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Fantastic 4 X-Men-Avengers

24. September 2021

Ich habe dank meiner Filmreise Challenge, die ich vor einiger Zeit gemacht habe, ein bisschen das moderne russische Kino für mich entdeckt: „Coma“ hat mich da echt fasziniert. Zuletzt habe ich dann „Why don’t you just die!“ gefeiert und bin seitdem immer auf der Suche, was Filme aus Russland angeht. Dabei fiel mir neulich ein, dass es doch mal vor ein paar Jahren diesen einen Trailer gab… zu einem russischen Superhelden-Team. Ich hatte mir den Film damals vorgemerkt, dann aber auch wieder vergessen. Jetzt wollte ich den aber dringend nachholen… und so habe ich mich dann an „GUARDIANS“ gewagt – ich meine, der Trailer hatte einen riesigen Bärmann. Was kann da schon falsch gehen?

Die Geheimorganisation „Patriot“ wird während des Kalten Krieges aufgebaut und soll mit Hilfe von Genforschung Supermenschen heranzüchten. Das Projekt ist auch tatsächlich erfolgreich, sehr zum Ärger von Professor August Kuratov (Stanislaw Shirin), dessen eigene Experimente nicht funktionieren. Er tötet daraufhin seinen Konkurrenten und flieht, forscht im Geheimen weiter und kann nun in der Gegenwart zeigen, was er drauf hat (ach ja, und er hat auch Superfähigkeiten, weil er von atomarer Strahlung verseucht wurde). Jetzt will Kuratov mit seiner Klonarmee die Weltherrschaft. Um das zu verhindern, müssen die Guardians von damals wieder zusammengetrommelt werden (die altern ja dank ihrer Fähigkeiten auch nicht). Mayor Elena Larina (Valeriya Shkirando) soll das Team leiten. Nach kurzer Suche hat sie das auch gefunden: Anführer ist Ler (Sebastien Sisak), der Steine kontrollieren kann (jupp), dann hätten wir Arsus (Anton Pampushnyy), der sich in einen Bären verwandeln kann, Khan (Sanzhar Madiyev), der superschnell ist und Kseniya (Alina Lanina), die sich unsichtbar machen kann.

„Guardians“ sah vom Trailer her noch irgendwie witzig aus, wenn man sich aber den ganzen Film anschaut, hört der Spaß aber schnell auf. Irgendjemand in Russland hat sich wohl wirklich gedacht: „Okay, Superhelden scheinen gerade zu funktionieren. Das brauchen wir auch.“ Dann hat man sich Fantastic Four angeguckt, X-Men und einfach alles, was Marvel so rausgehauen hat und das alles miteinander vermischt. Steine-Schmeißer Ler ist eine Mischung aus das Ding und Magneto (nur eben mit Steinen), Arsus ist Beast und Hulk vereint, Khan ist einfach nur Flash meets Quicksilver mit ein paar cool aussehenden Klingen und Kseniya ist halt Sue Storm. Das Problem ist nur, das sieht alles einfach nicht wirklich gut. Der Einzige, der funktioniert, ist Khan… weil dessen Szenen schon stylish aussehen. Alles andere ist eher gruselig. Lers Stein-Zeug erinnert an „The Last Airbender“, wenn er da seine CGI-Brocken durch die Gegend wirbelt. Das Unsichtbar-Sein wirkt auch nicht und ganz, ganz schrecklich ist das CGI leider bei unserem Bär-Mann Arsus. Wenn der dann später auch noch in Beast-Mode geht, sieht sein Bär eher wie ein trauriger Pixelhaufen aus.

Der Film hätte irgendwie Spaß machen können, wenn man zumindest eine Team-Dynamik und eine halbwegs nachvollziehbare (innerhalb einer Welt von Gen manipulierten Supermenschen) Story entwickelt hätte. Aber das Team kommt nie so richtig zusammen, auch deren emotionale Szenen sind eher albern. Jeder von ihnen bekommt irgendein Trauma angedichtet, aus dem aber auch nicht viel gemacht wird. Und als Team sieht man sie auch nur selten kämpfen. Auch diese Patriot-Organisation kommt nicht an SHIELD heran… obwohl Valeriya Shkirando stark versucht, Sam Jacksons Nick Fury zu kopieren. Leider sieht sie in ihrer engen Lederkluft mit dem steinernen Gesichtsausdruck und den zurückgegelten Haaren eher wie eine Domina aus.

Die Story zu all dem russischen Superhelden-Gedöhns ist leider auch sehr 08/15: Schurke will Weltherrschaft. Ist ja okay, aber dann hätte das Ganze in sich logischer sein müssen. Ich habe nie so ganz den Plan verstanden – weder den der Guardians noch den von Kuratov. Aber es hat irgendwas mit einem alten Satelliten zu tun und einer riesigen Antenne und dadurch geht dann die Welt unter. Ich hätte mir einfach eine gradlinigere Story gewünscht, weniger Rumgelaber (das in diesem Film leider eh zu nichts führt) und mehr Action. Das Konzept hinter den „Guardians“ kann man schon unterhaltsam umsetzen, leider scheitert der Film daran (und ist trotzdem selbstbewusst genug, eine Midcredit-Scene einzufügen, die jemanden namens „Ferrum“ anteasert – Hut ab!)

Mit „Guardians“ werden die Russen Marvel definitiv nicht den Rang streitig machen. Dafür müssen sie noch ein bisschen üben. Aber man kann dem Versuch nur applaudieren…. Ganz langsam natürlich nur.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nett zusammengeklautes Superhelden-Filmchen, aus dem man echt hätte was machen können)

Das Chaos hinter SCDP und CGC

22. September 2021

Sechs Staffeln „MAD MEN“ habe ich jetzt mittlerweile hinter mir. Anfangs hätte ich ja nicht mal ansatzweise daran geglaubt, dass ich diese Serie durchhalte. Gerade die erste Season hat mich sehr auf die Probe gestellt, mich dann aber gerade zum Ende hin doch für all mein „Leiden“ entschädigt. So langsam nähere ich mich dem Ende… und Staffel 6 hat mir einfach auch gezeigt, dass dieses Ende jetzt zum richtigen Zeitpunkt kommt. Denn das erste Mal seit der ersten Staffel bin ich mal nicht sooo begeistert von der Serie.

