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Zerstörerische Selbstfindung

22. Juli 2019

Es kommen immer mal wieder Filme in mein Leben, die zum richtigen Zeitpunkt bei mir den richtigen Nerv treffen. Das sind so Filme, bei denen ich mir manchmal denke, dass sie zu einem ungünstigeren Zeitpunkt nicht so in meiner Gunst gestanden hätten. Vielleicht, und das ist jetzt mal ganz esoterisch gedacht, ist das filmisches Schicksal. Oder es ist einfach nur emotionaler Kram, den man in seinem aktuellen Leben mit sich rumschleppt, sich unterbewusst genau den Film heraussucht, der gerade dazu passt und schon fängt man an, schicksalshafte Umstände zu sehen. Wie auch immer, ich hatte letztens wieder so ein Erlebnis mit einem Film, der eigentlich gar nicht so besonders ist, aber mich dennoch irgendwie genau an der richtigen Stelle getroffen hat. Die Rede ist von „Demolition“ mit Jake Gyllenhaal.

Davis Mitchell (Gyllenhaal) ist ein erfolgreicher Investmentbanker, der mit einem Schlag alles verliert. Bei einem Autounfall stirbt seine Frau Julia (Heather Lind)… doch so wirklich trauern kann Davis nicht. Da regt ihn schon mehr der kaputte Süßigkeiten-Automat im Krankenhaus auf, weswegen er der Firma lange Beschwerde-Briefe schreibt, in denen er mehr über sein eigenes Leben schreibt als über den Automaten. Durch die Briefe wird ihm bewusst, dass er seine Frau eigentlich nie wirklich geliebt hat, dass sein Leben irgendwie stumpf und sinnlos ist… und das er nicht weiter weiß. Überraschenderweise meldet sich jemand von der Automaten-Firma: Karen (Naomi Watts), in der Davis schnell eine Art Seelenverwandte findet, ist sie doch auch unzufrieden mit dem was in ihrem Leben passiert. Durch sie und vor allem ihren Sohn Chris (Judah Lewis) findet Davis bald eine Lösung: Dinge kaputt machen…

Eins gleich vorweg: „Demolition“ ist keine RomCom. Der Film kratzt zwar an einigen Stellen hart an diesem Genre (allein das Wort „Seelenverwandte“ lässt ja schon arg darauf schließen), aber dennoch geht es nie darum, dass Davis und Karen zusammenkommen. „Demolition“ ist Davis‘ Film, sein Weg zur Selbstfindung, sein Weg, um seine wirklichen Gefühle zu erkunden – auch wenn das nur durch die Zerstörung von Dingen und u.a. seinem Haus geht.

Dabei muss ich gestehen, dass „Demolition“ jetzt nicht sonderlich viel neu macht. Im Gegenteil, „Dallas Buyers Club“-Regisseur Jean-Marc Vallée kratzt viele Klischees an: Davis‘ Schwiegereltern, die ihn nicht mögen; Karens Beziehungsprobleme; Chris‘ eigene Selbstfindungsprobleme. In jedem dieser Dinge steckt eigentlich genügend Stoff für eigene Filme, aber leider kann all das nur kurz angerissen werden. Es sind schließlich nur Weg-Markierungen auf Davis‘ Selbstfindung… und dennoch sind sie passend platziert. Wie gesagt, es geht in diesem Film hauptsächlich um Davis. Die Probleme der anderen zwingen ihn dazu, zu reflektieren. In einem seiner Briefe schreibt Davis, dass er das erste Mal klar sieht, dass seine Augen offen sind und er anders wahrnimmt als sonst. Das schreckliche Ereignis, der Tod seiner Frau, hat ihn quasi wachgerüttelt, aus seinem Trott gebracht und jetzt muss er sich erst einmal wieder in dieser für ihn scheinbar neuen Welt zurechtfinden. Dieser Weg der Trauerbewältigung war für den Film schon irgendwie sehr passend.

Wodurch „Demolition“ all diese Elemente mit einer starken Glaubwürdigkeit tragen kann, ist durch die Darsteller. Allen voran natürlich der großartige Jake Gyllenhaal, der echt viel Spaß bei diesem Dreh gehabt haben muss – also wegen all der Dinge, die er die ganze Zeit kaputt hauen darf. Davon aber mal abgesehen, liefert „Demolition“ Gyllenhaal die Möglichkeit, die ganze Bandbreite seines Könnens auszuspielen – von depressiven, eingeknickten Davis zum erleuchteten neuen Mann, der auch mal einfach mitten auf der Straße tanzen kann und sich nicht darum schert, was andere denken. Gyllenhaal passt großartig in die Rolle des Davis und schafft es so, mit Hilfe der wunderbaren Nebendarsteller, aus „Demolition“ ein interessantes Stück Selbstfindungskino zu machen. Ich habe zwar nie „Eat Pray Love“ gesehen, aber vielleicht ist das mit „Demolition“ gleichzusetzen – nur das das die Art Selbstfindungsfilm ist, die sich doch eher an ein männliches Publikum richtet: Selbstfindung durch das Zerstören von Dingen 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (starker Gyllenhaal, starker Cast, starker Soundtrack und viel Zerstörung führen zu einem interessanten Selbstfindungstrip)

TGIF XXVI: Weltenzerstörer

19. Juli 2019

Nach meinen Ausflügen in eine Welt der etwas anderen Godzillas und Zillas komme ich nun wieder zur natürlichen Reihenfolge der Toho-Filme zurück. Mit „Shin Godzilla“ verabschiedete das Studio sich ja mehr oder weniger von der Kinoleinwand mit seinem Kultmonster. Vertraglich sind sie nämlich an Hollywood gebunden, erst wieder einen Original-Godzilla nach 2021 zu liefern. Damit „Godzilla: King of the Monsters“ und nächstes Jahr dann auch „Godzilla vs. Kong“ für sich stehen können. Doch Toho hat ein kleines Schlupfloch gefunden und produziert trotzdem weiterhin Filme rund um das atomar verseuchte Riesenwesen. Nur jetzt halt animiert… und sogar angelegt als Trilogie. Den Anfang macht dabei „Godzilla: Planet of the Monsters“ (übrigens der 30. Toho-Godzilla-Film!!!!)

