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Ein Traum… von Hollywood

21. August 2019

Quentin Tarantino meldet sich mit seinem angeblich vorletzten Film zurück (und ich muss ja gestehen, so hundertprozentig bin ich noch nicht überzeugt, dass er wirklich nur 10 Filme macht, aber warten wir das einfach mal ab). Ein sehr guter Freund von mir nennt Tarantino den letzten Rockstar Hollywoods… und wenn ich mir so anschaue, wie die Leute einen Kinosaal füllen, um einen Film zu sehen, der keinem Franchise oder sonst irgendwas angehört, dann könnte diese Bezeichnung des Rockstars schon ganz gut zutreffen. Wenn Tarantino Kino macht, dann zieht das die Leute an. Ob sie es am Ende mögen werden, ist eine andere Sache… und so schätze ich mal, dass auch „Once Upon A Time… In Hollywood“ die Meinungen spalten wird.

Willkommen in Hollywood, Ende der 60er Jahre: TV-Serien-Star Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) befürchtet, dass seine Karriere am Ende ist. Seine Serie „Bounty Law“ wurde abgesetzt und nun versucht Rick verzweifelt, anderweitig Fuß zu fassen. Treu an seiner Seite ist sein Stunt-Double und bester Freund Cliff Booth (Brad Pitt), der sich sogar mal mit Bruce Lee (Mike Moh) angelegt hat und angeblich sogar seine Frau ermordet haben soll – was ihm aber nie nachgewiesen wurde. Während Rick also fleißig versucht, seine Karriere am Leben zu erhalten, lernt Cliff ganz nebenbei ein paar Hippie-Damen kennen, die sich einem gewissen Charlie angeschlossen haben – und der wiederum scheint großes Interesse an Ricks Nachbarn zu haben: dem Regisseur Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate (Margot Robbie).

„Once Upon A Time… In Hollywood“ ist kein richtiger Film. Also es ist schon ein richtiger Film-Film, gerade auch in Bezug auf die Art und Weise, wie er gemacht wurde (bei Tarantino werden die Darsteller gefordert und gerade in diesem Film gibt es teilweise einfach mal minutenlang keinen einzigen Schnitt – was die Performance der Schauspieler um einiges erhöht und interessanter macht). Dennoch ist Tarantinos neunter Film von der Handlung betrachtet kein richtiger Film. Eine klare Handlung mit einem Anfang und einem erkennbaren Ziel ist nicht so wirklich vorhanden. Was aber auch kein Vorwurf ist. Was aber auch gleichzeitig deutlich machen soll, dass die ganze Charles-Manson-tötet-Sharon-Tate-Story nicht wirklich im Vordergrund steht – was dann wiederum auch erklärt, warum ein Margot Robbie in diesem Film kaum etwas sagt und einfach nur so durch diesen Film tänzelt. Das alles ist Hintergrund-Geplätscher… in einem Film, der mehr eine Momentaufnahme ist.

Stellt euch vielleicht Terrence Malick meets Tarantino vor – nur ohne das poetisch-sülzende Geplänkel von Bildern. „Once Upon A Time… In Hollywood“ ist schon ganz klar auch immer noch ein Tarantino, nur halt dieses Mal eher frei. Da wird mit Rückblenden gearbeitet, ab und zu kommt mal ein Erzähler vor, dann blicken wir hinter die Kulissen beim Dreh einer neuen Serie, dann gibt es den „normalen“ Alltag von Cliff und und und… der Film hat viel zu bieten und schwelgt dabei trotzdem und vor allem in Tarantinos Liebe zum Western. Dieses Mal nur eben wird dabei mehr auf den Western als TV-Genre eingegangen. Ich fand das großartig, dieser Film ist ein Potpourri aus vielen Ereignissen aus dem Leben dieser drei Charaktere – und ja, auch wenn Sharon Tate selbst nicht viel in diesem Film zu sagen hat, ist sie ein wichtiger Bestandteil.

