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Alt, aber nicht überflüssig

8. Juli 2015

Wir alle hassen Spoiler! Spoiler sind Scheiße, versauen sie doch immer einen spannenden Twist. Natürlich ist ein guter Film auch immer noch gut, selbst man dem Spoiler-Monster nicht entkommen konnte. Aber gerade einige Twists sind so herrliche WTF-Momente, die man nur einmal wirklich intensiv erleben kann. Filme wie „Fight Club“, „The Sixth Sense“ oder halt auch Serien wie aktuell etwa „Game of Thrones“ wären irgendwie nicht mehr das Gleiche, wenn sie einem gespoilert werden. Aber wann ist ein Spoiler ein Spoiler, wie viel darf man denn nun verraten, um Leute vielleicht neugierig zu machen?

Meine Devise lautet: Alles, was im Trailer zu sehen und in den ersten 20 Minuten (eines Films) passiert, darf erzählt werden. Und selbst bei den 20 Minuten muss man noch vorsichtig sein, aber es ist zumindest eine Art Grundsatz, um Spoiler zu vermeiden. Aber was macht man jetzt, wenn sich schlaue oder weniger schlaue Menschen einer Produktionsfirma und/ oder eines Verleihers überlegen, den größten Plot-Twist ihres neuesten Films schon im Trailer zu verraten? Man fragt sich wahrscheinlich zweierlei Dinge: 1) Sind die verrückt? Und 2) Haben die vielleicht noch was in der Hinterhand, was noch mehr Eindruck macht, als das, was sie im Trailer verraten?

Die Rede ist natürlich von „Terminator Genisys“ – dem fünften Teil der „Terminator“-Saga, die zwei großartige erste Teile hatte, einen dritten Teil, von dem wir lieber nicht sprechen wollen und einen vierten Teil, in dem der Terminator Arnold Schwarzenegger nicht anwesend war. Jetzt ist „Arnie“ aber wieder da… und wieder hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Sarah Connor (Emilia „Mutter der Drachen“ Clarke) zu beschützen. Denn in der Zukunft kämpft ihr Sohn John (Jason „ich rede mit Affen“ Clarke) gegen die Maschinen. Und weil die wieder einmal eine Tötungsmaschine in die Vergangenheit geschickt haben, sendet John seines fähigsten Mann, Kyle Reese (Jai „ich versaue Stirb Langsam 5“ Courtney) ebenfalls zurück in die Vergangenheit.

Hihi… ich bin wieder da…

Es klingt alles brav nach „same procedure as every year“… und das war auch den Produzenten klar. Weswegen sie meinten, sie müssten eine klare und eindeutige Botschaft senden, die uns skeptischen Zuschauern deutlich machen sollte: Dieser Film ist anders als alle anderen. Und deswegen verraten wir im Trailer und auf allen Postern, die wir zum Film auf den Markt bringen, dass der gute John Connor selbst eine Maschine ist… BAMM!!!!

Als ich das zuerst sah, wollte ich es nicht glauben. Als ich es ein zweites Mal sah, wollte ich es immer noch nicht glauben, dachte aber: „Vielleicht haben die ja noch mehr auf der Hand und bluffen hier nur großartig!“ Aber was das angeht, muss ich euch enttäuschen: Bis auf diesen Plottwist hat „Terminator Genisys“ nicht wirklich mehr zu bieten. Die Story verläuft in etwa so ab, wie man sich das nach diesem Trailer vorstellt… und das war’s. Es wäre ein schöner WTF-Moment im Kino gewesen, ist es jetzt nicht mehr. Schon mal irgendwie ein Minus-Punkt für den Versuch, das Ganze neuzustarten.

Aber ist es wirklich ein Neustart, wenn ich einen alten Schwarzenegger noch einmal als Terminator sehe? Ist es! Denn tatsächlich wird in „Terminator Genisys“ ein bisschen am Zeitreise-Rad gedreht, wodurch man gekonnt den dritten Film ignorieren kann. Stattdessen verneigt sich „Thor 2“-Regisseur Alan Taylor sehr gekonnt und auch sehr sehenswert vor Teil 1 und Teil 2 (Arnies Ankunft aus dem ersten Teil und der T-1000 sind wieder am Start… nur leider fehlt Robert Patrick), und spinnt dann seine eigene Geschichte.

Hier wären wir dann bei Minus-Punkt Nummer 2: Die Zeitreise-Gehirnverknoppelung ist ziemlich weit hergeholt und wird im Film dann auch noch ausgerechnet von Arnold himself im besten Arnie-Englisch erklärt, was das Verständnis noch etwas schwieriger macht. Aber gut, irgendwie verschmerzt man das… schade ist nur, dass Taylors neue Mär vom Terminator danach auch nicht sonderlich viel neue Innovationen aufweist. Aber gut, auch das kann man verschmerzen… schließlich ist Arnie back. Und schließlich ist das Ganze ja auch ein Action-Film.