Für den Inhalt muss ich dieses Mal etwas weiter ausholen… Im 20. Jahrhundert tauchen auf der Erde immer mehr Monster auf und verwüsten zunehmend die Städte der Menschen. Doch kein Monster ist so schlimm wie Godzilla. Wie es sich für Toho gehört, tauchen zu diesem Zeitpunkt auf einmal Außerirdische auf – ein religiöses Alien-Volk und eines, das auf Technik baut. Leider können auf die nicht weiterhelfen. Stattdessen wird der Planet von Menschen und Aliens ver- und Godzilla überlassen. Gemeinsam machen sich die Überlebenden auf den Weg zu einem anderen Planeten. Der erweist sich nach ewiger Reise aber doch als nicht bewohnbar… und  nach 22 Jahren beschließen die Menschen, wieder zur Erde zurückzukehren. Auf der sind aber mehr als 10.000 Jahre vergangen… und schnell müssen die Weltall-Reisenden feststellen, dass sich ihre alte Heimat stark verändert hat… und Godzilla immer noch dort auf sie lauert.

Die Idee von „Planet of the Monsters“ finde ich mega-cool. Tatsächlich macht Regisseur Kobun Shizuno mit seinem Co-Regisseur Hiroyuki Seshita mal etwas ganz Neues mit unserem Lieblingsmonster. Er lässt es wirklich zum König der Monster und vor allem zum König der Erde werden. Ich muss zwar gestehen, dass ich mir fast gewünscht hätte, das Aufkommen der Monster nicht nur in einer kurzen Montage, sondern als ganzen Film zu sehen… aber hey, das wäre ja dann wieder irgendwie das Gleiche gewesen. So wird „Planet of the Monsters“ eine interessante Sci-Fi-Story, die Grenzen auslotet, die sich im Real-Film-Bereich vielleicht nicht so einfach hätten umsetzen lassen können.

Leider ist unsere neue Erde dann erst einmal nicht soooo sonderlich sehenswert. Alles ist hier in grau und grau gehalten. Der Planet heißt jetzt zwar irgendwie „Planet of the Monsters“, aber auch das täuscht ein wenig. Neben Godzilla lernen wir erstmal nur so merkwürdige Drachenwesen kennen, die nicht sonderlich spektakulär sind. Dafür aber ist immer das wichtigste Monster in animierten Stil ziemlich gut gelungen. Der animierte Godzilla ist schon ein ordentliches Monster… und Shizuno und Seshita inszenieren den Kaiju wirklich gekonnt. Wenn Godzilla da aus den Nebelschwaden stapft und sich wie ein Berg vor einem auftürmt, sieht das schon furchteinflößend aus.

Wo es allerdings so richtig hapert, ist bei den Menschen und Aliens. Im ersten Teil der Trilogie zeichnet sich nur der junge Captain Haruo Sakaki heraus, der einen Groll gegen Godzilla hegt, der seine Eltern umgebracht hat. Haruo ist ein Haudegen, der alles tun will, um das Monster zu vernichten. Das ist aber auch schon alles. Es gibt noch viele andere Charaktere, die einem aber nie wirklich näher gebracht werden und so schnell in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass sich das im Verlauf dieser Trilogie noch ändern wird. Die Story rund um die Menschen muss auf jeden Fall noch stärker werden… allerdings verspricht da ja schon die Post-Credit-Scene des Films zumindest ein bisschen mehr.

Insgesamt hat mich das Konzept hinter „Godzilla: Planet of the Monsters“ schon sehr überzeugt, die Umsetzung war dann teilweise noch etwas holperig. Der Animationsstil ist klassisch Anime, die Action ist manchmal etwas wirr und nicht unbedingt so aufregend wie sie hätte sein können. Da ist noch ein bisschen Luft nach oben… was hoffentlich in Teil 2 dann zu sehen sein wird.

Wertung: 6 von 10 Punkten (der animierte Godzilla lieferte wirklich spannende neue Ansätze, die nicht voll genutzt werden)

Beatles-Blackout

17. Juli 2019

Anfang des Jahres habe ich mir eine Gitarre gekauft, meine allererste Gitarre. Ziel ist es, das Ding zum Ende des Jahres zumindest so gut zu beherrschen, dass ich „Hous of the Rising Sun“ von The Animals drauf spielen kann. Dann kam jedoch mein „toller“ Bandscheibenvorfall dazwischen… und die gute Helena (jede Gitarre braucht einen Namen, habe ich von B.B. King gelernt, der seine Lucille nannte) verstaubte traurig im Schlafzimmer vor sich hin. Mittlerweile geht es mir wieder etwas besser und ich übe wieder fleißig. Wer weiß, vom Blogger zum Singer-Songwriter… Geschichten, wie sie das Leben schreibt 😉 Um eine nicht weniger absurde Geschichte geht es auch im neuesten Film von Danny Boyle: „Yesterday“.

Während auf der gesamten Erde für 12 Sekunden der Strom ausfällt, wird der erfolglose Singer-Songwriter Jack Malik (Himesh Patel) von einem Bus angefahren. Er verliert zwei Zähne, die Welt verliert sehr viel mehr. Wie Jack nach seinem Krankenhausaufenthalt erschreckend feststellen muss, kennt niemand die Beatles. Es ist, als hätte die Band niemals existiert… nur Jack kann sich an sie und ihre Songs erinnern. Daraufhin fasst der Sänger einen Plan: Er nimmt die Songs der Beatles auf und verkauft sie als seine eigenen. Seine Managerin Ellie (Lily James) hilft ihm… und schon bald wird Jack zur Berühmtheit, nicht zuletzt dank seines neuen Mentors Ed Sheeran (Ed Sheeran) und seiner neuen eiskalten Managerin Debra (Kate McKinnon).

Stellt dir vor, du wachst auf und keiner kennt die Pilzköpfe. Das ist die Prämisse von Danny Boyles „Yesterday“. Warum dieser Vorfall passiert, erfahren wir nie. Es ist einfach so. Alles andere bleibt fast gleich… Jack findet immer mehr Sachen heraus, die in dieser neuen Realität fehlen. Doch nichts ist so schwer wiegend wie das fehlen der 4 Jungs aus Liverpool. Danny Boyle macht daraus eine locker-leichte Musik-Komödie… und punktet vor allem durch die Musik (d’uh) und seine Darsteller. Alles andere bewegt sich in Recht vorhersehbaren Bahnen… „Yesterday“ liefert jetzt keine großen Twists und Turns und ich habe hier und da gelesen, dass der Film wegen seiner „einfachen“ Story kritisiert wurde. Aber ganz ehrlich, was will man da noch groß mehr sehen? Wahrscheinlich ist hier einfach das Problem, dass ein Danny Boyle Regie geführt hat. Da erscheint es vielleicht etwas verwerflich, dass der einen „einfachen“ Film abliefert…

