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Random Sunday #20: The Haunting of Hill House

27. Oktober 2019

Mensch, die zwanzigste Ausgabe zufälliger Sonntage, an denen ich mich mal mit was anderem beschäftige. Weil auch schon Halloween vor der Tür steht, passt es ja, dass ich was zu Shirley Jacksons Roman „The Haunting of Hill House“ sage. Nachdem ich ja vor kurzem die Netflix-Serie gesehen habe, die auf dem Roman basiert, musste ich mir einfach das Buch holen. Die Serie ist der Hammer und ich lege sie nach wie vor jedem ans Herz, der nicht danach fragt (so bin ich halt 😀 ). Doch wie schlägt sich das Buch im Vergleich zur Serie??? Da wird es etwas interessanter…

Dr. Montague möchte das mysteriöse Hill House auf übernatürliche Phänomene untersuchen. Dafür lädt er mehrere Gäste ins Haus ein, die ihm dabei helfen sollen und die selber schon mal auf eine gewisse Art und Weise Erfahrungen mit paranormalen Dingen hatten. Auf seine Einladung antworten ihm am Ende drei Menschen, die ihn dann in Hill House besuchen. Da wäre die einsame und schüchterne Eleanor, die mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat… und die junge Theodora sowie Luke, der einst Hill House erben wird. Diese Vier treffen sich… und warten darauf, dass etwas passiert.

Darauf habe ich dann auch gewartet. Nach knapp 140 Seiten passierte dann auch das erste Mal etwas. Vorher gingen mal ein paar Türen zu, die vorher offen waren und es gab eine kalte Stelle, die sich niemand erklären konnte. Später kommt dann Klopfen, Rütteln, Gelächter und unheimliche und in Blut geschriebene Botschaften dazu. Das hat aber längst nicht den Gruselfaktor, den ich mir erhofft hatte. Hier muss ich dann tatsächlich sagen, dass ich von der Serie zu hohe Erwartungen an das Buch hatte, die eine Shirley Jackson nie so ganz erfüllen konnte.

Anfangs dachte ich dann noch wirklich, dieses Buch sei langweilig. Aber das ist es nicht. Es ist schon ein gutes Buch. Ich weiß nicht, ob ich es als die beste Haunted-House-Geschichte bezeichnen würde, wie es angeblich Stephen King getan hat… aber „The Haunting of Hill House“ hat was, wenn man erst einmal von dem Denken an die Serie wegkommt. Mit der teilt das Buch nicht sonderlich viel. Nur die Namen der Besucher sind geblieben. Hier gibt es kein Familien-Drama, hier gibt es keine rote, geheimnisvolle Tür oder offensichtliche Geister. Shirley Jackson ist da etwas subtiler… und teilweise auch humorvoller.

Gerade ihre Charaktere haben zu Beginn einen gewissen Witz, der ganz charmant ist. Vor allem, weil sie ähnlich skeptisch an diese Haunted-House-Sache herangehen, wie man es vielleicht selbst machen würde. Doch mit der Zeit (wie gesagt, so nach knapp 140 Seiten) zieht Jackson dann langsam und unmerklich die Spannungsschraube an. Interessant ist, dass sie das wirklich fast im Versteckten macht. Ihr Horror ist nicht gerade offensichtlich, sondern spiegelt sich mehr in kleinen Wesensveränderungen wieder… vor allem bei Eleanor (was dann wieder ein wenig zur Eleanor aus der Serie passt, die auch eine stärkere Verbindung zu Hill House hatte als alle anderen).

Eleanor wird das Opfer des Hauses… und dabei kann man nicht einmal sagen, ob sie nun wirklich Opfer des Hauses oder doch Opfer ihrer eigenen Gedanken wird. Sie, im Gegensatz zu allen anderen, trägt sehr viel mehr seelische Last mit sich herum. Sie fühlt sich heimatlos – und bekommt mit Hill House einen Bezugspunkt. Sie fühlt sich allein – und hat nun, in Hill House, zum ersten Mal Menschen um sich, die sich nicht untergraben. Sie ist im anfälligsten… und es gelingt Shirley Jackson unglaublich gut, dass unterschwellig aufzubauen. Wenn man es als Leser merkt, ist es eigentlich auch schon zu spät. Und dann fängt man auch noch an, alles zu hinterfragen, was man in diesem Buch „erlebt“ hat. Eleanors Tanz durch Hill House ist eine packende Szenerie… bei der man sich dann aber fragt, gab es je etwas Paranormales in diesem Haus oder war einfach alles irgendwie nur Eleanor selbst.

In diesem Sinne ist das Buch doch wieder extrem spannend und packend… und ganz anders als die Serie. Was ich aber gut finde. Mike Flanagan hat das Haus als Grundlage genommen und darauf seine eigene Geschichte erzählt. Für eine komplette Serie hätte das Buch aber auch nicht genug Stoff geliefert.

Also… ich tendiere ein klein wenig mehr zur Serie, das muss ich gestehen. Aber das Buch hat auch seinen Reiz.

2 Kommentare leave one →
  1. 10. November 2019 20:38

    Ging mir ähnlich – ich fand den Anfang, den Humor und die Skepsis (mit der ich bei einem Buch der 50er Jahre gar nicht gerechnet habe!) als sehr positiv war. Es las sich weg wie nix, aber wo war der Grusel? Tatsächlich fand ich die wenigen Szenen aber doch recht wirkungsvoll. Und bei der von dir erwähnten Tanzszene Eleanors habe ich etwas Gänsehaut bekommen. Vllt aber auch wegen der Verbindung zur Serie.
    So oder so ist das Buch schon deutlich mehr ein Psychogramm einer geschundenen Seele und damit von einem anderen Schlag, aber auch gut.

    Kennst du die beiden Verfilmung? Also die, die auch ein Film wurden und keine Serie? Habe die neulich mal geschaut zum Vergleich und schraube gerade an einem Artikel darüber. Die aus den 90ern mit Catherine Zeta-Jones ist schon arg weit weg … von allem. Buch und Serie.

    • donpozuelo permalink*
      11. November 2019 06:55

      Den 90er Jahre Film habe ich tatsächlich vor Ewigkeiten mal gesehen. Und ja, der fühlt sich überhaupt nicht an wie ein Gruselfilm nach diesem Buch, sondern mehr wie der Versuch, familiengerechten Horror zu machen (wenn es so etwas je geben kann).

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