Als Hollywood anfing, fies zu werden

2009 November 23
von donpozuelo

Es ist schon erstaunlich, wie viele Filme gemacht werden, in denen die Hauptfigur ein Fiesling ist. Ich glaube, wenn man eine Untersuchung starten würde, wäre der „Antiheld“ wahrscheinlich öfter vertreten als der wahre Held. Wahrscheinlich ist das einfach darauf zurückzuführen, dass im Bösen mehr Tiefe zu stecken scheint als im Guten. Zumal die Betrachtung des Bösen viel mehr Fragen stellen kann: Warum ist er/ sie so ein böser Mensch? Wie kam es dazu? Was treibt ihn an, etc. Und selbst wenn wir es mit einem „Helden“ zu tun haben – genau betrachtet, muss auch der Held erst richtig fies werden. Dafür gibt es dann aber eine relativ gute Grundlage, die sich meist durch Opfer oder Verluste erklären lässt.

Einfach nur böse Menschen gibt es in Filmen zuhauf. Und dazu noch solche, die durch reale Personen beeinflusst sind. Ein weiteres Beispiel für die fürs Geschäft guten Bösen sind „Bonnie und Clyde“.

Das mordende und raubende Pärchen Bonnie Parker (Faye Dunaway) und Clyde Barrow (Warren Beatty) lernen sich eher zufällig kennen. Von Anfang an ist die Kellnerin aus einem müden Kuhdorf irgendwo in Texas begeistert von dem Draufgänger Clyde. Sie beschließt mit ihm aus ihrem tristen Leben auszubrechen – und so fahren sie in gestohlenen Autos durchs Land und rauben Banken aus. Anfangs haben sie wenig Erfolg, mit der Zeit werden die beiden aber immer besser – und die Liste der Opfer (sowohl Banken als auch Tote) immer länger. Zusammen mit Clydes Bruder Buck (Gene Hackmann) und dessen Frau Blanche) sowie dem etwas naiven Automechaniker C.W.Moss (Michael J. Pollard) ziehen Bonnie und Clyde als die „Barrow-Gang“ durch die USA.

Arthur Penns Film „Bonnie und Clyde“ lässt schon deutlich erkennen, was später unter anderem mit Oliver Stones „Natural Born Killers“ aus dem Stoff des raubenden, mordenden Pärchens alles gemacht werden kann. Der Film war zu seiner Zeit – 1967 – Ausgangspunkt heftiger Kontroversen: Penns Gewaltdarstellung sprengte die bis dahin „anerkannten“ Regeln für Hollywood-Filme. Gewalt in diesem Ausmaß kannte man zwar aus den Italo-Western, aber nicht unbedingt aus den Gangsterfilmen. Und was die Gewalt angeht, kann sich Penn auch mit Filmen der heutigen Zeit messen. Anlässe geben „Bonnie und Clyde“ ja genug. Ständig wird deren Ruhe vom Kugelhagel der Polizei unterbrochen – da rattern die Maschinengewehre, da spritzt das Blut, da sterben Menschen. Wem jetzt nur noch die Medienkritik fehlt, die „Natural Born Killers“ so schön mit einbaut, dem sei gesagt: Auch „Bonnie und Clyde“ nutzen die Medien für sich aus: sie schicken Fotos, Bonnie schreibt sogar ein Gedicht über Clyde, das veröffentlicht wird – für das „gemeine“ Volk sind Bonnie und Clyde scheinbar so etwas wie Robin Hood – da sie den einfachen Leuten in den Banken, die sie überfallen, ihr Geld lassen.

Faye Dunaway und Warren Beatty geben ein ausgezeichnetes Pärchen ab. Vor allem die Dunaway kann hier hervorragend mit ihren Reizen spielen. Interessanterweise braucht Beattys Clyde relativ lange, bis er diesen Reizen erliegt. Teilweise möchte man meinen, Clyde sei schwul – mehrfach betont er vor Bonnie, er sei kein Liebhaber (inwieweit das auf den echten Clyde zutreffen mochte, weiß ich leider nicht). Aber als die beiden „endgültig“ zueinander finden, ist es schon zu spät. In einer wirklich spektakulären letzten Szene lässt Arthur Penn seine Protagonisten in einem unbarmherzigen Kugelregen untergehen.

Anfangs waren sich Kritiker uneinig, was „Bonnie und Clyde“ anging. Aber aus dieser Uneinigkeit kam die Überzeugung, dass dieser Film genau den Nerv der Zeit getroffen haben musste. Dass der Film ein Klassiker ist, kann man schlecht abstreiten. Dennoch habe ich dreit zwei winzige Kritikpunkte:

  1. Man hätte ihn nicht in Farbe drehen sollen. Vielleicht liegt es an der schlechten DVD-Fassung, aber ab Mitte des Films verschlechtert sich die Farbqualität etwas. In Schwarz-Weiß hätte ich mir den Film zudem irgendwie noch etwas eleganter vorgestellt – denn gerade Dunaway und Beatty haben etwas von den alten Filmstars der farblosen Filme.
  2. Der Film springt immer von Episode zu Episode: Banküberfall, Pause, Polizei kommt, Flucht und wieder von vorne. Mit der Zeit wird das etwas eintönig. Außerdem wagt Penn nur ein einziges Mal den Versuch, etwas mehr auf die Menschlichkeit der beiden Protagonisten zu schauen, wenn sie zusammen Bonnies Mutter besuchen.

