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Schwarzseherei

2. April 2018

Ich liebe diese wunderbar kurzen britischen Serien, die sich mit maximal 6 Folgen pro Staffel zufrieden geben. Eigentlich echt schlimm geworden, oder? Wenn ich überlege, dass eine ordentliche Serie früher 24 Folgen pro Staffel hatte und ich mich jetzt darüber freue, wenn ich nur noch sechs Folgen brauche, um durchzukommen, ist das ein komischer Gedanke. Die Aufmerksamkeitsspanne wird scheinbar geringer… oder vielmehr das Angebot wird so viel größer, dass es gut ist, mit kurzen Staffeln mehr Serien gucken zu können. Da passt ja „Black Mirror“ wirklich perfekt mit rein. Immerhin besteht Staffel 2 auch – wie schon Staffel 1 – nur aus drei Episoden… und als Zusatz: einer vierten Weihnachtsepisode. Hurra, so kann ich schnell gucken und dann zur nächsten Staffel oder Serie springen (wahrscheinlich wird es über dieses schon wirklich krankhafte Verhalten auch eine Black-Mirror-Folge geben oder gibt es vielleicht schon und ich werde sie noch sehen).

Folge 1 „Der Wiedergänger“ beschäftigt sich damit, wie Technologie den Tod überwinden und doch ziemlich unheimlich werden kann. Folge 2 „Böse Neue Welt“ beschreibt eine gruselig-grausame Art der Justiz, bei der der Schuldige schon fast selbst zum Opfer wird (aber halt als Strafe). In Folge 3 „Die Waldo-Kandidatur“ wird ein Cartoon-Bär zu einer unerwartet wichtigen politischen Figur. Und schließlich im Weihnachtsspecial werden zwei Männer (Jon Hamm und Rafe Spall) mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Nach dem ich Staffel 1 endlich durch hatte, musste Staffel 2 natürlich direkt folgen. Und auch die weiß, zum Nachdenken anzuregen. Auch bei zweiten Durchlauf gelingt es den Machern wieder, interessante Themen zu finden, die wie Science Fiction klingen, aber dennoch glaubhaft wirken. Der Mensch als Speichermedium kann wieder aufgebaut werden. Der Schuldige als Zur-Schau-Gestelltes-Wesen für ein Sensationsgeiles Publikum. Eine Witzfigur, die den Nerv der Leute trifft und somit zu einer Übermacht wird. Alles faszinierende Themen, die auch stark umgesetzt wurden… und dennoch muss ich gestehen, dass mich Staffel 2 nicht so krass umgehauen hat wie die erste.

Die erste Folge beeindruckte mehr durch die Darsteller Domhnall Gleeson und Hayley Atwell, die diesem Wiedergänger-Märchen eine wunderbar emotionale Note gegeben haben. Folge 2 war eigentlich eher langweilig nach einer Weile und gewann für mich an Erinnerungswert, weil der Twist am Ende die Folge einfach mal in ein ganz anderes Bild rückt. Das Gleiche versucht auch Folge 3, aber die konnte mich so gar nicht überzeugen – was vielleicht daran liegt, wie sehr das schon irgendwie Realität geworden ist: Witzfiguren, die Politik eigentlich nicht ernst nehmen und dann von der breiten Masse doch gewählt werden, um Politik zu machen.

Ich glaube, mein Problem war ein wenig, dass Staffel 1 enorm krass vorgelegt hat und ich mit jeder Folge noch krassere Erwartungen hatte. Dabei sind ruhige Folgen wie „Der Wiedergänger“ eigentlich sehr schön. Und diese Folge wird mir am ehesten im Gedächtnis bleiben – die und das Special.

Denn das Special war großartig – und entschädigte mich für die sonst eher etwas schwächere Staffel. „Weiße Weihnacht“ spielt mit der gruseligen Idee: Was wäre, wenn Siri, Alexa oder wie diese Smart-Home-Dinger alle heißen, eine Kopie unserer Seele wären? Wobei das nur ein Thema dieser Folge ist, aber ein sehr, sehr interessantes – zumal auch gefragt wird, ob diese Kopie unserer Seele immer noch uns vollkommen (nur halt ohne Körper) widerspiegelt und ob man Mitleid mit diesem „Ding“ haben muss, dass fortan nur dafür da ist, uns wie ein Sklave zu dienen.

Diese Spezialfolge war spannend, weil sie auf verschiedenen Ebenen funktionierte, aus verschiedenen Perspektiven, mit Rückblenden und netten kleinen Easter Eggs zur ersten Staffel (vor allem zur zweiten Folge der ersten Staffel). Die Folge war emotional – vor allem, wenn Rafe Spalls Charakter seine Geschichte offenlegt. Das ging dann wirklich ganz schön an die Nieren.

Diese Folge hat die zweite Staffel für mich echt gerettet – und ist definitiv eine wiederholte Sichtung wert.

Wertung: 7 von 10 Punkten (zu viel glaubhafter Horror kann einen auch ein wenig fertig machen 😉 )

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Der Prinz des Waldes

30. März 2018

In der Kategorie „Filme, die ich bislang noch nie gesehen habe und bei denen Leute mich ungläubig anschauen, wenn ich ihnen das gestehe“ kommen wir heute zu einem Film, der viele, die ihn in der frühen Kindheit gesehen haben, nachhaltig geprägt hat. Natürlich geht es um einen Disney-Film – und vielleicht um den Disney-Film schlechthin, der Kinder auf harte Art und Weise mit der Realität des Todes in Berührung bringt: „Bambi“, Disneys fünfter Zeichentrick-Spielfilm und, wenn ich Wikipedia glauben darf (was ich natürlich immer nur bedingt tue), auch Walt Disneys persönlicher Lieblingsfilm.

Die Geschichte muss ich wahrscheinlich niemandem mehr zusammenfassen, oder? Kleines Rehkitz wird im Wald geboren, bekommt den etwas merkwürdigen Namen Bambi (wobei ich immer noch an die „Akte X“-Folge denken muss, in der Mulder eine Wissenschaftlerin namens Bambi trifft und Scully sich ein wenig eifersüchtig über diesen Namen lustig macht) und genießt das Leben im Wald mit Mama und seinen Freunden – dem Hasen Klopfer und dem Stinktier Blume und vielen anderen. Bis das schöne Leben je durch Jäger zerstört wird und Bambi mit der kalten Realität des Überlebens konfrontiert wird.

Süß hoch zwei

Ich sage es gleich vorweg: Ich habe viel vom Tod von Bambis Mutter gehört und mir immer wieder sagen lassen, dass das für viele wirklich der Schock der Kindheit war. Wenn ich „Bambi“ in jungen Jahren gesehen hätte, hätte mich das auch fertig gemacht – obwohl ich im ersten Augenblick wahrscheinlich gar nicht richtig geschnallt hätte, dass Bambi gerade seine Mama verloren hat. Denn gnädigerweise spielt sich das komplett im Off ab. Wir sehen nur Bambi fliehen, wie hören den Schuss der nie sichtbaren Jäger und wir warten verzweifelt mit dem jungen Kitz auf seine Mama, die nie kommt. Eine tragische Szene, die mich jetzt, der ich ja ein abgehärteter Filme-Gucker bin, zum Glück nicht mehr zu Tode schockiert hat – zumal ich ja jetzt auch wusste, das sie kommt.

