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Coming To America

30. August 2017

Als eine meiner Lieblingsserien ein plötzliches Ende fand, war ich schon schwer enttäuscht. Bryan Fullers „Hannibal“ war einfach nur großartig – noch nie wurden Blutspritzer so kunstvoll in Szene gesetzt wie in dieser Serie. Aber natürlich war das nicht alles, Mads Mikkelsen war einfach nur umwerfend gut in der Rolle des fiesen Hannibal Lecter, Hugh Dancy war ein perfekter gequälter Ermittler und einfach alles an der Serie war toll, toll, toll (und insgeheim hoffe ich immer noch, dass eine vierte Staffel irgendwann bei Netflix oder wem auch immer landet und es weitergeht). Doch ein Bryan Fuller lässt solche Rückschläge nicht lange auf sich sitzen… und kommt mit der nächsten Serie um die Ecke, in der wieder einmal auf kunstvolle Weise das Blut durch die Gegend fliegt und bei der das auch nur eine ironische Randnotiz ist, die nicht verbergen soll, wie gut der Rest der Serie ist: „American Gods“.

Shadow Moon (Ricky Whittle) wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, weil seine Frau Laura (Emily Browning) gestorben ist. Auf dem Weg nach Hause trifft Shadow im Flugzeug auf den alten Mr. Wednesday (Ian McShane), der ihm einen Job anbietet, den Shadow widerwillig annimmt. Wednesday ist gerade unterwegs, um verschiedene Leute für einen kommenden Kampf zu rekrutieren. Für Shadow wirkt das alles sehr befremdlich… erst recht als er selbst noch von anderen angegriffen wird, die sich Wednesday in den Weg stellen wollen. Doch so richtig wird Shadows Welt erst auf den Kopf gestellt, als seine Frau Laura auf einmal von den Toten zurückkehrt.

Me, when someone doesn’t like the show 😉

Neil Gaimans Roman „American Gods“ ist ein kleines Meisterwerk. Ich mag seine Herangehensweise, wie er die Geschichte um den Kampf zwischen den alten und den neuen Göttern erzählt. Ich mag die Tatsache, dass er die Lebenszeit der Götter an den Glauben der Menschen knüpft – Götter somit also sterben können, wenn Menschen nicht mehr an sie glauben, so dass gerade die alten Götter wirklich langsam von der Bildfläche verschwinden und von den neuen Göttern ersetzt werden. Neuen Göttern wie den Medien (großartig in der Serie gespielt von Gillian Anderson) oder dem Internet, die versuchen, die alten Götter zu ködern, um ihre eigene Macht noch weiter auszubauen. Ich mag auch, dass es im Buch eigentlich ziemlich schnell offensichtlich ist, dass es sich um Götter handelt, aber es dennoch immer spannend bleibt, wer wer genau ist. Das macht Gaiman im Roman durch kleine Einschübe über die Geschichten darüber, wie die Götter nach Amerika kamen. Eine nette Idee, von der ich im Leben nicht gedacht hätte, dass die Serie sie übernehmen würde. Doch sie haben es gemacht… die „Coming to America“-Einschübe sind auch in der Serie unfassbar toll gemacht (teilweise auch wunderschön animiert) und erweitern wie schon im Roman die Serie durch spannende Nebengeschichten.

Ohne dabei die Hauptgeschichte zu vernachlässigen, in der Shadow langsam begreifen muss, dass er in etwas sehr viel Größeres verwickelt zu sein scheint. Die erste Staffel von „American Gods“ orientiert sich dabei stark an den ersten 100 Seiten vom Roman, wenn ich das jetzt mal so grob einteilen kann. Es passiert noch nicht so viel und doch passiert eine ganze Menge. Normalerweise stehe ich ja nicht unbedingt auf lange Expositionen, aber „American Gods“ braucht diese Zeit, braucht die Möglichkeit, diese verrückte Welt voller Götter und anderer Sagengestalten erst einmal aufbauen zu können. Das ist dann letztendlich Staffel 1: Das Grundgerüst – lerne die wichtigsten Charaktere kennen, lerne Teile ihrer Geschichte kennen, um sie besser zu verstehen, lerne die Welt kennen, in der sie leben. Warum ist der Kampf so wichtig? Warum sind sie überhaupt in Amerika? Warum müssen sie sich Sorgen um ihre Existenz machen?

Schnupper

„American Gods“ ist eine Serie, die sich nicht nur für die Charaktere Zeit nimmt, sondern eben auch für seine Zuschauer. Denn man muss schon gewillt sein, sich in diese neue Welt der Götter zu begeben. Hat man einmal den Einstieg geschafft, erwartet einen eine unglaubliche reiche Welt. Reich an Geschichten, reich an interessanten Charakteren, reich an starken Bildern, in denen natürlich hier und da auch die Fuller’schen Blutfontänen nicht fehlen dürfen.

Dazu kommen tolle Darsteller, von denen ich aber gerade bei zwei zentralen Charakteren doch so meine Schwierigkeiten hatte. Da hätten wir zum einen Ricky Whittle, den ich als Shadow Moon nicht unbedingt mag. In meinem Kopf war Shadow Moon ganz anders. Whittles Moon wirkt sehr schüchtern irgendwie. Er hat für mich noch nicht so die Ausstrahlungskraft wie im Roman. Ich mochte Whittle zwar durchaus, aber so ganz war er für mich noch nicht der richtige Shadow Moon. Dazu kommt Emily Browning als Laura Moon. Ihre Geschichte wird in der Serie ein bisschen größer gemacht als im Buch, was ich gut finde. Aber Emily Browning an sich fand ich auch etwas schwierig, wenn auch gut. Ich finde ihre Laura Moon manchmal so widerlich und dann doch wieder so sympathisch – ein Gefühl, das ich schwer in Worte fassen kann. In einigen Szenen möchte ich mich schütteln, weil Emily Browning in mir einfach so einen Schauer der Verachtung erzeugt. Es passt so gut zu der Rolle, dass es erschreckend ist. Emily Brownings Laura Moon ist wie Hassliebe für mich. Ganz schwierig.

Gar nicht schwierig finde ich dagegen Ian McShane, der mich als Mr. Wednesday manchmal an einen alten Al Pacino in „Donnie Brasco“ erinnert. McShane ist großartig, der perfekte Charmeur, der perfekte alte Gentleman, der immer seine eigenen kleinen Geheimnisse hat. McShane steht die Rolle ausgezeichnet… und die vielen anderen Darsteller sind auch wunderbar besetzt (vor allem mag ich Pablo Schreiber als Mad Sweeney).

