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Schön das Licht anlassen!

10. August 2016

Es gibt ja eine Menge Horror-Filme, die auf Kurzfilmen basieren… und bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass dieses Konzept einfach nicht gut funktioniert. Doch dann habe ich mal ein bisschen recherchiert und bin dann doch wieder auf Beispiele gestoßen, wo es gut war, dass aus dem Kurzfilm ein Langfilm wurde. Bekannte (gute) Beispiele wären da „Evil Dead“, „Babadook“, „Saw“, „Trick ‚ Treat“, „Rare Exports“, etc. Es gibt aber leider auch sehr viele Beispiele, warum ein atmosphärisch dichter Kurzfilm nicht immer zum Langfilm taugt. Das war ein Problem, das ich mit „Mama“ hatte oder zuletzt mit dem türkischen „Baskin“… und jetzt gesellt sich mit „Lights Out“ ein weiterer Titel auf die Liste der Filme, die besser ein Kurzfilm geblieben wären.

„Lights Out“ des Schweden David Sandberg ist ein grandioser Kurzfilm. In knapp 3 Minuten erleben wir hier, wie eine Frau sich vor einem merkwürdigen Monster versteckt, dass sich nur zeigt, wenn das Licht aus ist. Der Film hat mich damals, als ich ihn das erste Mal sah, wirklich halb zu Tode erschreckt. „Lights Out“ ist als Kurzfilm unheimlich effektiv, enorm gruselig und spannend inszeniert. Die Langfilm-Variante, die Regisseur Sandberg nun dank Produzent James Wan ermöglicht wurde, lässt all das vermissen… weil nun natürlich noch irgendeine Geschichte rund um das Wesen in der Dunkelheit erzählt werden muss.

Rebecca (Teresa Palmer) ist schon vor langer Zeit bei ihrer depressiven Mutter Sophie (Maria Bello) ausgezogen… doch jetzt muss sie sich wieder ihrer Mutter stellen, denn nach dem Tod ihres Stiefvaters erzählt ihr Bruder Martin (Gabriel Bateman), dass ihre Mutter mit irgendwas in ihrem Schrank redet… und Nachts kann Martin schon nicht mehr schlafen, weil irgendetwas im Dunkeln lauert. Becca stellt daraufhin Nachforschungen an und entdeckt, dass das Wesen in der Dunkelheit Diana heißt und eng mit der traurigen Vergangenheit ihrer Mutter zusammenhängt.

Mein Gesichtsausdruck während des Films…

„Lights Out“ als Langfilm ist langweilig, vorhersehbar und leider Gottes mit einem furchtbaren Drehbuch versehen, bei dessen Dialogen man sich manchmal einfach nur die Ohren zuhalten möchte. Die Geschichte ist wirklich einfach nur lausig, die Hintergrundgeschichte zu dem Wesen in der Dunkelheit so abgelutscht und einfallslos – das ist so das Horror-Story-101, wie man es nicht mehr machen sollte… zumal jeder, der einfach nur aufmerksam den Trailer anschaut, die komplette Story schon erahnen kann, was auch nie ein gutes Zeichen für eine gelungene Geschichte ist.

Aber gut, es war ja abzusehen, dass die Story nicht so berauschend werden würde, funktioniert denn wenigstens der Horror? Leider auch nur bedingt! Was für einen Kurzfilm gut funktioniert hat, hat in der Langfilm-Fassung ziemlich schnell ausgesorgt. Zwar gelingt es Sandberg schon noch hier und da für gute Jump Scares zu sorgen, aber so richtig atmosphärisch gruselig wird die Dunkelheit in „Lights Out“ dann nie. Immerhin wirkt das Monster in der Dunkelheit immer noch gruselig genug und sieht tatsächlich ziemlich unheimlich aus, wenn da nur so die Augen leuchten, wenn man es da im Dunkeln hocken sieht – immerhin etwas, das an „Lights Out“ funktioniert.

Wo es dann noch viel mehr hakt, ist bei den Darstellern. Maria Bello macht da noch die beste Figur, als von Depressionen und anderen Dingen geplagte Mutter, die verzweifelt versucht, ihr Leben zu ordnen. Teresa Palmer dagegen versucht gar nicht groß, irgendwas zu machen – Hauptsache, die Haare sitzen perfekt, der Lidschatten um die Augen ist schön schwarz. Ihre Becca hätte mich wirklich nicht weniger interessieren können. Sie hat für mich weder als Heldin noch als Scream Queen wirklich funktioniert, weil ich es ihre Rolle einfach nie abgekauft habe. Selbst wenn Palmer verängstigt irgendwo durch einen Keller läuft oder im Dunkeln tapfer ihre kleine Taschenlampe nach vorne hält, hat sie mich nie so wirklich überzeugt, dass sie auch tatsächlich Angst hat. Und auch ihr Bruder, gespielt von Gabriel Bateman, war nicht sehr überzeugend und dazu noch mit etwas merkwürdigen Dialogen gestraft, die ihn weniger wie einen kleinen Jungen, sondern einen alten Soldaten wirken ließen, der tapfer seinen Truppen Mut zu spricht, kurz bevor es in den Kampf geht. Der einzige, den ich wirklich mochte, war Alexander DiPersia, der Beccas Freund Bret spielte. Der versucht die ganze Zeit verzweifelt, Becca vollständig für sich zu gewinne und wird von ihr immer ein bisschen abgeblockt – etwas, das ich zu gut kenne und deswegen vielleicht sehr viel Verständnis für den armen Bret aufbringen konnte 😉

Insgesamt war mir „Lights Out“ einfach zu brav, zu unspektakulär. Außer ein paar netten Jump Scares kommt nicht so wirklich Horror-Stimmung auf, und wenn welche aufkommen würde, wird sie gleich wieder durch die öde Hintergrund-Geschichte vergrault. Alles in allem doch ein eher abschreckendes Beispiel dafür, dass Kurzfilme manchmal doch lieber Kurzfilme bleiben sollten.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nach dem Kurzfilm hatte ich Angst im Dunkeln, nach dem Langfilm eher Angst vor Teresa Palmer)

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5 Kommentare leave one →
  1. 10. August 2016 09:56

    Dafür bin ich gerade beim Kurzfilm vom Stuhl gesprungen…

  2. 10. August 2016 12:07

    Du hattest es ja schon befürchtet. ich habe mittlerweile auch vom Kinobesuch Abstand genommen 😉 Wird aber irgendwann zuhause nachgeholt.

    • donpozuelo permalink*
      10. August 2016 15:19

      Ja, es war wirklich zu befürchten. Vor allem, wenn man den Kurzfilm kennt… aber gut… 😀

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