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Mütter und Töchter

2. Dezember 2016

Ja, ich bin ein Gilmore-Junge, sprich: Ich habe früher tatsächlich mit reger Begeisterung „Gilmore Girls“ geguckt (bevor jemand fragt: Team Jess!)… doch als auch hier die Gerüchte um ein Revival lauter wurden, war ich skeptisch. Als die Gerüchte zu Wahrheiten wurden, veränderte sich nicht viel an meinen Gefühlen. Ich glaube, das „Akte X“-Revival hat mich immer noch schwer gezeichnet und jede „geliebte“ Serie der Vergangenheit, die erneut aufgewärmt wird, muss gegen meine Skepsis ankämpfen. Aber die Neugier gewinnt am Ende ja meistens doch… zumal die neue Staffel „Gilmore Girls“ ja auch nur aus vier Folgen besteht (die dafür alle Spielfilmlänge haben)… und was kann man bei den „Gilmore Girls“ schon groß falsch machen? Hauptsache, es wird schnell und noch schneller geredet, es wird viel Kaffee getrunken, es wird herzlich und skurril in dem kleinen, beschaulichen Stars Hollow und es geht ein bisschen um Liebe, Herzschmerz und alles, was dazu gehört.

All das bekommen wir dann auch in „Gilmore Girls: A Year in the Life“. Anhand vier Folgen, die nach Winter, Frühling, Sommer und Herbst benannt sind, kehren wir zu unseren Lieblingsschnattertanten zurück: Lorelai (Lauren Graham) genießt das Leben in Stars Hollow an der Seite von Luke (Scott Patterson), ärgert sich in jeder Folge mit neuen Köchen rum, weil ihre Sookie (Melissa McCarthy) ja nicht mehr bei ihr arbeitet. Irgendwann stößt Rory (Alexis Bledel) dazu, die zwischen London, New York und Stars Hollow hin und her pendelt, keinen richtigen Job hat (außer einem tollen Artikel im New Yorker hat das kleine Genie es nicht zu viel gebracht), sich als Mätresse von Logan (Matt Czuchry) verdingt und nach dem Sinn in ihrem Leben sucht. Dazu kommt Oma Emily (Kelly Bishop), die den Tod von Ehemann Richard (Edward Hermann) verarbeiten muss.

Sie trinken wieder To-Go

Die vier Jahreszeiten der „Gilmore Girls“… und was soll ich sagen? Die vier Folgen hatten letztendlich alles zu bieten, was man von diesen Damen erwartet. Die neue Staffel ist dabei wirklich reiner Fan-Service, der aber wirklich gut in Szene gesetzt worden ist. Und mit Fan-Service meine ich jetzt, dass wirklich JEDER mehr oder weniger wichtige Charakter einen mehr oder weniger großen Auftritt hat. Gut, die beiden Darsteller, die nach „Gilmore Girls“ tatsächlich noch ein wenig Erfolg hatten, tauchen nur recht kurz auf – also Melissa McCarthy und Jared Padalecki. Aber egal, wie lang der jeweilige Auftritt nun ist, die Macher um Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino treffen genau den Punkt. Sie haben diese Charaktere halt erschaffen und wissen ganz genau, wie sie ticken. Und das ist dann auch das, was an der neuen Staffel von „Gilmore Girls“ wirklich richtig viel Spaß macht.

In dieser Stadt scheint sich einfach mal nichts sonderlich groß verändert zu haben. Keiner scheint hier wirklich groß gealtert zu sein. Vielleicht ein paar graue Haare hier und da, ein paar Falten, aber das war’s… die Macken sind die gleichen. Die Stadt-Meetings sind die gleichen. Es macht Spaß, wieder nach Stars Hollow zurückzukehren. Vielleicht ist diese Stadt irgendwo unter einer Glaskuppel und wartet darauf, uns zu unterhalten.

Dass es am Ende nur vier Folgen geworden sind, ist auch recht angenehm… zumal ich selbst bei diesen vier langen Folgen schon das Gefühl hatte, dass hier teilweise arg gestreckt wurde. So nervt uns die Sommer-Folge mit einem Stars-Hollow-Musical und das für gefühlte Ewigkeiten (nur um uns zu zeigen, dass Lorelai die einzige Anwesende ist, die es nicht mag). Aber hey, was soll’s? Der Rest ist das, was die Gilmore Girls ausmacht: das was man halt schon kennt. Da hat Rory ihre Liebeskrisen – inklusive Wookie-One-Night-Stand (und ein Alkohol-Problem), Lorelai eine kleine Midlife-Crisis und Emily eine Findungskrise. Aber wie sich das für die „Gilmore Girls“ gehört, gibt es für alles irgendwie eine Lösung.

„Gilmore Girls: A Year in the Life“ ist leichte, unterhaltsame Kost. Lauren Graham und Alexis Bledel finden ohne Probleme wieder in ihre Rollen und es macht einfach Spaß, ihnen zu zusehen. Die vier Folgen frühstücken sich mit einer angenehmen Schnelligkeit weg. Starke Charaktere helfen halt manchmal doch, wenn die Story nicht soooo gut ausgearbeitet ist. „Gilmore Girls: A Year in the Life“ ist wirklich gelungener Fan-Service… und wer weiß, so wie die neue Staffel endet, ist ja noch Platz für eine zweite neue Staffel. Ich habe absolut kein Problem, dabei zu zusehen, wie die Gilmore Girls alt und grau werden😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (so funktioniert Nostalgie😉 )

Die Sapir-Whorf-Hypothese

30. November 2016

Ich bin jetzt wirklich kein Sprachwissenschaftler, deswegen entschuldige ich mich schon mal im Voraus, wenn ich das mit dieser „Sapir-Whorf-Hypothese“ nicht so ganz akkurat hinbekomme. All mein Wissen darüber stammt aus einem Film…😉 Aber mehr oder weniger besagt diese Theorie, dass die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, stark vom Wortschatz und der Grammatik seiner Muttersprache abhängt. Daraus ergibt sich, dass bestimmte Gedankengänge einer Person von einer anderen Person, die dieser Sprache nicht mächtig ist, nicht wirklich verstanden werden können. Erst wenn diese Person ebenfalls die Sprache lernen würde, würde die Grammatik und der Wortschatz das Denken der Person so verändern, dass sie die Gedanken verstehen würde. Im Fall von Denis Villeneuves „Arrival“ geht es dabei um das Wort „Waffe“… wir verstehen darunter etwas Bedrohliches, etwas Gefährliches, aber es könnte ja in einer anderen Sprache auch etwas ganz anderes bedeuten.

Okay, okay… ich höre auf damit, den Sprachwissenschaftler zu spielen und widme mich lieber Villeneuves „Arrival“. Darin erscheinen an verschiedenen Orten auf der Welt zwölf Raumschiffe. Die Sprachwissenschaftlerin Louise (Amy Adams) wird als Expertin rekrutiert, um mit den Wesen, die auf amerikanischem Boden gelandet sind, Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Physiker Ian (Jeremy Renner) trifft sich in dem Schiff auf zwei Wesen, die mit merkwürdigen Kreisen als Schrift kommunizieren. Louise muss nun schnellstmöglich herausfinden, was diese Wesen sagen wollen, warum sie hier sind und ob sie uns böse gesinnt sind.

