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Kampf der Gerechtigkeitsliga

17. November 2017

Wie heißt es so schön: „actio – reactio“: einer agiert, der andere reagiert. Der Agierende gibt den Ton vor, der Reagierende muss sich dem irgendwie anpassen und bleibt dabei immer der Passivere von beiden. So ähnlich könnte man dann wohl auch Marvel und DC im Kino auffassen. Marvel hat agiert und mit seinen zig tausend Phasen und Helden und Avengers vorgelegt, DC hat reagiert – und muss sich nun natürlich gefallen lassen, an Marvel gemessen werden. Allerdings war DC deutlich stärker im Zugzwang. Während Marvel jedes Jahr mindestens zwei Filme raushaut und Zeit hatte, einzelne Charaktere in Solo-Filmen aufzubauen, fehlte DC diese Zeit und offensichtlich auch eine gut durchdachte Strategie. Die Filme, die bisher im DCEU gelaufen sind, waren nett – ich mag sie, aber zu einer Zweitsichtung konnte ich mich bislang nur schwer durchringen. Jetzt endlich ist es soweit… das Pendant zu den Avengers findet nun auch bei DC den Weg auf die Leinwand… und naja, „Justice League“ ist „nett“.

Bruce Wayne (Ben Affleck) hat nach dem Tod von Superman (Henry Cavill) ein neues Problem: nicht nur hat er Schuldgefühle, es wartet auch schon eine neue Bedrohung aus den Fernen des Alls: Der gefährliche Steppenwolf (Ciaran Hinds) sucht die Erde heim und sucht drei so genannte Mother Boxen, mit denen er den Planeten zerstören will. Natürlich will Bruce das verhindern und rekrutiert neue Mitstreiter: Wonder Woman (Gal Gadot), Barry Allen a.k.a. The Flash (Ezra Miller), Aquaman (Jason Momoa) und Cyborg (Ray Fisher). Dieses Team, diese „Justice League“, nimmt nun den Kampf auf.

Eine Bedrohung aus dem All, ein gehörnter Bösewicht, ein Team von Superhelden – wenn man jetzt richtig böse wäre, könnte man sagen, dass Joss Whedon, der ja auch am Drehbuch mit geschrieben hat, einfach nur sein Drehbuch für „The Avengers“ recycelt und es Zack Snyder vorgelegt hat. Aber wir sind jetzt mal nicht richtig böse.

Ich sagte es ja schon, ich finde „Justice League“ nett. Die Helden sind tatsächlich super und man merkt, dass hier ein gut funktionierendes Team ausgesucht wurde und nun aufgebaut wird. Ben Affleck fand ich in „Batman v Superman“ schon super und ich finde, er macht auch in „Justice League“ seine Sache mehr als nur gut. Ich mag die Batman-Sequenzen unheimlich gerne – und gerade auch die Action-Sequenzen hat Snyder mit ihm schon wirklich gut drauf. Dazu kommt dann Gal Gadot, die nach „Wonder Woman“ sowieso jeder feiert. Und ja, ihre Wonder Woman ist auch super. Sie ist ein bisschen die heimliche Betreuerin dieser Gruppe, das gute Gewissen. Danach wird es ein bisschen durchwachsener…

Ezra Miller ist toll, so ein bisschen die ADHS-Version von Barry Allen, ein kleiner verwirrter Junge, der doch nur „Dinge anschubst“ und nicht wirklich weiß, wie man Held spielt. Ich gestehe, ich bin zu sehr durch die Serie „The Flash“ verwöhnt und an Grant Gustin kommt ja sowieso niemand ran, aber Miller macht das schon gut (nur sieht sein Flash im Action-Modus ein bisschen wie „Baywatch“ aus – unnatürlich langgezogene Bewegung, die einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern). Von wem ich tatsächlich eher enttäuscht war, ist Aquaman. Jason Momoa bekommt ein paar kurze Momente, in denen er aber mehr wie ein verrückter Texaner jodelt, grummelig ein paar Sätze sagt und das war’s. Ich hoffe wirklich sehr, dass James Wan mit ihm noch etwas mehr anstellt – weil nach diesem Film hat man noch nicht wirklich viel von dem Mann aus dem Wasser gesehen. Besser gefallen hat mir da dann doch Cyborg, der aufgrund seiner besondern Verbindung zu den Mother Boxen nur widerwillig zu einem Held wird.

Alles in allem ist die „Justice League“ ein cooles Team, doch anders als bei „The Avengers“ tun die sich ein wenig schwer, sofort gut mit einander zu funktionieren. Batman liefert den roten Faden und daran führen uns Snyder und Whedon (der ja für Snyder einen Teil der Regie übernahm, als Snyder wegen dem Selbstmord seiner Tochter aus der Produktion aussteigen musste) durch diese Story, die leider das größte Problem von „Justice League“ ist: Die Einzel-Momente der Helden sind schon ganz cool – sie werden auch besser vorgestellt als die Schurken in „Suicide Squad“ 😉 Doch der Rest der Handlung ist absolut öde… Steppenwolf ist ein furchtbar langweiliger und auch noch verdammt schlecht animierter Schurke, der einfach mal wieder nur irgendwas kaputt machen will, weil er das irgendwann in der Vergangenheit nicht durfte. Steppenwolf ist wie ein bockiges kleines Kind… und schneller vergessen als man seinen Namen aufschreiben kann. DC hätte vielleicht doch gleich mit Darkseid gehen sollen – oder einfach Luthor. Aber Steppenwolf – so eine unbekannte Figur aus dem DC-Universum – war nicht der richtige Schurke für diesen Film.

Die Story hangelt sich irgendwann von Action-Sequenz zu Action-Sequenz und hat Schwierigkeiten, einen wirklich bei Laune zu halten. Die Action sieht teilweise zwar echt gut aus, teilweise sind die Effekte aber so furchtbar, dass man sich fragt, ob dieser Film vor 10 Jahren gedreht wurde.

Alles in allem ist „Justice League“ ein „netter“ Film. Er hat seine guten Momente, Batman, Wonder Woman und The Flash funktionieren super, alle anderen brauchen noch ein bisschen mehr Zeit. Der Film ist weniger düster (was ja für viele ein wichtiges Kriterium zu sein scheint) als seine Vorgänger, der Humor kommt zwischendurch wirklich gut an… aber ich bleibe dann doch lieber bei den „Avengers“ – deren Maschine ist besser geölt und läuft wesentlich flüssiger als die der „Justice League“.

Wertung: 6,5 von 10 Punkten (gute Charakter-Momente zerschellen an einer öden Story und einem langweiligen Schurken)

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