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Vampir-WG

27. Oktober 2017

Kevin Feige lässt für die Marvel-Filme ja immer die unterschiedlichsten Regisseure vor die Kamera. Regisseure, von denen man nicht unbedingt meinen möchte, sie wären gemacht für die große Superhelden-Maschinerie, in der Millionen von Dollar ausgegeben werden, damit Typen in Kostümen vor Green Screen durch die Luft fliegen. Das ging in Phase 1 los, als ein Shakespeare-Regisseur namens Kenneth Branagh das erste Thor-Abenteuer drehte, das geht bis heute weiter, wenn ein Horror-Regisseur einen Marvel-Zauberer zum Leben erweckt oder demnächst ein mir unbekannter neuseeländischer Regisseur „Thor 3“ in die Kinos bringt. Ich muss ja gestehen, ich musste schmunzeln, als ich das erste Mal den Namen Taika Waititi hörte – ja, ich bin noch infantil genug, um das Titi am Ende des Namens schmunzeln zu können (und nein, so richtig tut es mir nicht Leid, aber ich hoffe, ihr könnt mir das trotzdem verzeihen). Doch bevor ich „Thor 3“ gucken gehen würde, wollte ich wissen, wer dieser Waititi ist. Und ein sehr beliebter Film von ihm scheint „5 Zimmer Küche Sarg“ zu sein.

Ein Kamera-Team dreht eine Dokumentation in einer Vampir-WG. Da hätten wir den quirligen Dandy Viago (Taika Waititi selbst), den alten, adligen Vladislav (Jemaine Clement), den jüngsten, Deacon (Jonathan Brugh) und Petyr (Ben Fransham), der sehr stark an Grafen aus „Nosferatu“ erinnert – eine WG, nicht ohne Schwierigkeiten, wie es ja in WGs so üblich ist. Doch dann kommen auch noch Probleme mit Menschen dazu, Werwölfen und womit man sonst so als Vampir in der modernen Zeit konfrontiert wird.

Gruppenfoto mit Biss

Ich mag Mockumentaries – und Taika Waititi hat mit „5 Zimmer Küche Sarg“ definitiv eine sehr sehenswerte gedreht. Jedes Vampir-Klischee wird auf liebevolle Art und Weise aufs Korn genommen. Das Schöne an dem Film ist, wie diese Klischees als normale Alltagsprobleme dargestellt werden: Zum Beispiel, wenn die mal in den Club gehen wollen, aber nur reinkönnen, wenn sie tatsächlich jemand einlädt, einzutreten. Oder wenn es so ein Problem damit gibt, das passende Outfit zu finden, weil man sich ja als Vampir selbst nicht im Spiegel sehen kann. Oder wie man eben versucht, Nahrung zu finden, ohne dabei die Wohnung zu versauen. „5 Zimmer Küche Sarg“ präsentiert uns den Vampir als ganz normalen… naja, Menschen kann man ja nicht sagen, aber eigentlich genau all das.

Das funktioniert, weil die Darsteller allesamt wirklich gut miteinander harmonieren und diese fast schon kindliche Naivität an den Tag legen, wenn es um Neuerungen geht. Ich habe mich zum Beispiel halb kaputt gelacht, als die das erste Mal Internet bekommen und sich auf youTube einen Sonnenuntergang anschauen. Der Humor ist zwar an manchen Stellen etwas eigen, aber durchweg sehr sympathisch. Aber wie gesagt, eben auch, weil die Darsteller so gut funktionieren. Taika Waitit als Schirmherr der WG ist einfach nur spitze, er hatte genau die passende Art für diesen Dandy-Vampir – ein bisschen schräg, liebenswert, eitel. Aber auch die anderen Darsteller passten wie – ja, wie Arsch auf Eimer.

Ich muss auch gestehen, dass ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht erwartet hätte, dass der Film so gut aussehen würde. Anfangs sehen die schwebenden Vampire ein bisschen albern aus. Als könnte man die Seile sehen, wenn man nur auf Pause drücken würde. Doch so mit der Zeit passt es zum Film, aber die Effekte an sich werden besser – und auch blutiger. Wie gesagt, ich weiß nicht, warum ich Low-Budget und simpel erwartet habe, aber „5 Zimmer Küche Sarg“ sieht wirklich gut aus. Oder manchmal auch einfach nur eklig – aber was so ein einziger Pommes bei einem Vampir ausmachen kann, ist schon ziemlich krass 😉

„5 Zimmer Küche Sarg“ ist ein herrlich alberner Film, aber dabei so konsequent und überdreht, dass man einfach nur Spaß damit haben muss. Es ist eine wunderbar absurde Vampir-Komödie, die gekonnt mit alten Klischees spielt und daraus trotzdem etwas Eigenes macht. Die Vampir-WG ist einfach nur kultig – und ja, ich bin jetzt tatsächlich ein bisschen gespannt darauf, was Mr. Waititi aus „Thor 3“ machen wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten (jetzt wissen wir, warum Graf Dracula allein lebte)

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Ein letzter Kampf

25. Oktober 2017

Als ich vor einiger Zeit mit der „Rocky“-Reihe angefangen habe, habe ich nicht sonderlich viel erwartet. Ich bin nicht der größte Sport-Film-Fan, weswegen ich „Rocky“ eigentlich auch nur geguckt habe, weil es so ein Film-Klassiker ist. Doch mit der Zeit wurde ich mehr und mehr Fan der Reihe – und selbst der von vielen verhasste „Rocky V“ hatte in meinen Augen viel Gutes (aber auch einiges, das einfach nicht mehr „Rocky“ war). Jetzt komme ich also zum letzten Teil, ein Film, der 16 Jahre nach „Rocky V“ entstand und den Stallone selbst nur gemacht hat, weil er sich für den fünften Teil schämte. Doch wie gut kann ein Film sein, der nach so langer Zeit versucht, einem großen Franchise ein Ende zu geben? Die Antwort: So gut, dass er für mich zum zweitbesten Film der Reihe zählt.

