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8 Bücher für 2018

28. Januar 2018

Ich werde des Öfteren gefragt, wie ich es eigentlich schaffe, trotz all der vielen Filme und Serien, trotz Arbeit und Privatleben, noch so viele Bücher zu lesen. Aber dann stelle ich die Gegenfrage, warum nicht? Ich könnte mir mein Leben ohne ein gutes Buch nicht vorstellen. Seit ich denken (besser gesagt: seit ich lesen kann), stecke ich meine Nase nur zu gerne in ein Buch. Aber gut, um das heutzutage alles so hinzubekommen, habe ich auch einen strengen Zeitplan, wenn ich das so sagen darf 😉 Unter der Woche stehe ich recht früh auf, um vor der Arbeit wenigstens noch 45 Minuten Zeit zu haben, um zuhause einfach gemütlich und in Ruhe zu lesen. Ja, dafür ernte ich viele irritierte Blicke, aber es ist einfach so. Dazu kommt dann noch die Fahrt mit der Bahn zur Arbeit – das sind auch noch einmal etwa 40 Minuten – und so ist dann also doch genug Zeit zu lesen (wenn ich mir am Wochenende nicht auch noch einmal ein bisschen Zeit dafür nehme, aber das ist einfach wichtig für mich!)

So, genug geschwafelt – wie jedes Jahr fragt irgendjemand in unserer lieben Blogger-Gemeinde, was wir uns für Bücher vornehmen. Dieses Mal habe ich den Aufruf von Friedl von Grimm zuerst gelesen – dorthin geht also mein Dank für die Inspiration 😉 Und ohne lange Umschweife (was für eine Untertreibung) kommen hier jetzt meine Bücher für 2018:

  • „Die Ermordung des Commendatore“ von Haruki Murakami

Als großer, großer, großer Murakami-Fan ist das einfach Pflicht-Lektüre. Murakami breitet die ganze Geschichte auf zwei Bände aus, weswegen ich diesen Band dann wahrscheinlich zwei Mal lesen werde. Denn bei „1Q84“ habe ich den Fehler gemacht, Band 3 lange nach den ersten beiden Bändern zu lesen – das war nicht so clever, weil ich schon vieles wieder vergessen hatte. Band 2 soll wohl auch schon im April rauskommen, vielleicht warte ich dann auch einfach so lange und lese die direkt hintereinander.

  • „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Moers

Eigentlich kenne ich Käpt’n Blaubär nur aus den Comic-Strips, die es in der Wochenendausgabe der Ostsee-Zeitung (die Tageszeitung in Rostock) gibt und eben aus den Episoden in „Die Sendung mit der Maus“. Ich habe mal vor Ewigkeiten „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ von Moers geschenkt bekommen und mochte das schon. Jetzt will ich mich mal an was Neues, Altes von ihm wagen.

  • „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow

Dieses Buch wurde mir mal vor Ewigkeiten von einer Arbeitskollegin empfohlen – und letztens falle ich doch da beim Stöbern direkt drüber. Ich wusste nicht wirklich, worum es geht, aber der Buchrücken mit seiner Inhaltsangabe hat mich dann doch irgendwie sehr fasziniert. Der Teufel richtet ein Durcheinander in Moskau an und nur der Meister und seine Geliebte Margarita können was dagegen ausrichten.“: Liebesgeschichte, historischer Roman, Gesellschaftssatire, vermengt mit viel Fantastischem. Ich bin jetzt schon sehr neugierig.

  • „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ von Yoko Ogawa

„Ein Buch über die Poesie der Zahlen“ – na da bin ich aber mal gespannt. Die Geschichte über einen Professor, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist und der zu seiner Haushälterin durch Mathematik eine Verbindung aufbaut, klingt erst einmal spannend. Mal schauen, wie schön Mathematik wirklich sein kann 😉

  • „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski

Mein Vater hat mir irgendwann mal das Kapitel über den Großinquisitor vorgelesen, in dem Jesus auf die Erde kommt und von der katholischen Kirche eingesperrt wird. Jetzt will ich es mal wagen, mir das ganze Buch vorzunehmen. Ich habe noch ein wenig „Respekt“ davor, aber ich werde es wagen.

  • „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace

Noch so ein Mammut-Projekt von einem Buch. Ich schleiche schon gefühlt seit Jahren immer mal wieder um dieses Buch herum, aber die schirre Größe und alles, was ich bisher darüber gelesen habe, haben mich immer ein wenig verschreckt. Aber 2018 wird das Jahr, in dem ich mich meiner Buchdämonen stelle (ob das bedeutet, dass ich irgendwann in diesem Jahr auch noch James Joyce „Ulysses“ lesen werde?)

  • „Die Geschichte der Hässlichkeit“ von Umberto Eco

Ich lese Umberto Eco sehr gerne, habe aber bislang noch nie was von seinen nicht-fiktionalen Werken gelesen. „Die Geschichte der Hässlichkeit“ hat mich dann auch gleich noch etwas mehr angesprochen als „Die Geschichte der Schönheit“. Aber wenn mir die Hässlichkeit gefällt, werde ich vielleicht auch noch die Schönheit wählen.

  • „Rachel Rising“ von Terry Moore

Comics sind bei mir sowieso immer Bestandteil der täglichen Lektüre, aber auf „Rachel Rising“ freue ich mich tatsächlich schon seit längerem. „Rachel Rising“ habe ich einem Spontan-Kauf zu verdanken. Jetzt ist auch dieses Monster von einem Comic-Omnibus endlich mal fällig.

Was ich gerade lese, ist übrigens die „Southern Reach“-Reihe von Jeff Vandermeer. Teil 1 „Annihilation“ kommt ja bald von „Ex Machina“-Regisseur Alex Garland und mit Natalie Portman in der Hauptrolle (leider) auf Netflix. Kann ich auch sehr empfehlen, habe ich jetzt nur nicht mit aufgeführt, weil ich Buch 1 fast schon durch habe.

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Ein Oscar für ein Pferd?

26. Januar 2018

Jede gute Serie erlaubt sich irgendwann in ihrer Laufzeit mal den Spaß, ein bisschen mit dem üblichen Konzept zu spielen. Das sind dann Folgen, die sehr im Gedächtnis bleiben (egal, ob nun positiv oder negativ). Für mich sind das zum Beispiel die Bermuda-Dreieck-Folge bei „Akte X“, die Fliegen-Folge bei „Breaking Bad“ oder die „Stumm-Folge“ bei „Buffy“. Eine ähnliche Folge hat auch die dritte Staffel von „Bojack Horseman“ zu bieten (also eine stumme Folge), doch darüber hinaus liefert „Bojack 3“ auch noch einiges mehr.

