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Rocky Jr. vs. Drago Jr.

28. Januar 2019

Ich muss ja immer noch „Creed“ dafür danken, dass ich überhaupt mit der „Rocky“-Reihe angefangen habe. Was für eine tolle Film-Reihe (und ja, ich mag auch „Rocky 5“, der ist zwar nicht so toll wie die anderen, aber er hat auch seinen Charme). Ein absolutes Highlight ist aber natürlich „Rocky 4“,: der Film mit doppelter Trainingsmontage; der Film, dessen Soundtrack 80er Jahre pur schreit und natürlich der Film, der den kultigsten Rocky-Gegner aller Zeiten hervorgebracht hat. Als ich hörte, dass man Ivan Drago für „Creed II“ zurückbringen wollte, war ich doch eher skeptisch. Reicht nicht schon ein alter Mann, muss man da jetzt noch den nächsten alten Mann hinzuholen? Doch es macht schon irgendwie Sinn, immerhin hat Drago Rocky am meisten Leid zugefügt. Trotzdem blieb vor dem Kino-Besuch ein kleiner nagender Zweifel… funktioniert das wirklich??? Um es schon mal vorweg zu nehmen: Es funktioniert und es funktioniert großartig.

Adonis Creed (Michael B. Jordan) hat eigentlich alles erreicht: Er ist Schwergewichtsweltmeister und er ist mit seiner Bianca (Tessa Thompson) verlobt. Doch da kommt der große Schock: Aus dem Nichts taucht auf einmal Ivan Drago (Dolph Lundgren) auf und fordert Creed zum Kampf heraus. Natürlich will er nicht selbst kämpfen, sondern seinen Sohn Viktor (Florian Munteanu) in den Ring schicken, den er gefühlt seit seiner Niederlage gegen Rocky (Stallone) zum Boxer trainiert hat. Gegen Rockys Rat geht Creed den Kampf gegen den Sohn des Mannes, der seinen Vater im Ring tötete, ein – und begeht damit einen schweren Fehler.

„Creed II“ ist der Hammer. Anders kann ich es nicht sagen. Der Film ist unglaublich emotional auf einem Level, das ich nicht vermutet hätte. Das wiederum (und damit kann ich dann den nagenden Zweifel zur Ruhe legen) liegt vor allem an Ivan Dragos Rückkehr. Durch ihn wird „Creed II“ auf gleich drei Ebenen ein extrem persönlicher Film: Adonis muss sich seinen eigenen Gefühlen stellen und wird dabei von Rache und Hochmut getrieben. Rocky muss sich dem Mann gegenüber stellen, der seinen besten Freund ermordet hat und für Ivan Drago bedeutet dieser Kampf sein ganzes Leben. Interessant ist dabei, wie sehr man doch mit seinem Sohn Viktor „mitleidet“, denn der muss eigentlich den einen großen Fehler seines Vaters irgendwie ausbaden. Er ist sein Leben lang auf nichts anderes vorbereitet worden und hat dabei nie ein wirkliches Leben gehabt. Viktor Drago wird die tragischste Figur in diesem ganzen Film, weil er sich eigentlich gegen nichts wehren kann. Und das überträgt der Film auch noch ohne große Worte. Lundgren und Munteanu schweigen sich fast mehr an, als das sie mit einander reden… aber in diesem Schweigen steckt einfach alles drin, was man braucht, um die beiden zu verstehen.

Allein da zeigt sich dann schon wieder die große Stärke der Filme dieser Reihe: Sie sind nicht bloß einfach nur Box-Filme, sie sind immer gefüllt mit menschlichen Dramen. Aber eben auch mit großartigen Kämpfen, die einem hier wieder die Schuhe ausziehen. Der deutsche Boxer Florian Munteanu ist einfach mal ein Tier. Sein Oberarm ist so dick wie mein Kopf, an seinem Nacken sind Muskeln, von denen ich nicht einmal wusste, dass es da Muskeln gibt. Dieser Mann ist ein Tier und in „Creed II“ darf er es auch rauslassen. Michaeal B. Jordan wird aber nicht weniger zum Tier und im Ring schenken sich die beiden nichts. Die Kämpfe in „Creed II“ sind grandios (ich konnte mich vor Aufregung kaum im Sitz halten), die Trainingsmontangen sind „Rocky“-typisch einfach nur episch.

Und „Rocky“-typisch trifft es auch wieder ganz gut: Es gibt keine großen Überraschungen. Wer einen „Rocky“-Film gesehen hat, der weiß auch, wie „Creed II“ ablaufen wird. Das Tolle am Film ist aber, dass man ihm diese „Vorhersehbarkeit“ nicht übel nimmt, weil er alles durch starke Charaktere, unglaublich intensive Charakter-Momente und eben tolles Boxen wieder wett macht. Stallone ist einmal mehr auch einfach nur super, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Als alter Rocky ist er einfach nur zum Knuddeln.

Ehrlich gesagt, hoffe ich, dass mit „Creed II“ jetzt aber auch Schluss ist, denn es passt einfach perfekt. Es wäre definitiv ein schöner Abschluss – gerade auch für Rocky selbst. Aber schauen wir mal… am Ende kommt dann doch noch ein „Creed III“ oder sowas.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein spannender Box-Film, ein emotionales Drama, ein tolles Kino-Erlebnis)

 

TGIF II: Monströse Rivalen

25. Januar 2019

Es ist die Regel einer jeden guten Fortsetzung, dass sie das Original mit irgendwas übertrumpfen muss. Bei Video-Spielen funktioniert das meisten ja wirklich gut: Man muss nicht zu viel am eigentlichen Spiel-Prinzip verändern, nur die Dinge verbessern, die beim ersten Teil schon funktioniert haben. Ähnlich könnte man das ja eigentlich auf Filme anwenden, doch da ist das mit den Fortsetzungen immer so eine schwierige Sache. Mein guter Freund Godzilla macht da keine Ausnahme. Nachdem „Godzilla“ 1954 das erste Mal die Kinos unsicher machte, kam schon ein Jahr später die Fortsetzung „Godzilla kehrt zurück“ heraus. Statt nur Godzilla gab es nun ein weiteres Urzeit-Monster.

Der Pilot Kobayashi (Minoru Chiaki, hat sogar Akira-Kurosawa-Erfahrung – und das nicht zu knapp) muss notlanden und bringt sich auf einer unbewohnten kleinen Insel in Sicherheit. Als sein Flieger-Kollege Tsukioka (Hiroshi Koizumi) ihn retten will, machen die beiden eine unglaubliche Entdeckung: Auf der Insel tobt ein erbitterter Kampf zwischen zwei Monstern – Godzilla und Anguirus. Beide Monster drohen Osaka in Schutt und Asche zu legen, doch wie soll man die Biester besiegen? Selbst Dr. Yamame (Takashi Shimura) weiß darauf keine Antwort. Doch eine Lösung muss her, denn die Monster sind nicht mehr weit.