„Rocky Balboa“ zeigt uns einen gealterten Rocky (Sylvester Stallone): seine Frau Adrian (Talia Shire) ist gestorben, zu seinem Sohn Robert (Milo Ventimiglia) hat er kein gutes Verhältnis, den Box-Sport hat er an den Nagel gehängt und unterhält nur noch die Gäste in seinem kleinen Restaurant „Adrian’s“ mit Geschichten von damals. Während dessen hat der neue Box-Champion Mason Dixon (Antonio Tarver) ganz andere Probleme: Er wird nicht mehr ernst genommen und in einer Computer-Simulation eines Kampfes zwischen ihm und Rocky wird Rocky zum Sieger gewählt. Für Dixons PR-Leute ein gefundenes Fressen: ein richtiger Kampf zwischen Dixon und Rocky soll zeigen, wer der wahre Champion ist.

The Eye of the Tiger is still sparkling…

Stallone hat ja für das Spin-Off „Creed“ eine Oscar-Nominierung bekommen, doch meiner Meinung nach hätte er schon für „Rocky Balboa“ einen Preis verdient. Wow, ich war wirklich nicht auf diesen Film vorbereitet. Ein Film, der 16 Jahre nach dem eigentlichen Ende kommt und dennoch so perfekt das Gefühl von „Rocky“ einfängt, hätte ich nicht mehr für möglich gehalten. Aber man merkt irgendwie in jeder Szene, dass Stallone es noch einmal richtig machen wollte.

„Rocky Balboa“ ist so ein wunderschöner Abschieds- und Liebesbrief an „Rocky“ selbst. Allein für Talia Shire, die aus vertraglichen Gründen wohl nicht mehr mitmachen konnte, findet Stallone so viele kleine, sanfte Momente, um an ihre Adrian zu erinnern. Mit viel Liebe kehrt Stallone zu jedem wichtigen Ort des Originals zurück und würdigt jede ikonische Szene – besonders zu Beginn, wenn sich Rocky am Todestag seiner Frau an Begegnungen mit ihr erinnert, war einfach so rührend – und so großartig von Stallone gespielt.

Dass ist ja auch was, was ich so richtig erst durch „Creed“ gelernt habe: Hinter den ganzen Muskeln steckt doch ein verdammt guter Schauspieler und in „Rocky Balboa“ lässt Stallone das alles so richtig raus. Die ersten zwei Drittel des Films beschäftigt sich Stallone nur mit Rocky und seinen Sorgen: der altgewordene Boxer muss einen Weg finden, mit dem Alt-Werden klar zu kommen, mit gewissen Dingen abzuschließen und seinen Platz in dieser veränderten Welt zu finden. Ich mochte sehr die ganze Geschichte mit seinem Sohn, selbst Burt Young als Paulie war wunderbar. In diesem Film hatte ich tatsächlich das erste Mal Mitleid mit Paulie, der ja sonst immer ein echt ekliger Charakter war. Ganz besonders schön fand ich aber die Beziehung zwischen Rocky und Marie (Geraldine Hughes), die Rocky vor 30 Jahren als junges Mädchen in seinem Viertel getroffen hatte (und an die Szene aus dem ersten Teil konnte ich mich sogar noch gut erinnern). Das war von Stallone auch unglaublich rührend und sanft in Szene gesetzt, dieser Beginn einer Freundschaft, die für Rocky so wichtig ist. Unglaublich gut.

„Rocky Balboa“ ist mehr Drama als Boxer-Sport-Film, „Rocky Balboa“ ist mehr Hommage an „Rocky“ als alles andere – und das ist so gut gemacht. Doch irgendwann kommt in „Rocky Balboa“ auch das Kämpfen dran. Und dann ertönt der Rocky-Theme und die Trainingsmontage setzt ein und meine Gänsehaut bekam Gänsehaut. Nach dem ruhigen Aufbau verabschiedet sich Stallone dann mit einem riesigen Knall und einem letzten großen Kampf, Der mich dann, wie fast jeder Kampf (außer halt „Rocky V“), vollends mitgenommen hat. Es ist ein unglaubliches Phänomen dieser Filme, dass selbst ich den Fernseher anschreie und mitfiebere und dabei irgendwie vergesse, dass ich nur einen Film gucke. Der Kampf Dixon-Balboa war super. Die beiden schenken sich nichts und ähnlich wie im menschlichen Teil des Films muss Rocky auch im Kampf erst so richtig zu sich finden, bevor er zur Höchstform auffahren kann.

„Rocky Balboa“ ist für mich nach dem Original-Rocky der beste Film der Reihe. Und eigentlich reicht es, wenn man nur diese beiden Filme gesehen hat – aber es ist einfach schön zu sehen, dass Stallone es geschafft hat, seinem Baby so einen schönen Abschied zu geben. Das schafft auch nicht jeder.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein alter Rocky hat es immer noch drauf)

Nie wieder ein Babysitter!

23. Oktober 2017

Es gehört ja zum guten Ton eines jeden Filmbloggers dazu, im Oktober vermehrt auf Horror-Filme zu setzen. Und das passt ja auch eigentlich: Draußen wird es kalt, dunkel und ungemütlich – perfekt, um sich mit ein oder zwei guten Horror-Filmen, die Zeit zu vertreiben. Problem ist nur: Finde mal erst mal einen guten Horror-Film. Ich habe meine Hoffnung mal wieder auf Netflix gesetzt und mir „The Babysitter“ angeschaut, der mir empfohlen wurde und der Trailer auch tatsächlich ziemlich witzig aussah. Nur witzige Trailer halten nicht immer, was sie versprechen – sonst wären sie ja auch nicht Trailer.

Cole (Judah Lewis) ist zwar schon 12, seine Eltern bestehen aber trotzdem noch auf einen Babysitter. Was zum Glück für Cole nicht so schlimm ist, denn seine Babysitterin Bee (Samara Weaving – ja, Hugo Weaving ist ihr Onkel) ist heiß. Und sie ist nicht nur heiß, sondern auch noch ein kleiner Nerd, die mit Cole alte Filme guckt und sich über Sci-Fi unterhält. Doch nachdem sie Cole ins Bett gebracht hat, tauchen ihre Freunde auf: Statt wilder Party wollen sie aber lieber ein Menschenopfer bringen, töten erst einen Neuling in der Gruppe, um dann Jagd auf Cole zu machen.