Das Leben von Don Draper (Jon Hamm) wird chaotischer. Seine Frau Megan (Jessica Paré) beginnt ihre Karriere als Schauspielerin, während Don einfach mal eben seine Affäre mit der Nachbarin (Linda Cardellini) beginnt. Bei Sterling Cooper Draper Pryce gibt es Zuwachs. Die Konkurrenz Cutler Gleason Chaough wird mal eben eingegliedert, wodurch Peggy (Elisabeth Olsen), die ja eigentlich Don verlassen hatte, wieder zurückkehren muss. Das Arbeitsklima in der Firma wird deutlich angespannter, gerade auch weil Ted Chaough (Kevin Rahm) immer wieder mit Don aneckt. Trudy (Alison Brie) schmeißt endlich mal Pete (Vincent Kartheiser) vor die Tür (worauf ich echt schon lange gewartet) und Sally (Kiernan Shipka) entdeckt ein dunkles Geheimnis ihres Vaters.

„Mad Men“ war schon immer eine Serie, die uns viele Charaktere präsentierte und uns in deren Privat- und Arbeitsleben eintauchen ließ. So konnte man sich herauspicken, wem man wie nahe stand. Im Zentrum von allem steht natürlich ein Don Draper, aber es gibt zahlreiche Leben, die darum herum kreisen. Bislang hat mich das immer sehr bei Laune gehalten, gerade weil die Serie dabei diesen Mann Don Draper mit jeder Staffel ein bisschen mehr dekonstruierte. In Staffel 6 war ich das erste Mal nicht mehr so ganz sicher, was man mir eigentlich zeigen wollte. Diese ganze Affäre mit der Nachbarin fand ich etwas surreal… vor allem, wenn wir dann diese eine „Fifty Shades of Grey“-Folge haben, in der Don sie im Hotelzimmer einsperrt und sie direkt dominieren will. Zugegeben, die Folge fand ich an sich sehr gut, weil es uns gezeigt hat, wie Don seine Frauen eigentlich am liebsten hätte und wir durch die Rückblenden mit seinem Leben im Bordell auch erfahren, woher vieles davon kommt. Aber insgesamt fand ich Don in dieser Staffel dennoch etwas langweilig. Sein Privatleben war noch spannend, aber gerade das Arbeitsleben war mir ein bisschen zu viel.

Wie lange sie auch die Sache mit Megan am Leben halten, hat mich ein wenig erstaunt. Ich hätte echt gedacht, dass diese Ehe nicht so lange hält, wie sie es getan hat. Auch wenn man das ja nicht wirklich Ehe nennen kann. Das macht Staffel 6 immerhin ganz gut: Uns zeigen, wie die Beiden auseinander wachsen… eben weil Don sie nicht so dominieren kann, weil sie nicht so abhängig von ihm sein muss, wie er das vielleicht gerne hätte.

Ich weiß auch immer noch nicht so recht, wie ich diesen Merger finden soll. Statt zum Ende der Serie sich nochmal auf die Kern-Charaktere zu kümmern, kommen einfach noch mal ein Haufen neuer Leute dazu. Mir persönlich war das dann doch ein bisschen zu viel, zu viel Drama, zu viel Blabla, zu viel Chaos. Gerade auch, weil mich die Leute von CGC – abgesehen von Peggy – nicht so wirklich interessieren. Ich hätte es schöner gefunden, wenn wir auf die uns schon bekannten Charaktere einfach konzentriert hätten. Immerhin ist es stark, was das Ganze nochmal aus Elisabeth Olsen und ihrer Peggy rausholt. Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr sie auch nach all dieser Zeit in diesem Verein für ein wenig Anerkennung ihrer Arbeit kämpfen muss. Peggy Olsen ist für mich neben Don immer noch eine der spannendsten Figuren, leider geht sie mir in Staffel 6 hier und da auch ein bisschen unter.

Staffel 6 zeigt einfach – in meinen Augen – ein paar erste Ermüdungserscheinungen. Vieles scheint sich zu wiederholen. Ich mag immer noch, wie die Serie die Zeit einfängt, in der all das spielt: Die Ermordung Kennedys, Proteste der Schwarzen auf den Straßen… das fließt nach wie vor gut in die Serie ein. Aber so das große Ganze wirkt langsam etwas einschläfernd. Ich finde, man hat mit den Charakteren schon alles erreicht, was man erreichen konnte. Sie wurden schon gut psychologisch auseinander gepflückt. Ich hoffe einfach, dass die letzte, siebte Staffel dem Ganzen ein würdiges Ende geben kann.

Wertung: 7 von 10 Punkten („Mad Men“ wird langsam etwas hervorsehbar, dank der guten Darsteller ist man aber immer noch gerne bei all dem Drama mit dabei)

Jigsaw Copycat

20. September 2021

Comedians sind die neuen Horror-Meister. Jordan Peele hat gut damit angefangen und gezeigt, nur weil er mit Comedy groß geworden ist, heißt das nicht, dass er uns nicht auch wunderbar das Fürchten lehren kann. Irgendwann folgte dann Danny McBride (obwohl ich mich immer schwer tue, ihn als Comedian zu betrachten – weil ich sein Werken kaum kenne), der gemeinsame Sache mit David Gordon Green machte, um Michael Myers einen neuen Anstrich zu verpassen. Jetzt haben wir den nächsten Komiker, der auf Ernst macht. 2017 endete die große Saw-Reihe mit dem Film „Jigsaw“, der jetzt bei weitem nicht gut war und auch gerne der letzte Film der Reihe hätte sein können. Doch da kam irgendwann auf einmal Chris Rock um die Ecke und wollte das Saw-Franchise neubeleben. Er holte dafür sogar Darren Lynn Bousman hinter die Kamera, der Regisseur, der damals nach dem ersten Film von James Wan übernahm und sich mit dem wirklich sehenswerten „Saw 4“ dann wieder verabschiedete. Doch was ist jetzt dieses „SAW: SPIRAL“… oder besser gesagt: „SPIRAL: FROM THE BOOK OF SAW“? Was ist dieses Buch von Saw? Hat John Kramer seine Memoiren geschrieben, während wir alle nicht auf eine Fortsetzung der Saw-Reihe gewartet haben? Wir werden es nie wissen.

Detective Zeke (Rock) ist in seiner Abteilung nicht gerade angesehen. Er ist dafür verantwortlich, einen Kollegen hinter Gitter gebracht zu haben, der gelogen hatte. Also kriegt Zeke nur noch die doofen Sachen… wie jetzt den vermeintlichen Tod eines Obdachlosen. Gemeinsam mit seinem neuen Partner Schenk (Max Minghella) untersucht Zeke das Ganze… doch der Obdachlose ist in Wirklichkeit ein korrupter Cop. Und auf einmal stehen Zeke und Schenk vor einer Mordserie an Cops, die Justiz gerne mal etwas breiter definieren, als sie es eigentlich sollten. Der Killer der Cops ist dazu inspiriert von den Taten eines John Kramers und stellt seine Opfer mit fiesen Fallen vor die Wahl: Leben oder Tod… die Spiele beginnen erneut erneut.