„American Gods“ Staffel 1 macht Spaß, sieht umwerfend aus und ehrt die Vorlage. Ich freue mich jetzt schon auf Staffel 2 und hoffe einfach mal, dass Bryan Fuller diese Geschichte auch wirklich zu Ende erzählen darf (und es nicht überzieht – maximal 5 bis vielleicht 6 Staffeln, dann sollte „American Gods“ vorbei sein)

Wertung: 9 von 10 Punkten (der Kampf der Götter hat begonnen)

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Die letzten Tage der Laura Palmer

28. August 2017

Es gehört ja zum Pflicht-Programm, sich nach „Twin Peaks – Staffel 1“ und „Twin Peaks – Staffel 2“ auch noch den dazugehörigen Film „Twin Peaks – Fire Walk wíth Me“ anzuschauen. Und wer bin ich denn, dass ich dieser Pflicht nicht nachgehen würde? Doch ich muss sagen, dass ich nach dem etwas faden Geschmack von Staffel 2 nicht so wirklich Lust hatte auf diesen Film, von dem ich bis dato nur gelesen hatte, dass er bei seiner Premiere in Cannes ausgebuht wurde und David Lynch ursprünglich eine 4-Stunden-Fassung hatte, die er nun stark auf zwei heruntergekürzt hatte, um „Fire Walk with Me“ veröffentlichen zu können. Klingt alles nicht wirklich viel versprechend, aber nun hatte ich „Twin Peaks“ schon mal angefangen, da wollte ich es auch ordentlich zu Ende bringen (bevor ich mich dann irgendwann an die neue dritte Staffel wagen würde.

Die Überschrift zu dieser Kritik sagt eigentlich schon alles, was man zur Handlung von „Fire Walk with Me“ wissen muss: Der Film ist so gesehen ein Prequel zur Serie und zeigt uns die Ereignisse vor Laura Palmers Tod. Wir lernen dabei vor allem Laura (Sheryl Lee) kennen, die nur nach außen das perfekte Mädchen aus der perfekten Kleinstadt spielt. In Wirklichkeit ist Laura den Drogen verfallen, dem Sex und der Angst vor ihrem Vater Leland (Ray Wise). Selbst ihre beste Freundin Donna (Moira Kelly) kann ihr nicht wirklich weiterhelfen, egal wie sehr sie es versucht.

Sie hat sich vorher die Hände nicht gewaschen.

Ich sage es gleich frei heraus: Ich fand „Fire Walk with Me“ furchtbar langweilig… und letztendlich auch extrem unnötig. In der Serie haben wir doch durch Cooper (Kyle MacLachlan) und seine Ermittlungen alles Wichtige über Laura Palmer erfahren. Der Film kann dem nichts weiter hinzufügen – außer natürlich die sehr expliziten Bilder, die wir durch die Serie einfach nur so in unserem Kopf hatten und uns nun direkt noch einmal anschauen dürfen.

Dabei verliert „Fire Walk with Me“ diesen typischen Twin-Peaks-Charme… wobei das eigentlich ganz cool war. Der Film ist keine weitere Soap-Opera, wir durchlaufen nicht noch einmal all die verschiedenen Schicksale der Bewohner von Twin Peaks. „Fire Walk with Me“ ist Lauras Film, weswegen sie auch im Mittelpunkt steht. Der Film ist mehr Drama, mehr der Versuch einer Studie darüber, wie das scheinbar glückliche Mädchen von nebenan dunkle Geheimnisse haben kann. Der Film versucht uns klar zu machen, was bei Laura Palmer alles schief gegangen ist… aber wie gesagt, es bleibt leider bei dem Versuch. So richtig will die Geschichte nie zünden, weil sie meiner Meinung zu sehr an der Oberfläche kratzt. Wir haben mehr über Laura Palmers wirkliche Probleme in der Serie erfahren als in dem ganzen Film, der sich irgendwie nur so wirklich um ihre Sex-Eskapaden und ihre Drogen-Exzesse schert.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich irgendwann echt Schwierigkeiten hatte, mein Interesse an dem Film aufrechtzuerhalten. Vielleicht entzog sich mir irgendwann auch die Magie von „Fire Walk with Me“, aber dann tut es mir noch umso mehr Leid. Der Serie wird der Film nicht gerecht, ich finde, selbst Laura Palmer wird der Film nicht wirklich gerecht. In der Serie lebte sie wenigstens noch in den Erinnerungen der Bewohner von „Twin Peaks“ weiter… und auch wenn wir mehr und mehr von ihrem wahren Ich erfuhren, blieb sie doch immer noch diese schöne Mädchen, das einen tragischen Tod sterben musste. Sie wurde ein Idol, die Antriebskraft für so viele Menschen in Twin Peaks, auf sich selbst zu schauen und sich mit dem Gedanken zu konfrontieren, dass hinter dem schönen Schein noch so viel mehr stecken kann. Mit „Fire Walk with Me“ nimmt David Lynch der Faszination Laura Palmer viel von ihrer Kraft.

Für mich wirklich ein sehr unnötiger Film, der am Ende wahrscheinlich nur Sheryl Lee etwas gebracht hat – nämlich die Möglichkeit, ein bisschen länger Laura Palmer zu sein. Kyle MacLachlan beschränkt sich auf einen sehr kurzen Auftritt, andere Darsteller der Serie kommen gar nicht erst vor und selbst die neuen Darsteller wirken manchmal etwas fehl am Platz. Dazu kommt noch ein extrem kurzer Auftritt von Schmuse-Sänger Chris Isaak und ein noch viel, viel kürzerer Auftritt von David Bowie – und am Ende weiß man nicht, was man von all dem halten soll.

„Fire Walk with Me“ hätte sich Lynch meiner Meinung einfach komplett sparen können.

Wertung: 3 von 10 Punkten (unnötiges Prequel, das Laura Palmer eher entzaubert)

Monströses Stachelsplittermonster

25. August 2017

Es ist ja mittlerweile Monstertechnisch echt schwer geworden, den geneigten Horror-Fan noch mit irgendwas so richtig aus den Socken zu hauen. Vampire und Zombies wurden mehr als genug ausgeschlachtet (im wahrsten Sinne des Wortes), Aliens und anderweitig gruselige Monster sind eigentlich auch schon irgendwie da gewesen. Ich glaube, zuletzt haben mich die komischen Alien-Viecher aus „Edge of Tomorrow“ noch so halbwegs begeistert, weil die wirklich mal was Neues waren. Obwohl ich durch meinen „Akte X“-Marathon jetzt auch ganz gut verwöhnt bin, denn wenn „Akte X“ eines immer richtig gut gemacht hat, dann sind es merkwürdige, komische und verrückte Monster zu erschaffen, an die vielleicht noch keiner so unbedingt gedacht hat. Aber ich hebe mir das „Akte X“-Monstergefasel für die Freitage auf, an denen ich über „Akte X“ und deren Monster fasele. Jetzt wollen wir uns doch vielmehr einem Film widmen, der Monstertechnisch auch mal ein bisschen um die Ecke gedacht hat.

