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Cowboys & Robots

8. März 2017

Game of Thrones“ geht so langsam dem Ende entgegen, „The Walking Dead“ scheint noch keines gefunden zu haben (obwohl ich sehr hoffe, dass sie irgendwann eines finden – sowohl in den Comics als auch in der Serie). Da wird es langsam Zeit, mal vorsichtig die Fühler nach einer Ersatzdroge auszustrecken, um am Ende nicht ganz plötzlich den kalten Entzug durchleben zu müssen. Zum Glück leben wir in einer Zeit, wo es gefühlt jede Woche drei neue Serien gibt, zu unserem Unglück kann uns nur leider niemand sagen, welche Serie denn als Ersatz taugt. Und so quält man sich dann von Pilot zu Pilot, in der Hoffnung, was Gutes zu finden. Aber manchmal muss man sich gar nicht so quälen, wird eine Serie nämlich plötzlich doch schwer gefeiert… so geschehen bei „Stranger Things“ und so jetzt auch bei „Westworld“, weswegen ich mir das mal vorgenommen habe.

Basierend auf Michael Crichtons Roman und Film „Westworld“ erzählt die gleichnamige Serie auch von jenem Vergnügungspark, in dem Besucher Cowboys spielen können und gegen harmlose Androiden in Menschengestalt all ihre Gelüste ausleben können. Dolores (Evan Rachel Wood) ist so ein Roboter, die gemeinsam mit ihrem Roboter-Freund Ted (James Marsden) immer wieder auf den gefährlichen Mann in Schwarz (Ed Harris) trifft, der nach etwas sucht: dem Zentrum des Labyrinths. Während der Typ also die Welt unsicher macht, versucht sich Neuling William (Jimmi Simpson) in diesem Park mit all seinen Möglichkeiten zurecht zu finden – und verguckt sich dabei dummerweise auch noch ein wenig in Dolores. Als wenn die noch nicht genug Probleme hätte, dreht irgendwann ihr Daddy-Roboter durch und offenbart so dem Park-Leiter und Erfinder Robert Ford (Anthony Hopkins) und seinem Team-Leiter Bernard (Jeffrey Wright), dass in den Robotern offensichtlich ein schwerwiegender Fehler steckt, der für einige Probleme sorgen könnte.

Träumen Roboter vom Cowboys? Oder Cowboys von Robotern?

„Westworld“ – die Sci-Fi-Serie, die eigentlich mehr ein Western ist. Die Western-Welt lebt von den klassischen Klischees, aber auch nur deshalb, weil die Gäste es so haben wollen. Es gibt die leichten Mädchen im Saloon, es gibt Duelle, es gibt gemeine Indianer – es gibt all das, was wir durch John Wayne und Co. gelernt haben. Dazu sieht es alles wunderschön und perfekt aus. „Westworld“ ist allein in seinem Western-Setting wirklich schön anzusehen: die Landschaftsaufnahmen lassen einen hoffen, selbst mal dort sein zu dürfen! Es ist eine schöne kleine Welt, in der man als Gast mal eben morden, vögeln und all das tut darf, was man sonst nicht machen würde.

Was mir dann an der ersten Staffel tatsächlich auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Christopher Nolans Bruder Jonathan, der für die Serie verantwortlich ist, die kleinen Ungereimtheiten des Films schön bereinigt. Im Film weiß man nicht so hundertprozentig, was hinter dem Aufstand im Park steckt. Für die Serie wird das deutlich, aber auch schön geheimnisvoll erklärt. Der Blick hinter die Kulissen des Parks fällt nämlich weitaus größer aus als im Film und liefert eine fast noch spannendere Geschichte, die im Hintergrund des Geschehens abläuft. Hier ist es dann so, dass man brav von Folge zu Folge mit kleinen Happen gefüttert wird – mal hier ein kleines Geheimnis des Erbauers Ford, dann mal wieder ein bisschen mehr zu dem merkwürdigen Mann in Schwarz, dann wieder was zu den Werkstätten der „Westworld“. Man bleibt immer mysteriös, was der Serie dann trotz der relativ kurzen Laufzeit von 10 Folgen manchmal ein bisschen von der Spannung nimmt, weil immer viel geteasert, aber kaum wirklich was offenbart wird. Denn den wirklich großen Knall spart man sich wirklich bis zum Finale auf.

Das ist dann dafür aber ein wirklich großer Knall, der uns die ganze Serie in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich denke mal sogar, dass es sich durchaus lohnen würde, die komplette erste Staffel nach den Ereignissen im Finale noch einmal zu schauen. Man erfährt so viel über einzelne Charaktere und die Verläufe der Handlung. Das ist ein wirklich schöner Twist, der mit viel Kawumm kommt – einige Sachen mögen vielleicht vorhersehbar sein, andere Sachen (wie zum Beispiel der Mittelpunkt des Labyrinths) können vielleicht auch eher unspektakulär sein, aber das große Ganze ist schon ziemlich cool. Ich will da jetzt auch nicht zu viel spoilern, aber es ist eine interessante Wendung, die diese Rebellion der Roboter auch wieder in einem ganz anderen Licht da stehen lässt.

Hannibal hat einen neuen Job

Die Darsteller sind dabei durch die Bank weg großartig. Anthony Hopkins überzeugt als großer geheimnisvoller Erfinder mit ganz eigener Agenda (ganz ehrlich, nach Ewigkeiten ist das wirklich mal wieder eine großartige Rolle, die zeigt, dass Hopkins zu den wirklich ganz Großen gehört). Ed Harris hat sichtlich Spaß daran, diesen Mann in Schwarz zu spielen – und ganz ehrlich, die Geschichte seiner Figur fand ich (wenn man sie dann kennt) am besten, weil sie erst so unglaublich fies, dann merkwürdig und am Ende sogar recht tragisch ist. Evan Rachel Wood ist die gute Seele, die alles irgendwie zusammenhält und die der Schlüssel für all das zu sein scheint. Thandie Newton, die Puff-Mutter Maeve spielt, entwickelt aber auch eine durchaus interessante Figur, die dann für Staffel 2 noch einiges verspricht.

Staffel 1 war wirklich beeindruckend. Ich mochte sie, sie hat mich gut unterhalten. Das Finale ist wirklich eine nett Offenbarung, die mich dann allerdings grübeln lässt, ob die Macher die zweite Staffel genauso spannend hinbekommen, wenn doch jetzt die wirklich großen Fragen mehr oder weniger offengelegt wurden. Auf jeden Fall liegt hier tatsächlich ein guter Ansatz für eine neue Serien-Droge bereit.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Hochglanz-Western meets „Ex Machina“)

Alter Mann Logan

6. März 2017

Es wird Zeit „Lebe wohl“ zu sagen, „Lebe wohl“ zu dem Mann, der einfach immer ein perfekter Wolverine gewesen ist. Hugh Jackman wetzt jetzt angeblich ein letztes Mal die Klingen und verabschiedet sich dann von der Rolle, die ihn vor 17 Jahren zum Star gemacht hat. Natürlich frage ich mich schon, ob er nicht beim richtigen Angebot doch noch einmal zurückkehren würde, aber wollen wir ihm mal nichts unterstellen und gehen davon aus, dass ein Hugh Jackman zu seinem Wort steht (egal, wie erfolgreich sein letzter Auftritt sein wird). Sein letzter Film als Wolverine muss natürlich dann auch wirklich gut sein, immerhin hatten wir schon zwei Wolverine-Solo-Filme und weder „Origins“ noch „The Wolverine“ waren wirklich gut. Mit „Logan“ soll ja jetzt alles anders werden… was wir auch „Deadpool“ zu verdanken haben.

