Zum Inhalt springen

Das Ritual von Chüd

18. September 2019

Stephen Kings „Es“ hat ein großes Problem: Der Roman ist wirklich gut, die Geschichte ist stark ausgebaut – nur das Finale ist Schrott. Eine Tatsache, der sich der neue Film „Es: Kapitel 2“ durchaus bewusst ist. Warum sonst wird alle naselang erwähnt, dass der gealterte und zum Autor gewordene Bill keine Enden schreiben kann? Aber ich muss gestehen, ich hatte nicht nur wegen dem Finale etwas Bedenken vor dieser Fortsetzung. „Es: Kapitel 1“ hatte einfach alle Voraussetzungen, um ein Erfolg zu werden. Nicht nur schwamm der Film auf der 80er-Jahre-Welle und nahm mit seinem jungen Cast auch gleich noch die „Stranger Things“-Fans mit, er hatte auch den Vorteil, das Beste aus Kings Roman zu übernehmen. Die Geschichte der Kinder dominiert den Roman und ist wirklich gut. Die Geschichte der Erwachsenen ist mehr so lala… wird nur verwendet, um die langen Rückblenden einzuleiten. Beim Lesen habe ich diese Passagen nie gemocht… wie würde das also beim Film sein? Leider muss ich sagen: Ganz ähnlich wie beim Buch.

27 Jahre sind vergangen, seit der Club der Loser den Clown Pennywise (Bill Skarsgard) das erste Mal in seine Schranken gewiesen hat. Doch Pennywise ist nicht tot und fängt das Morden wieder an. Der Club der Loser muss wieder vereint werden. Diese Aufgabe übernimmt Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als einziger der Gruppe die ganze Zeit über in Derry geblieben ist. Er hat die Vergangenheit von Pennywise erforscht und herausgefunden, dass man ihn mit dem Ritual von Chüd besiegen könnte. Doch Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain), Richie (Bill Hader), Ben (Jay Ryan), Eddie (James Ransone) und Stan (Andy Bean) haben vieles vergessen und so müssen sie sich in Derry erst einmal auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, bevor sie bereit sind, gegen den fiesen Killer-Clown kämpfen zu können.

Ich frage mich wirklich, was an „Es: Kapitel 2“ schiefgelaufen ist. Okay, der erste Teil war jetzt auch kein krasser Horror-Film, aber er hatte Atmosphäre. Er war angenehm unheimlich, hatte gute Pennywise-Momente und unheimliche Wesen, die zumindest hier und da für einen wohligen Grusel-Schauer auf der Haut gesorgt haben. „Es: Kapitel 2“ hat das Problem, dass davon einfach nichts da ist. Dieser Film hat ein Problem mit seiner Tonalität… und das sehr extrem.

Miss Booleanas Kritik zum Film hatte mich ja schon vorgewarnt, aber so ganz wahrhaben wollte ich es nicht. Doch es stimmt: „Durch den Comic Relief und die teilweise zu trashig geratenen Monster, die Pennywise aus dem Hut zaubert, entsteht nicht wirklich der Gänsehaut-Sog […]“ Der Film versucht an Stellen lustig zu sein, wo er es nicht sein sollte. Was sehr stark an den Monstern liegt. Die alte Frau, der Beverly begegnet, ist als „Mensch“ super creepy, verwandelt sich dann aber in ein sehr absurd-dämliches Wesen, vor dem man irgendwie einfach keine Angst haben kann. Es gibt sogar einen süßen Hund, der sich dann sehr offensichtlich in eine ebenfalls eher dämliches Monster verwandelt.

Regisseur Andy Muschietti schafft es einfach nicht, wirklich Atmosphäre aufkommen zu lassen. Die Monster sind langweilig und die Jump Scares auf Meilen im Voraus zu erkennen. Horror gibt es in „Es: Kapitel 2“ nicht. Nur selten dämliche Sprüche und Momente… von denen leider zu viele dem sonst eigentlich wirklich tollen Bill Hader gehören. Hader spielt den Comedian Richie – das Problem ist nur, seine Comedy ist scheiße. Der ganze Charakter nervt einen nach knapp fünf Minuten zu Tode. Und trotzdem wird er einem immer und immer wieder aufgezwungen.

Dabei muss ich sagen, fand ich die erste Hälfte von „Es: Kapitel 2“ noch durchaus gut gemacht – gerade weil die erwachsenen Charaktere auf der Suche nach ihren Erinnerungen durch Derry immer wieder auf ihre jungen Gegenstücke treffen und sich so eigentlich eine schöne Dynamik entwickelte. Doch irgendwann kommt Muschietti an den Punkt, der schon King das Genick gebrochen hat: Das Ende…

Hier wird es dann fast schon grausig – nur leider nicht im positiven Sinne. Das ganze Finale ist gespickt mit furchtbaren Dialogen und einem Pennywise, der zur absoluten Witznummer wird. Dieses Ritual von Chüd klang schon bei King selbst ziemlich an den Haaren herbeigezogen, wenn man es jetzt so vor Augen sieht, ist es fast schon peinlich, dass so viele starke Schauspieler so einen Müll verbraten müssen. Übrigens auch ein Punkt, der irgendwie schmerzt: Die erwachsenen Darsteller werden nie richtig gefordert und bleiben weit hinter dem zurück, was man aus ihnen hätte machen können.