Dennoch: „Bonnie und Clyde“ ist ein spannender Film, der einige Längen hat, dafür aber durch tolle Schauspieler und knallharte Effekte und ein besonders fieses Ende entschädigt. Und auch hier muss man sich fragen: Sollen wir Mitleid mit den beiden armen Seelen haben oder nicht? Darf man das überhaupt???

Wertung: 7 von 10 Punkten (blonde Schönheit und feiner Beau im Hagel blauer Bohnen – sehenswert)

Wer ist hier Legende?

2009 November 21
von donpozuelo

Will Smith kämpft sich als einsamer (na gut, fast einsamer) Krieger durch ein ödes New York, jagt Wild, spielt Golf auf kaputten Jets, lässt sich das Leben gut gehen – möchte man meinen, wenn da nicht jede Nacht diese merkwürdigen Gestalten aus ihren Löchern kriechen würden. Diese Kreaturen sind das Resultat eines veränderten Virus, der eigentlich als Heilmittel für Krebs dienen sollte, sich dann aber sehr schnell als eigenständiger Virus an der ganzen Menschheit bedient hat. Robert Neville und seine treue Hundedame Sam (für die eigentliche Legende dieses Films – dazu später aber mehr) sind die einzigen Wesen in New York City, die noch nicht infiziert sind. Da Neville aber weiterhin glaubt, er könne ein Gegenmittel finden, bedient er sich hin und wieder der Licht hassenden Gestalten. Irgendwann macht er dann den Fehler, die Herzensdame des Anführers zu rauben.

Was ist „I Am Legend“ eigentlich für ein Film? Endzeit-Drama oder Horrorfilm? Dazu stellt sich mir dann noch die Frage: sind es Zombies oder Vampire oder beides, die für den Film Pate standen? Gerade bei den Kreaturen fällt mir das echt schwer, sie einzuordnen. Immerhin scheinen sie sich etwas intelligenter als Zombies zu bewegen.

„I Am Legend“ gehört wieder zu der spannenden Sparte Literatur-Verfilmung. Richard Matheson hatte diese Idee schon 1954. In der Zwischenzeit wurde das ganze auch schon mehrmals verfilmt – unter anderem unter dem Titel „Der Omega-Mann“ mit Charlton Heston. Diese Version, so habe ich mir sagen lassen, soll wesentlich besser sein als die Neuverfilmung. Aber nicht alles an der Neuverfilmung ist so schlecht.

Punkt 1: Will Smith gibt eine recht passable One-Man-Show ab. Und Leute, wir hätten es schlimmer haben können: Ursprünglich sollte Arnold „I’ll Be Back“ Schwarzenegger den Neville unter Regie von Ridley Scott spielen (obwohl Scott natürlich ein Händchen für so etwas hat). Aber wir haben Will Smith, und der kriegt den Job auch ganz gut hin. Zumal er es auf sich nehmen muss, fast den kompletten Film allein zu spielen. Bis zu „I Am Legend“ war Will Smith für mich immer eher der Ensemble-Schauspieler.

Punkt 2: So ganz allein ist Will ja zum Glück nicht. Er hat ja noch Sam, eine Schäferhündin der Marke: Ich bin wohl erzogen, gehorche aufs Wort und im wahrsten Sinne der beste Freund des noch lebenden Menschen. Ein toller Hund – ich bin immer wieder von den „Tierschauspielern“ beeindruckt. Wirklich ein toller Hund – meine absolute Nummer 1 in dem gesamten Film.

Punkt 3: Ich liebe diese Endzeit-Filme. Ich find’s immer wieder wahnsinnig spannend zu sehen, wie Menschen darüber denken, was wir uns gegenseitig antun, nur um uns irgendwann selbst kurz vor die Vernichtung zu bringen. Von daher bin ich schon sehr auf „The Road“ gespannt (das Buch habe ich dieses Mal schon gelesen – eigentlich dürfte ich nach der Lektüre gar nicht mehr ins Kino gehen, weil ich den Film eh nur noch zerreißen könnte)

„I Am Legend“ ist somit kein schlechter Film. So wirklich gut ist er aber auch nicht. Wenn ich ehrlich sein soll, hat das für mich einen Grund: die „creeps“, die merkwürdigen Schattengestalten. Wenn man ein wenig mehr auf deren Gestaltung gesetzt hätte, wäre das meiner Meinung nach besser gewesen. Sobald die Figuren aber auftauchen, verliert der Film etwas. Ich glaube, es wäre besser gewesen, den Zuschauer länger im Dunkeln zu halten. Nur hier und da ein Hinweis, ein kurzes Bild – aber irgendwann strömen sie dann in Scharen hervor…

Interessanterweise gibt es zu „I Am Legend“ ein alternatives Ende.