… der aber, wie gesagt, funktioniert für das, was er sein möchte. Die Musik ist ganz klar der Star des Films, die vom anderen Star des Films, Himesh Patel, auf umwerfend gute Art und Weise gesungen wird. Patel ist sowieso ein Highlight des Films. Es ist schön zu sehen, wie sich sein Jack wandelt… vom verzweifelten Sänger, zum Pop-Phänomen hin zum zweifelnden Star, dessen schlechtes Gewissen, für etwas gefeiert zu werden, was gar nicht von ihm stammt, ganz schön an ihm nagt. An seiner Seite ist die wie schon in „Baby Driver“ bezaubernde Lily James, die einfach nur Zucker ist. So… ganz professionell, ich weiß, aber es ist so. Die Liebesgeschichte zwischen ihr und Jack gelingt Boyle aber nicht ganz so gut, weil sie sich nicht so richtig organisch ergibt. Sie himmelt ihn Ewigkeiten an, er kriegt nie was mit und dann auf einmal doch… ist zwar irgendwie ein Klassiker, aber so ganz rund läuft die Romantik in diesem Film nicht. Ist aber auch egal, Lily James verzeihe ich alles. 😉

Wem ich dagegen hier nichts verzeihe, ist Ed Sheeran. Denn irgendwie ist „Yesterday“ auch ein erschreckend schlechter Ed-Sheeran-Film. Der Junge kann gut singen, aber er kann einfach nicht schauspielern. Es tut echt weh, ihn hier zu sehen, wie er verzweifelt versucht, seine Sätze möglichst natürlich rüberzubringen. Dafür, dass „Yesterday“ eigentlich Jacks Film sein sollte, ist Ed Sheeran zu oft zu sehen. Und wer sich schon über seinen Gastauftritt in „Game Of Thrones“ beschwert hat, der wird bei „Yesterday“ so richtig kotzen.

Aber mal abgesehen von Ed Sheeran ist „Yesterday“ eine locker-leichte und vor allem süße Komödie über die Beatles und deren Musik (warum es allerdings keiner der lebenden Beatles in den Film geschafft hat, es dafür aber einen schlechten „Cameo“ eines verstorbenen Pilzkopfs gibt, kann ich nicht nachvollziehen).

Wertung: 7 von 10 Punkten (tolle Musik, ein tolles Leinwandpärchen mit Lily James und Himesh Patel und zu viel Ed Sheeran für meinen Geschmack)

Mamas Partykeller

15. Juli 2019

Wenn Schauspieler mal gegen ihre üblichen Rollen spielen dürfen, ist das immer ein interessantes Experiment. Kann ein Komiker auch ernste Rollen (Steve Carell zum Beispiel kann das ganz gut)? Kann jemand aus ernsten Dramen auch Action (Liam Neeson hat auf jeden Fall einige Fähigkeiten)? Kann jemand, der sonst nie böse ist, auch mal das Böse personifizieren? In diesem Beispiel erwähne ich mittlerweile gerne Julia Roberts in „Mirror Mirror“ (ein nach wie vor unterschätzter Film!!!). Roberts hat da sichtlich Spaß daran, die böse Königin zu spielen und es ist ein Fest, ihr dabei zu zusehen. Jetzt versucht sich eine neue „Liebe“ an einer bösen Rolle. In „Ma“ wird Octavia Spencer für ein paar Teenager sehr gefährlich.

Maggie (Diana Silvers) zieht mit ihrer Mutter Erica (Juliette Lewis) in deren Heimatstadt. Hier findet Maggie zum Glück schnell Anschluss – bei Andy (Corey Fogelmanis), Haley (McKaley Miller) und deren Freunden. Als die Truppe vor einem Laden Sue Ann (Octavia Spencer) ansprechen, damit diese ihnen Alkohol kauft, ahnen die Freunde noch nicht, was sie damit auslösen. Sue Ann lädt sie ein, bei sich im Keller zu feiern und freundet sich mehr und mehr mit den Teenagern an… doch verfolgt Sue Ann, die von allen nur liebevoll „Ma“ genannt wird, dunkle Pläne.

„Ma“ ist auf dem Papier ein interessantes Projekt. Das Ganze wurde von Horror-Experte und Experimentier-Freund Jason Blum produziert. Regie führt „The Help“-Regisseur Tate Taylor, der Octavia Spencer zu ihrem Oscar verholfen hat mit ihrer Rolle in „The Help“… und jetzt lässt er sie in einem Horror-Film gegen ihre übliche Besetzung antreten. Klingt gut, doch die Realität sieht leider ganz, ganz anders aus.

Dieser Film ist stinkend langweilig… es sei denn, man hat noch nie in seinem Leben einen Horror-Film gesehen. Die Geschichte ist von Anfang so extrem vorhersehbar, dass es schon bald einfach keinen Spaß mehr macht. Zumal Taylor nicht einmal groß mit unseren Erwartungen spielt, sondern alles viel mehr genauso ablaufen lässt, wie man es erwartet.

Alles fängt als Teenie-Gedöhns an. Die saufen, nehmen Drogen und feiern. Es wird ein bisschen geflirtet, ein bisschen gelästert und es wird die Freiheit in Mamas Partykeller genossen. Irgendwann werden dann Mas „Übergriffe“ übler: „leichtes Stalking“ und Nerven wird zur Qual für die Kids, aber am Ende ist Party bei Ma doch am besten. Warum Ma das alles macht? In kleinen Rückblenden erfahren wir es so nach gefühlten fünf Minuten… und naja, diese „Auflösung“ ist etwas schwierig. Schwierig in dem Sinne, da ich mich frage, ob das, was Ma da anrichtet auch nur in irgendeinem Vergleich zu dem steht, was man ihr angetan hat. Ohne Frage ist das auch schlimm gewesen, aber das… naja, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Der Film plätschert aber eher so vor sich hin. Man merkt dabei einfach auch, dass Tate Taylor nicht wirklich im Horror-Genre zuhause ist und so werden einfach nur brav alle üblichen Klischees abgespult. Zum Ende gibt es dann leichte Gewaltexzesse, die den Film dann aber leider auch nicht mehr retten.

Von den Darstellern muss man auch nicht großartig reden. Da bleibt kaum jemand im Gedächtnis. Die Teenager sind die typischen Teenager und austauschbar wie eh und je. Selbst eine Juliette Lewis oder ein Luke Evans, die als die Eltern der Teenager auftauchen, wirken ziemlich blass. Doch kommen wir zur Grand Dame von „Ma“: Octavia Spencer in einigen Szenen zu sehen, wenn sie versucht, auf jugendlich zu machen, hat schon Fremd-Schäm-Charakter. Sie gibt sich Mühe, ihre innere Kathy Bates als Annie Wilkes in „Misery“ zu finden, aber es gelingt ihr nicht. Spencer kann die Rolle nicht wirklich mit Leben füllen und ihr auch nicht diesen Wahnsinn schenken, den sie bräuchte. So ist selbst Ma in ihrem eigenen Film einfach nur öde. Und an ihr hängt der ganze Film… und fällt dann leider auch mit ihr.

