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Zwei Männer, eine Leiche und zwei Sägen

7. Juni 2021

Als 2004 der erste „SAW“-Film in die Kinos kam, wurde ein großer Hype um diesen Film gemacht. Dass sich daraus ein Franchise entwickeln würde, dass schon bald seinen neunten Teil bekommen wird, hätte damals wahrscheinlich auch niemand gedacht. Damals waren alle nur von dieser „American Dream“-Story der Macher begeistert: Zwei Filmstudenten wollen nach der Uni einen Film machen, produzieren erst einen Kurzfilm, aus dem sie dann einen Kino-Film machen, der dann aus seinem Eine-Million-Dollar-Budget zu einem 100-Millionen-Dollar-Erfolg wird. Ich habe seiner Zeit „Saw“ natürlich brav im Kino geguckt und war brav einer von vielen, die den Film gefeiert haben. Doch das war’s dann auch schon wieder… ich hatte noch brav Teil 2 geguckt, aber danach verlor ich dann auch schnell das Interesse an der Reihe. Eine Reihe, die einer meiner besten Freunde total feiert und der mich deswegen dazu „verdonnert“ hat, die Filme mit ihm zu gucken. Fangen wir also an mit dem allersten Sägen-Film.

Der Fotograf Adam (Leigh Whannell, der ja auch Drehbuchautor gewesen ist) und der Arzt Lawrence Gordon (Cary Elwes) wachen in einem dunklen Raum auf. Die beiden sind mit dicken Ketten an Rohre gefesselt, in der Mitte des Raumes liegt eine Leiche und eine ominöse Stimme auf Kassetten… die unbedingt ein Spiel mit den beiden spielen möchte. Gordon ahnt sofort, dass hier der berühmt-berüchtigte Jigsaw-Killer am Werk ist. Ein Serienmörder, der Menschen durch blutige und zu oft auch tödliche Spiele dazu bringen will, ihr Leben mehr zu schätzen. Blöd nur, dass die meisten dabei drauf gehen. Nun sind also auch Adam und Lawrence Teil dieses Spiels… ein perfides Spiel, das auf lange Sicht vorbereitet wurde.

Mit ihrem „kleinen“ Film lösten Regisseur James Wan und Autor Leigh Whannell eine richtige Lawine aus. Das Torture-Porn-Genre erlebte ein krasses Revival… wer mit einer Million Dollar über hundert Millionen Dollar verdient, der muss einfach einige Copy-Cats erwarten. Doch so richtig kam keiner an „Saw“ heran. Das Interessante an „Saw“ finde ich, ist auch nach wie vor, dass der Film nicht zu sehr in dieses Torture-Porn-Mäßige verfällt. Die Fallen, die Jigsaw bastelt, sind schon extrem perfide und eklig, aber der Film umschifft ziemlich gekonnt, sich zu sehr nur auf die Gewalt zu konzentrieren.

Trotzdem ist „Saw“ natürlich auch noch ziemlich brutal… auch wenn die fiesen Szenen in teils wirren Vorspul-Sequenzen mit doppelter oder dreifacher Geschwindigkeit abgespielt werden, bleibt da noch genug fürs Kopfkino… und auch fürs Auge. Denn schwelgt der Film jetzt noch nicht so extrem in der Brutalität wie später manch andere Vertreter (ich gucke in deine Richtung, Eli Roth 😀 ).

Toll ist an „Saw“, dass er tatsächlich noch eine Story hat. Es ist ja eigentlich ein interessantes Kammerspiel mit Flashback-Sequenzen, die aus dem Ganzen einen guten Thriller machen… der mit einigen guten Twists und Überraschungen daher kommt. Ich habe es damals zumindest nicht kommen sehen, dass der Tote in dem Raum noch so eine wichtige Rolle spielen würde. Der Film ist fies und spielt ziemlich gut mit den Erwartungen der Zuschauer.

Das Einzige, was mich damals als auch  heute einfach so ein bisschen aus der Handlung geworfen hat, sind die doch etwas hölzernen Performances der Darsteller… auch wenn ich heute zumindest erstaunt war, wer da so alles mitgespielt hat. Gut, Danny Glover war ja dank „Lethal Weapon“ noch so der größte Name der Runde. Aber Michael Emerson a.k.a. Ben aus „LOST“ hatte ich schon wieder vergessen, genauso wie auch Dina Meyer und Ken Leung. Tobin Bell, der ja schon bald seinen Platz unter den großen Horror-Ikonen einnehmen durfte, kommt in diesem Film noch nicht so zur Geltung.

Insgesamt muss man aber sagen, dass „Saw“ den Lauf der Zeit ziemlich gut überstanden hat. Es ist ein kleiner, dreckiger Low-Budget-Film, der durch eine gute Story punktet.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der König der Saw-Filme… mal gucken, wie es ab jetzt so weiter gehen wird)

24 Kommentare leave one →
  1. 7. Juni 2021 08:39

    Ich hab „Saw“ damals auch im Kino gesehen und das noch bevor der große Hype kam. Für mich war es eher ein Serienkiller-Film als ein Horror-Streifen. Die Entwicklung im Folgenden zur großen Torture-Porn-Welle fand ich dann auch doof. Hab zwar noch ein paar Filme der Reihe gesehen, doch spätestens Teil 3 fand ich wirklich nicht mehr gut. Ackerst du dich jetzt nochmal durch alle Filme?