Tarantino zeichnet ein greifbares, wenn auch überzogenes Bild einer Ära Hollywoods, in der sich Kino und TV zum großen Duell treffen, in dem Hippies gegen das System kämpfen und zig Dinge auf einmal passieren.

Gleichzeitig ist „Once Upon A Time… In Hollywood“ aber auch Tarantinos bisher witzigster Film. Ganz ehrlich, ich habe noch bei keinem anderen Tarantino-Film so viel gelacht. Das liegt vor allem an einem großartigen DiCaprio, der hier die aufwühlenden Emotionen eines Rick Dalton perfekt rüberbringt. Das ist aber auch einem lakonischen Brad Pitt, der hier wirklich die Coolness in Person spielt (und auch mit 55 noch sein Shirt ausziehen kann).

Dieser Film ist eine Komödie! Punkt! Und eine verdammt gute dazu… und wenn dann irgendwann zwischendurch die Tarantino-eske Gewalt ausbricht, ist selbst die zum Schreien komisch.

„Once Upon A Time… In Hollywood“ lebt vom Zeitkolorit, das a la Tarantino ein wenig verfärbt wird. Der Film lebt von der scheinbaren Handlungslosigkeit, von seinen großartigen Darstellern, die dieser Handlungslosigkeit Tiefe verleihen und eben von dem Witz, der diesem Film innewohnt. Ein toller Film… bin jetzt schon gespannt, mit was sich Tarantino dann verabschieden wird.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Pitt und DiCaprio sind ein großartiges Team… )

5 Kommentare leave one →
  1. 29. August 2019 10:57

    „und so schätze ich mal, dass auch „Once Upon A Time… In Hollywood“ die Meinungen spalten wird.“
    Oh ja, zumindest mich hat er gespalten ^^
    Ich werde die Tage dann jetzt endlich auch mal meine Meinung niederschreiben. Ich will jedem seinen Spaß an dem Film gönnen – ich hatte aber keinen. Erst recht nicht am Ende…

    • donpozuelo permalink*
      29. August 2019 20:17

      Echt? Ist das mal wieder einer dieser Ausnahmen, dass wir uns bei einem Film nicht treffen. Ich muss ja sagen, dass ich den Film jetzt schon dreimal gesehen habe und mit jedem Mal besser finde.

      Was hat dich denn am Ende so gestört?

      • 30. August 2019 10:00

        Es fühlte sich völlig unverdient, willkürlich und dadurch sehr geschmacklos an. Wenn du als Regisseur eine solche Genugtuung in filmischer Form erzielen willst, musst du vorher – zumindest für mich – die Antagonisten aufbauen, um dir das Gelächter beim Blutrausch zu verdienen. Das ist hier überhaupt nicht geschehen. Bei Django und Inglourious Basterds hingegen hat das wunderbar geklappt, weshalb ich doppelt enttäuscht war.

        • donpozuelo permalink*
          30. August 2019 17:21

          Unverdient und willkürlich fand ich es nicht. Immerhin wollten die gerade losgehen und eine schwangere Frau und ihre Freunde töten, bevor sie es sich anders überlegen und sich Rick Dalton vorknöpfen wollen.

          Klar, man hätte noch mehr auf die ganze Charles-Manson-Geschichte eingehen können. Aber da muss ich sagen, hat mir das bisschen, was Tarantino gezeigt hat, vollkommen ausgereicht. Sonst wäre es auch eine ganz andere Art von Film geworden.

          Ich kann dich aber trotzdem auch ein wenig verstehen. Gerade die enorme Brutalität kommt sehr aus dem Nichts. Aber ich finde, das ist halt wieder dieses Übertriebene von Tarantino.

        • 31. August 2019 21:23

          Meines Erachtens hätte er definitiv mehr auf Manson eingehen müssen. Diese Art der fiktionalen Genugtuung funktioniert für mich mich nur, wenn der Film den Bösewicht vorher aufbaut. In dieser Form bin ich zwangsläufig auf ausserfilmisches Wissen angewiesen – was ich im Kino aber meist ausblende und deshalb für mich keine gute Art des Erzählens ist. Aber da schwingt eben sehr viel Subjektivität mit…

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