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Influencer Escape Room

7. Oktober 2020

Regisseur und Produzent Will Wernick mag Filme. Und Escape Rooms. Sein Erstlingswerk heißt „Escape Room“, darf aber nicht mit dem gleichnamigen Horror-Streifen von 2019 verwechselt werden. So richtig herausragend schien Wernicks „Escape Room“ nicht zu sein (hat nicht mal einen Wikipedia-Artikel – und wir wissen doch alle, dass das der neue Standard von Berühmtheit ist [Wernick selbst und der gleich kommende Film haben auch keine Artikel in unser aller Lieblingsonline-Lexikon]). Doch Will Wernick gibt nicht auf und siedelt seinen zweiten Film auch in einem Escape Room an… in „Follow Me“ zeigt sich aber neben seiner Liebe zu „Escape Rooms“ auch seine Liebe zu Filmen.

Cole (Keegan Allen) ist Mega-Influencer. Alles in seinem Leben teilt er live oder in Videos mit seinen Fans. Zu seinem Geburtstag laden ihn seine besten Freunde nach Moskau ein. Hier soll es nämlich einen hoch exklusiven Escape Room geben, der mega-hammer-oberkrass sein soll. Super-Realistisch und was nicht noch alles. Cole lässt sich drauf ein, doch noch bevor er und seine Leute überhaupt den Escape Room betreten, passieren einige unangenehme Dinge. Aber gehören die möglicherweise schon zum Spiel dazu? Wer weiß… wer weiß…

Die größere Frage ist eher: Wen interessiert’s? Ich kann es nicht anders sagen: „Follow Me“ ist stinkendlangweilig. Das ist ein uninspirierter Mischmasch aus schlechten Klischees und sehr offensichtlichen Filmzitaten. Irgendwer hat definitiv vergessen, Wernick Bescheid zu sagen, dass die Osteuropa-Phase von Horror-Filmen wirklich vorbei ist. Das ist einfach nur noch öde… aber da sich gerade die zweite Hälfte von „Follow Me“ sehr, sehr stark an Eli Roth‘ „Hostel“ orientiert, war es wohl einfach notwendig, einmal mehr auf die bösen Osteuropäer draufzuhauen.

Neben „Hostel“ steht Wernick offensichtlich auch sehr auf „Saw“, der im ersten „Rästel“ für Cole zitiert wird und die Die-Hard-Reihe. Das lustige Rate-Spiel, dem sich Bruce Willis und Samuel L. Jackson in Teil 3 stellen müssen (mit dem 3 und 5 Liter Behälter) wird in „Follow Me“ auch aufgegriffen… und zum Glück hat einer von Coles Leuten den Film gesehen. Später greift Wernick dann noch mal auf Bruce Willis zurück, wenn Cole durch einen Lüftungsschacht krabbelt. Da habe ich wirklich nur noch drauf gewartet, dass er lässig sagt: „Oh, komm nach Moskau, haben sie gesagt, das wird spaßig!“. Aber gut, Cole ist leider nicht ansatzweise so cool wie John McLane.

Womit wir beim größten Problem des Films sind: Die Charaktere könnten mir alle nicht egaler sein. Und das liegt jetzt nicht an meiner leichten Abneigung gegenüber Social-Media-Influencern. Sie sind einfach alle nicht gut geschrieben… und haben auch nie so wirklich was zu tun. Die Spannung hält sich echt in Grenzen. Gerade zu Beginn des Escape Rooms wirkt alles sehr entschleunigt. Wenn Cole in bester Videospiel-Manier Zahnräder einordnen muss, um seine Freunde aus einer Eisernen Jungfrau und einen Strecker zu retten, passiert nichts Aufregendes oder Dramatisches. Die Freundin auf dem elektrischen Stuhl wird ein bisschen geschockt, bevor sie befreit wird und Coles Liebe Erin (Holland Roden) scheint zu ertrinken, aber dann wird sie rechtzeitig gerettet…

Später wird’s dann alles ein bisschen schlimmer, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon den Film identifiziert, der für Wernick die größte Inspiration gewesen ist… und das ist „The Game“ von David Fincher. Gerade im großen Schlussplot zeigt sich das extrem – nur das Wernick den dann ein wenig umdreht. Aber da war mir eh schon alles so ziemlich egal in diesem doch sehr, sehr langweiligen Film. Vielleicht hat Wernick Glück und die Jungen von heute haben noch nie was von „The Game“ gehört… dann könnte sie „Follow Me“ vielleicht noch überraschen.

„Follow Me“… besser ihr folgt der Anweisung des Titels nicht. Als mein erster Social-Media-ist-böse-Horrorfilm war das eine ziemlich öde Angelegenheit.

Wertung: 3 von 10 Punkten (das Filme-Finden war interessanter als der Film an sich)

3 Kommentare leave one →
  1. 7. Oktober 2020 06:20

    Seltsamerweise muss der ne gute Mund zu Mund Propaganda haben, der hat nach sieben Wochen mehr Zuschauer geholt als am Startwochenende. Aber ne das muss ja wirklich nicht sein

    • donpozuelo permalink*
      7. Oktober 2020 17:31

      Ja, ich habe auch schon gelesen, dass dieser Film zuschauertechnisch durch die Decke ging. Vielleicht einfach, weil es einer der wenigen Horrorfilme in dieser Zeit war…

      Wer weiß… meins war es auf jeden Fall nicht.

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