Wertung: 2 von 10 Punkten (öde, langweilig und uninspiriert – man sollte Ma in ihren Keller sperren und nicht mehr rauslassen)

Random Sunday #16: Hellblade – Senua’s Sacrifice

14. Juli 2019

Ich bin ein „Leicht“-Spieler! Ich gebe es hier und jetzt offen zu. Ich spiele auch wegen der Story. Ich will nicht die Frustration haben, ständig draufzugehen (einer von vielen Gründen, warum ich wohl nie „Dark Souls“ spielen werde). Versteht mich nicht falsch, ich fange immer auf „Normal“ an, aber wenn ich merke, ich bin mit dem Schwierigkeitsgrad überfordert, flitze ich ganz schnell in die Optionen und ändere die. Warum ich das jetzt erzähle? Weil ich endlich, endlich, endlich mal dazu gekommen bin, „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ zu spielen… und da breitet sich auf dem Körper von Senua eine schwarze Krankheit aus – jedes Mal, wenn man von Gegnern besiegt wird. Erreicht das Ganze den Kopf ist Ende Gelände. Da ich das nicht wollte, sondern auch was vom Spiel haben wollte, ging ich auf „Leicht“. Was ausreichend war, denn „Hellblade“ ist auch ohne den Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung…

Die junge Kriegerin Senua reist nach Helheim, um dort die Göttin des Todes Hela dazu zu bringen, ihren Geliebten Dillion wieder zum Leben zu erwecken. Der wurde beim Angriff von Nordmännern auf Senuas Stamm getötet. Senua selbst ist aber keine gewöhnliche Kriegerin. Sie galt in ihrem Dorf als „verflucht“. Schon ihre Mutter hörte Stimmen und auch ihre Tochter wird von denen heimgesucht. Mit ihrer Reise durch Helheim versucht Senua nicht nur Dillion zu retten, sondern muss sich auch ihren eigenen Dämonen stellen…

„Hellblade“ empfiehlt zu Beginn des Spiels, man solle das Ganze doch bitte mit Kopfhörern spielen, um den Surround Sound voll auszunutzen. Habe ich gemacht… und es hat mich beinah selbst verrückt gemacht. Vier Psychologen haben den Spielemachern von Ninja Theory nämlich dabei geholfen, Senuas Fluch spielerisch einzufangen. Und meine Güte, das gelingt ihnen so gut, dass dieses Spiel eine der nervenaufreibendsten Spieleerfahrungen gewesen ist, die ich je hatte.

Es fängt schon damit an, dass man die Stimmen in Senuas Kopf ständig hört. Die schreien wild durcheinander, sind konstant am Plappern und lassen einem kaum Zeit, mal in Ruhe selbst nachdenken zu können. Hin und wieder sind sie im Kampf zwar hilfreich, weil sie einem Anweisungen geben… aber ansonsten sind sie eine Katastrophe. Jeden Zweifel, den Senua hat, sprechen die Furien in ihrem Kopf laut aus. So wird man ständig runtergemacht, man würde dies oder das nicht schaffen; man solle doch lieber gleich aufgeben. Diese konstante Beschallung allein ist schon anstrengend, aber was Ninja Theory dann noch liefert, sind einige der gruseligsten Erlebnisse, die ich je in einem Spiel hatte. Man spürt zu jeder Zeit Senuas Angst und sie wird zur eigenen Angst, wenn man sich wundert und fragt, was wohl als nächstes kommen wird.

Wie gesagt, „Hellblade“ ist auch ein sehr metaphorisches Spiel. Prüfungen, die Senua beispielsweise durchlaufen muss, um ein Schwert von Odin zu bekommen, sind am Ende Bewältigungsversuche ihrer eigenen Vergangenheit. Über die Zeit entschlüsselt man, wie mit Senua umgegangen wurde. Ihr Fluch machte sie zur Außenseiterin, zum Sündenbock, zu einem ungeliebten Wesen, das weggesperrt gehörte. In dieser Dunkelheit und Einsamkeit entfaltete sich ihr „Fluch“… und wir als Spieler müssen das noch einmal mit ihr durchleben.

Es gibt ein Level, in dem man sich nur nach dem Klang orientieren muss, weil man sonst kaum was sehen kann… doch in dieser Dunkelheit lauern merkwürdige Monster. In einem anderen Level wird man von einem Monster in der Dunkelheit verfolgt und muss sich mühsam von einem kleinen Lichtfleck zum nächsten bewegen. Wir müssen uns immer wieder auch auf die Suche nach merkwürdigen Runen machen, die Senua Tore öffnen lassen. In einem anderen Level springen wir von einer kaputten in eine heile Welt und jagen dabei immer wieder Dillions Geist. So zerrüttet wie Senua durch ihren vermeintlichen Fluch ist, so zerrüttet und anstrengend sind auch die Level. Dabei trifft man hier und da auch immer wieder auf Gegner, die im Schwertkampf besiegt werden müssen… aber am Ende war das nie so wirklich das Anstrengendste (zumal ich ja auch auf „Leicht“ gespielt habe). Vielmehr ist es alles andere… die Level-Designs sind fordernd, Senuas Wahnvorstellungen gruseln einen manchmal echt halb zu Tode und das Sounddesign ist einfach mal unheimlich-großartig.

„Hellblade: Senua’s Sacrifice“ ist ein kleines, aber feines Spiel. Man hat es sehr schnell durch, was aber auch daran liegt, dass man den Controller einfach nicht weglegen kann. Ja, das Spiel war körperlich und geistig schon echt anstrengend, aber man will auch einfach wissen, wie es weitergeht. Man ist irgendwann so involviert in Senua, das man ihr einfach helfen will… sie ein Stück weiterbringen will, um Dillion doch noch zu retten.

Dieses Spiel fordert seinen Spieler extrem, gibt aber auch so unglaublich viel zurück. Zumal ich hier auch mehr über nordische Sagen gelernt habe als zum Beispiel zuletzt bei „God of War“. Unbedingte Spieleempfehlung (und unbedingt mit Kopfhörern, damit ihr die Stimmen im Kopf auch perfekt spüren könnt).

