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Alle gegen Negan

18. April 2018

Ich muss ehrlich sagen, dass ich an einem Punkt angekommen, wo ich keine Lust mehr auf „The Walking Dead“ habe. Diesen Punkt hatte ich schon einmal erreicht – irgendwie also kein gutes Zeichen für eine Serie, wenn man diesen Punkt zweimal erreicht. Damals war es nach Staffel 3, dass ich einfach keinen Bock mehr auf Rick Grimes und seine Leute hatte. Das lag daran, dass ich zu sehr in den Comics verwurzelt war und mit vielen Entscheidungen einfach nicht mit gehen konnte. Damals habe ich den (in meinen Augen mutigen) Schritt gewagt und einfach mit der Serie aufgehört. Ich ließ eine Staffel, dann noch eine und noch eine an mir vorbeiziehen, bevor ich dem Drängen meines besten Freundes erlag und doch weiter guckte. Doch Staffel 8 hat mich jetzt wieder an den Punkt gebracht, wo ich mir stark überlege, ob ich überhaupt noch weiterschauen soll. Aber ich greife voraus…

Staffel 8 läutet den „All Out War“ ein. Nach der Kriegserklärung im Finale von Staffel 7 will Rick (Andrew Lincoln) nun alle Truppen unter sich vereinen: Das Hilltop unter der Führung von Maggie (Lauren Cohan), Alexandria unter seiner eigenen Führung und natürlich das Kingdom unter King Ezekiel (Khary Payton). Der Krieg soll die Saviors unter Negan (Jeffrey Dean Morgan) endgültig beseitigen und endlich wieder für Frieden sorgen.

Schon in der ersten Folge gab es da so merkwürdige Visionen von einem Rauschebart-Rick in einem wunderschönen Alexandria, in dem alle sich freuen und glücklich sind. Dazu gab es aber auch eine Vision von einem verheulten Rick. Gleich zu Beginn wollten uns die Macher von „The Walking Dead“ auf zwei Möglichkeiten einstellen: entweder Trauer oder Glück. Zwei Dinge, die in der Welt von „The Walking Dead“ ja leider viel zu oft Hand in Hand gehen. Glück währt ja meistens gerade mal nur ein paar Folgen lang und dann übernimmt auch schon wieder die Trauer.

Trauer überwiegt auch mein Rückblick auf Staffel 8, den ich nicht ganz ohne SPOILER machen kann, weswegen diejenigen, die die Staffel noch nicht gesehen haben, jetzt vielleicht nur mal kurz über das Fazit linsen sollten.

Staffel 8 konnte sich in meinen Augen nie so recht entscheiden, was sie eigentlich sein wollte. Für eine Staffel, die unter dem Titel „All Out War“ lief, war nicht immer unbedingt viel von diesem „All Out War“ zu sehen. Das heißt, es gab zwar schon verdammt coole Action geladene Folgen wie etwa der Angriff auf Alexandria oder etwa der Angriff auf Hilltop. Aber so viel Krieg war nicht (auch wenn man sich bei den Gefechten, die man zu sehen bekam, schon immer fragen musste, woher die denn immer noch so viel Munition haben). „Gut“, mag jetzt der ein oder andere sagen, „ich will ja jetzt auch keinen Kriegsfilm sehen, sondern immer noch das, weswegen ich die Serie gerne schaue: gute Charakter-Momente, eklige Zombies und fragwürdige Entscheidungen!“

Charakter-Momente waren schwer zu finden, was irgendwie vor allem daran lag, dass sich Staffel 8 nicht auf ein paar wichtige beschränken wollte, sondern den Krieg möglichst breit fächern wollte. So bekam jeder noch so kleine Charakter irgendwie seinen Moment. Nur das die leider nicht immer wirklich gezündet haben und das viele Charaktere einfach zu dumme Entscheidungen trafen. Daryl (Norman Reedus) konnte in dieser Staffel wirklich nur durch Dummheit glänzen und kam sonst kaum richtig zur Geltung. Richtig auf den Keks ging mir Morgan (Lennie James) – seine Story hätte eigentlich schon viel früher enden sollen, ihn jetzt noch einmal in den Wahnsinn zu schicken, war irgendwie öde. Selbst ein Negan – und ja, das kommt von mir, dem Negan-Fan – konnte nicht immer in dieser Staffel überzeugen. Richtig dämlich wurde es dann, wenn man uns noch die kleine Enid (Katelyn Nacon) oder etwa Aaron (Ross Marquand) aufdrängte. Da hätte man was Gutes draus machen können, Staffel 8 hat’s nur leider nicht geschafft. Stattdessen wirkten die beiden besonders aufgezwungen und unnötig.

