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Der Whisperer-Krieg

7. April 2021

Ich glaube, so lange habe ich noch nie gewartet, um die Kritik für eine Staffel von „The Walking Dead“ zu schreiben. Wenn ich bedenke, dass die im Oktober 2019 begann und wir jetzt April 2021 haben, ist das schon verrückt. Allerdings auch nicht so verrückt, wenn man mal überlegt, dass wir seit über einem Jahr in einer Pandemie stecken, die übliche Mid-Season hatten, dann sieben Monate (aufgrund besagter Pandemie) auf die finale, 16. Folge warten mussten und es dann auf einmal noch hieß, es würde noch sechs weitere Folgen geben. Ich hatte nach Folge 16 schon im Oktober 2020 überlegt, die Kritik zu schreiben – aber wenn die Extra-Episoden zur Staffel zählen würden, konnte ich ja nicht einfach eine Kritik schreiben. Also wartete ich wieder brav (nur dieses Mal hatte sich das Warten so überhaupt nicht gelohnt… schon mal vorweg: abgesehen von zwei Episoden sind die Extra-Folgen der letzte Rotz gewesen)… und jetzt kann ich endlich mal sagen, wie ich Staffel 10 von „THE WALKING DEAD“ fand, die vorletzte dieser Serie.

Nachdem die Anführerin der Whisperers Alpha (Samantha Morton) ihre grausige Mauer mit den Köpfen von Gemeindemitgliedern gezogen hat, ist das Leben von Daryl (Norman Reedus), Michonne (Danai Gurira) und Co. etwas besser geworden. Die Whisperers sind immer noch eine Gefahr, aber man hat sich nun auf sie vorbereitet. In den Monaten seit dem Finale von Staffel 9 wurde viel trainiert… die Ruhe vor dem Sturm ist mehr als nur trügerisch. Besonders Carol (Melissa McBride) will sich endlich an Alpha rächen – und so eskaliert es dann auch schon bald und der Krieg gegen die Whisperers fordert zahlreiche Opfer.

Staffel 10 hat etwas geschafft, was ich nicht unbedingt für möglich gehalten hätte: Sie hat den Krieg gegen die Whisperers aus den Comics so enorm verbessert, dass die dagegen echt abstinken. Showrunnerin Angela Kang nimmt die wichtigsten Versatzstücke aus Robert Kirkmans Vorlage und macht sie besser: Alpha bekommt eine Art Vorgeschichte, die ihrem Charakter echt nochmal eine Menge Tiefgang beschert. Selbst Beta wird unter Kang nicht einfach nur eine riesige Kampfmaschine, sondern nachvollziehbar (und bekommt allgemein auch einen besseren Handlungsbogen als in den Comics). Neuzugang Thora Birch als dazu gedichtete Whisperer-Kriegerin Gamma passt wunderbar in die Story, um uns als Zuschauer auch das Leben dieser Horde etwas näher zu bringen. Bei Kirkman waren das alles einfach nur blinde Verehrer Alphas, die Serie lotet auch die Untiefen dieser „bedingungslosen“ Loyalität wunderschön aus. Die ganze Negan-bei-den-Whisperers-Nummer ist auch in der Serie stärker ausgearbeitet als es Kirkman für nötig gehalten hat (auch wenn ich eine angedeutete Sex-Szene zwischen Negan und Alpha nun wirklich nicht gebraucht habe).

Die Serie schafft es wirklich, diesen Konflikt gegen Alpha, Beta und deren Whisperers spannend und packend zu erzählen. Auch was in unseren Gemeinden passiert, ist wirklich sehr stark – am spannendsten ist gerade in der ersten Hälfte alles rund um Siddiq (Avi Nash) und seinen neuen besten Buddy Dante (Juan Javier Cardenas), wo sich wirklich mal wieder zeigte, wie gut Angela Kang mit diesen Charakteren umgehen kann. Leider funktioniert das nicht überall… gerade Melissa McBride als Carol ging mir ab der zweiten Hälfte der Staffel mehr und mehr auf den Keks (auch wenn ich alles zwischen ihr und Negan echt gut fand). Aber mal abgesehen davon hat auch Staffel 10 echt viel Spaß gemacht. Die Action war super, die Charakter-Momente waren stark und vor allem der Abschied von Michonne wurde – ähnlich wie die Rick-Folge in Staffel 9 – wirklich gut gemacht (bleibt nur die Hoffnung, dass wir diese Beiden in der elften Staffel irgendwie nochmal in der Serie sehen).

Eigentlich war auch Staffel 10 wirklich ein Fest und ein Zeugnis dafür, wie gut Angela Kang das Ruder nach dem vorherigen Showrunner Scott Gimple und dem Ausstieg von Andrew Lincoln als Rick und dem Tod von Carl und dem Ausscheiden von Lauren Cohan als Maggie herumgerissen hatte. Doch dann kamen diese Extra-Episoden…

… die wurden unter Corona-Bedingungen und -Auflagen gedreht, weswegen jede Folge sich nur um zwei, drei Charaktere dreht. Eigentlich nicht schlimm. Sowas kann „The Walking Dead“ auch. Aber es fing schon mit der lahmen Wiedereinführung von Maggie an, in der man uns fünf Minuten mal erzählt, wo sie bisher war. Danach bekommt Daryl eine Liebschaft in Rückblenden, die Princess-Folge beim Commonwealth war echt einfach nur Verarsche. In der zweiten Folge mit Carol und Daryl geht’s um Taschenmesser, eine Ratte und Suppe. Alles absolut langweilig und lahm erzählt. Nur die Folge mit Gabriel (Seth Gilliam) und Aaron (Ross Marquand) fand ich stark – und die letzte Folge mit Negan (Jeffrey Dean Morgan) sogar richtig gut und bei der zeigte sich dann auch wieder, dass die Serie die Comics sogar noch besser machen kann. Der „Here’s Negan“-Comic ist langweilig, unnötig und erzählt nichts, was man nicht vorher schon wusste. Die Folge bekämpft dieses Problem mit einer interessanten Erzählstruktur und einfach dem unglaublichen Charisma eines Jeffrey Dean Morgan, der hier mit seiner Frau Hilarie Burton wirklich ordentlich was abliefert.

Doch leider beschmutzen die sechs Extra-Episoden das gute Bild der zehnten Staffel – weil sie sich als vollkommen unnötig erweisen und einfach keine guten Charakter-Geschichten erzählen. Dennoch muss ich sie mit in die Wertung mit reinnehmen…

Wertung: 8 von 10 Punkten (bei einem Rewatch sollte man die Extra-Folgen einfach rauslassen)

3 Kommentare leave one →
  1. 7. April 2021 18:54

    Bei den aktuellen Bonus-Episoden bin ich ganz bei dir, sowohl bei der Gesamtbeurteilung, als auch bei den beiden positiven Ausreißern. Allerdings hatte mich der Großteil der eigentlichen Staffel schon nicht mehr bekommen. Wenn nicht grade Negan was zu tun hatte, fand ich das leider echt zäh.

    • donpozuelo permalink*
      8. April 2021 09:55

      Negan ist eh immer top, aber ich fand auch den Rest echt unterhaltsam… nur eben diese Extra-Folgen hätte es echt nicht gebraucht.

  2. 12. April 2021 00:13

    Ich konnte mich zu den extra Episoden nicht durchringen, denn am Schluss der 10. deutete sich ja an, dass es wieder langweilig werden wird, nach Alphas tot. Die Flüsterer waren wirklich das Highlight der letzten beiden Staffeln, da beißt die Maus keinen Faden ab.

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