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Steam-Junkies

25. November 2019

Einer meiner besten Freunde und ich sind uns eigentlich immer relativ einig, wenn es um Filme oder Serien geht. Es passiert nur in den seltensten Fällen, dass unsere Meinungen mal wirklich komplett auseinander gehen. Natürlich können wir damit leben… und irgendwie ist das ja auch gerade witzig. Sonst sind wir immer einer Meinung und dann kommt mal so ein Moment, an dem wir uns stundenlang gegenseitig zerfetzen können – natürlich auf eine brüderliche und friedliche Art und Weise. Doch 2019 ist ein mysteriöses Jahr, denn es gibt seit heute nun gleich zwei Filme, die wir unterschiedlicher nicht hätten auffassen können. Das ging los mit „Terminator: Dark Fate“. Er fand den so richtig scheiße und ich fand ihn so richtig gut. Der zweite Film, der dieses Jahr unsere Freundschaft auf die Probe stellt (nicht wirklich, aber es klingt dramatischer) ist „Doctor Sleep“, die ominöse Fortsetzung zu „The Shining“.

Danny Torrance (Ewan McGregor) ist mittlerweile erwachsen, leidet aber immer noch unter den Ereignissen, die er einst im verfluchten Overlook Hotel miterleben musste. All seine Gespenster hat er deswegen mental in Kisten verstaut und schüttet sich zusätzlich brav mit Alkohol zu, um seine Kräfte zu unterdrücken. Irgendwann kommt es, dass das junge, ebenfalls Shining begabte Mädchen Abra (Kyliegh Curran) zu ihm Kontakt aufnimmt. Sie braucht dringend Dannys Hilfe, denn sie schwebt in Gefahr. Eine Gruppe scheinbar unsterblicher Wesen unter der Führung der charismatischen, aber gefährlichen Rose (Rebecca Ferguson) wollen Abra das Shining aussaugen, um so ihr Leben zu verlängern. Danny muss sich dafür aber auch einmal mehr seinen Dämonen aus der Vergangenheit stellen.

Ich schätze Mike Flanagan sehr. Spätestens seit „The Haunting of Hill House“. Und bis zu einem bestimmten Punkt in meinem Leben habe ich auch Stephen King sehr geschätzt. Diese Wertschätzung nahm aber immer mehr ab, weil ich seine neuesten Romane einfach nicht mehr lesen konnte. Viel zu gestreckt, viel zu offensichtlich, viel zu langweilig an vielen Stellen. Deswegen habe ich seine Fortsetzung zu seinem Roman „The Shining“ nie gelesen. Auf der basiert ja nun aber dieser „tolle“ Film hier… und „toll“ ist dabei leider wirklich ironisch gemeint.

Während mein bester Freund den wirklich grandios fand, war das für mich eine der anstrengendsten Film-Erfahrungen in diesem Jahr. Dieser Film hat mich fertig gemacht. Zweieinhalb Stunden lang versucht Flanigan mir einen Film zu präsentieren, der mehr Fantasy als Horror ist, der unter seinem schlechten Drehbuch leidet, in dem es die schlimmsten Dialoge und die geringste Charakterentwicklung gibt.

Diese komische Truppe um Rose allein, die das Steam (ihr Name für das Shining) aufsaugen, ging mir schon auf den Keks. Die hatten keine Struktur, keine Kontur, nichts. Die waren einfach nur irgendwie böse, weil sie schon seit zig tausend Jahren auf der Erde wandeln. Eine Rebecca Ferguson hat zwar Charisma und spielt die Rose auch echt gut, aber eine wirklich gute Schurkin wurde sie nicht. Sie ist einfach nur ein Junkie, verklärt durch Jahre des Steam-Missbrauchs. Und das Ding ist – theoretisch müsste man sie ja fast bemitleiden, aber sie wird so arrogant und selbstsicher dargestellt, dass das nicht möglich ist.

Ihr Sucht-Pendant in diesem Film ist der verzweifelte Danny, der dem Alkohol verfällt… eine Tatsache, die aber auch ziemlich schnell gar nicht mehr so wichtig wird für den Film. Mein größtes Problem hier war, dass ein sonst großartiger Ewan McGregor nichts zu tun bekommt. Er darf bedröppelt in die Kamera schauen und sich anstrengen, angestrengt und geschafft auszusehen. Mehr aber auch nicht.

Für mich hatte „Doctor Sleep“ einfach keine Atmosphäre. Es kam nie wirklich Spannung auf, weil zu keinem Zeitpunkt mal etwas wirklich aufregendes passierte. Der Fantasy-Junkie-Kram ist öde, das merkwürdige Shoot-Out-Vorfinale ist brutal, aber unpassend inszeniert (fragt man sich da doch, warum Danny und sein bester Kumpel auf einmal Rambo-artig diese scheinbar übermächtigen Gegner totballern, die es sonst Jahrtausende geschafft haben, zu überleben)…

… aber dann kommt der Teil, wo sich der Film darin erinnert, dass er ja noch eine Fortsetzung zu „The Shining“ sein möchte. In einer recht dummen Überleitung geht es dann zum Hotel (im Buch wurde das ja zerstört, weswegen man sich hier natürlich an der von King verhassten Kubrick-Verfilmung orientiert). Hier kommt schon ein wenig Nostalgie auf… die Musik, die Kamera-Fahrten durch die Flure, das Set-Design – alles toll. Da hat jemand wirklich seine Hausaufgaben gemacht… nur nach zwei Stunden Fantasy-Gedöhns retten das für mich auch nichts mehr. Das Finale verkommt zu einem merkwürdig billigen Duell und ein klein wenig Fan-Service, aber das war’s.

„Doctor Sleep“ ist viel zu lang für zu wenig packende Story. Dieser sonderbare Fantasy-Mix passt einfach nicht wirklich, das Drehbuch tut sich echt schwer und damit dann auch der Rest des Films. Keine würdige Fortsetzung… was aber mit Sicherheit eher an der Vorlage liegt, an die sich Flanagan hier halten muss.

Wertung: 3 von 10 Punkten (Lieblingszitat aus dem Film: „Ein Mann nimmt einen Drink. Ein Drink nimmt einen Drink. Ein Drink nimmt einen Mann.“ Mit diesen tiefgründigen Worten ist doch alles gesagt…)

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