Babysitter-Avengers

Regisseur McG dürfte wohl den meisten wegen der „Charlies‘ Angels“-Filme oder „Terminator Salvation“ ein Begriff sein. Jetzt macht er also für Netflix eine Horror-Komödie und kommt damit leider überhaupt nicht klar. Was extrem schade ist, hat er doch coole Ansätze, die aber einfach im Sand versinken. So bekommt Cole zum Beispiel so kleine Einspieler oder Text-Tafeln, wenn ihn etwas begeistert oder umhaut – halt so ein bisschen wie in „Scott Pilgrim“. Nur weiß ein Edgar Wright wie man mit solchen Spielereien umgeht und McG überhaupt nicht (weswegen sie irgendwann einfach wegfallen und die, die da waren, nur noch merkwürdiger wirken). Aber gut, das hätte man noch verschmerzen können, wenn der Rest des Films gut gewesen wäre.

Der Anfang ist auch tatsächlich noch ganz okay, was vor allem daran liegt, dass Judah Lewis wirklich gut spielt und mit Samara Weaving wirklich gut funktioniert. Die beiden haben eine schöne Chemie und man kann es ihm nicht verübeln, dass er sich in diese Frau verliebt. Doch all das kippt dann ganz schnell und wir befinden uns in „The Babysitter“, der vermeintlichen Horror-Komödie. Die leider ziemlich vorhersehbar wird und sich in kleine, unspannende Episoden aufteilt, in denen jeder von Bees Freunden versucht, Cole zu fangen. Die werden dann so einer nach dem anderen abgefrühstückt – zwar auf blutige, aber irgendwie auch dämliche Art und Weise.

Was ich mich allerdings die ganze Zeit bei diesem Film gefragt habe, ist folgendes: Cole lebt in einer netten Straße voller schmucker Einfamilienhäuser. Es ist Freitag- oder Samstag-Abend und scheinbar ist die komplette Straße einfach mal leer gefegt. Da kommt zwischendurch die Polizei mit Sirenen, da wird Coles halber Keller von ihm in die Luft gesprengt, da rennt er lauthals schreiend durch den Garten – und kein Mensch hört ihn??? Nirgends geht auch nur mal ein Licht an? Und ganz ehrlich, jeder Horror-Film, der mich so zum Denken bringt, hat schon verloren. Das passiert leider in „The Babysitter“ sehr, sehr früh und hört dann auch einfach nicht mehr auf.

Aber wie gesagt, am schlimmsten fand ich diese Einzel-Episoden, die vor Dummheit nur so strotzen und in denen jeder einzelne von Bees Freunden auf die dämmlichste Art und Weise umgebracht wird. „The Babysitter“ versucht verzweifelt witzig zu sein und mit Klischees zu spielen, aber warum, warum bitte, ist zum Beispiel das Haus von Coles Familie im Keller voller Taranteln und Ratten??? Einfach nur, damit es ein bisschen widerlicher ist, wenn Cole sich da unten verstecken muss? Für Leute mit Geld, die in so einem Haus leben, sollte ein Fachmann das doch mal eben schnell wegmachen können. Es gibt noch so einige solcher Beispiele, die verdeutlichen, dass „The Babysitter“ eigentlich schon am Drehbuch hätte scheitern müssen. Da helfen auch gute Darsteller nicht wirklich weiter.

Also an alle Horror-Fans: „The Babysitter“ könnt ihr getrost übergehen. Das ist einfach nur ein Beweis, dass nicht alles bei Netflix sofort zu Gold wird. Bei all den guten Sachen müssen halt auch ein paar schwarze Schafe dabei sein 😉

Wertung: 4 von 10 Punkten (gute Darsteller in einem vorhersehbaren Film, der nie so richtig zündet)

Betelgeuse

20. Oktober 2017

Achtung, ich komme mal wieder zum Thema filmische Bildungslücke: Ich dachte ja bislang, dass ich mich in Sachen Tim Burton ganz gut auskenne – zumindest, was die alten Sachen angeht, von den neueren Filmen habe ich sehr viele gar nicht mehr gesehen. Irgendwie war da für mich spätestens mit „Alice im Wunderland“ ein bisschen der Reiz verflogen. Doch ein Tim Burton war ja mal gut… doch es gab da immer einen Film, den ich bis dato noch nicht gesehen hatte: „Beetlejuice“. Ich kannte die Zeichentrick-Serie und ich kannte halt das schräge Outfit von Michael Keaton als Beetlejuice. Doch worum es so wirklich ging und was das für ein Film war, war mir nicht bewusst. Zum Glück habe ich gute Freunde, die ich mit solchen Aussagen genug schockieren kann, dass sie mich direkt zu meinem Glück zwingen und vor den Fernseher setzen. Und oh Mann… was für ein Glück, dass ich endlich „Beetlejuice“ gesehen habe.

Barbara (Geena Davis) und Adam (Alec Baldwin) sterben bei einem Autounfall – allerdings wird ihnen das erst etwas später so wirklich bewusst. Als wenn das noch nicht schlimm genug wäre, ziehen auf einmal neue Leute in ihr gemütliches Haus ein und fangen an, alles umzubauen. Allerdings taugen Barbara und Adam als Spuk-Gespenster nicht wirklich viel. Nur die junge Lydia (Winona Ryder) kann die Beiden sehen, nur auch nicht wirklich helfen. Da entscheiden sich die beiden Neu-Geister dafür, einen Bio-Exorzisten namens Betelgeuse zu holen. Doch dieser Typ (Michael Keaton) ist eine absolute Katastrophe.

Michael Keatons beste Rolle 😉

Ich wusste wirklich nichts. Alles, was ich glaubte, über Tim Burtons „Beetlejuice“ zu wissen, war falsch. Ich war ja schon platt, als Barbara und Adam zu Beginn des Films sterben und dann als Geister… herumgeistern. So eine verdammt coole Idee. Ab da war ich schon hin und weg. Aber der Film hört ja dann nicht auf, einen mit tollen Ideen zu begeistern – ob nun die komischen Sandwürmer in der Parallelwelt, der Warte-Raum der Toten, Betelgeuse selbst oder oder oder… Die Tatsache, dass hier alle von Spuk Besessenen auf einmal anfangen, beim stocksteifen Essen Harry Belafontes „Day-Oh“ zu singen, ist einfach nur das Beste, was ich seit langem in einem Film über Geister gesehen habe. Ich habe mich gar nicht mehr einkriegen können vor Lachen.

