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Harley Quinn plus guests

10. Februar 2020

Die Frage, wer denn nun wirklich besser ist, wird wohl noch sehr lange Fans spalten: DC oder Marvel? Wenn man ganz sachlich rangeht, muss man sich auf die Seite von Marvel stellen. Immerhin haben die es wirklich geschafft, ihr Kino-Universum mit einem guten Fundament anzufangen und darauf aufzubauen. DC hatte erst die Nase vorn – bevor man in Kino-Universen dachte. Dann wollte man auf einmal ohne Fundament ebenso groß werden und fiel damit gehörig auf die Nase. An „Justice League“ möchte niemand mehr so richtig denken. Seitdem hat man bei DC zum Glück auf große, zusammenhängende Stories verzichtet und versucht sich mit Einzel-Filmen: Das funktionierte dann auch mit „Shazam!“, „Aquaman“ und zuletzt mit „Joker“. Jetzt geht es weiter… mit dem „Suicide Squad“-Fanfavoriten Harley Quinn. In „Birds of Prey (and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn)“ kehrt die verrückte Clown-Dame zurück. Ich habe mich tierisch auf den Film gefreut… und mich dann im Kino zu Tode gelangweilt.

Harley Quinn (Margot Robbie) hat sich nun endlich vom Joker getrennt und will ihre eigene Frau sein. Doch mit der offiziellen Trennungsansage bricht für sie das Chaos aus: Jetzt hat sie nicht mehr den Schutz des Jokers und wird gejagt. Um ihre Haut zu retten, lässt sie sich auf einen Deal mit dem Gangster Roman Sionis (Ewan McGregor) ein. Für den soll sie die junge Cassandra Cain (Ella Jay Basco) finden: Die Taschendiebin hat einen Diamanten, der für Sionis enorm wichtig ist. Doch auf der Jagd nach dem Diamanten stolpert Harley über einige Schwierigkeiten… und andere Damen, die es auf den Diamanten und Sionis abgesehen haben: wie die mysteriöse Killerin Huntress (Mary Elizabeth Winstead), Sionis Fahrerin Dinah (Jurnee Smollett-Bell) und die Polizistin Renee Montoya (Rosie Perez).

Margot Robbie war in „Suicide Squad“ schon ein Highlight und sie ist es auch jetzt – in einem Film, der ganz und gar ihr gehört. Robbie ist die Wucht in Tüten, die Harley wirklich perfekt spielt. Sei es ein einfaches Augenzwinkern, eine abwertende Bewegung mit der Hand, ein Grinsen oder ein nonchalanter Kommentar – man spürt, dass Robbie in dieser Rolle voll und ganz aufgeht. Hier passt einfach wirklich alles… auch wenn ich kein so großer Fan davon war, dass sie in diesem Film ein wenig zu „Deadpool“ wird und alles kommentiert.

Harley als Erzählerin zerreißt ziemlich schnell den ganzen Film und das Ganze verfällt in diesen „Suicide Squad“-Stil: Rückblenden über Rückblenden erzählen uns vermeintliche wichtige Aspekte, die wir vielleicht doch noch wissen müssten. Text-Tafeln stellen uns die Charaktere vor – all das wirkt etwas unkoordiniert und auch überflüssig. Die Story wird „verkompliziert“, um sie interessanter zu gestalten. Was leider nicht gelingt: Dieser Diamant ist das langweiligste MacGuffin überhaupt und führt zu einer Jagd, die spannender gewesen wäre, wenn Harley nicht gefühlt alle fünf Minuten den Film unterbrechen und anhalten würde. So stockt der Film immer genau dann, wenn es eigentlich mal ordentlich zur Sache gehen könnte.

