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Des Keyzers Kriminelle

18. Juni 2012

Es gibt Filme, da muss man nicht viel zu sagen. Da reicht ein Wort oder ein Name oder auch nur eine Bezeichnung aus, und man weiß sofort welcher Film gemeint ist: Ripley, Rosebud, HAL… die Liste könnte man beliebig lang fortsetzen. Ein weiterer wichtiger Name, den ich jetzt neu dazu gelernt habe, ist der Name eines berühmt berüchtigten Kriminellen – ein Geist, den keiner zu kennen scheint, aber dessen Name dafür sorgt, dass gestandene Männer Angstschweiß auf der Stirn haben. Und dieser Name lautet Keyzer Söze.

Da möchte man meinen, ein Mann, der vor allem durch seine Mutanten rund um Wolverine und Professor Xavier bekannt geworden ist, hat nicht wirklich mehr zu bieten. Aber Pustekuchen. Bevor Bryan Singer sich ums Comic-Geschäft kümmerte, gab es da noch „The Usual Suspects“ über fünf Kriminelle und den Keyzer Söze.

Auf einem Schiff im Hafen von San Pedro werden mehr als 27 Tote geborgen. Nur zwei Menschen überleben das Massaker. Einer von ihnen ist Verbal Kint (Kevin Spacey), der nun im Büro des Detective Dave Kujan verhört wird und eine wirklich spannende Geschichte erzählt: Alles beginnt mit einem gestohlenen Laster. Um in diesem Fall zu ermitteln, werden fünf Männer verhaftet: Dean Keaton (Gabriel Byrne), Michael McManus (Stephen Baldwin), Fred Fenster (Benicio Del Toro), Todd Hockney (Kevin Pollack) und Verbal Kint. Als man ihnen nichts beweisen kann, werden alle fünf freigelassen. Doch das Treffen der Fünf hat zur Folge, dass sie sich für einen Überfall auf einen Smaragdschmuggler einigen. Und dieser Job führt zu einem nächsten, bis schließlich dieser Keyzer Söze auf die Bande aufmerksam wird und ihnen einen Millionen schweren Deal vorschlägt – der sich als Himmelfahrtskommando erweist, doch zu dem Zeitpunkt haben die fünf keine andere Wahl mehr.

Ich frage mich gerade, als was ich „The Usual Suspects“ bezeichnen soll: Mystery-Heist-Movie? Das trifft es vielleicht noch am ehesten, denn womit der Film anfängt, sind Überfälle. Erst der Smaragdschmuggler, dann ein weiterer Überfall auf einen Juwelier, der aber schief geht… und schließlich das Angebot des Keyzers: fünf Männer, 90 Millionen Dollar und ein ganzes Boot voller Gangster. Bryan Singer arbeitet mit einem großartigen (und zu Recht Oscar prämierten) Drehbuch, dass all diese Überfälle gekonnt zusammenfügt. Jeder getane Job führt die kleine Bande näher an diesen Keyzer. Mit jedem „Einsatz“ dieser „Usual Suspects“ dreht sich der Schraubstock enger zu und ohne das die fünf es wissen, werden sie nach und nach Lakaien des Keyzers.

Die Heist-Sequenzen sind toll inszeniert und sorgen dafür, dass „The Usual Suspects“ fast so etwas wird wie ein Episoden-Film. Immer unterbrochen von einer Rückkehr in die Gegenwart, in der Verbal Kint im Polizeiverhör hockt. Und irgendwann fällt dann dieser Name und „The Usual Suspect“ wird auch ein klein wenig zum Mystery-Thriller. Da wird vom Teufel persönlich gesprochen, da werden krasse Legenden über den Anfang des Keyzers erzählt – viele Legenden und Mythen, doch niemand kennt diesen Mann. Er könnte jeder sein – selbst einer aus der Gruppe der fünf Ganoven.