Es stellt sich bei „Godzilla kehrt zurück“ natürlich die große Frage, wie Godzilla denn zurückkehren kann, wenn er doch im ersten Teil durch den Oxygen-Destroyer und das selbstlose Opfer von Serizawa getötet wurde? Wir haben schließlich alle das Skelett am Meeresboden gesehen. Aber wir wissen doch auch alle, dass das Böse immer einen Weg findet, zurückzukehren. In „Godzilla kehrt zurück“ ist es einfach ein weiterer Godzilla, der durch Atombombentests erweckt wurde – und dieses Mal sogar einen fiesen Gegner mit bringt. Ein Monster allein reicht schließlich nicht für eine Fortsetzung.

Doch irgendwie hat man zu Beginn des Films das Gefühl, dass sich die Macher des Films nicht so ganz sicher waren, wie sie das wirklich anstellen sollen. Es ist zwar schön, Takashi Shimura als Dr. Yamame wieder mit auftaucht, aber der zeigt uns dann noch mal einen schönen Zusammenschnitt der Zerstörung Tokios durch Godzilla. Das ist dann aber ein stummer Clip, der die gleichen Bilder aus dem Vorgänger noch einmal wiederholt. Das streckt die Handlung, ohne ihr wirklich viel zu geben. Aber wahrscheinlich dachte man sich damals, das würde dann auch alle mit ins Boot holen, die „Godzilla“ damals nicht im Kino gesehen haben.

„Godzilla kehrt zurück“ braucht eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Doch ich muss gestehen, das Warten wird entlohnt. Nachdem ein paar Kriminelle ausbrechen und mit einem gestohlenen Tanklastwagen einen Unfall verursachen, durch den ein riesiger Brand ausbricht, zeigt „Godzilla kehrt zurück“, warum wir Monster-Filme einfach nur lieben müssen. In einer wirklich beeindruckenden Szene kommt es zum Kampf zwischen Godzilla und Anguirus. Und ja, das mag vielleicht albern aussehen und ja, man mag erkennen, dass hier einfach zwei Typen in Kostümen gegeneinander kämpfen und dabei Modell-Häuser zerdeppern – aber verdammt noch eins, ich mag das. Ich finde diesen Kampf wirklich sehr beeindruckend. Ich meine, man muss sich nur mal die Zeit vor Augen führen, als dieser Film gedreht wurde. Natürlich sieht das mit unseren „verwöhnten“ Augen einfach nur total gaga aus, aber man muss auch einfach anerkennen, wie viel Mühe und wie viel Liebe zum Detail in diese Szene geflossen ist. Das ist ordentliche Monster-Action (und ich hoffe, „Godzilla: King of the Monsters“ nimmt sich dieses Jahr daran ein Beispiel). Vielleicht bin ich auch geblendet durch meine kindliche Freude über riesige Monster, die Zeug kaputt hauen, aber das war einfach eine beeindruckende Sequenz.

Leider ist das auch so wirklich das einzig Erwähnenswerte an diesem Film. Danach folgt dann leider eine viel zu lang gezogene Endsequenz, in der dann die Menschen dran sind und versuchen, Godzilla zu töten. Das fühlte sich irgendwie an, als wollte man damit die unglaublich tolle Luftflotte der Japaner zelebrieren, nervt aber mit den immer wieder gleichen Einstellungen und einer etwas lieblosen Kulisse – fast so, als hätte man alles Pulver für Godzilla vs. Anguirus verballert und am Ende nichts mehr für Godzilla vs. Menschen übrigen gehabt.

„Godzilla kehrt zurück“ fühlt sich leider wie so eine Standard-Fortsetzung an, die aber immerhin durch einen (wie ich finde) phänomenalen Monster-Kampf punkten kann.

Wertung: 6 von 10 Punkten (keine großartige Fortsetzung, aber ein großartiger Monster-Zweikampf)

Der Junge, der durch die Zeit sprang

23. Januar 2019

Ich muss gleich zu Beginn alle enttäuschen (oder beruhigen – je nachdem), die denken, dies wäre ein Artikel zu irgendeiner Art von Fortsetzung zu Mamoru Hosodas wunderbarem Film „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“. Ist es nicht und ich hoffe, es wird auch nie zu einer Fortsetzung kommen, denn dieser Film ist einfach nur perfekt. Nein, heute soll es mal um eine neue Netflix-Anime-Serien-Entdeckungen gehen, die aber nicht einmal auf meinen  Mist gewachsen ist. Vielmehr wurde ich von einem wunderbaren Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass es da eine Serie namens „Erased“ gibt, die ich mir doch unbedingt mal anschauen sollte. Und da konnte ich natürlich nicht „Nein“ sagen, musste mich aber erst durch eine winzige Irritation durchkämpfen, Netflix hat nämlich zwei Serien mit diesem Titel. Doch die Verwirrung war schnell beseitigt, es gibt einmal „Erased“ als Anime-Serie und dann gibt es noch „Erased“, die Real-Verfilmung der Serie. Die wollte ich mir aber nicht antun und werde es nach „Erased“, der Anime-Serie, auch nicht tun.

In „Erased“ lernen wir den jungen Manga-Zeichner Satoru kennen, der eine besondere Gabe hat – immer wenn er einen blauen kleinen Schmetterling an sich vorbeifliegen zieht, weiß er, dass für jemanden Gefahr im Anzug ist. Daraufhin kann er, wie auch immer, in der Zeit zurückreisen und muss versuchen, dieses Unheil zu verhindern. Als seine Mutter ermordet wird und man Satoru dafür verantwortlich macht, reist der junge Zeichner plötzlich 18 Jahre in die Vergangenheit zurück – in eine Zeit, als er noch ein kleiner Junge war und eine seiner Klassenkameradinnen, Kayo, Opfer eines Serienkillers wurde. Satoru muss diesen Mord verhindern und den Täter ausfindig machen, denn nur so, glaubt er, kann er den Mord an seiner Mutter verhindern.

