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The Real Ghostbusters

31. Juli 2013

Wenn es tatsächlich echte Geisterjäger gibt, die einen ebenso coolen Titelsong wie ihre filmischen Gegenstücke verdient hätten, dann sind es wohl Ed und Lorraine Warren. Die sind nämlich wirklich, wirklich „The Real Ghostbusters“. Oder vielleicht nennt man das dann auch eher Erforscher des Paranormalen oder Dämonologe. Wer weiß. Auf jeden Fall hat das Ehepaar Warren vor allem in den 70er und 80er Jahren zahlreiche paranormale Ereignisse unter die Lupe genommen. Ed als erfahrener Dämonologe und seine Frau als Medium. Die beiden waren so bekannt, dass es nicht lange dauerte, bis Hollywood auf die beiden aufmerksam wurde. Ein Fall der Warrens wurde sogar zu einem Klassiker des Horror-Genres: „Amityville Horror“ basiert auf einem Fall, den die Warrens bearbeitet haben.

Doch nach langer Zeit offenbarte Lorraine Warren nun einen Fall, der für sie noch viel traumatischer war. Und „Saw“-Regisseur James Wan durfte diesen nun mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ verfilmen. Darin treffen wir auf die liebevolle Familie der Perrons: Mutter Carolyn (Lili Taylor), Vater Roger (Ron Livingston) und die fünf Töchter (ich weiß, der arme Vater!!!) ziehen in ein idyllisches Häuschen in Harrisville. Doch schon beim Einzug wird deutlich, hier stimmt etwas nicht – der Hund will nämlich partout nicht ins Haus. Und ist einen Tag später auch tot. Doch damit nicht genug, scheint irgendwas etwas im Haus zu sein. Mama Perron bekommt mehr und mehr blaue Flecken, die Kinder sehen angeblich Personen und, wie üblich, es fallen Bilder von der Wand und Türen gehen auf und zu. Zum Glück besucht Mama Perron gerade eine Vorlesung des berühmten Warren-Pärchens und bittet Ed (Patrick Wilson) und Lorraine (Vera Farmiga), sich das Ganze einmal anzuschauen. Schnell wird für die beiden klar, etwas Böses geht im Haus der Perrons vor sich.

Ja, ja, ich kann schon förmlich spüren, wie die ersten spätestens nach dieser Inhaltsangabe nach unten scrollen, um die erwarteten drei oder vier Punkte für diesen Film zu sehen. „Conjuring“ klingt (und sieht auch im Trailer) stark nach 08-15. Klassischer „Haunted House“-Plot mit den klassischen Stilelementen. Dementsprechend waren meine Erwartungen an „Conjuring“ äußerst, äußerst gering. Weswegen der Film jetzt meine große Horror-Film-Überraschung geworden ist… denn: Ich fand den Film echt erstaunlich gut.

Nach dem „Mama“-Fiasko hatte ich schon nicht mehr an einen vernünftigen Grusel-Film geglaubt. Aber James Wan kriegt’s wieder hin. Nachdem er in „Insidious“ den Gruselfaktor ja um eine etwas fantastischere Ebene erweiterte (diese Zwischenwelt mit dem merkwürdigen Teufel-Dämonen-Dingens), geht er hier auf Anfang. Macht alles brav oldschool. Und erstaunlicherweise funktioniert das wunderbar. Auch wenn Wan die altbekannten Sachen aus dem Keller kramt, er setzt sie äußerst wirkungsvoll ein. Sein Timing stimmt zu fast jeder Minute… langsam baut er die perfekte angespannte Stimmung auf, lässt uns zappeln und beendet es dann mit einem schon fast erlösenden „jump scare“. Das mag vielleicht einigen zu hohl sein, aber ich sage es noch einmal: Es funktioniert wunderbar.

„Conjuring“ soll authentischer wirken und das tut es auch. Man sieht nicht sofort, was andere zu sehen glauben. Es gibt eine wunderbare Szene, in der eines der Mädchen nachts durch etwas aufgeweckt wird und dann im Schatten hinter der Tür etwas zu sehen glaubt. Wan lässt die Kamera hier dann ganz langsam auf den Schatten zu fahren. Mit jedem Stück dichter dran erwartet man, dass etwas heraus springt… doch stattdessen gibt’s den Cut hin zu den schlafenden Eltern, die durch lautes Mädchengeschrei geweckt werden. Im Gegensatz zu „Mama“ müssen wir hier nicht sofort den bösen Geist sehen… wozu auch, wenn Wan den ganzen Horror in unserem Kopf so wunderbar entstehen lässt (vorausgesetzt, natürlich, man lässt sich drauf ein).

Abgesehen von der wirklich guten Umsetzung punktet „Conjuring“ aber auch durch seine Darsteller. Allen voran nicht etwa die großen Stars… viel authentischer wirken da die jungen Darstellerinnen, die so gut sind, dass sie ihre Angst auf uns übertragen können (selbst, wenn wir da halt nichts sehen). Aber natürlich sind auch gerade Vera Farmiga und Patrick Wilson als Geisterjäger-Pärchen ein gutes Team (wobei Wilson das ja mit Wan schon gewöhnt ist durch „Insidious). Ich hatte anfangs schon Angst, dass durch die Geisterjäger alles etwas abhebt, aber selbst da bleibt alles im Lot. Die beiden stehlen der Familie rund um Lily Taylor nicht die Show, sondern sorgen für eine weitere und nicht weniger spannende Nebenhandlung.

Gut, zum Ende hin gehen die Pferde ein wenig mit Wan durch und er geht von unheimlich beschaulich zu etwas sehr viel offensichtlicher und größer. Aber das kann man ihm verzeihen, wenn man sich vorher so gut unterhalten/ gegruselt gefühlt hat.

Wertung: 8 von 10 Punkten (am Ende ein bisschen zu viel, aber ansonsten eine äußerst gelungene Vermischung gängiger Genre-Klischees zu einem wirklich gruseligen Film)

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