Aber reden wir hier nicht die ganze Zeit vom Tod, sondern von „Bambi“ selbst. Und da muss ich wirklich sagen, ärgere ich mich zwar, dass ich den jetzt erst gesehen habe, aber ich bin auch froh, dass ich ihn endlich gesehen habe. Was für ein verdammt schöner Film. Ein süßer, herzerweichender Film. Der ganze Anfang baut einfach mal so rührend das Leben im Wald auf. Man fiebert ja regelrecht mit, wenn Bambi so super verholfen seine ersten Schritte wagt. „Bambi“ ist ein süßer Film, der alles hat, was ein Disney-Film so braucht: einen Helden, der erst noch lernen muss, zum Helden zu werden, eine süße Liebesgeschichte, eine tragische Eltern-Geschichte (wobei ich Papa Bambi als Leithirsch ja nicht so sehr mag, einfach weil er so durch Abwesenheit glänzt und nur diese strahlende Figur im Hintergrund ist) und natürlich ein cooler Sidekick.

Und jetzt mal ehrlich: wie cool ist denn bitte Klopfer???? Für mich hat der Bambi selbst einfach mal komplett die Show gestohlen. Allein für Klopfer lohnt sich der Film schon, aber natürlich auch wegen allem anderen. Er sieht einfach toll aus und ist in seiner Darstellung des Lebens im Wald erstaunlich realistisch und weniger märchenhaft als man es sonst von den Disney-Filmen gewöhnt ist. Hier wird es im Winter kritisch und die Nahrung knapp, da bedroht der Mensch mehrmals den Lebensraum der Tiere – durch Feuer, durch die Jagd, einfach durchs Da-Sein.

So wird aus „Bambi“ wirklich ein bewegender Film, der mehr als einmal an die Substanz geht, aber natürlich nie aus den Augen verliert, dass das Leben nicht nur furchtbar ist 😉

Ich habe bei „Bambi“ auch meine Disney-Fortsetzungsregel gebrochen und mir auch „Bambi 2“ angeschaut… und war nicht schlecht überrascht, dass ich den gut fand. Anders als eine bloße Fortsetzung zu sein, die mal eben 64 Jahre nach dem Original herauskam, ist „Bambi 2“ vielmehr so etwas wie eine Art Zwischenstück oder, wenn man so möchte, ein alternatives Ende. Der Film fängt mit dem Tod von Bambis Mutter an – und wie schon im Original rettet ihn sein Vater, doch anders als im Original bleibt sein Vater bei ihm und versucht sich, um seinen Sohn zu kümmern.

„Bambi 2“ kommt emotional nicht ansatzweise an das Original heran, ist aber trotzdem ein lustiger Film, der sich natürlich viel auf das schwere Zusammensein von Vater und Sohn stürzt… und (was ein Glück für mich) Klopfer und seine Familie noch ein wenig mehr in den Vordergrund stellt. Wie wir ja alle wissen, mag ich Klopfer 😀

„Bambi 2“ ist nichts überragendes und man kommt natürlich auch bestens ohne den Film aus, wenn man sich aber drauf einlässt, ist er durchaus unterhaltsam. Nur halt nicht ganz so gefühlvoll.

Wertung:

Bambi – 10 von 10 Punkten (ein wunderschöner Klassiker)

Bambi 2 – 7 von 10 Punkten (eine zwar unnötige, aber dennoch witzige „Fortsetzung“)

Dreifacher Axel

28. März 2018

Bis letztes Jahr wusste ich nicht einmal, wer diese Tonya Harding überhaupt ist. Wie ich schon bei den „Rocky“-Filmen geschrieben habe, mit Sport beschäftige ich mich eigentlich so gut wie nie (also dem Sport, den man im Fernsehen gucken kann). Boxen kann ich mir vielleicht noch anschauen. Formel 1 könnte ich mir nur anschauen, wenn es so gezeigt werden würde wie die Rennen in „Rush“ und vom Eiskunstlaufen habe ich nun überhaupt gar keine Ahnung. Deswegen mag man es mir vielleicht auch verzeihen, dass ich bis vor kurzem nicht wusste, wer Tonya Harding ist, noch was ein dreifacher Axel ist, noch warum Harding neben ihren sportlichen Leistungen bekannt geworden ist. Doch zum Glück gibt es ja Hollywood, zum Glück gibt es Regisseur Craig Gillespie, der mit „I, Tonya“ Unwissenden wie mir die Geschichte von Tonya Harding erzählt. Auf eine äußerst amüsante Art und Weise, wenn ich das mal vorwegnehmen darf.

Tonya Harding (Margot Robbie) hatte es nicht leicht. Ihre Mutter LaVona Golden (Allison Janney) hat sie geprügelt, nur wenig geliebt und sie zu Höchstleistungen beim Eiskunstlaufen getrieben. Als Tonya erwachsen ist, entflieht sie ihrer Mutter – in die ungesunde Beziehung mit Jeff (Sebastian Stan), der sie zwar sehr zu lieben scheint, diese Liebe aber auch in harten Schlägen äußert. Ganz nebenbei läuft Tonya aber immer noch auf dem Eis, auch wenn sie als „White trash“ verschrieen ist und nie die Anerkennung bekommt, die sie sich erhofft. Selbst als sie als erste Amerikanerin den dreifachen Axel schaffte. Um ihr Image aufzubessern, entsteht der irre Plan, ihre härteste Konkurrentin Nancy Kerrigan (Caitlin Carver) mit einer kleinen Morddrohung so zu verschrecken, dass sie nicht antritt. Doch der Plan von Jeff und seinen dummen Mittätern geht gründlich schief.

Wenn der Wintesoldier Harley Quinn heiratet, geht’s rund

Man muss zum Glück kein Fan vom Eiskunstlaufen sein, um „I, Tonya“ zu gucken. Obwohl ich auch hier sagen muss, wenn die Übertragungen so coole Kamerafahrten und Einstellungen hätten, würde ich auch Eiskunstlaufen gucken. Das sieht hier schon sehr beeindruckend aus. Aber um Eiskunstlaufen geht es in „I, Tonya“ noch am wenigstens. In erster Linie ist es ein spannendes und vor allem witziges Biopic und ein packender Kriminalfall.

Kommen wir aber zum Biopic. Gillespie schafft es, von Sekunde 1 an Sympathie für diese Harding zu erzeugen. Sie ist ein gebrandmarktes Kind, ihre Mutter ein Monster, das nur an ihren Erfolg dachte – und schon hier offenbart der Film eine spannende Diskussion zum Thema Eltern-Kinder-Erfolgsdruck. Klar, mit mehr Liebe wäre Tonya wahrscheinlich nie bei den Olympischen Spielen aufgetreten, mit mehr Haue hätte sie vielleicht die Goldmedaille gewonnen, aber was ist am Ende wichtiger? Am Ende steht sie so ziemlich alleine da und sucht sich auch noch einen Typen, der ihr nicht gut tut (und der Mama Harding zum besten Spruch des Films führt: „You fuck dumb, you don’t marry dumb!“).