Wolverine (Jackman) ist mit den Jahren ein ziemlich graues Wölfchen geworden, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass seine Heilkräfte nicht mehr vollständig funktionieren. Gemeinsam mit einem alten, an Anfällen leidenden Charles Xavier (Patrick Stewart) versteckt er sich im Nirgendwo und versucht, unerkannt zu bleiben. Die Zeit der Mutanten scheint nämlich endgültig vorbei, die Abenteuer der X-Men sind nur noch Stoff für billige Comic-Hefte. Doch dann trifft Logan auf die kleine Laura (Dafne Keen), die die gleichen Fähigkeiten (und auch Krallen) wie er hat und von dem unbarmherzigen Donald Pierce (Boyd Holbrook) gejagt wird.

Der alte und der neue Wolf…

Ja, „Deadpool“ sei gelobt, gepriesen und auf ewig gedankt. Der Söldner mit der frechen Schnauze hat bewiesen, dass Comic-Filme auch mal brutal sein dürfen und trotzdem erfolgreich sein können. Seit Ryan Reynolds das rote Kostüm angezogen hat, ist die Altersfreigabe eine Sache, über die man mal reden kann… und gerade einem Berserker wie Wolverine tut das auch sehr gut. Ja, „Logan“ liefert uns im dritten Anlauf endlich mal die Art von Wolverine, die wir sehen wollen. Der Typ läuft halt mit den schärfsten und längsten Krallen durch die Gegend und metzelt sich durch seine Feinde. Und dank dem R-Rating bekommt man mit diesem Film endlich auch mal genau das geboten. Die Action-Sequenzen sind wirklich großartig, man spürt förmlich den Befreiungsschlag, zu dem „Deadpool“ angesetzt hat. Wolverine im Berserker-Modus ist endlich mal ein wirklich Furcht einflößendes Monster, dem man besser dringend aus dem Weg gehen sollte.

Aber in „Logan“ ist es nicht nur Wolverine, der ordentlich zu langt, sondern auch die kleine Laura, die Fans als „X-23“ besser bekannt sein dürfte. Auch Mini-Wolverine-Mädchen stehen ihrem großen Vorbild in Nichts nach und haben sogar teilweise die wesentlich cooleren Aktionen drauf. Aber gut, Wolverine ist ja auch ein bisschen eingerostet und Laura noch fit wie ein Turnschuh.

So… hätten wir das Wichtigste geklärt: „Logan“ gleich brutal gleich richtig geil! Naja, nicht so ganz. Zum Glück wird die Gewalt jetzt nicht bis auf die absolute Schmerzgrenze ausgekostet. Es geht schon auch noch um die Geschichte von Logan, der mit seinen alten und neuen Verantwortungen klar kommen muss. Er spielt Vater für Charles und Vater für Laura und kommt mit beiden nicht wirklich klar. Das ist der Logan / Wolverine, wie wir ihn sonst so kennen: Sobald Gefühle im Spiel sind, zieht er sich zurück. Jetzt ist er jedoch gezwungen, darauf zu reagieren… und somit bekommt Hugh Jackman endlich mal die Gelegenheit, der psychologischen Seite von Wolverine wirklich mal ein bisschen Tiefe zu verleihen. Ich mochte seinen Logan in diesem Film extrem…

… noch mehr mochte ich jedoch die junge Dafne Keen. Für den Großteil des Films spielt sie stumm und entwickelt doch eine ausgereifte Persönlichkeit. Keen stiehlt Jackman fast immer die Show… nur lässt der Film es nur selten wie ein wirkliches „Stehlen“ aussehen. Es passt gut ineinander, die beiden spielen großartig mit den Gefühlen der beiden zueinander. Zusammen mit einem nicht minder tollen Patrick Stewart werden sie eine nette, dysfunktionale kleine Familie auf einem Road-Trip, die von einem guten Boyd Holbrook gejagt werden, der ja dank „Narcos“ weiß, wie sowas geht.

Woran ich dennoch ein bisschen zu meckern habe, ist die Tatsache, dass sich der Film in der zweiten Hälfte extrem zieht… und die Story allgemein mit dem Auftauchen von Laura ein bisschen zum üblichen „Bring Person X zum Ort Y, weil es dort sicher für sie ist, aber Vorsicht, ihr werdet die ganze Zeit gejagt!“-Gedöhns wird. Die Story verliert stark an Fahrt und erzählt die eigentlich viel interessante Geschichte – nämlich all das, was vor den Ereignissen von „Logan“ passiert ist – nicht. Und das hätte mich viel eher interessiert, als die Handlung von „Logan“ an sich.

„Logan“ punktet durch die großartige Darsteller-Leistung und natürlich den wunderbaren Berserker-Modus, schwächelt aber ordentlich bei der Story. Ein würdiger Abschluss für Hugh Jackman, wenigsten am Ende den Ton fast perfekt trifft.

Wertung: 8 von 10 Punkten (das Katerchen hat endlich scharfe, scharfe Krallen)

ACHT

3. März 2017

Vor Geburtstagsartikeln gruselt es mich immer ein bisschen – natürlich aus würdevoller Bescheidenheit, weil ich nicht so gerne über mich schreibe und mich lobpreise. Deswegen bin ich ja nach wie vor dafür, dass wir irgendwo eine Liste erstellen von allen Bloggern und deren Blog-Geburtstagen und dann schreibt ein anderer Blogger über einen. 😀

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: GOING TO THE MOVIES feiert Geburtstag. Schon wieder ein Jahr älter, schon wieder ein Jahr lang über Filme, Serien und andere Sachen geschrieben. Acht Jahre sind es jetzt insgesamt, seit ich mich das erste Mal zaghaft daran versucht habe, das Internet durch einen weiteren Film-Blog voll zu müllen. Acht Jahre, die ein ständiges Auf und Ab der Motivation bedeuteten. Acht Jahre, in denen ich immer mal wieder still für mich überlegt habe, ob ich es noch weiter machen soll. Acht Jahre, in denen ich mir einfach gesagt habe: „Scheiß drauf, du machst es für dich, du machst es aus Spaß und so lange du eine Handvoll guter Blog-Freunde hast, ist alles gut!“

Es sind auch acht Jahre, in denen sich am Design kaum irgendwas verändert hat, obwohl ich mir eigentlich jedes Jahr vornehme, mal was zu ändern. Doch so richtig kann ich mich nie dazu überwinden, mich mal wirklich für ein neues Design zu entscheiden – also belasse ich es nach wie vor beim Alten.