Der Film „Splinter“ von Toby Wilkins fängt wie jeder andere Horror-Film auch an: Erst wird im Prolog ein Tankwart von einem nicht näher erkennbaren Wesen blutig zerfleischt und dann beobachten wir Seth (Paulo Constanzo) und Polly (Jill Wagner), die sich zu ihrem Jubiläum einen Camping-Trip können wollen – natürlich ausgerechnet in einem Gebiet, bei dem sie an einem Schild mit folgender Aufschrift vorbeifahren: „MID-STATE OIL, Inc. – Experimental Extraction Field Site“. „Experimental“ ist in den seltensten Fällen wirklich gut… und so scheinbar auch in „Splinter“. Nachdem sie ihr Zelt aus Versehen zerstören, wollen Seth und Polly in ein Motel, werden aber auf der Fahrt von Dennis (Shea Whigham) und seiner Freundin Lacey (Rachel Kerbs) angehalten und unter Waffengewalt entführt. Weit geht die Fahrt jedoch nicht, das Auto streikt und an einer Tankstelle findet sich der Leichnam des oben erwähnten Tankwarts – voller komischer Stacheln, die dem halbtoten Körper ein unheimliches Eigenleben verschaffen… als dann noch Lacey von diesem Ding getötet wird, flüchten sich Dennis, Seth und Polly in das Tankstellen-Häuschen…

Sie haben kein Händchen dafür…

Also kurz gesagt: drei Leute verstecken sich in einer Tankstelle, während draußen ein Monster lauert, von dem niemand so wirklich weiß, was es eigentlich ist. So gesehen ist „Splinter“ nun wirklich nichts Besonderes. Trotzdem muss man Regisseur Toby Wilkins zugute halten, dass er selbst aus diesen üblichen Klischees noch eine Menge gutes Zeug rausholt. Und zum Glück beschränkt er sich auf knapp eine Stunde und zehn Minuten – genau die richtige Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Noch mehr und der Film hätte gestunken vor Langeweile. So kann Wilkins aber seinen kleinen Drei-Personen-Cast gut einsetzen. Zwar sind die einzelnen Charaktere nicht besonders tiefgründig, aber sie erfüllen sehr gut ihren Zweck – nämlich Monsterfutter sein!

Womit wir dann zu dem kommen, was an „Splinter“ halt wirklich richtig gut war: Das Monster oder die Monster… es gibt nämlich verschiedene Variationen von diesem Ding. Ich will jetzt nichts zu seiner Natur verraten – aber so richtig viel könnte ich auch nicht verraten, denn „Splinter“ gibt uns da nicht sonderlich viel Informationen. Kein Woher es kommt (wahrscheinlich von der „Experimental Extraction Field Site“), kein wirkliches „Was ist es eigentlich?“ (es gibt Mutmaßungen von unserem angehenden Doktor der Biologie Seth) und kein „Was will es eigentlich?“ (gut, es will fressen, um zu überleben). Mehr erfahren wir über das Vieh aber nicht…

Dafür sehen wir es dann in Aktion… wenn es die Körper oder Körperteile der Menschen wie ein Parasit befällt und diese zur Nahrungssuche einsetzt, sieht das manchmal schon echt eklig aus. Besonders das große Monster zum Ende ist wahrlich kein Augenschmaus. Mit gekonnten echten Effekten und noch besser gesetzten Schnitten gelingt es Wilkins uns das Monster immer gerade so weit zu zeigen, wie wir es für unsere Fantasie brauchen. Der Rest funktioniert dann auch schon fast von allein… einzig und allein die Szene, in der Wilkins ein bisschen das eiskalte Killer-Händchen aus „Evil Dead 2“ nachspielt, wirkt ein bisschen albern. Ansonsten ist das Stachelmonster echt gut gelungen – schön eklig!

So klein „Splinter“ auch sein mag, so fein ist er dann doch auch. Der Film ist nicht perfekt, aber das macht ihn irgendwie auch aus. Der Film verbohrt sich zum Glück nicht in langen Erklärungen, sondern baut lieber auf Atmosphäre und gutes Monster-Design… und manchmal reicht das halt auch schon aus!

Wertung: 7 von 10 Punkten (das Stachelmonster von der Tankstelle…)

Consumer Recreation Services

23. August 2017

Mit „Alien 3“ feierte David Fincher ein recht fragwürdiges Debüt. Der Film hatte zwar ein paar interessante Ansätze, doch wurde dem jungen Regisseur viel zu viel reingeredet, so dass am Ende ein Film entstand, den man eigentlich lieber vergessen möchte. Vor allem aber hätte man meinen können, dass man auch einen David Fincher nach diesem Fiasko wieder vergessen könnte. Doch dem war nicht so… 3 Jahre nach „Alien 3“ tauchte er mit dem Thriller „Sieben“ wieder auf und konnte dann doch beweisen, dass er ein fähiger Regisseur ist. „Sieben“ war auch mein erster Fincher-Film und seitdem habe ich eigentlich brav alles geguckt, was der Mann auf die Leinwand gebracht hat. So auch damals „The Game“ – ein Film, der mich als Junge schwer beeindruckt hatte, mittlerweile jedoch nicht mehr so sehr…

Nicholas van Orton (Michael Douglas) ist ein reicher, reicher, reicher Typ, der außer seiner Arbeit und seinem Geld nichts in seinem Leben hat. Er lebt allein, hat keinen Kontakt zu seiner Ex-Frau, keinen Kontakt zu seinem Bruder Conrad (Sean Penn) und leidet immer noch unter dem Selbstmord seines Vaters, als er ein kleiner Junge war. An seinem Geburtstag taucht dann auch einmal sein Bruder auf und macht ihm ein Geschenk: Die Firma Consumer Recreation Services bietet individuelle Spiele für ihre Kunden an. Was das genau beinhaltet, wird Nicholas nicht verraten, doch als auf einmal in sein Haus eingebrochen wird, scheint er sich in seinem Spiel zu befinden, dass mehr und mehr außer Kontrolle zu geraten scheint.

Wer blinzelt, hat verloren.

Ich weiß noch, als ich das erste Mal David Finchers „The Game“ geguckt habe, war ich schwer begeistert von dem Film. Jetzt weiß ich aber auch, dass ich die Begeisterung nicht mehr so teile. Es ist mal wieder passiert. Wie zuletzt mit „Highlander“ musste ich auch mit „The Game“ feststellen, dass der Film nicht mehr die gleiche Sogkraft hat wie in meiner Erinnerung. Zum größten Teil liegt es natürlich auch daran, dass ich den „großen“ Twist am Ende schon kannte – und im Gegensatz zu „Fight Club“ ist „The Game“ nicht ganz so clever arrangiert, dass man ihn auch ohne Probleme noch ein zweiten oder drittes Mal gucken kann, um hier und da noch ein paar andere Nuancen zur Story zu entdecken. „The Game“ hat mich jetzt – nach Ewigkeiten – einfach nicht mehr so wirklich vom Hocker gehauen.

Dabei will ich jetzt nicht sagen, dass es ein schlechter Film geworden ist, aber tatsächlich juckte mich die Handlung viel weniger als früher noch. Vielleicht liegt es auch daran, dass Michale Douglas diesen Nicholas van Orton tatsächlich als sehr gutes, weltfremdes Arschloch spielt, der in seinem großen verlassenen Haus zu einer eigentlich jämmerlichen Figur verkommt. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich zu viel schon wusste. „The Game“ scheint mir tatsächlich einer dieser Filme zu sein, der nur ein einziges Mal wirklich gut funktioniert – danach, wenn man „wissend“ ist, fallen einem die arg konstruierten Ereignisse im Film schon sehr toll auf. Allein die Tatsache, dass man ja letztendlich weiß, dass es sich alles um ein Spiel handelt, lässt die Begeisterung etwas flöten gehen.

Schwierig wird es dann am Ende eigentlich auch, wenn das Drehbuch verzweifelt versucht, uns auf eine andere Fährte zu locken – indem gesagt wird, dass Spiel ist gar nicht mehr das Spiel, sondern ein verrückter Plot, um an van Ortens Geld zu kommen. Ich weiß nicht, früher fand ich das alles cool und auch glaubwürdig, jetzt fiel es mir extrem schwer, dem Ganzen überhaupt noch Glauben zu schenken. Ich bleibe dabei: „The Game“ funktioniert heutzutage einfach nicht mehr. Er ist nicht wirklich gut gealtert. Der Film ist deswegen nicht unbedingt schlecht, er ist – im Gegenteil – handwerklich immer noch gut gemacht und alles, aber die Story wirkt jetzt sehr viel durchschaubarer. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir heutzutage echt schon andere Standards haben.