Bojack (Will Arnett) ist auf Promo-Tour für seinen Film „Secretariat“, einen Film für den er in seinen Augen gar kein Lob verdient hat, da er ja in Staffel 2 erfahren musste, dass er digital ersetzt wurde. Dennoch versucht seine neue Agentin alles, um Bojack den Oscar zu besorgen. Doch das Leben ist für Bojack nicht leicht und Oscar-Hoffnungen werden bald von anderen Problemen um ihn herum gehemmt. Dazu kämpfen Diane (Alison Brie) und Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) mit dem Eheleben und Princess Carolyn (Amy Sedaris) wagt den Sprung in die Selbstständigkeit.

Horse Lost in Translation

Staffel 3 war harter Tobak… aber bevor ich dazu komme, kurz zu DER einen etwas anderen Folge der Staffel: Die Unterwasser-Folge (Folge 4) war spitze. Bojack soll bei einem Unterwasser-Film-Festival eigentlich seinen Film promoten, gerät aber auf Abwege und muss sich um ein Seepferd-Baby kümmern. Die ganze Zeit über sagt in dieser Folge niemand ein Wort, denn Fisch versteht Bojack nicht und unter seiner Atem-Glas-Kugel kann er auch nichts sagen. Eine schöne Stumm-Folge, die auf sehr stille Art und Weise zeigt, wie viel Herz doch in dieser nach wie vor sehr schrullig aussehenden Serie steckt.

Doch auch der Rest der Staffel zeigt das. Spannend sind hier dann auch wirklich mal die Geschichten der „Nebencharaktere“ (also die neben Bojack), die viel stärker wirken als noch in Staffel 2. Hier werden dann die wirklich harten Probleme des Lebens thematisiert, die Ängste vor einer Selbstständigkeit, Zukunftsängste, Lebensplanungen, etc. Allgemein schildern die Probleme von Diane, Todd, Mr. Peanutbutter und Princess Carolyn mehr die wirklich nachvollziehbaren Themen für uns Normalsterbliche. Bojack ist ja doch schon zu abgehoben, um sich daran noch orientieren zu können.

Weswegen die Macher sich wohl auch gedacht haben: „Wir reißen unsere Ikarus aus dem Himmel und lassen ihn knallhart auf die Erde fallen!“ Und wow, die letzten drei Folgen der Staffel hauen sowohl Bojack als auch dem Zuschauer ordentlich in die Magenkuhle. Todd (Aaron Paul) konfrontiert endlich Bojack, was allein schon ein kleiner Meilenstein für diese Beziehung ist. Doch dann kommt der an „Fear and Loathing in Las Vegas“ erinnernde Drogentrip in der vorletzten Folge, in der Bojack mit seiner einstigen Sitcom-Partnerin Sarah Lynn (Kristen Schaal, ja, die Kristen Schaal aus „Gravity Falls“) auf Tour geht, um sich bei den Menschen zu entschuldigen, die er verletzt hat. Erst einmal eine witzige Folge, die langsam mehr und mehr in den Abgrund rutscht und einen mit pochendem Herzen und einen unheimlichen letzten Bild zurücklässt. Und dann hätten wir da die letzte Folge, die unseren Pferde-Freunde komplett am Abgrund sieht.

In diesen letzten drei Folgen zeigt sich Staffel 3 wirklich von seiner herausragenden Seite und beweist einmal mehr, dass diese Serie über ein Pferd so viel mehr ist als nur eine Animationsserie über ein Pferd.

Mich hat das alles echt ziemlich geplättet und ich brauchte erst einmal einen Spaziergang an der frischen Luft. „Bojack Horseman“ ist eine Serie, die wirklich faszinierend ist, weil sie so erschreckend ehrlich ist und die Abgründe von Menschen und Beziehungen aufzeigt. Natürlich haben das auch schon andere Serien vor „Bojack“ gemacht, aber gerade weil die Serie den abstrakten Weg in einer Welt von Tieren und Menschen wählt, bringt das die Botschaft irgendwie noch ein bisschen härter zur Geltung. Man meint, man könne sich ein wenig von all dem lösen, eben weil es ein lustig animiertes Pferd ist, aber man schafft es dann doch nicht. Wir leiden mit diesem lustig animierten Pferd und es tut weh.

Wertung: 9 von 10 Punkten (harter Tobak in einer Welt, wo Pferde für den Oscar nominiert werden können)

Schrumpfen für eine bessere Welt

24. Januar 2018

Die meisten Science-Fiction-Filme haben eine einfache Lösung für das Problem Überbevölkerung: Auswandern ins All. Da wurden schon in zahlreichen Filmen Menschen in riesige fliegende Kisten gesteckt und ins dunkle, dunkle All geschossen, in der Hoffnung einen neuen Planeten zu finden, den sie dann ausbeuten und verschmutzen können, bis sie den nächsten aufsuchen müssen. Ein Teufelskreis. Aber was ist denn nun eine gute Lösung für das Problem Überbevölkerung? Filmemacher Alexander Payne findet mal eine ganz neue Idee, die er uns in „Downsizing“ vorstellt.

Das Verfahren „Downsizing“ schrumpft Menschen auf ein paar Zentimeter Körpergröße. Dadurch verbrauchen sie weniger – weniger von allem und können dabei trotzdem leben wie die Könige. Für Paul (Matt Damon) und Audrey Safranek (Kristen Wiig) wollen das machen – doch als Paul als kleiner Mensch aufwacht, muss er feststellen, dass seine Frau gekniffen hat. Auf sich allein gestellt, muss Paul in dieser geschrumpften Welt seinen Platz finden. Dabei lernt er dann unter anderem seinen schrulligen Nachbarn Dusan (Christoph Waltz) kennen sowie die vietnamesische Aktivistin Ngoc Lan Tran (Hong Chau).

Wer möchte denn nun die Blume?

Seit dem ersten Trailer zu „Downsizing“ habe ich mich eigentlich auf diesen Film gefreut. Denn die Idee fand ich super. Menschen lassen sich schrumpfen, um so im Überfluss zu leben. Klingt super. Mini-Luxus pur. Klang nach einer charmanten und cleveren Idee, das Thema Überbevölkerung anzugehen. Aber jetzt – nachdem ich den Film gesehen habe – muss ich sagen, das ist mal wieder ein klassischer Fall von Trailer-Täuschung – zumindest in der Hinsicht, dass der Trailer so sehr viel besser ist als der eigentliche Film.