Bevor ich anfange, muss ich ein wenig angeben – und wer mich kennt, weiß, was für ein bescheidener und stiller Kerl ich bin, deswegen muss das schon was Großes sein, wenn ich jetzt damit anfange 😉 Schon sehr früh in der Serie, die nur aus 12 Folgen a 25 Minuten besteht (und dann auch tatsächlich abgeschlossen ist), hatte ich eine starke Vermutung, wer der Mörder sein könnte. Da haben sich also die ganzen True-Crime-Serien und Romane doch gelohnt, den Killer schnell zu erkennen. Na okay, ich habe ihn nicht wirklich erkannt, aber ich hatte einen sehr, sehr starken Verdacht, der sich am Ende auch bewahrheitet hat.

Allerdings möchte ich dann doch nicht alle Lorbeeren einheimsen, sondern den Machern rund um den Autor des Mangas Kei Sambe ein paar davon überlassen. Denn es kommt nicht von ungefähr, dass ich diesen Verdacht hegte. Die Serie baut ihre einzelnen Charaktere so gut auf und bietet uns sehr viele potenzielle Killer, die man alle gegenüberstellen kann. Man wird in dieser Serie wirklich selbst zum Ermittler und geht alle Verdächtigen gemeinsam mit Satoru durch. Das Großartige an der Serie ist aber, dass ich glaube, dass die Macher uns ganz bewusst all diese „falschen“ Fährten legen und schon genau wissen, dass man es relativ schnell durchschaut – und trotzdem schaffen sie es, dass man sich nie so richtig sicher mit seiner Entscheidung fühlt.

Die Geschichte ist einfach unglaublich spannend aufgebaut, spielt dabei gekonnt mit dem Element des Zeitreisens, das clever in die Story mit einbezogen wird. Die ganze Serie ist so ein bisschen, als hätte man „Butterfly Effect“ mit „Back to the Future“ verknüpft und dann noch eine ordentliche Prise „Detective Conan“ dazugegeben. Das Ganze wird dann noch mit stark ausgearbeiteten Charakteren gewürzt und fertig ist eine kleine, feine Mini-Serie, die man so schnell wie möglich durchschaut. Die Serie hat unglaublich viel Gefühl, gerade auch in den Sequenzen mit den Kindern. Da hat jemand es verstanden, Kinder durchaus glaubwürdig zu schreiben. Gleichzeitig ist die Serie aber auch immer wieder sehr unangenehm und geht auch direkt und sehr krass Themen wie häusliche Gewalt gegenüber Kindern an. Das geht manchmal ganz schön an die Substanz. Zum Glück findet „Erased“ aber auch immer wieder die Balance, liefert uns auch wunderschöne, zarte Momente.

„Erased“ ist wirklich eine tolle Serie, ein rasantes Erlebnis, das zum Mit-Ermitteln einlädt und einen nicht mehr loslässt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Rätsel, Gefühle, Brutalität, Zeitreisen – alles in einer Serie, was will man mehr?)

Herr Glass und die Supermenschen

21. Januar 2019

Ich war nicht der größte Fan von M. Night Shyamalans „Split“. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die mir aus diesem Film in Erinnerung geblieben sind: Einmal die unglaubliche gute Performance von James McAvoy. Ob er nun eine strenge Frau, einen neunjährigen Spitzbuben oder ein übernatürliches Monster spielt, er macht es einfach verdammt gut. Zum anderen war doch noch dieser Moment am Ende, diese winzige Mid-Credit-Scene, in der auf einmal Bruce Willis in einem Diner sitzt. Ich war damals mit zwei Kollegen im Kino zu einer Pressevorführung und den wenigen erstaunten Schnaufern entnahm ich, dass ich nur einer von sehr wenigen war, der sofort wusste, was es damit auf sich hat. Nach dem Film durfte ich dann erst mal erklären, was es mit Bruce Willis auf sich hat… dass es ja da diesen einen Film gab, in dem M. Night Shyamalan nach „The Sixth Sense“ versuchte, seine eigene Version einer Superhelden-Geschichte zu erzählen. „Split“ war also eine Weiterführung der Geschichte aus „Unbreakable“ – und mit „Glass“ führt Shyamalan nun beide Filme zusammen.

„Glass“ setzt nur wenige Wochen nach den Ereignissen von „Split“ an. Kevin, Dennis und der ganze Rest der Horde (James McAvoy) wüten noch immer draußen herum. Doch dieses Mal ist David Dunn (Bruce Willis) ihnen auf den Fersen. Gemeinsam mit seinem Sohn Joseph (Spencer Treat Clark), der für ihn die Oracle spielt und ihm Hinweise zuspielt, macht David Jagd auf die Horde. Allerdings ist noch jemand unterwegs, um diese vermeintlichen Supermenschen zu fangen: Die Psychiaterin Ellie Staple (Sarah Paulson). Es gelingt ihr, sowohl David als auch die Horde zu fangen und einzusperren. Nun beginnt sie ihre Therapie, um diesen beiden klar zu machen, dass sie sich das alles nur einbilden. Ach ja, und einen dritten Patienten hat sich natürlich auch noch: Mr. Glass (Samuel L. Jackson). Alle drei an einem Ort… das kann doch keine gute Idee sein, oder???

Ich sage es mal gleich vorweg: „Unbreakable“ bleibt für Shyamalan unerreicht. Trotzdem ist „Glass“ ein würdiger Abschluss, der allerdings nicht ganz ohne Schwierigkeiten daher kommt. Die zeigen sich vor allem in der ersten Hälfte des Films, was es echt schwer macht, sich wirklich auf den Film einlassen zu können. Dabei fängt alles noch vielversprechend an: Gerade David Dunn in Aktion zu sehen, ist schon ziemlich cool. Doch sobald die nette Sarah Paulson ins Spiel kommt, geht leider alles den Bach runter. Ab dem Zeitpunkt wird „Glass“ echt zu einem absoluten Geduldsspiel, das darauf besteht, dass Paulson immer und immer wieder ihr Pseudo-Psychiatrie-Gelaber in die Kamera quatscht und in unendlichen Sitzungen mit ihren drei Patienten versucht, diese davon zu überzeugen, dass sie gar nicht so super sind, wie man meinen möchte. Das hat für mich alles gar nicht funktioniert. Da kommt sämtliche Spannung und einfach mal die komplette Handlung zum Stoppen. Das ist einfach langweilig und wird viel zu lange hinausgezögert… zumal Samuel L. Jackson in der ersten Hälfte einfach mal nur katatonisch in seinem Rollstuhl hockt und nichts macht. Wie kann man einem Mann wie Jackson so etwas zumuten???

In dieser Zeit kann man sich eigentlich nur ein wenig an dem unglaublichen Talent von James McAvoy erfreuen. Dank einer tollen Lichttherapie kann man bei ihm im Sekundentakt neue Persönlichkeiten hervorlocken und das ist einfach nur großartig.