TGIF XXV: Rolands Echse

12. Juli 2019

Habt ihr wirklich gedacht, nur weil ich endlich „Godzilla 2: King of the Monsters“ gesehen habe, wäre das Abenteuer Kaiju hier schon vorbei? Pustekuchen… immerhin habe ich noch vier Filme übrig. Es wartet ja nach wie vor die animierte Netflix-Trilogie auf mich… und tja, heute widmen wir uns einem Schandfleck in Godzillas Filmografie, der selbst einige der schlechteren Filme der Reihe noch gut aussehen lässt. Wie die Überschrift schon vermuten lässt, geht es mir heute um „Godzilla“ von Roland Emmerich.

Durch die Atombombentests der Franzosen im Pazifischen Ozean mutiert eine Echse zu einem riesigen Monster. Dieses Monster stampft nun fröhlich Richtung New York, um hier eine Menge Eier zu legen. Nick Tatopoulos (Matthew Broderick) studierte in Tschernobyl mutierte Regenwürmer und wird deswegen vom Militär als Experte hinzugezogen. Doch auch der französische Geheimagent Philippe (Jean Reno) versucht, Godzilla unschädlich zu machen.

Mit „Godzilla vs. Destoroyah“ endete 1995 die Heisei-Periode. Diese Pause nutzte Hollywood aus, um Toho (wie auch immer) davon zu überzeugen, es wäre eine gute Idee, eine US-Version von Godzilla auf die Leinwand zu bringen. Roland Emmerich sollte das drehen, weil er zu dem Zeitpunkt ja eigentlich der Großmeister in Sachen „Städtezerstörung“ war. Sein „Independence Day“ hatte das eindeutig klargemacht. Leider ist Rolands Echse eine absolute Katastrophe… das geht dann soweit, dass Toho nur ein Jahr später mit „Godzilla 2000“ das Monster wieder aufleben ließ – zwar nicht besonders gut, aber mit mehr Herz als Emmerich. In „Godzilla: Final Wars“ rächen sich die Japaner dann ja endgültig und lassen den originalen Godzilla gegen Zilla antreten. Der putzt das Viech dann in fünf Minuten von der Erdoberfläche. Der Name Zilla für Emmerichs Echse stammt daher, weil Toho so enttäuscht war und meinte, Emmerich hätte das „God“ aus „Godzilla“ genommen.

Was leider nur zu wahr ist… Godzilla ist in diesem Film wirklich nicht mehr als ein mutiertes Monster. Es hat in diesem Sinne keine Seele und ist einfach nur eine Fressmaschine, die nichts anderes vorhat, als sich fortzupflanzen. Godzilla steht in diesem Film für nichts… und interessanterweise ist Godzilla in Emmerichs Version nicht einmal ansatzweise so zerstörerische wie sonst. Das Tier nimmt brav die Straßen von New York statt sich einfach durch die Gebäude zu boxen. Da ist das Militär dümmer und macht sehr viel mehr kaputt.

Das neue Design sieht einfach nur scheiße aus und ist wirklich nicht schön anzusehen. CGI halt. Computer-Effekte können einen schwitzenden Mann in einem 100kg Anzug eben nicht ersetzen. Dazu kommen dann irgendwann noch die Baby-Godzillas… und seit „Son of Godzilla“ wissen wir nun wirklich, dass Jungtiere noch nie gut für dieses Franchise waren.

Große Zerstörungen können wir hier also nicht erwarten… und dazu versteckt Emmerich die meiste Zeit seines 2-Stunden-Films sein Monster in der Kanalisation (!!!) von New York. Sprich, wir werden dazu gezwungen, uns mit den langweiligen Charakteren auseinander zu setzen… und die wissen alle nicht, ob sie in einem seriösen Film sind oder doch eher in einer Komödie. Matthew Broderick passt einfach mal überhaupt nicht in den Film und wird auch irgendwie nie gefordert, zu schauspielern. Der rennt einfach nur durch die Gegend und liefert seine Sätze ziemlich müde und ausdruckslos ab. Wie alle anderen auch… aber am schlimmsten trifft es Jean Reno. Was bitte ist passiert, dass er DIESE Rolle angenommen hat? Unglaublich öde, was der Franzose da von sich gibt… aber gut, was ich noch viel weniger als das glauben kann, ist die Tatsache, dass Led Zeppelin ausgerechnet für diesen Film zugestimmt haben, ihren großartigen Song „Kashmir“ durch Puff Daddy verhunzen zu lassen.

Emmerichs „Godzilla“ ist leider Gottes 2 Stunden Langeweile pur. Er verhunzt das Monster selbst, er verhunzt den Spaß an Kaiju-Zerstörungen und quält uns mit billigen und schlechten Witzen und Schauspielern, die sichtlich keine Lust haben. Gut, dass die geplante Trilogie (!) schnell wieder verbannt wurde und sich Toho danach erst einmal wieder selbst um Japans Riesenechse kümmerte.

Wertung: 2 von 10 Punkten (Emmerich tötet Godzilla… und alle Fans weinen)

P.S.: Als der Film damals in die Kinos kam, war ich 15 – und war schwer begeistert. Schon erstaunlich, wie sich der Geschmack in 21 Jahren ändern kann 😀

Die Spinne auf Reisen

10. Juli 2019

Erst war „Spider-Man: Far From Home“ der Anfang von Phase 4 des MCU, dann ruderte Kevin Feige auf einmal zurück und entschied, dass es doch das Ende von Phase 3 ist. Warum, das verstehe ich bis heute nicht so richtig. Warum kann „Avengers: Endgame“ nicht für das Ende stehen? Wozu muss Spidey da noch in Phase 3 gequetscht werden? Eine verdammt schwere Aufgabe, die der Spinnenmann da aufgedrückt bekommt – egal, wie sehr Tony Star nun sein Mentor gewesen ist oder nicht. Spidey den Abschluss machen zu lassen, wirkt etwas merkwürdig. Aber gut, am Ende sind das auch nur Kleinigkeiten, die gar nicht so wichtig sind. Also reden wir lieber einfach über „Spider-Man: Far From Home“.

Peter Parker (Tom Holland) reist mit seinen Mitschülern für zwei Wochen nach Europa. Dabei steht für die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft vor allem MJ (Zendaya) im Vordergrund. Der möchte Peter nämlich sagen, dass er sie mag. Leider ist das schwieriger als gedacht. Auf der ersten Station der Reise, in Venedig, wird Peter nämlich von Nick Fury (Samuel L. Jackson) angeheuert, eine neue Bedrohung zu bekämpfen: Vier Wesen, die sogenannten Elementals, bedrohen die Erde… gemeinsam mit Quentin Beck (Jake Gyllenhaal), der angeblich aus einem Paralleluniversum kommt, muss Spidey die Elementals bekämpfen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass das noch nicht alles gewesen ist.