Mein größtes Problem an diesem Film ist, dass Payne viele interessante Ideen aufwirft, aber nie auch nur eine davon wirklich zu Ende denkt: Da wird über Überbevölkerung gesprochen, aber das Thema endet, sobald Paul selbst klein ist! Da wird darüber diskutiert, ob kleine Menschen wählen dürfen, sprich: ob kleine Menschen immer noch vollfertige Menschen sind. Aber auch das wird in einer Bar-Szene abgefrühstückt und weiter geht’s. Da zeigt uns der Film auf, dass es in jeder „neuen“ Welt immer wieder zu den gleichen Problemen kommt – sprich, der Mensch lernt nie wirklich was dazu. Denn auch in der Schrumpfwelt ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Fiese Diktatoren missbrauchen die Technik des Downsizings, um ihre Feinde zu schrumpfen. Aber auch das ist ein Gedanke, den der Film nur mal so kurz anreißt und sich dann wieder mit anderen Dingen beschäftigt.

Selbst der gut gläubige Paul, der all diese Dinge am eigenen Leib mit erlebt, reicht da nicht aus, um als wirklicher Sympathie-Träger zu fungieren. Was vor allem daran liegt, dass sich Payne nie wirklich die Zeit nimmt, ihm eine interessante Geschichte zu geben. Während der Film thematisch immer wieder hier hin und dorthin springt, bleibt Paul auf der Stelle. Payne hätte aus „Downsizing“ ja auch einfach eine emotionale Charakter-Dramödie machen können und selbst das gelingt ihm nicht wirklich.

Die Darsteller sind durch die Bank toll – aber wie gesagt, Matt Damon hätte man ruhig etwas mehr fordern können. Sein Paul ist recht blass und uninteressant. Witzig fand ich Christoph Waltz, obwohl ich mir auch von dem mehr erhofft hätte – einfach, weil sein Dusan ein cooler Halunke ist. Newcomerin Hung Chau überzeugt da von allen Schauspielern noch am meisten.

Insgesamt bin ich echt ziemlich enttäuscht aus „Downsizing“ herausgekommen. Die Idee ist toll, daraus hätte man – mit etwas mehr Struktur – einen wirklich tollen Film machen können. Doch Payne will einfach zu viel. Ja, er möchte seine Zuschauer zum Nachdenken anregen, nur überhäuft er uns dabei mit Gedanken zu allen möglichen Themen, das keines davon wirklich hängen bleibt. Wenigstens sieht „Downsizing“ ziemlich cool aus – die Schrumpf-Effekte sind schon toll gemacht. Aber so wirklich rettet das den Film dann leider auch nicht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nette Idee, die einen besseren Film verdient hätte)

Vertraue keinem Fremden!

22. Januar 2018

Eigentlich könnte diese Aussage gefühlt auch aus dem Intro einer „Akte X“-Folge stammen. Denn wenn die Serie uns eins gelehrt hat, dann die Tatsache, dass wir am besten niemandem vertrauen sollten. Schließlich könnte jeder Teil der Verschwörung sein, schließlich könnte uns jeder was Böses wollen. Doch nicht nur „Akte X“ hat die Paranoia in uns geweckt, sondern gefühlt auch jeder postapokalyptische Film, der jemals ins Kino kam oder jede Serie, die uns vom Ende der Welt erzählt. Wenn die Menschheit irgendwann untergeht, überlebt man am besten, in dem man möglichst misstrauisch ist und einfach keinem Fremden jemals wieder vertraut. Wenn alles hart auf hart kommt, gilt die Devise: „Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Und doch gibt es in solchen Filmen und Serien immer wieder Menschen, die trotzdem vertrauen schenken wollen… und auch dann geht das mit der Paranoia wieder los. Wie jetzt zuletzt gesehen in „It comes at night“.

Paul (Joel Edgerton), seine Frau Sarah (Carmen Ejjogo) und ihr Sohn Travis (Kelvin Harrison Jr.) haben es irgendwie geschafft, den Ausbruch eines gefährlichen Virus zu überleben, der das Leben auf der Erde so gut wie zerstört hat. Die kleine Familie hat aber – dank strenger Regeln und einem abgeschiedenen Haus mitten im Wald – ihr Überleben sichern können. Doch dann taucht eines Tages ein Fremder auf – Will (Christopher Abbott) – der angeblich auf der Suche nach Vorräten für sich und seine kleine Familie ist. Nach langem Hin und Her überzeugt Sarah ihren Mann, dass es doch gut wäre, Will und seine Familie einziehen zu lassen. Paul willigt ein… und lädt so am Ende doch die Paranoia ein.

„It comes at night“ ist mal wieder so einer dieser Horror-Filme, der mit sehr viel Vorschusslorbeeren daher kommt. Und das in einem Sub-Genre, das eigentlich gefühlt komplett ausgelutscht ist. Ganz ehrlich, so wirklich kann man doch mit diesem „Letzte Überlebende“-Thema auch kaum noch jemanden ins Kino locken. Dachte ich mir auch und trotzdem bin ich neugierig genug ins Kino gegangen. Denn der Trailer mit dieser roten Tür (die mich immer ein wenig an „American Beauty“ erinnert hat) sah schon verdammt viel versprechend aus. Dennoch muss ich am Ende sagen, dass mich „It comes at night“ jetzt nicht vom Hocker gerissen hat.

Es ist ein guter Film, solide, aber für mich ragt der aus der Vielzahl ähnlicher Filme einfach nicht wirklich hervor. Regisseur Trey Edward Shults, der auch das Drehbuch geschrieben hat, baut die Paranoia gut auf. Mit kleinen Fehlern in seiner Geschichte sorgt Will dafür, dass nicht nur Paul, sondern natürlich auch wir als Zuschauer an ihm zweifeln. Es ist schon spannend zu sehen, wie diese kleine Gemeinschaft sich nach und nach doch selbst zerfetzt – und zerfetzen trifft es eigentlich ziemlich gut. Also gerade das Ende von „It comes at night“ liefert einem echt einen harten Schlag in den Magen.

Wirklich interessant an „It comes at night“ ist aber doch die Tatsache, dass Shults aber nicht nur einen blossen Survival-Film mit der üblichen Paranoia inszeniert. Nein, weil er Sohnemann Travis in den Vordergrund stellt, bekommt der Film noch eine andere Ebene: eine mystische Ebene, durch die verrückten und ziemlich brutalen Visionen, die Travis in seinen Träumen hat. Hier kommt dann aber auch der Punkt, an dem mich der Film ein bisschen verwirrt hat: Da wird mir die ganze Zeit suggeriert, diese Visionen hätten eine Bedeutung, aber entweder ist mir diese Bedeutung entgangen oder ich habe sie nicht verstanden oder was auch immer, doch so ein bisschen fand ich die Visionen verspielt. Es waren gute Schockmomente, die auch wieder mehr angedeutet als gezeigt haben und somit wird die bedrohliche Atmosphäre des Films noch mehr gesteigert.

