Skip to content

Des Teufels Baby!

31. Mai 2017

Was ich an alten Klassikern so mag, ist tatsächlich die Erzählweise. Gerade bei alten Filmen merkt man immer noch sehr deutlich, wie sehr einige Regisseure Film wie Theater behandeln. Da gibt es lange Szenen, in denen es keinen einzigen Schnitt gibt. Da spürt man noch förmlich, wie die Darsteller wirklich agieren. Ich habe jetzt mal wieder seit Ewigkeiten „Rosemary’s Baby“ von Roman Polanski geschaut und da gibt es eine Szene, in der sich Mia Farrow und John Cassavetes unterhalten. Die Kamera bewegt sich dabei kein Stück, sie ist nur stiller Betrachter, die Arbeit liegt bei den beiden Darstellern davor. Und irgendwie kam mir genau bei dieser sehr langen Szene, in der gerade Mia Farrow einiges durchlebt, dieser Theater-Gedanke. Heutzutage wären selbst in dieser Szene Nahaufnahmen, Totalen, verspielte Kamera-Winkel und was nicht alles. Wenn ein Film heute so eine emotionale Dialogszene mal nicht schneidet (ich denke da vor allem an dich, „Me and Earl and The Dying Girl“), dann empfindet wir das schon als künstlerischen Kniff, während es da eine Zeit gab, da war das einfach so Gang und Gäbe.

Ich weiß, das klingt jetzt wieder ein bisschen so, als würde sich der alte Mann vor seinen Computer setzen und sich darüber beschweren, dass der moderne Film viel zu hektisch geworden ist. Aber vielleicht ist manipulativ eher das passende Wort. Filmemacher sind an einem Punkt angekommen, wo sie viel mehr noch durch Schnitt und andere technische Möglichkeiten unsere Empfindungen beeinflussen können. Bei Polanskis „Rosemary’s Baby“ sind da noch wirklich die Schauspieler gefragt.

„Rosemary’s Baby“ erzählt die Geschichte von Rosemary (Mia Farrow) und ihrem Mann Guy (John Cassavetes), ein erfolgloser Schauspieler, die in eine neue Wohnung einziehen – und das in einem Haus mit einer unheimlichen Geschichte. Kaum eingezogen trifft das junge Pärchen auch schon auf die Nachbarn – an vorderster Front ist da das alte Ehe-Paar Minnie (Ruth Gordon) und Roman (Sidney Blackmer), die sich mehr und mehr zu echten Nervensägen etablieren. Dann wird Rosemary schwanger – allerdings hat sie eine merkwürdige Vision von sich, wie sie von einem unheimlichen Wesen begattet wird, während Guy, Minnie, Roman und der Rest der Nachbarn zusehen. Für Rosemary steht fest, die Nachbarn gehören einem Kult an, doch hat sie niemanden, mit dem sie darüber reden kann.

Ich ohne Netflix und Co.

„Rosemary’s Baby“ ist immer noch ein großartiger Film – und vor allem ein großartiges Charakter-Drama. Das Bemerkenswerte ist für mich nach wie vor, wie wenig offensichtliche Schock-Momente Polanski braucht, um diesen Horror-Film dennoch so unheimlich erscheinen zu lassen. Gut, es gibt diese eine merkwürdige Vision, aber die ist – gerade heute betrachtet – fast schon ein bisschen amüsant anzusehen, wenn da das Monster auftaucht (das man zum Glück nie vollständig sieht). Vielmehr funktioniert der Film über den langsamen Zerfall von Mia Farrow, die von der naiv-glücklichen Hausfrau zu einem paranoiden Wrack wird… und nur wir als Zuschauer haben ein Gespür dafür, dass hier wirklich was im Argen liegt. So leiden wir dann gefühlt gleich doppelt so sehr mit der zarten Mia Farrow mit, die vor unseren Augen immer dünner, immer blasser, immer wahnsinniger zu werden scheint.

Gekonnt in den Wahnsinn getrieben wird sie dabei vor allem von einer umwerfend guten Ruth Gordon, die die perfekte nervige Nachbarin spielt… und irgendwie der perfekte „Bösewicht“. Es ist so ein bisschen wie mit Harry Potters Dolores Umbridge: Das Böse kann auch klein und rosa sein und einem trotzdem einen kalten Schauer über den Rücken fahren lassen. Und Ruth Gordon ist so super in diesem Film. Man will sie eigentlich auch gar nicht verurteilen, weil sie so nett ist – aufdringlich, aber nett. Man möchte das alles Rosemarys Paranoia zu schieben und einfach hoffen, dass die nette Dame von nebenan einfach nur das ist: die nette Dame von nebenan. Natürlich spielt da auch gut Sidney Blackmer als ihr Ehemann Roman mit rein, der Minnie ein bisschen ausgleicht. Sie sind unglaublich gut zusammen.

Schau mal, wer da klingelt…

Hier zeigt sich dann einfach auch in den Darstellern, wie gut Polanski diese unheimliche Atmosphäre aufbaut und immer weiter ausbaut. Er braucht dafür kein gruseliges Ambiente, bei ihm wird das schöne Zuhause zum absoluten Horror… und tatsächlich musste ich viel an „The Devil’s Advocat“ denken, bei dem mir komischerweise vorher nie aufgefallen war, wie sehr der sich doch an „Rosemary’s Baby“ vergreift – gerade die ganze Geschichte mit Charlize Therons Charakter.

Alles in allem ist „Rosemary’s Baby“ ein Klassiker des Horror-Films, der gekonnt zeigt, wie Horror ohne Blut und Gedärme bestens funktionieren kann. Vielleicht wirkt er heute etwas langatmig, aber von seiner Faszination hat dieses Horror-Drama nichts verloren.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ich glaube, ich kann netten alten Omas nie wieder vertrauen 😉 )

The Italian Stallion

29. Mai 2017

Nachdem ich jetzt mit „Harry Potter“ endlich eine Reihe hinter mich gebracht habe, die ich vorher noch nie gesehen hatte, wird es Zeit für eine neue Reihe. Aber vielleicht eine, die mich dann ein bisschen mehr begeistert… und da fiel mir dann doch auch ziemlich schnell der perfekte Kandidat ein: Sylvester Stallones „Rocky“-Reihe. Ich habe letztes Jahr „Creed“ gesehen und war da ja schon schwer begeistert von dem Boxen, von der Underdog-Story und auch von Stallone selbst. Allerdings hatte ich „Creed“ gesehen, ohne vorher auch nur einen „Rocky“-Film gesehen zu haben. Ein kurzer Besuch bei amazon und das Problem war behoben, als stolzer Besitzer der Rocky-Box muss ich mich jetzt einfach mal Stallones Boxer widmen.

Rocky Balboa (Sylvester Stallone) verdingt sich als Geldeintreiber und Gelegenheitsboxer. Er lebt sein Leben in Philadelphia ruhig vor sich hin, flirtet ein wenig mit Adrian (Talia Shire), der Schwester seines besten Freundes Paulie (Burt Young) und das war’s auch schon. Rockys große Stunde schlägt, als der amtierende und ungeschlagene Schwergewichts-Boxweltmeister Apollo Creed (Carl Weathers) einen neuen Gegner sucht. Im Zeichen des amerikanischen Traums will er einem totalen Niemand eine Chance geben und wählt unter allen Boxern „The Italian Stallion“ Rocky Balboa aus.