Ob Spidey nun das Ende von Phase 3 oder der Anfang von Phase 4 ist, ist ja nun wirklich egal. Dennoch fand ich es sehr schön, wie sie mit den Ereignissen aus „Endgame“ umgegangen sind. Gerade in Bezug auf die Beziehung zwischen Peter und Tony Stark. Letztendlich ist das ein bisschen die krassere Version vom Verlust von Ben Parker. Einmal mehr muss Peter mit dem Verlust einer wichtigen Vaterfigur umgehen und seinen eigenen Platz finden. Da passt dann auch perfekt Quentin Beck a.k.a. Mysterio rein, der sich Peter als Freund nähert und mehr Verständnis für ihn und seine „normalen“ Probleme aufbringt als ein Nick Fury, der ihn einfach nur als Superheld braucht.

Überhaupt ist alles, was sich rund um Mysterio dreht, hier echt ziemlich super gemacht. Das liegt zum Teil natürlich an Jake Gyllenhaal, der einen Eimer Wasser spielen könnte und dabei einfach nur gut wäre. Zum anderen spielt der Film auch gekonnt mit der Figur Mysterio und liefert dabei einige sehr aufregende Passagen (über die ich jetzt nicht zu viele Worte verlieren kann, da ich mich schon gefährlich nahe am Spoiler-Territorium befinde). Mit Mysterio tobt sich Regisseur Jon Watts einfach mal ordentlich aus und wird damit dem Charakter Mysterio mehr als nur gerecht. Fans des Charakters können zufrieden sein.

Ich war von all dem schwer begeistert (aber ich bin ein Spidey-Fan der ersten Stunde und nur schwer nicht zu begeistern). „Far From Home“ setzt gekonnt noch einen drauf und übertrumpft auch „Homecoming“. Was beide Filme aber wirklich gut gemacht haben, sind a) die Schurken (in beiden Filmen großartig und etwas, was sich das MCU mal genauer anschauen sollte) und b) Peter Parker / Spider-Man. Tom Holland ist einfach perfekt für die Rolle und gerade „Far From Home“ stellt ihn noch mehr vor Probleme, die der Sympath irgendwie lösen muss. Die ganze „Liebesgeschichte“ mit MJ ist putzig, die Dynamik auch mit Ned (Jacob Batalon) ist wiedermal super. „Far From Home“ schafft gekonnt den Spagat zwischen Coming-Of-Age-Teenie-Gedöhns und Superhelden-Film… und das ist schon immer das gewesen, was ich an Spider-Man so gemocht habe. Er hat echte menschliche Probleme, aber auch Superhelden-Sorgen… und er hat jetzt nicht Milliarden von Dollar, um das wieder zu richten.

„Far From Home“ ist die James-Bond-Variante von Spider-Man, der – einziges Manko des Films – nicht durch New York schwingen darf (und wenn die Spinne irgendwo hin gehört, dann ist es ja wohl New York): exotische Schauplätze und ein fieser Schurke und ein Spidey-Girl, das ihm den Kopf verdreht. Das Ganze ist vermischt mit der richtigen Prise Humor, guter Spidey-Action und der für Spider-Man wohl aufregendsten Mid-Credit-Scene, die nicht nur einen großartigen alten Bekannten auftauchen lässt, sondern richtigen Ärger für den hoffentlich bald kommenden dritten Teil verspricht.

„Far From Home“ war für mich jetzt kein Abschluss von Phase 3. Es war der bisher beste Sommer-Blockbuster des Jahres, der perfektes Popcorn-Kino abgeliefert hat…

Wertung: 9 von 10 Punkten (sein Name ist Man, Spider-Man… und er funktioniert auch in Europa)

Monster-Mall zerstört alles

8. Juli 2019

So eine „Mall“ ist schon ein wahres Phänomen. Das ist eine Kleinstadt, die man mal eben in einen riesigen Klotz gestopft hat, damit die Leute drinnen nicht merken, was draußen passiert. Da darf dann geshoppt werden, da wird gegessen, da wird Spaß gehabt. Ich muss gestehen, ich bin nicht der größte Mall-Fan. Den alten Mann überfordert diese Reizüberflutung, das Klimm-Bimm aus jedem Laden, die tausend Gerüche, alles ist schrill und bunt und schreit dich bei jedem Schritt an. Eigentlich müsste ich mit einem epileptischen Anfall auf dem Boden liegen und jappsen… aber gut, dafür gibt’s ja Amazon. Die Malls machen die kleinen Läden kaputt und Amazon macht alle kaputt. Um eine Mall und die Zerstörung der Kleinstadt-Idylle geht es auch in der dritten Runde von „Stranger Things“.

Der Sommer 1985 ist auch in Hawkins heiß. Überall fliegen die Funken… und besonders schwer erwischt hat es natürlich Eleven (Millie Bobby Brown) und Mike (Finn Wolfhard), sehr zum Ärgernis von Sheriff Hopper (David Harbour), dem das alles so gar nicht passt. Natürlich ist die ganze Gang auch dabei, einfach den Sommer zu genießen… und die Vorzüge der neu eröffneten Starcourt Mall. Doch der Friede währt nur für kurze Zeit. Dustin (Gaten Matarazzo) fängt eine russische Geheimbotschaft ab. Neuzugang Max (Sadie Sink) muss feststellen, dass ihr Bruder Billy (Dacre Montgomery) sich irgendwie verändert hat… und schon bald schlägt das auch auf die ganze Stadt über. So ganz ist die Gefahr des Upside Down doch noch nicht gebannt.

Es ist schon verrückt, was aus diesem einstigen Geheimtipp „Stranger Things“ doch über die Zeit geworden ist. Kurz vorm Start von Staffel 3 konnte man sich nirgends mehr vor den Darstellern der Serie retten. Die waren wirklich überall und promoteten brav ihre Serie. Und… wenn ich mal ehrlich sein darf, so langsam haben sie es irgendwie auch nötig. Denn, wenn ich noch ehrlicher sein darf, so der Bringer ist Staffel 3 nicht mehr. Das klingt jetzt etwas zu hart, denn die Staffel ist immer noch unterhaltsam… aber das Feeling, dieses Besondere ist irgendwie weg. Jetzt, in Staffel 3, ist alles größer, knalliger und wilder.

Zum Teil ist das nicht schlecht, zum Teil gehen dabei aber auch sehr viele Dinge unter. Was gut funktioniert, ist nach wie vor das 80er Jahre Feeling. Ich glaube, keine Staffel hat das bisher so gut eingefangen wie die dritte. Immerhin steckt die Mall voller 80ies Kram, der Soundtrack ist prall gefüllt mit guten alten Songs. Das passt alles.

