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Monster-Mall zerstört alles

8. Juli 2019

So eine „Mall“ ist schon ein wahres Phänomen. Das ist eine Kleinstadt, die man mal eben in einen riesigen Klotz gestopft hat, damit die Leute drinnen nicht merken, was draußen passiert. Da darf dann geshoppt werden, da wird gegessen, da wird Spaß gehabt. Ich muss gestehen, ich bin nicht der größte Mall-Fan. Den alten Mann überfordert diese Reizüberflutung, das Klimm-Bimm aus jedem Laden, die tausend Gerüche, alles ist schrill und bunt und schreit dich bei jedem Schritt an. Eigentlich müsste ich mit einem epileptischen Anfall auf dem Boden liegen und jappsen… aber gut, dafür gibt’s ja Amazon. Die Malls machen die kleinen Läden kaputt und Amazon macht alle kaputt. Um eine Mall und die Zerstörung der Kleinstadt-Idylle geht es auch in der dritten Runde von „Stranger Things“.

Der Sommer 1985 ist auch in Hawkins heiß. Überall fliegen die Funken… und besonders schwer erwischt hat es natürlich Eleven (Millie Bobby Brown) und Mike (Finn Wolfhard), sehr zum Ärgernis von Sheriff Hopper (David Harbour), dem das alles so gar nicht passt. Natürlich ist die ganze Gang auch dabei, einfach den Sommer zu genießen… und die Vorzüge der neu eröffneten Starcourt Mall. Doch der Friede währt nur für kurze Zeit. Dustin (Gaten Matarazzo) fängt eine russische Geheimbotschaft ab. Neuzugang Max (Sadie Sink) muss feststellen, dass ihr Bruder Billy (Dacre Montgomery) sich irgendwie verändert hat… und schon bald schlägt das auch auf die ganze Stadt über. So ganz ist die Gefahr des Upside Down doch noch nicht gebannt.

Es ist schon verrückt, was aus diesem einstigen Geheimtipp „Stranger Things“ doch über die Zeit geworden ist. Kurz vorm Start von Staffel 3 konnte man sich nirgends mehr vor den Darstellern der Serie retten. Die waren wirklich überall und promoteten brav ihre Serie. Und… wenn ich mal ehrlich sein darf, so langsam haben sie es irgendwie auch nötig. Denn, wenn ich noch ehrlicher sein darf, so der Bringer ist Staffel 3 nicht mehr. Das klingt jetzt etwas zu hart, denn die Staffel ist immer noch unterhaltsam… aber das Feeling, dieses Besondere ist irgendwie weg. Jetzt, in Staffel 3, ist alles größer, knalliger und wilder.

Zum Teil ist das nicht schlecht, zum Teil gehen dabei aber auch sehr viele Dinge unter. Was gut funktioniert, ist nach wie vor das 80er Jahre Feeling. Ich glaube, keine Staffel hat das bisher so gut eingefangen wie die dritte. Immerhin steckt die Mall voller 80ies Kram, der Soundtrack ist prall gefüllt mit guten alten Songs. Das passt alles.

Dadurch, dass alles größer wird, wird auch die Gruppendynamik ein bisschen durcheinander gewürfelt. Highlight für mich war alles rund um Dustin, Steve (Joe Keery) und Robin (Maya Hawke). Das war witzig, das hatte Pfiff, war absolut unterhaltsam und spannend. Dieses Trio spielt wirklich großartig auf. Dagegen wirkt das Mini-Coming-Of-Age-Drama mit Eleven etwas schlapp… und da sehe ich eines der größeren Probleme mit „Stranger Things 3“. So wirklich entwickeln sich die Charaktere einfach nicht weiter. Es geht ein bisschen mehr um die Liebe, aber das war’s auch schon. Mehr trauen uns die Duffer-Brüder nicht zu, weswegen sie lieber weiter an der Oberfläche ihrer Charaktere kratzen. Was ich wirklich schade fand… immerhin wurde doch in Staffel 2 mal ein bisschen was aus Elevens Vergangenheit angedeutet, jetzt aber wird das vollkommen fallen gelassen.

Dennoch… und das möchte ich unterstreichen… hatte ich auch Spaß mit „Stranger Things“ Staffel 3. Es ist nur halt alles ein bisschen „plakativer“, alles viel Bumm, aber die Frage nach dem, was dahinter ist, wird nicht einmal angerissen (die ganze Russenthematik in dieser Staffel wird nie näher beleuchtet). Stattdessen gibt es viel Monster-Action, was Laune macht. Wie immer verstehen es die Duffer-Brüder gekonnt, ihre vielen kleinen Film- und Serien-Anspielungen zu machen. Ob nun „Magnum P.I.“, „Terminator“ oder Monster-mäßig Unheimliches (was ich hier aus Gründen der Spoilergefahr nicht näher beleuchten will)… es ist alles mit dabei. Wenn man jetzt mal ganz dreist wäre, müsste man wohl sagen, dass „Stranger Things“ nun endgültig im Mainstream angekommen ist. Vorbei sind die kleinen Indie-Zeiten, jetzt knallt es ordentlich. Das macht optisch viel Laune und unterhält kurzfristig… leider geraten die wirklich interessanten Dinge zu sehr in den Hintergrund. Wir wissen nach wie vor nichts über Eleven, das Upside Down, die Experimente, die Ungeheuer, die Russen… hoffen wir mal, das Staffel 4 das mal ein bisschen näher beleuchten wird.

Wertung: 7 von 10 Punkten (unterhaltsamer und kurzweiliger Spaß, dem ein bisschen der Tiefgang fehlt)

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