Gillespie baut sein Biopic via Interviews auf, weswegen es auch immer wieder in der Handlung gut platzierte Ansprachen an den Zuschauer direkt gibt, um das gerade Erzählte noch einmal zu verdeutlichen. Das macht Spaß, der Film entwickelt einen guten Drive und macht schaut diesem ganzen Spektakel gerne zu. Irgendwann kommt der Krimi-Aspekt dazu, bei dem man dann gespannt darauf wartet, wie sehr die Dummheit der Menschen einen ins Verderben führen kann. „I, Tonya“ ist da wunderbar inszeniert und wird eine aufregende Mischung aus Sportler-Drama, menschlicher Tragödie und Krimi.

Margot Robbie hat sich seit „The Wolf of Wall Street“ extrem gemacht und liefert eine unglaublich gute Performance ab (und da ich gerade wieder „My Name is Earl“ gucke, muss ich es einfach kurz erwähnen: sie erinnert mich total an Jaime Pressly – vor allem, weil sie auch so charmant white trash spielen kann). Wirklich beeindruckt hat mich aber Sebastian Stan, den ich ich ja wirklich nur als „Winter Soldier“ kenne. In „I, Tonya“ habe ich mal tatsächlich den Schauspieler Stan erleben dürfen und der war wirklich verdammt gut. Gut, aber irgendwie nicht Oscar würdig war auch Allison Janney. Sie war ein fieses Miststück und das hat sie wirklich gut gespielt, aber jetzt, wo ich sie gesehen habe – zum Oscar hätte es für mich nicht gereicht (aber ich habe ja auch die anderen Damen alle nicht gesehen).

Eiskunstlaufen kann also so spannend sein wie ein Krimi – vor allem, wenn daraus so eine herrliche Farce wird wie bei „I, Tonya“. Kann ich wirklich nur empfehlen!

Wertung: 9 von 10 Punkten (Eiskunstlaufen ist spannend, wenn es nicht wirklich ums Eiskunstlaufen geht)

Schwarzer Blick in die Zukunft

26. März 2018

„Wir werden alle Sklaven des Internets! Wir verlieren unsere Individualität! Wir werden zu offenen Büchern für jeden Werbemann. Während George Orwell uns noch Angst machen wollte mit seiner gruseligen Zukunftsvision in „1984“, würde er jetzt wahrscheinlich ungläubig mit dem Kopf schütteln. Denn wir sind selber zu unseren besten Überwachern geworden. Wir brauchen keinen Big Brother mehr, um alles von uns im Internet preiszugeben.“ Das sind so die gruseligsten Gedanken, die mir durch den Kopf gingen, als ich jetzt das zweite Mal die erste Staffel von „Black Mirror“ geschaut habe. Warum schaue ich die ein zweites Mal und schreibe erst jetzt darüber? Keine Ahnung… aber ich tue es jetzt einfach mal 😉

In „Der Wille des Volkes“ entführt ein Unbekannter die britische Prinzessin der Herzen (nein, nicht Diana, sondern Susannah) und verlangt einen unglaublichen Akt vom Premier-Minister Michael Callow (Rory Kinnear, unser Frankenstein aus „Penny Dreadful„): Er soll im Live-Fernsehen Sex mit einem Schwein haben. In „Das Spiel als Leben“ sind die Menschen zu Hamstern im Laufrad verkommen: Der junge Bing (Daniel Kaluuya, unser Chris aus „Get Out“) verdient sich Punkte durchs Fahrrad fahren und kann sich damit in seinem Glaskasten, in dem er ständig von Werbung zugeballert wird, Dinge kaufen. Er lernt die junge Abi (Jessica Brown Findlay) kennen, der er aus diesem Alltag helfen will. Er schenkt ihr 15 Millionen seiner Punkte, damit sie an einer Casting-Show mitmachen kann – ohne zu wissen, was er damit auslöst. Und in der letzten Folge „Das transparente Ich“ haben die Menschen ein Implantat, das sämtliche Erinnerungen aufzeichnet und es ermöglicht sie per Knopfdruck abzurufen. Welche Schwierigkeiten das mit sich bringt, sehen wir auf traurige Weise an Liam (Toby Kebbell).

Der Blick, wenn man mit „Black Mirror“ durch ist…

Drei Folgen, die man in beliebiger Reihenfolge gucken kann, eine Serie, die nur aus Einzelepisoden besteht, in denen es darum geht, wie unsere Zukunft aussehen könnte – mit all den vermeintlichen Vorteilen und all den gruseligen Konsequenzen, die sich aus diesen Vorteilen ergeben.

Als ich damals mit meinem guten Freund Stefan das erste Mal die erste Folge geguckt habe, waren wir beide viel zu baff, um irgendwas sagen zu können. Aber die Schweine-Folge ist auch ein merkwürdiger Start, weil sie mir jetzt (nach dem zweiten Mal Gucken) so sehr plakativ vorkam. Ich hatte jetzt das Gefühl, die hatte man als erste Folge ausgewählt, weil sie schön provokant war und gleich auch schön gezeigt hat, das „Black Mirror“ immer mit einer Moral kommt, die uns als Zuschauer den Spiegel vorhalten wird.

Und das ist das schaurig schöne Gruselige an dieser ersten Staffel: Es kommt immer ein „Was würdest du machen?“ am Ende und man sitzt da und denkt sich: „1. könnte das alles gut wirklich so eintreffen und 2. ja, was würde ich machen?“ Die dritte Folge mit den gespeicherten Erinnerungen, die ich beim ersten Mal noch am schwächsten fand, fand ich jetzt beim zweiten Gucken am stärksten. Die hat mich echt fertig gemacht. Totale freiwillige Überwachung und dann diese wachsende Paranoia, dieses Reinsteigern von Liam in den Gedanken, dass seine Frau ihn betrogen hat und wie er zum Detektiv seiner eigenen Erinnerungen wird. Das war schaurig. Und gleichzeitig – was ja das Faszinierende an „Black Mirror“ ist – so glaubhaft. Ich meine, wir teilen ja jetzt schon viele Erinnerungen via facebook, Instagram und was die jungen Kids von heute sonst noch so verwenden.

Folge 2 fand ich vom Setting her ganz spannend und von der am Ende vorherrschenden Doppel-Moral von Bing. Das Setting war es aber, was mir so am meisten im Gedächtnis bleiben wird. Diese Fahrräder, die Punkte zählen, das Hassen aller Dicken, die ständige Werbe-Beschallung.

Ob man nun eine Folge mehr oder weniger mag, sie haben alle etwas interessantes, etwas, das einen zum Nachdenken anregt. Spannend an „Black Mirror“ ist am Ende dann doch immer der kleine Twist. Der Twist, der dem Ganzen noch mal einen drauf setzt – mal heftiger, mal weniger heftig, aber doch immer sehr denkwürdig.

