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Mutter des Todes

6. Februar 2015

Es ist sicherlich nicht einfach als Regisseur in einer Film-Reihe einzusteigen, die bereits sehr erfolgreiche Filme in die Kinos gebracht hat. Da ist der Druck schon ziemlich enorm – sowohl von Seiten der Fans als auch von den Produzenten. Die einen wollen weiterhin prächtig unterhalten werden, die anderen wollen einfach nur fröhlich Geld scheffeln. Doch ist es ja bekanntlich nicht jeder Reihe vorherbestimmt, immer weiter und weiter erfolgreich zu laufen. Und die „Alien“-Reihe macht da keine Ausnahme… zumal die Vorgeschichte zum dritten Teil schon zeigt, warum dieser Film von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Nach dem Erfolg von James Camerons „Aliens – Die Rückkehr“ musste natürlich ein dritter Teil her. Doch das gestaltete sich schwieriger als erwartet. Besonders, als es darum ging, eine neue Story für den dritten Teil zu finden. EMPIRE ONLINE hat in einem Feature sehr schön aufgelistet, was da alles so im Raum schwebte – von einer Rückkehr auf die Erde bis hin zu merkwürdigen Mönchen, die in einer hölzernen Raumstation durchs All fliegen. „Alien 3“ kämpfte lange damit, überhaupt eine klare Linie zu bekommen. Auch war nie so richtig klar, ob Sigeourney Weaver als Ripley noch einmal zurückkehren sollte oder nicht… und natürlich stand die Frage im Raum, wer denn auf dem Regie-Stuhl Platz nehmen sollte. Es herrschte also ein ziemliches Chaos hinter den Kulissen und das merkt man dem fertigen Produkt auch an. Denn ein wirklich raffiniertes Skript hatte man nicht zusammenbekommen und Regie führte jemand, der vorher hauptsächlich durch Musik-Videos bekannt war und nun die Chance bekam, sein Debüt… so richtig gegen die Wand zu fahren: Mr. David Fincher.

Wo ist das Stöckchen?

Bevor Fincher uns in „Sieben“ das Grauen zeigte und uns in den „Fight Club“ schickte, ließ er in „Alien 3“ Ellen Ripley auf einem einsamen Planeten stranden, wo sie in einem Gefängnis aufgenommen wurde und dort gemeinsam mit den Insassen gegen ein mitgeschlepptes Alien zu kämpfen hatte… das sie auch noch geschwängert hatte.

Im Gegensatz zu seinen wirklich sehenswerten Vorgängern ist „Alien 3“ wie ein Schlag in den Magen. Die Story wirkt sehr aufgesetzt und am nervigsten ist dann auch dieser ständige religiöse Unterton, weil ja doch alle Gefangenen sich der Religion verschrieben und ihre Gelübde abgelegt haben. Immerhin merkt man bei der ganzen Gefängnis-Idee ein wenig den Einfluss von David Twohy, der dass ja dann für seinen „Riddick“-Film ein bisschen wiederverwertet hat. Aber im Gegensatz zu der „Riddick“-Passage funktioniert das Gefängnis-Setting in „Alien 3“ irgendwie nicht so richtig. Fincher gelingt es überhaupt nicht, da wirklich Atmosphäre aufkommen zu lassen. Weder wirken die männlichen Insassen (die seit Ewigkeiten keine Frau mehr zu Gesicht bekommen haben) auf Ripley bedrohlich, noch ist das mitgebrachte Alien irgendwie eine allzu große Bedrohung. Ja, es killt zwar ein paar der Insassen, aber die allgegenwärtige und unheimliche Bedrohung scheint es irgendwie nicht zu sein. Während man sich in den ersten beiden Filmen bei jedem neuen dunklen Gang gefragt hat, ob da nicht wieder was lauert, fehlt dem dritten Teil diese etwas unheimliche Grundspannung. Zumal dieses merkwürdige CGI-Ding, das da durch die Gänge läuft, jetzt auch nicht besonders gefährlich wirkt.

