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Jeder gegen jeden

16. September 2013

Langsam, das muss ich mir eingestehen, bereue ich es, dass ich immer versuche so viel zu lesen. Ob nun Comic oder Roman, sobald etwas auf dem einen oder dem anderen basiert, durchforste ich amazon und Co., um vorher schon mal zu wissen, was mich erwartet. In den meisten Fällen bereue ich das, aber gerade bei „The Walking Dead“ ärgere ich mich mittlerweile mehr und mehr darüber, dass ich schon die dicken Compendien durch habe. Denn statt mich zu freuen, rege ich mich bei „The Walking Dead“ nur mehr und mehr auf. Zu oft erwische ich mich beim Fluchen. Ja, ich weiß, dass man für Film und Fernsehen gewisse Sachverhalte einfach verändern muss. Und in der ersten und zweiten Staffel konnte ich die meisten Veränderungen noch ertragen. Doch je mehr von der Grundstory verändert wurde, desto mehr entfernt sich das Ganze von den Comics. Den unerfreulichen Höhepunkt dieser Veränderungen musste ich jetzt in Staffel 3 erleben.

Darin sind Rick (Andrew Lincoln) und seine Gruppe nach ihrer Flucht von Hershels Farm (siehe Staffel 2) an einem Gefängnis angekommen. Nach einer kurzen Säuberung kann man sich hinter den hohen Mauern und den Gitterstäben fast schon sicher fühlen. Auch wenn die kleine Gruppe von Insassen nicht ganz so nett begrüßt wird, bleibt man vorerst. Währenddessen hat Andrea (Laurie Holden), die ja von Rick und seinen Leuten getrennt wurde, anderweitig Hilfe gefunden. Gemeinsam mit der Schwert schwingenden Zombie-Amazone Michonne (Danai Gurira) gelangt Andrea nach Woodbury, eine Zombie-befreite Stadt unter der Herrschaft des Governors (David Morrissey).

Ich entschuldige mich jetzt vorab schon mal, denn was jetzt folgt, wird wohl allgemein als Nerd-Rant bezeichnet. Ich will auch festhalten, dass bei allem, was ich zu meckern habe, ich „The Walking Dead“ nach wie vor für eine verdammt gute Serie halte. Wenn ich die Comics nicht schon vorher gelesen hätte, dann hätten die WTF-Momente der dritten Staffel einen viel größeren Eindruck auf mich hinterlassen. Also, fangen wir an…

Den ersten großen Fehler haben die Macher begangen, als Dale (Jeffrey DeMunn) getötet wurde. Denn eigentlich verliert der Gute nur sein Bein (dieses Schicksal muss jetzt Hershel erleiden) und geht eine äußerst interessante Beziehung zu Andrea ein. Überhaupt wird es im Gefängnis selbst sehr viel interessanter als die Serie uns weismachen will. Aber gut, ich sehe ein, dass die ganzen zwischenmenschlichen Geschichten die Serie zu sehr gestreckt hätten.

Aber gerade durch diesen Trennen der Gruppe entsteht mein zweites Problem: Während mir in Staffel 2 Carl auf den Zeiger ging, hat mich jetzt die ganze Andrea-Storyline gestört. Ich weiß nicht, aus welchem Grund man sie da jetzt so groß aufbauen musste. Schließlich bietet die Woodbury-Storyline im Comic mehr als genug Stoff. Dazu kommt dann auch noch, dass ich Laurie Holdens Darstellung furchtbar fand. Sie will die Frau zwischen den Fronten spielen, wirkt dabei aber meistens eher wie ein kleines Kind, das nicht bekommen kann, was sie haben will.

Womit wir dann bei meinem Problem Nummer 3 wären: Der Governor! Mit David Morrissey wunderbar besetzt ist der Govenor hier ein charmantes Arschloch, das sich als Cäsar aufspielt und seinen „Untertanen“ Brot und Spiele gewährt, während er seine dunklen Geheimnisse schon zu verbergen versucht. Morrissey macht seine Sache gut. Seinen Governor kann man wirklich hassen! Allerdings nicht so sehr wie den Typen aus dem Comic. Ich frage mich, ob der Comic-Governor den Machern der Serie vielleicht zu hart war. Denn statt sich wie im Comic mehr mit Michonne zu beschäftigen, darf Andrea hier ran… und daraus entwickelt sich eine doofe Liebesgeschichte, bei der die gute Frau Holden dann versucht darzustellen, wie verzweifelt sie ist. Wen soll sie wählen? Ihre Freunde oder ihren neuen Freund?

Ich sehe ein, dass die Governor-Story ein bisschen umgewandelt werden musste. So treffen auch Ricks Leute sehr viel früher auf den Governor und Woodbury und liefern sich schon im Vorfeld einige Feuergefechte. Das ist alles nett, erreicht aber in keinster Weise die Klasse des Comics. Kirkman geht viel härter mit seinen Figuren um, hat aber gleichzeitig auch genügend Freiraum für die intimeren und persönlicheren Momente.

Kommen wir zu meinen letzten Problem und das betrifft den guten Rick selbst. Ohne viel zu spoilern, darf ich an dieser Stelle sagen, dass der Gute einige schwere Schicksalsschläge erleidet. Im Comic wunderbar umgesetzt, in der Serie wirken sie komplett fehl am Platz und ziemlich lächerlich. Auch hier kommt wieder das Problem auf, dass der Comic mehr Zeit für solche kleinen Feinheiten hat, während die Serie natürlich immer unter Zeitdruck steht. Vielleicht hätte man sich in diesem Fall nicht so extrem an der Vorlage orientieren sollen.

Kommen wir also zum abschließenden Fazit: Während der Comic mich nach und nach immer mehr gefesselt hat, schwindet mein Interesse an der Serie ein kleines bisschen. Insgesamt hätte ich mir an einigen Stellen mehr Werktreue (siehe Andrea und der Governor) gewünscht und an anderen Stellen weniger (siehe Rick). Aber im Endeffekt ist das halt immer das Problem, wenn man bei einer Serie mit so einer Vorlage ankommt.

Trotzdem ist „Walking Dead“ auch in seiner dritten Staffel immer noch gute Unterhaltung – aber halt hauptsächlich dann, wenn man die Comics nicht gelesen hat. Aber selbst für die gibt’s ja mit Norman Reedus’ Daryl eine frei erfundene Figur, die ziemlich viel Spaß macht.

Wertung: 6 von 10 Punkten (nehmt’s mir nicht übel, aber der Comic-Fan in mir ist mittlerweile nicht mehr so begeistert)

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