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Consumer Recreation Services

23. August 2017

Mit „Alien 3“ feierte David Fincher ein recht fragwürdiges Debüt. Der Film hatte zwar ein paar interessante Ansätze, doch wurde dem jungen Regisseur viel zu viel reingeredet, so dass am Ende ein Film entstand, den man eigentlich lieber vergessen möchte. Vor allem aber hätte man meinen können, dass man auch einen David Fincher nach diesem Fiasko wieder vergessen könnte. Doch dem war nicht so… 3 Jahre nach „Alien 3“ tauchte er mit dem Thriller „Sieben“ wieder auf und konnte dann doch beweisen, dass er ein fähiger Regisseur ist. „Sieben“ war auch mein erster Fincher-Film und seitdem habe ich eigentlich brav alles geguckt, was der Mann auf die Leinwand gebracht hat. So auch damals „The Game“ – ein Film, der mich als Junge schwer beeindruckt hatte, mittlerweile jedoch nicht mehr so sehr…

Nicholas van Orton (Michael Douglas) ist ein reicher, reicher, reicher Typ, der außer seiner Arbeit und seinem Geld nichts in seinem Leben hat. Er lebt allein, hat keinen Kontakt zu seiner Ex-Frau, keinen Kontakt zu seinem Bruder Conrad (Sean Penn) und leidet immer noch unter dem Selbstmord seines Vaters, als er ein kleiner Junge war. An seinem Geburtstag taucht dann auch einmal sein Bruder auf und macht ihm ein Geschenk: Die Firma Consumer Recreation Services bietet individuelle Spiele für ihre Kunden an. Was das genau beinhaltet, wird Nicholas nicht verraten, doch als auf einmal in sein Haus eingebrochen wird, scheint er sich in seinem Spiel zu befinden, dass mehr und mehr außer Kontrolle zu geraten scheint.

Wer blinzelt, hat verloren.

Ich weiß noch, als ich das erste Mal David Finchers „The Game“ geguckt habe, war ich schwer begeistert von dem Film. Jetzt weiß ich aber auch, dass ich die Begeisterung nicht mehr so teile. Es ist mal wieder passiert. Wie zuletzt mit „Highlander“ musste ich auch mit „The Game“ feststellen, dass der Film nicht mehr die gleiche Sogkraft hat wie in meiner Erinnerung. Zum größten Teil liegt es natürlich auch daran, dass ich den „großen“ Twist am Ende schon kannte – und im Gegensatz zu „Fight Club“ ist „The Game“ nicht ganz so clever arrangiert, dass man ihn auch ohne Probleme noch ein zweiten oder drittes Mal gucken kann, um hier und da noch ein paar andere Nuancen zur Story zu entdecken. „The Game“ hat mich jetzt – nach Ewigkeiten – einfach nicht mehr so wirklich vom Hocker gehauen.

Dabei will ich jetzt nicht sagen, dass es ein schlechter Film geworden ist, aber tatsächlich juckte mich die Handlung viel weniger als früher noch. Vielleicht liegt es auch daran, dass Michale Douglas diesen Nicholas van Orton tatsächlich als sehr gutes, weltfremdes Arschloch spielt, der in seinem großen verlassenen Haus zu einer eigentlich jämmerlichen Figur verkommt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich zu viel schon wusste. „The Game“ scheint mir tatsächlich einer dieser Filme zu sein, der nur ein einziges Mal wirklich gut funktioniert – danach, wenn man „wissend“ ist, fallen einem die arg konstruierten Ereignisse im Film schon sehr toll auf. Allein die Tatsache, dass man ja letztendlich weiß, dass es sich alles um ein Spiel handelt, lässt die Begeisterung etwas flöten gehen.

Schwierig wird es dann am Ende eigentlich auch, wenn das Drehbuch verzweifelt versucht, uns auf eine andere Fährte zu locken – indem gesagt wird, dass Spiel ist gar nicht mehr das Spiel, sondern ein verrückter Plot, um an van Ortens Geld zu kommen. Ich weiß nicht, früher fand ich das alles cool und auch glaubwürdig, jetzt fiel es mir extrem schwer, dem Ganzen überhaupt noch Glauben zu schenken. Ich bleibe dabei: „The Game“ funktioniert heutzutage einfach nicht mehr. Er ist nicht wirklich gut gealtert. Der Film ist deswegen nicht unbedingt schlecht, er ist – im Gegenteil – handwerklich immer noch gut gemacht und alles, aber die Story wirkt jetzt sehr viel durchschaubarer. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir heutzutage echt schon andere Standards haben.