Beating the meat 😉

Auch wenn man „Rocky“ vorher noch nicht gesehen hat, kommt der Film mit ordentlich Vorschusslorbeeren daher: zehn Oscar-Nominierungen, davon drei gewonnen – und dann auch noch unter anderem als „Bester Film“ ausgezeichnet. Das ist schon was. Viel bemerkenswerter ist dann aber doch, dass Stallone das Drehbuch selbst geschrieben hat. Nun, bemerkenswert klingt vielleicht ein bisschen gemein: Aber so ein Stallone ist halt bisher auch immer eher so ein Action-Held gewesen. Das Pendant zu Arnie Schwarzenegger. Wild draufhauen, drauf schießen und fertig. Da erwartet man jetzt nicht unbedingt einen Drehbuchautoren, der dann auch noch für den Oscar nominiert wird. Aber alle Vorurteile mal beiseite: „Rocky“ ist ein famoser Film. Auch wenn ich ein wenig brauchte, um mit dem ganzen Geschehen klarzukommen.

Denn „Rocky“ lässt sich erst einmal ein bisschen Zeit, um uns Balboa und sein Umwelt näher zu bringen. Wir streifen mit Rocky durch die unschönen Straßen, vorbei an kleinen, mickrigen Häusern, wo die Jugendlichen an den Ecken die ganze Zeit nur rumlungern, Alkohol trinken und singen. Rockys Welt ist ein wenig trostlos, Rockys Leben ist ein wenig trostlos. Hier haben wir einen Mann mit Potenzial, der es wegwirft wie Dreck. Was vielleicht daran liegt, dass er sich mit furchtbaren Menschen umgibt.

Ganz ehrlich, Burt Youngs Paulie habe ich von der ersten Minute an gehasst wie die Pest. So ein blödes Arschloch, so ein gemeiner, undankbarer Kerl. Jedes Mal, wenn der irgendwas Blödes über seine Schwester oder sonst wen gesagt hatte, wünschte ich mir insgeheim, dass Rocky ihm einfach auf die Fresse hauen würde. Dieser Paulie hat perfekt zu diesem Philadelphia-Loch, in dem Rocky lebt, gepasst. Nur Rocky halt nicht… und Adrian auch nicht.

Das fand ich erschreckend, aber clever aufgebaut. Man gewinnt dadurch ein viel besseres Gefühl für Rocky. Man versteht seine Ängste und Gefühle, seine Wünsche und Hoffnungen und fiebert am Ende sehr viel mehr mit ihm mit. Gut, das ganze Vorgeplänkel mit Adrian ist vorhersehbar und auch ein wenig schmalzig, aber irgendwie sehr herzerwärmend und süß. Natürlich verbirgt sich hinter der Brille (die sie danach nie wieder zu brauchen scheint) ein kleiner hübscher Schwan. Und natürlich gehen sie erst Schlittschuhlaufen und kommen sich dann langsam näher (übrigens eine meiner Lieblingsszenen im Film, die Szene in der Eishalle). Es fesselt einen dann doch… gerade weil man diesen Rocky als zerbrechlichen Mann kennenlernt, der doch auch nur auf seine Chance hofft und sich am Ende nur für die Liebe interessiert. Rocky ist schon fast ein romantischer Held, ein Stallone-untypischer Kerl, aber großartig gespielt.

Stallone lebt diese Rolle des Boxers gut aus. Ich mochte ihn ja schon als alten Rocky in „Creed“, aber als junger, frischer Rocky fand ich ihn auch super. Dass er im Original so ziemlich jeden Satz mit „you know“ beendet, wirkt sonderbar, aber irgendwie auch glaubwürdig (und liefert gleichzeiti die perfekte Grundlage für ein Rocky-Trinkspiel: Pro „you know“ einen Kurzen und man schafft es nicht einmal bis zur Hälfte des Films).

Wenn man sich zu „Rocky“ dann noch die Entstehungsgeschichte durchliest, was alles irgendwie beim Dreh nicht rund lief und es dann trotzdem in den Film geschafft hat, ist das schon bemerkenswert: Dieser Film ist ein bisschen wie seine Figur selbst. Er hat eine Chance bekommen und konnte sie mit Müh und Not nutzen und wurde der Größte. „Rocky“ hat mich – Achtung, schlechter Wortwitz – echt umgehauen. Ich war gerührt und begeistert und am Ende beim großen Kampf nicht mehr auf meinem Platz. Da habe ich richtig mitgefiebert… das war großartig. Ein toller Film, ein toller Stallone… ich bin gespannt, was mich mit den Nachfolgern so erwartet.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein schmalziger Film, der sich das aber gekonnt zunutze macht und einen dann nicht mehr loslässt)

Kapitän Spatz und die Geister-Piratenjäger

26. Mai 2017

Ich will immer noch den Versuch einer Videospiel-Verfilmung zu „Monkey Island“. Eigentlich seit vor x Jahren „Fluch der Karibik“ in die Kinos kam, denn damals hat mich der erste Teil der Johnny-Depp-Piraten-Reihe hier und da schon sehr an „Monkey Island“ erinnert. Und seitdem wünsche ich mir eigentlich, den dreiköpfigen Affen auf der Leinwand zu sehen, mitsamt Geister-Piraten und Schwertduellen, die durch wortgewandte Schlagfertigkeiten entschieden werden. Dass die „Fluch der Karibik“-Reihe da nur ein schwacher Trost sein würde, zeigten dann so ziemlich alle Nachfolge-Filme – und nachdem ich dann vor gut 6 Jahren den vierten Teil der Reihe wirklich sehr einschläfernd fand, hatte ich gehofft, nie wieder was von Johnny Depp als Pirat sehen zu müssen. Aber Pustekuchen, Johnny Depp braucht dringend Geld, da liegt eine Fortführung der erfolgreichen Reihe doch auf der Hand. Meine Erwartungen für den fünften Teil „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ waren dennoch enorm, enorm niedrig. Umso überraschter war ich dann tatsächlich, den bisher für mich besten Teil der Reihe auf der Leinwand sehen zu dürfen.

Geister-Piratenjäger Armando Salazar (Javier Bardem) konnte mit seiner Geister-Crew dem gefährlichen Fluch des Devil’s Triangle entkommen und macht sich nun auf die Suche nach dem Mann, der ihm diesen Fluch eingebrockt hat: Captain Jack Sparrow (Johnny Depp). Der wiederum hat keine Crew mehr, hat kein Geld und wird nun – zu allem Überfluss – auch noch von diesen Geistern verfolgt. Da trifft er unter anderem auf Henry Turner (Brenton Thwaites), Sohn von Will Turner (Orlando Bloom), der sich fest vorgenommen hat, den Fluch, der auf seinem Vater liegt, zu brechen. Gelingen könnte ihm das, wenn er Tritons Dreizack findet. Helfen könnte ihm dabei die als Hexe verschrieene Astronomin Carina Smyth (Kaya Scodelario). Und so macht sich dieses Dreier-Gespann auf die Suche.

