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Der Höllenjunge und die Apokalypse

18. Dezember 2019

Wenn es Ankündigungen zwecks einer Neubesetzung eines beliebten Film-Charakters gibt, versuche ich immer, neutral zu bleiben. Eine Ankündigung allein sagt ja noch nichts aus. Selbst wenn sie mir morgen jemanden als neuen Indiana Jones vorstellen würde, würde ich erst einmal nicht so viel dagegen sagen (zumal Harrison Ford für „Indiana Jones 5“ einfach wirklich viel zu alt ist). Ich hatte nie etwas gegen Daniel Craig als Bond zu sagen, als er die Rolle bekam und ich wollte mir auch kein vorschnelles Urteil über einen gewissen Ben Affleck als Batman bilden (genauso wenig wie ich es jetzt mit Robert Pattinson machen werde). Ähnlich bin ich es auch angegangen, als uns verkündet wurde, dass „Stranger Things“-Star David Harbour der neue Hellboy sein würde. Klar, Ron Perlman ist und bleibt Kult und wird immer Hellboy sein. Aber nach dem ersten Bild von Harbour in Make-Up und Kostüm, war ich durchaus gewillt, dem neuen Hellboy eine Chance zu geben. Leider (?) bin ich erst jetzt dazu gekommen.

Im Mittelalter schaffte es König Arthur nur mit Mühe und Not, die gefährliche Blood Queen Nimue (Milla Jovovich) zu besiegen. Mit Hilfe Excaliburs zerteilte er ihren Körper und ließ die einzelnen Teile verstecken. Doch jetzt in unserer Zeit wird Nimue wieder zum Leben erweckt. Aufhalten kann sie nur einer: Hellboy (Harbour).

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit, alle vier dicken „Hellboy“-Omnibusse von Mike Mignola gelesen… und ich muss sagen, wer sich für Gothic Horror mit einem Touch schwarzen Humor und einer großartigen eigenen Mythologie interessiert, sollte die Hellboy-Comics unbedingt lesen. Guillermo del Toro hat mit seinen beiden Filmen versucht, eher etwas Eigenes zu erschaffen. „The Descent“-Regisseur Neil Marshall bedient sich da direkter bei den Comics. Kompendium 3 mit dem Stories „Darkness Calls“ und „The Wild Hunt“ liefern die Grundlage für „Hellboy: Call of Darkness“.

Für mich als jemand, der die Comics gerade gelesen hat, war das ganz interessant. Das Problem ist nur, dass das Drehbuch zu viele kleine Versatzstücke mit einbaut, die der Film nicht unbedingt gebraucht hätte. Die Jagdgesellschaft mit den Riesen zum Beispiel – hat für mich auch schon vom Ton her nicht so unbedingt gepasst. Auch Hellboys kurzes Treffen mit Baba Yaga wirkte eher überflüssig. Das sind so Sachen, die im Comic gut ausgebaut werden, hier aber einfach zu viele nicht weiter ausgebaute Stories liefern. Nur Nimue hätte für den Film auch gereicht.

Der ist so nämlich überfrachtet, aber auch sehr langweilig. Leider schafft es Marshall nämlich nicht, mal ein paar ruhige Charakter-Momente zu finden, in denen Hellboy oder seine Mitstreiter in den Vordergrund gerückt werden. Alles geht hier schnell schnell! Schnell mal die Origin-Story von Hellboy, von seinem Mitstreiter Ben („Lost“-Star Daniel Dae Kim). Schnell mal Baba Yaga. Schnell mal Rückblende Nimue. Schnell mal dies und das… Der neue „Hellboy“ rast durch seine Story und vergisst sich dabei irgendwie selbst.

Dazu kommt, dass das berühmt-berüchtigte R-Rating zwar zu sehen ist, aber auch nicht wirklich was bringt. Del Toro hat es auch ohne geschafft… Marshall schafft es nicht einmal mit. Er nutzt zwar alle Möglichkeiten des R-Ratings aus und es fließt viel CGI-Blut und es fliegen viele Gliedmaßen und Köpfe. Aber, so blöd das jetzt auch klingen mag, dem Ganzen fehlt einfach das Herz. Das hier ist kein „Deadpool“, das ist einfach nur Mist.

„Deadpool“ ist ein weiteres gutes Stichwort: Der Humor in „Hellboy“ funktioniert meiner Meinung nach auch überhaupt. Wenn man das Fluchen und die dummen und leider auch eher schlechten Oneliner überhaupt als Humor bezeichnen kann.

„Hellboy: Call of Darkness“ fehlt einfach das Herz. Alles ist überhastet und überfrachtet. Die Darsteller kommen gar nicht so richtig zur Geltung und kämpfen verzweifelt gegen das schlechte Skript an. Einzig und allein die Monster aus der Hölle, die am Ende des Films kurz mal vorbeischauen, sehen wirklich cool aus. Alles andere ist eher „meh“.

Wertung: 3 von 10 Punkten (dann doch lieber die guten alten Ron-Perlman-Guillermo-del-Toro-Filme)

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