Ich bin jetzt auf jeden Fall gespannt, wie es so weitergeht… obwohl ich mir immer denke, dass „Black Mirror“ eine Serie ist, die man mit mehreren Menschen gucken sollte, um danach in Ruhe über alles Mögliche diskutieren zu können. Denn genau das macht die Serie eigentlich am besten: zum Diskutieren anregen.

Wertung: 8 von 10 Punkten (die Zukunft sieht verdammt trüb aus in diesem schwarzen Spiegel)

Make it stop!

23. März 2018

Leute fragen mich, warum ich mir das immer noch antue und mir selbst die neue Staffel von „Akte X“ anschaue, nachdem doch die zehnte Staffel für mich so eine schwere Enttäuschung war. Und was sage ich diesen Leuten: „Akte X“ ist meine Serie. Sie war meine erste richtige Serie, die ich gesuchtet habe, die erste Serie, die ich gebinget habe, bevor es überhaupt den Begriff des Bingens bei Serien gab. „Akte X“ ist meine Serie. Ich habe damals alle Bücher gelesen, jeden Roman zur Serie, jedes Sachbuch und alles, was ich zum Thema UFOs in die Hand kriegen konnte. „Akte X“ ist einfach meine Serie – ich kann sie nicht nicht gucken. Selbst wenn sie mir so sehr das Herz bricht wie zuletzt mit der zehnten Staffel. Deswegen musste ich einfach auch diese neue Staffel, die elfte, schauen.

Machen wir es kurz und schmerzlos – es dreht sich in Staffel 11 alles um Scullys (Gillian Anderson) und Mulders (David Duchovnys) Sohn William (Miles Robbins). Den wollen sie finden, denn er könnte etwas mit der Alien-Invasion zu tun haben, die bevorsteht. Doch auch der Cigarette Smoking Man (William B. Davis) ist hinter ihm her…

Brauchen ihren Ruhestand…

Ganz ehrlich, das „Make it stop!“ bezieht sich wirklich auf diese neue Mythologie, die sich Chris Carter ausgedacht hat. Es ist einfach nur noch furchtbar – und weil es so furchtbar dumm ist, werde ich jetzt auch keine Rücksicht auf Spoiler nehmen, sonst kann ich hier nicht frei von der Leber abkotzen. Staffel 11 fängt nämlich schon mal mit einem echten „Fick dich“ an den Zuschauer an: Das große Finale von Staffel 10, in dem die ganze Menschheit von einem Virus infiziert ist, Mulder halb im Sterben liegt und ein UFO über Scully schwebt – Folge 1 von dieser Staffel klärt das mal eben schnell: „Leute, beruhigt euch, das war nur eine Vision, die Scully hatte!“ Allein da habe ich schon gedacht, ob die mich jetzt verarschen wollen. Das war so furchtbar dumm, so absolut albern. Ich meine, klar, „Akte X“ war immer ein bisschen abgedreht, aber das war so ein blöder Move. Der hat einfach nur wehgetan.

Dann kommt irgendwann auf einmal raus, dass der Krebskandidat in Wirklichkeit Williams Vater ist und ich saß einfach nur noch da und schüttelt wie wild den Kopf. Was sollte das alles? Ganz ehrlich, von zehn Folgen, die die elfte Staffel hatte, waren nur drei Mythologie-Folgen, aber die waren einfach nur furchtbar und mies und langweilig und was einem noch so einfällt. Das Schlimme ist, ich hatte mir trotzdem gewünscht, dass Carter die Serie jetzt mal zu einem guten Abschluss bringt. Aber nein, stattdessen gibt es noch wieder einen Cliffhanger. Der Krebskandidat stirbt mal wieder, aber nachdem er schon in der neunten Staffel eigentlich zu Pulver verarbeitet wurde und dann doch wieder auftauchte, könnte der Gute auch einfach in einer zwölften Staffel wieder mit dabei sein. Ich meine, wir sehen ja seinen toten Körper nur kurz. Wenn Carter will, wird er den armen William B. Davis so oft wieder hervorholen, bis der selbst tot umfällt (was ich ihm natürlich nicht wünsche). Dazu kommt dann noch ein Schwangerschaftscliffhanger, der auch so an den Haaren herbeigezogen ist, das es weh tut.

Zu diesem Zeitpunkt hoffe ich einfach nur, dass Gillian Anderson ihr Versprechen wirklich hält und mit dieser Staffel den Mantel der Scully an den Nagel hängt. Aber so oder so scheint sich Carter alle Türen offengehalten zu haben, um fröhlich weiter zu machen. Wenn Duchovny auch noch geht, dann gräbt er einfach wieder Agent Miller (Robbie Amell) und Agent Einstein (Lauren Ambrose) wieder aus, die in dieser Staffel zum Glück sehr kurz kamen.

Die Mythologie in der elften Staffel ist echt zum Kotzen – so wirklich ohne Sinn und Verstand und hat auch einfach nicht mehr diesen Drive, erzeugt nicht mehr diese Spannung – gerade, weil es auch so unausgereift und unüberlegt wirkt. Hauptsache, wir klatschen da irgendwie William wieder rein und fertig. Das hat wirklich keinen Spaß gemacht.

Dennoch war nicht alles an Staffel 11 eine so katastrophale Voll-Katastrophe wie die drei Mythologie-Folgen, den einige der Einzelepisoden, der „Monster of the Week“-Folgen, waren wirklich nicht schlecht. Platz 1 der besten Folgen dieser und der letzten Staffel ist eindeutig Folge 8 „Familiar“, in der Mulder und Scully in einer kleinen Stadt den Tod eines kleinen Jungen untersuchen. Das hatte so ein wenig Anleihen bei „Es“, war mal wieder eine gute Mystery-Folge, die spannend und packend war. Danach kommt für mich dann gleich Folge 9 mit einem merkwürdigen Schönheitskult, die ein bisschen skurril war, aber diesen „Akte X“-Charme aus verrückten Ideen und einer guten Prise Selbst-Ironie hatte. Auch die Skinner-Folge mit „Sixth Sense“-Star Haley Joel Osment fand ich nicht schlecht. Auch die Folge mit den Doppelgängern war nicht schlecht – und was ich von der „witzigen“ Folge über die Anfänge der X-Akten halten soll, weiß ich nach wie vor noch nicht. Die war mir wieder zu albern – halt wie die komische Echse-Mensch-Folge in der zehnten Staffel. Dann gab es da noch zu viele Folgen über künstliche Intelligenzen, wobei ich die fast komplett dialog-freie Folge, in der die beiden von ihren Haushaltsgeräten malträtiert werden, bescheuert fand. So was in der Art gab es schon wesentlich besser in der Geschichte von „Akte X“.