Hände hoch…

Die „Pirates of the Caribbean“-Reihe glänzte nie sonderlich vor Innovation (auch wenn man schon Respekt zollen muss, was Disney aus einer „einfachen“ Park-Attraktion gemacht hat): es ging hauptsächlich um irgendwas Magisches, es ging hauptsächlich um Geister-Piraten und es ging hauptsächlich um Johnny Depp. Der fünfte Teil der Reihe bringt da jetzt nicht wirklich frischen Wind und dennoch hat mich dieser Film zwei Stunden lang bestens unterhalten. Ich hatte ja mit Sparrow und Co. echt abgeschlossen. Gerade Teil 4 fand ich viel zu aufgebauscht, viel zu langweilig, viel zu sehr „Indiana Jones“ als Piraten. Johnny Depp dabei zu zusehen, wie er mit Penelope Cruz im Schlepptau durch den Dschungel eiert, fand ich mega-öde. Wenn ich nen Piraten-Film sehen will, dann will ich Piraten sehen: d.h., es sollte sich schon alles mehrheitlich auf dem Meer abspielen. Ich will da Schiffsverfolgungsjagden, Seeschlachten und Schwertkämpfe sind. Und zum Glück, zum Glück, liefert „Pirates 5“ genau das, was möglicherweise auch echt an dem Regie-Duo Joachim Ronning und Espen Sandberg liegen könnte. Die beiden haben mit „Kon-Tiki“ ja einen See-Fahrer-Film gedreht und kennen sich daher gut auf dem Meer aus.

Dementsprechend gibt’s in „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ auch genügend Abenteuer auf hoher See. Aber Teil 5 der Reihe hat mich tatsächlich nicht nur wegen der grandiosen See-Schlachten gefallen, im Allgemeinen hat dieser Film ein ganz anderes Feeling als seine Vorgänger. Ich glaube, die Tatsache, dass die beiden Regisseure nicht ganz so viel Bezug nehmen mussten auf die vorangegangen Filme war hilfreich. Natürlich gibt es auch hier jede Menge willkommenen Fan-Service: Geoffrey Rush spielt wieder einen tollen Barbossa, auch alle anderen Darsteller der Reihe sind wieder mit dabei – selbst Orlando Bloom und Keira Knightley schauen mal kurz vorbei. Doch insgesamt ist „Pirates 5“ ein sehr eigenständiger Film, der sich nicht zu ernst nimmt, sondern einfach nur gute Unterhaltung abliefern will.

Ronning und Sandberg liefern eine bunte Mischung aus Slapstick, Fan-Service und Abenteuer-Film ab, die eigentlich zwei Stunden bestens unterhält. Johnny Depp wird zwar nach wie vor mehr und mehr zu einem albernen Sidekick in seinem eigenen Film abgestempelt, aber irgendwie mochte ich dieses Mal seinen betrunkenen Piraten immer mehr. Er hat nicht mehr die gleiche Ausstrahlungskraft wie früher, sein Sparrow wirkt ebenfalls ein bisschen alt und verbraucht, aber ein bisschen passt es auch in die Rolle des abgehalfterten Piraten. Wirklich gut waren dagegen die anderen beiden Zugpferde dieses Films: Brendon Thwaites und Kaya Scodelario. Das sind zwei neue Gesichter, die das Ganze gebraucht hat. Ich mochte die beiden einfach, die hatten eine schöne Chemie untereinander. Scodelario spielt eine sympathisch schlagfertige Carina, die sich nicht alles gefallen lässt und Thwaites war ein passender Orlando-Bloom-Sohnemann. Dazu gibt’s dann eben noch Javier Bardem als tollen Gegner.

„Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ hat mir tatsächlich ein bisschen den Glauben in die Reihe zurückgegeben. Der Film sieht umwerfend gut aus, macht unheimlich viel Spaß, bietet endlich mal wieder eine halbwegs spannende Geschichte (auch wenn die letztendlich immer gleich ist) und hat gute neue Charaktere, die gerade dem einen alten Charakter extrem gute Stützen sind. „Pirates 5“ ist endlich mal wieder gute Piraten-Unterhaltung, meinen „Monkey Island“-Film will ich trotzdem immer noch.

Wertung: 8 von 10 Punkten (endlich mal ein guter Piraten-Abenteuer-Film)

Von Schnüfflern, Schwestern und Depressionen

24. Mai 2017

Wenn ich mir so Mafia-Filme oder Serien wie jetzt gerade „The Sopranos“ anschaue, frage ich mich schon immer, wie diese Verbrecher-Organisation mit so vielen dicken Menschen so groß und mächtig werden konnte. Ganz ehrlich, mein größtes Problem bei „The Sopranos“ ist echt immer noch, die ganzen Charaktere wirklich gut auseinander zu halten. Jetzt heißen die schon alle gefühlt gleich und sehen sich dann alle auch noch zum Verwechseln ähnlich: kleine, dicke Männer mit runden Gesichtern und mal mehr und mal weniger Haaren. Ganz ehrlich, einige unterscheide ich wirklich nur durch ihre Haare 😉 Aber gut, so eine Mafia besteht ja nicht nur aus drei Leuten und „The Sopranos“ baut halt auf eine Vielzahl von Charakteren. So auch in Staffel 2, bei der ich nach der ersten Staffel tatsächlich was zu meckern habe. Aber dazu später mehr…

Tony Soprano (James Gandolfini) kämpft weiterhin den Kampf des Mafiosi. Seine Psychiaterin Dr. Melfi (Lorraine Bracco) weigert sich erst, ihn weiter zu behandeln, tut es dann aber doch – und geht deswegen selbst in Therapie. „Big Pussy“ (Vincent Pastore) taucht unerwartet wieder auf – nur ist er jetzt ein Spitzel fürs FBI. Aber Pussy ist nicht der Einzige, der das Leben des Paten Soprano durcheinander bringt: seine Schwester Janice (Aida Turturro) zieht bei ihm ein, nur um dann eine Beziehung mit Richie Aprile (David Provale) einzugehen. Der ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und verlangt nun, weil Jackie Aprile (er führte die Familie in der ersten Staffel an und starb dann an Krebs) sein Bruder war, ein Stück vom Kuchen. Es ist also wieder einmal alles noch ein wenig komplizierter geworden in der Welt der Sopranos.

Wer zuerst blinzelt…

Ich fange gleich mit dem Meckern an, dann habe ich das weg. Und es ist ja auch kein Meckern an sich. Ich habe nur diesen Richie und Janice gehasst…. beide aber aus verschiedenen Gründen und tatsächlich würde ich auch nur Janice auf meine „Hassenswerte Serien-Charaktere“ setzen. Janice war anstrengend, Janice fand ich irgendwie auch echt unnötig. Janice hatte genau einen Moment in dieser zweiten Staffel, an dem ich gedacht habe: „Gut gemacht!“ Aber ansonsten… diese New-Age-Trulla ging mir fast genauso sehr auf die Nerven wie Tony. Er hat da nach wie vor mein herzlichstes Beileid.

Richie Aprile dagegen habe ich gehasst, weil er ein fieses Arschloch ist. Ganz ehrlich, Hut ab vor David Provale. Ich hatte wirklich ein wenig Angst vor dem Typen. Auch wieder Marke kleiner, rundlicher Typ, aber diese Augen. Oh mein Gott… diese Augen. Der konnte so grimmig gucken und war so unvorhersehbar. Mal nett, dann ein Monster. Ein starker Charakter, der in dieser zweiten Staffel für ordentlich Stunk gesorgt hat. Richie Aprile war immer wieder ein im Hintergrund wirkendes Übel, das sich mehr und mehr in das Leben von Tony und Co. zwängte. Ich fand ihn so gut und habe ihn so sehr gehasst.

