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Die kühle Blonde

14. August 2019

David Leitch ist Stuntman… dementsprechend kennt er sich gut mit Action aus. 2014 zeigte er uns – gemeinsam mit Chad Stahelski – wie man wirklich gute Action inszeniert und bescherte uns „John Wick“. Teil 2 und auch „John Wick 3“ aber machte Leitch nicht mehr. Das muss ihn wohl doch irgendwie schwer getroffen haben, dass er Keanu Reeves gehen lassen musste, weswegen er 2017 in Charlize Theron seinen John-Wick-Ersatz fand und sie in „Atomic Blonde“ ähnlich verrückte Dinge tun ließ wie einst Reeves in „John Wick“. (Und seit neuestem machen ja auch Dwayne Johnson und Jason Statham in „Hobbs und Shaw“ unter Leitchs Regie noch verrücktere Dinge)

Berlin im Jahr 1989, kurz vorm Fall der Mauer. Ein Mitglied des britischen Geheimdienstes wird ermordet und seine Liste mit Agenten, die sowohl im Westen als auch im Osten arbeiten, verschwindet. MI6 und der CIA arbeiten in diesem Fall zusammen und schicken die Spionin Lorraine Broughton (Charlize Theron) nach Berlin. Hier soll sie die Liste ausfindig machen und nach Möglichkeit auch  gleich noch einen Doppelagenten erledigen. In Berlin unterstützen soll sie David Percival (James McAvoy).

„Atomic Blonde“ ist naja… und das beschreibt den Film eigentlich schon ziemlich gut. Die Story ist komplett Banane. Das Ganze wird als Bericht geschildert und die Rückblenden führen uns zurück zu Lorraines Erlebnissen in der geteilten Stadt. Dabei ist „Atomic Blonde“ leider kein sonderlich cleverer Agenten-Thriller, weil dem Zuschauer nie etwas geboten wird, um selbst ein bisschen zu ermitteln. Wir bekommen klare Klischees vorgesetzt, die sich (leider) auch nie als etwas anderes offenbaren. Die Jagd nach der Liste ist in etwa so spannend wie die Suche nach der einen Socke, die in der Wäsche verloren gegangen ist. Irgendwann gibt man einfach auf und schmeißt die andere Socke auch weg. „Atomic Blonde“ fordert uns nie, möchte aber gerne anspruchsvoll sein.

Dabei ist der Film leider nichts mehr als der Männer-Traum über eine sexy Agentin. Leitch lässt Charlize Theron in jeder nur erdenklichen Situation in den engsten und kürzesten Röcken auftreten. Gerne darf sie ihre langen Beine noch in Strapsen hüllen und nach Möglichkeit natürlich auch High Heels tragen. Um sich wenigstens ein bisschen progressiv zu zeigen, muss sie aber nicht mit Männern schlafen, um an Informationen zu kommen (das erledigt Jennifer Lawrence in „Red Sparrow“ ja schon). Sie darf sich in eine lesbische Beziehung mit „Die Mumie“-Dame Sofia Boutella stürzen.

David Leitch zelebriert also seine beiden weiblichen Stars… wie ein Mann das eben tun würde. Hauptsache sexy… dass seine Story dadurch aber nicht wirklich bereichert wird, scheint er wohlwollend in Kauf zu nehmen.

Ein Ass hat er ja wenigstens noch im Ärmel… und das ist die Action. Klar, auch die wird meistens in einem aufreizenden Outfit durchgeführt, aber die Action-Sequenzen sind schon verdammt sehenswert. Leider ist „Atomic Blonde“ die Art von Film, bei dem ein YouTube-Zusammenschnitt der besten Kampfszenen vollkommen ausreichen würde. Die Story interessiert halt null, aber die Action-Choreografien sind schon verdammt sehenswert. Da merkt man den „John Wick“-Faktor. Da merkt man dann, wo Leitchs Können wirklich liegt. Aber gut Action allein reicht in diesem Fall einfach nicht aus.

Wertung: 4 von 10 Punkten (langweilig und uninspiriert, aber mit cooler Action)

8 Kommentare leave one →
  1. 14. August 2019 22:49

    Hier könnte ich jetzt eigentlich das gleiche wie bei Red Sparrow schreiben…
    Wobei ich es dennoch beachtenswert finde, dass Theron offensichtlich Spaß an harten Actionrollen gefunden hat (Siehe F&F8 und Mad Max) und damit eigentlich die einzige A-Listerin aus Hollywood ist, die regelmäßig in solchen Filmen zu sehen ist. Wie kommt das?

    • donpozuelo permalink*
      15. August 2019 10:53

      Na gut, ihre Rolle in Fast8 war ja jetzt nicht so groß. Aber in Mad Max war sie super. Hätte auch nach wie vor gerne das Furiosa-Spinoff gesehen.

      Theron ist im Allgemeinen sehr flexibel und wandlungsfähig in ihren Rollen. Sie macht ja wirklich alles, wenn ihr die Rolle zusagt. Das finde ich eigentlich ziemlich cool an ihr. Sie passt so in keine Schublade.

      • 15. August 2019 21:44

        Na ja, sie war die Antagonisten im jüngsten Ableger eines riesigen Franchises (auch wenn der Rest des Films eher durchschnittlich war). Insofern würde ich ihre Rolle nicht klein nennen…

        • donpozuelo permalink*
          15. August 2019 23:58

          Das stimmt wohl, aber ihre Rolle selbst war jetzt trotzdem nicht so groß. Viel machen musste sie nicht. Ich frage mich aber, ob sie die Stimme hinter dieser Geheimorganisation in Hobbs and Shaw gewesen ist…

        • 16. August 2019 00:51

          Ich habe die Post-Credit-Scene nicht gesehen… wurde das da nicht aufgelöst?

        • donpozuelo permalink*
          16. August 2019 07:54

          Ich kann es nicht mehr sagen. 🤣 Ich hatte so viel schon wieder vergessen, kaum das ich aufgestanden bin…

        • 17. August 2019 16:47

          Verständlich ^^

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