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Kaputte Universen

27. Januar 2012

Dies ist ein Entschuldigungsschreiben. Naja, sowas in der Art zumindest. Vielleicht klingt Entschuldigungsschreiben zu ernst. Dann nennen wir es halt „Die Redigierung einer Meinung“. Was auch nicht viel besser klingt, aber es sollte ausreichen. Aber was soll eigentlich redigiert werden? Nun, hauptsächlich meine Meinung zu J.J. Abrams Serie „Fringe“ (ACHTUNG: Vor einigen SPOILERN werde ich euch nicht retten können! Wer die Serie noch nicht kennt, sollte sie vielleicht erstmal schauen, bevor er weiter liest!)

Nachdem wir die Insel und die Anderen verlassen hatten, entstand ein trauriges Serien-Vakuum. Ein Vakuum, das sich durch nichts ausfüllen ließ. Bis zu dem Zeitpunkt, als es plötzlich hieß, J.J. Abrams hat eine neue Serie. Natürlich sollte die nichts mit den Inselabenteuern aus „LOST“ zu tun haben. Das war ja schon abgefrühstückt. Stattdessen ging es um eine junge FBI-Agentin namens Olivia Dunham, die gemeinsam mit dem etwas durchgeknallten Professor Walter Bishop und dessen Sohn Peter merkwürdige Fälle aufklärt. Fälle, die meistens etwas mit den merkwürdigen Experimenten des Walter Bishop zu tun hatten, die dieser in früheren Jahren durchgeführt hatte. Experimente, die sein ehemaliger Partner und jetziges Mysterium William Bell zur Perfektion gebracht hatte.


Damals, in meiner ersten Rezension, gab ich „Fringe“ 7 von 10 Punkten und kam nicht drumherum, Vergleiche zu Chris Carters „Akte X“ zu ziehen. Von solchen Gleichnissen wollte Abrams natürlich nie etwas hören. Zu recht, nur vergaß unserer Lieblingsgeheimniskrämer dabei, dass er die Zukunft der Serie in groben Zügen kannte und wir uns nur mit dem befassen konnten, was wir gesehen hatten. Und das war in der ersten Staffel nun mal eine Art „Akte X 2.0“. Bei dieser Meinung bleibe ich auch nach wie vor: Ein FBI-Team untersucht Monster, absonderliche Phänomene, führt fragwürdige Experimente durch und recherchiert abstruse Theorien. In jeder neuen Folge gab’s irgendwas Neues zu untersuchen. Nur hin und wieder wurden ein paar Brotkrumen ausgeworfen, die auf mehr hoffen ließen. Aber das war alles. Nur dank einem großartigen John Noble als durchgeknallter, aber äußerst liebenswerter Dr. Bishop hatte ich die Geduld, „Fringe“ eine Staffel lang zu schauen. Trotz der am Ende auftauchenden Zwei-Welten-Geschichte, in der unser Team plötzlich in ein anderes Universum wechseln kann, hatte „Fringe“ wenig Eindruck hinterlassen.

Eigentlich ist es nur Maloney zu verdanken, dass ich dann doch irgendwann „Fringe“ noch eine Chance gab. Aber selbst der Anfang von Staffel Zwei brachte nicht viel Neues. Olivia, die am Ende von Staffel Eins, in das andere Universum sprang, taucht wieder auf. Aber fast augenblicklich geht alles wieder los wie bisher. Nur ein paar wirre Rückblenden lassen etwas erahnen. Auch hier wollte ich „Fringe“ schon wieder aufgeben. Eine Serie, die es solange nicht hinbekommt, mich so richtig zu fesseln, war doch das Anschauen nicht wert.

Aber dann… irgendwann gelingt der Serie der Sprung. Ab dem Zeitpunkt muss man auf jeden „Akte X“-Vergleich verzichten. Es ist Folge 16, die einfach nur „Peter“ heißt. Endlich enthüllt die Serie die Geschichte, wie Walter Bishop seinen sterbenden Sohn Peter rettet. Leider nur erst, als der schon tot ist. Aber Walter weiß von dem Paralleluniversum und zieht los, um den Peter auf der anderen Seite zu retten. Dabei geht aber einiges schief, und so muss der Peter von der anderen Seite auf unserer Seite bleiben.

Endlich!!! Nach einer Staffel und 16 Folgen markiert die Folge „Peter“ den Wendepunkt! Eine unglaublich lange Zeit, aber gut… manchmal muss man halt Geduld haben. Ab dieser Folge jedenfalls zeigt sich, was „Fringe“ für eine Serie sein will. Und endlich umarmt man auch das Konzept von zwei unterschiedlichen Welten. Universen, die sich sehr ähnlich sind. Auch dort gibt es eine Olivia, einen Walter, eine Fringe-Division, aber halt anders. Ab jetzt macht „Fringe“-Gucken richtig Laune. Zeit und Raum werden endlich aufgelöst… es gibt keine Grenzen mehr. Und endlich machen auch all die merkwürdigen Dinge Sinn. Denn: Durch Walters Tat zerrissen die Strukturen dieser beiden Welten. Mit der Folge, dass nur eine Seite überleben kann.

Das sind doch mal Voraussetzungen für eine Serie, wie sie größer und ambitionierter nicht sein können: Ein Wettlauf zwischen zwei Welten. Und immer mittendrin dieses unfassbare Trio. Und immer noch kann man nur dazu gratulieren, John Noble gefunden zu haben. Dieser Mann ist einfach absolut großartig. Ohne ihn und seine Art, Walter zu spielen, wäre diese Serie nur halb so sehenswert.

Aber was in Staffel Eins nur John Noble getragen hat, wird in den folgenden Staffeln wieder behoben. Endlich dürfen sich auch Anna Torv (Olivia) und Joshua Jackson (Peter) behaupten. Torv darf – dank der Tatsache, dass sie sich nun doppelt spielen muss – beweisen, dass sie nicht nur eine hübsche Blondine ist. Und Jackson wird so ein wenig den „Dawson’s Creek“-Speck los.

Alles in allem hat sich „Fringe“ viel Zeit gelassen, um das volle Potenzial der Idee an sich auszuschöpfen. Und vielleicht war das auch gut so, vielleicht aber auch nicht. Ich finde, man hätte ruhig schon früher, mehr draus machen können. Aber gut, Schwamm drüber. „Fringe“ gehört seit Staffel 2, Folge 16 zu meinen neuen Lieblingsserien. J.J. Abrams hat’s wieder mal geschafft… es geht auch ohne verwirrende Inselabenteuer.

Wertung: 9 von 10 Punkten (man musste wohl erst Vertrauen in die eigene Ideen gewinnen, aber wie gesagt: nach dem großen Wendepunkt in Staffel 2 geht’s richtig rund)

Wo ist die Hasenpfote?

25. Januar 2012

Es gibt so viele Geheimagenten, warum hat nicht einer mal für die Burschen (und die gelegentlichen Damen) so was wie ein Regelbuch zusammengestellt? Von wegen: „Während der Bösewicht seinen Plan erklärt, erstellen Sie einen Fluchtplan!“ oder „Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf Ihre coolen Technik-Gadgets!“. Halt wie das „Schlaue Buch“ von Donalds Neffen, nur halt für all die harten Burschen (und Damen), die ihr Leben aufs Spiel setzen, um die Welt vor allem Übel zu bewahren. Und wenn es dann so ein Werk geben würde, wüsste ich auch schon Regel Nummer Eins. Die Regel aller Regeln. Die Regel, die vor allen anderen Regeln zu beachten ist: VERLIEBT EUCH NICHT! HEIRATET NICHT! HABT EINFACH KEIN PRIVATLEBEN. NEIN, NICHT EINMAL EIN HAUSTIER! NICHTS! NADA! GAR NICHTS!!!

Geheimagenten leben einsam. Nur so können sie überleben. Aber gut, Geheimagenten sind auch nur Menschen. Selbst Übervater James Bond hat sich des öfteren verguckt und musste böse dafür leiden. Da verwundert es nicht, dass sein Kollege Ethan Hunt irgendwann auch mal diese eine Super-Regel verletzt.

In Teil 3 der „Mission: Impossible“-Reihe hat der gute Ethan Hunt (Tom Cruise) endlich eine Freundin (Michelle Monaghan) gefunden, die er ehelichen will. Schließlich ist er jetzt ja auch nur Ausbilder. Doch Agenten werden immer Agenten bleiben und plötzlich erhält Ethan den Auftrag, eine entführte Agentin aus den Klauen eines fiesen Waffenschiebers namens Owen Davian (Philip Seymour Hoffman) befreien. Das geht alles irgendwie schief, selbst die vorläufige Festnahme Davians läuft wegen eines Maulwurfs in der eigene Agency verkehrt und plötzlich gerät der gute Ethan selbst ins Schußfeld.


Nachdem bereits John Woo einen Ableger drehen durfte, ließ man Serien-Mann J.J. Abrams an den dritten Teil. Aber macht das „Mission: Impossible III“ nun zu etwas besonderem? Bei J.J. Abrams erwartet man nun schon einiges. Schließlich hat er mit all seinen Serien bewiesen, dass er gute Geschichten erzählen kann. Doch so richtig mitreißend ist die Geschichte nicht. Es gibt zwar den Versuch, durch die Ehefrau von Hunt eine emotionale Seite an dem knallharten Agenten zu zeigen. Leider bleibt es bei einem Versuch. Die Beziehungskiste wird nicht weiter ausgebaut. Ethan Hunt bleibt der doch etwas oberflächliche Held dieser Geschichte. Aber gut… wenn man sich „Mission: Impossible“ anschaut (egal welchen Teil), dann will man auch keine sonderlich tiefsinnige Geschichte. Es geht um Action, Stunts und coole Locations, an denen die Stunts durchgeführt werden.

Und hier liefert J.J. Abrams wie versprochen: Es knallt in Berlin, es knallt im Vatikan, es knallt in der Zentrale von Hunt und es knallt in Shanghai. Wie Bond auch jagt Ethan Hunt seine Feinde gerne durch die ganze Welt. Und das geht natürlich nur auf spektakuläre Art und Weise. Die Stunts und Action-Einlagen sind großartig. Abrams inszeniert das schnell, manchmal – dank Wackelkamera – unübersichtlich, aber immer atemberaubend. Wo Ethan Hunt hin will, da kommt er auch hin. Leider schafft es auch Abrams nicht, Tom Cruise ein paar mehr Kratzer zu verpassen. Ich habe während des ganzen Films gerade mal vier Kratzer im Gesicht gezählt. Aber immerhin ist das schon etwas. Cruise ist halt der Saubermann unter den Geheimagenten: der übersteht Explosionen und Kämpfe ohne schmutzig zu werden. Tom Cruise ist wohl sowas wie der Meister Proper des Action-Kinos. Und auch in „Mission: Impossible III“ macht er das ganz okay. Nur bei seinen Mitgefühlsszenen muss er noch ein wenig üben: Ein wenig mehr Panik wegen seiner entführten Frau wäre schon okay gewesen.

J.J. Abrams gibt sich echt viel Mühe, der „Mission: Impossible“-Reihe einen frischen Anstrich zu verleihen. Dazu gehören auch ein paar neue Agenten – sprich, Ethan Hunt bekommt ein kleines Team: da wäre sexy Maggie Q, Hau-drauf-Bursche Ving Rhames, „Königsgeschlecht“ Jonathan Rhys Meyers und Gagwunder Simon Pegg. Aber die stinken alle gehörig ab. Erst im vierten Teil darf Simon Pegg richtig auffahren. In Teil 3 trifft ihn das gleiche Schicksal wie seine anderen Kollegen: sie sind alle nur schmückendes Beiwerk.

Nur eins gelingt Abrams richtig gut: die Auswahl des Bösewichts. Warum zur Hölle sieht man nicht mehr von Philip Seymour Hoffman? Der Mann ist großartig. Zwar darf auch er in „Mission: Impossible III“ nicht zu viel von Tom Cruises Spielzeit übernehmen, wenn Hoffman aber auftaucht, dann so richtig gut. Er ist ein guter Gegner, vielleicht bis jetzt einer der besten, die Ethan Hunt je hatte. Und auch wenn Hoffman nur sehr kurze Auftritte hat, nutzt er diese Zeit voll aus. Es ist ein wenig wie mit Orson Welles in „Der dritte Mann“. Man sieht ihn zwar kaum. Wenn man ihn aber sieht, dann ist er fies wie sonst keiner.

Man kann sich über „Mission: Impossible III“ eigentlich nicht beschweren. Es wird geliefert, was erwartet wird: hauptsächlich gute Action. Wenn man jetzt noch Philip Seymour Hoffman etwas mehr Freiraum gegeben und die Rolle des Ethan Hunts durch die Ehe ein wenig tiefgründiger gestaltet hätte, dann hätte „Mission: Impossible III“ das absolute Glanzstück der Reihe werden können. So begnügen wir uns mit einem guten Action-Film.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Philip Seymour Hoffman stiehlt Cruise die Show, auch wenn er nur gefühlte zehn Minuten Zeit dafür hat)

Information ist Macht

23. Januar 2012

Schauspieler, die nach einer Weile anfangen, selbst Regie zu führen, sind ja mittlerweile nichts Neues. Einige von ihnen – ich sage nur Ben Affleck – haben erst durch ihre Arbeit hinter der Kamera wirklich bewiesen, dass sie noch zu was taugen. Komisch finde ich dann nur, dass Beispiele wie Kevin Costner oder Mel Gibson immer zeigen, dass Schauspieler hinter der Kamera sogar richtig gut sein können. Naja, oder sie landen wie im Fall von Costner und Gibson einen Zufallsgriff, sammeln ein paar Oscars und verschwinden dann unter Flops und rassistischen Aussprüchen. Aber dann gibt es da auch richtig gute Beispiele. Das sind diejenigen, die sich als Schauspieler einen guten Namen gemacht haben, dann ins Regiefach wechselten und da plötzlich anfingen, gefeierte Filme zu drehen. Klar, Mr. George Clooney ist so ein Beispiel. Besser als Clooney hat sich da bis jetzt nur Clint Eastwood entwickelt.

In mehr als 60 Filmen hat er mitgemischt, in allein 33 davon hat er auch Regie geführt, hat ein paar renommierte Preise in sein Haus geholt… und all das, obwohl er doch „Dirty Harry“ war. Ein Action- und Western-Held. Aber Eastwood ist viel mehr geworden als das. Mittlerweile zähle ich Eastwood zu den Regisseuren, bei denen ich ohne großes Zögern ins Kino gehe. Eastwoods Filme haben dieses gewisse Etwas, dass man nicht so richtig in Worte greifen kann.

So hat es mich dann auch wenig Überlegungszeit gekostet, mir seinen neuesten Film anzuschauen. Dieses Mal versucht sich Eastwood an einem Biopic über den wohl mächtigsten Mann der USA: den Gründer und Direktor des Federal Bureau of Investigation, J. Edgar Hoover. Wir begegnen im Film „J. Edgar“ einem alten Hoover, der seine Memoiren niederschreiben lässt und so sein Leben, seine Karriere und seinen Aufstieg noch einmal Revue passieren lässt. Und was Hoover zu erzählen hat, ist schon sehr erzählenswert. Immerhin hat der Mann acht Präsidenten überdauert und war stets ein gefürchteter Mann… eben weil seine Prämisse immer lautete „Information ist Macht!“. Nur war es auch diese Besessenheit, über alles Informationen zu sammeln, die ihm Kritik einbrachte, die ihm aber auch immer wieder den Hals rettete. Schließlich hatte Hoover genügend Informationen über die schmutzige Wäsche seiner Präsidenten und Vorgesetzten.