Einzig und allein Carl Grimes (Chandler Riggs) kann punkten – und traurigerweise damit, dass er in dieser Staffel sterben muss – nur um dann als Stimme der Vernunft christliche Nächstenliebe zu predigen. In den Comics lebt er ja noch, in der Serie ist er jetzt tot – und irgendwie wirkte dieser Tod so komplett unnütz. So wirklich komplett unnütz. Sie haben Carl auf wunderbare Weise aus der Serie verabschiedet – immerhin ist er ja schon seit Staffel 1 mit dabei – dennoch ist es jetzt im Hinblick auf das Finale echt blöd gewesen, ihn gehen zu lassen.

Womit ich dann mal kurz auf das Finale zu sprechen komme… seit Staffel 6 wurden die Saviors und Negan aufgebaut. Die ganze Staffel 7 wurden eigentlich nur Negan selbst gewidmet. Er macht unseren geliebten Rick kaputt, der sich dann mühsam wieder aufbaut – und dann kommt der All-Out-War, der – und das kommt jetzt ohne jede Übertreibung – in zwei Minuten im Finale beendet wird, indem man dazu noch die ganze Eugene-Geschichte auf eine blöde Art und Weise auflöst.

Ganz ehrlich, Staffel 8 war durchwachsen, aber ich hatte – bis zum Finale – noch echt meinen Spaß. Aber dieses Finale war einfach nichts. Da wird Ewigkeiten was aufgebaut und das ist dann die große Sache, mit der alles beendet wird. Sorry, „The Walking Dead“, aber das war einfach nur Mist!!!!

Wertung: 6 von 10 Punkten (ich zweifele ein wenig daran, ob ich mich auf Staffel 9 freuen soll oder nicht)

18 Kommentare leave one →
  1. 18. April 2018 23:03

    Die ganze Serie wird doch nur noch von Affen an Schreibmaschinen verfasst, oder? Da ergibt doch quasi nichts mehr irgendeinen Sinn. Die ganze Scavengers-Nummer führte bisher ins absolute Nirvana. Oceanside oder wie das heißt, schließt sich einfach mal spontan genau im richtigen Moment der Gruppe von Rick an, nachdem sie zuvor absolut nix von der ganzen Sache wissen wollten. Rick hat alle drei Wochen die nächste Selbstfindungsphase. Jesus hält bei Morgan einen Monolog gegen das Töten, schließt sich dann aber einer Rebellion gegen Rick an, in der es darum geht, Negan zu töten. Negan selbst ist nebenbei weiterhin die personifizierte Langeweile, weil man absolut nichts über ihn weiß, außer dass er seinen Baseballschläger nach seiner Frau benannt hat. Da hilft auch Jeffrey Dean Morgans gute Leistung nichts. Generell sind die zehntausend Figuren sowas von blass, dass mir einfach absolut scheißegal ist, was mit ihnen passiert. Mein Highlight war der Tod von dem Homosexuellen, bei dem ich in dem Moment nur dachte: Wer ist der Typ eigentlich nochmal?
    Interessant waren in dieser Staffel eigentlich nur der zeitweise gebrochene Ezekiel und eben Carl, den man natürlich killt, als er gerade mal nicht einfach nur nervt und einem auf den Sack geht. Eben wie in der Serie absolut üblich. Du wirst interessant, also musst du sterben.
    Immerhin fand ich die Staffel aber nicht so langweilig wie die letzten, weil zumindest meist was los war. Action können die ja. Ist zwar auch saudumm und man darf über die Abläufe keinesfalls nachdenken, aber wenns kracht, dann macht das schon Spaß. Mit allem anderen sind die Macher aber einfach komplett überfordert. Das ist aber eigentlich schon seit Staffel 2 so. Wenn nicht sogar seit dem Beginn der Serie. Das Finale war allerdings wirklich ein absoluter Witz nach dem ganzen Rumgedödel um die verschiedenen Gruppen. Und als nächstes gibt es dann ja scheinbar den großen Krieg Menschen gegen Zombies, was nun auch nicht gerade die Mörderspannung verspricht. Aber immerhin strunzdoofe Action, also werde ich wohl weitergucken.