Man muss es direkt wirklich noch einmal betonen: „Saw: Spiral“ ist tatsächlich nur eine Art Spin-Off. Es gibt hier keinen Jigsaw-Killer mehr, Tobin Bells ikonischer Charakter ist ja nun schon vor langer Zeit gestorben und wir haben es in diesem Film wirklich nur mit einem Copycat zu tun. Und das ist dann auch der Film selbst… ein Copycat. Leider aber nicht sonderlich gut.

Was man „Spiral“ anrechnen kann, ist die Tatsache, dass sie sich einmal mehr wirklich sehr eklige Fallen ausgedacht haben. Meine Güte, das war schon beim Zugucken teilweise so extrem unangenehm… wenn ich nur versuche, daran zu denken, läuft es mir kalt den Rücken runter. So kreativ die einzelnen Fallen auch sind, so sehr hier Zungen auf interessante Weise gepierct, Finger gestreckt und Gesichter gewachst werden (um mal ein paar Sachen zu zitieren, ohne zu viel zu spoilern), so sehr juckt es am Ende doch niemanden. Obwohl Darren Lynn Bousman als Regisseur ein paar sehenswerte „Saw“-Filme gedreht hat, hat man bei „Spiral“ das Gefühl, es wurde mehr Zeit in die Fallen investiert als in den Rest. Für Gore-Fans sind die Fallen in diesem neunten Saw-Film auf jeden Fall sehenswert, bleiben aber leider das blutige Highlight des Films.

Das liegt einfach auch daran, dass diese Jagd nach dem neuen Killer ziemlich unspektakulär verläuft. Was wiederum der Tatsache geschuldet ist, dass jeder aufmerksame Zuschauer den Plottwist nach zehn Minuten durchschaut hat. Aber weil das Drehbuch am Ende doch auf Nummer Sicher gehen möchte, wird uns das im Finale alles noch einmal in aller Ausführlichkeit erklärt – was leider ziemlich unnötig ist. Doch so schleppt sich die „Story“ des Film so dahin… erklärt uns all die „dirty cops“ und wie Zeke zu ihnen steht. Dadurch gerät das Investigative des Thrillers weit in den Hintergrund und es wird mehr so ein Versuch (wie bei „Candyman“ letztens auch) Polizei-Gewalt und Korruption zu thematisieren, ohne es so richtig zu thematisieren. Dafür ist das Ganze halt immer noch als Horror-Thriller gedacht und nicht als Cop-Drama. Leider hat das nur niemand dem Film-Team gesagt.

Chris Rock gibt sich alle Mühe und ist eigentlich auch gut in der Rolle (sein Stand-Up-Monolog zu „Forrest Gump 2“ am Anfang des Films ist herrlich), aber das große Ganze funktioniert einfach nicht so richtig. So wird „Saw: Spiral“ zu absoluter Durchschnittsware, die sich auch nur darauf ausruht, den Namen eines einst großen Horror-Franchise zu tragen. Schade…

Wertung: 4 von 10 Punkten (brutales, aber sonst eher unspektakuläres Spinoff zu einer Reihe, die man einfach ruhen lassen sollte)

Random Sunday #63: The Sirens of Titan

19. September 2021

Kurt Vonnegut war mir vor „Slaughterhouse-Five“ nie ein Begriff gewesen. Und obwohl ich seinen aus der Zeit gerissenen Billy großartig finde und den Roman mittlerweile sogar schon zwei oder drei Mal gelesen habe, bin ich nie dazu übergegangen, mal was anderes von Vonnegut zu lesen. Damit musste jetzt mal Schluss sein, denn Vonnegut schreibt zu gut, als das nicht auch seine anderen Bücher mal gelesen werden müssten. Ich entschied mich daraufhin mal, mir seinen zweiten Roman vorzuknöpfen… denn sehr oft las ich, dass „THE SIRENS OF TITANS“ zu einem seiner großen Werke gehört, das man gelesen haben sollte. Und nachdem ich es förmlich verschlungen habe, kann ich nur sagen: „Jupp, das sollte man gelesen haben. Wer Slaughterhouse-Five mochte, wird auch diesen Roman lieben… vielleicht sogar ein bisschen mehr, aber da bin ich mir nach wie vor noch nicht so sicher“.

Die Story ist etwas komplizierter: Winston Niles Rumfoord fliegt mit seinem Hund auf dem Weg von der Erde zum Mars durch ein chrono-synklastisches Infundibulum und wird dadurch aufgelöst. Fortan existieren Rumfoord und sein Hund nur noch auf Wellenebene. Wenn die Erde den Weg seiner Wellen kreuzt, materialisiert sich Rumfoord auf seinem alten Anwesen. Seine Frau ist davon mittlerweile eher genervt, doch der reichste Mann der USA, Malachi Constant, ist fasziniert von diesem Phänomen… und dann wird er auf das Anwesen eingeladen, um Rumfoord zu treffen. Der erklärt ihm, er sei von der Zeit losgelöst und kenne sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart… und zeigt ihm dann ein Foto von drei Sirenen vom Titan, den schönsten Frauen, die Malachi je gesehen hat. Daraufhin macht Rumfoord die Vorhersagung, dass Malachi diese Frauen sehen wird, aber erst wird er zum Mars reisen, für eine Zeit auf dem Merkur leben, dann zur Erde zurückkehren und erst dann zum Titan gelangen.

Und mehr will ich zur Story eigentlich nicht verraten, denn die ist wirklich sehr vielfältig und spannend erzählt. Wobei ich sagen muss, dass der Anfang erst ein wenig schleppend ist. Gerade weil man auch noch nicht so richtig rafft, was hier passiert und wer hier von Bedeutung ist. Vonnegut springt hier zwischen den Charakteren hin und her, gerade auch Rumfoords Frau Beatrice wird von enormer Bedeutung und es fühlt sich anfangs etwas verwirrend an. Doch je mehr man die Story greift, je mehr man versteht, worum es wirklich geht und je mehr sich die Story auch weiterentwickelt, wird das Ganze einfach sehr spannend und faszinierend.

„The Sirens of Titans“ lässt einen sehr viel über den freien Willen nachdenken und darüber, ob unser Schicksal vorbestimmt ist oder nicht – und wie viel Entscheidungskraft bei uns selbst liegt. Das passiert natürlich alles auf die Vonnegut’sche Art und Weise: mit viel Feingefühl, Wortwitz und Ironie. Die Story auf dem Mars ist fantastisch, der Ausflug zum Merkur amüsant und wenn sich am Ende alles offenbart und man sich als Leser gewahr wird, was hier wirklich passiert ist, schlägt man vor Erstaunen die Hände über dem Kopf zusammen (und lässt dabei wahrscheinlich das Buch fallen). Ich will hier nichts verraten, aber wie Vonnegut all diese verschiedenen Etappen von Malachi zusammenfügt, ist brillant. Bitterböse und zum Schreien komisch, aber auch einfach sehr brillant. Wie Vonnegut hier das Thema des freien Willens angeht und den Schock darüber, wie frei man nun wirklich ist, ist wirklich bitter. Und lädt auch sehr zum Nachdenken ein… und zum Lachen.