An keiner Stelle wird uns vorab mehr über diesen Keyzer erzählt. Der Zuschauer wird auf verschiedene Fährten gelockt, die alle wahr sein könnten, doch für die es keine handfesten Beweise gibt. Durch viele Wendungen gelangen wir wirklich erst in den letzten Minuten zur Erkenntnis, wer Keyzer Söze wirklich ist. „The Usual Suspects“ ist damit wie „The Sixth Sense“ oder „Fight Club“ – beim ersten Mal haut dich die Offenbarung vom Hocker, beim zweiten Mal schaust du dann nach den Hinweisen dieser Offenbarung. Und es gibt sie… keine Frage, Singer hat dafür gesorgt, dass man sich „The Usual Suspects“ auch ein zweites Mal anschauen kann, ohne den Flair des Films zu ruinieren.

Und es liegt ja nicht nur allein am Drehbuch oder an Singers Regie, sondern auch an den tollen Schauspielern – allen voran Gabriel Byrne und Kevin Spacey. Byrne ist ja sowas wie der Kopf der Bande. Ein Mann, der eigentlich nichts mehr mit diesen Geschäften zu tun haben will, der aber gezwungen wird, sein schlechtes Gewissen zu ignorieren. Und Spacey, hierfür auch zu Recht mit einem Oscar ausgezeichnet, spielt den körperbehinderten Verbal Kint. Eigentlich ist er nur der Geschichtenerzähler, aber wie schon in anderen Filmen (ich sage nur „Sieben“) zuvor beweist Spacey auch hier, dass er nicht viel Zeit auf der Leinwand braucht, um zu beweisen, dass er ein großartiger Schauspieler ist.

„The Usual Suspects“ ist ein wirklich spannender Film, der seinen Zuschauer wirklich fesselt – erst mit guter Action, dann mit einem großen Geheimnis. Erstaunlicherweise musste ich aber erfahren, dass Filmkritik-Übervater Roger Ebert den Film in seine Liste „Filme, die ich hasse“ mit aufgenommen habe. Aber man sollte sich von solchen Erkenntnissen nichts vormachen lassen. „The Usual Suspects“ ist ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte… und wenn nur, um zu beweisen, dass selbst die ganz großen Kritiker fehlbar sind 😉

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (wer ist Keyzer Söze? Findet es selber heraus, es ist großartiges Kino!)

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6 Kommentare leave one →
  1. 18. Juni 2012 09:57

    Ja, sehr schöner Film. Habe ich damals geliebt, bei der letzten Sichtung fand ich ihn nur noch gut. Müsste ich zur endgültigen Meinungsbildung wohl nochmal schauen.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2012 10:52

      Wie gesagt, „The Usual Suspects“ ist ein Film, der beim ersten Mal richtig reinhaut… aber auch danach immer noch furchtbar sehenswert. Also: Unbedingt mal wieder anschauen!!!

  2. 18. Juni 2012 15:30

    Bei Roger Ebert habe ich auch nicht immer das Gefühl, dass er Filme von vorne bis hinten schaut. (Selten genug, wenn man’s genau nimmt.) Nichts zu sagen gegen „Usual Suspects“: Einer dieser seltenen Filme, die man gerne zweimal alleine schaut und danach der Reihe nach sämtlichen Freunden und solchen, die es werden wollen, zeigen möchte. Wie eben „Fight Club“, „Memento“, „Se7en“ … Der einzige Wermutstropfen: David Fincher hätte aus dem Skript vielleicht noch ein wenig mehr rausgeholt. Aber wir wollen ja nicht gierig sein.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2012 15:53

      Der gute Ebert… mittlerweile lese ich den auch eher nur noch so nebenbei. „Mal kurz schauen, was Ebert sagt“ und das war’s dann auch.

      Ob Fincher nun wirklich noch viel mehr aus dem Film hätte machen können, weiß ich nicht. Ich finde Skript und Film super, da hätte ich jetzt nicht wirklich was zu meckern. Außer der Tatsache, dass man sich gerne mal das Hirn reinwaschen möchte, um diesen Film noch einmal ganz unbekümmert sehen zu können. Um sich wirklich noch einmal so richtig, richtig umhauen zu lassen 😉

  3. 29. Juni 2012 08:41

    Das war einer der ersten Twists, den ich in einem Film gesehen habe und mich ORDENTLICH aus der Fassung brachte.

    Hach…damals… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2012 09:11

      Damals… als wir noch schön unschuldig waren 😉

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