Es sind acht Jahre, in denen ich es auf fast 500.000 Aufrufe geschafft habe, was so knapp 62.500 Aufrufen pro Jahr entspricht. Und hey, dafür eine kleine Runde Applaus.

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Insgesamt habe 1364 Artikel geschrieben, davon sind 1262 tatsächlich Artikel über Filme oder Serien, während sich der Rest aus Artikeln wie diesem, Blog-Paraden und anderen zusammensetzt. Ich habe dazu noch so ungefähr 30 Artikel auf Halte… was manchmal auch echt zu einem Problem werden kann, weil ich mich dann selber gar nicht mehr so genau an den Film oder die Serie erinnere und mir dann meinen eigenen Artikel noch einmal genauer durchlesen muss.

Naja, aber ganz ehrlich, all diese tollen Zahlen wären nichts ohne Euch, meine lieben, treuen Leser, die ihr mir wie teure Freunde ans Herz gewachsen seid, auch wenn ich noch nie einen von euch jemals im echten Leben getroffen habe. Von daher will ich mich vor allem vor Euch verneigen…

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… denn ohne Euch hätte ich es nie auf die Acht geschafft. Bei aller Liebe zum Schreiben brauche ich (und wahrscheinlich jeder andere, der schreibt, auch) den Leser. Nur für sich selbst zu schreiben, wird auf Dauer dann doch ziemlich öde. Von daher: Danke, danke, danke!

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Der Urlaub der Zukunft

1. März 2017

Die Liste der Filme, die zu Serien werden, wird immer länger und länger. Und ich beäuge das alles nach wie vor sehr skeptisch. Es hat mich damals schon sehr viel Überwindung gekostet, die Serie „Fargo“ zu gucken, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, wie sie das umsetzen wollen. Irgendwann habe ich es mich dann doch getraut und war schon nach der ersten Staffel Fan. Aber es gibt ja noch so viel mehr… in die Serie zu „12 Monkeys“ wollte ich eigentlich irgendwann mal einen Blick werfen und von meinem Bruder steht noch die erste Staffel zu „From Dusk Till Dawn“ bei mir im Schrank. Aber nur weil’s bei „Fargo“ so gut funktioniert hat, kann ich meine Skepsis noch nicht so ganz ad acta legen.

Doch interessanterweise bin ich jetzt über einen Film „gestolpert“, zu dem es eine Serie gibt, die ja nicht nur gefeiert wird, sondern bei dem ich es mir ausnahmsweise sehr, sehr gut vorstellen kann, dass das als Serie funktioniert. Ich rede hier von HBO „Westworld“. Wie gesagt, was man so hört, klingt ja mehr als nur gut. Doch vor der Serie war der Film „Westworld“ einfach mal Pflicht…

Die meisten werden Michael Crichton sicherlich als den Mann kennen, der die Vorlage zu vielen tollen Filmen geschrieben hat (wie unter anderem „Jurassic Park“), aber Michael Crichton als Regisseur sagte mir selbst nicht all zu viel. Aber mit „Westworld“ gab der gute Mann sein Regie-Debüt und stellte uns den Urlaub der Zukunft vor: Irgendwann in der Zukunft existiert ein Freizeit-Park, der es seinen Besuchern mit Hilfe modernster Computer-Technik und perfekter Androiden ermöglicht, eine Art Zeitreise durchzuführen. In „Medieval World“ tummelt man sich unter Rittern und holden Prinzessinnen (Intrigen und Betrügereien inklusive), in „Roman World“ erfährt man den Luxus römischer Orgien und in „Westworld“ erlebt man den Wilden Westen… hier zieht es auch Peter (Richard Benjamin) und John (James Brolin) hin. Und was anfangs noch wirklich viel Spaß macht, wird ziemlich schnell zum Alptraum. Durch einen Virus oder was auch immer drehen die Roboter in den einzelnen Welten durch… und besonders Peter und John bekommen es mit dem gefährlichen Gunslinger (Yul Brynner) zu tun.

Lifting mal anders…

Ich hatte schon viel von „Westworld“ gelesen und gehört, ich kannte dieses berühmte Bild, wo man Brynner das Gesicht abnimmt und dahinter die ganzen Schaltkreise zieht. Was ich aber wirklich nicht wusste, war, dass „Westworld“ halt mehr als nur „Westworld“ zu bieten hatte. Statt nur Western gibt’s halt Mittelalter und Rom. Eine coole Kombination, die für sehr viel mehr Abwechslung im Film sorgt und in der Serie später sicherlich noch ordentlich ausgebaut werden wird.

Der Film „Westworld“, um erst einmal beim Thema zu bleiben, beeindruckt selbst heutzutage noch. Die Idee an sich ist schon einmal ziemlich clever und von Crichton auch gut umgesetzt. Und für das Alter des Films sind die Effekte extrem gut gealtert… gut, ein bisschen 8bit-Grafik ist mit dabei, aber das gehört zum Nostalgie-Faktor einfach mit dazu. So ein wenig hat mich das Ganze an „Cabin in the Woods“ erinnert oder eher noch an eine Art freiwillige „Truman Show“. Crichton verbindet gekonnt die Handlungen in den drei Welten mit der hinter den Kulissen. Und auch hier fand ich es ungemein erfrischend, dass sich „Westworld“ nicht immer nur auf „Westworld“ konzentriert. Es gibt auch eine kleine Story aus „Medieval World“, die gut zur Geltung kommt, sich aber nicht in den Vordergrund rückt, uns aber hier sehr gut verdeutlicht, was alles noch passieren wird.

Darstellerisch kann man an dem Film auch nichts meckern. Yul Brynner (übrigens ist das hier mein erster Film überhaupt mit Brynner) funktioniert perfekt als Cowboy-Terminator, während James Brolin als alter Hase in „Westworld“ auf sympathische Art und Weise dem etwas zögerlichen Richard Benjamin unter die Arme greift (und damit irgendwie auch uns als Zuschauer).

Was ich letztendlich ein bisschen schade fand, dass „Westworld“ nicht genauer auf diese ganze Sache mit den „durchgedrehten“ Robotern eingehen konnte. Dazu baut Crichton dann zu lange diese Welten erst auf, um sie dann im Chaos versinken zu lassen. Und gerade bei Brynners Gunslinger habe ich mir irgendeine Form von Hintergrundgeschichte schon fast gewünscht.

Womit wir dann bei den Sachen wären, die für eine Serie extrem gut funktionieren könnten. Erst einmal kann die Serie den kompletten Freizeit-Park mit seinen drei Welten besser abgrasen. Zweitens könnten sie der ganzen Roboter-Fehlfunktion einen tieferen Sinn geben und drittens könnte dadurch gut eine sehr vielschichtige Geschichte entstehen, die sowohl die Perspektive der Roboter einnimmt (wenn man da mehr auf die künstliche Intelligenz eingehen will) als auch die Menschen noch stärker in den Vordergrund rückt.