SPOILER-ALARM (Bitte markieren um weiterlesen zu können. Und bitte in den Kommentaren äußerst wage damit umgehen.)

Neville, Anna und Ethan hocken doch in dem Keller fest, in dem Neville seine Experimente gemacht hat. Die Creeps stehen draußen und der Ober-Creep versucht, die Scheibe einzuschlagen. In der Kinoversion gelingt ihm das, Neville opfert sich für das Gegenmittel und wird so zur Legende. Im alternativen Ende gelingt es dem Boss nicht, die Scheibe zu zerstören. Stattdessen erkennt Neville, dass er eigentlich nur sein Mädchen wiederhaben will. Er öffnet also die Tür und gibt das Mädchen frei. Im Endeffekt erkennt er die Creeps als neues soziales Geflecht an. Am Ende fahren alle drei aus der Stadt auf der Suche nach weiteren Überlebenden.

Man kann das alternative Ende sehen, wie man will. Ich finde es schwer einzuordnen. Und zu meinem Erstaunen muss ich dann doch irgendwie sagen, gefällt mir das Kino-Ende besser. Es ist auf jeden Fall Hollywood-Typischer.

Alles in allem ist „I Am Legend“ zwar ein durchaus annehmbarer Film, aber sicher nicht das Nonplusultra der Endzeit-Filme. Da wird Will Smith noch ein wenig kämpfen müssen, um wirklich zu einer Legende zu werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (mit einem Hund sieht die Apokalypse doch gleich viel besser aus)

2 Arten von Menschen

2009 November 19
von donpozuelo

Laut Gus Portokalos (Michael Constantine) gibt es nur zwei Arten von Menschen: Griechen und solche, die gerne Griechen wären. Und trotzdem lebt der Grieche mit seiner nicht gerade kleinen Familie mitten unter Nicht-Griechen in den USA. Seine Tochter Toula (Nia Vardalos) hat damit die größten Probleme: sie fühlt sich gefangen in ihrer Familie. Nach ihrem Vater zu urteilen, muss eine gute griechische Frau:

  • Einen griechischen Mann heiraten
  • Viele griechische Kinder bekommen
  • Und dafür sorgen, dass genügend griechisches Essen auf den Tisch kommt.

Aber Toula ist 30, immer noch nicht verheiratet und verzweifelt. Bis zu dem Tag, an dem sie den smarten Ian Miller (John Corbett) kennenlernt. Er ist zwar kein Grieche, dafür aber die große Liebe auf den ersten Blick. Aber genau weil er kein Grieche ist, kommt es in der Familie Portokalos zu einigen Problemen.

Der Film „My Big Fat Greek Wedding“ ist ein kleiner Independentfilm, der mit einem Budget von 5 Millionen US-Dollar ca. 369 Millionen Dollar weltweit einspielte. Das Drehbuch basiert auf dem Ein-Frau-Theaterstück von Nia Vardalos.

„My Big Fat Greek Wedding“ ist köstlich. Ein toller kleiner Film über die Schwierigkeiten in einer scheinbar dysfunktionalen Familie zu leben. Da das auf was jeden zutreffen könnte, kann man sich noch viel besser in den Film hineinversetzen. Es ist allein schon witzig zu sehen, wie stark der Film die Kontraste zwischen den Familien der beiden Liebenden auf den Arm nimmt. Ians Eltern sind zugeknöpft und spießig, Toulas Eltern (und der Rest der Familie) sind laut, offen und herzlich.

In gewisser Weise erinnert „My Big Fat Greek Wedding“ an Bollywood-Filme: eine Liebe, die von der Familie nicht anerkannt wird; der Vater als Patriarch, der unterschwellig von seiner Frau manipuliert wird; das Nicht-Aufgeben der Liebenden und ein feierliches Happy-End. Es hätte nur noch gefehlt, dass gesungen und getanzt wird. Zum Glück aber wird bei „My Big Fat Greek Wedding“ nicht so extrem auf die Tränendrüse gedrückt – es bleibt bei einer schönen, romantischen Komödie, die ohne Kitsch auskommt und damit durchaus was für die Herren der Schöpfung ist.

Mit vielen kleinen witzigen Einlagen beschreibt Vardalos die Tücken des Familienlebens, kommt aber am Ende zu dem Schluss, dass, egal wie merkwürdig die eigene Familie auch sein mag, sie ist immer für einen da.

Für alle, die mal wieder eine etwas andere Liebeskomödie fernab von Jennifer Aniston und Co. sehen möchte, ist „My Big Fat Greek Wedding“ nur zu empfehlen. Der Film wirkt plastischer und realer – eben weil er nicht auf Hollywood-Kitsch aufbaut.