Aber gut, irgendwann nimmt „Glass“ dann auch endlich Fahrt auf – eben dann, wenn der liebe Mr. Glass aus seiner Katatonie aufwacht. Dann wird „Glass“ das, was ich mir gewünscht habe: ein cleverer Comic-Film, der so wunderbar nerdig und  meta ist, dass es einfach nur Spaß macht, zu sehen, wie sich die Ereignisse langsam entfalten. Und klar, wer ein Comic-Kenner ist, wird vielleicht nicht so wahnsinnig toll überrascht, aber es ist dennoch sehr unterhaltsam. Und wie gesagt, Samuel L. Jackson als Mr. Glass ist einfach nur sehr cool. Bruce Willis dagegen merkt man irgendwie an, dass er alt geworden ist und einfach nicht mehr so den Elan hat. Zum Glück gelingt es Shyamalan in einigen Szenen noch ein bisschen was aus ihm heraus zu kitzeln, ansonsten gehört dieser Film McAvoy und Jackson. Blöd nur, dass der fade Nachgeschmack von wirklich lahmen Anfang noch hängen bleibt.

Ich habe es zu Beginn schon erwähnt: „Glass“ ist ein guter Abschluss für die Trilogie, liefert in der zweiten Hälfte auch schöne kleine Twists, ist insgesamt also durchaus schaubar 😉 Das Ende lässt natürlich auch wieder mehrere Möglichkeiten offen, um das Ding bis in alle Ewigkeit auszuschlachten, aber hoffen wir mal, dass Shyamalan die Rechte schön bei sich behält.

Wertung: 6 von 10 Punkten (schöner Abschluss, aber „Unbreakable“ hätte auch gereicht)

19 Bücher für 2019

20. Januar 2019

Jupp, ihr habt richtig gelesen. 19 Bücher für 2019 – man gönnt sich ja sonst nichts. Kenner dieser Jahresrubrik werden sich erinnern, dass das mal mit „5 Bücher für 2014“ anfing (zumindest für mich), 2015 waren es auch noch 5 Bücher, doch danach stieg die Anzahl der Bücher mit der letzten Zahl im Jahr, also „6 Bücher für 2016“, „7 Bücher für 2017“ und so weiter. Da dachte ich natürlich: „Perfekt, dann geht es in diesem Jahr mit 9 Büchern für 2019“ weiter. Aber nein, eine gewisse Dame, die wir hier mal nur unter ihrem Decknamen Miss Booleana nennen wollen, muss es natürlich gleich wieder übertreiben. Statt 9 Büchern macht sie jetzt die „19 Bücher für 2019“-Challenge. Da habe ich erst einmal schwer geschluckt, 19 klingt verdammt viel… aber dann habe ich mal in meinem Lese-Tagebuch geblättert (ja, ich führe sowas – seit wir das mal in der Schule vor Ewigkeiten anfangen mussten) und nachgezählt: so knapp 30 Bücher habe ich letztes Jahr dann doch geschafft (natürlich zähle ich dazu auch Comics!!!). Warum also nicht 19 Bücher für 2019?

Was ein wenig dagegen sprach, fiel mir dann auf, als ich mich durch meine letzten Listen las und feststellen muss, dass ich mich nie so richtig an diese Vorgaben gehalten habe. So ein oder zwei Bücher haben es dann in mein Jahr geschafft, aber wenn es um Bücher geht, bin ich wie so ein aufgeregter junger Hund, der sich von so ziemlich allem ablenken lässt: „Oh, guck mal, das Buch sieht aber toll aus. Oh, danke dir, Person XY für diese Buchempfehlung. Oh, ich wusste gar nicht, dass dieser Roman DIESES Jahr rauskommt!“ Und so reihen sich dann eine Menge „Ohs“ aneinander, mein Kindle füllt und füllt sich mit ungelesenen Büchern; meine Regale ächzen unter dem Gewicht immer neuer Bücher und meine Wunschliste auf amazon wächst und wächst und wächst.

Deswegen habe ich mich dazu entschieden, die 19 Bücher für 2019 mit ein paar alten Bekannten zu füttern, die ich schon früher erwähnt habe, die ich dieses Jahr aber definitiv lesen will.

  • „What If?“ von Randall Munroe
  • „Zero Zero Zero“ von Roberto Saviano
  • „Atlas der erfundenen Orte“ von Edward Brooke-Hitching
  • „Rachel Rising“ von Terry Moore
  • „A.D. After Death“ von Scott Snyder und Jeff Lemire
  • „Die Insel des vorigen Tages“ von Umberto Eco
  • „Stoner“ von John Williams
  • „Autobiography of Red“ von Anne Carson
  • „Der Proceß“ von Franz Kafka
  • „Alle Menschen sind sterblich“ von Simone de Beauvoir
  • „Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow
  • „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ von Yoko Ogawa
  • „Crystal Eaters“ von Shane Jones
  • „Die Wand“ von Marlen Haushofer
  • „Kurze Antworten auf große Fragen“ von Stephen Hawking
  • „Good Omens“ von Neil Gaiman und Terry Pratchett
  • „The Loney“ von Andrew Michael Hurley
  • „The Wasp Factory“ von Iain Banks
  • „Glow“ von Ned Beauman

Dieses Mal will ich wirklich versuchen, alle Bücher auch wirklich 2019 zu lesen. Wie gesagt, einige davon tauchten schon in früheren Ausgaben auf, deswegen wird es jetzt gerade Zeit, diese Bücher endlich mal zu lesen. Manche dieser Ausgaben schlummern schon seit gefühlten Ewigkeiten im Regal und warten begierig darauf, verschlungen zu werden. Sollte sich darunter etwas finden, das mich wirklich vom Stuhl haut, werde ich natürlich berichten. Dafür ist ja mein „Random Sunday“ da.

So, jetzt muss ich aber aufhören, um mit dem Lesen anzufangen. Schließlich wollen diese Bücher gelesen werden (neben all den Filmen und Serien, die geguckt werden wollen; neben all den Spielen, die unbedingt noch gespielt werden müssen und natürlich neben dem Leben, das irgendwie ja auch noch gelebt werden muss!)

Wer Bock hat, klaut sich bei Miss Booleana einfach die Inspiration für den Hashtag #19BücherFür2019 und sorgt bitte dafür, dass meine Liste von lesenswerten Büchern noch länger wird.