So oder so bin ich gespannt auf die Serie, denn der Film ist wirklich verdammt gut, spannend und clever erzählt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (schon eine coole Art von Urlaub… nur bitte dann ohne die durchgedrehten Massaker-Roboter)

So la la

27. Februar 2017

Warren Beatty hat die diesjährigen Oscars am Ende doch noch spannend gemacht. Da steht der Mann, starrt stundenlang auf den kleinen Zettel im Umschlag und verkündet zu meinem Frust, dass „La La Land“ der beste Film des Jahres ist. Das Team rennt Freude strahlend auf die Bühne, alle umarmen sich… und dann kommt der Knall: Die Produzenten von „La La Land“ widmen den Preis dann auf einmal „Moonlight„… und meinen es leider auch ernst. Denn „La La Land“ steht gar nicht auf dem Zettel, den Warren Beatty vorgelesen hat. Jimmy Kimmel rennt nach vorne und entschuldigt sich, Warren Beatty entschuldigt sich und gesteht, dass in Wirklichkeit „Moonlight“ als bester Film ausgezeichnet wird. Damien Chazelles Truppe muss also weichen und dieses schlimmen Patzer erst einmal verarbeiten.

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Es ist tatsächlich der spannendste Moment, der überraschendste Moment der 89. Oscars, die ansonsten mal wieder eher mau und einfach nur so la la gewesen sind. Jimmy Kimmel war als Gastgeber zwar ganz nett, aber irgendwie fühlte sich das Ganze einfach nur wie eine längere Ausgabe von „Jimmy Kimmel live“ an. Erst ein unspektakulärer Monolog, ein paar Gags hier und da – fertig. Die Oscars fühlen sich auch dieses Mal nicht wie eine aufregende Show an, sondern wieder einmal wie das übliche Abfrühstücken von Preisträgern, von denen – seien wir mal ehrlich – uns die Hälfte eh nicht wirklich interessiert. Naja… immerhin taucht zwischendurch noch Michael J. Fox auf und wertet den Abend allein durch seine Präsenz (und den coolen „Back to the Future“-DeLorean im Hintergrund) auf.

Ansonsten… was war noch so? Mittlerweile scheint es ja zum guten Ton dazu zu gehören, die Stars zu füttern, weswegen es dieses Mal Süßigkeiten regnete. Und mittlerweile scheint es auch zum guten Ton zu gehören, einen merkwürdig-peinlichen Moment in der Show zu haben. Dieses Mal wird also eine Gruppe Touristen durch die erste Reihe geführt – absolut skurril. Der Einzige, der das Ganze rettet, ist Denzel Washington, der mal eben ein Paar „traut“. Ansonsten war auch das ein Gag, auf den man hätte verzichten können.

Immerhin bekommt Kimmel zwei Sachen gut hin – sein Zwist mit Matt Damon darf bei den Oscars nicht fehlen und natürlich gehören auch „Mean Tweets“ dazu. Also genau die Sachen, weswegen ich Kimmel eigentlich überhaupt schaue.

Vom bösen Verlust in Bezug auf „La La Land“ habe ich ja schon gesprochen. Also doch nicht „Bester Film“, dafür aber immerhin „Beste Regie“ und „Beste Hauptdarstellerin“ für Emma Stone, was ich ihr sehr gönne, mochte ich sie doch im Film bei weitem mehr als Ryan Gosling. Auch die Musik, der Song „City of Stars“, die Kamera und das Production Design werden verdient ausgezeichnet, mehr aber auch nicht. Von 14 Nominierungen nimmt der Film stolze sechs Trophäen und einen wirklich herben Schlag in die Magengrube mit nach Hause. Immerhin war er für ein paar Minuten „Bester Film“.

Jetzt sind sie noch mehr die Gewinner der Herzen.

Casey Affleck gewinnt als bester Hauptdarsteller für „Manchester by the Sea“, Viola Davis wird beste Nebendarstellerin für „Fences“ und Mahershala Ali bester Nebendarsteller für „Moonlight“ – ein Film, den ich mir nach dieser Oscar-Nacht definitiv noch anschauen muss. Wer so spektakulär doch noch zum besten Film des Jahres wird, muss auch richtig gewürdigt werden.

Persönlich traurig war ich ein wenig, dass „Kubo“ weder in den Special Effects (ging an „The Jungle Book“) noch in der Kategorie „Animationsfilm“ (ging an „Zoomania“) geehrt wurde. Tatsächlich witzig ist immerhin die Tatsache, dass „Suicide Squad“ jetzt von sich behaupten kann, ein Oscar gekrönter Film zu sein (dass es nur für die Kategorie Make-Up gereicht hat, kann man ja schnell und leise nur dazu sagen).

Alles in allem waren auch die 89. Oscars es nicht unbedingt wert, nachts um halb drei aus dem Bett zu kriechen, aber hey… sie sind ja zum Glück auch nur einmal im Jahr. Irgendwie hoffe ich dann trotzdem, dass sie es vielleicht wenigstens im nächsten Jahr hinbekommen, zu ihrem 90. Jubiläum, mal ein bisschen mehr aus der ganzen Show zu machen.

Die komplette Liste aller Gewinner gibt’s dann unter folgendem Link: OSCARS 2017

Ich gehe dann mal unter die Dusche und zur Arbeit… gääääähn.

Heilung durch Wasser

24. Februar 2017

Gore Verbinski scheint eine besondere Beziehung zu Wasser zu haben. Immerhin hat er schon den Seegang mit den Piraten der Karibik wieder Kino tauglich gemacht. Mit seiner Version von „The Ring“ ging es auch tief in einen Brunnen und in „The Weather Man“ gab es irgendwo auch mal ordentlich Regen (es ist leider schon zu lange her, dass ich den Film gesehen habe, aber ein Film über einen Wettermann ohne Regen bzw. Wasser wäre ja auch einfach nur falsch). Gut, in „Lone Ranger“ ging es weniger um Wasser, dafür aber in „Rango“, wo es quasi nur ums Wasser ging. Wasser, Wasser, Wasser… wenn Gore Verbinski jetzt auch noch Wassermann wäre, wäre das – naja, irgendwas. Egal. Es geht um Wasser und Gore Verbinski – und auch in seinem neuesten Film „A Cure for Wellness“ geht’s um das kühle Nass.

Der ambitionierte Lockhart (Dane DeHaan) soll Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) aus der Schweiz zurück holen, damit er einen wichtigen Deal abschließen kann. Dafür reist Lockhart in die Schweiz und sucht Pembroke in der Kuranstalt von Dr. Volmer (Jason Isaacs) auf. Ein Autounfall zwingt Lockhart aber dazu, für einen kurzen Zeitraum zu verweilen – zumal Pembroke auch scheinbar kein Interesse daran hat, die Anstalt mit dem angeblich heilenden Wasser zu verlassen. Nach und nach merkt Lockhart, dass hier irgendwas nicht stimmt – die junge Hannah (Mia Goth) ist dann nämlich auch nicht die einzige, die ihm sagt, dass niemand je die Anstalt verlässt.