Biopics sind ja immer eine etwas komplizierte Sache. Zeigt man das ganze Leben oder nur einen bedeutenden Ausschnitt? Bleibt man bei den Fakten oder dichtet man etwas hinzu? Bis jetzt hat man uns ja hauptsächlich Musiker wie Johnny Cash oder Ray Charles gezeigt. Das funktionierte wegen der guten Musik und Drogenexzessen eigentlich auch ganz gut, aber wie stellt man einen Mann dar, der sehr simpel betrachtet einfach nur ein Sesselpupser gewesen ist?

Na gut, Sesselpupser stimmt vielleicht nicht ganz. Schließlich verdanken die USA Hoover wichtige Entwicklungen in der Beweissammlung und der Tatortsicherung. So war es Hoover, der sich um einen zentralen Fingerabdruck-Katalog kümmert, der die Forensik ausbaute und Wissenschaftler einstellte, um Spuren zu sichern. Wenn da nicht noch Hoovers Vorliebe für Geheimakten gewesen wäre, müsste man diesem Mann schon ein Denkmal setzen.

Gut, das macht Eastwood jetzt filmisch. In manchmal recht unübersichtlichen Zeitsprüngen rennen wir durch die Vergangenheit von „J. Edgar“. Anfangs ist das auch noch recht spannend. Eastwood schildert Hoovers Anfänge, als dieser „radikale“ Gruppierungen jagte und daraufhin zum Chef seiner eigenen Behörde wurde. Diese Behörde soll dann auch gleich die Entführung von Charles Lindberghs Baby aufklären. Nur mit Hilfe seiner neu eingerichteten forensischen Abteilung und nach etwa zwei Jahren gelingt Hoover die Auflösung des Falls. Aber nach diesen Krimigeschichten kümmert sich Clint Eastwood dann doch lieber um den Mensch „J. Edgar“.

Hier schwächelt dann das Drehbuch ein wenig, hauptsächlich sehen wir einen verbitterten alten Mann, der sich in jeder Legislaturperiode dank seiner Akten vor der Kündigung rettet. Wir lernen Hoover als kleines Muttersöhnchen kennen, der mit seinem Ödipuskomplex alles für seine liebe Mama tun würde. Selbst seine eigene Sexualität unterdrücken. Hier versucht Eastwoods „J. Edgar“, die Theorie, der FBI-Direktor sei schwul gewesen, neu aufzuwerten. Denn auch wenn es ein paar „pikante“ Momente gibt, ist Hoover am Ende des Tages doch nur mit seiner Arbeit verheiratet. Und für andere Menschen ist da kein Platz.

Ein bisschen mehr Polizei-Arbeit hätte der Spannung des Films schon gut getan, aber wo das Drehbuch schwächelt, trumpft Eastwood mit seinen Schauspielern auf: Allen voran natürlich Leonardo DiCaprio. Ob als junger Spund oder als alter Mann – DiCaprio überzeugt. Und ja, all diese Robert DeNiro-Vergleiche, die hier und da zu lesen sind, sind gerechtfertigt. DiCaprio spielt – nach Howard Hughes – seine nächste große amerikanische Rolle und schafft es, diesem gefürchteten Mann „J. Edgar“ eine menschliche Seite zu geben. Ein Mann, der seine eigene Gefühlswelt nicht einzuschätzen weiß. Seine Mutter – die großartige Judy Dench – setzt ihn unter Druck. Von allen Menschen lässt Hoover nur seine rechte Hand Clyde Tolson (Armie Hammer) und seine Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) an seinem Leben teil haben. Aber halt auch nur oberflächlich… die Arbeit ist für Hoover alles.

So wird also aus einem Muttersöhnchen einer der mächtigsten Männer der USA. Clint Eastwood und Leonardo DiCaprio erzählen diese Geschichte von beiden Seiten: der gute und der böse Hoover. Zum Glück zeigt Eastwood auch ein paar spannende Ermittlungsfälle… ein paar mehr hätten es aber durchaus sein dürfen. Trotzdem bleibt „J. Edgar“ durchaus sehenswert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (auch bei seinem 33. Film bleibt Clint Eastwood sich treu und liefert wieder gutes Kino ab)

My Guilty Pleasure Movies

20. Januar 2012

Maloney hat es ausgelöst und nun rollt die „Guilty Pleasure“-Lawine durch alle Blogs. Da dachte ich: Mach ich doch einfach mal mit. Dabei ist es ja immer ein wenig schwierig, wie man denn nun die Redewendung „guilty pleasure“ übersetzt. Passend ist ja wohl am ehesten: „Etwas, dass man zwar sehr mag, aber öffentlich ungern zugeben würde“. Öffentlich heißt in diesem Fall natürlich das nähere Umfeld, und bei Filmen ist das ja immer so eine Sache. Ab wann ist ein Film wirklich „guilty pleasure“?

Ich habe einfach mal 10 Filme zusammengestellt, bei denen für gewöhnlich die ein oder andere Sache passiert: 1) Ich ziehe böse über den Film her, damit andere nicht denken, ich wäre absolut dämlich oder 2) Ich ernte nur unglaubliches Kopfschütteln, wenn ich meine Vorliebe für den Film äußere.

10. Punisher: Warzone


Dieser Film wurde eigentlich vollkommen zu Unrecht komplett vernachlässigt. Die erste „Punisher“-Verfilmung mit Thomas Jane und John Travolta war ziemlich lasch. Mit „Punisher: Warzone“ bekommen wir eine Comic-Verfilmung, die es in sich hat. Ich sage nur: „Can I axe you a question?“ Dieser Punisher ist wirklich nichts für Weicheier.

9. Stirb Langsam 3

Ich bin ein großer Fan von „Stirb Langsam“ und ein noch größerer Verfechter des ersten Teils und ein noch größerer Feind des zweiten Teils. Schließlich ist das doch nur ein billiger Aufguss von Teil zwei. Nur halt auf nem Flughafen. Für Teil 3 werde ich immer belächelt, aber ich finde den einfach gut. Okay, das Ganze „Lone-Gunman“-Konzept geht auf Kosten eines Buddy-Films verloren. Aber Bruce Willis UND Samuel L. Jackson!!! Einfach nur kultig.

8. Signs

Darf man den Namen M. Night Shyamalan überhaupt noch laut aussprechen? Mit jedem neuen Film ruiniert der nette Inder seinen „Wunderkind“-Status mehr und mehr. Und dann kam er auch noch auf die Idee, einen Film ohne Bruce Willis zu drehen? Eigentlich fatal. Aber Mel Gibson als Farmer/ Pfarrer, der zusammen mit Joaquin Phoenix gegen mysteriöse Aliens ankämpft, finde ich nach wie vorher spitze. Was aber hauptsächlich daran liegt, dass Joaquin Phoenix sich irgendwann tatsächlich einen Hut aus Aluminium-Folie aufsetzt.

7. Lara Croft: Tomb Raider

Leute, die mich kennen, wissen, dass eigentlich nichts über „Indiana Jones“ geht. Aber Indy war nicht mehr da, ich war schwach und Angelina Jolie hatte sooooo große Vorzüge, da musste ich einfach ins Kino gehen. Okay, keiner der beiden Teile kommt wirklich an „Indy“ ran, aber ich gucke die Filme trotzdem immer wieder gerne.

6. Der Spongebob Schwammkopf-Film

Auch auf die Gefahr hin, einige Leser zu verlieren: Ich stehe total auf den gelben Schwamm. Ob Serie oder Film, ich sauge das auf wie ein… naja Schwamm halt. Und kein anderer Film hat es besser denn je geschafft, David Hasselhoff einen würdigen Gastauftritt im Kino zu verschaffen. Der Schwamm rockt!

5. Zoolander

Ben Stiller als Männer-Model, das nur einen „Look“ hat und sich nur nach links (oder rechts???) umdrehen kann. Dieser Film wird wirklich sehr unterschätzt. Jede Menge guter Gags, noch mehr Gaststars und ganz ehrlich, nach dem ihr den neuen Look gesehen habt, seid ihr eh verzaubert ;)

4. City of Angels

Ja, ja, hin und wieder darf’s auch mal etwas romantischer zugehen. Zu einer Zeit, als Nic Cage noch für halbwegs brauchbare Filme stand und Meg Ryan noch das süße Mädchen von nebenan war, war „City of Angels“ ein netter Film – wenn auch nur ein Remake eines deutschen Films namens „Der Himmel über Berlin“. Aber den Himmel sehe ich jeden Tag, da nehme ich dann auch gerne mal den über der Stadt der Engel.

