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The First Rule of Fight Club

8. Februar 2021

You do not talk about Fight Club!

Ich will mal trotzdem die Regel brechen… das wird Tyler Durden aber nur rausfinden, wenn er meinen cleveren Trick durchschaut und meine weiße Schrift, in der ich diesen Artikel schreibe, markiert. Ich bin halt schon ein schlaues Kerlchen (ein bisschen Selbstlob darf ja mal sein).

Es ist mittlerweile echt schon ein paar Jahrzehnte her, dass ich das letzte Mal David Finchers „Fight Club“ geguckt habe. Und ich war mir auch schon gar nicht mehr so sicher, ob ich den Film immer noch so cool finden würde wie damals, als ich ihn das erste Mal für mich entdeckte. Damals, als noch eher unbescholtener Filmegucker, war „Fight Club“ für mich einfach der coolste Film überhaupt. Aber mittlerweile bin ich ja als „Cineast“ gewachsen und muss gestehen, hatte auch ein bisschen Angst davor… schließlich ist „Fight Club“ ja mittlerweile auch bei einigen Kritikern verschrien – als dumme Anarcho-Fantasie für Mitt-Dreißiger, die damit ihre Midlife-Crisis filmisch ausleben können. Das alles schwirrte irgendwie in meinem Kopf herum, als ich die alte Special-Edition-DVD aus dem Regal kramte und mich ins Abenteuer „Fight Club“ stürzte.

Die Story dürfte ja wohl jedem noch gut im Gedächtnis sein, oder? Wir haben unseren namenlosen Erzähler (Edward Norton), der eigentlich alles hat: Einen guten Job, eine schöne Wohnung. Keine Sorgen, keine Probleme. Und dennoch fehlt etwas in seinem Leben. In seiner Schlaflosigkeit schleicht er sich von einem Meeting für Schwerkranke zum nächsten. Und dabei findet er auf einmal seine „Erlösung“. Blöd nur, dass er irgendwann auf eine weitere Touristin stößt, Marla Singer (Helena Bonham Carter)… die ihn stört. Als er jedoch auf einem Flug den charismatischen Seifenhersteller ( 😀 ) Tyler Durden (Brad Pitt) kennenlernt und nach dem Brand seiner Wohnung bei Tyler einzieht, verfällt er dessen anarchistischer Weltanschauung. Gemeinsam mit Tyler gründet unser Erzähler einen Untergrund-Fight-Club, der sich dann in sehr viel mehr entwickelt.

Ich nehme es gleich mal vorweg: Ich finde „Fight Club“ auch jetzt noch einfach nur toll. Vielleicht trügt mich mein Gefühl, aber ich finde, dieser Film ist vielleicht der verspielteste Film von David Fincher. Er geht in seiner ganzen Regie-Arbeit, mit der Kamera, den Schnitten und Effekten und auch der Musik voll in diesem Konzept „Fight Club“ auf. Der Film wird so ein wilder Ritt, der einem eigentlich nur selten eine Verschnaufpause gönnt. Und dabei orientiert sich das Ganze immer an unserem Erzähler.

Der große Twist des Films ist sicherlich jedem, der diese Zeilen hier liest, bekannt… und das Tolle an „Fight Club“ ist, dass der Film eben auch so wunderbar funktioniert, selbst wenn man den Twist halt schon kennt. Vielleicht sogar noch besser, wenn man dann eben Ausschau nach den Hinweisen hält. Jetzt erst ist mir so richtig aufgefallen, wie häufig Fincher eigentlich immer wieder durchblicken lässt, was die wahre Natur von Tyler Durden ist. Da kommt halt das Verspielte von „Fight Club“ mit rein. Es gibt in jeder Szene irgendwas zu entdecken.

Dazu kommt einfach, dass wir ein verdammt cooles Duo vor der Kamera haben. Edward Norton funktioniert für mich perfekt als desillusionierter Erzähler. Fincher soll mal gesagt haben, „Fight Club“ wäre für ihn „Die Reifeprüfung“ für 30-Jährige. Wenn Dustin Hoffmans Benjamin nach seinem Abenteuer mit Mrs. Robinson zu sehr in seinem Alltag versinken würde, könnte das vielleicht auch passen. Nortons Erzähler funktioniert aber vor allem deshalb so gut in meinen Augen, weil sich jeder Zuschauer irgendwie in ihn hineinversetzen kann. Ich sage natürlich nicht, dass wir jetzt alle durchdrehen und Fight Clubs gründen sollten… Aber seine „first world problems“ kann man schon irgendwo nachvollziehen. Sein Erzähler wirkt in vielen Dingen erschreckend realistisch – weswegen vielleicht gerade viele Kritiker-Kritiker des Films ihn so sehr verachten 😀 wer weiß…

Brad Pitt ist dagegen das genaue Gegenteil… und Tyler Durden ist eine weitere dieser Pitt’schen Paraderollen. Er darf nicht nur verdammt gut aussehen (und ja, meine Güte… bei dem Körper könnte man schon leichte Komplexe bekommen), sondern ist auch einfach wirklich witzig, charismatisch und anziehend.

