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Justice League – Neues Modell. Originalteile

22. März 2021

Es ist endlich, endlich soweit. Seit 2017 Joss Whedon mit seiner komischen Version von „Justice League“ Fans enttäuschte und seit kurz danach bekannt wurde, dass Zack Snyders Version irgendwo doch noch existieren könnte, bettelten Fans um den Snyder-Cut. Unter #ReleaseTheSnyderCut wurde riesige Fan-Kampagnen gestartet und irgendwann dachte sich jemand bei Warner: „Okay, was soll’s? Machen wir das Ding halt.“ Zack Snyder bekam an die 70 Millionen Dollar, um sein ohnehin schon gedrehtes Material neu zu schneiden, die Effekte anzupassen (husthustSteppenwolfhusthust), neue Musik zu finden und ein paar kleinere Nachdrehs machen zu können. Am Ende wurde daraus ein vier Stunden „Monster“ von einem Film… aber ist das „ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE“ jetzt wirklich besser als die Joss Whedon Version von 2017, die ja trotz allem immer noch als Kanon im DC-Universum gilt (während Snyders Cut nur so eine Art Elseworld-Story ist)?

Die Story ist eigentlich die Gleiche: Superman (Henry Cavill) ist tot… und mit seinem letzten Atemzug aktiviert sich eine der mysteriösen Mother-Boxen, die wiederum Steppenwolf das Zeichen gibt, dass die Erde reif für seine Eroberung ist. Der kommt also auf die Erde, um alle drei Boxen zu vereinen und die Erde für seinen Herrn Darkseid einzunehmen. Doch er hat die Rechnung nicht mit Batman (Ben Affleck) gemacht. Der sucht gemeinsam mit Wonder Woman (Gal Gadot) ein Team aus Superhelden zusammen… und vereint so Aquaman (Jason Momoa), The Flash (Ezra Miller) und Cyborg (Ray Fisher) zur Justice League, die gegen Steppenwolf und seine Schergen vorgehen sollen. Doch auch die kommen an ihre Grenzen und brauchen dringend Superman zurück.

Ich habe als Überschrift einfach mal den deutschen Titel von „Fast and Furious 4“ geklaut, weil es einfach irgendwie auch passt. Wir bekommen mit dem Snyder-Cut oder „Zack Snyder’s Justice League“ wirklich ein neues Modell mit den Originalteilen. Das Ganze fühlt sich schon wie ein neuer Film an. Die Grundzüge der Story sind die gleichen, aber Snyders Ausschmückungen sorgen schon dafür, dass die Handlung einfach viel nachvollziehbarer und schlüssiger ist. Allein dafür lohnt sich der Snyder-Cut also wirklich, Steppenwolfs Motivation macht endlich mehr Sinn, Darkseid – der in wenigen Szenen neu eingeführt wird – funktioniert großartig als Big Bad (und lässt uns weinend daran denken, dass es einen zweiten und dritten Teil wohl nie geben wird)… der gesamte Kampf der Justice League und die Motivation dahinter fügt sich jetzt einfach schlüssiger zusammen. Ich hatte kurz davor nochmal den alten Film gesehen und viele Dinge „passieren“ einfach so und wirken dadurch extrem fehl am Platz. Durch Snyders Zusätze entsteht endlich mal eine Geschichte.

Auch die Justice League Mitglieder selbst funktionieren zum größten Teil sehr viel besser. Wonder Woman wirkt wesentlich cooler, bleibt aber auch einfach sie selbst. Batman ist nicht mehr so der merkwürdige Sprücheklopfer, der er noch bei Whedon gewesen ist und selbst Aquaman, der ein paar mehr Zusatzszenen bekommt, wirkt jetzt nicht mehr so wie ein Oneliner zitierender Sidecharacter. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir mittlerweile den „Aquaman“-Film hatten und Arthur besser kennen. Aber selbst ohne den Film erfährt man sehr viel mehr über den Mann, der mit Fischen reden kann… was ihn dreidimensionaler macht, als er es bei Whedon war. Wenn ich nach wie vor nicht zwingend gebraucht hätte, ist der Flash. Ezra Miller ist so über-geeky und nervös und was nicht noch alles… ich glaube, ich bin da auch immer noch ein bisschen voreingenommen, weil ich Grant Gustin als Flash einfach so viel lieber mag 😀

Wem der Snyder-Cut am so richtig gut tut, ist Cyborg. Zack Snyder hat es früher in Interviews immer wieder betont, dass Cyborg das Herzstück sei. Ich weiß nicht, ob ich auch nach diesem Film zwingend so bezeichnen würde, aber sein Charakter ist wesentlich stärker ausgebaut und man spürt viel mehr seinen Schmerz und was allgemein hinter diesem Charakter steckt.

Und weil die Charaktere in sich jetzt greifbarer sind, funktioniert auch das Team wesentlich besser gemeinsam… zumal Snyder sie auch viel natürlicher zu einem Team wachsen lässt. Wenn später noch Superman dazu stößt, fühlt sich das nicht wie Cheaten an, sondern wie eine dynamische Entwicklung, die im Kampf gegen Steppenwolf wichtig ist und an der auch alle aus der Justice League teilhaben.

Abgesehen von den besseren Charakter-Momenten und der logischeren Story funktioniert auch die Action in so ziemlich allen Sequenzen einfach mal so viel besser. Action kann der gute Snyder halt einfach und die ist hier teils echt atemberaubend (auch wenn die typischen Snyder-Zeitlupen manchmal etwas zuuuuu lang geraten sind). Dazu kommt der bessere Look, der ganze Film wirkt wesentlich düsterer – was durch den tollen Soundtrack auch noch wirklich gut untermalt wird.

Dennoch muss ich einfach sagen, dass selbst jetzt, mit allen Verbesserungen, die Geschichte einfach nicht für 4 Stunden ausgelegt ist. Gerade in den ersten zwei Stunden hangelt sich das Ganze von einer Erklärbär-Szene zur nächsten und erschlägt einen förmlich mit ausführlichsten Expositionen. Ich glaube, wenn man den Snyder-Cut jetzt noch mal straffen würde, könnte man auch locker auf dreieinhalb oder sogar drei Stunden kommen und dann wäre der Film an sich wirklich perfekt. So erschlägt einen einfach diese Laufzeit, der leider einfach etwas der Stoff fehlt, um das wirklich alles zu füllen. Gleichzeitig merkt man dem Film auch an, dass ihm die ganzen Solo-Filme vor dem großen Team-Up fehlen, die vieles an den Erklärungen hätten überflüssig machen können.

Alles in allem hat auch „Zack Snyder’s Justice League“ sehr mit sich selbst und der Fülle an Information zu kämpfen. Die neuen Alptraum-Sequenzen von Batman sind nett und Jared Leto ist hier als Joker toll, aber das Ganze fühlt sich einfach hinten rangeklatscht und irgendwie etwas lieblos in den Film integriert.

Auch wenn das Ganze echt viel Sitzfleisch erfordert und das nicht immer unbedingt rechtfertigen kann, ist der Film dennoch irgendwo auch ein voller Erfolg – für Snyder, der seine eigene Vision zeigen kann, für die Fans, deren Nörgeln sich doch bezahlt gemacht hat und für die Justice League, die dadurch einfach den besseren Film bekommt, der ihr auch zustand.

Wertung: 7 von 10 Punkten (nicht perfekt, aber wesentlich runder als die Kino-Version)

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