Lernen scheint zu ansteckend zu sein…

Ganz ehrlich, Denis Villeneuve könnte mittlerweile einen Film über Toastbrot drehen und ich würde ins Kino gehen – einfach nur, weil es ein Film von Denis Villeneuve ist. Seit „Prisoners“ etabliert sich Villeneuve ja mehr und mehr als Garant für spannendes, packendes Kino. Mit „Enemy“ auch als jemand, der uns herrlich verworrenes Zeug andrehen kann. Ganz ehrlich, ich bin – jetzt auch nach „Arrival“ – weniger skeptisch, wenn es um die Fortsetzung zu „Blade Runner“ geht. Da führt Villeneuve ja auch Regie. Aber kommen wir erst einmal zurück zu „Arrival“.

Die erste halbe Stunde habe ich in „Arrival“ einfach nur mit offenem Mund da gesessen und dieser Begegnung zwischen Mensch und Alien entgegengefiebert. Und ein Villeneuve kostet allein diese Moment gekonnt aus: da ziehen sich die Minuten, da fährt der Fahrstuhl zum Raumschiff ganz langsam, da starrt man erst einmal in die weit aufgerissenen Augen der Protagonisten, da tastet man sich mit ihnen behutsam durch einen dunklen Gang und steht vor einer merkwürdigen weißen Wand. Und Villeneuve kostet jeden einzelnen Moment weiter aus, mit jedem einzelnen Moment sehen wir etwas Neues, rätseln was es sein könnte und warten gespannt, was als nächstes passiert. Was eine Fünf-Minuten-Szene hätte sein können, wird so viel länger, macht aber das Erlebnis der Begegnung auch so sehr viel spannender. Und eines gleich deutlich: „Arrival“ ist kein üblicher Science-Fiction. Wer Action, Krach und sonstige Hektik erwartet, ist hier fehl am Platz. „Arrival“ ist Kopf-Kino, ist Nachdenk-Kino.

Die Geschichte von „Arrival“ basiert auf dem oben genannten Konzept von Sprache, die das Denken beeinflusst. Es geht also hauptsächlich darum, wie Amy Adams und Jeremy Renner versuchen, mit diesen Außerirdischen zu kommunizieren. Auch wenn man es nicht für möglich halten sollte, aber genau das macht diesen Film so unglaublich faszinierend und spannend. Villeneuve regt zum Nachdenken an, ohne uns jetzt alles auf dem Präsentierteller zu liefern. Etwas, das ich unglaublich angenehm empfand. Über „Arrival“ und die Offenbarungen, die man am Ende erhält, kann man sich lange und gut unterhalten. Es ist jetzt auch kein überkomplizierter Film, aber die Konzepte, mit denen er uns konfrontiert, sind interessant, die Auflösungen und die Idee dahinter, wie Sprache funktionieren kann, wie auch das Konzept von Raum und Zeit funktionieren kann, sind nicht weniger faszinierend. „Arrival“ ist so viel mehr, worüber ich jetzt aber nicht schreiben möchte, um nicht zu viel zu spoilern. Der Film ist ein Sci-Fi-Drama, das weniger auf Spektakel, sondern mehr auf die Charaktere aufbaut.

Mit Amy Adams haben wir eine von ihrer Vergangenheit gequälten Frau, die durch das Erlernen der Sprache der Außerirdischen weitaus mehr über sich erfährt, als man am Anfang meinen könnte. Jeremy Renner gerät dabei ein wenig in den Hintergrund, aber daran stört man sich nicht so sehr, ist man doch viel zu fasziniert von dem, was da ohnehin alles auf der Leinwand passiert.

„Arrival“ beeindruckt durch ein tolles Konzept (basierend auf der Kurzgeschichte von Ted Chiang), das Villeneuve gekonnt und mit viel Fingerspitzengefühl umsetzt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Sprachen lernen bildet!)

Busfahrer-Poesie

28. November 2016

Einen Film über einen Busfahrer zu machen, klingt ziemlich unspektakulär. Ich meine, es sei denn, es ist Sandra Bullock als Busfahrerin in „Speed“. Ansonsten erwarten wir doch nicht sonderlich viel von unserem Busfahrer. Ein Typ oder eine Frau, die den Bus steuert, uns die Tür vor der Nase zuschlägt, wegfährt, obwohl wir heftig gestikulierend gelaufen sind. Kann so ein Busfahrer auch ein Mensch mit Gefühlen sein, mit Ängsten, Sorgen und Problemen, ein Mensch, der Liebe schenkt, Freunde hat? Oder ist so ein Busfahrer einfach nur derjenige, der unerwartet bremst, knurrig seine Fahrgäste anschaut und uns eben die Tür vor der Nase zuschlägt? Nein!!! Busfahrer sind auch nur Menschen… und kein anderer hätte das wohl besser filmisch elegant und poetisch umsetzen können als Jim Jarmusch in seinem neuesten Film „Paterson“.

Darin geht es nämlich um einen Busfahrer in der kleinen Stadt Paterson. Doch dies ist kein gewöhnlicher Busfahrer, also eigentlich schon, denn er fährt Bus. Aber ungewöhnlich ist, dass dieser Busfahrer zufällig genau wie seine Stadt heißt – nämlich Paterson (Adam Driver). Und ungewöhnlich ist auch, dass dieser Busfahrer Gedichte schreibt. In jeder freien Minute – Gedichte über Streichholzkästchen, über Liebe und worüber man sonst noch so Gedichte schreibt. Sieben Tage lang, von Montag bis Montag Morgen begleiten wir Paterson durch sein Leben.

Busfahrer-Liebe

Morgens aufstehen, Müsli-Essen, zur Arbeit gehen, arbeiten! Von der Arbeit nach Hause gehen, Frau herzen, Abendessen, Gassi-gehen, Freunde in der Bar besuchen! Und wieder von vorne. Sieben Tage die Woche. Genau das ist Jim Jarmusch‘ „Paterson“. Wirklich, ich verarsche euch nicht… von Montag bis Montag. Und bei jedem anderen Regisseur hätten daraus die wahrscheinlich langweiligsten zwei Kino-Stunden der Welt werden können. Aber nicht bei einem Jarmusch. Denn der Mann findet selbst noch Poesie in der scheinbar öden Normalität des Alltags. Man muss das Auskosten der einzelnen Momente natürlich mögen, aber ich liebe es, dass sich Jarmusch immer Zeit nimmt, um die Gedanken seiner Charaktere auszuleben. So ein Jarmusch-Film ist wie Mediation… und „Paterson“ ist Mediation dank der Poesie eines Busfahrers.

„Paterson“ hat etwas Hypnotisches an sich: je mehr man sich auf diesen Film einlässt, desto mehr nimmt er dich gefangen. Denn aus der scheinbar öden Darstellung der fast immer gleichen Handlungsabläufe kreiert Jarmusch die Poesie des Alltags. Was anfangs erscheint wie das Ewig-Gleiche ist doch durchsetzt von kleinen, aber feinen Veränderungen. „Paterson“ wird zum Gedicht in Film-Form. Wie ein Gedicht sich durch Reime scheinbar wiederholt oder an bestimmten Stellen vertraut klingt, so tauchen auch in „Paterson“ immer wieder Dopplungen auf. Träumt Patersons Frau (Golshifteh Farahani) von Zwillingen, tauchen auf einmal überall Zwillinge auf. Das Wasser, das fällt aus dem Gedicht eines kleines Mädchens wird zum Wasserfall-Bild in Patersons Wohnung vom Wasserfall in Paterson. Die Geschichten der Fahrgäste finden sich in den Geschichten der Bar-Besucher wieder, in der Paterson jeden Abend sein Bier trinkt. Die Kreise und Schlangenlinien, die Patersons Freundin auf gefühlt alles malt, werden zum Symbol für den ganzen Film. Es wiederholt sich alles und doch ist es nie das exakt Gleiche. Das Reimschema des Films verändert sich, verändert die Umgebung… alles in diesem Film ist in ständiger Bewegung, obwohl sich scheinbar kaum etwas bewegt. Man will dieses Film-Gedicht „Paterson“ am liebsten auswendig können, man will und muss es mehrmals sehen, um Jarmusch‘ Poesie voll und ganz auf sich wirken zu lassen.

