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Das Herz der Insel

24. Juni 2016

„Die waren ja doch alle die ganze Zeit tot und die Insel nur so was wie das Fegefeuer!“ Wenn ich solche Kommentare zu „LOST“ höre, dann fährt mir immer ein kalter Schauer über den Rücken. Erst neulich habe ich wieder so einen Artikel gelesen, in dem es um die enttäuschendsten Serien-Finale aller Zeiten ging… und die Autorin des Artikels packte natürlich „LOST“ irgendwo auf die vorderen Plätze mit der Begründung, der Twist, dass alle doch schon längst tot gewesen sind, wäre ziemlich blöd und enttäuschend. Also gut genug, um die komplette Serie auf einen der Top-Plätze in so einer Liste zu verdammen. Ganz offensichtlich hat die gute Dame das Finale und die komplette sechste Staffel nicht wirklich verstanden… denn es stimmt ganz und gar nicht, dass alle von Anfang an schon tot waren. Alles, was von der ersten Staffel bis jetzt zur letzten auf der Insel passiert ist, ist auch wirklich passiert… Ignoranten!!!! 😀

Also gut… begeben wir uns nun ein letztes Mal auf unsere Insel, wo der Mann in Schwarz in der Gestalt von John Locke (Terry O’Quinn) es tatsächlich endlich geschafft hat, Jacob (Mark Pellegrino) zu töten… und somit endlich seine Möglichkeit gefunden hat, von der Insel zu verschwinden. Doch zum Glück hat Jacob vorgesorgt und all seine Kandidaten für den Posten als Herrn der Insel auf eben jener versammelt. Und somit haben Jack (Matthew Fox) und Co. eine letzte Sache zu erledigen, um zu verhindern, dass das Rauchmonster die Insel verlässt und Unheil in der Welt anrichtet.

Jetzt erst mal ne Pause…

Die Geschehnisse auf der Insel sind ja eigentlich noch ziemlich gradlinig und eindeutig: der letzte Kampf Gut gegen Böse hat begonnen, bei dem das Böse in Form von Locke immer mehr der ehemaligen Kandidaten scheinbar für sich gewinnen kann. Dabei muss ich einfach noch einmal hervorheben, wie großartig ich Terry O’Quinn als Nicht-Locke fand. Man spürt selbst in dem kleinsten Lächeln, dass hier nicht mehr Locke anwesend ist, sondern etwas, das viel mächtiger und unheimlicher zugleich ist. Und wie dieses Etwas so nach und nach das Netz um die restlichen Kandidaten wickelt, ist unglaublich spannend.

Zudem gelangen wir endlich zum geheimnisvollen Herz der Insel, jener leuchtenden Höhle, von der wir nie so ganz wissen, was das Licht eigentlich wirklich bedeutet. Ich habe letztens im Zusammenhang mit meiner erneuten Sichtung von „LOST“ eine coole Theorie gefunden, die besagt, das Licht wäre weder etwas Göttliches oder etwa Güte, sondern einfach Zeit… von der jeder mehr haben möchte und die, falsch eingesetzt, Unheil anrichten könnte. Ich verlinke das Ganze mal hier, weil ich es nie so plausibel zusammen kriegen würde, aber ich fand die Theorie ganz interessant.

Noch interessanter finde ich halt einfach, dass es nur eine Theorie ist und dass sich die Macher eben nicht in einer großen Erklär-Folge hinsetzen und mit uns alles durchgehen, was nun wirklich mit der Insel ist. Schließlich hat man mit allen Staffeln genügend Informationen, um sich das Grundgerüst Insel zu erklären… und außerdem macht es einfach sauviel Spaß, mal nicht alles vorgekaut zu bekommen, sondern es noch einmal ausdiskutieren zu können. Viele haben sich ja an dieser Tatsache gestört und von der Serie verraten gefühlt, aber ich mag das Finale einfach.

