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Eine neue Frau für Daddy

15. November 2017

Ich habe letztens mal wieder „Harry & Sally“ geguckt – für mich immer noch einer der schönsten Liebesfilme, die ich kenne. Doch als ich mit dem Film fertig war, wurde mir bewusst, dass ich gar nicht soooo viele klassische Liebesfilme kenne. Für mich waren das immer die Schinken, die meine Mutter geguckt hat und gerade als Junge wollte ich sowas nicht sehen… die küssen sich nur und reden, da passiert ja nichts spannendes. So entsteht dann wohl das Klischee, dass Jungs bzw. Männer freiwillig keine Liebesfilme gucken dürfen. Aber ich wehre mich jetzt mal dagegen und „Harry & Sally“ sind Schuld daran. Ich habe mir jetzt vorgenommen, ich werde mich mal so durch die gängigen Klassiker des Liebesfilms schauen – und Netflix sei mal wieder Dank, ich bin schnell fündig geworden. Ein Film, den ich bislang auch noch nie gesehen habe, der aber schon als Klassiker gilt, ist „Schlaflos in Seattle“.

Architekt Sam (Tom Hanks) hat seine Frau verloren und zieht deswegen mit seinem kleinen Sohn Jonah (Ross Malinger) von Chicago nach Seattle. Doch auch nach anderthalb Jahren trauert Sam immer noch, weswegen Jonah eines Abends bei einer Radio-Psychologin anruft und sagt, dass sein Daddy eine neue Frau braucht. Sam kommt widerwillig selbst ans Telefon und berührt mit seiner Geschichte die Herzen von zig tausenden von Zuhörerinnen. Eine davon ist die junge Journalistin Annie (Meg Ryan), die eigentlich mit Walter (Bill Pullman) verheiratet, aber nicht wirklich glücklich ist. Sie fängt an, sich mehr und mehr für diesen Mann in Seattle zu interessieren, auch wenn sie auf der anderen Seite der USA lebt… aber Liebe kennt in diesem Film keine Entfernung und so macht sie sich auf die Suche nach Sam.

Date Night

Meg Ryan und Tom Hanks – in ihrem ultimativen Film, wenn ich das so richtig mitbekommen habe. „Schlaflos in Seattle“ passt aber auch perfekt zu den beiden – obwohl ich schon ein bisschen erschrocken war, wie jung ein Tom Hanks in diesem Film noch aussieht. Aber dieser Film ist wie geschaffen für den wahrscheinlich liebenswertesten Schauspieler Hollywoods. Man kauft ihm das alles ab. Es gibt diese eine Stelle im Film, da wird er von der Radio-Psychologin gefragt, ob er ihr erzählen kann, was er an seiner Frau so mochte und er antwortet: „So lange geht ihre Show gar nicht!“ Aus jedem anderen Mund wäre das ein blöder Spruch gewesen, aber Hanks liefert den ab und man kauft es ihm vor allem auch ab. Ich weiß auch nicht, Hanks ist der perfekte Knuddelbär für diesen Film – liebevoller Vater, trauernder Witwer, der seine Frau so sehr liebt, dass sein Sohn irgendwann sogar dazu übergehen muss, ihm seine neue Liebe (die sich dann als Annie erweist) so zu verkaufen, dass sie sich in einem früheren Leben gekannt haben müssen. Ganz ehrlich, hätte nur noch gefehlt, dass sich herausstellt, dass der Geist von Sams Frau in Annie weiterlebt.

Aber Annie ist eine Marke für sich. Und auch eine Meg Ryan passt da perfekt rein. Liebenswert, ein bisschen naiv in Sachen Liebe, was durch ihre Begeisterung für alte Filme erklärt wird… was dementsprechend ihre Erwartungen an die Liebe enorm ins Unrealistische steigert. Aber zum Glück gibt’s da ja noch diesen Typen aus dem Radio, der perfekt passt.

Ich muss sagen, die Idee hinter „Schlaflos in Seattle“ fand ich ganz sympathisch, auch wenn man die gute Annie heute wahrscheinlich als Stalkerin verschreien würde, aber in den Liebesstandards der frühen 90er Jahre ist es noch niedlich, einen Privatdetektiv anzuheuern, um einen Typen ausfindig zu machen, in den man verliebt ist. So hundertprozentig hat der Film dann bei mir aber doch nicht gezündet.

Ich glaube, das lag an dieser Episodenhaftigkeit der Story… man hat die Tom-Hanks-Story und die Meg-Ryan-Story und wartet darauf, dass die irgendwann zusammengeführt werden. Zwischendurch betrügt Annie noch ihren Freund und Tom Hanks eigentlich seine neue Freundin, die zwischendurch mal aufschlägt und natürlich als furchtbar nervig dargestellt wird. Es scheint so eine Liebesfilm-Regel zu sein, dass eine gute Liebe darauf basiert, dass irgendjemand erst ein wenig hintergangen werden muss. Wobei ich bei „Schlaflos in Seattle“ schon sagen muss, dass ich es krass fand, wie Bill Pullmans Charakter geschrieben wurde.

Der tritt freiwillig und gefasst beiseite, um Annie ihr Glück zu lassen. Ganz ehrlich, dieser Mann verdient einen Platz auf dem Poster von „Schlaflos in Seattle“. Der wahre Held dieser Geschichte ist Pullmans Walter, der das Glück seine Verlobten so sehr achtet, dass er sie ohne zu murren gehen lässt. Damit hätte ich in einem Bollywood-Film gerechnet, aber nicht bei Hollywood. Respekt, Walter!!!

„Schlaflos in Seattle“ ist ein niedlicher Film, der vor allem dank der perfekten Besetzung so gut funktioniert. Ich glaube, dieser Film hätte ohne Hanks und Ryan nie funktioniert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (schöne Liebesschnulze mit dem größten Helden überhaupt – Walter)

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8 Kommentare leave one →
  1. 15. November 2017 11:01

    Ich werde nie verstehen, warum dieser Film so gut ankommt. Der Sohn gehört am Fließband verdroschen, dafür dass er ständig macht, was er will und seinen Vater wie eine Trottel aussehen lässt und Meg Ryan ist eine irre Stalkerin, die einen Typen ficken will, nur weil sie ihn im Radio gehört hat und dafür mal eben so ihren Verlobten in den Wind schießt, der absolut nichts falsch gemacht hat außer nicht lustig zu sein. Die Frau gehört weggesperrt. Und es ist ja wohl klar, dass das mit Hanks nicht lange hält. Spätestens wenn der Versicherungsvertreter anruft hat Meg eine neue Stimme, die sie ganz feucht macht und das wars dann.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2017 23:15

      Hahahahaha… ja. Der Junge gehört in der normalen Welt wirklich eingesperrt. Mit Meg Stalker Ryan zusammen.

      Nachdem der Film vorbei war, habe ich mir auch gedacht: „Jetzt bräuchte es eine bitterböse Satire als Fortsetzung.“

      • 17. November 2017 00:55

        Ich fand nebenbei „Email für dich“ ne ganze Ecke besser. Falls du den noch nicht kennst. Klar, kein Meisterwerk, aber er wirkt einfach runder und die Charaktere sind keine Psychos.

        • donpozuelo permalink*
          19. November 2017 20:20

          Kenn ich noch nicht. Steht aber schon auf meiner To-Do-Liste.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2017 23:16

      Booom. Danke dir. Ich werde mich so schnell wie möglich drum kümmern.

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