Ich weiß, ich gerate arg ins Schwärmen, aber ich kann nicht anders. Aber „Paterson“ ist einfach nur ein wundervoller Film. Sieben Tage Busfahrer-Normalität treffen auf sieben Tage Busfahrer-Unnormalität. Die Welt von „Paterson“ ist ein Gedicht, geschrieben von einem Poeten, der selbst in einer einfachen Streichholzschachtel etwas sieht, um die Liebe zu seiner Frau auszudrücken. Die Welt von „Paterson“ ist bewohnt von Dramatikern, Poeten, Schauspielern – wo selbst aus dem Beziehungsdrama in der Kneipe eine Jarmusch’sche Variante von „Romeo und Julia“ wird. Hier gibt es überall Drama, wo man keines vermuten würde. Es ist eine Welt voll lieblicher Naivität, in der selbst die ganz Harten nur dein Bestes wollen (und sich darum sorgen, dass Patersons Hund nicht entführt wird).

„Paterson“ ist ein wunderschönes Kino-Erlebnis, das den Alltag feiert. Mit „Kylo Ren“-Darsteller Adam Driver ist zudem auch der perfekte Busfahrer-Poet gefunden, der diese Melancholie, die scheinbare Sehnsucht nach mehr, aber auch die Zufriedenheit des Augenblicks in nur einem einzigen Blick darstellen kann.

An dieser Stelle höre ich dann einfach auf. Ich denke, es ist klar geworden, wie sehr ich diesen Film schon nach einem Mal gucken liebe. Schaut ihn euch einfach an, wenn euch „Only Lovers Left Alive“ oder auch nur irgendein Jarmusch-Film gefallen hat, dann werdet ihr „Paterson“ lieben.

Wertung: 10 von 10 Punkten (nach diesem Film möchte man dann auch selbst Gedichte über Streichholzkästchen schreiben)

Random Sunday #4: American Gods

27. November 2016

Ich muss lesen. Ich bin damit aufgewachsen und kann einfach nicht aufhören damit. Als kleiner Junge fing diese Obsession mit dem geschriebenen Wort an und sie hörte nie wieder auf. Mit dem Aufkommen von Filmen (also in meiner Welt), der Playstation (auch in meiner Welt), dem Studium und jetzt der Arbeit ist mein Pensum natürlich ein wenig zurückgegangen, aber ich lese trotzdem noch wie ein Weltmeister. Egal wo ich hingehe, mein Kindle steckt immer in irgendeiner Tasche und jede freie Minute wird mit Lesen „verschwendet“. Übrigens auch ein Grund, warum ich mit „Pokemon Go“ nach drei Tagen wieder aufgehört habe: Ich bin nicht mehr zum Lesen gekommen… und da war mir die Literatur dann doch viel wichtiger als die Jagd nach kleinen Monstern, die mir nur den Saft aus dem Telefon stehlen (und meine Zeit zum Lesen).

Und nachdem ich dann das Monster-Jagen aufgegeben hatte, brauchte ich mal wieder was ordentliches – und dann kam zu dem Zeitpunkt auch noch der erste Trailer zu einer Serie, die sehr interessant aussah… und auf einem Buch basierte. Nämlich „American Gods“ von Neil Gaiman. Jetzt kenne ich Gaiman hauptsächlich durch die Verfilmungen seiner Bücher (wie „Der Sternenwanderer“ oder „Coraline) und durch seine Comic-Reihe „The Sandman“. Beides Dinge, die mir immer sehr gefallen haben. Wirklich viel gelesen hatte ich von ihm nie, weswegen ich „American Gods“ jetzt eigentlich so als meinen großen Einstieg in die Gaiman’sche Literatur ansah. Und Mann, was wurde mir hier geboten…

„American Gods“ erzählt (jetzt mal ganz grob zusammengefasst) die Geschichte eines Mannes namens Shadow. Shadow kommt vorzeitig aus dem Knast, weil seine Frau gestorben ist. In einer Kneipe wird er von einem Mann angesprochen, der sich Mr. Wednesday nennt und Shadow einen Job anbietet: er soll Wednesday begleiten – als Fahrer, Bote, etc. Und gemeinsam fahren die beiden nun durch Amerika und treffen viele von Wednesdays Bekannten, die der für einen kommenden großen Konflikt vereinen möchte. Der Clou an der Sache: Wednesday ist in Wirklichkeit der Gott Odin und all seine Bekannten sind alte Götter, die durch die Einwanderer Amerikas ins Land gekommen sind und sich nun gegen die Vergessenheit und gegen die neuen Götter (die Medien, das Internet, etc.) durchsetzen müssen.

american-gods

„American Gods“ ist so unglaublich viel: es ist ein Roadtrip quer durch ein Amerika voller Mythen und Legenden. Es ist ein Selbstfindungstrip für unseren Protagonisten Shadow, der in diesem ganzen Chaos seinen eigenen Platz finden muss. Es ist eine Parade der verschiedensten Götter-Gestalten, legendären Helden aus Erzählungen, etc. Es ist ein packender Fantasy-Roman, der auf der einen Seite so vollkommen normal wirkt und uns dann im Bruchteil eines Umblätterns in komplett fremde, faszinierende Welten entführt. Und Gaiman jongliert all diese verschiedenen Charaktere, die verschiedenen Orte und Handlungen mit einer unglaublichen Leichtigkeit, dass man gar nicht aufhören möchte.

Ich wollte wirklich nicht aufhören, ich wollte auch nicht, dass dieser Roman irgendwann endet, weil ich schon lange nicht mehr so ein gutes Buch gelesen habe. Ich mochte die Charaktere, sowohl die guten als auch die schlechten. Ich mochte vor allem Gaimans Idee vom Kampf der alten Götter gegen die neuen Götter. Ich mochte die Idee, dass die alten Götter auch nebenbei noch gegen das Vergessen kämpfen müssen. Dass sie letztendlich nur hier sind, weil die Einwanderer sie damals aus ihren Ländern mit in dieses neue Land brachten und sie hier heimisch wurden (zwischendurch im Roman gibt es immer wieder kleinere Rückblende-Kapitel, die von verschiedenen Göttern erzählen und wie sie das erste Mal Fuß fassten). Doch die „American Gods“ kämpfen halt auch gegen die neuen Götter – Fernsehen, Medien, Internet, etc. Und auch für diese neuen Götter findet Gaiman sehr passende Bilder. Gaiman geht mit dem Begriff der Religion und vor allem mit dem Sammelsurium an verschiedenen Religionen sehr geschickt um… aber am besten zusammengefasst wird das Ganze in einem sehr schönen Zitat aus dem Buch, das mehr sagt als ich jemals dazu schreiben könnte:

“Religions are, by definition, metaphors, after all: God is a dream, a hope, a woman, an ironist, a father, a city, a house of many rooms, a watchmaker who left his prize chronometer in the desert, someone who loves you—even, perhaps, against all evidence, a celestial being whose only interest is to make sure your football team, army, business, or marriage thrives, prospers, and triumphs over all opposition. Religions are places to stand and look and act, vantage points from which to view the world. So none of this is happening. Such things could not occur. Never a word of it is literally true.”