3. God’s Army

Kennt den Film eigentlich noch irgendwer? Gefallene Engel kämpfen mit Erzengeln um eine Seele. Das Ganze wurde auf drei Filme ausgebaut, gesehen habe ich bisher immer nur den ersten Teil. Und warum ist „God’s Army“ sehenswert? Allein wegen motherfucking Christopher Walken!!! Der Typ ist einfach der Hammer!

2. Casshern

Ich habe immer das Gefühl, ich bin der einzige Mensch, der diese Manga-Verfilmung gesehen hat. Das erste Mal habe ich diesen Kampf zwischen menschlichen Klonen und Menschen im Fernsehen gesehen. Da war der aber so böse gekürzt, dass wirklich gar nichts einen Sinn ergeben hatte. Doch der Look des Films überzeugte mich vom Kauf der DVD und siehe da, auf einmal machte der Film Sinn. Sollte ich mal wieder gucken!!!

1. Vanilla Sky

Ja, es ist nur ein Remake. Und ja, Tom Cruise spielt auch mit. Aber allein, wenn er in der ersten Szene über einen vollkommen leergefegten Times Square läuft, bekomme ich schon Gänsehaut. Cameron Crowe verzaubert in „Vanilla Sky“ durch eine spannende Story, eine zauberhafte Penelope Cruz und einen grandiosen Soundtrack. Und ja, ich habe das Original gesehen. Und ja, es ist auch gut, aber ich liebe einfach „Vanilla Sky“!!!

So!!! Das war’s! Ich geh dann mal und guck mir erst mal wieder was richtiges an! ;)

Applaus, Applaus, Applaus!!!

18. Januar 2012

Darf man mit 28 Jahren schon mit nostalgischen Gefühlen im Kino sitzen und sich andächtig an seine Kindheit erinnern? Irgendwie finde ich das noch reichlich verfrüht, schließlich bin ich mir selber noch nicht ganz klar, ob ich jetzt schon so richtig erwachsen erwachsen bin oder nur so kindlich erwachsen. Ich tippe bei mir immer noch eher so auf das zweitere (ersteres kommt wohl erst mit der Verantwortung der Kindeserziehung!!! ;) ) Von daher war ich dann doch sehr überrascht, dass ich den einen Tag im Kino so sehr an meine Kindheit denken musste.

Schuld daran war Mr. Jason Segel. Ja, genau. Der Schmunzelbär aus „How I Met Your Mother“, bei dem ich mich immer frage, ob der Mann jemals in der Lage ist, nicht glücklich auszusehen. Der hat so ein „Sonnenschein-Gesicht“. Böse gucken kann der bestimmt nicht, ohne dabei in Gelächter auszubrechen. Naja, ist ja auch jetzt gar nicht relevant. Relevant ist nur, dass Mr. Segel auch nostalgische Gefühle hegte. Gefühle nach Geborgenheit, nach dem kindlichen Zauber – ganz ohne 3D und Co. Und so hat sich Jason Segel dran gesetzt, nach 12 Jahren die von ihm (und mir) geliebten Muppets wieder auf die Leinwand zu bringen. Dazu hat er in Zusammenarbeit mit Nicholas Stoller ein Drehbuch geschrieben. Zugegeben, eines, dass wohl auch einer alleine hätte schreiben können (dazu später mehr), aber immerhin war eine Geschichte für die Puppen schnell gefunden.

Der junge Walther (ein niegelnagelneuer Muppet!!!) ist der größte Muppet-Fan aller Zeiten. Zusammen mit seinem Bruder Gary (Jason Segel) und dessen Freundin Mary (Amy Adams) reist Walther nach L.A., um dort die großen Muppet-Studios zu besuchen. Doch das, was sie dort vorfinden, kann man eigentlich nur noch abrissreif nennen. So sieht es auch der fiese Ölmagnat Tex Richman (Chris Cooper), der unter den Muppet Studios nach Öl bohren will. Dumm nur, dass dafür die Studios abgerissen werden müssen. Nur 10 Millionen Dollar könnten die Studios retten. Eine letzte Muppet-Show soll Abhilfe verschaffen. Doch dazu müssen alle Muppets erst einmal wieder zusammengeführt werden. Gemeinsam mit Kermit ziehen Walther, Gary und Mary los, um die Muppets zu retten.


Ach ja, die Muppets. Jetzt mal ernsthaft, gibt es jemanden, der nicht wenigstens eine der Figuren absolut kultig findet? Wenigstens Kermit oder Miss Piggy? Oder Fozzie Bear? Man muss keine der TV-Shows oder auch nur einen Film gesehen haben und trotzdem kommt man irgendwie mit den Figuren in Berührung. Okay, ich gebe zu, mein persönlicher Favorit ist und bleibt Kermit, allerdings finde ich auch den schwedischen Koch Hammer. Jeder der von Henson erfundenen Figuren hat etwas an sich, dass sie einfach unwiderstehlich macht. Die Muppets sind und bleiben Kult. Und sie werden es auch ganz ohne 3D schaffen, genügend Menschen ins Kino zu locken.

Das kann man Jason Segel groß anrechnen. Ein klein wenig mehr Mühe hätte er sich trotzdem geben können. Denn das Drehbuch, das er zu „Die Muppets“ abliefert, hätte wohl auch ein Fünftklässler schreiben können. Es gibt keine sonderlich großen Überraschungen und auch nicht wirklich viel Zeit, um auch nur irgendwo in die Tiefe zu gehen. Um ehrlich zu sein, ist die erste halbe Stunde von „Die Muppets“ sogar recht langweilig. Da werden nämlich alle im Land verstreuten Muppets eingesammelt. Zwar versucht der Film das durch einen Witz zu überbrücken, doch leider zündet der Witz nicht so richtig und das Ganze bleibt eine schnelle Aneinanderreihung von Szenen. Das wirkt ein wenig lieblos, ein bisschen mehr darf man da schon erwarten. Segel degradiert sein Skript und damit den ganzen Film zu sehr zu einem Kinderfilm… was er nicht zwangsläufig sein muss. Schließlich wollen ja auch „erwachsene“ Kinder wie ich in den Film gehen.

Aber zum Glück sind irgendwann alle Muppets eingesammelt und ab dann geht es darum, die Show auf die Beine zu stellen. Hier endlich konzentriert sich der Film darauf, den Figuren das zu geben, was sie brauchen: Freiraum, um rumzublödeln. Mit coolen Musiknummern und dem, was jede Figur am besten kann kommt endlich so richtig Schwung in „Die Muppets“. Dazu kommen ein paar richtig gute Gastauftritte. Interessanterweise hat neben mir nur eine Frau so richtig laut gelacht, als Jim „Sheldon Cooper“ Parsons seine Gelegenheit hatte, in „Die Muppets“ zu erscheinen. Ein wahrhaft göttlicher Moment!!!

„Die Muppets“ ist sicherlich nicht perfekt, dafür fehlt dem Ganzen einfach eine wirklich mitreißende Story. Dafür macht der Film beim Rest einfach alles richtig: coole Songs und Muppets, Muppets, Muppets, Muppets. Da darf man sich dann noch einmal wieder so richtig wie ein Kind fühlen und mit großen Augen vor dem Fernseher die Muppet-Show schauen. Das ist einfach eine wunderbare Welt, in der sich alle Probleme mit einer flotten Tanznummer und guten Freunden lösen lassen. Wie wunderbar das doch ist, oder nicht???