Und ja, Arnie is back. Und bevor jemand fragt, die Erklärung, warum Arnie jetzt alt und grau ist und immer noch der Terminator sein kann, bekommt man im Film. Und so albern wie sie auch ist, so lustig ist sie irgendwie auch. Das ist sowieso der große Pluspunkt des Films: die herrliche Selbstironie in Bezug auf das Alter. „Old, but not obsolete“… Arnie ist und bleibt der Terminator und das macht er in „Genisys“ erstaunlich gut.

Es tut gut, ihn wieder in Aktion und in Action zu sehen. Schön auch zu sehen, dass sie ihm eine etwas menschlichere und liebevollere Geschichte auf den Leib geschneidert haben. Zwischen ihm und Emilia Clarke a.k.a Sarah Connor besteht eine fast schon familiäre Beziehung, die sehr schön ins ganze Konstrukt des Neustarts der Reihe passt. Die kleine Emilia und der große Arnie sind ein witziges Gespann, die einem sofort sympathisch sind und wirklich gut miteinander klicken. Dazu kommt ein Jai Courtney, der zwar etwas blass wirkt, aber seinen Kyle Reese gut abliefert. Jason Clarke als John/ Terminator ist ebenfalls cool, aber der große Wow-Effekte wurde einem halt schon genommen.

Dafür punktet „Terminator Genisys“ in Sachen Action, bietet coole Referenzen zu den ersten beiden Filmen, schafft sich aber auch ein paar eigene coole Sequenzen. Es knallt, es kracht… es ist Arnie back in Action. Auch wenn hier etwas mehr Neues nett gewesen wäre, überwiegt bei mir dann doch ein bisschen der Nostalgie-Faktor. Arnie ist wieder der Terminator und es ist nicht so schlimm geworden, wie ich dachte… gebraucht hätte diesen Film natürlich kein Mensch… aber was soll’s? „Old, but not obsolete“ – er hat’s bewiesen und sein Versprechen gehalten: He’s back!!!

Wertung: 7 von 10 Punkten (etwas wirr, etwas over-the-top, aber durchaus unterhaltsam)

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10 Kommentare leave one →
  1. 8. Juli 2015 07:59

    Klingt überraschend positiv und macht Hoffnung. Nach den Trailern hätte ich eigentlich nichts erwartet, doch werde ich auf Blu-ray bestimmt einmal reinschauen. Mochte ja auch den dritten und vierten Teil (zugegebenermaßen mit erheblichen Abstrichen).

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2015 11:37

      Ich war auch sehr überrascht. Die Trailer hatten mir – nicht nur wegen dem Spoiler – auch nicht wirklich zugesagt. Aber ja, man kann sich „Genisys“ durchaus anschauen.

  2. 8. Juli 2015 11:14

    Da ich ja immer noch nicht den angeblich so guten Actionfilm (Terminator 2) nicht gesehen habe, lässt sich ja schon abzeichnen, dass ich kein großer Fan der Reihe bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich als ersten den dritten Teil gesehen habe und der lässt einen ja eher mit Abscheu zurück.
    Genisys gehört somit zu den Filmen in diesem Jahr, die ich ganz getrost auf Seite legen kann, für mich also obsolet – aber hey, wenn Fans des Terminators auf ihre Kosten kommen, dann hat der Film sein Existenzrecht ja durchaus bewiesen.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2015 11:38

      😀 Ja gut… ob der Film nun eine wirkliches Existenzrecht hat, sei mal dahin gestellt. Gebraucht hätte ihn keiner, weil er auch wirklich nichts aufregendes zum Terminator-Universum beiträgt. Aber als Fan ist man tatsächlich gut unterhalten und freut sich darüber, dass Arnie wieder da ist. Und ja, du solltest wengistens mal den zweiten Teil gucken. Der ist schon verdammt gut.

  3. 8. Juli 2015 22:16

    Das mit dem Trailer fand ich echt mal so richtig dreist und frech … hat sich da irgendein schlauer Marketingmensch gedacht, dass man den Zuschauern beweisen muss, dass die Geschichte noch genug Überraschungen parat hat? Und einfach mal den Twist des Films vorweg nimmt? Ätzend … zuerst wollte ich den Film schauen, aber nach dem Trailer habe ich beschlossen mir stattdessen später die DVD auszuleihen … schade!

    • donpozuelo permalink*
      9. Juli 2015 11:41

      Das ist auch wirklich dreist gewesen. Und überflüssig. Es heißt ja selbst von denen, sie hätten es gemacht, um klar auszudrücken, dass dieser Terminator eine völlig neue Richtung einschlägt. Aber das hätte man doch sicherlich auch anders machen können. Schade… oder clever… weil alle drüber reden 😀

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