„American Gods“ erzählt von einem Amerika voller Mythen, einem Amerika aufgebaut auf Mythen, die nun ums Überleben kämpfen. Und mittendrin ist Shadow, ein stoischer Typ, der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat und gleichzeitig in diesem Götterkrieg seinen Mann stehen muss.

Mr Wednesday und Shadow aus der kommenden Serie

„American Gods“ ist von allem, was ich bisher von Neil Gaiman gelesen habe, der Roman, der mir am ehesten im Gedächtnis geblieben ist und es auch bleiben wird. „American Gods“ ist aber auch definitiv eines dieser Bücher, das ich mit Sicherheit mehr als nur einmal lesen werde. Und „American Gods“ könnte wirklich eine interessante Serie ergeben, ist doch auch das Buch ein bisschen episodenhaft strukturiert. Shadows Route durch Amerika passt mit Sicherheit gut ins Serienformat… und der erste Trailer sah schon sehr vielversprechend aus.

„American Gods“ ist auf jeden Fall ein Buch, dass man mal gelesen haben sollte. Es ist, wie ich finde, Gailmans großes magnum opus (mal von „Sandman“ abgesehen), ein Roman so reich an allem, was man sich nur wünschen kann. Ein Roman, so faszinierend, dass er noch tausend Seiten länger hätte sein können. Ein Roman, der unterhält, aufregt, Spannung erzeugt und zum Nachdenken anregt (und einem nebenbei auch viel über verschiedene Götter- und Sagengestalten erzählt, wenn man sich dann noch die Mühe macht, sie ein bisschen weiter zu recherchieren)

Croatoan!

25. November 2016

Das ist doch wirklich das Gute an Anthologie-Serien. Wenn man irgendwann auf einmal wieder „Lust“ verspürt, doch noch mal reinzuschauen, kann man das ohne große Probleme machen. Doch bislang hatte ich „American Horror Story“ keine weitere Chance gegeben. Ich war ja nach der ersten Staffel echt zum Fan geworden, während die zweite mit der Irrenanstalt mich wieder in meine Schranken verwies. Da hatte ich keinen Bock mehr drauf… und so ließ ich dann auch die Hexen, die Freak-Show und das Hotel an mir vorbei ziehen, ohne das ich sie auch nur eines Blickes würdigte (Hat jemand von euch die gesehen und kann mir sagen, welche vielleicht noch gut wäre??? Danke!). Doch auf Facebook habe ich „American Horror Story“ noch immer abonniert, weswegen ich dann mitbekam, was die Macher um Ryan Murphy und Brad Falchuk für ein Geheimnis um das Thema der sechsten Staffel machten. Da wurde viel spekuliert, gerätselt und wieder verworfen. Und irgendwie erweckte das meine Neugier, die förmlich entfacht wurde, als herauskam, dass sich die sechste Staffel um die verschollene Kolonie Roanoke drehen würden, von der nichts mehr übrig blieb als das Wort „Croatoan“ eingeritzt in einen Baum. Das fand ich spannend, weswegen ich dann nach drei Staffeln wieder mit „American Horror Story“ angefangen habe.

Staffel 6 präsentiert sich als Doku-Soap, die auf wahren Begebenheiten basiert. Dabei erzählt das junge Ehepaar Shelby (Lily Rabe) und Matt (André Holland), wie sie von L.A. nach North Carolina ziehen. Hier kaufen sie sich ein altes Haus mitten im Wald. Was natürlich ein großer, großer Fehler ist. Was ihnen dann widerfährt, erleben wir dann nachgespielt durch Darsteller. So spielt Audrey Tindall (Sarah Paulson) Shelby, während Dominic Banks (Cuba Gooding Jr.) Matt spielt. Und die treffen nun auf die verschiedenen „Geister“, die das Haus terrorisieren – doch die Schlimmsten sind die einstigen Siedler aus Roanoke, die vom Butcher (Kathy Bates) angeführt werden.

Im Fernsehen läuft nur komisches Zeug…

Staffel 6 hatte mich tatsächlich schon mit der ersten Folge vollkommen in seinen Bann gezogen. „My Roanoke Nightmare“ spielt anfangs fast ausschließlich in diesem Haus, ein riesiges, leeres Haus mit einer unheimlichen Geschichte, die wir aber erst so nach und nach kennenlernen. Schon hier erinnerte mich das Ganze stark an die „Murder House“-Story aus der ersten Staffel, wobei sich Staffel 6 nicht zu viele Nebengeschichten und Rückblenden gönnt. Denn viel interessanter sind die Geschehnisse im Haus selbst. Und hier wird’s dann zu Beginn der Staffel schön old-schooli-ig: da klappert irgendwo was, das zieht man im Hintergrund Schatten oder Menschen vorbei laufen, da regnet es auf einmal Zähne vom Himmel und irgendwann steht eine Meute mit Fackeln vor der Tür. Kleine Mädchen reden mit anderen kleinen Mädchen, die eigentlich nicht da sein sollten, merkwürdige Schweinswesen terrorisieren die Gänge des Hauses. Staffel 6 ist gerade zu Beginn sehr dreckig, düster, brutal und unheimlich – einfach weil man keine Ahnung hat, was hier gerade wirklich passiert und zum anderen, weil es einfach unheimlich gut in Szene gesetzt ist. Das ist endlich mal wieder eine Horror-Serie, die tatsächlich gruselt.

Doch wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, rede ich immer vom „Anfang“, von „zu Beginn“… denn so nach sechs von zehn Folgen endet die fiktive Doku-Serie „My Roanoke Nightmare“ und die restlichen Folgen beschäftigen sich mit deren zweiter Staffel „Three Nights in Hell“, wo die Darsteller auf diejenigen treffen, die sie wirklich spielen und drei Tage in dem Haus verbringen sollen. Ein netter Twist, der dann allerdings ein bisschen an Reiz verliert, weil er a) zu „Blair Witch“ wird – sprich Wackel-Kameras, viel Gekreische und b) weil er ungewöhnlich hart und brutal wird. Während der Anfang der sechsten Staffel zwar auch brutal war, hatte er wenigstens noch Atmosphäre, hat uns Gänsehaut beschert, bevor irgendwas Krasses passierte. Der zweite Teil verzichtet auf die Atmosphäre, die Gänsehaut und haut gleich voll rein. Dazu kommt eine ständig furchtbar kreischende Sarah Paulson, die mir irgendwann echt auf den Keks ging. Sprich: der zweite Teil hat mich ein wenig sehr aus der Bahn geworfen, und dennoch war auch das interessant. Denn immerhin spielen die Macher konsequent und gut mit dieser Doku-Soap-Idee.

Misery loves her knife….

Ich kann jetzt also wirklich nicht für die restlichen Staffel sprechen, sondern nur für Staffel 1, 2 und 6, aber ich fand es sehr angenehm, dass die Macher zu den alten Qualitäten der allerersten Staffel zurückgekehrt sind. Das kleine Setting des Hauses, die Abgeschiedenheit mitten im Wald bieten einfach schön viel Spielraum und machen aus dieser Serie – gerade zu Beginn (da ist es wieder) – eine wirklich gruselige Erfahrung, die dank der üblichen tollen Darsteller wirklich fesselt. Der zweite Teil hätte gerne auch etwas weniger brutal sein können, aber gut… irgendwie passt es dann auch zum Thema der Doku-Serie.