Tatsächlich war ich, als jemand, der zuerst „Slaughterhouse-Five“ gelesen hatte, sehr von der Gradlinigkeit von „The Sirens of Titan“ überrascht. Malachis Abenteuer (denn letztendlich ist er Dreh- und Angelpunkt der Geschichte) sind halt fest verankert. Am unterhaltsamsten ist der Trip zum Mars, aber auch alles andere in diesem Buch sprüht vor Kreativität. Man merkt schon an diesem Roman, dass Vonnegut kein gewöhnlicher Geschichtenerzähler ist, auch wenn sich das erst so richtig in „Slaughterhouse-Five“ offenbart (sagt der Typ, der genau zwei Bücher von Vonnegut gelesen hat).

„The Sirens of Titan“ kann ich wirklich nur jedem Sci-Fi-Fan wärmstens empfehlen. Und auch jedem, der einfach mal wieder ein gutes, clever und witzig geschriebenes Buch in die Hand nehmen will, das einen zum Lachen und zum Nachdenken anregt. Absolut fantastisch.

Wüstenmacht

17. September 2021

Endlich, endlich, endlich… das Warten war schon nicht mehr feierlich, aber jetzt ist es endlich soweit. Lange mussten wir auf Denis Villeneuves „DUNE“ warten, Corona kam dazwischen, jetzt kann es aber losgehen. Und ich bin mit wirklich hohen Erwartungen in diesen Film gegangen. Ich meine, es ist Denis Villeneuve. Bislang hat der noch keinen schlechten Film gemacht. Und in Interviews redete er auch immer wieder davon, wie sehr ihm Frank Herberst „Dune“ am Herzen liegen würde. Seit 2016 wurde Villeneuve als Regisseur gehandelt, dann kam heraus, mit welchen Stars er das drehen würde und der Hype wurde immer größer und größer. Was natürlich auch gefährlich werden könnte: Zu viel Hype kann auch schädlich sein (ich gucke vorsichtig in deine Richtung, „Spider-Man: No Way Home“). Aber man muss sich einfach sagen: „Es ist Villeneuve, der kann das!“ Und meine Güte, ja!!!! Der kann das.

Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) nimmt den Auftrag des Galaktischen Imperators an, auf dem Wüstenplaneten Arrakis das begehrte Spice abzubauen. Er übernimmt den Planeten vom Haus Harkonnen, die hier jahrelang erfolgreich das Volk der Fremen ausgebeutet haben und mit dem Spice reich geworden sind. Weswegen es natürlich auch niemanden verwunder, dass Baron Harkonnen (Stellan Skarsgard) diese Entscheidung nicht einfach so hinnehmen wird (was wiederum ganz im Interesse des Imperators liegt). So begibt sich Leto mit seine Konkubine Jessica (Rebecca Ferguson), seinem Sohn Paul (Timothee Chalamet) und seinem ganzen Hofstab (darunter unter anderem Josh Brolin, Jason Momoa, Chang Chen) nach Dune… und gerade sein Sohn fühlt sich diesem Planeten verbunden, hat er doch Visionen von einer jungen Frau, vom Planeten und vom Kampf, der auf Arrakis ausgetragen werden wird.

Ich habe vor einiger Zeit zum ersten Mal Frank Herberts „Dune“ gelesen und der Roman ist schon eine Wucht an sich. Dass David Lynch für sein „Dune“ den ganzen Stoff in eine knapp zweistündige Verfilmung packen musste, war einfach ein Unding. Allein deswegen ist es schon mal faszinierend und auch gut, dass Villeneuve nur die ersten Hälfte des ersten Romans in einen gut zweieinhalb Stunden langen Film packt. Dadurch hat er Zeit, Zeit, alles in Ruhe zu erzählen… und diese Zeit nutzt er auch aus.

Es ist unglaublich gut, wie Villeneuve diese Menge an Stoff und Charakteren balanciert… und sich dabei dennoch nicht in unzähligen Expositionsmomenten verliert. Natürlich muss gerade am Anfang von „Dune“ viel erklärt und erzählt werden, aber Villeneuve nutzt dafür einfach die Rolle von Chalamets Paul, der sich ja selbst weiterbilden muss und mehr über diesen Planeten erfahren will, der bald sein Leben bestimmen wird. Das funktioniert erzählerisch hier verdammt gut – und liefert eine gute Grundlage, um diese große, epische Geschichte um politische Ränge und Intrigen aufzubauen.

Es hilft dabei natürlich ungemein, dass der Film voll gestopft ist mit den einigen der besten Talenten, die wir zur Zeit vor der Kamera haben. Timothee Chalamet spielt Paul so unglaublich gut. Er wirkt auf den ersten Blick fast schon zerbrechlich und je mehr ihm klar wird, was auf ihn zu kommt, desto mehr glaubt man, er könne auch daran zugrunde gehen. Doch wie Paul hier vor unseren Augen wächst und sich mehr und mehr auf seine eigenen Beine stellt, ist wirklich unglaublich gut. Chalamet zeigt hier eine Bandbreite, die ich so bislang von ihm noch nicht gesehen habe. Getoppt wird er in diesem Film eigentlich nur noch von Rebecca Ferguson, die hier alle Ängste einer Mutter, einer Frau eines Herzogs und einer Schwester eines Ordens auf einmal spielen muss. Ihre Lady Jessica ist so unfassbar gut und nuanciert dargestellt, dass man gar nicht anders kann, als mit ihr mitzufiebern.

Und das sind nur zwei der zig Darsteller in diesem Film, die alle einfach nur ihr Bestes geben. Dave Bautista zeigt nach „Blade Runner 2049“ erneut, wie gut er eigentlich sein kann. Oscar Isaac ist wunderbar, Jason Momoa ist perfekt für Duncan Idaho und und und – es gibt an keinem Cast-Mitglied auch nur irgendwas zu meckern.

Wie auch nicht am Rest des Films. Die Kostüme sind der Hammer, von den Uniformen, über die Rüstungen und Kleider zeigt sich hier eine Detail-Verliebheit, wie sie die Welt von „Dune“ einfach braucht. Das gilt dann auch für das Ausmaß der Sets, bei denen man auch einfach merkt, wie viel Villeneuve an echten Sets gedreht hat. Dazu kommen die unglaublich epischen und eindrucksvollen Bildern, die perfekt akzentuiert von Hans Zimmers Musik untermalt werden (der für diesen Film sogar Nolan für „Tenet“ eine Absage erteilte).