Wen ich aber nach wie vor sehr mag, ist Michael Douglas, der verdammt gut in diese Rolle passt. Einem Michael Douglas hatte man sofort diesen reichen Schnösel abgekauft, er hat einfach diese kalte Ausstrahlung in diesem Film. Es ist fast ein bisschen so, als wäre sein van Orton die Weiterführung von Gordon Gekko aus „Wall Street“. Ansonsten sticht niemand wirklich heraus – Sean Penn verkommt in einer winzigen Nebenrolle und selbst Douglas‘ Ko-Star Deborah Unger kommt nicht an Douglas heran.

So… da haben wir es also mal wieder: ein weiterer Film, der in meiner Erinnerung sehr viel cooler war. „The Game“ ist immer noch ein guter Film, aber nicht mehr der packende Film, an den ich mich erinnert habe.

Wertung: 7 von 10 Punkten (wer möchte denn nun ein Spiel spielen? 😉 )

Das Böse im Wald

21. August 2017

Willkommen zurück in „Twin Peaks“, jenem beschaulichen TV-Ort der 90er Jahre, in dem der Kaffee einfach nur fabelhaft und der Kuchen köstlich ist. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, diesem Ort voller Geheimnisse, wo jeder nie so wirklich das zu sein scheint, was er oder sie vorgibt zu sein. Willkommen zurück in „Twin Peaks“, wo wir auch in Staffel 2 immer noch gespannt darauf warten, eine Antwort auf die alles entscheidende Frage zu bekommen: „Wer tötete Laura Palmer?“.

Immer noch könnte es jeder in dieser kleinen Stadt sein und immer noch versucht Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) den wahren Mörder zu finden. Wir hören dazu immer häufiger den Namen Bob (Frank Silva), doch wenn dann wirklich offenbart wird, wie und von wem Laura getötet wurde, braucht man erst einmal eine Verschnaufpause. Eine Verschnaufpause, die auch Cooper nutzen will, doch leider nicht bekommt: sein ehemaliger Partner Windom Earle (Kenneth Welsh) taucht plötzlich in Twin Peaks auf und will Rache: Cooper hatte eine Affäre mit seiner Frau, die Earle daraufhin in seinem Wahn umbrachte. Und als wenn das alles noch nicht genug wäre, muss Cooper auch noch das Geheimnis um die Herkunft von Killer Bob lüften und das Geheimnis um die „White Lodge“ und die „Black Lodge“ lüften.

The Prequel To The X-Files

Die erste Staffel von „Twin Peaks“ lebt ja wirklich davon, dass wir gemeinsam mit Agent Cooper hinter die Kulisse einer vermeintlichen Bilderbuch-Stadt schauen und wir nach und nach all die kleinen Kuriositäten, Geheimnisse und sonderbaren Dinge aufdecken, die hinter der schönen Oberfläche lauern. Das hat natürlich dann irgendwann diesen Soap-Opera-Charme, wo jeder mit jedem schläft, jeder jeden mit irgendwas oder irgendwem betrügt, aber die Frage nach dem Mörder von Laura Palmer lässt das Ganze so unendlich spannend werden, dass man es kaum aushalten kann, weiter zu schauen. Staffel 2 setzt da natürlich perfekt an – und erweitert das noch durch ein bisschen Mystery (sprich: Dales Visionen oder später, wenn Major Briggs [Scullys Papa] von UFOs und sonstigem erzählt). Bis zu neunten Folge der zweiten Staffel lebt „Twin Peaks“ nach wie vor von der Frage nach Lauras Mörder… und steht dabei der ersten Staffel in nichts nach. Es ist immer noch die gleiche aufregende Mischung aus Krimi, Surrealismus, Komödie, Drama und Mystery – und vor allem die Offenbarung des Tathergangs hat zumindest mich echt aus den Socken gehauen (weil ich zum Glück keinen Spoilern zur Serie erlegen war).

Danach hätte dann theoretisch Schluss sein können… und wenn man sich so anschaut, was da zwischendurch kommt, hätte da Schluss sein MÜSSEN. Ab Folge 10 an verliert sich „Twin Peaks“ dann zu sehr in der Soap Opera. Totgeglaubte tauchen wieder auf, es geht mehr um die kleinen Intrigen und Liebeleien als um das große Ganze. Hatte ich die erste Staffel und die ersten 9 Folgen gefühlt in einem Rutsch durchgeguckt, musste ich mich nun extrem durch die einzelnen Folgen quälen. Da wird Cooper dann suspendiert, da taucht plötzlich David Duchovny als Transgender Denise auf, da plätschert „Twin Peaks“ so mit eher ziemlich langweiligen Folgen so vor sich her – weil einfach eine Richtung fehlt. „Wer tötet Laura Palmer?“ ist beantwortet, die nächste interessante Frage wäre dann: „Wer ist Bob?“. Doch darauf konzentriert sich die Staffel erst einmal nicht. Einzelne verstreute Bemerkungen deuten noch hier und da mal drauf hin, aber ansonsten versinkt die zweite Staffel zu sehr in einem Wust aus uninteressanten Charakter-Entwicklungen, die die Geschichte sehr zum Erlahmen bringen.

Gut, die Frage, wer der Vater von Sheriff-Vorzimmer-Dame Lucy ist, war ja noch ganz witzig, zumal ich den „einfachen“ Andy immer sehr mochte. Aber ob nun die Story mit der plötzlich super-starken Nadine, die ihr Gedächtnis verloren hat und sich wieder für einen Teenager hält oder die ganze Nummer mit Benjamin Horne, der zwischenzeitig auch mal ein bisschen verrückt wird – es gab viele kleine Nebenhandlungen, die sehr unnötig wirkten.

Selbst dieser Windom Earle kommt erst so richtig zum Ende der Staffel in Fahrt – überhaupt sind so die letzten drei Folgen von Staffel 2 auf einmal wieder genau das, was ich wollte. Da wird es wieder ein bisschen übersinnlicher, ein bisschen verrückter, aber auch ein bisschen geordneter. Im Finale haut David Lynch dann noch einmal alles raus und schickt Cooper (und uns) auf einen herrlich surrealen und tatsächlich sehr gruseligen Trip zur Black Lodge (in der Laura Palmer dann sogar erzählt, dass sie Cooper in 25 Jahren wieder sehen wird – was ja dann nahezu perfekt mit dem jetzigen Revival zusammenpasst).

Staffel 2 hängt in der Mitte einfach extrem durch, dafür ist der Anfang stark und das Finale so ein richtig schöner Mindfuck. Dennoch würde es echt reichen, sich die ersten neun und dann die letzten drei Folgen anzuschauen – und man hätte nichts wirklich Wichtiges verpasst. Eigentlich ein bisschen schade, dass die Serie so einen Hänger hat.