Alles in allem eine sehr unterhaltsame, sehr atmosphärische und gruselige Staffel. „American Horror Story“ hat sich ein wenig rehabilitiert, obwohl das vielleicht auch schon mit den Hexen, der Freak-Show oder dem Hotel hätte passieren können. Nur hatte mich bis jetzt nichts davon wirklich interessiert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Big Brother im Horror-Haus klingt nach etwas, das ich mir vielleicht auch tatsächlich anschauen würde)

Höhenangst

23. November 2016

Ich muss ja gestehen, dass ich immer nicht so ein großer Fan von Filmlisten bin, die mir jetzt die besten Filme aller Zeiten auflisten wollen. Ist zwar immer ganz nett, sowas mal zu lesen, aber es ist dann halt auch nur eine subjektive Liste, bei der man sicherlich einige Sachen gut findet, andere nicht oder auch gleich noch etwas vermisst. Aber es gibt sie nun einmal… und gerade bei alten Klassikern ist sich die Filmwelt ja schon recht einig, was da irgendwo in die Top 10 oder Top 3 gehört. Bis vor nicht all zu langer Zeit stand Orson Welles‘ „Citizen Kane“ auf Platz 1 – ein nachvollziehbarer Platz, wie ich finde. Vor allem wenn man bedenkt, wie sehr Welles in diesem Film die Mittel seiner Zeit verwendet und verbessert und damit zum Allgemeingut gemacht hat, wie sehr er auch vom rein Erzählerischen andere Wege gegangen ist. Wenn ich „Citizen Kane“ sehe, kommt mir das immer ein bisschen vor wie in einem Filmkurs, in dem halt alle Filmmittel erläutert werden. Das soll jetzt „Citizen Kane“ auf keinen Fall schlecht reden, sondern vielmehr zeigen, dass ich durchaus verstehen kann, warum man ihn so lange immer auf Platz 1 hatte.

Doch erstaunlicherweise wurde der Film auf einigen Listen vom Thron gestoßen. Musste Platz für einen anderen Film machen. Einen Film, der jetzt nicht unbedingt damit angeben kann, alles technisch Mögliche seiner Zeit gekonnt unter einen Hut gebracht zu haben – auch wenn er ebenfalls ein paar spannende Neuerungen hervorgebracht hat. Dieser neue Platz 1 ist vielmehr etwas ganz anderes… ein Film, der nahezu hypnotisch wirkt, der auch ohne stark ausgeprägte Handlung funktioniert, der einfach so perfekt Stimmung aufbaut und auch nach wiederholtem Male schauen, nichts von seinen Schauwerten und Spannungsmomenten verliert.

Und nach so viel langer Rede kommen wir dann endlich zu Alfred Hitchcocks „Vertigo“, in dem James Stewart als Scottie, ein pensionierter Polizist, der wegen seiner Höhenangst den Dienst quittiert hat (zumal deswegen bei einer anfänglichen Jagd über den Dächern von San Francisco auch ein anderer Beamter starb). Als Scottie von seinem alten Schulfreund Gavin (Tom Helmore) gebeten wird, seine Frau Madeline (Kim Novak) zu beschatten, nimmt Scottie den Fall nur widerwillig an. Scottie findet heraus, dass sich Madeline besonders für die längst verstorbene Carlotta Valdes interessiert – ohne zu wissen, dass sie ihre eigene Urgroßmutter ist, die sich in den Tod stürzte. Je länger Scottie an dem Fall arbeitet, desto näher kommt er auch Madeline – doch diese Liebe ist nur von kurzer Dauer, als Madeline sich in den Tod stürzt und Scottie sie aufgrund seiner Höhenangst nicht retten kann. Er verfällt in Depressionen, landet in der Irrenanstalt – und kaum ist er wieder draußen, trifft er auf Judy, die der verstorbenen Madeline bis aufs Haar gleicht (und was nicht passt, versucht Scottie zu ändern).

Blondinnen bevorzugt…

So… das war mal wieder furchtbar lang, tut mir Leid. Aber es ging halt auch irgendwie nicht kürzer, schließlich ist Hitchcocks „Vertigo“ auch vollgestopft mit verschiedenen Genres, sodass es mir immer schwerfällt, „Vertigo“ in eine Schublade zu packen. Denn auch wenn der Film immer gern als Thriller bezeichnet wird, steckt doch so viel mehr darin. Erst fängt es an wie jeder andere Detektiv-Streifen auch – in teilweise langen Einstellungen (ohne Dialog oder Monolog) verfolgen wir gemeinsam mit James Stewart Kim Novak. Dann wird’s unheimlich und mysteriös. Gekonnt spielt Hitchcock hier damit, uns und Scottie zu verwirren: Ist Madeline jetzt besessen von dem Geist ihrer Urgroßmutter oder einfach nur verrückt oder was ist das los? Danach wird aus dem Gruselfilm ein Drama, dass sich nach der Offenbarung des gemeinen Plots, dem Scottie (und auch wir) zum Opfer gefallen ist, noch einmal komplett dreht und eine ganz neue Seite beleuchtet, wobei Hitchcock immer darauf bedacht ist, seine Charaktere noch weiter auszubauen. Zumal hier die Frage nach Schuld und Sühne noch besser greifbar wird… und Hitchcock uns gleichzeitig auch in eine andere Position packt. Jetzt wissen wir nicht mehr genauso viel wie Scottie, sondern mehr… und warten, fassungslos vor Aufregung, wann er wohl dahinter kommt, was hier gespielt wird.

„Vertigo“ fängt somit mit einer Sache an und hört am Ende mit etwas ganz anderem auf. Bei jedem anderen Filmemacher hätte das gehörig in die Hose gehen können, aber Hitchcock balanciert den Film einfach von der ersten bis zur letzten Minute gekonnt aus. Und das ist ja längst nicht das Einzige, was „Vertigo“ auszeichnet… da wäre ja dann noch Hitchcocks meisterliches Geschick, Atmosphäre aufzubauen. Sei es durch den großartigen Soundtrack von Bernard Herrmann, der ähnlich hypnotisch ist wie der gesamte Film. Ich rede ja nicht oft über Soundtracks, aber der von „Vertigo“ ist umwerfend – der geht eine perfekte Symbiose mit den Bildern ein, in denen Hitchcock mit Farben spielt, uns mit dem Vertigo-Effekt Scotties Schwindelgefühle perfekt zeigt und an denen man sich im Allgemeinen einfach nicht satt sehen kann.

Ich habe „Vertigo“ jetzt echt schon mehrmals gesehen und kann ihn mir auch immer wieder anschauen, weil es wirklich ein großartiger Film ist. Ich kann schon verstehen, warum „Vertigo“ den Platz 1 hat – wenn ich die Wahl zwischen „Vertigo“ und „Citizen Kane“ hätte, würde ich dann doch Hitchcock vorziehen. Auch wenn ich sagen muss, dass ich Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ ein winzig kleines bisschen mehr mag…😉

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein grandioser, spannender, packender, aufregender, hypnotischer, perfekter Film!!!)