TGIF I: Das Jahrhundert-Monster

18. Januar 2019

Es ist mal wieder Zeit für eine Reihe von Kritiken, die – wie schon damals meine Bond-Reihe – immer am Freitag veröffentlicht wird. Denn wie es der Zufall so möchte, hat mir der Weihnachtsmann eine nette kleine Godzilla-Box unter den Weihnachtsbaum gelegt. Darin sind längst nicht alle Filme rund um das Ungeheuer drin, sondern nur eine kleine (aber hoffentlich feine) Auswahl von 12 Filmen. Deswegen starte ich ab jetzt den „Thank Godzilla It’s Friday“-Freitag und arbeite mich brav durch diese Box. Dabei fangen wir natürlich mit dem Original von 1954 an.

Vor der Küste der Odo-Insel in der Nähe von Japan versinkt ein Frachter. Auch mehrere Rettungsschiffe und Fischerboote gehen dort unter. Die Bewohner der Insel befürchten Godzilla, ein Urzeitmonster, dem sie früher Menschenopfer brachten, um es zu besänftigen. Was anfangs noch als Schwachsinn abgestempelt wird, erweist sich bald als Wahrheit: Das Monster Godzilla existiert und greift Tokio an. Professor Yamane (Takashi Shimura) erkennt, dass das riesige Tier Millionen von Jahren im Tiefschlaf lag, aber von Atombomben aufgeweckt wurde und nun einen neuen Platz für sich sucht. Die Regierung ist scheinbar machtlos, doch Dr. Serizawa (Akihiko Hirata) hat etwas erfunden, das helfen könnte: Den Oxygen-Destroyer.

Ich bin mit Godzilla aufgewachsen und habe mich bei meiner Oma von dem Gekreische Godzillas erschrecken lassen. Doch ich muss gestehen, dass ich das Original aus den 50er Jahren jetzt erst zum ersten Mal gesehen habe. Dadurch war meine Erwartung an diesen Film eine ganz andere. Ich war viel Krawall, Geschrei und Zerstörung gewohnt. Aber mit dem Original-Godzilla ist es ein wenig wie mit „Rambo“. Der erste Film ist noch sehr ernst und hat eine tiefliegende Botschaft, während die Fortsetzungen mehr und mehr in Richtung Action gehen.

Natürlich liest man überall, dass „Godzilla“ eine Verarbeitung der Atombomben-Abwürfe und Tests in Japan ist. Dieser Film ist eine Botschaft, die Macht der Atome in Ruhe zu lassen, ansonsten könnte auch noch etwas schlimmeres als Godzilla passieren. Das sind fast wortwörtlich die letzten Worte, die Professor Yamane im Film sagt und sie bleiben einem im Gedächtnis. „Godzilla“ führt uns in erschreckenden Bildern zurück in eine Zeit, die Japan und die Welt 1954 immer noch mit Grauen im Kopf hatte. Wenn man die Verwüstung im Film sieht, die Godzilla anrichtet, denkt man sofort an Hiroshima und Nagasaki. Wenn man die flüchtenden Massen sieht, kommt es einem vor, als würde man eher einen Kriegsfilm anschauen, in dem das Monster nur stellvertretend für Krieg steht. „Godzilla“ ist nicht einfach nur ein Katastrophenfilm, sondern eine klare Ansage, welche Gefahren uns erwarten können. Wie gesagt, ein Film mit Botschaft, wo ich doch nur Monster und kaputte Städte erwartet habe.

Davon mal abgesehen liefert uns „Godzilla“ aber auch die Geburtsstunde des wohl kultigsten Monsters aller Zeiten. Wenn man bedenkt, dass das Vieh ursprünglich einfach nur ein Oktopus sein sollte… aber jetzt haben wir einen Typen im Gummi-Anzug, der kreischend Modell-Städte kaputt haut und auf Modell-Eisenbahnen kaut. Und ja, ich muss sagen, „Godzilla“ ist erstaunlich gut gealtert. Natürlich erkennt man sofort, wenn ein Schiff, ein Lastwagen oder ein Zug nur ein Modell ist, aber es wirkt nie albern. Man schmunzelt zwar, aber die Effekt-Arbeit ist einfach zu gut, um sie nicht auch noch jetzt genießen zu können.

Dazu gibt es dann noch eine tragische Liebesgeschichte zwischen Yamanes Tochter Emiko (Momoko Kochi), dem Erfinder Serizawa, dem sie versprochen ist, und Marineoffizier Ogata (Akira Takarada), den sie wirklich liebt. Wie gesagt, ich war echt baff… statt nur Monster-Film kriege ich noch Liebesdrama, Plädoyer gegen die Atomkraft und Antikriegsfilm. So viel in nur einem Film. Da kann man dann auch die ziemlich hölzernen Darsteller verschmerzen, die sichtlich Mühe haben, so richtig zu schauspielern. Aber hey, man kann ja nicht alles haben.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein Meilenstein, der immer noch relevant und unterhaltsam ist)

Blinde Flucht

16. Januar 2019

Kann es sein, dass manche Menschen immer dümmer und dümmer werden? Oder ist Social Media Schuld daran, dass Leute verzweifelt versuchen, durch irgendwelche Aktionen ihre schnellen 15-Minuten-Ruhm abzugreifen? Ich meine, niemand würde auf die Idee kommen, sich einen Feuerwehrschlauch um den Bauch  zu binden, um dann von einem Hochhaus zu springen… nur weil es bei John McClane so verdammt cool aussah. Doch heutzutage sind die Leute scheinbar anders geschnitzt. Das geht dann soweit, dass dieses dummen, dummen Menschen die „Bird Box Challenge“ machen. Sie stellen Sandra Bullock in ihrem neuen Film „Bird Box“ nach, in dem sie sich (und leider auch ihren Kindern) die Augen verbinden und so blind durch die Gegend laufen. Warum nur? Was bewegt diese Menschen? Hätten dann nicht diese Leute auch mal die „A Quiet Place Challenge“ machen können? Einfach mal die Fresse halten? Das wäre doch mal was… ich kann bei sowas immer nur den Kopf schütteln. Das ist echt ziemlich dämlich. Aber immerhin hat es mich nun endgültig davon überzeugt, mir Bullocks Netflix-Film mal anzuschauen.

Malorie (Sandra Bullock) flieht mit ihren beiden Kindern vor einem uns unbekannten Bösen in einem Boot. Flussabwärts gibt es angeblich Schutz. Bei ihrer Flucht müssen alle drei aber Augenbinden tragen… denn was auch immer da draußen lauert, macht die Menschen wahnsinnig und treibt sie in den Selbstmord. In langen Flashbacks sehen wir, wie alles begann und wie Malorie mit der Hilfe anderer versuchte, diese neue Bedrohung zu überstehen.