Schauspielerisch, erzählerisch, bild- und musiktechnisch ist „Dune“ einfach nur ein Traum fürs Kino, in dem Villeneuve wirklich zeigt, dass er Frank Herberts Roman ernst nimmt und diesen so getreu wie möglich umsetzen möchte. Ich habe so lange auf „Dune“ gewartet und Villeneuve hat nicht enttäuscht. Dieser Film ist ein Meisterwerk in jeder Hinsicht, dieser Film ist das, wofür Kino gemacht wurde – und ich kann nur hoffen, dass das Ganze erfolgreich genug wird, um uns wenigstens einen zweiten Teil und den Abschluss von Band 1 der ersten Dune-Trilogie zu bescheren.

Für mich ist „Dune“ schon jetzt DER Film des Jahres… daran wird sich auch nichts mehr ändern. Absolut ein Erlebnis… wenn man nur einen Film in diesem Jahr gesehen hat, sollte der „Dune“ heißen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (hier stimmt echt einfach alles und Villeneuve übertrifft sich selbst)

Witcher Origins

15. September 2021

Das Warten auf „The Witcher“ Staffel 2 ist fast vorbei – ich sehe es positiv, bis zum Dezember ist es nicht mehr zu lange hin. Immerhin stehen die Lebkuchen schon im Supermarkt, das kündigt doch den kommenden letzten Monat des Jahres schon gut an. Und ich freue mich auf „The Witcher“… hätte ich ja selbst nicht für möglich gehalten. Doch nach der ersten Staffel habe ich erst die Kurzgeschichten und dann die komplette Pentalogie verschluckt und bin nun wirklich heiß darauf, in der Netflix-Serie auch in die große Geschichte rund um Ciri und Geralt einzutauchen. Vorher gibt’s aber noch ein kleines Schmankerl, dass sich „THE WITCHER: NIGHTMARE OF THE WOLF“ nennt und eine kleine Vorgeschichte zu den Hexern gibt.

Der junge Hexer Vesemir (gesprochen von Theo James, später in Staffel 2 dann gespielt von Dänen Kim Bodnia) kämpft tapfer gegen die unterschiedlichsten Monster. Als er gegen einen Leshen kämpft, wird er das Gefühl nicht los, dass mehr hinter diesem besonderen Monster steckt… seinen Verdacht verfolgt er gemeinsam mit der Zauberin Tetra (Lara Pulver), die allerdings nicht auf seiner Seite steht, sondern eher dafür ist, die Hexer allesamt zum Teufel zu jagen.

„Nightmare of the Wolf“ ist, das muss ich mal so plakativ sagen, echt ein Muss für alle, die Fans der Serie sind. Dabei sollte und darf man sich nicht von der Tatsache abschrecken lassen, dass das Ganze ein koreanischer Animationsfilm ist. Lauren Schmidt Hissrich, die Showrunnerin und der kluge Kopf hinter der Hauptserie, hat auch hier als Produzentin wieder den Hut auf und das merkt man auch von Anfang an. Denn „Nightmare of the Wolf“ ist nicht einfach nur ein Ausschlachten des Witcher-Erfolgs, sondern baut die Story ziemlich gut weiter aus. Natürlich muss man das hier nicht gesehen haben, um Staffel 2 genießen zu können, aber es gibt einem starkes Hintergrundwissen, auf das die Hauptserie vielleicht nicht ganz so ausführlich eingehen wird.

Wir erfahren zum Beispiel mehr über den Prozess, wie Hexer überhaupt entstehen. Diese mysteriöse Kräuterprobe, bei der Jungen heftigen Experimenten unterzogen werden, um zu diesen Hexer-Mutanten zu werden, bekommen wir zu sehen – in gut platzierten Rückblenden erzählt uns „Nightmare of the Wolf“ hier die Geschichte eines jungen Vesemirs, der einen Weg aus seinem trostlosen Leben gesucht hat. Dabei verknüpft Regisseur Kwang Il Han das Ganze auch schön mit einer persönlichen Note, muss Vesemir dafür doch seine beste Freundin und möglicherweise große Liebe Illyana zurücklassen.

Durch Vesemirs Origin bekommen wir auch einen besseren Einblick in die Hexer an sich… und hier greift der Film dann gleichzeitig einen wirklich spannenden Punkt auf. Die Koexistenz zwischen Hexern und Monstern… und wie die Hexer darauf angewiesen sind, dass sie eigentlich nicht zu viele Monster töten, sonst gibt es ja irgendwann keine mehr. Ich will jetzt hier nicht zu weit spoilern, aber diese ganze Thematik geht der Film ziemlich clever an und baut daraus eine zwar im Kontext des Films vorhersehbare, aber nicht weniger interessante Story auf. Die dann auch ein paar kritischere Fragen in Bezug auf diese Mutanten-Monsterjäger stellt – was sich dann auch in der allgemein kritischen Begutachtung der Außenwelt auf die Hexer niederschlägt. Eine Tatsache, die wir auch schon in der ersten Staffel von „The Witcher“ selbst gespürt haben.

Wie das alles im Film verarbeitet wird, funktioniert wirklich sehr gut. Dazu dann die Kombination mit der Animationsgewalt, die einfach noch ein paar Stufen hochgeschraubt wird (im Vergleich zur Live-Action-Serie), macht „Nightmare of the Wolf“ zu echt guter Unterhaltung für Witcher-Fans. Viel Action, gute Kämpfe, aber eben auch eine spannende Story und interessante Charakter-Entwicklungen sorgen dafür, dass sich das Ganze am Ende nicht anfühlt wie ein Versuch, das Witcher-Franchise weiterauszuschlachten.

Wertung: 8 von 10 Punkten (schöne, ungezwungene Erweiterung der Welt von Geralt und Co.)

Rächerin in Japan

13. September 2021

Netflix-Filme sind auch immer eine schwierige Angelegenheit. Wenn es nicht gerade Filme von großen, namenhaften Regisseuren sind, die eigentlich auch im Kino laufen sollten, es dann aber doch irgendwie nicht geschafft haben, sind viele davon ziemlicher Mist. Auch wenn sie einen starken Cast zu bieten haben. Ich erinnere mich noch an „The Old Guard“, der auf dem Papier echt gut klang, aber ein ziemlicher Reinfall war. „Bright“ war auch ein so ein Ding oder auch Chris Hemsworth‘ „Extraction“. Alles irgendwie ziemlich Abschussware. Und trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne von gut gemachten Trailer einlullen… weswegen ich mir dann – obwohl ich es hätte besser wissen können – den neuen Netflix-Film „KATE“ mit Mary Elizabeth Winstead angeguckt. Was ein Fehler war und direkt von großer Reue begleitet wurde.

