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Superhelden-Daddy-Issues

9. Juni 2021

Das wird jetzt etwas schwer werden… ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich schon einmal stand. Das erste Mal war beim ersten „John Wick“-Film. Alle Welt meinte zu mir: „Oh, das ist ein geiler Film, der wird dir gefallen!“ und irgendwie wollte ich den ja auch mögen, aber ich konnte einfach nichts damit anfangen. Die Action finde ich super, aber der Rest war für mich eher so lala… und wie gesagt, jetzt bin ich wieder an so einem Punkt angekommen. Ganz viele Leute meinten zu mir: „Sebastian, du musst dir unbedingt die neue Serie INVINCIBLE anschauen. Die ist super…“ Okay, dachte ich mir. Ich hatte die Serie eigentlich nur auf dem Schirm, weil sie auf einer Comic-Reihe von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman basierte. Doch dann hagelte es eine positive Kritik nach der anderen. Irgendwo las ich sogar, „Invincible“ sei besser als „The Boys“. Da hatte es mich dann doch gepackt und ich wollte mir das Ganze anschauen. Leider war ich schon nach gut zwei Folgen ziemlich gelangweilt.

Mark Grayson (Steven Yeun) lebt das Leben eines normalen Teenagers… mit der großen Ausnahme, dass sein Vater der Superheld Omni-Man (J.K. Simmons) ist, der vom Planeten Viltrumite auf die Erde gekommen ist und hier für Recht und Ordnung sorgt. Gemeinsam mit den Guardians of the Globe beschützt er die Erde. Irgendwann passieren zwei mysteriöse Dinge: Erstens, Mark entwickelt auch besondere Fähigkeiten und muss fort an das Leben als Teenager und Superheld unter einen Hut bekommen. Zweitens, jemand tötet die Guardians of the Globe auf brutalste Art und Weise. Nur Omni-Man überlebt diesen Angriff… während die Ermittlungen laufen, wissen nur wir als Zuschauer, wer für all dieses Chaos verantwortlich ist.

Ganz ehrlich, schon in der ersten Folge habe ich mich gefragt, warum alle Welt diese Serie so abfeiert. Die erste Episode hat mich ein bisschen an einen jungen Spider-Man erinnert, der seine Fähigkeiten erlernen und sein Leben managen muss – mit dem Unterschied, dass in diesem Szenario seine Vater-Figur in Form seines Vaters eben noch am Leben ist. Und diese Thematik des jungen Helden, der mit seiner neuen Rolle klarkommen muss, zieht sich durch die ganze erste Staffel. Was nett ist, aber eben auch so absolut nichts Neues…

Mark Grayson ist so für sich ein interessanter Charakter, aber auch keiner der besonders aus dem Wust an Superhelden hervorsticht. Er hat die üblichen Probleme mit Schule, mit der Familie und mit seinen Freunden. Alles schon mal da gewesen.

Spannender hätte ich gefunden, wenn man aus dem Mord an den Guardians mehr gemacht hätte. Aber letztendlich ködert man uns mit der letzten Szene aus Folge 1, füttert uns mit einer krassen Information und wartet dann bis zum großen Finale, um das aufzuklären. Und sorry, selbst die Aufklärung im Finale war einfach nur ziemlich lasch. Da hatte ich nach dem vermeintlichen Aufbau echt sehr viel mehr erwartet.

Mein größtes Problem mit „Invincible“ ist einfach die Tatsache, dass die Story nie vorankommt. Mark wird auf verschiedene Abenteuer geschickt… nett. Ein „Hellboy“-Verschnitt ermittelt im Mordfall der Guardians und macht unangenehme Anschuldigungen – nur um dann schnell wieder zu verschwinden. Die neuen Guardians, die eingeführt werden, sind nett… aber die ganze Story, die man um deren Anführer Robot erzählt, soll krass geheimnisvoll wirken und wird dann auch mit so einer unbefriedigenden Auflösung erklärt, dass mich das alles nur noch genervt hat. „Invincible“ möchte ein Mix aus Mystery, Superhelden-Action und Krimi sein, bekommt aber nichts davon so richtig hin. Die Serie wartet zu lange mit Auflösungen, man denkt sich, da passiert am Ende sonst was… und dann wird man eher enttäuscht.