„Fight Club“ ist und bleibt für mich so ein absoluter Kultfilm. Die Geschichte mit Twist funktioniert wunderbar – selbst, wenn man den Twist schon kennt. Die Darsteller gehen so unglaublich gut in ihren Rollen auf. Fincher verpackt das Ganze in einem schnellen und aufregenden Bilder-Spektakel voller Ironie, Brutalität und Drama. Vielleicht einer seiner besten, wenn nicht sogar DER beste David-Fincher-Film…

Wertung: 10 von 10 Punkten (auch nach gut 22 Jahren immer noch ein herrlich unterhaltsames Anarcho-Fest)

23 Kommentare leave one →
  1. 8. Februar 2021 08:31

    Das klingt famos. „Fight Club“ hat mir wohl das mit beste Kinoerlebnis meines Lebens beschert, doch danach habe ich den Film nur noch einmal auf DVD gesehen. Das ist auch schon wieder ewig her. Inzwischen stecke ich ja selbst tief im „Midlife“, insofern würde er mir vielleicht neue Perspektiven bieten… 😉 (Aber mein Film würde dann wohl eher „The Midlife Crisis Running Club“ heißen oder so)

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2021 13:34

      Boah. Wie cool… den Film hätte ich auch gerne im Kino gesehen. Aber auch so ist er ein toller Film… kann man sich nach wie vor gut anschauen.

  2. 8. Februar 2021 09:38

    Verspieltester Fincher gehe ich mit, dennoch gefallen mir mindestens drei seiner Filme besser. Dennoch findet man den mMn zurecht auf vielen Bestenlisten. Teile des Stils (insbesondere das Outfit von Brad Pitt) sind nicht so gut gealtert.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2021 13:35

      Die CGI Effekte sind nicht unbedingt gut gealtert. An Outfits störe ich mich da nicht so. Ist halt ein Produkt seiner Zeit 😁

      Welche Fincher Filme wären für dich denn noch so vor Fight Club?

      • 8. Februar 2021 21:18

        Sieben, Zodiac und Gone Girl
        Eventuell auch Verblendung

        • donpozuelo permalink*
          9. Februar 2021 07:36

          Zodiac muss ich noch sehen. Das kann ich nicht beurteilen. Sieben find ich auch großartig und Gone Girl auch

        • 9. Februar 2021 13:32

          An Zodiac scheiden sich ja die Geister. Manche finden zu lang und zu ziellos, das macht den meiner Meinung nach aber aus.

        • donpozuelo permalink*
          9. Februar 2021 19:45

          Den muss ich mal nachholen

        • 9. Februar 2021 20:11

          Den gibt’s auf Netflix

        • donpozuelo permalink*
          13. Februar 2021 08:34

          Gut zu wissen. Danke dir.

        • 13. Februar 2021 09:14

          Immer wieder gerne

  3. 12. Februar 2021 21:35

    Ich soll von Tyler Durden bestellen, er kommt demnächst vorbei und klärt das mit deinem offenherzigen Erzählen über den Fight Club. Zieh dich schon mal warm an. 😉

    • donpozuelo permalink*
      13. Februar 2021 08:33

      Oh shit… ich dachte, meine tolle Tarnung mit weißer Schrift auf Weiß fällt nicht auf. Verdammt. Dann geh ich schon mal in den Keller und übe ein bisschen 😅

  4. 22. Februar 2021 19:30

    Hehe, schön das mit der weißen Schrift 😉 Und ja, kann dir nur in allen Punkten zustimmen. Das muss auch erstmal gekonnt sein, dass ein Film auch dann noch sehenswert ist, wenn man den Twist kennt.
    Und ich glaube du hast mir mal erzählt, dass der Film hier besser als das Buch ist, oder? ich überlege ja immer noch, ob ich das mal lese. Vor Kurzem habe ich auch eine Comic-Fortsetzung gesehen … da frage ich mich ja schon, ob das was kann und Sinn macht.

    • donpozuelo permalink*
      23. Februar 2021 12:02

      Danke, danke. 😁 Absolut. Erst dann ist so ein Twist auch wirklich gut, wenn er dem Film davor trotzdem noch seine Daseinsberechtigung gibt.

      Das Buch habe ich leider nie gelesen. Ich überlege auch schon, ob ich mir das mal vornehmen sollte… die Comic-Fortsetzung soll wohl ziemlicher Käse sein, habe ich gehört.

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