Oscar-Preisträgerin Susanne Bier erzählt uns also was von der Apokalypse. „Bird Box“ basiert dabei auf dem Roman von Josh Malerman… und leider merkt man das irgendwie, dass diese Geschichte besser als Roman funktioniert. Ich will nicht sagen, dass ich den Film langweilig fand, aber er hat mich nie so richtig fesseln können. Hauptsächlich ist es ein Survival-Film, bei dem die Menschheit gegen etwas Unbekanntes bestehen muss. Und hier und da gelingt es Bier auch, dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit einzufangen. Aber zu oft verliert sie den Halt zu diesem Gefühl und „Bird Box“ schwächelt dann wieder rum.

Das liegt zum größten Teil auch daran, dass der Film uns eigentlich nicht wirklich was Neues zu erzählen hat. Das Szenario ist das Gleiche wie bei jedem Zombie-Film, jedem Virus-Film, jedem Apokalypse-Film: Eine Gruppe von Menschen muss sich notgedrungen zusammenraufen, um zu überleben. Das geht natürlich nie ohne die üblichen Reibereien und Streitigkeiten, die üblichen Opfer und Liebesgeschichten. Auch „Bird Box“ folgt da einfach nur brav Schema F.

Der einzige Punkt, der den Film dann von anderen unterscheidet, ist die Sache mit dem Augen-Verbinden. Und das ist für mich der Punkt, den der Film noch mehr hätte in den Vordergrund stellen sollen. Man hätte den Zuschauer noch mehr in das Nicht-Sichtbare einführen sollen. Das wäre sicherlich etwas komplizierter gewesen, aber mit einem guten Konzept wäre das bestimmt noch spannender gewesen.

Gut fand ich zumindest, dass uns nichts über die Wesen da draußen erzählt wird. Also einfach so wirklich gar nichts. Wir wissen nie, woher sie kommen, was sie wollen oder wie sie aussehen (obwohl das ja jetzt kaputt gemacht wird, weil Konzept-Bilder der Viecher überall plötzlich auftauchen). Wir brauchen keine langen Erklärungen (ja, ich gucke in deine Richtung, „Aquaman“). Das Unbekannte ist eh immer aufregender, weil es für so viel mehr Kopfkino sorgt.

„Bird Box“ ist eine Mischung aus „A Quiet Place“ und M. Night Shyamalans „The Happening“ – nur ohne eine Erklärung, was es wirklich mit diesen Wesen auf sich hat. Sandra Bullock liefert eine gute Performance in einem recht vorhersehbaren Film ab (jupp… mir ist die Ironie der „Vorhersehbarkeit“ in diesem Film durchaus bewusst), der aber leider auch sehr viele Fragen offen lässt…

Wertung: 5 von 10 Punkten (Im Apokalypse-Genre nichts Neues)

Der Ruf des Goldes

14. Januar 2019

Seit nun knapp dreieinhalb Monaten bin ich damit beschäftigt, „Red Dead Redemption 2“ zu spielen. Dass ich so lange brauche, liegt nicht nur daran, dass das Spiel eine riesige Welt bietet, die es zu erkunden gilt. Es liegt vor allem daran, dass ich manchmal einfach nur durch die Gegend reite. Sobald ich das Spiel durch habe, werde ich ihm sicherlich einen „Random Sunday“ widmen, aber so viel sei schon mal gesagt, es hat irgendwie etwas sehr meditatives. Seit über drei Monaten bin ich nun also schon als Cowboy unterwegs, da war es auch einfach mal an der Zeit, sich einen Western anzuschauen. Bei der Auswahl half mir der Zufall… ich habe vor einiger Zeit mit meinem Papa „The Good, the Bad and the Ugly“ geguckt, einer seiner Lieblingsfilme. Doch da war es schon verdammt spät und irgendwann bin ich einfach weggepennt – und habe den Film am nächsten Tag einfach nicht weiter geguckt. Letztens suchte ich dann nach einem Film in meinem Regal und da stand in der Bluray-Sektion (noch in Folie verpackt) „The Good, the Bad and the Ugly“. Ich kann nicht sagen, woher ich diesen Film habe, wann ich ihn gekauft oder geschenkt bekommen habe, aber egal… ich nahm das als Zeichen und habe mir Sergio Leones Abschluss seiner Dollar-Trilogie endlich von Anfang bis Ende angeschaut.

Die Geschichte ist recht schnell erklärt: Wir hätten einmal „The Good“, das ist der Mann ohne Namen oder wie er hier liebevoll genannt wird: „Blondie“ – gespielt von Clint Eastwood. Dann hätten wir da „The Bad“, Lee van Cleef spielt den eiskalten Kopfgeld-Jäger Angel Eyes. Und zum Schluss gibt’s natürlich noch „The Ugly“, der mexikanische Revolverheld Tuco (Eli Wallach). Blondie und Tuco verdienen eine Zeitlang zusammen ihr Geld, indem sie immer wieder das Kopfgeld für Tuco einsacken und der Blonde ihn dann mit einem gezielten Schuss durchs Seil vor dem Tod am Galgen rettet. Doch Freundschaft hält in dieser Welt nicht lange an… dennoch kreuzen sich die Wege der Beiden immer wieder – vor allem, als sie auf der Suche nach versteckten 200.000 Dollar in Gold sind. Auf der Suche nach dem Gold treffen sie auch immer wieder auf Angel Eyes, der seine Engelsäuglein auch auf das Geld gerichtet hat.

Ich muss gestehen, das dies erst mein zweiter Sergio-Leone-Film ist. Ansonsten kenne ich halt nur „Spiel mir das Lied vom Tod“. Diese Kenntnis hätte mich eigentlich darauf vorbereiten sollen, was mich in „The Good, the Bad and the Ugly“ erwarten würde. Aber gegen „TGTBATU“ stinkt „SMDLVT“ ja schon ein bisschen ab. Versteht mich nicht falsch, es sind beides grandiose Filme, aber gerade dieser Film ist einfach nur der Hammer.

„The Good, the Bad and the Ugly“ hat alles, was so ein guter Spaghetti-Western braucht: Es gibt die unglaublichen Totalen, in denen der kleine Reiter fast untergeht. Es sind diese Totalen, die uns die Trostlosigkeit des Westens offenbar und dabei gleichzeitig auch irgendwie einfach nur schön aussehen. Hier reitet zwar niemand romantisch in den Sonnenuntergang, sondern leidet eher unter der brennenden Sonne, aber die Bilder sind trotzdem der Hammer. Es gibt dann natürlich auch das Gegenteil dazu: diese extremen Clos-Ups, in denen wir jede Pore, jede Schweißperle, jede Augenbewegung sehen können, jedes Zweifeln, jedes Berechnen des Gegners.