Womit wir dann zum zweiten Punkt kommen: dem zweiten Erzählstrang, der uns scheinbar nach der Explosion der Bombe in Staffel 5 zeigt, was passiert wäre, wenn Flug 815 nie abgestürzt wäre. Nur ist das ja nie wirklich ein „Was wäre, wenn“-Szenario, sondern scheint etwas ganz anderes zu sein. Denn obwohl sie sich auf der Insel nie getroffen haben, scheinen die „Überlebenden“ trotzdem mit einander verbunden zu sein und kreuzen immer wieder die Wege miteinander. Bis zu dem Zeitpunkt, wo mein LieblingsLOSTIE Desmond (Henry Ian Cusick) hinter den Vorhang schaut und erkennen muss, dass selbst in dieser Zeitschleife die Geschehnisse der Insel Wirklichkeit gewesen sind – und es nun seine Aufgabe ist, die anderen „aufzuwecken“.

Wie uns ja später erklärt wird, ist dieser zweite Story-Verlauf so eine Art kollektives Fegefeuer, dass die LOSTies für sich geschaffen haben, um sich nach dem Tod jedes einzelnen wiederzutreffen, um gemeinsam den nächsten Schritt zu wagen. Dabei wird hiermit nicht gesagt, und ich wiederhole das gerne noch einmal, dass alle schon von Anfang an tot waren. Nur dass sie sich nach dem Tod alle dort treffen… als kann eine Kate (Evangeline Lilly) auch 90 Jahre alt geworden sein, bevor sie auf alle ihre Insel-Freunde wiedertrifft.

Ich mochte diese Nebenhandlung und ich gestehe, ich heule mir auch jetzt noch fast die Augen aus, wenn im Finale alle wiedererkennen, wer sie auf der Insel waren und was sie einander bedeutet haben. Das mag zwar hier und da schon fast an Kitsch anmuten, aber ich finde es einfach nur toll – vor allem, weil wirklich ja fast alle Darsteller wiederkommen… gleichzeitig finde ich selbst so kleine Nuancen, dass beispielsweise ein Ben Linus (Michael Emerson) noch nicht weiterzieht, irgendwie sehr schön. Er gehörte halt nie so richtig dazu – zum einen, weil er seine Menschen zum Weiterziehen noch nicht gefunden hat, zum anderen weil er nach wie vor einer der besten Serien-Bösewichte aller Zeiten bleiben wird: Arschloch und Sympath, Monster und Freund in einem.

Man merkt also unschwer, dass ich zu der Kategorie Seriengucker gehöre, die das Finale von „LOST“ wirklich, wirklich mochten. Ich bringe Verständnis auf für jeden, dem es nicht gefallen hat – auch wenn mir das schwer fällt. Aber „LOST“ ist letztendlich für mich auch so eine Serie, die es geradezu verlangt, öfter geguckt zu werden… was natürlich ein blödes Argument ist für jeden, der mit der Serie nichts anfangen konnte. Allerdings sind mir das jetzt zu negative Abschlussworte für diese wunderbare Serie, weswegen ich damit schließe, wie toll und grandios ich sie finde und wie sehr ich immer wieder Gänsehaut habe, wenn der gute Jack am Ende mit ansehen kann, wie das Flugzeug über ihm davon und seine verbleibenden Freunde in Sicherheit fliegt.

Wertung: 10 von 10 Punkten (das sind sie ein letztes Mal, die zehn Punkte, das muss einfach sein 😉

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24 Kommentare leave one →
  1. 24. Juni 2016 08:52

    Ich bin ja von jeher Verfechter der Zeit-Theorie. Das erklärt nämlich so einiges.

    Allerdings bin ich kein großer Fan der letzten Staffel, weil die erstens nicht in die Gänge kommt und zweitens die Writer schon am Anfang einige Entscheidungen treffen, die ich innerhalb des Serienkontextes total schwachsinnig finde. Und das will bei einer Serie wie Lost was heißen. Immerhin haut man zum Schluss dann so richtig auf die Kacke und mit dem Ende kann ich auch sehr gut leben.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juni 2016 09:11

      Ich kannte die Zeit-Theorie so noch gar nicht, aber ja, letztendlich macht sie wirklich sehr viel Sinn und erklärt so einiges, was auf der Insel vor sich geht.