Er will doch nur raus…

„A Cure for Wellness“ – wenn ich den Film kurz zusammenfassen müsste, dann würde ich wohl sagen, dass Gore Verbinski das erreicht hat, was Guillermo del Toro eins mit „Crimson Peak“ nicht geschafft hat: einen atmosphärischen Grusel-Film zu drehen, der einen ganz langsam und behutsam in die Mangel nimmt und nicht wieder loslässt. Das ist „A Cure for Wellness“ – ein wirklich grandioser, spannender Psycho-Thriller.

Ich dachte ja zuerst, das geht zu sehr in die Richtung „Shutter Island“ (tut es nicht!). Man merkt zwar, dass sich Verbinski sehr an alten Horror-Filmen wie „Suspiria“ oder im Besonderen „The Shining“ orientiert, aber dem Ganzen auch seinen eigenen Touch einflößt. Was wirklich beeindruckend ist, ist die Tatsache, wie viel Zeit sich Verbinski tatsächlich lässt. Manch einem mag der Film zu lang sein, ich hingegen fand das sehr ruhige Erzähltempo sehr passend und angenehm. Wie schon gesagt, zieht einen dieser Film Stück für Stück in seinen Bann. Letztendlich werden wir selbst ein bisschen zu Lockhart und erleben diesen Kurort mit all den merkwürdigen Mythen und Sagen, die sich um den Ort ranken kennen. Was wirklich großartig ist: Man fühlt sich von Anfang an unwohl – den Film umgibt eine merkwürdige Aura, schon beim ersten Besuch nagt irgendwas an einem. Das Bild der zufriedenen Gäste wirkt zugleich wie etwas falsches, eine zu glatte, schöne Oberfläche hinter der sich etwas Unheimliches zu verbergen scheint. Dieses Gefühl hält der Film unglaublich gut.

Was ich auch sehr genossen habe, ist, dass einem so viele kleine Hinweise und Geschichten vorgelegt werden. Ich habe eigentlich kontinuierlich Daten gesammelt und Theorien aufgestellt, was es am Ende sein könnte. Klingt jetzt sehr danach, als würde das vom Film ablenken – tut es aber nicht, weil Lockhart ja genau das Gleiche macht.

Neben der wirklich spannend erzählten Geschichte und der wirklich gut aufgebauten unheimlichen Grundstimmung bezaubert „A Cure for Wellness“ durch eine faszinierende Optik. Jede Einstellung, jedes Bild ist präzise geplant, lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers – manchmal auf Dinge, die wichtig sind und manchmal auf Dinge, die es nicht sind, um einfach ein wenig in die Irre zu führen. Der Film ist schlicht und einfach wunderschön anzuschauen. Man könnte sich Screenshots aus dem Film ohne Probleme als kleine Kunstwerke an die Wand hängen. Und auch das spielt wieder in das unheimliche Gefühl dieser Anstalt hinein: Diese Bilder sind schon fast zu perfekt, da muss einfach was faul sein.

Untermalt werden die Bilder dann auch noch von einem wunderbaren Soundtrack und auch einfach nur Geräusche (allein das Quietschen von Lockharts Krücken ist manchmal schon echt zu viel 😉 ). „A Cure for Wellness“ bietet somit eigentlich auf so ziemlich jeder Ebene ein schaurig-schönes Kino-Erlebnis. Was zusätzlich durch wirklich tolle Darsteller bestärkt wird: Dane DeHaan ist umwerfend darin, langsam selbst an seinem Verstand zu verzweifeln. Lucius Malfoy, ich meine Jason Isaacs überzeugt als zwielichtiger Doktor und Mia Goth als großes Mysterium dieses Films.

Das Ende von „A Cure for Wellness“ ist dann vielleicht ein kleines bisschen over-the-top, gerade nach dem guten Aufbau, aber selbst das ist zu verschmerzen – wenn man doch bedenkt, das alles andere nahezu perfekte Grusel-Unterhaltung liefert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (das „Grand Budapest Hotel“ des Gruselfilms)

Der Junge, der lebte

22. Februar 2017

Es ist vollbracht! Harry Potter hat sich tapfer durch acht Filme gekämpft und gezaubert. Und jetzt ist endlich Schluss. Ja, ich gebe zu, dass mit dem „Endlich“ ist mit einer gewissen Erleichterung gesagt. Es war mir innerlich eine Pflicht, diese Filme jetzt „endlich“ einmal geschaut zu haben – aus welchen Gründen auch immer. Es ist mir aber auch eine Freude, dass sie jetzt „endlich“ vorbei sind. So hundertprozentig hat mich die Potter-Reihe dann doch einfach nicht abgeholt. Es war nette Unterhaltung, die mir sicherlich besser gefallen hätte, wenn ich sie auf dem Höhepunkt der Potter-Manie gesehen hätte. Aber wer weiß, vielleicht auch nicht. Teil 4 wird nach wie vor mein Favorit bleiben, alles andere davor und danach verbuche ich einfach mal unter dem blöden Attribut „nett“. Was dann auch auf „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ zutrifft.

Der Film schließt direkt an „Die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ an (was sollte er auch sonst tun) und „endlich“ begeleiten Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) auf ihren letzten Weg in den Kampf gegen Lord Voldemort (Ralph Fiennes). Vorher werden noch ein paar Horkruxe gesucht und tatsächlich wird Severus Snape (Alan Rickman) vom Verräter doch noch zum Helden.

It’s the final countdown…

Snapes Namen reinzuwaschen, ist mit das Beste am zweiten Teil. Und es war tatsächlich das, worauf ich am meisten gewartet habe, seit Snape Dumbledore in „Der Halbblutprinz“ tötete. Natürlich war das abzusehen, dass so etwas in dieser Richtung offenbart werden würde, gebietet Snape Harry doch in einer letzten Geste still zu sein. Eine nette Wendung, wenn auch vorhersehbar. Aber gut, es war eine tolle kleine Geschichte in der großen Geschichte, die mich endlich auch besser verstehen lässt, warum Leute so sehr Snape-Fans sind. Immerhin wird er so in allerletzter Minute zum wahren Helden – und möglicherweise auch noch ein bisschen mehr? Oder habe ich das jetzt nur falsch gedeutet? 😉

Was war sonst noch so? Es gab jede Menge sehr merkwürdiger Küsse. Auch eine Sache, die nicht so richtig in diesem Finale des Finales funktioniert hat. Diese kleinen, vermeintlichen emotionalen Szenen wirkten einfach nur albern. Rons und Hermines Kuss kam mal so komplett aus dem Nichts und am Ende müssen sie selbst drüber lachen. Ginnys und Harrys Kuss ist auch so ein komischer Kuss nach dem Motto „Wenn ich schon sterben muss, gönn ich mir vorher noch was!“ Auch am Ende das Händchen-Halten von Ron und Hermine… ganz ehrlich, das hätte man doch nach acht Filmen alles ein wenig schöner machen können. Jetzt haben wir diesen Charakteren beim Erwachsen-Werden zugeschaut, dann wäre es doch schöner gewesen, ihnen auch richtig beim Finden der Liebe beizuwohnen. So wirkt das alles sehr gewollt – wir brauchen ein wenig Liebe, also bekommen wir ein bisschen Liebe. Gehört halt dazu, damit am Ende ein rührseliges Happy-End zustande kommt. Hmm… so ganz hat mich das jetzt in Teil 2 leider gar nicht überzeugt.