Wertung: 8 von 10 Punkten (diese Puppen haben nichts von ihrem Zauber verloren – einfach nur kultig… nur das Drehbuch hätte etwas besser sein können)

Der Mann, die Frau und die Katze

16. Januar 2012

Was würde uns nicht alles erspart bleiben, wenn die Amerikaner auch so eine Synchronisationskultur hätten wie wir. Die haben ja das Problem, dass so gut wie jeder nicht englisch-sprachige Film dort nur mit Untertiteln in ausgewählte Kinos kommt. Aber wer möchte sich schon ständig mit Lesen beschäftigen, wenn man doch eigentlich ins Kino geht? So richtig niemand… vor allem nicht ständig. Und so gehen viele Filme am amerikanischen Publikum vorbei, ohne einen richtigen Eindruck zu hinterlassen. Für Hollywood ist das natürlich umso besser, denn dann können sie aus den wirklichen guten ausländischen Stoffen ein Remake machen. Schließlich locken Namen wie David Fincher und Daniel Craig dann auch eher noch ein paar mehr Leute ins Kino als die Namen Niels Arden Oplev und Michael Nyqvist.

Natürlich, wie sollte es auch anders sein, sieht der gute Mr. Fincher in allen möglichen Interviews davon ab, seinen Film „Verblendung“ als ein Remake zu bezeichnen. Viel mehr sei es ja seine Interpretation des Romans von Stieg Larsson. Dass es bereits vor nur ein paar Jahren bereits eine sehr erfolgreiche Verfilmung gab, hilft natürlich trotzdem. Inwieweit sich Fincher jetzt tatsächlich näher am Roman entlang arbeitet, vermag ich nicht zu sagen, die Vergleiche zum 2009 erschienenen schwedischen Film sieht man aber dennoch sehr deutlich.

Die Geschichte ist die gleiche und doch anders: Der Redakteur der Zeitschrift „Millennium“ Mikael Blomkvist (Daniel Craig) hat gerade einen Prozess, seinen Ruf und eine Menge Geld verloren. Da kommt das Angebot des Unternehmers Vanger (Christopher Plummer) gerade Recht: Blomkvist soll unter dem Vorwand, Vangers Memoiren zu schreiben, den Fall seiner vermissten Nichte Harriet untersuchen. In einem kleinen Häuschen (dieses Mal mit einer süßen Katze dabei) baut Blomkvist sein Hauptquartier auf, holt sich irgendwann die junge Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) an Bord und entdeckt, dass es um mehr geht als nur um Harriet.


Braucht man diesen Film nun oder braucht man ihn nicht, das ist die alles entscheidende Frage. Und ich muss sagen, ich finde sie schwer zu beantworten. Für diejenigen, die das schwedische Original kennen, gibt es keine sonderlich großen Überraschungen. Fincher hält sich so in etwa an den Ablauf, verändert hier und da ein paar Kleinigkeiten… schließlich soll es ja kein 1:1-Remake werden. Aber, wie heißt es so schön: Der Teufel steckt im Detail und gerade Kenner des Originals werden sich an einigen Stellen schon etwas ärgern.

David Finchers „Verblendung“ ist ein guter Thriller. Wenn ich das Original nicht gekannt hätte, dann hätte ich mich sogar dazu hinreißen lassen können, ihn als genial zu bezeichnen. Aber so bleibt Fincher nur gut. Technisch ist „Verblendung“ einwandfrei inszeniert. Besonders gut gefallen hat mir sogar die Tatsache, dass Finchers Auflösung in sich etwas schlüssiger und präziser ist als im Original. Fincher setzt auf ein paar mehr Rückblenden, etwas genauere Erklärungen… es ist fast so, als hätte er Angst, sein Publikum könnte irgendeinen Teil nicht so richtig verstehen: Also erklären wir es lieber ganz ausführlich. Dadurch geht ihm am Ende so ein bisschen die Luft raus. Da, wo eigentlich die meiste Action passiert, bleibt Fincher zu ruhig. Am Ende muss doch alles Schlag auf Schlag gehen, aber nach der langen Einleitung scheint Fincher seinen Einsatz ein wenig zu verschlafen.

Ganz besonders verschlafen hat Fincher aber seinen Einsatz bei den Figuren. Gut, über Daniel Craig als Mikael Blomkvist könnte man sich streiten. Während das schwedische Original wirklich der Normalo-Typ von nebenan war, wirkt „Mr. Bond“ ein wenig zu durchtrainiert, ein wenig zu abgehärtet (rein körperlich). Ohne solchen Vergleich kann man allerdings nur gratulieren: Mit Mikael Blomkvist hat Daniel Craig möglicherweise seine bisher sympathischste Rolle gefunden.

Aber halten wir uns nicht mit Blomkvist auf, denn eigentlich ist auch er nur eine Nebenrolle. Die große Herausforderung für Fincher muss es gewesen sein, die richtige Lisbeth Salander zu finden. Mit Rooney Mara, die in „The Social Network“ mal kurz Hollywood-Luft schnuppern durfte, glaubt Fincher, sie gefunden zu haben. Maras Salander ist im Vergleich zu Noomi Rapace etwas sanfter, etwas weiblicher, etwas kindlicher. Sie bleicht sich die Augenbrauen, hat ihr Dragon-Tattoo (das bei weitem nicht so cool aussieht wie im Original), ihre Piercings… äußerlich ist alles da, aber innerlich erfahren wir wenig über Lisbeth. Im Gegensatz zu Oplev schafft es Fincher nicht, seine Lisbeth voll auszubauen. All das, was das Original über ihre Vergangenheit in kleinen Bruchstücken zeigt, fehlt in Finchers „Verblendung“. Auch die Ermittlerin Lisbeth, die im Original zur wichtigsten Grundlage für Blomkvist wird, bleibt außen vor. Den allerwichtigsten Hinweis liefert im Remake Blomkvist bibeltreue Tochter. Irgendwie verkommt Lisbeth zu einer winzigen Nebenfigur, die viel zu weich herüberkommt. Noomi Rapace war ruppig und hart, aber auch sexy. Rooney Mara muss sich zwar auch gegen die Männerwelt behaupten, sobald sie aber ihren Blomkvist gefunden hat, wird sie ein Schmusekätzchen.

Auch hier stinkt wieder alles nach Hollywood: Viel zu schnell und zu offensichtlich lässt Fincher seine beiden Ermittler so etwas wie ein Pärchen werden, die sich gemeinsam die Zigarette danach teilen. Im Original war es gerade dieses Zusammentreffen zweier so krasser Gegensätze, die die Beziehung zwischen Lisbeth und Mikael so interessant gemacht hat. Doch diese Gegensätze verschwinden bei Fincher fast augenblicklich mit dem ersten Treffen der beiden. Und damit verliert der Film seine größte Anziehungskraft.

Von der Bildsprache her, von seiner Darstellung eines dunklen Schwedens, ist Finchers „Verblendung“ wirklich ausgezeichnet. Er erzählt die Geschichte eigentlich auch relativ schlüssig, doch beim wichtigsten rutscht er dann zu sehr in das Hollywood-typische Schema ab: Darf es denn keine starke Frau neben einem Mann geben?

Wie gesagt, wenn ich das Original nicht gekannt hätte, wäre ich schwer begeistert gewesen. Doch die Erkenntnis, dass gerade eine Lisbeth Salander so extrem dargestellt werden kann wie von Noomi Rapace, machte es mir schwer, mit Rooney Mara klar zu kommen. Alles in allem ist Finchers „Verblendung“ sehr gelungen, aber im Angesicht des Originals vollkommen überflüssig.

Wertung: 7 von 10 Punkten (gelungener Thriller, der wohl aber nur „Unwissende“ wirklich begeistern wird)

P.S.: Wirklich großes Lob verdient Fincher aber schon für eine Sache – der Vorspann ist der absolute Hammer. Diese krassen Bilder vereint mit einer Version von Led Zeppelins „Immigrant Song“ wirken noch lange nach. Sehr gelungen.

