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Eleven – A Carrie Story

6. März 2020

Ich habe bislang noch nichts von Comic-Autor Charles Forsman gelesen. Aber so langsam kommt man an dem guten Mann einfach nicht mehr vorbei. Sein Comic „The End of the F***ing World“ wurde zu einer Serie… die ich aber nach ein paar Folgen abgebrochen habe. Irgendwie wollte das bei mir nicht so wirklich ziehen. Dementsprechend war ich auch skeptisch, als Netflix mir eines Freitagabends die neueste Forsman-Comic-Verfilmung vorschlug: „I Am Not Okay with This“. In der Hauptrolle „It“-Star Sophia Lillis und produziert von Shawn Levy, Produzent von „Stranger Things“. Klang alles vielversprechend… stutzig machte mich dann nur die Runtime der ersten Staffel. Die Folgen sind meist kaum länger als 20 Minuten, manchmal sogar kürzer. Die komplette Season kann man in zweieinhalb Stunden gucken – wie ein etwas längerer Film. Was man vielleicht auch so machen sollte, denn so entfaltet sich ein kleines, feines Meisterwerk, das mir wider Erwarten sehr viel Spaß gemacht hat.

Sydney Novak (Lillis) hat es nicht einfach: Ihr Vater hat sich vor einem Jahr im Keller umgebracht. Seitdem lebt Sydney mit ihrem kleinen Bruder und ihrer Mutter allein in dem Haus. Dort herrscht Frust, weil nie jemand wirklich über den Vorfall sprechen will. Ihr Vertrauenslehrer rät Sydney dazu, Tagebuch zu führen… in dem sie uns dann von ihrem Frust erzählt; von ihrer unerwiderten Liebe zu ihrer besten Freundin Dina (Sofia Bryant), die mit dem furchtbaren Brad (Richard Ellis) zusammen ist – Quarterback-Superstar und Vollidiot und von ihrem Nachbarn Stanley Barber (Wyatt Oleff), der seinerseits in Sydney verliebt ist… ach ja, und von der Tatsache, dass Sydney auf einmal Superkräfte entwickelt, die sich immer dann manifestieren, wenn sie wütend ist oder unter Druck steht.

 

„I Am Not Okay With This“ ist wunderbar… wunderbar fies, wunderbar ironisch, wunderbar tragisch, wunderbar lustig, wunderbar wunderbar. Es ist nach „Sabrina“ und „Sex Education“ auch wieder eine dieser Netflix-Serien, bei der man die Zeit, in der alles spielt nicht so richtig einordnen kann. Es sieht aus, als wäre es eine 80er-Jahre-Show, aber wenn die Leute dann mit Smartphones um die Ecke kommen, wird einem doch wieder klar, dass das hier die Moderne sein soll. Eine sehr nostalgische Moderne, die noch sehr an dem 80er-Flair hängt, weil alle das ja gerade immer noch verdammt cool finden.

Aber ansonsten ist „IANOWT“ echt großartig. Sydney ist wirklich eine Mischung aus „Carrie“ und „Eleven“. Beides passt wegen der merkwürdigen neuen Fähigkeiten, „Carrie“ passt noch mehr, weil das Ganze auch ein wenig diesen Coming-of-Age-Charakter mit sich bringt. Die Serie macht gerade wegen seiner Charaktere einfach unglaublich viel Spaß – das Trio Sophia Lillis, Sofia Bryant und Wyatt Oleff ist großartig. Lillis funktioniert als nüchterne Erzählerin, als verzweifelt Verliebte, als überforderter Supermensch mit merkwürdigen Fähigkeiten. Oleff mimt den Nerd und Mentor, der mit Hilfe von Comics versucht, Sydneys Origin nachzuvollziehen. Sofia Bryant funktioniert super als Love Interest und beste Freundin. Die Chemie zwischen den Darstellern stimmt einfach und macht einen kleinen, aber sehr sympathischen „Breakfast Club“ aus diesen Leuten.

Ich habe mich manchmal echt kaputt gelacht, weil dieser Mix aus Drama und Komödie und Superhelden-Origin einfach perfekt funktioniert. Die Serie hat von Anfang an ihren Groove gefunden und geht mühelos durch alle emotionalen Ebenen in Sydneys Leben. Die Spannung wird nicht nur wegen ihrer wachsenden Kräfte gehalten, sondern einfach auch dadurch, wie sich die Beziehungen in ihrem Leben entwickeln – zu Dina, zu Stanley, aber auch zu ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder. Alles läuft natürlich darauf hinaus, mehr über ihren Vater zu erfahren… und über ihre Fähigkeiten.

Wie gesagt, „IANOWT“ kann man super in einem Stück gucken, die Serie ist super. Dazu kommt noch ein klasse Soundtrack und verfeinert die erste Staffel einwandfrei. Also: Unbedingt gucken!!! Ich werde mir jetzt wohl mal wirklich den Comic besorgen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (schöne Mischung aus Coming-Of-Age-Drama mit Superhelden-Attitüde und „Breakfast Club“-Anteil)

2 Kommentare leave one →
  1. 7. März 2020 18:44

    Interessant, jetzt muss ich auch noch gefühlte 1000 Netflix Serien nachholen :))

    • donpozuelo permalink*
      8. März 2020 07:49

      I Am Not Okay With This kannst du eigentlich wie einen Film gucken. Die 7 Folgen sind so kurz, dass das Ganze insgesamt nur etwas länger als 2 Stunden ist.

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