„Beetlejuice“ ist einfach so ein wunderbarer Film, der nonstop gute und clevere Ideen liefert, konstant einfach nur Spaß macht und durch seine tollen Charaktere zu jeder Minute perfekte Unterhaltung liefert. Burton lässt dieser absurden Story einfach freien Lauf. Ich meine, wie kommt man dazu, den kompletten Soundtrack mit Harry Belafonte zu bestücken? Klingt herrlich albern, passt so perfekt zu diesem Film. Der ist so albern und dabei so perfekt. So schräg und so verdammt unterhaltsam.

Alec Baldwin und Geena Davis sind so wunderbar unbeholfene Neu-Geister, da macht es einfach Spaß, mit ihnen zusammen diese neuartige Situation auszutesten. Ich konnte es immer gar nicht abwarten zu sehen, was die beiden als nächstes machen. Und dann kommt irgendwann dieser Michael Keaton dazu: Er hat nicht viel Spielzeit in diesem Film, aber wie jeder großartige „Antagonist“ nutzt er die wenige Zeit perfekt aus. Keaton ist großartig, Keaton dreht einfach komplett durch, Keaton ist ein wunderbarer Querulant, ein charmant-hinterhältiger Quälgeist.

Ich kann nicht mehr viel zu „Beetlejuice“ sagen – außer, dass ich diesen Film definitiv öfter gucken werde und dass ich ihn in meiner Liste von Lieblings-Tim-Burton-Filmen auf den ersten Platz setzen werde. „Beetlejuice“ ist wirklich der perfekte Geister-Film zum Lachen – mit wundervollen Darstellern und Charakteren, verrückten Welten und wilden Ideen. Dass ich den Film nicht schon früher gesehen habe, ist wirklich ein Skandal.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein toller Burton – einfach nur großartig)

Feuer und Eis

18. Oktober 2017

Ist das jetzt nur noch reiner Fan-Service oder ist das noch eine spannende Serie, die mit einer starken Story punkten kann? Das ist gefühlt die große Diskussion, die sich rund um die siebte Staffel von „Game Of Thrones“ dreht. Mittlerweile hat sich die Serie ja sehr weit von den Büchern entfernt (und ich frage mich immer noch, ob George R.R. Martin es noch jemals fertig bringen wird, seine Version dieser Geschichte zu Ende zu erzählen), die Macher stehen schon lange allein da und müssen sich selbst Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Das war auch so ein bisschen mein Problem mit der sechsten Staffel: Es war viel Bombast, aber wenig von dem, was die Serie anfangs noch ausgemacht hatte. Kann Staffel 7 das ändern oder ist es wirklich nur noch Fan-Service?

Sechs Staffeln hat sie gebraucht, jetzt ist sie endlich in Westeros angekommen: Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) ist mit ihren Drachen, ihren Armeen und ihrem Berater Tyrion (Peter Dinklage) auf dem Kontinent angekommen und will Cersei (Lena Headey) nun endlich den Eisernen Thron streitig machen. Die hat aber nicht vor ihren Platz aufzugeben und hat sogar – neben ihrem Bruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) – einen weiteren Mann, der um ihre Gunst buhlt und sich wild ins Kampfgetümmel für sie stürzt: Euron Greyjoy (Pilou Asbaek). Doch leider gehen Danys Kriegspläne alle nicht so wirklich auf, weil sich Cersei doch als die schlauere Strategin erweist. Und als wenn das nicht schlimm genug wäre, taucht der König aus dem Norden plötzlich bei ihr auf und will ihre Hilfe: Jon Snow (Kit Harrington) warnt vor der Gefahr der White Walker, die unerbittlich auf die Mauer im Norden zu steuern und eine tödliche Bedrohung für ganz Westeros darstellen.

Dany and Jon sitting in a tree…

Ja, „Game Of Thrones“ war schon viel Fan-Service, besonders das Treffen zwischen Dany und Jon. Aber ganz ehrlich, darauf wurde doch nun schon seit gefühlten Ewigkeiten drauf hingearbeitet. Also ist es doch nicht nur bloßer Fan-Service, sondern einfach auch die natürliche Entwicklung der Geschichte. Ich glaube das Problem bei „Game Of Thrones“ ist einfach die Tatsache, dass diese Serie so überanalysiert wird und so viele Theorien aufgestellt werden (von denen sich die Macher sicherlich die ein oder andere zu Herzen nehmen), dass uns nichts mehr so wirklich überraschen kann und die Serie in vielerlei Hinsicht vielleicht ein bisschen vorhersehbar geworden ist. Natürlich fehlt jetzt auch das breit gefächerte Spektrum der Charaktere – wir wandern nicht mehr vom Süden in den Norden, von Westeros nach Essos und wieder zurück. In Staffel 7 sind alle versammelt und das nimmt natürlich ein bisschen von den Interaktionen weg. Jetzt, wo alle auf einem Haufen hocken, kommt nicht mehr unbedingt jeder wirklich gut zur Geltung: Vor allem Peter Dinklage hat viel unter dieser Situation zu leiden, da er in dieser Staffel echt in die zweite Reihe geschoben wurde.

Was auch daran lag, dass sein Tyrion sich in dieser Staffel als absolut merkwürdiger Stratege erweist. Erst kann er nicht einmal mehr seine eigene Schwester durchschauen, obwohl er das sonst immer so hervorragend konnte – und dann hat er die dümmste Idee aller Zeiten und schickt Jon Snow in einer „Suicide Squad“-Aktion hinter die Mauer, um einen Untoten zu fangen. Also wer sich diesen Plan unter den Drehbuchautoren ausgedacht hat, gehört auch hinter die Mauer. Allgemein waren viele Dinge etwas merkwürdig – auch die ganze Sache mit Arya (Maisie Williams), Sansa (Sophie Turner) und Peter Baelish (Aiden Gillen) in Winterfell wirkte nicht wirklich durchdacht. Da haben sich die Macher zu sehr darauf verlassen, dass ein paar geheimnisvolle Blicke für eine gute Story ausreichen. Besonders dieser Aspekt war mir viel zu flach. Am Ende zwar auch sehr überraschend, aber trotzdem flach.