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2018 23:39

      Du triffst den Nagel auf den Kopf. Volle Zustimmung von meiner Seite.

      Das Finale war wirklich ziemlich beschissen und die ganze Staffel war ein ewiges Hin und Her… ich bin echt gespannt, ob die sich in Staffel 9 mit neuer Show-Runnerin irgendwie noch fangen oder ob es ab jetzt wirklich einfach nur noch bergab geht.

      • 24. April 2018 00:51

        Wenn du mich fragst, geht es schon seit Ewigkeiten nur noch bergab, aber mal davon abgesehen, wäre es ja zumindest mal eine Abwechslung, wenn man jetzt erstmal auf die ewigen, sich im Kreis drehenden, Kriege mit anderen Gruppierungen verzichten würde und die Walker wieder mehr in den Fokus rückt. Angedeutet wurde es ja, mit der Totenarmee, die da scheinbar anrückt. Ist halt nur das Problem, dass das auch fast nur zu immer wieder gleichen Actioneinlagen ohne Sinn und Verstand führen wird. Die sollten sich lieber mal langsam überlegen, wie sie den ganzen Quark beenden und darauf hin steuern. Die Quoten sind ohnehin im Sinkflug und wenn das so weiter geht, zieht man vermutlich irgendwann den Stecker und dann hat man nicht mal ein richtiges Ende.

        • donpozuelo permalink*
          24. April 2018 09:35

          Die Quoten sind im Sinkflug, aber die Serie ist ja trotzdem immer noch das beste Pferd im Stall von amc.

          Ich hoffe nur auch, dass sie sich ein bisschen mehr zurück besinnen und auch wieder mehr mit den Untoten machen. Mehr Horror, weniger komisches Gedöhns.

          Und ja, ich hoffe, dass sowohl die Serie als auch die Comics bald mal ein Ende finden. Das Ding dreht sich wirklich gerade im Kreis und wird vorhersehbarer und vorhersehbarer.

        • 24. April 2018 18:20

          Ja, noch. Man ist mittlerweile aber wieder bei den Quoten von Staffel 2 angekommen. Schlechter lief nur die Erste. Wenn man die dann auch noch unterschreitet, dann zieht auch AMC irgendwann den Stecker, denn solche Serien werden mit der Zeit auch nicht günstiger.

        • donpozuelo permalink*
          25. April 2018 09:45

          Wohl auch wahr… naja, vielleicht lenkt sie das ein wenig in die Richtung, es dem Ende entgegen zu bringen. Zu viele Fans sind ja auch schon einfach genervt von der ganzen Sache.

        • 25. April 2018 10:39

          Berechtigterweise. Ist auch nicht die erste Serie, die ihren Zenit überschritten hat.

  2. 19. April 2018 19:36

    Ich fand die Staffel insgesamt spannend, wenngleich es auch die wohl am schlechtesten geschriebene war. Mein persönliches Highlight war ja als Negan auf ein Rollbrett gefesselt auf dem Boden liegt und Sekunden später in Besitz einer Waffe, einer Leuchtfackel und persönlicher Fotos der Scavengers-Lady ist. Immer nnoch gefesselt wohl gemerkt.

    „Oh nein! Die Saviors haben es aus dem Sanctuary geschafft. Wie? Nun, das verraten wir nicht, weil wir es selbst nicht wissen. Aber es war Eugene!“

    Figuren und ganze Gruppen tauchen auf und verschwinden wie man sie gerade braucht oder eben nicht. Das war manchmal wirklich erstaunlich.