Männer, die Frauen hassen

13. Januar 2012

Unsere Freunde im Norden scheinen wahre Krimikönige zu sein. Ich glaube, so in letzter Zeit kommen die lesenswertesten Krimis aus Skandinavien. Das kommt mir zumindest immer so vor, wenn ich mal durch die Buchhandlung meines Vertrauens gehe. Viele Namen mit durchgestrichenem O oder was sonst halt so typisch ist für Namen der Nordmänner (und Frauen). Ich muss ja allein nur bei meiner Mutter ins Regal schauen: Mankell, Nesbø und Co. Da ich kein sonderlich großer Krimi-Fan bin, ging dieser Boom spurlos an mir vorbei. Auch als ein gewisser Stieg Larsson für Furore sorgte, war mir das nicht sonderlich bewusst. Als die ersten Trailer zu den Filmen der Millennium-Trilogie in die Kinos kamen, dachte ich mir nur: „Was soll’s???“ Ist schon irgendwie traurig, dass tatsächlich erst ein Hollywood-Remake mich dazu bringt, mir diesen Stieg Larsson mal etwas genauer anzuschauen.

Und anschauen ist das richtige Stichwort. Die Bücher zur „Millennium“-Trilogie habe ich mal ganz böse übersprungen. Da waren mir die Meinungen trotz Besteller-Status dann doch irgendwie ein wenig zu verschieden. Wo die einen schwärmen, werfen die anderen Larsson eine etwas schwerfällige Gangart vor. Ich kann nichts davon beurteilen, weswegen ich die Bücher jetzt einfach mal auslasse. Wer braucht schon 700-Seiten-Wälzer, wenn die Filme im Director’s Cut auch je drei Stunden meiner Zeit in Anspruch nehmen.

Die „Millennium“-Trilogie also… erst dachte ich an diese alte Serie, die damals so ein wenig im Fahrwasser von „Akte X“ herumschwamm, in der es dann ja aber hauptsächlich um mysteriöse Vorkommnisse der eher übernatürlichen Art ging. Bei Stieg Larsson geht es eigentlich um eins: Männer, die Frauen hassen. So lautet zumindest der schwedische Originaltitel zu „Verblendung“. Darin flüchtet sich der berühmte Redakteur der Zeitschrift „Millennium“ (aha!!!) in eine ziemlich spannende Geschichte: Der Unternehmer Hendrik Vanger bittet Blomkvist das Verschwinden (oder den Mord) seiner Nichte Harriet zu untersuchen. Klingt alles nicht weiter schlimm, bis Blomkvist auf eine ganze Mordserie stößt, in der junge Frauen misshandelt und dann getötet wurden. Zusammen mit der Hackerin Lisbeth gräbt Blomkvist tief in der schmutzigen Familiengeschichte der Vangers.


Ich will’s noch einmal sagen: Die Bücher habe ich nicht gelesen. Vielleicht war das ein Fehler, vielleicht auch nicht. Was ich nur sagen kann: Niels Arden Oplevs „Verblendung“ hat mir blendend ( :) ) gefallen. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass die Story jetzt so groß was besonderes ist. Fiese Serienkiller wurden auch schon in anderen Filmen gejagt. Auch dass eine riesige Familie involviert zu sein scheint, ist nicht neu. Dadurch wird der Zuschauer nur gezwungen, noch besser aufzupassen. Schließlich muss man am Ende immer noch wissen, wer der Onkel der Kusine der Nichte war… oder war das jetzt doch die Schwester des Bruders des Onkels. Familiengeschichten sind immer etwas wirr, von daher nehme ich das „Verblendung“ nicht krumm, dass ich mich auch noch durch den Stammbaum der Familie Vanger kämpfen muss.

Versteht mich jetzt bloss nicht falsch: Auch wenn die Story nicht neu ist (welche Story ist das heutzutage noch, wenn doch schon eh alles in der einen oder anderen Art und Weise erzählt wurde), ist sie spannend. Spannender noch ist der Verlauf der Geschichte und vor allem ihre beiden Protagonisten.

Fangen wir bei den Hauptfiguren an: Mit Michael Nyqvist (der neue „Mission Impossible“-Bösewicht) haben wir endlich mal so einen richtigen Normalo-Typ. Kleines Bäuchlein, sieht zwar nett aus, aber nicht übermäßig attraktiv. Nyqvists Blomkvist ist ein 08-15-Typ mit dem gewissen Etwas. Man kann es nicht näher definieren, aber er passt perfekt rein in diese Rolle. Er ist kein Held, er will es auch nicht sein. Aber dennoch hat er sowas von einem Spürhund: Einmal Witterung aufgenommen, lässt er nicht mehr locker. Tja, und wenn die Witterung doch einmal nach lässt, dann gibt es da ja immer noch dieses mysteriöse Wesen namens Lisbeth Salander. Auch wenn das jetzt komisch klingen mag, aber so etwas wie Lisbeth hat das Kino schon lange mal wieder gebraucht. Noomi Rapace („Sherlocks“ neue Freundin) spielt ein gebrochenes Wesen mit einer dunklen Vergangenheit. Eine Frau, die alles recht der Welt dazu hat, Männer zu hassen. Ein Mensch voller Geheimnisse. Es gibt Stellen im Film, da weiß man wirklich nicht, was mit ihr los ist. Und dann gibt es auch Stellen, an denen man nicht weiß, ob man sie jetzt doch irgendwie attraktiv finden soll oder nicht. Lisbeth Salander ist  eine herrlich zweiseitige Rolle, die durch Rapace auch noch mit wirklich viel Herzblut verkörpert wird.


Regisseur Oplev lässt sich dann auch (gemäß Larsson???) viel Zeit, bevor er diese beiden unterschiedlichen Charaktere aufeinander loslässt. Die Handlung von „Verblendung“ verläuft erst einmal auf zwei parallelen Bahnen und irgendwie ganz anders als ich es erwartet hätte: Blomkvists Recherche innerhalb der Vanger-Familie verläuft relativ ruhig: Ein Abendessen hier, Gespräche mit der Polizei dort. Nichts deutet darauf hin, dass die Suche nach Harriet einen Film wirklich wert wäre. Während die Blomkvist-Geschichte eher ruhig verläuft, führt uns Oplev in die dunkle Welt der Lisbeth: Hackerin, Rebell und Opfer zugleich. Als Unmündige wird sie von ihrem staatlichen Vormund misshandelt, wehrt sich dann aber auf brutale (und vollkommen gerechte) Art und Weise. Und erst nach diesem Lisbeth-Drama dürfen beide Figuren zusammen kommen.

„Verblendung“ geht nicht sofort aufs Ganze, sondern nimmt sich – erstaunlich viel – Zeit, um beide Figuren zu genüge zu etablieren. Lange bevor Schwung in den Harriet-Fall kommt, kennen wir diese zwei Menschen… naja, was Lisbeth angeht, nicht wirklich. Aber immerhin nutzt Oplev seine Zeit gekonnt. Das macht den Film dann so aus: Durch Lisbeht erfahren wir hautnah, was für Schweine Männer sein können, während uns die Blomkvist-Schiene zeigt, dass Männer schon immer Schweine waren. Natürlich nicht alle Männer…

Was man natürlich nicht falsch verstehen darf: Oplev lässt sich zwar Zeit, seine Figuren zu entwickeln, vergisst aber nie, dass er auch einen spannenden Thriller zu inszenieren hat. Spätestens, wenn beide Figuren endlich zusammenarbeiten, gerät auch der Fall Harriet mächtig ins Rollen. Dann wird „Verblendung“ zu einer Achterbahnfahrt… es gibt keine Stopps auf dem Weg!!!

Schweden-Krimis können also doch sehr spannend sein, und „Verblendung“ gehört schon jetzt zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen. Sehr stimmungsvoll, sehr düster, sehr gewaltig – dank zweier grandioser Hauptfiguren lässt einen dieser Film so schnell nicht wieder los.