Aber mal abgesehen von der etwas schwachen Story hatte „Game Of Thrones“ Staffel 7 ein paar wirklich eindrucksvolle Bilder: Danys Drachenangriff gegen die Lannister-Armee war einfach nur wow. Danys Drachenangriff gegen die White-Walker-Armee war ebenfalls einfach nur wow. Wenn die siebte Staffel etwas perfektioniert hat, dann ist es das große Spektakel. Hier beweist sich nach wie vor, dass „Game Of Thrones“ immer noch zu den ganz großen Serien gehört. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich das Spektakel nicht total feiere, aber ein bisschen mehr Charakter-Bildung hätte ich an einigen Stellen trotzdem gut gefunden. Aber immerhin enttäuschte Lena Headey als Cersei nicht, die einfach so wunderbar intrigant und hinterhältig wird. Sie ist für mich das absolute Highlight der Staffel und insgeheim hoffe ich mittlerweile, dass sie am Ende den Thron einfach behält – oder zumindest mit einem großen heftigen Knall aus dieser Serie geht.

Staffel 7 von „Game Of Thrones“ liefert eigentlich alles, was man sich nur wünschen kann. Dadurch, dass die Staffel jetzt auch nur noch 7 Folgen hatte, erspart man uns unnötige Füller-Episoden. Die Handlung wird in einem rasanten Tempo vorangepeitscht – das ist gut und auch wieder nicht so gut, wenn man bedenkt, dass „Game Of Thrones“ auch mal für spannende Intrigen und all das stand. Aber gut, dafür ist einfach keine Zeit mehr.

Jetzt heißt es gespannt darauf warten, wie das alles enden wird. Staffel 7 macht auf jeden Fall nach wie vor Bock auf mehr – auch wenn sich die Serie schon sehr zu einer Action-Bombast-Serie gewandelt hat.

Wertung: 8 von 10 Punkten (großes Spektakel, weniger Intrigen, schnelleres Tempo und guter Fan-Service – alles in allem sehenswerte GoT-Unterhaltung)

Ans Bett gefesselt

16. Oktober 2017

Stephen King hat ja im Moment echt einen guten Lauf. Die Verfilmung von „Es“, die ich zu meiner Schande immer noch nicht gesehen habe, sprengt ja alle Rekorde für einen Kino-Horror-Film und übertrifft die Erwartungen bei weitem. Doch da ist ja noch lange Schluss: gefühlt sind mindestens 30-40 weitere Verfilmungen in Planung – ob nun in Serien-Form oder als Film. King kann sich echt nicht beschweren. Als Zuschauer dagegen weiß man schon gar nicht mehr, wo man überhaupt anfangen soll. Ich muss sagen, am gespanntesten warte ich tatsächlich auf die von J.J. Abrams produzierte Serie „Castle Rock“ – der erste Trailer sah wirklich sehr viel versprechend aus. Doch widmen wir uns jetzt erst mal einem aktuellen King-Film – einem, von dem ich dachte, er würde ins Kino kommen, bis er mir auf einmal bei Netflix vorgeschlagen wurde: „Das Spiel“ oder auch „Gerald’s Game“.

Der Anwalt Gerald (Bruce Greenwood) und seine Frau Jessie (Carla Gugino) wollen einem romantischen Kurztrip machen, um die Liebe wieder ein bisschen aufleben zu lassen – was für Gerald bedeutet, dass er die Handschellen einpackt. Mitten im romantischen Nirgendwo angekommen, wird Jessie von ihrem Mann auch mit diesen Handschellen ans Bett gefesselt, doch bevor irgendwas richtig losgehen kann, bekommt Gerald plötzlich einen Herzinfarkt und stirbt. Jessie ist ohne Aussicht auf Hilfe ans Bett gefesselt – und muss sich bald mit einem hungrigen Hund auseinander setzen und den Hirngespinsten, die sich ihr Gehirn vorgaukelt.

Die sexy Variante von 127 Hours

Ich kannte den Roman von King nicht einmal, und dabei dachte ich, ich hätte zumindest Kings alte Werke so ziemlich alle durchgelesen. Aber gut, wahrscheinlich war mir das vom Buchrücken-Text damals einfach nicht Horror genug, um es anzufassen. Dann also wenigstens jetzt als Film… der so seine Höhen und Tiefen hat.

Zu den Höhen gehört eindeutig eine umwerfend aufspielende Carla Gugino. Wir reden hier immerhin von einer Art Kammerspiel-Drama, in dem sie die ganze Handlung trägt. Das erinnert von der Grundsituation ein bisschen an „127 Hours“ und so ähnlich zieht es Regisseur Mike Flanagan auch auf: Gefesselt ans Bett hat Jessie halt nur sich selbst, um sich zu beschäftigen. Und so tauchen bald ihr toter Mann und sie selbst an ihrem Bett auf und reden mit ihr. Das alles funktioniert super – da wird dann post mortem Paar-Therapie betrieben und da wird ein bisschen in sehr alten Wunden gebohrt, die Jessie jetzt verarbeiten muss, weil sie sich dem Tod entgegen sieht. Gugino steht hier voll und ganz im Mittelpunkt und meistert diese Aufgabe wirklich verdammt gut. Überhaupt ist der Anfang von „Das Spiel“ wirklich durchaus sehenswert.

Doch der Film hat ein schwerwiegendes Problem: Er baut ein gutes Drama auf – und versaut es sich dann durch eine einzige Szene. Problem dabei ist, dass jeder, der diesen Film gesehen hat, nur noch an diese eine Szene denken wird. Selbst wenn der Film schon lange in Vergessenheit geraten ist, wird diese eine Szene in Erinnerung bleiben. Und dabei hätte der Film diese Szene in der Krassheit, in der Widerlichkeit gar nicht gebraucht. Aber sie ist halt da und sie ist widerlich genug, dass ich sie mir nur unter vorgehaltenen Händen anschauen konnte und dabei laut gequiekt habe, weil sie wirklich hart an der Grenze war. Da konnte man ja selbst den hungrigen Hund und seine Fressattacken an Geralds toten Körper noch besser ertragen. Aber diese eine Szene bleibt halt wirklich hängen – und macht das ganze Drama mit einem Mal extrem schnell vergessen.

Als wenn das nicht reichen würde, folgt dann aber noch ein letzter Akt mit einer etwas merkwürdig angefügt wirkenden Story. Ich habe mir von Wikipedias Artikel zu Kings Buch sagen lassen, dass die Story da auch so ist, aber sie passt dann einfach nicht mehr zum Rest des Films. So richtig hat Mike Flanagan nicht das Feeling für diese Geschichte gefunden – oder King hat sie damals nicht gefunden, wer weiß das schon so genau. Für die Verfilmung hätte ich mir aber an Flanagans Stelle das letzte Drittel des Films komplett gespart.

Alles in allem ist „Das Spiel“ okay… kann man sich mal anschauen, wenn man wirklich nichts besseres vor hat, aber selbst dann findet man auf Netflix bestimmt noch was besseres. Carla Gugino ist toll, der Anfang ist es auch… alles andere hätte nicht sein müssen. Da wäre eine lose Adaption vielleicht doch besser gewesen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (also ab jetzt dann doch lieber Plastik-Handschellen fürs Bett)

Kurze Pause

9. Oktober 2017

Hallo ihr Lieben,

es fällt mir schwer, aber ich muss eine kurze Pause einlegen. Das liegt vor allem daran, dass ich in letzter Zeit auf Grund einer neuen Liebe in meinem Leben nicht dazu gekommen bin, Filme oder Serien zu gucken. Dementsprechend habe ich in den letzten Wochen all meine Reserven an Kritiken aufgebraucht und stehe jetzt nach langer Zeit ohne irgendwas da.

Deswegen also die kleine Pause. Nächste Woche geht’s aber definitiv weiter! Ab dann werde ich auch wieder mehr Zeit dafür haben, eure Artikel zu lesen, die ich genau so schmerzlich ignoriert habe wie meine eigenen.

Bis nächste Woche!!!

Euer Don

Die Schwester der Agentin

6. Oktober 2017

Wir müssen mal wieder über das Intro von „Alias“ reden. Von Staffel 1 bis 3 gab’s ja nur den Schriftzug auf schwarzem Hintergrund zu grölender Techno-Musik. Für Staffel 4 haben sich die Macher dann mal was ganz Neues ausgedacht: Die Techno-Musik bleibt, dafür zeigen wir aber jede Menge Bilder von einer heißen Jennifer Garner in knappen Outfits, die sie ja so häufig für ihre Missionen tragen muss. Und als wenn das noch nicht reichen würde, um diese Serie mega krass zu über-sexualisieren, „verstecken“ wir hinter der Techno-Musik noch das Gestöhne einer Frau. Da fragt man sich doch, warum wurde diese Entscheidung getroffen. Nur vom Intro her wirkt die Serie nun extrem billig – obwohl sie da ja nicht allein steht. Joss Whedons „Dollhouse“ hatte ja immer ein ähnliches Problem: das Intro war auch immer so super-sexy auf Eliza Dushku geprägt, spiegelt aber nicht so wirklich die Serie wieder. Also J.J., Intros sind nach wie vor nicht so dein Fall und warum Staffel 4 nun ein neues brauchte, werde ich nie verstehen.

Aber Staffel 4 von „Alias“ macht ja vieles Neu: In Staffel 3 haben wir ja erfahren, dass Sidney (Jennifer Garner) eine Schwester namens Nadia (Mia Maestro) hat, die allerdings aus der Affäre zwischen Sidneys Mutter und Sloane (Ron Rifkin) entstanden ist. Und wir wissen auch, dass sie ebenfalls mit der Prophezeiung von Rambaldi zu tun hat. In Staffel 4 arbeiten ist das aber erst zum Ende hin wieder wichtig. Vorher arbeiten alle fröhlich in einer neuen CIA-Black-Ops-Abteilung namens APO zusammen… und jagen wieder die Bösen dieser Welt.

Stillleben mit Action

Die vierte Staffel „Alias“ ist ein krasser Schritt zurück. Nach all den Ereignissen in Staffel 2 und 3 fühlt sich die vierte Staffel an, als würde man ein Reboot der Serie starten – ohne das man es so nennt. Dazu wird dann das Charakter-Gefüge noch einmal neu strukturiert: alle arbeiten jetzt eigentlich irgendwie wieder für Sloane (wie damals bei SD-6), nur arbeiten sie jetzt scheinbar wirklich alle für die Guten. Dazu kommt dann halt noch Neu-Mitglied Nadia, die so ein bisschen mit Agent Eric Weiss (Greg Grunberg) anbändelt, was immerhin ihm die Möglichkeit gibt, ein bisschen mehr als nur der beste Freund von Michael Vaughn (Michael Vartan) zu sein. Für Grunberg hat mich diese neue Struktur noch gefreut, für den Rest eher nicht so.

Die Serie kehrt wieder extrem zu diesem Fall-der-Woche-Prinzip zurück und wirkt dadurch sehr schwerfällig. Ich hatte mich an eine übergeordnete Handlung schon so gewöhnt und dann das. Natürlich wird zwischendurch auch mal wieder Sloane beschuldigt, ein doppeltes Spiel zu führen, bla bla bla… so richtig fehlt der Serie in ihrer vierten Staffel der Wumms. Die Story plätschert so müde dahin und konzentriert sich noch viel mehr auf seine Soap-Opera-Aspekte, was die Vorhersehbarkeit der einzelnen Geschichten nur noch erhöht. Da tauchen dann auch wieder die Schwestern von Sidneys Mutter auf, da offenbart sich Jack Bristow (Victor Garber) als Mörder von Sidneys Mutter – und man weiß nach vier Staffeln sofort, dass das alles nur Gerede ist und am Ende doch wieder der Super-Plottwist um die Ecke kommt, um uns doch noch was anderes zu erzählen.

