ebenfalls einfach nur Zucker. Ganz ehrlich, wenn „Fresh“ am Ende wirklich nur eine RomCom mit ihr und Stan gewesen wäre, ich hätte es auch gefeiert. Die Beiden haben einfach eine unglaubliche Chemie und wirken echt authentisch und natürlich. Gerade Daisy Edgar-Jones ist wirklich wunderbar in dieser ersten Hälfte… zumal Mimi Cave an ihr auch die Gefahren einer Frau beim Dating offenlegt… seien sie nun eher lustiger Natur oder tatsächlich auch unheimlicher. Es gibt eine Sequenz, in der Noa nach dem furchtbaren Date durch eine dunkle Gasse zum Auto geht und auf einmal hinten jemand auftaucht… der Typ, den sie gerade abserviert hat??? Auf einmal ist da dann auch ein bisschen Angst und die kommt ja leider nicht von ungefähr. Doch zu diesem Zeitpunkt ist „Fresh“ trotzdem immer noch im RomCom-Modus… aber ein paar alltägliche Probleme einer jungen Frau werden trotzdem schon deutlich.

Wenn man jetzt vorher nicht wüsste, dass „Fresh“ ein Horror-Film sein soll, würde man auch nicht einmal etwas ahnen… also wie Noa. Die Tatsache, dass Steve kein Social Media hat, wirkt halt nur wegen dem Wissen, das hier wird noch ein Horror-Film, bedrohlich. Ohne das Vorwissen hätte ich das jetzt nicht einmal zwingend hinterfragt. Dann zeigt Steve aber sein wahres Ich… und die RomCom ist vorbei.

Ich will jetzt nichts über das verraten, was Steve dazu antreibt, Noa zu entführen. Er macht das aber auf jeden Fall nicht zum ersten Mal und hat ziemlich kaputte Gründe dafür. Dabei schaffen es Mimi Cave, Daisy Edgar-Jones und Sebastian Stan aber trotzdem immer noch, diese Chemie zwischen den Beiden aufrecht zu erhalten… auch wenn das Gefälle nun ein ganz anderes ist. Stan ist immer noch charmant, aber diabolisch, Edgar-Jones wünscht man einfach nur, dass sie irgendwie aus all dem rauskommt.

Jetzt ist „Fresh“ eine Horror-Show mit einigen wirklich fiesen und wunderbar kaputten Momenten, in denen Cave dann auch ihren Horror-Faible voll auslebt. Das macht eigentlich echt viel Spaß, allerdings gab es so ein paar Punkte, mit denen ich trotzdem so meine Probleme hatte:

Natürlich macht sich Mollie irgendwann Sorgen um Noa und stellt Nachforschungen an… und kommt Steve auch auf die Spur, weil der bei seinem Date mit Noa mit seiner echten Kredit-Karte bezahlt hat. Das war so dieser eine Punkt, der mich einfach echt gestört hat: Für jemanden, der das schon so lange macht, ist das ein ziemlich blöder Fauxpas, der nicht hätte passieren dürfen und sehr konstruiert wirkt. Auch scheint niemand in diesem Film Bock zu haben, mal die Polizei zu verständigen… und kurz vorm Schluss kommt jemand, der helfen könnte, hört dann aber ein paar Schüsse und haut (auch ohne vorher die Polizei zu rufen) einfach wieder ab. Das sind jetzt alles keine dollen Dinge, aber irgendwie waren das alles etwas zu einfache Entscheidungen, um die Story irgendwie voranzutreiben.

Dank der tollen Darsteller kann man mit „Fresh“ aber trotzdem echt viel Spaß haben. Stan und Edgar-Jones liefern ein tolles Paar und deren Chemie bleibt auch bestehen, wenn sie sich nicht mehr mögen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (unterhaltsame RomCom-Horror-Komödie, die kurz mal unter doofen Entscheidungen leidet)