TWB XX: Diamanten-Fresse
Nicht jeder Geburtstag ist das absolute Highlight. Doch gerade runde Jubiläen sollte man gebürtig feiern. So richtig die Sau raus lassen und alle damit beeindrucken, dass das Alter einen nicht unterkriegen kann. Da darf man auch mal ordentlich auf die Kacke hauen! Das dachte man sich auch bei Bond nicht lumpen lassen – vor allem wenn man 2002 gleich ein doppeltes rundes Jubiläum feiern konnte. Zum einen waren da schon 40 Jahre seit dem ersten Bond-Film „Dr. No“ vergangen, zum anderen ist „Stirb an einem anderen Tag“ der bereits 20. Bond-Film. Da zeigte man sich äußerst spendabel und produzierte mit knapp 140 Millionen Dollar nicht nur den teuersten Bond-Streifen aller Zeiten, sondern auch einen der unnützesten.
„Stirb an einem anderen Tag“ beginnt mit einem Desaster: Bond (Pierce Brosnan) wird in Nordkorea gefangengenommen, nachdem er Colonel Moon getötet hat. Über Monate wird der arme James gefoltert und gequält, bis man ihn schließlich gegen Moons rechte Hand Zao (Rick Yune) austauscht. Der hat dank Bond nicht nur schicke Diamanten durch eine Explosion in die Haut gebrannt bekommen, sondern hat auch fleißig Agenten ermordet. Beschuldigt wird Bond, den der Anruf über die verdeckten Agenten kam aus Bonds Gefängnis. Natürlich will der Gute sich reinwaschen und stellt Nachforschungen an: Die führen ihn zum Millionär und Diamantenhändler Gustav Graves (Toby Stephens), hinter dem auch die foxy Agentin Jinx (Halle Berry) her ist. Worauf Bond allerdings nicht vorbereitet ist: Graves hat ein überraschendes Geheimnis.

Für einen Jubiläums-Bond ist „Stirb an einem anderen Tag“ ziemlich miserabel geworden. Das fängt bereits bei dem wirklich gruseligen Madonna-Titelsong an und geht dahin, dass ständig und ziemlich verzweifelt versucht wird, Bond-Zitate auf möglichst subtile Art und Weise in den Film mit einzubauen. Am meisten davon bekommen wir in Qs Abteilung, wo wir auf „Little Nellie“ stoßen oder den Jetpack-Rucksack. John Cleese darf dann noch einen doofen Spruch über die zwanzigste Uhr machen, die er dann doch gerne wiederhätte. Anschließend versucht sich Halle Berry verzweifelt daran, wie Ursula Andress in „Dr. No“ aus dem Meer zu kommen. Doch auch wenn Berry die größeren „Vorzüge“ hat, sah das bei Andress um Welten besser aus. Einzig und allein bei dem durchgeknallten Gustav Graves mag man sich vielleicht ein kleines bisschen an all die verrückten Schurken früherer Bond-Filme erinnert fühlen, die mit ähnlich absurden Plänen die Weltherrschaft erlangen wollten. Somit ist Toby Stephens meiner Meinung nach auch der Einzige, den man hier ein bisschen loben kann… sein Graves ist so abgehoben, schrill und merkwürdig, das er wirklich ein würdiger Gegner für den Jubiläums-James ist.
Doch das war’s dann eigentlich auch schon. Abgesehen von den Filmverweisen reiht Regisseur Lee Tamahori eine Action-Szene an die nächste. Einige Sachen davon sind sogar gar nicht mal schlecht, doch leider bleiben die absurden Sachen in Erinnerung – wie zum Beispiel die Flucht übers Eis vor einem Energie-Strahl aus dem All, was anschließend zur einer hässlich computergenerierten Kite-Surf-Aktion führt, die leichte Übelkeit erzeugt. Weil sie so furchtbar hässlich ist. Nein, nein, nein… „Stirb an einem anderen Tag“ wirkt seelen- und lieblos zusammengestellt. Für ein Jubiläum extrem schwach, kümmert man sich hier doch eher um die Action als um eine halbwegs ansprechende Story.