„Es: Kapitel 2“ hat mich nach einer Stunde angefangen, sehr zu langweilen. Ich möchte gerne der Vorlage von King die alleinige Schuld dafür in die Schuhe schieben, aber das wäre zu einfach. Aber auch nicht zu verkehrt… denn es ist, wie es im Film immer und immer wieder gesagt wird: Enden kann King / Bill einfach nicht – und daran leidet der ganze Film. Zum Glück funktioniert Teil 1 wunderbar als Einzelfilm, von daher kann ich Teil 2 getrost in die Ecke kicken und den ersten Film immer noch genießen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (die Szenen mit den Kindern sind super, die mit den Erwachsenen eher weniger)

13 Kommentare leave one →
  1. 18. September 2019 09:25

    Ich habe zufällig ein Interview mit Muschietti gesehen, in dem er sagte, dass sich Horror und Comedy perfekt ergänzen, weil der Zuschauer dann nicht weiß, ob als nächtes ein Gag kommt oder ein Kopf rollt. Und da wusste ich, dass der Film nix sein wird. Dieses Prinzip kann man sicher wunderbar in einer Horrorkomödie anwenden, hat aber in einem ernsthaften Horrorfilm nix zu suchen. Da zudem die zweite Hälfte – wie du bereits erwähnt hast – ohnehin immer schwächer war, kann ich mir die ganze Nummer wohl klemmen. Vielleicht hole ich irgendwann mal Teil 1 nach.

    Und es bleibt scheinbar dabei: Auf eine gute King-Verfilmung folgen mindestens 3 schlechte.

    • donpozuelo permalink*
      18. September 2019 16:04

      Oh Gott… ernsthaft? Was für eine bescheuerte Aussage! Überhaupt von Comedy zu sprechen, macht bei diesen Filmen doch nun wirklich gar keinen Sinn. Das sollen ja keine Komödien sein. Da versteckt sich jemand hinter dünnen Sprüchen, um so zu tun, als wäre das alles gewollt.

      Den ersten Teil kannst du dir aber wirklich mal anschauen. Den mochte ich noch. Teil 2 ist leider nicht doll.

      Und ja, die Regel scheint weiterhin Bestand zu haben 😀

      • 18. September 2019 17:56

        Den genauen Wortlaut weiß ich zwar nicht mehr, aber die Kernaussage war jedenfalls so. War wie gesagt für mich auch der Tod des Films.

        • donpozuelo permalink*
          18. September 2019 18:19

          Absolut. Das kann ich nachvollziehen.

  2. 18. September 2019 20:57

    5/10 sehe ich noch als recht wohlwollende Bewertung an. Nachdem mich schon Teil eins nur sehr eingeschränkt überzeugen konnte, setzte die Fortsetzung sogar noch eine drauf. Keine Stimmung, null Horror, zu lang. Die einzige ansatzweise atmosphärische Szene ist der Teil mit dem Besuch bei der alten Dame, die bei mir (die Dame und die Szene 😊) kurzzeitig Gänsehaut erzeugte. Und auch hier wird es am Ende doch wieder ein bisschen zu albern.
    Ganz schlimm fand ich den Charakter des Ritchie, der mit seinen “lustigen” Sprüchen jeden Anflug von Spannung zerstört. Nee, das war nix….Schade.

    • donpozuelo permalink*
      18. September 2019 22:22

      Ja. Richie hat selten gut funktioniert. Wie gesagt, den Anfang mochte ich noch… dieser Mix aus den Erwachsenen und ihren Erinnerungen an ihre Kindheit. Aber irgendwann wurde das alles zu viel. Da kam wirklich keine Stimmung auf. Wirklich schade…

  3. 19. September 2019 21:00

    Also ging es dir genauso ^^‘, oha. Wie befürchtet. Der Film kommt bei dir sogar noch ein bisschen schlechter weg. Aber ja, es ist schon ein bisschen seltsam Namen wie Jessica Chastain und James McAvoy da irgendwo planlos rumlaufen zu sehen und irgendwas vom „Ritual von Chüd“ (Ich hatte keine Ahnung, dass es so geschrieben wird!) faseln zu hören. Das kam mir auch eher schräg vor. Dass auch niemand das Zeug hinterfragt, was Hanlon da aus dem Ärmel geschüttelt hat. Vielleicht hatte Stephen King ja wirklich so eine Phase, wo er alles mit Indianern und Aliens erklärt hat? 🙂
    Hoffen wir, dass uns Halloween gruseligere Filme bringt.
    Vielen Dank für die Eräwhnung/Verlinkung.

    • donpozuelo permalink*
      20. September 2019 12:31

      Gerne doch 😀

      Und ja, ich bin schon auf „Midsommar“ gespannt, den neuen Film von Ari „Hereditary“ Aster.

      King und das Ende von „Es“… das ist auch echt nur Mist. Er fängt so gut an und findet dann einfach kein Ende. Das ist echt schade, weil es dann doch viel vom Buch kaputt macht… und nun leider auch den Film.

  4. 2. Oktober 2019 20:44

    Ich habe es bis heute nicht ins Kino geschafft, aber ich hasse auch das Buch, bzw sein Ende. Muss ich dennoch nachholen, nachdem ich den ersten Teil gesehen habe.

    • donpozuelo permalink*
      2. Oktober 2019 21:31

      Das Ende vom Buch ist doof. Aber so der ganze Flair war ganz cool. Der Film selbst ist nicht so toll… und das Finale ist wirklich furchtbar.

Trackbacks

  1. Club der Loser | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: