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Die Serie des Pferdes

24. September 2018

Wenn man mir vor einiger Zeit gesagt hätte, dass ich für ein Pferd alles stehen und liegen lassen würde, dann hätte ich laut gelacht. Ich bin wirklich kein Pferde-Mensch, aber es ist ja eh die Frage, ob man eher Pferde-Mensch oder doch Mensch-Pferd ist. Und spätestens jetzt dürften alle Fans eines ganz bestimmten Pferdes wissen, warum ich hier merkwürdiges Zeug über Pferde rede. Natürlich geht es um „Bojack Horseman“ – jenes Pferd, das mich seit Staffel 1 nicht mehr los lässt und weswegen ich super gespannt auf Staffel 5 gewartet habe (und nebenbei einfach noch einmal alle vorherigen Staffeln durchgesuchtet habe).

Wir sind endlich wieder zurück in Hollywoo… und es ist alles irgendwie anders. Bojack (Will Arnett) dreht jetzt seine eigene Serie „Philbert“, die er Princess Carolyn (Amy Sedaris) zu verdanken hat – auch wenn er selbst nie dafür unterschrieben hat. Mr. Peanutbutter (Paul F. Tompkins) und Diane (Alison Brie) leben mittlerweile getrennt… doch Peanutbutter findet in der Kellnerin Pickles (Hong Chau) sehr schnell Ersatz. Ach ja… und Todd (Aaron Paul) ist als Mitbewohner von Carolyn keine große Hilfe, bis er auf ziemlich alberne Art und Weise Werbe-Chef der Webseite wird, die Bojacks neue Serie produziert.

Ich fange kurz mit den Kleinigkeiten an, die mich jetzt nicht so umgehauen haben. Ich war ja in Staffel 4 nicht der größte Fan der ganzen Hollyhock-Story. Ist sie nun die Tochter von Bojack oder nicht? War mir relativ egal… und irgendwie scheint das den Machern der Serie ähnlich gegangen zu sein. Denn im Finale von Staffel 4 erfahren wir zwar, dass die beiden Bruder und Schwester sind, aber mehr darf man zu diesem Gespann in Staffel 5 nicht erwarten. Ein kurzer Telefon-Anruf und das war alles. Staffel 5 verzichtet komplett auf Hollyhock und hat ganz andere Sorgen…

… und so kümmert sich Staffel 5, ganz zeitgemäß, erst einmal um die Belange der Frauen. Diane geht in einer etwas durchwachsenen Folge auf Sinnsuche nach Vietnam und versucht, herauszufinden, wer sie wirklich ist. Princess Carolyn will adoptieren und verbringt eine Folge lang mit einer möglichen Mutter (Jaime Pressly), die ihr Kind abgeben möchte. Beides waren jetzt nicht die stärksten Folgen und auch das wirklich aktuelle #metoo-Thema kommt in den ersten paar Folgen etwas schwerfällig und sehr erzwungen rüber. Was aber meiner Meinung nach daran lag, dass die Macher a) nicht so wirklich wussten, wie sie das Thema anpacken sollen und b) weil sie es nicht so richtig um ihren eigentlichen Hauptcharakter Bojack wickeln. Doch im Laufe der Staffel gelingt es ihnen dann doch noch die ganze Thematik gekonnt und kritisch zu beäugen.

Das Spannende daran ist, dass sie es schaffen, verschiedene Blickwinkel dafür zu finden. Zum einen verurteilen sie es auf Schärfste, dann zeigen sie auch, mit welchen billigen Tricks einige Darsteller versuchen, von Anschuldigungen abzulenken und dann gibt es da den Sonderfall Gina (Stephanie Beatriz), Bojacks Co-Star. Sie stört sich nicht daran, dass ihre Figur „Sassy“ eigentlich fast nur nackt herumläuft, selbst zum Schluss, als es zu einem Vorfall kommt, den sie „ausnutzen“ könnte, will sie es nicht, weil sie ihrer Karriere nicht schaden will. Ein ungemütlicher Standpunkt… aber es ist gut, dass er auch Erwähnung findet.

„Bojack Horseman“ hat in der fünften Staffel also auch wieder die kritischen Momente, die tragischen Momente, die wir schon immer so an diesem Pferd lieben. Bojack selbst wird zu seinem schärfsten Kritiker und spannend wird auch, dass er von bestimmten Ereignissen (Penny in Staffel 2, sage ich nur) heimgesucht wird, die er verzweifelt in Pillen zu ertränken versucht (was mal wieder zu einer absolut großartigen Drogen-Episode führt, die brillant zwischen Drogen-Traum und Realität hin und her springt, so dass man irgendwann selbst nicht mehr weiß, was was ist).

Die Folge, die definitiv auch wieder sehr stark im Gedächtnis bleiben wird, ist die, in der Bojack eine Trauerrede auf seine gestorbene Mutter hält… und irgendwie über kostenlose Churros und andere Dinge redet – und das volle 22 Minuten lang. Die ganze Folge ist ein einziger Bojack-Monolog und eine der absoluten Highlight-Folgen der gesamten Serie. Hier zeigt sich mal wieder, dass man sich mit diesem Pferd auch immer auf etwas Neues gefasst machen muss.

Ich muss auch sagen, dass ich es nach wie vor großartig finde, wie sie die Beziehung zwischen Todd und Bojack weiterhin auf Distanz halten… hier hat wirklich alles Konsequenzen, die sich durch die ganze Serie ziehen. Todd ist aber ebenfalls wieder ein Highlight der Staffel (vor allem sein Sex-Roboter, der plötzlich CEO wird).

Ich muss gestehen, ich war anfangs ein wenig enttäuscht von Staffel 5… was aber vielleicht auch am langen Warten und den hohen Erwartungen lag. Doch die Staffel fängt sich ziemlich schnell und fährt wieder richtig auf. „Bojack Horseman“ bleibt spannende Unterhaltung mit viel Tiefgang.

Wertung: 8 von 10 Punkten (jetzt heißt es wieder Warten auf Staffel 6…)

Des Musikers Mieze

21. September 2018

Es heißt ja immer, es gibt Hunde- oder Katzen-Menschen. Eine etwas einfache Einteilung, weil ich da nie so richtig weiß, wo ich mich einordnen soll. Ich bin dann wohl das „oder“ in der Mitte, weil ich weder das eine noch das andere nicht bin. Ich mag sowohl Hunde als auch Katzen – und ich glaube, so geht es vielen, deswegen frage ich mich immer, woher diese vermeintliche Weisheit kommt. Katzen sind halt geheimnisvoller, deswegen vielleicht auch etwas schwieriger. Die haben halt ihren eigenen Kopf und man muss sich für deren Zuneigung anstrengen. Hunde sind da eindeutig einfacher gestrickt. Jetzt habe ich aber eine Katze durch die Magie des Films kennenlernen dürfen, die irgendwie auch ein bisschen ein Hund war. Diese Hund-Katze, die eigentlich ein Kater ist, heißt Bob und sein Film ist „Bob, der Streuner“.

Straßenmusiker James (Luke Treadaway) ist drogenabhängig, sein Vater (Anthony Stewart Head) hat sich vor langem von ihm abgewandt und sein Leben läuft von Trip zu Trip. Doch er hat eine Betreuerin (Joanne Froggatt), die ihn nicht aufgibt. Sie besorgt ihm eine Wohnung und ein Programm, mit dem er langsam von seinen Drogen wegkommen soll. In der schäbigen Siedlung, die vor Junkies nur so wimmelt, lernt James Betty (Ruta Gedmintas) kennen, mit der er sich anfreundet. Doch seiner wahrer Freund wird der rot getigerte Kater, der eines Tages plötzlich in seiner Wohnung auftaucht und Bob dann nicht mehr von der Seite weicht. Dank Bob wird James zu einer kleinen Berühmtheit und dank seiner Zuneigung zu Betty versucht er auch, sein Leben in den Griff zu bekommen – was natürlich nicht immer einfach ist.

Miau…

„Bob, der Streuner“ ist wieder mal so einer dieser Filme, der so unglaublich ist, dass er nur auf wahren Begebenheiten beruhen kann. Ganz ehrlich, wenn mir deswegen auch so ein faszinierendes Tier in die Wohnung kommen würde, würde ich mein Fenster auch auf lassen. Aber hier in Berlin steigt mir da am Ende eher Bob, der Einbrecher ins Haus als Bob, der coole Kater. Kurzum, die Geschichte von James und Bob ist wahr – sie ist sogar so wahr, dass Bob, ganz der Star, sich einfach mal selbst spielt. Und wenn man diesen Kater im Film sieht, kann man nur staunen. Hat dieses Tier gerochen, gespürt, geahnt, dass James ihn brauchen würde? Schon verrückt, wie handzahm dieser Kater ist, dass er sich an der Leine führen lässt, brav auf James‘ Gitarre hockt, wenn der auf der Straße spielt oder ihm sogar zum Bus folgt.

Dieser Kater ist der Star des Films, nicht nur, weil es faszinierend ist zu sehen, wie er agiert und reagiert, sondern einfach auch, weil er ein verdammt hübscher Kater ist. Das spricht wiederum den Katzenmensch in mir ungemein an und ich war einfach nur begeistert, wie süß der da auf der Couch liegt, Cornflakes knuspert, im Bus fährt oder faul neben seinem neuen Menschenfreund auf der Straße wartet.

Doch „Bob, der Streuner“ ist jetzt nicht nur ein Katzen-Film. Es ist auch die Geschichte von James, die spannend erzählt wird. Dabei war ich irgendwie ganz froh darüber, dass sein ganzer Drogenkonsum, das Leben auf der Straße, etc. nicht zu krass überdramatisiert wurde. Es ist schon alles Teil der Geschichte, aber es haut einen jetzt nicht zu sehr um. Da habe ich mich eher manchmal gewundert, dass Leute einem Straßenmusiker mehr Aufmerksamkeit schenken, weil er eine Katze hat. Ich meine, ein Glück vor James, dass es wohl so war und ein Hoch auf Bob, den Menschen-Magneten. Aber wie gesagt, zu dramatisch inszeniert Regisseur Roger Spottiswoode das Ganze jetzt nicht. Hätte er sicherlich machen können, um das Leid der Menschen auf der Straße noch mehr in den Vordergrund zu rücken. Doch „Bob, der Streuner“ soll eben auch ein Feel-Good-Movie sein… deswegen wird auch der Streit mit dem Papa schnell beigelegt und alles andere fügt sich auch irgendwie perfekt wieder zusammen. Das ist ein wenig oberflächlich, aber in diesem Fall nicht so schlimm… wir sollen uns ja auch ein wenig an Bob und James erfreuen.

Ich mochte diesen Film wirklich sehr. Luke Treadaway, Zwillingsbruder von „Penny Dreadfuls“ Harry, ist super in der Rolle. Und zusammen mit Bob, dem stolzen Kater, geben die beiden ein gutes Team ab. Auch Ruta Gedminta fand ich großartig… und Anthony Stewart Head hat ja eh bei mir einen Platz im Herzen (er ist einfach der beste Wächter der Welt 😉 ).

„Bob, der Streuner“ ist ein wunderschönes Märchen, das sogar gar kein Märchen ist (umso schöner, es gibt also doch noch Hoffnung und Wunder in dieser Welt). Ein schöner Feel-Good-Film, der selbst Hundeliebhaber zu Katzenfreunden werden lässt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (einfach gestricktes, aber sehr effektives Kater-Drama mit wohl verdientem Happy End)

Das goldene Buch von Amun-Ra

19. September 2018

Was ist eigentlich aus Brendan Fraser geworden? Meine letzte richtige Erinnerung an Fraser liegt schon verdammt lange zurück… damals als er eine Doppelfolge bei „Scrubs“ als Gaststar aufgetreten war. Doch wo ist er hin, dieser sympathische große Kerl, der für mich der erste würdige Indiana-Jones-Ersatz war? Das will immerhin was heißen, wenn man bedenkt, wie versessen ich auf Indy war, das ich alle Romane zu seinen Abenteuern verschlungen habe. Irgendwann in diesem jugendlichen Abenteuer-Wahn tauchte dann eben Brendan Fraser auf, jagte in bester Sommerblockbuster-Manier in „Die Mumie“ eine Mumie und entdeckte verborgene Schätze. Er hatte zwar keine Peitsche, war aber trotzdem verdammt cool. Zu meiner großen Freude hat Netflix die komplette Reihe und so konnte ich mich mit „Die Mumie“ der Frage widmen, was denn eigentlich aus Brendan Fraser geworden ist (ich hätte wirklich gerne Antwort darauf…)? Aber bleiben wir erst einmal bei dem Film, der Fraser zum großen Abenteuer-Helden machte.

1928 heuert die Bibliothekarin und Ägyptologin Evelyn (Rachel Weisz) gemeinsam mit ihrem Bruder Jonathan (John Hannah) in Kairo den Amerikaner Rick O’Connell (Brendan Fraser) an, damit er ihnen den Weg nach Hamunaptra, die Stadt der Toten, weist. Dort vermutet Evelyn nämlich das goldene Buch von Amun-Ra. Stattdessen findet sie dort jedoch das Buch der Toten… und wie jeder andere Dussel aus jedem Horror-Film liest sie daraus natürlich vor und erweckt damit den Hohepriester Imhotep (Arnold Vosloo). Evelyn, Rick und Jonathan haben damit eine wahre Plage über Ägypten heraufbeschworen, denn die einstige Mumie lässt wortwörtlich die biblischen Plagen über dem Land nieder und will nichts mehr, als seine tote Geliebte wieder zum Leben erwecken – am besten in Evelyns Körper.

Uncharted – The Movie (lange bevor es überhaupt Uncharted – The Game gab)

„Die Mumie“ war damals, als ich den Film das erste Mal im Kino gesehen habe, wirklich ein perfekter Sommerblockbuster. Und, wenn ich mal ehrlich bin, der Film ist es immer noch. Dieser Film ist genau das, was er sein will: laut, bunt, action-reich – kurzum, gute Unterhaltung, bei der man nicht viel nachdenken muss, die aber einfach Spaß macht. Das liegt daran, dass Regisseur Stephen Sommers in diesem „fetzigen“ Remake des 30er-Jahre-Klassikers „Die Mumie“ einfach eine gute Abenteuer-Geschichte erzählt, die alles zu bieten hat, was man heutzutage sonst nur noch von den „Uncharted“-Spielen bekommt: verborgene Städte, ein cooler Held und wilde Schießereien.

Dieser Vergleich kommt tatsächlich nicht von ungefähr, hatte ich doch jetzt beim Gucken echt das Gefühl, als hätte Naughty Dog ihren Nathan Drake 1:1 Brendan Frasers Rick O’Connell nachempfunden. Das fängt ja schon mal beim Look an: braune Hose, helles Hemd und natürlich am herausstechendsten: das Doppel-Holster für zwei Pistolen. Man würze das Ganze mit einem wirklich charmanten Raubein, das perfekt von Fraser verkörpert wird – inklusive „cleverer“ Sprüche und fertig ist „Uncharted“.

Aber hey, sie haben es beide gut hinbekommen – sowohl Spiel als auch Film. Und um mal wieder beim Film zu bleiben, ich mag ihn nach wie vor sehr! Die Mumie wird gekonnt in einer aufregenden Intro-Sequenz eingeführt und ist – vor allem im Gegensatz zu dem furchtbaren Tom-Cruise-Versuch „The Mummy“ – wirklich eine Bedrohung. Arnold Vosloo hat eine gute Präsenz und wirkt auch ohne viele Worte bedrohlich. Gut, die Effekte wirken heute vielleicht nicht mehr so doll, aber ich muss auch sagen, ich hätte sie mir schlimmer vorgestellt. Sprich, „Die Mumie“ ist durchaus gut gealtert…

… was natürlich auch daran liegt, dass sich Stephen Sommers nicht auf Effekthascherei ausruht, sondern vielmehr darauf bedacht ist, uns interessante Charaktere in einer guten Story zu liefern. Ein Punkt, der mittlerweile gerne mal außer Acht gelassen wird. „Die Mumie“ ist Action und Abenteuer, aber es wurde eben mit Leben gefüllt. Selbst die Nebencharaktere tragen gut zur Story bei und wirken nicht überflüssig. Zusammen mit dem Charisma eines Brendan Fraser, der wirklich, wirklich ein guter Indy-Ersatz ist und dem lieblichen Charme einer Rachel Weisz ergibt das einfach eine runde Sache.

Ich bleibe dabei, ich mag „Die Mumie“… eine schöne „Uncharted“-Version fürs Kino, lange bevor es das erste „Uncharted“-Spiel überhaupt gab.

Wertung: 9 von 10 Punkten (einer der guten Abenteuer-Filme, der sich auch gut gehalten hat)

Hexen-Anwärterin

17. September 2018

Meine Güte, der letzte Studio-Ghibli-Film ist mittlerweile auch schon wieder vier Jahre her – und seien wir mal ehrlich, „Erinnerungen an Marnie“ war zwar ein schöner Film, hatte aber nicht so zu 100 Prozent diesen Ghibli-Zauber. Der schien ohnehin zu verfliegen, verkündete Hayao Miyazaki doch (zum wiederholten Male), dass er in den Ruhestand geht. Mittlerweile scheint das ja auch schon wieder hinfällig und Miyazaki arbeitet angeblich an einem neuen Film, aber dennoch wurde es sehr still um Studio Ghibli… was ein paar kreative Köpfe des Studios dazu brachte, eigene Wege zu gehen: So wurde das Studio Ponoc gegründet, das zahlreiche Animationskünstler von Ghibli vereint. Jetzt haben sie ihren erste Spielfilm in die Kinos gebracht, der definitiv nicht den Ghibli-Einfluss leugnen kann: „Mary und die Blume der Hexen“.

Die junge Mary Smith zieht über den Sommer bei ihrer Großtante Charlotte ein. Doch dem quirrligen Mädchen ist das Anwesen auf dem Land viel zu ruhig und langweilig. Auf ihren Reisen durch den Wald findet sie eine wundersame, blaue Blume, die ihr ein merkwürdiges Mal verpasst. Dann stößt sie auch noch auf einen Zauberbesen, der sie schnurstracks zur Hexen-Universität Endor fliegt, wo Mary begeistert von der Direktorin, Madame Mumblechook, empfangen wird. Alles scheint unwirklich, aber auch sehr toll zu sein. Allerdings gehen sonderbare Dinge an der Universität vor sich, die vor allem etwas mit den Experimenten des Doktor Dee zu tun haben.

Harry Potters japanische „Kopie“ 😀

„Mary und die Blume der Hexen“ wirkt so krass wie Ghibli, dass man sich fragt, ob man zu Beginn nicht einfach das berühmte Totoro-Konterfei verpasst hat, das als Logo für das Studio zählt. Das ist es, was ich meine, dass dieser Film einen gewissen Einfluss definitiv nicht leugnen kann. Optisch sieht „Mary“ wirklich aus, als käme sie von Miyazakis Studio (und das tut sie ja auch ein wenig). Aber um jetzt mal von dem ewigen Ghibli-Geschreie weg zu kommen: „Mary und die Blume der Hexen“ sieht wirklich toll aus. Gerade die Zauberschule Endor ist ein Fest kleiner, witziger Einfälle – und erinnert irgendwie ein bisschen wie die coolere, japanische Version von Hogwarts – inklusive verrückter Unterrichtsfächer und größenwahnsinniger Lehrer. Marys Welt ist wunderschön und vor allem sehr liebevoll gezeichnet. Es macht einfach nur Spaß, sich für knapp zwei Stunden in dieser Welt der Magie aufzuhalten, in der es so einiges zu entdecken gibt.

Das liegt auch daran, dass die kleine rothaarige Mary selbst eine tolle Heldin ist, die tapfer ihren Weg geht und sich für ihre Freunde einsetzt. Leider ist Mary von den Charakteren her auch die einzige, die wirklich richtig gut funktioniert. Alle anderen bleiben leider ziemlich blass – und erfüllen einfach nur so ihren Zweck. Hier hat es Regisseur Hiromasa Yonebayashi nicht so wirklich geschafft, diese so tolle Welt auch mit spannenden Charakteren zu füllen. Seine Bösen sind eben auf einmal böse, obwohl ihre eigentliche Mission irgendwie ja doch sehr wohlwollend klingt. Nur leider sind dafür bereit, sehr schlimme Dinge zu tun. „Mary und die Blume der Hexen“ hätte definitiv einen stärkeren Antagonisten gebrauchen können, um uns wirklich mit der kleinen Mary mitfiebern zu lassen.

Auch der junge Peter, ein Junge aus dem Dorf, dem Mary ab und zu mal über den Weg läuft, greift irgendwie nie so richtig. Er wird zwar zu einem wichtigen Punkt in dieser Geschichte, bleibt aber leider auch sehr blass. Peter war für mich eine nicht ganz so gelungene Kopie von Kanta aus „Mein Nachbar Totoro“. Da sieht man einfach, dass bei Ghibli selbst so ein kleiner Charakter sehr viel mehr Gewicht haben kann als es in diesem Film der Fall ist. Da muss Ponoc auf jeden Fall noch eine Schippe drauf legen.

Man möchte meinen, dass Studio Ponoc einfach alles in die Optik gesteckt und die Charaktere etwas außer acht gelassen hat. Denn die Geschichte ist eigentlich schon spannend. Es ist eine schöne Coming-of-Age-Story, die ihrer kleinen Heldin viel abverlangt… und dem Zuschauer (ähnlich wie ein gewisser Miyazaki) auch eine wichtige Botschaft über den Umgang mit der Natur mit auf den Weg gibt.

Alles in allem ist „Mary und die Blume der Hexen“ ein wunderschön anzuschauender Animationsfilm, der mit etwas mehr Charaktertiefe so richtig große Klasse hätte sein können. Dennoch ist Studio Ponoc ein tolles Debüt gelungen, das Lust auf mehr macht. Man kann nur hoffen, dass sie irgendwann auch ihren eigenen Stil finden werden und nicht auf ewig als Ghibli-Kopie gelten müssen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (dieser Miyazaki-Klon ist schön, aber ausbaufähig 😉 )

The Power of Love

14. September 2018

Mir ist letztens aufgefallen, dass ich mir kaum noch DVDs oder Blu-rays kaufe. Die letzte Blu-ray, die ich mir gekauft habe, war tatsächlich „The Last Jedi“, um ihn der Vollständigkeit meiner Star-Wars-Kollektion halber da zu haben (und ja, ich will ihn mir auch noch mal mit „Force Awakens“ am Stück anzugucken, um zu schauen, ob Rian Johnson nun wirklich so viel kaputt gemacht hat, wie alle behaupten). Ansonsten bin ich mittlerweile echt zu einem reinen Online-Gucker geworden und meine alte Sammlung an DVDs ist alles, was noch geblieben ist. Irgendwie ein bisschen traurig (ich habe immer die Angst, dass wir irgendwann einfach gar nichts mehr in unseren Wohnungen haben werden, weil alles online abläuft). So… aber wie komme ich jetzt darauf, den gekauften DVDs nachzuweinen? Ich habe letztens einen Film geguckt, der mein erster Film auf Video-Kassette war (die ich mir dann auch noch selbst gekauft habe)… und diese Ehre gebührt Luc Besson und seinem Sci-Fi-Abenteuer „Das fünfte Element“.

Im Jahr 2263 beginnt ein Kampf gegen das Böse, auf den sich eine kleine Gruppe schon seit 1914 auf der Erde vorbereitet hat. Diese Gruppe bewacht die ultimative Waffe gegen das Böse. Auf dem Weg zur Erde wird das Raumschiff mit der Waffe aber von den Schergen des fiesen Zorg (Gary Oldman) abgeschossen. Nur ein Teil wird geborgen – und daraus entsteht das perfekte Wesen, die perfekte Waffe – in Form von Leeloo (Milla Jovovich). Doch Leeloo braucht Hilfe – und die bekommt sie ausgerechnet vom einstigen Elitesoldaten und jetzigem Taxi-Fahrer Korben Dallas (Bruce Willis).

Multi-Pass

„Das fünfte Element“ ist für mich nach wie vor ein absolutes Erlebnis. Da hängt viel Nostalgie dran, da hängt heute die Faszination dran, dass es wirklich noch eine Zeit gab, in der Bruce Willis so etwas wie Haare auf dem Kopf hatte. Und da hängt die Begeisterung für diese tolle Science-Fiction-Welt dran, die Luc Besson mit diesem Film erschaffen hat. Besson hat ja mit „Valerian“ vor kurzem noch einmal versucht, an diesen Film heranzukommen – und man spürt bei beiden Filmen, woher die Inspiration für viele Dinge kommt. Aber „Valerian“ schafft es nicht so wirklich, an „Das fünfte Element“ heranzukommen.

„Das fünfte Element“ hat zuallererst ein viel tolleres Leinwand-Pärchen. Bruce Willis ist einfach mal eine coole Socke und passt so gut in diese Rolle des etwas kaltschnäuzigen Typen, dessen Beschützerinstinkt aber von der zarten Milla Jovovich von Sekunde 1 an geweckt werden. Diese beiden brauchen sich wie sonst niemanden – und sie haben eine verdammt gute Chemie. Es ist vielleicht ein bisschen zu viel, Bruce Willis hier als Science-Fiction-JohnMcClane zu bezeichnen, aber er trägt auch in diesem Film noch diese Coolheit und diese Härte mit sich – kann aber auch immer wieder seine weiche Seite zeigen.

Dazu hat „Das fünfte Element“ mit Gary Oldman in der verrücktesten Rolle seiner Karriere auch einen sehr guten Schurken, der mich manchmal ein wenig an seinen korrupten Cop aus „Leon, der Profi“ erinnert. Oldman spielt herrlich dekadent, herrlich herablassend und selbstsicher. Ein perfekter und komplett überspitzter Schurke für diesen Film.

Natürlich sind auch die anderen Darsteller top – Ian Holm als Priester, der den Kampf gegen das Böse vorbereitet; Chris Tucker als Ruby Rhod, den grünsten Radio-Moderator der Galaxie und, und, und… Luc Besson zeigt einfach, dass World-Building nur funktioniert, wenn man die passenden Charaktere hat.

Und World-Building funktioniert super. Seine Science-Fiction-Stadt liegt irgendwo zwischen „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“, ist aber nie so düster und unheimlich, sondern einfach nur hektisch, grell und interessant. Irgendwie eine Stadt, die man sich mal anschauen könnte – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Wohnen möchte man da nicht… obwohl ich Korbens selbstmachendes Bett immer sehr cool fand 😀 „Das fünfte Element“ ist tolles Science-Fiction-Kino. Als Kind war ich davon absolut begeistert und jetzt als Kind bin ich immer noch wahnsinnig davon begeistert. So muss ein Sci-Fi-Abenteuer einfach aussehen – Besson versteht die Optik und liefert dazu noch alles andere perfekt ab!

Luc Besson erweist sich mit „Das fünfte Element“ als toller Geschichten-Erzähler, der Action kann, Science-Fiction zelebriert und dabei trotzdem noch eine Story mit Botschaft übermitteln kann. Er liefert eindrucksvolle Szenen, tolle Musik, verrückte Kostüme und ein rührendes Finale. Ich bleibe dabei: Es schwingt zwar sehr viel Nostalgie bei diesem Film mit, aber ich liebe ihn immer noch sehr und kann ihn mir auch immer wieder anschauen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (perfekte Sci-Fi-Unterhaltung)

Ein Sommer in Italien

12. September 2018

Es gibt Filme, die bleiben oftmals wegen einer ganz bestimmten Szene im Gedächtnis. Das ist manchmal gut und manchmal weniger gut, weil dahinter dann der ganze Film verloren geht, da eh alle nur über diese eine einzige Szene sprechen. So eine Szene gibt es auch in dem gefeierten Film „Call me by your name“. Ich hatte vorher nicht sonderlich viel darüber gehört – nur halt eben irgendwas mit einem Pfirsich. Tja, und jeder, der den Film gesehen hat, wird wissen, was damit gemeint ist. Diese eine (wie ich finde etwas unpassende und auch etwas merkwürdige) Szene wird sich bei mir immer mit „Call me by your name“ festsetzen, dabei hat der Film zum Glück sehr viel mehr zu bieten als nur den Pfirsich…

Italien im Sommer 1983, der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) lebt mit seinen Eltern auf dem Land. Sein Vater (Michael Stuhlbarg) ist Archäologie-Professor und wie jedes Jahr besucht ihn einer seiner Studenten, um ihm bei der Arbeit zu helfen. Dieses Jahr ist es Oliver (Armie Hammer), ein adretter und charmanter Amerikaner, der allen den Kopf verdreht – unter anderem auch Elio. Langsam entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung, die über Freundschaft weit hinaus geht.

Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.

Auf den Pfirsich will ich jetzt gar nicht weiter eingehen, sondern lieber direkt zum Film kommen. Denn ich bin schon wieder arg hin und her gerissen, was „Call me by your name“ angeht. Ich weiß, dass so ziemlich jeder, der ihn gesehen hat, extrem abfeiert, aber ich muss gestehen, ich würde ihn jetzt nicht so „extrem“ abfeiern. Ein paar Dinge aber schon:

Zum einen gelingt es Regisseur Luca Guadagnino auf unglaublich tolle Art und Weise, ein absolutes Sommergefühl aufkommen zu lassen. Klingt jetzt erst einmal blöd, aber dieser ganze Film strahlt perfekt aus, was so ein Sommer in Italien irgendwie sein sollte: Land und Leute, Lesen, Liebe, auf alten Rädern durch kleine beschauliche Örtchen fahren, verschiedene Menschen kennenlernen, das Essen genießen. All das atmet „Call me by your name“ förmlich. Es ist wirklich wie ein kleiner Urlaub auf der Kinoleinwand – und ich muss gestehen, ich habe schon lange keinen Film mehr gesehen, der so ein Wohlfühl-Gefühl ausgelöst hat. Das ist wirklich beeindruckend. Dieser Film lebt Italien, lebt den Sommer!

Zum anderen sind es die wirklich tollen Darsteller, die diesem Film das zusätzliche Etwas verleihen. Allen voran Timothée Chalamet, der in dieser Coming-Of-Age-Story wirklich alles gibt und alles durchleben muss, was es nur gibt. Das ist dann auch Punkt Drei, den man „Call me by your name“ wirklich hochanrechnen muss: Es ist ein unglaublich gefühlvoller Film, der sich Zeit nimmt, diese Liebesgeschichte zu erzählen, aber ohne sie jetzt als reine Liebesgeschichte zu erzählen. Es ist Elios Geschichte, mehr als das es die Geschichte von Elio und Oliver ist. Es ist die Geschichte einer Sommerliebe, aber mehr noch die Geschichte eines Jungen, der von seinen Gefühlen überrumpelt wird, der verunsichert und hoffnungslos verliebt ist. Dabei geht „Call me by your name“ auch darauf ein, wie sehr Elios Gefühle andere betreffen. Da sind seine liebenswerten Eltern und natürlich Oliver, aber da ist auch die arme Marzia (Esther Garrel), die – ohne es zu wissen – aus den falschen Gründen Zuneigung von Elio erfährt. Das ist alles extrem stark – Guadagnino lotet alle emotionalen Tiefen dieser Liebe aus, ohne etwas auszulassen. Somit ist „Call me by your name“ manchmal locker, leicht und fröhlich, dann wieder verdammt tragisch und traurig.

Aber ich habe ja schon gesagt, dass ich nicht alles an „Call me by your name“ so perfekt fand. Kommen wir vielleicht zu einer eher etwas oberflächlichen Angelegenheit: Ich mochte Armie Hammer in dieser Rolle einfach überhaupt nicht. Er stolziert die ganze Zeit durch diesen Film, als wenn es ein Laufsteg wäre. Immer wieder streift er sich durch die Haare, zeigt uns seinen Körper durch offene Hemden und gockelt eigentlich den ganzen Film nur durch die Szenen. Das ging mir, ehrlich gesagt, irgendwann ziemlich auf den Keks. Jetzt so im Nachhinein frage ich mich allerdings, ob das möglicherweise gewollt ist. Vielleicht ist das die überzeichnete Sichtweise von Elio auf diesen amerikanischen Schönling (aber selbst wenn man das so interpretieren könnte, empfand ich das als etwas anstrengend). Zudem habe ich mich gefragt: Wie sehr kauft man einem Armie Hammer wirklich ab, dass er so Mitte 20 und Student sein soll??? Aber gut…

Zum Abschluss hätte ich noch anzubieten, dass ich den Film zum Ende hin einfach viel zu lang fand. Ist natürlich auch alles reine Ansichtssache, aber ich hatte schon an dem Punkt, wo Oliver und Elio sich am Zug verabschieden mit dem Ende gerechnet… und dann ging der Film noch weiter. Erst mit Mama, dann mit Marzia, dann mit Papa und am Ende noch einmal mit Oliver. Jede wichtige Partei kommt noch einmal zu Wort (wobei vor allem Michael Stuhlbarg als Papa den tollsten Vater der Welt spielt), aber mir persönlich wäre ein etwas früheres Ende etwas lieber gewesen.

Wertung: 7 von 10 Punkten („Call me by your name“ ist ein wunderschönes Coming-Of-Age-Drama, dass ein perfektes Sommergefühl einfängt, aber dann mit Armie Hammer und der Länge etwas bei mir scheitert)

Paläontologischer Angelausflug

10. September 2018

Die Tiefen des Ozeans sind unergründet und unergründlich! Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass wir mittlerweile mehr über die Weiten des Alls wissen als über die Tiefen unserer Meere. Das ist natürlich gefundenes Fressen für jede Art von Horror-Film (wenn man es denn richtig angeht). Letztendlich kann man ja so ziemlich alles aus der Dunkelheit der Meere aufsteigen lassen. James Cameron machte das mit uns halbwegs wohlgesonnenen Aliens in „Abyss“, Guillermo del Toro jagte uns Riesenkaijus aus einem Riss im Meeresboden hinterher und jetzt kommt Jon Tuteltaub und entlockt dem Ozean ein Urzeit-Monster in „The Meg“.

Die Forschungsstation Mana One erforscht die unglaubliche Theorie von Dr. Minway Zhang (Winston Chao). Der geht nämlich davon aus, dass der Mariannengraben wesentlich tiefer ist. Eine dicke Schicht aus Schwefelwasserstoff verdeckt ein unberührtes Unterwasser-Biotop! Und tatsächlich können die Forscher diese Theorie verifizieren. Doch ganz unten angekommen, wird das Forschungsboot von etwas Großem angegriffen. Jetzt kann nur noch ein einziger helfen: der Rettungstaucher Jonas Taylor (Jason Statham). Dem gelingt das auch – doch beim Aufstieg bringt er etwas mit: den Megalodon, einen riesigen Urzeit-Hai, der Spielbergs „Weißen Hai“ verdammt alt aussehen lässt.

Plastikabfall tötet Meereslebewesen!

Was man „The Meg“ zugute halten muss, es ist der sehr viel coolere Dino-Film – gemessen an der Konkurrenz, die dieses Jahr in dem Sektor nur durch „Jurassic World 2“ vorhanden war. Trotzdem will das schon irgendwas heißen… denn ja, im Trash-Bereich ist „The Meg“ schon irgendwo ganz unterhaltsam. Aber leider auch nicht die Art von unterhaltsam, die ich mir eigentlich erhofft hatte. Denn viel zu oft nimmt sich dieser Film einfach viel zu ernst, nur um dann Jason Statham ins Wasser mit dem Riesenhai zu schubsen und ihn mit einem „Findet Nemo“-Zitat im Mund durchs Wasser planschen zu lassen. Solche Momente hat „The Meg“ dann leider immer wieder – und ich denke mir, mit einer etwas größeren Prise Selbstironie hätte dieser Hai-Horror wirklich viel amüsanter sein können. Schließlich will hier niemand ständig trauern und traurig sein, aber zu oft versucht sich Jon Turteltaub eben auch an den tragischen Momenten, wenn mal wieder ein Forschungsmitglied drauf geht.

„The Meg“ schwankt die ganze Zeit hart zwischen der emotionalen Ernsthaftigkeit von „Der Weiße Hai“ und dem absolut absurden Humor von „Sharknado“. Beides funktioniert zusammen halt nur bedingt und daran scheitert am Ende ein von vorne bis hinten unterhaltsamer Kino-Abend mit dem Urzeit-Hai. Turteltaub möchte die Spannung gerade zu Beginn aufbauen, in dem er uns den Hai nie ganz zeigt und das ist auch noch lobenswert. Wenn am Ende aber gefühlt alle zwei Sekunden jemand vor lauter Dummheit ins Wasser fällt und man sich überhaupt fragt, warum der Riesenhai die ganze Zeit nur diese paar Hanseln jagt, anstatt sich was besseres zu suchen, setzt zu schnell das logische Denken ein. Und das ist immer der Killer für so einen Film – spätestens wenn man sich dann vor Augen führt, was für tiefe Strandbereiche da herrschen müssen, damit sich 30-Meter-Haie ungestört durch Badegäste fleischen können.

Da hilft dann auch kein Jason Statham mehr, der alle zwei Sekunden (also immer dann, wenn jemand ins Wasser fällt) heroisch zur Sauerstoffflasche greift und sich aufmacht, dem Hai aufs Maul zu geben. Besonders „heldenhaft“ wird das dann im herrlich trashigen Finale – das aber einfach zu albern wirkt, weil der Film sich vorher viel zu ernst genommen hat. Das wäre doch eh nie ein „Weißer Hai“ geworden, warum dann nicht einfach einen „seriöseren“ Sharknado machen? Naja… wo war ich? Ach ja, Statham… er ist jetzt wirklich kein Chief Brody (Spielberg war da einfach zu gut), aber er macht seine Sache okay. Wie alle anderen auch – es sticht jetzt niemand hervor und ganz ehrlich, die verzweifelt zusammengeschriebene „Liebesstory“ zwischen Statham und Li Bingbing hätte man sich auch sparen können.

Was ich mich jetzt im Nachhinein nur frage, ist folgendes: Ob ihr es glauben wollt oder nicht, aber „The Meg“ basiert tatsächlich auf einem Roman von 1997. Der fleißige Autor Steve Alten hat seinem Monsterhai-Roman noch sieben Fortsetzungen folgen lassen. Kommt jetzt noch ein „Meg 2“? Genügend Möglichkeiten gibt es da… sollte es wirklich dazu kommen, dann bitte aber mit etwas mehr Augenzwinkern und weniger Spielberg-Rip-Off!

Wertung: 6 von 10 Punkten (schwankt zwischen gut und schlecht, hätte mit mehr Ironie aber viel unterhaltsamer sein können)

Hier endet Gott!

7. September 2018

Alle brauchen heutzutage ein Film-Universum. Filme können nicht einfach nur Reihen sein, sie müssen Universen sein. Marvel hat es vorgemacht, DC hat’s versucht nach zu machen und James Wan hat es in kleinerem Maßstab für seine „Conjuring“-Filme gemacht. Es gab zwei wirklich tolle Gruselfilme mit den „Conjuring“-Teilen und zwei Spin-Offs zu „Annabelle“, die ich mir aber nicht angeguckt habe. Wozu auch? Die ganze Geschichte um die unheimliche Puppe wurde doch im ersten „Conjuring“ ziemlich gut erläutert (und ich höre ja auch von allen, dass diese beiden Spin-Offs jetzt nicht sooo besonders sind). Aber so ein Universum muss sich nun einmal ausbreiten und so kommen immer wieder Filme dazu… und das neueste Spin-Off zur Dämonen-Nonne aus „Conjuring 2“ habe ich dann jetzt auch tatsächlich gesehen. Wie der Titel meines Artikels es schon verrät, endet bei „The Nun“ nicht nur Gott, sondern leider auch jeglicher Gruselfaktor, den das „Conjuring“-Universum hatte.

Wir befinden uns in Rumänien, irgendwann Anfang der 50er Jahre. In einem unheimlichen Kloster mitten im Nirgendwo bringt sich eine Nonne um… und der Vatikan schickt Vater Burke (Demian Bichir) und Schwester Irene (Taissa Farmiga) dorthin, um Nachforschungen anzustellen. Schnell stellt sich heraus, dass es in dem Kloster ziemlich unheimlich ist, dass dort vor langer Zeit ein unheimlicher Dämon heraufbeschworen wurde, der nun wieder seinen Weg in die Freiheit gefunden hat.

Sie sucht die Nonne, wir den Horror!

Was soll ich sagen? „The Nun“ ist sterbenslangweilig. Für einen Horror-Film eine absolute Katastrophe! Dieser Film ist eine Aneinanderreihung an billigen Jump Scares, die man schon aus einer Meile Entfernung zieht. Wenn die Kamera anfängt, sich um einen Charakter zu drehen, weiß man schon: „Gleich kommt was!“. Wenn sich ein Charakter irgendwo umdreht, sich irgendwo eine Tür schließt, weiß man: „Gleich kommt was!“ Jetzt hat ein James Wan in den „Conjuring“-Filmen ja auch nicht das Rad neu erfunden, aber er hatte immer ein perfektes Gespür für Timing. „Nun“-Regisseur Corin Hardy fehlt das leider komplett. Man langweilt sich, weil man wirklich jeden kleinen Grusel-Moment vorhersehen kann. Es gelingt ihm nicht ein einziges Mal, seinen Zuschauer wirklich zu überraschen (es sei denn, man hat in seinem Leben wirklich noch nie einen Horror-Film gesehen, dann könnte es vielleicht klappen). Grusel ist hier wirklich gleich Null.

Es wirkt einfach alles sehr billig und uninspiriert – nehmen wir nur mal den Anfang: Zwei Nonnen laufen aufgeregt durch einen dunklen Gang. Ein Gang, in dem die Special-Effects-Menschen richtig durchgedreht sind bei der Verwendung ihrer Nebelmaschinen: Mitten im Kloster, mitten in diesem dunklen Gang wabert hier der unheilschwangere Nebel. Nur das er halt so doll da ist, dass er extrem künstlich und fehl am Platz wirkt. Und dieser Nebel wabert durch den ganzen Film.

Man möchte meinen, ein fast verlassenes, altes Kloster wäre eigentlich der perfekte Ort für einen guten Horror-Film. Aber „The Nun“ beweist auf sehr traurige Art und Weise, dass ein perfekter Ort noch lange keinen perfekten Film macht. Es ist zwar alles dunkel und abgeschieden und dunkel und voller Schatten, aber Hardy erschafft einfach keine unheimliche Stimmung. Vielmehr erschafft er gähnende Langeweile.

Zum größten Teil liegt das aber auch daran, dass einem die Charaktere – verzeiht mir den Ausdruck – komplett am Arsch vorbei gehen. Jeder gute Horror-Film braucht eine Figur, mit der man mitfiebert. Eine solche sucht man in „The Nun“ vergebens. Taissa Farmiga soll diese Identifikationsfigur sein. Wir sollen um sie Angst haben, aber sie bleibt blass und oberflächlich. Ich meine, man versteht nicht einmal wirklich, warum ausgerechnet sie für diesen Job ausgewählt wird. Das Gleich trifft auf Demian Bichirs Vater Burke zu und ganz schlimm wird es mit Jonas Bloquet, der den franko-kanadischen (und ja, diese Unterscheidung wird im Film noch sehr wichtig, fragt aber nicht warum) Bauern „Frenchie“ spielt. Die unnützeste Figur in diesem Film, die irgendwie nur dazu da ist, Schwester Irene ein paar Komplimente zu geben und unnütz zu sein!

Die Charaktere sind langweilig, der Grusel ist langweilig und absolut vorhersehbar und die Story ist total nebensächlich (was für jeden Film, egal welchen Genres, immer kein gutes Zeichen ist). Im Ernst, die große Entstehungsgeschichte des Dämons wird in der unkreativsten und ödesten Rückblende innerhalb von 2 Minuten erzählt. Und dabei soll dieser Dämon Valak doch später für das „Conjuring“-Universum noch so wichtig werden. Sein Prequel ist aber komplett in die Hose gegangen.

„The Nun“ ist uninspiriert und sterbenslangweilig. Die Darsteller haben nichts zu tun, weil die Story einfach nichts hergibt und das ganze tolle Setting ist komplett verschenkt! Diesen Film kann man sich sparen und hätte man sich auch für das „Conjuring“-Universum sparen können!

Wertung: 2 von 10 Punkten (Langeweile beginnt hier… Grusel bleibt vor der Tür)

Die Do-It-Yourself-Frau

5. September 2018

John Hughes ist Teenager-Versteher. Seine Filme finden selbst jetzt immer noch große Anhänger (sein „Sixteen Candles“ wurde zuletzt gerade in „To all the boys I loved before“ mehr als nur lobend erwähnt) – und warum auch nicht, John Hughes hat wunderbare Filme gemacht, Filme, die nicht älter werden und die man immer und immer wieder gucken kann. Aber bei jedem Meister gibt es einen kleinen „Schandfleck“ – und für mich ist das „Weird Science“, oder wie er bei uns kompliziert heißt: „L.I.S.A. – Der helle Wahnsinn“. Dieser Film war wirklich nichts für mich… und irgendwie auch nicht so richtig was für Hughes.

Gary (Anthony Michael Hall) und Wyatt (Ilan Mitchell-Smith) sind die klassischen Opfer an ihrer Schule: Sie sind unscheinbare, unsportliche, unbeachtete Streber, die nur Beachtung finden, wenn sie von ihren Mitschülern Streichen unterzogen werden. Trotz allem sehnen sie sich nach einer Freundin – und nachdem sie sich im Fernsehen „Frankenstein“ angeguckt haben, entscheiden sie sich dazu, sich selbst eine Frau zu bauen. Mit „modernster“ 80er Jahre Technik erschaffen die beiden am Computer eine Frau: Lisa (Kelly LeBrock). Die ist sowohl sexy als auch clever und ist ganz nebenbei noch im Besitz unerklärlicher Kräfte, mit denen sie für ordentlich Aufruhr im Leben der beiden Streber sorgt.

„Weird Science“ ist tatsächlich eine Comic-Verfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe, in der viele unglaubliche Science-Fiction-Geschichten erzählt wurden. Daher also auch die Roboter-Computer-Frau Lisa, die verrückte Sachen machen kann. Es ist eine witzige Idee, der sich Hughes da annimmt, aber irgendwie fehlt dem Ganzen der Charme, das Herz eines üblichen Hughes-Films.

Das fängt schon alles ziemlich überstürzt an, ohne so richtig diese Welt von Gary und Wyatt aufzubauen: Wir sehen sie kurz als Opfer eines Streiches und das muss schon ausreichen, dass wir sie als arme Nerds mit der Intelligenz, eine eigene Frau zu bauen, anerkennen. Danach wird „Weird Science“ einfach nur eine Ansammlung von verrückten Einlagen, bei denen Lisas Fähigkeiten und jugendliche Hormone durch einander gebracht werden. Und wie gesagt, eigentlich ist das ja so eine Hughes-Spezialität, aber in diesem Film kommt das einfach nie so richtig zum Vorschein.

Der Film fühlt sich einfach zu sehr wie ein Sammelsurium aus witzigen Einfällen an, aber eine richtige Geschichte spürt man dahinter nicht. Dazu muss ich aber auch gestehen, dass mir die Darsteller einfach nicht gepasst haben – das aber auch wieder hauptsächlich deswegen, weil jeder Charakter eine mehr als nur dünne Hintergrundgeschichte zu bieten. Da ist „Weird Science“ echt weit von Sachen wie „Breakfast Club“ oder „Ferris macht blau“ entfernt. Gary und Wyatt haben in meinen Augen nichts gehabt, was sie für mich besonders gemacht hat – etwas, was Hughes ja sonst immer ganz gut geschafft hat. Hier sind das einfach nur zwei Typen, die recht unkreativ eingeführt werden und ihre Abenteuer erleben. Eigentlich wissen wir nichts greifbares über diese beiden. Wenn man sie uns nicht in jeder Szene vor die Kamera stellen würde, würde man sie innerhalb von wenigen Minuten wieder vergessen haben.

Die Einzige, die wirklich Charakter hat ist Kelly LeBrocks Lisa. Sie ist nicht nur Sex-Symbol und Hingucker für diesen Film, sondern eben auch clever. Sie ist die gute Fee – nur mit mehr Schlagkraft (in jeder Hinsicht). Auch wenn es ein wenig befremdlich wirkt, wenn sie mit Gary und Wyatt flirtet und rummacht, weil sie dabei einfach mal echt aussieht, als würde sie das Ganze mit viel zu „kleinen“ Jungs machen. Irgendwie hätte man sie Alterstechnisch ein bisschen mehr aneinander heranführen können. Kelly LeBrock ist auch einfach mal zehn Jahre älter als ihre Schauspieler-Kollegen und sie wirkt sehr viel reifer. Aber gut, auch das kann man wieder der Tatsache zuschreiben, dass Wyatt und Gary einfach keine gut ausgearbeiteten Charaktere sind, die sich einfach durch eine wild-verrückte Story kämpfen.

Diese Story hat nette Einfälle, hätte aber irgendwie ruhig noch mehr auf die ganze Popkultur der 80er eingehen können. Da tauchen zwar „Mad Max“-mäßige Typen auf Motorrädern auf, zu denen dann auch „The Hills Have Eyes“-Mutantendarsteller Michael Berryman gehört. Aber selbst in seinen Verrücktheiten ist „Weird Science“ dann nicht „weird“ genug, um die Charakterlosigkeit wett zu machen.

Ganz ehrlich, „Weird Science“ ist für mich wirklich der schwächste John-Hughes-Film, den ich bislang gesehen habe. Er ist unterhaltsam, weil er ein paar gute Ideen hat, aber die Umsetzung fühlt sich sehr oberflächlich an.

Wertung: 6 von 10 Punkten (da ist selbst der noch eher unbekannte Robert Downey in diesem Film interessanter)

Unter der Klanmaske

3. September 2018

Angehende Film-Produzenten werden irgendwann fasziniert die Arbeit von Jason Blum studieren. Ich meine, okay… vielleicht projiziere ich zu viel auf diesen Typen, weil ich mich sonst unter den „namenhaften“ Produzenten so gut wie gar nicht auskenne und Blum einer der wenigen Namen ist, der immer wieder mal auftaucht. Aber meine Güte, ich finde es trotzdem jedes Mal wieder beeindruckend, wo der auftaucht. Der Mann produziert den hinterletzten Horror-Mist für wenig Geld und wenn daraus plötzlich ein Erfolg wird, wird die Kuh so richtig gemolken (man nehme nur mal die „Purge“-Reihe, die jetzt sogar ihre eigene TV-Serie bekommt). Und dann taucht sein Name und der seiner Produktionsfirma bei erlesenen und Oscar-würdigen Filmen auf („Whiplash“ und „Get Out“). Tja… und jetzt hocke ich da im Kino und gucke mir Spike Lees neuesten Streich „BlacKkKlansman“ an – und welcher Name taucht da unerwartet im Abspann gefühlt gleich an zweiter Stelle auf: Jason Blum. Wie dieser Mann arbeitet, ist echt einfach unglaublich (zumindest in meinen Augen). Mindestens genau so unglaublich ist aber „BlacKkKlansman“.

Ende der 70er Jahre inseriert der Ku Klux Klan in einer Zeitung: Man sucht neue Mitglieder, die sich der gemeinsamen Sache annehmen wollen. Was der Klan nicht erwartet, ist, dass der erste afroamerikanische Polizist in Colorado Springs, ein gewisser Ron Stallworth (John David Washington), anruft, sich als wütender Weißer ausgibt, der nichts mehr hasst, als all die Ausländer, die Amerika so kaputt machen. Der Plan geht tatsächlich auf… und Ron wird aufgenommen. Leider kann er nur am Telefon dieses Spiel mitmachen. Vor Ort, bei den Treffen mit den Klanmitgliedern, muss Rons Kollege, der jüdische Cop Flip Zimmerman (Adam Driver), ran. So beginnt die vielleicht wahnsinnigste und wahnsinnig spannende Under-Cover-Aktion.

Kommen ein Schwarzer und ein Jude zum Ku Klux Klan…

„BlacKkKlansman“ ist die Art von Film, die viel zu verrückt ist, um nicht auf einer wahren Begebenheit zu basieren. „BlacKkKlansman“ ist die Art von Film, die heute mehr Tragweite hat denn je – ein Punkt, den Spike Lee zum Ende des Films sehr deutlich macht, wenn er uns mit den Bildern aus Charlottesville konfrontiert, mit dem Autoraser, der in eine Menschenmenge raste, mit der Tatsache, dass sich auch in fast 40 Jahren in den Köpfen von zu vielen Menschen nicht wirklich viel verändert hat. Und dass die Arbeit von Menschen wie Ron Stallworth nach wie vor enorm wichtig ist, um diese engstirnigen Menschen vorzuführen, die meinen, sie wären etwas besseres. Ich habe „BlacKkKlansman“ mit einem ziemlich flauen Gefühl im Magen verlassen – gerade wegen der letzten Bilder, die einen aus dieser scheinbaren Fiktion mit unglaublicher Härte raus reißen.

Aber wollen wir mal von der Wichtigkeit des Films zum Film selbst kommen… denn der ist einfach nur verdammt gut. Spike Lee erzählt seine Geschichte vom bösen Ku Klux Klan und den vielen Bewegungen, die sich dagegen stellen – und er stellt einen Mann in die Mitte, der den gerechten Weg kämpfen will. Es ist schon beeindruckend, dass sich Ron Stallworth nicht von seinen Gefühlen leiten lässt, dass er sich nicht blindlings auf die Seite seiner kampfbereiten Freundin Patrice (Laura Harrier) stellt, sondern dass er Recht statt Gewalt sprechen lassen will. Allein das macht Stallworth schon interessant.

Wir erleben hier eine facetten-reiche Geschichte, die beide Seiten ausführlich beleuchtet. Wir bekommen aber auch eine manchmal sehr amüsante Geschichte, eine sehr packende Geschichte, denn jederzeit könnte all das auffliegen. Und wir bekommen eine lehrreiche Geschichte – aber den Punkt hatten wir ja schon.

Die Darsteller sind durch die Bank großartig, aber John David Washington ist überspitze. Ich wusste ja nicht einmal, dass das der Sohnemann von Denzel ist. Aber Hut ab! Da ist der Apfel wirklich nicht weit vom Stamm gefallen, denn der John David spielt diesen Polizisten Stallworth mit absoluter Überzeugung – und eben als Mann, der bei all den Verpflichtungen, die andere ihm aufdrücken wollen, seinen eigenen Prinzipien treu bleibt! Adam Driver ist als sein Partner aber ebenfalls sehenswert, vor allem, weil sein Flip erst durch die Hassreden des Klans auch wieder seine eigenen jüdischen Wurzeln entdeckt. Und dann hätten wir da noch Topher Grace als Klanoberhaupt David Duke. Was für einen dummen Typen er da spielt und wie er ihn spielt, ist wirklich gut – vor allem, wenn er am Ende schön auf den Deckel bekommt und einfach nur sprachlos zurückbleibt! 😉 Muss man gesehen haben.

„BlacKkKlansman“ ist Satire und Mahnung zugleich! Ein unterhaltsamer Film und ein erschreckender Film. Ein wichtiger Film, der seine Botschaft stark untermauert!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Jason Blum macht Real-Horror, der viel härter ist als jeder fiktive Horror)