Auch ein Problem hatte ich mit der Gewalt. Nicht das ich ein Problem mit Gewalt in Serien an sich hätte. Es darf ruhig auch gerne mal grafischer zu gehen, aber „Invincible“ ist einfach nur grafisch, um überhaupt irgendwas zu haben, über das man wirklich reden könnte. Die Gewaltexzesse sind übermäßig, fühlen sich aber sehr gewollt an. Hauptsache, es platzen ein paar Köpfe, es werden ein paar Gliedmaßen ausgerissen und es spritzt viel Blut. Die Handlung, die echt langsamer ist als das Faultier in „Zootopia“, wird dadurch nur leider nicht besser.

Um mal zum Vergleich zu „The Boys“ zurückzukommen: Den verstehe ich absolut nicht. „The Boys“ ist bissig böse in seiner Abrechnung mit Superhelden und dem Missbrauch von Gewalt. Hier passt für mich alles stimmig zusammen. „Invincible“ ist nicht bissig… und wenn dann so bissig wie ein alter Hund, dem alle Zähne ausgefallen sind: Die Serie wäre es gerne, schafft es aber nicht. Dieser Mix aus Spider-Man-Origin und „Wir wären gerne wie The Boys“ haut nicht hin. Das Ganze fühlt sich einfach sehr zusammengeklaut und unausgegoren an… weswegen ich einfach nicht meinen Spaß mit der Serie haben konnte.

Wertung: 3 von 10 Punkten (die Brutalität soll überdecken, dass es nicht viel Neues zu erzählen gibt)

4 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    9. Juni 2021 06:43

    😮

    what? Das ist ja wie damals als du Machete doof fandest. Du Monster!

    😉

    Ich mochte die Serie sehr. Das es aussieht wie ein Abklatsch von Young Justice oder dieser X-Men Serie in der die alle in der High-School sind, finde ich großartig. Das spielt halt mit meinen Erwartungen, die entsprechend niedrig waren weil ich Young Justice zum Beispiel schrecklich fand. Und dann kamen die halt verschlagen und abgefuckt um die Ecke und überraschen mich. Geiles Element aus meiner Sicht!

    Die Gewalt finde ich großartig und auch, dass ein Rettungsversuch nicht immer gelingt..

    Die neuen Guardians fand ich auch lahm und die creepy robot love story ist.. irgendwie übel. Aber das passte in die Serie.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2021 19:56

      Mir war das einfach zu lahm. Acht Episoden für einen „großen“ Twist, der nicht mal so krass gewesen ist.

      Und nur so ein bisschen Superhelden-Abklatsch hat für mich einfach nicht gereicht 🤣

  2. 9. Juni 2021 09:00

    „Ich hatte die Serie eigentlich nur auf dem Schirm, weil sie auf einer Comic-Reihe von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman basierte.“

    Von dem Typen, der schon in seiner Zombiewelt die immer gleiche Story zwölfmal erzählt udn sonst keine Ideen hat? Wäre für mich ja schon Grund genug gewesen, einen großen Bogen drum zu machen. Dass es dann die achttrillionste Superheldenserie dieses Jahrzehnts (das ein Jahr alt ist) ist, tut sein übriges dazu.

    • donpozuelo permalink*
      9. Juni 2021 19:59

      🤣🤣🤣

      Ich mag TWD, deswegen war ich zumindest ein bisschen interessiert. Aber ja, es ist wirklich die gefühlt zigste Superhelden-Story… die auch nichts Neues erzählt

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