Naja… alles in allem muss ich gestehen, dass Staffel 11 ein paar mehr Höhepunkte hatte als ihre Vorgängerin, dennoch hoffe ich einfach, dass jetzt Schluss ist. Denn das Schlimme ist, wenn noch eine Staffel kommt, werde ich die auch gucken (Gründe: siehe oben, ich kann einfach nicht anders) und ich will das nicht. Ich will „Akte X“ gut in Erinnerung behalten – und diese Revivals tragen nicht gerade dazu bei.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Mythologie ist Schrott, dafür gab es dennoch ein paar Leckerbissen, die an die guten alten Zeiten erinnert haben)

Pentameron

21. März 2018

So heißt eine italienische Märchensammlung aus dem 17. Jahrhundert, die unter anderem auch unter dem Titel „Das Märchen der Märchen“ bekannt geworden ist und sogar die Gebrüder Grimm inspiriert haben soll. Und woher weiß ich das? Weil irgendwer es mal für wichtig hielt, daraus einen Film zu machen. Und dieser Jemand war der italienische Regisseur Matteo Garrone, der aus „Das Märchen der Märchen“ einen Film gemacht hat, ein Film von dem ich irgendwie immer nur nicht so gute Dinge gehört hatte, weswegen ich den trotz meines Interesses ignoriert hatte. Zum Glück war mir irgendwann letztens mal langweilig und Netflix bot mit „Das Märchen der Märchen“ an, weswegen ich mir den dann doch mal angeschaut habe.

„Das Märchen der Märchen“ erzählt drei Geschichten: Da hätten wir die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünscht. Dafür tötet ihr Mann (John C. Reilly) ein Seeungeheuer, dessen Herz die Königin dann isst und tatsächlich schwanger wird. Der Junge wird ihr Ein und Alles, über das sie mit brennender Eifersucht wacht. Dann hätten wir da den eitlen König von Strongcliff (Vincent Cassel), der sich unsterblich in eine junge Frau anhand ihrer Stimme verliebt. Doch die junge Frau ist in Wirklichkeit die alte Dora (Hayley Carmichael), die es dennoch schafft, im Bett des Königs zu landen, der sie am Tag darauf aber vor lauter Wut aus dem Fenster stürzt. Was aber noch lange nicht das Ende von Dora bedeutet, die hier eine Hexe trifft, die ihr hilft. Schlussendlich wäre da noch der König von Highhills (Toby Jones), der seine Tochter (Bebe Cave) für einen riesigen Floh vernachlässigt und später eben jene Tochter an einen furchtbaren Oger vermählt.

Happy Meal gab’s nicht…

Ich weiß wirklich nicht, woher ich die Information hatte, „Das Märchen der Märchen“ wäre nicht besonders gut. Wirklich nicht. Mir hat der Film echt ziemlich gut gefallen. In allererster Linie sieht „Das Märchen der Märchen“ einfach mal wirklich sehr beeindruckend aus. Garrone liefert kraftvolle Bilder, die echt im Gedächtnis bleiben (wie zum Beispiel eine Blut beschmierte Salma Hayek, die sich an einem Monsterherz gütlich tut). Aber natürlich nicht nur das. Die Landschaftsaufnahmen sind wirklich Märchenhaft – genau wie die Schlösser auch.

Dazu vernachlässigt Garrone auch nie das Märchenhafte in der Geschichte. Wenn John C. Reilly in bester Jules-Verne-Manier im Unterwasser-Anzug auf Monsterjagd geht, sieht das etwas albern aus, aber es passt irgendwie auch. Es ist halt ein Märchen… da gibt es halt riesige Flöhe und Oger und Monster und Zauberei. „Das Märchen der Märchen“ entwirft eine tolle Welt der Magie, die aber auch – wie es sich für ein Märchen gehört – eine Botschaft in sich trägt, die man auch jetzt noch nachvollziehen kann.

Letztendlich geht es immer wieder darum, wie die Obsessionen der einzelnen Menschen zu ihrem Niedergang beisteuern. Die Königin verkrampft sich so sehr darauf, Mutter zu sein, dass sie ihrem Sohn nichts anderes gönnt und ihn so mehr und mehr von sich stößt. Der geile Königin verzweifelt an seiner Oberflächlichkeit, während Dora ebenfalls daran scheitert, nur auf sich fixiert zu sein, nachdem die Hexe ihr geholfen hat. Und das Gleiche trifft dann auch auf den König zu, der ohne nachzudenken, seine Tochter einem Oger überlässt. Er verstößt sein Kind wegen seiner eigenen Dummheit und bringt sie dadurch in Gefahr.

Die einzelnen Episoden sind dabei unterschiedlich stark, das muss man leider sagen. Die Story mit Vincent Cassel war weniger aufregend, dafür fand ich die mit der jungen Prinzessin und dem Oger am stärksten und auch am emotionalsten, weil hier wirklich die Dramatik der Thematik (ein toller und vollkommen ungewollter Reim) wirklich deutlich heraussticht. Die Geschichte hat mich am Ende wirklich am meisten bewegt…

„Das Märchen der Märchen“ ist jetzt vielleicht nicht wirklich das ultimative Märchen, wie es der Titel so protzig verspricht, aber es ist ein schöner Film und ein nachdenklich stimmender Film – bestückt mit tollen Darstellern.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Märchen sind halt doch recht grausam…)

Supercalifragilisticexpialigetisch

19. März 2018

Offenbarung Nummer… keine Ahnung, die wievielte Offenbarung bezüglich eines vorher nie gesehenen Klassiker das jetzt hier wird, aber es ist auf jeden Fall eine, denn so richtig hatte ich den Disney-Klassiker „Mary Poppins“ nie gesehen. „So richtig?“ – ja, genau, „Mary Poppins“ war für mich immer einer dieser Filme, von dem ich einzelne Passagen kannte bzw. einzelne Lieder, die natürlich stellvertretend für den Film sind (wie halt den hier Titel gebenden Song). Weil ich jetzt mit meiner Freundin in Hamburg das Musical besuchen war, musste ich natürlich vorher den Film gucken (und kann schon mal vorab sagen, dass mir das Musical an sich sehr viel besser gefallen hat).

Im Londoner Kirschbaumweg Nr. 17 lebt die Familie Banks. Mama Banks Winifred (Glynis Johns) versucht für die Rechte der Frauen zu kämpfen und gleichzeitig dennoch eine gute Hausfrau zu sein. Papa Banks George (David Tomlinson) ist gestresster Bankangestellter. Für die scheinbar schwer erziehbaren Kinder Jane (Karen Dotrice) und Michael (Matthew Garber) suchen die beiden ein Kindermädchen, eine Stelle für die sich viele bewerben, doch auf magische Weise sind alle Bewerberinnen wie vom Winde verweht… und so stellen die Banks Mary Poppins (Julie Andrews) ein, eine zauberhafte Nanny, die das Leben der Banks ganz schön durcheinander wirbelt.