    Staffel 8 soll ja so etwas wie der Abschluss des bisherigen Handlungsbogens gewesen sein. Von daher bietet sich jetzt der ultimate Zeitpunkt zum Aussteigen. Um ehrlich zu sein hätte ich auch kein Problem damit, wenn die Serie tatsächlich so enden würde. Abgesehen davon, dass Maggie jetzt zur Schurkin wird. Vielleicht…

    Dass sie Carl (der oftmals wirklich sehr genervt hat) einfah so sterben gelassen haben finde ich auch nicht gut. Für mein persönliches Traumende wäre er nämlich wichtig gewesen. Wird jetzt wohl garantiert nicht mehr dazu kommen. :/

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2018 23:37

      Oh ja… das mit den einzelnen Gruppen war echt merkwürdig. Die Scavengers werden mal eben weggekillt, weil sie keiner mehr braucht (und trotzdem machen wir Jadis mal eben interessant, weil sie wohl irgendwas mit dem Hubschrauber zu tun hat)… und wollen wir bloss gar nicht erst über die Oceansiders sprechen. Vollkommen überflüssig.

      Ja, Staffel 8 als Abschluss wäre okay… obwohl ich mich ja schon dafür interessiere, wie sie das mit den Whisperers machen.

      Und lass mich raten, du warst auch ein Fan von der Old-Man-Carl-Theorie??? 😉 Das wäre auch mein Lieblingsende gewesen. Aber kann ja in den Comics noch so passieren.

      • 25. April 2018 15:21

        Ja die Old-Man-Carl Theorie hat was. Denkbar wäre aber auch gewesen, dass im ultimativen Finale Carl Rick erschießen muss, weil dieser sich in einen Zombie verwandelt hat. Vielleicht in einem Szenario, in dem der Großteil der Walker ausgestorben/verwest ist und die Gefahr eigentlich gebannt ist. Die Erde ist quasi gereinigt und bereit für einen Neuanfang (gerade das Finale der letzten Staffel war dann doch etwas religiös angehaucht). Letzte Szene: Zombie-Rick stolpert auf Carl zu. Dieser zielt mit der Knarre auf ihn. Carl lässt die Waffe sinken. Schnitt – Aus die Maus.

        • donpozuelo permalink*
          26. April 2018 14:33

          Wow… okay, sehr geil! Find ich richtig gut. Aber das könnten sie ja theoretisch immer noch machen. Nur das Judith dann jetzt an Carls Stelle steht.

        • 26. April 2018 17:48

          Stimmt, wobei ich vermute, dass sie die bald auch absägen. Ich fand es jetzt schon z.T. sehr gezwungen wie man sie immer mal wieder ins Bild schieben musste. nach dem Motto: Die Zuschauer fragen sich bestimmt wo Judith ist. Michonne muss sie mal ins Bild halten. Oder Irgendein anderer Typ muss Rick darauf aufmerksam machen, dass er eine Runde mit der Kleinen spazieren geht. Worauf Rick jedes mal nur gleichgültig mit der Schulter zuckt 😉

        • donpozuelo permalink*
          26. April 2018 18:04

          Ja. Das stimmt. In den Comics haben sie die ja nicht… vielleicht übernimmt sie Carls Rolle oder verschwindet tatsächlich auch aus der Serie. Wer weiß…

  3. 21. April 2018 18:54

    Für mich ist die Serie schon sehr lange eine einzige Aneinanderreihung dummer Drehbuchentscheidungen. Ich stimme dir bei fast allem, was die Figuren betrifft zu, nur dass ich echt froh bin, dass dieser nervige Carl jetzt endlich weg ist und bei Morgan vermute, dass er einen Hirntumor hat. Und trotzdem werd ich bis zum Ende dran bleiben, weil mich die Idee einer filmischen Zombie-Langzeitstudie fasziniert.

    • donpozuelo permalink*
      23. April 2018 23:34

      Ich werde auch bis zum Ende dran bleiben, aber ja… die Drehbuchentscheidungen sind alle nicht mehr super.

      Carl mochte ich eigentlich immer, Morgan ging mir da irgendwann viel mehr auf die Nerven. Zum Glück ist er jetzt bei „Fear the Walking Dead“, was ich nicht auch noch gucken werde…

      • 24. April 2018 18:03

        Oh Gott, das habe ich nach der ersten Staffel direkt aufgegeben..,

        • donpozuelo permalink*
          25. April 2018 09:45

          😀 Die Comics haben es bei mir immer noch ein bisschen gerettet. Bei Staffel 3 bin ich dann kurzzeitig ausgestiegen, aber jetzt halte ich tapfer durch 😀

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