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Der Eine Film

2. April 2010

Peter Jackson hat sehr eindrucksvoll vorgemacht, wie ein scheinbar unverfilmbares Buch in drei ausgezeichnete Filme passt. Mit viel Liebe zum Detail schuf Jackson seine „Herr der Ringe“-Trilogie, die die Maßstäbe für Fantasy komplett neu gesetzt hat. Jackson nimmt uns – wie schon Tolkien in seinen Büchern – mit auf eine magische Reise, die eigentlich alles hat, was wir für einen spannenden, aufregenden, großartigen Film brauchen. Doch interessanterweise war Jackson nicht der erste, der sich an Tolkien ausprobiert hat.

1978 schuf der Regisseur Ralph Bakshi einen Zeichentrickfilm, der auf der Geschichte Tolkiens basierte. Worum es geht, brauche ich ja jetzt wohl nicht mehr erklären: die Geschichte von dem Einen Ring, den erst der Hobbit Bilbo Beutlin findet und ihn dann an Frodo weiterreicht, ist den meisten sicherlich ein Begriff. Die weite Reise durch Mittelerde bietet leichte Romantik (auch wenn Tolkien insgesamt nur zwei oder drei Frauen in seinem Epos einbaut), viel Abenteuer und ordentliche Schlachten. Halt alles, was das Herz begehrt. Aber was bei Jackson in Perfektion auf die Leinwand bringt, enttäuscht derb bei Bakshi – und dabei hat er noch nicht einmal selbst Schuld daran.

Bakshis „Herr der Ringe“ hat nämlich ein riesiges Problem: er beinhaltet nur „Die Gefährten“ und die größten Teile von „Die zwei Türme“. Aber „Herr der Ringe“ ist eine Trilogie – „Die Rückkehr des Königs“ sucht man in Bakshis Film aber vergebens. Mitten in der Handlung hört der Film auf und verweist uns auf Teil Zwei. Teil Zwei wurde aber nie produziert. Warum, weiß ich nicht.

Dabei ist Bakshis „Herr der Ringe“ ein durchaus sehenswerter Film: die Figuren sind zwar einfach gezeichnet, dafür gibt sich der Film größte Mühe die grundlegenden Passagen der Geschichte darzustellen. Allerdings springt die Story sehr schnell von Ort zu Ort und lässt auch einige Figuren aus, die erst durch Peter Jackson wieder in den Vordergrund rücken – so lässt Bakshi Arwen ganz außen vor, ohne sie vorzustellen. Schade eigentlich, aber egal… denn „Herr der Ringe“ funktioniert auch so. Es geht ja schließlich nicht um die Frauen, sondern um die Gefährten des Rings.

Bakshi verbindet in seiner Verfilmung Zeichentrick mit Realverfilmung. Beispielsweise sind die Orks und die meisten Schlachten mit realen Schauspielern gedreht worden und im Nachhinein so bearbeitet worden, dass sie fast wie gezeichnet aussehen. Leider aber nur fast – man merkt es den Sequenzen deutlich an. Anfangs ist das etwas störend, aber man gewöhnt sich dran. Gleichzeitig trennt Bakshi so auch ganz gut, die Bösen von den Guten, die gut gezeichnet sind, während die Bösen in dunklen (weil nachbearbeitet) Bildern auftauchen.

Wer Peter Jacksons Version kennt, wird einige Parallelen bei Bakshi entdecken. Jackson hat auch zugegeben, den Film gesehen zu haben. Und es gibt schon ein paar Szenen und auch Figuren (vor allem Gollum), die sich Jackson wohl schon ein wenig von Bakshi abgeguckt hat – oder wie man vielleicht besser sagt: er ließ sich inspirieren.

In jedem Fall kann ich den „Herr der Ringe“-Zeichentrickfilm allen Fans der Trilogie nur wärmstens empfehlen. Schade ist wirklich nur, dass wir nie einen zweiten Teil (und damit den Abschluss) zu Gesicht bekommen werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein würdiger Vorgänger zu Peter Jacksons Verfilmung – leider nur ohne vernünftiges Ende)

9 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    3. April 2010 12:46

    Ewig nicht gesehen – könnte auch nicht mehr sagen, wie ich den damals fand. Dabei müsste der hier noch irgendwo herumstehen; vielleicht sollte ich mein Gedächtnis mal auffrischen …

    • donpozuelo permalink*
      3. April 2010 18:08

      Na, dann frohes Suchen… ist ja schließlich Ostern 🙂 da geht’s doch ums Suchen.
      Und immerhin ist der Film doch auch sehenswert… wenn auch nur, um witzige Vergleiche mit Jacksons Trilogie zu finden…

  2. 4. April 2010 14:44

    Ich kenne ja nur Jacksons Trilogie, weder den Zeichentrickfilm noch die (sicherlich herausragenden) Bücher. Meine Faszination über Mittelerde beschränkt sich eben auf DIE Fantasyfilme der letzten Jahre.

    • donpozuelo permalink*
      4. April 2010 18:12

      Also, die Bücher solltest du wirklich mal lesen. Da eröffnet sich noch eine ganz andere Welt.

  3. christiansfoyer permalink
    9. April 2010 22:04

    Oh Mann, den Film fand ich furchtbar. Aber der ist wirklich das ultimative Beispiel für „Geschmackssache“, der Stil kam bei mir einfach überhaupt nicht an. Auch wenn er in diesem und jenem Punkt durchaus näher an Tolkiens Büchern ist, diese Mischung aus verfremdeten Real- und Tricksequenzen finde ich sehr anstrengend zu gucken. Hab ihn einmal lange vor Jacksons Trilogie und einmal unmittelbar nach dem ersten Kinobesuch von „Die Gefährten“ gesehen, besonders letzteres ist wohl nicht der günstigste Zeitpunkt, sich Bakshis Werk ‚anzutun‘ 😉

  4. christiansfoyer permalink
    9. April 2010 22:10

    PS: es gibt eine Fortsetzung zu diesem Film, ist unter dem Titel „The Return of the King“ 1980 erschienen. Der unterscheidet sich im Stil allerdings sehr von Bakshies Film und wurde von den Produzenten in Zusammenarbeit mit einem japanischen Trickstudio für’s Fernsehen hergestellt, nachdem der Kino-Erstling schlicht und einfach nicht genug kommerziellen Erfolg verbuchen konnte

    • donpozuelo permalink*
      10. April 2010 17:47

      Der Stil ist wirklich etwas anstrengend. Aber man kann sich durchaus dran gewöhnen.

      Aber das es tatsächlich eine Fortsetzung bzw. ein Ende gibt, wußte ich gar nicht. Ist es denn wenigstens halbwegs sehenswert???

      • christiansfoyer permalink
        10. April 2010 22:07

        Kann ich nicht sagen, hab ich nicht gesehen 😉

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