Wenn der Film dann aber mal zur Sache kommt – in Punkto Action – geht es aber zum Glück ordentlich rund. Die Kampfsequenzen sind kreativ und aufregend in Szene gesetzt. Harley schenkt ihren Gegnern nichts (und bedient damit auch gleichzeitig auf schmerzhafte Weise das US-R-Rating). Doch leider bietet „Birds of Prey“ nicht so viele Action-Sequenzen und stürzt sich lieber wieder auf seine platten Witze (von denen bei mir nicht einer gezogen hat – „I shaved my balls for this“-T-Shirts sind halt auch wirklich nur begrenzt witzig) und unausgegorene Charaktere. Hier haben wir dann auch das größte Problem: Neben einer guten Margot Robbie und toller Action hat „Birds of Prey“ nicht mehr zu bieten – nicht einmal die Birds of Prey. Mary Elizabeth Winsteads Huntress bekommt die spannendste Backstory, die ich gerne als Solofilm gesehen hätte, aber im Film kommt sie zu kurz und ist halt einfach nur da. Rosie Perez darf gegen auf die Spitze getriebene Stereotypen kämpfen und wird dabei selbst leider zu einem sehr eindimensionalen Stereotyp. Jurnee Smollett-Bell darf etwas mehr Zeit damit verbringen, ihren Charakter ein wenig auszubauen, aber auch sie geht neben Robbie unter. Die „Birds of Prey“ sind in ihrem eigenen Film nur Nebencharaktere – Charaktere, die viel Potenzial aufweisen, das aber komplett nicht genutzt wird.

Schade finde ich auch, dass aus den Schurken in diesem Filmen ebenfalls nichts gemacht wird. Ewan McGregor hat zwar sichtlich Spaß an dem verrückten Roman Sionis, aber einen wirklich interessanten Schurken liefert er leider auch nicht. Sionis ist einfach nur ein chauvinistisches Arschloch, das gerne böse ist. Gerade DC hat so tolle Schurken und auch Black Mask / Roman Sionis ist faszinierend, aber auch bei ihm verspielt man sein Potenzial. Schlimmer wird es nur noch mit Victor Zsasz (Chris Messina)… von dem eiskalten Killer, der definitiv eine größere Rolle verdient hätte, wird ein billiger und langweiliger Handlanger. Und das die beiden angeblich ein Paar sein sollen, habe ich auch nicht wirklich im Film gesehen…

„Birds of Prey“ ist kein guter Film. Was an einem Drehbuch liegt, das einfach nur lieblos wirkt. Die Witze ziehen nicht, der Team-Charakter war selbst in „Suicide Squad“ besser und Margot Robbie allein reicht für die Dauer des Films leider auch nicht. Ich hätte ihr wirklich einen besseren Solo-Film gewünscht… und den anderen Charakteren (vor allem Huntress) auch.

Wertung: 4 von 10 Punkten (gute Action, gute Robbie, viele verspielte Chancen und ein eher langweiliger Deadpool-Klon)

7 Kommentare leave one →
  1. 10. Februar 2020 11:47

    Also ich hatte wohl mehr Spaß als du…

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2020 14:24

      😁 was ja vollkommen legitim ist 😁

  2. 10. Februar 2020 23:05

    Jepp, Ms. Winstead ist leider fast überflüssig in diesem Film der überflüssigen Nebencharaktere, die eigentlich alle viel mehr Screentime verdient gehabt hätten. So verkommt der Film zur One-Woman-Show von Margot Robbie mit ein, zwei gefälligen Kampfsequenzen, aber nicht viel mehr.

    • donpozuelo permalink*
      11. Februar 2020 17:41

      Das hat ja jetzt selbst Warner erkannt… und benennt den Film wirklich um – in „Harley Quinn: Birds of Prey“. Schade, dass die da irgendwie ohne Plan rangegangen sind. So viele Möglichkeiten… alle ungenutzt

  3. 14. Februar 2020 21:54

    Ich höre fast nur negatives über diesen Streifen – außer von einziger einzigen Stelle. Dann war’s wohl doch gut, dass ich den Kinobesuch ausgelassen habe…

    • donpozuelo permalink*
      14. Februar 2020 22:04

      Tja… der Film ist echt nicht gut. Muss man nicht im Kino gesehen haben. Reicht vollkommen im Heimkino

Trackbacks

  1. 2020 | Going To The Movies

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