Wenn diese ganzen einzelnen Charakter-Geschichten wenigstens gut zusammengepasst hätten, hätte ich ja kein Problem gehabt. Aber so dieses neue „Alias“ gefiel mir so gar nicht. Es war einfach langweilig. Statt sich weiter zu entwickeln, wird dieser Schritt zurück gemacht – und der gute David Anders bekommt als Julian Sark gerade mal einen poppeligen Gast-Auftritt in einer Folge.

Es folgt dann zwar zum Ende der Versuch, das Ganze wieder ein bisschen mehr mit Rambaldi und Co. in Verbindung zu bringen, mutiert dann aber zum spektakulär unspektakulärstem Serien-Finale der Serie. Da will man uns die Gefahr der Apokalypse vorgaukeln, aber es funktionierte einfach nicht. „Alias“ ist einfach zu vorhersehbar geworden – selbst der letzte Twist mit Vaughn im Auto und seinem Geheimnis hat da nicht wirklich viel weiter geholfen.

Ich hoffe einfach mal, dass sich das in Staffel 5 wieder ein bisschen legt und ich vor allem ein zufriedenstellendes Finale zu der ganzen Rambaldi-Nummer bekomme, denn Staffel 4 war wirklich einfach mal nichts. Ich habe mich elendig gequält, die zu Ende zu schauen. Aber gut, wahrscheinlich war der gute Onkel Abrams zu diesem Zeitpunkt schon zu sehr mit „LOST“ beschäftigt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (es ist ein langweiliges Reboot der Serie, die so einen „Neustart“ gar nicht gebraucht hätte)

Kopfüber

4. Oktober 2017

2012 kam der Film „Upside Down“ in die Kinos und die Trailer sahen echt toll aus. Da ging es irgendwie darum, dass es zwei Welten gab, die dicht beieinander lagen, aber unterschiedliche Anziehungskräfte hatten. Und die eine Welt war reich, die andere arm und es war keinem gestattet, die andere Welt zu betreten – zumal die Anziehungskräfte dort eh anders waren und der „Übergesiedelte“ an der Decke hängen würde. Die Trailer sahen, wie gesagt, echt gut aus, doch die Kritiken waren ziemlich schlecht. Ein Grund, warum ich mich nie getraut habe, „Upside Down“ eine Chance zu geben. Es sei denn, jemand von Euch kann mich vom Gegenteil überzeugen… denn tatsächlich geht es mir in diesem Artikel nicht um „Upside Down“, sondern um einen Film mit einer ähnlichen Prämisse, der aber tatsächlich sehr schön geworden ist: der Anime „Patema Inverted“.

„Patema Inverted“ entführt uns in eine weit entfernte Zukunft, in der das Gleichgewicht der Erde außer Kontrolle geraten ist. Vor langer Zeit versuchten Wissenschaftler, Energie aus der Gravitationskraft der Erde zu gewinnen. Das Experiment schlug fehl und kehrte die Anziehungskraft um, sodass die meisten Menschen einfach in den Himmel geschleudert wurden. Einige Menschen konnten sich jedoch retten und so entstand die Nation Aiga, die in bester „Equilibrium“-Manier das Volk beherrscht und sie vor den gefährlichen Zonen schützen will, an denen die Gravitation nach wie vor verkehrt herum ist. Doch genau aus solch einer Zone fällt die junge Patema, Angehörige eines Volkes, das unter der Erde lebt und immer noch einer „falschen“ Gravitation ausgesetzt ist. In Aiga trifft sie auf den Jungen Eiji, der sie Patema vor den Schergen des Regimes schützen muss und die Wahrheit hinter Aiga dabei erkennt.

Spider-Man-Umarmung ohne Netz

„Patema Inverted“ ist ein wirklich spannender Anime, der sich dieser verrückten verdrehten Schwerkraft vollkommen unterwirft. Gerade zu Beginn des Films, wenn sich Patema und Eiji das erste Mal treffen, dreht sich die Kamera immer wieder, um die Perspektive des anderen deutlich zu machen. Dabei kann schon mal ein wohliges Schwindelgefühl entstehen, dass sehr gut nachvollziehen lässt, wie sich Patema in dieser verkehrten Welt fühlen muss. Sie muss Angst haben, in den Himmel zu fallen; sie muss an der Zimmer-Decke hocken und muss sich an Eiji klammern, der dadurch wiederum wie ein Astronaut fast schwerelos durch seine Welt bewegen kann. Regisseur Yasuhiro Yoshiura gelingt es wirklich gut, diese Leichtigkeit in seine Bilder zu packen… was sich bei einem Zeichentrick-Film sicherlich auch besser bewerkstelligen lässt als bei einem Realfilm. Die Kamera kann sich hier wunderbar im Kreis drehen… dieser Film ist wirklich ein kleines filmisches Karussell, das Spaß macht.

Gleichzeitig ist die Geschichte rund um diese kaputte Erde unglaublich spannend, denn die wahren Ausmaße erkennt man erst mit der Zeit und selbst dann stellt einen der Film vor mehr Rätsel, die einem zusätzlich den Kopf verdrehen. Gleichzeitig erahnt man ab einem bestimmten Zeitpunkt auch des Rätsels Lösung, was dem Film aber keineswegs schadet. Denn man ist sowieso immer wieder damit beschäftigt, klarzustellen, wer jetzt eigentlich auf dem Kopf steht und wer nicht… bei allen den Kamera-Drehungen kann man da leicht mal durcheinander geraten. Aber ich schweife ab…

Die Story funktioniert vor allem wegen Patema und Eiji so gut. Es ist halt ein bisschen die klassische „Romeo und Julia“-Geschichte. Sie dürfen laut den Regeln ihrer Gesellschaften nicht zusammen sein und tun alles, um es doch möglich zu machen. Nichts neues, aber hier ganz süß gemacht und durch die verdrehte Welt um einen coolen Aspekt erweitert. Auch der böse, tyrannische Herrscher über Aiga trägt dazu bei, das man mit den beiden gut mitfiebert. Er hasst Patemas Volk, weil sie verantwortlich waren für die schlimmen Experimente und er einfach nicht loslassen kann. „Patema Inverted“ ist somit auch ein bisschen die Geschichte von dummer Sturköpfigkeit und verjährten Mutmaßungen, die erst durch eine neue Generation von Querdenkern durchbrochen werden kann.