Der Lehrer der Klasse 3-E

21. November 2016

Ich hatte euch ja vor nicht all zu langer Zeit, einen Film namens „Assassination Classroom“ vorgestellt, in dem ein merkwürdiges Emoji-Tentakel-Monster zum Lehrer einer Klasse von Schüler wird, die zu Assassinen ausgebildet werden sollen, um eben jenes Emoji-Tentakel-Monster zu töten… damit die Erde nicht zerstört wird. Ja, genau, klingt verrückt, ist aber wirklich ein Film, der tatsächlich durchaus unterhaltsam war und viele sehr witzige und abgefahrene Momente hatte – aber auch einen fiesen Cliffhanger, damit auch alle, die Teil 1 gesehen haben, brav Teil 2 schauen. Was ich jetzt endlich auch gemacht habe.

In „Assassination Classroom 2“ rückt der Abschluss der 3-E näher und damit auch der Moment, an dem sie ihren Lehrer entweder töten oder ihn nicht töten und damit das Ende der Welt heraufbeschwören. Doch mittlerweile ist das mit dem Töten immer schwerer, schließlich mögen wir dieses Viech inzwischen. Und als wir dann auch noch seine Geschichte erfahren, wie er zu diesem Wesen wurde, haben wir sogar fast Mitleid, aber nur fast… denn das Tentakel-Monster war früher mal ein gemeingefährlicher Auftragskiller, der geschnappt und für fiese Experimente missbraucht wurde und am Ende aus Liebe zu einer Frau, deren Schüler unterrichtete.

Der Schleim geht nie wieder aus den Haaren

Jupp… „Assassination Classroom 2“ setzt genau dort an, wo der erste Teil aufhörte. Und dennoch gibt es eine kurze und bündige fünf Minuten Zusammenfassung, die das Gucken von Teil 1 fast nichtig macht. Wenn da nicht die kleine, aber feine Tatsache wäre, dass Teil 1 einen Ticken besser ist als Teil 2.

„Assassination Classroom 2“ lässt ein bisschen den unerwarteten Charme und das Verrückte seines Vorgängers vermissen. Wahrscheinlich liegt das aber auch einfach nur daran, dass ich jetzt vorbereitet war. Zum Teil stimmt das auch, aber tatsächlich ist Teil 2 allgemein einfach sehr viel ruhiger. So viel verrücktes Chaos gibt es in diesem Film gar nicht. Unser Emoji-Tentakel-Monster verhält sich ruhiger und gelassener als im ersten Teil, aber auch einfach weil das Ermorden des Monster und dessen ulkige Verteidigungsmethoden nicht mehr im Vordergrund stehen.

Stattdessen gibt’s quasi die Origin-Story… und die ist etwas platt. Bei einem derartig irrsinnigen Konzept, wie „Assassination Classroom“ es uns vorstellt, hätte ich mir da doch ein bisschen mehr erhofft als nur diese Geschichte von einem Experiment. Zudem wird diese Rückblende auch sehr simpel erzählt: Erzähler-Stimme und klassisch von A nach B – inklusive allem, was wir sonst auch gewohnt sind: größenwahnsinniger Wissenschaftler, der einem Todgeweihten Fähigkeiten übertragen will, der sich dabei in eine Frau verliebt, für die er dann seine Kräfte einsetzt (steckt da etwa Deadpool unter dem gelben Grinse-Gesicht???).Irgendwie hätte ich mir da ein bisschen mehr gewünscht.

Danach gibt dann das ganze Konzept dieser kleinen Reihe: Jetzt wollen die Schüler ihrem Lehrer helfen. Hier zieht sich der knapp 2-Stunden-Film dann noch einmal ein wenig. Nach der etwas zu langen Origin-Story kommt nun die Wir-finden-eine-Lösung-um-unserem-Lehrer-zu-helfen-Montage. Und erst zum großen Finale kommt dann wieder ein bisschen Leben in die Bude.

Zum Finale holt Regisseur Eiichiro Hasumi dann nochmal alles raus und liefert uns einen coolen Kampf, der dem Emoji-Tentakel-Monster-Lehrer gerecht wird. Hier geht’s ordentlich zur Sache, unser Monster bekommt einen verdammt coolen Gegner und einen sehr schönen emotionalen Abschluss.

Letztendlich stolpert „Assassination Classroom 2“ ein bisschen daran, dass so viele verschiedene Töne angeschlagen werden: der Spaßfaktor aus Teil 1 ist hauptsächlich noch am Anfang zu spüren, danach wird der Film in der Origin-Story zunehmend düsterer, bevor er dann wieder so einen leicht albernen Kinderfilm-Touch bekommt, bevor es wieder düstere Action gibt. Eine geradere Linie hätte dem zweiten Teil 2 schon ganz gut getan.

Es ist dennoch ein netter Abschluss, der auch nicht zu sehr enttäuscht, wo man aber auch denkt: „Okay, gut, dass es jetzt vorbei ist!“😉

Wertung: 6 von 10 Punkten (vielleicht schaue ich irgendwann mal in die Anime-Serie rein😀 )

Blogparade: Kill them off!!!! 10 Most Hated Characters

20. November 2016

Es ist wieder Blogparaden-Zeit – und natürlich kommt diese wieder von der Königin der Blogparaden. Und wie die Überschrift unschwer erkennen lässt, geht’s dieses Mal nicht um die Charaktere, die wir vom Fleck weg heiraten würden. Nein, dieses Mal brauchen wir zehn Charaktere aus TV-Serien, denen wir lieber gestern als heute „Auf Nimmerwiedersehen!“ sagen würden, die wir hassen, die uns nerven, von denen wir einfach nur wollen, dass sie verschwinden.

Und hier sind dann meine Damen und Herren…

Alex Krycek – The X-Files

krycek

Alex Krycek wurde irgendwann in der zweiten Staffel von „Akte X“ eingeführt, als Scully gerade noch in den Weiten des Alls (oder in den Lagerhallen des Militärs) von vermeintlichen Außerirdischen Experimenten unterzogen wurde. Und ich mochte Krycek schon da nicht, vielleicht weil ich Angst hatte, er würde Scully ersetzen. Aber als Krycek sich dann noch als Verräter und Handlanger des Krebskandidaten offenbarte, war’s vorbei. Der Krebskandidat war wenigstens ein Mann von Prinzipien, Krycek nur ein billiger Handlanger, der mir einfach nur auf den Keks ging.

Joffrey Baratheon – Game of Thrones

joffrey

Ich habe lange überlegt, ob ich nicht doch lieber Ramsay Bolton nehmen sollte, aber das kleine Arschloch Joffrey war in „Game of Thrones“ nun mal der erste wirklich hassenswerte Charakter und das will ich hiermit auch würdigen. Immerhin hat mir selten ein TV-Tod so viel Zufriedenheit geschenkt wie seiner.

 

Freddy Lounds – Hannibal

lounds

Schon meine Kritik zu ersten Staffel von „Hannibal“ fing damit an, dass ich meinen Hass gegenüber der Journalistin Freddy Lounds offen aussprach. Zitat: „Die nervt wirklich wie eine Schmeißfliege, taucht immer zum falschen Zeitpunkt auf und hat so gefühlt keinen wirklichen Nutzen für die Serie, die sicherlich auch ohne sie überleben würde.“ Mehr muss ich dazu jetzt wohl nicht sagen, oder?