Dazu kommt halt, dass der Film auch der guten Ripley irgendwie nicht wirklich gut tut. Die Ripley, die wir in „Alien 3“ zu sehen bekommen, ist nicht mehr die Gleiche wie aus dem zweiten Teil. Auf der einen Seite natürlich schön zu sehen, dass sie nicht komplett auf die Action-Amazone angesetzt. Aber in „Alien 3“ hat man mehr das Gefühl, sie läuft der Story (welcher Story???) immer drei Schritte hinterher. Wenn sie dann anschließend mit kahl rasiertem Kopf durch den Film läuft, hätte man das Gefühl, als hätte ihr jemand ihr Mojo gestohlen. Hier läuft sie halt einfach nur gemeinsam mit den Knastis durch den Film und das war’s… am Ende liefert sie dann noch das ultimative Opfer… trotzdem irgendwie nicht das, was wir von einem „Alien“-Film erwarten.

Es ist schon fast ein bisschen erstaunlich, dass sich der gute David Fincher nach so einem Film in kurzer Zeit mit „Sieben“ rehabilitieren konnte… denn eigentlich hätte ihm dieser Film auch gut das (filmische) Genick brechen können. Aber zu seinem Glück war er ja nicht wirklich alleine Schuld an der Misere, die sich da „Alien 3“ nennt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (der große Absturz nach zwei tollen Filmen)

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11 Kommentare leave one →
  1. 6. Februar 2015 11:31

    Ich finde ja, dass der Film immer etwas zu schlecht wegkommt. Klar, er kann mit den Vorgängern nicht mithalten, aber es ist immer noch ein recht unterhaltsamer Vertreter der Reihe. Kein Meisterwerk, aber Fincher hat hier aus wenig zumindest noch etwas rausgeholt. Außerdem find ichs gut, dass man nach dem Actiongeballer aus Teil 2 wieder etwas Back To The Roots gegangen ist und den Fokus wieder mehr auf die versteckte Gefahr gelegt hat. Das einzige, was ich dem Film wirklich ankreiden muss, ist, dass er sich im Long Cut ganz schön in die Länge zieht. Die kompakte Kinoversion find ich aber nach wie vor ganz gut.

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2015 14:26

      Okay, vielleicht liegt’s auch daran. Ich habe jetzt tatsächlich die längere Fassung geguckt… und die zieht sich halt wirklich. Und dieses „Zurück-zu-den-Wurzeln“ finde ich auch nicht schlecht, nur funktioniert es meiner Meinung nach einfach nicht so richtig. Aber da kann man Fincher ja nicht wirklich zur Verantwortung ziehen, wenn man mal so guckt, was im Vorfeld des Films alles schief gelaufen ist.

  2. 6. Februar 2015 22:05

    Ach was Unsinn, der Film ist total gut, mag ihn fast lieber als „Aliens“. Hier ist wieder alles so schön rudimentär. Ich mag das. Vielleicht muss man aber auch in die Filme „hineinwachsen“, wer weiß. Für mich war er eine echte positive Überraschung im Gegensatz zum vierten Jeunet-Whedon-Desaster, der für mich bis heute Körperverletzung ist.

    • donpozuelo permalink*
      7. Februar 2015 12:06

      😀 Ja, okay… der vierte Teil ist wirklich Körperverletzung. Teil 3 leidet halt einfach unter der Vorgeschichte und wirkt auf mich einfach nicht richtig ausgereift. Die Idee an sich fand ich cool und auch die Tatsache, dass man wieder ein bisschen weg von der ganzen Cameron-Action geht. Aber irgendwie war’s dann doch ein wenig lang…

      • 7. Februar 2015 18:54

        Da sieht man wieder: Zeit ist so relativ. Wenn mir ein Film gefällt merke ich nicht wie lang er ist, ist er doof, sind 80 Minuten schon zu lang 😀

        • donpozuelo permalink*
          8. Februar 2015 08:48

          Absolut. Das Gefühl kennt wohl jeder. Zeit dehnt sich halt extrem, wen man sich langweilt… 😉

  3. 7. Februar 2015 11:40

    Ich mag den Film sehr, auch wenn er eindeutig seine Probleme hat. Über die letzten Jahr habe ich auch die Langfassung zu schätzen gelernt, die so manches Element noch einmal besser herausarbeitet. Zwar eindeutig schwächer als Teil 1 und 2, doch für sich genommen ein spannendes Stück Film.

    • donpozuelo permalink*
      7. Februar 2015 12:07

      😀 Eindeutige Probleme, das ist wohl wahr. Aber leider sind die, wie ich finde, so extrem spürbar im ganzen Film. Ich finde, man hätte so Sachen wie ihre Schwangerschaft einfach ein bisschen länger geheimhalten können… um so die Frage zu stellen, warum das Alien sie nie angreift. Und daraus hätte man dann vielleicht mehr machen können.

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