Das ist eine Sache, die „It comes at night“ wirklich gut. Der Film ist bedrückend und schwermütig. Man spürt die Paranoia, man spürt die Gefahr und weiß eigentlich von Anfang an, dass diese kleine Gemeinschaft keine gute Zukunft haben wird. Trotzdem füttert der Film mir zu viele Geheimnisse, die nie wirklich aufgelöst werden.

„It comes at night“ ist gute, spannende und solide Unterhaltung – sticht aber auch nicht sonderlich aus dem Riesenpott an postapokalyptischen Thrillern heraus.l

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich wäre definitiv nichts für die Welt nach dem Untergang 😉 )

Papa auf der Flucht

19. Januar 2018

Teil 1 war ein knallharter Rache-Thriller, der unerwartet sehr gut war und Liam Neeson als Action-Held etablierte. Teil 2 war ein Film, der erwartet nicht besonders gut war, weil niemand ihn gebraucht hat und der verzweifelt versuchte, Maggie Grace als Action-Heldin zu etablieren. Natürlich reden wir hier von der „Bryan Mills“-Saga, den „96 Hours – Taken“-Filmen. Und ja, ich habe jetzt endlich auch den dritten Teil gesehen und mich auch ein bisschen gefragt, warum überhaupt. Aber da bin ich dann zu eitel, ich will die „Reihe“ komplett gesehen haben, ich will da keine halben Sachen machen. Und deswegen kommt nun also „96 Hours – Taken 3“ (obwohl „Tak3n“ natürlich so viel cooler aussieht).

Bryan Mills (Neeson) hat ein Problem: Jemand hat seine Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) umgebracht und es so aussehen lassen, als wäre Mills selbst der Täter. Der flieht natürlich dank seiner besonderen Fähigkeiten geschickt vor der Polizei und versucht auf eigene Faust, den Mörder seiner Frau zu finden. Ihm dicht auf den Fersen ist Inspektor Franck Dolzer (Forest Whitaker).

Sie hat gerade „Taken 3“ gesehen…

Ich habe ein paar Fragen zu diesem Film und damit auch ein bisschen zur ganzen Reihe. Frage Nummer 1: Was ist eigentlich aus Kim (Maggie Grace) und ihrem Wunsch geworden, eine Sängerin zu werden? Immerhin verschaffte ihr Papa Mills im ersten Film Gesangsstunden bei einem Britney-Spears-ähnlichem Starlet. Da hätte doch eigentlich die Action-Musical-Variante von „Taken“ kommen können. Gut, kam aber nicht, stattdessen fuhr Kim erst Taxi und ist jetzt einfach nur noch so da. Nachdem sie in Teil 2 zur taffen Tochter gemacht wurde, wird sie in Teil 3 wieder zur ängstlichen Tochter gemacht, die sich fragt, wie sie Papa am besten erzählt, dass sie schwanger ist.

Frage Nummer 2: Haben die eigentlich wirklich geglaubt, dass wir Dougray Scott wirklich als Stuart annehmen. Der Typ sieht ja einfach mal gar nicht aus wie „The Walking Dead“-Ekel Gregory a.k.a. Xander Berkeley. Aber gut, wahrscheinlich haben sie sich gedacht, kein Mensch ist so dumm wie euer lieber Don und guckt sich diese Filme in einem Triple-Feature zuhause an und checkt erst einmal gar nicht, dass dieser Stuart der gleiche Stuart sein soll wie im ersten Teil. Was zur Hölle? Hätte man nicht einfach sagen können, sie hat noch einmal einen reichen Typen geheiratet? Merkwürdig, merkwürdig…

Tja und Frage Nummer 3 ist wohl am offensichtlichsten: Warum? Warum nur versaut man einen wirklich guten, sehenswerten Film mit zwei so unnützen Fortsetzungen? Obwohl ich ja auch gestehen muss, dass ich „Taken 3“ jetzt nicht ganz so schlimm fand wie „Taken 2“. Immerhin versuchen sie hier einen neuen Ansatz – und kopieren mal eben ganz dreist bei Harrison Ford und seinem „Auf der Flucht“ (sogar inklusive Flucht durch die Kanalisation).

Oliver Megatonne setzt jetzt auch wieder ein bisschen mehr Liam Neesons Bryan in den Vordergrund und gibt ihm schon ein paar coole Action-Sequenzen und Kampf-Szenen. Vorausgesetzt, man kommt nicht mit einem Schädeltrauma aus diesen Szenen. Meine Fresse… also es gibt ja schnell geschnittene Szenen und dann gibt es die Action-Szenen aus „Taken 3“. Wow, allein die erste Verfolgungsjagd, in der Mills vor der Polizei flieht, lässt ja kein Bild länger als eine Sekunde stehen – wenn überhaupt so lange. Das war schon etwas zu viel. Gut, wahrscheinlich musste man ein bisschen überdecken, dass Liam Neeson auch nicht mehr der Jüngste ist, aber so? Das war echt krass.

Ansonsten ist der Film so lala… das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Neeson und Whitaker kommt nie so wirklich in Schwung, weil Neesons Bryan Mills allen immer drei Schritte voraus ist und er es somit einem Forest Whitaker echt schwer macht, noch etwas aus dieser Rolle herauszuholen. Das Einzige, was an seinem Inspektor interessant ist, ist sein Fimmel, mit diesen Gummibändern herumzuspielen. Das war’s dann aber auch schon.

Die Story ist allgemein sehr an den Haaren herbeigezogen und versucht mit großen Wendungen zu punkten, die aber wirklich keine sind – vor allem, weil sie kompliziert lang erklärt werden müssen und selbst dann einfach nur öde sind.

Hoffen wir einfach mal, dass das jetzt wirklich der letzte Auftritt von Neeson als Bryan Mills ist – und nicht noch jemand auf die Idee kommt, eine Prequel-Reihe zu drehen, in der wir die Abenteuer des jungen Mills während seiner aktiven Zeit bei der CIA erleben dürfen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nette Action, aber kein würdiger Abschluss für Bryan Mills, der bei seinem einen Film hätte bleiben sollen)

Ein Pferd am Set

17. Januar 2018

Unfassbar… wie kann es sein, dass mich eine Serie über ein saufendes, rauchendes, leicht depressives Pferd so in den Bann zieht? Unfassbar… und einfach so genial. An dieser Stelle muss ich noch einmal der nörgelnden Stimme in meinem Kopf danken (die keine wirkliche Stimme in meinem Kopf ist, sondern der Typ, der auf Arbeit neben mir sitzt), die mich zu „Bojack Horseman“ gebracht hat. Ich habe es ja schon bei meiner Kritik zu Staffel 1 gesagt, dass ich niemals geglaubt hätte, dass mich diese Serie so fesseln könnte. Doch sie hat es und deswegen habe ich Staffel 2 fast noch schneller gesuchtet als die erste.

