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Meine Frau, mein Klon und ich

30. März 2020

Ich fange selten sofort mit neuen Serien an, die mir Netflix so vorschlägt. Man nehme nur „Haunting of Hill House“ als Beispiel. Das hat bei mir ein Jahr gebraucht, bis ich das endlich mal geguckt habe. Aber hey, besser spät als nie (gerade in Bezug auf diese Serie… unbedingt gucken, wenn ihr euch mal wieder richtig gruseln wollt – das aber nur am Rande). Jetzt bin ich jedoch mal wieder sehr schnell auf einen Serienzug aufgesprungen… wegen Paul Rudd (schnell ist jetzt relativ, die Serie habe ich recht schnell gesehen… die Kritik hat dann etwas gedauert, bis sie veröffentlicht wurde 😀 ). Ich mag ihn einfach, ich mag seine Rollen, ich mag ihn als Typen (ich hatte auch schon das Vergnügen, ihn zwei Mal interviewen zu dürfen und ja, er ist auch da ziemlich cool drauf). In „Living With Yourself“ spielt er sogar gleich doppelt mit… wenn das nicht DER Selling Point für jeden Rudd-Fan schlechthin ist, dann weiß ich auch nicht.

Miles (Rudd) ist unzufrieden mit seinem Leben. Irgendwie hat er die Lust an allem verloren. Darunter leidet sein Job und seine Ehe mit Kate (Aisling Bea). Irgendwann empfiehlt ihm ein Kollege ein Spa… deren Behandlung habe ihm sehr geholfen. Also bucht Miles da etwas… und wacht nach der Behandlung beerdigt in einem Waldstück wieder auf. Nachdem er sich mühsam nach Hause gequält hat, wartet da die nächste Überraschung: Er, Miles, ist schon längst da. Nur ist dieser Miles nicht der richtige Miles, sondern viel lebensfroher und glücklicher. Ein Trip der zwei Milese zu dem Spa enthüllt dann alles: Die töten den Kunden und klonen ihn einfach neu – komplett mit allen Erinnerungen. Bei Miles hat das mit dem Töten nur leider nicht so ganz funktioniert. Miles Original und Miles Klon müssen nun schauen, was sie machen…

Die Idee von „Living With Yourself“ klingt herrlich verrückt und schön schräg. Mein Problem mit der Serie ist nur, dass daraus nicht wirklich viel gemacht wird. Diese Geschichte hätte in alle möglichen Richtungen gehen können: pure Komödie, in der zwei Miles in die unterschiedlichsten verrückten Situationen geraten. Nachdenkliche Studie darüber, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Das hätte die Richtung „Ex Machina“ einschlagen können. Ist ein Mensch automatisch ein Mensch, nur weil er Erinnerungen an etwas hat? Was zeichnet uns als Person aus? Welchen Status hätte ein Klon in diesem Zusammenhang. „Living With Yourself“-Autor und Creator Timothy Greenberg entscheidet sich leider für einen eher unspektakulären Mittelweg, der beide Möglichkeiten so ein bisschen ankratzt, ohne sich jedoch wirklich an einer Stelle mal was zu trauen.

Richtig komisch ist „Living With Yourself“ nie… und das ist besonders schade, weil ein Paul Rudd so überhaupt nicht zur Geltung kommt.. Er spielt alles gut, ohne Frage. Ich finde es auch beeindruckend, wie gut die Serie und vor allem Rudd die Unterschiede der einzelnen Miles-Rollen ausarbeitet. Doch sein komisches Talent kommt nie zur Geltung. Die Serie fordert ihn eigentlich nie wirklich heraus und lässt auch keine sonderlich beeindruckende Veränderung der Charaktere zu.

Richtig zum Nachdenken ist die Serie dann leider auch nie. Dafür stürzt sich das Ganze dann zu sehr einfach auf das Liebesdreieck, das entstanden ist. Denn sowohl Klon-Miles als auch Original-Miles finden plötzlich zu Kate zurück. Es gibt einen kurzen Moment, wo Klon-Miles sich eine Klon-Kate machen will… aber auch das wird schnell wieder unter den Tisch gekehrt. Dabei wäre das wenigstens mal eine interessante Entwicklung in einer Story gewesen, die kaum Höhen vorweisen kann.

Das Ganze ist wie eine moderne Form von Frankenstein konzipiert… nur leider ohne eine wirkliche Entwicklung. Frankensteins Monster sucht seinen Platz in dieser Welt, wird gejagt und verfolgt. Klon-Miles sucht zwar auch seinen Platz, aber diese Sinnsuche beschränkt sich nur darauf, Original-Miles dazwischen zu funken. Hier wäre dann wenigstens Platz für Comedy gewesen, die Greenberg aber auch nicht zuletzt. Sonst wäre „Living With Yourself“ eher zur Sitcom geworden.

Die Serie ist okay… aber leider vollkommen unspektakulär und nutzt ihr Potenzial einfach überhaupt nicht aus. Am Ende dieser acht Folgen gibt es sogar eine Art Cliffhanger… doch ich hoffe ganz ehrlich, dass sie dieses Projekt wieder einstellen. Es gibt einfach so viel bessere Serien als das.

Wertung: 4 von 10 Punkten (auch ein doppelter Paul Rudd hilft hier nicht)

2 Kommentare leave one →
  1. steffelowski permalink
    30. März 2020 07:21

    Hab ich auch mal angefangen, war mir ein wenig zu konzeptlos. Leider. Eine vertane Chance.

    • donpozuelo permalink*
      30. März 2020 15:52

      Absolut richtig. Sie wissen ja schon nicht, welche Tonalität sie anschlagen sollen. Sie sind zu ernst, nutzen Paul Rudd als Komiker so überhaupt nicht. Alles nicht so der Bringer. Dabei ist die Idee an sich ganz spannend.

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