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Time waits for no one

29. Juli 2013

Manchmal frage ich mich, was ich wohl tun würde, wenn ich eine Zeitmaschine hätte oder auf irgendeine andere Art und Weise durch die Zeit reisen könnte. Höchstwahrscheinlich würde ich nur an mich denken und meinem Vergangenheitsich Ratschläge zukommen lassen, was Er/ Ich besser tun sollte. Natürlich in der Hoffnung, dass ich/er auch darauf hört. Wäre aber schon cool… man könnte sein Leben neu sortieren. Die schlechten Entscheidungen umgehen und die guten verstärken. Aber, werden jetzt sicherlich einige sagen, sind es nicht gerade die schlechten Entscheidungen, die unser Leben ausmachen… schließlich sorgen sie dafür, dass wir uns verändern, dass wir umdenken und Dinge anders anpacken. Somit sind die schlechten Entscheidungen eigentlich die guten Entscheidungen, weil sie schlecht sind. Oder irgendwie so… immerhin klingt das schon schön herrlich verrückt und passt zum Zeitreisen. Das ist nämlich auch schön verrückt… und vor allem nur auf den ersten Blick wirklich cool.

Die junge Makoto ist „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“. Wie konnte das geschehen? Als Makoto eines Tages einen Stapel Dokumente in einem Vorbereitungsraum ihrer Schule ablegen will, wird sie von einer Person erschreckt und fällt dabei auf eine Walnuss… oder etwas, das zumindest aussieht wie eine Walnuss. Kurze Zeit später ist Makoto mit ihrem Rad unterwegs… und rast dabei ungebremst auf einen kommenden Zug. Doch statt vom Zug überrollt zu werden, springt Makoto in der Zeit zurück und lebt weiter. Nach mehreren teilweise haarsträubend komischen Versuchen gelingt es Makoto, ihre Zeitsprünge zu kontrollieren und schon beginnt sie damit, ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde zu beeinflussen – sei es das Schummeln bei Tests oder zur Unterstützung bei Liebesangelegenheiten. Oder wenn die doofe kleine Schwester den letzten Pudding gegessen hat (und ganz ehrlich, für etwas wichtigeres kann man seine Zeitreise-Fähigkeiten nun wirklich nicht einsetzen). Doch ihre Zeitreisen sind begrenzt und schon bald bereut Makoto einige Entscheidungen.

Mamoru Hosoda hat mit Digimon und One Piece angefangen. Bei der Erwähnung von Digimon würde ich ja schon die Augen verdrehen, während One Piece selbige leuchten lässt. Dazu kommt noch, dass „Summer Wars“ einfach großartig war… und für den war auch Mamoru Hosoda verantwortlich. Sprach also nichts gegen „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ – außer vielleicht, der lange und umständliche Titel.

„Das Mädchen….“ ist wirklich ein extrem spannender Anime. Es beginnt als nette Highschool-Komödie, die vor allem durch Makotos Schusseligkeit und ihre Zeitsprung-Versuche lebt. Zu diesem Zeitpunkt wirkt der Film tatsächlich eher wie eine seichte Komödie… dabei ist „seicht“ vielleicht das falsche Wort: Dank erfrischend ehrlicher Charaktere ist das Ganze wirklich komisch. Und gerade Makoto benimmt sich im Endeffekt genau so, wie man es von einem Teenager mit plötzlicher Zeitreise-Fähigkeit erwarten würde. Ich zumindest würde es genauso machen.

Irgendwann aber entwickelt sich das Zeitsprung-Märchen mehr und mehr zu einem Drama und unterwirft sich der altbekannten Zeitreise-Regel: Schon die kleinste Veränderung sorgt für große Komplikationen. Das muss auch Makoto lernen, wenn sie plötzlich alles daran setzen muss, die Normalität wiederherzustellen. Mamoru Hosoda schafft den Wechsel von der Komik zur Dramatik erstaunlich gut und gerade im letzten Drittel des Film sorgt er mit einer äußerst überraschenden Wendung und einem verdammt traurigen, wenn auch optimistischen Ende dafür, dass „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ noch lange in Erinnerung bleibt.

Lasst euch also um Gottes Willen nicht abschrecken von Leuten, die „Das Mädchen, das durch die Zeit springt“ als Girlie-Film abstempeln. Ist es nämlich überhaupt nicht. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit vermischt Hosoda Komik, Dramatik, Philosophie und Zeitreisen miteinander. Dabei wird aber kein intellektueller Film draus, sondern ein unterhaltsames und spannendes Erlebnis, das zum Nachdenken anregt.

Es wird schon deutlich, dass ich den Film mochte, oder??? Mir fehlen einfach die passenden Worte, deswegen höre ich jetzt einfach auf. Schaut euch das Ding an, es ist großartig!!!

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (einmal mehr wird deutlich: Zeitreisen ist nicht so cool wie man es sich vorstellt)

9 Kommentare leave one →
  1. 29. Juli 2013 06:29

    Hui, da such ich gleich mal bei Amazon. Klingt toll! Und bei Zeitreisefilmen kann ich eh nie nein sagen.

    • 29. Juli 2013 06:34

      Huch, teuer. Muss warten, ist aber auf der Wishlist. 😉

      • donpozuelo permalink*
        29. Juli 2013 06:57

        Ja, es ist wirklich ein toller Film, aber die Preise für die DVDs oder auch die Blu Rays sind katastrophal. Eine absolute Schweinerei… und die werden auch immer irgendwie nie wirklich mal billiger. Echt schade… aber den hier habe ich zum Beispiel im Fernsehen gesehen. In letzter Zeit zeigt vor allem Super RTL viele Animes. Vielleicht packen die die mal wieder aus. Ist auf jeden Fall erst einmal billiger 😉

  2. 29. Juli 2013 16:37

    Ein absolutes Meisterwerk und völlig zu Recht – zumindest bei mir – der beste Film von 2007.
    Wär keine deutschen Untertitel braucht, sondern auch englisch lesen kann, kann die Blu-ray für schlappe 8 Euro bei Play.com ordern (oder bei Amazon.co.uk für kaum mehr).

    • donpozuelo permalink*
      29. Juli 2013 20:47

      Oh, okay. Cool. Danke für den Hinweis… Und ja, es ist wirklich ein großartiger Film!!!

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