Nachdem seine Memoiren so gut angekommen sind, hat Bojack (Will Arnett) nun endlich die Möglichkeit, seinen Traum zu erfüllen: Er dreht einen Film über Secretariat, ein berühmtes Renn-Pferd und persönliches Idol von Bojack. Doch die Dreharbeiten gestalten sich als äußerst schwierig.

Pferd, Eule und Mensch…

Staffel 2 von „Bojack Horseman“ ist wie Staffel 1: großartig. Obwohl… und das tut jetzt ein kleines bisschen weh – ich muss doch ein paar kleine Abstriche machen. So richtig, richtig großartig fand ich Staffel 2 dann auch nicht. Nur richtig großartig. Das zweite „richtig“ wird gestrichen. Ach, was weiß ich denn schon, das ist jetzt hier Meckern auf so einem hohen Niveau, dass ich nicht einmal ansatzweise die richtigen Worte dafür finden werde. Aber so ein bisschen hat mich Staffel 2 hier und da dann in einigen Folgen verloren. Ich meine, nehmen wir nur mal die Folge, in der Todd (Aaron Paul) ein Hühnchen rettet – die war irgendwie sehr merkwürdig. Mochte ich wirklich gar nicht.

Allgemein versucht Staffel 2 jetzt, nachdem Bojack so gut etabliert wurde, seinen nicht unwichtigen Nebencharakteren mehr Tiefe zu verleihen. Die ganze Story mit Diane (Alison Brie) und Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) fand ich tatsächlich sehr spannend, weil gerade Mr. Peanutbutter mag ich mehr und mehr. Er ist wirklich das perfekte Gegenstück zu Bojack und gerade das wird in Staffel 2 noch weiter ausgebaut. Während Bojack immer zweifelt und sich zwingen muss, überhaupt irgendwas durchzuziehen (selbst wenn es sich um sein Traumprojekt handelt), ist Mr. Peanutbutter das pure Leben. Immer positiv, immer happy – der perfekte Hund halt. Und dann diese etwas schwierige Beziehung zu Diane, die nicht immer so gut zu dem Mann passt, den sie ja auch geheiratet hat. Das fand ich echt sehr stark. Das hat gerade Staffel 2 noch mal ein bisschen Würze gegeben, obwohl ich auch sagen muss, dass ich die ganze „Diane will ins Kriegsgebiet“-Story nicht so aufregend fand.

Auch Todd bekommt ein bisschen mehr Freiraum, aber hier hat man sich dann wohl schnell selbst dazu entschieden, dass Todd nur wirklich cool ist, wenn er mit den anderen agiert. Todd in diesem Improvisationstheater-Kult war auch nicht super aufregend.

Princess Carolyn (Amy Sedaris) mag ich mittlerweile auch ein bisschen mehr als noch in Staffel 2 – und bei ihr bin ich tatsächlich schon sehr gespannt, wie es noch mit ihr weitergehen wird.

Wie gesagt, es ist meckern auf hohem Niveau und eigentlich unnötig, denn man muss die Machern schon dafür loben, dass sie verschiedene Dinge mit ihren Charakteren ausprobieren, um Staffel 2 nicht wie einen billigen Abklatsch von Staffel 1 wirken zu lassen. Dennoch fand ich manche Stories etwas plump eingepackt und auch aufgelöst – wie zum Beispiel Bojacks Beziehung zur Eule Wanda Pierce (Lisa Kudrow). Ich glaube, ich hätte mir einfach ein bisschen mehr von den Dreharbeiten zu „Secretariat“ gewünscht, ein bisschen mehr noch den Fokus auf Bojack und wie er mit diesem neuen Druck zurecht kommt.

Trotzdem bleibt „Bojack Horseman“ auch in Staffel 2 ein tolles Satire-Stück über Hollywoo (sorry, das D wurde ja geklaut und ich finde es sehr geil, dass sie das einfach so beibehalten), Stars und ihre Stern-Stunden und was alles mit dazu gehört. „Bojack Horseman“ wird mich auch noch weiter begeistern, das hoffe ich und da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher.

Wertung: 8 von 10 Punkten (so langsam werde ich noch ein richtiger Pferde-Fan 😉 )

Ärger im Familien-Urlaub

15. Januar 2018

Ich bin jetzt mal so frei und sage, dass Liam Neesons „96 Hours“ ein Grundpfeiler dieses Blogs ist. Klingt jetzt richtig abgedroschen, ich weiß, aber wer sich mal die Mühe macht, in der Zeit (oder halt im Archiv dieses Blogs) zurück zu reisen, der wird sehen, dass am 03. März 2009 zwei Filme den Anfang dieses Blogs darstellten: zum einen „The Wrestler“, zum anderen eben „96 Hours“ mit Liam Neeson. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich in der Bibliothek an einem Rechner saß und den sehr, sehr kurzen Text einfach direkt bei WordPress eintippte. Da war ich noch weit entfernt von ewig langen Einleitungen und Texten, die mich dann doch ein bisschen mehr Zeit als nur 10 Minuten kosten. Aber ich schweife vom Thema ab (wie so oft): Liam Neeson gebührt auch ein wenig die Ehre, diesen Blog mitbegründet zu haben. Immerhin fand ich „96 Hours“ damals so verdammt gut, dass ich es unbedingt teilen wollte. Um Neeson zu ehren, habe ich mich jetzt mal den anderen „96 Hours“-Filmen gewidmet – und den Anfang macht da jetzt „96 Hours – Taken 2“.

Bryan Mills (Neeson) ist beruflich in Istanbul, als er dort von Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) und Tochter Kim (Maggie Grace) überrascht. Doch die Freude über den Familien-Urlaub wird je zerstört, als Murad (Rade Serbedzjia) auftaucht und Mama und Papa Mills entführt. Er hat immerhin noch ein Hühnchen mit Bryan zu rupfen, hat der doch seinen Sohn und andere Mitglieder seines Dorfes getötet: denn Murad ist der Kopf der albanischen Menschenhändler, die einst Kim entführten.