Jetzt können die Nörgler natürlich wieder kommen und sagen, dass das genau das ist, was Bond doch eh ausmacht, aber wenn dem so wäre, dann hätte man es wohl nie auf zwanzig Filme gebracht. „Stirb an einem anderen Tag“ hat neben allem auch irgendwie damit zu kämpfen, dass Pierce Brosnan scheinbar darunter zu leiden hat, dass dies sein letzter Auftritt als Agent Ihrer Majestät ist. Ich kann’s nicht genau sagen, aber Brosnan überzeugt mich hier überhaupt nicht – weder als wild fuchtelnder Schwertkämpfer noch als Kite-Surfer oder als Doppel-Null-Agent. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass die sonstigen Darsteller jetzt keinen erwähnenswerten Auftritt abliefern.
Somit bleibt „Stirb an einem anderen Tag“ ein unwürdiges Geburtstagsgeschenk für James Bond. Naja, ich find’s fast auch ein bisschen schade für Pierce Brosnan, der, obwohl er viermal 007 sein durfte, nur einen wirklich guten Agentenfilm vorzuweisen hat. Ciao, Pierce… und hallo Craig! (Aber der kommt ja erst nächste Woche.)
Wertung: 3 von 10 Punkten (es fängt schon mit einem furchtbaren Song an und wird leider nicht besser)
Fahr oder stirb!
Die gewöhnliche Startgeschwindigkeit für ein Flugzeug liegt bei 250 bis 300 Kilometer pro Stunde – je nach Gewicht und Größe. Die gewöhnliche Länge einer Startbahn beträgt etwa 4 Kilometer. Es gibt auch längere… aber selbst die längste Bahn hört dann so bei 12 Kilometer auf. Aber gewöhnlich ist langweilig. Gewöhnlich will kein Schwein sehen… vor allem nicht, wenn man ins Kino geht. Da muss alles sehr viel größer sein.
Hat sich auch Justin Lin gedacht und eine wirklich spektakuläre Flugzeug-Kaper-Szene in seinen neuesten „Fast and Furious“-Film eingebaut. Eine Szene mit viel Geschwindigkeit und einer verdammt, verdammt langen Startbahn für das Flugzeug. Wenn man man annimmt, dass all die kleinen netten Autos während dieser knapp 15 Minuten um die 150 Kilometer pro Stunde fahren, dann ist die Startbahn stolze 40 Kilometer lang – mehr oder weniger. Erstaunlich, nicht wahr?
Doch erstaunlich ist nicht etwa mein rudimentäres Physikwissen, sondern die Tatsache, dass ich während eines Actionfilms anfing nach der Logik zu fragen. Wenn das passiert, dann ist es eigentlich schon zu spät. Es ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass man mit diesem Action-Film nicht so ganz warm geworden ist… wenn sich das Hirn wieder einschaltet, stimmt was nicht.
Und so erging es mir dann leider auch mit dem neuesten „Fast and Furious“, dem mittlerweile sechsten Teil der Raser-Reihe. Nach ihrem großen Coup in Rio haben sich Dom (Vin Diesel) und seine Crew zur Ruhe gesetzt. Brian (Paul Walker) ist mittlerweile stolzer Papa, während die anderen der Gang ihren neuen Luxus in vollsten Zügen genießen. Doch dann taucht der gute Hobbs (Dwayne Johnson) wieder auf: Er hat ein Problem mit Owen Shaw (Luke Evans). Der Typ will mit seinem Team eine fiese Waffe bauen und braucht dafür nur etwas vom Militär. Dom und seine Crew sollen Hobbs helfen, Shaw dingfest zu machen. Als Köder dafür dient ein Foto von Doms totgeglaubter Freundin Letty (Michelle Rodriguez), die angeblich für Shaw arbeitet.

Auch wenn mein oben genanntes Beispiel mit dem Flugzeug vielleicht ein schlechtes Bild auf „Fast and Furious 6“ werfen könnte: Die Action ist super. Justin Lin versucht noch einmal sich selber zu übertreffen. Da gibt’s dann geile Verfolgungsjagden quer durch London, da wird ein Panzer zur Straßenwalze umfunktioniert und ja, es gibt da noch diese Nummer mit dem Flugzeug. Sieht alles super aus, aber hier und da sind mit Lin die Pferde durchgegangen – gerade bei der Sache mit dem Panzer. Da gibt’s so einen CGI-gesteuerte Sprung… naja, sagen wir mal: Der tut beim Hingucken echt weh. Fast ein wenig schade, wenn man überlegt, wie geil die ganzen handgemachten Stunts im fünften Teil noch aussahen.
Aber gut, das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau. Als Action- und Stunt-Film kann sich „Fast 6“ absolut sehen lassen. Und einen echten Leckerbissen hat Lin dann noch im Ärmel. Wenn sich jemals zwei Frauen wirklich prügeln sollten, dann hätte man wohl niemand besseren finden können als „Haywire“-Kampfamazone Gina Carano und „Machete“-Biatch Michelle Rodriguez. NICE!!! Da erkennt man, dass Carano wirklich was vom Kämpfen und Lin wirklich was von guter Stunt-Umsetzung versteht. Seit langem habe ich keinen so guten Fight mehr gesehen. Da kann selbst „The Rock“ mit seiner Wrestling-Fleischberg-Einlage einpacken.
Woher aber bekommt dann mein Gehirn die dumme Idee, sich während dieser wirklich grandiosen Knall-Bumm-Action einfach wieder einzuschalten? Es könnte möglicherweise daran liegen, dass mein leichter Kritikpunkt am fünften Teil nun zu einer mittelschweren Katastrophe geworden ist. Die leichten „Ocean’s Eleven“-Anklänge werden im sechsten Teil zu einem wirklichen Problem. Ähnlich wie in „Ocean’s Twelve“ wirkt das alles nicht mehr rund. „Fast 6“ wirkt wie eine doofe Highschool-Reunion, in der sich die coolen Kids nach langer Zeit wieder treffen und doofe Sprüche klopfen, um sich gegenseitig zu zeigen, wie cool sie immer noch sind. Sorry, aber für mich passt das alles nicht so ganz zusammen. Dazu kommt dann alle fünf Minuten noch ein Mafiosi-Spruch aus „Der Pate“: Frei nach dem Motto: „Die Familie hält zusammen!“