Wertung: 9 von 10 Punkten (harter Stoff aus dem kalten Norden)

Polaroids im Dunkeln

11. Januar 2012

Diesen Film hätte ich gerne unbefangen gesehen, aber wenn groß damit geworben wird, es sei der erste Horror-Film ohne Schnitt, dann achte ich natürlich sehr genau darauf. Ich hatte anfangs schon die Befürchtung, ich würde mir eine mentale Strichliste anfertigen, in der ich jede Möglichkeit für einen Schnitt vermerke. Aber zum Glück zieht einen die Geschichte ziemlich schnell in den Bann, weswegen man das Mitzählen von Schnittmöglichkeiten bei diesem angeblichen Plansequenz-Film schnell vergisst.

Aber ich schweife ab! Worum geht es eigentlich? Es geht um die Tatsache, dass unsere Spanisch sprechenden Horror-Regisseure viel eher dazu neigen, mal was Neues auszuprobieren und es für gewöhnlich auch schaffen, einen mal wieder mit richtig schön Gänsehaut zu schocken. Trotzdem war ich eher skeptisch, als es darum ging, mir Gustavo Hernández’ Film „The Silent House“ anzuschauen. Klang mir wie so eine „Haunted House“-Sache, auf die ich eigentlich keinen so große Lust hatte. Schließlich verläuft was alles nach Schema F:

Eine junge Frau namens Laura (Florencia Colucci) und ihr Vater Wilson (Gustavo Alonso) sollen ein altes Farmhaus in Stand setzen, damit der Besitzer (Abel Tribaldi) das gute Stück verkaufen kann. Doch kaum sind Laura und ihr Vater im Haus, hört die junge Frau merkwürdige Geräusche aus dem Obergeschoß. Und obwohl der Besitzer es ihnen verboten hat, die Treppe hinauf zu gehen, fleht Laura ihren Vater an, nach der Ursache der Geräusche zu schauen. Dumm nur, dass er Minuten später gefesselt und tot wieder auftaucht. Neben ihm liegt eine kleine Puppe und Kinderlachen erfüllt das Haus. Gemeinsam mit dem Besitzer, der irgendwann wieder auftaucht, versucht Laura nun selbst das Geheimnis des Hauses zu lösen.


Wie gesagt, die Tatsache, dass die Story doch sehr unspektakulär klingt, ließ mich lange überlegen. Auch der Verweis, dass es sich bei der Geschichte um eine wahre Begebenheit handele, zieht bei mir nicht mehr. Zu oft wird ja einfach nur eine winzig kleine Kleinigkeit aus „der wahren Begebenheit“ genommen und der Rest einfach dazu gedichtet. Ja, und da ist ja da immer noch diese Sache, dass „The Silent House“ eine einzige Plansequenz sein soll – kein einziger Schnitt, alles in einem Take.

Wo fange ich also an???

Beginnen wir wohl mit dem größten „Selling point“ des Films – Horror ohne Schnitt. Die Kamera geistert die ganze Zeit wie ein Voyeur um Laura herum. Anfangs dachte ich noch: „Naja, das mit der Wackelkamera wird doch hier wieder nichts!“ Aber im Gegenteil: Hernández hat da ordentlich Vorbereitung hineingesteckt. Klar fehlen die Totalen, in denen wir beispielsweise aus der Sicht des Unbekannten auf Laura schauen. Aber das stört ehrlich gesagt nicht, die gruseligen Effekte – Gestalten im Hintergrund, die auftauchen und dann wieder verschwinden – funktionieren auch ohne Schnitt. Natürlich hatte ich trotzdem meine mentale Strichliste dabei und da ich mich ja zum Glück ein wenig mit Videoschnitt auskenne, habe ich einige Stellen im Film gefunden, an denen man hätte schneiden können. Und ich bin mir sicher, dass Hernández diese Stellen auch genutzt hat. Tragisch ist das auf keinen Fall, der Film bleibt trotzdem immer noch eine langer Take. Zwar ein wenig verwackelt, aber sehr, sehr wirkungsvoll.

Wirkungsvoll ist „The Silent House“ aber auch wegen der packenden Story. Angeblich soll dieser Fall in den 40er Jahren in einem kleinen Kaff in Uruguay tatsächlich passiert sein. Leider konnte die Polizei den Fall nie aufklären, trotz Leichen und merkwürdigen Polaroids im Haus. Hernández will mit „The Silent House“ in Echtzeit die letzten 78 Minuten dieses Falls erzählen. Und das macht er echt verdammt gut. Klar, wir haben wieder die Klassiker: merkwürdige Klopfgeräusche, Kinderlachen, Musik, die plötzlich angeht, Schatten, die hinter Laura vorbei laufen. Aber Hernández verbindet all diese Elemente so gekonnt miteinander, dass man hier und da schon heftig zusammenzuckt. Dazu kommt, dass man genau wie Laura nur im Dunkeln herumtappt… selbst die Auflösung bleibt verworren und hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Trotzdem ist es unheimlich spannend, Laura dabei zu beobachten, wie sie das „Silent House“ erforscht und dessen dunkle Geheimnisse aufdeckt.

Von der technischen Seite her ist „The Silent House“ wirklich grandios – ich glaube zwar die One-Take-Geschichte nicht wirklich, aber es ist sehr wirkungsvoll. Von der erzählerischen Seite betrachtet ist Hernández’ Film zwar nicht äußerst originell, bleibt aber trotzdem extrem spannend. Schade nur, dass zum Ende hin alles ein wenig verwirrend wird.
Aber egal… wer sich mal wieder so richtig schön gruseln will, der sollte dem stillen Haus in Uruguay mal einen Besuch abstatten.

Wertung: 8 von 10 Punkten (zwar ist dieses Haus nie wirklich still, aber egal – es ist scheiße gruselig und das ist verdammt gut so)

Nachsitzen

9. Januar 2012

Fünf Schüler sitzen in einem Raum. Es ist Mittagszeit und alle holen ihr Mittagessen raus. Wer ist wer? Ein Mädchen packt ihre Sushi-Box und ihre Stäbchen aus einer Designer-Tasche. Die andere schmeißt die Wurst von ihrem Sandwich und streut ordentlich Zucker und Cornflakes auf die Butter. Dann wären da noch die Herren des Raumes: Der eine haut ordentlich rein: Chips, Cookies, Sandwiches – Hauptsache, viel für die Energieverbrennung, der nächste hat ein ordentlich gemachtes Lunchpaket – alles schön gesund. Tja, und der letzte in der Gruppe hat einfach mal gar nichts zu essen dabei.

Wenn unsere Welt doch nur so einfach bleiben würde! Es wäre so einfach, die Menschen nur nach ihren Essgewohnheiten einteilen zu könne. Aber hey, in Schulzeiten ist das noch so, und deswegen ist diese eine Szene so unglaublich komisch. Mit dieser einen Szene erklärt uns John Hughes alles, was wir über „The Breakfast Club“ wissen müssen. Zumindest oberflächlich betrachtet.

Es ist Samstag und fünf Schüler müssen nachsitzen. Da wäre der Streber Brian (Anthony Michael Hall), das Sport-Ass Andy (Emilio Estevez), der Rebell John (Judd Nelson), die „Prinzessin“ Claire (Molly Ringwald) und die Außenseiterin Allison (Ally Sheddy). Dieser zusammengewürfelte Haufen soll acht Stunden in der Schulbücherei verbringen und eigentlich einen 1000-Wörter-Aufsatz zum Thema „Wer ich wirklich bin“ schreiben. Aber statt zu schreiben, reden sie lieber.


John Hughes „The Breakfast Club“ ist Kult. Und wie bei schon so vielen Kultfilmen musste ich auch diesen erst einmal nachholen. Beim ersten Überfliegen des Inhalts möchte man nämlich nicht so wirklich daran glauben, dass man hier jetzt einen Kultfilm vorgesetzt bekommt. „Wohl eher eine mit stümperhaften Klischees besetzte High School Komödie“, dachte ich mir anfangs. Und wenn man den Anfang und die besagte Mittagessen-Szene dazu zählt, dann kann Regisseur John Hughes diesen Vorwurf nicht von der Hand weisen. Dumm für mich nur, dass Hughes ja genau das beabsichtigt: Der Zusammenstoß aller gängigen Schüler-Typen, wie sie wohl jeder in irgendeiner Art und Weise kennt – dazu muss man nicht an eine US-High School gegangen sein.