Wertung: 8 von 10 Punkten (herrlich komisches Filmjuwel – sehr zu empfehlen)

Ein skurriler Spitzel

2009 November 17
von donpozuelo

Mark Whitacre (Matt Damon) hat ein Problem: In seinem Arbeitsbereich des Agrarkonzerns ADM gibt es mehr Probleme als gute Resultate. Um seinen Job nicht zu verlieren, erfindet er einen Sabotagefall, bei dem angeblich ein „Maulwurf“ der japanischen Konkurrenz verantwortlich für alle Probleme ist. Daraufhin wendet sich sein Boss an das FBI, die wiederum überwachen von nun an Whitacres Telefon. Um nicht entlarvt zu werden, spinnt Whitacre seine Geschichte noch ein ganzes Stück weiter und behauptet, ADM wäre in einen internationalen Fall von Preisabsprache verwickelt. Daraufhin wird Whitacre vom FBI auf seine eigenen Leute angesetzt.

Wer jetzt schon keine Lust mehr auf Steven Soderberghs „Der Informant“ hat, der behält Recht. Der Film basiert auf dem Buch des Journalisten Kurt Eichenwald und bezieht sich angeblich auf einen wahren Fall. Nun ist es natürlich immer interessant, Filme nach wahren Fällen zu drehen, um dem Zuschauer zu zeigen, dass die „Realität“ manchmal skurriler sein kann als die Fiktion. Im Fall von Mark Whitacre ist das zwar durchaus zutreffend, aber reicht es nicht für einen fast zwei Stunden langen Film.

Vorab: Matt Damon spielt den dicken, bebrillten Mark einfach genial. Als Erzähler driftet er oftmals in den wichtigsten Momenten ab, erzählt uns irgendwelches triviales Zeug, ohne darauf zu hören, was sein Gegenüber ihm gerade erklären will. Aber auch Damon, der für die Rolle mehr als 10 kg zugenommen hat, kann Soderberghs Film nicht vor der Langeweile bewahren.

Im Endeffekt sehen wir die ganze Zeit nur, wie Whitacre von einem Meeting zum nächsten fährt und dabei versucht, möglichst unauffällig, Tonbandaufnahmen zu machen. Hier schafft der Film es einige Lacher aus dem Zuschauer herauszukitzeln, weil Whitacre sich manchmal herrlich dämlich anstellt. Aber es bleibt nur bei ein paar kleinen Lachern. Der Rest ist einfach viel zu dialoglastig. Das Ende des Films verschwindet dann in einem Wirrwarr aus Geständnissen und Offenbarungen des Mark Whitacres, die teilweise nur schwer nachzuvollziehen sind.

„Der Informant“ hätte bissiger sein müssen – fieser, ironischer, wortgewandter. Leider vermisst man das im Film. Immerhin gibt es für Serienfans ein paar interessante Entdeckungen: Melanie Lynskey, die Rose aus „Two and a half Men“, spielt Marks Frau Ginger. Und Patton Oswalt, besser bekannt als Spence aus „King of Queens„, spielt am Ende einen FBI-Agenten.

Das wirklich Gute an „Der Informant“ ist Matt Damon. Mehr leider nicht. Man sollte sich daher gut überlegen, ob das die Kinokarte wert ist.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ziemlich langeweilig, aber durchaus skurrile Spitzel-Geschichte)

Unser schwarzer Superheld

2009 November 16
von donpozuelo

Heißt Will Smith. Nein, Moment, heißt „Hancock“.

Aber ist „Hancock“ wirklich so super? Er trinkt, sieht eher aus wie ein Penner und verursacht mehr Chaos, als dass er hilft. Und gerade deswegen ist sein Image in der Stadt Los Angeles ziemlich schlecht. Zum Glück für Hancock rettet er eines Tages den PR-Spezialisten Ray (Jason Bateman) vor dem sicheren Tod, woraufhin der sich revangieren möchte. Seine Idee: Hancock soll ins Gefängnis gehen – frei nach dem Motto „Man weiß erst, was man hat, wenn man es vermisst.“ In der Zwischenzeit will Ray Hancock beibringen, was es heißt, ein normaler Superheld zu sein. Rays Plan scheint aufzugehen, aber die wahre Geschichte von „Hancock“ beginnt erst dann…

„Hancock“ wird als Action-Komödie beschrieben. Richtig komisch wird der Film aber nie. Eher im Gegenteil: schon mit Hancocks Inhaftierung schlägt der Film (fast schon) melodramatische Klänge an – der einsame Hancock im Gefängnis, der einzige seiner Art, sehnt er sich plötzlich nach einer Gemeinschaft. Geweckt werden diese Gefühle durch Ray und seine Familie. Rays Ehefrau wird von Charlize Theron gespielt – allerdings hat Frau Theron in diesem Film irgendwie nicht wirklich viel zu tun.

„Hancock“ spielt genauso mit dem Superhelden-Bild wie der Film „Der Große Japaner“. Wie hier schon beschrieben, versucht sich „Der Große Japaner“ eher als eine Art Dokumentation über einen einsamen Superhelden (was aber nur anfangs funktioniert). Auch „Hancock“ versucht andere Wege in Bezug auf die Darstellung von Superhelden zu gehen, und auch „Hancock“ versagt. Dieses Versagen geht zumindest soweit, als dass sich die Amerikaner scheinbar nicht von dem eigentlichen, glorreichen Superhelden trennen können. Denn auch wenn Hancock anfangs nichts mehr ist als eine Landplage, so wächst er doch mehr und mehr zu einem wahren Superhelden heran, der auch bereit ist, bestimmte Opfer einzugehen – halt der richtige Superheld.