Wertung: 7 von 10 Punkten (12 von 23 Folgen sind ja tatsächlich noch ziemlich gut, den Rest muss man ein bisschen verschmerzen)

Krieg in den Badlands

18. August 2017

Ich bin ja eigentlich ein Fan von „Into the Badlands“, obwohl ich es damals bei der ersten Staffel nicht für möglich gehalten hätte. Der Trailer hatte mich nicht wirklich umgehauen, aber aufgrund der kurzen ersten Staffel (6 Folgen) habe ich es dann doch einmal gewagt – und war sehr angetan. Jetzt habe ich endlich mal die zweite Staffel geguckt… und hatte zu Beginn ein riesiges Problem: Ich wusste eigentlich nichts mehr von der Handlung. Die ersten Folge der zweiten Staffel war zu Ende und ich hatte Mühe, die einzelnen Charaktere sofort wieder einzuordnen. Und das ist eine Sache, die man der Serie im Allgemeinen wirklich ein bisschen ankreiden könnte: Sie sieht zwar gut aus und hat auch interessante Charaktere, aber sie ist auch schnell wieder in Vergessenheit geraten. Wenn mich jemand fragt, warum ich „Into the Badlands“ so mag, dann antworte ich meistens: „Die Serie hat coole Charaktere und extrem coole Fights“. Aber das war’s dann auch schon wieder.

Aber gut… vielleicht liegt das wirklich eher daran, dass die erste Staffel extrem kurz war mit ihren sechs Folgen. Staffel 2 war da jetzt schon ein bisschen länger mit seinen zehn Episoden und hat sich dann auch sehr viel deutlicher in mein Gehirn gebrannt – weil die Story jetzt auch zu mehr da war, als nur die zahlreichen Charaktere vorzustellen (was letztendlich Aufgabe der ersten Staffel war):

Sechs Monate nach den Ereignissen ist in den Badlands einiges los: Quinn (Marton Csokas) ist wider Erwarten noch am Leben und versucht alles, um seine Herrschaft zurück zu erlangen. Das passt den anderen Baronen und vor allem „The Widow“ Minerva (Emily Beecham) gar nicht, weswegen es zu einer Art Bürgerkrieg in den Badlands kommt, der für einige Opfer sorgt. Währenddessen versucht Quinns ehemals bester Kämpfer Sunny (Daniel Wu) wieder in die Badlands hereinzukommen, um seine Frau zu retten – die sich (ohne das Sunny das weiß) bei Quinn befindet, der ihren Sohn als seinen aufziehen will. Außerdem ist da immer noch M.K. (Aramis Knight), der jetzt bei irgendwelchen Mönchen lernen soll, seine mysteriöse Kraft zu steuern. Und natürlich bleibt immer noch die Frage, was es mit der geheimnisvollen Stadt Azra auf sich hat – oder was wirklich ausschlaggebend für diese Postapokalypse war?

Der mit dem Ring-Schwert tanzt

Wie schon gesagt, ich habe mir mein Wissen über die erste Staffel noch einmal anlesen müssen, um wirklich in die zweite Staffel einsteigen zu können. Ich musste mir erst einmal wieder klar werden, wer diese Barone sind, wie sie das Badland aufgeteilt haben. Sunny und M.K. waren die Charaktere, an die ich mich noch am besten erinnern konnte – weil sie ja auch im Fokus der ersten Staffel standen. Das hat sich jetzt zum Glück ein wenig geändert. Dadurch dass die einzelnen Geschichten aufgefächert wurden, bekommen die Charaktere mehr Zeit, sich ein bisschen besser zu entfalten. Und in dieser Staffel bin ich dann auch ein Riesen-Fan von Emily Beechams Widow geworden. Die ist schon verdammt cool, wobei man überhaupt sagen muss, dass die Frauenrollen in „Into the Badlands“ echt ziemlich ausgereift sind. Das ist ja für so eine Action-Serie nicht unbedingt immer die Normalität, aber die Ladies in dieser Serie haben es drauf und müssen nichts zurückstecken. Und weil die zweite Staffel auch gerade auf diesen kleinen Bürgerkrieg innerhalb der Badlands anspielt, haben die Damen hier sehr viel mehr Möglichkeiten zu zeigen, was sie können – sowohl schauspielerisch als auch kämpferisch. Da ist Emily Beecham die absolute Königin – einfach nur toll!

Interessant war auch Neuzugang Nick Frost, der an der Seite von Daniel Wu kämpfen und natürlich auch witzig sein durfte. Die beiden haben ein gutes Team abgegeben. Einzig und allein die Story von M..K. in dieser Staffel fand ich ein bisschen öde. Die ganze Auserwählten-Nummer ging in den ganzen Krieg ein wenig unter und wirkte unnötig. Zumal man auch jetzt wieder nur sehr sporadisch mit dieser ganzen „Azra ist die Stadt, in der wir Rettung finden werden“-Geschichte angefüttert wurden (immerhin zeigt das Finale, dass wir da noch einiges erwarten können).

Erzählerisch hat Staffel 2 von „Into the Badlands“ auf jeden Fall einen enormen Schritt nach vorne gemacht und hat noch sehr viel mehr zu bieten als Staffel 1. Gesteigert haben sich die Macher aber auch noch einmal in Sachen Kampf-Choreografien. Allein schon dafür lohnt sich diese Serie. Es ist immer wieder absolute Wahnsinn, was die sich da ausdenken. „Jackie Chan meets Tiger & Dragon“ – einfallsreiche Choreografien, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen, die wunderschön in Slow-Motion aussehen und extrem tödlich und rasant in normaler Geschwindigkeit. Die Kämpfe sind und bleiben ein wichtiges Erkennungsmerkmal von „Into the Badlands“ und werden besser und besser.

Ich bin auf jeden Fall jetzt noch ein bisschen heißer auf Staffel 3 als ich es in Staffel 1 auf Staffel 2 war 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Story zieht endlich an, die Kämpfe werden noch besser, ich werde mehr und mehr Fan!!!)

Es kann nur einen geben!

16. August 2017

Ich habe mal wieder Fernsehen geguckt. Nach Ewigkeiten. Ich weiß, dass ist jetzt nichts aufregendes, aber für mich irgendwo schon. Seit Netflix und amazon mein Leben mit Serien und Filmen befüllen, habe ich so gut wie nichts mehr im Fernsehen gesehen. Ich sehe genau zwei Sekunden Fernsehen pro Tag – nämlich immer genau in den Sekunden, die es braucht, um an meinem Fernseher vom normalen Programm auf den HD-2-Ausgang zu schalten, der mich auf meine PS4 und in die Welt von Netflix und Co. entführt. Doch jetzt ist es letztens dann doch passiert… denn in diesen 2 Sekunden Fernseh-Zeit sah ich, dass auf arte „Highlander“ lief. Und der kleine Junge in mir konnte nicht anders, der wollte „Highlander“ gucken, also habe ich „Highlander“ geguckt. Eine Erfahrung, die mal wieder gezeigt hat, wie schwer es doch manchmal sein kann, bestimmte Kindheitserinnerungen aufrecht zu erhalten.