Es ist zwar ein netter Versuch, alle vorherigen Filme noch stärker mit einander zu verbinden, aber ganz ehrlich: So was will ich nicht in dem Ausmaß in einem „Fast and Furious“-Film sehen… außer Steven Soderbergh inszeniert ihn.
Naja… Scheiß-Hirn. Sollte man wirklich stärker unter Verschluss halten. „Fast and Furios 6“ sieht wirklich nicht schlecht aus, Carano und Evans waren ein netter Zuwachs zur Gruppe… nur langsam wird mir die Reihe zu sehr zu einem „Familienfilm“. Da darf man wohl gespannt sein, was uns im siebten Teil erwartet (vor allem wenn man bedenkt, wer uns da nach dem Abspann einen kurzen Blick in die Zukunft gewährt).
Alles in allem lässt mich „Fast 6“ mit gemischten Gefühlen zurück… insgesamt würde ich ihn dann aber doch etwas schwächer als „Fast 5“ einschätzen. Irgendwie waren sich alle ein bisschen zu sicher… trotzdem: Die Action kann sich sehen lassen – und den Fight Carano-Rodriguez könnte ich mir in der Wiederholung gern noch einmal anschauen.
Wertung: 7 von 10 Punkten (ein wenig abgehoben, ein wenig zu over-the-top… dennoch irgendwie immer noch ziemlich cool)
Ganz viel Benzin im Blut
Irgendwann habe ich irgendwo mal gelesen, dass irgendein Wissenschaftler scheinbar nichts besseres zu tun hatte und eine Studie durchführte. An Männern. Mit heißen Frauen und Autos. Ergebnis dieser Studie, die wahrscheinlich den Titel „Brumm & Wow – Männer, Frauen und Autos“ hieß, war folgendes: Wenn Männer einen Sportwagen sehen, wird eine bestimmte Gehirnregion ganz besonders stimuliert, die dem Mann suggeriert: „Boah, geile Kiste!“. Die gleiche Gehirnregion wird, laut unseres schlauen Forschers, auch stimuliert, wenn Männer eine heiße Frau sehen: „Boah, geile Schnitte!“ Dementsprechend kann man schlussfolgern, dass, wenn man heiße Frauen und coole Karren zusammenpackt, Männer den absoluten Hirnorgasmus bekommen, sabbern auf dem Boden krabbeln und nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Das scheint auf Automessen gut zu funktionieren, da dachte man sich 2001: „Das könnte auch als Film gut funktionieren!“ So wurde eine Filmreihe geboren, die anders ist als andere Filmreihen… vor allem in der Art und Weise, wie sie von Film zu Film an Qualität gewinnt oder verliert.
Um dem Namen der „Fast and Furious“-Reihe treu zu bleiben, gibt’s jetzt alle fünf Filme im rasanten und furiosen Schnelldurchlauf:
„The Fast and the Furious“ (2001)

Was Rob Cohen uns hier serviert, ist die Standard-Undercover-Cop-Nummer: Paul Walker soll herausfinden, welche wilde Straßengang Trucks überfällt und schleust sich bei illegalen Straßenrennen ein, wo er auf Vin Diesel und seine Gang trifft. Nichts besonderes – hier jagt ein Klischee das nächste, die Story ist vorhersehbar bis zum letzten Crash. Und trotzdem ist’s irgendwie ganz nett anzuschauen – hauptsächlich halt wegen der Autos.
Für Vin Diesel war das wie geschaffen, schließlich muss er nur grimmig in die Kamera gucken und coole Sprüche klopfen. Paul Walker dagegen sieht wie ein kleiner Schuljunge aus und wirkt nicht unbedingt wie der knallharte Bulle, der er gerne sein möchte.
Großes Highlight des Films ist eigentlich nur die letzte Szene, in der ein Truck überfallen wird. Hier kribbelt es dann doch ordentlich. Hier spürt man die Geschwindigkeit.
Insgesamt ein netter, grundsolider Action-Streifen, der mehr oder weniger hält, was der Titel verspricht.
Wertung: 7 von 10 Punkten
„2 Fast 2 Furious“ (2003)

So schnell wie es begonnen hat, so scheint es auch wieder unterzugehen. Teil 2 der Raser-Reihe ist der absolute Reinfall. Die Story aus dem ersten Teil wird einfach nur noch mal recycelt… leider fehlen sowohl Vin Diesel als auch die wirklich spektakulären Rennen. Wodurch die lahme Story noch mehr quält als im ersten Teil.
Dazu kommt, dass a) Paul Walker in seinen übergroßen Shirts nach wie vor wie ein Milchbubi ausschaut und b) die ganze Buddy-Nummer mit Tyrese Gibson extrem nervt. Jeder Satz wird mit „Bro“ beendet. Für Barney Stinson ist das okay, für Action nicht so sehr.
Der Film langweilt extrem, weil wirklich gar nichts funktioniert. Vielleicht ist’s für Auto-Schrauber noch interessant, aber ansonsten…
Wertung: 2 von 10 Punkten
„The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ (2006)