Peter Bergs Film überzeugt nicht unbedingt wegen seiner Effekte (gerade am Anfang sehen die eher etwas lächerlich aus). Auch die Story wird etwas merkwürdig (aber ich will an dieser Stelle nicht spoilern, sonst wäre alles dahin). Und dennoch schafft es Berg die Figur des Hancock mit reichlich Pathos darzustellen: Am Ende kann man sogar ein wenig mit fiebern und stolz sein auf seine Taten. Aber leider, leider beschränkt sich Berg und damit der ganze Film zu sehr auf die Wandlung des Penner-Superhelden zum richtigen Superhelden. Zeit für komische Momente nimmt Berg sich nicht viel – und wenn ich mich recht erinnere, wurden damals bereits alle „lustigen“ Szenen im Kinotrailer schon gezeigt, so dass nicht viel neues (im komischen Bereich) zu sehen war.

Ihr seht, meine Meinung zu „Hancock“ ist sehr gespalten. Der Film hat durchaus Potential – dass die Zeit reif ist für einen etwas veränderten Blick auf Superhelden haben wir ja schließlich schon mit „Watchmen“ festgestellt. Leider schafft es auch Berg nicht (genauso wenig wie Hitosi Matumoto mit „Der Große Japaner), etwas mehr Pep und etwas mehr Kritik und Ironie in die Figur des Hancock zu bekommen.

Eigentlich schade, aber zum Glück (?) wurde „Hancock“ dennoch ein finanzieller Erfolg. Was das heißt, brauche ich ja eigentlich nicht sagen, aber eine Fortsetzung ist schon in Planung. Leider gehe ich schon jetzt mal davon aus, dass auch bei in einer Fortsetzung weniger eine Persiflage, als ein Hochgesang auf Superhelden dabei herauskommt.

Wertung: 5 von 10 Punkten (unterhaltsam, driftet aber schnell vom Komischen weg – hätte sicherlich besser sein können)

4 Taschen und kein Todesfall

2009 November 14
von donpozuelo

Dies ist die Geschichte von vier Taschen, vier identisch aussehenden Taschen. Und gleichzeitig ist es der Beweis, wie lustig ein Film über vier Taschen sein kann (vorausgesetzt natürlich, dass es kein 90-minütiges Standbild von vier Taschen ist).

  • Die erste Tasche gehört einem verschrobenem Professor namens Howard Bannister (Ryan O’Neil), der darin alte Steine aufbewahrt, mit denen er beweisen möchte, dass schon Höhlenmenschen Musik machten – mit Steinen halt.
  • Die zweite Tasche gehört Judy Maxwell (Barbara Streisand) und ist mit deren Sachen gefüllt.
  • Die dritte Tasche gehört einer reichen alten Dame und beinhaltet ihren ganzen Schmuck – große Klunker, kleine Klunker, bis oben hin vollgestopft mit Klunkern.
  • Die vierte Tasche gehört einem Agenten und ist gefüllt mit Geheimdokumenten.

Nun beginnt die Geschichte von Peter Bogdanovichs „Is‘ was, Doc?“ („What’s Up, Doc?“), damit dass sich alle vier Taschen in einem Hotel „treffen“. Und hier fängt dann der Ärger um die Taschen an:

  • Ein weiterer Agent versucht die Tasche mit den Geheimdokumenten zu stehlen
  • Der Hotelbesitzer versucht die Juwelen der alten Dame zu stehlen.
  • Judy versucht sich, an Howard ranzumachen und dessen Verlobte Eunice (schöner Name) zu verscheuchen.
  • In dem ganzen Durcheinander unbemerkt irgendeine Tasche zu stehlen, werden diese immer wieder fröhlich durchgetauscht und verwechselt, sodass selbst der aufmerksamste Zuschauer nach einer Weile den Überblick verliert, wer nun welche Tasche hat.

„Is‘ was, Doc?“ ist – wie der Titel schon vermuten lässt – unter anderem eine Hommage an die alten Warner Brothers Bugs Bunny- Trickfilme und damit auch eine Verbeugung vor den Screwball-Komödien.

Ein Versuch der Erklärung:

Vor allem Barbara Streisand erinnert einen sehr stark an den guten alten Hasen: es gibt sogar eine Szene, in der sie an einer Möhre kaut. Außerdem ist die Figur der Judy wie Bugs Bunny angelegt: immer einen Spruch auf Lager, immer schlaue Ratschläge, immer irgendwie in Gefahr.