Doch ich greife fast zu weit vor… denn bevor es zum Küssen kommt, geht es erst einmal um Leben und Tod. Hogwarts wird zu einem wahren Kriegsschau-Platz. Was soll ich sagen? Ganz nett! Gut, vielleicht habe ich zu viel erwartet. Okay, ich habe zu viel erwartet. Für eine Zweiteilung habe ich das ganz große Feuerwerk erwartet, aber das hier war’s leider gar nicht. Und was bitte sollte diese Purgatory-Szene mit Dumbledore (Michael Gambon)? Wieso ist Harry am Ende doch nicht tot? Einfach nur, weil Dumbledore ihm sagt, Hogwarts wird denen helfen, die Hilfe verdienen? Ich hab’s wirklich nicht verstanden, wie das alles so funktioniert hat. Oder war das einfach nur der „einfachste“ Ausweg aus einer Situation, zu der eine J.K. Rowling einfach keine bessere Lösung gefunden hat. Irgendwie scheint sie sich da ja schon in was reingeritten gehabt zu haben, aus dem man sich nur schwerlich befreien konnte. Was macht man also? Einmal in den Himmel und zurück… und die Malfoys dürfen sich auch noch rehabilitieren. Friede, Freude, Eierkuchen in Hogwarts halt…

„Endlich“ also Feierabend… aber Pustekuchen. Jetzt geht’s ja scheinbar stramm mit „Phantastische Tierwesen“ weiter. Aus einem kleinen Buch, das Rowling mal so nebenbei zum Potter-Universum veröffentlicht hat, wird eine neue Reihe, die lange vor Potter spielt. Fünf Filme… ich wünsche denen nur, dass es nicht so ausgelutscht wird wie bei „Der Hobbit“. Doch ob ich mich den Tierwesen auch noch widmen werde, weiß ich noch nicht. Ich brauch jetzt erst einmal eine Zauber-Pause.

Wertung: 6 von 10 Punkten (ein „nettes“ Finale, mehr aber auch nicht)

Ohne Strom

20. Februar 2017

Dinge, die ich bisher durch Filme und Serien über die Post-Apokalypse gelernt habe: Vertraue wirklich niemandem! Sobald alle Regeln nicht mehr existieren, wird selbst dein bester Freund zu deinem größten Feind und bringt dich wegen einer Flasche um. Von daher ist das „Akte X“-Motto „Vertraue niemandem!“ für die Zeit nach dem Untergang der Zivilisation äußerst hilfreich. Weiterhin gelernt habe ich, dass ich dringend Botaniker werden sollte. Es hat Matt Damon auf dem Mars geholfen und es wird mit Sicherheit auch auf der Erde irgendwie von Nutzen sein (vorausgesetzt, es gibt noch was, wo man Sachen anpflanzen kann). Doch das Wichtigste, was ich aus all dem bisher gelernt habe, ist: Ich werde es vielleicht ein, zwei Wochen überleben und danach einfach sterben – wahrscheinlich umgebracht von einem furchtbaren Menschen. Aber vielleicht gucke ich gerade deswegen so gerne diese post-apokalyptischen Sachen: Vielleicht lerne ich ja noch eine Sache, die mein Überleben sichern kann. Weswegen ich dem kanadischen Film „Into the Forest“ auch eine Chance geben musste. Man lernt ja schließlich nie aus.

Irgendwann in einer nicht all zu weit entfernten Zukunft fällt der Strom aus. Die Schwestern Nell (Ellen Page) und Eva (Evan Rachel Wood) leben mit ihrem Vater (Callum Keith Rennie) etliche Kilometer von der nächst größeren Stadt entfernt in einem schönen Haus mitten im Wald. Als der Strom ausfällt, sind sie zuerst alle noch guter Dinge… doch die Zeit vergeht, der Strom bleibt weg. Durch einen unschönen Unfall stirbt dann auch noch der Vater und lässt seine beiden Töchter ganz allein auf sich gestellt im Wald zurück. Mitten in der Wildnis, ungeschützt und angreifbar.

Juno in den Bäumen

Ich sage es gleich vorweg, ich habe keine neuen Überlebenstipps durch „Into the Forest“ erhalten – schade! Dafür habe ich einen Film bekommen, der mich sehr zwiegespalten zurück lässt. Auf der emotionalen Seite ist „Into the Forest“ ein wirklich bewegendes Kammer-Stück. Regisseurin Patricia Rozema verzichtet weitestgehend auf große Momente, sondern lässt sich und ihre Geschichte ganz von den beiden Schwestern lenken. „Into the Forest“ begeistert nicht durch große Schauwerte (wenn man jetzt vielleicht mal von dem wunderschönen Haus im Wald absehen möchte) oder irgendwelche Exzesse. Es gibt so ein, zwei etwas unschöne, brutale Spitzen, aber ansonsten konzentriert sich Rozema stark auf die Charakterentwicklung von Nell und Eva.

Mit Ellen Page und Evan Rachel Wood hat sie dazu auch zwei großartige Darstellerinnen, die wirklich eine tolle Leistung abliefern. Besonders Page hat mir extrem gut gefallen, weil sie von der Story einfach auch ein bisschen mehr gefordert wird. Sie durchlebt ein paar mehr emotionale Höhen und Tiefen, während Wood die erste Hälfte des Films eigentlich kaum so richtig zur Geltung kommt. Ihre Eva ist für Nell so gesehen eigentlich wie ein Klotz am Bein, aber beide Schwestern brauchen sich dann doch irgendwie. Wie gesagt, darstellerisch wirklich verdammt gut.

Die Geschichte allerdings hat ein wenig sehr damit zu kämpfen. Als Buch (und der Film basiert auf einem Roman) kann ich mir das noch vorstellen, weil viel über die Gedankenebene der Charaktere durchgespielt werden kann. Der Film leidet dann letztendlich doch ein wenig an… ich nennen es jetzt einmal vorsichtig „Aktionsarmut“. Es passiert einfach nicht wirklich. Wie schon gesagt, es gibt so zwei Spitzen, wo es mal ein bisschen heftiger wird, aber ansonsten bleibt „Into the Forest“ sehr, sehr ruhig. Ein bisschen zu ruhig.

