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Auf der anderen Seite

9. Dezember 2011

Was soll man im Bereich des Horrorfilms eigentlich noch machen, um alte Horror-Hasen zu überraschen? Der Genre-Fan hat doch mittlerweile echt alles gesehen – Monster, Geister, Serienmörder, Wiederauferstandene oder Aliens. Alles, was irgendwie mal gruselig erschien, hat seinen Weg auf die große Leinwand schon gefunden. Gut, das ist natürlich mit jedem Genre so, und das ist ja auch gut so. So entstehen bestimmte Strukturen und Figuren, die man nutzen kann. Vor Abnutzung schützt dann nur noch die Zerstörung von bestimmten Erwartungen: Manchmal ist das gut, manchmal schlecht.

Ein großer Erneuerer des Horror-Genres bzw. des Slasher-Folter-Genres ist ja James Wan. „Saw“ war zugegebener Maßen zu seiner Zeit schon ein ziemlicher Kracher. Zwei No-Names zaubern einen wahrhaft spannenden Horror-Thriller hin, der sich mit der Zeit zu einer ansehnlichen Reihe von immerhin sieben Filmen erstreckte (wobei ich aber nach Teil 2 ausgestiegen bin). Jetzt ist immerhin James Wan kein No-Name mehr, sondern Hoffnungsträger des Horrors. Wenn so einer einen neuen Horror-Film herausbringt, erwartet man Großes. Umso erstaunter war ich dann, als ich mir „Insidious“ angeschaut hatte.

Familienvater Josh (Patrick Wilson) zieht mit Frau Renai (Rose Byrne) und seinen drei Kindern in ein schickes neues Haus. Doch schon bald nach dem Einzug hört Renai merkwürdige Geräusche, Türen öffnen sich von selbst, Stimmen sind über das Babyphone zu hören. Als dann auch noch Sohn Dalton nach einem Sturz von einer Leiter auf dem Dachboden in ein Koma fällt, glaubt die Familie, dass sie in einem verfluchten Haus wohnen. Problem ist nur, dass die merkwürdigen Ereignisse auch nach einem Umzug weitergehen. Esoterikerin Elise (Lin Shaye) klärt die Familie auf: Nicht das Haus, sondern Sohn Dalton ist Ursache für die unheimlichen Geschehnisse und nur Vater Josh kann helfen, dem Spuk ein Ende zu setzen.

„Old school“ möchte man schreien. „Haunted House“ haben wir doch auch schon gesehen. Aber statt das als Vorwurf zu nehmen, kann man Wan eigentlich nur gratulieren. In großer Erwartung eines fiesen Horror-Gemetzels wirkt dieser Old-School-Horror-Film mit gut platzierten Schreckeffekten wie Balsam für die oft geplagte Horror-Seele.

Wan fährt eine ganze Weile diese „Haunted House“-Schiene mit allem, was dazu gehört: Poltergeist, Stimmen, auftauchende Gestalten in der Nacht. Das Ganze klingt zwar vorhersehbar, aber Wan inszeniert das alles mit einem guten Gefühl fürs Timing. Nach und nach treibt er die brave Familie in den Wahnsinn, entlässt sie dann aber – anders als bei vielen Filmen – in die trügerische Freiheit. Statt in dem Haus zu verweilen, ziehen sie einfach um. Coole Sache, nur dumm, dass es dann halt einfach weitergeht. Mit seiner eigenen Version von „Ghostbusters“ geht Wan allerdings ein wenig zu weit: Die beiden Typen, die da mit Lampen und Messgeräten durchs Haus laufen, sind zum Schießen und in keinster Weise Ernst zu nehmen. Wenn dann auch noch die alte Dame Elise dazu kommt, Seancen abhält und etwas von Astralreisen und verirrten Seelen faselt, schweift Wan in „Insidious“ etwas ab.

Die so gut hervorgerufene Stimmung geht dann ein wenig unter viel Gekreisch unter. Allerdings hat Wan noch ein As im Ärmel, denn die Reise von Patrick Wilson in die Welt der Geister sieht ziemlich cool aus und hat einiges zu bieten.

„Insidious“ baut sorgfältig seine Stimmung auf. Wenn man den Film, wie ich es getan habe, schön im Dunkeln guckt, dann geht der Atem schon ein wenig schneller. Zur Mitte hin lässt das Ganze aufgrund der Geisterbeschwörer zwar etwas nach, aber Wan fängt den Film noch rechtzeitig zum spannenden Finale wieder auf. Mit Patrick Wilson und Rose Byrne hat Wan zudem eine gute Wahl für sein Leinwandpärchen getroffen (zumal ich Mr. Wilson eh ziemlich cool finde und der Meinung bin, der könnte ruhig mal ein paar mehr Filme machen).

