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Becky allein zu Haus

11. Juni 2021

Macaulay Culkins Kevin ist nach wie vor der unangefochtene König, wenn es darum geht, sich als Kind gegen ein paar fiese Ganoven mit möglichst kreativen Mitteln zu wehren. Und schon bei Kevin muss man, wenn man mal etwas genauer drüber nachdenkt, schon sagen, dass der eigentlich ziemlich brutal vorgegangen ist. Heiße Türknäufe oder volle Dosen Farbe an den Kopf sind kein Kinderspiel. Es gibt ein witziges Video auf YouTube, in dem mal die Verletzungen von Harry und Marv aufgelistet worden sind. Wenn das Ganze nicht alles als schöne Slapstick-Komödie im Stile von „Tom und Jerry“ gedreht wäre, würde „Kevin allein zu Haus“ eine ziemlich fieser Splatter sein (Idee für ein Remake: die realistische Version von „Kevin allein zu Haus“). Wie fies sowas sein kann, wenn sich ein Kind gegen Schurken wehren muss, zeigt ein neuer Film namens „BECKY“…

Becky (Lulu Wilson) fährt mit ihrem Vater Jeff (Joel McHale) an das Wochenendhaus der Familie. Während seine Tochter immer noch schwer mit dem Verlust der Mutter (die vor einem Jahr gestorben ist) zu kämpfen hat, will Jeff Becky klar machen, dass er bald wieder zu heiraten gedenkt. Doch Becky will davon nichts wissen und rennt in den Wald… zu ihrem Glück. Denn in dem Augenblick tauchen vier ausgebrochene Häftlinge unter der Führung des fiesen Neonazis Dominick (Kevin James) auf und nehmen Beckys Familie als Geiseln. Warum… nun, Dominick sucht etwas in Jeffs Haus, was er dort auf einmal nicht mehr findet und von dem er schon bald glaubt, dass Becky es haben könnte. So entwickelt sich dann ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die kleine Becky sich als gute Strategin und fiese Killerin beweisen darf.

Den „Kevin allein zu Haus“-Vergleich habe ich schon gebracht. Daran musste ich bei „Becky“ wirklich schon sehr früh denken. Das Konzept ist ja auch letztendlich einfach da. Nur statt dem fröhlichen Familien-Spaß liefern uns die Regisseure Jonathan Milott und Cary Murnion eine nicht ganz so familientaugliche Gewalt-Orgie. Die aber nicht weniger viel Spaß macht als der Weihnachtsklassiker mit Culkin. Das liegt an drei Dingen: Lulu Wilson, Kevin James und einer ordentlichen Portion Gewalt.

Fangen wir mal mit Lulu Wilson an. Ich habe lange gebraucht, bis ich sie als Shirley Crain aus „The Haunting of Hill House“ einordnen konnte. Von bösen Geistern nun also zu bösen Nazis… Wilson ist auf jeden Fall echt verdammt klasse. Mit ihr wird einfach mal das Rotkäppchen zum Wolfkiller (eine Metapher, die uns der Film mit Hilfe einer roten Kappe auf Wilsons Kopf mehr als nur deutlich vor die Nase hält). Aber hey, es klappt. Wilson ist eine taffe Kämpferin, die mit realistischen Mitteln gegen diese großen Kerle vor geht. Ich hatte anfangs ein bisschen Angst, dass „Becky“ zu unrealistisch wirken würde, wenn eine Dreizehnjährige vier erwachsene Kerle (darunter der Zwei-Meter-Zehn-Koloss Robert Maillet) besiegt. Aber der Film umschifft dieses Problem recht clever. Wilson geht in ihrer Rolle als kleine Rächerin auf jeden Fall gut auf und es hat echt Spaß gemacht, ihr zuzusehen.

Wer mich total überrascht hat, war Kevin James. Ich meine, ich kenne ihn nur aus „King of Queens“… und als jemanden, der viel Comedy darüber macht, dass er dick ist. Aber James hat sich doch sehr wandlungsfähig gezeigt (dazu kann ich auch nur seinen YouTube-Kanal empfehlen, der echt verdammt witzig ist). Diese ungewohnte Rolle des grimmigen Schurken stand ihm erstaunlich gut und er war für mich zu keinem Zeitpunkt Doug Heffernan, sondern immer dieser eklige Nazi. Dabei schafft es James, eine tolle Balance zu halten – mal ist er schon fast fürsorglich, springt im nächsten Moment aber wieder um und ist der Teufel in Person. Kevin James sollte definitiv häufiger mal solche Rollen spielen. Comedians in düsteren Rollen scheint zu funktionieren (Paradebeispiel ist für mich da immer noch „One Hour Photo“ mit Robin Williams – gruselig).

Zum dritten hätten wir dann die Action, die Brutalität, die Beckys Kampf gegen die Nazis bestimmt. Und da ist der Film nicht gerade zimperlich und hat ordentlich was zu bieten… wenn man es denn blutig mag.

Es gibt nur ein Problem, das ich mit diesem Film habe… und das ist das eigentliche Ende. Mir war schon während des Guckens bewusst, dass man mir am Ende nicht sagen würde, warum dieses Objekt, das Dominick sucht, für ihn so wichtig ist. Allerdings wird es uns wie ein Leckerli die ganze Zeit vor die Nase gehalten und am Ende suggeriert man uns, dass eine interessante Geschichte dahintersteckt, die dann wohl erst in einem nächsten Film gezeigt werden kann. Wie schon zuletzt bei „Escape Room“ zwingt man mir hier einen zweiten Teil auf – zumal bei „Becky“ noch nicht einmal klar ist, ob es einen zweiten Teil wirklich geben wird. Aber das hat mich dann am Ende doch ein bisschen sehr gestört 😀

Wertung: 8 von 10 Punkten (unterhaltsamer Splatter-Spaß mit gemeinem McGuffin)

4 Kommentare leave one →
  1. 28. Juni 2021 20:37

    Klingt gut. 🙂 Beim Trailer schauen habe ich auch einige Male Augen gerieben und mich gefragt … warte!? Das ist doch Kevin James als Nazi – bitte was!?

    • donpozuelo permalink*
      29. Juni 2021 17:04

      Das wird dir dann beim Film genauso gehen… das ist schon ein kleiner Kulturschock. Vor allem, weil man ihn ja wirklich nur in lustigen Rollen kennt.

  2. 2. Juli 2021 09:00

    Wobei Kevin James schon etwas drüber weg.. bzg. besser gesagt die Maske. Ob man das Hakenkreuz auf dem Hinterkopf nun zigmal in Großeinstellung braucht um zu zeigen, dass er nicht der lustige Dicke ist bezweifle ich.

    Aber davon abgesehen ist es ein unterhaltsamer Film mit überraschend deftiger Gewalt.

    • donpozuelo permalink*
      3. Juli 2021 09:16

      Ja, das stimmt. Aber wahrscheinlich wussten sie ganz genau, dass alle James halt immer noch eher als King of Queens sehen und wollten sichergehen, dass es keine Verwechslungsgefahr gibt 😅

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