Staffel Zwei von „The Sopranos“ war wieder einmal ein Fest. Ich kann es nicht anders sagen. Es gibt Folgen, da passiert nicht so viel und trotzdem ist es interessant. Was ich ein wenig schade fand, war, dass Tonys Familie ein bisschen in den Hintergrund geriet. So richtig interessant wird es da nur für Carmela (Edie Falco), die mehr und mehr ihre Beziehung, ihre gesamte Ehe mit Tony Soprano, überdenkt. Und ich mag auch sie. Edie Falco ist eine großartige First Lady der Mafia. Ein bisschen Abwechslung kommt auch mit Christopher ins Spiel, der seine Drehbuch-Ambitionen noch nicht abgelegt hat und einen Schauspiel-Kurs besucht und eine Folge lang mit Jon Favreau abhängt.

Die dicken Drei von der Mafia

„The Sopranos“ – je mehr ich davon sehe, desto glücklicher bin ich, ehrlich gesagt, dass ich es erst jetzt schaue. Ich glaube, wenn ich jünger gewesen wäre, hätte mich das alles ein bisschen zu sehr angestrengt. Hätte sich das für mich möglicherweise alles ein bisschen zu sehr gestreckt. Aber genau diese „Langsamkeit“ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) fasziniert mich dann doch irgendwie. „The Sopranos“ ist keine Mafia-Serie, in der in jeder Folge jemand umgebracht wird, in der ein neuer Deal über die Bühne geht. Es sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Intrigen, die Interessenkonflikte der einzelnen Mitglieder dieser riesigen Familie. Hier denkt jeder an sich UND muss doch gleichzeitig überlegen, wie die eigenen Interessen ins große Ganze passen. Dazu kommen wieder umwerfende Darsteller – James Gandolfini, ich danke dir für diesen Tony Soprano.

Ich habe das Gefühl, dass „The Sopranos“ mich mit jeder Staffel mehr einnehmen. Nur das Geheimnis der kleinen, dicken Männer bleibt mir auf ewig ein Rätsel 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (sorry, Janice gibt einen Punkt Abzug)

Die schwarze Pyramide

22. Mai 2017

Vor nicht all zu langer Zeit habe ich hier den Film „Baskin“ vorgestellt: ein türkischer Horror-Film, in dem ein paar Polizisten in einem Haus auf verrückte Typen im Keller stoßen. „Baskin“ war ein Film, der trotz interessanter Motive, eher eine ziemlich große Niete war. Dabei war der als Grundlage dienende Kurzfilm verdammt gut und der Trailer zum großen Film sah auch toll aus. Aber der Film schaffte es einfach nicht, dieses Stimmung aufrecht zu halten. Er hatte gute Effekte und interessante Ideen, die ihn vom üblichen Horror-Kram stark abgrenzten, doch am Ende kam nicht wirklich was dabei herum. Mit guten Effekten und einer interessanten Idee kommt auch „The Void“ daher – nur ähnlich wie „Baskin“ scheitert der Film an seinen Effekte-Ambitionen.

In „The Void“ lernen wir Sheriff Carter (Aaron Poole) kennen, der gerade einen jungen Mann ins örtliche Krankenhaus gefahren hat, wo seine Frau Allison (Kathleen Munroe) nach ihm sieht. Doch kaum ist Carter im Krankenhaus angekommen, lungern da auf einmal in merkwürdige Kutten gekleidete Menschen herum und lassen niemanden mehr aus dem Gebäude. Was zu schade ist, hat sich doch eine der Krankenschwestern gerade in ein ekliges Ekel-Monster verwandelt. Schnell wird den Menschen im Krankenhaus klar, dass dieser Ort schlimmer werden könnte als die Hölle.

Das neueste Schrei zu Halloween

„The Void“ ist einer dieser Filme mit einem wunderschönen Trailer, der wunderschön zusammengeschnitten ist und wunderschön Lust auf mehr macht. Wenn man sich den ganzen Film dann anschaut, kommen wir wieder bei dem „Baskin“-Problem an. Die Story hält den Erwartungen einfach nicht Stand. Der ganze Film zieht sich ewig in die Länge (trotz einer Laufzeit von 90 Minuten), füttert uns mit Rätseln und gibt uns am Ende einen kurzen Erklär-Bär-Moment, der ausreichen muss, um die gröbsten Fragen irgendwie zu beantworten. Dabei haben die beiden Regisseure Steven Kostanski und Jeremy Gillespie eine interessante Idee, die sie wirklich verdammt gut anteasern: Da gibt es zwischendurch Alptraum-artige Bilder von einer anderen Welt, in der eine riesige schwarze Pyramide schwebt – und allein sowas mag ich ja immer total gerne, wenn sich Horror scheinbar mit Fantasy verknüpft. Auch die Kutten-Träger laufen mit dem Symbol der schwarzen Pyramide durch die Gegend… und natürlich ist die große Frage des Films: „Was ist die schwarze Pyramide?“ Im Erklär-Bär-Momennt bekommen wir so eine Art Ahnung davon, aber so richtig zufriedengestellt hat mich das nicht. Am Ende sind mir zu viele Fragen einfach offen geblieben, die gewollt oder ungewollt gestellt worden sind.

Ich hatte so ein bisschen das Gefühl, die beiden Regisseure hatten eher eine bildliche Idee von ihrem Film und haben um diese Bilder ihre Geschichte gebaut – und ja, so eine schwarze Pyramide in einem unheilvoll dunklem Himmel sieht schon cool aus, aber ein bisschen mehr braucht es dann doch. Der Film fühlt sich an, als hätten die Beiden eine große Vorliebe für „Event Horizon“ und / oder „Hellraiser“ und wollten das Ganze selbst mal ausprobieren. Story-technisch ist das nicht wirklich gelungen, dazu bleiben auch die Charaktere einfach zu blass und der Bösewicht des Films zu unspektakulär. Am Ende will ich halt mehr zu seinen Beweggründen wissen, mehr zu dem Warum, mehr zu der Pyramide. Ganz ehrlich, würde es eine Fortsetzung zu „The Void“ geben, die mehr auf diese Fragen eingeht, ich würde sie gucken.

Großer Pluspunkt für „The Void“ ist – wie schon erwähnt – das Optische. Und ich rede jetzt nicht nur von der großen schwarzen Pyramide. Die Effekte und vor allem die Monster in diesem Film sind wirklich erste Sahne… sofern man Ekel-Monster als erste Sahne bezeichnen kann. Das Creature Design ist der Hammer. Hier fühlt man sich dann an „Das Ding aus einer anderen Welt“ zurück erinnert. Praktische Effekte sind halt doch – wenn gut gemacht – immer noch am Besten. „The Void“ zelebriert seine widerlichen Viecher, die wirklich, wirklich widerlich aussehen. Auf die Monster wurde auf jeden Fall mehr Zeit investiert als auf den Rest des Films.

„The Void“ ist – zum Glück – nicht ganz so schlimm wie „Baskin“. Die Ideen, die „The Void“ hat, sind spannend, die Effekte sind toll, aber die Story verliert sich zu sehr in ihren eigenen Rätseln.

Wertung: 6 von 10 Punkten (zu viele Rätsel, zu wenig Auflösung…)

Random Sunday #7: Moby-Dick

21. Mai 2017

Ja, ich habe „Moby-Dick“ gelesen… und nein, mir war nicht ganz bewusst, was ich von diesem Buch erwarten sollte. In meinem Wunsch, so nach und nach mal ein paar wirkliche Klassiker zu lesen, stieß ich halt irgendwann mal auf Herman Melvilles Walfänger-Epos. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, bin ich zuletzt durch Jeff Smiths Comic „Bone“ wieder auf den Roman gekommen. In Smiths Comic ist nämlich die Hauptfigur ein riesiger Fan des Buches und versucht jedem zu erklären, warum „Moby-Dick“ so ein tolles Buch ist. Und jedes Mal schlafen alle gelangweilt ein. Ich musste jetzt selbst einfach mal wissen, ob dieser Wälzer seinen Kultstatus wirklich wert war.

Zum Inhalt muss ich ja nicht wirklich viel sagen, oder? Ishmael stellt sich in dem kultigsten aller Anfangssätze mal eben kurz vor und erzählt uns dann, wie er auf das Schiff von Kapitän Ahab kam, der den berühmt-berüchtigten Weißen Wal Moby Dick jagen und töten will.

„Moby-Dick“ ist ein Buch über die Egomanie des Menschen, über die Sinnlosigkeit von Rache, über die Opfer, die ein Mann bereit ist zu bringen, auf Kosten anderer. Zugleich ist es auch ein Buch über die Seefahrt, über den Walfang, über das Leben der Männer an Bord. „Moby-Dick“ ist ein furchtbar interessantes, aber gleichzeitig auch so furchtbar langweiliges Buch.

Vielleicht ist „langweilig“ das falsche Wort. „Langatmig“ trifft es vielleicht ein bisschen besser. Von den gut 135 Kapiteln sind gefühlt die Hälfte der Kapitel Ausführungen über die Arten der Wale, über die verschiedenen Rassen von Walen, über die Philosophie der Farbe Weiß (zugegebenermaßen war das tatsächlich ein sehr interessantes Kapitel), über die Methoden des Walfangs, über die Instrumente zum Walfang, über die besten Ausguck-Plattformen. In manchen Kapiteln verlieren wir uns in einem inneren Monolog von Ahab oder einem seiner Männer, die dann sehr philosophisch werden, voller Anspielungen auf alte Mythen stecken. Es ist viel Beiwerk, dass die eigentliche Jagd nach Moby Dick zu einem dicken Wälzer werden lässt. Würde man diese ganzen spezifischen Kapitel weglassen, hätte man hundert Seiten, die genau das widerspiegeln, was wohl so ziemlich jede Verfilmung von „Moby-Dick“ zeigt: Ahabs Jagd nach dem Wal.

Was somit auch heißen sollen, dass es ja gerade dieses Beiwerk ist, was „Moby-Dick“ über die Jahre auch einfach zum Klassiker gemacht hat. Denn dadurch wird aus dem Roman „Moby-Dick“ ja wirklich ein Zeitzeugnis, ein Sachbuch voller Historie, Biologie und Anthropologie, die sich dann aber hauptsächlich auf Walfänger bezieht. Man lernt unglaublich viel… man merkt einfach sofort, dass Melville selbst zur See gefahren ist und das er sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Er geht auch auf verschiedene Schiffsunglücke ein, in denen ein Wal für den Untergang verantwortlich war, um so die Geschichte von „Moby-Dick“ in der Realität zu verwurzeln. Da wird dann unter anderem auch auf das Unglück der Essex angesprochen – was ja auch als „In the Heart of the Sea“ verfilmt wurde und dort als DIE Grundlage für „Moby-Dick“ angepriesen wurde.

Dazu kommt Melvilles Schreibstil, den ich eigentlich nur als sehr ausschweifend bezeichnen kann. Aber es steckt etwas in der Art und Weise, wie Melville schreibt, dass mich sehr in diese Welt gezogen hat. Gerade das Ausführliche, der Detail-Reichtum zeichnet ein sehr intensives Bild von dieser Welt des Walfangs… das ist pures Kopfkino.

Doch ist es auch genau dieser Detail-Reichtum, der „Moby-Dick“ zu einem wirklich harten Brocken macht. So sehr mich diese „Zusatzkapitel“ auch in die Welt von „Moby-Dick“ reingezogen haben, so schwer haben sie es mir dann manchmal auch gemacht. Wie gesagt, 30 Seiten über die Einteilung von Walen zu lesen, ist nicht unbedingt das, weswegen ich diesen Roman lesen wollte 😉 Zumal der eigentliche Wal, der diesem Buch seinen Namen gibt, dann auch wirklich erst kurz vorm Ende so wirklich in voller Große auftaucht (wobei ich mich da immer noch frage, warum er im Titel allein mit Bindestrich und ansonsten überall ohne Bindestrich geschrieben wird).

„Moby-Dick“ war ein Erlebnis, aber auch ein Erlebnis, dass ich nicht jedem empfehlen würde. Es ist ein harter Brocken, der seinem Wal schon fast ein bisschen gleich kommt. Dann suche ich mir doch lieber etwas „Leichteres“ für meinen nächsten Klassiker.

Die Evolution des Bösen

19. Mai 2017

Ich glaube, ich wäre kein guter Weltraum-Kolonist! Nach all den Science-Fiction-Horror-Filmen, die ich bisher so gesehen habe, wäre ich viel zu ängstlich. Ich würde hinter jedem Felsvorsprung Gefahr wittern, egal wie oft man mir sagt, dass alles sicher ist. Im All ist nichts sicher. Im All hört dich ja auch keiner schreien – wie auch: Für den Fall, dass ich ein Kolonist wäre, ist wohl davon auszugehen, dass mich auf der Erde definitiv niemand mehr rufen hören wird. Ich würde in meinem Weltraum-Anzug einfach in der Rakete hocken und darauf warten, bis ich mich irgendwo anders verkriechen kann. Denn, wie schon erwähnt, wenn mich Sci-Fi-Horror-Filme eins gelehrt haben, dann das im All alles viel zu gefährlich ist. Ich wäre definitiv kein guter Weltraum-Kolonist, ich wäre nicht dumm genug, fremdes, unbekanntes Zeug, das auf einem fremden Planeten rumliegt, anzufassen. Das ist nämlich scheinbar extrem wichtig – zumindest wenn man den Charakteren von Ridley Scott Glauben schenkt. Die waren schon so blöd in „Prometheus“ und haben mit merkwürdigen Weltraum-Kobras gespielt und in der Fortsetzung „Alien: Covenant“ sind sie leider nicht viel intelligenter.

Die Crew der Covenant ist mit etwa 2000 Kolonisten unterwegs zu einem neuen, bewohnbaren Planeten, als sie einen Notruf abfangen. Von einem Planeten, der viel dichter ist und auch bewohnbar wäre. Also entscheidet sich Captain Oram (Billy Crudup) für eine Kursänderung – gegen das Veto von Terra-Forming-Expertin Daniels (Katherine Waterston). Auf diesem neuen Planeten angekommen, passieren dann natürlich wieder schreckliche Dinge – die Crew stößt auf ein altes Raumschiff und auf einen alten Bekannten der einstigen Prometheus, den Androiden David (Michael Fassbender). Und wir müssen nicht allzulange warten, bis auch das Titel gebende Alien wieder auftaucht.

Alien-Futter kommt in Dosen

Das Gute vielleicht mal gleich vorweg: „Alien: Covenant“ ist tatsächlich eher das uns schon lange versprochene Prequel zur „Alien“-Reihe als „Prometheus“ es je war. Dennoch gibt sich „Covenant“ auch Mühe, ein guter zweiter Teil in dieser neuen Prequel-Saga zu sein. Zumindest werden die merkwürdigen Konstrukteure noch mal erwähnt, wirklich so viel mehr über diese Gott-gleichen Wesen erfahren wir aber auch nicht. Dafür erklärt uns Scott nun endlich den Ursprung der Xenomorphs. Und ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich das jetzt schon so ausführlich wissen wollte. Klar, ein Prequel muss sowas ja irgendwann zur Sprache bringen, doch mit „Alien: Covenant“ ist nun auch das letzte Geheimnisse um das Monster aus dem All gelöst. Ich gebe zu, die ganze Story, wie das Alien zu dem wurde, was wir aus der alten Reihe kennen, ist schon verdammt cool, aber irgendwie platzt damit auch ein bisschen eine Blase. Das Mysterium Xenomorph ist nun endgültig entschlüsselt.

Dafür baut Scott mit dem wieder auftauchenden David einen tollen Charakter auf, der dann tatsächlich auch zum Nachdenken. Cool gelungen ist dabei auch das Zwischenspiel zwischen David und dem neuen Androiden der Covenant, Walter, ebenfalls gespielt von Michael Fassbender. Wenn hier diese beiden Generationen von Androiden aufeinander treffen, mit ihren unterschiedlichen Ansichten darüber, was ihre Aufgabe gegenüber ihren Erschaffern ist, ist das das Highlight des Films (bis auf eine äußerst, äußerst merkwürdige Szene, in der die beiden Flöte spielen – wer diese Szene durchgewunken hat, gehört bestraft!)

Abgesehen von der ganzen David-Walter-Geschichte tue ich mich echt schwer mit „Alien: Covenant“. Was mal wieder an der unbegrenzten Dummheit der Charaktere liegt, die mir auch komplett egal waren. Seit „Prometheus“ bevölkert Ridley Scott diese Alien-Filme wirklich nur noch mit den uninteressantesten und vor allem dümmsten Menschen, die die Welt finden konnte (vielleicht wurden die ja auch einfach nur strafversetzt). Jede Entscheidung ist diesem Film ist das dämlichste und überholteste Horror-Klischee, das man sich nur vorstellen kann. Natürlich trennen sich alle und natürlich weiß man dann sofort, wer als nächstes dran ist. Natürlich hat so ein riesiges Kolonnie-Schiff nur ein einziges Shuttle und natürlich weht gerade mal wieder ein heftiger Sturm, der die Kommunikation zum Mutterschiff unmöglich macht. All das gibt es besser und könnte ein Ridley Scott auch echt besser machen.

Zum Ende hin wird aus der „Prometheus“-Fortsetzung dann ein „Alien“-Abklatsch, in dem Scott sich selbst in so ziemlich jeder Hinsicht kopiert – ist ja okay, so lange man es nur besser macht. Besser heißt in diesem Fall bei Scott aber leider nur blutiger. Ansonsten liefert Scott hier Alien-Horror von der Stange ohne wirkliche Überraschungen. Wie gesagt, das haben wir alles im ersten Teil schon gesehen – mit mehr Atmosphäre, mehr wirklich gutem Alien-Horror. Jetzt ist es nur plakatives Gore-Gemetzel. Was schade ist, hat „Covenant“ doch ein paar echt gute Ansätze.

So bleibt am Ende von „Alien: Covenant“ eine coole Fassbender-Performance und abermals tolle Bilder einer fremden Welt im Kopf. Immerhin gibt es auch noch coolere Alien-Action als in „Prometheus“, aber mehr dann auch nicht…

Wertung: 6 von 10 Punkten (optisch ein großer Hingucker, bei dem wirklich jedes Sci-Fi-Herz höher schlagen wird. Erzählerisch bleibt wieder extrem viel Luft nach oben)

An Bord der Aeolus

17. Mai 2017

Spoiler – das große Streitthema unter Film- und Serien-Fans. Wann ist ein Spoiler ein Spoiler? Was ist überhaupt ein Spoiler? Ich hatte letztens eine Facebook-Diskussion, weil ich „verraten“ hatte, dass David Hasselhoff einen Gastauftritt in „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ hat. Mir war persönlich nicht bewusst, dass selbst das schon als Spoiler angesehen wird. Für mich war ein Spoiler immer eher etwas, das mir zu viel über die Handlung verrät, nicht unbedingt der Auftritt eines „Stars“ in einem Film. Aber gut… doch wie geht man nun mit solchen Sachen um? Ich versuche ja immer, mich mit Spoilern zurück zu halten. Ich mag es ja auch nicht, wenn mir zu viel über die Handlung verraten wird. Aber was ist, wenn selbst Trailer schon zu viel verraten wird? Darf ich das dann erwähnen? Immerhin sind Trailer ja offen für alle. Ich weiß es nicht und tue mich echt schwer.

Ich fange mal vorsichtig an: Es geht um den Film „Triangle“ mit dem wunderschönen deutschen Untertitel „Die Angst kommt in Wellen“. Darin geht es darum, dass eine Gruppe von Leuten, darunter auch die alleinerziehende Mutter Jess (Melissa George), einen Segeltörn machen. Mitten auf dem Ozean werden die Freunde von einem Sturm überrascht, der ihr Boot zum Kentern bringt. Doch dann taucht auf einmal der verlassene Kreuzer Aeolus auf… nur ist an Bord nichts so wie es scheint.

Achtung, hinter dir!

Klingt recht unspektakulär, nicht wahr? Warum gucke ich das dann? Weil es mir wärmstens von mehreren Freunden empfohlen wurde. Immer mit der Aussage, „Triangle“ ist nicht das, wonach es aussieht – sprich: es ist kein öder Horror-Film auf einem Geisterschiff, wo alle Naselang die Leute krepieren, weil irgendwas Unheimliches sie verfolgt. Deswegen habe ich den Film dann geguckt – nur war er zum Teil dann doch genau das. Da rennen dann halt diese Menschen (unter ihnen auch ein noch sehr junger Liam Hemsworth) über das Schiff und auf einmal sterben sie so nach und nach. Ich dachte schon: „Okay, passiert noch was?“

Ja, es passiert noch was? „Triangle“ hat tatsächlich einen „kleinen“ interessanten Plottwist… wegen dem ich halt am Anfang dieses Gerede über Spoiler angeleiert habe. Im Trailer wird nämlich ein bisschen mehr auf diesen Plottwist eingegangen… und ja, es passiert alles relativ früh im Film, weswegen man es wahrscheinlich „spoilern“ könnte. Aber irgendwie wäre dann auch ein bisschen die Luft raus. Man würde nicht wie ich da sitzen und denken: „Oh Mann, das kenn ich doch alles schon. Hab ich schon tausend Mal gesehen!“ und dann kommt Regisseur Christopher Smith mit der großen Wendung der Geschichte.

Das ist tatsächlich ziemlich cool und verleiht dem Film eine ganz andere Richtung… Smith nimmt sich den altbackenen Kram und verändert ihn gekonnt. Leider (und wieder sage ich noch mal, dass ich nicht spoilern will) hat mich der Film dennoch nicht so gepackt. Das Konzept, das Smith hier für sich anwendet, ist wirklich interessant (und der deutsche Untertitel weist ja auch schon ein kleines bisschen daraufhin). Das Problem für mich waren dabei jedoch zwei Dinge: 1) Das Konzept der Story hat in sich zu viele Logik-Fehler, die mir irgendwann einfach zu häufig aufgefallen sind. Smith spielt zwar gekonnt mit dieser Idee, die er da hat, aber er folgt nicht ihrer eigenen Logik – oder hat sich bewusst dazu entschieden, sie zu ignorieren. Was vielleicht auch nicht zu verkehrt ist, wäre der Film am Ende sonst zu kompliziert. Dennoch hat es mich gestört. Gerade weil der Film ja sehr damit spielt, dass wir als Zuschauer selbst mitraten, was da gerade vor sich geht. Der Film regt mich also zum Nachdenken an – nur gerät man so halt zu viel ins Nachdenken. Je mehr der Film dann von seiner wahren Gestalt preisgibt, desto mehr fallen einem dann die Logik-Fehler an sich auf.

Zweitens wären dann die Charaktere: Die haben mich leider nicht die Bohne interessiert. Melissa George als Hauptdarstellerin fand ich sehr stark, zumal sie auch gekonnt die verschiedenen Stadien, die sie durchlaufen muss in diesem Film, gut darstellt. Aber alle anderen sind einfach nur da. Die tragen so gar nichts zur Story bei, sind nur schmückendes Beiwerk, sind nur Opfer. Das war echt ein bisschen schade, da hätte man mehr draus machen können, weil mir so deren Schicksale relativ egal waren – ich war eh zu sehr damit beschäftigt, hinter diesen Film zu steigen.

Alles in allem will ich mich aber bei all denen bedanken, die mir „Triangle“ empfohlen haben. Und ich kann diese Empfehlung nur weiterreichen an jeden, der mal einen etwas anderen Horror-Film sehen will. Die Idee hinter der Geschichte ist wirklich spannend – nur fällt sie halt zu häufig in ihre eigenen Logik-Löcher. Trotzdem – angucken lohnt sich ein wenig.

Wertung: 7 von 10 Punkten (cooles Konzept, dem man bei der Sichtung die Fehler einfach verzeihen kann – einfach, weil hier mal was Neues ausprobiert wird)

Ritter des Bordells

15. Mai 2017

Bevor sich jetzt jemand wundert: nein, das ist jetzt kein Artikel zu irgendeinem Erotik-Schundfilm. Stattdessen geht es eher um Guy Ritchies Version der Sage um König Arthur und seine Ritter der Tafelrunde. Ja, ich hatte es ja bereits angekündigt, dass ich diesen Film gucken will und jetzt ist es dann auch passiert. Ich war, wie ebenfalls schon erwähnt, auf so ziemlich alles vorbereitet: von ganz großem Mist bis zu einem bahnbrechenden Meisterwerk. Ich darf jetzt mit ein wenig Stolz verkünden, dass sich Ritchies „King Arthur“ gut in der Mitte dieser Skala aufhält.

Der junge Arthur (Charlie Hunnam) wurde von Prostituierten in Londinium aufgezogen und wächst zu einem schlagfertigen Mann heran, der mit seinen Freunden nicht nur die Damen des Bordells beschützt, sondern sich auch unter den Kleingangstern einen Namen gemacht hat. Doch dann wird Arthur auf einmal gefangen genommen und mit zahlreichen anderen jungen Männern nach Camelot verschleppt. Hier herrscht der böse König Vortigern (Jude Law), der nach dem wahren König sucht: denn das Schwert aus dem Stein, Excalibur, ist aus den Fluten des Sees aufgetaucht und Vortigern will sicher gehen, dass er den Mann, der das Schwert befreien kann, gleich gefangennehmen kann. Natürlich zieht Arthur das Schwert aus dem Stein, und natürlich wird ihm dann bewusst gemacht, dass er der wahre König ist. Doch um diesen Platz einzunehmen, muss er erst einmal selbst daran glauben, lernen, das Schwert ordentlich zu führen und natürlich Vortigern beseitigen.

Zieh, zieh, zieh…

Es ist ein wenig her, seit ein Guy Ritchie wirklich mit etwas überzeugen konnte. Wenn ich ehrlich sein soll, ist von seinen aktuellen Filmen nichts wirklich dabei, was im Gedächtnis bleibt. „Man from U.N.C.L.E.“ war ein netter Zeitvertreib, aber ich habe so mehr oder weniger auch schon wieder vergessen, worum es eigentlich genau ging. Denke ich an Guy Ritchie, dann denke ich doch eher an Filme wie „Snatch“ oder „Bube, Dame, König, grAs“. Selbst an die Sherlock-Filme von ihm will ich da nicht wirklich denken. Deswegen war ich schon ein bisschen skeptisch, ob „King Arthur“ was taugen würde… aber ich möchte mal behaupten, dass dieses Mittelalter-Fantasy-Spektakel mehr Guy Ritchie ist, als die letzten seiner Filme.

Nach einem wahrhaft epischen Intro, in dem wir den Verrat an Arthurs Vater (Eric Bana) durch seinen Bruder Vortigern erleben, fängt ein Film an, der genau so gut „Snatch 2 – Jetzt im Mittelalter“ hätte heißen können. Die Ritchie-Typen schnellen Schnitte rattern auf der Leinwand an uns vorbei und erzählen so eine witzige Geschichte darüber, wie Arthurs Tag so verlief. Erinnert euch an den Anfang von „Snatch“, wenn es um den Diamenten-Diebstahl geht. Oder erinnert euch an Michael Pena in „Ant-Man“, wenn er erzählt, von wem er was gehört. In diesem irren Erzähltempo baut Ritchie diesen jungen Arthur als intelligenten, charmanten Ganoven auf, der gut weiß, wie er auf sich aufzupassen hat. Gerade die Dialoge sprühen geradezu über vor Ritchies persönlicher Note und hätten genauso gut aus einem seiner alten Klassiker stammen können – es wirkt so surreal und funktioniert dennoch bestens, wenn sich diese „Ritter“ die Sätze nur so um die Ohren hauen.

Irres Tempo trifft dann auch auf den Rest des Films zu… man möchte manchmal meinen, Ritchie hastet zu sehr durch diesen Film und findet keine Ruhe, aber so ganz stimmt das dann auch nicht. Ja, die einzelnen Action-Sequenzen legen ein unglaubliches Tempo vor, aber es passt zu dieser Ritchie’esken Neuinterpretation. Das ist halt kein Boorman „Excalibur“, hier geht es nicht um „Genauigkeit“, hier geht es um Spaß. Und den hat man auf jeden Fall. Ritchie drückt dieser alten Sage seinen ganz eigenen Stempel auf, macht ein Action-Film und ein Heist-Movie mit Fantasy-Elementen draus.