Die Geschichte von „Highlander“ dürfte wohl noch jedem ein Begriff sein: Es ist die Geschichte des Schotten Connor MacLeod (Christopher Lambert), der eigentlich in einer großen Schlacht im Jahre 1536 hätte sterben müssen, es aber nicht tut. Er wird vertrieben, weil alle denken, er wäre mit dem Teufel im Bunde. So trifft er dann später auf Juan Sánchez Villa-Lobos Ramírez (Sean Connery), der Connor zu verstehen gibt, das er zu den Auserwählten gehört, die unsterblich sind und nur getötet werden können, wenn man ihnen den Kopf abschlägt. Ramirez trainiert Connor und bereitet ihn auf den ultimativen letzten Kampf vor, denn es gibt einen unter den Unsterblichen Kurgan (Clancy Brown), der alle anderen töten will, um den „Preis“ zu gewinnen. Sollte ihm dies gelingen, würde das die Menschheit ins Verderben stürzen. Im Jahr 1985 kämpft Connor immer noch gegen Kurgan… und der letzte große Kampf steht kurz bevor, denn: Es kann nur einen geben.

Es kann nur einen (Bond) geben…

Oh mein Gott, was habe ich „Highlander“ früher geliebt (dabei sollte ich gleich sagen, dass ich von den Fortsetzungen nie auch nur eine gesehen habe – was wohl, nach allem, was ich so gehört habe, etwas Gutes ist). „Highlander“ war cool, „Highlander“ war die Art von Film, die meine kindliche Fantasie sehr angeregt hat und zu wilden Schwert-Stock-Kämpfen mit Freunden führte, bei denen es auch nur einen geben konnte, der triumphieren würde. Das ganze Konzept der Unsterblichkeit war hier sogar noch cooler als bei Vampiren, die ja nur nachts raus konnten. „Highlander“ gehörte zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Wer „Highlander“ nicht mochte, war weg vom Fenster. Wie konnte man coole Schwertkämpfe in einem modernen Setting nicht mögen?

Kinder… die finden auch jeden Quatsch gut, nicht wahr? 😉 Aber ich will jetzt um Gottes Willen nicht sagen, dass „Highlander“ schlecht ist. Es ist immer noch ein toller Film, der meine Kindheit sehr bereichert hat. Es ist nur leider auch ein Film, der nicht ganz so gut gealtert ist. Und ich rede jetzt nicht von den Effekten, die sind okay für 1986. Was mir so ein bisschen den Zauber genommen hat, sind eigentlich zwei Dinge: die furchtbare deutsche Synchro und die Schwertkämpfe selbst.

Zum Thema Synchro: Die ist wirklich gruselig. Wenn die sich da vor Schmerz angrunzen oder wütend anschreien, klingt das so emotionslos, als hätten das irgendwelche Studenten aus Spaß an einem Nachmittag vertont. Aber gut… im Original klingt das mit all den schottischen Akzenten sicherlich sehr viel besser. „Highlander“ gehört zu den wenigen Filmen, die ich noch nie im Original gesehen habe.

Kommen wir aber zum Thema Schwertkampf: Ich hatte die absolut episch in Erinnerung und ja, der letzte große Kampf zwischen MacLeod und Kurgan hat ja auch was episches an sich, aber so im Allgemeinen bin ich wahrscheinlich einfach durch die besser und besser gewordenen Kampf-Choreografien der Filmgeschichte stark beeinflusst. Wenn jeder Schwertkampf eigentlich nur darin besteht, dass die Gegner mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen und nur die Schwerter aneinander hauen, wirkt das bei weitem nicht mehr so episch wie in meiner Erinnerung.

Ich mag „Highlander“ trotzdem, auch wenn die merkwürdige Liebesgeschichte und die dazugehörige 80er-Jahre-Sexszene mit schwummriger Soft-Porno-Musik echt deplaziert wirkt und ein Christopher Lambert jetzt auch nicht unbedingt durch große Schauspielkunst aufwartet. Es ist einfach ein wichtiger Film für das Kind in mir. Es ist aber auch einfach eine coole Story an sich, die mit den verschiedenen Flashbacks großartig funktioniert. Die Tatsache, dass der Film mit einem Schwertkampf in der Gegenwart anfängt, war schon ziemlich badass. Die Schwerter an sich fand ich auch einfach immer nur verdammt cool, aber das nur so als Randnotiz. „Highlander“ ist schon toll – nicht unbedingt gut gealtert, aber dank hohem Nostalgie-Wert immer noch sehenswert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (irgendwann traue ich mich mal an die angeblich so furchtbaren Sequels – vielleicht)

Anti-Mary-Poppins

14. August 2017

Wenn ich Kinder hätte, würde ich mir wahrscheinlich nie wieder auch nur irgendeinen Horror-Film anschauen, in dem Kinder die Hauptrolle spielen. Wahrscheinlich hat man ja als Elternteil ohnehin schon genug innere Urängste, das dem eigenen Kind irgendwas zustoßen könnte, da kann man sicherlich gut auf Filme verzichten, die einem genau das 80 oder 90 Minuten noch einmal vor Augen führen. Noch schlimmer wird es dann wie im Fall von „Emelie“, wenn dann auch noch die Babysitterin zum wahren Teufel wird. Für Eltern, die noch irgendwie Vertrauen zu ihrem Babysitter haben wollen, ist dieser Film daher wirklich nichts.

Dan (Chris Beetem) und seine Frau Joyce (Susan Pourfar) wollen ihren Hochzeitstag feiern und engagieren deswegen eine Babysitterin. Üblicherweise macht das die junge Maggie (Elizabeth Jayne Hong), doch die hat an diesem Abend keine Zeit und empfiehlt ihre Freundin Anna. Papa Dan holt dann die Sitterin (Sarah Bolger) ab, die auf die drei Kinder Jacob (Joshua Rush), Sally (Carly Adams) und den kleinen Christopher (Thomas Bair) aufpassen soll. Doch kaum sind die Eltern aus dem Haus wird „Anna“ sehr merkwürdig. Der 11-jährige Jacob verliert seine anfängliche Verliebtheit gegenüber der Sitterin, schnüffelt in ihren Sachen und findet heraus, dass diese Anna in Wirklichkeit Emelie heißt… und das sie definitiv nicht zum Babysitten da ist.

Hinter dem hübschen Gesicht steckt ein widerliches Monster

Vorweg will ich sagen, dass „Emelie“ allgemein gesagt ein sehr unangenehmer Film ist, der zu Beginn wirklich sehr merkwürdig ist und man sich die ganze Zeit fragt, warum das alles passiert. Emelie erlaubt den Kinder beispielsweise, die Wände zu bemalen oder aus Mamas Kissen Kostüme zu basteln, denn wahre Kreativität braucht Zerstörung. Da denkt man noch, dass sie vielleicht eigentlich wirklich nur eine coolere, wenn auch leicht durchgeknallte Sitterin ist, die Jacob Unmengen an Keksen essen lässt. Doch dann fängt sie vorsichtig an, die Türen zu verriegeln, verfüttert Sallys Hamster an Jacobs Schlange verfüttert und zeigt den Kindern am Ende ein privates Sex-Video der Eltern. Mit einem extrem unangenehmen Gefühl im Magen sitzt man da so vorm Fernseher und fragt sich eigentlich zwei Dinge: „Warum tut Emelie das?“ und „Warum tue ich mir so einen kranken Scheiß eigentlich an?“

Frage Nummer 2 erklärt sich an der Neugier, die Antwort zu Frage 1 zu erfahren. Das Problem an „Emelie“ ist nur, dass die Antwort selbst ihr Verhalten auch nicht erklärt. Ich will an dieser Stelle etwas tun, was ich sonst nicht gerne mache und euch die Antwort verraten… es tut mir Leid, aber ich kann nicht anders meinem Verdruss über diese blöde, blöde Story Luft machen. Emelie möchte aus Gründen, die ich euch nicht verraten möchte, Christopher entführen. Bleibt doch trotzdem die Frage, warum sie die Kinder dann mit privaten Sex-Videos der Eltern und toten Haustieren foltern muss. Soll sie die doch einfach ins Bett schicken, gerne auch mit Valium in der Einschlafmilch, und dann das Kind entführen. Das hätte irgendwo noch Sinn ergeben. Warum diese Tortur für die Kinder (und auch für den Zuschauer) sein muss, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Das war so unnütz und einfach nur da, um einem ansonsten sehr belanglosen Film wenigstens ein bisschen was zu geben, woran man sich später noch erinnern kann.