Insgesamt war ich von „Insidious“ sehr positiv überrascht und verzeihe Wan daher die Patzer mit diesen Ghostbusters zur Mitte des Films 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten (atmosphärischer Old-School-Horror-Film – unbedingt im Dunkeln gucken!!!)

P.S.: Für alle, die sich fragen, ob Wan sich auch mal wieder an „Saw“ heranwagen will, gibt es einen fragwürdigen Hinweis im Film: Ein Bild von Billy the Puppet und darunter die Zahl „8“ prangt auf einer Tafel hinter Patrick Wilson. Ein Zeichen??? (Zum Vergrößern draufklicken!!)

18 Kommentare leave one →
  1. 9. Dezember 2011 06:48

    Es scheint, du hast mir gerade DIE Idee für das Weihnachtsgeschenk geliefert, mit dem ich Mutti eine Freude machen kann. Danke! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2011 09:11

      Steht Mutti denn auf solche Filme?? 😉 Wenn ja, dann ist es ein gutes Weihnachtsgeschenk.

      • 9. Dezember 2011 11:45

        Sie erhielt nicht umsonst den Spitznamen „Splatter-Mutti“. 😀 Das will mir zwar niemand glauben; aber das alte Mädchen mags heftig.

        • donpozuelo permalink*
          9. Dezember 2011 13:24

          Dann könnte „insidious“ fast schon zu harmlos sein 😉

  2. 9. Dezember 2011 10:10

    Aber nur wenn man vorher noch nie einen Horrorfilm gesehen hat. Setzt nur auf billigste vordergründige Effekte. Es knallt, bummt, zischt, Türen schlagen, Vorhänge wehen, schön mit auditiver Unterstützung. Spätestens bei der Steampunk-Gasmasken-Parade wird es unfreiwillig schön komisch.

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2011 15:41

      Willkommen!!!

      Nun, ich habe auch vorher schon den ein oder anderen Horrorfilm gesehen und fand „Insidious“ trotzdem noch schön stimmig. Klar, das mit den „Ghostbustern“ hatte ich ja angeführt. Ab da wird das Ganze wirklich etwas merkwürdig. Trotz alledem, in der richtigen Stimmung kann man sich „Insidious“ schon anschauen.

  3. 9. Dezember 2011 23:09

    Hm, ist schon lange her und ich fand ich ihn nicht so gut.
    Die erste Hälfte war richtig schauerlich und dann ginge nur noch bergab.
    Bin janz überrascht, dass er Dir so gut gefallen hat.

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2011 09:03

      Ich könnte mir vorstellen, dass er mir beim zweiten Mal nicht ganz so gut gefallen könnte. Wenn man aber komplett unerwartet und in guter Stimmung den Film anschaut, dann ist der schon sehenswert.

  4. 10. Dezember 2011 09:38

    Extreme coole Schreckmomente, wie ich finde. Die Geigen(?)-Sounds, die nach jedem Schreck auch noch Gänsehaut verursachen fand ich cool. Äusserst altmodisch, was ja schon beim Filmnamen nach den Opening Titles beginnt (und auch da wieder diese Terrorgeigen). 🙂

    Aber jo, sobald die Ghostbusters auftauchen, verliert alles ein bisschen an Seriösität.

    • donpozuelo permalink*
      10. Dezember 2011 11:20

      Ach, wenigstens einer, der mich unterstützt 😉

      Wenn die Ghostbusters nicht wären und man das Ganze irgendwie anders gelöst hätte, wäre der Film sicherlich noch ein wenig besser gewesen.

  5. 12. Dezember 2011 00:32

    Gebe dir mal wieder recht, Saw ist und bleibt bis zum 2ten Teil einer meiner Meinung nach bester(e) Horror/Thriller-Reihe. Deine Rezension hat mich neugierig auf mehr gemacht 🙂

    • donpozuelo permalink*
      12. Dezember 2011 09:20

      Wie „Saw“ sich nach Teil 2 weiter entwickelt, kann ich nicht sagen. Habe ab da aufgehört zu gucken. Dem ein oder anderen scheint es ja nach wie vor zu gefallen. Ansonsten wären wir nicht schon bei sieben Teilen. 😉

  6. 12. Dezember 2011 12:58

    Was eigentlich schon erschreckend ist, die hätten einfach nach dem 2ten nichts mehr machen sollen mit dem „SAW- Franchise“….

    • donpozuelo permalink*
      12. Dezember 2011 13:47

      Dann wär’s ja kein richtiges Franchise mehr 😉 Wie gesagt, ich bin gespannt, ob die „Ankündigung“ in „insidious“ was zu bedeuten hat…

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