Tja, „96 Hours – Taken 2“. Ich könnte mich jetzt wieder über den Titel aufregen, der jetzt zusätzlich noch verlängert wird, in dem man dem dummen deutschen Titel (der jetzt auch gar keinen Sinn mehr macht, denn im ersten Teil hatte Mills 96 Stunden um seine Tochter zu finden, jetzt ist er halt verschwunden – ohne Zeitlimit) noch den Original-Titel beifügt. Liest sich ja auch gleich viel schöner: „96 Hours – Taken 2“. Naja, aber ich will mich darüber nicht aufregen, wenn wir doch noch den ganzen „wunderbaren“ zweiten Teil vor uns haben.

„Taken 2“ (ich bleibe jetzt mal etwas kürzer) ist so ein Sequel, das eigentlich wieder kein Mensch gebraucht hat. Aber das Filmgeschäft ist nun einmal genau das: Ein Geschäft. Und deswegen muss jeder unerwartete Erfolg ordentlich ausgeschlachtet werden. Wenn auch mit einer sehr dürftigen Story. Gut, immerhin haben sich die Drehbuchautoren noch so halbwegs Gedanken gemacht und an und für sich ist die umgekehrte Rache-Story ja auch eine interessante Idee. Schließlich haben auch böse Schurken Kinder und wenn die jemand tötet, werden auch böse Schurken wütend auf den Killer. Also an und für sich eine spannende Idee, aus der man etwas hätte machen können. Denn die umgekehrte Rache-Story wird schnell einfach wieder die Bryan-Mills-Show – der hier aber mehr durch das Zählen von Minuten und dem Sich-Merken von Geräuschen brilliert.

Dieser Film braucht so seine Zeit. Während Teil 1 echt schnell zur Sache kam, lässt sich Regisseur Oliver Megatonne (oder Olivier Megaton im wahren Leben) echt viel Zeit, in der eigentlich nicht viel spannendes passiert. Mills fährt ein bisschen wild, dann kämpft er und dann gibt er erst einmal den Staffelstab an Töchterchen Kim an.

Hier wird der Film dann wirklich etwas absurd: Die Gute rennt auf Anweisungen von Daddy (der ja bei der Fahrt in sein Verlies mitgezählt hat – weil ihm leider die Augen verbunden waren) quer durch Istanbul und wirft fröhlich mit Granaten. Anhand der Explosionen weiß Papa dann, wie weit sie noch entfernt ist. Äh, ja. Okay, laufen wir also einfach mal fröhlich und kreuz und quer durch eine Riesenmetropole, werfen mit Granaten und kein Mensch kümmert sich so wirklich drum. Ja, das ist Film-Logik, die auch nur dort so funktioniert.

Genauso wie die Tatsache, dass Kim, die schon mehrmals durch die Fahrprüfung gefallen ist, auf einmal nach Papas Anweisungen mit einem geklauten Taxi in den kleinsten Gassen die gewagtesten Manöver durchführen kann, um am Ende die Umzäunung der amerikanischen Botschaft zu durchbrechen (und anstatt dort sofort durchlöchert zu werden, reicht ein Anruf und alles ist wieder in Butter). Ganz ehrlich, warum man Maggie Grace jetzt so in den Vordergrund rücken musste – als taffe Tochter, die nur ein bisschen Führung braucht, ist mir unverständlich. Man möchte doch meinen, dass sie nach allem, was sie erlebt hat, immer noch in Therapie sitzen und tierische Angst vor dem Reisen haben müsste. Aber nö, die macht Papa alle Ehre und zerstört halb Istanbul.

„Taken 2“ ist einfach keine gute Fortsetzung. Die Action-Sequenzen sind zwar auch hier nicht schlecht, aber der Rest ist es umso mehr. Es ist halt alles extrem gewollt und wirkt etwas albern… obwohl ich dabei bleibe, dass es ein guter Film hätte werden können, ein Film, der die Perspektive der Rache mal einfach umdreht. Aber naja… bleibt mir jetzt nur noch die Freude von „96 Hours – Taken 3“ 😀

Wertung: 4 von 10 Punkten (sollte Maggie Grace jetzt noch ein Spin-Off kriegen, dann weine ich)

Vergiss ihren/seinen Namen nicht!

12. Januar 2018

Um wirklich fair zu sein, dürfte dieser Beitrag nur aus einem einzigen Satz bestehen. Denn ich möchte euch das Vergnügen nicht versauen, den folgenden Film in vollen Zügen zu genießen. Eigentlich müsste ich nur schreiben dürfen: „Guckt euch diesen Film an!“ Schließlich ist das selbst für mich mal wieder ein Film gewesen, über den ich eigentlich kaum was wusste. Ich kannte die Grundprämisse, mehr nicht. Gut, ich wusste noch, dass die Leute, die ihn schon gesehen hatten auch nur meinten: „Guck dir diesen Film an!“. Die Vorschusslorbeeren waren zahlreich, der Hype enorm, aber ich kann mich all dem nur anschließen. „Guckt euch diesen Film an!“ und verzichtet darauf, zu viel vorab zu lesen. Deswegen werde ich es zwar nicht bei diesem einen Satz belassen (was ich ja schon vor ein paar Sätzen aufgegeben habe), aber ich werde mich spoilerfrei durch diesen Beitrag winden und euch einfach nur sagen, was für eine wunder-, wunder-, wunderschöner Film „Your Name“ ist. So, jetzt ist der Titel auch endlich raus 🙂

Zum Inhalt will ich wirklich nur das sagen, was ich auch wusste: In dem kleinen, beschaulichen Städtchen Itomori lebt das junge Mädchen Mitsuha, die sich nichts sehnlicher wünscht, als dem Land und den Traditionen ihrer Großmutter und ihrer Religion zu entkommen. Sie will nach Tokyo! Und eines Tages erfüllt sich auf merkwürdige Weise dieser Wunsch: Sie wacht im Körper von Taki auf, ein Junge aus Tokyo, der wiederum in Mitsuhas Körper aufwacht. So geht das eine ganze Zeit, die zwei kommunizieren über Notizen mit einander und schaffen sich so Regeln für ihr merkwürdiges Zusammenleben. Doch dann – eines Tages – bricht der Kontakt zwischen den beiden ab und Taki versucht herauszufinden, warum.

Nicht täuschen lassen, der Film ist mehr als Junge trifft Mädchen

Okay, ich habe gelogen. Ich habe jetzt doch mehr geschrieben, als ich wusste. Ich wusste eigentlich wirklich nur, dass „Your Name“ so etwas wie eine Körper-Tausch-Geschichte sein sollte, aber ich wollte mit der Tatsache, dass das irgendwann nicht mehr der Fall ist, einfach schon mal darauf hinweisen, dass „Your Name“ so sehr viel mehr ist. Die ganze Körper-Tausch-Sache beläuft sich auf die ersten 40 Minuten des Films, die restliche Stunde gibt es was anderes (mehr sage ich dazu aber nicht)!

Der Körper-Tausch-Aspekt ist unheimlich witzig geworden, albern, aber charmant sympathisch – mit einem Taki, der von den Brüsten Mitsuhas immer etwas zu abgelenkt ist, egal, wie oft er in ihrem Körper aufwacht. Und mit einer Mitsuha, die Takis Liebesleben sehr viel besser voran treibt, als er das jemals gekonnt hätte. In den ersten 40 Minuten ist „Your Name“ einfach nur gute Unterhaltung, die vor allem auf Spaß aus ist. Es geht dabei um eine etwas andere Coming-Of-Age-Story, es geht darum, wie sehr man sich als Jugendlicher doch manchmal wünscht, seinem Alltag zu entkommen. Es geht darum, dass das Gras auf der anderen Seite immer so viel grüner erscheint. Regisseur und Autor Makoto Shinkai fängt dieses Gefühl, diese Sehnsucht nach Neuem perfekt ein – und macht selbst aus dieser Körper-Tausch-Geschichte schon etwas absolut sehenswertes. Gerade weil seine beiden Protagonisten einfach nur sympathisch und sehr schön nachvollziehbar sind. Denn irgendwann hat man als Jugendlicher mal genau so gedacht: „Ich will hier raus!“, „Ich will was anderes!“ Das gelingt „Your Name“ einfach wunderbar.

Aber das Großartige an „Your Name“ ist, dass das nur die Einleitung für eine viel spannendere Geschichte ist. Die Verbindung zwischen Taki und Mitsuha kommt nicht von ungefähr… und ab hier halte ich meine Klappe. Nur so viel: „Your Name“ gewinnt durch den „Twist“ so viel mehr an Kraft, aus einer „simplen“ Körper-Tausch-Komödie wird eine Geschichte über Schicksal, über Vorherbestimmung, über Verbundenheit, über Liebe. Es ist eine spannende und packende und spirituelle Geschichte, die Makoto Shinkai da erzählt, die bewegt und einen bis zum Schluss mitfiebern lässt. Einfach nur toll!!!

Dazu muss man sagen, dass „Your Name“ einfach nur schön aussieht. Neben der faszinierenden Geschichte schwelgt Makoto förmlich in wunderschönen Bildern in prächtigen Farben. Ob nun das ländliche Itomori (in das ich persönlich viel eher ziehen wollen würde als nach Tokyo, aber ich bin ja auch schon ein alter Sack) oder das überfüllte Tokyo – Makoto Shinkai lässt das alles in tollen Bildern aufleben (und toller Musik – es gibt Passagen, da bleibt der Film stumm und lässt sich von der Musik tragen und auch das sind einfach nur schöne Momente in diesem wundervollen Film).

Es ist eine Schande, dass dieser Film nur an genau zwei Tagen in ausgewählten Kinos gezeigt wird. Aber wenigstens kommt der schon im Mai auf DVD raus. Und es ist noch eine größere Schande, dass sich Hollywood gleich wieder anmaßt, daraus eine Real-Verfilmung machen zu wollen. Federführend ist niemand Geringeres als J.J. Abrams, aber ich glaube nicht daran, dass er die Essenz dieses Films einfangen wird. Aber naja, wir werden sehen…

Auf jeden Fall bleibe ich bei dem einen Satz, aus dem diese Kritik eigentlich nur hätte bestehen sollen: „Guckt euch ‚Your Name‘ an!“.

Wertung: 10 von 10 Punkten (schon gleich so früh im neuen Jahr ein echtes Highlight – kann gerne so weiter gehen)

Der Herr des Waldes

10. Januar 2018

Die Natur liegt Hayao Miyazaki sehr am Herzen. In seinen Werken geht er immer sehr darauf ein, wie Mensch und Natur im Einklang leben sollten und was passiert, wenn das nicht der Fall ist. In „Nausicäa“ wird die Umwelt zu einer lebensgefährlichen Bedrohung, in „Prinzessin Mononoke“ schlägt die Natur mit aller Macht gegen die Menschen zurück und und und… neben dem Fliegen als Motiv ist Natur ein wichtiges Thema. Aber ich glaube, nie hat er das Thema niedlicher und charmanter auf die Leinwand gebracht als in „Mein Nachbar Totoro“ (den ich jetzt das erste Mal so richtig gesehen habe, bislang kannte ich immer nur Ausschnitte – zu meiner Schande).

Professor Kusakabe zieht mit seinen beiden Töchtern Satsuki und Mei aufs Land, um in der Nähe seiner Frau zu sein, die sich im Krankenhaus von einer schweren Krankheit auskuriert. In dem alten Haus, das die kleine Familie bezieht, finden die Mädchen schnell heraus, dass es zu spuken scheint. Kleine Rußmännchen bevölkern die dunklen Ecken des Hauses und sind stille Vorboten für die aufregenden Abenteuer, die die beiden Schwestern noch erleben werden. Denn im nahe gelegenen Wald lebt der Herr des Waldes, Totoro, ein gemütliches Fellknäuel, mit dem sich die Mädchen bald anfreunden.

So ein Blatt ist schon sehr praktisch

„Mein Nachbar Totoro“ ist einfach nur zuckersüß und verdammt niedlich. Es ist dieser Film, der die wunderbare Fantasie-Welt von Miyazaki so toll zum Leben erwecken lässt. Allein die ersten zwanzig Minuten sind so herzzerreißend süß und man wünschte sich, man könnte mit den beiden Schwestern durch die Natur tollen. Es ist dieses Bild der ländlichen Einsamkeit, die Miyazaki für mich hier so schön zeichnet. Dieser Film erweckt in mir echt den Wunsch, ein altes Haus auf dem Land zu beziehen und dort wirklich einfach nur die Natur zu genießen. Ich möchte in den gleichen Bildern schwelgen, die Miyazaki hier auf so „romantische“ Art und Weise präsentiert. Es ist einfach toll… da möchte man wirklich Kind sein und noch einmal Bäche mit Fischen entdecken, durch den Garten toben, Purzelbäume schlagen und einfach nur das Leben genießen.