Andrea Harrison – The Walking Dead

andrea

Oh mein Gott… Andrea aus „The Walking Dead“. Was war ich froh, dass die endlich weg war. Nicht nur hatte man die Andrea aus den Comics zu einer ganz anderen Person werden lassen, nein, dann hat man sie auch noch so beschissen gemacht – ich meine, warum hat sie diese merkwürdige „Affäre“ mit dem Governor in der dritten Staffel. Allein das hat schon fast ausgereicht, aber Andrea war einfach für sich anstrengend in der Serie. Was war ich froh darüber, dass es sie in der Serie irgendwann nicht mehr gab. Und ich habe sie seitdem auch nicht vermisst.

 

Megan Fisher – Wayward Pines

megan

Jetzt mochte ich die erste Staffel von „Wayward Pines“ ja schon nicht, weil die Bücher schon ziemlich schlecht gewesen sind. Aber die Lehrerin Megan Fisher setzt dem Ganzen noch den Hut auf. Sie ist eine Erfindung für die Serie und strapazierte meine Nerven noch mehr als der Rest der Serie.

William Bell in Olivia Dunhams Körper – Fringe

bell

Ich gucke gerade wieder „Fringe“ und wenn ich das nicht getan hätte, hätte ich William Bell in Olivias Körper vergessen. Bell, gespielt von Leonard Nimoy, stirbt, aber seine Seele übernimmt irgendwann in der dritten Staffel für eine gewisse Zeit den Körper unserer taffen FBI-Agentin Olivia. Und auch wenn ich Anna Torv dafür bewundere, wie gut sie Nimoy imitieren kann, fand ich diese besessene Olivia mit Bell einfach nur anstrengend und konnte es gar nicht abwarten, bis Bell endgültig wieder verschwunden war.

 

Elektra Natchios – Daredevil

elektra

In der zweiten Staffel von „Daredevil“ gibt es eine gute Neuerung und eine schlechte. Die gute ist Jon Bernthal als der Punisher. Die schlechte Neuerung ist Elodie Young als Elektra. Das Problem war einfach, dass der Punisher ihr komplett die Show gestohlen hat und sie mich einfach nicht interessierte. Vielleicht hätte man sich Elektra für eine andere Staffel aufheben sollen, aber in Staffel 2 wurde sie mir zu anstrengend.

Skyler White – Breaking Bad

"Breaking Bad" - "Ozymandias"

Hut ab vor Anna Gunn! Sie hat die Skyler White aus „Breaking Bad“ wirklich so überzeugend nervtötend und hassenswert gespielt, dass sie eigentlich meine heimliche Nummer Eins ist. Ich weiß nicht, wie oft ich mir gewünscht hätte, Walter White würde sie mal so richtig zur Schnecke machen. Aber so sehr ich sie gehasst habe, so sehr habe ich auf verstanden, warum sie wichtig für die Serie war.

Nikki und Paolo – LOST

nicki

Ich hätte ja auch Claire aus „LOST“ nehmen können, fand ich sie auch stellenweise echt anstrengend und überflüssig. Aber wenn ich jemanden wirklich gehasst habe, dann Nikki und Paolo. Was nicht einmal deren Schuld ist, sondern die Schuld der Macher. Warum muss man mir auf einmal zwei neue Charaktere präsentieren? Denen auch noch eine komplette Folge – inklusive Rückblenden – schenken? Was war ich froh, wirklich froh, als die beiden am Ende einfach schnell wieder beerdigt wurden. Nikki und Paolo sind wirklich der große Schandfleck von „LOST“.

Emily Waltham – Friends

emily

Ross Gellers zweite Ehefrau aus „Friends“ war ein Miststück. Ja, okay, mit viel Mitgefühl kann man vielleicht sogar Verständnis für sie aufbringen. Aber das will ich gar nicht. Emily war ein Miststück… fertig!

 

Das waren sie, meine Hass-Kandidaten. Wer auch noch seine Liste zusammenstellen will, hat bis Ende November Zeit dafür. Nach so viel Hass gehe ich jetzt mal ein paar Häschen streicheln oder so…

Viva el rey!

18. November 2016

Lang lebe der König! Aber wenn der König, ein gesuchter Drogenlieferant ist, wird das mit dem langen Leben etwas schwierig. Wenn wir jedoch eins aus der ersten Staffel „Narcos“ gelernt haben (neben den ganzen Schimpfwörtern und den Anfängen des äußerst erfolgreichen Kokainschmuggels), ist Pablo Escobar ein König gewesen, der gut auf sich aufpassen konnte. Der selbst im Gefängnis noch besser lebte als jeder König. Das war schon alles verrückt, was uns Staffel 1 da offenbarte: Der Typ geht freiwillig in ein selbstgebautes Gefängnis… ich sag’s ja, wenn es nicht wahr wäre, würde man es alles nicht glauben. Denn in Staffel 2 spaziert dieser Pablo Escobar aus dem Gefängnis, das von der Armee umstellt ist. Und der König wandert einfach durch die Massen und geht in Ruhe nach Hause.

Nur wirklich Ruhe gibt es in Staffel 2 für Pablo Escobar (Wagner Moura) nicht. Denn jetzt wird er gejagt wie noch nie zuvor. Nicht nur hängen ihm die DEA-Agenten Pena (Pedro Pascal) und Steve Murphy (Boyd Holbrook) an den Backen, auch ein feindliches Kartell, angestachelt von der Witwe eines Opfers von Pablo, Judy Moncada (Christina Umana), wollen den lästigen Pablo loswerden.

Der König der schicken Pullis

„Narcos“ bleibt sich auch in Staffel 2 treu und beeindruckt durch die gekonnte Mischung von Dokumentation und Fiktion. Aber wie schon anfangs erwähnt, fand ich die zweite Staffel einfach nochmal so viel spannender als die erste. Was vor allem an dieser Hetzjagd auf Pablo liegt. Und den Folgen, die sie hat. Staffel 2 macht nämlich alles noch ein wenig krasser. Die Regierung ist verzweifelt, die Polizei und das Militär ist wütend – so wütend, dass sie nicht einmal vor dem Mord an Kindern zurückschrecken (ja, ein Altbekannter aus Staffel 1 sorgt so dafür, dass seine Botschaft auch wirklich Pablo erreicht und der sich auch in die Hose machen sollte). Alle in dieser Staffel wollen Pablo Escobar… die Staffel lebt von dieser Hektik, von der Verzweiflung, der Anspannung: Ist Informant X zuverlässig? Können sie Escobar dieses Mal schnappen? Entkommt er doch? Und wenn ja, wie? Jede Folge ist ein Rennen gegen die Zeit, jede Folge ist auch damit verbunden, dass sich die drei unterschiedlichen Parteien – Escobar, seine Feinde und die Regierung – wirklich nichts schenken. Ermordet die eine Seite jemanden, schlägt die andere knallhart zurück.

Spannend fand ich aber auch die Entwicklungen der einzelnen Charaktere, vor allem aber die von Agent Javier Pena. Ich mochte ihn und auch Pedro Pascal schon in der ersten Staffel, nur sticht er jetzt noch sehr viel mehr hervor. Denn Pena geht einen Deal mit dem Teufel ein, um einen schlimmeren Teufel zu jagen. Pena wird durch seine Taten zu interessantem Diskussionsstoff: sollen wir gutheißen, dass er auf illegale Weise versucht, etwas Gutes zu tun? Oder tauscht er letztendlich nur das eine Übel durch ein neues aus? Aber hier sehen wir einfach einen Mann am Rande der Verzweiflung, der von seinen eigenen Taten gequält wird, aber keinen anderen Ausweg sieht. Javier Pena wird in Staffel 2 von „Narcos“ zur interessantesten Figur.