Und diese fünf lässt Hughes wie Hunde in einem Käfig aufeinander los. Und allen voran „Hund“ John bellt am lautesten: John legt sich sowohl mit Brian als auch mit Andy an, macht sich unbeliebt bei Claire und noch unbeliebter beim Rektor. Doch das alles ist nur auf der Oberfläche: typisches Gehabe, was einfach erwartet wird. Hughes lässt seinen Schauspielern Zeit, sich ihren Stereotypen hinzugeben. Lass den Rebell, den Kriminellen ruhig die Prinzessin anmachen und der Sportler kommt ihr zu Hilfe. Eine Frau gefangen zwischen zwei Männern, von denen NATÜRLICH irgendwann der Rebell attraktiv auf die Prinzessin zu wirken scheint.

Aber nach ein wenig Zucker und ein wenig Marihuana sind die Geister etwas gelockert. Nach und nach sorgt Hughes dafür, dass wir hinter die Fassade blicken können. Probleme werden deutlich, Probleme, die erklären, warum jeder so ist, wie er oberflächlich erscheint. Na klar, könnte manch einer meckern, dass auch diese Probleme nur billige Klischees sind, aber mal ehrlich: Was sind denn die wahren Probleme eines Teenagers? Die Eltern, die Schule, Sex, Freunde, das Erwachsenwerden und sich selber finden. „The Breakfast Club“ zeigt, dass hinter jeder Fassade ein Mensch mit eigenen Träumen und Hoffnungen steckt.

Zugegebener Maßen wird „The Breakfast Club“ durch kurzzeitig ein wenig sehr zum Debattierklub, aber man verzeiht Hughes diese Längen. Schließlich braucht der Streber halt ein wenig länger, um sich vor der Gruppe zu öffnen. Schließlich muss auch eine Prinzessin durch fiese Tricks erst dazu gebracht werden, wirklich die Wahrheit zu sagen. Schließlich sind es alles nur Teenager, die verstanden werden wollen.

„The Breakfast Club“ ist großartig. Allein das Intro mit „Don’t You (Forget About Me)“ von den Simple Minds schreit es einem schon vor Beginn des Films zu: „Jetzt erlebst du 80er Jahre Feeling pur und du wirst es verdammt noch mal lieben.“ Und man muss den Film einfach lieben. Hughes hat sich sehr gute Schauspieler geholt, die diese Gruppentherapie für Jugendliche noch mehr sehenswert macht. Nach diesem Film hat man das Bild vom Mittagessen vergessen, man ist jetzt in den Köpfen all dieser Jugendlichen und wünscht sich eigentlich nichts sehnlicher als selbst Mitglied des „Breakfast Club“ zu sein.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (großartige Demontage von High-School-Stereotypen)

Du bist, was du isst

6. Januar 2012

Es ist ein fieses Dilemma, in dass der Film „Wir sind, was wir sind“ einen Rezensent bringt. Auf der einen Seite könnte man eine Rezension schreiben, bei der man nur ein Wort weglässt und damit den Leser und möglichen Zuschauer hinters Licht führt. In gewisser Weise wäre dieses Nicht-Wissen ein Segen, denn dann würde man diesen Film mit ganz anderen Augen wahrnehmen. Außerdem würde man mögliche Erwartungen, die bei der Nennung diesen einen Wortes aufkommen, im Keim ersticken. Auf der anderen Seite könnte man diesen Wort auch einfach nennen, man könnte alles an diesem einen Wort aufziehen.

Ich habe mich entschieden, dieses eine Wort vorerst nicht zu verwenden. Zumindest werde ich es versuchen (natürlich wird es nur denen etwas nützen, die den Film nicht kennen!).

„Wir sind was wir sind“ ist ein Film des Mexikaners Jorge Michel Grau. Dabei geht es um eine ganz normale Familie – Mama, Papa und die drei Kinder Sabina, Alfredo und Julian. Die Familie hält sich mit einer kleinen Uhrmacherwerkstatt über Wasser – mehr schlecht als recht. Schlimm wird es, als der Vater plötzlich stirbt und seine Familie allein zurücklässt. Die Frage, wer sich jetzt um die Familie kümmert, kommt auf… Alfredo soll sich um die Familie sorgen, Essen auf den Tisch bringen, aber der Junge hat Schwierigkeiten, mit dieser neuen Aufgabe umzugehen.


Na, klingt so, als wäre „Wir sind was wir sind“ ein stinknormaler Film. Ein Drama darüber, wie eine Familie, vom Schicksal getroffen, zusammenwächst. Dieser Aspekt des Films ist auch sehr wichtig, leider wird er nicht vollständig genutzt. Das liegt zum größten Teil daran, dass die Figuren weitestgehend oberflächlich bleiben. Grau gewährt uns kaum einen Blick auf die Personen. Was sind Alfredos größte Sorgen? Wie fühlt sich der Junge als neuer Vater-Ersatz? Genauso wenig erfahren wir mehr darüber, wie die Mutter mit der Situation umgeht. Es gibt zwar hier und da mal einen Streit zwischen Mutter und Alfredo, aber so richtig tiefgründig wird das alles nicht.

Und der Grund dafür liegt auch ein wenig darin, dass sich Regisseur Grau zu sehr an diesem Thema aufhält, welches ich bis jetzt noch nicht genannt habe. Nur leider merke ich selber gerade, dass ich nicht viel weiter komme, deswegen werde ich das Wort einfach sagen: Kannibalismus.

Ja, richtig. „Wir sind was wir sind“ möchte Familiendrama mit Horrorfilm mischen und macht aus der kleinen Familie eine Gruppe Menschenfresser, die ohne Daddy jemand Neues brauchen, der Futter besorgt. Die Möglichkeiten, die diese Zusammenstellung bringt, erscheinen schier endlos… nur leider kann sich Grau nicht für eine entscheiden.

Möglichkeit Nummer 1: Fieser Horror-Streifen

Horror lässt Grau eigentlich fast ganz weg. Es wird nicht wirklich gruselig oder gar eklig. Zwar gibt es auch ohne den Vater ein paar Opfer, aber es passiert nichts. Wer gruselige Menschenfresser-Familien haben möchte, der sollte dann doch lieber bei „The Texas Chainsaw Massacre“ bleiben. Den Horror-Faktor nutzt Grau nicht aus.

Möglichkeit Nummer 2: Bitterböse Komödie

Daran hatte ich eigentlich als erstes gedacht, als ich von „Wir sind was wir sind“ erfahren habe. Man hätte mit Sicherheit eine saukomische oder höchst ironische Geschichte erzählen können. Entweder so richtig abgefahren wie bei „Shaun of the Dead“ oder vielleicht mit etwas mehr Gesellschaftskritik. Aber auch diese Möglichkeit schöpft Regisseur Grau nicht aus. Es gibt keine komischen Momente in „Wir sind was wir sind“.
Möglichkeit Nummer 3: Tragisches Drama

Im Film ist immer wieder die Rede von einem Ritual, das durchgeführt werden muss (nur erfahren wir nie, was das ist). Zudem werfen die Kinder ihrer Mutter im Verlauf des Films immer wieder vor, dass sie dank der elterlichen Erziehung nie eine andere Wahl gehabt hätten. Wenn man gewollt hätte, wäre „Wir sind was wir sind“ vielleicht auch ein gutes, wenn auch merkwürdiges Coming-of-age-Drama geworden. Aber wie ich schon sagte, die Figuren bleiben zu oberflächlich, als das so etwas funktionieren könnte.

Ihr seht also, „Wir sind was wir sind“ tut sich schwer, eine bestimmte Richtung einzuschlagen. Und genau das stört: keine klare Richtung! In meinen Augen etabliert sich „Wir sind was wir sind“ damit als erster Film, der tatsächlich ein Remake verdient hätte. Dann aber bitte jemand, der sich eine Möglichkeit aussucht.

Wertung: 3 von 10 Punkten (eine grandiose Idee, aber lausig umgesetzt)

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