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2021 12:37

      Ich ackere mich jetzt wirklich durch alle Filme durch. Hab damals nur noch den zweiten Teil gesehen und dann nicht mehr. Deswegen musste das jetzt mal sein…

      Und ja, der erste Teil steht für sich allein einfach gut da… allerdings kann ich auch absolut nachvollziehen, wieso die späteren Filme sich dann mehr in Richtung der Fallen und sowas alles entwickelt haben.

      • 7. Juni 2021 12:52

        Klar, der Markt hat ja darauf reagiert und neben „Saw“ gab es unzählige weitere Filme in dem Bereich, die Kasse gemacht haben. Der ganz neue „Saw“ soll ja auch wieder ganz gut sein, habe ich gelesen.

        • donpozuelo permalink*
          7. Juni 2021 20:56

          Ich höre über den neuen Saw recht gemischtes… aber ich bin mal gespannt. Und ja, es war klar, dass nach dem Erfolg von Saw weiteres folgen musste. Nur schade, dass das dann alles wirklich so sehr in diesen Torture Kram abrutschte

  2. 7. Juni 2021 11:50

    Ich mochte den ersten wirklich richtig gerne und natürlich hatte der Trick mit der bereits anwesenden Leiche auch bei mir funktioniert.
    In das ein oder andere Sequel hatte ich auch reingesehen, aber ohne bleibenden Schaden. Alles vergessen :))

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2021 12:38

      Ich habe damals nur Teil 2 noch geguckt… deswegen hole ich die jetzt mal alle nach. Ich bin sehr gespannt, was von der Fortsetzungen so hängen bleibt. Teil 1 ist nach wie vor einfach echt gut.

  3. 7. Juni 2021 22:45

    Die Reihe verkommt irgendwann zu komplettem Käse, ist aber insgesamt gerade dadurch auch irgendwie immer unterhaltsam. Das typische Horrortrope, dass man in der Fortsetzung mehr von allem bringen muss, greift hier natürlich auch und alleine deshalb wird es immer beknackter. Die Reihe spielt aber ganz nett mit ihrem Storyquatsch, springt in späteren Filmen gerne malwieder zurück oder offenbart, dass eine gerade geschehene Geschichte nur eine bereits bekannte Geschichte aus einer anderen Perspektive ist. Das wird zwar immer forcierter und zweckmäßiger, aber für so ein Genre ist das eigentlich schon ganz nett gemacht. Der größte Fehler ist eigentlich das durchgehende M. Night Shyamalan-Gedenk-Writing. nach dem gelungenen Twist in Teil 1 muss man natürlich jeden Film mit irgendeinem „Knaller“ beenden und man packt sich eigentlich bei jedem weiteren Film mehr an die Stirn, weil es so dämlich ist. Aber insgesamt ne recht unterhaltsame Reihe, die sogar einen Abschluss hat (den man natürlich dann mit JIGSAW wieder negiert, aber den und SPIRAL kann man wohl ignorieren).

    • donpozuelo permalink*
      8. Juni 2021 08:44

      Ja, das mit dem Twist ist immer so eine Sache. Daran ist ja auch schon Shyamalan mehrfach gescheitert, weil es einfach nicht so das wahnsinnige Story-Telling-Werkzeug ist. Wenn man es irgendwann zu sehr erzwingt, wirkt es wirklich albern. Ich bin gespannt, wie die Reihe damit umgehen wird… und wie sie sich im weiteren Verlauf noch so entwickelt.

      Und ja, diese ganzen nervigen „Wir wollen das Franchise nicht aufgeben“-Sequels, die schon gar nicht mehr passen, nerven. Ich finds witzig, das Spiral ja schon als „The Book of Saw“ oder so ähnlich vermarktet wird. Da weiß man dann schon, dass es am Ende nicht mehr viel mit Saw an sich zu tun haben wird, aber man die Leute mit dem Titel einfach locken möchte.

      • 9. Juni 2021 08:53

        Soweit ich weiß, hat man bei den „Extra-Sequels“ dann auch den Gewaltgrad ziemlich runtergerschraubt, wodurch man der Reihe auch ihr größtes Merkmal nimmt. Dadurch wirkt es noch überflüssiger, als ohnehin schon. Aber irgendwie sehe ich Leute wie Chris Rock und Sam Jackson auch nicht in hartem Gore, also sollte das ja schon Abschreckung genug sein.

        • donpozuelo permalink*
          9. Juni 2021 19:57

          Stimmt. Da hast du Recht. Aber wahrscheinlich haben die sich von Dnny McBride und „Halloween“ beeinflussen lassen…

        • 10. Juni 2021 21:11

          Den hab ich nicht gesehen, weil … uärgh.

        • donpozuelo permalink*
          10. Juni 2021 21:38

          Ja, der war auch echt nicht gut…

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