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Quis custodiet ipsos custodes?

5. Februar 2020

Als ich das erste Mal las, es würde zu Alan Moores großartigem Comic-Meisterwerk „Watchmen“ einen Film geben, war ich mehr als nur skeptisch. Ich bin zwar auch nach dem Film kein zu großer Fan davon, aber muss doch eingestehen, dass Zack Snyder wirklich einen guten Weg gefunden hat, um Moores Vision auf die Leinwand zu bringen. Dennoch bleibe ich lieber dem Comic treu. Als ich das erste Mal hörte, Damon Lindelof würde an einer „Watchmen“-Serie arbeiten, war ich mehr als nur skeptisch. Nicht wegen Lindelof, den ich dank Serien wie „LOST“ und „The Leftovers“ wirklich sehr schätze, sondern einfach wegen der Serie… die kein Remake des Films oder eine Neuverfilmung des Comics sein sollte, sondern eine Art Sequel. Ganz ehrlich, ich habe im Leben nicht geglaubt, dass das gut werden könnte. Umso schöner, dass mich Lindelof und seine Serie eines Besseren belehrt haben.

Willkommen in Tulsa, Oklahoma. Eine Stadt geprägt von Rassismus: 1921 kam es zu einem Massaker, bei dem ein wütender weißer Mob sämtliche Afroamerikaner der Stadt aufreibt und förmlich abschlachtet. Weihnachten 2016 bringt die White Supremacy Gruppe „The Seventh Cavalry“ mehr als 40 Polizisten um. Aufgrund dieser „White Night“ dürfen Polizisten nun 2019 Masken tragen, um ihre Identität zu verbergen. Eine dieser Polizisten ist Angela Abar (Regina King), die als Sister Night für Recht und Ordnung sorgt… und ein Problem hat: Die mit Rorschach-Masken getarnte „Seventh Cavalry“ plant etwas – und dieses Mal scheint es die schlimmste Aktion der Organisation zu werden.

„Watchmen“, dann muss man gleich vorwegsagen, spielt direkt auf den Comic an. Darin lässt Ozymandias ein riesiges Krakenmonster über New York erscheinen, das als außerirdisches, interdimensionales Monster 3 Millionen Menschen umbringt und als gemeinsamer Feind der Menschheit dafür sorgt, dass der Kalte Krieg beendet wird. So regnet es aufgrund interdimensionaler Störungen immer mal wieder kleine Tintenfische auf Tulsa. Allein das fand ich schon mal interessant… und tatsächlich muss ich sagen, dass ich die Idee der Weiterführung des Comics 35 Jahre in der Zukunft ziemlich gelungen fand.

Die Serie erzählt dabei eine komplett neue Geschichte, wirft aber immer wieder gekonnt Hinweise zum Comic und zu den Geschehnissen der ursprünglichen Watchmen mit ein. Die Präsenz von Ozymandias und Rorschach ist stets zu spüren, haben sie beide doch diese neue Zukunft stark geprägt. Interessant ist aber auch tatsächlich das Auftauchen das Auftauchen  von FBI-Agentin Laurie Blake (Jean Smart), die wir besser als Silk Spectre kennen. Lindelof geht sehr respektvoll mit dem Comic um, würdigt immer wieder die Vorlage von Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons. Es werden auf clevere Art und Weise einige offene Fragen des Comics beantwortet. Wäre das unbedingt nötig gewesen? Nein! Ist es trotzdem irgendwie cool, das so zu sehen? Auf jeden Fall – gerade weil es wirklich gut gemacht ist!

Vor allem auch, in dem er seiner Serie noch einen Prequel-Charakter hinzufügt. In den „Watchmen“-Comics wird immer wieder auf die Minute Men eingegangen, der erste Zusammenschluss von maskierten Superhelden. Diese Geschichte verknüpft Lindelof gekonnt mit den Rassenausschreitungen und erschafft eine unglaublich bewegende und spannende Origin-Story zum Superhelden Hooded Justice.

Damit hätten wir also schon einmal ein würdiges Sequel und ein interessantes Prequel in der „Watchmen“-Serie. Spannend ist aber auch die eigene Geschichte rund um Sister Night. Ähnlich wie die Original-Story aus dem Comic geht es auch hier politischer zu – gerade die Fragen, wie viel Polizei darf und wie man gegen Rassismus vorgehen muss, treiben die Story gut voran. Dabei ist das Ganze einfach sehr spannend und mit vielen cleveren Cliffhangern versehen, sodass man einfach nur weitergucken muss.

Regina King ist wahrlich die Königin dieser Serie, aber auch Jean Smart ist großartig. Tim Blake Nelson spielt eine interessante neue Version von Rorschach und Jeremy Irons spielt einen Adrian Veidt, der einfach nur großartig ist.

Diese kleine Mini-Serie (ich bete zu Gott, dass es keine zweite Staffel irgendwann geben wird, da die Serie perfekt endet) ist tatsächlich ein Muss für jeden Fan des Films und / oder des Comics. Denn ein kleines bisschen Vorwissen ist schon notwendig, um das volle Ausmaß dieser Serie schätzen zu wissen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (tolles Sequel und Prequel, großartige neue Story)

8 Kommentare leave one →
  1. 5. Februar 2020 08:36

    Ich hatte das Vorwissen nicht, weswegen ich in den ersten Folgen sehr verloren war. Es war zwar gut zu sehen, dass sich am Ende doch alles zusammen fügt, trotzdem war ich nicht ganz so euphorisch wie du. Bei mir gab es deshalb „nur“ 7 Punkte 😉

    • donpozuelo permalink*
      6. Februar 2020 17:45

      Ich glaube, meine Euphorie stammt auch daher, dass ich so unendlich skeptisch war und wirklich an diese Serie rangegangen bin, dass die nichts taugen wird… 🤣

  2. 8. Februar 2020 10:58

    Die bekommt man aktuell noch nirgendwo regulär her, außer auf Sky, oder?

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2020 13:51

      Ich hab sie auf Prime gesehen, habe sie mir da mit meinem Bruder zusammen gekauft.

    • donpozuelo permalink*
      8. Februar 2020 13:52

      Ob Sky die auch hat, weiß ich gar nicht…

      • 10. Februar 2020 13:30

        HBO-Sachen kommen ja automatisch zu Sky

        • donpozuelo permalink*
          10. Februar 2020 14:24

          Ah… ich bin da in dem Sky-Kram nicht so wirklich drin…

Trackbacks

  1. Manorgate | Going To The Movies

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