Und hier komme ich dann zu dem zweiten Punkt, der mich halt sehr gestört hat… und das ist die logische Seite. Die Seite, die sich die ganze Zeit gefragt hat, warum diese Mädels so rein gar nichts unternehmen. Der Film erzählt uns, dass die beiden Schwestern rund 15 Monate nach dem Stromausfall immer noch leben. Aber die machen dafür nichts! Sie haben kaum Vorräte – und erst zum Ende des Films kommt es ihnen in den Sinn, mal eins der wilden Schweine im Wald zu jagen. Sie pflanzen auch nichts an (Botanik ist halt wirklich wichtig) und sammeln auch erst nach so drei Monaten die ersten Beeren im Wald. Sie machen keine Inventur, sie sichern nicht ihr Haus, sie machen keine Pläne, sie machen gar nichts. Sie lungern einfach nur in dem Haus rum und warten… auf irgendwas. So wie die das machen, hätten die keinen Monat überleben dürfen, und dann ekelt sich Nell am Ende, wenn sie Hundefutter essen muss. Normalerweise hätte sie das gierig verschlingen müssen.

Das hat mich echt geärgert. Als Drama funktioniert „Into the Forest“ dank seiner beiden großartigen Hauptdarstellerinnen eigentlich ziemlich gut, ist nur zu lang. Als Endzeit-Film ist „Into the Forest“ leider ziemlich unbefriedigend und unspektakulär.

Wertung: 5 von 10 Punkten (es steckt so viel mehr in dieser Geschichte, was einfach nicht genutzt wird)

Ruheloser Ruhestand

17. Februar 2017

Es wurmt mich wirklich sehr, dass ich „John Wick“ nicht so viel abgewinnen kann. Wirklich. Ich wollte den ersten Teil mit Keanu Reeves wirklich mögen. Allein die Tatsache, dass ein Typ, der gerade seine Frau verloren hat, so ausrastet, weil ihm das letzte Geschenk seiner Frau (das kleine, süße Hündchen Daisy) UND auch noch sein Auto genommen werden, ist verdammt cool. Ich hatte damals ein wenig die Hoffnung, das Ganze würde werden wie Clive Owens „Shoot ‚Em Up“: wilde, total verrückte Schießereien, ein eiskalter, cooler Typ, der Leute auch mal mit Mohrrüben umbringt und fertig ist das Ganze. Es braucht ja nicht immer eine tolle, ausufernde Geschichte, es darf auch einfach nur mal Action satt sein. Aber wie gesagt, mit „John Wick“ konnte ich trotzdem nicht viel anfangen. Irgendwann fand ich diese ganze Hetzjagd merkwürdigerweise dann doch zu übertrieben. Es war wie ein cooles Video-Spiel mit tollen Choreografien, die mir auf Dauer aber ein wenig zu langweilig wurden. Aber zum Glück bin ich ja kein Maßstab, weswegen jetzt das zweite Kapitel der John-Wick-Saga ansteht.

John Wick (Keanu Reeves) ist gerade wieder zuhause angekommen, nachdem er jetzt auch noch seinen Wagen zurück erobert hat und schon wartet eine neue Überraschung auf ihn: Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio), der eine alte Schuld bei John einlösen will. Der soll für ihn seine Schwester Gianna (Claudia Gerini) umbringen, damit er, Santino, ihren Platz an der Spitze des „High Table“ (so etwas wie der Hohe Rat des organisierten Verbrechens) einnehmen kann. Widerwillig lässt sich John darauf ein und steckt mal wieder in großen Schwierigkeiten.

Neo ist jetzt doch Agent Smith

So ein alter Auftragskiller wird wohl nie seinen Ruhestand genießen können. Was ich tatsächlich ziemlich cool finde, ist dabei die Tatsache, dass „John Wick: Chapter 2“ wirklich direkt an den ersten Teil anschließt, da die letzten Ungereimtheiten beseitigt und Wick dann sofort ins nächste tödliche Abenteuer jagt. Ich warte nur noch darauf, dass er irgendwann sagt: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“

Aber ich weiche vom Thema ab: Wie hat mir der zweite Teil denn nun gefallen? Und ich muss zu meiner Freude sagen, dass er mir ein bisschen besser gefallen hat als der erste. Nicht viel, aber ein bisschen. Wirklich cool fand ich, dass das John-Wick-Universum ein wenig erweitert wurde. Wir erfahren ein wenig mehr aus seiner Vergangenheit – wenn auch nur wirklich sehr, sehr wenig, aber es ist genug, um Interesse zu erwecken. Es wäre sogar genug, um ein John-Wick-Prequel zu rechtfertigen, das vielleicht sogar mal eine richtig coole Story zu bieten hätte. Was man darin dann auch erzählen könnte, wäre die Geschichte dieser neutralen Hotels. Wie schon im ersten Teil nächtigt Wick auch wieder im Continental… und das scheint eine ganze Kette zu sein, die weltweit Verbrechern Schutz und mehr bietet. Auch das ist ein interessanter Aspekt, der neugierig auf mehr macht. Gleichzeitig reicht diese Neugier aber auch schon aus, damit man (in diesem besonderen Fall: ich) mehr am Ball bleibt. Das zweite John-Wick-Kapitel füttert uns ein bisschen mehr und offenbart uns diese riesige Welt voller Assassinen und böser Menschen, die für Geld so ziemlich alles tun.

„John Wick: Chapter 2“ macht es weiterhin wie ein Video-Spiel: Nimm die Sachen aus dem ersten Teil und verbessere und vergrößere sie!“ Brav gemacht. Und der Video-Spielcharakter bleibt dann auch vor allem bei den Action-Sequenzen bestehen. Hier merkt man dann auch gleich wieder, dass Regisseur Chad Stahelski selber mal Stuntman war: die Choreografien sind der Hammer. Reeves Gun-Fu ist der Shit, wenn ich das mal so Neudeutsch formulieren darf. Die Action ist rasant und großartig inszeniert – und vor allem: ohne Wackelkamera (ja, ich schaue dich an, Resident Evil 6). Stahelski will, dass man all die coolen Moves ohne Probleme erkennt, er will zeigen, was seine Leute vor der Kamera so drauf haben und schwelgt in den brutalen Kämpfen. Auch hier übertrumpft sich Stahelski noch einmal selbst, liefert noch größere Kämpfe ab als im ersten Teil.

Doch irgendwann setzte für mich die Übersättigung ein. Nach zwei Stunden Kampfgekeuche, nach zwei Stunden perfekter Headshots, nach zwei Stunden perfekter Action ist dann auch irgendwann die Luft raus. Ich wollte einfach nicht mehr sehen, aber es geht immer noch weiter und immer noch weiter. Ich hatte das Gefühl, Stahelski will mich in Action ertränken. Er lässt kaum Atempausen. Er will uns und Keanu Reeves auf dem letzten Loch pfeifen sehen. Ganz ehrlich, ich fand’s ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach etwas anstrengend. Ein bisschen weniger wäre mehr gewesen. Man wird einfach zu sehr überschüttet mit guten Fights, das man keinen davon richtig zu würdigen weiß.

