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Wunderbare Diana

19. Juni 2017

Seit nunmehr 2008 bewegen wir uns in einer Welt der Superhelden – naja, zumindest im Kino. Wir haben das MCU wachsen sehen – mit Helden wie Iron Man, Captain America und Thor. Danach durften wir miterleben, wie das DCEU verzweifelt versuchte, an diese Erfolge anzuknüpfen. Superman machte den Anfang, doch irgendwie waren diese Filme wie verflucht. Entweder dachten die Herrschaften bei DC zu verkopft daran, Marvel einzuholen oder sie hatten sich einfach zu überstürzt ihr eigenes Universum aufgebaut. Versteht mich nicht falsch, ich kann auch mit den DC-Filmen gut leben, aber so manch anderer eher nicht (wie man dann immer an den Kritiken zu den neueren Filmen sehen kann). Was sich bisher jedoch niemand so wirklich wagte, war einer Superheldin mehr Platz einzuräumen. Es wurde zwar immer viel geredet über einen „Black Widow“-Film (den ich immer noch sehen will), aber ansonsten blieben die Damen meistens eher Teil eines Teams – schmückendes Beiwerk, wenn man es mal ganz böse (und ehrlich) ausdrücken will. Doch jetzt ist es endlich soweit, DC macht endlich mal etwas, das Marvel noch nicht hinbekommen hat. Nachdem sie ja schon in „Batman v Superman“ das Beste am ganzen Film war, bekommt „Wonder Woman“ ihren eigenen Film. Ganz für sich allein, ohne andere Superhelden-Kollegen.

Auf der Insel Themyscira leben die Amazonen unter der Herrschaft von Königin Hippolyta (Connie Nielsen). Ihre junge Tochter Diana (Gal Gadot) wird eines Tages Zeuge, wie ein Flugzeug vor der Insel abstürzt und so den ersten Mann seit Ewigkeiten auf die Insel bringt: den britischen Spion Steve Trevor (Chris Pine). Der erzählt den Amazonen dann, dass die Welt gerade im Krieg versinkt: Der Erste Weltkrieg, der Krieg der Kriege. Für Diana ist klar, das ist das Werk von Kriegsgott Ares. Entgegen den Wünschen ihrer Mutter will Diana mit Steve losziehen, um Ares zu bekämpfen und begibt sich in eine ihr komplett fremde Welt.

Wunderbare Wonder Woman

Seit 1941 kämpft Wonder Woman schon für das Gute, doch es hat tatsächlich bis 2017 gedauert, um ihr einen Kino-Film zu widmen. Ich möchte gar nicht wissen, wie hoch der Druck auf Regisseurin Patty Jenkins gewesen sein muss. Nicht nur, weil Wonder Woman die dienstälteste Superheldin ist, sondern natürlich auch, weil sie die erste Kino-Superheldin wird mit eigenem Film, der dann bitte auch noch dem strauchelnden DCEU neuen Aufwind geben soll. Aber wie auch immer, sie hat es geschafft – „Wonder Woman“ wird weltweit gefeiert und vielleicht zeigt dieser Film einfach mal, dass ein paar neue Gesichter hinter der Kamera und eigene Visionen genau das Richtige für das DCEU sein könnten.

Aber genug um den heißen Brei geredet: „Wonder Woman“ ist großartig… was extrem damit zu tun hat, wie wunderbar Gal Gadot in dieser Rolle einfach ist. Ob nun als Diana Prince, die in der neuen Welt gegen die Tücken von Kleider, Weltansichten oder Männern kämpft oder als tapfere Amazone, die einfach nur Gutes tun will, Gal Gadot IST „Wonder Woman“. Ich kann es gar nicht so richtig in Worte fassen, aber sie strahlt einfach etwas aus, dass einen total in den Bann zieht. Solange eine Wonder Woman auch in der schlimmsten Situation noch ein Lächeln findet, kann man sich sicher sein, dass alles gut wird. Ich habe dazu im Vorfeld oft das Wort „naiv“ gehört, kann mich damit aber überhaupt nicht anfreunden. „Naiv“ finde ich Diana in diesem Film nie. Hier treffen einfach zwei verschiedene Welten aufeinander – ihre Welt der Amazonen, in der Begriffe wie Ehre, Treue und Loyalität noch Bedeutung haben und unsere Welt, in der sich alle gegenseitig umzubringen scheinen. Von daher fand ich es auch immer toll, wie bereitwillig Diana in den Kampf zieht: sie ist noch keine Heldin, sie ist einfach nur jemand, der Gutes tun will. Sie glaubt an ihre Aufgabe, sie ist noch nicht von unserer Welt korrumpiert und versaut worden.

Wir begleiten sie auf ihrem Weg des Verstehens. Sie ist eine Fremde in unserer Welt, die sich akklimatisieren muss. Da mögen manche ihrer Entscheidungen „naiv“ wirken, doch in ihrem Herzen sind sie es nie. Ich mochte das wirklich sehr. Sie inspiriert die Menschen um sie herum tatsächlich – obwohl sie natürlich mit Steve Trevor scheinbar den einzigen Menschen gefunden hat, der selbst auch ein Held ist – ohne Kostüm (aber nicht weniger ehrenhaft als Diana selbst)

Helden für die Gerechtigkeit

Ich mochte Dianas Entwicklungen, ich mochte ihre Interaktionen zwischen den Menschen, die sie trifft. Gal Gadot verkörpert sie einfach wirklich toll. Und auch ihr Zusammenspiel mit Chris Pine funktioniert bestens. Die Beiden haben eine unglaublich gute Chemie. Aber auch der Rest ihrer kleinen Truppe, die sie auf dem Weg zu Ares durch die Kriegsgebiete Europas begleiten, haben perfekt ins Bild gepasst.