Am Ende gibt’s ein großartig inzeniertes Mexican Standoff in einem Friedhof, zwischendurch garniert Leone die Jagd nach dem Gold noch mit dem Terror des amerikanischen Bürgerkrieges, der Sinnlosigkeit des Kämpfens und der Grausamkeit der Gefechte. „The Good, the Bad and the Ugly“ ist somit also viel mehr als nur ein Western (oder besser gesagt, ein Anti-Western, da er ja keine John-Wayne-artige Feier des Wilden Westens ist). Dieser Film ist brutal, dreckig und einfach nur großartig.

Clint Eastwood spielt den Blonden gut (und ich kann das als Blonder ja besonders gut nachvollziehen). Lee van Cleef ist ein herrlich fieser Schurke, aber der, der allen die Show stiehlt, heißt in diesem Film Eli Wallach. Ich habe gelesen, dass Leone und Wallach sich blendend verstanden haben sollen und das merkt man an diesem Film. Während Eastwood und van Cleef gute Performances abliefern, überstrahlt Wallach doch alles. Sein Tuco ist die einzige wirklich tiefgründig ausgeführte Person in diesem Film. Er war mein persönlicher Held in diesem Film (wenn man denn Betrüger und Räuber und Mörder als persönliche Helden haben darf). Allein für Wallachs Tuco lohnt sich dieser Film schon.

Nicht zu vergessen: Ennio Morricones großartiger Soundtrack. Ich kannte das Main Theme ohne wirklich zu wissen, aus welchem Film es stammt. Auch Morricones „The Ecstasy of Gold“ dürfte man kennen (vor allem Metallica-Fans). Die Musik ist einfach der Hammer, simpel und scheinbar einfach, aber doch so unglaublich effektiv. Morricone und Leone waren in diesem Bereich schon echt ein verdammt gutes Team.

Was soll ich abschließend noch sagen? Ein großartiger Film: Tolle Bilder, tolle Darsteller, tolle Story… jetzt muss ich mir dann doch mal die ersten beiden Filme der „Dollar-Trilgoie“ anschauen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein wahrhaft wilder Ritt… verständlich, dass das einer von Tarantinos Lieblingsfilmen ist)

Trainieren bis zum Haarausfall

11. Januar 2019

Wir alle kennen doch das Prinzip der meisten Anime-Serien. Da wird sich ganze Staffeln lang nur in die Fresse gehauen. Zwischendurch wird ein bisschen geschrien oder sich erzählt, warum man sich in die Fresse hauen möchte. Und dann geht das Prügeln wieder weiter. Meistens sind unsere Helden erst total überfordert, doch im letzten Augenblick fällt ihnen dann die Super-Duper-Mega-Punch-Attacke ein, die vorher noch kein Mensch kannte und so gewinnen sie dann am Ende doch noch. Gott sei Dank. Netflix hat mittlerweile erkannt, dass ich Anime-Serien sehr aufgeschlossen bin und empfahl mir vor kurzem eine, die sich da „One Punch Man“ schimpfte – zu sehen war ein glatzköpfiger Typ in einem gelben Outfit mit roten Gummihandschuhen und roten Gummistiefeln. Irgendwie nicht so die Art, die ich sehen wollte… aber ich habe es dennoch mal gewagt und was soll ich sagen: Man soll das Buch nicht nach dem Cover beurteilen. Was auch auf „One Punch Man“ zu trifft.

Saitama ist ein Superheld aus Spaß. Einst wollte er nichts anderes werden. Doch jetzt, nachdem er drei Jahre bis zum Haarausfall trainiert hat, ist das Superhelden-Dasein nicht ganz das, was sich Saitama vorgestellt hat… denn er hat ein großes Problem: Er ist zu stark. Mit nur einem Schlag haut er auch noch den stärksten Gegner kaputt. Auf der Suche nach einem Gegner, der ihm ein wenig den Spaß am Held sein zurückbringen kann, findet Saitama nicht nur die merkwürdigsten Gestalten, sondern auch den Cyborg Genos, der unbedingt sein Schüler werden will. Gemeinsam melden sie sich bei der Heldenvereinigung an – doch während Saitama direkt in die höchste Klasse S eingestuft wird, muss sich Saitama in der C-Klasse rumprügeln.

Die Idee hinter dem Manga „One Punch Man“ war tatsächlich, einen vollkommen überstarken Helden dabei zu zeigen, wie er versucht, mit dem Alltag klar zu kommen. Saitama ist kein Held, der noch was lernen muss. Er ist schon der Stärkste. „One Punch Man“ ist da vor allem eine sauwitzige Parodie auf all diese unglaublichen Helden… denn hier haben wir einen Typen, der sich den ganzen Tag nur langweilt; der einen Kampf schnell beendet, um noch den Schnäppchen-Samstag im Supermarkt mitnehmen zu können. Saitama ist kein typischer Held, auch wenn er ein Cape trägt und heldenhaftes Zeug macht. Das Ding ist, dass er sich nie so wirklich um den Ruhm schert – bis man ihn in diese Heldengesellschaft zwängt und ihn quasi dazu zwingt, sich darum zu scheren, was andere von ihm denken. Das Witzige daran ist, dass alle anderen sich tierisch darum scheren, welchen Rang sie haben, wie sie ankommen… Saitama ist da liebenswürdig naiv, dem ist alles egal, Hauptsache, er darf sein Ding durchziehen. Witzig wird es vor allem auch dann, wenn jeder sich für den Stärksten hält und Saitama nur belächelt – er ist die tickende Zeitbombe, von der nur wir Zuschauer wissen (und Genos, sein Schüler), dass sie unter dem Tisch liegt. Das macht das Ganze auch immer wieder spannend und wunderbar absurd.