Dennoch findet Ritchie auch ruhige Momente, in denen er sich dann aber leider hauptsächlich nur um Arthur selbst kümmert. Und hier kommen wir dann vielleicht zu den Minus-Punkten, die sich „King Arthur“ bei mir einholt: Wie es sich für einen Guy-Ritchie-Film der alten Schule gehört, quillt dieser Film fast über vor Charakteren, doch wirklich heraus sticht keiner davon – außer halt Arthur, weil es sich ja um ihn dreht. Alle anderen – ob nun „Game of Thrones“-Star Aidan Gillen, Djimon Hounsou oder selbst ein Jude Law – wirken ein wenig blass, verkommen zu Stichwort-Gebern ohne wirkliche Tiefe. Sie funktionieren zwar als Ensemble ziemlich gut, doch am Ende des Films erinnert man sich kaum an einen von ihnen zurück. Gerade bei Jude Law ist das echt schade, denn er zeigt tolle Ansätze zu einem wirklich fiesen Schurken, der einige tragisch-skrupellose Entscheidungen trifft, um seine Macht zu erhalten.

Zudem verhunzt Ritchie so ein bisschen das große Finale, in dem er es hinter zu viel CGI versteckt und uns nicht unbedingt den befriedigenden Endkampf liefert, den man nach dieser Handlung erwartet.

Alles in allem ist „King Arthur“ rasantes Fantasy-Action-Kino mit einem tollen Charlie Hunnam, der diesen Film tatsächlich gut trägt. Alles andere rauscht ein bisschen an einem vorbei. Dennoch hatte ich meinen Spaß mit diesem Film, weiß allerdings nicht wirklich was ich davon halten soll, dass schon jetzt eine ganze Reihe zu Arthur geplant ist, sollte „King Arthur“ genug Geld einspielen….

Wertung: 7 von 10 Punkten (die Origin-Story von König Arthur frei erzählt nach Guy Ritchie)

Geschichten vom Baum-Monster

12. Mai 2017

Es ist mal wieder passiert: Sehr viele Leute haben mir einen Film ans Herz gelegt, mir davon vorgeschwärmt, wie sehr er sie berührt und zum Weinen gebracht hat. Tja, und nun war ich im Kino und habe nichts davon gespürt. Bin ich etwa innerlich schon abgestorben? Ist mein Herz nur noch ein schwarzes Loch, das durch nichts mehr zum Weinen gebracht werden kann? Gut, davon möchte ich nicht ausgehen, aber irgendwie habe ich mich schon ein bisschen geärgert, nachdem ich aus dem Kino und aus „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kam. Ich wollte diesen Film so gerne so richtig krass mögen. Ich wollte, dass dieser Film mein Herz mit so viel trauriger Kino-Glückseligkeit füllt, dass ich im Kino hocke und leise vor mich hin schluchze… doch nichts davon ist passiert, was mich tatsächlich ein bisschen geärgert hat. Aber vielleicht habe ich einfach zu sehr gehofft, endlich mal wieder im Kino weinen zu können, dass der Film diesen Hoffnungen nicht gerecht werden konnte. Dabei liefert „Sieben Minuter nach Mitternacht“ alles, was ein perfekter „tear jerker“ so braucht – aber irgendwo liegt da auch mein Problem.

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ (oder auch „A Monster Calls“) erzählt uns die tragische Geschichte des jungen Conor (Lewis MacDougall), dessen Mutter (Felicity Jones) an Krebs erkrankt ist – und eine Heilung scheint nicht in Sicht. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, muss sich Conor auch noch mit seiner ihm unangenehmen Oma (Sigourney Weaver) herumschlagen, in der Schule wird er von ein paar Jungs terrorisiert und sein Vater (Toby Kebbel), der schon lange von seiner Mutter getrennt ist, ist ihm auch keine Hilfe. In diesem ganzen Gefühlschaos taucht auf einmal – sieben Minuten nach Mitternacht – ein Baum-Monster (Liam Neeson) auf. Es wird Conor drei Geschichten erzählen, danach muss Conor dem Monster eine Wahrheit verkünden.

Michael Bays umweltfreundliche Transformers-Version

Wie gesagt, dieser Film hat alles, was ein perfekter emotional-trauriger Film alles braucht, aber dennoch wollte sich das nicht durch mein mit Stahl ummanteltes Herz dringen. Ich kann aber auch sagen, warum. Es war mir einfach zu viel – und zu viel klischeebehaftetes. Erst die kranke Mutter, dann die „böse“ Oma, dann der verständnislose Vater und dann noch die Schulschläger – eigentlich hätte nur noch gefehlt, dass Conor suizidgefährdet ist. Es war letztendlich jedes Klischee eines jeden tear jerkers vorhanden – nur halt in schnellen, kleinen Dosen, die alle sehr plakativ waren und alle danach schrieen: „Sei jetzt traurig!“ Das hat mich irgendwann sehr schnell sehr gestört… und dabei gibt es ja in „Sieben Minuten nach Mitternacht“ noch einen tollen Dreh: nämlich das Monster und seine Geschichten.

Das war wirklich toll. Also Hut ab vor Liam Neeson, der mit seiner wunderbaren Stimmen ein wunderbares Monster erschaffen hat. Ich ziehe auch den Hut vor Regisseur J. A. Bayona, der die Geschichten des Monsters in den wunderschönsten Wasser-Farb-Animationen darstellt. Mit den drei Geschichten des Monsters und dem traumhaften Zeichentrick-Sequenzen hatte mich „Sieben Minuten nach Mitternacht“ dann doch wieder ein bisschen für sich gewinnen können. Dazu spiegeln die einzelnen Geschichten natürlich auch immer einen Abschnitt aus Conors Leben wieder – das mochte ich dann wieder sehr viel mehr. Das war ein bisschen schöner durchdacht – hier lernen wir gemeinsam mit Conor, dass nicht alles immer so ist, wie es scheint. Dass die vermeintlich Bösen nicht immer wirklich die Bösen sein müssen. Die drei Geschichten (und auch Conors letzte Wahrheit) waren wirklich toll… weswegen ich es echt schade fand, dass das menschliche Drumherum dann dem nicht so richtig standhalten konnte.

Es schwankte bei mir also ständig hin und her – ich habe mich sehr auf die Geschichten nach Mitternacht gefreut, aber weniger auf das, was dazwischen passierte. Da finde ich, hat ein Film wie „Pans Labyrinth“ meiner Meinung nach viel schöner mit diesem Vermischen der Realitäten gespielt. Ich will dennoch sagen, dass „Sieben Minuten nach Mitternacht“ kein schlechter Film ist, er war mir halt in seinen Nicht-Fantasy-Momenten zu allgemein. Die Darsteller sind allesamt toll gewesen, aber das Drehbuch hat mich nicht so ganz überzeugen können.

Aber wie gesagt, dass man auch nur an meinem Roboter-Herz liegen… 😉

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Zeichentrick-Geschichten-Teil ist richtig toll, Liam Neeson ist ein tolles Monster, die Geschichte ist auch schön, aber irgendwie einfach nicht so schön erzählt)