Aber „Is‘ was, Doc?“ geht darüber hinaus. Der Begriff der Screwball-Komödie fällt immer wieder. Diese Unterart der Komödie zeichnet sich vor allem dadurch aus:

  • Hohe Dialoglastigkeit und damit verbunden: viel Wortwitz
  • Ein schnelles Tempo
  • Exzentrische Charaktere, die zwischen Kindhaftigkeit und Frustration hin und her schwanken
  • „battle of sexes“ – hier wunderbar repräsentiert durch Judy und Howard, der sich einfach nicht erklären kann, warum ausgerechnet er von Wirbelwind Judy ausgesucht wurde.

Obwohl „Is‘ was, Doc?“ schon über 30 Jahre alt ist, ist es für mich eine der witzigsten Filme, die ich kenne. Der Film sprüht vor Energie und Witz – und zum Glück gelingt es Regisseur Bogdanovich die Story durchaus vielfältig zu gestalten: Von dem Hotel geht es über zu einer wilden Verfolgungsjagd quer durch San Francisco, die anschließend in einem Gerichtssaal endet. Vor allem die Verfolgungsjagd ist köstlich, und… es gelingt Bogdanovich den alten Witz: „Es tragen zwei Typen eine Glasscheibe über die Straße…“ gekonnt aufzufrischen und den Zuschauer dabei sehr zu überraschen.

Streisand und O’Neil sind ein perfektes Pärchen in dieser Komödie: die perfekten Gegensätze – die Wilde und der Zahme.

„Is‘ Was, Doc?“ macht auch nach der x-ten Wiederholung noch Spaß: temporeich, mit viel Liebe zum Detail und sorgfältig ausgefällten Dialogen, die schnell und witzig sind erschafft Bogdanovich die Komödie schlechthin.

Wertung: 10 von 10 Punkten (so muss eine Komödie sein – leider muss man da heutzutage schon etwas länger nach suchen)

Unzucht in Kalifornien

2009 November 12
von donpozuelo

2008 war ein interessantes Jahr.

Warum?

Man konnte (ohne Bedenken) öffentlich zugeben, RTL II zu gucken :)

Im Herbst 2008 gelang es dem Sender nämlich gleich zwei skurrile Serien-Hauptfiguren in sein (Spät-)Programm einzubauen: eine war „Dexter“ (wird demnächst hier auch mal besprochen) und die andere Figur war ein Sex-süchtiger, Drogen nehmender, rauchender, fluchender Schriftsteller namens Hank Moody. Hank Moody führt uns hinter die Kulissen, hinter den schönen Schein der Stadt der Engel. In seiner Welt gibt es keine Nettigkeiten – nur ein Fressen oder gefressen werden. Besonders Hank wird da von seinem Schicksal schwer geschlagen:

  • Immer noch verliebt in seine Ex (Karen),
  • Versucht er sie davon abzuhalten, ihren Neuen (Bill) zu heiraten.
  • Sein letzter Bestseller („God Hates Us All“) wurde eine schnöde Hollywood-Romanze mit „Tom and Kate“,
  • Und sein Verleger und bester Freund sitzt ihm ständig im Nacken wegen eines neuen Buches – dazu kommt, dass der arme Hank nun fürs Bloggen bezahlt wird (ach, wie wäre das schön, nicht wahr???).
  • Dazu kommen eine pubertierende Tochter (Becca) und die Tochter von Bill (Mia), mit der Hank einige schwerwiegende Probleme bekommt.
  • Wichtig sind natürlich auch Drogen und Alkohol (ansonsten wäre man ja kein Künstler)
  • Und Frauen, Frauen, Frauen…. (Brüste in jeder Folge – nur wenn’s interessiert)

„Californication“ wurde oft als „Sex and the City für Männer“ betitelt. Nun, dazu kann ich nichts sagen, weil ich „Sex and the City“ nicht kenne (allerdings: sollte der Vergleich stimmen, dann…). Was ich aber sagen kann, ist folgendes: Ich bin von Anfang an einer großer Fan dieser Serie. David Duchovny – the actor also known as Fox Mulder – kann sich in der Rolle des Hank Moody von seinem Agenten-Image reinwaschen: hier kann er Chauvinisten-Schwein und Gentleman zugleich sein: Auf der einen Seite reißt er Reihenweise Frauen auf (der gute David selbst will ja auch sex-süchtig sein, also erleben wir hier Method-Acting der ganz feinen Art), auf der anderen Seite erkennt er, dass er nur mit seiner Ex Karen wirklich glücklich sein kann.

Die Serie ist erfrischend anders: 30 Minuten und trotzdem keine Sitcom: kein Studiogelächter, keine glatten Kameraeinstellung. Stattdessen scheinen die Macher viel mit Hand-Held-Cameras zu drehen: hin und wieder leicht verwackelte Bilder, die zusätzlich bearbeitet worden sind, um einen etwas dreckig-schmutzigen Look zu bekommen. Das passt hervorragend zu einer Serie die romantisch und abstossend, komisch und traurig zugleich ist. Gekonnt wechseln die Autoren zwischen Drama und Comedy. Das ganze Packet wird mit einigen Popkultur-Verweisen vermischt und fertig ist die Serie.

„Californication“ ist erfrischend anders, erfrischend offen und frech. Im Original lernt man eine Menge neue Schimpfwörter für den nächsten England-Urlaub. Die Serie überrascht vor allem deshalb, weil man so etwas in Serie nicht erwartet hätte – als Film vielleicht ja, aber gleich eine ganze Serie??? Das erscheint erstaunlich – der Erfolg der Serie gibt den Machern aber Recht – es wird Zeit, dass neben den klassischen Sitcoms mit hübschen Menschen und kleinlichen Problemen etwas frischer Wind weht. Zugegeben, schöne Menschen hat „Californication“ auch, dafür machen sie aber schmutzigere Sachen.

Man muss die Serie wirklich lieben, ansonsten wird man sie hassen.

(Kann man mit diesem Satz irgendwas anfangen???)

„Californication“ kann man jetzt bequem auf DVD gucken. Pro Staffel nur 12 Folgen a 30 Minuten. Mit der Sogwirkung und teilweise echt schrägen Ideen einen Kauf auf jeden Fall wert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (herrlich durchtriebene Serie mit einem tollen Duchovny – er kann es auch ohne Aliens)

Viel Lärm um Nichts

2009 November 10
von donpozuelo

Wie viel Action verträgt ein Action-Film? Die Frage stellte sich mir bei der „Betrachtung“ von „Transformers“: Shia LaBeouf und Megan Fox rennen durch die Gegend, Autos sprechen und verwandeln sich – dazwischen kurz eine Mini—Einführung in die Geschichte der großen Auto-Bots. Ansonsten knallt Regisseur Michael Bay alles an Trick- und Pyrotechnik auf die Leinwand, was er in Hollywood nur finden kann.

Nun ist „Transformers“ ja durchaus ein Film, denn man als „seriöser“ Filmeblogger eigentlich nur zerreißen kann (keine Sorge, mehr oder weniger so wird es auch ablaufen), aber dennoch komme ich nicht umhin, auch ein paar gute Sachen zu finden: Gerade am Anfang hatte ich echt noch die Hoffnung, es könnte ein halbwegs passabler Film werden. Gerade die Figur des Sam hatte irgendwo schon seine witzigen Seiten: die schräge Familie, der merkwürdige Hund, die noch merkwürdigeren Freunde und die große, heimliche Liebe. Klingt fast mehr wie „American Pie“, aber zum Glück werden wir auch gleich zu Beginn davon abgebracht, hier reinen Teenie-Kram zu erwarten. Dem unheilschwangeren Motto: „Nicht der Fahrer sucht sich das Auto aus, sondern das Auto den Fahrer“ nach könnte man fast denken: Jetzt kommt Stephen Kings „Christine“. Aber statt einfach nur eifersüchtig zu sein, ist Sams neue Kiste sogar recht hilfsbereit und spielt ein wenig den „Date Doctor“, um die scheinbar vergebene Liebesmüh doch noch in die richtige Richtung zu bringen.

Dabei darf sich dann Megan Fox in Pose begeben und ihren herrlichen, durchtrainierten Körper zeigen. Zugegeben, das sieht ziemlich billig aus und man stellt sich unweigerlich die Frage: Hat mein Automechaniker nicht so ein ähnliches Poster an seinem Spind hängen??? Aber gut, es ist ja bewiesen, dass das männliche Gehirn sowohl bei heißen Kurven als auch bei heißen Schlitten ordentlich ins Rotieren gerät. Was ist also besser als ein Film, bei dem beides zu sehen ist? Die „Fast and Furious“-Reihe hatte es vorgemacht, altes Spielzeug aus längst vergangenen Tagen kann das dann auch noch bieten.

Aber zurück zur Frage, wie viel Action verträgt denn nun ein Action-Film? „Transformers“ fällt nach ca. einer Stunde in ein Action-Loch und kommt da nicht wieder raus. Es gibt keine Atempause: nur fette Roboter, die sich gegenseitig verkloppen und kleine Menschen, die dazwischen rennen und versuchen, am Leben zu bleiben. Jetzt könnte man ja sofort erwidern: Halt, keine Atempause – das ist doch gut. Ich aber sage, keine Atempause schadet dem Film nur: es fliegen einfach nur noch Schrottteile, Raketen, Häuser und sonstige Sachen durch die Luft, hin und wieder ein dummer Roboter-Spruch und ein hetzender Shia LeBeouf. Nach einer Weile sieht das Ganze nur noch albern aus. Die Effekte sind teilweise durchaus sehenswert – aber es wird einfach zu viel des Guten.

„Transformers“ bleibt wohl eher was für die „junge“ Generation (habe ich mich jetzt gerade als alt bezeichnet???). Viel Bumm Bumm, wenig Story, ein heißes Weib, einige heiße Autos – was mich dann aber an den „Transformers“ doch sehr erstaunt hat, war die Tatsache, dass es selbst unter Robotern die klischeehafte Rassendiskriminierung „Der Schwarze stirbt zuerst.“ gibt. Vielleicht gehört „Transformers“ aber auch zu der Art von Filmen, die nur auf der großen Leinwand mit ordentlich Wumms in den Lautsprechern funktionieren – wer weiß. Eins ist für mich aber sicher: Teil 2 werde ich mir ersparen. Denn im Endeffekt sind die Filme doch nur Animationsfilme mit zwei echten Schauspielern. Da kann ich mir dann auch lieber die alte Trickfilm-Serie anschauen. Die habe ich wenigstens gerne geguckt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (mit einer etwas besseren Story und etwas weniger Computer-Animation hätten mich die „Transformers“ vielleicht sogar mitreißen können)

Filmriss

2009 November 1
von donpozuelo

Abschied nehmen musste ich von meiner Alma Mater.

Abschied genommen habe ich auch schon von meinen heimischen Gefilden, um die große weite Welt zu erobern.

Weiter als bis Berlin bin ich dabei aber erst einmal nicht gekommen.

Was ich damit sagen will: Der Don musste umziehen und wird in den nächsten Tagen in unserer lieben Hauptstadt ein neues Heim für sich schaffen müssen. Damit verbunden wird es sicherlich zu einigen „Filmrissen“ hier auf dem Blog kommen – zumindest bis mich das WORLD WIDE WEB wieder hat.

Bis dahin wünsche ich allen Lesern viel Spaß (auch ohne meine geistreichen Artikel).

Wir werden uns wiederlesen!!!!

It’s The End Of The World…

2009 Oktober 31
von donpozuelo

Schon fast eine kleine Programm-Ansage, wenn man zu Beginn von Emmerichs “Independence Day“ den REM-Song zu hören bekommt. 1996 brachte Emmerich uns fast den Weltuntergang in Form fieser Aliens, die sich über die gesamte Welt verteilten und nach einem Countdown alles zerstörten, was unter ihnen war. Zum Glück für die Menschheit gab es genügend Helden, die etwas dagegen zu tun wussten: da war ein charismatischer US-Präsident (Bill Pullman), ein junger Flieger-Pilot (Will Smith), ein Computer-Experte (Jeff Goldblum) und viele mehr, von denen man auf den ersten Blick nicht damit rechnen würde, dass ausgerechnet sie sich als Helden qualifizieren. Aber irgendwie packen sie es, reißen sich zusammen und retten die Welt.

Roland Emmerich – der Name ist eigentlich Programm, wenn es darum geht, die Welt in Flammen aufgehen zu lassen – obwohl er sich in „The Day After Tomorrow“ statt Flammen mit Eiseskälte beschäftigt. Aber den Weltuntergang inszeniert keiner besser als Emmerich: ob nun durch Aliens, Eis, japanische Urmonster oder durch dunkle Prophezeiungen (sein neuer Film „2012“ steht schon in den Startlöchern).

Man kann Emmerich den Hang zu großem Knallern nicht abschreiben und man muss sie nicht alle mögen, aber mit „Independence Day“ macht Emmerich alles richtig: großes Action-Kino, großartige Helden, fiese Gegner und ein bisschen was für die Verschwörungstheoretiker. Dazu kommen erstklassige Effekte, die nicht umsonst mit einem Oscar ausgezeichnet worden sind. In Zeiten globalen Terrors und 9/11 sehen die Bilder explodierender Hochhäuser gleich noch realer aus und lassen noch mehr die Angst spüren.

Für mich ist „Independence Day“ einer der besten Filme von Roland Emmerich, weil er hier keinen gewöhnlichen Weltuntergang inszeniert. Wo ich gerade den neuen Roman von Dan Brown gelesen habe, fällt mir ein guter Vergleich ein: Beide – Brown und Emmerich – erzeugen auf eine simple, aber effektive Weise Spannung. Emmerich verzichtet darauf, nur einen Action-Helden zu haben (wie es ja normalerweise üblich ist), sondern erzählt auf mehreren Ebenen von verschiedenen Menschen. Ähnlich wie bei Dan Brown hält Emmerich die Geschichten der einzelnen Figuren immer recht kurz und beendet jedes „Kapitel“ mit einem kleinen Cliffhanger. Was im Roman gut funktioniert, funktioniert auch hervorragend bei Emmerich. Dazu noch eine Gesamtgeschichte, die guten Stoff bietet, Helden auferstehen zu lassen und riesige Explosionen zu verursachen.

Sicherlich könnte man Emmerichs Film auch wenig USA-Pathos nachsagen, vor allem wenn der US-Präsident am Ende seine Mut machende Rede hält und sein Volk zum gemeinsamen Kampf gegen die Außerirdischen auffordert – aber immerhin ist es der vierte Juli und da lassen Amerikaner ja gerne Feuerwerke in die Luft gehen.

„Independence Day“ ist erstklassiges Popcorn-Kino mit tollen Effekten und guten Schauspielern – wie gesagt, einer der besten Emmerich-Filme. Aber wir können ja jetzt schon gespannt sein, wie er demnächst die Welt nach Ablauf des Maya-Kalenders in „2012“ in den Untergang stürzt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (fiese Aliens treffen auf tapfere Amerikaner – da ist klar, wer verliert)