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Random Sunday #24: The Goldfinch

26. Januar 2020

Um „The Goldfinch“ renne ich schon seit Jahren herum. Immer, wenn ich das Buch im Laden gesehen habe, habe ich es genommen, mir den kleinen Distelfink auf dem Cover angeschaut, mir den Buchrücken durchgelesen und es dann doch wieder beiseite gepackt. Irgendwo konnte ich diese Story von dem kurzen Text allein nicht so ganz greifen und war mir deswegen immer unsicher, ob das wirklich das Buch für mich sein würde. Dann entschied Hollywood, dass das Buch von Autorin Donna Tartt definitiv was fürs Kino sei und verfilmte das Ganze mit „Stranger Things“-Wonderboy Finn Wolf, „Baby Driver“ Ansel Elgort und Nicole Kidman. Der Film reizte mich aber nicht, weil ich das Buch nicht gelesen hatte und der Trailer jetzt auch nicht so berauschend aussah… ich weiß nicht, wieso, aber die Zeichen standen für den Distelfink und mich von Anfang an eher schlecht. Doch irgendwann wollte ich es dann doch wissen… und kaufte mir das Buch. Um die Spannung schon mal vorwegzunehmen: Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen.

Theodore Decker verliert seine Mutter bei einem Bombenattentat in einem New Yorker Kunstmuseum. Er selbst überlebt den Anschlag und bei seiner schweren Flucht aus den Trümmern schnappt er sich ganz nebenbei ein kleines Gemälde: Der Distelfink von Maler Carel Fabritius. An dieses Gemälde klammert er sich sein Leben lang… es ist der Ankerpunkt, der ihn immer wieder zu seiner toten Mutter zurückbringt, während das Leben um ihn herum wilde Haken schlägt. Erst landet er bei seinem Freund Andy und der reichen Familie der Barbours, dann taucht sein lang verschollener Vater wieder auf und zieht mit ihm nach Vegas. Hier lernt er seinen besten Freund Boris kennen, der ihn in die wilde Welt von Alkohol und Drogen einführt. Später kehrt er dann wieder nach New York zurück, wo er bei dem Partner des Mannes arbeitet, den er in den Trümmern des Anschlages kennengelernt hatte.

Das war mein erstes Donna-Tartt-Buch und ich weiß nicht, aber es könnte sein, dass es für lange Zeit auch erst einmal das letzte sein wird (es sei denn, jemand hat eine Empfehlung für mich, die besser ist als „The Goldfinch“). Während des Lesens musste ich immer wieder etwas ungläubig auf den „Pulitzer-Winner“-Stempel auf dem Cover gucken. Ich dachte immer, das wäre ein Preis für besondere Errungenschaften beim Schreiben. Wirklich groß was besonderes ist „The Goldfinch“ jetzt aber nicht. Mal abgesehen von der turbulenten Eröffnung mit dem Attentat ist das hier ein stinknormale, extrem in die Länge gezogene Coming-Of-Age-Story, in der es um Drogen, Alkohol und die Suche nach dem Sinn im Leben geht. Theodore Decker ist jetzt kein besonderer Charakter, zu dem man sich stark hingezogen fühlt. Er ist halt ganz normal für diese Art des literarischen Genres.

Dazu hat mich einfach auch sehr Tartts extremer Hang zur Dramatik und zu Zufällen gestört. Die ganze Story von „Der Distelfink“ basiert darauf, dass Theo ständig Leute verliert. Erst seine Mutter und danach gibt es eben noch zwei Tote, die ein wenig aus dem Himmel gegriffen sind – das alles wirkt sehr konstruiert, schafft noch mehr Drama in einem literarischen Leben, das von Beginn an schon ziemlich hart gewesen ist. Nur noch mehr Drama draufschütten, sorgt jetzt auch nicht dafür, dass ich mehr mit Theo mitleide. Das Gemälde des Distelfinks ist dann auch immer noch ständig Thema und auch darum drehen sich ein paar sehr konstruiert wirkende Zufälle… immerhin schafft es Tartt kurz vor Ende ihres 800 Seiten Romans noch, einen witzigen Twist einzubauen, der das sonst recht träge Buch kurzzeitig ein wenig aufwertet, nur um dann zu einem unpassenden und wildem Ende zu führen.

Irgendwie hatte ich die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl, dass Tartt nicht so wirklich wusste, was sie nicht noch alles in dieses Buch packen soll. Hätte mich irgendwann nicht gewundert, wenn Theo in seinem Drogenrausch noch wilde Visionen von der Zukunft gehabt hätte, in der ihm ein animatronischer Distelfink von der Apokalypse erzählt. Aber Spaß beiseite: „The Goldfinch“ ist extrem gestreckt, recht unspektakulär und liefert jetzt nicht, was mir wirklich in Erinnerung bleiben wird – außer das wirklich schöne Gemälde von Fabritius, das diesen kleinen, unschuldigen Distelfink zeigt.

4 Kommentare leave one →
  1. 26. Januar 2020 12:00

    Hab ich nach knapp 100 Seiten abgebrochen. War mir zu langweilig.

    • donpozuelo permalink*
      26. Januar 2020 12:22

      Das war definitiv die richtige Entscheidung. Es wird auch nicht wirklich besser… warum ich weitergelesen habe, kann ich auch nicht eindeutig sagen 🤣👍

      • 26. Januar 2020 14:04

        Mir hat der Stil schon nicht zugesagt. Ist bei mir ohnehin bei den meisten „Preisgewinnern“ und „Bestsellern“ der Fall. Ich denke da eigentlich immer „Nette Idee, aber kann man noch generischer schreiben?“ Hatte ich auch beim hochgelobten „Die Geschichte der Bienen“. Das habe ich aber immerhin durchgezogen, weil die historische Komponente einigermaßen interessant war.

        • donpozuelo permalink*
          26. Januar 2020 18:37

          Ja. Der Stil war wirklich sehr unspektakulär. Da habe ich mich auch gefragt, nach welchen Kriterien diese Preise vergeben werden.

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