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Hinter der roten Tür

23. August 2019

Ich bin stets auf der Suche nach guten Horror-Sachen… und damit meinte ich solche, die mir persönlich die Haare zu Bergen stehen lassen, die bei mir Gänsehaut verursachen und bei denen ich mich am liebsten eher hinter dem Sofa verstecken wollen würde (oder dem Kinositz – je nachdem, wo es die guten Horror-Sachen dann am Ende zu finden gibt). Allerdings ist das nicht gerade immer einfach. Ich habe einfach schon so viel gesehen, es gibt zig Klischees, die schon tausendmal ausprobiert und auch umgeändert wurden, sodass selbst die Neuerungen irgendwann zu Klischees wurden. Aber es gibt immer noch die Überraschungen, die mir ordentlich Angst einjagen und dieses schaurig-schöne Gruselgefühl aufkommen lassen. Letztes Jahr war das für mich ganz eindeutig „Hereditary“, dieses Jahr gehört diese Auszeichnung einer Netflix-Serie, die zwar auch schon letztes Jahr rauskam, die ich aber jetzt erst gesehen habe: „The Haunting of Hill House“ (der deutsche Titel „Spuk in Hill House“ klingt einfach nicht cool, eher wie eine Sendung für Kinder…)

Das Ehepaar Olivia (Carla Gugino) und Hugh Crain (Henry Thomas) ziehen in den 80er Jahren mit ihren 5 Kindern in das alte Hill House, um es über den Sommer zu renovieren und es danach für viel Geld zu verkaufen. Doch leider ist Hill House ein Haus, in dem merkwürdige Dinge vor sich gehen… und eines Nachts flüchtet Hugh panisch mit den Kindern aus dem Haus – und lässt seine Frau zurück. Dann erfolgt ein Sprung in die heutige Zeit: Steven (Michiel Huisman), der älteste Sohn der Crains, ist mittlerweile Autor, seine Schwester Shirley (Elizabeth Reaser) betreibt ein Bestattungsinstitut und in ihrem Gästehaus beherbergt sie ihre Schwester Theodora (Kate Siegel), eine erfolgreiche Kinder-Psychologin. Von den Zwillingen der Familie ist Luke (Oliver Jackson-Cohen) ein Heroin-Junkie, der versucht, von der Droge loszukommen und Nell (Victoria Pedretti) der Auslöser dafür, dass sich die Geschwister wieder mit Hill House und ihrer Vergangenheit beschäftigen müssen.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wirklich alles an dieser Serie ist einfach super! Ich habe die zehn Folgen (die auch abgeschlossen sind, da das Ganze als Anthologie-Serie geplant ist) innerhalb von zwei Tagen geguckt – jeden Tag 5 Folgen am Stück. Und wenn ich nicht so viel Schiss zwischendurch gehabt hätte (und am nächsten Tag zur Reha gemusst hätte), dann hätte ich alles direkt am Stück geguckt. Diese Serie hat mich nicht losgelassen.

Da hätten wir zum einen die Story, die sich verdammt clever durch die Gegenwart und die Vergangenheit schlängelt und dabei so unfassbar gut (unter anderem auch dank Kamera und Schnitt – da kommen wir aber gleich noch drauf zu sprechen) beide Zeitebenen mit einander verbindet. Die Vergangenheit ist geprägt von den Spukhaus-Sachen, die großartig creepy inszeniert sind, die Gegenwart wird durch das Familien-Drama. Ein Drama, das daher rührt, dass diese Menschen nie ihre Vergangenheit gemeinsam verarbeitet haben. Jeder hat das für sich „geklärt“. Doch jetzt müssen sie sich gemeinsam diesen Dingen stellen – und es breitet sich vor unseren Augen neben dem ganzen Horror ein packendes, psychologisches Aufarbeitungsdrama auf, das einen absolut mitnimmt.

Dass die Story funktioniert, ist unter anderem den großartigen Schauspielern zu verdanken. Ich will hier gar nicht groß in Details gehen, weil diese Serie lebt durch sein Ensemble und sie spielen alle einfach unglaublich authentisch und intensiv… selbst die fünf Kinderdarsteller sind wahnsinnig gut.