Kate (Winstead) ist Auftragskillerin für Varrick (Woody Harrelson). Warum genau spart sich der Film. Wen genau die Beiden verfolgen und warum, hält der Film auch nicht für wichtig. Es sind böse Yakuza-Bosse in Japan, doch irgendwann geht ein Anschlag schief… und wenig später wird Kate mit einem radioaktiven Stoff vergiftet. Sie hat nur noch 24 Stunden zu Leben… und in dieser Zeit will sie diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die ihr das angetan haben. Dafür braucht sie die Hilfe von Ani (Miku Martineau), die Tochter eines Yakuza-Bosses, den Kate vor Monaten umgebracht hat.

Also kurz gesagt, dieser Film ist einfach nur schlecht. Drehbuchautor Umair Aleem hat offensichtlich einfach nur eine große Vorliebe für Rachefilme und für Japan. Das reicht ihm dann für diese „Story“ zu „Kate“ aus. Dass man aber für sowas vielleicht auch irgendwie Charakter-Entwicklung, Motivationen, zwischenmenschliche Beziehungen braucht, um eben eine Geschichte zu erzählen, für die man sich als Zuschauer auch interessiert, hat er dabei wohl vergessen. Und dementsprechend kann auch Regisseur Cedric Nicolas-Troyan dem Ganzen nicht sonderlich viel mehr beisteuern. Daran leidet dann so ziemlich alles an diesem Ding.

Was man „Kate“ aber zumindest positiv anrechnen kann, ist die Action. Da David Leitch hier als Produzent mit dabei ist, dürfte das niemanden verwundern. Er hat uns „John Wick“ beschert, „Atomic Blonde“ und zuletzt „Nobody“. Diese Form der brutalen, aber handgemachten Action zeigt sich auch in „Kate“… es gibt mehrere wirklich gute und aufregende Sequenzen. In einem Teehaus ballert und kickt sich Kate durch ihre Gegner oder auch in engen Gassen. Hier zeigen sich dann die Wick’schen Einflüsse. Alles wird hier in Sekundenschnelle von Kate zur Waffe gemacht. Wenn die Kugeln ausgehen, werden eben Messer und Essstäbchen verwendet oder einfach mal gute Champagner-Gläser zu gefährlichen Stichwaffen. Was die Brutalität und die Action angeht, kann sich „Kate“ durchaus sehen lassen. Auch Mary Elizabeth Winstead macht hier eine wahnsinnig gute Figur – offensichtlich hat ihre Rolle als Huntress in „Birds of Prey“ doch ein bisschen abgefärbt.

Aber abgesehen von ein paar sehenswerten Action-Nummern hat „Kate“ nichts zu bieten. Unsere Hauptfigur bleibt absolut eindimensional. Man versteht nie wirklich ihre Motivation, ihre Beziehung zu Woody Harrelsons Charakter oder gar die zu der jungen Ani. Das wird halt einfach so formelhaft zusammengepackt, weil das in vielen anderen Rachefilmen gerne verwendet wird. „Kate“ fehlt aber einfach der Kontext. Auch Japan wird einfach nur als Schauort benutzt, weil es halt exotisch und aufregend genug aussieht. Wirklich mit der Kultur, der Gesellschaft befasst sich der Film nicht. Jede Wendung, die uns der Film vor die Füße wirft, sieht man schon meilenweit kommen. Es werden einfach nur Versatzstücke zusammengepackt, ohne das sich wirklich zusammenpassen.

Mit einem guten Drehbuch hätte man „Kate“ sicherlich zu einem guten Film machen können, so aber nicht. Winstead ist genau so vergeudet wie alle Darsteller in diesem Film, wie auch Japan als Kulisse. Der ganze Film ist nur eine Entschuldigung, um diese Action-Sequenzen zeigen zu können. Und das ist echt schade.

Wertung: 3 von 10 Punkten (die Action-Clips kann man sich bestimmt irgendwann auf YouTube angucken, dann hat man alles Wichtige zu diesem Film gesehen)

Der Jesus verarscht alle…

10. September 2021

Ich liebe „The Big Lebowski“. Das ist für mich wirklich so ein Kultfilm, den ich immer wieder gerne gucken kann. Dieser Film hat mich damals dazu gebracht, unbedingt mal einen White Russian trinken zu wollen. Und wie gerne wäre ich auch in Latschen und Bademantel in die Kaufhalle gegangen, um mir meine Milch dafür zu kaufen… aber das konnte ich nicht. Dafür fehlt mir das Charisma eines großartigen Jeff Bridges, der sowas einfach perfekt kann. In „The Big Lebowski“ gab es ja auch viele, wunderbar schräge Charaktere – von denen besonders der von John Turturro gespielte Jesus Quintana, der seine Bowlingkugel legte und sowohl dem Dude als auch uns unverständlich eines klar machte: „Nobody fucks with the Jesus!“… und wir haben ihm alle geglaubt. Das Problem ist, dass diese Regel für den Jesus nicht gilt. Jahrelang setzte sich Turturro dafür ein, die Rolle von Jesus noch einmal spielen zu können. Er bekam den Segen der Coen-Brüder und machte sich ans Werk… dieses Werk, bei dem Turturro Regie führte, das Drehbuch schrieb und natürlich auch selbst die Hauptrolle spielte, nennt sich „THE JESUS ROLLS“ – und ist eine der größten Verarschungen, die mir in meiner langen Zeit als Filmegucker untergekommen ist.

Jesus (Turturro) wird aus dem Gefängnis entlassen. Sein Freund Petey (Bobby Cannavale) holt ihn ab und gemeinsam begeben sich die Beiden auf eine Reise. Mit welchem Ziel, mit welchem Zweck??? Keine Ahnung. Sie klauen ein Auto von Don Draper, der hier als Friseur in einer kleinen Stadt arbeitet und dabei Petey in die Eier schießt. Bei ihrer Flucht sammeln die Zwei aber noch Marie (Audrey Tatou) ein… mit der sie dann (nachdem Peteys Eier verarztet wurden) viel Sex haben, weil sie noch nie einen Orgasmus hatte. Leider schaffen auch Jesus und Petey das nicht… und so geht der Roadtrip mit Sex und einigen kleinen Überfällen weiter.

WAS… ZUR… HÖLLE… ???