Eigentlich kein richtiger „Fast and Furious“-Film, denn nach Vin Diesel fehlt jetzt auch Paul Walker. Dafür bekommen wir Lucas Black, der uns vorgaukeln soll, einen 17-Jährigen zu spielen, was grandios in die Hose geht.
Wenigstens ist ein Neuzugang zur Reihe nicht komplett sinnlos: Regisseur Justin Lin nimmt hinter der Kamera Platz und sorgt endlich mal wieder für richtige Action. Man verlege die Handlung nach Tokyo – das sieht cool aus. Man fahre keine einfachen Straßenrennen mehr, sondern man driftet jetzt. Das sieht nämlich gleich noch viel cooler aus. Lin inszeniert seine Auto-Crash-Orgie mit einer Hingabe, die man nur loben kann. Gut, die Underdog-Story hinkt extrem und erinnert irgendwie mehr an das doofe „Karate Kid“-Remake, aber die Action haut’s dann doch wieder raus. Endlich wird man wieder durch gute Rennen von der Story abgelenkt.
Ach ja, und Sung Kang als Han ist eine coole Sau (und ein Zeitreisender noch dazu??!!!??? Kleine Info am Rande: Genau genommen (und ohne das ich jetzt zu viel verrate) ist Teil 3 ein weiter Blick in die Zukunft, der zeitlich erst nach Teil 4 und 5 (und auch 6) kommt.)
Wertung: 6 von 10 Punkten
„Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile“ (2009)

Richtig!!! Man lasse die Artikel weg, damit das Ganze nicht zu abgehoben klingt und man sorge für die Originalteile. Sprich: Der Diesel is back. Und auch der Walker. Und eigentlich alle aus dem ersten Teil. Nur leider stirbt Vins Freundin Michelle Rodriguez und der Vin will Rache.
Justin Lin gibt der Reihe einen Film mit etwas mehr Inhalt. Straßenrennen gibt’s aber immer noch… die werden nicht nur etwas feiner ins Gesamtgeschehen integriert, sondern finden endlich auch mitten im laufenden Verkehr statt. Endlich gibt’s den echten Adrenalin-Kick.
Die Action stimmt also, die Darsteller sind auch endlich wieder und Justin Lin verpackt das Ganze zu einem wirklich beeindruckenden Film, der echt Spaß macht.
Wertung: 8 von 10 Punkten
„Fast & Furious Five“ (2011)

Oder damit’s noch schneller geht: „Fast 5“. Der Höhepunkt der Reihe. Lin vereint alle vorherigen Filme und vermischt Autoaction mit „Ocean’s Eleven“. Das ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, ist aber großartiges Blockbuster-Kino.
Lin setzt vor allem auf handgemachte Action und das spürt man. Wie ich schon damals in meiner Review schwärmte, so kann ich es nur wiederholen: Der Film macht Spaß, bietet geile Action und rockt… nicht nur wegen Neuzugang Dwayne „The Rock“ Johnson.
Wertung: 9 von 10 Punkten
Man kannn Justin Lin echt nur dafür loben, was er aus der Reihe gemacht hat, die sonst sicherlich ganz dem Untergang geweiht gewesen wäre. Jetzt muss man halt nur aufpassen, dass es nicht zu sehr dieser „Ocean’s Eleven“-Machart folgt… denn: Wenn ich das sehen will, dann gucke ich auch „Ocean’s Eleven“. Denen steht das, Fleischberge wie The Rock oder Vin Diesel sollen sich nur gegenseitig oder anderen die Köpfe einschlagen. Mehr will ich von denen nicht… naja, außer, dass sie coole Schlitten fahren und heiße Bräute haben…
oh oh… gleich kommt der Hirnkollaps….
TWB XIX: Rohrkrepierer
Eine kurze Anmerkung zur Überschrift: Ja, man darf sie mehr oder weniger wörtlich nehmen.
Aber jetzt zum eigentlichen Thema: Darf man zu einem James Bond eigentlich spoilern? Ich meine, in den meisten Fällen ist doch eh klar, was passiert, oder nicht??? Wir sind mittlerweile doch schon beim neunzehnten Film angekommen. Große Überraschungen dürfen wir nicht mehr erwarten. Bond war schon tot (naja, so zum Schein auf jeden Fall), Bond war schon (für eine Minute etwa) verheiratet , Bond wurde schon gefeuert. Es kann uns doch eigentlich wirklich nichts mehr überraschen: Egal, was passiert, am Ende rettet er die Welt und bekommt die Frau. Doch meine Spoiler-Gedanken kommen nicht von ungefähr… und so werde ich in meiner „Anmerkungen“ zu „Die Welt ist nicht genug“ einen wichtigen Storyplot verraten müssen… sonst habe ich nichts weiter, was ich an diesem Film loben könnte (ich gebe mir trotzdem Mühe, es so subtil wie möglich zu machen – nur für den Fall, dass sich jemand diesen Rohrkrepierer doch noch anschauen möchte).
In „Die Welt ist nicht genug“ bekommt es Bond (Pierce Brosnan) mit dem fiesen Terroristen Renard (Robert Carlyle) zu tun. Der hat zuerst die Tochter des Industriellen Sir Robert King Elektra (Sophie Marceau) entführt, anschließend King selbst umgebracht und will nun den Bau der Öl-Pipeline sabotieren, die King (und nach ihm seine Tochter) von Aserbaidschan bis an die türkische Mittelmeerküste bauen will. Doch schnell kommt Bond hinter den wirklichen Plan und muss mit Hilfe der Wissenschaftlerin Christmas (Denise Richards) eine Katastrophe verhindern.

Ja, was soll ich dazu sagen? „Die Welt ist nicht genug“ ist der endgültige Beweis, dass es mit Bond nur noch bergab geht. Während man an „Der Morgen stirbt nie“ zumindest noch die Action loben konnte, fällt es bei diesem Film schon verdammt schwer, etwas lobenswertes zu finden.
Zugegebenermaßen hat man versucht, ein spannendes Drehbuch zu schreiben… so wird Bond hier mehr als einmal hinters Licht geführt und weiß nie so ganz genau, wem er eigentlich trauen kann. Gleichzeitig hat man auch versucht, Judi Denchs M etwas mehr Spielraum zu geben. Doch leider geht beides in die Hose: Judi Dench scheitert daran, dass sie komplett unterfordert wird. Sie darf zwar dieses Mal mehr sein als nur Auftraggeber, leider wirkt sie in allem nicht unbedingt wie die harte MI6-Chefin.
Was für Judi Dench gilt, gilt auch für den Rest der Story: Man versucht viel und hat sich sicherlich auch viel vorgenommen, doch so wirklich will der Funke nicht überspringen. Auf der einen Seite finde ich es toll, dass sie versucht haben, mal einen weiblichen Bösewicht zu zeigen. Leider ist Elektras Geschichte absolut albern und wirkt, als hätte jemand mal schnell was über Entführungsopfer gegoogelt.
„Die Welt ist nicht genug“ hätte gut werden können, fühlt sich aber eher an, als wären tausend Einzelteile eines Puzzles nicht richtig zusammengesetzt worden. Die einzelnen Charaktere wirken überzeichnet und gänzlich unglaubwürdig. Schlimmstes Beispiel dafür: Robert Carlyles Renard. Ich mag ja Carlyle, aber ähnlich wie Dench ist er hier komplett unterfordert.

Tja… findet wir noch irgendwas Gutes an diesem Film? Denise Richards vielleicht? Auch irgendwie unglaubwürdig. Eine geile Schnecke, die in Tank Top und Hot Pants irgendwo im Nirgendwo nur unter Männern arbeitet und auch noch Christmas heißt? Naja… immer noch besser als Pussy Galore
Trotz all dieser vielen Fehler wird „Die Welt ist nicht genug“ auf ewig einen Platz in meinem Herzen haben… schließlich müssen wir uns von der Seele der Bond-Reihe verabschieden. Desmond Llewellyn verabschiedet sich. Q geht… und da hat dieser Film dann auch seinen emotionalen Moment (wenn ihn der neu eingeführte John Cleese nicht ständig kaputt machen würde). Für seinen letzten Auftritt hätte ich mir eigentlich mehr gewünscht… aber für einen guten Q-Moment schaut man sich einfach noch einmal „Lizenz zum Töten“ an!
Man könnte sich diesen Film schön reden, aber letztendlich bleibt er ein Rohrkrepierer. Einige Action-Sequenzen sind super (gerade die Jagd über die Themse ist super), aber sowohl Story als auch Darsteller können nicht wirklich überzeugen.
Wertung: 4 von 10 Punkten (Leb wohl, Q!!! Du wirst schmerzlichst vermisst!!!)
Es regne Blut!
Vor Kult wird nicht mehr halt gemacht. Alles wird heutzutage recycelt. Wir müssen ja schließlich an die Zukunft denken. Und wenn es da mal einen Klassiker gibt, bei dem die Jugend von heute vielleicht nur mit der Stirn runzelt, wenn sie den Namen hört, dann ist es Zeit für ein Remake. Alte Klassiker dürfen schließlich nicht untergehen. Vielleicht wird so der ein oder andere angeregt, sich nach dem Remake noch einmal mit dem Original zu beschäftigen… was durchaus ein schöner Nebeneffekt sein kann. Vielleicht entdeckt so der ein oder andere auch den Zauber längst vergessener Filme.
Nun gut, bei Sam Raimis „The Evil Dead“ von einem längst vergessenen Film zu sprechen, ist möglicherweise etwas zu weit hergeholt. Denn der Film ist einfach nicht tot zu kriegen. Tot ist er zwar nicht, aber dafür verbannt und hinter Schloss und Riegel – zumindest hier in Deutschland. Da will man nicht, dass die Zuschauer sehen müssen, wie Bruce Campbell als Ash gegen seine von Dämonen besessenen Freunde kämpfen muss. Zum Glück für alle, die wissen wollen, worum es so halbwegs ging, gibt’s ja jetzt das Remake… und das ist vorerst nicht verboten, beschlagnahmt oder verbannt.
In „Evil Dead“ begeben sich – wie schon im Original – fünf Freunde in eine ziemlich gruselig aussehende Hütte. Doch dieses Mal nicht, um Urlaub zu machen. Stattdessen wollen sich David (Shiloh Fernandez) und seine Freunde um Davids süchtige Schwester Mia (Jane Levy) kümmern. Aber dann finden sie ein merkwürdiges Buch, Davids Freund Eric (Lou Taylor Pucci) liest eine Passage daraus laut vor (obwohl mehrere Zeilen ihn davor warnen, hier nichts vorzulesen… tja, wer lesen kann, ist klar im Vorteil… oder in diesem Fall eben nicht) und schon geht’s los.