Dadurch, dass alles größer wird, wird auch die Gruppendynamik ein bisschen durcheinander gewürfelt. Highlight für mich war alles rund um Dustin, Steve (Joe Keery) und Robin (Maya Hawke). Das war witzig, das hatte Pfiff, war absolut unterhaltsam und spannend. Dieses Trio spielt wirklich großartig auf. Dagegen wirkt das Mini-Coming-Of-Age-Drama mit Eleven etwas schlapp… und da sehe ich eines der größeren Probleme mit „Stranger Things 3“. So wirklich entwickeln sich die Charaktere einfach nicht weiter. Es geht ein bisschen mehr um die Liebe, aber das war’s auch schon. Mehr trauen uns die Duffer-Brüder nicht zu, weswegen sie lieber weiter an der Oberfläche ihrer Charaktere kratzen. Was ich wirklich schade fand… immerhin wurde doch in Staffel 2 mal ein bisschen was aus Elevens Vergangenheit angedeutet, jetzt aber wird das vollkommen fallen gelassen.

Dennoch… und das möchte ich unterstreichen… hatte ich auch Spaß mit „Stranger Things“ Staffel 3. Es ist nur halt alles ein bisschen „plakativer“, alles viel Bumm, aber die Frage nach dem, was dahinter ist, wird nicht einmal angerissen (die ganze Russenthematik in dieser Staffel wird nie näher beleuchtet). Stattdessen gibt es viel Monster-Action, was Laune macht. Wie immer verstehen es die Duffer-Brüder gekonnt, ihre vielen kleinen Film- und Serien-Anspielungen zu machen. Ob nun „Magnum P.I.“, „Terminator“ oder Monster-mäßig Unheimliches (was ich hier aus Gründen der Spoilergefahr nicht näher beleuchten will)… es ist alles mit dabei. Wenn man jetzt mal ganz dreist wäre, müsste man wohl sagen, dass „Stranger Things“ nun endgültig im Mainstream angekommen ist. Vorbei sind die kleinen Indie-Zeiten, jetzt knallt es ordentlich. Das macht optisch viel Laune und unterhält kurzfristig… leider geraten die wirklich interessanten Dinge zu sehr in den Hintergrund. Wir wissen nach wie vor nichts über Eleven, das Upside Down, die Experimente, die Ungeheuer, die Russen… hoffen wir mal, das Staffel 4 das mal ein bisschen näher beleuchten wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (unterhaltsamer und kurzweiliger Spaß, dem ein bisschen der Tiefgang fehlt)

TGIF XXIV: Heiliger Gott-Zilla

5. Juli 2019

Es ist endlich soweit. Der Film, der meine lange Reise durch die Geschichte von Godzilla angestoßen hat, ist nun schon seit einiger Zeit im Kino und jetzt endlich habe ich es auch mal geschafft, mir „Godzilla: King of the Monsters“ anzuschauen. Immerhin ist diese neue Reihe auch dafür verantwortlich, dass wir bis 2021 warten müssen, um theoretisch wieder einen „richtigen“ Godzilla-Film sehen zu können. Toho und Legendary Pictures haben da ja angeblich so einen Deal, weswegen „Shin Godzilla“ vorerst der letzte Real-Film ist (aber keine Sorge, sie haben ein Schlupfloch gefunden und ihre Netflix-Trilogie zu Godzilla einfach  animiert – clever!!!). Aber jetzt endlich „Godzilla: King of the Monsters“.

Dr. Emma Russell (Vera Farmiga) wird vom Ökoterroristen Alan Jonah (Tywin Lannister… äh, Charles Dance) mitsamt ihrer Tochter Emma (Millie Bobby Brown) entführt. Russell hat nämlich ein Gerät entwickelt, das Schallwellen auslöst, durch die Titanen wie Godzilla und Co. angelockt werden können. Mit diesem Gerät erwecken Russell und Jonah Monster Zero, oder auch einfach auch nur King Ghidorah. Das wiederum löst eine Kettenreaktion aus: zig Monster, darunter auch Rodan und Mothra, wachen aus ihrem Jahrhundertschlaf aus und bevölkern die Erde… doch wer wird ihr Alpha-Tierchen? Ghidorah oder Godzilla? Wer wird am Ende König der Monster? Dr. Mark Russell (Kyle Chandler) versucht alles, um mit Hilfe der Organisation Monarch dafür zu sorgen, dass Godzilla seinen Titel behält.

Ich hatte viel unterschiedliches über „Godzilla 2“ gehört. Die einen fanden ihn stinklangweilig, die anderen wieder ganz gut. Ich dachte mir: „Hey, ich habe jetzt so viele Godzilla-Filme gesehen, der hier kann doch gar nicht so schlimm werden.“ Godzilla sei Dank, ich hatte Recht. Ich hatte viel Spaß mit diesem Monsterspektakel von Michael Dougherty. Vor allem, weil sich „Godzilla 2“ sehr würdevoll vor der alten Reihe verneigt. Da ist nicht nur der gelungene Einsatz des Original-Godzilla-Themes oder der aus dem Original-Film stammende Oxygen Destroyer. Emma Russell wird hier zu einer modernen Version von Miki Saegusa, die in „Godzilla vs. Spacegodzilla“ doch am Projekt T arbeitete, mit dem sie Godzilla steuern wollte. Das Gleiche macht Russell ja nun auch. Mothra hat in diesem Film zwar keine Elfen-Zwillinge, aber dafür stammt die von Zhang Ziyi gespielte Dr. Chen aus einer Familie, in der es viele Zwillinge kam und die auch auf Mothras Insel Forschung betrieben. Allein diese kleinen Easter Eggs waren schon sehr unterhaltsam.

Die Monster-Action in diesem Film kann sich im Vergleich zu 2014 Godzilla auch wirklich sehen lassen. Klar, es kam auch hier ein paar Momente, wo ich lieber weniger von den Menschen und mehr von den Monstern gesehen hätte. Dennoch ist die Anzahl der Monster-Szene sehr zufriedenstellend. Die Kämpfe sind der Hammer und toll in Szene gesetzt. Überhaupt zelebriert Dougherty ziemlich gekonnt die Monster… teilweise in Bildern, von denen man direkt einen Screenshot machen möchte. Allein dieses Bild von Ghidorah auf dem Berg mit dem Kreuz im Vordergrund. Das sieht schon sehr gut aus. Hier geht endlich mal wieder ordentlich viel kaputt… die Monster sind zu jeder Zeit eine absolute Bedrohung und furchteinflößend.