Dieser Film ist 90 Minuten lang und fühlt sich an wie drei Tage. Dabei hat die Story nichts herzugeben. Das Ganze basiert auf einem französischen Skandalfilm namens „Die Ausgebufften“ mit Gerard Depardieu, der wegen seiner vulgären Sprache, den expliziten Sex-Szenen und seinen Moralvorstellungen in den 70er Jahren für Aufsehen sorgte. Das Gleiche lässt sich leider über „The Jesus Rolls“ nicht sagen. Wie es Turturro dennoch geschafft hat, Leute wie Audrey Tatou, Jon Hamm UND Susan Sarandon oder auch Christopher Walken (in einer winzigen kleinen Rolle zu Beginn des Films) davon zu überzeugen, in diesem Film mitzumachen, ist vielleicht die größte Errungenschaft des Films. Alles andere ist einfach nur Müll.

Die Story zieht sich ewig in die Länge, weil es einfach kein wirkliches Ziel gibt. Es wird geredet oder gevögelt – und keines von beidem ist sonderlich gut. War das französische Original vielleicht noch provokant in seiner Sexualität (ich kann es nicht sagen, weil ich es nie gesehen habe), ist „The Jesus Rolls“ in dieser Kategorie lahm wie sonst nichts. Abgesehen von Audrey Tatou, die sich sehr freizügig gibt, passiert nichts in diesem Film, was großartig erwähnenswert wäre. Was ich mich dabei dann immer gefragt habe, ist, ob Petey und Jesus möglicherweise miteinander was haben. Das wird hier und da mal angedeutet, aber nie näher beleuchtet. Sexy ist an diesem Film auch einfach nichts… weswegen man „The Jesus Rolls“ von der Warte her nicht betrachten muss.

Auch die Dialoge sind eher ziemlich ermüdend und nichtssagend – obwohl gefühlt ständig irgendwer labert. Turturro schafft es nicht, ein gutes Drehbuch zu liefern, dass auch nur in irgendeiner Form seiner eigenen Figur gerecht wurde. Jesus war in seinem kurzen Auftritt in „The Big Lebowski“ größer und intensiver als er es in 90 Minuten seines eigenen Films ist. Hier ist er einfach nur langweilig und öde… und abgesehen von einer Szene, in der wir Jesus mal auf einer Bowlingbahn sehen, ist „The Jesus Rolls“ auch nicht wirklich als Spinoff des Coen-Klassikers zu identifizieren.

Kurzum, „The Jesus Rolls“ hält sich für sehr wichtig, ist es aber nicht. Das Ganze ist prätentiöses Nichts, das gerne französisches Arthouse wäre. Dafür fehlt aber einfach das gewisse Etwas… wie zum Beispiel Chemie zwischen den Darstellern, irgendwas Emotionales, das mich an die Geschichte bindet oder einfach nur mal irgendeine Art von Geschichte, die mich dazu bringt, mitzufiebern. Setzen, sechs, Mr. Turturro.

Wertung: 2 von 10 Punkten (kein würdiges Spinoff, kein würdiges Remake [gehe ich einfach mal von aus] – einfach nur Nichts mit Jesus aus „The Big Lebowski“)

Krieg um die Bank

8. September 2021

Das Ende beginnt… und wie es sich mittlerweile für Enden großer Franchise gehört, muss so etwas natürlich in zwei Teile geteilt werden. So ganz habe ich diesen Hype um die Zwei-Teilung nie verstanden – also aus rein finanzieller Sicht natürlich schon, aber erzählerisch hat das immer so seine Nachteile. Das merkt man jetzt auch sehr deutlich am ersten Teil des Finales von „HAUS DES GELDES“. Teil 1 von Staffel 5 leidet nämlich in einigen Teilen genau an diesem Problem, dass es ja im Dezember noch einen zweiten Teil geben wird und deswegen die Story an einigen Stellen unnötig gestreckt werden muss. Nichtsdestotrotz ist Teil 1 unterhaltsamer als vieles aus Staffel 3 und 4 – allein, weil das Szenario dann doch ein wenig umgeändert wird und viel mehr auf dem Spiel steht.

Wir setzen genau da an, wo uns Staffel 4 zurückgelassen hat: Alicia Sierria (Najwa Nimri) hat das Versteck des Professors (Alvaro Morte) gefunden. Der Professor ist also am Arsch… was natürlich auch die Bande in der Bank betrifft. Gerade erst haben sie Lissabon (Itziar Ituno) mühsam wieder eingeschleust, jetzt steht das nächste Chaos vor der Tür: Die Armee wartet und der Sturm auf die Bank steht kurz bevor.

Ich will jetzt mal versuchen, das Ganze hier so spoilerfrei wie möglich abzuwickeln… deswegen auch schon die etwas verkürzte Inhaltsangabe. Was Teil 1 wirklich gut macht, ist das Chaos in der Bank auf die Spitze zu treiben. Ich glaube, es war eine gute Entscheidung, den Professor mal aus der Gleichung zu nehmen und die Bankräuber auf sich allein zu stellen. Jetzt merkt man dann doch, was für ein wichtiger Bestandteil der Prof immer gewesen ist und wie schnell dann doch Panik und Unordnung ausbricht. Dennoch ist längst nicht alles in der Bank so gut ausgearbeitet, wie es mir gewünscht hätte. Und Schuld daran ist einmal mehr unser heiß gehasster Arturo (Enrique Arce). Wie er hier sich wieder zum Rädelsführer aufschwingt, ist schon ein bisschen merkwürdig. In Staffel 4 kam noch raus, dass er sich an Frauen vergriffen hat und auf einmal ist das wieder vergessen. Dafür leitet er nun eine Rebellion der Geiseln an, die dann ein bisschen zu over-the-top für meinen Geschmack gestaltet wurde… gerade Arturos Aufspielen war einfach ein bisschen zu viel. Wie er Denver (Jaime Lorente) und Stockholm (Esther Acebo) psychologisch unter Druck setzt, war schon toll, aber der ganze Rest, der sich in einem arg übertriebenen Action-Feuerwerk verliert, war einfach ein bisschen zu viel für meinen Geschmack.

Da mochte ich dann alles rund um die Bankräuber und Coronel Tamayos (Fernando Cayo) neue Methoden sehr viel mehr. Der schickt eine Spezialeinheit rein… und da bricht dann wirklich der Krieg aus. Hier wird einfach mal gefühlt die halbe Bank in Schutt und Asche gelegt, die Bankräuber werden so dermaßen unter Druck gesetzt, dass man echt gut mitgefiebert hat. Leider ist das Stoff für zwei Episoden, der auf fünf gestreckt wird. Unter anderem mit einigen Rückblenden und der Story rund um Alicia und den Professor.

Alles, was den Prof und Alicia angeht, verläuft in etwa so, wie man es sich vorgestellt hat und wie es in zahlreichen Theorien zur Serie schon vorhergesagt wurde. Das fand ich fast schon ein bisschen schade, wie schnell sich das da auch alles entwickelt hat. Ich hoffe, dass sich die Macher da für Teil 2 noch ein bisschen mehr ausgedacht haben.