Patty Jenkins liefert dazu eine gute Mischung aus Komik (Diana in unserer merkwürdigen Welt), Drama (Diana in unserer merkwürdigen Welt) und Action (Diana im Kriegstreiben)… und gerade die Action-Sequenzen sind wirklich der Hammer. Ich dachte zwar, mir würden die Zeitlupen mit der Zeit ein bisschen auf den Keks gehen, aber sie waren dann doch immer wieder in so coole Sequenzen eingebaut, dass ich davon nicht genug kriegen konnte. Patty Jenkins findet großartige, epische Momente, in denen sie Dianas Kräfte richtig zur Schau stellen kann (und es sogar schafft, dass das Lasso nicht albern wirkt).

Doch bei all der Lobhudelei gibt es auch an „Wonder Woman“ ein paar Dinge, die nicht ganz so hinhauen: Wie bei so ziemlich jedem Superhelden-Film der letzten Zeit haut das mit dem guten Schurken einfach nicht so wirklich hin. Der böse General Luddendorf (Danny Huston), den Diana für Ares hält, ist einfach nur da, um Diana einen Gegner zu liefern. Seine Schergin, Doktor Poison (Elena Anaya), kommt dabei noch weniger zur Geltung. Beim nächsten Mal sollte man der Wonder Woman dann doch bessere Gegner beschaffen. Jetzt hat es so noch gut funktioniert, weil wir uns ja eh mehr auf sie konzentrieren sollen.

Außerdem nimmt sich Patty Jenkins manchmal etwas zu viel Zeit für einzelne Episoden, so dass sich die Handlung an einigen Stellen etwas zäher anfühlt… und an einer Stelle (zwischen Steve und Diana) hätte man einfach etwas subtiler sein können.

Trotzdem ist „Wonder Woman“ ein großartiger Film, ein würdiger Film für diese Ikone, ein wichtiger Film für das DCEU und hoffentlich endlich der Beginn einer neuen Ära von DC-Filmen. Und wenn nicht, haben wir wenigstens einen wunderbaren „Wonder Woman“-Film, der bestens unterhält.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Gal Gadot ist die perfekte Besetzung für Wonder Woman)

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13 Kommentare leave one →
  1. 19. Juni 2017 20:05

    Schaut gut aus … und ich freue mich schon auf den Film *händereib*

    Aber einen Black-Widow-Film würde ich mir jetzt nicht unbedingt wünschen…jedenfalls in den Filmen fand ich sie jetzt nie besonders spannend, aber ich habe auch nicht die Comics gelesen…

    • donpozuelo permalink*
      19. Juni 2017 22:56

      Ich bin gespannt, wie er dir gefällt.
      Und was Black Widow angeht, könnte man sicherlich noch einiges aus dem Charakter rausholen. Aber gut… Marvel beschert uns ja bald Captain Marvel mit Brie Larson.

  2. C.Cascade permalink
    20. Juni 2017 15:56

    Immer wieder bemerkenswert, wie Filme, die einen selbst enttäuscht haben, Andere begeistern können. Mir persönlich war die Story viel zu dünn, die Weltfremdheit und Naivität der Titelfigur zu nervraubend und die ein oder andere kleine Ungereimtheit einfach zu unlogisch. Einzig und allein die Bildgewalt und die (Ideal-)Besetzung von Gal Gadot als Diana retten den Film zu einem, meiner Meinung nach, gerade noch passablen Stück Popcornkino.

    • donpozuelo permalink*
      20. Juni 2017 21:24

      Hmm… schade. Ich mochte diese Weltfremdheit… und wie gesagt, naiv würde ich „Wonder Woman“ jetzt nicht unbedingt nennen. Bei dem Rest können wir uns ja gut einigen 😉

  3. 24. Juni 2017 19:08

    Ich hätte mir ein bisschen mehr Dr. Poison gewünscht. Die war so unheimlich und eigen. Ansonsten schön zu lesen, dass du nicht zu denen gehörst, die alles als dumme Naivität hinnimmst, was mit Diana zu tun hat. Ich empfand das nämlich sehr erfrischend, dass sie sich entwickelt durfte, Dinge unserer Welt hinterfragt und nicht ganz selbstverständlich alles aus ihrer Umgebung adaptiert. Gal Gadot ist wirklich perfekt besetzt. ❤

    • donpozuelo permalink*
      25. Juni 2017 22:10

      Ja, von Dr. Poison hätte ich auch gerne mehr gesehen. Ein furchtbar interessanter Charakter (besser als die anderen Schurken) und dann sieht man kaum was von ihr – ich hoffe, das sich das noch ändert. Denn nur für so einen kurzen Auftritt hätte man sie sich auch sparen können.

      Und ja, das mit der Naivität verstehe ich auch immer nicht. Schade, wie Faszination und Enthusiasmus mittlerweile schon als Naivität abgestempelt wird 😉

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