Neben der spannenden Story, der wirklich umwerfenden Optik und der sympathischen Charaktere glänzt „Patema Inverted“ auch durch die Musik… und wenn ich einem Soundtrack tatsächlich einen Absatz widme, dann muss sie mich schon sehr beeindruckt haben. In den ruhigen Momente erinnerte mich die Musik stark an Akira Yamaoka, der die wunderbare Musik zu „Silent Hill“ komponiert hat. Und auch Komponist Michiru Oshima gelingt es, seiner Musik etwas melancholisch-schwerfälliges und gleichzeitig so extrem poetisches anzuhängen. Der Soundtrack passt sich dabei immer gekonnt den Bildern an, unterstreicht mal die Schwerelosigkeit und dann auch wieder die Auswegslosigkeit von Patema und Eiji. Es ist ein wunderschöner Soundtrack, der wunderbar zum Film passt.

„Patema Inverted“ war für mich schon eine kleine Überraschung. Ein schöner, kleiner Film mit tollen Charakteren und einer Prämisse, die schwindelerregend gut umgesetzt und ausgenutzt wurde.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ich glaube, jetzt muss ich „Upside Down“ wirklich nicht mehr sehen)

Old people moving

2. Oktober 2017

Manchmal muss man sich schon fragen, wie so einige Filmemacher ihre Filme pitchen… und dann auch tatsächlich noch Geld dafür bekommen. Am besten funktioniert das dann wohl noch, wenn man große Stars hat, die in diesem Film mitmachen wollen – egal, worum es geht. Stars sind halt für ein bisschen was immer noch gut. Doch selbst große Namen können aus dem Plot-Pitch „old people moving“ nicht besonders viel rausholen. Und leider können auch ein Morgan Freeman und eine Diane Keaton aus „Ruth & Alex“ keinen tollen Film machen.

Die Beiden wollen das Apartment verkaufen, in dem sie seit 40 Jahren gelebt haben – und müssen sich nun dem wilden Bewerber-Ansturm stellen. Also rennen haufenweise Menschen in Ruth‘ und Alex‘ Wohnung rum. Während Ruth von der ganzen Aktion ziemlich begeistert ist, hat Alex seine Zweifel.

Der kleine Dach-Garten

Das ist mehr oder weniger die ganze Geschichte. Ernsthaft. Anderthalb Stunden müssen wir Morgan Freeman und Diane Keaton dabei zusehen, wie sie ihr Apartment verkaufen wollen. Zwischendurch wollen sie dann auch noch selbst ein neues für sich kaufen, haben Probleme mit ihrem kleinen Hündchen Dorothy und müssen mit dem Markt an sich kämpfen, der durch einen vermeintlichen Terror-Anschlag ins Wanken gerät. Nur mehr gibt es leider wirklich nicht…

Man könnte den Film als kleine Kritik an Gendrifizierung sehen, doch dafür bedient sich der Film zu vieler Klischees, um einfach nur Lacher zu erzeugen. Man könnte auch versuchen, die kleinen Nebengeschichte mit der Jagd nach einem Terroristen, mit irgendwas zu bewerten. Vielleicht möchte uns der Film hier zeigen, wie schnell wir vorschnell urteilen. Nur leider funktioniert das auch nicht so richtig, weil es nie wirklich thematisiert wird. Man könnte wohl vieles versuchen, aber es würde nichts an der Tatsache ändern, dass „Ruth & Alex“ ein sehr langatmiger Film ist, der nicht wirklich etwas zu erzählen. Das größte Problem ist dabei aber, dass der Film eigentlich schon was zu erzählen hätte…

In einigen kurzen Rückblenden erleben wir die Anfänge von Ruth und Alex, wir erfahren von seinen Zweifeln als Künstler, wir erfahren von ihren Schwierigkeiten mit der eigenen Familie, weil Ruth‘ Familie nicht verstehen kann, dass sie einen Afroamerikaner geheiratet und wir erfahren auch, dass die beiden keine Kinder kriegen können. Hier wäre jetzt die Möglichkeit gewesen, die Geschichte mehr über die Rückblenden aufzuziehen und die Suche nach einem neuen Apartment nur als Rahmenhandlung zu nehmen. Doch Regisseur Richard Locraine entscheidet sich dagegen. Warum??? Keine Ahnung, vielleicht liegt es an der Roman-Vorlage von Jill Ciment. Vielleicht geht es darin wirklich nur um zwei alte Menschen, die umziehen wollen. Aber selbst dann hätte man es filmisch anders gestalten können. Um einfach auch ein bisschen mehr Tempo in die Geschichte zu bringen… denn die wirklich spannenden Momente sind die kurzen Rückblenden. Was nicht nur daran liegt, dass die Episoden faszinierende Aspekte aufweisen als der Umzug zweier alter Menschen. Auch die beiden Jungdarsteller Korey Jackson und Claire van der Bloom funktionieren gut zusammen und schaffen es in den wenigen Minuten, die der Film bei ihnen verbringt, mich mehr zu fesseln als Diane Keaton und Morgan Freeman.

Die beiden sind auch gut… und wenn sie nicht wären, würde dieser Film nur noch schnarchiger werden. Denn wenigstens stimmt die Chemie zwischen Keaton und Freeman und es macht auch ein bisschen Spaß, den beiden beim Apartment-Hunting zu zusehen. Aber letztendlich verpasst der Film seine Chance und nutzt sein Potenzial nicht. Denn „Ruth & Alex“ hätte ein Film werden können, der das Junge und das Alte miteinander verbindet, die Probleme der Jugend denen des Alters gegenüberstellt und damit vielleicht wirklich mal eine Aussage macht, die irgendwen interessiert. Dass Umziehen scheiße ist, dass alte Leute aus hippen Bezirken gedrängt werden und dass alle ein bisschen paranoid sind, das alles wussten wir doch eh schon lange.

Wertung: 4 von 10 Punkten (langweilig, langweilig… obwohl so viele Möglichkeiten da gewesen wären)