Nach der großen Auflösung fällt „Emelie“ dann aber in ein dunkles, schwarzes Loch – da Anna / Emelie den Strom ausstellt, um Christopher im Dunkeln wegzuschaffen. Blöd nur, dass Jacob das nicht zulassen will und in bester „Kevin – Allein zu Haus“-Manier versucht, seine Geschwister zu retten. Das Problem ist nur, dass man dann im Film einfach mal gar nichts mehr erkennen kann. Regisseur Michael Thelin schickt uns förmlich blind ins große Finale, aber zu dem Zeitpunkt war mir das dann auch schon relativ egal… einfach weil ich immer noch nicht mit dem ganzen Rest dieser blöden Story klar kam.

Schauspielerisch muss ich jedoch sagen, ist „Emelie“ schon echt gut. Vor allem die drei Kinder-Darsteller waren wirklich erstaunlich gut und sehr natürlich. Gerade bei dem kleinen Thomas Bair, der Christopher spielt, hatte ich das Gefühl, dem hat niemand gesagt, dass das hier ein Film ist. Der war echt sehr, sehr putzig. Sarah Bolger, die große böse Anti-Babysitterin, war auch sehr gut. Sie war wirklich sehr gruselig, weil man anfangs halt nicht weiß, warum sie so merkwürdig ist.

Darstellerisch ist „Emelie“ ein guter Film, der Rest ist widerlich und unangenehm und zum Ende hin einfach nur schwer zu erkennen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (nie wieder Babysitter!)

Der Revolvermann

11. August 2017

Stephen King war der Schriftsteller, der mich in die Literatur für Erwachsene eingeführt hat. Mein erstes Buch von ihm war „ES“, danach habe ich mich dann systematisch einfach durch alles gearbeitet, was der Mann geschrieben hatte. So kam es dann auch dazu, dass ich irgendwann anfing, seinen großen Fantasy-Epos „Der Dunkle Turm“ zu lesen – und eigentlich mochte ich das Western-Fantasy-Setting immer sehr. Doch hatte ich das gleiche Problem wie mit jeder lang laufenden Reihe… irgendwann wird die Zeit zwischen den einzelnen Romanen so groß, das man viele Sachen schon wieder vergessen hat und dann eine Weile braucht, um wieder alles zu verstehen. Und gerade Kings „Der Dunkle Turm“ ist auch noch so komplex verwoben mit verschiedenen Zeitlinien und vor allem den unterschiedlichen Werken von King selbst. Richtig geärgert hat mich die Reihe dann mit Band 4 „Glas“, der Füllerfolge von „Der Dunkle Turm“, in der eigentlich nicht wirklich viel von Interesse (für mich) erzählt und die ganze Geschichte mit einem riesigen Flashback verlängert wurde. Danach hatte ich noch mehr Schwierigkeiten, mich mit Kings Epos anzufreunden. Als er dann später noch selbst in der Geschichte auftauchte, hielt ich ihn schon ein bisschen für größenwahnsinnig… und über das eigentliche Ende der Reihe will ich gar nicht erst sprechen, enttäuschte mich das doch nur noch mehr.

Als ich dann hörte, dass ausgerechnet „Der Dunkle Turm“ verfilmt werden sollte, war ich dementsprechend skeptisch – mehr als nur skeptisch. Zumal ja aufgrund des sehr merkwürdigen Endes der Buch-Reihe beim Film immer wieder von einer Fortsetzung anstatt einer reinen Adaption gesprochen wurde. Was aber auch nur alberner PR-Talk ist, um Fans zu beruhigen, falls der Film nicht ganz so ist, wie sie es erwartet haben. Tatsächlich vermischt der Film Geschichten aus drei verschiedenen Büchern zusammen und es entsteht ein etwas halb-garer Fantasy-Mix mit immerhin zwei guten Darstellern.

Der Junge Jake (Tom Taylor) hat in seinen Träumen Visionen von einem Dunklen Turm, der von einem Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) angegriffen wird. Dabei wird der Mann in Schwarz von einem Revolvermann namens Roland (Idris Elba) verfolgt, der ihn stoppen will. Jakes Eltern halten ihn für verrückt, doch als Jake eines Tages ein Portal in eine andere Welt findet und dort auf Roland stößt, weiß er, dass er Recht hatte – und zudem in großer Gefahr schwebt, denn der Mann in Schwarz hat es auf Jake abgesehen.

Gut gegen Böse…

Erstaunlicherweise ist „Der Dunkle Turm“ nach knapp 90 Minuten schon wieder vorbei. Ich hatte ja tatsächlich mit einem Mammut-Projekt von zweieinhalb bis drei Stunden gerechnet, aber zum Glück entschied sich Regisseur Nikolaj Arcel bei seiner „Fortsetzung“ der Reihe dagegen. So frühstückt er das erste großen Zusammentreffen zwischen Roland und dem Mann in Schwarz ziemlich rasch ab, was seine Vor- und Nachteile hat.

Vorteil ist, er verliert sich nicht zu sehr in Kings verwirrender Fantasy-Welt. „Der Dunkle Turm“ ist ein Film, der Fans der Reihe mit kleinen Easter Eggs und Hinweisen auf Figuren und Orte der Romane füttert, aber Nicht-Fans nicht im Regen stehen lässt. Der Film funktioniert, ohne das man auch nur eine Zeile aus „Der Dunkle Turm“ und seinen Nachfolgern gelesen hat. Ein weiterer Vorteil der kurzen Laufzeit ist aber auch, dass Arcel sich nicht in zu vielen Erklärungen aufhängt. Man wird eigentlich sofort in die Geschichte geworfen und muss halt auch einfach mal ohne große Erklärung hinnehmen, dass der Mann in Schwarz das Zentrum der Universen, den Dunklen Turm, kaputt machen will, um alle Welten ins Chaos zu stürzen. In einem Hollywood, das mittlerweile jeden kleinen Scheiß ausführlich erklären will, ist das irgendwie ganz angenehm. „Der Dunkle Turm“ hat einen klaren Bösewicht, einen klaren Helden und los geht’s.

Die Action in „Der Dunkle Turm“ sieht ziemlich gut aus. Revolvermann Roland ist scheinbar bei Angelina Jolie in „Wanted“ zur Schule gegangen und kann wunderbar mit seinen Waffen umgehen. Überhaupt liefert Idris Elba einen tollen Revolvermann ab, der vom Schicksal arg geplagt ist und alles versucht, den Mann in Schwarz zu vernichten. Der wird von einem tollen Matthew McConaughey gespielt, der sichtlich Spaß daran hat, endlich mal einen richtigen Bösewicht zu spielen, der allmächtig zu sein scheint. Nur der junge Tom Taylor passt nicht so wirklich zu diesen beiden.

