Zum Inhalt springen

Ferngesteuert

10. April 2019

Leigh Whannell ist ein Buzz Aldrin. Sein Neil Armstrong heißt James Wan. Diesen Namen kennen alle: Das ist der Typ, der „Saw“ gedreht hat und damit erfolgreich wurde. Das ist der Typ, der die „Conjuring“-Filme gedreht hat und zig andere Horror-Filme. Das ist der Typ, der „Aquaman“ für viele endlich cool gemacht hat. Er ist Neil Armstrong… und sein Buzz Aldrin, der Typ, der nur als zweites auf dem Mond sein durfte, der, an den sich nur wenig erinnern, das ist Leigh Whannell. Denn Whannell und Wan haben sich „Saw“ zusammen ausgedacht. Sie haben zusammen das Drehbuch geschrieben… doch nur einer von ihnen hat wirklich davon profitiert: James Wan. Aber zum Glück für Whannell war Wan seinem Freund treu… ließ ihn zig Drehbücher für sich schreiben und mit „Insidious 3“ sogar mal selbst Regie führen. Doch erst jetzt mit seinem zweiten Film hat sich Whannell eine eigene Stimme verpasst… und mit „Upgrade“ den Job von Drehbuchautor, Produzent und Regisseur selbst übernommen. James Wans Buzz Aldrin hat sich losgelöst und einen ziemlich abgefahrenen und sehr coolen Film geschaffen.

Willkommen in der Zukunft, in der so ziemlich alles ferngesteuert ist. In dieser Welt lebt der Mechaniker Grey Trace (Logan Marshall-Green) noch relativ old school. Er arbeitet lieber mit seinen Händen als sich von Maschinen helfen zu lassen. Mit der Restauration alter Wagen verdient ein wenig was dazu. Einer seiner Kunden ist der erfolgreiche Erfinder Eron Keen (Harrison Gilbertson). Nach einer Lieferung an Keen schlägt die Steuerung in Greys Wagen fehl und er und seine Frau Asha (Melanie Vallejo) geraten in einen schweren Unfall. Auf einmal tauchen dann noch vier Typen auf, die Asha töten und Grey gelähmt zurücklassen. Als Grey später aufwacht, bietet ihm Eron Keen ein, ihm ein Chip zu transplantieren, der ihm wieder Beweglichkeit schenkt. Doch der Chip macht noch sehr viel mehr: STEM (Simon Maiden) redet mit Grey, verbessert seine Reflexe und hilft ihm dabei, die Mörder seiner Frau zu suchen.

„Upgrade“ ist ein verdammt stylischer Film. Whannell entwirft in kurzer Zeit (der Film geht nur sympathische 100 Minuten) eine Welt des Cyberpunks, die gleichzeitig cool und erschreckend ist. Selbstgesteuerte Autos und Häuser sehen schick aus, aber die ständige Überwachung wirkt dagegen sehr erschreckend. Die meisten Menschen in „Upgrade“ haben sich schon daran gewöhnt, nur wenig selbst zu machen… Whannell baut diese Welt gekonnt auf, ohne dass er dazu zu viel erklären muss. Exposition wird sich hier gekonnt gespart, weil sie unnötig ist und sich am Ende eh alles selbst erklärt.

So bleibt mehr Zeit für den coolen Teil des Films: Die Jagd nach den Killern mit einem aufgepimpten Logan Marshall-Green. Das Ganze hat ein bisschen was von „Venom“ (und da ist es schon fast wieder absurd witzig, dass ausgerechnet Tom-Hardy-Lookalike Marshall-Green hier die Hauptrolle spielt). „Upgrade“ liefert Sci-Fi mit ziemlich dunklen Humor, weil STEM die Dinge recht emotionslos in Greys Kopf kommentiert, während der versucht, die Kontrolle zu behalten. So entstehen Zwiegespräche zwischen einem Protagonisten und der Stimme in seinem Kopf, die einfach mal so viel besser sind, als es je in „Venom“ war.

Was auch viel besser als in „Venom“ ist, ist die Action. Wenn STEM Greys Körper übernimmt, geht es so richtig rund. Hier muss man einfach drei Dinge loben: Marshall-Greens Schauspiel-Kunst, in den ganzen Choreografien dieses ferngesteuerte Roboterartige zu zeigen und gleichzeitig den Schock über die eigenen, aber doch nicht eigenen Aktionen zu spielen. Dann kommt die Kamera-Arbeit, die mit den Kämpfenden fällt, sich dreht und was auch immer. So fühlt man sich wirklich mitten im Kampf. Und schlussendlich sorgt die rapide Schnittfolge, dass das alles in einer unglaublichen, aber dennoch überschaubaren Geschwindigkeit an einem vorbeiläuft. Kurzum: Die Action in „Upgrade“ ist der Hammer. Brutal, schnell und maschinell effektiv.

„Upgrade“ ist ein kleines Sci-Fi-Juwel, das Spaß macht. Der Film liefert eine spannende Story (die, zugegeben, etwas vorhersehbar ist, aber das schadet nicht sonderlich), einen starken Hauptdarsteller, eine interessante Welt (die man gerne in Sequels ausbauen könnte), guten Witz und ordentlich fiese Action.

Wertung: 9 von 10 Punkten (das ist wirklich der bessere „Venom“… )

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: