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Die guten Bösen

17. August 2016

DC hat’s im Moment echt nicht leicht… die leiden wirklich schwer darunter, dass Marvel mit seinen Avengers und seinen zig Phasen einen Erfolg nach dem anderen einfahren und dabei sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern geliebt werden. Sowas hätte DC sicher auch gern… doch das neue DC Extended Universe (kurz: DCEU) kommt nicht so richtig in Gang. „Man of Steel“ (der erste Film des DCEU) bekam viel Kritik und vom Nachfolger „Batman v Superman“ brauchen wir ja wohl gar nicht erst reden. Und einige hatten DC schon abgeschrieben, bis sie auf einmal mit einer ziemlich geilen Idee daherkamen, die vielversprechender nicht hätte sein können: DC hat schon mit die geilsten Schurken in der Comic-Superhelden-Welt, warum nicht einfach alle zusammen in einen Film packen? Gesagt, getan… und herzlich willkommen zum „Suicide Squad“.

Hier werden die Bösen zum Guten gezwungen, um Schlimmeres zu vermeiden. Die knallharte Amanda Waller (Viola Davis) packt Schurken wie Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbie), Captain Boomerang (Jai Courtney) und Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje ) – um nur einige zu nennen – in ein Team, das „Suicide Squad“, um das noch Bösere zu bekämpfen.

Who’s baaaad???

Nun werden die meisten wahrscheinlich schon mitbekommen haben, dass auch „Suicide Squad“ – ganz in der Tradition der bisherigen DCEU-Filme – nicht gerade mit Liebe überschüttet wird. Dazu lesen wir dann noch, dass es zig Schnittfassungen gab, dass zig Szenen mit Jared Leto, der hier nach Heath Ledger das erste Mal wieder den Joker auf die Leinwand bringt, einfach nicht verwendet wurden und dass DC mit „Suicide Squad“ zeigt, dass sie im großen Kampf gegen Marvel einfach nicht mithalten können. Aber ist „Suicide Squad“ wirklich so ein miserabler Film? Nein! Ich hatte meinen Spaß… auch wenn ich zugeben muss, dass David Ayers Film einer mit vielen Fehlern ist… und vielen vertanen Chancen. Und ja, auch wenn ich jetzt wahrscheinlich einfach viele dieser Fehler aufzählen werde, behaltet bis zum Schluss bitte im Hinterkopf, dass ich dennoch Spaß an „Suicide Squad“ hatte (was ich dann auch noch erklären werde).

Problem Nummer Eins an „Suicide Squad“ ist schlicht und einfach die Tatsache, dass Ayer diese Bösen nie wirklich richtig böse sein lässt. Wir bekommen zwar von jedem (und das auch ziemlich gut) die wichtigsten Hintergrund-Infos, aber danach verlieren sich die meisten aus dem Squad in der großen Masse. Zehn Charaktere laufend interessant zu halten, ist halt wirklich eine schwere Aufgabe… und da fällt es Ayer dann doch schwer, die Charaktere stark zu halten – und eben böse. Es gibt zwar noch die ein oder anderen fiesen Kommentare, aber so richtig fies werden die Mitglieder des Squads nicht.

Womit wir bei Problem Nummer Zwei wären… die Handlung an sich. Wie schon erwähnt, ist der Anfang echt stark (eben dann, wenn alle noch die Bösen sein dürfen). Danach verliert sich „Suicide Squad“ so ein bisschen in belangloser Action, einem furchtbar CGI-lastigen Finale und einem Verbund an Anithelden, die angeblich irgendwie, irgendwann in diesem Gekloppe zu einer Art Familie wurden. Wann diese Wandlung aber eintrifft, kann ich euch nicht sagen, weil Ayer es mir auch nicht wirklich sagen konnte.

Problem Nummer Drei geht dann auch mit der eher schwachen Handlung einher… denn wie schon in seinem Vorgänger „Herz aus Stahl“ bringt Ayer diese Gemeinschaft nicht wirklich konsequent zusammen. Es gibt so viele Mitglieder des Suicide Squads, aber letztendlich hätten drei vollkommen ausgereicht. So viele interessante Charaktere, wie zum Beispiel die geheimnisvolle Katana oder eben Killer Croc, gehen in der Masse einfach unter… und das haben sie nicht verdient.

Problem Vier war dann einfach der tatsächliche Schurke des Films… ohne irgendwas verraten zu wollen, aber das war einfach nur öde. Anders kann man es nicht sagen. Da gab’s keine große Story zu, keine wirklichen Beweggründe… halt einfach nur ein Schurke, der böse ist, damit er Böses tut, um dann von den „Guten“ besiegt zu werden. Laaaangweilig!!!!

Problem Nummer Fünf – und das war wirklich hart – ist für mich der Soundtrack. Die Trailer mit „Bohemian Rhapsody“ und „Ballroom Blitz“ waren super… aber was wir dann im fertigen Film bekommen, strapaziert einen schon ganz schön. Ayer ist da ein bisschen wie Till Schweiger: haut einfach Songs irgendwo in diesen Film, ohne das sie wirklich passen oder die Stimmung gerade untermalen. Hauptsache, sie sind cool. Manchmal hatte ich das Gefühl, Ayer fühlte sich von James Gunn und dessen Soundtrack zu „Guardians of the Galaxy“ beeinflusst… aber während Gunn die Musik sinnvoll einsetzt, nervt Ayer irgendwann einfach nur – und das trotz einer wirklich coolen Musikauswahl.

Also streng betrachtet ist „Suicide Squad“ schon ein schwieriger Film… mit vielen Fehlern. Aber nicht ganz so streng betrachet macht dieser verdammte Film auch ein bisschen Spaß.

Der Wilhelm und die Margot…

Fangen wir mal bei Will Smith an – der Typ war einfach umwerfend als Deadshot. Lockerflockig, der gute alte Will eben. Ohne Sohnemann im Anhang und mit der Tatsache, einfach mal wieder ein bisschen mehr der Action-Star zu sein, verkörpert er Deadshot wirklich gut. Margot Robbie – endlich haben wir mal eine Harley Quinn auf der Leinwand. Und ja, Robbie macht ihre Sache verdammt gut – vielleicht ist sie manchmal ein bisschen over-the-top, aber hey, es ist Harley (und das sie die ganze Zeit in knappen Hotpants rumrennt, tut auch keinem weh – also mir nicht). Und jetzt haltet euch bitte fest: der Mann, der für viele sowohl „Die Hard“ als auch „Terminator“ kaputt gemacht hat, ist großartig. Ja, Jai Courtney kann doch was… sein Captain Boomerang ist einfach nur eine geile Type. Und so könnte man bei den Darstellern ewig weitermachen… die Charaktere sind toll und nach „Suicide Squad“ wünscht man sich irgendwie, man könnte zu jedem ein Spin-Off bekommen.

Vor allem aber auch vom Joker, den Leto wirklich gut abgibt. Auch wenn er nicht viel im Film zu sehen ist, mochte ich seinen Joker… und ihn und Harley Quinn… und überhaupt.

Dazu muss ich einfach sagen, dass „Suicide Squad“ sich ziemlich clever in das (noch) kleine Gewirr von Verweisen innerhalb des DCEU gekonnt einbringt. Ayer verarbeitet alles, um auf die Vorgänger hinzuweisen (Batsy ist wieder einmal da und Batfleck ist wieder einmal toll) und auf die „JLA“ hinzuweisen.

„Suicide Squad“ ist also wirklich weit davon entfernt, ein perfekter Film zu sein. Er lag auch ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück, aber es war trotzdem ein unterhaltsamer Film, der durch viele gute und starke Darstellungen lebte. Ein bisschen mehr Mut zum Böse-Sein hätte dem Film vielleicht doch besser getan… aber hey, vielleicht ja im zweiten Teil 😉

Wertung: 7 von 10 Punkten (trotz vieler, vieler Fehler der bisher unterhaltsamste DCEU-Film)

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16 Kommentare leave one →
  1. 17. August 2016 09:47

    Die von dir angesprochenen Fehler habe ich nebenbei schon nach Sichtung des ersten Trailers vorausgesagt (mal abgesehen vom Soundtrack). Es war direkt absolut offensichtlich, dass die Protagonisten hier trotz ihres Status als Superschurken einfach nicht wirklich böse sein dürfen. Bzw. so richtig badass, wie ich es mir gewünscht hätte. Wenn im Trailer das „böseste“ ist, wenn Harley eine Schaufensterscheibe einschlägt um eine Handtasche zu klauen, weiß man, wo der Fehler liegt. Dazu war dann halt auch klar, dass man bei Warner mal wieder zu viel auf einmal will. Man kennt die Leute ja noch gar nicht. Nicht mal Harley – die wohl noch bekannteste Figur des Teams – hatte bisher einen Auftritt in irgendeinem Batman-Film. Also schmeißt man mal wieder gefühlt 50 Leute direkt in einen Film und als Zuschauer, der die Comics nicht kennt, hat man schon wieder komplett verkackt. Das hat Marvel einfach von Beginn an viel sinnvoller gemacht. DC hat einfach die falsche Reihenfolge. Demnächst kommt ein Harley-Film. Und mich würde auch einDeadshot-Film nicht wundern. Aber die hätten eben vor diesem Film kommen müssen. Und noch wichtiger wäre es bei den anderen Figuren gewesen, die man wirklich gar nicht kennt.
    Ich hatte tatsächlich Bock auf den Film, aber es war so klar, dass die das Teil mehr oder weniger in den Sand setzen, durch Weichspülen der Charaktere und eben dem schieren Unvermögen, ihr Universum langsam aufzubauen.
    Angucken werde ich ihn mir aber wohl trotzdem irgendwann mal. Erwarten werde ich aber rein gar nix mehr.

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2016 10:22

      Man kann ihn sich wirklich anschauen… er ist immer noch unterhaltsam. Ein bisschen mehr Dreck hätte den Schurken an sich aber schon gut getan.

      Gleichzeitig führen sie zumindest Charaktere wie Deadshot und Harley auch gut genug ein. Jeder von denen bekommt quasi seine eigene Rückblenden-Geschichte. Nur leider sind es halt nur ein paar und wie gesagt, der Film ist voll mit tollen Charakteren, von denen jeder einzelne einen eigenen Film verdient hätte.

      Ich glaube, Warners Problem besteht einfach darin, dass sie wirklich zu spät auf den Zug aufgesprungen sind und jetzt nicht wirken wollen, als würden sie Marvels Konzept einfach nur kopieren. Dann aber auch gleich dieses Mammut-Projekte stemmen zu wollen, ist auch verdammt schwierig. Erst Superman-Reboot, dann gleich Superman UND Batman in einen Film und jetzt gleich zehn starke Charaktere… sie streben mir immer zu sehr nach Superlativen und können dann einfach nicht den Erwartungen gerecht werden.

      Ich habe ja noch ein bisschen Hoffnung, dass sie jetzt mal mit „Wonder Woman“ wirklich einen guten Film abliefern… aber wie gesagt, bisher fand ich die Filme auch alle okay.

      • 17. August 2016 10:39

        Aber wie eine Kopie wirken sie doch sowieso. Egal wie man das aufzieht, es ist doch völlig klar, dass man hier einfach nur was vom Erfolg abhaben will, den Disney momentan mit den Marvel Filmen einfährt. Deshalb sit es total dämlich, das alles so zu überstürzen. Schade ist das vor allem, da ich DC für das interessantere Universe halte. Aber irgendwie haben die noch nicht so ganz herausgefunden, wie sie es am besten angehen. Das wird wahrscheinlich noch kommen, aber ist halt schade, wenn man direkt jetzt schon ein Projekt wie dieses nur so halbgut bringt, anstatt in 5 Jahren in richtig geil.

        • donpozuelo permalink*
          17. August 2016 10:49

          Das stimmt. Sie waren halt nicht die ersten, sondern werden jetzt immer die ewigen Zweiten bleiben.

          Und ja, ich gebe dir auch Recht, ich finde auch, dass DC sehr viel interessantere Geschichten zu erzählen hat… und auch die viel interessanteren Schurken und all das.

          Vielleicht landen sie ja mal irgendwann noch einen richtigen Hit, der alle zufriedenstellen wird.

        • 17. August 2016 10:57

          Man kann nur hoffen.

        • donpozuelo permalink*
          17. August 2016 11:05

          Hahaha… jupp. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  2. 17. August 2016 12:59

    Ich mag DC Comics deutlich lieber, aber stimmt schon, die Marvel-Verfilmungen sind (bislang) besser…

    • donpozuelo permalink*
      17. August 2016 13:23

      Ja… vom Comicstandpunkt aus bin ich auch mehr für DC. Aber filmtechnisch hat Marvel schon gut die Nase vorn…

  3. 20. August 2016 16:17

    Wir halten fest: Margot Robbie in knappen Hotpants rettet den Film. Oder so ähnlich… 😉

    • donpozuelo permalink*
      20. August 2016 18:49

      😀 Hahaha… oder so ähnlich…

  4. 26. August 2016 23:05

    Ich bin echt positiv in den Film gegangen, leider war er mir zu unausgegoren, unlogisch und voller Fremdschämmomente. Der Joker war wie von mir erwartet peinlich, und die Figuren wurden lieblos und nicht besonders fantasievoll eingeführt. Schade, denn die Robbie ist eine tolle Harley Quinn. Vielleicht mal ein Film nur mit ihr 🙂
    Ach ja Joel Kinnaman wird auch immer weicheiiger. Furchtbare Vorstellung.
    Und von der Musik will ich gar nicht erst anfangen…

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2016 14:23

      Die Musik war wirklich eine Katastrophe. Robbie in nem Solofilm fände ich auch super… und Kinnaman kenne ich bisher nur aus dem untragbaren RoboCop-Remake.

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