Etwas problematischer wird es allerdings bei der Story… obwohl auch die immer noch besser ist als das Etwas von 2014. Die Öko-Terror-Story ist eigentlich ganz interessant gewesen… nur die Menschen selbst nerven dann doch wieder mehr. „Stranger Things“-Lady Brown hätte man sich irgendwie auch sparen können… und auch alle anderen werden eher uninteressant dargestellt. Was ich aber abgesehen von den Menschen wirklich mochte, war die neue Mythologie – inklusive Hollow-Earth-Theorie, alten Kulturen, noch älteren Göttern und Außerirdischen. Alles Dinge, die ein gutes Godzilla-Franchise nun einmal braucht. Hoffentlich bauen sie das dann in „Godzilla vs. Kong“ noch weiter aus.

Alles in allem hatte ich mit „Godzilla: King of the Monster“ eine gute Zeit. Es gab viele Monster, es gab viel Zerstörung, es gab story-technisch ein paar interessante Ansätze, was immer noch besser ist als so einiges, was ich bisher gesehen habe in diesem Franchise. Außerdem: Wer will schon Story, wenn es doch Monster gibt. Ich sage, gebt uns noch mehr Monsterkämpfe!!!

Wertung: 8 von 10 Punkten (Monster-Fans kommen hier schon voll auf ihre Kosten)

Die Serie über Nichts

3. Juli 2019

Ich bin ein „Friends“-Kind. Ich bin mit den sechs Freunden aus New York aufgewachsen und ich habe die Liebe zu dieser Serie bis heute nicht verloren. Die Sitcom wird von mir immer noch regelmäßig geguckt, einfach weil sie Teil meiner „Kindheit“ bzw. meiner Teenager-Jahre gewesen ist. Ich habe die Serie mittlerweile so häufig geguckt, dass ich wirklich mitsprechen kann. Man könnte schon sagen, dass ich ein Hardcore-Fan der Serie bin. Von daher ist es natürlich immer schwer, wenn jemand daherkommt und dir sagt, dass „Friends“ ja nicht wirklich DIE Sitcom schlechthin ist, sondern nur eine Kopie einer anderen Serie. Diese andere Serie habe ich jetzt endlich mal geschaut… denn ja, chronologisch gesehen war „Seinfeld“ einfach vor „Friends“ da. Aber ist es wirklich die bessere Sitcom?

„Seinfeld“ erzählt uns in neun Staffeln die Geschichte von Jerry Seinfeld (Jerry Seinfeld), der als Comedian arbeitet und in New York lebt. Sein bester Freund ist der leicht cholerische und neurotische George (Jason Alexander). Jerrys Nachbar ist der quirrlige, durchgedrehte Kramer (Michael Richards), der sich bei Jerry einnistet, ihm das Essen aus dem Kühlschrank futtert und mit den irrsinnigsten Ideen daherkommt. Schließlich hätten wir noch die Dame in diesem New Yorker Vierer: Elaine (Julia Louis-Dreyfus), eine selbstbewusste, aber auch manchmal etwas eigenartige Frau, die mal mit Jerry ausgegangen ist.

Mir wurde „Seinfeld“ immer als die Serie über Nichts verkauft. Eine Aussage, die ich nicht ganz nachvollziehen kann – jetzt nachdem ich die Sitcom geguckt habe. Es geht doch um was… es ist nur halt etwas unkonventioneller als in anderen Serien. Letztendlich zeigt uns „Seinfeld“ vier egozentrische Menschen, die sich eigentlich kaum um ihre Mitmenschen kümmern und nur auf sich selbst achtgeben. Dass die Vier sich überhaupt ertragen können, grenzt dabei fast schon an ein Wunder. Aber gerade dieses übersteigerte Selbstbewusstsein sorgt für einen derartig trockenen und schwarzen Humor, dass man einfach nicht anders kann, als sich über diese Vier halb tot zu lachen.

Es geht auch in „Seinfeld“ viel ums Leben, um den passenden Job, um Geld, um Familie und um Liebe (also sicherlich nicht um Nichts), aber die Serie hat dank seiner Autoren Seinfeld und Larry David manchmal so eine Unverschämtheit drauf, dass man es selbst kaum glauben kann. Ich meine, Georges Verlobte stirbt und das wird einfach mal eben so abgefrühstückt, als wenn nichts wäre. Was passend ist, das George eh nur auf sich bezogen ist. „Seinfeld“ ist keine bunte, fröhliche Sitcom-Welt, wie wir sie sonst kennen. Diese Welt ist zynisch, makaber, absurd und eigenwillig.

„Seinfeld“ lebt von seinen vier Hauptcharakteren… und selbst wenn man doch irgendwie sagen muss, dass Jerry Seinfeld kein begnadeter Schauspieler ist, funktioniert es super. Michael Richards sorgt mit Kramer für Chaos und Slapstick, Jason Alexander ist einfach Neurose in Person und Julia Louis-Dreyfus grenzt manchmal noch an Normalität und setzt dann doch noch einen drauf.

Diese Serie hat so viele coole Einzelepisoden, die einfach echt im Gedächtnis bleiben. Die erste, die gezeigt hat, dass „Seinfeld“ anders sein kann, ist in Staffel 2, wenn die Freunde in einem chinesischen Restaurant darauf warten, einen Platz zu bekommen. Die nach wie vor beste Folge ist für mich in Staffel 4 „The Contest“, in der die vier darum wetten, wer am längsten aushält, nicht zu masturbieren. Oder natürlich der Soup Nazi in Staffel 7, der ja schon so zum Kult geworden ist. So könnte ich jetzt ewig weitermachen, denn trotz seiner stolzen Länge von 9 Staffeln geht „Seinfeld“ nie wirklich die Luft aus. Die Serie bleibt sich zu jeder Zeit absolut treu und findet immer wieder kleine zusammenhängende Elemente (zum Beispiel wenn George und Jerry NBC eine Serie über Nichts vorschlagen). Selbst das Finale von „Seinfeld“ ist großartig: Die Vier werden festgenommen und vor Gericht gestellt und die wichtigsten Menschen aus neun Jahren „Seinfeld“ treten als Zeugen gegen die Vier auf. Passender hätte man das alles nicht beenden können.

Ich werde zwar weiterhin ein „Friends“-Fan bleiben, aber „Seinfeld“ hat sich jetzt direkt daneben gehockt und wird ab jetzt auch öfter geschaut.

Wertung: 10 von 10 Punkten (zwar keine Serie über Nichts, aber trotzdem einfach nur großartig)