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Der Enfield Poltergeist

15. Juni 2016

Lange bevor uns die neuen „Ghostbusters“ im Kino das Fürchten lehren wollen (und wenn man dem Internet und all den Hatern Glauben schenken darf, dann ist dieses Fürchten jetzt schon vorprogrammiert – nur halt weniger wegen einem gruseligen Film, sondern weil hier Kult zerstört wird… ich halte das wie mit dem Affleck als Batman: Bevor ich nichts gesehen habe, halte ich mich zurück, auch wenn ich nicht sonderlich begeistert bin)… aber ich schweife ab, also noch einmal von vorne: Lange bevor uns die neuen „Ghostbusters“ im Kino das Fürchten lehren wollen, liefert uns James Wan die einzig wahren Geisterjäger in ihrer zweiten Mission, denn es ist Zeit für „The Conjuring 2“.

Wie schon „The Conjuring“ basiert auch „The Conjuring 2“ auf einem wahren Fall des Geisterjäger-Paares Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga). Dieses Mal werden sie allerdings nicht in den USA gebraucht, sondern in London. Hier wird die alleinerziehende Mutter Peggy (Frances O’Connor) von einem Poltergeist heimgesucht, der es besonders auf ihre Tochter Janet (Madison Wolfe) abgesehen hat.

Spieglein, Spieglein im dunklen Keller, wer ist die komische Nonne und bin ich raus hier schneller (als sie)

The Conjuring“ war ja damals eine echte Offenbarung für mich. Das war mal wieder ein herrlicher Old-School-Grusel-Film, der noch mit den klassischen Elementen wie knarrenden Türen und herunterfallenden Bildern für gruselige Momente sorgte. „The Conjuring 2“ bleibt dieser Tradition treu und fühlt sich dabei anfangs fast genauso an wie sein Vorgänger. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, man hätte die gleichen Sets verwendet, weil einfach mal die verschiedenen Zimmer ziemlich gleich aussahen. Zumal das kleine Haus in Enfield von innen sehr viel größer wirkte als von außen. Aber das ist kleinliches Meckern, denn tatsächlich schafft es James Wan, dass sich „The Conjuring 2“ dann doch ziemlich schnell ganz anders anfühlt.

Das liegt vor allem daran, dass er seine beiden Geisterjäger mehr in den Vordergrund stellt und ihnen ihre eigenen, schwerwiegenden Probleme aufbürdet. Denn Lorraine ist geplagt von unheimlichen Visionen, die sie seit dem Fall in Amityville beschäftigen (jene oft verfilmte Grusel-Haus-Geschichte, durch die die Warrens so richtig berühmt wurden). Und so wird, wie es sich für eine Fortsetzung gehört, die Gefahr einfach mal verdoppelt, denn mit Lorraines eigenen Visionen wird die ganze Sache noch ein bisschen persönlicher als im ersten Teil.

Aber natürlich spielt der Enfield Poltergeist die große Hauptrolle… und hier muss man einfach wieder Wan loben, der sein perfektes Händchen für Timing nicht verloren hat. Er weiß, wann er zu warten hat, er weiß ganz genau, wann er uns ein bisschen zeigen kann und wann er uns volle Kanne erschrecken muss. Wie schon sein Vorgänger liefert „The Conjuring 2“ eine gute Mischung aus gezielten Jump Scares (die keinesfalls billig wirken) und einer sich langsam aufbauenden Unruhe, die ständig dafür sorgt, dass man das Schlimmste erwartet. Dazu ist mir besonders in diesem Film aufgefallen, wie gekonnt Wan den Bildausschnitt auswählt. In vielen Einstellungen lässt er hinter oder neben den Charakteren viel Platz… viel Platz, damit man das Zimmer oder den Flur oder die Treppe im Hintergrund noch erkennen kann, damit man noch die dunklen Schatten sieht, damit man das Kopfkino einschaltet, bevor überhaupt etwas passiert ist.

„The Conjuring 2“ setzt nicht auf billige Tricks, sondern baut Atmosphäre auf… langsam, aber unaufhaltsam. Hier haben wir mal wieder einen „Old-School-Streifen“, der wirklich Spaß macht, weil er dich wirklich kalt erwischen kann, egal, wie sehr man glaubt, zu wissen, was passieren wird. Gleichzeitig vergisst Warren seine Charaktere nicht und gibt ihnen zwischendurch auch mal die Gelegenheit, sich in der Illusion von Ruhe wohl zu fühlen, damit Patrick Wilson eine gelungene Hommage an Elvis Presley abgeben kann…

Womit wir dann auch schon bei den Darstellern wären. Vera Farmiga und Patrick Wilson sind jetzt Ed und Lorraine Warren. Sie sind die Geisterjäger mit Herz, mit Seele, die von ihren eigenen Geistern geplagt werden und trotzdem noch Zeit finden, anderen zu helfen. Sie sind richtige Pfadfinder und dennoch stellt Wan sie nie als irgendwelche Superhelden dar… gut, außer im Finale vielleicht, aber selbst das passt gut zum Film. Die Darsteller sind allesamt umwerfend, Frances O’Connor als überforderte, allein erziehende Mutter ist toll, aber der wahre Star des Films ist die junge Madison Wolfe, die sowohl als ängstliches Kind als auch als Besessene perfekt ist.

Also… was bleibt mir noch groß zu sagen? Ich muss gestehen, dass mir „The Conjuring 2“ sogar ein kleines bisschen besser gefallen hat als der Vorgänger. Irgendwie fand ich die Story einfach runder, den Spannungsaufbau packender und die Charaktere besser ausgearbeitet als noch im ersten Teil. Man darf also mit Sicherheit gespannt sein, wohin es die Warrens in „The Conjuring 3“ führen wird. Stoff ist ja genug da.

Wertung: 9 von 10 Punkten (einmal mehr richtig guter Grusel…)

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8 Kommentare leave one →
  1. 15. Juni 2016 07:44

    Wow – jetzt freue ich mich noch etwas mehr auf den Film!

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:14

      Ich bin gespannt, was du von ihm hälst…

  2. 15. Juni 2016 20:09

    Hui, da ist aber jemand begeistert.
    Wäre der Schluss etwas weniger Hollywood gewesen, hätte ich sicher auch mehr Punkte gegeben, aber so fehlten mir nur noch die Glitzerponys :))
    Nichtsdestotrotz unter den Geisterjägern das zur Zeit beste Team.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:14

      Jupp… jemand ist sehr begeistert. Und ja, ich gebe zu, dass Ende war ein bisschen Hollywood, vielleicht ein bisschen zu Hollywood, aber ich fand es trotzdem besser als die Exorizisten-Szene aus dem ersten Teil.

  3. 16. Juni 2016 08:30

    Aufgrund der zahlreichen, guten Kritiken hätte ich ja schon Lust auf den Film. Aber auf volle Hose habe ich halt dann doch keine Lust. Horrorfilme sind mir irgendwie zu gruselig geworden. (Ich werde wohl alt und weich.)

    • donpozuelo permalink*
      18. Juni 2016 16:11

      Haha… ja, wenn dem so ist, dann mach lieber einen Bogen um den Film, den fand ich schon verdammt gruselig.

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