Keanu Reeves ist als Überheld, der nur in den Ruhestand möchte, hier bestens aufgehoben. Seine Gegner sind herrlich fies, während er herrlich stoisch ist. Tatsächlich sehr cool ist der Auftritt von Lawrence Fishburne, der sicherlich bald zu wilden Fan-Theorien führen wird, dass John Wick in Wirklichkeit in der Matrix spielt. Wie sonst könnte der Mann so gekonnt durch die Horden von Gegnern gehen? 😉

„John Wick: Chapter 2“ macht viel und manchmal halt ein wenig zu viel. Trotzdem ist es ein toller Action-Film geworden… sind wir mal gespannt auf Kapitel 3!

Wertung: 7 von 10 Punkten (Keanu Reeves haut mal wieder alle kaputt)

Horkrux-Jagd

15. Februar 2017

Harry Potter ist also Schuld. Schuld an dem Trend, den letzten Film einer Reihe mal eben zu zweiteilen. Warum? Ich meine vom ersten Teil bis jetzt waren die Filme ja schon immer ordentliche Mammut-Projekte mit einer irrsinnigen Laufzeit (ja, ich beschwere mich bis zum Schluss über die Laufzeit). Natürlich ist das für Fans der Bücher sicherlich toll, ist dadurch ja genug Platz im Film für viele Handlungsstränge der Bücher (und selbst dann werden die Leseratten sich beschweren, dass das ein oder andere Detail nicht genug Erwähnung findet). Aber trotzdem… bisher hat doch ein Film vollkommen ausgereicht. Aber hey, sie waren die ersten (waren sie das wirklich? Ich habe Google jetzt mal nicht bemüht, also verzeiht, falls ich was falsches sage), die es ausprobiert haben… und somit auch die ersten, die gezeigt haben, dass so eine Zweiteilung echt Quatsch ist. Wie bei so ziemlich jeder Trennung des Finales ist Teil 1 etwas „lahmer“, man spart sich die großen Dinge für den zweiten Teil auf. So ist es dann auch mit „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1“.

Das Ende naht. Lord Voldemort (Ralph Fiennes) ist im Vormarsch und bedroht so ziemlich jeden, der auf Harrys (Daniel Radcliffes) Seite steht. Der wiederum betrauert immer noch den Tod von Dumbledore, schmiedet aber gleichzeitig auch Pläne, um gegen Voldemort vorzugehen. Denn wie wir in „Harry Potter und der Halbblutprinz“ gelernt haben, kann Voldemort getötet werden – wenn man die sieben Horkruxe zerstört. Die enthalten nämlich Teile der Seele von Tim Riddle… und ein Horkrux hängt ausgerechnet um den Hals von Dolores Umbridge (Imelda Staunton).

Zum Finale gibt’s richtig viel Potter…

Wie schon gesagt, irgendwie merkt man dem ersten Teil der Heiligtümer schon ein wenig an, dass extrem an aufregenden Sachen gespart wurde. In der zweiten Hälfte hängen Harry und Hermine (Emma Watson) nur in irgendeinem Wald rum, zelten im wohl coolsten und geräumigsten Zauberzelt der Welt und grübeln. Nicht so berauschen, vor allem, wenn man bedenkt, dass die erste Hälfte sehr vielversprechend war. Von dem Versuch, Harry in Sicherheit zu bringen und dem Kampf gegen Voldemorts Schergen bis hin zur Infiltration des Ministeriums für Zauberei hatte „Die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ echt was zu bieten. Regisseur David Yates hat sich, was das angeht, eigentlich ziemlich gut eingegroovt und weiß, was die Potter-Fans brauchen. Die Effekte sind toll, die Kämpfe werden sehr viel spektakulärer und ja, das Zaubern an sich wirkt viel „natürlicher“.

Danach ebbt die Action ein wenig ab und macht Platz für viel, viel Hintergrund-Geschichte. Wir erfahren ein bisschen was zu Dumbledores Hintergrund, hören das erste Mal den Namen Gellert Grindelwald, der ein enger Freund von Dumbledore war und weiß, wo sich eines der Heiligtümer des Todes befindet. Oh ja, wir erfahren auch, was die Heiligtümer des Todes sind – als Zeichentrick. Eine interessante Geschichte… aber es ist nur ein kleiner Appetit-Happen von vielen. Auf Dumbledores Geschichte wird auch nicht groß weiter eingegangen. Ich habe mich ja bisher immer beschwert, dass ich zu wenig von den Hintergrundgeschichten mitbekommen habe, aber selbst dieser erste Teil des Finales kann das nicht wirklich ausgleichen. Man erfährt zwar endlich sehr viel mehr als sonst, aber so wirklich viel ist es dann leider auch wieder nicht (zumal man Voldemort jetzt ja seit dem ersten Teil als Big Bad aufgebaut hat)

Auch darstellerisch sticht in „Die Heiligtümer des Todes – Teil 1“ jetzt niemand besonders hervor. Vielleicht noch Rupert Grint, der unter dem Einfluss des Horkrux zu einem grimmigen, eifersüchtigen Ron Weasley wird, aber das war’s dann auch schon. Daniel Radcliffe ist halt Daniel Radcliffe, bei Emma Watson ist es genau das Gleiche. Die Beziehung zwischen ihr und Harry wird noch einmal ein wenig weiter ausgebaut, aber auch nicht wirklich so stark, dass es irgendetwas ändern würde. Harry Potter ist in Hermines Friendzone gefangen. Aber hey, dafür hat er ja Ginny, die ihm hier sogar die Schuhe zubinden und ehrwürdig vor ihm auf die Knie geht. Wenn das keine gute potenzielle Hausfrau ist, dann weiß ich auch nicht 😉 (Sorry, aber die Szene war wirklich äußerst skurril und merkwürdig und komplett sinnfrei).

Naja, „Heiligtümer des Todes“ hat als Prototyp für die Zweiteilung eines Finales mehr oder weniger alle Fehler so einer Zweiteilung enthalten. Es kommt zu kaum wirklich erwähnenswerten Entwicklungen, es wird noch einmal versucht, mehr auf die Charaktere zu gehen, es wird noch einmal ein wenig mehr zu Hintergrund-Geschichte erwähnt… und es wird tunlichst darauf geachtet, nicht zu viel große Action zu bieten, damit man auch noch was für einen riesigen finalen Knall im zweiten Teil hat. Ich hoffe einfach nur, dass Teil 2 dann auch wirklich ein zufriedenstellendes Ende liefert. Da will ich dann wirklich ein episches Aufeinandertreffen zwischen Voldemort und Harry, den Kampf um Leben und Tod. Mal schauen, was kommen wird.

Wertung: 6,5 von 10 Punkten (der lange Prolog zum Finale)