Wahnsinnig gut ist aber auch die Machart der Serie. Regisseur Mike Flanagan schafft es durch, passende Kamera-Bewegungen und Schnitte immer wieder, beide Zeitebenen miteinander zu verbinden, sodass sich die Vergangenheit in der Gegenwart spiegelt und umgekehrt. Es gibt eine Folge (die sechste, um genau zu sein), in der sich das ganze Können der Crew zeigt: Die Folge beinhaltet einen fast 20-minütigen One-Take, in dem Orte gewechselt werden, Charaktere wieder zu ihren jüngeren Ichs werden und was nicht noch alles. Was „The Haunting of Hill House“ so einzigartig macht, ist genau diese Handarbeit. Das Setting, das Haus selbst, ist auch beeindruckend (da kann sich jetzt im Nachhinein ein Guillermo del Toro mit seinem „Crimson Peak“ eine Scheibe abschneiden).

Das alles – die Darsteller, die technische Komponente, die gute Story – macht wiederum den Horror in dieser Serie so intensiv. Wir werden nicht mit CGI-Geistern oder dem üblichen Mist gequält, sondern bekommen den „üblichen Mist“ in Perfektion… mit Wesenheiten und unheimlichen Vorkommnissen, die mir wirklich Gänsehaut bescherten. Es wird auch nicht auf billige Jump Scares, sondern eben auf Atmosphäre gesetzt…. Und es funktioniert!!! Teilweise ist das Ganze auch wie ein Suchspiel (man muss sich nur die gefühlt tausend Seiten im Internetz anschauen, die sich damit beschäftigen, welche „Geister“ man alle übersehen hat).

„The Haunting of Hill House“ hat mich fertig gemacht – im positivsten Sinne. Eine tolle Serie, in der Horror sowohl im Übernatürlichen als auch im „Natürlichen“ (sprich: der Familie) exisitert. Dieses Haus lässt einen nicht mehr los… ich frage mich nur ernsthaft, wie die Macher das in Staffel 2 noch toppen wollen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (perfektes Drama, perfekter Gruselhorror – einfach nur perfekt)

12 Kommentare leave one →
  1. 23. August 2019 08:03

    Volle Zustimmung – fantastische Serie!

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2019 15:11

      Danke. Das freut mich. Einer meiner besten Freunde fand sie langweilig 😅

  2. 23. August 2019 14:29

    Yep stimme dir völlig zu – großartige Serie.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2019 15:12

      Danke. So viel Zustimmung freut mich. Ist ja gerade bei diesen Themen auch immer nicht leicht. Manche gruselt das halt gar nicht, aber gerade das Gesamtpaket ist einfach unglaublich gut.

  3. 23. August 2019 17:36

    Eeecht? Ich fand sie nicht halb so gut, um hier mal dagegen zu sein :))
    So ein dröger Spuk, hat mich gar nicht fesseln können und die Darsteller fand ich jetzt auch nicht so prickelnd.

    • donpozuelo permalink*
      23. August 2019 18:32

      🤣🤣🤣 Jetzt steht es zwei gegen zwei. Einer meiner Freunde konnte mit der Serie auch nichts anfangen.

      Mich hat das echt alles sehr gefesselt. 😅

  4. 24. August 2019 17:12

    Hm, ich kenne die Serie (noch) nicht. Aber es hört sich auf jeden Fall so, als würde ein Versuch sich in jedem Fall einmal lohnen. So richtig gegruselt habe ich mich auch schon ne ganze Weile nicht mehr. Wird mal wieder Zeit 😊

    • donpozuelo permalink*
      24. August 2019 20:53

      Ich hoffe dann mal, dass es bei dir so ähnlich wie bei mir mit dieser Serie wird. 😁

  5. 8. September 2019 09:32

    Folge 6 ist auch das Highlight (unter einigen Highlights). Ich bin da bei dir. Das war letztes Jahr definitiv eine der guten Serien, die Netflix so auf den Markt geworfen hat.

    • donpozuelo permalink*
      8. September 2019 09:47

      Danke. Sehe ich genau so. Die Folge war schon wirklich der Hammer. Ich habe ein Behind the Scenes zu der Folge gesehen und es ist schon bemerkenswert, was die da alles gemacht haben.

  6. 16. September 2019 12:59

    Hat mir auch extrem gut gefallen. Denn mir geht es da wie dir – ich schaue extrem gern Horror und Mystery, aber habe eher selten das Gefühl noch überrascht zu werden. Und auch bei mir ist es der Serie gelungen.
    Und das Suchspiel der Geister, die irgendwo im Hintergrund stille Statisten sind ist ein herrlicher Sport für Serienfans

    • donpozuelo permalink*
      16. September 2019 15:43

      Das freut mich sehr, dass es dir auch gefallen hat. Und ja… einige habe ich gefunden, aber viele nicht. Das fordert einen direkt zu erneuten Gucken heraus, um sie alle zu finden.

      Ich bin ja mal gespannt, ob sie das alles in Staffel 2 noch toppen können.

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