Man könnte sich jetzt natürlich wieder lange darüber streiten, ob dieses Remake wirklich notwendig ist oder nicht. Die Tatsache, das sowohl Sam Raimi als auch Bruce Campbell von Anfang an bei der Produktion dabei waren, genügt mir aber. Somit sind die zwei wichtigsten Menschen der „Evil Dead“-Reihe auch beim Remake mit dabei und sorgen dafür, dass das Feeling des Originals bestehen bleibt.
Mal abgesehen von der Tatsache, dass Shiloh Fernandez absolut kein würdiger Bruce Campbell-Ersatz ist (aber wer ist das schon???), macht Regisseur Fede Alvarez eigentlich alles richtig. Denn genau wie schon im Original geht es weniger um eine starke Story noch um besonders ausdrucksstarke Darsteller. Wichtig ist nur die Atmosphäre und das „Schlachten“ von Dämonen.
Bevor wir uns darum kümmern, vielleicht zwei Dinge: Die Drogensucht Mias ist eigentlich ein ganz netter Touch, ermöglicht das nämlich gerade zu Beginn, dass die meisten Hüttenbewohner ihre Wahnvorstellung als Nebenwirkung des Entzugs werten. Eine simple Idee, die aber äußerst effektiv ist, um für ein bisschen mehr Ahnungslosigkeit bei den Charakteren und somit für etwas mehr Spannung zu sorgen. Gleichzeitig muss man an dieser Stelle wenigstens eine Dame besonders hervorheben: Jane Levy ist toll. Ob als zerbrechliche Schwester oder als Dämon – Levy ist nicht nur Scream-Queen, sondern auch wirklich, wirklich gut.
Wirklich, wirklich gut – und damit kommen wir jetzt eigentlich zum Wesentlichen – ist auch der Rest von „Evil Dead“. Der Trailer verspricht nicht zu viel und Fede Alvarez hat sich auch besonders viel Mühe gegeben, alle Zerstückelungen, Gliedmaßen-Trennungen, Gesichtsentstellungen und Dämonen-Beseitigungsvorgänge so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Im Vergleich dazu könnte Raimis Original auf einem Kindergeburtstag laufen… und, nein, ich übertreibe nicht. Ob nun Hammer, Nagelschuss-Gerät, Kettensäge oder Glasscherbe – wenn man damit Schaden anrichten kann, dann wird damit auch Schaden angerichtet. Da fließt das Kunstblut Literweise (wirklich, es fließt Literweise, das ist jetzt keine Übertreibung). Während Raimis Knet-Stop-Motion-Versuche schon recht ansehnlich waren, ist Alvarez Gewalt-Orgie schon fast nicht mehr anzusehen… es sei denn, man traut sich, zwischen den Finger der vorgehaltenen Hand durchzuschielen. Es geht hart auf hart… viele Verschnaufpausen lässt uns der Film nicht zukommen. Wirklich amüsant wie im Original ist das auch nicht – außer vielleicht Davids ständigen Versuche, alle möglichen größeren Wunden mit Paketklebeband zu verarzten.
Auch fehlt es „Evil Dead“ irgendwann ein wenig an Atmosphäre. Im Endeffekt geht es von einer Schlachterei zur nächsten. Gruselig ist das nicht, aber manchmal unerträglich realistisch.
„The Evil Dead“ ist Kult, daran wird auch dieses Remake nichts ändern. Es könnte höchstens sein, dass der Film selbst Kultstatus erreichen könnte – allein für die Tatsache, dass es endlich mal wieder ein Film ist, der hält, was er im Trailer verspricht… und dieses Versprechen wird mit jeder Menge Kunstblut verewigt.
Wertung: 8 von 10 Punkten (Remake geglückt, Hollywood hat kein Kunstblut mehr und ich rate allen Fans des Originals: WARTET UM GOTTES WILLEN DEN ABSPANN AB!!!!)
Mein mysteriöser Onkel Charlie
Seriendarsteller haben es nicht einfach… denn wenn sie mal eine Rolle erwischen, die sich über lange Zeit halten kann, dann wird ihnen diese Rolle auf ewig anhaften. Da gibt’s kein Entkommen. Das wird dann immer „der Typ aus…“ sein. Ob man nun möchte oder nicht, Serien bleiben hängen. Wer sich dennoch außerhalb seiner Serie behaupten möchte, der muss zu einigen Tricks greifen. Aus diesem Grund entstand Ted Foulke. Teds richtiger Name war nämlich zu sehr mit einer bestimmten Serie verbunden, aber Ted hatte ein tolles Drehbuch geschrieben, das unbedingt an den Mann gebracht werden sollte… möglichst ohne den bekannten Namen als Sprungbrett oder als Abschreckung zu benutzen. Allerdings dauerte es einige Zeit, doch letztendlich fand sich jemand für Teds Drehbuch. Und wenn ein südkoreanisches Regie-Ass sich dein Drehbuch für sein Hollywood-Debüt aussucht, dann kannst du auch mit Stolz deinen wahren Namen wieder angeben.
Und trotzdem staunt man nicht schlecht, dass Park Chan-wooks Hollywood-Debüt ausgerechnet auf dem Drehbuch von „Prison Break“-Star Wentworth Miller basiert? Ein Serienstar, der plötzlich Drehbücher schreibt… kaum zu glauben. Doch hinter „Stoker“ versteckt sich ein erstaunlich vertrackter und spannender Plot, der gekonnt mit Thrill, Drama und Gruselelementen arbeitet… perfekt also auch für Park Chan-wook.
India (Mia Wasikowska) sollte eigentlich ihren 18. Geburtstag feiern, doch statt viel Freude herrscht plötzlich Trauer im Hause der Stokers. Ihr Vater ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Gleichzeitig taucht während der Trauerfeier wie aus dem Nichts ihr Onkel Charlie (Matthew Goode) auf. Der mysteriöse Typ, von dem immer nur gesagt wird, dass er viel auf Reisen war, nistet sich bei Familie Stoker ein und bezirzt ganz nebenbei auch noch Mama Stoker (Nicole Kidman). Nur India sträubt sich, dem fremden Onkel näher zu kommen… denn während er nicht zu gehen scheint, verschwinden plötzlich andere Menschen.

„Stoker“ ist ein Film der starken Bilder. Auch wenn wir es vorwiegend eigentlich nur mit drei Personen zu tun haben, sorgt Park Chan-wook dafür, dass wir diesen Mikrokosmos der Stoker-Familie bis ins kleinste Detail kennenlernen. In jeder Einstellung schwebt etwas Geheimnisvolles, jedes Bild wirkt wie ein Gemälde, das nur darauf wartet, interpretiert zu werden. „Stoker“ wird so zu einem Film, der sehr stark von seinen Bildern lebt… das führt hier und da allerdings auch dazu, dass die Figuren darin manchmal etwas verloren und künstlich wirken.
Gerade Mia Wasikowska und Nicole Kidman erscheinen wie Personen aus einem Katalog. Aalglatt, bildschön und unnahbar. Fast als wären sie nicht von dieser Welt. Und höchstwahrscheinlich ist das, was sich nach Kritik anhört, auch genau das, was Park Chan-wook erreichen wollte. Denn nur so eine Mutter kann ohne großes Nachfragen den fremden Onkel in ihr Haus lassen. Von Trauer ist in dieser Familie nicht allzu viel zu spüren… selbst Onkel Charlie wirkt glücklich darüber, dass er allein mit den beiden Frauen sein kann.
Mit Matthew Goode als Geheimniskrämer Charlie hat Park Chan-wook dann auch den besten Fang gemacht. Ebenfalls wie ein Model aus einem Katalog will man bei ihm mehr als bei den beiden Frauen hinter die Fassade des hübschen Lächelns blicken. Goode verleiht seiner Rolle etwas Unheimliches, Bizarres. An der Figur des Onkel Charlies habe ich auch die meiste Zeit gezweifelt… ist er wirklich nur ein Mensch? Oder ist da mehr? Aber Park Chan-wook geht der Beantwortung dieser Frage immer wieder geschickt aus dem Weg… wir können und dürfen leider nur genauso viel wissen, wie India selbst.
Was mich zusätzlich beeindruckt hat, ist ein kleines Detail, dass ganz zum Anfang kurz erwähnt wird. Hier verrät uns India, dass sie ein äußerst feines Gehör hat. Und darauf sensibilisiert uns auch der gesamte Filme… selbst die leisesten Geräusche wie ein Schlucken oder ein Seufzen dröhnen manchmal mit der Gewalt eines Gewehrknalls durch das sonst so ruhige Haus. Daran muss man sich ein bisschen gewöhnen, doch dann wird „Stoker“ selbst zu einem grandiosen auditiven Erlebnis (vom tollen Soundtrack mal ganz zu schweigen).
Doch allerdings ist nicht unbedingt alles an „Stoker“ so hervorragend. Zur Mitte des Films ziehen sich manche Dialog-Szenen bis ins Unendlich, wirken dann teils ebenso künstlich wie die Figuren, die sie sprechen. Dadurch zieht sich der Film und verliert etwas an Tempo. Auch die Auflösung selbst kam mir nach der wirklich großartigen Vorbereitung etwas lahm vor.
Ansonsten kann man über „Stoker“ trotzdem nicht meckern. Es ist zwar kein „Oldboy“, aber man spürt den Park Chan-wook an jeder Ecke. „Stoker“ ist wahrscheinlich in etwa das geworden, was Alfred Hitchcock aus dem „Lolita“-Thema gemacht hätte… eine spannende Ménage-à-trois mit einem leichten Hauch des Übernatürlichem!
Wertung: 9 von 10 Punkten (ob Korea oder Hollywood: Park Chan-wook hat’s drauf!!!)
TWB XVIII: Gute schlechte Nachrichten
Es ist eine schwierige Zeit, in der ein „GoldenEye“-Nachfolger gedreht werden muss. Nicht nur sind die Erwartungen nach dem erfolgreichen „Neustart“ mit Pierce Brosnan extrem hoch, das Ganze wurde auch noch vom Tod des Bond-Produzenten Albert R. Broccoli überschattet… und der Mann überwachte seit dem Beginn der Reihe das Fortbestehen des Agenten. Doch wie wir ja alle wissen, bleibt Bond in der Familie und wird von nun an vollständig von Broccolis Tochter Barbara übernommen, die schon die beiden Dalton-Filme mitproduzierte.
Es hängt also ein großer trauriger Schatten über dem achtzehnten Bond-Film, der nun auch noch beweisen muss, dass der Erfolg von „GoldenEye“ wiederholbar ist. Und wie bei jedem guten Helden hängt der Erfolg davon ab, wie übermächtig sein Gegner erscheint. Da die bösen Russen nicht schon wieder beansprucht werden können, entscheidet man sich dafür, Bond in „Der Morgen stirbt nie“ gegen die Allmacht der Medien antreten zu lassen: Der Medien-Mogul Elliot Carver (Jonathan Pryce) will mit seinen Zeitungen und Sendern die absolute Weltmacht werden. Deswegen braucht er gute schlechte Nachrichten, die er auch gerne selbst produziert. Und so plant er, Großbritannien und China in einen Krieg zu verwickeln. Der gute James (Pierce Brosnan) soll das verhindern… und damit er bei so einem großen Gegner nicht allein dasteht, hat er unerwartete Hilfe von Wai Lin (Michelle Yeoh) vom chinesischen Geheimdienst.

„Der Morgen stirbt nie“ weckt in mir gemischte Gefühle. Gerade was Story und Action angeht. Die Story an sich fand ich persönlich recht unspektakulär. Man erkennt zwar die Bemühungen, sich ein neues, moderneres Feindbild anzulegen, aber meine Meinung nach ist man ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Jonathan Pryce spielt seine Rolle als verrückter, machthungriger Medien-Mogul zwar sehr gut, doch wirkt alles, was er macht und plant, sehr surreal. Es ist zwar nicht abwegig, was er tut, aber die Art und Weise wirkt ein wenig zu abgehoben. Ich kann es nicht richtig in Worte fassen, aber da war mir ein Goldfinger dann doch sehr viel realistischer. Gleichzeitig muss man dazu sagen, dass der ganze Plot einfach nur eine Aufarbeitung von „Man lebt nur zweimal“. Aber selbst da fand ich das Raketen-Klauen von S.P.E.C.T.R.E. passender. Wenn man bei „Man lebt nur zweimal“ bleibt, dann erklärt sich auch gleichzeitig der Versucht, mal wieder ein bisschen Fernost-Kunst mit einzubringen.
Während das aber in Filmen wie „Man lebt nur zweimal“ oder „Der Mann mit dem goldenen Colt“ noch recht ansehnlich war… vor allem weil man neben den Martial-Arts-Szenen auch sehr schön das jeweilige Land als exotischen Drehort in Szene setzte, muss in „Der Morgen stirbt nie“ die kleine Michelle Yeoh alles alleine wuppen. Sie muss den Asia-Flair genauso tragen wie die fernöstlichen Kampfkünste. Als Bond-Girl war sie mir persönlich fast ein wenig zu steif und unnahbar, aber das ist ja auch mal eine nette Abwechslung (im Gegensatz zu Teri Hatchers Kurzauftritt, von dem nur die Strapsen in Erinnerung bleiben). Immerhin liefert Yeoh in Sachen Kampfkunst aber auch, was verlangt wird. Yeoh vermöbelt die bösen Jungs und lässt den guten Jungen schön zappeln. Ein taffes Bond-Girl, das dennoch nicht so ganz überzeugt.

Was man an der Story vielleicht bemängeln könnte, macht Regisseur Roger Spottiswoode durch satte Action wieder wett. Damit kündigt sich schon an, was man leider auch über die übrigen Pierce Brosnan-Filme sagen kann: Es werden große Material-Schlachten… in denen Gadgets und grandiose Action-Sequenzen die Vorherrschaft über eine gute Story erlangen werden. Ich habe noch gut in Erinnerung, wie zu fast jedem Pierce-Brosnan-Bond immer nur über DIE eine spektakuläre Stunt-Szene gesprochen wurde: Für „Der Morgen stirbt nie“ war das entweder der Sprung aus dem Hochhaus, bei dem Bond und Wai Lin an einem riesigen „Big Brother“-Porträt von Carver herunterrutschen oder der wirklich spektakuläre Sprung mit dem Motorrad über einen Helikopter. Alles Szenen, die wirklich toll aussahen und die in Erinnerung bleiben… leider sind sie auch das Einzige, woran man sich bei diesem Film wirklich erinnert. Der Rest bleibt unter allen Erwartungen.
Wenigstens Pierce Brosnan kann auch in seinem zweiten Abenteuer als Doppelnull-Agent überzeugen. Die Qualitäten, durch die er schon bei seinem ersten Auftritt glänzte, behält er bei… und bleibt somit wenigstens ein zusätzliches Highlight für einen Bond-Film, der zwar viel versucht, aber nicht wirklich fesselt.
Wertung: 6 von 10 Punkten (gute Action… mehr aber leider auch nicht)