Was mich dann zu den Rückblenden bringt… von denen ich vor allem die von Berlin (Pedro Alonso) überhaupt nicht gebraucht hätte. Er war halt in Staffel 1 und 2 extrem beliebt und starb im Finale. Als die Serie dann doch weiter ging, zog man sich irgendwelches Zeug aus dem Hintern, um Alonso als Berlin noch mit dabei zu haben. Da tauchte dann auf einmal noch eine Frau auf (die auch jetzt wieder Thema wird) und so weiter. Bisher fand ich die Rückblenden noch nett, weil sie irgendwo auch mit dem Professor in Verbindung standen, doch jetzt bringt sie die Story nicht weiter… weil es einfach nur eine öde Nebenstory ist, in der uns dann auch noch eine Person vorstellt, die noch nie erwähnt wurde. Dabei müsste man meinen, bei ihrer Beziehung zu Berlin hätte sie vorher schon Thema sein müssen. Naja… mal schauen.

Die Rückblenden zu Tokio (Ursula Corbero) fand ich ganz nett – gerade weil sie die Bogen zur ersten Folge von „Haus des Geldes“ schließen und den Charakter von ihr noch einmal schön abrunden.

„Haus des Geldes“ Staffel 5 Teil 1 war echt spannend und packend. Das Kriegsszenario fordert unsere Charaktere mal auf eine andere Art und Weise. Die Rückblenden waren oft eher öde. Berlin war purer Fan-Service und mehr nicht. Nichtsdestotrotz hatte ich mit diesem ersten Teil der Staffel 5 mehr Spaß als mit den vorherigen Staffeln… und hoffe einfach mal, dass sie das Ganze nun gut zu Ende führen werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (das Finale fährt groß auf… hoffentlich kann Teil 2 das halten)

Gremlins an Bord

6. September 2021

Es kommt immer mal wieder so ein Film daher, denn ich einfach nicht greifen kann. „Tenet“ zum Beispiel wäre ein positives Beispiel für sowas. Der Film will auch nicht unbedingt verstanden werden, sondern einfach nur beeindrucken. Dafür liefert er aber coole Ideen und visuell aufregendes eye candy, um mich gekonnt vergessen zu lassen, dass die Story und die Charaktere doch recht einfach gestrickt sind. Doch ich habe jetzt ein neues negativ Beispiel für einen Film, bei dem ich nach wie vor nicht wirklich weiß, was er mir eigentlich wirklich erzählen wollte: „SHADOW IN THE CLOUD“ mit Chloe Grace Moretz in der Hauptrolle.

Mitten im Zweiten Weltkrieg soll Maude Garrett (Moretz) irgendetwas Geheimes von Neuseeland nach Samoa schaffen. Dafür bekommt sie die gültigen Papiere, um an Bord der „Fool’s Errand“ zu kommen. Allerdings wird sie von der Besatzung nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen und sperrt Maude für den Start in die kleine Geschützkabine unter dem Flugzeug. Dort gefangen sieht sie auf einmal eine Kreatur, die sich am Flugzeug zu schaffen macht. Natürlich schenkt ihr niemand der Männer im Flugzeug Glauben und so sieht sie sich allein dem Monster gegenüber.

Gremlins an Flugzeugen… was zur Hölle? Das habe ich nie ganz gerafft. Zu Beginn des Films sehen wir einen kurzen Zeichentrick-Film, der wie Kriegspropaganda für Flieger wirkt und in dem auch mal kurz von Gremlins die Sprache ist. Das Problem ist nur, „Shadow in the Cloud“ erklärt das alles nie. Erst nach dem Film und dank Google habe ich dann verstanden, worum es hier wirklich ging: Tatsächlich schoben Piloten und Crew-Mitglieder im Zweiten Weltkrieg merkwürdige und unerklärliche Aus- und Unfälle an Bord ihrer Flieger Gremlins zu. Dadurch erklärt sich dann auch, dass der Zeichentrickfilm zu Beginn des Films möglicherweise sogar ein echter Film aus der damaligen Zeit gewesen ist. Es gibt sogar Poster aus der Zeit, die von Gremlins sprechen.

Das wäre definitiv eine gute Information gewesen, die Regisseurin Roseanne Liang ihren Zuschauern vielleicht vorab hätte geben können. Dann wäre „Shadow in the Cloud“ quasi der „Beweis“ dafür, dass diese aviatorische Legende wahr gewesen ist. So wirkt die ganze Auseinandersetzung mit dem Gremlin im Film komplett aus dem Kontext gerissen. Selbst Maudes super-geheime Mission verleiht der Story nicht mehr Gewicht und so sitzt man ein bisschen sehr verloren in diesem Film und wundert sich einfach nur noch… zumal das Monster jetzt nicht besonders beeindruckend wirkt und auch die Action mit dem Viech nie sonderlich aufregend inszeniert ist.

Der Anfang von „Shadow in the Cloud“ ist dennoch ganz interessant, weil die Kamera fast nur auf Chloe Grace Moretz in dieser kleinen Schützenkugel unter dem Schiff ist. Dabei muss sie sich dann das abwertende Gequatsche der Crew über Funk über sie anhören, während die einzelnen Mitglieder wie surreale Geister gezeigt werden, die ihren Missmut gegenüber Maude kundtun. Das hat schon fast etwas Kammerspiel-Artiges und fordert zumindest Moretz. An diesem Punkt fand ich „Shadow in the Cloud“ kurz wirklich gut… doch dann kam das Monster und alles wurde einfach nur Quark. Chloe Grace Moretz gibt sich die größte Mühe, diese 80 Minuten Film zu tragen… aber wo keine wirkliche Story ist, ist auch nichts, was man wirklich tragen könnte.

Wie gesagt, wenn man das alles in einen richtigen Kontext gepackt hätte, hätte ich mit „Shadow in the Cloud“ durchaus auch Spaß haben können. Aber selbst wenn ich jetzt so im Nachhinein drüber nachdenke: Wirklich viel mehr Spaß wäre auch nicht bei rumgekommen. Kontext ist zwar immer notwendig, aber Unterhaltung auch… und die fehlt bei diesem Film dann doch. Das beengte Szenario im Flieger wird kaum ausgenutzt, die Fliegercrew bleibt für uns ein nicht näher beleuchteter Macho-Haufen, aus dem wir keine wirklichen Charaktere ziehen können… und somit schert es einen irgendwann auch nicht, wenn die nach und nach wie die Fliegen draufgehen.

„Shadow in the Cloud“ ist einfach kein guter Film. Wenigstens ist er schnell wieder vorbei… wenigstens etwas.

Wertung: 3 von 10 Punkten (dann doch lieber die originalen Gremlins, die haben Spaß gemacht)