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Unterwasser-Malheur

21. Dezember 2018

„Aquaman ist Scheiße“, den Spruch kennt jeder „Big Bang Theory“-Fan – und ja, irgendwie kommt das ja nicht von ungefähr. Ein Typ, der mit Fischen spricht, klingt beim ersten Mal reichlich bescheuert. Aber natürlich steckt hinter der Figur von Arthur Curry sehr viel mehr. Auf der Kinoleinwand durften wir ihn das erste Mal in „Justice League“ bewundern, jetzt bekommt der von Jason Momoa verkörperte Superheld seinen Solo-Film – unter der Regie von Horror-Experte James Wan. Allein die Tatsache, das Wan als Regisseur am Start war, ließ mich sehr hoffen… doch diese Hoffnung verschwand ziemlich schnell.

Nach den Ereignissen von „Justice League“ kümmert sich Arthur Curry wieder allein um die  Sicherheit der Weltmeere. Doch eine neue Gefahr taucht auf… denn Arthurs Halbbruder Orm (Patrick Wilson) will die Königreiche der Meere vereinen, um einen Krieg gegen die Landbewohner anzuzetteln. Gemeinsam mit Mera (Amber Heard) will Arthur das verhindern, doch als Sohn eines Menschen und einer Königin von Atlantis (Nicole Kidman), wird er nicht für vollgenommen und muss sich erst als rechtmäßiger König von Atlantis beweisen – indem er einen sagenumwobenen Dreizack findet.

„Aquaman“ ist ein anstrengendes Machwerk… das vor allem unter einem sehr merkwürdigen Drehbuch zu leiden hat. Denn in zweieinhalb Stunden bekommt man alle fünf Minuten zehn Minuten lang irgendwas erklärt. Ja, ich weiß, das macht mathematisch gesehen überhaupt keinen Sinn, aber genau so hat es sich angefühlt. Statt irgendwie ein bisschen clever mit Rückblenden oder anderen filmischen Mitteln zu arbeiten, sehen wir einfach immer wieder, wie eine Person einer anderen was erzählt. Und das immer und immer wieder… selbst in einer actiongeladenen Szene zu Beginn des Films wird die Handlung mal eben für eine eher unnötige Exposition unterbrochen. Das passiert in „Aquaman“ irgendwann einfach zu oft. Wenn man sich zwei Drittel dieser „Erklär-Szenen“ gespart hätte, hätte der Film vielleicht auch mal dynamisch werden können.

Das Drehbuch macht so viel einfach kaputt… dazu kommen dann die nicht wirklich gut ausgebauten Charaktere. Allen voran Patrick Wilsons Orm… aus ihm und Arthur hätte man eigentlich das Thor-Loki-Äquivalent von DC machen können. Aber Orm ist nie so wirklich der sympathische Bösewicht. Er ist einfach nur böse, weil er böse ist. Auch ein Willem Dafoe kommt als Berater Vulko nie wirklich  zur Geltung. Er steht auch einfach nur ein bisschen dumm in der Gegend rum und das war’s. Amber Heard ist irgendwie auch nur da, damit man was Hübsches zum Anschauen hat. Ihre Mera ist sonst eher öde – ein kleiner, bissiger Sidekick für Aquaman, der ihm immer wieder vorhalten muss, wie blöd er eigentlich sein kann. Jason Momoa kann zumindest in seinem eigenen Film mehr überzeugen als noch in „Justice League“. Aber der Typ strahlt ja Coolness aus, wenn er nur grimmig in die Kamera guckt. Die einzigen Charaktere, die ich aber wirklich mochte, waren Nicole Kidmans Atlanna und Temuera Morrisons Thomas Curry. Die waren zuckersüß zusammen.

Aber gut, ich will nicht nur meckern. Die Action in „Aquaman“ ist schon sehr beeindruckend – angelehnt an die großartige One-Take-Verfolgungsjagd aus „Tim und Struppi“ gibt es eine ähnliche Hetze auch in diesem Film. Da zeigt sich James Wan dann wieder von seiner kreativen Seite und lieferte Action pur. Das sind dann die Stellen, an denen „Aquaman“ einfach nur Spaß macht. Manchmal wirkt die Action wie aus einem Computer-Spiel, aber hey, wenn’s funktioniert, habe ich damit kein Problem.

Auch optisch  macht „Aquaman“ so einiges her: Die Unterwasser-Welten sind atemberaubend und vor allem abwechslungsreich. Die Kreaturen sind beeindruckend und überhaupt das Gefühl unter Wasser zu sein, wird ziemlich gut umgesetzt.

Dennoch ist „Aquaman“ einfach ein etwas zu überfrachteter Film. Man hätte sich für einen Schurken entscheiden sollen (Black Manta war besser ausgearbeitet, Orm hätte mehr Potenzial haben können). Man hätte auf die tausend Erklärungen verzichten sollen (man muss nicht immer alles tot erklären). Man hätte den Charakteren einfach auch mehr Tiefe gönnen können (sie sind ja schließlich auch Bewohner der Tiefsee – und ja, da gehen fünf Euro in die Schlechte-Wortspiel-Kasse).

Wertung: 5 von 10 Punkten (optisch hui, erzählerisch eher ui)

5 Kommentare leave one →
  1. 15. Januar 2019 20:03

    Ich habe den Film noch nicht geschaut und so richtig will es mich auch nicht ins Kino verschlagen, weil ich doch von den Superhelden übersättigt bin. Aber eine Sache muss man den DC-Menschen zugute halten … sie haben Aquaman mit Jason Momoa cooler gemacht als das was man aus BBT kennt.

    • donpozuelo permalink*
      15. Januar 2019 20:21

      Das stimmt. Aber das ist das Schlimme an BBT: Aquaman war auch vorher schon ziemlich cool, man zieht ihn halt einfach nur gerne runter weil es sich so schön verarschen lässt.

      Momoa ist schon echt cool in der Rolle, das muss man ihm lassen. Alles andere war aber echt nicht sooo der Hammer. Aber hey, der Film hat seine Milliarde Dollar eingespielt und war sau erfolgreich. Da hat DC immerhin voll gewonnen.

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