      Aber was genau meinst du mit den schwachsinnigen Entscheidungen am Anfang??? Nur so aus Interesse 😉

      • 24. Juni 2016 11:00

        Ganz oben auf der Liste: Sayids Tod und Wiederauferstehung. Das war das erste Mal im Verlauf der Serie, wo ich gedacht habe: „Okay. Jetzt habt ihr die Linie überschritten.“ Dazu kommt dann, dass der Tempel, der vorher 3Staffeln lang als der geilste Scheiß seit den DHARMA-Bunkern aufgebaut wurde, einfach komplett unnütz war. Inklusive aller Leute darin. Das war einfach ein gewaltiger Letdown und zudem der Punkt, an dem klar wurde, dass die Writer nur noch die Folgen füllen wollen, damit sie zum Finale kommen können. Die erste Hälfte der letzten Staffel ist einfach nicht gut. Dazu dann noch Lahmarsch-Kate, die schon 3 Staffeln vorher ins Gras hätte beißen müssen, weil sie einfach komplett unwichtig geworden ist und der extrem lahme Beginn der Sidestory mit der sicheren Landung in LA. Das hat sich alles einfach unendlich gezogen.

        • donpozuelo permalink*
          24. Juni 2016 11:11

          Hmm… verdammt, da kann ich jetzt nicht einmal was gegen sagen 😀 Gerade bei Sayid muss ich dir wohl auch zustimmen, das war wirklich ein bisschen überflüssig. Und ja, auch der Tempel ist vielleicht letztendlich nicht das gewesen, was man sich davon erhofft hat.

          Aber irgendwie kann ich das dank der rosaroten LOST-Brille, die ich dann immer wieder auf habe, wenn ich das alles gucke, verschmerzen.

        • 24. Juni 2016 11:57

          Wie gesagt, bin ich auch Fan der Serie. Aber ich bin nicht blind vor den eklatanten Schwächen, die sich vor allem in den späteren Staffeln auftun. Trotzdem ist die Serie ein echter Knaller.
          Ich werde da auch irgendwann mal im Blog genauer drauf eingehen, wenn ich die Zeit und Lust habe, mir das mal wieder anzugucken. Da haben wir dann sicher noch mehr Diskussionstoff.

        • donpozuelo permalink*
          24. Juni 2016 14:20

          Haha… ja, mach das!

      • 24. Juni 2016 17:04

        Nicht unbedingt am Anfang. Aber wie wäre es mit Jin und Sun, die lieber gemeinsam sterben als sich um ihre Tochter zu kümmern? Das fand ich schon etwas Banane.

        • donpozuelo permalink*
          24. Juni 2016 22:26

          Ja, okay… auch das ist eine merkwürdige Angelegenheit, die ich dir geben muss… aber gut, im Eifer des Gefechts hat Jin, der seine Tochter ja auch nur von Bildern her kannte, das wohl vergessen und wollte lieber an der Seite seiner großen Liebe sterben, als noch einmal allein zu sein. Ein bisschen Kitsch darf auch sein…

        • 24. Juni 2016 22:48

          Na gut 😦

        • 24. Juni 2016 22:48

          😉 Der sollte es sein

  2. 24. Juni 2016 09:08

    Schön, dass dir das Finale so gut gefallen hat… 🙂

    Auch wenn es natürlich stimmt, dass sie nicht vom Anfang an im Fegefeuer waren, so fand ich es dennoch seeeehr hinkonstruiert mit den Flash-Sideways. Emotional hat mich das Finale jedoch auch wunderbar abgeholt, da bin ich ganz bei dir.

    Ein wenig mehr Erklärungen hätte ich mir aber gewünscht. Du hast nun zumindest erreicht, dass ich wieder unglaublich viel Lust auf „Lost“ bekommen habe. Mist! 😆

    • donpozuelo permalink*
      24. Juni 2016 09:13

      Dann habe ich ja mein Ziel erreicht… 😀

      Fandest du das wirklich so hinkonstruiert? Ich fand’s eigentlich ziemlich cool, gerade weil ich beim ersten Mal gucken anfangs einfach wirklich gar nicht kapiert habe, was das jetzt nun alles sein soll. Ich fand’S eigentlich ziemlich gut gemacht.

      Die Frage, ob nun mehr Erklärungen hilfreich / gut gewesen wären, ist eine, die mich immer wieder beschäftigt. Man hätte vielleicht hier und da ein paar Sachen deutlicher machen können, aber letztendlich finde ich es so genau richtig… man kann sich halt schon ziemlich viel gut alleine zusammenstellen.

      • 24. Juni 2016 17:10

        Ich fand das Finale prinzipiell auch toll und die fehlenden Antworten eigentlich nicht so schlimm. Mir ging es nur so, dass in der letzten Staffel so richtig deutlich gemacht wurde, wie viele Stränge der vorangegangenen Staffeln ins nichts verlaufen sind, weil man keinen Plan hatte.
        Nicht falsch verstehen: ich glaube den Machern wirklich, dass der Start und das Finale von vornherein so geplant war. Und in der Mitte sollte dann mysteriöses Zeug passieren. Was genau wird sich schon irgendwie entwickeln oder auch nicht.

        • donpozuelo permalink*
          24. Juni 2016 22:24

          Hmmm… viele Stränge, die ins Nichts verlaufen??? Empfand ich jetzt nicht so schwerwiegend, wenn ich ehrlich sein soll… ich fand auch nicht, dass es planlos wirkte. 😀

        • 24. Juni 2016 22:47

          Ich muss die Serie noch mal durch gucken. Dann mache ich eine Liste. 😉

  3. 1. Juli 2016 14:27

    Mhm, nee. Ich gehöre ja durchaus nicht zu den Verächtern der letzten Staffel, die war schon okay – mit dem finalen Twist kann ich leben (Hö hö). Trotzdem passiert aber viel Unnötiges (die „Was wäre, wenn das Flugzeug nie abgestürzt wäre“-Sideflashs, der Tempel, Richard), und im Rückblick wünscht man sich doch, die Jacob-vs-Smokemonster-Story wäre enger mit den Geschehnissen der ersten Staffeln verknüpft gewesen. Die groben Ideen waren wohl von Anfang an da, aber ich kann trotzdem den Eindruck nicht abschütteln, dass die Autoren in Staffel 4-6 eine Menge aus dem Bauch heraus zusammengebastelt und deutlich weniger Wert auf die Integration in ein mythologisch ausgefeiltes Großes Ganzes gelegt haben. (Bzw. irgendwann einfach an zu vielen offenen Fragen kollossal gescheitert sind.) Mittellange Rede, kurzer Sinn: Ein okayes Finale für eine großartige Serie, das die volle Punktzahl aber ganz sicher nicht verdient.

    • donpozuelo permalink*
      4. Juli 2016 09:03

      Ich finde schon, dass die volle Punktzahl verdient ist, war ich doch am Ende mehr als zufrieden. Ich weiß noch genau, wie ich damals Blut und Wasser geschwitzt habe, weil ich Angst hatte, das Finale wäre absolut furchtbar und würde mich unbefriedigt zurücklassen. Ich wurde nicht enttäuscht und kann daher gerne über die ein oder anderen „unnötigen“ Handlungsstränge hinwegsehen… auch wenn ich sie nicht unbedingt als „unnötig“ beschreiben würde. 😀

  4. 1. Juli 2016 15:32

    Hach, schön. Ich hab ja schon zig Mal gesagt, dass ich ebenso wie du das Finale sehr gelungen finde – und die Kritik anderer sehr nervig. Umso weniger schön ist es, dass diese Mis-Interpretation sich so enorm verbreitet hat und als „Witz“ soviel Anklang findet. Ich weiß nicht mehr wo es war, aber in irgendeiner anderen Fernsehsendung wurden Anspielungen darauf gemacht, dass bei LOST von Anfang an angeblich alle tot gewesen wären. Da habe ich mich sehr geärgert … andererseits ist Kontroversität ein starker Magnet.
    Schmeckt mir aber auch nicht 😉 Ich verstehe gar nicht wie man das so interpretieren kann. Es wird in der letzten Folge eindeutig gesagt, was es mit den Flashbacks auf sich hat. Und ich bin gleich wieder ganz gerührt, wenn ich daran denke wie Hurley Ben gebeten hat ihm zu helfen bei … naja du weißt schon. ;_; Bens Blick in dem Moment.

    • donpozuelo permalink*
      4. Juli 2016 09:01

      Ja, woher diese Theorie, sie wären alle schon lange tot gewesen, kommt, würde mich auch mal interessieren. Aber das liegt dann wahrscheinlich daran, dass gerade die, die es nicht verstanden haben, das Ganze so herausposaunen und es dann irgendwie hängen bleibt.

      Ich bleibe ein großer, großer Fan der Serie, des Finales und werde es immer bleiben. Und ja, Ben ist für mich nach wie vor ein toller Charakter, einer der besten der Serie… so komplett unvorhersehbar. Toll gemacht!!!

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