Fisch ist dann wohl aus…

Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich bei „Mary Poppins“ erwarten würde. Ich dachte, dass wäre die ganze Zeit so ein Mix aus Real-Film und Zeichentrick – doch am Ende ist das nur eine kurze Sequenz, wenn Mary mit Bert (Dick Van Dyke) und den Kindern in dessen Bildern einen Ausflug machen. Ansonsten war ich doch sehr überrascht, wie sehr der Film auf verschiedene, doch recht erwachsene Themen eingeht. Eingehen ist vielleicht bei einigen Sachen zu viel gesagt, aber das sie überhaupt angesprochen werden, war schon ein Ding. Da wäre zum Beispiel die Suffragetten-Bewegung, der Mama Banks angehört. Das wird zwar nur so nebensächlich angesprochen, aber immerhin. Genau so wie auch das Leben der Unterschichten im London kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein bisschen unter die Lupe genommen wird (mit der Vogelfrau) und das böse Bankenwesen. Wie gesagt, das sind alles Themen, die ich in der Form nicht erwartet hatte.

Dennoch ist „Mary Poppins“ jetzt natürlich kein todernstes Drama, dass die unglaublichen Missstände der damaligen Zeit aufdeckt. Es ist hauptsächlich natürlich noch ein aufregendes Kinderabenteuer mit einer magischen Nanny, die wie ein Schutzengel vom Himmel kommt, um der Familie Banks zu helfen, wieder zu einander zu finden. Und das ist ja dann auch eine schöne Story an sich – wie die unkonventionellen Methoden von Mary und ihr amüsantes Intrigenspiel alle dazu bringt, sich endlich wieder selbst zu finden und die Banks wieder eine richtige Familie werden (da möchte man ja wirklich fast meinen, Fran Drescher hätte mit „Die Nanny“ die Mary-Poppins-Sitcom gemacht – nur halt ohne Fliegen).

Ich habe jetzt gelesen, dass die Bücher von P.L. Travers auch mehr aus Kurzgeschichten bestehen – und das ist etwas, dass sich nicht so gut auf den Film überträgt. Der besteht ja auch hauptsächlich aus einzelnen Episoden, die dann wiederum zu einer Gesangs- und Tanznummer führen. Das ist bei einer Laufzeit von knapp zwei Stunden dann irgendwann doch eher etwas ermüdend gewesen, zumal ich viele der späteren Tanznummern auch einfach nicht wirklich mochte. Die „Mary Poppins“-Klassiker wie „Supercalifragilisticexpialigetisch“ oder „Wenn ein Löffelchen voll Zucker“ oder „Chim Chim Cheree“ sind toll und funktionieren als perfekte Ohrwürmer. Aber alles andere hat mir dann nicht so sehr zugesagt. Ich gebe zu, ich bin kein großer Musical-Fan, das mag da mit reinspielen. Allein die ewig lange Einlage der Schornsteinfeger am Ende des Films war mir einfach irgendwann zu lang. So habe ich also nicht viel von den Songs gemocht. Dennoch ist „Mary Poppins“ natürlich schon ein optisch beeindruckendes Musical geworden. Gerade die Trickfilm-Einschübe sind toll… und die einzelnen Effekte sehen trotz ihres stolzen Alters immer noch gut aus.

Julie Andrews als Mary Poppins verkörpert den etwas anderen Schutzengel perfekt. Sie ist ein wenig streng und irgendwie auch hochnäsig, aber auf eine super sympathische Art und Weise. Sie passt perfekt in die Rolle. Ich mochte auch Dick Van Dyke, obwohl sein britischer Akzent natürlich eine Katastrophe war 😀

Alles in allem ist „Mary Poppins“ ein Film, der mir wegen ein paar toller Szenen im Kopf bleiben wird, den ich jetzt aber nicht unbedingt als den Disney-Klassiker in mein Repertoire an immer wieder zu guckenden Filmen aufnehmen würde. Ich bin nur mal gespannt, wie sich Emily Blunt in „Mary Poppins Returns“ schlagen wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (irgendwie hatte ich mehr erwartet…)

Schrilles Kindermädchen

16. März 2018

Ich war vor einiger Zeit etwas schockiert, als man mir erzählte, dass Menschen, die sich heute „Friends“ anschauen (diese wundervolle Serie gibt es ja mittlerweile schon lange auf Netflix), die Serie auf übelste als homophob und sexistisch und was nicht noch alles abstrafen. Da weiß ich dann nicht, was ich dazu sagen soll. Ich will mich auf solche Diskussionen eigentlich auch nicht unbedingt einlassen, weil gerade heutzutage, ist das ja alles ein ziemlich heißes Pflaster – und das Ganze einfach nur als Unterhaltung hinzunehmen, fällt den Leuten offensichtlich schwer (ich frage mich dann aber zum Beispiel auch, ob die gleichen Menschen irgendwann – nach dem sie „Friends“ zerfetzt haben, „How I Met Your Mother“ gucken und das dann auch als sexistisch verschreien). Ich kann das Gezicke zum Teil nachvollziehen, aber nicht wirklich verstehen. Ich mag „Friends“ und ich werde es weiterhin immer wieder mal gucken. Aber um „Friends“ soll es heute nicht gehen, sondern eine andere Serie, bei der ich mich (nachdem ich diese Aussagen über „Friends“ gehört habe) gefragt habe, wie die Leute das wohl auffassen: „Die Nanny“.

Der Inhalt ist eigentlich schnell erzählt, wird er doch immer wieder im Titelsong zur Serie wiederholt: Die junge Fran Fine (Fran Drescher) fliegt bei ihrem Freund nach einer Trennung raus und versucht sich als Vertreterin für Make-Up über Wasser zu halten. Dabei klingelt sie dann bei dem reichen Broadway-Produzenten Maxwell Sheffield (Charles Shaughnessy), der sie ziemlich schnell als Kindermädchen für seine drei Kinder engagiert: Grace (Madeline Zima), Brighton (Benjamin Salisbury) und Maggie (Nicholle Tom). Sehr zur Freude aller lebt sich Fran da schnell ein und entwickelt – sehr zum Frust von Maxwells Partnerin C.C. Babcock (Lauren Lane) – Gefühle für ihren Chef, der diese Gefühle zwar auch hat, aber ziemlich lange braucht, um sie sich einzugestehen. Dazu kommt dann noch der wunderbar ironische Butler Niles (Daniel Davis) und Frans verfressene Mutter Sylvia (Renée Taylor).

Wenn die Belegschaft cooler ist als die feinen Herrschaften…

Eine Serie wie „Die Nanny“ würde es heute wahrscheinlich nicht einmal bis in die zweite Staffel schaffen. Vielmehr würden sich alle aufregen, dass es eigentlich nur darum geht, dass Fran von ihrer Mutter eingetrichtert bekommt, dass sie schnellstmöglich heiraten und Kinder kriegen muss. Klar ist das keine moderne Botschaft, der man so zwanghaft hinterrennen sollte wie es „Die Nanny“ macht, aber es ist halt auch einfach nur eine Fernseh-Serie (Und eigentlich hasse ich mich jetzt schon dafür, dass ich das so „politisch“ begonnen habe).

Ich mochte die Serie früher und ich habe mir jetzt noch einmal alle sechs Staffeln angeschaut. „Die Nanny“ ist so ein Parade-Beispiel für eine unbeschwerte Sitcom. Es gibt nie wirkliche Konflikte und alles ist auf amüsante Art und Weise in 20 Minuten geregelt. Die Serie lebt von ihrer schrägen Hauptdarstellerin, bei der ich früher nie verstanden habe, warum immer wieder diese Witze über ihre Stimme gemacht werden – tja, bis zu dem Zeitpunkt, als ich mir das Ganze mal auf Englisch angeschaut habe. Kein Wunder, dass sich Fran Drescher selbst eine Serie schreiben musste, damit sie zur Hauptrolle werden kann. Die Frau hat eine Stimme – wie drei Reibeisen zusammengepresst. Der Wahnsinn. Aber sie lebt das wohl aus und kann ja zum Glück auch viel über sich selbst lachen (eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, was diese Frau schon alles durchmachen und erleben musste).

Drescher lässt gekonnt überspitztes jüdisches Familiengefühl und den Wahnsinn mit der Riesenfrisur und den verrückten Kleider gegen stocksteifes, britisches Spießertum krachen… und kostet die Beantwortung der Frage „Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht“ bis zum Letzten aus (obwohl bei einer Sitcom natürlich trotzdem sofort klar ist, wie diese Frage zu beantworten ist).

Aber nicht nur Drescher ist toll. Auch der Rest des Casts ist toll. Über sechs Staffeln sieht man vor allem den Kinder wahrhaftig beim Wachsen zu und wer sich die erste Staffel von „Californication“ anschaut, kann sehen, was aus der kleinen Madeline Zima so geworden ist. Mein persönliches Highlight ist und bleibt der wunderbar sarkastische Butler Niles. Daniel Davis ist – neben Drescher – so der zweite Hauptantrieb für diese Serie. Er ist wie Arthur in „King of Queens“ oder Walter Bishop in „Fringe“ – ein unverzichtbarer Charakter, ohne den die Serie einiges an ihrem Charme verlieren würde.

„Die Nanny“ hätte zwar mit der fünften Staffel in die Rente gehen sollen (immer gab’s im Finale die lang ersehnte Hochzeit und dann nur noch diese sechste Staffel, die so ein wenig an Pfiff verlor), aber es ist einfach eine witzige, unterhaltsame Serie, die wirklich einfach nur unbeschwert ist. In gewisser Weise ist es eine recht unschuldige Sitcom ohne krasse Überraschungen, aber dank Drescher und Co. kann man darüber hinweg sehen. Denn „Die Nanny“ macht einfach nur Spaß.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dieses Kindermädchen hat… die krasseste Stimme der Fernseh-Landschaft – und unterhält damit trotzdem /gerade deswegen so wunderbar)

Area X

14. März 2018

Mit Buchverfilmungen ist es ja immer so eine Sache – es gibt nur wenige, die wirklich gut sind. Meistens ist man gerade als Leser dann doch schwer enttäuscht, weil der Film nicht die Fülle der Buchvorlage erreichen kann. Und dennoch versuche ich gerade bei Filmen, die mich interessieren und die auf einem Buch basieren, immer vorher das Buch zu lesen. Jetzt hatte ich aber bei Alex Garlands „Annihilation“ ein Problem, als der Film an diesem Montag auf Netflix herauskam – ich hatte die Trilogie von Jeff Vandermeer noch nicht komplett durch. Band 1, auf dem der Film basiert, hatte ich durch und Band 2 „Authority“ auch, aber an Band 3 „Acceptance“ saß ich noch und war mir unschlüssig, ob ich noch mit dem Film warten sollte. Doch zum Glück las ich mich noch einmal ein und erfuhr so, dass nicht einmal Garland alle Bücher gelesen hatte, bevor er das Drehbuch zu seinem zweiten Film nach „Ex Machina“ schrieb. Er hatte nur den ersten Band gelesen und den dann angeblich auch nur sehr grob übernommen. Also bestand für mich offensichtlich keine Gefahr, dass der Film mir das Ende der Trilogie spoilern könnte – und so saß ich dann erwartungsvoll auf meinem Sofa und guckte „Annihilation“.

Vor drei Jahren verwandelte ein unbekanntes Ereignis ein Küstengebiet in den USA in Area X, ein Gebiet, das von einer merkwürdig schimmernden Grenze umzogen wird, die sich immer weiter auszubreiten scheint. Eine Regierungsorganisation namens Southern Reach schickt immer wieder Expeditionen in dieses Gebiet, um herauszufinden, was da los ist. Die zwölfte Expedition besteht aus der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh), der Physikerin Josie (Tessa Thompson), der Geologin Cass (Tuva Novotny), der Ärztin Anya (Gina Rodriguez) und der Biologin Lena (Natalie Portman), die sich auf die Expedition gibt, weil ihr Mann (Oscar Isaac) mit der elften Expedition in Area X war und sehr merkwürdig zurückgekehrt ist.

Croco Doc…

Zwei Dinge vorweg: Es ist wirklich eine absolute Schande, dass „Annihilation“ nicht ins Kino gekommen ist und zweitens, Garland erschafft hier wirklich eine sehr freie Interpretation des Buches, das man getrost auch nach dem Film noch lesen kann. Denn Garland übernimmt eigentlich nur Area X aus dem Buch und die Frauen und denkt sich den Rest selbst aus. Es gibt enorme Unterschiede zwischen Buch und Film, die aber – wenn ich ehrlich sein soll – mehr zum Vorteil für den Film ausgelegt werden können (ich habe mittlerweile alle drei Bücher durch und der Film gefällt mir immer noch besser).

„Annihilation“ ist jetzt schon ein kleines, wunderbares Sci-Fi-Kleinod, das sich sicherlich noch zu einem Klassiker mausern wird. „Annihilation“ ist aber auch ein Film, der die volle Aufmerksamkeit seines Zuschauers erfordert – und diese auch mit Leichtigkeit bekommt. Die Darstellerinnen sind großartig und jede von ihnen stellt einen Charakter dar, der uns interessiert. Anders als im Buch lernen wir hier mehr über die einzelnen Frauen (im Buch ist nur die Biologin wirklich von Bedeutung) – und wir lernen vor allem sehr gut, warum diese Frauen sich auf diese Expedition wagen, die ihr Ende bedeuten könnte. Das ist dann auch der Punkt, den Garland verwendet, um sein ganzes Story-Gerüst rund um Area X und die Frauen aufzubauen. Man denkt erst gar nicht, wie das alles zusammenhängt, wenn man es dann aber doch schnallt, ist es wirklich faszinierend (und ich halte mich bewusst wage, um nicht zu viel zu verraten).

Zum anderen sieht der Film, wie schon angesprochen, einfach nur verdammt umwerfend aus. Rein optisch ist „Annihilation“ schon einer der interessantesten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre. Auch darin toppt Garland die Bücher bei weitem, die zwar ein paar spannende Aspekte aufgreifen, aber nicht ansatzweise so beeindruckend wie Garland. Gemeinsam mit den Frauen reisen wir durch ein Gebiet, das voller Geheimnisse steckt, voller Dinge, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Und wenn wir sie dann entdecken, faszinierend und schockieren sie uns gleichzeitig.

