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Kopfschuss und Feierabend

31. Januar 2011

Wir haben es doch immer gewusst: Gegen die üblen Zombie-Horden, die uns irgendwann alle auffressen werden, hilft nur eins – rohe Gewalt. Und das ist jetzt sogar wissenschaftlich bewiesen, wobei man sich natürlich schon fragen sollte, ob die Leute an den Universitäten nichts besseres zu tun haben als eine Studie durchzuführen, die den schwungvollen Namen „When Zombies Attack!“ (die komplette Sutdie findet ihr HIER) trägt. Da gibt es viele Rechnungen, die ich nicht verstanden habe. Was hängen bleibt, ist folgendes: Zombies kommen, wir sind tot. Versuchen wir, sie in Quarantäne-Lager zu stecken, sind wir früher oder später auch tot. Selbst ein Heilmittel kann nicht alle retten – schließlich ist jeder, der von seinem Zombie-Dasein gerettet wurde, wieder ein potenzielles Opfer für andere Zombies. Die Wahrscheinlichkeit auf ein Überlebend der Menschheit ist in diesem Szenario auch fragwürdig. Die einzige Hoffnung für ein Überleben der Menschheit heißt also „Feuer frei“.

Gut… das haben wir jetzt alles irgendwie schon gewusst. Es gibt nur wenig Ausnahmen im Zombie-Film-Genre, die nicht die Gewalt-Methode anschlagen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die neue Serie „The Walking Dead“ nach dem gleichen Schema arbeitet und für einiges Aufsehen sorgt – Zombie-Gewalt im Film geht ja noch, aber das Ganze in Serie klingt schon etwas kritischer. Aber die, die sich deswegen Sorgen machen, sind die gleichen, die sich damals wahrscheinlich über „Dexter“ aufgeregt haben. „The Walking Dead“ hat aber meiner Meinung nach ähnlich großes Potential wie meine Lieblingsserie über den mordenden Dexter – eben weil sie sich auch nicht nur auf die Gewalt beschränkt, sondern die Menschen hinter der Gewalt.

„The Walking Dead“ basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Robert Kirkman und zeigt uns die Welt nach der Zombie-Apokalypse: Der Polizist Rick Grimes (Andrew Lincoln) wacht nach einem Koma auf und muss feststellen, dass es nur noch tote Menschen und seelenlose Untote gibt. Auf der Suche nach seiner Familie trifft er die verschiedensten Überlebenden, findet große Städte ausgestorben und schließlich auch seine Familie und andere Bekannte wieder. Als Gruppe müssen sie nun in der Welt, die nicht mehr ihre ist, überleben.

Wie schon gesagt, es geht bei „The Walking Dead“ vordergründig um die Menschen. Dabei passt es natürlich perfekt in die Geschichte, dass Ricks ehemaliger Partner Shane (Jon Bernthal) während Ricks Abwesenheit etwas mit seiner Frau Lori (Sarah Wayne Callies) hatte. Das sorgt für eine spannende Gruppendynamik, zumal Rick (zumindest in der ersten Staffel) nichts davon erfährt. Diese Dreiecksgeschichte ist aber natürlich nicht Hauptaugenmerk der Serie, es geht ums Überleben und die Art und Weise, wie unterschiedlich Menschen agieren und reagieren. Zurück katapultiert in die Steinzeit müssen sie ihren eigenen Instinkten folgen – sie werden wieder Jäger und Sammler. Dadurch ergeben sich viele Konflikte innerhalb der Gruppe – wer folgt wem, wer hat das Sagen, wer darf bestimmen? Die Anpassung an die neue Situation fällt nicht immer leicht und so macht der Druck des Überlebens die Menschen selbst zu unkontrollierbaren Monstern. Somit fängt „The Walking Dead“ nicht nur die Zerstörung der Welt ein, sondern auch die Zerstörung der Menschheit – selbst, wenn einige von ihnen noch am Leben sind.

Doch diese Themen sind in der Serie nur deshalb so überzeugend, weil das Setting der Serie einfach perfekt stimmt. Die zerstörte Welt – die leeren Straßen, geplünderte Häuser, Leichen auf den Wegen – sieht erschreckend überzeugend aus. In einigen Totalen überkommt einen der ganze Horror – zum einen sieht es wahnsinnig cool aus, wenn Rick Grimes auf einem Pferd über einen riesigen Highway reitet, gleichzeitig sieht das – natürlich mit passendem Soundtrack und der blassen Farbgebung der Bilder – extrem unheimlich aus. Wenn dann noch die Zombies auf der Suche nach Menschenfleisch ankommen, ist der offensichtliche Horror perfekt. Für eine Serie geht „The Walking Dead“ dann ordentlich zur Sache und schont seine Figuren in keinster Weise. Hier muss jeder Schuß sitzen – entweder du triffst den Kopf oder du gehörst bald selbst zur mordenden Meute. Die Serie lebt in den Momenten von gut inszenierten Kämpfen, bei denen viel Blut spritzt und ich mich schon fragen musste, ob diese Serie jemals das Free-TV erreichen wird. Denn „The Walking Dead“ bleibt hart – zu seinen Figuren und seinen Zuschauern: So muss Grimes einen Toten zerhacken, sich seine Gedärme umhängen, um – nach Tod und Verwesung stinkend – durch eine Horde von Zombies zu laufen. Wo sie nur kann, setzt „The Walking Dead“ gezielt und auch sehr gekonnt, Horror-Effekte ein, die einem den Schweiß auf die Stirn treiben.

Die erste Staffel war nur sechs Folgen lang, Staffel 2 ist aber schon in Arbeit und ich kann nur hoffen, dass es so weiter geht. Wir können von Glück sprechen, dass man sich bei der Verfilmung der Comics zu einer Serie und keinem Film entschieden hat. Wenn die Serie das hohe Niveau der ersten Folgen halten kann, dann wird sie Serienfans noch lange in Atem halten können. Und dient gleichzeitig als Beweis dafür, dass wir keine wissenschaftliche Studie brauchen, um zu wissen, was wirklich gegen Zombies hilft: Kopfschuss und Feierabend!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Zombie-Apokalypse in Serie – unheimlich spannend und ungewohnt hart)

11 Kommentare leave one →
  1. 31. Januar 2011 07:26

    Ich hab mich schon immer gefragt warum Zombies nicht besseres zu tun haben als Gehirne zu fressen? Ich meine es gibt dich noch so viel mehr was man tun kann wenn man von den toten auferstanden ist. Zum Beispiel ins Kino gehen und einen Film sehen den man verpasst, Fussball mit dem eigen Kopf spielen oder seinen Nachbarn erschrecken.

    • donpozuelo permalink*
      31. Januar 2011 07:45

      😀 Könnte man alles machen, aber in erster Hinsicht haben die Burschen ja Hunger… und da muss dann auch der Filmvorführer und der Nachbar dran glauben. Außerdem… wer weiß, vielleicht ist Gehirn ja eine echte Delikatesse? Hannibal Lecter hat’s ja zumindest auch gern gegessen 😉

  2. 31. Januar 2011 08:17

    Dem kann ich größtenteils zustimmen. Hat mir auch sehr gut gefallen, diese erste Staffel – freue mich nun schon ziemlich auf Jahr 2 mit den Zombies 🙂

    • donpozuelo permalink*
      31. Januar 2011 10:51

      Ja, ich mich auch… aber ich glaube, ich werde mir die Wartezeit mal mit dem Comic verkürzen.

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