„Mein Nachbar Totoro“ ist – allein, was das angeht – so schön anzuschauen… und dann kommt irgendwann noch das Fantastische dazu: in Form von Totoro und seinen Helfern, wie den kleineren Ausgaben von ihm oder der tollen Buskatze. Totoro ist einfach eine tolle Figur, kein Wunder, dass der als Plüschtier so gut funktioniert, weil man ihn auch wirklich einfach nur kuscheln möchte. Ich gebe zu, ich habe mich bei der Szene im Regen an der Bushaltestelle totgelacht. Wie er da neben Satsuki und Mei steht mit seinem Blatt auf dem Kopf. Als er dann den Regenschirm bekommt und sich daran erfreut, wie die Regentropfen auf den Schirm knallen – große Klasse. Das funktioniert ohne Sprache und ist doch so aussagekräftig – und halt einfach nur verdammt lustig. Totoro und seine Waldgeister sind schöne Gestalten, die Miyazaki als Beschützer der Natur zur Seite stellt, die zum Glück auch nicht hart kämpfen müssen, sondern einfach nur zwei Mädchen helfen können, mit der Krankheit ihrer Mutter klarzukommen.

Denn so schön und fröhlich „Mein Nachbar Totoro“ auch ist, behandelt er doch auch das Traurige – eben in Form der fehlenden Mutter und wie beiden Schwestern damit versuchen klarzukommen. Zum Glück haben die beiden aber den Herrn des Waldes, weswegen der Film nie wirklich düster oder zu traurig wird. Es ist wirklich die perfekte Familien-Unterhaltung – ein wunderschöner Film einfach!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Miyazakis Plüschgeister sind toll)

Memoiren eines Pferdes

8. Januar 2018

Mein bester Freund liegt mir seit Wochen damit in den Ohren: „Guck es dir endlich an! Du musst das unbedingt gucken! Diese Serie ist für mich die beste Serie!“ Und das kommt von einem Typen, der außer bei „The Walking Dead“ und „Game Of Thrones“ nur schwer dazu kommt, überhaupt mal eine Serie zu gucken (das sage ich auch nur, weil ich schon die ganze Zeit versuche, ihn dazu zu bringen, sich endlich mal „Fargo“ anzuschauen). Doch er hat es damals schon geschafft, mir „The Walking Dead“ mit Staffel 4 wieder schmackhaft zu machen (auch wenn das über ein Jahr harter Überzeugungsarbeit von ihm brauchte), da wollte ich ihn mit dieser, seiner neuen heiß geliebten Serie nicht so lange zappeln lassen – und habe mich mal an die erste Staffel der Netflix-Serie „Bojack Horseman“ gewagt.

Bojack Horseman (Will Arnett) war in den 90er Jahren ein erfolgreicher Sitcom-Star. Jetzt ist er ein abgehalfteter Celebrity, der seinem früheren Ruhm nach trauert und verzweifelt nach neuen Projekten Ausschau hält. Eines dieser Projekte ist seine Autobiografie, doch weil Bojack nicht zum Schreiben kommt, heuert sein Verleger eine Ghost Writerin an, die junge Diane (Alison Brie). In die verliebt sich Bojack natürlich, nur ist sie leider mit seinem Erzfeind, dem Schauspieler Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) liiert. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, der aus wilden Drogen-Eskapaden und dummen Entscheidungen besteht. Ach ja, und bevor ich es vergesse zu erwähnen, Bojack Horseman ist tatsächlich ein Pferd.

Kommt ein Pferd in eine Bar…

Jupp, ich habe immer etwas Stirn runzelnd auf diese Idee von „Bojack Horseman“ herabgeblickt: „Das ist also ein Welt aus Tieren, die wie Menschen sind und Menschen? Was soll daran jetzt witzig sein?“ Dazu kam dann noch dieser etwas krude Zeichenstil, der mir von Anfang an nicht so unbedingt gefallen hat. Wenn ich ehrlich sein soll, wirkte das auf den ersten Blick etwas billig auf mich – und deswegen habe ich mich lange dagegen gewehrt.

Jetzt kommt jedoch das große „Aber“: Staffel 1 habe ich fast in einem Atemzug durchgesuchtet und bin nun ebenfalls Fan. „Bojack Horseman“ hat mich eigentlich von Folge 1 an sehr überrascht und die ganze Staffel hindurch nicht mehr losgelassen. Was ich am tollsten fand, war die Tatsache, dass die erste Staffel eine zusammenhängende Geschichte erzählt. Ich hatte ja sowas in die Richtung „Rick and Morty“ erwartet: lustige Einzelepisoden, in denen Bojack dann hier und da was erlebt. Pustekuchen. Staffel 1 erzählt eine Geschichte – wie Bojack mit seiner Vergangenheit kämpft und wie er die Menschen und Tiere um sich herum behandelt. Keine Einzelepisoden, sondern eine richtige Geschichte, in der sich die einzelnen Charaktere sehr gut ausbreiten können.

Die zweite große Überraschung war für mich dann auch, dass „Bojack Horseman“ keine reine Comedy-Show ist. Ja, die Serie hat auch schon ihren Humor und dabei auch sehr skurrilen und sehr sarkastischen Humor, aber die Serie hat auch unglaubliche düstere Momente. Immerhin behandelt sich auch die Depressionen, die Bojack bekämpft. Wir sehen, wie er die Leben anderer zerstört (besonders im Fall seines Freundes Todd, gesprochen von Aaron Paul), um sie mehr an sich zu binden. „Bojack Horseman“ ist somit auch ein extrem tragisches Proträt eines gefallenen Stars, der sich mit allen Mitteln an seiner Vergangenheit festklammert, in dem er immer wieder und wieder Folgen seiner eigenen Sitcom schaut und der verzweifelt nach einem höheren Sinn in seinem Leben sucht. Das hatte ich bei dieser Serie nun wirklich nicht erwartet und das hat mich ziemlich schnell dann zu einem echten Fan werden lassen.

Denn die Charaktere sind es am Ende auch, die wirklich interessant sind – von denen es so viele tolle gibt, die alle ihre Fehler haben. Die alle mit ihrem Leben kämpfen, die – ob sie nun Mensch oder Tier sind – so viel Menschliches, Verletzliches und Nachvollziehbares in sich tragen. Wow… ich war wie weggeblasen. Dazu kommt dann noch die tolle Riege an Schauspielern, die hinter den Zeichnungen ihre Stimmen leihen: allen voran natürlich „Batman“ Will Arnett, der wie geschaffen für dieses versoffene Pferd ist, aber auch Alison Brie, Aaron Paul und die Dutzenden Gast-Stars, die in jeder Folge auftauchen.

Die erste Staffel „Bojack Horseman“ hat mich wirklich extrem fasziniert und ich bin jetzt schon gespannt, wie es mit diesem Pferd weitergehen wird, dass für seine Memoiren am Ende sogar einen Golden Globe gewinnt (wer hätte es jemals für möglich gehalten).

Wertung: 9 von 10 Punkten (zynisch, sarkastisch und oft auch sehr traurig – ein ungewöhnlicher Mix für eine ungewöhnliche Serie)