Je mehr wir im Verlauf des Films über dieses mysteriöse Gebiet lernen, desto mehr spannende Fragezeichen bilden sich auf unserer Stirn. So wickelt uns Garland nach und nach um den Finger – wir wollen Antworten, wir wollen mehr von Area X. „Annihilation“ ist dabei nicht nur einfach ein Sci-Fi-Film, sondern nimmt auch stark philosophische Züge an, hinterfragt gekonnt die Motivationen der Frauen und auch die von Area X. Gerade am Ende wird es dann so herrlich abgedreht und unglaublich, dass man eigentlich zwei Dinge tun muss: den Film noch einmal schauen und sich dann auf eine ausführliche Diskussion mit Freunden zu diesem Film einlassen. Denn „Annihilation“ will mehrfach geguckt werden, das Ende ist so wunderbar ambivalent, das man wunderbar darüber reden kann (und selbst da übertrumpft Garland meiner Meinung nach Vandermeers Trilogie, die ich am Ende einfach nur schnell hinter mich bringen wollte).

„Annihilation“ ist intelligentes Sci-Fi-Kino (und läuft nicht mal im Kino), es ist ein spannender Abenteuer-Film, der uns auf eine der visuell aufregendsten Reisen in diesem Jahr mitnimmt. Es ist zudem aber auch ein tolles Charakter-Drama mit starken Charakteren und ein Horror-Film, der für ein paar wirklich eklige Bilder sorgt, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Wertung: 9 von 10 Punkten (eine absolute Schande, dass dieser Film nicht in den Kinos lief…)

Live long and prosper!

12. März 2018

Ich war nie ein Trekkie. Mein Wissen über „Star Trek“ fängt mit dem von mir gewählten Spruch als Titel an, geht über William Shattner und Patrick Stewart und endet damit, dass das Raumschiff Enterprise heißt. Als Kind habe ich mal ein, zwei Episoden der alten Serie gesehen, das war’s. Ich habe keinen der alten Filme gesehen, nur das neue Zeug, das J.J. Abrams aus dem Boden gestampft hat. Ich bin ein „Star Wars“-Kind durch und durch. Ich brauche ein bisschen Magie und Fantasy, der Realismus von „Star Trek“ hat mich dann doch nie so wirklich angesprochen… bis jetzt. Denn wider jeder Erwartung habe ich mir Netflix‘ „Star Trek Discovery“ angeschaut – und war eigentlich schon nach den ersten fünf Minuten verzaubert davon.

Sternenzeit weiß ich gerade nicht, aber wir befinden uns im All, wo die Föderation Probleme mit den Klingonen hat. Bei der Schlacht der Zwei Sterne löst Offizier Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) mal eben den Krieg zwischen Föderation und Klingonen aus. Sie wird wegen Meuterei und Kriegstreiberei angeklagt und soll eigentlich hinter Gitter wandern. Doch auf dem Weg in den Knast kommt sie an Bord der USS Discovery, wo Captain Lorca (Jason Isaac) Burnham an seiner Seite haben will. Gemeinsam mit der Crew der Discovery versucht Burnham diesen Krieg zu überstehen.

Keiner trägt wirklich rot…

Wie gesagt, ich wollte das alles gar nicht schauen. Von der Serie an sich wusste ich nur, weil Sonequa Martin-Green extra deswegen aus der siebten Staffel von „The Walking Dead“ herausgeschrieben wurde, um die Hauptrolle in „Discovery“ zu übernehmen. Doch irgendwann habe ich mich breit reden lassen (denn alle im Büro schwärmten förmlich von der Serie) und dachte mir: „Okay, guck dir die erste Folge an!“. Zwei Dinge passierten dann: 1) Der Look der Eröffnungssequenz allein hat mich echt aus den Socken gerissen. „Star Trek: Discovery“ sieht aber nicht nur zu Beginn einfach umwerfend aus, sondern eigentlich durch die Bank durch. Der Look der Serie ist großartig, die paar Planeten, die wir zu sehen bekommen, die Klingonen selbst und einige Kreaturen-Designs sind schon echt der Hammer. 2) Ich fand im Intro heraus, dass niemand geringeres als Bryan Fuller hinter der Serie steckt. Ein gutes und ein schlechtes Zeichen – das Gute daran ist, dass Fullers Serien immer großartig aussehen und es auch sind. Das Schlechte daran ist, dass Fuller-Serien keine lange Lebensdauer haben („Hannibal“ wurde nach drei Staffeln abgesetzt, „Pushing Daisies nach zwei und bei „American Gods“ ist er selbst gerade ausgestiegen), eine Tatsache, die mir etwas Sorgen bereitet. Schließlich bin ich langjähriger Star-Trek-Missachter gerade zu einem Trekkie im Training geworden.

Aber davon will ich mich nicht ärgern lassen, denn immerhin ist die erste Staffel so konzipiert, dass sie auch als Mini-Serie gut funktionieren könnte. Bis auf einen (wie ich finde, etwas albernen) Cliffhanger ist „Discovery“ in sich abgeschlossen. Mir hat das alles erstaunlich gut gefallen. Ich mochte die ganze Geschichte hinter Burnham und wie sie als Auslöser des Kriegs versucht, diesen zu beenden. Ich muss zwar auch sagen, dass ich ihre Liebesgeschichte etwas stark reingedoktort fand, aber alles in allem mochte ich Sonequa Martin-Green in der Rolle wirklich sehr.

Die Serie hat es dann auch geschafft, trotz zusammenhängender Geschichte coole Einzel-Episoden zu haben, von denen natürlich die „Täglich grüßt das Murmeltier“-Folge. Aber natürlich fand ich auch die Gesamt-Story echt ziemlich spannend; die Idee, dass irgendwelche Sporen als Antrieb genutzt werden; die ein, zwei, drei Wendungen, die Staffel 1 zu bieten hatte, waren auch nicht ohne.

Was mich am Ende dann doch ein wenig gestört hat, war einfach die Tatsache, dass „Discovery“ gar nicht so viel discovered, um es mal blöd und neudeutsch zu sagen. Die unendlichen Weiten des Alls wirken in dieser ersten Staffel noch erstaunlich endlich und sehr überschaubar. Gut, am Ende musste die Serie erst einmal ihre Charaktere etablieren, um gerade auch eben Leute wie mich abzuholen, die mit dieser Welt noch nichts am Hut haben. So gesehen funktioniert das gut, denn die Charaktere bekommen genügend Zeit, um sich zu entfalten und um einem richtig ans Herz zu wachsen. Aber wie gesagt, es bleibt im Universum dennoch alles sehr überschaubar. Ein paar mehr neue Welten, neue Wesen hätte ich mir dann doch gewünscht, um so wirklich den Untertitel „Discovery“ zu ehren. Bleibt halt nur zu hoffen, dass das in der zweiten Staffel ein wenig mehr im Vordergrund steht.

Alles in allem hat mich „Star Trek: Discovery“ aber doch gut abgeholt. Ich hatte meinen Spaß mit der ersten Staffel und freue mich auf mehr.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dem Neu-Trekkie gefällt’s)