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Ein Zug voller Killer

8. August 2022

Ich hatte wirklich überhaupt keinen Bock auf „BULLET TRAIN“. Der Trailer lief seit gefühlt einem Jahr vor so gut wie jedem Film. Das Einzige, was ich da immer mochte, war die japanische Version von „Stayin‘ Alive“. Ansonsten sah das für mich eher wie „John Wick“ aus – nur jetzt eben in einem Zug. Und selbst nach drei Filmen bin ich, was die „John Wick“-Filme angeht, immer noch nicht wirklich in diesem Hype drin. Ich mag die Action, aber irgendwann wird es mir da einfach zu viel. Regisseur David Leitch hat mir zudem bisher auch noch keine wirklich gute Geschichte erzählt. Auch sein „Atomic Blonde“ fand ich jetzt nicht berauschend und „Hobbs & Shaw“ war jetzt auch nicht so dolle. Das Einzige, was mit bei „Bullet Train“ immer etwas fasziniert hat, war die Tatsache, dass das Ganze auf dem gleichnamigen Buch des japanischen Autoren Kotaro Isaka basiert (das ich demnächst auch mal lesen werde). Aber natürlich habe ich mir „Bullet Train“ gegeben (wie bei den John Wick Filmen schulde ich das meinem 16-jährigen Ich, das selbst Mr. Wick abgefeiert hätte)… und ich wurde positiv überrascht.

Profikiller Ladybug (Brad Pitt) möchte eigentlich niemanden mehr töten. Er geht zur Therapie, meditiert und möchte lieber reden, statt sich zu prügeln. Deswegen nimmt er auch nur noch vermeintlich leichte Jobs an. Sein neuester erfordert von ihm nur, dass er in den Schnellzug von Tokio nach Kyoto steigt, dort einen Koffer stiehlt und an der nächsten Station wieder aussteigt. Easy peasy… doch der Koffer gehört den Killern Lemon (Brian Tyree Henry) und Tangerine (Aaron Taylor-Johnson), die im Auftrag des berüchtigten Unterweltbosses The White Death unterwegs sind… und auch noch dessen Sohn im Schlepptau haben. Als die nun feststellen, dass der Koffer weg ist und dann auch noch der Sohn ihres Auftraggebers stirbt, beginnt eine wilde Hetzjagd durch den Zug… und der ist voller Killer. Und Ladybug kommt so einfach nicht dazu, aus dem Zug friedlich zu entkommen.

Ich hätte nicht gedacht, wie viel Spaß ich mit „Bullet Train“ haben würde. Und ich glaube, es liegt wirklich daran, dass der Film auf einem Buch basiert. Was einfach bedeutet, wir haben hier gut ausgearbeitete Charaktere, die Spaß machen. Da wäre zum Beispiel Ladybug… die perfekte Rolle für einen Brad Pitt, der hier eine leicht trottelige, naive Art an den Tag legt, die aber darüber hinwegtäuscht, dass Ladybug doch einiges auf dem Kasten hat. Mein persönliches Highlight sind aber Aaron Taylor-Johnson und Brian Tyree Henry gewesen, deren Charaktere wirkten, als wären sie aus einem Guy-Ritchie-Film geklaut. Und die Tatsache, dass Henrys Lemon seine Sicht auf Menschen durch „Thomas, die Lokomotive“ erklären kann, ist witzig. Joey King, die als mysteriöse Fremde im Zug unterwegs ist, ist ebenfalls toll… sie ist der Joker des Films, bei dem man nie so richtig weiß, wann er wie zum Einsatz kommt. Sie geht von Queen Bitch zu verängstigtem Mädchen in Sekunden und spielt hier gekonnt alle gegeneinander auf. Verfeinert werden die Figuren durch kleine Rückblenden, in denen ihre Vorgeschichte auf süffisante (und auch wieder sehr an Guy Ritchie erinnernde) Art und Weise erzählt werden.

Ich hatte mit diesen Figuren echt viel Spaß, auch wenn David Leitch trotzdem noch zig anderen dazu packt, die dann am Ende doch etwas dafür sorgen, dass es ziemlich voll im Zug wird. Aber gut, es müssen ja auch ein paar Leute sterben. Dazu vermischen sich zahlreiche Cameos, die mal mehr und mal weniger gelungen sind, aber gut… konnte ich verschmerzen.

Spaß gemacht hat auch die Action. Einfach weil David Leitch natürlich, was Action angeht, zu den aktuell Besten gehört (und er war ja sogar Stunt-Double für Brad Pitt – u.a. in „Fight Club“). Dazu verbleiben wir die meiste Zeit im Film in diesem Zug, wodurch Action auf engstem Raum stattfinden und Leitch und sein Team dadurch sehr kreativ werden muss. Aber bei dem Typen, der uns „John Wick“ gebracht hat, braucht man sich da nicht zu sorgen. Die Action sitzt. Die Choreografien sind innovativ, witzig und eindrucksvoll – und vor allem nicht so kaputt geschnitten und unübersichtlich wie zum Beispiel zuletzt bei „The Gray Man“. Man erkennt hier was und sieht, dass sich Leute wirklich Gedanken gemacht haben.

Leider überzieht „Bullet Train“ dann zum Ende ein wenig seine Zeit. Zumal Leitch hier dann mit seiner Action doch auf einmal sehr viel größer werden möchte und das Ganze dann zu sehr in einem CGI-Gewitter untergeht. Außerdem findet der Film kein Ende, weil nach jeder neuen Offenbarung noch eine folgen muss, bevor der Abspann endlich läuft. Zusätzlich leidet das Finale von „Bullet Train“ daran, dass David Leitch uns ein bisschen für zu dumm hält und deswegen wirklich alles mit irgendwelchen kurzen Rückblenden noch einmal erklären muss. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist noch recht gut. Ich kann mir durchaus merken, was am Anfang des Films wichtig gewesen ist. Aber Leitch glaubt das nicht, also wird alles noch einmal gezeigt… unnötig und Zeit fressend, anstatt einfach ein rundes und passendes Ende zu liefern.

Nichtsdestotrotz hatte ich wider Erwarten Spaß. „Bullet Train“ ist lautes Popcorn-Kino mit bestens aufgelegten Stars und guter Action.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Cameo von John Wick hätte nur noch gefehlt)

3 Kommentare leave one →
  1. 8. August 2022 23:19

    Hatte heute abend auch viel Spaß mit dem Film – stimme dir aber zu, dass er ruhig auch etwas kürzer hätte sein können.

    • donpozuelo permalink*
      9. August 2022 07:09

      Cool. Freut mich. Ja, zum Ende hin wird es echt einfach etwas zu viel.

Trackbacks

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