Alles an „One Punch Man“ ist einfach nur köstlich. Die Schurken sind meistens vollkommen überzüchtete Viecher, die nur dumme Sprüche reißen. Auch wenn man weiß, dass es für Saitama ausreicht, einmal zu zuhauen, sind die Kämpfe dennoch spannend. Denn meistens kommt irgendwas dazwischen… und es dauert dann ein wenig bis der One Punch vom One Punch Man kommt. Die Welt von Saitama ist herrlich überzeichnet, skurril, albern und merkwürdig – woher die ganzen Viecher und Schurken kommen, wird nie wirklich erklärt. Warum es mindestens ebenso viele Helden gibt und woher die alle stammen, auch nicht so richtig. Nur Saitama offenbart seine Origin und die ist so albern, dass selbst ein Schüler sie erst gar nicht glauben will (wer sich wundert… siehe meine Überschrift 😉 )

Die 12 Folgen der ersten Staffel schafft man – ähnlich wie der One Punch Man seine Monster – eigentlich in einem Rutsch. Es macht einfach Spaß, diese Serie anzuschauen, die sich zu keiner Minute zu ernst nimmt, die ganz genau weiß, dass sie sich nur lustig machen will, ohne dabei aber zu sehr den mahnenden Zeigefinger zu heben. Man soll einfach Spaß an „One Punch Man“ haben und den hat man auch. Es ist eine tolle Serie mit witzigen Charakteren, herrlich vielen Manga- und Anime-Klischees, die ebenfalls ordentlich auf die Nase bekommen und cooler Action. Ich kann es jetzt schon kaum abwarten, bis endlich Staffel 2 herauskommt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (One Punch Man puncht sich mit einem Schlag in mein Herz)

P.S.: Ich habe jetzt auch den Manga angefangen und die Serie übernimmt den wirklich fast 1:1

Per Stadt unterwegs

9. Januar 2019

Was macht eigentlich Peter Jackson? Nach der Hobbit-Reihe wurde es erst einmal ein bisschen ruhiger. Dabei warte ich immer noch sehr ungeduldig darauf, dass er mir endlich die versprochene Fortsetzung zu „Tim und Struppi“ abliefert. Deswegen war ich erstaunt, als ich mitbekam: „Oh, ein neuer Film von Peter Jackson läuft in den Kinos!“ Doch Pustekuchen. Das war einfach nur wieder so ein toller Marketing-Gag, den Film eines unbekannten Regisseurs mit dem sehr viel bekannteren Namen des Produzenten (in diesem Fall halt Jackson) zu bewerben. Obwohl Peter Jackson „Mortal Engines“ nicht nur produziert hat, sondern auch noch das Drehbuch dazu verfasste – zusammen mit seiner Partnerin Fran Walsh. Die beiden haben ja auch schon „Der Herr der Ringe“ und eben „Der Hobbit“ verfasst. Leider zeigte sich schon in „Der Hobbit“, dass ihre Drehbücher nicht mehr so der Hammer sind. Mit „Mortal Engines“ haben die beiden aber jetzt einen sehr krassen Tiefpunkt erreicht.

Irgendwann in der Vergangenheit vernichtete der Sechzig-Minuten-Krieg die Erde, wie wir sie kennen. Die Überlebenden hausen jetzt auf fahrenden Städten und versuchen, der kargen Erde noch irgendwas lebenswertes abzugewinnen. London ist mittlerweile eine riesige Raubstadt geworden, die andere fahrende Städte verschluckt. In London arbeitet der junge Tom (Robert Sheehan) im Museum. Eines Tages kann er einen Anschlag auf Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) verhindern – eine wichtige Figur in London, ein Forscher, der versucht, eine neue Energie-Quelle zu finden. Die Attentäterin ist die junge Hester (Hera Hilmar), die Valentine für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht. Daran scheint tatsächlich was dran zu sein, denn Valentine stößt Tom von der Stadt, woraufhin der sich mit Hester zusammentun muss, um Valentine zu stellen.

„Mortal Engines“ basiert auf den Jugend-Romanen Philip Reeve und stellt offensichtlich einen weiteren Versuch da, das Loch zu füllen, dass durch „Die Tribute von Panem“ entstanden ist. Doch „Mortal Engines“ wird (hoffentlich) nicht weitergeführt werden… denn dieser erste Film ist eine reine Katastrophe. Vielleicht die einzig gute Sache vorweg, die man zu diesem Film sagen kann: Die Special Effects sehen verdammt gut aus. Die fahrenden Städte sind unglaublich detailverliebt und erzählen allein durch ihre Design ganz eigene Geschichten. Regisseur Christian Rivers kennt sich mit Effekten ja aus, immerhin gewann der Special-Effects-Mann für Jacksons „King Kong“ den Oscar in dieser Kategorie.

Doch damit hört es auch schon auf. Rivers‘ Erstlingswerk als Regisseur ist erzählerisch einfach nur ein absoluter Reinfall. Ich habe einfach nichts verstanden. Ich habe einfach nichts nachvollziehen können und ich hatte am Ende des Films einfach viel zu viele Fragen. Rivers hat es nicht geschafft, mir diese postapokalyptische Welt schmackhaft zu machen. Warum gibt es diese fahrenden Städte? Wie sind sie entstanden? Warum kam es zu diesem Sechzig-Minuten-Krieg? Warum hassen sich die Menschen so? Was hat es mit dieser  komischen Mauer auf sich? Warum wird nicht einfach die Technik, die in diese Maschinen-Städte fließt, genutzt, um normale Städte zu bauen? Was sollte dieser merkwürdige Roboter-Mann, der Hester verfolgt (und bei dem sich eine komplett eigene Geschichte verbirt, die der Film auch nur kurz ankratzt). Irgendwie hat einfach nichts in diesem Film einen Sinn ergeben und ich hatte echt das Gefühl, ohne das Vorwissen der Bücher braucht man sich diesen Film einfach nicht anschauen.

Mich würde wirklich mal interessieren, wie jemand, der die Bücher mag, diesen Film findet.

Die Schwächen der Handlung können leider auch die Darsteller nicht ausbügeln. Gerade das Hauptdarsteller-Pärchen mit Hera Hilmar und Robert Sheehan hätte mir nicht egaler sein können. Die beiden haben sich zwar sichtlich Mühe gegeben, aber da gab es einfach eine Chemie zwischen den Zwei. Das Drehbuch hüpfte da einfach nur brav von einem Klischee zum nächsten und hoffte darauf, das man das einfach so schluckt. Die ganze Story ist sehr, sehr dünn und wird am Ende in einem Action geladenen Finale ertränkt, bei dem man dann gar nicht erst dazu kommen soll, über die ganzen Fragen nachzudenken, die man immer noch hat.

„Mortal Engines“ hat irgendwie eine nette Idee, die in den Büchern ja auch zu funktionieren scheint (sonst gäbe es ja nicht so viele davon). Doch der Film konzentriert sich zu sehr auf sein schönes Aussehen und vernachlässigt dabei auf schändlichste Art und Weise das Story-Telling. Was war da los, Mr. Jackson???

Wertung: 2 von 10 Punkten (stinklangweilig, voller Klischees und für Nicht-Buch-Kenner einfach komplett unverständlich)