Wen ich aber nach wie vor sehr mag, ist Michael Douglas, der verdammt gut in diese Rolle passt. Einem Michael Douglas hatte man sofort diesen reichen Schnösel abgekauft, er hat einfach diese kalte Ausstrahlung in diesem Film. Es ist fast ein bisschen so, als wäre sein van Orton die Weiterführung von Gordon Gekko aus „Wall Street“. Ansonsten sticht niemand wirklich heraus – Sean Penn verkommt in einer winzigen Nebenrolle und selbst Douglas‘ Ko-Star Deborah Unger kommt nicht an Douglas heran.

So… da haben wir es also mal wieder: ein weiterer Film, der in meiner Erinnerung sehr viel cooler war. „The Game“ ist immer noch ein guter Film, aber nicht mehr der packende Film, an den ich mich erinnert habe.

Wertung: 7 von 10 Punkten (wer möchte denn nun ein Spiel spielen? 😉 )

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11 Kommentare leave one →
  1. 23. August 2017 09:45

    Kann ich für mich nicht so unterschreiben. Ich sehe den Streifen immer wieder gerne. Sicherlich, verliert er etwas, wenn man die Lösung kennt, aber so im Gros bleibt er bei meinen Lieblingsfilmen. Da lass ich nichts drauf kommen.
    Hingegen mag ich „Fight Club“ nicht mehr sehen. Da ist bei mir die Luft raus. Vielleicht auch, weil zu viel Kult drum veranstaltet wurde.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2017 23:14

      Ich seh ihn auch noch gerne, aber wahrscheinlich nicht mehr so sehr wie vorher.

      „Fight Club“ muss ich tatsächlich auch mal „untersuchen“. Ist auch schon ewig her, dass ich den Film gesehen habe.

  2. 23. August 2017 10:30

    Müsste ich mir mal wieder angucken, um mir ein frisches Urteil zu bilden. Aber ich denke, dass das heute alles doch ziemlich dünn wirkt, was den Ablauf angeht. Im Sinne von „was wäre eigentlich, wenn er sich da jetzt anders entscheidet“. Wenn er zum Beispiel auf der flaschen Seite vom Hochhausdach springt, ist er halt hinüber. Und davon gibt es da vermutlich einige Stellen. Weiß nicht, ob ich das heute noch schlucken würde. Damals fand ich den aber auch toll.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2017 23:15

      Ja… so ging es mir auch. Und ja, du hast Recht. Man erkennt zu viele Logiklöcher.

      • 23. August 2017 23:32

        Aber liegt das wohl mehr daran, dass man mittlerweile „besseres“ gesehen hat, oder dass man vermehrt auf sowas achtet? Vielleicht hilft es ja doch, wenn man den mehr als einen Hirn-Aus-Film nimmt, bei dem man nicht alles zu ernst nehmen sollte. „Panic Room“ von Fincher hat zum Beispiel ein ähnliches Problem, aber da hat es mich nicht gestört, als ich den vor ein paar Jahren nochmal gesehen habe.

        • donpozuelo permalink*
          27. August 2017 21:44

          Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich glaube, es liegt wirklich daran, dass man den großen Twist einfach schon kennt und der Film zu sehr darauf aufbaut, dass man ihn eben nicht kennt.

        • 27. August 2017 23:03

          Ja, könnte durchaus sein. Kennt man heute als das „M. Night Shyamalan Syndrom“.

  3. 23. August 2017 22:20

    Ohje, nicht gut gealtert? Schade, denn ich habe den Film wirklich als sehr gut in Erinnerung. Wollte mir der Wiederholungssichtung aber noch warten, bis die Remastered-Blu-Ray den Sprung zu uns schafft.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2017 23:16

      Ich bin gespannt, wie er dir gefällt, wenn du ihn nochmal schaust. 😉

  4. 25. August 2017 09:26

    Den habe ich damals auch geliebt und ich liebäugle schon lange mit einer neuerlichen Sichtung… jetzt sollte ich wohl doch meine Erwartungen etwas senken ^^

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2017 21:43

      Ja, ich bin gespannt, was du jetzt dazu sagst. Er ist doch sehr anders…

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