Doch „Der Dunkle Turm“ ist bei weitem nicht perfekt… sondern irgendwo recht mittelmäßig. Der ganze Film schreit förmlich nach einer „Direct-to-DVD“-Veröffentlichung, wären da nicht die beiden großen Namen auf dem Poster. Die Geschichte ist trotz der Kürze recht unbefriedigend erzählt und was ich ehrlich gesagt am schlimmsten fand, war die Tatsache, dass wir nie so richtig in dieser Fantasy-Welt von Roland und dem Dunklen Turm verweilen. Arcel baut eine tolle Welt auf, aber so wirklich Platz bietet er ihr nicht. Es muss halt alles schnell, schnell gehen. Dem fällt dann auch das große Finale zum Opfer, in dem ein als allmächtig aufgebauter Mann in Schwarz recht simpel an seinem großen Plan gehindert wird.

Emotional holt einen „Der Dunkle Turm“ zu keiner Zeit wirklich ab. Es ist halt so ein typischer Gut-gegen-Böse-Film ohne stark in die Tiefe zu gehen. Elba und McConaughey spielen zwar gut, aber die Story gibt ihnen einfach nicht wirklich viel, mit dem sie arbeiten können. Sie sind ein bisschen verschenkt, will ich damit sagen. Gerade, wenn sie mal in unserer Welt sind, wirkt das sehr plump und es gibt viele Szenen, die witzig sein sollen (weil dieser Fremde in unserer Welt ein bisschen überfordert ist), die man sich aber auch hätte sparen können.

„Der Dunkle Turm“ ist einer dieser Filme, den man einfach nicht zwingend im Kino gesehen haben muss. Zuhause im Heimkino reicht vollkommen aus, so viel hat der Film dann doch nicht zu bieten.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich sehe schwarz für den Dunklen Turm und seine Fortsetzungen)

Draculas Fluch

9. August 2017

Wir hatten ja gefühlt schon seit Ewigkeiten darauf, dass irgendein Spiel mal eine würdige Verfilmung bekommt. Zuletzt scheiterte „Assassin’s Creed“ daran, das Spiel kinotauglich zu machen… und ich bleibe dabei, die einzige wirklich gute Verfilmung ist für mich immer noch „Silent Hill“. Da hat es atmosphärisch eigentlich verdammt gut geklappt, das Spiel umzusetzen. Doch heimlich still und leise kommt jetzt Netflix daher und präsentiert die nächste Spiel-Verfilmung als Serie: „Castlevania“. Ich habe keinen einzigen „Castlevania“-Teil der Reihe gespielt, kenne es eigentlich nur so vom Hören-Sagen und weil ich hier und da mal ein Video dazu gesehen habe, aber dennoch habe ich das Gefühl, dass Netflix‘ „Castlevania“ eine wirklich gute Verfilmung des Spiels ist – zumal es ja im Spiel eh nur ums Draufkloppen geht und sich die Serie so eine eigene Geschichte ausdenken kann.

Als seine Frau als Hexe verbrannt wird, verflucht der Graf Vlad Tepes Dracula die Menschen der Walachei. Er gibt ihnen ein Jahr Zeit, dann würde er seine Horden von Dämonen auf die Menschen herablassen. Ein Jahr vergeht und Dracula hält Wort: Eine Armee aus Monstern und Dämonen taucht auf einmal auf und zerstört und tötet, was ihr im Weg steht. Scheinbar nur ein Mann hat die Fähigkeiten, gegen Dracula kämpfen zu können: der letzte Überlebende der Monster-Jäger-Familie Belmont, Trevor Belmont.

Indy wäre stolz

Ich wusste wirklich nicht, was ich von dieser Animationsserie erwarten sollte, aber allein die erste Folge hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Denn statt sich sofort auf den großen Helden der Serie zu stürzen, stellt die erste Folge niemand Geringeren als Dracula in den Vordergrund. Wir erfahren, wie er seine Frau kennenlernte, dann gibt es einen Zeitsprung und sie wird als Hexe verbrannt, woraufhin Draculas Fluch beginnt. Aber das Interessante daran ist, dass Dracula nachvollziehbar gemacht wird. Leider erfahren wir zu wenig über ihn und seine Frau und ihre gemeinsame Ehe – und ich hoffe, das kommt in Staffel 2 noch ein bisschen mehr in Rückblenden zur Geltung. Dennoch ist es ein faszinierender Anfangspunkt: Draculas Rache erscheint uns für einen kurzen Augenblick fast gerechtfertigt. Für einen Moment lang ist die Kirche der Walachei, deren Priester die Anordnung zur Verbrennung verkünden, die wahren Monster. Und sie sind es, die das Monster Dracula so erst heraufbeschwören. Wer weiß nämlich, ob er mit seiner Frau nicht irgendwann einfach der liebe, nette Graf von nebenan geworden wäre, der sich am Ende noch um das Wohl der Walachei und der Menschen kümmert?

Aber, wie es sich für ein Monster gehört, kennt Dracula keine Grenzen… und so verfliegt der Anflug an Sympathie dann auch schnell wieder, wenn man sieht, das seine Monster Frauen, Kinder und sogar Babys genüsslich verdrücken. Draculas Armee ist erbarmungslos und macht vor wirklich nichts Halt. Da kommt dann auch in der zweiten Folge endlich Trevor Belmont ins Spiel, ein versoffener, sarkastischer Typ in einer Bar, dem man im ersten Moment nicht wirklich zutrauen würde, eine Bastion gegen die Horden der Hölle zu sein. Doch in kurzer Zeit wächst auch er über sich hinaus.

Ich sage immer in „kurzer Zeit“, denn das wohl größte Problem an „Castlevania“ ist einfach mal die Laufzeit: 4 Folge a 25 Minuten. Das ist viel, viel, viel zu wenig, denn die Serie ist verdammt gut. Der Schurke wird, wie schon gesagt, gut aufgebaut und auch Trevor erlebt innerhalb dieser 4 Folgen eine gute Entwicklung vom Säufer zum wahrhaft letzten Kämpfer für das Gute. Ganz zum Ende, im großen Finale von Folge 4, hat er dann sogar noch den Sohn Draculas und eine Magierin an seiner Seite… und lässt hoffen, dass eine zweite Staffel nicht nur länger ist, sondern den hier gelegten Grundstein auch gut ausnutzen kann, um mehr zu erzählen. Denn ich würde schon gerne mehr davon sehen. Ich will mehr von Draculas Vergangenheit erfahren, ich will mehr über Trevor wissen (zum Beispiel, warum er der letzte seiner Familie ist), ich will mehr über seine Weggefährten erfahren, von denen ja einer Draculas Sohn ist.

Die erste Staffel „Castlevania“ liefert verdammt viel, was eine zweite Staffel in voller Länge gut ausbauen könnte. Ich hätte auch nichts gegen längere Folgen, denn „Castlevania“ hat echt das Zeug, eine richtig gute Serie zu werden. Ich will definitiv mehr und hoffe, dass Netflix auch brav damit weitermacht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (4 Folgen sind viel zu wenig, aber es waren so viele gute Ansätze da, dass Staffel 2 nur besser werden kann)