Was natürlich nicht heißen soll, dass ein Wagner Moura plötzlich aus dem Rampenlicht der Serie verschwindet. Auch wenn er am Ende stirbt, zieht Pablo Escobar sein Ding bis zum letzten Atemzug durch. Dieser Mann kam aus dem Nichts und wurde zum König. Und als solcher wehrt er sich mit allen Mitteln.

Mit Madame Moncada und dem Cali Kartell kommen ein paar neue Spieler aufs Feld, die der zweiten Staffel dann noch einmal zusätzlich Zündstoff geben – da sich vor allem die Männer des Kartells ungern was von der taffen Moncada sagen lassen. Hier spielt sich eigentlich schon eine zweite Geschichte ab, die darauf hindeutet, was uns in einer dritten Staffel erwarten könnte.

Die zweite Staffel „Narcos“ ist eine packend erzählte Hetzjagd, die nicht nur von der grandiosen Inszenierung lebt, sondern dieses Mal noch viel mehr durch die Charaktere. Jetzt geht es weniger um Escobar, sondern um seine Jäger – was eine gute Abwechslung liefert. Staffel 3 kann gerne kommen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (die Seiten zwischen Gut und Böse verwischen, zum Wohle aller, wie es scheint)

Alles für Jenny

16. November 2016

Ich muss ganz ehrlich sein, ich kann mittlerweile schon ein bisschen mehr nachvollziehen, warum die 80er Jahre einen Film wie „Stirb Langsam“ so dringend gebraucht haben. All diese Seagals, Stallones und Schwarzeneggers dürften dem damaligen Kinozuschauer mit Sicherheit irgendwann auf den Geist gegangen sein. Da wurde schon gar keine großartige Story mehr erzählt, Hauptsache Actionheld XY rennt blindlings in den Kampf, ballert alle tot, ohne jedoch selbst auch nur eine einzige Kugel abzubekommen. Was muss ein kleiner, normal wirkender John McClane damals nur für einen Eindruck auf die Zuschauer gemacht haben? Ein Typ ohne Schuhe, ohne Raketenwerfer, ohne Gott-Modus – das Einzige, was sie diesem Typen noch ließen, waren die Einzeiler. Ach ja, „Stirb Langsam“ ist in so vielerlei Hinsicht ein grandioser Film. Aber darum soll’s jetzt nicht gehen, sondern um einen dieser 80er-Jahre-Vertreter des Actiongenres mit Held XY im Gott-Modus, der einfach alle kaputt macht. Und wer könnte das besser als Schwarzenegger, Arnold Schwarzenegger als John Matrix in „Phantom Kommando“.

Eigentlich wollte der gute John doch nur seinen Ruhestand mit Töchterchen Jenny (Alyssa Milano) genießen. Nur wird daraus leider nichts, als jemand alle Mitglieder seines ehemaligen Einsatzkommandos eliminiert. Ein ehemaliger Diktator, der von Johns Team gestürzt wurde, will, dass John den neuen Präsidenten von Val Verde tötet, um selbst wieder die Regierung übernehmen zu können. Als Sicherheit, dass John macht, was er machen sollen, entführt dieser schmierige Diktator mit Hilfe von Johns sadistischem Ex-Kollegen Bennett (Vernon Wells) die kleine Jenny und setzt John in ein Flugzeug nach Val Verde. Aus dem der natürlich entfliehen kann und sich mit Hilfe der Stewardess Cindy (Rae Dawn Chong), jeder Menge Muskelkraft, noch mehr Waffen und viel zu vielen dummen Einzeilern auf den Weg macht, um Jenny zu befreien – und alle anderen zu töten.

Der Predator hatte nie eine Chance

Man darf „Phantom Kommando“ wirklich nicht zu ernst nehmen, sonst gerät man mit diesem Film ziemlich schnell in Schwierigkeiten. Aber wiederum, wie kann man diesen Film nur ernst nehmen, der mehr oder weniger mit einer Happy-Family-Montage anfängt, in der Arnold Schwarzenegger verzweifelt versucht, den glücklichen Daddy zu spielen, sich von Alyssa Milano Eis ins Gesicht drücken lässt und gemeinsam mit ihr ein Reh füttert. Ganz ehrlich, allein dieses Bild von Milano, Schwarzenegger und dem Reh gehört eigentlich ausgedruckt und übers Sofa gehängt: Wenn das nicht Familienidylle schreit, weiß ich auch nicht… überhaupt ist der knuffige Schwarzenegger als Daddy einfach nur herrlich… wenn er dann seiner Tochter auch noch erklärt, dass damals in Ostdeutschland Rock’n’Roll als subversiv betitelt wurde – ganz ehrlich, der ganze Film hätte nur aus solchen Szenen bestehen können. Herrlich, und dann sag mal noch einer, Schwarzenegger wäre nicht schon damals ein großartiger Schauspieler gewesen.😀😀😀

Okay, ich versuche wieder ernst zu bleiben, obwohl ich allein beim Gedanken an die ersten zehn Minuten von „Phantom Kommando“ immer noch in schallendes Gelächter ausbrechen könnte. Aber wir wollen ja nicht den Rest des Films vergessen… der nach Jennys Entführung ein bisschen hinkt. Und das nicht, weil Schwarzenegger nur dumme Sprüche klopft (und dabei ein paar echte Klassiker raushaut), mit Stewardess Cindy einen recht eigenwilligen Side-Kick bekommt oder kaum jemanden wirklich vermöbelt – nein, am schlimmsten ist hier der Soundtrack von James Horner. Obwohl der Mann später den Oscar für die Musik zu „Titanic“ nach Haus tragen durfte, ist seine Musik zu „Phantom Kommando“ einfach nur grausig. Wer Steel Drums schlimm findet, der wird sie nach diesem Film hassen. Wer überhaupt auf die Idee kam, dass Steel Drums das passende Instrument für einen Schwarzenegger-Action-Film wären, gehört bestraft.

Aber gut, man übersteht auch das… irgendwann erweist sich Cindy auch noch als tolle Piloten und fliegt Arnie dahin, wo er hingehört und wo er dann tut, was ein Mann tun muss: Auch Arnie hat besondere Fähigkeiten, die er einsetzt, um den Entführern seiner Tochter so richtig eins reinzuwürgen. Und so wird das Finale von „Phantom Kommando“ dann so ein richtig schönes Gott-Modus-Kill-Fest: Arnies Munitionsgurt wird nie leer, die Granaten landen immer an der richtigen Stellen und egal, wie viel Gegner auch kommen, gegen die Ein-Mann-Armee Schwarzenegger ist kein Gras gewachsen. Regisseur Mark L. Lester zelebriert hier die männliche Männlichkeit Schwarzeneggers mit mehreren Nahaufnahmen von dessen mächtigen Oberarmen, die die schwere Gerätschaft wuchten, mit der Arnie auch gleich das Ende der Welt herbeirufen könnte. „Phantom Kommando“ wird zu einem riesigen Feuerwerk, dessen Maestro Arnie mittendrin ist.

Ach ja, „Phantom Kommando“ hat irgendwie alles, was ein trashig-guter Schwarzenegger so braucht. Plus dem nach wie vor schönsten Familien-Foto aller Zeiten… Arnie, Alyssa und das Reh. Herrlich.

Harmonie in Perfektion

Wertung: 7 von 10 Punkten (muss man mögen, dann macht’s auch Spaß)