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Asperger-Buchhalter

12. Oktober 2018

Kann man es glauben? Ich komme einfach nicht darauf, wie ich diesen Artikel zu „The Accountant“ einleiten soll. Seit ungelogen 24 Stunden wartet dieser Artikel auf ein Intro – ob nun über Ben Affleck oder über die Unmöglichkeit, einen Buchhalter filmisch interessant in Szene zu setzen. Doch nichts davon wollte so richtig klicken, deswegen belasse ich es bei dieser billigen Einleitung und gehe gleich zum Film über. Sorry 😉

Christian Wolff (Ben Affleck) ist Autist, kann aber – ähnlich wie der „Rain Man“ richtig gut mit Zahlen umgehen. Und weil sein Vater, ein Oberst beim Militär, nicht wollte, dass sein Sohn es mal schwer hart, schickte er Christian und seinen Bruder immer wieder zu Kampfsportlern, um… ja, keine Ahnung, weswegen (das Drehbuch möchte es halt so). Auf jeden Fall ist der stille Wolff eine echte Kampfmaschine, der sich als Buchhalter für den kleinen Mann tarnt, in Wirklichkeit aber auch für richtig böse Menschen richtig viel Geld wäscht. Deswegen gerät er auch ins Visier der Steuerfahndung und wird von Ray King (J.K. Simmons) und seiner Assisstentin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson) gejagt. Doch die sind nicht die einzigen… weil Christian gemeinsam mit Buchhalterin Dana (Anna Kendrick) Unstimmigkeiten in den Zahlen der Firma von Lamar Blackburn (John Lithgow) finden, werden die beiden nun plötzlich auch gejagt – von dem eiskalten Killer Braxton (Jon Bernthal).

Er denkt über das Drehbuch nach und sie hat es schon gelesen

Drehbuchautor Bill Dubuque wollte einen coolen Film über einen Buchhalter schreiben – und hat das Ganze mit knallharter Action versehen. Für mich hat „The Accountant“ nur nie so richtig funktioniert. Regisseur Gavin O’Connor setzt die Action zwar gut in Szene, Ben Affleck kann von seinem Batman-Training profitieren und gibt in den Kampfsequenzen eine ziemlich gute Figur ab, doch „The Accountant“ ist zwei Stunden lang und möchte auch ein bisschen mehr sein als nur ein reiner Action-Film. Nur was das sein soll, weiß ich nicht so recht…

Irgendwie möchte „The Accountant“ auch ein neuartiger „Rain Man“ sein und das dramatische Leben des Christian Wolff nachzeichnen und uns erklären, wie dieser Mann wurde, was er wurde. Die Rückblenden in seine Vergangenheit tragen dazu jedoch nicht sonderlich viel zu bei, sondern sind einfach nur eine einfache Erklärung dafür, warum Wolff so ein Badass ist. Da wird dann zwar der harte Vater thematisiert, der versucht, seine beiden Söhne auf das harte Leben vorzubereiten – und auch, um den Schmerz zu verarbeiten, dass die Mutter verschwunden ist. Das Thema Asperger-Syndrom wird aber ein wenig ignoriert – es ist letztendlich nur ein cooles Mittel, um den Killer Wolff interessanter aussehen zu lassen.

„The Accountant“ möchte sehr viel cleverer sein, als er es eigentlich ist. In welcher Beziehung Christian und der Killer Braxton stehen, hat man irgendwie nach dem ersten Rückblick schon heraus – auch wenn der Film daraus ein großes Geheimnis macht, dass am Ende erst enthüllt wird (doch wenn im Rückblick zwei Brüder gezeigt werden, die zu Kampfmaschinen ausgebildet werden, fragt man sich ja schon sehr schnell, was aus Christians Bruder geworden ist – und wer dann zwei und zwei zusammenzählen kann, kommt schnell auf die Lösung). Auch der Nebenstrang mit der Finanzbehörde, die versucht, Christian zu jagen, ist eigentlich eher schmückendes Beiwerk – denn eigentlich sitzt Agentin Medina nur am Rechner und hat mehr Glück als Verstand, was ihre Suche nicht sonderlich spannend macht.

Dazu kommt diese sehr erzwungene Beziehung zwischen Dana und Christian. Wenn er doch so ein antisozialer Mensch ist, der Kontakt sehr knapp hält, warum kümmert sich auf einmal um diese Frau? Auch das arbeitet der Film nicht gründlich genug aus… braucht das aber, um die Story in die gewünschte Richtung zu lenken. Normalerweise würde Christian ja einfach seine Sachen packen und abhauen, aber das geht ja so nicht…

„The Accountant“ hat viele interessante und gute Ansätze, aber die Ausführung ist einfach nie so richtig stimmig. Die Action ist gut, der Rest dazwischen ist leider oft sehr langatmig und versucht, super clever zu sein (ist es eben nur leider nicht). Auch fand ich die Darsteller ein wenig verschwendet… Ben Affleck bekommt den emotionslosen Gesichtsaudruck super hin, aber das ist auch das Einzige, was er hier wirklich macht (schauspielerisch gesehen). Anna Kendrick wurde auch irgendwie nur gecastet, weil sie niedlich aussieht und mit ihren großen Augen den Beschützerinstinkt auslöst. John Lithgow und J.K. Simmons verkommen in unspektakulären Mini-Nebenrollen und wie gesagt, Cynthia Addai-Robinson hockt nur am Rechner. Der EINZIGE, der in diesem Film wirklich sehenswert ist, ist Jon Bernthal. Sein Killer Braxton ist ein charmant-fieses Arschloch, ein Typ mit Stil, vor dem man Angst hat, den man aber auch faszinierend finden kann.

„The Accountant“ hätte sehr viel cooler sein können, als er es am Ende ist. Warum dazu jetzt eine Fortsetzung kommen soll, weiß ich nicht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (langatmig und nicht so clever, wie er gerne wäre)

5 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2018 09:19

    Den hatte ich damals im Kino gesehen und fand ihn eigentlich zunächst ganz gut. Erst im Nachgang ist mir aufgefallen wie doof der teilweise doch ist 😀

    • donpozuelo permalink*
      12. Oktober 2018 10:00

      Ja, ich weiß auch nicht. Der Film hat viele interessante Ansätze, ist dann aber doch ziemlich öde.

      (Und wo ich dich gerade an der „Strippe“ habe, bis wann bräuchstest du meinen Halloween-Text, falls du ihn noch brauchst 😀 )

      • 12. Oktober 2018 10:32

        Am besten vorgestern 😁

        • donpozuelo permalink*
          12. Oktober 2018 13:57

          Das war mir schon klar 😀 Ich schwöre Besserung und werde dir nächste Woche einen Text abliefern!

        • 12. Oktober 2018 14:20

          Sehr schön 😊

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